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Wirtschaft t tschaft t in Baden-Württemberg

Ausgabe 3 | 2014

Ein Gemeinschaftsprodukt der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten

Preis 3,20 Euro | 87639

Editorial

Einzelhandel

Erst staunen, dann kaufen

Eine Traditionsbranche sucht nach neuen Wegen.

Konsum Die alte Erfolgsformel gilt weiter: Wer erfolgreich sein will, muss Einkaufen zum Erlebnis machen. Von Thomas Thieme

SCHWERPUNKT SEITE 1 BIS 8

Harte Sanierer Interimsmanager werden immer jünger. SEITE 11

N

Unentbehrlich Der Finanzplatz Stuttgart pusht das Wachstum. SEITE 27

Illustration: Malte Knaack

Der Kampf um Kunden Shopping­Center und der boomende Online­Handel setzen traditionelle Läden unter Druck. Doch der Umbruch in der Branche birgt auch Chancen für innovative Unternehmen. Von Werner Ludwig Wettbewerb

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und jeder zehnte Euro, den deut­ sche Konsumenten ausgeben, lan­ det inzwischen im Online­ und Versandhandel – mit weiterhin steigender Tendenz. Gleichzeitig erhöhen neue Einkaufszentren den Druck auf alteingesessene Fachgeschäfte, von denen viele schließen müssen. Mit welchen Strategien kann der traditionelle Einzel­ handel auf die aktuellen Herausforderun­ gen reagieren, und welche neuen Chancen tun sich für findige Unternehmer auf? Ein achtseitiger Themenschwerpunkt in dieser Ausgabe von Wirtschaft in Baden­Würt­ temberg gibt Antworten. So sieht etwa der Handelsexperte Tho­ mas Roeb für klassische Bekleidungsge­ schäfte keine Zukunft. „Sie können sowohl preislich als auch von der Art des Angebots

nicht mit der Konkurrenz mithalten“, sagt der Professor von der Hochschule Bonn­ Rhein­Sieg im Interview. Trotzdem hält Roeb den stationären Textileinzelhandel nicht für ein Auslaufmodell. Für Ketten wie H&M oder Zara, die schnell auf Trends reagieren können, sieht Roeb weiter gute Perspektiven. Auch junge Leute wollten nicht nur online einkaufen, so der Experte. Während viele Händler das Internet als Bedrohung ihres traditionellen Geschäfts­ modells sehen, versuchen andere, mit der intelligenten Kombination von Online­ und Offline­Angeboten bei den Kunden zu punkten. Ein Beispiel dafür ist die Elektro­ nikkette Media­Markt, bei der man im Internet bestellen und die Ware in der nächsten Filiale abholen kann. Im Textil­ sektor verkaufen Hersteller wie Hugo Boss

oder Olymp einen wachsenden Teil ihrer Ware über eigene Shops – und machen damit den etablierten Modegeschäften zusätzlich Konkurrenz. Chancen für den stationären Einzelhan­ del sieht Björn Bloching, Senior Partner bei Roland Berger Strategy Consultants, dagegen im datenbasierten Marketing – beispielsweise in sogenannten Location­ Based­Services. Dabei wird der Kunde per GPS lokalisiert und erhält individuelle An­ gebote auf sein Smartphone, sobald er sich in der Nähe des entsprechenden Geschäfts befindet. „Verfügten vor zehn Jahren nur Großunternehmen über die Ressourcen für Data­Mining, so kann heute jeder Lie­ ferservice datenbasiert Kundenbindung betreiben“, sagt der Unternehmensberater und Autor des Buchs „Data Unser“.

eunundneunzig Euro und neun­ undneunzig Cent kostet ein statio­ närer Laden, wenn man ihn online bei Amazon bestellt – Lieferung inbegrif­ fen. Der Kaufladen „Tante Emma“ mit viel Zubehör ist für Kinder ab drei Jahren ge­ eignet und bietet laut Beschreibung alles, „was das Herz unserer kleinen Kaufleute höherschlagen lässt“: Ladentheke, Regal und Reklametafel aus Holz, dazu verschie­ dene Markenprodukte und einen Einkaufs­ wagen im Miniaturformat. Im Spielzeug­ laden ist also vieles noch so, wie es früher einmal war – ganz im Gegensatz zur realen Einzelhandelswelt, die mächtig in Bewe­ gung geraten ist. Die Branche sortiert sich von Grund auf neu. Schlagworte wie Niedergang des Fach­ handels, Untergang der Warenhäuser, La­ densterben und Verödung der Fußgänger­ zonen beschreiben die negativen Folgen. Ihnen gegenüber stehen der Online­Boom, die Expansion der Textilketten und der Sie­ geszug der innerstädtischen Einkaufszent­ ren. Die unterschied­ lichsten Konzepte – Internet und vom Fast­Fashion­ „Geiz ist geil“­ Discounter bis zum Kampagnen gehobenen Luxusan­ bieter – ringen ange­ haben die strengt um Markt­ Deutschen zu anteile. Gleichzeitig Sparfüchsen schrumpft das Stück vom großen Kuchen, erzogen. das die Handelskon­ zerne und zunehmend auch die Industrie unter sich aufteilen, immer weiter: Wäh­ rend der Anteil des Einzelhandels an den privaten Konsumausgaben 2003 noch knapp 34 Prozent betrug, waren es zehn Jahre später nur noch 29 Prozent. Die Deutschen kaufen zwar nach wie vor gern ein, allerdings steigen ihre Ausgaben für Wohnen, Energie und Verkehr kontinu­ ierlich. Und auch die nächste Urlaubsreise oder das neue Auto schmälern das Budget, das sonst in den Kassen des Einzelhandels landen würde. Nun ist die Bereitschaft, für Waren des täglichen Bedarfs tief in die Ta­ sche zu greifen, hierzulande ohnehin nicht sonderlich stark ausgeprägt. Da kam das Internet mit seiner einfachen Preisver­ gleichsfunktion gerade recht. Flankiert von „Geiz ist geil“­Kampagnen hat es die Deut­ schen zu echten Sparfüchsen erzogen. Dabei ist etwas auf der Strecke geblieben, das die eingangs erwähnten kleinen Kauf­ leute noch an ihren Läden zu schätzen wis­ sen und das ein echtes Entscheidungskrite­ rium sein kann: das Einkaufserlebnis. Da­ rauf besinnt sich der Handel nun wieder. Wahrscheinlich zu spät, um den Trend zum bequemen Online­Shopping umzukehren. Aber vielleicht noch rechtzeitig, um Kunden eine Alternative zu bieten, die nicht auf Ser­ vice und Beratung verzichten wollen oder einfach lieber an echten Schaufenstern vor­ beibummeln, als im Netz zu surfen und im Paketboten den einzigen menschlichen Kontakt zur Handelswelt zu haben. Einkaufslust bei den Kunden zu erzeu­ gen, ist übrigens kein neuer Trend, sondern ziemlich altmodisch: Schon als Ende des 19. Jahrhunderts die ersten großen Waren­ häuser wie Karstadt, Tietz oder Wertheim ihre Türen öffneten, stand das Staunen vor dem Kaufen. Die neue Kaufhauswelt mach­ te Erwachsene wieder zu Kindern. Auch wer im Handel des 21. Jahrhunderts erfolg­ reich sein will, kommt an dieser bewährten Erfolgsformel nicht vorbei.

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2 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Inhalt Interview

Nicht alle wollen nur online kaufen Der Wissenschaftler Thomas Roeb sieht weiter Chancen für den stationären Handel – wenn die Strategie stimmt. SEITE 3

Trends

Handel im digitalen Wandel Die Branche erlebt einen tiefgreifenden Umbruch. Das spornt viele Anbieter an, neue Wege zu gehen. SEITE 4/5

Markenshops

Hersteller als Verkäufer Modeproduzenten wie Hugo Boss oder Olymp setzen verstärkt auf eigene Läden – zu Lasten des Großhandels. SEITE 7

Pro & Kontra

Online­Shopping: Segen oder Fluch? Zwei StZ­Redakteurinnen debattieren aus Kundensicht über Vor­ und Nachteile des Einkaufens per Internet. SEITE 8

Arbeitsrecht

Achtung, ausgebootet! Ein Experte erklärt, was Geschäftsführer beachten sollten, wenn sie in Ungnade gefallen sind. SEITE 10

Berufsporträt

Experten für Geld und Technik Wirtschaftsingenieure sind in Firmen gefragt – das Aufga­ benspektrum ist fast unerschöpflich. SEITE 12/13

Private Finanzen

Unternehmensgewinn richtig angelegt In der Firma belassen oder herausziehen? Bei der Verwen­ dung des Gewinns kommt es auf Details an. SEITE 14

Ausgefragt

Willy Oergel

Erich Harsch und Götz Werner

Mode­ und Lifestyle­Fachmann

Vertrauen in die Mitarbeiter

An jedem zweiten Samstag im Monat steht ein großer, elegant gekleideter Mann auf der Verkaufsfläche eines Breuninger­Kaufhauses irgendwo in Deutschland, der im Hauptberuf das Unternehmen leitet. „Ich möchte den Kontakt zu unse­ ren Kunden nicht verlieren“, sagt Willy Oergel. Der gebürtige Stuttgarter, Jahr­ gang 1952, feiert gerade sein 30­Jahr­Dienstjubiläum bei der Warenhauskette. Seit September 2012 ist er Geschäftsführer des schwäbischen Traditionsunter­ nehmens, dessen Geschichte bis ins Jahr 1881 zurückreicht. Oergel ist verheira­ tet und Vater eines erwachsenen Sohnes. Er will Breuninger als Experten für Mode­ und Lifestyle­Fragen etablieren und orientiert sich dabei an renommier­ ten Warenhausketten in England (Selfridges, Harrods), Frankreich (Galeries Lafayette) oder den USA (Macy’s). Auch beim Thema Service hat der Manager, der einst von der Steigenberger­Hotelgruppe ins Warenhausgeschäft wechsel­ te, hohe Ansprüche. So gerät er regelrecht ins Schwärmen, wenn er von einem nächtlichen Einkaufsbummel in New York berichtet, bei dem ihm ein Apple­ Mitarbeiter kompetent sein neues iPhone programmiert hat. tht

Ein schweres Erbe hat der gebürtige Wiener Erich Harsch, Jahrgang 1961, im Mai 2008 angetreten, als er die Leitung der Drogeriemarktkette DM von deren Gründer Götz Werner übernahm. In den dreieinhalb Jahrzehnten zuvor hatte Werner ein Stück deutsche Handelsgeschichte geschrieben. Die Karlsruher waren lange die Nummer zwei im deutschen Drogeriemarkt und stiegen nach der Pleite Anton Schleckers zum Marktführer auf. Anders als der knausrige Konkurrent gestand Götz Werner seinen Mitarbeitern ein hohes Maß an Eigen­ verantwortung zu. Der Profit stand bei ihm nie an allererster Stelle. Harsch, seit 1981 im Unternehmen, war bereits von 2004 an Werners Stellvertreter. Nach seinem Wechsel an die DM­Spitze setzte er sowohl den Führungsstil als auch den Erfolgskurs seines Vorgängers fort. Heute arbeiten rund 50 000 Beschäf­ tigte in 3000 DM­Filialen. Die Renditeziele verliert der Vater eines Sohnes und einer Tochter bei aller Fairness gegenüber seinen Beschäftigten nicht aus den Augen: ein Prozent müsse am Ende des Jahres erreicht werden, verlangt Harsch, zuletzt tendierte die Rendite eher gegen zwei Prozent. tht

Die Macher der Branche Handelskonzerne aus Baden­Württemberg mischen in vielen Marktsegmenten ganz vorn mit. Die Erfolgsgeschichten dieser Unternehmen hängen eng mit den Managerpersönlichkeiten an der Spitze zusammen. Eine kleine Auswahl. Porträts

Am Drücker Fotos: Achim Zweygarth, DM, dpa (2), Wirtschaftswoche

Susanne Kunschert, Co­Chefin und Miteignerin des Elektronikspezialisten Pilz, erzählt, was sie antreibt. SEITE 16

Interview

Gesucht: der ehrliche Kaufmann Ein hartes Vorgehen gegen Wirtschaftskriminalität zahlt sich für Firmen aus, sagt Steffen Salvenmoser von PwC. SEITE 17

Compliance

Daimler setzt auf Whistleblower Vorstandsmitglied Christine Hohmann­Dennhardt erklärt, wie der Konzern gegen Korruption vorgeht. SEITE 18

Fallbeispiele

Wie Gründer aus Misserfolgen lernen Nicht jede Gründung kann am Markt bestehen. In jedem Fall sammeln die Beteiligten wertvolle Erfahrungen. SEITE 20/21

Finanzierung

Die Qual der Wahl Es gibt für Unternehmen viele Wege, an Kapital zu kommen. Doch welcher ist für wen der richtige? SEITE 23

Interview

Finanzspritze für junge Unternehmer So will Wirtschaftsminister Schmid mit Wagniskapital eine Existenzgründer­Initiative starten. SEITE 26

Tipps zur Geldanlage

Kein massentaugliches Modell

Dieter Schwarz

Claus­Dietrich Lahrs

Robert Friedmann

Stiller Konzerngründer

Weit gereister Manager

Würths junger Tiger

Die Pressestelle der Schwarz­Gruppe bestätigt die Tatsache, dass Dieter Schwarz am 24. September 2014 seinen 75. Geburtstag gefeiert hat. Mehr In­ formationen förderte eine Anfrage der Nachrich­ tenagentur dpa nach dem Jubilar nicht zu Tage. Wieso auch sollte die stille Unternehmerlegende auf ihre alten Tage mehr von sich preisgeben als in dem Dreivierteljahrhundert davor? Was man weiß: Schwarz ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er engagiert sich als Mäzen, seine Stiftung fördert Bildung, Erziehung, Wissenschaft und Forschung. Die ihn persönlich kennen, loben sein bescheide­ nes Auftreten. Ansonsten schweigen auch sie. Ein wenig überrascht hat Dieter Schwarz, Gründer des Lebensmitteldiscounters Lidl und Vater eines milliardenschweren Handelsimperiums, in diesem Jahr dennoch, indem er eine öffentliche Wahlemp­ fehlung für Harry Mergel abgab. Der SPD­Mann wurde im Mai zum Heilbronner Oberbürgermeis­ ter gewählt. Ob er am 24. September gemeinsam mit Schwarz auf ein ereignisreiches Jahr angesto­ ßen hat, ist freilich nicht überliefert. tht

Dieser Mann kennt sich mit Luxus aus: Cartier, Louis Vuitton und Christian Dior waren die letzten drei Karrierestationen von Claus­Dietrich Lahrs, bevor er seinen Lebensmittelpunkt im Mai 2008 von Paris nach Metzingen verlagerte. Der 51­Jähri­ ge führt seither den schwäbischen Modekonzern Hugo Boss – mit Erfolg, wie Unternehmenszahlen und Aktienkursentwicklung belegen. Die positive Entwicklung hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass der Hersteller Hugo Boss sich unter Lahrs mit eigenen Shops immer stärker selbst im Einzelhan­ del engagiert hat. Der gebürtige Bielefelder ist ver­ heiratet und hat zwei Kinder. Die längste Zeit sei­ ner beruflichen Laufbahn, rund 17 Jahre, hat Lahrs in Frankreich verbracht. Doch auch die USA zähl­ ten zu den Stationen, auf denen ihn seine Frau stets begleitet hat. „Ich wollte nie mein Leben lang an einem Ort bleiben. In einer globalen Welt muss man ohnehin mobil sein, wenn man vorankom­ men will“, sagte Lahrs einmal. Wie mobil die Fami­ lie war, offenbarte er kurz nach seinem Einstieg bei Boss: 18­mal sei er schon umgezogen. tht

Der Sprecher der Konzernführung der Künzels­ auer Würth­Gruppe ist zwar Verkäufer, aber kein Tausendsassa mit marktschreierischem Auftreten. Robert Friedmann wirkt eher ruhig und bedächtig. Die Welt hat der Chef des weltweit größten Schrau­ benhändlers zwar gesehen – doch auch bei Kinder­ freizeiten in Heilbronn war er schon anzutreffen. Trotz seiner ruhigen Art gilt Friedmann als durch­ setzungsstark. Dies sowie die Mischung aus Boden­ ständigkeit und Weltläufigkeit schätzt auch Rein­ hold Würth. Der Firmengründer zählte ihn früher zu seinen „jungen Tigern“ und machte ihn 2005 zum Chef einer Gruppe, die 2014 mit 65 000 Mit­ arbeitern einen Umsatz von zehn Milliarden Euro anstrebt. Geboren wurde der verheiratete Vater zweier Kinder 1966 in Lindau, nach dem Studium begann er seine Arbeit bei der Würth­Gruppe. Füh­ rungserfahrung sammelte er bei einer Tochterge­ sellschaft, dem Werkzeughändler Hahn & Kolb. Zwei wichtige Aufgaben werden der weitere Aus­ bau der Vertriebswege, aber auch die Aktivitäten abseits des Schraubenhandels sein. ey

Die Bundesregierung will die Anlageberatung auf Honorar­ basis stärken. Was bringt dieses Gesetz? SEITE 28

Index Schutz der Anleger

Papier ist geduldig Verbraucherschützer warnen: Die Beratungsprotokolle von Banken sind oft katastrophal schlecht. SEITE 29

Impressum

Chefredakteure Joachim Dorfs, Dr. Christoph Reisinger Leitung Michael Heller, Klaus Köster Redaktion Imelda Flaig, Werner Ludwig, Walther Rosenberger Gestaltung/Produktion Sebastian Klöpfer, Milena Lenz, Bernd Fischer, Dirk Steininger E­Mail: redaktion@wirtschaft­in­bw.de Telefon: 07 11 / 72 05 – 12 11 und 07 11 / 72 05 – 74 01 Internet: www.wirtschaft­in­bw.de „Wirtschaft in Baden­Württemberg“ ist ein Produkt der Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH / Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH Anzeigen Marc Becker (verantw.) Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung GmbH, Plieninger Str. 150, 70567 Stuttgart Telefon: 0711/72 05 – 16 03 Druck Pressehaus Stuttgart Druck GmbH, Plieninger Str. 150, 70567 Stuttgart Telefon: 07 11 / 72 05 – 0

Personen Allmendinger, Martin 20/21 Alter, Roland 4/5,7 Aumiller, Meinrad 7 Axt, Dietmar 7 Baumgärtner, Markus 16 Bezner, Mark 7 Birnbaum, Günther 29 Bloching, Björn 1, 4/5 Boschan, Christoph 29 Burghof, Hans­Peter 29, 31 Chmel, Andreas 10 Dittmann, Uwe 12/13 Ecclestone, Bernie 18 Eicher, Iris 9 Engelhardt, Andreas 16 Freeh, Louis 18 Friedmann, Robert 2 Fritz, Uwe 16 Genth, Stefan 4/5 Glaser, Roman 27 Gollner, Christian 4/5 Griggel, Marc 16 Haide, Sarah 20/21 Harsch, Erich 2 Herb, Wolfgang 18 Hesse, Jürgen 9 Hirschberg, Jürgen 16 Hohmann­Dennhardt, Christine 18 Hornbach, Albrecht 4/5 Horstmann, Malte 20/21 Horstmann, Olaf 20/21 Jost, Steffen 4/5 Kirsch, Wolfgang 4/5 Klapproth, Thorsten 16 Knothe, Björn 11 Kovacevic, Dragana 19 Kreher, Markus 23

Kunschert, Susanne Lahrs, Claus­Dietrich Lipke, Thomas Mangold, Peter­Michael Maas, Heiko Marriott, Greg Mausbeck, Dirk Mehrabian, Albert Mergel, Harry Mohn, Dorothea Mörk, Georg Müntefering, Franz Nauhauser, Nils Neumann, Rainer Nuoy, Daniéle Oergel, Willy Pilz, Renate Pilz, Thomas Prion, Willi Quitmann, Hans­Achim Rausch, Karl­Friedrich Reitzenstein, Michael Reitzenstein, Nicola Reitzle, Wolfgang Riekhof, Hans­Christian Roeb, Thomas Salvenmoser, Steffen Sander, Daniel Sapper, Elke Schäfer, Matthias Scheerer, Patrick Schmid, Nils Schnatz, Frank Schneider, Peter Schorr, Gerhard Schwarz, Dieter Stangohr, Siegfried Stober, Rolf

16 2,7 7 28 29 11 16 9 2 29 19 24 28 16 27 2 16 16 12/13 16 12/13 12/13 12/13 12/13 7 1, 3 17 12/13 9 19 31 25, 26 16 27 27 2 30 19

Sturz, Dirk 25 Tromp, Stephan 4/5 Tüngler, Marc 29 Uebber, Bodo 12/13 Waldenmaier, Stefan 30 Walter, Clemens 20/21 Werner, Götz 2 Will, Joachim 4/5 Wulf, Christian 16 Würth, Reinhold 2 Wüst, Peter 4/5 zu Guttenberg, Karl Theodor 9

Unternehmen Abercrombie & Fitch Adidas Air Berlin Aldi Alko Alnatura Amazon Apple Atreus Aurubis Aventis Bauhaus Bilfinger Blackstone Börse Stuttgart Börse Stuttgart Cats Breuninger Bürgschaftsbank BW Buy or Burn C&A Capmarcon Carl Zeiss Cartier

7 7 16 3, 4/5 16 4/5 3, 4/5 2 11 16 16 4/5 19 24 29, 31 29 2, 3 30 20/21 4/5 23 16 2

Christian Dior 2 Citigroup 29 Commerzbank 30 COS 4/5 Daimler 12/13, 18 Degussa Goldhandel 31 Dennree 4/5 DB Mobility Logistics 12/13 Division One 11 DM 2, 3, 4/5 DSAG 16 Dürr 16 Edeka 3, 4/5 EnBW 16 Enpatech 20/21 Ernst & Young 16 Esprit 3 Flughafen Friedrichshafen 16 Flughafen Stuttgart 16 Galeries Lafayette 2 Gasversorgung Süddeutschland 16 Globetrotter 7 Goldman Sachs 24 Gucci 3 Gust 20/21 H&M 1, 3, 4/5 Hahn & Kolb 2 Hansgrohe 16 Harrods 2 haufe.de 14 Hochland 7 Holcim 12/13 Hollister 7 Holtzbrinck Ventures 20/21 Hugo Boss 1, 2, 3, 4/5, 7 Inditex 4/5 ISS Facility Services 12/13 Jack Wolfskin 7

Karstadt 1, 3 Kaufhof 3 Kaufland 4/5 Kik 3, 4/5 KKR 24 KfW 30 KPMG 23 Kreissparkasse Ost­Alb 30 L­Bank 26, 30, 31 Leicht Küchen 30 Lidl 2, 4/5 Linde 12/13 Louis Vuitton 2, 7 Ludwig Heuse 11 Macy’s 2 Mammut 7 Management Angels 11 Massimo Dutti 4/5 Max Bahr 4/5 Media­Markt 1, 4/5 Metro 4/5 Mörk 19 Müller 4/5 Mustang 7 My Couchbox 20/21 North Face 7 Obi 4/5 Olymp 7 Otto 4/5 Peek&Cloppenburg 3 Penneys 4/5 Penny 4/5 Permira 24 Pilz 16 Prada 3 Praktiker 4/5 Pricewaterhouse­Coopers 17, 19, 24 Primark 3, 4/5

Pull&Bear 4/5 Quirin Bank 28 Rewe 3, 4/5 Rocket Internet 20/21 Roland Berger 1, 3, 4/5 Rossmann 4/5, 7 S.Oliver 3 Sales & Solutions 16 SAP 12/13, 16 Saturn 4/5 Schlecker 2, 4/5 Schwarz­Gruppe 2, 4/5 Selfridges 2 Solo Kleinmotoren 16 Sparkassenversicherung 26 Startupmoney.com 20/21 Steigenberger 2 Strenesse 7 Stuttgart Financial 25, 31 Takko 4/5 Task Force 11 Tchibo 3 Telekom 3 Tritschler 7 Vana 20/21 Vaude 7 VR Schwäbisch Gmünd 30 Volksbank Stuttgart 27 Weekday 4/5 Thümmel, Schütze und Partner 10 Wirtschaftswoche 20/21 Wittwer 7 WMF 16 Würth 2 Württ. Versicherung 26 Zalando 3, 4/5 Zara 1, 3, 4/5 Züblin 19


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Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Zara und andere große Modeketten können schnell auf neue Trends reagieren und mit niedrigen Preisen punkten – zum Leidwesen traditioneller Bekleidungsgeschäfte.

Fotos: dpa

„Nicht alle wollen nur online kaufen“ Der inhabergeführte Modefachhandel ist nach Ansicht des Handelsexperten Thomas Roeb ein Auslaufmodell. Die Zukunft gehört nach seiner Ansicht großen Textilketten wie H&M, Zara oder Primark, für die der stationäre Handel weiterhin eine zentrale Rolle spielt. Interview

G

roße Shopping­Mals machen dem traditionellen Einzelhandel immer mehr Konkurrenz. Auf der anderen Seite böten sie kleinen Geschäften, die sich die Mieten in den Innenstädten nicht mehr leisten kön­ nen, neue Chancen, meint Thomas Roeb, der Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn­Rhein­Sieg. Herr Roeb, was würden Sie einem guten Freund raten, der ein Einzelhandelsgeschäft eröffnen möchte? Ich würde sagen, das ist eine tolle Idee. Aber wir müssten noch darüber reden, was er verkaufen möchte. Es spricht überhaupt nichts dagegen, eine Partnerschaft mit einem erfolgreichen Franchise­Unterneh­ men einzugehen und beispielsweise einen Rewe­ oder Edeka­Supermarkt aufzuma­ chen. Ein ehemaliger Student von mir betreibt erfolgreich einen Edeka­Laden. Er hatte zuvor mehrere Jahre lang in der Konzernzentrale gearbeitet. Wie sieht es denn mit einem Bekleidungs­ fachgeschäft aus? Davon würde ich dringend abraten. Das war vielleicht in den siebziger Jahren eine gute Idee, als Erwin Lindemann im be­ rühmten Loriot­Sketch mit seiner Tochter eine Herrenboutique in Wuppertal eröff­ nen wollte. Heute ist der inhabergeführte Modefachhandel nicht mehr populär.

Woran liegt das? Die Läden sind einfach nicht mehr wett­ bewerbsfähig. Es gibt sie ja auch kaum noch. Gehen Sie doch mal durch die Innenstädte in HANDELSEXPERTE Köln, München oder Position Thomas Roeb, Jahrgang 1964, Stuttgart, da müssen sie vertritt seit 1998 das Fach Handels­ schon gezielt danach betriebslehre an der Hochschule Bonn­ suchen. Sie hätten mich Rhein­Sieg. vor 20 Jahren darauf an­ sprechen sollen, dann hät­ Erfahrung Nach seinem Studium der te man noch Gegenstrate­ Betriebswirtschaftslehre und Geschichte gien entwickeln können. in Bayreuth und Trier arbeitete Roeb zu­ Nun ist es zu spät. Die nächst für den Lebensmitteldiscounter Kunden wollen diese klei­ Aldi Süd und die Unternehmensbera­ nen Läden nicht mehr. tung Roland Berger. Es gibt etliche Menschen, Beratung Parallel zu seiner Lehrtätigkeit die das Ladensterben in berät Roeb verschiedene Handelsunter­ deutschen Städten laut­ nehmen, darunter die Drogeriemarkt­ stark beklagen. kette DM und Tchibo. tht Die gleichen Menschen, die darüber jammern, kaufen doch selbst nicht mehr in diesen Geschäften ein. Es gibt einen einfachen Grund, weshalb die Fachgeschäfte ver­ schwinden: Sie können sowohl preislich als auch von der Art des Angebots nicht mit der Konkurrenz mithalten. Die großen, verti­ kal integrierten Ketten wie H&M, Zara oder Primark haben zwei wichtige Fähig­ keiten: Sie können sehr schnell auf Mode­ trends reagieren und die Nachfrage nach

diesen Kleidern zu relativ niedrigen Prei­ sen befriedigen. Weil sie Massenware zu niedrigen Löhnen und unter fragwürdigen Arbeitsbedingun­ gen produzieren lassen. Klar können die Gutmenschen jetzt wieder aufschreien und beklagen, dass unser Wohlstand auf der Ausbeutung derjenigen fußt, die unsere Kleider billig in Asien schneidern. Niemand hindert sie am Kauf „fair“ produzierter Ware. Ansonsten ist es aber doch so: wenn es die Ketten nicht gäbe, würden die Arbeiter für weniger Lohn schlechtere Tätigkeiten verrichten, zum Beispiel 14 Stunden am Tag knietief im Reisfeld stehen oder die Frauen würden in die Prostitution gezwungen. Die Kunden wollen vielleicht nicht unbe­ dingt ethisch korrekt einkaufen, aber sie wünschen sich mehr Service und bessere Beratung, als sie es in den Textilgeschäften oft vorfinden. Dafür stand der Fachhandel in der Vergangenheit. Die Kunden! Welche Kunden? Wenn Sie zu H&M gehen und eine fachkundige Bera­ tung erwarten, sind Sie selbst schuld. Die Kunden lieben es, wie es ist, in Deutschland mehr als überall sonst auf der Welt. Außer­ dem bekommen Sie immer noch Beratung: in den Warenhäusern wie Kaufhof oder Karstadt und vor allem in den Textilkauf­ häusern wie P&C oder Breuninger. Der kommt doch sogar aus Stuttgart. Im Übri­ gen muss man doch auch einmal eines sehen: alle Anbieter aus dem gehobenen Kaufhaus­Segment zusammengenommen sind nicht einmal so groß wie H&M alleine. In Stuttgart haben im Herbst zwei große Shopping­Malls am Rande der Innenstadt eröffnet. Kann dieses auch nicht mehr ganz neue Modell aus den USA die Zukunft des Einzelhandels in Deutschland bedeuten? Zumindest bieten sie auch Platz für die kleineren Geschäfte, die sich die Fußgän­ gerzone nicht mehr leisten können. Das ist ein Teil der Strategie dieser Einkaufs­ zentren. Weil die Center­Betreiber die kompletten Verkaufsflächen vermarkten, können sie ganz anders kalkulieren als die Vermieter in den Fußgängerzonen. Um die Attraktivität des Centers zu erhöhen, holen sie auch kleinere Geschäfte hinein. Besit­ zer von innerstädtischen Einzelimmobi­ lien werden dagegen immer den Mieter be­ vorzugen, der ihnen die höchsten Einnah­ men verspricht. Und die Mietpreise in den Fußgängerzonen der Metropolen steigen weiter. Auch in der Kölner Innenstadt haben gerade auf einen Schlag zwei alt­ eingesessene Fachgeschäfte geschlossen. In eines der Gebäude ist ein Telekom­Shop eingezogen. Was aus dem anderen wird, ist noch nicht klar. Wahrscheinlich ein Backshop oder ein Wett­ büro. Müssen wir uns damit abfinden, dass

auch die wenigen noch verbliebenen kleinen Läden aus den Innenstädten verschwinden und damit auch der letzte Funken an Indivi­ dualität verloren geht? Das mag vielleicht für einen Pessimisten wie Sie so erscheinen, aber die Mehrzahl der Menschen geht weiter dahin. Oder sie gehen ins Internet. Um die Kunden tobt ein heftiger Kampf der Händler. Können Sie uns den typischen Mode­Kunden etwas näherbringen? Diesen Kunden gibt es nicht. Man könnte versuchen, ihn anhand der Größe seines Geldbeutels zu charakterisieren. Dann reicht die Palette von Kik über H&M und Peek&Cloppenburg bis zu Gucci und Prada. Allerdings lassen sich die Gruppen nicht klar voneinander abgrenzen. Ein gutes Bei­ spiel für den „hybriden Kunden“ ist Aldi: Durch seine extrem breite Aufstellung gelingt es dem Discounter, mit seinen Textilien auch Kunden anzusprechen, die normalerweise keine Produkte im Billig­ segment erwerben würden. Ich selbst kaufe dort zum Beispiel Kindersachen ein. Auch bei meinen Studenten beobachte ich, das sie oft einen teuren Pulli etwa von Hugo Boss mit einem preiswerteren Artikel von H&M kombinieren. Die ökonomischen Zwänge, die der Einkaufsstättenwahl zu­ grunde liegen, lassen sich allerdings nicht völlig ausschalten. Das macht es dem Händler nicht gerade leicht, die richtige Strategie zu finden. Der Textilbereich ist auch kompliziert. Er funktioniert in erster Linie nach Marken­ prinzipien. Dabei spielt das Image eine viel größere Rolle als etwa im Lebensmittel­ bereich. Es gibt Kunden, die 70 oder 80 Pro­ zent ihres Bedarfs an Nahrungsmitteln in einer Supermarktkette decken. Im Textil­ bereich werden Sie dagegen kaum jeman­ den finden, der seine Kleider ausschließ­ lich bei Esprit oder bei S.Oliver kauft. Die Streuung ist viel breiter. Das heißt aber nicht, dass der Händler nicht relativ genau wüsste, wie sein Kunde aussieht. Nur dass sein Kunde eben auch noch Kunde bei anderen Händlern ist. Mehr als 20 Prozent der Kleidungskäufe werden bereits vom Paketboten an die Haus­ tür geliefert. Wieso trifft die Abwanderung ins Netz die Warenhäuser stärker als die Modeketten, die doch eine viel jüngere Ziel­ gruppe ansprechen und daher die Online­ Konkurrenz viel stärker spüren müssten? Die Krise der Warenhäuser allein mit dem Aufkommen des Online­Handels zu be­ gründen, wäre zu kurz gegriffen. Diese Kri­ se ist schon 30 Jahre alt, und trotzdem gibt es die Warenhäuser noch. Daran sehen Sie, was für ein statisches Geschäft der Einzel­ handel sein kann. Es stimmt auch nicht, dass die jungen Konsumenten sukzessive dazu übergehen, nur noch online einzukau­ fen. Aus Gesprächen mit meinen Studenten

weiß ich, dass sie durchaus sehr bewusst gemischt online und offline einkaufen. Werden wir also nicht irgendwann alle unse­ re Einkäufe im Internet erledigen? In den nächsten 20 Jahren ist das aus mehreren Gründen nicht zu erwarten. Zum einen bietet online aktuell nicht dasselbe Einkaufserlebnis wie offline. Auch die praktischen Vorteile beim Einkauf im sta­ tionären Handel überwiegen: Sie haben eine viel größere Auswahl an Kleidungsstü­ cken, die sie anfassen und anprobieren können, und sie können die Farben im Laden besser erkennen als auf Fotos im Internet. Der dritte und aus meiner Sicht sogar wichtigste Aspekt ist der, dass der Online­Vertrieb nicht unbedingt günstiger ist. Zalando ist ja auch nur äußerst mühsam in die Gewinnzone gekrochen. Sie meinen, die Konzentra­ tion auf den stationären „Die gleichen Menschen, Vertrieb kann auch eine er­ die darüber jammern, kaufen folgreiche Strategie sein? Große Filialisten wie Zara doch selbst nicht mehr oder H&M stehen dafür. in diesen Geschäften ein.“ Sie betreiben kein nen­ Thomas Roeb über das Ladensterben nenswertes Online­Ge­ schäft, weil es für sie betriebswirtschaftlich wenig Sinn macht. Ihre Filialen sind so stark frequentiert, die Flächenproduktivität ist so hoch, dass die Raumkosten deutlich geringer sind, als es die Transportkosten bei einem Online­Ver­ sandhandel wären. Der technische Fortschritt ist rasant. Die von Ihnen beschriebenen Rahmenbedingungen könnten sich ändern. Vielleicht bekommen wir irgendwann ein­ mal alle unser Klamotten mit Drohnen nach Hause geliefert. Und diese Lieferun­ gen kosten nichts, weil die Drohnen zu Hunderttausenden oder Millionen billig produziert werden können. Aber das ist im Moment nicht abzusehen. Konzerne wie Amazon oder Zalando haben die Märkte in den letzten Jahren umgekrem­ pelt. Könnte es einem Neueinsteiger in ab­ sehbarer Zeit gelingen, sie von ihren Spitzen­ positionen zu verdrängen? Wer jetzt noch einen reinen Online­Shop für Kleidung aufmacht, hat nur geringe Chancen, weil schon alle anderen da sind. Aber man sollte niemals nie sagen. Die Einstiegsbarrieren sind relativ niedrig. Vielleicht steht der nächste Amazon oder Zalando ja bereits in den Startlöchern, möglicherweise sogar ohne zu wissen, dass er mal ganz oben landen wird. Das Gespräch führte Thomas Thieme.


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Wirtschaft in Baden-Württemberg 5

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Handel im digitalen Wandel Einkaufszentren boomen, traditionelle Fachgeschäfte sterben – und alle zusammen spüren die wachsende Konkurrenz des Internets. Was die deutsche Handelslandschaft sonst noch bewegt, zeigt unser Überblick. Von Thomas Thieme Trends

Einkaufszentren sind die neuen Konsumtempel Die klassischen Warenhäuser werden in die Zange genom­ men: von innerstädtischen Ein­ kaufszentren auf der einen Sei­ te und von Online­Händlern auf der anderen. Die einen stehen für Erlebnisshopping, die ande­ ren für preis­ und vergleichs­ orientiertes Einkaufen. Ein spannendes Event wollen mo­ derne Einkaufszentren wie Mi­ laneo und Gerber in Stuttgart oder die Mall of Berlin am Leip­ ziger Platz in der Bundeshaupt­ stadt ihren Kunden bieten. „Alles was neu ist, übt erst einmal einen enormen Reiz aus“, sagt der Handelsexperte Roland Alter. Warenhäuser hätten auch einmal als neue Einkaufswelt gegolten, nicht ohne Grund habe man sie als Konsumtempel bezeichnet. Doch mittlerweile seien sie in einem fortgeschrittenen Sta­ dium ihres Lebenszyklus ange­ langt. Alter spricht von „Reife“

oder „Rückgang“ – freundliche Umschreibungen für etwas, was man auch als Kaufhaus­ sterben bezeichnen könnte. Ein Alleinstellungsmerkmal der Häuser war die große Aus­ wahl. Sie ist nach wie vor ein wichtiges Argument für Kun­ den, sich für ein Geschäft zu entscheiden. Die größte Pro­ duktvielfalt wird heute aller­ dings im Online­Handel ge­ boten. „Hier können sie eine breite Warenwelt im direkten Vergleich sehen“, sagt Alter. Die persönliche Beratung werde zudem immer mehr durch Konsumentenbewertun­ gen im Netz ersetzt. „Mit ein bisschen Glück können Sie sa­ gen: wenn ich einem schlecht ausgebildeten Verkäufer gegen­ überstehe, werde ich weniger als bei einer Internetrecherche erfahren, bei der ich mir Pro­ duktvergleiche und ­bewertun­ gen anschaue.“

Der Handel will permanent für die Kunden da sein

Das Sterben der kleinen Fachhändler Neben dem schleichend voran­ schreitenden Kaufhaussterben ist das allgemeine Ladensterben ein weiteres Phänomen in der deutschen Einzelhandelsland­ schaft. Der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels in Köln (BTE) sieht davon vor allem die Randlagen der Groß­ städte, aber auch kleine und mittlere Kommunen betroffen. So sei die Zahl der Bekleidungs­ fachhändler seit der Jahrtau­ sendwende jährlich um 1000 Unternehmen gesunken: von mehr als 35 000 im Jahr 2000 auf aktuell nur noch 20 000. „Online boomt, während dem mittelständischen Einzelhandel ja schon fast das Sterbe­ glöckchen geläutet wird“, sagt BTE­Präsident Steffen Jost. Gerade den Modehändlern bereiten die sinkenden Fre­ quenzen in den Fußgänger­ zonen immer größere Schwie­ rigkeiten. „Da die Menschen ihr Leben zunehmend vom heimi­ schen Computer aus organisie­ ren, verringern sich die Chan­ cen für Impuls­ und Lustkäufe“,

bedauert Jost. Dazu kommt, dass kleine Händler den Aufbau eines eigenen Internetvertriebs scheuen. Laut einer Studie des E­Commerce­Centers in Köln betreiben sechs von zehn mit­ telständischen Händlern kei­ nen Online­Shop. Als entschei­ dende Hinderungsgründe nen­ nen sie den zeitlichen Aufwand und die Kosten. Doch nicht erst das Internet hat die kleinen Händler an die Wand gedrückt. Im Elektrobe­ reich waren große Fachmärkte wie die beiden Metro­Töchter Media­Markt und Saturn schon früher da. Die Ketten sind längst selbst der Kannibalisie­ rung durch das Netz ausgesetzt. Zudem wurden sie zu Opfern ihrer eigenen jahrelangen Tief­ preiskampagnen („Ich bin doch nicht blöd“ oder „Geiz ist geil“), attestiert der Handelsexperte Roland Alter. „Die Kunden sind jetzt technologieaffin und machen Preisvergleiche. Über­ all da, wo eine einfache Preis­ vergleichbarkeit gegeben ist, ist das Internet klar im Vorteil.“

Das Internet kennt keine Öff­ nungszeiten. Mit diesem Argu­ ment im Gepäck ziehen die Spitzenvertreter des Handels gegen das Verbot der Ladenöff­ nung an Sonntagen zu Felde: „Das stationäre Einzelhandel kann und muss echte Einkaufs­ erlebnisse schaffen. Dazu braucht er mehr Chancen­ gleichheit bei den streng regu­ lierten Öffnungszeiten“, sagt Stefan Genth, der Haupt­ geschäftsführer des Handels­ verbands Deutschland. Ein Blick in die Geschichte lässt vermuten, dass die Erfül­ lung seiner Forderung nur eine Frage der Zeit sein könnte. So wurden die Verkaufszeiten seit der Einführung der langen Donnerstage 1989 sukzessive ausgeweitet. 1996 wurden die Öffnungszeiten an Wochen­

Online­Handel lässt die Logistikbranche boomen

Die vertikalen Textilketten bleiben auf der Überholspur Keinen Grund zu klagen haben die sogenannten vertikalen Textilketten, die die gesamte Wertschöpfungskette – vom Entwurf über die Produktion bis zur Warenpräsentation – kontrollieren und so teure Ver­ triebs­ und Vermarktungsstu­ fen überspringen. H&M, Zara und C&A, aber auch Billigket­ ten wie Kik und Takko behaup­ ten sich im harten Preiswett­ bewerb. Mit rasch wechselnden Kollektionen und niedrigen Preisen setzen sie überwiegend auf junge Kunden, für die die Kleider zum massenhaften Konsumgut geworden sind. 2009 ist noch ein ambitio­ nierter Fast­Fashion­Anbieter

in den deutschen Markt einge­ stiegen: der irische Mode­Dis­ counter Primark. Ende Novem­ ber eröffnet das Unternehmen, das in seiner Heimat unter dem Namen Penneys bekannt ist, in Dresden seine 14. deutsche Filiale. Erreichen die Iren ihr Ziel, in jeder Stadt mit mehr als 200 000 Einwohnern wenigs­ tens einmal vertreten zu sein, wären es 40 Standorte oder mehr. Dann könnten sie an der Dominanz von H&M und Indi­ tex (Zara) rütteln. Die Schwe­ den und die Spanier prägen die Fußgängerzonen mit ihren Stammgeschäften und mit Töchtern wie Massimo Dutti, Pull&Bear, COS oder Weekday.

Neun von zehn Euro werden nach wie vor in den Einkaufs­ zentren, den Fußgängerzonen, im Supermarkt oder beim Dis­ counter ausgeben. Doch der Kunde wird bequemer und lässt sich immer mehr Dinge nach Hause liefern: 2013 lag der On­ line­Anteil am Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels bei gut elf Prozent (Handels­ verband); bei einzelnen Waren­ gruppen wie Elektro, Bücher oder Kleidung liegt er bereits zwischen 20 und 30 Prozent. Die deutsche Logistikbran­ che war in den vergangenen Jahren der große Profiteur dieses Booms: So wurden 2013 knapp 2,7 Milliarden Sendun­ gen verschickt, 57 Prozent mehr als im Jahr 2000. Der Ge­ samtumsatz mit Paketen, Ex­ presslieferungen und Kurier­ sendungen lag bei 16 Milliarden Euro. Auch die Beschäftigungs­ zahl in der Branche erreichte mit 197 000 Mitarbeitern ein Rekordhoch und lag um 23 Pro­ zent über der des Jahres 2002. Das Bestellen ist aber nur die

eine Seite des Online­Handels; die andere sind die zahllosen Rücksendungen. Handelsex­ perten schätzen die Retouren­ quote im Textilbereich auf bis zu 70 Prozent. Nicht einmal eine Gesetzes­ änderung, die den Versendern seit Juni 2014 die Weitergabe der Rücksendegebühren an den Kunden unabhängig vom Wa­ renwert erlaubt, konnte etwas an der hohen Zahl zurück­ geschickter Artikel ändern. Die Händler scheinen sich schlicht nicht zu trauen, den Kunden diese Kosten aufzubürden. „Grundsätzlich macht ja gerade ein kostenfreies Widerrufs­ recht den Einkauf im Internet für Verbraucher sicher“, sagt Christian Gollner von der Ver­ braucherzentrale Rheinland­ Pfalz. Solange die größten Internetversender auf dem deutschen Markt – Amazon, Otto und Zalando – an dieser Praxis festhalten, werden sich auch kleinere Anbieter schwer­ tun, einen anderen Weg einzu­ schlagen.

tagen von 7 bis 18.30 Uhr auf 6 bis 20 Uhr und am Samstag von 14 auf 16 Uhr ausgeweitet. Ab 2003 durften Geschäfte an allen Samstagen bis 20 Uhr ge­ öffnet sein. Die Verantwortung für die Öffnungszeiten ging 2006 schließlich vom Bund auf die Länder über. In den meisten Bundesländern gelten mittler­ weile gar keine oder nur noch geringe Beschränkungen an Werktagen. Einzige Ausnahme und da­ her steter Streitpunkt zwischen Gewerkschaften und Kirchen auf der einen und dem Handel auf der anderen Seite bleibt der Sonntag: Die Verkäufer müss­ ten vor Sonntagsarbeit ge­ schützt werden, fordern die einen. Auch in anderen Bran­ chen werde sonntags gearbei­ tet, argumentieren die anderen.

Der Handel setzt auf mehrere Vertriebskanäle „Multi­Channel“ und „Cross­ Channel“ – also der Aufbau mehrerer Vertriebskanäle und ihre Vernetzung – sind zwei aktuelle Lieblingsbegriffe von Handelsmanagern. Idealerwei­ se sieht das Cross­Channel­ Einkaufsverhalten so aus: Der Kunde informiert sich im Netz, lässt interessante Produkte in sozialen Medien bewerten, pro­ biert sie im Laden an oder aus und lässt sich die Ware dann nach Hause schicken. Dazu reicht es längst nicht mehr aus, einen Online­Shop zu betrei­ ben, in dem die Kunden vom Laptop, Tablet oder Smart­ phone aus bestellen können. Die Drive­ins von Media­ Markt stehen für einen der technischen Trends, mit denen der Handel um Kunden wirbt: es geschieht in dem Fall nach dem sogenannten Click&Col­ lect­ oder Click&Reserve­Prin­ zip (im Internet kaufen und im Laden abholen). Andere Trends sind: Same­Day­Delivery (im

Geschäft kaufen und noch am gleichen Tag nach Hause gelie­ fert bekommen), E­Payment (bezahlen per Smartphone) oder Smart Display Solution (elektronische Preisschilder). Eines der zentralen Elemen­ te der digitalen Kundenbin­ dung ist der sogenannte Locati­ on­Based­Service. Dabei wird der Kunde per GPS lokalisiert und erhält individuelle Ange­ bote auf sein Smartphone, wenn er in der Nähe eines Geschäfts ist. Diese Form des datenbasierten Marketings verändert die Branche: „Verfüg­ ten vor zehn Jahren nur Groß­ unternehmen über die Res­ sourcen für Data­Mining, so kann heute jeder Lieferservice datenbasiert Kundenbindung betreiben. Die Ära der Intuition ist vorbei, Daten sind der Kitt in der Kundenbeziehung“, sagt Björn Bloching, Senior Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und Autor des Buchs „Data Unser“.

Outletcenter überziehen die Republik Wer sich samstagmittags im Einkaufsgetümmel auf der Kö­ nigstraße in Stuttgart wohl­ fühlt, für den dürfte ein Bum­ mel durch die Shopping­City Metzingen geradezu die Erfül­ lung sein. Das Ur­Outletcenter lockt nach wie vor die Massen in die schwäbische Provinz: im Jahr 2012 waren es 3,5 Millio­ nen Kunden aus 185 Nationen. „In Metzingen trifft sich die ganze Welt“, sagt der Handels­ experte Roland Alter. In den siebziger Jahren begann die Geschichte der deutschen Outlet­Hauptstadt mit einem Fabrikverkauf von Hugo Boss; mittlerweile überzieht ein gu­ tes Dutzend Outletcenter die ganze Republik, weitere sind bereits in Planung. Joachim Will berät Unter­ nehmen und Investoren bei der Standortwahl. Er beschreibt das Erfolgsrezept dieser Ein­ kaufsform, die an den Umsät­ zen gemessen nur eine Nische im Handel besetzt. Outlets sei­ en heute schon da, wo viele Städte und Shoppingcenter erst hinwollten, sagt der Berater.

„Sie bieten Aufenthaltsqualität und Eventcharakter. Architek­ ten und Stadtplaner bekom­ men aufgrund der Disney­ Architektur im Wertheim Villa­ ge einen Brechreiz, der Normalverbraucher verbringt dort aber gerne Zeit mit der Familie und Freunden.“ Schlagzeilen hat in diesem Sommer der nordrhein­westfä­ lische Kurort Bad Münstereifel gemacht. Zum ersten Mal wur­ de dort ein Outletcenter mitten in einer Stadt angesiedelt und nicht an deren Rand oder auf der grünen Wiese an einer Autobahnabfahrt. In der Fuß­ gängerzone der historischen Altstadt eröffneten zeitgleich mehr als 20 Markenshops. Ein solches Umfeld ist nicht nur für die namhaften Marken interessant, sondern auch für junge Labels im Aufbau. „Für sie ist es verlockend, sich in der Nähe von großen, bekannten Anker­Läden niederzulassen“, sagt Handelsexperte Roland Alter, schließlich würden die markenbewussten Kunden dort hinkommen.

Auf der Suche nach „neuen Wegen, die Online­ und die Off­ line­Welt zu einem neuen Ein­ kaufserlebnis“ zu verbinden, befindet sich Media­Markt nach den Worten seines Deutschlandchefs Wolfgang Kirsch. Eine ungewöhnliche Form der Vernetzung wird der­ zeit am Firmensitz in Ingol­ stadt getestet. Dafür müssen Kunden nicht einmal ihr Auto verlassen: Sie können ihre per Laptop, Tablet oder Smart­ phone georderten Waren direkt am Drive­in­Schalter abholen. Das bewährte Prinzip von Fast­Food­Ketten wird einfach auf Elektroartikel übertragen. So sparen sich die Kunden im Vergleich zum Online­Einkauf das Warten auf die Lieferung und mögliche Versandkosten. Vom stationären Einkauf unterscheidet sich der Elektro­ Drive­in vor allem dadurch, dass die Kunden weder einen Parkplatz noch das Produkt oder die Abteilung im Laden suchen müssen. Wenn das Kon­ zept aufgeht, soll es in weiteren Häusern eingeführt werden. Umgestalten will der Kon­ zern in den kommenden fünf Jahren alle seiner 260 deut­ schen Filialen. Das neue Laden­ konzept sieht neben einer opti­

schen Auffrischung auch den Aufbau von Online­Terminals vor. Darin können die Kunden durch ein Sortiment surfen, das breiter ist, als das im Laden zur Schau gestellte. Diese „virtuel­ len Regalverlängerungen“ um­ fassten zum Start im Septem­ ber rund 60 000 Artikel und 350 000 sogenannte Enter­ tainment­Produkte (CDs, DvDs), während der Markt in Ingolstadt auf 3400 Quadrat­ meter Verkaufsfläche rund 45 000 Artikel umfasst. Das Ziel sei, so Wolfgang Kirsch, das On­ line­Angebot zu verdreifachen.

Online, offline oder die Kombination beider Ver­ triebswege: noch nie hatten Kunden so viele Möglichkeiten, ihre Wünsche zu befriedigen. Um am Markt zu bestehen, buhlen Händler mit kreativen Ideen um die Gunst der Verbraucher.

Fotos: Achim Zweygarth, dpa (7), fotolia (3), Lichtgut/Achim Zweygarth, Media­Markt, Wilhelm Mierendorf

Die Grenzen zwischen on­ und offline fallen

Bio­Nahrung liegt im Trend Die Bio­Händler verbuchen im Lebensmittelsektor die höchs­ ten prozentualen Steigerungs­ raten. So stieg der Umsatz des Bio­Filialisten Dennree 2013 um 17,4 Prozent (2012: plus 13,3 Prozent), der von Alnatura um 14,9 Prozent (2012: plus 11,3 Prozent). „Das Thema ‚regiona­ le Produkte‘ und transparente Lieferketten haben in den letz­ ten Jahren einen deutlichen Aufschwung genommen“, sagt der Handelsexperte Roland

Alter. Das sei im Lebensmittel­ bereich noch deutlicher ausge­ prägt als bei Textilien. Aller­ dings ist Bio immer noch eine Nische: Laut einer Studie des Bundes Ökologische Lebens­ mittelwirtschaft wurden im ver­ gangenen Jahr in Deutschland Bio­Lebensmittel im Wert von 7,6 Milliarden Euro gekauft. Der gesamte Lebensmittelumsatz belief sich auf 164 Milliarden Euro. Damit liegt der Bio­Anteil bei weniger als fünf Prozent.

Der Lebensmittelhandel erweitert sein Sortiment Die Konzentration ist im Le­ bensmittelhandel noch viel weiter fortgeschritten als im Modesektor. Lediglich vier Konzerne beherrschen laut Bundeskartellamt den deut­ schen Markt. Edeka ist dem­ nach mit rund 12 000 Filialen (inklusive Netto) und 25 bis 30 Prozent des Absatzes klarer Marktführer. Rewe kommt auf 5500 Filialen (inklusive Penny) und 15 bis 20 Prozent Marktan­ teil. Die Schwarz­Gruppe (Lidl und Kaufland) hat bundesweit etwa 4500 Filialen und einen Marktanteil von 20 bis 25 Pro­ zent. Aldi (Nord und Süd) ist bundesweit mit 4000 Filialen und 15 bis 20 Prozent Markt­ anteil vertreten. Die Märkte decken längst mehr als nur den Nahrungs­ mittelbedarf der Kunden. Mit ihren wöchentlichen Aktionen bauen die Discounter ihre Sor­

timente kontinuierlich aus. „In allen Warenkategorien gibt es Standardprodukte mit einem hohen stückzahlmäßigen Be­ darf“, sagt Roland Alter. Die Discounter würden die Kate­ gorien gezielt durchgehen und versuchten, die sogenannten Schnelldreher zu identifizie­ ren – zum Leidwesen der Kon­ kurrenz: „Bei diesen Produkten spüren die Fachhändler natür­ lich einen Absatzrückgang, da gehen ihnen große Stückzahlen verloren“, sagt der Handels­ experte. Dabei sei grundsätz­ lich jeder angreifbar. Es treffe die Baumärkte genauso wie die Drogerien oder den Textil­ bereich. Sobald ein Produkt ge­ rade auch saisonal eine hohe „Abverkaufsfähigkeit“ hat, wird es interessant, zum Beispiel Geräte für die Gartenpflege im Sommer oder Winterkleidung in der kalten Jahreszeit.

Drogerie­ und Baumärkte sortieren sich neu Mit Schlecker und Praktiker sind gleich in zwei Branchen große Marktteilnehmer ver­ schwunden. „Das hat Druck aus dem Markt genommen“, sagt Albrecht Hornbach, Chef der drittgrößten deutschen Bau­ marktkette nach Obi und Bau­ haus. Die Konkurrenz hat eine Reihe von Märkten übernom­ men, teilweise mitsamt der frü­ heren Belegschaft. „Ein überwiegender Anteil der Umsätze der Praktiker­ Gruppe kann aller Voraussicht nach in den aktiven Unterneh­ men der Baumarktbranche ge­ bunden werden, die individuell mit deutlichen Zuwachsraten für das Geschäftsjahr 2014 rechnen“, heißt es beim Han­ delsverband Heimwerken, Bau­ en und Garten (BHB). Für die Kunden sei das Verschwinden von Praktiker und Max Bahr ohnehin verkraftbar, sagt BHB­

Gute Geschäfte mit Körper­ pflege: nach der Schlecker­ Pleite konnten Konkurren­ ten wie DM oder Ross­ mann zulegen.

Hauptgeschäftsführer Peter Wüst: „Niemand vermisst Praktiker, niemand hat Ver­ sorgungslücken.“ Eine ähnliche Marktbereini­ gung hat im Bereich der Droge­ riemärkte stattgefunden. Die drei verbliebenen Großen – Rossmann, DM und Müller – verzeichneten in den vergange­ nen beiden Jahren teilweise zweistellige Wachstums­ raten und bauten ihre Filialnetze weiter aus. Gleichwohl befin­ den sich die Kon­ kurrenten wei­ terhin in einem harten Preis­ wettbewerb.


6 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Wer handelt womit in Baden­Württemberg? DIE ZEHN UMSATZSTÄRKSTEN KREISE IM LAND Stadt­ oder Landkreis

EinwohnerA

SK Stuttgart LK Rhein­Neckar­Kreis LK Ludwigsburg LK Esslingen SK Mannheim SK Karlsruhe LK Böblingen LK Ortenaukreis LK Rems­Murr­Kreis LK Karlsruhe Baden­Württemberg gesamt Deutschland gesamt

597 939 527 287 516 748 508 577 294 627 296 033 367 208 411 700 408 827 427 106

Einzelhandels­ umsatz 2014 (Mrd. Euro)B 4,1 2,4 2,3 2,2 2,1 2,0 1,9 1,9 1,9 1,8

10 569 111

53,3

80 523 700

408,0

A Stand: 31. 12. 2012 B Prognose C Bundesdurchschnitt = 100

Gemessen an der Zahl der Mitarbeiter ist der Einzelhandel mit rund 280 000 Beschäftigten die drittgrößte Branche im Land – nach Maschinenbau und Gesundheitswesen. Hinzu kommen knapp 230 000 Beschäftigte im Großhandel. Unsere Übersichtskarte zeigt, in welchen Stadt­ und Landkreisen die höchsten Einzelhandelsumsätze erzielt werden und wo ausgewählte Handelsunternehmen aus dem Südwesten ihren Sitz haben.

Umsatz pro Einwohner (indexiertC) 135,9 89,9 89,7 87,0 143,7 131,8 102,7 91,1 91,3 85,2

Statistik

99,6 100 Quelle: GfK, eigene Berechnungen

Mannheim Bauhaus Baumarkt 5,4 Mrd. Euro

MAIN-TAUBER-KREIS

Mannheim Phoenix Pharmagroßhandel 21,2 Mrd. Euro

NECKAR-ODENWALD-KREIS HEIDELBERG

Einzelhandelsumsätze der Kreise Baden-Württembergs als Anteil der gesamtdeutschen Umsätze Angaben in Promille Geringste Umsätze

HOHENLOHEKREIS RHEIN-NECKAR-KREIS

<1,5 1,5 - 2,0 KARLSRUHE

2,0 - 2,5

HEILBRONN

Künzelsau Mustang Bekleidung (eigener Einzelhandel) 50 Mio. Euro Neckarsulm Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) Lebensmittel 74,0 Mrd. Euro

Künzelsau Würth Befestigungselemente 9,7 Mrd. Euro

SCHWÄBISCH HALL

2,5 - 3,0 Eurobaustoff Karlsruhe Baustoffe DM (FachhandelsDrogerie kooperation) 7,7 Mrd. Euro 5,4 Mrd. Euro Heine Bekleidung 483 Mio. Euro

3,0 - 3,5 3,5 - 4,0 Höchste Umsätze

> 4,0

Michelfeld Röther Bekleidung 209 Mio. Euro ENZKREIS

Sitz Offenburg Edeka Südwest Lebensmittel 7,6 Mrd. Euro

RASTATT

Pforzheim Klingel-Gruppe Bekleidung 1,0 Mrd. Euro

Unternehmen Branche Jahresumsatz (jeweils aktuellster verfügbarer Wert)

Ditzingen Celesio Euronics Pharmagroßhandel Winterbach (FachhandelsPeter Hahn 21,4 Mrd. Euro kooperation) Bekleidung Breuninger Elektronik 307 Mio. Euro Warenhaus 1,5 Mrd. Euro 500 Mio. Euro Takkt Büroeinrichtungen Göppingen 953 Mio. Euro Möbel Rieger BÖBLINGEN Köngen 260 Mio. Euro AWG ESSLINGEN Bekleidung GÖPPINGEN 295 Mio. Euro

BADENBADEN CALW

Willstätt Orsay Bekleidung 183 Mio. Euro

Offenburg Edeka Südwest Lebensmittel 7,6 Mrd. Euro

Bietigheim-Bissingen Bietigheim-Bissingen Olymp Hofmeister Bekleidung Möbel (eigener Einzelhandel) 25 Mio. Euro 170 Mio. Euro REMS-MURR-KREIS LUDWIGSBURG

FREUDENSTADT

TÜBINGEN

Metzingen Hugo Boss Bekleidung (eigener Einzelhandel) 225 Mio. Euro

Bopfingen Möbel Mahler 180 Mio. Euro

HEIDENHEIM

ALB-DONAU-KREIS

Ulm Müller Drogerie 3,7 Mrd. Euro

ORTENAUKREIS REUTLINGEN

ROTTWEIL

OSTALBKREIS

ZOLLERNALBKEIS

EMMENDINGEN

SCHWARZWALD-BAAR-KREIS FREIBURG TUTTLINGEN

Sigmaringen Charles Vögele Bekleidung 300 Mio. Euro

BIBERACH

SIGMARINGEN BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD Bad Waldsee Walz Versandhandel 300 Mio. Euro KONSTANZ

LÖRRACH

StZ-Grafik: zap

WALDSHUT

RAVENSBURG

BODENSEEKREIS

Quellen: eigene Recherchen, Branchenpublikationen, Schätzungen


Wirtschaft in Baden-Württemberg 7

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Wenn Hersteller zu Händlern werden Viele Modeunternehmen setzen auf eigene Läden. Eine Erfolgsgarantie gibt es dabei aber nicht. Von Thomas Thieme Vertrieb

E

igentlich steht es im Widerspruch zu einem alten Grundprinzip des Handels und der Industrie, das da lautet: werde nicht zum Konkur­ renten deines Kunden. Doch im­ mer mehr Konsumgüterhersteller weichen von dieser Linie ab und schlüpfen selbst in die Rolle des Händlers. Sie eröffnen eigene Geschäfte oder siedeln sich mit ihren Sortimenten in Outletcentern an. Dafür müssen die Unternehmen viel Geld in die Hand nehmen, doch die Investitionen können sich auszahlen; finanziell sowie beim Image. „Unsere Flagship­Stores prägen die glo­ bale Markenwahrnehmung“, sagt Hugo­ Boss­Chef Claus­Dietrich Lahrs. Der Met­ zinger Modekonzern setzt seit Jahren kon­ sequent auf den eigenen Einzelhandel. Der Bereich verzeichnet zweistellige Zuwachs­ raten und ist aktuell der Hauptumsatz­ treiber. Im vergangenen Jahr durchbrach die Zahl der Hugo­ „Die Markenstärke muss groß Boss­Stores inklusi­ genug sein, und Schlüsselkunden ve Shop­in­Shop­ Filialen und Outlet­ dürfen es nicht als prinzipielle center weltweit die Bedrohung empfinden.“ 1000er­Marke. Mit Handelsexperte Roland Alter über den Eigenvertrieb 576 Geschäften liegt der Schwerpunkt in Europa, aber auch die Vertriebsnetze in Asien (234 Läden) und in Amerika (200) werden ausgebaut. Der Anteil des Einzel­ handels am Gesamtumsatz übertraf 2012 erstmals den des Großhandels. Im vergange­ nen Jahr wurden 54 Prozent der Einnahmen (747 Millionen Euro) in den eigenen Ge­ schäften erzielt. Die eigenen Läden sind pro­ fitabler als der Vertrieb über Handelspart­ ner, da mehr Ware umgeschlagen wird, schneller auf Kundenwünsche reagiert wer­ den kann und die Margen höher ausfallen. Die eigenen Verkaufsflächen fungieren auch als Werbeträger für die Marke. Allerdings steigen die Kosten, etwa für Mieten, Perso­ nal, Logistik und Marketing. In diesem Jahr wurden weltweit rund 50 neue Filialen er­ öffnet, darunter Flagship­Stores in Metro­ polen wie Paris, Rom und Osaka. Auch kleinere Mode­ und Textilherstel­ ler aus dem Südwesten bauen ihren eigenen Vertrieb sukzessive aus. So betreibt der Tettnanger Outdoor­Ausstatter Vaude mittlerweile 13 Geschäfte in Eigenregie, weitere sollen folgen. In der Branche sind die Oberschwaben damit keine Ausnahme. Große Hersteller wie Jack Wolfskin, North Face oder Mammut eröffnen Flagship­ Stores und Mono­Marken­Geschäfte und ziehen damit den Unmut der Handels­

ketten auf sich: „Natürlich stört uns das“, sagt Thomas Lipke, Geschäftsführer bei Deutschlands größtem Outdoor­Händler Globetrotter. Die Hersteller hätten Wachs­ tumserwartungen, die ihnen der Handel nicht erfüllen könne. Allerdings sei die Abhängigkeit beidseitig; auch die großen Händler können eine Marke auslisten. Der Hemdenhersteller Olymp hat die Vorteile eigener Geschäfte bereits in den neunziger Jahren entdeckt. Eine „bedachte Dosierung der Retail­Aktivitäten“ zieht das Familienunternehmen aus Bietigheim da­ bei einer „übereifrigen Store­Expansion“ vor, erklärt Olymp­Chef Mark Bezner. Zu­ letzt wurde das Filialnetz auf 52 Läden auf­ gestockt; dazu gehören 36 eigene Läden und 16 Filialen von Franchise­Partnern. „Die eigene Handelsstrategie stellt für uns eine sinnvolle Ergänzung zur Ausweitung unserer Markenpräsenz dar“, sagt Bezner. Sechs bis acht Neueröffnungen hält er mit­ telfristig für realistisch. Den Löwenanteil der Waren vertreibt der Hersteller über den klassischen Vertriebsweg mit Handels­ partnern, so Bezner. Damit würden derzeit 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet. Für Roland Alter müssen mehrere Vo­ raussetzungen erfüllt sein, damit sich ein Konsumgüterproduzent erfolgreich einen Eigenvertrieb aufbauen kann: „Die Mar­ kenstärke muss groß genug sein, und Schlüsselkunden dürfen es nicht als prinzi­ pielle Bedrohung empfinden.“ Der Kanni­ balisierungseffekt müsse sich zudem in Grenzen halten, ergänzt der Handelsexper­ te von der Hochschule Heilbronn. Ein Her­ steller, der diese Kannibalisierung kom­ plett vermieden hat, ist die US­Modemarke Hollister. Ohne den Vertriebskanal Groß­ handel je etabliert zu haben, sei es den Amerikanern mit einem cleveren Marke­ ting gelungen, ihre überwiegend junge Kundschaft zu gewinnen, erklärt Alter. Unternehmen mit erfolgreichen Strate­ gien sind dem Handelsfachmann zufolge immer auch Vorbilder für andere Manager in der Branche. Manche von ihnen würden sich allerdings nur einreden, dass ihre Mar­ ke stark genug sei. Selbst mit einer bekann­ ten Marke im Rücken müsse diese Form der Expansion nicht nachhaltig funktionieren, wie der Fall des Luxusmodeherstellers Strenesse zeige. Das Unternehmen aus dem bayrischen Nördlingen durchläuft gerade eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Der Vorreiter Hugo Boss ist aber nicht nur wegen der guten Wachstumsaussichten auf die Idee gekommen, den Vertrieb in die eigene Hand zu nehmen. In einer Studie

Der Modekonzern Hugo Boss setzt in seinen eigenen Shops mehr um als über den Einzelhandel. des Göttinger Marketingprofessors Hans­ Christian Riekhof wird am Beispiel des Großbritannien­Geschäfts des Edelschnei­ ders beschrieben, wie die Wirtschaftskrise den Trend beschleunigt hat: Franchise­ Partner konnten ihren Verpflichtungen zur regelmäßigen Renovierung nicht nach­ kommen; Kaufhäuser forderten Waren­ rücknahmen und bessere Zahlungskondi­ tionen. Ein Teil der Großhandelspartner musste im Zuge der Krise sogar Insolvenz anmelden, andere veränderten ihr Sorti­ ment und nahmen mehr preisaggressive Marken auf. Als Reaktion darauf haben sich die Metzinger von unprofitablen Großhan­ delspartnern getrennt und auf die eigene Retail­Expansion gesetzt. Während Boss 2008 noch knapp 80 Prozent seiner Waren auf der Insel über Handelspartner vertrie­ ben hat, waren es drei Jahre später nur noch 33 Prozent. Der Konzern zeigt sich höchst zufrieden mit der neuen Strategie: „Der Erfolg gibt uns recht. Wir haben im

Foto: Achim Zweygarth

Laufe der letzten vier Jahre in Großbritan­ nien an Stärke gewonnen und gehören heu­ te kontinuierlich zu den am dynamischsten wachsenden Premium­Marken. Dabei er­ zielen wir herausragende Kapitalrenditen für unseren Konzern.“ Den Rückwärtsgang in Sachen eigener Einzelhandel hat der Jeanshersteller Mus­ tang aus Künzelsau eingelegt. „Wir haben in der Vergangenheit zu viele Shops an der falschen Stelle eröffnet“, sagt der heutige Mustang­Chef Dietmar Axt. Nach seinem Einstieg vor drei Jahren stoppte er die seit 2004 forcierte Expansion des Filialnetzes, schloss in seinem ersten Jahr mehr als ein Dutzend eigener Läden und machte sich auf die Suche nach neuen Vertriebs­ partnern. Mustang besitzt heute noch rund 50 Shops im In­ und weitere 25 im Ausland. Das Verhältnis Einzel­ zu Großhandel – derzeit 50 zu 50 – soll sich weiter in Rich­ tung Großhandel verschieben. Die Zielmar­ ke liegt Axt zufolge bei 75 Prozent.

Herrn Aumillers Angst vor der Sonne Das letzte Schirmgeschäft in Münchens Innenstadt trotzt Flagship­Stores, Handyläden und dem Ungeist der Zeit. Von Mirko Weber Fachhandel

S

Schirme gehen im­ mer, doch mehr als zehn Euro dürfen sie selten kosten. Foto: fotolia

chirme. Schwieriges Thema. Weil: einen guten Schirm kauft man ja eigentlich fürs Leben – um ihn doch womöglich bei der übernächsten Gelegen­ heit irgendwo stehen zu lassen, woraufhin der ursprüngliche, auf Dauer angelegte Lebensschirmplan schnell komplett durcheinandergerät. Der nun folgende Schirm, denn ohne Schirm geht es ja auch nicht, ist dann meist einer der billigen Sorte. „So zehn Euro“, sagt Meinrad Aumil­ ler, der Inhaber von „Schirme im Rathaus“ in München, ein Mann vom Fach. „Aber die müssen gar nicht mal schlecht sein“, setzt er hinzu. Meinrad Aumiller, ein stattliches bayeri­ sches Mannsbild von gut fünfzig Jahren, trägt denselben Vornamen, den schon der Großvater und der Vater hatten; sein Sohn heißt auch wieder so, Meinrad. Wenn es also um Tradition geht und wie sie, was die Tra­ ditionsgeschäfte angeht, langsam ausstirbt in den großen Innenstädten, ist man hier allemal an der richtigen Adresse: Diener­ straße, hinterm Rathaus. Es ist ein schöner Herbsttag, und Meinrad Aumiller steht vor seinem Geschäft, schräg gegenüber vom Feinkosthänd­ ler Dallmayr, in der Sonne. Klar, dass das nicht sein Wet­ ter ist. Wobei sich das Wet­ ter, das sei ja das Schöne, sagt Aumiller, manchmal schlagartig ändern könne, „und dann drängeln schon mal schnell ein

halbes Dutzend Leute in den Laden, mehr gehen beim besten Willen nicht hinein, und kaufen besagte Zehn­Euro­Schirme“. Aber die Sonne ist ziemlich hartnäckig an diesem Nachmittag. Aumillers, die auch mal das Schirm­Ge­ schäft im Stuttgarter Königsbau betrieben (ehemals: Carl Hepfer), haben 1974 die Dinge übernommen von der Familie Dar­ chinger, die ihrerseits seit 1952 amtierte. Manche alte Kunden haben den Wechsel zwar zur Kenntnis genommen, sagt Mein­ rad Aumiller, aber irgendwie auch wieder nicht, weil manche bis heute „Herr Dar­ chinger“ zu ihm sagen. Er selbst ist im Jahr 2000 eingestiegen, und das war, sagt Au­ miller rückblickend, ziemlich genau der Zeitpunkt, als es „langsam anfing zu brö­ ckeln“ im klassischen Innenstadtgefüge. Jedenfalls sei ihm die Stammkundschaft, die Qualität kaufte und wollte und selbst Schirme reparieren ließ, „langsam wegge­ storben“, sagt er, oder anders ausgedrückt: „Meine Kundschaft heute ist der Tourist: Chinesen, Amerikaner, Russen.“ Touristen kaufen 10­, 30­, manchmal auch 50­Euro­Schirme, darüber geht we­ nig, und wenn, dann lohnt sich das eigent­ lich nicht. Für über 800 Euro hat Aumiller mal einen Schirm verkauft, den auch Prinz Charles gerne benutzt – britisch halt (wiewohl in China hergestellt), schwarz, schwer –, aber dann war gleich der Stock kaputt, das kann passieren. „Die meisten gehen eh zum Rossmann“, sagt Aumiller, reibt den Daumen über den Zeigefinger der rechten Hand hinweg und schaut ein wenig ins Leere, während er an den Drogerie­Dis­ counter denkt: „Drei Euro. An der Kasse.“ Andererseits ist Aumiller noch ver­ gleichsweise gut dran. Die Miete ist „eini­

germaßen bezahlbar“, und er hat ein Pro­ dukt, „dass eigentlich immer geht“, wenn auch nur, wie geschildert, auf der gesell­ schaftlichen Schwundstufe. Neben „Schir­ me im Rathaus“ war Stempel Berger seit 1919. Die haben 2012 zugesperrt, und Aumiller sieht das eher nüchtern: „Wer braucht heute bei Internet und Tralala noch Stempel?“ Außer Behörden. Manche Dinge, denkt man trotzdem, gibt es doch ewig: Porzellan zum Beispiel. Dass dem nicht so ist, hat Kuchenreuther in der Münchner Sonnenstraße gemerkt. Das Geschäft musste im letzten Jahr ausverkau­ fen – nach drei Generationen. Wobei Ku­ chenreuther schon einigermaßen mit der Zeit gegangen war, aber eben nicht mit den ganzen bonbonbunten Billigeinrichtungs­ läden mithalten konnte. „Joh. Zehme“, Hut­ macher von Rang und Namen, verließ die Perusastraße; das Modehaus Maendler zog aus. „Wer ist da drin?“, fragt Meinrad Aumil­ ler. Bei Maendler ein Mango­Shop. Und sonst? „Handyläden, schon um zu zeigen, dass sie’s jederzeit können. Die wollen prä­ sent sein – wie die Parfümerieketten.“ Vor großen Einkaufszentren muss sich die Münchner Innenstadt zwar bisher nicht fürchten, aber was sich sonst in der Fläche alles monopolisiert und als Flaggschiff rein­ rauscht, reicht allemal. Eher noch luxuriö­ ser geworden oder in der Hand von Global Playern wie Vuitton, Abercrombie & Fitch oder Adidas sind die Edelmeilen Theatiner­ und Maximilianstraße, in deren Umfeld sich darum Einzelhändler ansiedeln, die bewusst Exklusivität verkaufen – und das auch demonstrieren wollen. So ist nicht nur der hyperteure Schuhladen von Eduard Meier (seit 1596) in die Brienner Straße gewan­ dert, also eher an den Rand der Innenstadt. Andere Hochmögende haben sich ange­ schlossen und eine kleine Gemeinde gebil­ det. Einen Zusammenschluss von Tradi­ tionsgeschäften, wie jüngst in Stuttgart von Hochland, Tritschler, Wittwer und anderen

organisiert, gibt es jedoch in München vor­ erst nicht. Hier wurstelt jeder für sich allein. Im Zweifelsfall, sagt Meinrad Aumiller, jetzt schon wieder ganz versöhnlich ge­ stimmt, kämen die Leute dann doch wieder drauf, dass es noch einen Fachhandel in der City gibt und dass der Sachen auf Lager hat, von denen selbst die Kaufhäuser nur träu­ men können. Andererseits stehen häufig die Herren im Laden – „Es sind immer die Her­ ren“, sagt Aumiller –, zücken ihre Smart­ phones und geben bekannt, dass es dieses oder jenes Modell im Internet klar billiger „Die Stammkundschaft, die gebe, aber echt. Au­ Qualität kaufte, ist langsam miller hatte mal mit weggestorben. Meine Kundschaft Modeschmuck im Nebenerwerb ange­ heute ist der Tourist: Chinesen, fangen und mit Lotto Amerikaner, Russen.“ geliebäugelt. Selbst Der Münchner Schirmfachhändler Meinrad Aumiller den kompletten Sys­ temwechsel bis hin zur Eisdiele hatte er bereits erwogen. Logis­ tisch wäre das natürlich ein riesiger Auf­ wand, und irgendwie, das merkt man, hängt Aumiller auch an seinen paar Quadratme­ tern im Zentrum der Landeshauptstadt. Ja, und es freut ihn natürlich, dass er mit der al­ ten Kundschaft noch reden kann, wie ihm das Maul gewachsen ist: münchnerisch halt, wie man’s kaum noch irgendwo hört. Über­ dies hat die Stadt ein Auge drauf, dass bei „Schirme im Rathaus“ eigentlich alles bleibt, wie es ist. Nämlich in der Art: Alte Dame: „Ich hätte gerne einen schö­ nen Schirm für meine Freundin.“ Verkäuferin: „Und das Stoffmuster?“ Alte Dame: „Wie der im Fenster. Mit den Blumen.“ Die Frau nimmt den mit den Blumen. Blumen gehen immer, auch auf Schirmen, ja, gerade auf Schirmen. Und Meinrad Aumiller junior – letzte Meldung jetzt –, momentan 14 Jahre alt, will vom Papa das Geschäft übernehmen. Ganz im Ernst. Es lebe der Fachhandel.


8 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Online­Shopping: Segen oder Fluch? Bereits jeder zehnte Euro im deutschen Einzelhandel wird im Internet ausgegeben. Gleichzeitig müssen immer mehr traditionelle Geschäfte schließen. Zwei StZ­Redakteurinnen debattieren die Entwicklung aus Kundinnensicht.

Konkurrenz

7,1

Top-Warengruppen im Online-Handel nach Umsatz im Jahr 2013, in Milliarden Euro 5,0 3,8 2,9

2,8 2,2

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Illustration /Grafik: Oliver Biwer

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Einladung zum digitalen Bummeln

Der Retouren­Stress

Angebot Online­Shopping ist nicht nur bequem und zeitsparend. Im Internet gibt es auch eine schier unendliche Fülle an Produkten und Kundenbewertungen. Von Nora Stöhr

Beratung Einkaufen am Computer kann nervenaufreibend sein. Und weit und breit gibt es kein Straßencafé, das ein wenig Entspannung bieten könnte. Von Inge Nowak

E

s gibt sie, diese Momente, in denen einem – vielleicht inspiriert vom Fernseh­ programm oder auch ganz spontan – ein­ fällt, dass man ein bestimmtes Produkt haben möchte. Mit wenigen Klicks im Internet kann diesem Verlangen auf unmittelbare Weise Ge­ nüge getan werden. So kommt auch die Frage erst gar nicht auf, wann man denn eigentlich die Zeit finden soll, um etwa den benötigten Reiseführer oder die gewünschte Bluse in der Stadt zu besorgen. Vor allem, wenn man genau weiß, nach was man sucht, kann Online­Shop­ ping sehr bequem und zeitsparend sein. Aber auch, wenn man sich einfach nur inspi­ rieren lassen möchte, lädt das Netz mit seiner schier unendlichen Fülle an Artikeln zum digitalen Bummeln ein. Dort gibt es ein Angebot, das vermutlich Die weite Welt des alle stationären Händler in Deutschland zu­ Internets ist ein Ort, sammengenommen gar an dem tatsächlich nicht anbieten können: Markttransparenz Kleidungsstücke in al­ len erdenklichen Far­ herrscht. ben, Formen, Größen und Schnitten – und darüber hinaus auch Arti­ kel, die in kleineren Städten nicht erhältlich sind oder die überhaupt hierzulande gar nicht verkauft werden. Ein weiterer Vorteil: die Produkte werden auf den Shopping­Portalen ausführlich be­ schrieben und zudem von anderen Kunden be­ wertet. Fallen die Schuhe größer oder kleiner aus? Entspricht die Farbe des Kleides auf dem Foto auch der des Originals? Trägt der Stoff auf? Solche Kriterien bleiben selten un­ erwähnt. Gerade, wenn man sich für den Kauf eines Smartphones, eines Tablet­PCs oder Ähnlichem interessiert, sind differenzierte

Meinungen zu Vor­ und Nachteilen eines Pro­ dukts wirklich hilfreich. Das Internet ist ein Ort, an dem tatsächlich noch Markttransparenz herrscht: Hier gibt es die Möglichkeit, Artikel, Preise und Lieferzei­ ten von verschiedenen Herstellern und Anbie­ tern einfach und direkt miteinander zu verglei­ chen. Viele Online­Shops bieten ihren Kunden darüber hinaus auch attraktive Preise und Rabatte an, die in herkömmlichen Geschäften nicht möglich sind. Sicherlich, ob der Rock einem nun passt oder die Farbe des T­Shirts einem steht, lässt sich erst herausfinden, wenn die Ware dann tat­ sächlich zu Hause angekommen ist. Doch fehlt nicht oft auch in den Geschäften die Muse, sich in den engen Umkleidekabinen mit nicht son­ derlich schmeichelhaftem Licht allzu lange aufzuhalten und die Kleidung ausführlich an sich zu begutachten? Zu Hause, vor dem heimi­ schen Spiegel, lässt sich die bestellte Ware jedenfalls in aller Ruhe anprobieren und mit Klamotten oder Accessoires, die man bereits im Schrank liegen hat, kombinieren. Und wenn der Artikel nicht gefällt, dann wird er wieder zurückgeschickt. Das geht auch unabhängig von Öffnungszeiten und ohne nervenaufreibendes Schlangestehen am Post­ schalter. Denn erfahrene Online­Shopper wis­ sen längst: Die Retouren können beispielsweise auch in sogenannten Paketboxen aufgegeben werden. Klappe schließen und fertig!

Nora Stöhr kümmert sich im StZ­Wirtschaftsressort um die Medienbranche – von Verlagen bis zu privaten TV­Anbietern.

C

omputer hochfahren, Online­Shop besu­ chen, Produkt bestellen – und wenige Ta­ ge später steht der Paketbote vor der Tür. 24 Stunden am Tag shoppen, immer stau­ und stressfrei. So einfach soll Online­Shopping sein, verspricht die Branche. Von wegen. Zunächst das Angebot. Im Internet findet sich alles und dies auch noch überreichlich. Bei­ spiel Hosen. Es gibt sie in Blau, Schwarz, Grau, Grün und Rot. Und ich klicke und klicke und klicke. Es gibt sie in vielen Formen und Längen. Und es gibt ausführliche Produktbeschreibun­ gen. Stimmt. Aber: Passt mir die Hose, steht sie mir, oder sollte ich ein anderes Modell wählen? Fehlanzeige. Dazu gibt es keine Informatio­ nen – klicken hilft nicht, nur probieren. Also bestelle ich Hosen. Doch Vorsicht, der Mindest­ bestellwert ist wichtig, sonst wird Porto fällig. Und jetzt sind – jawohl – die Nachbarn ge­ fordert. Welche Berufstätige ist schon zu Hau­ se, wenn der Paketdienst kommt? Rentner in der Nachbarschaft können ein Lied davon sin­ gen, während sich bei ihnen die Pakete am Hauseingang stapeln. So viel Toleranz ist nie­ mandem abzuverlangen. Die Modenschau vor dem häuslichen Spiegel macht es dann deut­ lich: falsche Farbe, unvorteilhafter Schnitt, gro­ ber Stoff. Alles wieder einpacken und zurück an den Absender. Und dann droht für weniger rou­ tinierte Online­Shopper die nächste Hürde: die Schlange am Postschalter. Und Retouren sind beileibe nicht die Ausnahme. Sie sollen bei über 50 Prozent liegen. Und die Kleidungsstücke, die nicht zurückgeschickt werden, sondern ihr trauriges Dasein im Schrank fristen, sind da nicht mal mitgerechnet. Doch die Retoure ist nicht das Ende, sondern der Anfang: Computer hochfahren, Online­Shop besuchen – Sie wis­ sen schon.

Natürlich schützt auch der stationäre Han­ del nicht vor Fehlkäufen. Aber sie lassen sich reduzieren – weil die Menschen meist konkrete Vorlieben für Geschäfte und Marken haben und sich gerne Rat suchen. Mit einer Freundin wird ein Einkaufsbummel schnell zum Erlebnis (in­ klusive Café­Pause). Eine geschulte Verkäufe­ rin kennt ihre Waren und hat einen Blick für die Figur der Kundin – und macht Mut zum Auspro­ Die Zustellung der bieren. So findet frau Online­Bestellung wird Modelle, an die sie selbst zur Arbeitsbeschaffungs­ nie gedacht hätte. Nicht zu unterschätzen: sie maßnahme für die kann Stoffe anfassen Nachbarschaft. und so im wahren Sinne erfahren. Und wenn die Verkäuferin mal keine Zeit hat – kein Problem. Zum einen benötigen die wenigsten Kunden eine Vollzeitberatung, zum anderen kann ein Modeschwätzchen mit der Dame aus der Nachbar­Anprobe ganz an­ regend sein. All dies droht zu verschwinden, wenn immer mehr Kunden lieber im Internet einkaufen. Das gilt nicht nur für Mode, sondern auch für Bücher, CDs oder Elektronikartikel. In einem Geschäft trifft man Menschen, die etwas über Musik oder Bücher erzählen können. Und wer sein technisches Grundwissen erweitern will, holt sich Rat beim Fachmann hinter der Theke – statt am Computer zu sitzen oder ewig in der Hotline­Schleife zu hängen.

Inge Nowak beschäftigt sich in der StZ­Wirtschafts­ redaktion mit den Zulieferern und dem Maschinenbau.


Wir Wirtschaft tschaft & Karriere

November 2014

9

Klangvoller als ein Doktortitel Hätten Sie’s gewusst? Eine souveräne Stimme ist für den beruflichen Erfolg wichtiger als Maßanzug und Kostüm. Piepsmäuse und Nuschler werden nie Chef. Schon ein paar Stunden Stimmtraining können die Karriere beflügeln. Von Berrit Gräber

W

ahrscheinlich hätte sich Karl­Theodor zu Gutten­ berg die Dissertation wirklich schenken kön­ nen. Denn er besitzt das, was die Karriere jedes Menschen mächtig beflügeln kann: eine wohltönende, souve­ räne Stimme. So etwas wie den richtigen Schmelz zum Erfolg. In vielen Berufsspar­ ten sei nicht unbedingt ein Doktortitel der Schlüssel zum Aufstieg in Führungsposi­ tionen, sondern vor allem ein stimmlich überzeugender Auftritt, sagt Iris Eicher, Sprachwissenschaftlerin und Stimmtrai­ nerin in München. Studien haben bewiesen: Leise Pieps­ mäuse kommen übers Kaffeekochen in der Firma selten hinaus – ob sie blitzgescheit sind oder nicht. Auch schrille Sirenen, sich verhaspelnde Schnellsprecher oder knö­ delnde Nuschler schaffen es kaum bis in die Chefetagen. Wer in Bewerbungsgesprä­ chen oder später in Konferenzen Training Ob Sirene oder und Besprechun­ Piepsmaus: selbst jahrelan­ gen erst gar nicht ge stimmliche Schieflagen „gehört“ wird oder lassen sich mit gezieltem stimmlich in un­ Training ausmerzen. Der Karriere angenehmer Er­ kommt das zu Gute. innerung bleibt, landet in der Regel auf dem berufli­ chen Abstellgleis, weiß Karrierecoach und Diplom­Psychologe Jürgen Hesse aus der täglichen Beratungspraxis. Auf ewig India­ ner statt Häuptling: das kann Frauen wie Männern gleichermaßen passieren, wenn sie sich eine unnatürliche Tonlage ange­ wöhnt haben. Wie stark eine gute Stimme die Außen­ wirkung von Menschen beeinflussen kann, hat der US­Psy­ chologe Albert Kosten Die Kosten für eine Mehrabian in Stimmtherapie werden einer Studie nach­ von der Krankenkasse im gewiesen. Danach Normalfall übernommen, gehen satte 38 zumindest wenn ein Phoniater sie Prozent des per­ verordnet hat. sönlichen Ein­ drucks auf andere auf das Konto der Stimme. Nur sieben Prozent hängen über­ haupt vom Inhalt des Gesagten ab, der gro­ ße Rest von der Körpersprache. Clevere Politiker wissen das längst. Wer mitreißende Reden halten, Vertrauen we­ cken und aufsteigen will, holt sich Unter­ stützung vom Sprech­Coach. Auch Schau­ spieler tun es, Moderatoren, Dozenten, Spitzenmanager. Und was machen Millio­ nen normale Berufstätige? „Die machen sich so gut wie nie Gedanken um den Klang

ihrer Stimme“, erzählt Iris Eicher, die als Dozentin an der Münchner Ludwig­ Maximilians­Universität (LMU) arbei­ tet. „Das sollten sie ruhig mal tun.“ Zwar sind viele im Job perfekt vorbereitet, achten auf ihr Äußeres, haben ihre Körpersprache im Griff – aber sobald sie den Mund aufma­ chen, können sie einfach nicht punkten. Fast jeder kennt solche Kol­ legen: Frauen, die mit viel zu hoher Kopfstimme fiepen, die mit dem Tempo eines Maschinengewehrs rattern. Männer, die monoton leiern, die sich im Sekunden­ takt räuspern oder hüsteln. Oder, schlimmster Fall: Männer, deren Stimme so hoch ist, dass sie am Telefon als Frau angesprochen werden. Und dann kennt jeder die Kollegen, die durch ihre Stimme angenehm auffallen – Männer wie Frauen. Die immer die volle Aufmerksamkeit für sich verbuchen kön­ nen, wenn sie das Wort ergreifen. Die scheinbar wie von selbst die Karriereleiter nach oben klettern. Vielen Vorgesetzten ist nicht bewusst, dass sie Mitarbeiter mit souverän­klang­ voller Stimme unweigerlich als selbst­ sicher, dynamisch und führungsstark ein­ stufen, wie eine neue Studie von Elke Sap­ per am Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik der Münchner LMU herausfand. Die Art des Vortrags überlagert in der Regel die In­ halte, wie brillant sie auch sein mögen. Ein Mensch mit unnatürlicher Stimmlage und Sprechtempo wird im direkten Vergleich mit hoher Wahrscheinlichkeit den Kürze­ ren ziehen, wenn es um Einstellung oder die nächste Stufe der Karriereleiter geht. Wer eine stimmliche Schieflage hat, ist sich dessen aber selbst nicht bewusst, weiß Stimm­Coach Eicher aus Erfahrung. Viele Menschen haben sich die „falsche“ Sprech­ weise im Lauf des Lebens angewöhnt. Den echten eigenen Grundton haben sie prak­ tisch verlernt. Stehen sie unter Stress, wird es nicht besser. Im Gegenteil: Kleinmäd­ chen­Stimmen kieksen bei Anspannung noch höher, Schnellsprecher verhaspeln sich noch öfter als sonst. Dazu wird ständig gehüstelt, geräuspert, nach Luft ge­ schnappt – kein Zuhörer bleibt davon un­ beeindruckt. „In 99 Prozent der Fälle kommt kein Hinweis von Kollegen oder Freunden, das Thema ist zu intim“, sagt auch Karrieretrainer Hesse. Dafür reden Personalleiter in Firmen immer öfter Klartext. Wer im Mitarbeiter­ oder im Bewerbungsgespräch zu hören bekommt, er könne sich kein Gehör ver­ schaffen, sollte spätestens dann profes­ sionelle Hilfe suchen, betont Eicher. Blei­

Illustration: Malte Knaack

Auftreten

ben Stimmproble­ me unbehandelt, schleifen sie sich ein und werden chronisch. Eine anspre­ chende Stimmlage ist nicht allein natürliche Begabung. Sie lässt sich gezielt üben. Ein Beispiel aus Hesses Karrierebera­ tung: Eine 40­jährige Politologin mit Doktortitel und Top­Referenzen war trotz etlicher Vorstellungsgespräche volle zwei Jahre lang arbeitslos. Bis sich ein Personalleiter erbarmte und die Frau auf den „keifigen Ton in der Stimme“ hin­ wies. Sie ging zum Stimmtraining – und tat­ sächlich klappte es dann mit der Anstellung. Vor allem Frauen bräuchten eine kraft­ volle Stimme, um sich gegen die männliche Konkurrenz durchsetzen zu können, sagt Eicher. Denn Männer sind von der Natur her häufig im Vorteil. Die Höhe der Stimme hängt auch von der genetischen Veranla­ gung ab. Je größer der Kehlkopf und das Lungenvolumen, desto tiefer die Stimme. Beim Sprechen werden über 100 Mus­ keln gebraucht und koordiniert. Schon ein normales Gespräch mit etwa 120 Wörtern pro Minute ist eigentlich eine kleine Meis­ terleistung. Jedes Wort erfordert eine an­ dere Muskelstellung und das Einbinden unterschiedlicher Organe. Schon kleine Tricks können helfen, den richtigen Ton zu treffen, selbst bei Lampen­ fieber und massivem Stress. Menschen mit unechter Stimme müssten „zunächst lernen, sich selbst beim Sprechen wahrzunehmen“, erläutert Fachfrau Eicher. Wer locker „mmmmmm“ brummt, kriegt eine Ahnung davon, wie seine natürliche Klangfarbe wirk­ lich ist. Oft hilft auch die Vorstellung, man sei bei seinem Lieblingsitaliener, habe noch die phänomenale Soße auf den Lippen und sagt dann voll Begeisterung: „Mmmmolto bene“. Ein professionelles Stimmtraining star­ tet aber nicht gleich mit Stimmübungen. Locker machen, Schuhe ausziehen und mit der Fußsohle über kleine Bälle rollen – das

Berufliche Nachteile Wer sich eine unechte Sprech­ weise angewöhnt hat, merkt es oft nicht. Das kann für die Betroffenen in eine berufliche Sackgasse führen.

sind erste Schritte, um Fistelstimme oder Nu­ schelei loszuwerden. Schon das pure Aufrich­ ten des Oberkörpers schafft viel mehr Raum fürs Atmen und Sprechen. Wer sich groß macht, gerade sitzt oder steht, bekommt eine festere Stimme. Das klappt ruck, zuck. „Manchen gelingt eine Veränderung schon nach fünf Trainingseinheiten à 45 Minuten“, betont Eicher. Bei anderen kann es deutlich länger dauern. Die Kosten für eine befreite, souveräne Stimme: ab 500 Euro, je nach Stimmeinschränkung und Aufwand. Die Therapie wird von der Kranken­ Außenwahrnehmung kasse übernommen, Menschen, die nuscheln, wenn ein Phoniater piepsen, knödeln, hüsteln (Facharzt für Sprach­, oder sich räuspern, werden Stimm­ und kindliche als führungsschwächer eingestuft – Hörstörungen) sie ver­ wie gescheit sie auch sein mögen. ordnet hat. „Leute, pflegt die Stimme, wie ihr den Rest des Körpers pflegt. Sie kann im Beruf richtig viel nützen und womöglich bares Geld wert sein“, fordert Karrierecoach Hesse. Spre­ chen in der richtigen Tonlage sei leicht zu lernen, koste oft nicht mehr als ein paar neue Skier – und mache rundum selbstbewusster.

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10 Wirtschaft in Baden-WĂźrttemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Wenn Firmen ihre Top­Leute auf dem Kieker haben, werden schon mal Hotelrech­ nungen oder Tankbelege durchforstet, um arbeits­ rechtliche Verfehlungen zu finden. Fotos: factum/Weise, fotolia (2)

In Ungnade gefallen Nicht immer sind Unternehmen mit ihrem obersten FĂźhrungspersonal zufrieden. Gilt hier â&#x20AC;&#x17E;Hire and Fireâ&#x20AC;&#x153;, oder muss man differenzieren? Von Andreas Chmel Wenn Chefs gehen mĂźssen

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olange die Geschäfte in Unterneh­ men gut laufen, haben deren Inha­ ber bzw. Aufsichtsorgane in der Regel wenig Grund, die oberste FĂźhrungsebene infrage zu stellen. Dies gilt fĂźr GeschäftsfĂźhrer einer GmbH wie fĂźr Vorstände einer Aktiengesellschaft. Werden hingegen die Geschäftsziele nicht erreicht, beginnt die Suche nach den Ver­ antwortlichen. Gibt es keine nachvollzieh­ baren äuĂ&#x;eren EinflĂźsse wie etwa eine allgemeine Rezession, wird häufig beim obersten FĂźhrungspersonal angesetzt. Wer das Unternehmen vermeintlich nicht mehr im Griff hat, fällt leicht in Ungnade. Glei­ ches kann fĂźr GeschäftsfĂźhrer und Vor­ stände bei PflichtverstĂśĂ&#x;en wie etwa Kom­ petenzĂźberschreitungen oder einer allzu laxen Spesenpraxis, aber auch bei Differen­ zen mit den Gesellschaftern oder Auf­ sichtsorganen geschehen. Ist die Trennung seitens des Unternehmens einmal be­ schlossen, stellt sich die Frage nach der Umsetzung. Bei einer GmbH ist meist die Gesell­ schafterversammlung fĂźr das Verhältnis zum GeschäftsfĂźhrer zuständig. Die Ge­ sellschafterversammlung kann einen Ge­ schäftsfĂźhrer in aller Regel jederzeit und ohne Angabe von GrĂźnden von seinem Amt als GeschäftsfĂźhrer abberufen. Damit ver­ liert der GeschäftsfĂźhrer zwar sein Amt, meist wirkt sich dies aber nicht auf den Dienstvertrag aus, der neben der ursprĂźng­ lichen Bestellung zum GeschäftsfĂźhrer be­ steht und der unter anderem Regelungen zur Dauer des Dienstverhältnisses sowie

zur VergĂźtung enthält. Nur teilweise sehen Dienstverträge mit GeschäftsfĂźhrern soge­ nannte Koppelungsklauseln vor, wonach der Dienstvertrag mit oder kurze Zeit nach einer Abberufung automatisch endet. Ohne Koppelungsklausel hängt es von der kon­ kreten Gestaltung der Dienstverträge ab, was weiter geschieht. Viele Dienstverträge von GeschäftsfĂźh­ rern werden befristet abgeschlossen, etwa fĂźr die Dauer von zwei oder drei Jahren. Wird ein solcher befristet angestellter Ge­ schäftsfĂźhrer vor dem Befristungsende von seinem GeschäftsfĂźhreramt abberufen, muss die Gesellschaft den Vertrag dennoch weiter erfĂźllen und insbesondere weiter VergĂźtung bezahlen. Dies gilt unabhängig davon, ob der GeschäftsfĂźhrer von seinen Dienstpflichten vollständig freigestellt wird oder eine anderweitige Tätigkeit zuge­ wiesen erhält, wobei zweifelhaft ist, ob Letzteres Ăźberhaupt zulässig ist. Sieht der Dienstvertrag des Geschäfts­ fĂźhrers hingegen die MĂśglichkeit zur KĂźn­ digung unter Einhaltung bestimmter Fris­ ten vor, wird die Gesellschafterversamm­ lung hiervon Gebrauch machen und mit der Abberufung eine KĂźndigung ausspre­ chen. Bis zum Ablauf der KĂźndigungsfrist ist die Situation dann genauso, wie sie so­ eben fĂźr befristete Dienstverträge geschil­ dert wurde. Gegen eine solche KĂźndigung kann sich der GeschäftsfĂźhrer nicht zur Wehr setzen, soweit die KĂźndigungsfrist eingehalten wurde. Hier liegt ein wesent­ licher Unterschied zur KĂźndigung eines Arbeitnehmers. GeschäftsfĂźhrer werden â&#x20AC;&#x201C;

anders als Arbeitnehmer â&#x20AC;&#x201C; nicht vom KĂźn­ digungsschutzgesetz erfasst, so dass dessen strenge Anforderungen bei der KĂźndigung eines GeschäftsfĂźhrers nicht gelten. Be­ grĂźndet wird dies damit, dass Geschäfts­ fĂźhrer innerhalb des Unternehmens Arbeitgeberfunktionen wahrnehmen, wo­ mit sich der allgemeine KĂźndigungsschutz nicht verträgt. Aus diesem Grund achten GeschäftsfĂźhrer häufig auf Dienstverträge mit langen Befristungszeiträumen oder langen KĂźndigungsfristen. Solche auf eine gewisse Dauer angelegten Verträge sind â&#x20AC;&#x201C; neben der VergĂźtungshĂśhe â&#x20AC;&#x201C; eine Art Kom­ pensation fĂźr den fehlenden KĂźndigungs­ schutz von GeschäftsfĂźhrern. Um die aus Sicht des Unternehmens unliebsame Folge zu vermeiden, den Ge­ schäftsfĂźhrer nach einer Abberufung noch fĂźr längere Zeit weiter vergĂźten zu mĂźssen, kommt es gelegentlich zur sogenannten Schleppnetzfahndung. Es werden Unter­ lagen â&#x20AC;&#x201C; insbesondere Spesenbelege â&#x20AC;&#x201C; durchforstet, um zu sehen, ob sich daraus nicht ein Grund fĂźr eine fristlose KĂźndi­ gung des Dienstvertrages ergibt. Bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen des GeschäftsfĂźhrers kann dessen Dienstver­ trag fristlos gekĂźndigt werden, wobei das Unternehmen nach Bekanntwerden der Verfehlungen rasch handeln muss. Verfeh­ lungen im Spesenbereich, die zu persĂśnli­ chen BegĂźnstigungen des GeschäftsfĂźhrers fĂźhren, sind nicht selten ein dankbarer Anlass fĂźr den Ausspruch einer fristlosen KĂźndigung. So kann sich etwa herausstel­ len, dass anstelle des im Spesenbeleg ange­

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gebenen Geschäftspartners die eigene Ehefrau zum Essen eingeladen wur­ de. Auch die Betankung des Privat­Pkw mit Benzin Ăźber die Firmentankkarte kann bei einem Diesel­Geschäftswagen bei genau­ erem Hinsehen auffallen. Die anwaltliche Frage nach der â&#x20AC;&#x17E;weiĂ&#x;en Westeâ&#x20AC;&#x153; oder â&#x20AC;&#x17E;Lei­ chen im Kellerâ&#x20AC;&#x153; ist daher zwangsläufig, wenn sich ein GeschäftsfĂźhrer dazu bera­ ten lässt, wie er sich am besten zu einem Trennungsansinnen des Unternehmens positioniert. Nimmt der GeschäftsfĂźhrer beispielsweise einen ihm angebotenen Aufhebungsvertrag nicht an oder reizt ihn insbesondere finanziell zu sehr aus, wird häufig das Schleppnetz ausgeworfen. Nicht selten fĂźhrt es zu einem fĂźr den Geschäfts­ fĂźhrer verhängnisvollen Fang, mag auch der GeschäftsfĂźhrer damals nur unbedacht gehandelt haben. FĂźr Vorstandsmitglieder von Aktien­ gesellschaften gelten die obigen AusfĂźh­ rungen teilweise ebenfalls. Der wichtigste Unterschied ist, dass der zuständige Aufsichtsrat die Bestellung zum Vor­ standsmitglied nur widerrufen darf, wenn hierfĂźr ein wichtiger Grund vorliegt. Erforder­ Auf der Suche nach lich ist beispielsweise eine KĂźndigungsgrĂźnden grobe Pflichtverletzung greifen manche Firmen oder die Unfähigkeit zur ordnungsgemäĂ&#x;en Ge­ zur Schleppnetzfahndung schäftsfĂźhrung. Ob diese und durchforsten alte Voraussetzungen vorlie­ Spesenabrechnungen. gen, wird vom Aufsichts­ rat und Vorstandsmitglied häufig unterschiedlich beurteilt. Gegen eine Abberufung kann das Vorstandsmit­ glied â&#x20AC;&#x201C; anders als regelmäĂ&#x;ig der GmbH­ GeschäftsfĂźhrer â&#x20AC;&#x201C; gerichtlich vorgehen. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung Ăźber das Bestehen eines wichtigen Grun­ des bleibt die Abberufung zwar jedenfalls wirksam, ob jedoch Klage erhoben wird, ist davon abhängig, ob das Vorstandsmitglied mit der Situation trotz einer eventuell frag­ lichen Abberufung gut leben kann. Dies ist häufig der Fall, wenn das im Zweifel freige­ stellte Vorstandsmitglied bis zum Ablauf des Dienstvertrages weiter vergĂźtet wird. Ist dem nicht so, kann eine Klage aufgrund ihres hohen Lästigkeitswerts Bewegung in mĂśglicherweise festgefahrene Einigungs­ gespräche bringen. In aller Regel besteht auf beiden Seiten Interesse an einer Eini­ gung und nur wenig Neigung, die interne Auseinandersetzung im Rahmen eines Ăśf­ fentlichen gerichtlichen Verfahrens â&#x20AC;&#x201C; ggfs. im Beisein der Presse â&#x20AC;&#x201C; auszutragen. So werden auf Eis gelegte Vergleichsgesprä­ che nach Klageerhebung nicht selten rasch wieder aufgenommen, um einer mĂźndli­ chen Verhandlung mĂśglichst aus dem Weg zu gehen. Solange der Gesprächsfaden aber nicht vĂśllig abgerissen ist, macht es Sinn, frĂźhzeitig eine einvernehmliche Trennung zu erreichen und ein gerichtliches Verfah­ ren gänzlich zu vermeiden. Dies bringt bei­ den Seiten Klarheit und Rechtssicherheit. Die Vorstellungen beider Seiten, wie eine Einigung aussehen kann, sollten dabei frei­ lich nicht allzu weit auseinander liegen. Dies ist oft die Krux.

DER ARBEITSRECHTLER Gastautor Andreas Chmel, Jahr­ gang 1970, studierte an den Uni­ versitäten Tßbingen und Catania und erwarb in der Folge seinen Doktortitel an der Humboldt­Uni­ versität zu Berlin. Seit 2001 ist er Rechtsanwalt bei der Wirtschafts­ kanzlei Thßmmel, Schßtze und Partner in Stuttgart. 2005 wurde er dort Partner. Andreas Chmel berät und vertritt vorrangig Arbeit­ geber, aber auch Fßhrungskräfte in Belangen des individuellen und kollektiven Arbeitsrechts. Daneben bildet die Beratung ausländischer, international aufgestellter Unter­

nehmen mit Aktivitäten in Deutschland und Europa einen Schwer­ punkt seiner Arbeit. Er ist unter anderem spezialisiert auf die Gestaltung und Beendigung von Arbeits­ und Dienst­ verträgen von Ge­ schäftsfĂźhrern und Vorständen sowie auf Restrukturierungs­ maĂ&#x;nahmen in Unterneh­ men. red


Wirtschaft in Baden-Württemberg 11

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

„Die ziehen den Job durch“

Björn Knothe, Chef der Stuttgarter Personal­ vermittlung Division One, rechnet mit mehr Geschäft, aber wachsender Konkurrenz. Foto: Lg/Max Kovalenko

Reingehen, sanieren, rausgehen. Interimsmanager gelten als die harten Jungs unter den Zeitarbeitern. Ihr Job ist aber vielschich­ tiger, sagt Björn Knothe, Chef der Personalvermittlung Division One. Interview

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nterimsmanagement – das Führen von Unternehmen auf Zeit – ist ein Wachs­ tumsfeld. Gerade für Baden­Württem­ berg mit seiner vielfältigen Unterneh­ menslandschaft trifft das zu. Auslän­ dische Dienstleister haben den Markt entdeckt und greifen an, sagt Björn Knothe.

Herr Knothe, Ihr Unternehmen Division One vermittelt Manager auf Zeit, sogenannte Interimsmanager (IM). Was für ein Typ von Arbeitnehmer ist das? Der Typus des IM ist sehr mobil und hat Spaß an schwierigen Situationen. Stress macht ihm nichts aus, vielleicht sucht er ihn sogar. Er muss komplexe Situationen schnell erfassen und zügig Leistung brin­ gen. Sobald die Lage in einem Unterneh­ men zum Normalbetrieb übergeht, über­ gibt ein Interimsmanager gerne seine Auf­ gaben. Da ist die Herausforderung gelöst, und er verlässt das Unternehmen, wie vor­ her vereinbart. IM sind daher Spezialisten, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn Probleme schnell gelöst werden müssen. Eine interessante Entwicklung ist, dass sie immer jünger werden. Als wir vor fünf Jahren mit der Vermittlung begon­ ZUR PERSON nen haben, waren Björn Knothe Nach einem BWL­Studium in fast alle Kandidaten Stuttgart arbeitete der 42­Jährige für mehrere über 50 Jahre alt. Sie Firmen im In­ und Ausland. 2009 gründete er waren langjährig im zusammen mit einem Partner Division One gehobenen Manage­ mit Sitz in Stuttgart. Die Firma ist auf die Ver­ ment tätig und ge­ mittlung von Führungskräften und Interims­ hörten der ersten managern spezialisiert. wro oder zweiten Füh­ rungsebene an. Heu­ te drängt eine neue, jüngere Generation von Managern in den Markt. Warum ist das so? Das hängt mit sich wandelnden Lebensmo­ dellen zusammen. Die klassische Festan­ stellung über 30 Jahre hinweg, verbunden mit dem Gang durch alle Hierarchiestufen einer Firma, steht in der Rangliste der Arbeitnehmerinteressen nicht mehr ganz oben. Viele Jüngere reizt heute Projekt­ arbeit. Sie wollen immer vor neuen Heraus­ forderungen stehen und sich beweisen. Greenhorns, die kritische Situationen in Unternehmen lösen sollen. Ist das sinnvoll? Zugegeben, vielleicht haben die jüngeren IM manchmal weniger Erfahrung als ihre älteren Kollegen. Für uns als Vermittler ist es wichtig, dass wir den Unternehmen eine breitere Auswahl an Managern und Spezia­ listen anbieten können. Ich begrüße die Entwicklung daher sehr. Welche anderen Qualitäten braucht ein IM? Vor allem Erfahrung in der jeweiligen Branche. Wir vermitteln schwerpunkt­ mäßig IM für die Bereiche Automobil, In­ dustrie und IT. Unsere Erfahrung ist, dass Kunden oft nur Experten akzeptieren, die einschlägige Branchenkenntnisse vorwei­ sen können. Das betrifft ganz sicher Jobs im Produktionsbereich, wenn also eine Fir­ ma einen Werkleiter oder Produktionschef sucht. Wenn ein Unternehmen Verstär­ kung im Finanzbereich benötigt, spielt die

Branchenerfahrung dagegen nicht mehr die übergeordnete Rolle. Meist werden aber Spezialisten gesucht. IM mit gemisch­ ten Lebensläufen tun sich schwer. Der absolut größte Mehrwert eines IM ist es, bestimmte Herausforderungen und Situa­ tionen schon mehrfach erlebt und bewäl­ tigt zu haben. Wenn ein Kandidat schon fünfmal eine Restrukturierung durchge­ führt hat, dann ist er Fachmann und wird auch schnell seinen sechsten Auftrag zur Restrukturierung eines Unternehmens bekommen. Das heißt, wenn die Zeiten in der Wirtschaft schlechter werden, brummt bei Ihnen als Personaldienstleister das Geschäft? Ja und nein. In den Krisenjahren 2009 und auch 2010 war das tatsächlich so. Da war die Nachfrage nach harten Sanierern sehr hoch. Mittlerweile hat aber eine Akzent­ verschiebung stattgefunden. Gerade mit­ telständische Unternehmen haben heute Probleme, genügend Personal fürs eigene Wachstum zu finden. Einer unserer Kun­ den will zum Beispiel gerade ein Werk in China aufbauen, hat aber noch nicht das nötige Personal und Knowhow. Wir haben einige Interimsmanager mit China­Erfah­ rung vorgeschlagen, die ihn bei dem Pro­ jekt begleiten können. Gerade kleinen Fir­ men mangelt es oft an Management­Kapa­ zitäten, um neue Projekte anzuschieben. Dafür kaufen sie sich dann IM ein. Deren Dienste sind dann aber nicht gerade billig, oder? Der durchschnittliche Tagessatz eines IM liegt derzeit bei 1100 bis 1200 Euro, wobei Spezialisten deutlich mehr verdienen kön­ nen. Auf den Monat umgerechnet sind das also 20 000 bis 30 000 Euro. Das ist viel Geld, und es ist auch manchmal die Hürde für uns als Vermittler. Viele Firmen müs­ sen da erst mal tief durchatmen. Welche Vorteile haben die Firmen über­ haupt von IM? Erstens ist ein Festangestellter mit Dienst­ wagen, Rentenversicherung und allen Ex­ tras oft nicht viel billiger. Vor allem dauern gewöhnliche Jobausschreibungen aber sehr lange. Wenn eine Anfrage zu uns kommt, können wir meist innerhalb von zwei bis drei Tagen einige passende Le­ bensläufe liefern. Wenn das Unternehmen Ja sagt, kann der Kandidat sofort anfangen. Interimsmanagement geht also sehr schnell. Außerdem bleibt der Kunde flexi­ bel. Die Kündigungsfristen der IM liegen irgendwo zwischen einem Tag und zwei Wochen. Durchschnittlich bleiben sie aber zehn bis elf Monate im Unternehmen. Ein wichtiger Nebeneffekt ist es, dass IM in einem Unternehmen keine Karriere ma­ chen wollen. Sie wollen ihren Job nur best­ möglich durchziehen. Sie müssen also bei ihren Entscheidungen nicht „politisch“ vorgehen und keine persönlichen Rück­ sichten nehmen. Das erhöht die Qualität der Entscheidungen. Was ist der Unterschied zu klassischen Unternehmensberatern? Strategieberater sind jung und kompetent,

aber oft ohne jede praktische Erfahrung. Sie analysieren die Lage und legen Konzep­ te vor, setzen diese aber nicht selbst um. Der IM geht einen Schritt weiter. Er setzt auch um, was er zuvor vorgeschlagen hat. Das ist der entscheidende Vorteil, den auch immer mehr Kunden sehen. Wie oft scheitern IM? Das kommt selten vor. Viel steht und fällt allerdings mit der Auswahl der Kandida­ ten. Bei Division One treffen wir die Kandi­ daten persönlich und arbeiten zudem über Referenzen. Jeder IM muss zwei Personen nennen, die seine Leistung einschätzen können. Diese treffen wir im Normalfall auch persönlich. Zusammen mit anderen Maßnahmen können wir seine Qualifika­ tionen so ziemlich genau einschätzen. In unserer Datenbank haben wir derzeit gut 1000 IM. Die haben Sie aber nicht alle persönlich getroffen? Viele davon schon. In unseren Büros gehen jeden Tag IM ein und aus. Wo kommen IM überall zum Einsatz? Vakanzüberbrückungen sind ein Dauer­ thema in unserer Branche. Wenn ein Firmenchef stirbt, Krankheiten führende Mitarbeiter außer Gefecht setzen oder es zu überraschenden Kündigungen kommt, werden wir angerufen. Einen Boom gibt es derzeit bei Projekttätig­ keiten, weil die eigenen Ressourcen im Unternehmen nicht mehr ausreichen. Im Mittelstand ist allgemein zu wenig Management­Knowhow vorhanden. Da­ von profitieren wir sehr stark. Mittler­ weile werden IM auch stark gebucht, um dem Produktvertrieb einen Schub zu ge­ ben. Da haben anfängliche Berührungs­ ängste der Firmen stark abgenommen. Die klassische Aufgabe von IM bleiben aber Sanierungen.

Wie viele Frauen arbeiten als IM? Viel zu wenige. Von den rund 3500 IM in Deutschland sind maximal fünf Prozent weiblich. Mehr Frauen würden der Bran­ che guttun. Über die Gründe tappe ich im Dunkeln. Mag sein, dass familiäre Gründe eine Rolle spielen. Klar ist, dass es viele Themen gibt, in denen Frauen stark sind. Allgemein gehen sie die Dinge oft diploma­ tischer an als Männer. Wie reagieren die Belegschaften auf die IM? Bei Sanierungsthemen sind die Vorbehalte natürlich groß, weil zu viele Ängste mit im Spiel sind. Generell wird externer Sach­ verstand in Unter­ WACHSTUMSBRANCHE nehmen aber zuse­ Interimsmanager In Deutschland gibt es hends zum Normal­ rund 25 spezialisierte Vermittler für Interims­ fall. Es gibt also manager. Bekannte Namen sind Division One, generell keine Ab­ Atreus, Ludwig Heuse, Task Force oder Manage­ lehnung. ment Angels. Der Dachverband DDIM taxiert die Branchenumsätze für 2013 auf fast 1,2 Mil­ Was verdienen die liarden Euro. Experten gehen davon aus, dass Vermittler? der Markt mittelfristig um jährlich 15 bis 20 Im Interimsmanage­ Prozent wächst. 2013 lagen die Tagessätze für ment ist es üblich, Interimsmanager durchschnittlich bei knapp das der Vermittler 1000 Euro, je nach Region aber viel höher. circa 20 Prozent des Betrags erhält, den Division One 2009 wurde Division One von das Unternehmen Björn Knothe und Greg Marriott gegründet. für den IM bezahlt. Heute hat man über 20 Mitarbeiter und drei In Zukunft wird der Standorte: Stuttgart, München und Düsseldorf. Markt aber schwie­ Partnerbüros gibt es in über 40 Ländern. wro riger werden. Einerseits drängen immer mehr IM ins Geschäft, andererseits steigt die Zahl der Vermittler. Gerade britische und US­ amerikanische Firmen versuchen in Deutschland Fuß zu fassen. Beides zu­ sammen wird erheblichen Druck auf die Tagessätze der IM ausüben und damit na­ türlich auch auf die Gewinnspannen der Vermittler. Das Gespräch führte Walther Rosenberger.

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12 Wirtschaft in Baden-Württemberg

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Wirtschaft in Baden-Württemberg 13

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Wirtschaftsingenieur Ein Beruf, wie geschaffen für eine immer internationalere Wirtschaft

Die Grenzüberschreiter besonders die Bedürfnisse der mittelstän­ dischen Industrie – die im Südwesten stark vertreten ist. Gerade Betriebe, die hoch­ technologisierte Produkte entwickeln, pro­ fitieren, sagt Sander. Trotz technischem Sachverstand behalten Wirtschaftsinge­ nieure Aspekte wie Qualität, Zeit und Kos­ it Enten werden Wirt­ „Sie sind in der Lage, Probleme zu erken­ ten im Blick. schaftsingenieure gern ver­ nen und Lösungen dafür zu finden, wobei Tatsächlich sind Wirtschaftsingenieure glichen: Sie können weder sie zahlreiche Aspekte berücksichtigen“, in sämtlichen Unternehmensgrößen und richtig laufen noch richtig sagt Uwe Dittmann, Professor für Wirt­ Branchen zu finden. Nach wie vor domi­ schwimmen noch richtig schaftsingenieurwesen an der Hochschule nieren sie in der Industrie. Dort sind laut fliegen, sagt man. So wie mit den Enten ver­ Pforzheim. Wenn er das Selbstverständnis VWI­Berufsbilduntersuchung mehr als die hält es sich auch mit Wirtschaftsingenieu­ eines Wirtschaftsingenieurs beschreibt, Hälfte der Frauen und Männer beschäftigt ren: Sie haben ein breites Wissen, sind aber benutzt Dittmann das Bild eines Brücken­ (59 Prozent), gefolgt vom Dienstleistungs­ keine Spezialisten. Was Skeptiker bemän­ bauers oder eines Vermittlers. „Ein Wirt­ sektor (24 Prozent). Die Wissenschaft geln, wird von Firmen geschätzt. Wirt­ schaftsingenieur verbindet die technische macht sechs Prozent aus, der öffentliche schaftsingenieure sind Generalisten – und Welt mit der kaufmännischen. Er spricht Dienst sowie der Handel jeweils drei Pro­ gerade deshalb in Unternehmen Partner beide Sprachen und führt die Welten zent. Fünf Prozent der Wirtschaftsinge­ für eine Vielzahl von Spezialisten. zusammen“, sagt Dittmann. nieure sind selbstständig. Ihre Fähigkeiten erarbeiten sich Aus seiner Sicht werden Wirtschafts­ Auch innerhalb einer Branche oder Wirtschaftsingenieure im anspruchsvollen ingenieure für Firmen immer wichtiger, Firma fischen Wirtschaftsingenieure in Studium. Das Wirtschaftsingenieurwesen weil die einzelnen Unternehmensbereiche sämtlichen Gewässern. Und machen ist interdisziplinär aufgebaut und vereint in sich ausgereizt sind. „Durch eine lokale durchaus spezialisierten Ingenieuren Kon­ mehrere Studiengänge, die das Hand­ Optimierung lässt sich nur noch wenig kurrenz. „Wenn eine Firma zum Beispiel werkszeug für zahlreiche Unternehmens­ gewinnen“, sagt Dittmann. Gefragt seien einen Konstrukteur sucht, lädt sie auch bereiche vermitteln. Die angehenden Wirt­ bereichsübergreifende Ansätze, für die Wirtschaftsingenieure zum Bewerbungs­ schaftsingenieure (kurz Wiings) erwerben Wirtschaftsingenieure prädestiniert sind. gespräch ein“, sagt Reitzenstein. Kenntnisse in der Betriebs­ und Volkswirt­ Dabei müssen Wirtschaftsingenieure aber Typische und für Firmen besonders schaftslehre, zudem naturwissenschaft­ nicht jedes technische Detail in­ und aus­ bedeutsame Einsatzfelder für Wirtschafts­ liche und technische Grundlagen in Elek­ wendig kennen. „Ein Wirtschaftsingenieur ingenieure sind der VWI­Berufsbildunter­ trotechnik, Informatik, oder Maschinen­ versteht die Abläufe und Prozesse. Er suchung zufolge Produktion, Transport/ bau, die sie je nach Hochschule vertiefen versteht, was die anderen tun, und über­ Verkehr/Logistik und Marketing/Vertrieb. können. Nach dem Studium können Fir­ setzt das an den Schnittstellen“, sagt Nicola Aber auch in der Beratung, im Controlling, men die Absolventen flexibel und vielseitig Reitzenstein, beim VWI Sprecherin der in der Informatik und im Einkauf bewerten einsetzen, auch im Ausland. In der Berufs­ Region Baden­Württemberg. Unternehmen Wirtschaftsingenieure als bilduntersuchung „Wirtschaftsingenieur­ Daniel Sander, Hauptgeschäftsführer wichtig. wesen in Ausbildung und Praxis“, die der der Ingenieurkammer Baden­Württem­ Wirtschaftsingenieure müssen dem­ Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure berg, sagt: „Wirtschaftsingenieure machen nach wie Kaufleute mit Kosten und Zahlen (VWI) alle vier Jahre herausbringt, heißt Unternehmen erfolgreicher.“ Grundsätz­ umgehen können, sie müssen wie Kon­ es: „Die zwei starken Säulen des integra­ lich seien sie für alle Firmen interessant. strukteure über die Funktion eines Bauteils tiven Konzeptes der Ausbildung Wirt­ Ihre Fähigkeit, tech­ Bescheid wissen und schafts­ und Ingenieurwissenschaft begeg­ nischen Sachver­ dieses beschaffen nen den vielfältigen Anforderungen der stand mit Wissen können, sie müssen modernen Unternehmenswelt.“ aus der Betriebs­ aber auch wie Ver­ Wirtschaftsingenieure arbeiten an der wirtschaft zu verbin­ triebler denken, die Schnittstelle von Wirtschaft und Technik. den, erfülle aber Produkte verkaufen. Das bedeutet, dem Kunden das Produkt zu erklären und Foto: StZ ihm gleichzeitig zu vermitteln, wie er „Jeder zweite FLEXIBEL EINSETZBAR es einsetzen kann. Wirtschaftsingenieur arbeitet Verteilung der Wirtschaftsingenieure nach Studienrichtung „Unternehmen ha­ in einer Leitungsposition.“ Angaben in Prozent ben einen hohen Bedarf an Vertriebs­ Uwe Dittmann Hochschulprofessor ingenieuren“, sagt Maschinenbau 31 Reitzenstein. In­ Produktion 19 dustrieversicherun­ gen suchen ebenfalls Wirtschaftsingenieu­ Informations- und 11 re, die technische Produkte und Anlagen Kommunikationssysteme beurteilen können. Elektrotechnik 8 Darüber hinaus nehme inzwischen die Bedeutung von Wirtschaftsingenieuren in Logistik, Transport, Verkehr 5 der Forschung und Entwicklung zu, wo über viele Jahre hinweg hauptsächlich rei­ Umwelttechnik 4 ne Elektrotechniker oder Maschinenbauer gefragt waren, sowie im Personalwesen. Bauingenieurwesen 3 „Früher waren Personaler meistens aus­ ohne spezielle Vertiefung* 2 schließlich Juristen“, sagt Reitzenstein. Mittlerweile hätten die Firmen jedoch technische Chemie 2 erkannt, dass Personaler die geeignetsten Mitarbeiter dann finden, wenn sie die zu Automatisierungs2 besetzende Position auch tatsächlich technik verstehen. Operations Research

Wirtschaftsingenieure sind in Unternehmen gefragt, weil sie interdisziplinär denken. Sie arbeiten als Übersetzer an der Schnittstelle zwischen Technikern und Kaufleuten. Von Stefanie Köhler Berufsprofil

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Wirtschaftsingenieuren stehen nicht nur in der Breite alle Türen und Tore offen. Sie können auch problemlos die Karriere­ leiter bis in die Konzernspitze erklimmen. Dort dominierten bis vor einigen Jahren Maschinenbauer oder Diplom­Ingenieure als Geschäftsführer oder Vorstandsvorsit­ zende. Das hat sich geändert. „Jeder zweite Wirtschaftsingenieur arbeitet in einer Führungsposition“, sagt Professor Ditt­ mann. 15 Prozent davon übernehmen die Geschäftsleitung einer Firma. Um nur ein paar prominente Beispiele zu nennen, die den Aufstieg von Wirtschaftsingenieuren markieren: Karl­Friedrich Rausch ist Vor­ stand für Transport und Logistik bei der Deutschen Bahn (DB) Mobility Logistics. Bodo Uebber ist Vorstand für Finanzen und Controlling bei Daimler. Und Wolfgang Reitzle war bis zum Mai 2014 Vorstands­ vorsitzender des Technologie­Konzerns Linde, bevor er als Verwaltungsratspräsi­ dent zum weltgrößten Baustoffhersteller Holcim wechselte. Die Notwendigkeit von Wirtschafts­ ingenieuren in Leitungsfunktionen stellt auch die VWI­Berufsbilduntersuchung fest. Darin heißt es: „Die steigende Kom­ plexität der Unternehmenswelt erfordert heute von den Unternehmen Entscheider und Führungskräfte, die neben der Über­ nahme von Spezialaufgaben auch eine in­ tegrierende Funktion übernehmen und bei der Steuerung der Geschäfte die gesamte Unternehmenseinheit im Blick haben. Diese Funktion erfordert das Verständnis sowohl der technischen als auch der wirt­ schaftlichen Unternehmensprozesse.“ Auch in Zukunft wird Wirtschaftsinge­ nieuren die Arbeit nicht ausgehen. Exper­ ten glauben, dass Themen wie Ökologie, Nachhaltigkeit und Ressourcenverbrauch in Firmen eine noch größere Rolle spielen werden. Vor allem auch deshalb, weil Ver­ braucher wissen wollen, wie umwelt­ bewusst und ressourcenschonend Firmen agieren. Spannend könnten auch die Felder Medizin­ und Verfahrenstechnik werden, Branchen, die von Technik und Innovation geprägt sind. Unternehmen werden sich weiter inter­ nationalisieren. In Firmen, die etwa durch Kooperationen wachsen, sagt Reitzenstein, würden für Wirtschaftsingenieure deshalb Sprachen noch wichtiger. Englisch sei be­ reits „absolut notwendig“. Weil Sprach­ kenntnisse und Fachwissen aber nicht ausreichen, um internationale Projekte erfolgreich zu leiten, gewinnen interkultu­ relle Kompetenzen bereits im Studium an Bedeutung.

Soft Skills als Erfolgskriterien

Sechsstellige Einkommen sind möglich

Wirtschaftsingenieuren wird schon allein wegen des anspruchsvollen Studiums viel abverlangt. Eine starke Eigenmotivation ist deshalb unab­ dingbar. „Wir erwarten von den Studenten eine hohe Leistung“, sagt Uwe Dittmann, Professor für Wirtschaftsingenieurwesen an der Hoch­ schule Pforzheim. Das teile er den Studenten bereits im Aufnahmegespräch mit. Flexibilität ist bei den angehenden Wirtschaftsingenieuren ebenfalls gefragt, wenn innerhalb eines Tages Be­ triebswirtschaftslehre, Informatik und Marketing auf dem Stundenplan stehen. „Wirtschaftsinge­ nieure müssen sich schnell in neue Themen­ gebiete einarbeiten“, sagt Dittmann. Eigenmotivation gehört später im Berufsleben aus Sicht der Firmen zu den wichtigsten Eigen­ schaften. Als fast genauso bedeutend werden

Wirtschaftsingenieure haben Aussicht auf Gehälter im sechsstelligen Bereich – sofern sie Universitätsabsolventen in einer Führungsposition sind. Die Spitzengehälter betragen mehr als 150 000 Euro brutto jährlich. Das Ein­ kommen von Absolventen der Fachhochschule (FH) und Dualen Hochschule (DH) stagniert meist bei 80 000 Euro, weil sie für gewöhnlich operative statt Führungsaufgaben übernehmen. In der Regel verdienen Wirtschaftsingenieure mit Uni­Abschluss (Master/Diplom) schon beim Einstieg etwas mehr als Fachhochschulabsolventen (Master). Am wenigsten bekommen Absolventen der DH und FH (Bachelor). Das Einstiegsgehalt beträgt 34 000 bis 41 000 Euro brutto im Jahr. Die Höhe hängt aber auch von der Unternehmensgröße ab. Mit zehn Jahren Berufserfahrung bekommen Uni­Absolventen mehr als 65 000 Euro Brutto­Jahresgehalt, die restlichen Wirtschaftsingenieure 50 000 bis 65 000 Euro. sk

Verantwortungsbewusstsein, Ziel­ und Kunden­ orientierung, analytisches Denken und Teamfä­ higkeit bewertet. „Wirtschaftsingenieure müssen absolute Teamplayer sein“, sagt Nicola Reitzen­ stein, beim Verband Deutscher Wirtschafts­ ingenieure (VWI) Sprecherin der Region Baden­ Württemberg. Wer ein Projekt übernimmt, müs­ se auf andere Leute zugehen können, kommuni­ kativ, feinfühlig und zugleich ausdrucksstark sein. Dasselbe gelte, wenn man Mitarbeiter davon überzeugen muss, dass neue Prozesse effizienter sind als die alten. Hochschulprofessor Dittmann setzt diese Fähigkeiten auch im Umgang mit Kunden voraus, denen man zum Beispiel ein Produkt erklären muss. Reitzenstein sagt, dass Unternehmen heute von Absolventen erwarten, dass sie bereits im Ausland tätig waren – sei es durch ein Auslandssemester oder ein Praktikum. Darüber hi­ naus verlangen Unternehmen von Wirtschaftsingenieuren, dass sie die im Studium gelern­ ten Methoden und Techniken einsetzen, um beispielsweise Probleme zu analysieren oder Projekte zu starten. Diese Fähig­ keit gilt auch für das Fachwis­ sen, das Wirtschaftsingenieure nicht nur vertiefen sollen, son­ dern auch je nach Situation und Erfordernis entsprechend ein­ setzen sollen. sk

Wirtschaftsingenieure denken vernetzt. Ein Tunnelblick ist fehl am Platz.

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Verfahrenstechnik

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sonstige StZ-Grafik: zap

Ingenieurstudiengänge sind dafür bekannt, dass der Männeranteil hoch und der Frauen­ anteil mit unter zehn Prozent niedrig ist. Beim Studium des Wirtschaftsingenieur­ wesens sieht es anders aus. Laut Uwe Ditt­ mann, Hochschulprofessor in Pforzheim, liegt die Frauenquote bei 20 bis 25 Prozent, andere Experten sprechen von bis zu 30 Prozent. Vor 20 Jahren waren es fünf Prozent. Beliebt ist der Beruf Wirtschaftsingenieur bei Frauen auch, weil sie nach dem Studium in weniger technische Bereiche wie Immobi­ lienwirtschaft, Facility Management, Marke­ ting oder Beratung einsteigen können. sk

Michael Reitzenstein (48) vereint als Personalchef seine Affinität zum Personalwesen und zur Technik. Von Stefanie Köhler Porträt

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*An einigen Hochschulen wird nur ein allgemeiner Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen angeboten. Quelle: Berufsbilduntersuchung des Verbands Deutscher Wirtschaftsingenieure (VWI), 2011

Ein deutsches Produkt

Foto: fotolia

Wirtschaftsingenieure sind gefragte Fachkräfte. „Sie haben glänzende Berufsaussichten“, sind sich der Pforzheimer Hochschulprofessor Uwe Dittmann und Nicola Reitzenstein, beim Verband Deutscher Wirt­ schaftsingenieure (VWI) Sprecherin der Region Baden­Württemberg, einig. Firmen seien verstärkt auf flexible Mitarbeiter angewiesen, und diese Eigenschaft brächten Wirtschaftsingenieure aufgrund ihres inter­ disziplinär ausgerichteten Studiums mit. „Wirtschaftsingenieure sind extrem einsatzfreudig“, sagt Reitzenstein. Laut Bundesagentur für Arbeit spiegelt sich die große Nachfrage in einer „dynamisch gewachsenen so­ zialversicherungspflichtigen Beschäftigung“ wider. Im Jahr 2013 waren laut Arbeitsagentur 156 000 Ingenieure in der Produktionsplanung und ­steuerung sowie in der Konstruktion beschäftigt – wegen der neuen Klassifikation der Berufe werden Wirtschaftsingenieure nicht mehr sepa­ rat geführt, sondern fallen in das Tätigkeitsfeld Produktionssteuerung. Die Arbeitslosenquote bei Ingenieuren in der Produktionssteuerung und Konstruktion lag 2013 bei unter drei Prozent. Laut Hochschul­Informati­ ons­System (HIS) sind 95 Prozent der Uni­Abgänger und 90 Prozent der Absolventen von Fachhochschulen fünf Jahre nach dem Abschluss erwerbstätig. sk

Wer Wirtschaftsingenieur werden will, muss Wirtschaftsingenieurwesen studieren. In Deutschland ist das an rund 100 Hoch­ schulen und mehr als 30 Universitäten mög­ lich. Im Südwesten bietet zudem die Duale Hochschule den Studiengang an. Voraus­ setzung sind sehr gute Kenntnisse in Mathe­ matik und Physik. Zahlreiche Einrichtungen haben einen Numerus clausus. Ein Drittel der Studenten entscheidet sich der Berufsbild­ untersuchung des Verbands Deutscher Wirtschaftsingenieure (VWI) zufolge für die Richtung Maschinenbau, gefolgt von Produk­ tion (19 Prozent), Informations­ und Kommu­ nikationssysteme (11 Prozent) und Elektro­ technik (8 Prozent). Laut Statistischem Bundesamt ziehen Studenten den ingenieur­ wissenschaftlichen Schwerpunkt dem wirt­ schaftswissenschaftlichen vor. Hochschul­ professor Uwe Dittmann sagt, dass sich Firmen stark für die Inhalte des Studiums interessieren. Das Studium gebe den Ab­ solventen ein breites Profil mit. Dass Wirt­ schaftsingenieure gefragt sind, hat sich herumgesprochen. Binnen zehn Jahren hat sich die Studentenzahl mehr als verdoppelt. Deutschlandweit sind derzeit etwa 100 000 Menschen eingeschrieben. Doch das Studium ist hart, wie die Zahlen zeigen: Nur 50 bis 60 Prozent schließen ihr Studium ab. sk

Der Mensch als Kapital

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Glänzende Berufsaussichten

Foto: fotolia

Hoher Frauenanteil

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Biotechnologie

Einstieg nur mit einem Studium

Den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen haben die Deutschen erfunden, oder genauer gesagt hat ihn der Wirtschaftswissenschaftler Willi Prion entwickelt. Im Jahr 1927 gründete er an der Technischen Hoch­ schule Berlin­Charlottenburg den Studiengang, der zunächst noch „Wirtschaft und Technik“ hieß. Am 1. April startete Prion zusammen mit 51 Studenten. Der Wirtschaftswissenschaftler war der Auffassung, dass Wirtschaft und Technik eng miteinander ver­ knüpft seien. Die eine Disziplin könne nur mit Hilfe der anderen maximal ausgeschöpft werden. Das sollte gelingen, indem er in einem Studiengang zwei völlig verschiedene Denk­ und Handlungsansätze integrierte. Anders als heute stieß der Studiengang damals aller­ dings auf eine nur mäßige Akzeptanz. Bis in die 1970er Jahre wurden Wirtschaftsingenieure in Deutschland an nur wenigen Universitäten ausgebildet, wie zum Beispiel in Berlin, Karlsruhe, Darmstadt, Hamburg oder Kaiserslautern. Erst seitdem der Arbeitsmarkt ein großes Interesse am Berufsprofil der Wirtschafts­ ingenieure zeigt, bieten immer mehr Hochschulen den Studiengang an. Laut Verband Deutscher Wirtschafts­ ingenieure (VWI) hat sich diese Art Studium im Ausland bislang kaum etabliert. sk

ragt man Michael Reitzenstein (48), wie Die Liebe zur Technik hat Reitzenstein viele Mitarbeiter ihm als Personalchef trotz der Entscheidung für das Personalwe­ bei ISS Facility Services mit Sitz in Düs­ sen nie aufgegeben. Er und sein Arbeitgeber seldorf unterstehen, schüttelt er den Kopf. profitieren vielmehr von seinem techni­ Reitzenstein redet davon, mit Mitarbeitern schen Sachverstand. Mit dem Einstieg bei auf Augenhöhe zu sein. Nur so kann er um­ ISS vor vier Jahren war Reitzenstein zwar setzen, was er gern tut: gestalten und Erfolg sofort Personalchef und Vollmitglied der Ge­ mit anderen haben. „Menschen machen den schäftsleitung, doch seine Aufgaben gehen Unterschied“, hat Reitzenstein schon im weit über die klassische Personalarbeit hi­ Studium des Wirtschaftsingenieurwesens naus – und selbst dort begegnet ihm Technik: an der ehemaligen Technischen Hochschule bei der Arbeit mit SAP oder wenn er sich mit (TH) Karlsruhe gelernt. Bei seinem Arbeit­ dem Arbeitsschutz beschäftigt. Seit 2011 geber sind Menschen das Kapital, weil sie nutzt ISS Methoden des Lean Management – die Serviceleistungen verkörpern. „Wenn ein Ansatz, der Reitzenstein seit dem Stu­ wir mit Kunden über Dienstleistungen spre­ dium vertraut ist. „Damals waren Optimie­ chen, dann sprechen wir über Menschen“, rung und Produktivitätsfortschritt große sagt Reitzenstein. Sein Motto Themen. Der Ansatz für eine lautet: die richtigen Leute zur „Ich habe mich bessere Ergebnis­ und damit richtigen Zeit am richtigen Ort als Ingenieur Kundenorientierung eignet zu haben. sich auch für Dienstleistungen, in das Thema Reitzenstein, in dessen nicht nur für die Produktion.“ Team 25 Kollegen arbeiten, der Personalwesen Daneben muss Reitzenstein sich aber für die deutschland­ verliebt.“ die Bedürfnisse der Kunden weit 12 000 Mitarbeiter ver­ Michael Reitzenstein verstehen und übersetzen. Für antwortlich fühlt, hatte immer Personalchef bei ISS Kunden aus der Industrie oder eine Affinität zu Menschen. Im Automobil­ und Zulieferer­ Internat hat er sich als Grup­ Branche, die sich mit Hilfe der penleiter um jüngere Mitschüler geküm­ ISS auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wol­ mert. Zugleich findet er Technik und Tech­ len. „Ich bin aktiv in Akquise­Prozesse ein­ nologien spannend. „Ich bin extrovertiert, gebunden“, sagt Reitzenstein. „Wenn wir von kann gut reden und erklären. Im stillen einer Firma einen Teil beziehungsweise eine Kämmerlein wollte ich nie forschen.“ Das ist Dienstleistung übernehmen, müssen wir die mit ein Grund, warum er Wirtschaftsinge­ Firma kennen und nachvollziehen können, nieurwesen studieren wollte – unbedingt was dort passiert.“ Auf Augenhöhe will Reit­ in Karlsruhe, wo der Studiengang mit dem zenstein auch mit den Kunden sein. Werkbe­ Fokus auf Unternehmensplanung und ­füh­ sichtigungen gehören zum Alltag. So gelingt rung angeboten wurde. „Dort nahm das es ihm besser, Krisengespräche mit Mit­ Schicksal seinen Lauf“, sagt Reitzenstein arbeitern zu führen oder Unstimmigkeiten und lacht, „ich habe mich als Ingenieur in das mit Kunden zu beseitigen. Mit solchen Auf­ Thema Personalwesen verliebt.“ Mit seinem gaben ist er als Pendler zwischen den einzel­ Interesse galt er als Exot. In den 1990er Jah­ nen Standorten in Deutschland beauftragt. ren sei es ungewöhnlich gewesen, dass Inge­ Vor seiner Zeit bei ISS arbeitete Reitzen­ nieure Personaler werden, sagt Reitzenstein. stein 15 Jahre lang bei einem führenden IT­ Allmählich ändert sich das. Unternehmen. Eingestiegen als Personal­

Immer auf Augenhöhe: Personalchef Michael Reitzenstein weiß, wie wichtig Menschen im Unternehmen sind. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko referent, „habe ich es bis zum Personalleiter für die Bereiche Vertrieb, IT und Infrastruk­ tur geschafft“. Reitzenstein beschreibt sich als ehrgeizig. „Ich wollte immer eine Füh­ rungsposition übernehmen.“ Auslands­ erfahrung sammelte er in einem Schweizer Technologiekonzern. Seine Ziele hat Reitzenstein erreicht. „Mein Job ist spannend. Ich brauche die Abwechslung, und die finde ich bei ISS.“ Zudem immer neue Herausforderungen. Die Firma hat eine Vision: „Die größte Service­ organisation sind wir schon. Jetzt wollen wir die beste werden“, sagt Reitzenstein.


14 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

MIT WERBUNGSKOSTE Geld tun? Es in die Was sollten Unternehmer mit ihrem investieren oder es – i eigene Firma – etwa eine Brauere Fotos: fotolia ien? obil Imm privat anlegen, etwa in

llende Geldanlage Wie verwendet man anfa hafter ellsc Ges de Gera en? Firm Gewinne von stehen vor dieser Frage. Wie sie sich en, entscheiden sollten, um Steuern zu spar ist pauschal nicht zu beantworten.

OHNE WERBUNGSKOSTEN: ABG

ELTUNGSTEUER STICHT

Teileinkünfteverfahren (in Euro) 80 000 zu verst. Einkommen 000 100 Gewinnausschüttung 000 60 60 % der Gewinnausschüttung 000 140 zu verst. Einkommen neu 50 628 Tarifliche ESt 2 784 +5,5 % Solidaritätszuschlag ­ 25 % Abgeltungsteuer ­ +5,5 % Solidaritätszuschlag 412 53 Gesamtbelastung 2011

Abgeltungsteuer (in Euro) 80 000 100 000 ­ 80 000 25 428 1 398 25 000 1 375 53 201

zu verst. Einkommen Gewinnausschüttung 60 % der Kapitaleinkün fte von 60 000 € * zu verst. Einkommen neu Tarifliche ESt. +5,5 % Solidaritätszusc hlag 25 % Abgeltungsteuer +5,5 % Solidaritätszusc hlag Gesamtbelastung 2011 * Ausschüttung 100 000

N: ABGELTUNGSTEUE Teileinkünfteverfahren (in Euro) 80 000 100 000

€ abzgl. Werbungskosten

36 000 116 000 40 548 2 230 ­ ­ 42 778 40 000 €

R VERLIERT Abgeltungsteuer (in Euro) 80 000 100 000 ­ 80 000 25 428 1 398 25 000 1 375 53 201

Lass es liegen! Unternehmer sollten besser auf die eigene Firma vertrauen, anstatt ihr Geld anderswo zu bunkern. Von Raimund Haser Gewinnverwendung

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s klingt so einfach. „Lassen Sie Ihr Geld für Sie arbeiten.“ Was dieser Aufforderung – zu finden auf zahl­ reichen Internetseiten – folgt, ist eine Anleitung wie aus dem Bilder­ buch: Kaum ist das Vermögen „beim Arbei­ ten“, sprudeln nur noch die Gewinne. Alles harmlos. Alles easy. Das Problem ist nur: Geld scheint aktuell dank der Kombination aus Geldflut und gefährlich niedriger Zin­ sen in den Streik getreten zu sein. Geld arbeitet zurzeit schlicht nicht – stattdessen wird es jeden Tag weniger wert. Ein Luxusproblem für Reiche? Mitnich­ ten. Auch Gesellschafter, oft in Personal­ union auch noch Geschäftsführer schwer schuftender kleiner und mittelständischer Unternehmen, müssen sich fragen, was sie mit ihrem Geld am besten anfangen. Grundsätzlich gibt es aus Unternehmer­

sicht zwei Möglichkeiten: das verdiente Geld im Unternehmen lassen oder es aus­ schütten, um es anderweitig anzulegen. Auf die Frage, was er denn mit seinem Geld mache, das er jedes Jahr verdient, antwortete jüngst ein mittelständischer Brauereibesitzer: „Das lasse ich natürlich in meinem Betrieb und arbeite damit. Ich investiere in neue Anlagen und Maschinen, Verfahren und Mitarbeiter. Ich baue mir eine Hackschnitzelanlage, um Energiekos­ ten zu sparen. Oder ich investiere in eine neue Flaschenreinigung, die weniger Was­ ser braucht.“ Geld aus der Firma herauszu­ ziehen, um es privat anzulegen, kommt für ihn nicht infrage. „Wenn ich nicht an die Zukunft meines Geschäftsmodells glauben würde – wer soll es dann tun?“ Der Staat unterstützt diese Haltung. Oder vielleicht formulieren wir es besser so: Er

setzt hohe Anreize für Unternehmer, dass sie ihr Vermögen im Unternehmen belassen. Nehmen wir zum Beispiel eine GmbH, die – wie bei vielen Familienunternehmen der Fall – einem oder vielleicht auch zwei geschäftsführenden Gesellschaftern gehört und als Kapitalgesellschaft der Körperschaftsteuer (15 Prozent) sowie der Gewerbesteuer (ca. 15 Prozent) unterliegt. Die Gewinn­Abräumung erfolgt hier in der Regel über das Geschäftsführergehalt. Die­ ses wiederum unterliegt der allgemeinen Lohnsteuerpflicht. Aber was ist mit dem Rest des Gewinns, sofern einer übrig bleibt? Behält man den in der GmbH, oder soll man eine Gewinnausschüttung vornehmen? Zum einen ist das eine ideologische Frage, zum anderen aber auch eine steuerliche. Sowohl offene wie auch verdeckte Gewinn­ ausschüttungen unterliegen nämlich grund­

Seltener sind nur gute Karriere-Websites.

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sätzlich der Abgeltungsteuer. Auf Antrag kann sich ein privater Gesellschafter aber der Einkommensteuer unterwerfen. In dem Fall kommt das Teileinkünfteverfahren zum Einsatz, sprich: die Ausschüttung bleibt zu 40 Prozent steuerfrei, außerdem sind Wer­ bungskosten abzugsfähig. Diese Option lohnt sich nicht generell, weil die Gewinnaus­ schüttung dann auch – anders als unter der Abgeltungsteuer – mit 60 Prozent die Pro­ gression für die übrigen Einkünfte des Ge­ sellschafters belastet. Es kommt also auf den Einzelfall an, wie dieses Beispiel von Hau­ fe.de zeigt: Der ledige GmbH­Allein­Gesell­ schafter bezieht ein Geschäftsführergehalt, woraus sich ein zu versteuerndes Einkom­ men (z. v. E.) von 80 000 Euro ergibt. Darüber hinaus hatte er eine Gewinnausschüttung von 100 000 Euro erhalten. Werbungskosten waren nicht angefallen. Ergebnis: das Teileinkünfteverfahren ist leicht ungünstiger, obwohl 40 Prozent der Ausschüttung steuerfrei bleiben. Das resul­ tiert daraus, dass der Tarif für das übrige Einkommen steigt. Insoweit lohnt sich der Antrag nur dann, wenn auch Werbungskos­ ten angefallen sind, wie dies im zweiten Bei­ spiel der Fall ist: Hier wurde mit Schuldzin­ sen in Höhe von 40 000 Euro gerechnet, die als Werbungskosten von der 100 000­Euro­ Ausschüttung abgezogen werden. Ergebnis: das Teileinkünfteverfah­ ren ist deutlich günstiger, Baden­württembergische weil sich hier über 60 Pro­ Mittelstandsbetriebe zent der Werbungskosten sind heute kapitalstärker auswirken. Grundsätzlich ist es als vor der Finanz­ und aber immer besser, das Wirtschaftskrise 2008/2009. Geld erst gar nicht aus dem Betrieb herauszu­ nehmen. Natürlich, so argumentieren manche, ist das angesparte Geld dann dem Risiko im Insolvenzfall ausgesetzt. Ande­ rerseits kann das Unternehmen mit diesem Kapital arbeiten. Und: Unternehmen, die in der GmbH ein Vermögen ansammeln, gehören in der Regel auch nicht zu denen, die anschließend insolvent gehen. Dass der Staat durch die Steuergesetz­ gebung Unternehmer mehr oder weniger dazu zwingt, möglichst wenig Geld aus ihrer Gesellschaft herauszunehmen, hat Gründe. Kapitalstarke Unternehmen sind weniger ausfallgefährdet, können Krisenzeiten bes­ ser überstehen und sind auch bei der Bank besser angesehen. Hört man sich im Kreise mittelständischer Firmenkundenberater um, heißt es unisono: die Kapitalstärke der baden­württembergischen Mittelstandsbe­ triebe hat in den vergangenen Jahren – spä­ testens seit der Krise 2008/2009 – deutlich zugenommen. Das Gespür für Liquidität und nachhaltige Zahlungsfähigkeit ist da. Kein Wunder: das Rating eines Unter­ nehmens, das wiederum die Höhe des Risi­ koaufschlags der Bank auf den marktübli­ chen Zins für Investitionen und Betriebs­ mittelkredite bestimmt, hängt maßgeblich von der nachhaltigen Zahlungsfähigkeit des Kunden ab. Mittelständische Geschäftsführer, die ihr Unternehmen also nachhaltig gut finan­ zieren wollen, sind nicht nur ideologisch bei dem Brauereibesitzer, der sein Geld lieber im eigenen Unternehmen lässt, anstatt es anderen zu überlassen. Auch aus steuer­ licher Sicht ist die Investition in das eigene Wachstum nach wie vor die sinnvollste Kapitalanlage für einen Unternehmer.


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Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen. Abbildung enthält Sonderausstattungen. Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart; Partner vor Ort:

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16 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Gottgefällig und am Drücker

Persönliches Markus Baumgärtner

Der Not­Aus­Knopf hat Pilz aus Ostfildern weltweit bekanntgemacht. Geschäftsführerin Susanne Kunschert achtet darauf, dass die High­Tech­Firma technologisch vorn bleibt, und setzt dabei auf christliche Werte. Von Walther Rosenberger Pilz

Foto: EnBW

Ausgefragt

Vertrauen in Führung Sus ann e Kun sch ert

ist Mutter und Macherin. Im Frageboge n verrät sie etwas über ihre Vorbilder und erklärt, warum Zuvers icht meist zum Ziel führt. Von Walthe r Rosenberger Was macht einen guten Chef aus Fachliche Kompetenz sowie das „We

Frank Schnatz

?

Von WMF zu Hansgrohe

r andere führen möchte, sollte gele

Und welche Eigenschaften davon Selbstreflexion.

rnt haben, sich selbst zu führen“.

haben Sie?

Wie kommt man so weit wie Sie? Fleiß, Eigenverantwortung und die

Bereitschaft, sich von Gott führen zu

Welche Rolle spielte Glück bei Ihr Ich sehe das wie Elie Wiesel: „Ich glau

Markus Baumgärtner ist seit Anfang Oktober neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Gas­ zwischenhändlers Gas­ versorgung Süddeutsch­ land (GVS) in Stuttgart. Baumgärtner, der beim Energieversorger EnBW als Leiter der Wert­ schöpfungskette Gas beschäftigt ist, folgt da­ mit auf den ehemaligen EnBW­Vertriebsvor­ stand Dirk Mausbeck, der das GVS­Kontrollgremium zwei Jahre lang führte. Neu im GVS­Aufsichtsrat ist zudem Uwe Fritz, Geschäftsfrüher der Sales & Solu­ tions GmbH. wro

lassen.

er Karriere?

be nicht an Zufall, ich glaube an Beg

Haben Sie Vorbilder?

egnung “.

Jesus.

Frank Schnatz (41) wird neuer Produktionsvor­ stand beim Schiltacher Badarmaturenherstel­ ler Hansgrohe SE. Schnatz, der bislang beim Küchenausstatter WMF beschäftigt ist, folgt damit auf Marc Griggel (45), der seit 2004 beim Schwarzwälder Brausenhersteller be­ schäftigt war und die Internationalisierung der Produktion vorangetrieben hat. Ein exaktes Eintrittsdatum für Schnatz in sein neues Amt steht noch nicht fest. Nach Ex­WMF­Chef Thorsten Klapproth, der seit Anfang Oktober bei Hansgrohe Vorstandschef ist, wäre Schnatz der zweite WMF­Mann innerhalb kurzer Zeit, der zu den Südbadenern wechselt. wro

Andreas Engelhardt

GWG mit neuem Vorstandschef

Begegnungen.

Was würden Sie heute anders ma

chen?

Nichts.

Von wem können Sie am ehesten Konstruktive Kritik will ich von alle

Kritik einstecken?

n Seiten hören.

Womit können Kollegen Sie nerven

?

Ich nehme jeden, wie er ist.

Und umgekehrt? Ich hoffe, dass meine Mitmenschen mich auch so nehmen, wie ich bin.

Anfang Oktober hat Andreas Engelhardt sein Amt als neuer Vorstandsvorsitzender der Volks­ und Raiffeisen­ bank­Tochter Gesell­ schaft für Wohnungs­ und Gewerbebau Ba­ den­Württemberg AG (GWG) angetreten. Der 49­jährige Immobilien­ spezialist folgt auf Rai­ ner Neumann. Dieser hatte zum selben Zeit­ punkt den Aufsichtsrats­ vorsitz der GWG übernommen. Engelhardt hat jahrzehntelange Erfahrung im Immobilien­ bereich. Die GWG bewirtschaftet rund 18 000 Objekte in Deutschland. wro Foto: GWG

Was ist typisch für Ihren Arbeits alltag?

Jürgen Hirschberg

Was raten Sie Berufsanfängern?

Aus der Chemiebranche zu Solo

Die eigenen Gaben zu entdecken und

Der Restrukturierungsspezialist Jürgen Hirsch­ berg ist zum kaufmännischen Leiter beim Sindelfinger Gartengerätehersteller Solo Kleinmotoren GmbH berufen worden. Hirsch­ berg arbeitete fast 15 Jahre für den Chemie­ riesen Hoechst (heute Aventis) und managte unter anderem die Umstrukturierung von Konzerngesellschaften in Asien. Der Schwer­ punkt seiner Arbeit als Interim­Manager bei Solo wird etwa in der Optimierung von Prozessen im Verwaltungsbereich liegen. Solo hat Anfang des Jahres Teile seines Garten­ werkzeuge­Geschäfts an den Konkurrenten Alko verkauft. wro

den eigenen Weg zu gehen.

Was macht Sie leistungsfähig? Das Gebet.

Hans­Achim Quitmann

Zeiss­Mann im DSAG­Vorstand

Susanne Kunschert Die 43­Jährige studierte an der Universität Regensburg Betriebswirtschaftslehre und arbeitete danach für den Anlagenbauer Dürr in den USA und England. Nach einer Zwischenstation bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young über­ nahm sie 2002 die Position der geschäftsführenden Gesellschafterin beim Elektronikunternehmen Pilz in Ostfildern. Privat ist sie in der Kinderkirche engagiert.

Susanne Kunschert, geschäftsführende Gesellschafterin beim Mittelständler Pilz, blättert in einer Bro­ schüre. IT­Technologie für Sensoren wird für Pilz immer wichtiger. Foto: Pilz GmbH

Das Unternehmen 1948 von Hermann Pilz als Glasblä­ serei in Esslingen am Neckar gegründet, steht Pilz heute für Prozessautomatisierung sowie für Sicherheitstech­ nik. Vor allem Elektronik und Sensoren spielen hier eine große Rolle. Sie erfassen beispielsweise Personen, die in den Arbeitsbereich von Robotern treten, und stoppen blitzschnell alle Systeme. Geleitet wird das Unterneh­ men von Renate Pilz, die seit 1994 Vorsitzende der Geschäftsführung ist und zusammen mit ihrer Tochter Susanne Kunschert und ihrem Sohn Thomas Pilz die Geschäftsführung bildet. Die Kennzahlen Mit einem Umsatz von 233 Millionen Euro (2013) ist die Pilz GmbH & Co. KG ein klassischer Mittelständler. Das Unternehmen hat 31 Firmen­Töch­ ter und ist auf allen Kontinenten präsent. Über 1800 Menschen arbeiten für das Familienunternehmen, rund 900 davon in Deutschland. 17 Prozent des Umsatzes werden in Forschung und Entwicklung investiert. In den letzten Monaten hat Pilz rund 25 Millionen Euro in Werke, etwa in China, investiert. wro

Christian Wulf

IHK statt Flughafen Der Betriebswirt Christian Wulf (39) hat Mitte Oktober die Leitung der Abteilung Presse­ und Öffentlichkeitsarbeit der Industrie­ und Han­ delskammer Hochrhein­Bodensee (IHK) über­ nommen. Bisher war Wulf Sprecher der Flug­ hafen Friedrichshafen GmbH und leitete den Bereich Marketing, Ver­ trieb und Unterneh­ menskommunikation des Unternehmens und arbeitete zuvor in ähnli­ chen Positionen beim Flughafen Stuttgart und bei der Fluggesellschaft Air Berlin. Wulf ist Mitglied der Vollversammlung der IHK Boden­ see­Oberschwaben in Weingarten und enga­ giert sich seit einigen Jahren ehrenamtlich im Kammer­Verbund. wro Foto: IHK

FAMILIE AM STEUER

Hans­Achim Quitmann, Leiter der Konzern­IT beim Oberkochener Technologieunternehmen Carl Zeiss AG, ist Mitte Oktober zum neuen Technologie­Vorstand bei der DSAG gewählt worden. Die DSAG ver­ steht sich als unabhängi­ ge Interessenvertretung von SAP­Anwendern im deutschsprachigen Raum und fördert den Informationsaustausch zwischen dem Walldor­ fer Konzern und seinen Kunden. Der Verein ist eine der größten SAP­ Anwendergruppen weltweit. Seine Tätigkeit bei Carl Zeiss setzt Quitmann, der zuvor beim Hamburger Kupferhersteller Aurubis beschäf­ tigt war, in vollem Umfang fort. wro Foto: DSAG

M

üssen Chefs von ehr­ würdigen High­Tech­Elek­ tronikunternehmen nicht durch Zurückhaltung punk­ ten? Müssen sie ihre Stirn nicht in Falten legen, bevor sie Fragen be­ antworten? Und grüblerisch abwägen, be­ vor sie ihr Urteil fällen? Mitnichten – und Susanne Kunschert, seit 2002 geschäftsführende Gesellschafterin des Automatisierungsunternehmens Pilz, ist der lebende Beweis, dass es auch ganz anders geht. Die Mutter eines Sohnes ent­ spricht gerade nicht dem klassischen Bild des deutschen Automatisierers, der zwar fachlich top und durchaus freundlich ist, dem es im persönlichen Umgang aber nicht selten irgendwie an Farbe fehlt. Wenn Kunschert Gäste bei sich im Unter­ nehmen empfängt, dann hechtet sie förm­ lich nach vorn, um sie zu begrüßen. Sie sagt dann Sätze wie, „Toll, dass Sie da sind“, oder „Wir sind da grad an was ganz, ganz Span­ nendem dran. Kommen Sie, das zeig ich Ih­ nen jetzt mal.“ Lebensfreude und eine posi­ tive Grundeinstellung sind zwei Wesens­ merkmale der 43­Jährigen, die das auf Automatisierungstechnik spezialisierte Unternehmen zusammen mit ihrer Mutter Renate Pilz und ihrem Bruder Thomas Pilz führt. Die drei haben ein „sehr enges Ver­ hältnis“, wie es heißt. Bei Pilz sitzen sie Seit an Seit im selben Büro. Kunschert ver­ antwortet die Bereiche Personal, Finanzen, Controlling und Organisation – und ist für das Thema Industrie 4.0 zuständig. Einen Großteil ihrer Kraft schöpft die studierte BWLerin, deren Vater Mitte der 1970er Jahre bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, aus dem katholischen Glauben. „Der Glaube ist die Basis“, sagt sie – nicht nur fürs Privatleben, sondern auch fürs Geschäftliche. Das reicht vom eher abstrakten „Ideal des ehrbaren Kaufmanns“ bis in konkrete Details. Meetings bei Pilz sind oft über alle Mitarbeiterebenen hin­ weg offen. Das Wort Gemeinschaft wird ganz großgeschrieben, Hierarchien wer­ den eher als notwendig denn als Selbst­ zweck angesehen. Pilz scheint das gutzutun. Umsätze und Mitarbeiterzahlen steigen. Wer einmal bei Pilz arbeitet, bleibt fast immer dort. Mit nur 1,3 Prozent ist die Fluktuation in der Firma extrem gering. „Darauf sind wir stolz“, sagt Kunschert. Und strahlt glücklich.

Chef­Kontrolleur bei GVS


Wir Wirtschaft tschaft & Debatte

November 2014

17

Gesucht: der ehrliche Kaufmann Die Einhaltung von Gesetzen und Regeln wird für Firmen immer wichtiger. Der PWC­Experte Steffen Salvenmoser gibt im Interview einen Überblick über die Entwicklung der Wirtschaftskriminali­ tät in den vergangenen Jahren. Daimler­ Vorstandsmitglied Christine Hohmann­ Dennhardt erklärt, wie ein Großunterneh­ men das Thema Compliance in die Praxis umsetzt. Das Beispiel der Baufirma Mörk zeigt, welche Möglichkeiten der Kriminalitätsprävention mittel­ ständische Unternehmen haben. Seite 19, 20 und 21

S

trengere Gesetze und drastische Strafen bewegen viele Unterneh­ men dazu, hart gegen Wirtschafts­ kriminalität vorzugehen. Dennoch bleibe viel zu tun, meint der Krimi­ nalitätsexperte Steffen Salvenmoser von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC. Herr Salvenmoser, woran erkennt man einen Wirtschaftskriminellen? Das sehen Sie den Leuten nicht an. Der typi­ sche Wirtschaftsstraftäter ist vollkommen unauffällig und sozial integriert. Es handelt sich sehr oft um langjährige Beschäftigte eines Unternehmens, die in höheren Posi­ tionen arbeiten. Und es sind deutlich mehr Männer als Frauen. Welche Rolle spielen Täter außerhalb der Unternehmen? Bis 2007 war das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Externen, von leichten Schwankungen abgese­ hen, ungefähr gleich. Seitdem hat die Täter­ gruppe der Mitarbeiter nach unseren Daten noch etwas an Bedeutung ge­ wonnen. Das liegt sicher auch daran, dass viele Unternehmen ihre inter­ nen Kontrollen ver­ schärft haben.

Gehen Unternehmen heute kritischer mit dem Thema Wirtschaftskriminalität Foto: PWC um als noch vor zehn oder 15 Jahren? „Der typische Wirtschafts­ Eindeutig ja. Der Be­ straftäter ist vollkommen wusstseinswandel hängt unauffällig und sozial vor allem mit strengeren Gesetzen und Haftungs­ integriert.“ regeln sowie dem härte­ Steffen Salvenmoser, Kriminalitätsexperte ren Vorgehen der Straf­ bei Price Waterhouse Coopers verfolgungsbehörden gegen Wirtschaftskriminelle zusammen. Die drastischen Strafen, die in großen Kor­ ruptionsfällen verhängt wurden, haben ge­ zeigt, dass es sehr teuer werden kann, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Hat sich das bereits auf die Zahl der Wirt­ schaftsdelikte ausgewirkt? Wenn Sie auf die polizeiliche Kriminal­ statistik schauen, ist die Zahl der Delikte in den vergangenen Jahren mehr oder weni­ ger konstant geblieben – abgesehen von Schwankungen durch Großverfahren mit Hunderten oder Tausenden Beteiligten. Die Zahlen bilden aber nur einen Bruchteil der Wirtschaftskriminalität ab, weil sie nur die angezeigten Fälle berücksichtigen. Da­ neben gibt es ein großes Dunkelfeld. Wir haben einen anderen Ansatz. Wir zählen

nicht die Fälle, sondern ermitteln per Umfrage den Anteil der Unternehmen, die von Wirtschaftskriminalität betroffen sind. Wir erfassen also auch jene, die Opfer eines Delikts geworden sind, aber keine Anzeige erstatten. Damit können wir zumindest einen Teil des Dunkelfelds ausleuchten. Mit welchem Ergebnis? Mit der Einführung strengerer Kontrollen in den vergangenen Jahren hat zunächst ein immer höherer Anteil von Unternehmen Delikte festgestellt. Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der betroffenen Unterneh­ men aber wieder etwas ab, weil die Präven­ tionsmaßnahmen Wirkung zeigen. Nach wie vor sind aber nach unseren Erhebungen rund 43 Prozent der Unternehmen in Deutschland binnen zwei Jahren mit min­ destens einem Fall von Wirtschaftskrimi­ nalität konfrontiert. Sie haben also keine Angst, dass Ihnen die Arbeit ausgehen könnte? Überhaupt nicht. Ich habe eher die Sorge, dass aus dem leichten Rückgang eine falsche Botschaft herausgelesen wird – dass Unter­ nehmen sagen: Die Lage hat sich gebessert, jetzt kann ich meine Bemühungen einstel­ len. Dabei ist die Abnahme nur eine Konse­ quenz verstärkter Anstrengungen. Wenn man diese einstellen würde, würde die Wirt­ schaftskriminalität wieder zunehmen. Was sind die häufigsten Delikte? Auf Platz eins rangieren Vermögensdelikte – also der Griff in die Kasse oder die Verun­ treuung betrieblicher Gelder. In diese Kate­ gorie gehören der Buchhalter, der Schein­ rechnungen schreibt und das Geld auf sein eigenes Konto überweisen lässt; der Liefe­ rant, der schlechtere Qualität liefert als ver­ einbart; oder der Dienstleister, der Leistun­ gen abrechnet, die nicht erbracht wurden. Auf Platz zwei liegt der Diebstahl geistigen Eigentums. Dazu gehören der Missbrauch von Patenten und Markenrechten, Indus­ trie­ und Wirtschaftsspionage oder der Diebstahl von Kundendaten. Das dritte gro­ ße Deliktfeld ist die Korruption. Wie läuft die Untersuchung von Verdachts­ fällen ab – rufen die Firmen bei Ihnen an, und Sie rücken dann als eine Art Task­Force an? Das ist eine Variante, die häufig vorkommt. Ein Unternehmer tritt an uns heran und sagt etwa: „Ich habe schon seit Jahren das Gefühl, dass in dieser Abteilung etwas schiefläuft.“ Da geht es oft um eine Anei­ nanderreihung von Kleinigkeiten. Ein Bei­ spiel: ein Mitarbeiter fährt ein teures Auto und setzt sich permanent für bestimmte Lieferanten ein, obwohl er woanders güns­ tiger einkaufen könnte. Außerdem schottet er sein Arbeitsfeld massiv ab, und auch die Zahlen stimmen seit einiger Zeit nicht.

100

Compliance

Wenn dann noch etwas Ungewöhnliches passiert, möchten die Unternehmen, dass da mal jemand genauer hinschaut. Dürfen Mitarbeiter die Aussage verweigern, wenn Sie sie befragen? Das kommt auf die Situation an und darauf, wie das Gesagte später verwendet werden soll. Arbeitsrechtlich gilt der Grundsatz: der Arbeitnehmer hat eine Auskunfts­ pflicht gegenüber dem Arbeitgeber. Es gibt aber eine Grenze: Er ist – ähnlich wie im Strafrecht – nicht verpflichtet, sich selbst zu belasten. Manche Juristen sind der Auf­ fassung, dass der Arbeitgeber den Arbeit­ nehmer explizit über diese Grenze belehren muss, bevor er ihn befragt. Andere halten das nicht für erforderlich. Da werden gerade lange juristische Aufsätze darüber geschrieben. Wie können sich Unternehmen konkret vor Wirtschaftskriminalität schützen? Das Thema Kontrollen hatten wir ja bereits angesprochen. Das Risiko, entdeckt zu wer­ den, schreckt potenzielle Täter ab. So lassen sich etwa mit spezieller Software verdächti­ ge Geldströme erkennen. Hilfreich ist auch eine Whistleblower­Hotline, an die sich Mitarbeiter wenden können, wenn sie ir­ gendwo Ungereimtheiten vermuten. Die Prävention hat aber auch eine moralische Ebene. Die Unternehmen müssen das Bewusstsein vom ehrlichen Kaufmann wieder stärker zur Geltung bringen und den Mitarbeitern zeigen: Wir wollen unsere Geschäfte nur auf ehrliche Weise machen. Besteht nicht die Gefahr, dass das zwar in einem wohlklingenden Unternehmensleitbild steht, sich in der Praxis aber nichts ändert? Das Management muss sich auch daran halten. Das zeigt sich besonders in Grenz­ fällen – wenn etwa ein großes Geschäft winkt, für das das Unternehmen aber gegen seine Antikorruptionsrichtlinien verstoßen müsste. Dann muss die Geschäftsführung sagen: Das machen wir nicht, weil wir glaubwürdig bleiben wollen. Die Mitarbei­ ter müssen das Gefühl haben, dass die Regeln ernst gemeint sind. Und es muss natürlich trotzdem Kontrollen geben. Eine Whistleblower­Hotline lässt sich auch nutzen, um Kollegen zu denunzieren. Man kann nicht ausschließen, dass Mit­ arbeiter versuchen, so ein Instrument zu missbrauchen. Aber wenn man professio­ nell damit umgeht, merkt man das schnell. Oft nehmen Beschäftigte etwas Verdächti­ ges wahr, wissen aber nicht so recht, wie sie diese Information weitergeben sollen. Der direkte Vorgesetzte ist ja möglicherweise an den regelwidrigen Praktiken beteiligt. Da einen Kanal aufzumachen, über den man Hinweise geben kann, ohne sich als Person

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zu offenbaren, ist hilfreich. Der Kanal kann auch zu einem externen Dritten führen, was gerade für kleinere Unternehmen, die nicht so viele Ressourcen auf das Thema Compli­ ance verwenden können, eine interessante Option ist. Entscheidend ist, dass Ver­ dachtsfälle ergebnisoffen geprüft werden. Es darf auch nicht bekannt werden, wenn ein Verdacht gegen Herrn X oder Frau Y untersucht wird. Selbst wenn sich die Vor­ würfe nicht erhärten lassen, bliebe an den Betroffenen immer etwas hängen, wenn ein entsprechender Verdacht bekannt würde. Und wo bleibt der Arbeitnehmerdatenschutz, wenn zur Kriminalitätsprävention systema­ tisch Daten ausgewertet werden? Solchen Auswertungen setzt das Bundes­ datenschutzgesetz enge Grenzen. Unprob­ lematisch ist die Untersuchung von Trans­ aktionsdaten – beispielsweise von Bu­ chungsvorgängen. Es gibt aber auch Fälle, in denen diese Informationen mit Personen verbunden sind. Um diese Daten auswerten zu dürfen, braucht es einen konkreten Verdacht. Es geht hier um eine Abwägung zwischen den schutzwürdigen Interessen der Arbeitnehmer und dem Aufklärungs­ interesse des Unternehmens. Gab es schon einen Fall, bei dem selbst Sie gestaunt haben, dass einer auf so eine Idee gekommen ist? Das passiert selten, weil sich das Ganze ZUR PERSON letztlich doch auf Experte Steffen Salvenmoser ist Partner im eine überschaubare Bereich Forensic Services bei der Wirtschafts­ Anzahl von Grund­ prüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers manipulationsmus­ (PWC). Er ist spezialisiert auf die Aufklärung tern reduziert. Man­ von Wirtschaftskriminalität in Unternehmen che Täter glauben und leitete eine Vielzahl von Sonderprüfungen zwar, sie seien auf in unterschiedlichen Branchen. Vor seiner einen genialen Kniff Tätigkeit bei PWC war Salvenmoser zwei Jahre gekommen, den als Richter und mehr als sechs Jahre als Staats­ noch keiner ent­ anwalt für Wirtschaftsstrafsachen tätig. lud deckt hat. Meist er­ finden sie aber nur das Rad wieder neu. Die lesen ja auch keine Lehrbücher darüber, wie man so was heutzutage aufdecken kann. In Europa und den Vereinigten Staaten gel­ ten strenge Antikorruptionsgesetze. Gilt das auch für andere Regionen – oder muss man dort immer noch schmieren, um einen Auf­ trag zu bekommen? Das bekomme ich immer wieder zu hören. Es mag ja sein, dass man den einen oder anderen Auftrag verliert, wenn man kon­ sequent auf Schmiergeld verzichtet. Die Unternehmen sollten sich aber fragen, ob sich ein dubioses Geschäft auch noch rech­ net, wenn man mögliche Strafzahlungen und den drohenden Reputationsschaden miteinbezieht. Das Gespräch führte Werner Ludwig.

Gründer – und was aus ihnen wurde

Wie Firmen flüssig bleiben

Nicht jede Gründung ist wirtschaftlich erfolgreich. Doch auch wenn es anders als geplant läuft, lernen die Neuunternehmer vieles, was ihnen beim nächsten Anlauf hilft. Das belegen zwei Beispiele aus Stuttgart. Seite 22 und 23

Bankkredite, Anleihen, Schuldscheindarlehen oder Aktien – es gibt viele Wege, an Kapital zu kommen. Wir stellen die wichtigsten vor. Doch selbst eine dicke Eigenkapitaldecke schützt nicht immer vor Liquiditätsproblemen. Seite 24 bis 26


18 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

„Von Prämien halte ich überhaupt nichts“ Christine Hohmann­Dennhardt, im Daimler­Vorstand für Integrität und Recht zuständig, mag Hinweise auf Vergehen nicht belohnen. Anonyme Tipps hält sie für ein sinnvolles Instrument. Interview

D

er Anglizismus Compliance, der für Regelkonformität steht, hat Karriere gemacht. In vielen Konzernen kümmern sich jetzt Vorstandsmitglieder darum, dass die Korruption keine Chance hat und sich alles nach gesetzlichen und internen Vorschriften abspielt. Im Daimler­Vor­ stand kümmert sich die frühere Verfas­ sungsrichterin Christine Hohmann­Denn­ hardt seit 2011 um das Thema. Im Interview zieht sich eine Zwischenbilanz ihrer Arbeit. Frau Hohmann­Dennhardt, Daimler ist in fast allen Ländern der Welt vertreten. Ist es dort überall wirklich möglich, legal Geschäf­ te zu machen? Natürlich ist es in den unterschiedlichen Ländern unterschiedlich schwer, legal zu handeln, aber es ist möglich. Und es ist ins­ besondere möglich für ein so großes und angesehenes Unternehmen wie Daimler. Ich sage immer: Wer, wenn nicht wir?

Gibt es Gepflogenheiten auf Drittmärkten, die nach deutschem Recht in Ordnung sind, nach US­Recht aber zum Beispiel nicht? Es hat zumindest in der Vergangenheit unterschiedliche Gesetze gegeben. Bei der Korruptionsbekämpfung ist uns das amerikanische Recht voraus gewesen. Der „Foreign Corrupt Practices Act“ (FCPA) von 1977, also das US­Gesetz, das Zahlun­ gen an ausländische Amtsträger verbietet, war ein Rechtswerk, das es so auf der Welt vorher nicht gege­ ben hat. Es wurden Unternehmen für Korruptionshand­ lungen zur Verant­ wortung gezogen, nicht die einzelnen Täter, und das Ge­ setz erstreckte sich auf das Ausland. Früher waren die Gesetze in Deutsch­ „Wenn sich ein Verdacht nicht land und in vielen bestätigen sollte, bieten wir anderen Ländern rehabilitierende Schritte an.“ nicht so, es gab also gewisse Verzöge­ Christine Hohmann­Dennhardt über zu Unrecht angeschwärzte Mitarbeiter rungen. Haben wir jetzt weltweit einen einheitlichen Standard? Was die Gesetze betrifft, so hat es weltweit eine Anpassung auf das gleiche Niveau ge­ geben. Das gilt auch für Länder, in denen Korruption herrscht. Da gibt es ein Voll­ zugsdefizit.

gleich beendet worden. Anschließend hat der frühere FBI­Direktor Louis Freeh kontrol­ liert, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Sie sind seit 2011 im Daimler­Vorstand unter anderem für Compliance verantwortlich. Was hat sich in diesen Jahren geändert? Es hat sich sehr vieles erfreulich entwickelt und zum Besseren gewandelt. Louis Freeh hat zum Ende seiner Arbeit im vergange­ nen Jahr vom Goldstandard gesprochen. Dasselbe gilt für eine Studie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), bei der es um die Frage ging, wie weit Compliance im Unternehmen verankert ist. Da haben wir sehr gut abgeschnitten. Aber wir können und wollen uns nicht auf unseren Lorbee­ ren ausruhen. Wie viele Verstöße wurden gemeldet? Die Bilanz messe ich nicht an den Zahlen, um das ganz klar zu sagen. Ich messe das daran, dass sich unsere Mitarbeiter mitt­ lerweile sicher fühlen im Umgang mit den Themen. Aber wir müssen auf der Hut sein. Dazu dient zum Beispiel unser Hinweis­ gebersystem. Nach der Bilanz 2013 wurden konzernweit 4500 Fälle angezeigt. Das waren vielfach aber auch reine Anfragen und Doppelanzeigen. Dann gab es leichtere Verstöße, die an die jeweiligen Vorgesetz­ ten gegeben wurden – zum Beispiel Verspä­ tungen von Mitarbeitern. Festgehalten wurden 700 Hinweise, und von denen sind nach Prüfung 84 Fälle übrig geblieben, bei denen sich der Verdacht bestätigte. An ers­ ter Stelle stehen Diebstahl und Untreue, dann kommen sonstige Verstöße – zum Beispiel gegen unsere Verhaltensricht­ linie – und an dritter Stelle dann Beste­ chungsfälle, aber fast gleichbedeutend sind Fragen von Diskriminierung und Mobbing. Von wie vielen Mitarbeitern hat sich Daim­ ler aus diesen Gründen getrennt? Für uns steht das Prinzip der Verhältnis­ mäßigkeit an oberster Stelle. Natürlich müssen wir Verstößen nachgehen. Aber wir haben uns einer Fehlerkultur verschrieben. Man darf bei uns Fehler machen, wenn das nicht vorsätzlich geschieht. Und es spielt eine Rolle, wenn jemandem der Fehler zum Beispiel zum ersten Mal nach 30 Jahren Be­ triebszugehörigkeit unterlaufen ist. Aber es kommt auch zu Kündigungen. Über Zahlen möchte ich da nicht sprechen.

Daimler­Vorstandsfrau Hohmann­Dennhardt plädiert für eine Fehlerkultur. Das Whistleblower­System für anonyme Tipps gilt auch als Spielwiese für Denun­ zianten. Rechtfertigt die Trefferquote den möglichen Schaden? Ich meine, dass das ein sehr sinnvolles In­ strument ist. Natürlich besteht das Risiko des Missbrauchs. Ich meine aber, dass man dem begegnen kann. Wir prüfen sehr sorg­ fältig, ob wir überhaupt in Prüfungen ein­ treten – was die Zahlen ja im Übrigen zei­ gen. Wir gehen keinem aus der Luft gegrif­ fenen Verdacht nach, sondern prüfen sehr genau. Und wir ziehen ganz unverzüglich die Betroffenen heran und hören sie an. Wer schützt zu Unrecht angeschwärzte Mitarbeiter? Wenn sich ein Verdacht nicht be­ stätigen sollte, bieten wir dem Mitarbeiter rehabilitierende Schritte an, sofern er es will. Wir stellen die Sache dann klar, damit nichts hängen bleibt. Außerdem muss derjenige mit Sanktio­ nen rechnen, der falsche Vorwürfe erhebt, sofern wir das feststellen kön­ nen.

Sie erwarten von den Geschäftspartnern das Einhalten von Regeln und ein insgesamt integres Verhalten. Wie verträgt sich das da­ mit, dass Daimler auch mit Geschäftsleuten wie Bernie Ecclestone zusammenarbeitet? Wir überprüfen all unsere Geschäftspart­ ner im Hinblick auf Compliance. Was Herrn Ecclestone betrifft: er ist kein direk­ ter Geschäftspartner von uns. Das Ge­ richtsverfahren gegen ihn ist beendet, er musste zwar einen großen Betrag zahlen, aber er ist nicht für schuldig erklärt wor­ den. Wir respektieren die Entscheidung des Gerichts.

Aber ein Tippgeber kann anonym bleiben. Natürlich, aber manchmal lässt sich erkennbares An­

Die Ermittlungen in den USA gegen Daimler wegen Korruption sind 2010 mit einem Ver­

Via Online­Spiel wird bei Daimler Korruptionsfällen nachgespürt.

Daimler hat das Regelwerk drastisch beschnitten Um Überregulierung zu vermeiden, wurde die Zahl der internen Vorschriften von 1800 auf etwa 700 reduziert. Korruptionsbekämpfung

I

n den USA haben im Jahr 2004 das Jus­ tizministerium und die Börsenaufsicht SEC Ermittlungen gegen Daimler aufge­ nommen. Grund dafür waren Korruptions­ vorwürfe, die ein Insider erhoben hatte. Zwei Jahre später wurde der frühere FBI­ Direktor Louis Freeh als Anti­Korrup­ tionsberater nach Stuttgart geschickt, um Daimler beim Aufbau einer Compliance­ Organisation zu unterstützen. 2010 konnte Daimler die Sache per Vergleich aus der Welt schaffen. Der Konzern zahlte 185 Mil­ lionen Dollar und akzeptierte Freeh für die folgenden drei Jahre als Aufpasser. Wenig schmeichelhaft heißt es in den Unterlagen der US­Justiz, dass jahrzehntelang in 22 Ländern Staatsbedienstete geschmiert wurden, um an Aufträge zu kommen. Ziel der 2006 gebildeten Compliance­ Organisation ist es, den Beschäftigten dabei zu helfen, sich rechtlich einwandfrei und integer zu verhalten und sich um Ver­

stöße zu kümmern. Der Bereich ist Teil des Vorstandsressorts Integrität und Recht, das seit 2011 besteht und von der früheren Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann­Dennhardt (64) geleitet wird. Insgesamt zählt die Organisation mit Chief Compliance Officer Wolfgang Herb an der Spitze 178 Mitarbeiter; davon sind 79 lokale Manager, die weltweit vor Ort für die Um­ setzung des Compliance­Programms sor­ gen. Der Schwerpunkt liegt auf der Präven­ tion von Korruption, Untreue, Unterschla­ gung und Geldwäsche. Beim Business Practices Office (BPO) können Beschäftig­ te ebenso wie Außenstehende Hinweise auf Gesetzesverstöße oder interne Regeln mel­ den. Das BPO hat etwa zehn Mitarbeiter. Christine Hohmann­Dennhardt legt Wert darauf, dass eine Überregulierung vermieden wird, so dass Mitarbeiter nicht das Vertrauen in die eigene Organisation und in ihr eigenes Entscheidungsvermögen

verlieren. Das Ergebnis der Bemühungen: in den letzten drei Jahren wurde das Regel­ werk von 1800 internen Vorschriften auf weniger als 700 reduziert. Daimler begreift das Thema Compliance als Daueraufgabe und baut sein bereits umfangreiches Schulungsprogramm stetig aus. So wurden in den Jahren 2011 bis 2013 etwa 184 000 Beschäftigte in internet­ basierten Trainings und Präsenzveranstal­ tungen geschult. Die Beschäftigten in den Werken hat der Konzern versucht durch einen sogenannten Integrity Truck zu er­ reichen. Dieser Lastwagen fuhr, besetzt mit Compliance­Spezialisten, 18 Standorte in Deutschland an und suchte das Gespräch mit den Mitarbeitern in der Produktion. Mit der „Monster Mission“ wird die Palette der Maßnahmen um ein Online­ Spiel ergänzt. Die erste Runde ging Mitte Oktober zu Ende. In einer Umfrage haben 72 Prozent der Teilnehmer den spieleri­ schen Ansatz als grundsätzlich geeignet für die Auseinandersetzung mit dem Thema Compliance bezeichnet. Zum Spiel selbst gab es auch einige kritische Stimmen. Jetzt läuft die zweite Runde. mih

Fotos: Lg/Leif Piechowski, Illustration: Daimler

schwärzen einkreisen und erkennen, aus welcher Ecke das kommt. Zudem sind nicht alle Hinweise anonym. Sollten Tippgeber wie in den USA eine Be­ lohnung erhalten? Auf EU­Ebene wird über dieses Thema diskutiert. Ich halte von dieser Idee überhaupt nichts. Wer einen Verdacht äußert, sollte das nicht wegen des Geldes tun, sondern weil er sich verantwortlich fühlt. In den USA ist es so: Wenn sich der Whistleblower an den Staat wendet, bekommt er nachher die Beloh­ nung. Das ist kontraproduktiv, denn dersel­ be Gesetzgeber, der die Belohnung aussetzt, erlegt den Unternehmen auf, Whistle­ blower­Systeme einzurichten. Warum soll­ te sich jemand noch intern und rechtzeitig an ein solches Whistleblower­System wen­ den, wenn er daran vorbei vom Staat eine Belohnung erhalten kann? Das führt uns nicht weiter. Unternehmen haben die Ver­ pflichtung, sich selbst darum zu kümmern, dass es regelkonform bei ihnen zugeht. Wie halten Sie beim Thema Compliance die Aufmerksamkeit aufrecht, zumal die Moral­ debatte manchen auch nerven wird? Wir führen die De­ CHRISTINE HOHMANN­DENNHARDT batte nicht mora­ Karriere Die frühere Bundesverfassungsrich­ lisch, sondern sehr terin Christine Hohmann­Dennhardt hat die eng orientiert an der Wirtschaft erst spät entdeckt. 2011 zog die Alltagssituation der 64­Jährige in den Daimler­Vorstand ein. Die Mitarbeiter. Aber Juristin war vor ihrer Zeit in Karlsruhe (1999 bis natürlich sind wir 2011) Ministerin in der Landesregierung Hes­ immer wieder gefor­ sens, zunächst verantwortlich für Justiz, später dert, das Thema am für Wissenschaft und Kunst. Auch die Kommu­ Laufen zu halten. nalpolitik kennt die gebürtige Leipzigerin aus Wir machen das mit ihrer Zeit als Sozialdezernentin in Frankfurt. red Fachtagungen, aber auch mit einem Computerspiel, der „Mons­ ter Mission“ zum Thema Integrität, das wir in diesem Jahr aufgelegt haben. Wirtschaft­ licher Erfolg und Integrität sind beide wich­ tig, und um beides geht es in dem Spiel. Mit dem spielerischen Ansatz betreten wir in Deutschland Neuland. Sicher gibt es auch kritische Stimmen, die fragen, ob das dem Thema angemessen ist. Aber auch diese De­ batte ist wichtig. Für Mitarbeiter gilt bei Einladungen ein Richtwert von 100 Euro, bei Geschenken sind es 50 Euro. Übertreiben Sie da nicht? Wohlgemerkt, es ist ein Richtwert, keine Obergrenze, so wie wir sie früher hatten. Eigentlich brauchen wir so etwas gar nicht, denn es kommt ja darauf an zu sagen, wel­ che Einladungen oder Geschenke gemie­ den werden sollten, weil der Anschein einer Einflussnahme entstehen könnte. Das kann schon bei zehn Euro der Fall sein und bei 110 Euro noch nicht. Eine Orientie­ rungslinie ist hilfreich. Diese Linie kann überschritten werden, aber es ist dann sinnvoll, das Geschenk oder die Einladung schriftlich zu dokumentieren. Das Gespräch führte Michael Heller.


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Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Selbst ein bisschen Schummeln geht nicht Das Bauunternehmen Mörk in Leonberg kennt das schlechte Image der Branche – und macht es besser. Der Mittelständler setzt auf Transparenz und Ehrlichkeit und lässt sich nach dem EMB­Wertemanagement Bau zertifizieren. Von Inge Nowak Compliance

D

as Image der Branche ist tra­ ditionell schlecht. Wer über Korruption, Bestechlichkeit und Skandale redet, landet schnell beim Bau. Jeder zeigt auf die Branche, wenn es um Kostenexplo­ sion, Schwarzarbeit, Sozialversicherungs­ betrug, Intransparenz oder Pfusch geht. Matthias Schäfer kennt all diese Probleme. Er weiß vom Misstrauen, dass zwischen Bauherren, Bauunternehmen und Liefe­ ranten herrscht – und wie häufig Anwälte und Gerichte die Wogen glätten müssen. Schäfer ist der Geschäftsführer von Mörk in Leonberg. Und er macht es anders. Mörk ist ein mittelständisches Bau­ unternehmen, das mit 90 Beschäftigten 50 Millionen Euro umsetzt. Das Familien­ unternehmen, gegründet 1902, beschäftigt keine gewerblichen Mitarbeiter, sondern tritt als Generalübernehmer auf. Gemein­ sam mit Partnern erstellt Mörk Reihenhäu­ ser sowie größere Wohneinheiten mit 20 bis 150 Wohneinheiten, es baut für Industrie, Gewerbe und kirchliche Einrichtungen. Auf der Homepage stößt man unter der Rubrik „Werte“ schnell auf Stichworte wie Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit und Kompe­ tenz. Schäfer will keinen Vertragspartner übervorteilen. Fairness ist ihm wichtig. P r e i sa b s p r a c h e n oder Ähnliches sei­ BAUEN FÜR STAMMKUNDEN en für ihn ein No­ Geschichte Mörk ist ein Familienunternehmen. Go, sagt er. Die eige­ Gegründet wurde es 1902 von Georg Mörk, ne Fehlkalkulation bis heute ist der Firmensitz in Leonberg. über Tricksereien Mörk bezeichnet sich selbst als Spezialist für wettzumachen, geht schlüsselfertiges Bauen. Rund 60 Prozent der nicht. Das sind Kunden sind Stammkunden. mehr als leere Wor­ te. Mörk besitzt das Aktivitäten Das Unternehmen erstellt größere EMB­Zertifikat. Das Wohneinheiten, Gewerbeimmobilien sowie Kürzel steht für Kirchen im süddeutschen Raum. ino „Ethikmanagement der Bauwirtschaft“; der Verein wurde 1996 von der bayerischen Bauwirtschaft gegründet. Die Landesgren­ zen hat er schon lange überschritten. Neben Mörk stehen bekannte Namen wie Bilfinger

und Züblin auf der gar nicht so langen Teilnehmerliste. Bei EMB geht es nicht nur um die Einhaltung von Recht und Ordnung. Es geht vielmehr um ein wertorientiertes Ma­ nagement, die Unternehmen wollen als „vertrauenswürdi­ ger und fairer Partner auftre­ ten“, ist in der EMB­Broschü­ re nachzulesen. Alle drei Jah­ re wird das Audit überprüft und neu ausgestellt. Rund einen Tag sind dafür die EMB­Verantwortlichen im Unternehmen und reden mit Geschäftsführer und Mit­ arbeitern. Schäfer, der sich selbst schon gegen unredliche An­ gebote gewehrt hat, steht hin­ ter dem Ansatz. Wie ernst er es meint, werde im Bewer­ bungsgespräch deutlich, er­ läutert er. „Ich spreche mit Bewerbern über kritische Themen, die der Alltag so mit Eines von vielen Mörk­Projekten: das Gemeindezentrum der evangelisch­methodistischen Kirche in Mainz­Kostheim sich bringt.“ Konkret disku­ tiert er etwa Fallbeispiele, wenn etwa ein scheinen“, so Schäfer. Manchmal komme es wir eine Meinungsbox aufstellen sollen, da­ Kunde um einen Preisnachlass feilscht. auch zum Streit. Schließlich gehe es darum: mit die Mitarbeiter anonym bleiben“, erläu­ „Entschieden verhandeln ist in Ordnung, „Was ist vereinbart, was steht im Vertrag? tert der Mörk­Chef. „Aber was bringt uns Lügen dürfen nicht sein“, sagt Schäfer im Das steht uns dann auch zu.“ Schäfer: „Man das?“, fragt er. Im Zweifel bleibe dann vieles Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung un­ muss für seine Werte auch eintreten.“ Und unklar. Man könne zum Beispiel nicht missverständlich. Auch ein bisschen manchmal landet auch Mörk vor Gericht. nachfragen, ob es einen Konflikt zwischen Schummeln geht nicht. „Mein Feedback in Und auch bei den Mitarbeitern sei man den Betroffenen gibt, wie häufig der Regel­ Gesprächen: unser Wertesystem gibt uns letztlich nie dagegen gefeit, dass einer verstoß vorkam oder in welchem Zusam­ Klarheit. Wir wissen, was geht und was mal irgendwelchen Verlockungen erliege, menhang er entdeckt wurde. „Unserer An­ nicht geht. Wir rutschen nicht so schnell in räumt Schäfer ein. Doch die Gefahr, ent­ sicht nach ist Anonymität kein geeignetes die Grauzone“, so Schäfer. deckt zu werden, ist groß. Es gebe zwei Ver­ Mittel, um Transparenz und ein vertrauens­ Transparenz und Ehrlichkeit sollen trauenspersonen im Unternehmen, die An­ volles Miteinander zu schaffen“, so Schäfer. auch den Beschäftigten Halt geben. Bei Ver­ sprechpartner für mögliche Regelverstöße Und der Kunde? Honoriert er die Bemü­ trägen gilt das Vier­Augen­Prinzip, immer sind. Ein Mitarbeiter, der Verdacht ge­ hungen von Mörk um Ehrlichkeit und Fair­ zwei Personen müssen unterschreiben. schöpft hat, kann sich an sie wenden. Es ness, oder entscheidet er doch wieder nach Projekte sind auch für Kollegen einsehbar. werde offen geredet, Diskretion sei aber dem Preis? „Wir können keine höheren Was freilich nicht bedeutet, dass alles im­ gewährleistet, versichert Schäfer. Preise durchsetzen“, so Schäfer. „Aber mer problemlos über die Bühne geht. Es Anschließend kann die Vertrauensper­ wenn zwei Angebote vergleichbar sind, gibt auch mal Ärger bei einem Projekt. „Wir son die angesprochenen Punkte verifizie­ bekommen wir auch aufgrund unserer wollen nicht immer nur lieb und nett er­ ren. „Wir haben auch schon diskutiert, ob Arbeitsweise oft den Zuschlag.“

Arbeiten wie ein Detektiv Bei der Ausbildung zum Experten für Compliance und Wirtschaftskriminalität führen viele Wege zum Ziel. Von Larissa Holzki Karriere

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o Dragana Kovacevic hinkommt, sind Menschen und ihre Arbeits­ plätze gefährdet – zum Beispiel durch Spionage, Geheimnisverrat oder Kor­ ruption. Die 28­Jährige ist „Senior Consul­ tant Forensic Services“ oder einfacher ge­ sagt: Expertin für wirtschaftskriminelle Handlungen bei der Wirtschaftsprüfungs­ und Beratungsgesellschaft PwC. In ihrem Beruf dreht sich alles um das Thema Com­ pliance – also um regelkonformes Verhal­ ten in Betrieben und den Umgang mit Regelverstößen. „Wir werden leider meistens erst gerufen, wenn es schon brennt“, sagt Kovacevic. Um im Bild zu bleiben: Sie und ihre Kollegen müs­ sen erst einmal Feuer löschen und Dragana Kovacevic kann sich keinen spannenderen Job vorstellen. Foto: PwC

den Brandstifter finden. Dann können sie neue Sicherheitsmaßnahmen erarbeiten und Feuermelder aufhängen. „Analysieren, Regeln entwickeln und umsetzen, überwachen und optimieren“, so beschreibt Rolf Stober die Arbeit eines Compliance­Managers. Stober ist Leiter des Forschungsinstituts für Compliance, Si­ cherheitswirtschaft und Unternehmenssi­ cherheit an der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin (DUW). Er hat einen Masterstudiengang für Compliance entwickelt. Besonders wichtig ist ihm, dass angehende Sicherheitsexperten internatio­ nal, interdisziplinär und interkulturell agie­ ren lernen. Doch seit die DUW von der pri­ vaten Steinbeis­Hochschule übernommen wurde, werden keine neuen Studenten mehr in diesen Studiengang aufgenommen. „Die Bewerberzahlen waren schlichtweg zu gering“, sagt Birgit Galley, Geschäftsführe­ rin der DUW und Direktorin der Steinbeis­

SPOT AN!

Hochschule. Alternativ könnten Studieren­ de nun einen Master of Business Administ­ ration mit dem Schwerpunkt Compliance und Wirtschaftskriminalität wählen. Einen klassischen Weg in den Beruf neben den Angeboten privater Hochschulen gibt es nicht. Dragana Kovacevic hat Betriebswirt­ schaft, Recht und Rechnungswesen studiert. Als sie ihr Studium abgeschlossen hatte, wusste sie noch nicht einmal, dass es diesen Job überhaupt gibt. Geschadet habe das nicht, sagt sie. Das meiste lerne man in der Praxis und von den Kollegen im Team. Denn die Fälle sind für einen Menschen alleine häufig viel zu komplex. Quereinsteiger wie Unternehmer, Staatsanwälte und Polizisten bringen wertvolles Vorwissen mit – und Le­ benserfahrung. Geschäftsführer, die ihre Unternehmen seit 30 Jahre kennen, sind häufig misstrauisch, ob Uni­Absolventen ihre existenzgefährdenden Probleme lösen kön­ nen. „Das ist eine Herausforderung, da muss man sich natürlich erst mal beweisen und einen Namen machen“, sagt die Beraterin. Dass das Interesse an ihrem Beruf relativ gering ist, kann sie nicht verstehen. Einen spannenderen Job könne sie sich nicht vor­

stellen. „Wir arbeiten wie Detektive“, sagt Kovacevic . Hat ein Geschäftsführer den Verdacht, dass in seinem Unternehmen je­ mand korrupt ist, meldet er sich bei PwC. Die Experten werten den Schriftverkehr aus, suchen nach Verwandten und Freun­ den in dem Unternehmen, dem möglicher­ weise Aufträge zugeschustert wurden, füh­ ren Interviews und recherchieren, ob der Verdacht schlüssig ist. Manchmal wird der Betroffene mit den Mutmaßungen kon­ frontiert, in anderen Fällen nicht. Die Ex­ perten müssen dann verdeckt arbeiten. Auch angesichts der Karrierechancen könnte das Interesse größer sein. „Es wer­ den sehr viele Fachleute gesucht“, sagt Rolf Stober. Compliance­Manager arbeiten für alle Branchen. Doch im Mittelstand und in der öffentlichen Verwaltung sei das Thema noch nicht richtig angekommen, sagt Sto­ ber. Die meisten Compliance­Experten kommen in Großunternehmen oder bei Be­ ratungsagenturen unter. Dort führt die Kar­ riereleiter vom Junior­Berater über den Se­ nior­Berater zum Partner. Wie andere Be­ ratertätigkeiten auch wird Compliance­ Management gut bis sehr gut bezahlt.

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Foto: Mörk


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Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

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Da fen angelan anufaktur n Shoppin hrKooperatios grĂśĂ&#x;ter Barcode-A ter fĂźr Teleausgetret id er währen berg ken Buy or Bur zwerk rtwagenm Jährige, der me abseits leis 16 ist Ha ger Spo 60wa Europa deutscher Dienst Seit Februar del Jährige lange ule rin hat, ist nun sozialen Net rnt. Der erwegs. Mit Rif fga t fĂźr schwer ein groĂ&#x;er ernetauskĂźnfte. le Heilbronn 25- rierepfade unt ogen. Nach der Sch is- kennengele ehmen gegrĂźndet von â&#x20AC;&#x17E;Buy or eitssalon Wi ndp ark Int Ăśnh reass Kar chu gez tern fter Sch und afts sho chs aus Un Der en h Off Ho tsch fon use soziaellscha auch jen Immprove Immobilien leitet die zu neuen was von zu Ha bildung zur Wir um erfĂźllt fac nzkräftiger Ges traf Walter dort fĂźr 2013 beg n eines Projektes â&#x20AC;&#x201C; der Aus ihren Tra der fina verkäufliche ensstart Gumpert der ren im Rahme den Unternehm enziellen, vor undtin hatte sie sich land gegangen. In ten Burnâ&#x20AC;&#x153;. Bei Unternehmer, bar hinblätnn finanzie ngen. n In Heilbro ndu Euro in h Neusee r die pot hat. ten jährigen Loist gepräg len Medie unftsfonds ExistenzgrĂź Daten Ăźbe Nutzer erbracht le und war nac von Pionierge Zeit als Au- 39- Boliden 350 000 e erfolgreiche te en Zuk erfamilien en ein wertvolle er noch d sie nach einer Hochschu unternehmdie Unternehm IT- ein Der Mann, der tttranspor endlichen er imm rgie den Blu jug em onn Ene m ein aus fan und e. gen ft alle bei ttgarter ert: â&#x20AC;&#x17E;,Cleder Heilbr enburger Entschädigung fĂźr reAs- tert rma fĂźr Organen der jun Gesellscha hen einen Job Was ein Stu ng gelernt hat. ihn motivi t am richDas Old Studenten ten Praktikant ansion laufen sich bis zur gistikfi iohelden des Offsho te, habe ndu dert eine ers pair-Mädc t arbeitete sie h in der WirtEWE for ng beim Anschluss omnetz. Die Reglern der ersten GrĂź rĂźndet hat zur richtigen Zeifenâ&#x20AC;&#x2DC;, hat er ftige Exp sind die Dor n. geg kĂźn p. Doc ber h. is die rt-u sst dge Str Feh hoc â&#x20AC;&#x201C; rdsee VerzĂśgeru Riffgat an das Firma. FĂźr mit mĂśglichen Gel in einem ge- Sta entin des Chefs ihre Arbeitserlaubnsie mens, du mu richtigen Leute trefe hast, von nnungen in der No aber sist e bei Verbre Erfolg Ort die n kam wurde eine Ide anderen Windparks 30 Windrädern Gespräche t soll die App den Start. Ob medics Hilf , kann a ein i- tigen aftskrise tgedrunge alle d wenn du Im Herbs tzerkreis an Anlage mit ist einsatzbereit bindung vo- Poly in der eigenen Firm neh- sch ht verlängert. No Ăźck. Doch ein brit h gesagt. ,Un ugt bist, egal was n.â&#x20AC;&#x2DC;â&#x20AC;&#x153; n Nu erst schäft mit auc zur du Ăźberze sst du das mache vor Borkumfehlenden Landan Jahr Strom dringt schlossenedas Weihnachtsge ob bis dahin nic h Deutschland gab Haid en n mu GrĂźnderin stleister ihrer der ge, n nac wegen der ch erst im nächst ive Zusagen man dan hängt an der Fra perfekt funksonaldien Chance â&#x20AC;&#x201C; wegen , IT- sagen â&#x20AC;&#x201C; dan -Dach Eine e Dachdeckerei vor. Per tsch ie finden er init Deu r htli n, sch e ktu ein e der Ser mirdomän uns def uftragt raussic men kan e Infrastru der bei einer fĂźr ohne Studium nnet hat wurde bea in ihrem hienene Teil .de/startklar tellungsterr im in die Männe sch â&#x20AC;&#x17E;Te . Sie tigs ersc hni ern ng. fĂźr Fer wie tec eits lief hru die wir // Ber n Kom ://stzlinx s fĂźr sie nsdrucker r Brinke mit klaren â&#x20AC;&#x17E;Da sind Lebenserfa kulturelle s Präzisio ählen. Das aufgegangen sei, Sie auch unter http gemacht EWE-Chef Werne kĂźrzlich ertioniert. e typischen, ang an alles ste- Kräfte auszuw ion System d te te tschland en er eine TĂźr acht, sagt sie. Un nenâ&#x20AC;&#x153;, sag adio. Tennet hat mit der Ber- NotHightechindustrie von Anf Deu Ăźng ss imm Spr mu en n Ă&#x;en die Da Leb n nnter gem Nordwestr e Schwierigkeite Tennet-Spreponente: Walter. Statt in gro Ideen lieber cher saniere e sie entspa geb r t Eine Ef Die Leutkir nhof. klärt, es henâ&#x20AC;&#x153;, sag USA wĂźrden hie â&#x20AC;&#x17E;In den Ver- hab gerbahnho n Bah Munition. ng des EW t. gung von te zur AnkĂźndigu â&#x20AC;&#x153; Bei Tennet BĂźr Genossenschaft ihre wie in den StĂźck umgesetz â&#x20AC;&#x201C; cherin sag s wird man sehen.en eingegan- als olle Firma StĂźck um geheimnisv Chefs: â&#x20AC;&#x17E;Da keine Forderung treiber vor, es rätsel Eine GrĂźnder wurde luss h Sch zum seien noc r warf dem Netzbe dass die MuErfinder, der t, be â&#x20AC;&#x201C; bei Feier dpa der agsausga gen. Brinkeen Jahren bekann liege. das Fern Jeder Freit ichend â&#x20AC;&#x201C; liegt sboden an den Lesei seit viel tagen abwe â&#x20AC;&#x17E;rtvâ&#x20AC;&#x153; bei. en. de schriftlich dem Meere in Monatsen des Verlags zu richt en im sehmagaz nition auf 1:2005 rvice Abonnent genden

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Erfolgreicher Neustart vom Sofa aus Bei ihrem ersten Projekt Buy or Burn waren Sarah Haide und Clemens Walter noch perfektionistisch. Bei ihrem zweiten, erfolgreichen Start­up My Couchbox legten sie einfach los â&#x20AC;&#x201C; und wurden fĂźr ihren ungebrochenen GrĂźnderelan belohnt. GrĂźnderlektionen I

A

Ă&#x153;berraschungsboxen mit SĂźĂ&#x;igkeiten und Snacks, der im Januar buchstäblich von ihrer Wohnzimmercouch aus startete, hat sich besser und schneller entwickelt als er­ hofft. â&#x20AC;&#x17E;Wir waren am allerersten Tag bereits nach 80 Minuten ausverkauftâ&#x20AC;&#x153;, erzählt Walter. Inzwischen verlassen monatlich mehre­ re Tausend der nicht nur einzeln, sondern auch im Monatsabonnement fĂźr zehn Euro erhältlichen Boxen die frisch bezogenen BĂźro­ und Lagerräume im Stuttgarter Wes­ ten. Der Clou: My Couchbox bekommt die Ware von den Herstellern gratis, weil diese die Boxen als willkommenen Testlauf fĂźr neue Produkte sehen. My Couchbox er­ muntert mit Hilfe von Prämienpunkten die Nutzer zu Qualitätsurteilen und wertet die­ se Erkenntnisse fĂźr die Hersteller aus â&#x20AC;&#x201C; was fĂźr die Produzenten unter dem Strich eine preiswerte Marktstudie ist. Einfach loslegen â&#x20AC;&#x201C; das ist die Lektion fĂźr Haide und Walter: â&#x20AC;&#x17E;Bei My Couchbox ha­ ben wir, noch bevor wir eine Visitenkarte und eine Website hatten, bereits Snack­ Produzenten angerufenâ&#x20AC;&#x153;, erzählt Haide, die als GeschäftsfĂźhrerin fungiert. â&#x20AC;&#x17E;Wir muss­ ten nur minimal in Technik investieren. Ein Freund hat uns das GrundgerĂźst einer Website und eines Zahlungssystems ge­ bautâ&#x20AC;&#x153;, sagt sie. Der groĂ&#x;e Vorteil eines solchen Ge­ schäftsmodells sei, dass es sich von Anfang an finanziell selbst getragen habe, sagt

ls sie sich zum ersten Mal auf das die sich entschieden hätten, die App einzu­ GrĂźnderparkett wagten, hat auch in setzen oder nicht. Aber das hätte konkret Clemens Walter und Sarah Haide gezeigt, welches Interesse besteht.â&#x20AC;&#x153; Als er noch etwas zu viel deutsche GrĂźndlichkeit und seine MitgrĂźnderin begriffen, dass Zeit gesteckt. Dabei hatten die beiden, die im und Geld zur Neige gingen, war es zu spät. Jahr 2012 eine sichere Anstellung bei Auch eine Crowdfunding­Kampagne fĂźhrte einem Personaldienstleister nicht weiter. â&#x20AC;&#x17E;Uns sind dann gegen eine Unternehmer­ â&#x20AC;&#x17E;Wir haben mit irgendwann die Techniker ab­ karriere tauschten, bei ihrem unserem ersten handengekommen â&#x20AC;&#x201C; und dann ersten Projekt namens Buy or Projekt von Grund konnten wir auch nicht mehr Burn eigentlich alles richtig auf eine abgespeckte Version auf das GrĂźnden gemacht. umschwenken.â&#x20AC;&#x153; Mit Hilfe einer App sollten gelernt.â&#x20AC;&#x153; Und dennoch: Clemens mitteilungsfreudige Mode­ Sarah Haide, Walter und Sarah Haide sind käufer schon im Laden Fotos My Couchbox mit den vergangenen drei Jah­ von der Lieblingshose oder ren seit ihrer Entscheidung dem Lieblingshemd machen fĂźr das GrĂźnderdasein ganz kĂśnnen und mit ihren Online­Freunden da­ zufrieden. Das liegt nicht nur daran, dass sie rĂźber debattieren, ob das KleidungsstĂźck Buy or Burn nicht als endgĂźltig gescheitert zu ihnen passt oder nicht. Geboren wurde ansehen, sondern die Idee nur auf Eis gelegt die Idee auf einem GrĂźnderforum in haben. Vor allem ist eine andere, erst in die­ Aachen. Bei solchen in Deutschland inzwi­ sem Jahr gestartete GrĂźndung namens My schen gar nicht mehr so seltenen Events Couchbox sehr erfolgreich. Und ein zweites kĂśnnen spontan zusammengewĂźrfelte Projekt â&#x20AC;&#x201C; eine Online­Plattform fĂźr GrĂźn­ Teams in einigen schlaflosen Nächten an der und Investoren â&#x20AC;&#x201C; ist in der Testphase. einer zĂźndenden Idee basteln. â&#x20AC;&#x17E;Der erste My Couchbox, ein Online­Versand fĂźr Funke sprang Ăźber â&#x20AC;&#x201C; und schon am Wo­ chenende hatten wir ein Team gefunden, mit dem wir das angehen wolltenâ&#x20AC;&#x153;, erzählt Walter. Binnen zwei Monaten sollte, rein technisch gesehen, die App stehen. Schon frĂźh kam ein Auftritt im Magazin â&#x20AC;&#x17E;Wirt­ schaftswocheâ&#x20AC;&#x153;. Dann gewann das GrĂźnder­ team einen FĂśrderpreis der MFG Innova­ tionsagentur des Landes Baden­WĂźrttem­ berg unter dem Motto â&#x20AC;&#x17E;BW goes mobileâ&#x20AC;&#x153;. FrĂźhzeitig suchten die GrĂźnder nach potenziellen Investoren und nach koope­ rierenden Läden â&#x20AC;&#x201C; schlieĂ&#x;lich gilt in Kauf­ häusern Ăźblicherweise fĂźr Produkte ein Fotografierverbot. â&#x20AC;&#x17E;Am Anfang wollte ich alles immer gut vorbereitet habenâ&#x20AC;&#x153;, sagt Walters Partnerin und MitgrĂźnderin Sarah Haide im RĂźck­ blick. â&#x20AC;&#x17E;Wir haben bei Buy or Burn immer sehr stark versucht, in die Zukunft zu bli­ cken: Was machen wir, wenn das oder das passiert?â&#x20AC;&#x153; Erst die Läden als Kunden und Kooperationspartner an Bord holen, dann die App verfĂźgbar machen, das war der Ge­ danke. â&#x20AC;&#x17E;Es war zu sehr getĂźfteltâ&#x20AC;&#x153;, sagt Wal­ ter. â&#x20AC;&#x17E;Wir hätten die App einfach mal in einer abgespeckten Version lancieren sollen. Am Während Sarah Haide das Geschäft mit den Snack­Ă&#x153;berraschungsboxen von My Couchbox Ende wären es dann die Nutzer gewesen, managt, bastelt Clemens Walter schon an einer weiteren GrĂźndung. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Rom kriti siert Rettungs konzept Gri ech enl and

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Wir n weiĂ&#x; ich, das wär . â&#x20AC;&#x17E;Doch im hat sitäten Ilmenau inger, der an den n- Universitä Verpflicht die eher tech auc t Allmendinger. und sie kennen Tochter E-Plus a fĂźr die deutsch Kont, die wĂź Un und Bam e KP Es gibt fĂźr ein h einen uni vorgelegt wo wir steh rden heute nic e naiv gewe- der , kennt den Gra berg studie iDas erwies GrĂźndern zu unt ung der Enpahabe, erk Ă&#x153;bernahmean Nver ht dort steh ben Sol sitä en. ers rt sich Wis lte zwi ren Den geb Am tĂźt lärt alle senschaft zum selb als nicht schen der du norma ot erica Mo Arbeitsauf en, tum so einfac zen. muss Enp s so laufen wie Beirat. en und vil 28 Pro e KPN. Derzeit häl We gan h. Fast atech sch gep zen stemmenâ&#x20AC;&#x153;,lerweise nicht kom wand kannst ten : â&#x20AC;&#x17E;Es ist nicht so, dem Unternehm lt FrĂźhjahr des Zeitpunkt, als gen t t. Slim war en Jahr Kunden nell wachse lant, dann eur En dass du er- Sta sag plett alle mit offenen im grĂśĂ&#x;er im kĂśnne opä n. Bis zu rt gehen vergangenen Jah patech im dan ine wen Zum GlĂź t Horstmann. en Stil in verArmen em an Universitä15 einges ischen Telekomm n mĂźsste man zu Dritt res an wollte, n du grĂź zentrum den pfangen Schulzeite ck konnte er ein betreuen n weiter nden wil an der Un wurde das GrĂź den â&#x20AC;&#x17E;Wenn es wirst, gar nicht en Freund â&#x20AC;&#x201C; der Miltiegen. Neben KP unikationsmark nderum Festan e Mitarbeiter Trotz ein der Inhalt lst. Und das ist brachte nicn fĂźr seine Idee iversität t aus N beteili liardär auc den er schon her. beg der Lehrplä Das GrĂź gte sich h an preneursh Stiftungsprofess geschlossen. zwe kst du als Startu stellungen geht, Wissen mitht nur betriebswi eistern. Der ne.â&#x20AC;&#x153; dann teil Am Freitag hatte Telekom Austria der Versuc nderstipendium p in Deu ur fĂźr Ent ip war an rtschaftlic imal nac , sonder Un . tsch Am Exi t, Den Wu he, redas ive hâ&#x20AC;&#x153;, n hes der eric lan st die auch GrĂź rsität nic s es weiter sag d a nsc ndergeist: der zu verbinden beiden Welten ist einer Masse ht die erhrelativ kleinen hängt viel von der t Allmending aber den mĂś darĂźber nac Movil mitgeund dafĂźr h, etwas Eigene mit er: glic an hab Fin . offt ein hde Doc kam hen GrĂź â&#x20AC;&#x17E;Es s anz en wir auc ane kri nke h vor ndu en erst ein Verkauf lassen. Die die ausgetretenen zu gestalten h festgem ierung ab. Daran unternehmens E-P des Mobilf, ob es mal die For der GrĂźndung men. In 14 Jahren ngen zusamme tische weiterb 201 Pfa wic 2 nge wu ach de zu ver htigsten etreiben.â&#x20AC;&#x153; lefonica unt lus an die mulare. Im unkwar rde das Pro dav kom t, ob wir ben hab Dinge - Zw O2-Mu Es ers e April grĂź on wurde ein Du en es etwa hunder - Stipendien das pas jek , sonder geht nicht mehr Hochschu er auĂ&#x;erhalb von in seinem Le- ant ei Monate später t Enpatech geb grĂśĂ&#x;ter Mo tĂźtze. Deutschlan tter Tetzend als t ndungen n um etw ore um sch direkte Ausâ&#x20AC;&#x201C; Million Eur a eine hal e Untern bilfunkmarkt. Das d ist Eurodinger (27le gelernt, sagt Ma Schule und nac rag unterwegs. war der erste FĂśr n. Exist gefĂśrd aus der Wisse o von priv - die Un ehmen, nschaf Doc der- hal be aten mexikani ert. Heute ive Seite von ), der nun fĂźr die rtin Allmen- gen hgebesserten Anl h erste im zwe gibt es noc t Ăźber â&#x20AC;&#x17E;Existâ&#x20AC;&#x153; rsität nach dem Investoren. Ob bei KPN rund zwe das seit seinem iten, ten be Stelle fĂźr eine Enpatech geschäftli auf wurde en Novem Einstie -FĂśrde i Mil Investment h ein Aus der Typ, s verlore liarden Euro sein g der imm zuständig ist: â&#x20AC;&#x17E;Ic che samt 77 200 ber das Geld bew im vergan- rierzgrĂźndung â&#x20AC;&#x153; und â&#x20AC;&#x17E;Referentin fĂźr Exi e fen wird, ist rung Ende 2013 laufen der Mo n hat er ntag nicht hat â&#x20AC;&#x201C; abe es h r nicht nur gerne etwas gem bin gen GrĂźnde Euro sichern demilligt. Insge- Un t bei der GrĂźnde Hohenheim koo s- Dreierteam offen. Optimisti weiter hel- KP zu der Mit , wollte sich am N-Spre den pesch ist das ach ive rtea teilung rfĂś das, was mir vorgeg t Jahres als letz m, zum dem Anf dreikĂśpfi- Ent rsität Stuttgart. rderung mit der und das Geld noch. â&#x20AC;&#x17E;Mach was nicht mit cher sagte, Americ äuĂ&#x;ern. Ein kommt von repreneur du Der Leh e- als ITang dieses ter Horstm lieb get tin a Mo st â&#x20AC;&#x201C; nen eilt Allmend rstuhl ship alleine Entwickle ann Anteil an , ob das Untern vil habe r gestoĂ&#x;en s Bruder Olaf einem halben Jah ist nach einer Pau fĂźr amerikani inger in Anspie ,â&#x20AC;&#x153; sagt Marehmen KPN auf bau se seit Wisse r wieder ist, erst ein you love schen GrĂźnderslo lung auf den Me en wolle. Wäre die Ăźber 30 Prozen seibes mal sich nschaft und t aus and the mo gan s Wirtschaf etzt. Doch in unters ney will foll â&#x20AC;&#x17E;Do what Ă&#x153;bexikaner fĂźr den der Fall, mĂźssten t chiedlich die gan rnahmean ow.â&#x20AC;&#x153; em Takt. bewegen // Die gebot vor zen Konzern ein ber FĂźnf Mo legen. - Sie auc eits erschienen Teil h unter http e rtr Sof twa res ://stzlinx.de/der Serie finden Luf tfa hrt chm ied e startklar Die Kri

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nder aus Ăź r G e g n ung ju t. arter Zeit g t t u icht erfĂźll t n S n ie e d g t n a u h n mit Hoff Jahr aben die angenen te sind sie ldner h g u r e e e t v H k . je n Im r o r o t Ge ch v wei P Neustar n Andreas istisch na o gestellt. Z r V im . t o t v p n o r n n le io e e g iligt iel g der Re n die Bete d haben v e n k u c li â&#x20AC;&#x201C; b h h ic c e lgr Denno ungen erfo d n Ăź r G n GrĂźnderlektionen II Das Verhandlungswerkzeug andere Enpatech stieĂ&#x; bei potenziellen Kunden auf Interesse, aber Käufe blieben aus. Doch das Team hielt zusammen und nahm neue Projekte ins Visier â&#x20AC;&#x201C; wie einen Online­Shop fĂźr Bambusbrillen.

Walter. â&#x20AC;&#x17E;Das ist eben das Besondere am E­Commerce: Der Kunde kann sofort in dein Geschäft kommen, ohne dass du eine Filiale brauchst. Der Charme ist, dass du schneller zu deinem ersten Euro Umsatz kommst.â&#x20AC;&#x153; Ziel ist es, im kommenden Jahr beim Versand der Boxen in den fĂźnfstelligen Be­ reich vorzustoĂ&#x;en und im Ausland zu ex­ pandieren, auch wenn es inzwischen erste Nachahmer gibt, die auf den Zug aufzu­ springen versuchen. â&#x20AC;&#x17E;Du musst schneller sein als die anderen, das ist hart. Man darf nie denken: Wir sind die Bestenâ&#x20AC;&#x153;, sagt Wal­ ter. E­Commerce sei keineswegs weniger komplex als eine eher auf die Software­Ent­ wicklung gestĂźtzte App, wie Buy or Burn eine war. â&#x20AC;&#x17E;Es sind Tausende Kunden, die in­ dividuell ihre Artikel geliefert bekommen wollen, es gibt eine komplexe Logistik.â&#x20AC;&#x153; Ohne die manchmal harten Lektionen aus der ersten GrĂźndung wäre er nie so weit gekommen, meint Walter. â&#x20AC;&#x17E;Es ist ein Reife­ prozess: technisch, kaufmännisch, persĂśn­ lich. Heute bin ich gelassener, strukturier­ ter, kann anderen im Team besser Mut ma­ chen und besser reflektieren, was ich tue.â&#x20AC;&#x153; Von Frust Ăźber den ersten Anlauf keine Spur: â&#x20AC;&#x17E;Wir haben von Grund auf das GrĂźn­ den gelernt. Das kommt uns jetzt zuguteâ&#x20AC;&#x153;, sagt Haide. â&#x20AC;&#x17E;Als gescheitert hätten wir die Sache nur angesehen, wenn wir zurĂźck in unsere Jobs gegangen wären â&#x20AC;&#x201C; und frust­ riert gewesen wären.â&#x20AC;&#x153; Kein Wunder, dass schon eine weitere GrĂźndung auf der Agenda steht: Eine Web­ site, in der sich auch alle Erfahrungen des eigenen GrĂźnderdaseins bĂźndeln. Startup­ money.de soll sie heiĂ&#x;en. â&#x20AC;&#x17E;Wir wollen fĂźr Investoren den Zugang zu guten Ideen optimierenâ&#x20AC;&#x153;, sagt Walter. Auf einer Internetplattform sollen sie nach einer fe­ sten, Ăźbersichtlichen Struktur zueinander­ finden. Die GrĂźnder in spe präsentieren sich in einem kurzen Video â&#x20AC;&#x201C; und interes­ sierte Geldgeber kĂśnnen entscheiden, ob sie weitere Informationen herunterladen wollen. Das genaue Geschäftsmodell will Walter noch nicht verraten. Doch in den Vereinigten Staaten ist eine solche Platt­ form namens Gust schon sehr erfolgreich und vermittelt inzwischen Millionenin­ vestments oder bĂśrsenfähige Bewertungen von Start­ups. â&#x20AC;&#x17E;Die groĂ&#x;en Investoren wie Rocket Internet oder Holtzbrinck Ventures kommen leicht an Ideen heranâ&#x20AC;&#x153;, sagt Wal­ ter, â&#x20AC;&#x17E;aber viele Mittelständler wissen bisher nicht, wie sie einen Zugang zu diesem Markt finden kĂśnnen.â&#x20AC;&#x153;

EmpĂśrun g

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Fachbereich für kaufmännisches Personal              ! !   "#"# $"# % & '(  $ )*#

Infiziert vom Start­up­Virus

zen Jahr.â&#x20AC;&#x153; Die aus China importierten Bril­ was denn genau der Markt fĂźr unser Pro­ len seien ein nachhaltiges, schĂśn verpack­ dukt war.â&#x20AC;&#x153; Während das Team ursprĂźng­ tes Produkt â&#x20AC;&#x201C; also die perfekte Nische fĂźr lich geglaubt hatte, dass man Lizenzen fĂźr eine vorerst eher kleine Online­Plattform. die Software an Unternehmen verkaufen Während die Entscheidungs­ und Inno­ kĂśnne, erwies sich im Laufe der Zeit, dass vationsprozesse im Geschäft mit Unter­ die Verhandlungssoftware als Schulungs­ nehmen häufig schwerfällig seien, sei der produkt viel populärer war. Doch diese sogenannte E­Commerce bei den poten­ Erkenntnis kam zu spät. ahrelange Forschungen, eine geniale geschäft verdienen und Allmendinger zur­ ziellen Kunden inzwischen fest verankert. Aus eigener Kraft konnte man diesen Idee, die auf viel Beifall stieĂ&#x; â&#x20AC;&#x201C; die Ge­ zeit am Lehrstuhl fĂźr Unter­ Angesichts eines Anteils der Online­Um­ Markt nicht mehr erschlieĂ&#x;en â&#x20AC;&#x201C; und die schichte von Enpatech hat vielverspre­ nehmensgrĂźndungen und Unternehmer­ sätze im deutschen Handel, der auch heute bisherigen FĂśrdermittel aus dem staat­ chend begonnen. Es gab FĂśrdermittel und tum der Universität Hohenheim noch kaum die Schwelle von lichen Exist­Programm fĂźr ganz konkrete Interessenten. Doch am weiterbeschäftigt ist, bleibt ein Drittel der zehn Prozent Ăźberschritten â&#x20AC;&#x17E;Wir haben GrĂźndungen von Universi­ Ende lernte das aus der Universität Hohen­ Zeit fĂźr weitere GrĂźnderideen reserviert. habe, sei das Potenzial fĂźr beschlossen, tätsabsolventen liefen Ende heim hervorgegangene Start­up die hohen â&#x20AC;&#x17E;Wir werden wohl noch bis 70 arbeiten â&#x20AC;&#x201C; GrĂźnder weiter enorm â&#x20AC;&#x201C; wenn unsere Energie 2013 aus. â&#x20AC;&#x17E;Wir hätten fĂźr den HĂźrden des Geschäfts mit warum soll man nicht einmal sie fĂźr sich die richtige LĂźcke Vertrieb schon viel frĂźher Unternehmen kennen, in â&#x20AC;&#x17E;Wenn man einmal etwas ausprobieren?â&#x20AC;&#x153;, sagt entdeckten: â&#x20AC;&#x17E;Wer schnell vo­ dorthin zu stecken, einen strategischen Partner denen oft Hierarchien und mit dem GrĂźnden Allmendinger. rankommen will, geht in die­ wo wir schneller gebrauchtâ&#x20AC;&#x153;, sagt Allmendin­ schwierige Entscheidungs­ angefangen hat, In Betrieb ist bereits ein sen Bereichâ&#x20AC;&#x153;, sagt Allmendin­ etwas erreichen.â&#x20AC;&#x153; ger. â&#x20AC;&#x17E;Als wir uns den Aufwand strukturen innovativen Ideen Online­Shop namens Vana fĂźr ger. Die Marge bei dem On­ angeschaut haben, den man kann man nicht von auĂ&#x;en im Weg stehen. den Verkauf von Bambus­ line­Shop sei in Ordnung. Martin Allmendinger Ăźber investieren muss, damit nur Martin Allmendiger und mehr davon lassen.â&#x20AC;&#x153; brillen. Die Idee entstand aus Leben kĂśnne man aber von den Bambusbrillen­Webshop ein Kunde herauskommt, ha­ seine Mitstreiter Malte und Martin Allmendinger einem kreativen Zufall, der oft dieser einen Website nicht. ben wir gesagt: Das funktio­ Olaf Horstmann wollten nach Ăźber seine Motivation der Ausgangspunkt fĂźr zĂźn­ â&#x20AC;&#x17E;Wenn man aber einmal mit dem GrĂźnden niert nicht. Die Vertriebskosten fressen neuesten Erkenntnissen der dende GrĂźndungsideen ist. angefangen hat, kann man nicht mehr da­ uns auf. â&#x20AC;&#x153; Transaktionsforschung Ver­ Auf einer China­Reise war von lassen.â&#x20AC;&#x153; Doch das Wort Scheitern kommt auch handlungsprozesse zwischen Einkäufern einer aus dem Team Ăźber das Produkt ge­ Der erste Anlauf mit Enpatech habe bei Enpatech keinem Ăźber die Lippen: und Verkäufern optimieren. Klare grafi­ stolpert. â&#x20AC;&#x17E;2013 haben wir 150 Prozent ge­ entscheidende Lernerfahrungen ge­ â&#x20AC;&#x17E;Wir wussten, dass wir nicht der zweite sche Darstellungen sollten einen schnellen arbeitet, Nun haben wir beschlossen, unse­ bracht. â&#x20AC;&#x17E;Ein wichtiger Rat wäre, viel frß­ Mark Zuckerberg werden. Es ist wichtig, Ă&#x153;berblick Ăźber das bestmĂśgliche Verhand­ re Energie dorthin zu stecken, wo wir her auf Multiplikatoren zuzugehen, also das eigene Vorhaben realistisch einzu­ lungsergebnis erlauben. â&#x20AC;&#x17E;Unsere Projekte schneller etwas erreichenâ&#x20AC;&#x153;, sagt Allmen­ auf Partner, die den Markt genau kennen â&#x20AC;&#x201C; schätzen,â&#x20AC;&#x153; sagt Allmendinger. Letztlich sei sind ins Laufen gekommen, Unternehmen dinger. â&#x20AC;&#x17E;Und da haben wir gemerkt, dass und eine Einschätzung einzuholenâ&#x20AC;&#x153;, sagt die entscheidende HĂźrde die bei vielen haben sie getestetâ&#x20AC;&#x153;, erzählt Allmendinger. wir in wenigen Wochen mehr Umsatz ma­ Allmendinger. â&#x20AC;&#x17E;Das haben wir zu spät Firmen tief sitzende Scheu vor dem Neuen â&#x20AC;&#x17E;Die Fachabteilungen waren sehr an der chen als mit dem anderen Produkt im gan­ gemacht, weil wir schlicht nicht wussten, gewesen, die eine lange, teure Anlaufphase Sache interessiert. Danach ging es an den nĂśtig machte. â&#x20AC;&#x17E;In Deutschland fehlt Konzerneinkauf weiter â&#x20AC;&#x201C; und dann hieĂ&#x; es: manchmal der offene, experimentierfreu­ Wir arbeiten schon konzernweit an einer dige Umgang mit Ideen wie der unseren. anderen LĂśsung.â&#x20AC;&#x153; Ideen, an denen grundsätzlich schon Inte­ Frustration ist aus seiner Stimme nicht resse besteht, dann in der Praxis auch herauszuhĂśren. Denn vom GrĂźnden sind er anzuwenden, das ist hierzulande nicht und sein Team, das bis heute zusammen­ leichtâ&#x20AC;&#x153;, sagt Allmendinger. hält, weiterhin Ăźberzeugt. Inzwischen Aber fĂźr ihn lautet das Fazit: noch mehr bieten sie Enpatech zumindest fĂźr einen GrĂźndergeist, nicht weniger. â&#x20AC;&#x17E;Wir denken Nischenmarkt an. Sie schulen Trainer, die jetzt anders und gehen an die Idee einer dann ihrerseits Kurse fĂźr bessere Verhand­ GrĂźndung ganz anders heran. Man sollte lungsstrategien anbieten, oder sie gehen an beim GrĂźnden ruhig erst einmal streuen Universitäten, um mit Hilfe ihrer Software und schauen, was funktioniertâ&#x20AC;&#x153;, sagt er. Es grundsätzliche Erkenntnisse Ăźber Ver­ gehe erst einmal nicht darum, alle Auf­ handlungsstrategien zu vermitteln. Das gaben säuberlich abzuhaken. â&#x20AC;&#x17E;Es ist viel sind zugegebenermaĂ&#x;en kleinere BrĂśt­ wichtiger, frĂźhzeitig weitere Leute ins Boot chen, als sie sich im vergangenen Jahr vor­ zu holen. Es heiĂ&#x;t, mit mĂśglichst wenig gestellt hatten. â&#x20AC;&#x17E;Wir kĂśnnen da nur einen Aufwand mĂśglichst viel zu erreichen.â&#x20AC;&#x153; Tagessatz abrechnenâ&#x20AC;&#x153;, sagt Allmendinger. Sein Rat an potenzielle GrĂźnder: erst FĂźr potenzielle Investoren ist das offenbar einmal im Job bleiben, schauen, was funk­ ein Geschäftsmodell mit zu geringem tioniert â&#x20AC;&#x201C; und dann loslegen. Aber dann lie­ Wachstumspotenzial. ber einmal ins kalte Wasser springen, als Aber der wichtigste Ertrag aus heutiger unglĂźcklich in einer Festanstellung versau­ Sicht ist die Tatsache, dass da drei Universi­ ern: â&#x20AC;&#x17E;In einer solchen Situation steckt so tätsabsolventen das GrĂźndergen in sich viel Unzufriedenheit, und die Kreativität selbst entdeckt haben. Während zwei Mit­ geht verloren. Es ist immer wieder sehr glieder des Enpatech­Teams inzwischen Martin Allmendingers Rat fĂźr GrĂźndungswillige: so frĂźh wie mĂśglich auf Partner zugehen, schade zu sehen, wie viel Potenzial da auf ihren Lebensunterhalt im Beratungs­ die den Markt genau kennen. Foto: Martin Stollberg der Strecke bleibt.â&#x20AC;&#x153;

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22 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Wie Unternehmen flüssig bleiben Vor allem in kleineren Betrieben gibt es Nachholbedarf beim professionellen Liquiditätsmanagement. Von Klaus Dieter Oehler Finanzen

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em die Banken nicht hel­ fen, der muss sich selbst helfen: Das war die erste Lektion, die der Mittel­ stand in der Krise lernen musste. Die Innenfinanzierung – also das Ausschöpfen der eigenen Gewinne für Investitionen und das Freischaufeln unnö­ tig gebundenen Kapitals – wurde zu einem der wichtigsten Instrumente. Der deutsche Mittelstand hat schnell gelernt. Heute beklagen die deutschen Banken, dass die Nachfrage nach neuen Krediten gering ist. Das liegt zum einen daran, dass die wirtschaftlichen Aussichten nicht so rosig sind, dass klei­ Was nützt es, wenn man viele ne und mittelständi­ sche Unternehmen Produkte verkauft hat, mit neuen Investitio­ das Geld dafür aber nicht auf nen ihre Kapazitäten dem Firmenkonto ankommt? ausbauen wollen – sie konzentrieren sich vielmehr vorerst darauf, produktiver zu werden. Zum anderen hat sich die finan­ zielle Situation der Unternehmen in der Krise spürbar verbessert, die Eigenkapital­ ausstattung ist in mehr als der Hälfte der Firmen so gut, dass sie Investitionen aus eigener Kraft finanzieren können. Dennoch ist fehlende Liquidität nach wie vor eine der häufigsten Ursachen dafür, dass Unternehmen in die Pleite rutschen, sie also zahlungsunfähig werden. Nach Ein­ schätzung von Experten liegt das daran, dass vor allem kleinere Unternehmen nicht über ein funktionierendes Liquiditätsma­ nagement verfügen. Schon der Ausfall eines größeren Kunden, von dem man noch eine größere Summe Geld zu bekommen hat, kann das eigene Unternehmen in Bedräng­ nis bringen. Als erster Schritt ist daher eine Liquiditätsplanung erforderlich, sprich: Ausgaben und Einnahmen müssen klar dargestellt werden. Um Schwankungen im zeitlichen Ablauf auszugleichen, nutzen die

meisten kleineren Unternehmen ihren Kontokorrentkredit. Das ist eine Kredit­ linie, die sie mit ihrer Bank vereinbart ha­ ben, bei deren Inanspruchnahme Zinsen fällig werden. Darüber hinaus können über Betriebsmittelkredite der Einkauf von Wa­ ren oder Rohstoffen sowie die Zahlung von Gehältern, Mieten und anderen laufenden Verpflichtungen sichergestellt werden. Auf der Kostenseite fallen zudem bei produzierenden Unternehmen die Rech­ nungen der Lieferanten ins Gewicht. Zwar räumen diese oft ein Zahlungsziel von 30 Tagen oder mehr ein, bei schnellerer Zahlung der Rechnung kann man aber üb­ licherweise rund drei Prozent vom Betrag als Skonto abziehen. Rund 60 Prozent der Unternehmen sind allerdings nicht in der Lage, diesen Vorteil zu nutzen. Dafür haben sich sogenannte Finetrading­Unterneh­ men entwickelt, die die Vorfinanzierung übernehmen. Die Kosten dafür sind gerin­ ger als die Ersparnis aus dem Skonto, und daher wird neue Liquidität geschaffen. Wichtig für die Liquiditätssteuerung ist aber auch, dass die Einnahmen zeitnah erfolgen. Was nützt es, wenn man viele Pro­ dukte verkauft hat, das Geld aber nicht auf dem Konto ankommt? Eine Möglichkeit, um auch hier mehr Stabilität zu bekommen und nicht von der individuellen Zahlungs­ fähigkeit oder Zahlungsmoral des Kunden abhängig zu sein, ist der Verkauf der Forde­ rung an sogenannte Factoringgesellschaf­ ten. Dann erhält man sofort 80 bis 90 Pro­ zent des ausstehenden Betrages, um den Rest kümmert sich die Factoringgesell­ schaft, die auch das Ausfallrisiko trägt. Der Einsatz von Factoring bietet drei Vorteile: sofortige Liquidität, eine bessere Eigen­ kapitalquote und somit ein besseres Rating sowie Bonitätsinformationen über die Kunden. Das wiederum erleichtert eine mögliche Kreditaufnahme bei Banken, wenn eine größere Investition ansteht.

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

In fast jedem Unternehmen gibt es auch Vermögenswerte, die für den aktuellen Geschäftsbetrieb nicht nötig sind. So sollten ungenutzte Maschinen und Anla­ gen, Gebäudeflächen oder Patente und Markenrechte verkauft werden, um die Li­ quiditätsausstattung zu verbessern. Aber auch genutzte Gebäude, Maschinen oder Anlagen müssen nicht zwingend im Be­ sitz des Unternehmens bleiben. Indem man solche Werte verkauft und von dem Käufer zurückmietet (Sale­and­ Lease­Back), kann man zusätzliche Li­ quidität schaffen. Das Gleiche gilt für den Firmenfuhrpark, für den Leasinggesell­ schaften umfangreiche Angebote parat ha­ ben. Dies bietet aus der Sicht des Liqui­ ditätsmanagements zwei wesentliche Vorteile: Die Leasingraten können aus den laufenden Einnahmen be­ zahlt und sofort als Betriebsausga­ ben geltend gemacht werden. Und es wird weniger Kapital im Anla­ gevermögen gebunden. Für Unternehmen in Umbruch­ phasen oder in einer Krise ist die Si­ cherung und Steuerung der Liquidi­ tät gleichbedeutend mit der Siche­ rung der Existenz. Liquidität verschafft zunächst Zeit, um die Profitabilität überhaupt wieder steigern zu können. Gibt es in einem Unternehmen strategi­ sche Fehlentwicklungen, ist das oft schon am stocken­ den Liquiditäts­ fluss ein bis zwei Jahre vor einer mögli­ chen Insolvenz zu erkennen.

Auch Firmen mit guter Eigen­ kapitalausstattung können in Schwierig­ keiten geraten, wenn zu wenig flüssige Mittel in der Kasse sind. Foto: fotolia

DER CASHFLOW ALS INDIKATOR FÜR FINANZIELLE GESUNDHEIT VON UNTERNEHMEN Kennzahl Der Cashflow ist eine Messgröße aus der Betriebswirtschaft und ein Indikator dafür, wie gesund ein Unternehmen im Hinblick auf seine finanzielle Lage ist. Generell soll der Cashflow den gesamten Strom der Finanzmittel abbilden. Kon­ kret beschreibt die Kennzahl den Überschuss an Zah­ lungsmitteln, den ein Unter­

nehmen durch seine Tätig­ keiten innerhalb eines bestimmten Zeitraums erwirtschaften konnte.

Cashflow positiv, spricht man von einem Mittel­ zufluss, fällt er negativ aus, von einem Mittelabfluss.

Berechnung Der Cashflow bleibt übrig, wenn man die Ausgaben von den Einnah­ men eines Betriebes abzieht, und gibt somit an, inwiefern sich das Unternehmen selbst finanzieren kann. Ist der

Aussagekraft Der operative Cashflow ist das Ergebnis aller zahlungswirksamen Geschäftsvorfälle der ge­ wöhnlichen Geschäftstätig­ keit. Insbesondere der ope­ rative Cashflow wird im

Rahmen der Jahresab­ schlussanalyse als Indikator für das Innenfinanzierungs­ potenzial eines Unterneh­ mens verwendet. Ein positi­ ver operativer Cashflow ver­ setzt ein Unternehmen in die Lage, aus den Umsatz­ prozessen heraus Kredite ordnungsgemäß zu tilgen oder neue Anlageinvestitio­ nen zu tätigen. kdo


Wirtschaft in Baden-Württemberg 23

Illustration: Oliver Biwer

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Unternehmen können viele Geldquellen anzapfen Der wichtigste Finanzierungsweg für Mittelständler ist nach wie vor der Bankkredit – erst recht angesichts historisch niedriger Zinsen. Trotzdem lohnt es sich, einen Blick auf die Alternativen und ihre Vor­ und Nachteile zu werfen. Von Barbara Schäder Kapitalbeschaffung

D

eutsche Unternehmen finan­ zieren einen Großteil ihres Ge­ schäfts über Abschreibungen und einbehaltene Gewinne. Doch wer einen neuen Betrieb gründet, Maschinen anschafft oder sein bestehendes Unternehmen erweitern will, braucht dafür zusätzliches Kapital. Ein Überblick über die wichtigsten Finanzie­ rungsquellen.

Umlauf gebracht werden. Diesen Weg wählte vor einigen Jahren die Wiener Fein­ bäckerei Heberer aus Mühlheim am Main, die ihre Anleihe über ihre Filialen im ge­ samten Bundesgebiet vertrieb. Allerdings kam auf diese Weise weniger Geld zusam­ men als von dem Unternehmen erhofft – 8,5 Millionen statt zwölf Millionen Euro.

Kredite von der Bank: Bonität und Sicherheiten entscheiden über den Zins

Schuldscheindarlehen sind attraktiv für Unternehmen, die den Aufwand für die Emission einer Anleihe scheuen. Denn an­ ders als für Anleihen muss für Schuldschei­ ne kein Wertpapierprospekt erstellt wer­ den. Sie werden nicht an der Börse gehan­ delt, sondern können vom Gläubiger nur im Wege der Abtretung an Dritte übertra­ gen werden. Oft ist dafür die Zustimmung des Darlehensnehmers erforderlich. Für private Anleger sind Schuldscheine deshalb nicht interessant, Geldgeber sind hier in der Regel institutionelle Investoren wie Banken und Versicherungen. Sie über­ nehmen meistens Teilbeträge von mindes­ tens 500 000 Euro, bevorzugen deshalb al­ lerdings auch Schuldner mit einer hohen Bonität. Um diese einschätzen zu können, verlangen die Großinvestoren üblicherwei­ se zwar kein Rating, wohl aber umfassende Informationen über das Unternehmen. Anders als bei einer Anleihe muss die Fir­ ma damit aber nicht an die Öffentlichkeit gehen. Den Kontakt zu den potenziellen Geldgebern fädelt in der Regel die Hausbank oder ein Beratungsunterneh­ men ein. Die Kosten belaufen sich nach Angaben des Stuttgarter Finanzierungs­ spezialisten Capmarcon auf 150 000 bis 350 000 Euro. Marktüblich sind Schuld­ scheindarlehen ab 15 Millionen Euro, klei­ nere Volumina sind laut Capmarcon nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Die Zinsen sind so niedrig wie noch nie. Laut Bundesbank zahlen Unternehmen für einen Bankkredit bis 250 000 Euro mit einer Zinsbindungsfrist von fünf bis zehn Jahren derzeit im Mittel 2,7 Prozent Zin­ sen. Hinter diesem Durchschnittswert ver­ birgt sich allerdings eine breite Spanne. Die Zinsen für längerfristige Unternehmens­ kredite werden individuell ausgehandelt. Sie hängen von der Bonität der Firma und den Sicherheiten ab, die sie bieten kann. Helfen kann bei den Verhandlungen mit der Bank ein externes Rating, also eine Ein­ stufung der Kreditwürdigkeit des Unter­ nehmens durch eine Agentur. „Wer gut geratet ist, kann sich derzeit problemlos Kapital bei der Bank besorgen – und das sogar zu traumhaften Konditionen“, sagt Markus Kreher von der Wirtschafts­ prüfungsgesellschaft KPMG. Aussichten auf gute Konditionen auch ohne Rating hätten Mittelständler, „wenn sie über gute Sicherheiten verfügen – ein Beispiel wäre ein Einzelhändler, der Immobilien in Form von Ladenlokalen besitzt und diese belei­ hen kann.“ Schwieriger sei es, wenn ein Unternehmen eine neue Produktionsstätte eröffnen wolle: „Für die Bank besteht das Risiko, dass sich das neue Werk nicht rech­ net und sie ihr Geld am Ende nicht zurück­ bekommt. Da werden für Mittelständler bis zu zweistellige Zinssätze aufgerufen.“ Zinsvergünstigte Darlehen für Exis­ tenzgründungen, aber auch für Innova­ tionsvorhaben bestehender Unternehmen bieten Förderbanken wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an.

Den Kapitalmarkt mit Anleihen anzapfen: Transparenz ist gefordert Unternehmensanleihen sind in aller Mun­ de. Trotz der schlagzeilenträchtigen Insol­ venzen mehrerer Schuldner aus dem Mit­ telstand ist die Nachfrage der Investoren ungebrochen. Als Finanzierungsquelle für Unternehmen sind Anleihen deshalb wei­ ter interessant. Das gilt allerdings erst ab einem Kapital­ bedarf von mindestens zehn Millionen Euro, denn neben den Zinsen fallen Trans­ aktionskosten von vier bis fünf Prozent des Anleihevolumens an. Sie entstehen unter anderem durch die Erstellung eines Wert­ papierprospekts und eines Ratings. Hinzu kommen Gebühren für die Banken, die nach Geldgebern suchen: Da Mittelstands­ anleihen in der Regel in Schuldverschrei­ bungen über 1000 Euro gestückelt werden, ist der Vertrieb mit einigem Aufwand ver­ bunden. Die Zulassung der Papiere zum Börsenhandel zieht außerdem eine Reihe von Verpflichtungen nach sich wie die Veröffentlichung von Jahresberichten und Ad­hoc­Mitteilungen. Grundsätzlich können Anleihen auch ohne Rating und abseits der Börse in

Suche nach Gläubigern abseits der Börse: Schuldscheindarlehen

Die Börse als Finanzierungsquelle: Ausgabe von Aktien Mit der Ausgabe von Aktien können Unter­ nehmen ihre Kapitalbeschaffung auf eine breite Basis stellen. Denn diese Anteils­ scheine sind auch für Privatanleger er­ schwinglich. Dem gleichen Prinzip folgen auch Crowdfunding­Plattformen. Doch an der Börse gehandelte Anteilsscheine kön­ nen leichter verkauft werden, wenn das Unternehmen in schwieriges Fahrwasser gerät. Deshalb lassen sich für börsennotier­ te Aktien mehr Geldgeber finden als für andere Beteiligungsformen. Die Zulassung zum Börsenhandel ist allerdings aufwendig und teuer. Zur Vor­ bereitung zählen die Erstellung eines Wertpapierprospekts und Werbeveranstal­ tungen für Investoren, an denen in der Regel mehrere Banken beteiligt sind. Allein für diese Vorlaufkosten veranschlagen Ex­ perten sechs bis zehn Prozent der Summe,

die der Verkauf der Aktien einbringt. Hinzu kommen die laufenden Kosten einer Bör­ sennotierung, etwa für Hauptversamm­ lungen und die Veröffentlichung von Geschäftsberichten. Dieser Aufwand lohne sich nicht für jedes Unternehmen, sagt KPMG­Experte Kreher: „Eine gewisse Mindestgröße braucht man. Die Umsätze sollten schon einen mittleren zweistelligen Millionen­ betrag erreichen.“ Zudem unterwerfen sich börsennotierte Unternehmen einer ständi­ gen Marktbewertung – was die Entschei­ dungsfreiheit einschränken kann.

Von jedem etwas: Mischformen zwischen Fremd­ und Eigenkapital Wer Eigenkapital aufnehmen, aber keine Stimmrechte an die neuen Anteilseigner abgeben will, kann auf sogenannte hybride Finanzinstrumente zurückgreifen. Ein Beispiel ist die stille Beteiligung. Hier zahlt

der Gesellschafter zwar eine Einlage, ver­ zichtet aber auf ein Mitbestimmungsrecht und begnügt sich mit Gewinnausschüttun­ gen. Eine Verlustbeteiligung wird bei stil­ len Gesellschaftern oft ausgeschlossen. Eine Spezialität des deutschsprachigen Wirtschaftsraums sind Genussrechte. Der Käufer eines Genussrechts überlässt dem Unternehmen einen Geldbetrag und erhält dafür Zinsen oder Gewinnausschüttungen, aber keine Stimmrechte. Die Verlustbetei­ ligung ist je nach Vertrag unterschiedlich geregelt. Genussrechte können von Unter­ nehmen jeder Rechtsform ausgegeben werden, sind bis auf wenige Ausnahmen allerdings prospektpflichtig. Auf ein Stimmrecht verzichten in der Regel auch Käufer von Vorzugsaktien. Da­ für werden sie bei der Gewinnausschüttung durch eine höhere Dividende bevorzugt. In einigen Fällen ist sogar eine Nachzahlung für Verlustjahre vorgesehen.

Personalmarketing, das unter die Haut geht

Mehr Eigen­ als Fremdkapital: Anteilseigner ins Boot holen Für Existenzgründer, junge Unternehmen und hoch verschuldete Betriebe ist Fremd­ kapital oft sehr teuer: Egal ob Bankkredit oder Anleihe, die Zinsen sind sehr hoch, weil die Geldgeber eine Risikoprämie ver­ langen. In diesen Fällen kann es sinnvoller sein, zusätzliche Anteilseigner ins Boot zu holen. Das gilt auch für bonitätsstarke Unternehmen mit großem Kapitalbedarf, etwa für Expansionspläne. Da neue Anteilseigner über die Geschi­ cke des Unternehmens mitbestimmen, wünschen sich die Altgesellschafter oft einen langfristigen Investor mit ähnlichen Interessen. Wenn ein solcher Partner nicht zur Verfügung steht, kann eine professio­ nelle Beteiligungsgesellschaft eine Alter­ native sein. Oft steigen diese Profi­Investo­ ren allerdings nach wenigen Jahren wieder aus, zum Teil bürden sie überdies die Kos­ ten für den Erwerb ihres Anteils dem über­ nommenen Unternehmen auf (siehe auch die Beiträge auf Seite 24). Es gibt aber auch Gesellschaften, die sich mit einer Minder­ heitsbeteiligung zufriedengeben und nicht groß ins Geschäftsmodell eingreifen. Start­ups können sich um die Unterstüt­ zung durch sogenannte Business Angels be­ mühen – das sind erfahrene Unternehmer, die Neugründer nicht nur beraten, sondern häufig auch Kapital zur Verfügung stellen.

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24 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 3 | November 2014

Heilsbringer oder Heuschrecken? Das Thema Finanzinvestoren polarisiert. Den Kritikern gelten sie als rücksichtslose Renditejäger, die bei Firmen einsteigen, um sie möglichst schnell wieder mit hohen Gewinnen abzustoßen – ohne Rücksicht auf die Interessen der Mitarbeiter. Andere meinen, dass die Beteiligung der umstrittenen Kapitalgeber gerade mittelständischen Unternehmen neue Wachstumschancen eröffnen kann. Was spricht für die Finanzinvestoren und was dagegen? Zwei StZ­Wirtschaftsredakteure debattieren. Beteiligungsgesellschaften

Pro

Kontra

Aus Investoren werden Unternehmer

Nur den eigenen Vorteil im Blick

Private Equity Die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe hat im Mittelstand das Interesse an privaten Beteiligungsgesellschaften geweckt. Von Klaus Dieter Oehler

Haftung Finanzinvestoren verhalten sich wie Aktienbesitzer, nicht wie Eigentümer. Sie schaffen keinen Mehrwert und räumen am Ende das Feld für industrielle Investoren. Von Michael Heller

F

ranz Müntefering hat die Debatte ins Rol­ len gebracht. „Heuschrecken“ nannte der damalige SPD­Vorsitzende im April 2005 die Finanzinvestoren, die deutsche Firmen ausschlachten würden. „Manche Finanzinves­ toren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fal­ len wie Heuschreckenschwärme über Unter­ nehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter. Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen wir“, sagte Müntefering damals in einem Inter­ view. Sogar der Sachverständigenrat befasste sich daraufhin mit den Investoren, die nach Ansicht der Kritiker nur auf die kurzfristige Gewinnmaximierung aus waren und dabei den übernommenen Mit den Zinsen sind auch Firmen in der Regel die Renditeerwartungen hohe Schuldenberge aufluden. der Beteiligungsfirmen Diese Beispiele gab gesunken. Wichtiger ist und gibt es, das ist rich­ ist ihnen nun eine stabile tig. Doch spätestens seit Wachstumsperspektive. dem Beginn der Finanz­ krise hat sich auch bei den Finanzinvestoren die Einstellung grundlegend geändert. Es geht den Beteiligungsgesellschaften wie KKR, Goldman Sachs, Blackstone, Permira und wie sie alle heißen, heute nicht mehr darum, mög­ lichst hohe Renditen zu erzielen und die Fir­ men, an denen sie sich beteiligen, möglichst schnell aufzuhübschen, um sie gewinnbrin­ gend wieder verkaufen zu können. Das liegt schon allein daran, dass in den Zeiten der Nied­ rigzinsphase auch die Renditeerwartungen deutlich zurückgegangen sind. Heute suchen

die Beteiligungsgesellschaften eher nach lang­ fristigen Engagements, nach Möglichkeiten, ein Unternehmen auf einen stabilen Wachs­ tumspfad zu bringen. Das haben immer mehr Mittelständler er­ kannt. Inzwischen können sich 61 Prozent der mittelständischen Unternehmen eine Private­ Equity­Gesellschaft als Anteilseigner vorstel­ len, wie eine Umfrage des Beratungsunterneh­ mens Price Waterhouse Coopers (PWC) erge­ ben hat. Die Zurückhaltung der Kreditinstitute bei der Kreditvergabe mag zu diesem Sinnes­ wandel beigetragen haben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Beteiligungsprofis kennen sich in der Regel nicht nur in der Branche aus, aus der ein Beteiligungskandidat kommt, sie haben auch besseren Zugang zu allen Formen der Kapitalbeschaffung, vom klassischen Bankkredit über alternative Finanzierungsfor­ men bis hin zur Vorbereitung eines Börsen­ gangs. Daneben verfügen sie oft über erfahrene Manager, die – wenn es denn der Mittelständ­ ler zulässt – auch professionelle Modelle einer guten Unternehmensführung entwerfen kön­ nen. Auch bei der Nachfolgeregelung können Finanzinvestoren gute Helfer sein. Natürlich gibt es auch immer noch verein­ zelte „Heuschrecken“, doch die Branche arbei­ tet intensiv daran, mit mehr Transparenz und guten Beispielen ihren Ruf zu verbessern.

Klaus Dieter Oehler ist Wirtschaftskorrespondent der Stuttgarter Zeitung in Frankfurt.

N

atürlich sind Aktionäre rechtlich be­ trachtet die Eigentümer eines Unter­ nehmens. Aber es sind Eigentümer be­ sonderer Art. „Eigentum verpflichtet“, heißt es im Grundgesetz. Wozu aber verpflichtet der Aktienbesitz? Zu nichts, sagen nicht nur noto­ rische Kapitalismuskritiker, die lieber von Ak­ tienbesitzern als von Eigentümern sprechen. Finanzinvestoren führen sich in der Regel auf wie Aktienbesitzer, nicht wie Eigentümer. Ih­ nen geht es nur darum, das eigene Vermögen zu mehren. Deshalb stiften sie volkswirtschaft­ lich mehr Schaden als Nutzen. Der Aktionär haftet nur in Höhe seiner Ein­ lage, also mit seiner Aktie. Das war nicht im­ mer so. In der Frühphase der Industrialisie­ rung im 19. Jahrhundert, als zum Beispiel in Amerika und in England die Eisenbahnen mit Hilfe von großen Kapitalgesellschaften gebaut wurden, haftete der Aktionär noch persönlich und unabhängig von der Höhe seiner Investi­ tion für die Schulden des Unternehmens. Diese Einheit von Haftung und Kapitaleinsatz ist das Modell, mit dem die deutsche Wirtschaft groß geworden ist: mit Unternehmern, die das Risi­ ko auf sich genommen haben, im Fall des Miss­ erfolgs all ihr Vermögen zu verlieren, nicht nur ein paar Aktien. Sie haben nicht via Kapital­ markt das unternehmerische Risiko gestreut, sondern sich bei der Bank Geld beschafft und selbst die Ausfallhaftung übernommen. Wer das Hohelied der großen, der anony­ men Kapitalgesellschaften singt, mag solche Betrachtungen für hoffnungslos überholt hal­ ten. Sie sind gleichwohl zeitgemäß. Sie erklä­ ren, warum Finanzinvestoren, die seit gut einem Jahrzehnt aus dem Wirtschaftsleben

nicht mehr wegzudenken sind, keinen nach­ haltigen Mehrwert schaffen. Ihnen geht es darum, kurzfristige Vorteile für sich zu reali­ sieren, nicht darum, ein Unternehmen zum langfristigen Erfolg zu führen. Die hanebüche­ ne Methode, dem übernommenen Unterneh­ men die Finanzierungskosten für den Erwerb selbst aufzubürden, zeigt klar, um wessen Die Einheit von Haftung Interessen es hier geht. und Kapitaleinsatz ist Kurzfristig kann die das Modell, mit dem Existenz von Finanz­ investoren natürlich die deutsche Wirtschaft auch für ein Unterneh­ groß geworden ist. men in Schwierigkeiten von Vorteil sein. Da können schnell ein Finanzengpass oder eine Führungskrise mit über Kreuz liegenden Eigentümerkreisen überwunden werden. Aber sonst? Mit stabilen Eigentumsverhält­ nissen fährt ein Unternehmen besser. Die zurückliegenden Jahre halten viele Beispiele dafür bereit, dass Finanzinvestoren Unterneh­ men in keine sichere Zukunft führen, sondern lieber nach wenigen Jahren an den nächsten Finanzinvestor weiterreichen. Meist endet die Odyssee damit, dass sich wieder ein industriel­ ler Investor findet, der dann aber nur noch einen massiv ausgehöhlten Betrieb ohne jeg­ liche Finanzkraft übernimmt.

Michael Heller leitet die Wirtschaftsredaktion der Stuttgarter Zeitung.


EIN SONDERTHEMA DER ZEITUNG WIRTSCHAFT IN BADEN-WÜRTTEMBERG

FINANZWIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN N OV E M B E R 2 0 1 4 Signalwirkung

Ansichtssache

Klein, aber fein

Baden-Württembergs Finanzund Wirtschaftsminister Nils Schmid über Gründer und warum ein Wagniskapitalfonds so wichtig ist.

Der Gesetzgeber will die Anlageberatung stärker regulieren. Über das Wie scheiden sich aber die Geister seit Langem.

Der Stuttgarter Finanzplatz ist klein, aber fein. Die Banken in der Region punkten vor allem mit einer großen Nähe zum Kunden.

Seite 26

Seite 29

Seite 31

Öl für das Getriebe der deutschen Realwirtschaft Dienstleistungen des Finanzund Versicherungssektors sind unentbehrlich für Anpassungsund Wachstumsprozesse.

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inanz- und Versicherungsdienstleistungen wirken wie Schmiermittel für die Realwirtschaft und tragen somit direkt und indirekt dazu bei, Beschäftigung zu sichern. In einer neuen Studie analysiert die Initiative Stuttgart Financial die Bedeutung der Finanzbranche für Baden-Württemberg und für die Region Stuttgart. „Unser Bundesland verfügt über einen gewachsenen Finanzsektor, der sich durch eine große Nähe zur Realwirtschaft auszeichnet“, sagt Dirk Sturz, Leiter von Stuttgart Financial. Demnach wird die Wirtschaftsleistung der Finanzbranche in BadenWürttemberg für das vergangene Jahr auf 13,9 Milliarden Euro geschätzt, was einem Anteil von vier Prozent an der gesamten Wertschöpfung entspricht. In der Region

Stuttgart liegt der Anteil des Finanzsektors an der gesamten Bruttowertschöpfung bei 5,2 Prozent und in der Landeshauptstadt bei neun Prozent. „Der Beitrag zur Bruttowertschöpfung ist insbesondere auf der Ebene der Stadt Stuttgart beeindruckend“, sagt Sturz, der über die Bruttowertschöpfung und die Arbeitsplätze hinaus vor allem in der Finanzierung der Wirtschaft einen

großen Mehrwert der Finanzbranche erkennt. Eine besondere Stärke des Finanzplatzes Stuttgart liegt in der Breite seines Angebots, das von den klassischen Bank-, Versicherungsund Bauspargeschäften bis hin zu Unternehmensanleihen, Wagniskapital, Leasing- und Factoring-Finanzierungen reicht. Die Stabilität und Leistungsfähigkeit des hiesigen Finanzsektors hat laut Sturz positive Wirkungen auf die übrigen Wirtschaftszweige, aber auch – wie die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt hätten – großen Einfluss auf die Zuversicht der Unternehmen und die der Gesellschaft. Diese Bedeutung schlägt sich auf dem Arbeitsmarkt nieder. Die Finanzbranche beschäftigt landesweit rund 138 000 Menschen, davon sind fast 97 000 den Finanzdienstleistungen und etwas mehr als 23 000 den Versicherungen zuzuordnen. „Finanzund Versicherungsdienstleistungen sind generell unentbehrlich für die Anpassungs- und Wachstumsprozesse unserer Wirtschaft. Sie tragen direkt und indirekt dazu bei, Beschäftigung in unserem Land zu sichern“, sagt dazu Nils Schmid, Minister für Finanzen und Wirtschaft in Baden-Württemberg. Dirk Sturz betont, dass ein modernes Finanzsystem neben der Kapitalversorgungsfunktion der Wirtschaftsakteure auch Versicherungen sowie mit Finanzen und Versicherungen verbundene Dienstleistungen zur Verfügung stelle. „Durch vor- und nachgelagerte Tätigkeiten werden insbesondere in den Regionen verstärkte Wachstumsimpulse freigesetzt“, erläutert er. Die regionalwirtschaftliche Bedeutung eines Finanzplatzes wird also zusätzlich zu den direkt bei Banken, Versicherungen und Bausparkassen Beschäftigten durch indirekte Beschäftigungswirkungen deutlich.

INDIREKTE EFFEKTE BEI DER BESCHÄFTIGUNG Jene indirekte Beschäftigung resultiert aus der lokalen Präsenz von Finanz- und Versicherungsunternehmen und wird teilweise durch die mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundenen Tätigkeiten erfasst. Der andere Teil, der nicht in der Beschäftigungsstatistik der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen berücksichtigt wird, ergibt sich aus den weiteren positiven Auswirkungen der lokalen Präsenz eines Finanzplatzes auf die übrigen Wirtschaftszweige – etwa auf Anwälte, Wirtschaftsprüfer oder IT-Dienstleister, die sich auf die Finanzwirtschaft spezialisiert haben. Nach den Ergebnissen der Studie von Stuttgart Financial hat sich der Sektor der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen in Baden-Württemberg gemessen an der

Bruttowertschöpfung seit dem Tiefpunkt der Finanzmarktkrise wieder erholt. Zwar konnte in keinem Fall der Höchststand von 2004 wieder erreicht werden, doch von 2008 bis 2011 legte die Branche sowohl im Bund als auch im Land um rund 21 Prozent auf 101,5 Milliarden Euro beziehungsweise 13,9 Milliarden Euro zu. Mit einem Plus von 18,6 Prozent auf fünf Milliarden Euro fiel der Zuwachs in der Region Stuttgart geringer aus. Damit trug die Branche 2011 in Baden-Württemberg vier Prozent zur Gesamtbruttowertschöpfung bei, in der Region Stuttgart 5,2 Prozent und allein in der Stadt Stuttgart neun Prozent. Parallel dazu steuerten die mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundeVERSICHERUNG WIRTSCHAFT nen Tätigkeiten 2011 im Land 1,3 Milliarden Euro und in der WACHSTUM DIENSTLEISTUNG Region 524 Millionen Euro an Bruttowertschöpfung bei. Indessen ist die WACHSTUMSPROZESSE Zahl der Beschäftigten der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, deren Entwicklung die Studie für 2008 und 2013 betrachtet, gesunken. So ergibt sich bundesweit ein Rückgang von 0,3 Prozent auf gut eine Million sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, während in Baden-Württemberg ein Minus von 0,6 Prozent auf 138 000 zu registrieren ist. In der Region Stuttgart wiederum sank die Zahl um 3,6 Prozent auf 49 700; in der Stadt Stuttgart liegt der Rückgang gar bei 4,9 Prozent auf knapp 29 900 Beschäftigte.

BESCHÄFTIGTE

FINANZBRANCHE

STARKE REGION NEBEN DER LANDESHAUPTSTADT Werden die Werte jedoch ab dem zweiten Quartal 2013 betrachtet, deutet sich eine positive Entwicklung an, heißt es in der Studie. Die Beschäftigung in den mit Finanzund Versicherungsdienstleistungen verbundenen Tätigkeiten nahm von 2008 bis 2013 im Land um 14,3 Prozent auf 19 900 zu. In der Region betrug das Plus 12,6 Prozent auf 8000 Beschäftigte. Betrachtet man nun die regionalen Anteile an den Beschäftigten der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen im gesamten Bundesgebiet, so zeigt sich, dass der Beitrag der Region Stuttgart zur gesamten Beschäftigung mit 3,8 Prozent leicht über dem Wert der Region München mit 3,5 Prozent und nahezu gleichauf mit dem Anteil der Region Frankfurt (3,8 Prozent) liegt. Den höchsten Beitrag zur bundesweiten Beschäftigung liefert im Rahmen der betrachteten Gebiete hier mit 4,3 Prozent die Region Hamburg. Wenn man nun den Beschäftigungsbeitrag der jeweiligen Stadtkreise zur Region ins Verhältnis setzt, weist die badenwürttembergische Landeshauptstadt mit 33,6 Prozent im bundesweiten Vergleich der Großstädte den geringsten Wert aus. „Dies spricht für die Stärke des Umlands und verdeutlicht, dass in der Region Stuttgart der wirtschaftsstarke Umkreis einen signifikanten Beitrag zur Beschäftigung leistet“, resümiert Dirk Sturz. Thomas Spengler


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FINANZWIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN

November 2014

Foto: Wilhelm Mierendorf

„Selbst kleine Zahlen machen viel aus“

H

err Minister Schmid, als Finanz- und Wirtschaftsminister schlagen bekanntlich zwei Seelen in Ihrer Brust. Lassen Sie zunächst den Wirtschaftsminister zu Wort kommen. Im August hat das Land einen Wagniskapitalfonds ins Leben gerufen, der jungen Unternehmen unter die Arme greifen soll. Was wollen Sie damit bezwecken? Ich habe als Wirtschaftsminister mit der Amtsübernahme eine Gründeroffensive gestartet. Dazu zählt eine Reihe von Bausteinen. Zentral ist dabei der Wagniskapitalfonds zur Unterstützung von Existenzgründern. Wir haben festgestellt, dass es in unserem Land zwar eine rege Gründertätigkeit gibt, wir aber forschungsintensive und technologieintensive Gründungen noch stärker unterstützen wollen. Warum erst so spät? Wir sind an dem Thema lange dran. Es tauchten jedoch bürokratische Hemmnisse auf, da derartige Fonds bei der Europäischen Union angemeldet werden müssen. Und gerade da gab es Änderungen EXISTENZGRÜNDER bei den Zulassungskriterien. Uns war es auch wichtig, Partner mit ins TECHNOLOGIE-INTENSIV Boot zu nehmen. Das ist mit der SparkassenversiINNOVATIONSRAT cherung und der Württembergischen VersicheHIGH TECH rung gelungen. Ich bin DIENSTLEISTUNGEN davon überzeugt, der Wagniskapitalfonds finBUSINESSPLAN det seine Abnehmer.

VENTURE CAPITAL

UNTERNEHMERTUM RISIKO

RENDITE LBBW

MARKT

PRIVATANLEGER

An wen denken Sie da? Wir wollen, beraten durch einen Beirat, vor allem im Bereich der im Koalitionsvertrag definierten Wachstumsfelder Informationsund Kommunikationstechnologie, Gesundheit, nachhaltige Mobilität sowie Umwelt und Ressourceneffizienz Unternehmensgründungen vorantreiben. Wichtig ist nicht nur die Zahl neuer Firmen. Vielmehr sollen die Unternehmer durch qualifizierte Beratung in die Lage versetzt werden, sich eine dauerhaft gesicherte Existenz aufzubauen.

Baden-Württemberg hat zusammen mit Unternehmen aus der Privatwirtschaft einen Wagniskapitalfonds aufgelegt. Im Interview erläutert Nils Schmid, Minister für Wirtschaft und Finanzen, den Ansatz – und warum die Vorbereitung so lange dauerte. nicht, dass der Staat selbst Unternehmen gründen sollte. Er kann aber die Kapitalfrage lösen. Zumal wir einen Vervielfältigungseffekt haben. Das vom Land eingebrachte Geld – also die vier Millionen Euro – bringt zusätzliche Kapitaleinlagen von Sparkassenversicherung und Württembergischer. Zusätzlich gibt es, weil das Wagniskapital immer eine Minderheitsbeteiligung ist, auch noch privates Geld, in gleicher Höhe. Was bedeutet das? So wird sichergestellt, dass es nicht verkopfte Lieblingsprojekte von Politikern sind, sondern dass sich die Geschäftsidee am Markt bewähren muss. Ich glaube, dass wir da richtig liegen, wie wir das in Baden-Württemberg angestoßen haben. Stehen die Jungunternehmer Schlange? Wir haben nicht den Ehrgeiz, in der ersten Runde das ganze Geld auf einmal zu verteilen. Das soll über drei bis fünf Jahre gehen. Wir werden da sorgfältig auswählen. Wichtig ist, dass von jedem dieser Investments eine starke Signalwirkung an private Investoren ausgeht. Alles, was wir vielleicht nicht machen können, weil das Geld fehlt, könnten interessante Anlagen für Privatinvestoren sein. Neben der rein monetären Wirkung ist es für mich ein starkes Aufbruchsignal für Existenzgründer.

Reichen die acht Millionen Euro überhaupt? Wir gehen davon aus, dass der Fonds zwischen 250 000 und einer Million Euro in ein Unternehmen anlegt. Das ist in etwa die Größenordnung. Es ist nicht unser Anspruch, mit einem Wie weit reicht der EinFonds alle Finanzie„ES GEHT UM DIE fluss des Wirtschaftsrungsdefizite zu löSIGNALWIRKUNG“ ministers? sen. Allerdings stoDie Gesellschafter entßen wir mit dem scheiden natürlich. Es wurde auch keine Anlagevolumen dieses Fonds im LänderBranchenfestlegung getroffen. Außer, dass Ranking aus dem Mittelfeld nach oben vor. wir technologieintensive Existenzgründun- Wenn wir durch den Fonds nur acht bis gen unterstützen wollen. Das ist die Ziel- neun Investments realisieren, steht Badengruppe. Wir wissen von der L-Bank, die Be- Württemberg bereits an der Spitze, was teiligungskapital in einer späteren Phase der die Gründungsintensität bei ForschungsUnternehmensentwicklung ausgibt, dass re- und Technologieunternehmen angeht. Da lativ viele Unternehmen aus dem IT-Bereich machen selbst kleine Zahlen sehr viel aus. dabei sind. Aber das ist keine Vorgabe, und da nehme ich auch keinerlei politischen Ein- Was hat das Land davon? fluss. Es geht um die Signalwirkung und um Unternehmen, denen wir helfen, ArbeitsWieso mischt sich das Land überhaupt im plätze im Land aufzubauen. Je mehr positive Bereich der Wagniskapitalfinanzierung ein? Vorbilder wir haben, umso stärker kann sich Hier besteht eine Lücke in Baden-Württem- diese neue Gründerkultur, die wir im Land berg. Es wird häufig beklagt, dass es zu we- brauchen, etablieren. Die Erfolgsgeschichte nig verfügbares Wagniskapital gibt, weil si- einer jungen Firma, die durch die Förderung chere Anlagen existieren. Darum liegt da ein hochgekommen ist, strahlt auf ganz Badengewisses Marktversagen vor. Das bedeutet Württemberg aus.

Aber die Partner wollen Geld verdienen. Ja, und sie gehen davon aus, dass sie mit diesem Fonds so viel Rendite erwirtschaften, wie man mit Wagniskapital erzielen kann. Also eine höhere Rendite als die in normalen Anlageformen. Dem steht allerdings auch ein höheres Risiko gegenüber. Kann der Unternehmer mit dem Geld machen, was er will? Die Fondsmanager lassen sich regelmäßig die Berichte des Unternehmens zeigen. Das ist üblich. Das wird an die Situation und Größe des Unternehmens angepasst. Wenn ein Unternehmer Mittel vom VentureCapital-Fonds haben will, braucht er einen Businessplan. Geht es um die Existenzgründung, reicht es nicht aus, eine gute Idee zu haben oder überzeugt zu sein, dass das Produkt gut ist. Da braucht es auch eine kaufmännische Seite. Der Unternehmer muss nicht nur den VC-Fonds überzeugen, sondern auch weitere potenzielle Geldgeber. Das gehört dazu.

Maximal 32 Unternehmen werden gefördert, die Laufzeit beträgt vier Jahre, maximal acht Unternehmen im Jahr können unterstützt werden. Acht Millionen Euro sind im Topf. Ist das nicht viel zu wenig für eine wirkungsvolle Gründeroffensive? Nein, das ist realistisch. Wollen wir die gleiche Gründerzahlen wie Bayern erreichen, braucht Baden-Württemberg pro Jahr zwei zusätzliche Beteiligungen im Bereich von High Tech und sechs im Bereich der technologieintensiven Dienstleistungen. Da ist die von mir angesprochene Signalwirkung an die privaten Investoren nicht mit eingerech- Eine aktuelle Studie gibt dem Finanzplatz Stuttnet. Bei anderen Fonds, die das Land schon gart gute Noten. Wo sehen Sie aus Sicht des länger kennt, lässt sich diese Signalwirkung Landes noch Handlungsbedarf ? beobachten. Auch Wenn man den Fiwenn es auf den ersten nanzplatz Stuttgart „KEINE VERKOPFTEN Blick nach wenig Geld bewertet, hängt eiPROJEKTE VON POLITIKERN“ niges davon ab, wie aussieht, kann eine Hebelwirkung erzeugt es der LBBW geht. werden, weil private Investoren nachziehen. Und die LBBW steht gut da. Die Restrukturierung ist auf einem guten Weg. Die Zahlen Schmerzen die vier Millionen Euro aus dem Lan- zeigen in die richtige Richtung. Für den Fideshaushalt nicht den Finanzminister in Ihnen? nanzplatz sprechen auch die guten AusbilNein, der Finanzminister ist begeistert, weil dungsmöglichkeiten. Wir haben mit den er mit relativ wenig Geld die Chancen er- Universitäten Hohenheim und Mannheim höht, dass Mittelständler erfolgreich sind. starke Ausbildungsstätten. Aber eine Frage Wir haben genügend Beispiele von Unter- ist, wie die akademische Aus- und Weiternehmen, die sich etabliert haben und dann bildung intensiviert und sichtbarer gemacht auch hier im Land Steuern zahlen. Deshalb werden kann. war der Finanzminister in mir damit sehr einverstanden. Sie sitzen im Kuratorium der Vereinigung der Freunde der Wertpapierbörse. Wie stehen Sie Woher kommt das Geld für den Fonds? denn zur Forderung der Börse Stuttgart nach Die vier Millionen Euro sind seit Längerem Börsenvorrang für Privatanleger? im Haushalt reserviert für die Einrichtung Die Frage ist, ob eines Venture-Capital-Fonds. Das war eine das gesetzlich geEmpfehlung des Innovationsrats der Vor- regelt werden ZUR PERSON gängerregierung. Doch seitdem liegt das muss. Da bin ich Geld da einfach. persönlich skepDr. Nils Schmid (SPD) ist seit der badentisch. Wir wissen, württembergischen Landtagswahl 2011 Ist es in der Zeit mehr geworden? dass sich die Börse stellvertretender Ministerpräsident soLeider nicht (lacht), die Zinsen waren zu Stuttgart besonwie Minister für Finanzen und Wirtniedrig. Ich hatte gehofft, dass es schneller ders um den Prischaft. Seit 1997 gehört Schmid dem geht, aber wichtig war es, einen guten vatanleger beLandtag an. Im November 2009 wurde er Fondsmanager und verlässliche Partner zu müht. Das hebt die zum Landesvorsitzenden der SPD Badenhaben. Ich halte es für ein gutes Zeichen, Börse Stuttgart von Württemberg gewählt; Mitglied der Pardass Unternehmen wie die Sparkassenversi- anderen Markttei ist er seit 1991. cherung oder die Württembergische Versi- plätzen ab. Schmid wurde 1973 als Sohn eines cherung bereit sind, hier Versichertengelder Zollbeamten und einer Lehrerin geboanzulegen. Und wie hält es der ren. Nach Abitur und Zivildienst studierFinanzminister mit te Schmid Rechtswissenschaften an der Würde Nils Schmid mit privaten Geld in den der persönlichen Universität Tübingen, wo er 1999 das ErsFonds einsteigen? Geldanlage? te Juristische Staatsexamen ablegte. Das Nein. Ich würde ohnehin davon abraten, bei Sehr konservativ anschließende Referendariat beendete er einer privaten Anlagestrategie alles auf eine und sehr schwä2001 mit dem Zweiten Staatsexamen. Karte zu setzen, also in dem Fall nur auf bisch. 2006 folgte die Promotion. Seit 2001 ist Wagniskapital. Schmid als selbstständiger Rechtsanwalt Das Gespräch führtätig; seine Zulassung ruht. Schmid ist Wie sieht die Rendite aus? ten Reimund Abel verheiratet und hat zwei Kinder. oh Wir versprechen keine Renditen. und Ingo Dalcolmo.


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An einem Strang Sparkassen und Genossenschaftsbanken üben den Schulterschluss

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und Auslandsbanken von jetzt auf nachher aus dem Staub machten“, sagt er über die Zeit nach 2008 während der Finanzmarktkrise. So haben zum Beispiel die badenwürttembergischen Sparkassen ihre Kredite an den Mittelstand seit 2008 um 13 Prozent auf heute rund 50

Milliarden Euro gesteigert. Steil nach oben ist auch die Entwicklung bei den Genossenschaftsbanken im Land verlaufen, die ihre Mittelstandskredite im selben Zeitraum um 19,6 Prozent auf 30,6 Milliarden Euro erhöhen konnten. Auch wenn nun für Kleinbanken eine überschaubare Größenordnung für die Abgabe erreicht worden ist, ärgert die Institute vor allem eins: „Wir kommen nie in den Genuss des Fonds, müssen aber einbezahlen. Zusammen mit den Aufwendungen für den eigenen Sicherungsfonds ergibt sich daraus eine Doppelbelastung für jedes Institut“, macht Gerhard Schorr, Verbandsdirektor beim BadenWürttembergischen Genossenschaftsverband, klar. Im Sparkassenlager wird dies genauso gesehen. Es ist auch noch nicht eindeutig geregelt, nach welchen Risikofaktoren die Abgabe für Institute mit einer Bilanzsumme ab einer Milliarde

c atri o: P iger ia S ist

Euro Pauschalbeträge von 1000 bis 50 000 Euro vereinbart. Nationalen Behörden wie der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wird ein gewisser Spielraum eingeräumt, indem sie etwa diese Schwelle auf bis zu drei Milliarden Euro anheben können. Den Betrag allerdings, den die kleinen Banken dann weniger bezahlen, muss die Bafin bei anderen, größeren Instituten eintreiben. Bedeutet die Einigung auf eine Formel bei der Bankenabgabe also einen Sieg für Sparkassen und Genossenschaftsbanken? Mitnichten, heißt es aus beiden Institutsgruppen unisono. „Die Genossenschaftsbanken haben die Finanzmarktkrise nicht verursacht, und sie haben auch als einzige Bankengruppe Deutschlands die Hilfe des Steuerzahlers nicht in Anspruch nehmen müssen“, sagt dazu der Präsident des BadenWürttembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), Roman Glaser. Ins gleiche Horn stößt Peter Schneider, der Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg. „Wir Sparkassen haben gemeinsam mit den Genossenschaftsbanken die Kreditfinanzierung unserer Wirtschaft gesichert, während sich die Groß-

Kommt auch ein Stresstest für kleine Banken?

Euro berechnet wird. Solche Bilanzsummen weist vor allem das Gros der Sparkassen auf, aber auch viele Genossenschaftsbanken liegen in diesem Bereich, etwa die Volksbank Stuttgart. „Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass die Belastung viel zu hoch sein wird“, sagt Schorr, den vor allem die Summe der Regularien umtreibt, die die Banken auf Initiative der EU-Kommission erfüllen müssen. „Es ist die Addition der Einzelmaßnahmen, EU-KOMMISSION die einen nicht unerheblichen Verwaltungsaufwand darstellt“, sagt er. Und je kleiner eine Bank EUROPA sei, desto unverhältnismäßiger wirke sich die Belastung durch die BUNDESBANK DREI-SÄULEN-MODELL europäische Regulierung aus. Auch im Sparkassenlager sieht man angesichts einer „unglaublichen Regulierungsdebatte“, wie Schneider es nennt, vieles auf dem Spiel stehen. So habe man zwar erreicht, dass die Sparkassen – ebenso wie die Genossenschaftsbanken – im Rahmen des neuen europäischen Aufsichtsmechanismus nicht der direkten Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) unterliegen, sondern weiter von Bafin und Bundesbank beaufsichtigt würden.

EZB

BAFIN

STRESSTEST

BILANZSUMME

REGULIERUNG FINANZKRISE

HETEROGENER BANKENMARKT Fot

m Alltag führen sie als Rivalen in ihren Marktgebieten einen gesunden Wettstreit um die Kunden. Doch wenn es um die Verteidigung des Drei-Säulen-Modells in der deutschen Kreditwirtschaft gegenüber der Europäischen Union geht, ziehen Sparkassen und Genossenschaftsbanken an einem Strang – etwa beim Gerangel um die europäische Bankenabgabe. So haben die beiden Institutsgruppen gegenüber Brüssel – mit Unterstützung der Bundesregierung – eine gemeinsame Strategie vertreten, als es bis Ende Oktober bei der EU-Kommission um die Ausgestaltung eines gemeinsamen europäischen Fonds zur Abwicklung von Banken gegangen ist. Von den 55 Milliarden Euro, die von 2016 bis 2023 zur Abwicklung maroder Institute von der eigenen Branche zur Verfügung gestellt werden, müssen nun die deutschen Banken 15,4 Milliarden Euro aufbringen. Davon entfällt mit 85 Prozent der Löwenanteil auf die großen Banken. Sparkassen und Genossenschaftsbanken wird dagegen angerechnet, dass sie bereits ein eigenes, funktionierendes Institutssicherungssystem unterhalten. Außerdem wird ihr Risikofaktor als geringer erachtet. Darüber hinaus wurden für Banken mit einer Bilanzsumme von weniger als einer Milliarde

„Dennoch droht uns eine immer stärker an internationalen Bankkonzernen ausgerichtete Aufsicht direkt durch die EZB“, fürchtet Schneider. Die EZB baue dazu bereits eine Generaldirektion für die Überwachung kleinerer Institute auf, sagt er und verweist darauf, dass die oberste Bankenaufseherin der EZB, Danièle Nouy, kürzlich einen Stresstest für kleine Kreditinstitute wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken ins Spiel gebracht hat. Ähnlich klingt das bei Glaser: „Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg wehren sich gegen eine zu wenig differenzierte Betrachtung des Bankenmarkts“, so der Präsident des BWGV. Vor diesem Hintergrund gemeinsamer Interessen üben Sparkassen und Genossenschaftsbanken regelmäßig den Schulterschluss. So fahren die Verbandsspitzen einmal im Jahr nach Straßburg, um mit den Europa-Abgeordneten aus Baden-Württemberg aktuelle Fragen und Gesetzesvorhaben der EU zu besprechen. Wie man hört, steht der nächste Termin für das kommende Jahr bereits fest. Thomas Spengler

SICHER HAT MAN HEIMATLIEBE AUCH HIER IN BADEN-WÜRTTEMBERG ERFUNDEN. @ Nirgendwo können Erfinder so gut arbeiten – und leben. Die L-Bank trägt dazu bei: Wir fördern das Innovationsklima mit verschiedenen Programmen für mittelständische Unternehmen. Und die Lebensqualität mit Maßnahmen für Familien, für die Infrastruktur und den Klimaschutz. Damit auch in Zukunft viele Erfindungen aus Baden-Württemberg um die Welt gehen – und die Erfinder hier bleiben. Näheres unter www.l-bank.de

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Honorar-Anlageberater und Honorar-Finanzanlagenberater dürfen keine Provisionen von Produktanbietern oder anderen behalten. Das soll sie unabhängiger machen.

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Ein Nischenangebot Provisionsunabhängige Beratung spielt bislang keine große Rolle

D

as Thema Anlageberatung ist ein heißes Eisen. Der Hauptvorwurf der Verbraucherschützer an die Berater: sie verkaufen ihren Kunden nicht immer das für sie passende Finanzprodukt, sondern solche, bei denen sie hohe Provisionen erhalten. Die Bundesregierung will die Beratung gegen Honorar stärken. Seit Anfang August ist das sogenannte Honorar-Anlageberatungsgesetz in Kraft. Was es tatsächlich bringt, ist jedoch umstritten. „Die HonorarAnlageberatung ist derzeit noch unzureichend geregelt“, moniert Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Weder sei sichergestellt, dass die Qualifikation der Berater PROVISIONEN a u s r e i c h e n d sei, noch sei derzeit eine BAFIN RISIKO funktionierende Aufsicht sichergestellt, ANLEGERSCHUTZ die Fehlberatung sanktionieren könne. Der Grund GEWERBEAUFSICHT für das Gesetz ist ganz profan gewesen: mögliche Fehlanreize im Zuge der provisionsbasierten Beratung, so das Bundesfinanzministerium. Anleger seien oft schlecht beraten und die Risiken bestimmter Produkte verschleiert worden. Es gibt neben der Anlageberatung auf Provisionsbasis künftig eine gesetzliche Regelung für sogenannte Honorar-Anlageberater und Honorar-Finanzanlagenberater. Sie dürfen kei-

HONORARE

BERATUNGSGESPRÄCH

CHANCE

VERBRAUCHERSCHUTZ

GESETZ

ÖFFENTLICHES REGISTER

ANLAGE

ne Provisionen von Produktanbietern oder anderen behalten, deren Finanzprodukte sie vermitteln. Banken und Sparkassen müssen die Beratungssysteme organisatorisch strikt trennen. Wer als Honorarberater tätig ist, wird in ein öffentliches Register eingetragen und darf dann nicht mehr auf Provisionsbasis arbeiten. Durch Falschberatung entstehen den Verbrauchern jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Die Quirin Bank mit ihrer Niederlassung in Stuttgart bietet seit 2007 Honorarberatung in Stuttgart an. Sie betreut 1000 Kunden mit einem Volumen von rund 300 Millionen Euro, wie eine Sprecherin berichtet. Ein dauerhaftes Beratungsmandat rechne sich ab einem Anlagevolumen von 100 000 Euro, im Schnitt legten die Kunden jedoch das Dreifache an. Das erste Gespräch diene dem gegenseitigen Kennenlernen, dauere ungefähr eineinhalb Stunden und sei für den Kunden kostenlos. „Die weiteren Gespräche führen in der Regel zur Eröffnung eines Depots, das mit circa einem Prozent des Depotwertes pro Jahr transparent vergütet wird.“ Das neue Gesetz in Deutschland gilt nicht für alle Finanzprodukte, sondern nur für Wertpapiere und Vermögensanlagen. Ausgenommen sind beispielsweise Kapitallebensversicherungen, Bausparpläne oder Spareinlagen. Eine verbraucherfreundliche Rundumberatung ist somit nach Auffassung der Verbraucherschützer nicht möglich. Doch wie hoch ist eigentlich das Honorar? Eine Gebührenordnung gibt es nicht. Häufig wird pro Stunde abgerechnet, der Branche zufolge sind es derzeit im Schnitt etwa 150

Euro. Der Anlageberater muss Provisionen desanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht offenlegen. Nach der Erfahrung von Ver- (Bafin) zu unterstellen. Das sei im aktuellen braucherschützern steckt der Teufel aber im Gesetz nicht vorgesehen. „Diese SonderDetail. Denn die Provisionen sind nicht im- behandlung widerspricht sowohl dem mer transparent. Die Kreditinstitute sehen Grundsatz des Anlegerschutzes als auch der unter anderem die strikte Trennung von Wettbewerbsgleichheit, da die Honorar-FiHonorarberatung und Beratung auf Provi- nanzanlagenberater allein der weniger spesionsbasis kritisch. Dies werde in der Praxis zialisierten Gewerbeaufsicht unterliegen.“ kleinere und mittlere Institute aufgrund Deutschland hat beim Thema Honorarmangelnder Ressourcen zu einer Entschei- beratung im Vergleich zu anderen Ländern dung „entweder – oder“ zwingen. Bei der Nachholbedarf. Bei vielen europäischen Kreditwirtschaft erwartet man offensicht- Nachbarn ist die Honorarberatung sehr viel lich, dass sich nicht viel ändern wird. Denn: weiter vorangeschritten. So hat beispielswei„Nunmehr ist es an den Kunden zu entschei- se die britische Finanzaufsicht Provisionen den, ob sich diese Art der Anlageberatung im Finanzvertrieb bereits im Januar 2013 im Markt durchsetzt“, heißt es in einer Stel- komplett verboten. Und das in den Niederlungnahme. landen zunächst nur für Für die Breite des Versicherungen geltenANDERE LÄNDER SIND Marktes werde die Verde Provisionsverbot SCHON WEITER mittlung auf Proviwurde zum 1. Januar sionsbasis bevorzugt, 2014 auf sämtliche Fierklärt der Deutsche Sparkassen- und Giro- nanzprodukte ausgeweitet. Auch in Skandiverband. In der genossenschaftlichen Ban- navien gibt es bereits seit zehn Jahren ein kengruppe seien gegenwärtig keine Tenden- Nettoprämiensystem, kombiniert mit Honozen absehbar, die auf eine organisatorische raren. Umstellung der Kundenberatung auf eine Bisher gibt es in Deutschland noch weHonorar-Anlageberatung hindeuteten, er- nig Interesse der Kunden beim Thema Honoklärt auch der Bundesverband Deutscher rarberatung. Massentauglich ist das Modell Volksbanken und Raiffeisenbanken. „Es also derzeit nicht. Zumal Kunden für die Bebleibt abzuwarten, ob sich die Beratung ratung zahlen müssen, auch wenn sie ihr gegen Honorar im deutschen Markt über- Geld gar nicht anlegen wollen. Aber es behaupt etablieren wird.“ steht die Chance, dass das Thema an Fahrt Die Kreditwirtschaft bemängelt Folgen- aufnimmt. Wenn Verbrauchern klar wäre, des an der neuen Regelung: Leider habe es wie viel Provision sie für eine vermeintliche der Gesetzgeber versäumt, nicht nur die bei Beratung tatsächlich zahlen, würden sie festden Banken angesiedelten Honorar-Anlage- stellen, dass die Honorarberatung in den berater, sondern auch die (freien) Honorar- meisten Fällen günstiger ist, heißt es bei VerFinanzanlagenberater der Aufsicht der Bun- braucherschützern. Oliver Schmale

Ha noi – Ha no – Awa – Au no Warum Schwaben ungern über Geld sprechen

M

Fo

an kann ihn getrost als Experten in Sachen Schwabentum bezeichnen. In seinen Büchern, Reden oder Sprüchen ist Manfred Rommel tief in die Gründe der schwäbischen Seele eingetaucht. Und so konstatierte der Politiker, der von 1974 bis 1996 Oberbürgermeister seiner Geburtsstadt Stuttgart war, einst in der ihm so eigenen trocken-ironischen Art: „Der Schwabe tut so, als sei er arm, aber er ist beleidigt, wenn andere ihm das glauben.“ Damit brachte Rommel das Dilemma jenes Volksstamms im Südwesten, den der erste Bundespräsident der Republik, Theodor Heuss, als den „kompliziertesten, gewiss aber den spannungsreichsten unter den deutschen Stämmen“ bezeichnete, treffend auf den Punkt: Über Geld reden, das ist nicht so das Ding des Schwaben an und für sich. Vielleicht ist es das Ding der Reigschmeckten, sprich der Zugezogenen, die so gerne mit „Mein Auto, mein Haus, meine Yacht“ angeben. Wie erklärte doch einst eine von Norden eingereiste Geschichtslehrerin den Schülern eines schwäbischen Gymnasiums in unbekümmert rheinischem Frohsinn: „Die schwäbische Dame trägt den Pelz nach innen, außen sieht man nur den abgewetzten Trenchcoat.“ Ob sich danach Eltern beschwert haben, ist nicht überliefert. Doch ob Urteil oder Vorurteil, klar ist, Württemberg gehörte einst zu den ärmsten Gegenden. Und Armut gebiert Sparsamkeit – sowie bei den Schwaben insbesondere die klangvollen Prämissen „Nix verkomme lasse!“ und „Auf sei Sach ufpasse“, to:

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was auf Hochdeutsch so viel bedeutet wie „Verwerte gefälligst alle Reste“ und „Gib acht auf dein Hab und Gut“. Wenige Wörter, die zeigen, dass der Schwabe auch sprachlich ökonomisch zu agieren weiß. Manche nennen es maulfaul. Wie auch immer, es gibt kaum einen Dialekt, in dem man sich mit so wenigen Silben einen Abend lang unterhalten kann. Nach Peter-Michael Mangold, Autor eines Online-Lexikons für Schwäbisch sind das: Ha noi – Ha no – Awa – Au no. Sind die Ressourcen knapp, muss man sie halt schonen. Wer wenig hat, schaut zudem, was er daraus machen kann. Und so wurde aus dem Schwabenland das sprichwörtliche Ländle der Tüftler und Erfinder. Vieles, was heute im Haushalt steht oder durch die Straßen tuckert, stammt aus dem Südwesten. Und obschon die Schwaben Neuem – wie auch den Reigschmeckten – zunächst durchaus skeptisch gegenüberstehen können, an Fortschritt sind sie stets interessiert. Freilich nur, wenn er es wert ist oder wirklich ein solcher ist. Womöglich will einen jemand reinlegen! Angesichts dieser Befindlichkeiten der schwäbischen Seele wird deutlich, warum der Schwabe selten oder ungern über den Mammon oder gar über Finanzprodukte schwätzt: Wem schon seit Jahrhunderten vererbt wird, „sei Sach“ zusammenzuhalten, wer mit vier Wortpaaren auskommt und dabei mit einer guten Prise Skepsis gesegnet ist, der wird nicht am Stammtisch und schon gar nicht beim Bankberater seine finanziellen Karten nonchalant auf den Tisch legen. Die richtig Reichen der Welt halten es schon seit Jahrhunderten mit dem – ohne Zweifel von den ausgewanderten Schwaben abgeguckten – Motto: „Über Geld spricht man nicht, man hat es“. peix


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Zu viel Papier An der Regulierung der Anlageberatung scheiden sich die Geister

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eit der Gesetzgeber 2010 damit begonnen hat, die Bankberatung immer strenger zu regulieren, hat der Papierkram bei den Beratungsgesprächen massiv zugenommen. Seitenweise mĂźssen Beratungsprotokolle erstellt werden, was laut Deutschem Aktieninstitut (DAI) dazu gefĂźhrt hat, dass manche Bankberater schon von Aktien abraten wĂźrden. Jedenfalls haben sich einer DAI-Studie zufolge knapp 15 Prozent aller Finanzhäuser, die frĂźher in der Aktienberatung tätig gewesen sind, aus dem Geschäft zurĂźckgezogen. Versuche mit Testkunden haben zudem ergeben, dass die Hoffnung, die Beratung werde sich durch die Protokolle verbessern, eine Illusion war. â&#x20AC;&#x17E;In den vergangenen Jahren wurde die Beratung kaputtreguliert â&#x20AC;&#x201C; und gleichzeitig auch der Anlegerschutzâ&#x20AC;&#x153;, sagt dazu Marc TĂźngler, HauptgeschäftsfĂźhrer der Deutschen Schutzvereinigung fĂźr Wertpapierbesitz. Beratungsprotokolle dienten in ihrer jetzigen Form nicht den Anlegern, sondern der Befreiung der Banken von Haftungsrisiken. So hat seit EinfĂźhrung der Protokolle kein Anleger mehr einen Prozess wegen Falschberatung der Bank gewonnen. â&#x20AC;&#x17E;Die Beratungsprotokolle sind schlichtweg eine Katastropheâ&#x20AC;&#x153;, resĂźmiert TĂźngler. Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, stimmt TĂźnglers Schlussfolgerungen zu, setzt sich aber zugleich dafĂźr ein, dem Instrument des Beratungsprotokolls noch eine Chance zu geben: â&#x20AC;&#x17E;Wenn Protokolle sinnvoll sein sollen, dann bedarf es einer stärkeren Standardisierung.â&#x20AC;&#x153; Falls auch dies nicht ausreiche, sei ein anderer Weg nĂśtig: â&#x20AC;&#x17E;Ich glaube, dass wir frĂźher oder später zu einem Provisionsverbot kommen werdenâ&#x20AC;&#x153;, sagte Mohn kĂźrzlich. Das Beispiel Beratungsprotokoll macht deutlich, dass die Regulierungsdebatte einmal mehr um die Frage nach einer Balance zwischen ausreichendem Anlegerschutz und den Folgen eines Ă&#x153;bermaĂ&#x;es an Regulierung kreist. So weist Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehrstuhls fĂźr Bankwirtschaft und Finanzdienstleistung an der Universität Hohenheim, auf die Gefahren einer zu hohen Regulierungsintensität hin: â&#x20AC;&#x17E;MaĂ&#x;halten ist hier enorm wichtig. Extreme sind selten die beste LĂśsungâ&#x20AC;&#x153;, sagt er. Bei jedem staatlichen Eingriff gelte es zu prĂźfen, ab wann den Menschen damit nicht mehr gedient werde. In einzelnen Bereichen sei dieser Punkt längst Ăźberschritten. Als Beispiele nennt Burghof die umfangreichen Dokumente zur Information von Kapitalanlegern, die niemand mehr lese, wie er sagt, sowie die Anlageberatung. â&#x20AC;&#x17E;Die EinfĂźhrung von Beratungs-

protokollen klingt nach einer tollen Idee, hat aber vor allem einen Effekt: Menschen mit geringem VermĂśgen werden

gar nicht mehr beratenâ&#x20AC;&#x153;, so Burghof. GĂźnther Birnbaum, Abteilungspräsident Bereich Wertpapieraufsicht und Asset-Management bei

der Bundesanstalt fĂźr Finanzdienstleistungsaufsicht, sieht dies anders. â&#x20AC;&#x17E;Ich glaube nicht, dass das Beratungsprotokoll dazu gefĂźhrt hat, dass die Banken die Leute nicht mehr beraten. Zudem ist Beratung ja nicht per se gut. Wir wollen gute Beratungâ&#x20AC;&#x153;, so Birnbaum. â&#x20AC;&#x17E;Und wenn sich Institute zurĂźckziehen, kann das auch daran liegen, dass sie nicht genug qualifiziertes Personal haben.â&#x20AC;&#x153; Dass die entstandene Situation in der Anlageberatung keine befriedigende ist, hat auch die Bundesregierung erkannt. â&#x20AC;&#x17E;Das Beratungsprotokoll werden wir im Hinblick auf die praktikable Handhabung prĂźfenâ&#x20AC;&#x153;, heiĂ&#x;t es dazu im Koalitionsvertrag. Und nun scheint Bundesjustizminister Heiko Maas Ernst zu machen. Abschaffen will er ANLEGER die Protokolle zwar nicht, aber sie sollten kĂźnftig VERBRAUCHER PROTOKOLL â&#x20AC;&#x17E;ihrer Funktion VERANTWORTUNG LEITBILD gerecht werdenâ&#x20AC;&#x153;. Dabei werden im Grunde zwei Ă&#x201E;nderungsansätze verfolgt. Zum einen wird erwogen, den schieren Umfang der Protokolle einzuschränken. Zum anderen kĂśnnte es mehr Fälle geben, in denen man auf das Protokoll verzichten darf. Grundsätzlich geht es bei der Debatte auch um die Frage, inwieweit der Staat unter dem Etikett des Anlegerschutzes kĂźnftig in die Anlageentscheidungen des Einzelnen eingreifen soll und darf. So sieht der Entwurf des Kleinanlegerschutzgesetzes etwa die MĂśglichkeit eines Werbeverbots fĂźr bestimmte Geldanlagen in allgemeinen Medien vor, die keine Wirtschaftsberichterstattung betreiben. Als alarmierend sieht hier Christoph Boschan, GeschäftsfĂźhrer der BĂśrse Stuttgart Holding, das dahinterstehende Leitbild des in Finanzfragen unmĂźndigen BĂźrgers, dem bestimmte Medieninhalte vorzuenthalten seien, der sich aber zugleich verstärkt eigenständig um seine Altersversorgung kĂźmmern solle. â&#x20AC;&#x17E;Der Ruf nach dem Staat ist populär, aber eine pauschale Befreiung von der eigenen Sorgfaltspflicht kann es nicht gebenâ&#x20AC;&#x153;, sagt Boschan. Vor diesem Hintergrund fĂźhrt kein Weg an mehr Bildung der Verbraucher in Finanzfragen vorbei. â&#x20AC;&#x17E;Besser als Verbote sind alle Initiativen, die die Selbstverantwortung der Privatanleger fĂśrdernâ&#x20AC;&#x153;, so Boschan. Als nachhaltigste MaĂ&#x;nahme in diesem Sinne ist die Entscheidung der Landesregierung zu werten, an allen allgemeinbildenden Schulen das Fach â&#x20AC;&#x17E;Wirtschaft Berufs- und Studienorientierungâ&#x20AC;&#x153; einzufĂźhren. spe

WERBEVERBOT

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Im Schattenreich AuĂ&#x;erbĂśrslicher Handel nimmt zu

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ie neue Finanzmarktrichtlinie der EU-Kommission gaukelt zwar vor, den Wertpapierhandel stärker zu regulieren. In Wahrheit aber wird nur an einigen auĂ&#x;erbĂśrslichen Handelssystemen etwas nachgebessert, wo bisher nichts reguliert war. Damit bringt die Ăźberarbeitete Finanzmarktrichtlinie Mifid II (Markets in Financial Instruments Directive) nach Ă&#x153;berzeugung der BĂśrse Stuttgart nur die zweitbeste LĂśsung fĂźr den Anleger. Zwar werden neue nicht oder nur schwach regulierte Handelsplattformen, die seit EinfĂźhrung der Mifid I 2007 erst entstanden sind, in Ansätzen etwas stärker reguliert als bisher. Aber der Schutz der Anleger und die Funktion des Kapitalmarkts werden nicht auf das Niveau regulierter Märkte zurĂźckgefĂźhrt. Ergo: Aufträge von Privatanlegern werden weiterhin häufig an nicht regulierten Märkten und damit auch im Schattenreich intransparenter Dark Pools ausgefĂźhrt, ohne dass es den Auftraggebern immer klar ist. Wertpapier-Orders von Privatanlegern sollten aber aus Sicht der BĂśrse grundsätzlich an einem regulierten Markt wie der BĂśrse ausgefĂźhrt werden. â&#x20AC;&#x17E;Nur dort gibt es den Schutz und die Verlässlichkeit einer unabhängigen HandelsĂźberwachung sowie die VorzĂźge einer neu-

tralen Preisermittlung und einer vollständigen Transparenzâ&#x20AC;&#x153;, sagt Christoph Boschan, GeschäftsfĂźhrer der BĂśrse Stuttgart Holding. AuĂ&#x;erdem wird mit der Mifid II der Wettbewerb zwischen bĂśrslichen, also regulierten, und nicht oder kaum regulierten Wertpapierhandelssystemen unter ungleichen Bedingungen fortgesetzt. Während eine BĂśrse eine HandelsĂźberwachung oder eine Zulassungsstelle aufrechterhalten und fĂźr eine lĂźckenlose Vor- und Nachhandelstransparenz sorgen muss, existieren fĂźr nicht regulierte Märkte keine derartigen Vorgaben, oder sie sind nur rudimentär vorhanden. Dadurch sind regulierte BĂśrsen teurer als nicht regulierte Plattformen wie Multilateral Tradings Facilities, systematische Internalisierer und der klassische auĂ&#x;erbĂśrsliche Handel. Das â&#x20AC;&#x17E;regulatorische Gepäckâ&#x20AC;&#x153;, wie Boschan es nennt, das die traditionellen BĂśrsen dadurch mit sich herumtragen, macht nach seiner Schätzung 70 Prozent der Betriebskosten einer BĂśrse aus. Die BĂśrse Stuttgart hat auf den Trend zu mehr auĂ&#x;erbĂśrslichem Handel reagiert, indem sie im April Cats-OS, das auĂ&#x;erbĂśrsliche Handelssystem der Citigroup fĂźr den Zertifikatehandel, erworben hat. An der neuen Firma BĂśrse Stuttgart Cats hält die Citigroup jedoch eine Minderheit. T. Spengler

Pragmatisch?

Immer.

Das verbindet mich mit meiner Bank. Als Unternehmer packe ich ßberall mit an. Darum schätze ich einen Partner, der den Mittelstand kennt und mich in allen Belangen aktiv begleitet. Von der Finanzierung ßber die Risikoabsicherung bis zur Nachfolgeregelung. Und was verbindet Sie mit Ihrer Bank?

Foto: Max Kovalenko

SĂ&#x153;DWESTBANK AG, RotebĂźhlstraĂ&#x;e 125, 70178 Stuttgart      

Werte verbinden.


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FINANZWIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN

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Es gilt das gesprochene Wort Foto: Daniel Coulmann/Fotolia

Die Leicht Küchen AG arbeitet eng mit drei Hausbanken zusammen. Statt der ständigen Suche nach etwas besseren Kreditkonditionen sind dem Mittelständler der langjährige Kontakt und die Verlässlichkeit wichtiger.

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n aller Regel pflegen die baden-württembergischen Mittelständler enge Beziehungen zu mehr als einer Hausbank. Aufgrund der globalen Ausrichtung der Unternehmen ist darunter immer auch mindestens ein ebenfalls international ausgerichteter Bankpartner zu finden. Darüber hinaus aber bleiben die Unternehmen gerne auch den Instituten treu, mit denen sie groß geworden sind: Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Exemplarisch dafür steht die Leicht Küchen AG in Waldstetten im Ostalbkreis, die bereits seit 20 Jahren mit einem festen Stamm von drei Kreditinstituten zusamFINANZIERUNG menarbeitet – „und das auf Augenhöhe“, KREDIT wie der Vorstandsvorsitzende Stefan INVESTITION Waldenmaier betont. Als internationaler Partner agiert EXPORT bei der Firma Leicht, die einen Exportanteil von 60 Prozent aufweist, die Commerzbank. Des Weiteren hat sich Leicht auf die Kreissparkasse Ost-Alb und die Volks- und Raiffeisenbank Schwäbisch Gmünd als Hausbanken festgelegt. „Entscheidend ist, dass man sich gut kennt und eine langjährige Vertrauensbasis aufgebaut hat“, sagt Waldenmaier. Und auch wenn hin und wieder andere Institute versuchen würden, sich mit Dumpingpreisen für den Hersteller hochwertiger Küchen schön zu machen, ist dieser gegenüber solchen Lockvogelangeboten sehr

WACHSTUM UMSATZ HAUSBANK

MITTELSTAND PROJEKT FREMDKAPITAL VOLLMACHT BASISPUNKTE

VERTRAUEN

zurückhaltend. Die gewachsenen Verbindungen zu den angestammten Hausbanken und die damit verbundene Verlässlichkeit wiegen eben doch schwerer als ein paar Basispunkte weniger bei den Kreditkonditionen. Hinzu kommt, dass man bei Leicht einen Informationsaustausch mit den Bankpartnern pflegt, der häufig über das reine Finanzierungsgespräch hinausgeht – etwa über die Zinsentwicklung oder neue Produkte. Und gerade weil die Banker aufgrund der langjährigen Geschäftsbeziehung wüssten, wie das Unternehmen aufgestellt sei, kämen diese von sich aus immer wieder auf eigene Lösungsvorschläge, sagt Waldenmaier. „Außerdem“, betont er, „brauchen wir Sicherheit von Anfang an. Sprich, wir müssen uns auf die mündlichen Zusagen der Banker verlassen können.“ Das heißt für ihn, die Gesprächspartner seitens der Bank müssen nach seinen Erwartungen fachlich kompetent und mit Handlungsvollmacht ausgestattet sein, so dass sie die gemachten Zusagen auch im eigenen Haus durchsetzen können. „Es muss das gesprochene Wort gelten“, macht Waldenmaier klar, auch wenn dieses Motto im Geschäftsleben vielfach an Bedeutung verloren habe. Leicht versuche sich daran zu halten, weshalb das Unternehmen auch wenig Rechtsstreitigkeiten habe. So hat der Küchenhersteller auch seine jüngste Wachstumsfinanzierung mit dem bewährten Trio aus Großbank, Kreissparkasse und Genossenschaftsbank unter Dach und Fach gebracht. Elf Millionen Euro galt es 2013 und 2014 für eine automatische Bauteilefertigung zu stemmen, nachdem das

bisherige Investitionsvolumen in der DiMit dieser systematischen Herangehensmension von jährlich drei bis vier Millionen weise haben sich Leicht und seine drei HausEuro gelegen hatte. Bei einem Umsatz in der banken zügig auf ein Finanzierungsmodell Größenordnung von 99 Millionen Euro im für beide Investitionsprojekte verständigt, Jahr 2014 stelle eine Investition von elf Mil- so dass sich die Projekte rasch realisieren lielionen Euro doch einen kräftigen Schluck ßen. Der Bau der automatischen Bauteileaus der Pulle dar, wie Waldenmaier sagt. Im fertigung wurde, nachdem das erste Bankgeselben Zeitraum folgte der Bau eines neuen spräch im November 2011 stattfand, im SepAusstellungs- und Schulungszentrums in tember 2014 fertig gestellt. Bei dem Höhe von sechs Millionen Euro. Ausstellungs- und Schulungszentrum von „Da ist es wichtig, dass die Banken einen Leicht dauerte es 27 Monate bis zur Fertiggut kennen, damit man sich rasch verstän- stellung im Oktober 2014. In beiden Fällen digen kann“, sagt er, der die frühzeitige wurde eine Finanzierung mit 80 Prozent Integration der Finanzierungspartner in die Fremdkapital durch die Bankpartner geStrategieüberlegungen von Leicht als Basis wählt. für eine zügige Realisierung eines solchen „Die Beispiele stehen für klassische bilaProjekts ansieht. „Die Abstimmung des ma- terale Unternehmenskredite“, sagt Siegfried ximalen Volumens, die Klärung alternativer Stangohr, Vorsitzender der Geschäftsleitung Finanzierungsmodelle für das Marktgebiet und die Klärung der Württemberg bei der ZEITGLEICH WACHSEN generellen Bereitschaft, Commerzbank. Alle UND INVESTIEREN sich zu engagieren“, drei Hausbanken hazählt der Leicht-Chef in ben jeweils ein Drittel diesem Kontext auf. Als Nächstes folgten Ge- finanziert, und alle wussten voneinander. spräche mit Banken und Wirtschaftsprüfern „Wir spielen mit offenen Karten“, betont über die steuerlichen Aspekte. Waldenmaier. Seit der Kreditvergabe redet Als Erfolgsfaktoren für eine gelungene Leicht quartalsmäßig mit seinen HausbanInvestition nennt Waldenmaier seitens des ken über die Entwicklung des UnternehMittelständlers die Einbeziehung erfahrener mens und hält diese auf dem Laufenden. Gesprächspartner mit Kenntnis des Marktes Stangohr betont im Verhältnis zwischen und Kreativität im Umgang mit Finanzie- Banken und mittelständischen Firmenrungsmodulen. Außerdem gelte es, steuer- kunden die Bedeutung des kooperativen liche Klarheit über das Vorhaben zu gewin- Umgangs miteinander. „Man sollte sich nen. Darüber hinaus müsse ein zuverlässiger auch mal frühzeitig warnen, bevor etwas Finanzplan ausgearbeitet und Klarheit über anbrennt – so wie in einer Ehe“, sagt er. Dazu die Finanzierungskosten gewonnen werden. zählten eben auch mal unangenehme TheUnd schließlich sei es nützlich, langjährige men. Wenn man aber offen darüber rede, Beziehungen und Mandate mit kompeten- würde dies nur wieder die Vertrauensten Gesprächspartnern aufzubauen. bildung stärken, so sein Resümee. spe

Nachfrage auf hohem Niveau Förderangebote gibt es in Baden-Württemberg für jede Unternehmensgröße

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er Mittelstand ist das Rückgrat der Euro übernehmen. Das Gleiche gilt für die Wirtschaft im Südwesten. Die große MBG: Bei ihr ist der HöchstbeteiligungsMehrheit dieser rund 500 000 Be- betrag ebenfalls 1,25 Millionen Euro. Doch es triebe beschäftigt weniger als 250 Mitarbei- gibt gleichfalls noch ein anderes Angebot, ter; fast die Hälfte der im Mittelstand Be- bei dem es um viel kleinere Summen geht. schäftigten arbeiten in Unternehmen mit Es handelt sich um das Programm Mikrozehn bis 250 Mitarbeitern. Und vor diesem mezzanin, eine Kleinstbeteiligung zwischen Hintergrund spielt die Finanzierung immer 10 000 und 50 000 Euro. „Das Programm eine besondere Rolle. „Es ist wichtig, dass richtet sich an junge Gründer sowie an diese Unternehmen ihre Betriebe voranbrin- Unternehmen, die vielleicht aufgrund gen können und an ausreichend Finanzie- ihrer Herkunft oder persönlichen Situarungen kommen“, sagt eine Sprecherin der tion keinen Zugang zu einer FinanzieBürgschaftsbank. Diese und die Mittelstän- rung hätten“, beschreibt die Sprecherin dische Beteiligungsgesellschaft (MBG) sowie die Zielgruppe. Wenn die Wirtschaft nicht die L-Bank und die Kreditanstalt für Wieder- so rund läuft, steigt die Nachfrage nach aufbau (KfW) helfen den Unternehmen mit Bürgschaften. „Aktuell merken wir, dass die speziellen FördertöpUnternehmen sich strafen, um an Geld zu tegisch mit eigenkapiKLEINSTBETEILIGUNGEN kommen. Oftmals geht talähnlichen Mitteln ALS OPTION es darum, Nachteile eindecken in Form der auszugleichen, die die stillen Beteiligungen Kleinen bei der Finanzierung gegenüber der MBG Baden-Württemberg“, so die Sprebörsennotierten Unternehmen haben. cherin weiter. Denn Eigenkapital sei KrisenAlle Förderinstitute arbeiten mit den vorsorge. Kreditinstituten vor Ort zusammen, wie die Der größte Geldgeber der heimischen Sprecherin erläutert. Denn: „Es gilt das Wirtschaft im Land ist die L-Bank. Das FörHausbankprinzip. Das heißt, der Unterneh- derinstitut unterstützt mit seinen Finanziemer muss zuerst zu seiner Hausbank und rungsangeboten jährlich mehr als 6000 dort sein Vorhaben vorstellen.“ Ist die Haus- etablierte Unternehmen. Hinzu kommen bank überzeugt, dann ist eine wichtige Hür- zwischen 2500 und 3000 Existenzgründunde genommen. Die Geschäftsidee oder eine gen. So werden jedes Jahr rund 9000 Investition muss sich also rechnen. Der Arbeitsplätze durch geförderte mittelständiUnternehmer muss nämlich nicht nur Zin- sche Unternehmen und rund 4000 durch sen und Tilgung zahlen, sondern auch von Existenzgründer geschaffen. Im ersten Halbseinem Vorhaben leben können. jahr flossen 1,5 Milliarden Euro an die WirtDie Bürgschaftsbank Baden-Württem- schaft in Baden-Württemberg. berg kann den Angaben zufolge höchstens Mit mehr als einer Milliarde Euro finaneine Bürgschaft in Höhe von 1,25 Millionen zierte die L-Bank Investitionen von 3000

etablierten Unternehmen. Für 1400 Gründungsvorhaben flossen 232 Millionen Euro. 430 landwirtschaftliche Betriebe wurden mit 76 Millionen Euro gefördert. Damit bewegen sich die Ergebnisse zum Halbjahr 2014 leicht unterhalb des sehr hohen Vorjahresniveaus, wobei 2013 ein Rekordjahr für die Wirtschaftsförderung war.

Für seine Finanzierungsvorhaben nutzt der Mittelstand vorrangig klassische Förderkredite. Die nachfragestärksten Programme sind dabei die Wachstumsfinanzierung, die 2012 gestartete „Energieeffizienzfinanzierung – Mittelstand“ sowie die Investitionsfinanzierung. Schwerpunkte der nachfragenden Unternehmen seien Investitionen in Anlagen und Gebäuden vor allem mit dem Ziel des Kapazitätsausbaus. Insbesondere wenn es um neue Produktionsanlagen oder Gebäude geht, setzen die Unternehmen dabei immer häufiger auf Lösungen, die nachhaltig den Energieverbrauch der neuen Maschine oder Werkshalle senken. Deshalb gibt es

auch Liquiditätskredite zur Betriebsmittelfinanzierung. Die Nachfrage hängt vom wirtschaftlichen Umfeld ab. In den Zeiten der Finanzmarktkrise und der anschließenden wirtschaftlichen Schwächeperiode waren es eher Liquiditätskredite, die verstärkt nachgefragt wurden. Diese bieten eine Kombination aus Zinsverbilligung und Risikoübernahme und wurden vor allem zur Betriebsmittelfinanzierung genutzt. Und in der aktuellen Phase werden den Angaben zufolge vor allem Wachstumskredite und Energieeffizienzfinanzierungen nachgefragt. „Besonders mit den Finanzierungen energetischer Vorhaben verbessern die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit und entlasten die Umwelt“, wie die Sprecherin erläutert. Oliver Schmale

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FINANZWIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN

November 2014

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Agile lokale Szene Banker der Region punkten mit großer Nähe zum Kunden

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nanzszene spiele in einer anderen Liga, dennoch gibt es laut Burghof am Finanzplatz Stuttgart eine agile lokale Szene, in der die Akteure ständig gemeinsame Projekte und nicht zuletzt Karrieren entwickelten. Hinzu kommt in seinen Augen das Engagement zahlreicher Funktionsträger, die dem Finanzplatz ein Gesicht geben. Gerade weil der Platz nicht eine solche Größe wie Frankfurt oder London aufweist, liegt nach Burghofs Überzeugung eine der Stärken in seiner Überschaubarkeit. Durch die Arbeit, die die Initiative Stuttgart Financial leiste, seien die Akteure gut vernetzt, sagt er, der selbst im Beirat dieser Initiative sitzt. „Ansonsten haben wir hier eine ganze Reihe von Perlen zu bieten – wie etwa eine lebendige Börse, die immer innovativ gewesen ist und ein Schaufenster für den Finanzplatz darstellt“, so Burghof. Und auch wenn sie eine schwierige Phase durchschreite, sei immer noch die größte Landesbank der Republik in Stuttgart beheimatet. Darüber hinaus gibt es mit der L-Bank das größte deutsche Förderinstitut, das in den Augen Burghofs ein sehr stimmiges Konzept verfolgt. „Und nicht zu vergessen die ausgeprägte Bausparkul-

Foto: Wilhelm Mierendorf

ie Region Stuttgart ist für ihren Schwerpunkt in der gewerblichen Industrie wohlbekannt. Aber ist Stuttgart denn auch ein Finanzplatz? „Selbstverständlich, schließlich gibt es hier eine lebhafte Finanz-Community“, konstatiert Hans-Peter Burghof, Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. Klar, Frankfurt sei zwar viel größer als Stuttgart und die europäische Fi-

tur im Land“, fügt er hinzu. Außerdem ist in der Region eine Reihe sehr agiler Vermögensberater und -verwalter aktiv. Als „noch steigerungsfähig“ bezeichnet Burghof indessen die Sichtbarkeit der Versicherungswirtschaft, die am Finanzplatz auch eine sehr bedeutende Rolle spielt. Den Finanzplatz selbst charakterisiert der Professor als klein, aber sehr lebendig. Es werde extrem viel kommuniziert, unter anderem über die Plattformen, die Stuttgart Financial geschaffen habe. „Die Börse ist sicher ein Kulminationspunkt, die als neutrale Instanz ihre Rolle als Diskussionsforum wahrnimmt. Auch die Bausparkassen entwickeln derzeit ihre ganz eigene Kultur in Stuttgart. All das wirkt gemeinschaftsbildend“, sagt Burghof, der genügend Expertise auf beiden Seiten, der Finanz- und der Realwirtschaft, in der Region Stuttgart erkennen kann. Während Frankfurt vor allem durch das Geschäft zwischen Finanzintermediären charakterisiert werde, sei es in Stuttgart die enge Verbindung zwischen Finanz- und Realwirtschaft, die den hiesigen Finanzplatz präge. „Daher sind unsere Banker in Stuttgart näher dran am Kunden“, so Burghofs Überzeugung. Dass sich die Institute am Finanzplatz Stuttgart dennoch ständig neu erfinden, davon ist Burghof überzeugt, „so wie es die Stuttgarter Börse immer wieder getan hat, weil es schwer ist, neues Geschäft nach Stuttgart zu holen“. Das sei kaum planbar. „Daher sollten wir in erster Linie versuchen, das vorhandene Geschäft in Stuttgart zu halten und gleichzeitig eine große Offenheit für Innovationen zu schaffen“, macht er klar. So diene die Arbeit der Initiative Stuttgart Financial auch der Bestandssicherung gegen alle Zentralisierungstendenzen. „Aber immerhin, im Gegensatz zu früher reden die Schwaben seit geraumer Zeit darüber, was sie zu bieten haben“, so Burghofs Resümee. Im Gegensatz zu früher ist Burghof inzwischen mit dem Angebot an finanzwirtschaftlichen Lehrstühlen in der Region zufrieden. „Das kann sich mittlerweile sehen lassen“, sagt er und verweist allein für die Universität Hohenheim auf sechs Lehrstühle, die sich im engeren Sinne mit Finanzwirtschaft beschäftigen. Ein siebter ist derzeit ausgeschrieben – eine von der Sparkassen-Gruppe geförderte Stiftungsprofessur zum Retail-Banking. Außerdem geht mit dem „Master in Finance“ der Uni Hohenheim in diesem Wintersemester der erste berufsbegleitende universitäre Masterstudiengang in diesem Bereich an den

Start. Einen weiteren Lehrstuhl mit dem Schwerpunkt Unternehmensfinanzierung gibt es an der Uni Stuttgart. Hinzu kommen Angebote an der Uni Tübingen sowie den Fachhochschulen Nürtingen, Reutlingen und Pforzheim sowie die Akademien der Sparkassen-Gruppe und der Genossenschaftsbanken in Baden-WürtLEBENSQUALITÄT temberg. COMMUNITY Dass es so manche AbsolKARRIERE LEHRSTUHL venten dieser SCHAUFENSTER Keimzellen für junge FinanzINNOVATION experten in ihrer frühen, ambitioAKADEMIEN nierten LebensSPITZENKRÄFTE phase eher in die Finanzzentren der Welt als nach Stuttgart ziehe? Geschenkt, meint Burghof. Das sei ja auch kein Fehler, sondern bilde vielmehr die Grundlage für eine weitere Vernetzung von Stuttgart aus in alle Welt. Die Region könnte dagegen mit ihrer hohen Lebensqualität der Ort sein, wo man seine Kinder aufwachsen sehen will. „Denn Stuttgart ist nicht unbedingt der Ort, von dem man zwingend wieder wegwill“, sagt Burghof und verweist auf eine sehr hohe Lebensqualität mit einem immer noch „fantastischen Preis-LeistungsVerhältnis“. Bankern müssten hier allerdings auch Karriereperspektiven geboten werden – sowohl finanziell als auch mit Blick auf die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. „Eine lebendige Finanz-Community kann dazu beitragen, dass ein Spitzenbanker, der von außerhalb kommt, nicht den Eindruck gewinnt, in der Wüste gelandet zu sein“, macht Burghof klar. Thomas Spengler

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Z U R P ER S O N Prof. Dr. Hans-Peter Burghof Prof. Dr. HansPeter Burghof ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. Außerdem ist er Geschäftsführer der Stiftung Kreditwirtschaft an der Universität Hohenheim, Leiter und Mitglied in führenden akademischen Vereinigungen und Börsenrat der Börse Stuttgart. red

Faszination Gold Nicht nur als Geldanlage geeignet

W

ertbeständig und zeitlos: Gold Metalle ist, haben Wissenschaftler seit der hat schon seit jeher eine beson- frühen Kupferzeit entwickelt. Zunächst ist dere Faszination auf die Men- Gold unter anderem zur Herstellung von schen ausgeübt. Seit mehr als 3000 Jahren Schmuck verwendet worden. Der bislang älwird das Edelmetall als Wertaufbewah- teste dokumentierte Fund von Goldschmuck rungsmittel genutzt. Als einzige Währung, ist auf das Jahr 4600 vor Christus datiert. Im die seitdem noch Bestand hat, konnte Gold bulgarischen Warna wurden mehrere Tausämtlichen politischen und wirtschaftlichen send Objekte aus dem glänzenden Metall in Krisen trotzen und ist nicht von inflatio- einem Gräberfeld als entsprechende Grabnärer Geldpolitik betroffen. beigabe gefunden. „Allein die Tatsache, dass Gold ein selteSowohl die Ägypter als auch die Römer ner Rohstoff und nicht beliebig reproduzier- waren von Gold fasziniert. Seine Bedeutung bar ist, macht ihn kostbar und wertvoll“, er- als Zahlungsmittel ist natürlich auch nicht läutert Patrick Scheerer, Niederlassungs- zu unterschätzen. In der Neuzeit trieb die leiter der Degussa Goldhandel mit Sitz in Gier nach dem gelben Rohstoff die euroStuttgart. In vielen Kulpäischen Seemächte turen sei Gold vor alwie England, Spanien lem ein Zeichen von oder Portugal an, ihren Macht und schon allein Bedarf zu decken, indadurch heiß begehrt dem sie in Mittel- und gewesen. Gold ist eines Südamerika wüteten der ersten Metalle, das und dann das Edeldurch die Menschen metall nach Europa bearbeitet worden ist. brachten. Denn dies geht mit Als Seefahrer das mechanischen HilfsEdelmetall mitbrachmitteln einfach von- Wertvolles Edelmetall Foto: Bundesbank ten, spielten auch statten, und außerdem Abenteuerlust und das korrodiert das Edelmetall mit der warmen Streben nach Reichtum eine große Rolle. Ausstrahlung nicht. „Nicht umsonst hat der Begriff GoldgräberDie Gewinnung des Goldes, das zusam- stimmung Eingang in den allgemeinen men mit Kupfer eines der wenigen farbigen Sprachgebrauch gefunden“, erklärt Scheerer weiter. Auch große Funde lockten immer wieder große Menschenmassen an. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise der kalifornische Goldrausch im Jahre 1849 und I MP RESSUM der Goldrausch des Jahres 1897 am Fluss Klondike in Alaska zu nennen. Redaktion: STZW Sonderthemen Auch viele Währungen waren in der VerR. Abel, I. Dalcolmo, M. Vogel gangenheit aus Goldmünzen oder an das Produktion: M. Morlok Edelmetall gebunden. Die Bindung des USTitelfoto: Avenue Images Dollar wurde erst 1971 aufgehoben. Auch in der Industrie ist der Stoff seit jeher gefragt Anzeigen: Stuttgarter Zeitung und zu einem unverzichtbaren Rohstoff Werbevermarktung GmbH Telefon 07 11 / 72 05 - 16 20 geworden: Mobilfunk, Computertechnik, Telefax 07 11 / 72 05 - 16 14 Raumfahrt, Medizin. Das sind Bereiche des svanzeigen@stzw.zgs.de Lebens, die für den modernen Menschen mit AnzeigenMarc Becker am wichtigsten sind. Auch bei Zukunftstechverkaufsleitung: Telefon 07 11 / 72 05 - 16 03 nologien spielt Gold eine wichtige Rolle: Druck: Pressehaus Stuttgart Die Nanotechnologie kann nicht auf dieses Druck GmbH Material verzichten. Oliver Schmale

Zähmen Sie Bulle und Bär ganz einfach mit der Maus. Die neue Webseite der Börse Stuttgart: übersichtlicher, informativer und nutzerfreundlicher. Jetzt kennenlernen auf www.boerse-stuttgart.de/guidedtour


Wirtschaft in Baden-Württbemberg  

2014, Ausgabe 3

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