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Wirtschaft tschaftt in Baden-Württemberg

Ausgabe 2 | 2014

Ein Gemeinschaftsprodukt der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten

Preis 3,20 Euro | 87639

Editorial

Autozulieferer

Eine Branche im Kampfmodus

Wie der Südwesten zum Auto der Zukunft beiträgt.

Bei Innovationen sind Zulieferer die treibende Kraft, bei den Kosten die Getriebenen. Von Christoph Reisinger

SCHWERPUNKT SEITEN 1 BIS 10

Headhunter­Knigge

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Ein Top­Vermittler spricht über seine Branche SEITE 12

Cloud­Computing

Das Für und Wider der Datenwolke SEITE 28

Zulieferer sind mehr als die Heinzelmännchen der Autobranche – sie stehen für 75 Prozent der Wertschöpfung eines Fahrzeugs.

Illustration: Malte Knaack

Der tägliche Spagat

Autohersteller übertragen immer mehr Aufgaben und unternehmerische Risiken auf ihre Lieferanten. Manch ein Unternehmen steht jetzt vor schwierigen Weichenstellungen. Von Klaus Köster Zulieferer

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Freiheiten.

elbst ein Industriegigant wie der Friedrichshafener ZF­Konzern mit seinen fast 70 000 Beschäftigten hält sich für zu klein, um auf Dauer den Anforderungen des Welt­ markts zu genügen – deshalb kündigte er kürzlich an, für fast zehn Milliarden Euro den amerikanischen TRW­Konzern zu übernehmen. Gelingt die Übernahme, steht ZF mit einem Umsatz von knapp 30 Milliar­ den Euro auf Platz zwei der weltweiten Autozulieferer – knapp hinter der Auto­ sparte von Bosch und noch vor der Auto­ sparte von Continental. Zwei Zulieferer aus Baden­Württemberg, die die Weltspitze der Branche unter sich ausmachen – das sagt ei­ niges aus über die Bedeutung dieses Wirt­ schaftszweigs nicht nur für den Südwesten.

75 Prozent der Wertschöpfung eines Autos werden heute durch Zulieferer er­ bracht – einschließlich der Erforschung bahnbrechender Neuerungen bei An­ triebs­ und Sicherheitstechnik. Doch die gestiegene Bedeutung geht nicht mit einer stärkeren Marktposition einher – im Gegenteil. „Die Marktmacht der Hersteller wächst weiter“, sagt Rolf Geisel, Chef des Altensteiger Abgastechnik­Spezialisten Boysen, im Gespräch mit dieser Zeitung. Weil viele Hersteller längst modellüber­ greifende Plattformstrategien etabliert ha­ ben, „kämpfen Sie als Zulieferer heute um ganz andere Stückzahlen pro Auftrag“. Und dieser Kampf wird über den Preis ausgetra­ gen. 25 Jahre lang habe es sich bewährt, Ab­ gassysteme für deutsche Werke komplett in

Deutschland herzustellen. Heute habe man „eine Schwelle erreicht, bei der wir die Ziel­ kosten der Hersteller beim besten Willen nicht mehr mit einer Komplettproduktion in Deutschland erreichen können“. Auch Marcus Berret, Chef des Auto­ geschäfts der Unternehmensberatung Ro­ land Berger, sieht die Branche unter Druck. Für viele Zulieferer werde es „von Sparrun­ de zu Sparrunde immer schwieriger, eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften“, schreibt er in einem Gastbeitrag für diese Zeitung. Viele kleinere Zulieferer stünden vor einem „wirklichen Kraftakt“. Dennoch müsse ihnen „nicht bange werden. Die technologische Substanz und die Inno­ vationskraft der hiesigen Unternehmen suchen weltweit ihresgleichen.“

er Gewinn liegt im Einkauf, sagt eine alte Kaufmannsweisheit. Ein Unternehmen, das bei seinen Liefe­ ranten spart, muss keine Stellen streichen und sich keinen Debatten stellen. Denn in den Beziehungen zu den Herstellern ist Diskretion oberste Zuliefererpflicht. Die Autobauer legen größten Wert darauf, dass der Ruhm für technologische Neuerungen auf sie selbst abfällt und nicht auf ihre Lie­ feranten. Weil diese sich in der Regel ver­ pflichten, über ihre Aufträge zu schweigen, dringt nur wenig nach außen über den all­ täglichen Kampf dieser Branche. Umso bemerkenswerter ist, dass nun der Chef eines renommierten Zulieferers das kollektive Schweigen gebrochen und unserer neuen Wirtschaftszeitung „Wirt­ schaft in Baden­Württemberg“ aufschluss­ reiche Einblicke in die Geschäftspraktiken dieser deutschen Schlüsselindustrie gege­ ben hat. „Das Druckpotenzial der Herstel­ ler gegenüber ihren Zulieferern ist immens und nimmt ständig zu“, sagt Rolf Geisel, Chef des Abgastechnik­Lieferanten Boysen in Altensteig bei Calw. Aufgrund der modellübergreifenden Plattformstrategien der Hersteller gehe es beim einzelnen Auf­ trag heute um Volumina, die einen Zuliefe­ rer „in tiefe Abhängigkeit bringen“. Geisel ist keiner, der zum Lamentieren neigt. Seit mehr als 40 Jahren ist der gestan­ dene Manager bei dem Unternehmen, des­ sen Umsatz sich in 20 Jahren fast verzwan­ zigfacht hat. Doch die ausgefuchsten Me­ thoden, mit denen Autohersteller die Euro aus ihren Lieferanten herausmassieren, zwingen nun auch ihn zu der Ansage, dass man künftig auch für den deutschen Markt im Ausland produzieren müsse. Einerseits stammen viele Innovationen von Zulieferern, andererseits lassen sich deren hohe Vorleistungen kaum noch fi­ nanzieren, weil es irgendwo auf der Welt immer jemanden gibt, der noch billiger ist. Klar ist nur: Zulieferer, die das Investitions­ risiko scheuen, haben den Billiganbietern gar nichts mehr entgegenzusetzen – schon gar nicht in Baden­Württemberg. Dass sich hier so viele Zulieferer seit Jahrzehnten be­ haupten, nötigt umso mehr Respekt ab. Das ganze Interview lesen Sie auf Seite 3.

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Werte verbinden.


2 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Inhalt Inteview

Der Druck der Hersteller

Aufträge werden immer größer und globaler – das bringt Zulieferer zunehmend in tiefe Abhängigkeit. SEITE 3

Die Branche im Überblick

Woher kommen die Autoteile?

Welche Produkte die Südwest­Zulieferer herstellen und wie sich die Firmen im Land verteilen. SEITEN 4–6

Gastbeitrag

Fünf Herausforderungen Vor dem Management liegen große Aufgaben – Branchenkenner Marcus Berret sagt, welche. SEITE 7

Wo es hakt

Die Zukunftsfähigkeit der Kleinen

Die Zulieferbranche ist geprägt durch den Mittelstand, doch bei der Forschung dominieren die Konzerne. SEITE 9

Arbeitsrecht

Wasserdichte Werkverträge

Eine Arbeitsrechtlerin erläutert den rechtlichen Rahmen für atypische Beschäftigung. SEITE 14

Berufsbild

Controller – mehr als Erbsenzähler

Controller sind bei Beschäftigten gefürchtet, dabei gehen ihre Aufgaben weit über Kontrolle hinaus. SEITE 16/17

Private Finanzen

Stiftung statt Wertpapierdepot

Unternehmer übertragen ihr Vermögen an Stiftungen – und das nicht nur, um Steuern zu sparen. SEITE 18

Volkmar Denner

Stefan Sommer

Der Online­Visionär

Der stille Revoluzzer

Wenn vom Zulieferriesen Bosch die Rede ist, folgt meist der Name eines Em­ porkömmlings aus Mountain View – Google. Die Entwicklung, dass sich die Wertschöpfungsketten im Automobilgeschäft durch neue Technologien dras­ tisch verändern und Branchenneulinge die Zukunft mitbestimmen werden, hat Volkmar Denner vorhergesehen. Seit gut zwei Jahren steht er an der Bosch­ Spitze und hat sich zum Ziel gesetzt, die Googles, Ciscos, Samsungs und Teslas dieser Welt auf Abstand zu halten. Denn diese dringen mit selbstfahrenden Autos, Batterien und Sensoren tief ins Kerngeschäft des Stuttgarter Konzerns ein. Der gebürtige Uhinger will daher einen Spagat schaffen: die sprichwörtli­ che Zurückhaltung und Null­Fehler­Kultur des schwäbischen Ingenieurs mit der schöpferischen Wucht Silicon Valleys zu vermählen. „Wir müssen den Mut haben, mal etwas auszuprobieren“, sagt er. Bosch investiert große Summen in die Elektromobilität, was sich bisher zwar nicht rechnet, doch wenn die Tech­ nologie den Durchbruch schafft, ist Denner vorn dabei. wro

Nein, wie eine wandelnde Kulturrevolution kommt Stefan Sommer, seit Mai 2012 Chef des Friedrichshafener Zulieferers ZF, nicht daher. In seiner Freizeit streift der 51­Jährige promovierte Maschinenbauer schon mal das Karohemd über und werkelt in der Garage an alten, luftgekühlten Motoren. Die große Bühne meidet er. Das ist aber nur die eine Seite. Sommer, früher beim ZF­Rivalen Conti beschäftigt, schickt sich an, den oft als bräsig bezeichneten Stiftungskonzern vom Bodensee nachhaltig umzukrempeln. Ein bisschen mehr Geschwindigkeit täte ZF ganz gut, sagte der Porsche­Liebhaber einmal. Diese legt er jetzt selbst vor: Mit dem Plan, den fast gleich großen US­Zulieferer TRW zu übernehmen, hat Sommer einen spektakulären Coup gelandet. Er steigt damit schlagartig in die Weltliga der Zulieferer auf und kommt auf Au­ genhöhe mit globalen Branchenriesen wie Bosch, Conti und Denso. Zugleich verringert er die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor und sichert sich eine gute Startposition für die Elektromobilität. wro

Die Macher der Branche

Die Namen von Zulieferfirmen prangen weder auf dem Kühlergrill noch auf dem Kofferraumdeckel. Doch beim Autobau sind die Firmen mit Tausenden von Beschäftigten nicht wegzudenken. Fünf Manager, die in der Branche das Sagen haben. Porträts

Ausgefragt

Der Spielemacher

Fotos: Michael Steinert, dpa, Eberspächer, Mahle, Mann + Hummel

Ganz persönliche Ansichten von Karsten Schmidt, Chef des Spiele­ Herstellers Ravensburger. SEITE 20

Corporate Social Responsibility

Gutes Gewissen – gute Geschäfte?

Immer mehr Firmen versprechen, sich für Mitarbeiter und Umwelt einzusetzen. Drei Beispiele aus dem Land. SEITEN 21–23

Interview

Nicht nur die Rendite zählt

Der Wirtschaftsethiker Josef Wieland erklärt, warum Unter­ nehmen sich gesellschaftlich engagieren sollten. SEITE 22

Tipps für Firmengründer

So wird Ihr Start­up ein Erfolg

Eine gute Geschäftsidee ist nicht alles. Es kommt auch auf psychologische und persönliche Faktoren an. SEITEN 24/25

IT­Sicherheit

Vorsicht, Datenklau!

Nicht kriminelle Hacker oder Spione sind der größte Risikofaktor, sondern die eigenen Mitarbeiter. SEITEN 26–29

Interview

Das Ziel aus den Augen verloren

Die Kalkulation von Baukosten ist zur Unkultur geworden, sagt Bauwirtschaft­Verbandschef Dieter Diener. SEITE 32

Fachkräfte

Schlechtes Image der Baubranche

Heinz K. Junker

Alfred Weber

Der zupackende Professor Heinz K. Junker ist keiner, der sich schnell ins Bockshorn jagen lässt. Trotz des Wirbels um Elek­ troautos und alternative Antriebe sieht er für den Verbrennungsmotor noch eine lange Zukunft. Seit fast zwei Jahrzehnten steuert der Westfale den Stuttgarter Autozulieferer Mahle. Der 64­Jährige, den Mitarbeiter anerkennend Professor titulieren, hat mit der Übernahme des Klimatisierungs­ und Kühlungsspezialisten Behr 2013 seinen größten Coup gelandet. Mahle ist damit zum viertgrößten deutschen Autozulieferer mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro und mehr als 64 000 Mitarbeitern aufgestiegen und hat sich weiteres Potenzial erschlossen. Jetzt wird mit Hochdruck an der Integration gearbeitet. Junker ist kein Zau­ derer, er entscheidet schnell, ist hart in der Sache. Der promovierte Ingenieur, der sich an der Techni­ schen Hochschule Aachen auf das Kraftfahrtwesen konzentriert und später unter anderem beim Zu­ lieferer TRW gearbeitet hat, gibt sein Wissen auch an junge Leute weiter. Seit 1994 ist er Honorar­ professor an der Ruhr­Universität Bochum. imf

Martin Peters (l.) und Heinrich Baumann

Das Familien­Duo Sie sind ein eingespieltes Team und werfen sich im Gespräch gekonnt die Bälle zu: Martin Peters und Heinrich Baumann, verschwägert, beide Jahrgang 1966, beide zwei Kinder, stehen in fünfter Genera­ tion als geschäftsführende Gesellschafter an der Spitze des Esslinger Abgasspezialisten Eberspä­ cher. Baumann, der an der TU München Elektro­ technik studiert und nach einem Zusatzstudium als Unternehmensberater bei Ernst & Young und McKinsey gearbeitet hat, übernimmt am liebsten den Part der Märkte und Produkte, Peters, der Banker und Kaufmann, den Part der Finanzen. Ihr gemeinsames Ziel: „Als Familienunternehmen langfristig selbstständig am Markt agieren zu kön­ nen.“ Bislang mit Erfolg, auch wenn das für einen mittelständischen Zulieferer mit 2,9 Milliarden Euro Umsatz und 8000 Mitarbeitern oft eine Grat­ wanderung ist – gilt es doch, hohe Investitionen zu bewältigen, ohne die finanzielle Stabilität zu schwächen. Ihr Anspruch: langfristige Wettbe­ werbsfähigkeit statt kurzfristiger Rendite. imf

Der Weitsichtige Seit fast drei Jahrzehnten arbeitet er in der Auto­ mobilindustrie, seit vier Jahren beim Ludwigs­ burger Filterspezialisten Mann + Hummel. Alfred Weber kennt die Höhen und Tiefen der Branche. Der gebürtige Saarländer, Jahrgang 1957, der in München Wirtschafts­ und Organisationswissen­ schaften studiert hat und mehr als zehn Jahre Offi­ zier der Luftwaffe bei der Bundeswehr war, kam nach Stationen bei Borg Warner zu Mann + Hum­ mel. Der Druck auf die Zulieferer habe in den letz­ ten Jahren zugenommen. Nicht nur der Kosten­ druck, auch der Qualitäts­ und Innovationsdruck, sagt er. Deshalb arbeitet Werber daran, das Risiko breiter zu streuen. Das Unternehmen mit mehr als 15 000 Mitarbeitern und 2,7 Milliarden Euro Um­ satz macht rund 15 Prozent des Geschäfts außer­ halb des Kfz­Markts. Weber will sogar auf mehr als 25 Prozent kommen. Ein Beispiel dafür ist der Aus­ bau des Wasserfiltrationsgeschäfts – ein Markt mit großem Potenzial, bei dem es um die Aufbereitung von Trinkwasser, aber auch um Prozess­ und Abwasser für die Industrie geht. imf

Die Baubranche tut sich schwer, Azubis zu finden. Dabei verschärft sich das Fachkräfteproblem künftig noch. SEITE 33

Index

Nachhaltigkeit

Upcycling statt Recycling

Der Ressourcenverbrauch der Bauwirtschaft ist zu hoch. Neue Konzepte sollen dies mittelfristig ändern. SEITE 38

Impressum

Chefredakteure Joachim Dorfs, Dr. Christoph Reisinger Leitung Michael Heller, Klaus Köster Redaktion Imelda Flaig, Werner Ludwig, Walther Rosenberger Gestaltung/Produktion Sebastian Klöpfer, Milena Lenz, Bernd Fischer, Dirk Steininger E­Mail: redaktion@wirtschaft­in­bw.de Telefon: 0711/7205–1211 und 0711/7205–7401 Internet: www.wirtschaft­in­bw.de „Wirtschaft in Baden­Württemberg“ ist ein Produkt der Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH / Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH Anzeigen Marc Becker (verantw.) Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung GmbH, Plieninger Str. 150, 70567 Stuttgart Telefon: 0711/72 05–16 03 Druck Pressehaus Stuttgart Druck GmbH, Plieninger Str. 150, 70567 Stuttgart Telefon: 0711/7205–0

Personen Assmus, Sigrid Bauernhansl, Thomas Baumann, Heinrich Berner, Fritz Berret, Marcus Bezner, Mark Bock, Kurt Braungart, Michael Bruch, Heike Denner, Volkmar Diener, Dieter Erbe, Christian Friedman, Milton Gates, Melinda Gates, Bill Geisel, Rolf Gleich, Ronald Goldhofer, Alois Götz, Mattias Grieshaber, Gabriele Grieshaber, Heinrich Hackenberg, Ulrich Hange, Michael Haußmann, Katrin Hirschberg, Jürgen Jochheim, Susanne

Unternehmen SEITE 17 8, 9 2 38 1, 7 21 16 39 11 2 32 28 23 18 18 1, 3 16 18 24, 25 18 18 8 29 14 20 20

Junker, Heinz K. Kaeser, Joe Kapler, Markus Klumpp, Matthias Koch, Olaf Kohler, Herbert Kübler, Siegfried Landwehrkamp, Lars Löbich, Stefan Maier, Clemens McDonough, William Mösle, Peter Müller, Manfred Paschen, Philipp Peters, Martin Sänger, Bernhard Scheider, Wolf­Henning Schmidt, Karsten Schoser, Michael Schwenker, Burkhard Sieber, Walter Sollors, Guido Sommer, Stefan Stroezel, Matthias Waggershauser, Mathias Weber, Alfred

SEITE 2 16 28 23 16 8 20 26 20 20 39 39 9 22 2 34 8 20 23 18 17 20 2 11 35, 36 2

Weber, Markus Weber, Thomas Weiß, Markus Werz, Wolfgang Wieland, Josef Willmann, Pirmim Wolpert, Josef Ziegler, Stephan

SEITE 12 8 20 28 22 16 20 20

Albgold SEITE 23 All for One Steeb 26 Allgaier 4/5, 6 Audi 8, 9 Automotive Lighting 4/5, 6 Baden­Württembergische Bank 20 Bär Automation 8 BASF 8, 16/17 Behr 6, 7 Bertelsmann 18 BMW 3 Borg Warner 4/5, 6 Borse 4/5, 6 Bosch 2, 4/5, 6, 7, 8, 9, 18, 20 Boysen 3, 4/5, 6 Conti 4/5, 6 Daimler 3, 8, 9 Degussa 20 Diehl 18 Dr. Maier + Partner 12 Dräxlmaier 4/5, 6 Drees & Sommer 39 Eberspächer 2, 4/5, 6 Elring Klinger 4/5, 6 Erbe Elektromedizin 28 Faurecia 4/5, 6

Fischer Automotive SEITE 20 Fresenius 18 Freudenberg 4/5, 6 Getrag 4/5, 6 Gleiss Lutz 14 Goldhofer 18 Grieshaber 18 GST 4/5, 6 H&M 21 Hella 4/5, 6 Horváth & Partners 16/17 Johnson controls 4/5, 6 Kanzlei Naegele 20 Krupp 18 KSPG 4/5, 6 LBBW, Wert8 24/25 Lewa 16/17 Magna 4/5, 6 Mahle 2, 4/5, 6, 7, 18 Mann + Hummel 2, 4/5, 6 Märklin 20 Marquardt 4/5, 6 Metro 16/17 Michelin 4/5,6 Modine 4/5, 6 Nikkiso 16/17

Odelo SEITE 4/5, 6 Olymp 21 Philip Morris 20 Porsche 9, 20 Primark 21 Procter & Gamble 20 Ravensburger 20 Recaro 4/5, 6 Schaeffler 4/5, 6, 18 SHW 4/5, 6 Siemens 16/17 SMP 4/5, 6 Solo 20 SSC Services 11 Südwestbank 20 ThyssenKrupp 4/5 TRW 1, 2, 4/5, 6, 7, 8 Valeo 4/5, 6 Volkswagen 3, 18 Witzenmann 22 Wolpert 20 Zara 21 ZF Friedrichshafen 1, 2, 4­7, 8, 18 ZF Lenksysteme 4/5, 6, 7


Wirtschaft in Baden-Württemberg 3

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

„Macht der Hersteller wächst“ Rolf Geisel, Chef des Altensteiger Abgastechnik­Spezialisten Boysen, berichtet über die Geschäftspraktiken der Autobranche. Interview

D

ie Zulieferer sind aus der Automobilbranche längst nicht mehr wegzudenken. Der Lö­ wenanteil der Wertschöpfung bei der Automobilfertigung kommt inzwischen von ihnen. Doch die hohe Wertschöpfung geht nicht zwingend mit entsprechender Wertschät­ zung einher.

Herr Geisel, die Autohersteller fahren derzeit ein Sparprogramm nach dem ande­ ren. Wie viel von dem Spardruck reicht die Industrie an die Zulieferer durch? Die Forderung der Autohersteller nach ständig sinkenden Preisen ist in unserer Branche längst gang und gäbe. Deshalb wird bei der Vergabe von Aufträgen seit langem festgelegt, dass die Preise während der Laufzeit sinken. Werden später andere Aufträge ausgeschrieben, erwarten die Hersteller oft weitere Zugeständnisse bei bereits laufenden Verträgen. Nur damit wir es richtig verstanden haben: Autohersteller schließen mit Ihnen Verträge, die sinkende Preise vorsehen, und verlangen darauf nochmals Abschläge, bevor sie weite­ re Aufträge erteilen? Jede Woche werden irgendwelche Aufträge ausgeschrieben. In dem Moment, da ich um ein VOLLBLUTUNTERNEHMER neues Projekt kämpfe, hat Rolf Geisel Seit 30 Jahren leitet Rolf Geisel ein Hersteller die Mög­ den Autozulieferer Boysen mit Sitz in lichkeit, laufende Verträ­ Altensteig bei Calw, der sich auf Abgas­ ge infrage zu stellen. Die­ technik spezialisiert hat. Seine Frau sei ser Druck wird immer auf­ „einiges gewohnt, was meinen Job an­ gebaut. geht. Als ich frisch verheiratet war, habe ich sogar öfter die ganze Woche im Mit welchem Recht? Unternehmen verbracht, zeitweise sogar Letztlich ist das eine dort geschlafen, weil ich bis nachts Machtfrage: Das Druck­ gearbeitet habe.“ Geisel stammt aus potenzial der Hersteller der Region und wohnt gerade mal sechs gegenüber ihren Zuliefe­ Kilometer von der Zentrale des Unter­ rern ist immens und nehmens entfernt, das 2150 Mitarbeiter nimmt ständig zu. beschäftigt und mehr als eine Milliarde Euro umsetzt – fast 20­mal so viel wie Was können Zulieferer vor 20 Jahren. Und der Expansionskurs dem entgegensetzen? geht weiter: Die Zahl der Standorte stieg Die Marktmacht der Her­ in den vergangenen zwei Jahren weltweit steller wächst weiter, weil von zehn auf 17. Geisel ist immer zur die einzelnen Aufträge Stelle und hat im vergangenen Jahr immer größer und immer 600 000 Flugmeilen angesammelt. kö globaler werden. Viele Hersteller, wie etwa VW, Daimler und BMW, haben längst Platt­ formstrategien etabliert. Weil sich solche Plattformen durch viele Baureihen ziehen, kämpfen Sie als Zulieferer heute um ganz andere Stückzahlen pro Auftrag. Das wis­ sen die Hersteller natürlich auch. Nehmen Sie nur den VW­Konzern mit all seinen Marken und bald zehn Millionen Fahr­ zeugen pro Jahr. Die Volumina, die da zur Debatte stehen, bringen einen Zulieferer in tiefe Abhängigkeit. Einen großen VW­ Auftrag zu verlieren, kann für einen Liefe­ ranten der Untergang sein. Wie eigenständig kann ein Zulieferer ange­ sichts dieses Drucks agieren? Die Automobilisten, wie wir die Hersteller nennen, haben Controller, die tief in Ihre Organisation hineinleuchten und Ihnen genaue Ziele vorgeben – für Lohnkosten, Maschinenstundensätze, Prozesszeiten, Materialeinsatz. Diese Targetpreise sind die oberste Maßgabe der Automobilisten, und wenn Sie diese nicht erreichen, sind Sie draußen. Bei Zulieferern wird ja nicht nur produ­ ziert – Sie entwickeln neue Komponenten, optimieren Produktionsprozesse und tüfteln nicht zuletzt Konzepte aus, wie die zugelie­ ferten Produkte sekundengenau dem Her­ steller zur Verfügung gestellt werden. Das tun wir in der Tat, aber am Ende müs­ sen Sie die Preise erreichen, die sich der Automobilist zum Ziel gesetzt hat. Innova­ tionen und Zusatzleistungen stellen Sie als Zulieferer kostenlos bereit, um nachher am Prozess beteiligt zu sein. Sie sagen, auch die kalkulierten Lohnkosten werden von den Autoherstellern vorgegeben. Sind diese am Standort Deutschland einzu­ halten? Die Boysen­Philosophie lautet seit jeher: dort, wo das Abgassystem eingebaut wird, wird es auch hergestellt. Das heißt: wird ein Abgassystem in Deutschland eingebaut, wird es auch hier hergestellt, und zwar zu 100 Prozent. Dieses System hat sich seit 25 Jahren bewährt, denn dadurch können wir hoch automatisierte, sehr stabile Pro­ zesse erreichen und vermeiden Teile­Tou­ rismus. Heute muss ich allerdings feststel­ len, dass wir eine Schwelle erreicht haben, bei der wir die Zielkosten der Hersteller beim besten Willen nicht mehr mit einer Komplettproduktion in Deutschland errei­ chen können. Was bedeutet das für die Arbeitsplätze in Deutschland?

nach drei Jahren meist schon die nächste Preisrunde beginnt, weil dann das Modell aufgefrischt wird. Der Auftrag für die erste Modellgeneration reicht aber ohnehin bei weitem nicht aus, damit sich das Invest­ ment rentiert. Die Hersteller gestehen uns in ihrer Kalkulation eine Amortisationszeit von zehn bis zwölf Jahren zu. Wenn also nach einigen Jahren über die Nachfolge­ generation des jeweiligen Modells ent­ schieden wird, haben wir einen enormen Druck, auch den Folgeauftrag zu bekom­ men. Daher kann der Hersteller die Schraube noch weiter zudrehen.

Bisher galt für uns: wenn man es in Deutschland perfekt angeht, ist man im­ mer noch wettbewerbsfähig gegenüber Polen, obwohl ich dort nur mit Lohnkosten von 15 Euro einschließlich Lohnnebenkos­ ten kalkulieren muss. Doch um künftig die vorgegebenen Kosten noch darstellen zu können, werden wir auch für die Beliefe­ rung deutscher Autofabriken nach Tsche­ chien, Polen und Rumänien gehen müssen. Ansonsten verlieren wir Aufträge und da­ Um in Vorleistung zu gehen, brauchen Sie mit Arbeitsplätze, und das ist nicht unsere viel Geld. Wie erwirtschaften Sie dieses Maxime. Wir müssen versuchen, einen angesichts des Kostendrucks? Kostenmix hinzubekommen und so wett­ Neben Entwicklung und Logistik ist in den bewerbsfähig zu bleiben – eine andere vergangenen Jahren auch die Finanzierung Chance haben wir nicht. Je des Geschäfts immer mehr auf besser das gelingt, desto bes­ „Zulieferer stellen die Zulieferer übertragen wor­ ser ist es für die Arbeitsplätze. Innovationen den. Deshalb vollziehen wir hier einen täglichen Spagat. kostenlos bereit, Andererseits aber gilt Deutsch­ Die Umsatzrenditen der Zu­ land nach wie vor als hoch um später an lieferer liegen im Branchen­ produktiver Standort. Fällt der Produktion durchschnitt zwischen drei das heute gar nicht mehr ins beteiligt zu werden.“ und fünf Prozent. Und weil Gewicht? steigende Umsätze immer mit Durchaus – und die Automo­ Rolf Geisel, neuen Preisforderungen der bilisten wissen genau, dass Boysen­Chef Hersteller verbunden sind, auch in Polen nicht alles Gold geht Wachstum zulasten der ist, was glänzt. Andererseits aber holt das Rendite. Hinzu kommt, dass technische Ausland beim Thema Produktivität inzwi­ Vorsprünge höchstens noch ein bis maxi­ schen mächtig auf. Und die hohen Kosten mal drei Jahre genutzt werden können. für Energie und Sozialreformen in Auf diesem schmalen Grat müssen Sie sich Deutschland laufen genau dem entgegen, bewegen. was die Hersteller von uns erwarten. Als Zulieferer müssen wir Wege finden, diese Wie sehen Sie in dieser Situation die Rolle Lasten zu stemmen, weil wir das Auto zum der Banken? Wir haben seit jeher das Zwei­Banken­ Großteil produzieren. Prinzip. Bei den Finanzierungskonditio­ Sie haben schon heute Werke in aller Welt nen spielen auch das Rating und die Bran­ und erst vor einigen Monaten ein neues in che eine wichtige Rolle. Die Zulieferer sind den USA eröffnet, das für die Mercedes­C­ keine geliebte Branche – die Renditen sind Klasse ausgelegt ist. Welche Erfahrungen knapp, die Abhängigkeit von den Herstel­ machen Sie mit der Produktion im Ausland? lern groß. Hinzu kommt, dass unsere Ban­ Die Produktion funktioniert, weil wir die ken nur Sicherheiten in Deutschland gel­ Prozesse weltweit absolut standardisiert ten lassen, inzwischen aber mindestens haben. In jedem Werk wird auf identische 50 Prozent unserer Investitionen ins Aus­ Weise gearbeitet. Nur so erreichen wir die land gehen. Somit brauchen wir hohe deut­ extrem niedrige Fehlerquote von nur noch sche Sicherheiten, um die Expansion im 50 Ausschussteilen pro Million. Das wäre Ausland finanzieren zu können. Man muss bei einem höheren Anteil Handarbeit und schon aufpassen, nicht Leibeigener der bei unterschiedlichen Prozessen in den Banken zu werden. Werken nicht annähernd zu erreichen. Ist es für die Finanzierung hilfreich oder hin­ Bei der globalen Expansion gehen Sie für die derlich, dass Boysen ein Stiftungsunterneh­ Hersteller in Vorleistung und errichten im men ist? Vertrauen auf eine gute Auslastung durch Wir sind seit 1997 eine Doppelstiftung und den jeweiligen Autobauer ganze Werke. haben nur ein Ziel: Boysen überlebensfähig Welches unternehmerische Risiko tragen Sie zu halten. Anders als bei börsennotierten Firmen steht bei uns nicht die Rendite im dabei? Aufträge für eine Modellgeneration laufen Vordergrund. Alles, was wir erarbeiten, meistens sechs oder sieben Jahre, wobei wird ins Unternehmen gesteckt, um

Arbeitsplätze zu erhalten und uns wettbe­ werbsfähig für die Zukunft zu machen. Da­ mit können wir die Leute schon begeistern. Sie arbeiten vor allem für die Oberklasse­ Hersteller Daimler, BMW und Audi. Ist es für Sie vorstellbar, auch einmal chinesische Hersteller zu beliefern? Solange ich mit meinen Hauptkunden Wachstum habe, werde ich meine Leute nicht zu chinesischen Herstellern schi­ cken. Die Gefahr, dass langfristig viel Know­how abfließt, ist groß. Außerdem will der Chinese, der richtig Geld hat, einen Mercedes, BMW oder Audi und keinen chi­ nesischen Nachbau. Das Gespräch führten Imelda Flaig und Klaus Köster.

Boysen­Chef Geisel: Zulieferer bewegen sich auf schmalem Grat. Foto: Peter­Michael Petsch


4 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Ohne Zulieferer läuft nichts

4

1

7

BOYSEN

Abgastechnik Komplette Abgasanlagen, Rohr­ krümmer, Katalysatoren, Partikelfilter, Schall­ dämpfer, Abgasklappen und Endrohrblenden

Fahrerassistenz­/Sicherheitssysteme Unter anderem Notbremsassistenten, ABS, ESP, Einparkhilfen, Fußgängerschutz, Abstands­ und Geschwindigkeitsregler, Multimedia Elektronik­Komponenten Unter anderem Sen­ soren und Steuergeräte

Die Stuttgarter Glockengießerei Kurtz machte den Anfang: Vor 130 Jahren belieferte sie Gottlieb Daimler mit Gussteilen für dessen Verbrennungsmotor mit liegendem Zylinder. Die Idee, dass Autohersteller nicht alles selbst machen müssen, hat seither einen stürmischen Aufschwung genommen. Inzwischen wird ein Großteil der Wertschöpfung der Branche von spezialisierten Firmen erbracht – einschließlich Entwicklung und minutengenauer Anlieferung. Auf dieser Seite zeigen wir, welche Teile und Komponenten eines Fahrzeugs von ausgewählten Zulieferern produziert werden. Von Imelda Flaig und Walther Rosenberger

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BOSCH

Antriebstechnik Diesel­ und Benzineinspritz­ systeme, Antriebssysteme für Plug­in­Hybrid und Elektrofahrzeuge

Wer liefert was

Autoland Nummer eins In Baden­Württemberg erwirtschaftet die Autobranche knapp 88 Milliarden Euro Umsatz und damit jeden vierten Euro. Nir­ gendwo sonst ist der Fahrzeugbau so stark vertreten wie hier.

Wirtschaft in Baden-Württemberg 5

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

6

8

CONTINENTAL

Reifen und technische Kunststoffe Bremssysteme Komponenten für Antrieb und Fahrwerk z. B. Einspritzsysteme Fahrzeugelektronik z. B. Steuergeräte Instrumentierung und Infotainment z. B. Schei­ benprojektion (head­up), Navigationssysteme

BROSE

Bordnetze Mehrspannungs­ und Hochvolt­ bordnetze sowie HV­Batteriesysteme.

Mechatronik Komponenten wie Fensterheber, Heckklappenantriebe, Schließsysteme

9

EBERSPÄCHER

Abgasanlagen

Thermomanagement z. B. Standheizungen Elektronische Steuergeräte

3

ALLGAIER

Blechteile z. B. Karosserieteile

BORG WARNER

Motorteile z. B. Glühkerzen, Zündspulen, Teile für Turbolader

Kraftstoffbehälter

10 ELRING KLINGER

Spezialdichtungen Zylinderkopfdichtungen

Über 10 000 Teile pro Fahrzeug Von A wie Auspuff bis Z wie Zündkerze: Ein Pkw besteht heute aus mehr als 10 000 Teilen. Ohne Zulieferer läuft dabei nichts. Auf sie entfallen etwa 75 Prozent der Wertschöpfung.

2

Kunststoffteile Gehäusemodule, Komponen­ ten aus Hochleistungskunststoffen Abgasnachbehandlungssysteme z. B. Diesel­ partikelfilter Abschirmteile

AUTOMOTIVE LIGHTING

Beleuchtung Frontscheinwerfer, Heckleuchten

Über 240 direkte Zulieferer Autobauer beziehen die allermeisten Teile von spezialisierten Firmen. Im Südwesten sitzen über 240 direkte Zulieferer, die ihrerseits Hunderte Zulieferer haben.

15

24

33 ZF FRIEDRICHSHAFEN Getriebe

14

Weitere Antriebs­ und Fahrwerkskomponen­ ten z. B. Stoßdämpfer und Kupplungen, Achs­ systeme

16 30

32 ZF LENKSYSTEME

11

9

18

5

25

8 21

Lenkungen Hydraulische und elektromechani­ sche Systeme

31

DRÄXLMAIER

Ausstattung Mittelkonsolen, Türverkleidungen und Instrumententafeln sowie komplette Tür­ und Cockpit­Module.

6

31

VALEO

Wischersysteme Schalter und Sensoren

30 TRW

2

3 10

Sicherheitssysteme wie Airbags, Sicherheits­ gurte

7

4 22

13 17 19

Lenkungen, Lenkräder Bremsen

23 26

29 THYSSENKRUPP

29

Motorkomponenten wie z. B. Nockenwellen Lenkungsteile wie Lenkwellen, Lenksäulen, Lenkgetriebe Karosserieteile aus Stahl Fahrwerksteile z. B. Federn, Dämpfer

Das abgebildete Auto steht stellvertretend für den Fahr­ zeugbau; nicht jeder Lieferant beliefert dieses Modell. Auch bei den zugelieferten Produkten haben wir eine Auswahl getroffen. In der Zeichnung berücksichtigen wir beispielhaft die in Rot geschrie­ benen Komponenten der Zulieferer. Illustration: Daimler

20 32 33

12

16 JOHNSON CONTROLS

1

Innenausstattung Autositze, Dachhimmel, Mittelkonsolen, Türverkleidungen, Instrumen­ tentafeln

27

28 SMP

Exterieur Seitenschweller, Frontend­Module Abgassysteme einschließlich Katalysatoren, Abgasreinigungssysteme

12 FREUDENBERG

Vibrationsschutz z. B. Airbagtilger gegen Lenkradvibrationen, Luftfedern, hydraulische Motorlager zur Schwingungsdämpfung, Anschlagpuffer für Stoßdämpfer Dichtungen Spezialschmierstoffe Filter

13 GETRAG 20 MANN + HUMMEL

Karosserien und ­teile z. B. Leichtbau­Karosse­ rien, Verkleidungsteile Interieur Cockpits und Armaturentafeln, Tür­ verkleidungen, Innen­ und Laderaumverklei­ dungen

Filter Luftfilter, Ölfilter, Kraftstofffilter

28

21 MARQUARDT

27 SHW

Fahrberechtigungssysteme Elektronische Schlüssel, Zündstartschalter, elektronische Lenkungsverriegelungen, Keyless­Systeme

Bremsscheiben Öl­ und Kraftstoffpumpen

Bedienkomponenten Sitzverstellschalter, Lichtdrehschalter, Bedieneinheiten für Lenkrä­ der, Multifunktionsschalter, Gangwahlschalter, Touchpad

26 SCHAEFFLER Komponenten für den Antriebsstrang Kupp­ lung, Getriebekomponenten

FAURECIA

Innenausstattung Autositze ,Türverkleidungen, Cockpits, Mittelkonsolen

Batterien für Hybrid­ und Elektrofahrzeuge, Bleibatterien

Stoßfängermodule

Turbolader

11

25 RECARO Fahrzeugsitze

24 ODELO

Beleuchtung Heck­ und Zusatzbremsleuchten, LEDs

23 MODINE

Thermomanagement z. B. Ladeluft­ und Ölkühler

22 MICHELIN Reifen

17 KSPG

Motorkomponenten Kolben, Gleitlager, Motor­ blöcke aus Aluminium

18 MAGNA

Kraftstofftanks

19 MAHLE

Motorkomponenten z. B. Nockenwellen, Venti­ le, Kolben und Zylinderkomponenten, Ölpum­ pen, Aufladesysteme mit Abgasturbolader und Ladeluftkühlung Öl­ und Kraftstofffilter Thermomanagement Kühler, Klimaanlagen

Getriebe Handschaltgetriebe, Doppelkupp­ lungsgetriebe, Hybridgetriebe Range Extender (zur Reichweitenverlängerung beim Elektroauto)

14 GST

Sicherheit Airbagsäcke und Airbaggewebe

15 HELLA

Beleuchtung Innenleuchten und Lichttechnik­ systeme Elektronikkomponenten z. B. Regen­Licht­ Sensoren


6 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Wichtige Automobilzulieferer in Baden­Württemberg Unternehmen

Ausgewählte Standorte in BW

Konzernumsatz Mitarbeiter 2013 weltweit

Mitarbeiter in BW

Allgaier

Uhingen

330 Mio. €

1700

1130

Automotive Lighting

Reutlingen

2,5 Mrd. €

15 800

750

Borg Warner (USA)

Bretten, Heidelberg, Ketsch, Ludwigsburg, Markdorf, 5,5 Mrd. € Esslingen

19 700

keine Angaben

Bosch ²

Gerlingen, Abstatt, Bühl/Bühlertal, Leonberg, Schwieberdingen, Stuttgart, 30,6 Mrd. € ¹ Waiblingen, Plochingen, Reutlingen.

178 260 ¹

48 500

Boysen

Altensteig, Simmersfeld

1,1 Mrd. €

2150

920

Brose

Rastatt, Sindelfingen

5,0 Mrd. €

22 000

300

Continental

Eislingen, Markdorf, Villingen

33,3 Mrd. €

186 000

2100

Dräxlmaier

Böblingen, Hemmingen, Holzgerlingen

2,9 Mrd. €

50 000

keine Angaben

Eberspächer

Esslingen, Renningen, Göppingen, Schwäbisch Gmünd

2,9 Mrd. €

8000

1250

Elring Klinger

Dettingen/Erms, Bietigheim­Bissingen, Lenningen, Rottenburg, Heidenheim

1,2 Mrd. €

6990

2500

Faurecia (F)

Böblingen, Herrenberg, Heilbronn, Neuenstadt, 18 Mrd. € Offenau, Rastatt, Renningen

97 500

700

Freudenberg

Balingen, Görwihl­Oberwihl, Hirschberg, Laudenbach, 1,6 Mrd. € ¹ Neuenburg, Öhringen, Weinheim, Zwingenberg

40 000

6000

Getrag

Untergruppenbach, Neuenstadt, St. Georgen, Neuenstein, Rosenberg

3,2 Mrd. €

13 200

2300

GST (Global Safety Textiles)

Murg, Bad Säckingen, Maulburg

226 Mio. €

3900

340

Hella

Wembach, Nellingen, Ihringen, Schwäbisch Hall

5,3 Mrd. €

30 000

über 1000

Johnson Controls

Böblingen, Neuenburg, Rastatt, Remchingen, Sindelfingen, Waghäusel, Kirchheim

21,1 Mrd. € ¹

100 000 ¹

über 2000

KSPG (Kolbenschmidt Pierburg)

Neckarsulm, St. Leon­Rot, Neuenstadt a. Kocher, Asperg, Walldürn

2,5 Mrd. €

11 750

3200

25,6 Mrd. €

125 000

245

Magna (kanad.­österreich.) Schwäbisch Gmünd

MANNHEIM

Mahle (inklusive Behr)

rund 10 Mrd. € (Erwartung für 2014, wenn 64 345 Behr erstmals voll konsolidiert wird)

rund 11 000

Mann + Hummel

Ludwigsburg

2,7 Mrd. €

15 200

1600

Marquardt

Rietheim­Weilheim, Böttingen

720 Mio. €

6935

rund 2000

Michelin (F)

Karlsruhe

20,3 Mrd. €

111 200

1160

Modine (USA)

Filderstadt, Pliezhausen

1,2 Mrd. €

6600

660

Odelo

Schwaikheim, Geislingen, Oberrot

231 Mio. €

1430

560

Recaro

Kirchheim/Teck

124 Mio. €

935

275

Schaeffler

Lahr, Bühl (Tochter LuK)

11,2 Mrd. €

79 000

mehr als 6000

SHW

Aalen­Wasseralfingen, Bad Schussenried, Tuttlingen, 336 Mio. € Neuhausen ob Eck

1000

1000

SMP (Samvardhana Motherson Peguform/GB)

Bötzingen, Offenau

10 000

1230

TRW (USA) ³

Alfdorf, Radolfzell

12,8 Mrd. €

65 000

2535

Valeo (F)

Bietigheim­Bissingen

12,1 Mrd. €

77 000

2200

ZF Lenksysteme ²

Schwäbisch Gmünd, Bietigheim

4,1 Mrd. €

13 100

5800

ZF Friedrichshafen ³

Friedrichshafen, Kressbronn 16,8 Mrd. €

72 600

8500

¹ nur Kraftfahrzeuggeschäft ² Bosch kommt nach der geplanten 100­prozentigen Übernahme von ZF Lenksysteme auf 34,7 Mrd. € Umsatz im Kraftfahrzeuggeschäft und weltweit 191 360 Mitarbeiter ³ Nach der geplanten Übernahme von TRW kommt ZF Friedrichshafen auf 29,6 Mrd. € und weltweit 137 600 Mitarbeiter Ausgewählte Unternehmen und Standorte; kein Anspruch auf Vollständigkeit Quelle: Unternehmensangaben, Verband der Automobil­ industrie, Statistisches Landesamt, eigene Recherchen

Baden­Württemberg ist Auto­ und Zulieferland. Doch anders als bei den Herstellern gibt es im Zuliefer­Universum Hunderte Firmen, die überall im Land verstreut sind. Die Grafik mit ausgewählten Zulieferern gibt wichtige Hinweise, wie schlagkräftig die Branche wo im Land ist. Standorte

Albershausen/Eislingen, Fellbach, Gaildorf, Kornwest­ heim, Leibertingen, Lorch, Markgröningen, Mühlacker, Öhringen, Pforzheim, Rottweil, Schorndorf, Stuttgart Schwäbisch Hall, Wernau, Vaihingen/Enz, Zell im Wiesental.

1,9 Mrd. €

Orientierung im Zuliefer­Universum

MAIN-TAUBER-KREIS NECKAR-ODENWALD-KREIS

HEIDELBERG

RHEINNECKARKREIS HEILBRONN

KARLSRUHE

HEILBRONN

SCHWÄBISCH HALL

ENZKREIS LUDWIGSBURG PFORZHEIM

REMS-MURRKREIS

CALW

RASTATT

BÖBLINGEN ESSLINGEN

FREUDENSTADT

Daten In der Auswahl sind wichtige Zuliefer­Standorte im Land berücksichtigt – unabhängig davon, wo das jeweilige Unternehmen seinen Sitz hat. Red

OSTALBKREIS

STUTTGART

BADENBADEN

DIE RANGLISTE

HOHENLOHEKREIS

HEIDENHEIM

ALB-DONAU-KREIS

TÜBINGEN

ORTENAUKREIS

GÖPPINGEN

ULM

REUTLINGEN

Mitarbeiter < 500 500 - 1000

ROTTWEIL

ZOLLERNALBKREIS

1000 - 2000 2000 - 5000

EMMENDINGEN

5000 - 9000 9000 - 15000

SCHWARZWALDBAAR-KREIS

FREIBURG

BIBERACH

> 15000

SIGMARINGEN

TUTTLINGEN

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD

KONSTANZ

RAVENSBURG

WALDSHUT

Repro: WiZe

LÖRRACH

BODENSEEKREIS

StZ-Grafik: M. Zapletal

Quelle: Unternehmensangaben, Wirtschaftswoche


Wirtschaft in Baden-Württemberg 7

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Die Kostenschere öffnet sich Die Schlüsselbranche ist heute mehr denn je auf den Weitblick der Entscheider angewiesen. Von Marcus Berret Analyse

D

ie Bedeutung der Automobil­ industrie für Baden­Württem­ berg könnte größer kaum sein. Die annähernd 300 hier behei­ mateten Unternehmen beschäf­ tigen mehr als 220 000 Mitarbeiter vor Ort. Damit ist mehr als jeder vierte Beschäftigte der deutschen Automobilindustrie in Ba­ den­Württemberg tätig. Und in keinem an­ deren Bundesland prägen dabei die Zuliefe­ rer das Bild derart stark wie in Baden­Würt­ temberg. Dies gilt für weltweit führende Großunternehmen wie Bosch, ZF Fried­ richshafen oder Mahle genauso wie für die vielen mittelgroßen und kleineren Betriebe. Umso wichtiger die Frage, wie es um die Zulieferer steht – und natürlich, wie es in den nächsten Jahren weitergehen wird. Ein kurzer Blick zurück. Seit 2010 laufen die Geschäfte der meisten Zulieferer blen­ dend. Die Umsätze stiegen nach der über­ standenen Finanzkrise auf ein nie da gewe­ senes Rekordniveau. Und auch die Umsatz­ rendite lag konstant bei nahezu sieben Prozent – und damit auf einem Niveau, wel­ ches in den letzten Jahrzehnten nur sehr selten erreicht wurde. Ein Grund für diese positive Entwicklung ist der konstant wachsende Fahrzeug­Weltmarkt und insbesondere das rasante Wachstum der Fahrzeug­ verkäufe in China. Die ba­ den­württembergischen Zulieferer mit ihrer ho­ hen Exportquote konn­ ten davon überdurch­ schnittlich profitieren Produkt­Check: trotz Kostendruck muss und damit das nach wie die Qualität stimmen. Fotos: Mahle, Zweygarth vor schwache Geschäft in Westeuropa mehr als aus­ gleichen. Zum anderen hat sich die techni­ sche Qualität vieler in der Welt gebauter Fahrzeuge erhöht, insbesondere durch den staatlich verordneten Druck zur CO2­Redu­ zierung. Auch hiervon konnten die innova­ tiven heimischen Zulieferer überproportio­ nal profitieren. Ganz so sorgenfrei werden sich die nächsten Jahre allerdings nicht gestalten. Im Wesentlichen sind es fünf große He­ rausforderungen, die den Management­ Teams vieler Zulieferer den Schweiß auf die Stirn treiben.

1.

3.

Steigender Kostendruck durch die Hersteller

Es ist damit zu rechnen, dass der Kosten­ druck durch die Kunden der Zulieferer – die Fahrzeughersteller – weiter steigt. Alle Hersteller haben in den letzten Monaten bereits neue Sparprogramme angekündigt und gestartet – und diese treffen natürlich immer auch die Zulieferer. Letztendlich ist dies keine neue Situation, sondern geübte Praxis. Dennoch wird es für viele Zulieferer

gerade in margenschwächeren Produkt­ bereichen von Sparrunde zu Sparrunde immer schwieriger, eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften.

4.

Eingetrübte Marktaussichten

Die Rolle chinesischer Eigentümer

In den letzten zwei bis drei Jahren ist eine neue Art von Wettbewer­ bern entstanden: zahlreiche mittelständische europäische und deutsche Zulieferer wur­ den und werden von chine­ sischen Investoren auf­ gekauft. Die gekauften Unternehmen wachsen durch die besseren Zu­ gänge zum wich­ tigen chinesi­ schen Markt sowie durch den Zugang zu großen finanziellen Mitteln deutlich schneller als der Rest der Zuliefe­ rer. Mittelfristig wird dies eine Verschie­ bung der Marktanteile in einigen Produkt­ segmenten zur Folge haben.

5.

Technologische Herausforderungen

Eine fünfte Herausforderung sind die bei­ den großen technologischen Megatrends:

DIE RENDITE DER ZULIEFERER IM ZEITABLAUF Entwicklung der Umsatzrendite (EBIT/Umsatz) der weltweiten Automobilzuliefererindustrie (in Prozent) 7

6,1

6

6,9

6,4

6,5

6,5*

5,3

5 4 3

3,1

2

2,0

1

Die weltweiten Marktaussichten trüben in den letzten Wochen und Monaten ein. Während sich der nordamerikanische Markt recht stabil entwickelt, schwächt sich das Wachstum in wichtigen Wachs­ tumsmärkten eher ab. Dies gilt beispiels­ weise für China, den inzwischen größten Fahrzeugmarkt der Welt. Vor dem Hinter­ grund der aktuellen Ukraine­Krise schrumpft der russische Markt deutlich. Gleiches ist – wenn auch aus komplett an­ deren Gründen – in Südamerika zu beob­ achten. Der westeuropäische Markt ist sta­ bil und wird weiter leicht zulegen – aber das alles immer noch auf sehr niedrigem Niveau. Denn durch den Markteinbruch im Zuge der Finanzkrise und der darauf fol­ genden Euro­Krise war das Absatzvolumen in Westeuropa deutlich geschrumpft und bewegt sich 2014 nur knapp über dem Niveau von 1994. In der Folge heißt das, dass sich die Unternehmen schon jetzt auf die etwas härteren Zeiten in den nächsten Jahren einstellen müssen.

2.

der Lage sein, ein bestimmtes Fahrzeugteil in verschiedenen Werken auf mehreren Kontinenten in gleicher Qualität und ohne Zeitverzug zu ähnlichen Kosten liefern zu können. Für große Zulieferer ist dies noch relativ leicht zu bewerkstelligen, da sie häu­ fig bereits seit vielen Jahren 100 Standorte oder mehr weltweit betreiben. Aber für viele kleinere Zulieferer im stark mittelständisch geprägten Südwesten ist dies ein wirklicher Kraftakt. Zahlreiche Unternehmen werden schlichtweg nicht ausreichend Finanz­ und Managementkraft aufbringen können. Ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma be­ steht in der Bildung von Kooperationen und Partnerschaften mit anderen Zulieferern. Dieser verstärkte Globalisierungsdruck wird – in Verbindung mit den schwachen Wachstumsaussichten für den europäi­ schen Markt – mittelfristig auch dazu füh­ ren, dass die Zahl der beschäftigten Mit­ arbeiter in den baden­württembergischen Standorten stagnieren bzw. leicht sinken wird. Dies gilt gleichermaßen für die Pro­ duktion wie auch für Entwicklung und Ver­ waltung.

2001

1,7

2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010

StZ-Grafik: jev

Produktion rund um den Globus

Die Fahrzeughersteller verlangen von ihren Zulieferern zunehmend, weltweit aus loka­ ler Produktion beliefert zu werden. Dies be­ deutet, dass ein Zulieferer heute und in Zu­ kunft über einen weltweiten Produktions­ und Entwicklungsverbund verfügen muss. Mit anderen Worten: der Zulieferer muss in

*geschätzt

2011

2012

2013*

Quelle: Roland Berger Strategy Consultants

der weiter steigende Druck zur CO2­Reduzierung auf der einen Seite sowie das Aufkommen intelligen­ ter Fahrerassistenzsysteme – bis hin zum teil­ oder vollautonomen Fahren – auf der anderen Seite. Beide Trends führen zu großen Verwerfungen in der automobilen Wertschöpfungskette. Dies bedeutet nicht automatisch weniger Geschäft für die Zu­ lieferer. Ganz im Gegenteil: wer rechtzeitig auf die richtigen Produkte setzt, wird sogar stark von den Trends profitieren. Doch Unternehmen, die sich nicht aktiv um die langfristige Stabilität ihres Produktport­ folios kümmern, können heute deutlich schneller von der Bildfläche verschwinden, als dies früher noch der Fall war. Doch trotz all dieser und noch zahlrei­ cher weiterer Herausforderungen muss den baden­württembergischen Zulieferer­ unternehmen nicht bange werden. Die technologische Substanz und die Inno­ vationskraft der hiesigen Unternehmen suchen weltweit ihresgleichen. In keiner anderen Region der Welt sitzt eine so große Zahl höchst qualifizierter Experten auf derart engem Raum beisammen. Und in keiner anderen Region der Welt werden folglich derart viele wegweisende Inno­ vationen sprichwörtlich auf die Straße gebracht. Allerdings darf dieser beneidenswerte Startpunkt nicht den Blick auf die notwen­ digen Anpassungen verschleiern: schlanke und höchst flexible Kostenstrukturen, Exzellenz in allen Funktionsbereichen, weltweite Präsenz und ein auf die großen Trends der Automobilindustrie ausgerich­ tetes Produktportfolio. Stärker denn je wird der Weitblick der Eigentümer, der Führungsmannschaft sowie der Mitarbei­ ter auf allen Ebenen die Zukunftsfähigkeit der baden­württembergischen Zulieferer­ unternehmen bestimmen.

Bestmarken haben ihren Preis: Der DEKRA Award 2014

bis lich e m ög ah Teiln 2014 m er b o t k 7. O

GESUNDHEIT Fokus 2014: Gesunde Arbeit mit notwendigen Auszeiten

UMWELT Fokus 2014: Produktion und Design ohne Schadstoffe

Der Autor Marcus Berret ist Partner und Leiter des Auto­ mobilgeschäfts der Unter­ nehmensberatung Roland Berger in Deutschland. Außer­ dem ist er stellvertretender Vorsitzender des Aufsichts­ rats. Er steuert das weltweite Geschäft des Unternehmens mit Automobilzulieferern und berät mehr als 100 Kunden rund um den Globus. Die Hälf­ te der 50 größten Zulieferer der Welt hat er in den vergan­ genen Jahren beraten. Berret hat in Hohenheim und Paris Wirtschaftswissenschaften studiert und war für mehrere Industriekonzerne tätig. Die Branche Im Südwesten ist derzeit eine Welle der Konsoli­ dierung im Gang. Im Mai 2013

Foto: Roland Berger

ZUR PERSON & ZUR BRANCHE

Marcus Berret übernahm der Stuttgarter Motorkomponenten­Herstel­ ler Mahle die Mehrheit am Kühlungs­ und Klimaspezialis­ ten Behr. Erklärtes Ziel ist es, Märkte besser zu erschließen, neue Produkte schneller zu entwickeln und Synergien zu heben. Mitte September 2014

kündigte dann ZF aus Fried­ richshafen an, den ähnlich gro­ ßen US­Autozulieferer TRW zu kaufen, um sich Zugriff auf dessen Technologien im Elek­ tronik­Bereich zu sichern und die für die weltweite Expansion erforderliche Größenordnung zu erreichen. Aus kartellrecht­ lichen Gründen verkaufte ZF seinen 50­Prozent­Anteil am Schwäbisch Gmünder Unter­ nehmen ZF Lenksysteme an den bisherigen Partner Bosch, der darin eine ideale Ergänzung seines Produktspektrums sieht. „Bisher konnten wir schon Gas geben und brem­ sen. Jetzt können wir auch noch lenken“, sagte Bosch­ Kfz­Chef Wolf­Henning Scheider bei der Bekanntgabe der Transaktion. kö

Machen Sie Ihre Qualität sichtbar. Bewerben Sie sich bis zum 7. Oktober 2014 um den DEKRA Award, der gemeinsam von der WirtschaftsWoche und DEKRA verliehen wird. Mehr Informationen unter www.dekra-award.de

Medienpartner:

SICHERHEIT Fokus 2014: Integration ausländischer Mitarbeiter


8 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Illustration: Oliver Biwer

Noch ist das Auto, das sich selbst steuert, eine Vision. Doch die technolo­ gische Entwicklung schreitet rasant voran. Die größten Hürden liegen heute nicht mehr im technischen, sondern im rechtlichen Bereich. Die Frage ist, wer haftet, wenn die Elektronik mal einen Fehler macht.

Wohin die Reise geht

Die Autobranche ist massiv im Umbruch – Technologiesprünge gibt es beim Fahrzeug selbst, bei dessen elektronischer Kommunikationsfähigkeit und nicht zuletzt bei den immer flexibler werdenden Produktionsverfahren. Wir zeigen die wichtigsten Trends der Branche und die Rolle, die Zulieferer aus Baden­Württemberg dabei spielen. Von Walther Rosenberger und Michael Gerster Innovationen

L

eichtbau: Leichtbauteile halten besonders in der Automobilindust­ rie immer stärker Einzug – der Vormarsch des Elektroantriebs – vor allem in Form von Hybrid­ antrieben – macht das nötig. Denn die bis­ her begrenzte Reichweite des Elek­ troantriebs lässt sich durch Gewichtsein­ sparungen beim Fahrzeug erweitern. Bis 2020 wird der Leichtbau­Markt nach Schätzungen auf 140 Milliarden Euro welt­ weit anwachsen. In Baden­Württemberg arbeiten Forschungsinstitute, Maschinen­ bauer, Materialhersteller und Unterneh­ men der Auto­ und der Luftfahrtbranche an dem Thema. Allerdings hapert es bisher an der Koordinierung und Netzwerkbil­ dung unter den Firmen. Die Landschaft ist so unübersichtlich, dass sinnvolle Koope­ rationen unterbleiben, weil potenzielle Partner nicht voneinander wissen. Dies soll nun durch die 2013 gegründete Landes­ agentur für Leichtbau anders werden, de­ ren Träger das Wirtschafts­ und das Wis­ senschaftsministerium sind. Im Unter­ schied zu ähnlichen Institutionen in anderen Bundesländern sieht sich die Agentur als Schaltstelle mehrerer Indus­ trien – außer der Autobranche auch von Luftfahrtunternehmen, Textilfirmen oder dem Bau­ und Architekturbereich. Der übergreifende Austausch von Wissen soll den Standort nach vorn bringen.

Produktion der Zukunft „Losgröße 1“ lautet die Zukunftsvision, die die Produktionsplaner in der Automobil­ industrie umtreibt. Der Trend zur Indivi­

DIE STUFEN DES AUTONOMEN FAHRENS Experten gehen davon aus, dass die Vision vom selbstfahrenden Auto in den kommenden Jahren Schritt für Schritt zur Realität wird.

Parkplatzsuche Schon kommendes Jahr will Bosch einen Assistenten auf den Markt bringen, der das Auto selbstständig durch ein Parkhaus zur Lücke navigiert.

Einparken & mehr Schon heute können elektronische Helferlein ein Auto in die Parklücke lotsen, bei Gefahr bremsen oder auf der Autobahn die Spur halten.

Autobahnfahrten Etwa von 2020 an sollen dank Autopilot auch Autobahnfahrten mit höheren Geschwindigkeiten möglich sein.

Langsames Fahren Als Nächstes folgen Fahrten bei geringen Ge­ schwindigkeiten unter 30 km/h, wie es die Mercedes S­Klasse mit „Intelligent Drive“ im Stau auf Autobahnen bereits kann. Aller­ dings muss der Fahrer hier noch jederzeit eingreifen können.

Fahrerloses Fahren Das ist der letzte Schritt. „Automatisiertes Fahren von Stadt zu Stadt in kom­ plexen Verkehrsbedingungen wird wohl in Serie erst 2025 möglich sein“, sagt Wolf­Henning Scheider, Chef der Kraftfahrzeugsparte des Bosch­Konzerns. mig

dualisierung des Automobils wird an der über MP3­Streaming per Bluetooth. Zu­ Universität Stuttgart schon durchgespielt. dem gibt es optional Schnittstellen für Gefördert durch 30 Millionen Euro Bun­ WLAN und das schnelle mobile Internet desmittel und mit Unterstützung von Fir­ LTE. Dafür benötigt wird lediglich eine men wie Daimler, Bosch, BASF oder Bär zweite SIM­Karte. Automation entsteht auf dem Universitäts­ Doch setzen sich auf Dauer die eigenen campus im Stadtbezirk Vaihingen die Are­ Lösungen der Autobauer durch? Oder na 2036. In dieser Zukunftsfabrik sind machen am Ende Google und Apple das Fließbänder und Taktzeiten abgeschafft Rennen, weil es für den Nutzer am Ende und durch Arbeitsstationen ersetzt, die von nur darum geht, ob sein Smartphone mit Robotern automatisch angesteuert wer­ dem Auto kompatibel ist? Dass bei dem den. In der Zukunftsfabrik ist alles ver­ Thema trotz der Komplexität auch kleinere netzt, alle Arbeitsschritte extrem flexibel Zulieferer und spezialisierte Firmen eine abstimmbar. Bei der Arena 2036 gehe es da­ Chance haben, zeigt das Beispiel S1nn. Die rum, „den Aufbau und die Fertigung des Stuttgarter haben das Infotainment­Sys­ Automobils von Grund auf zu tem für den eine drei viertel überdenken“, um so die Inno­ Million Euro teuren vationsführerschaft im Pro­ Supersportwagen Porsche 918 duktionsbereich in Deutsch­ Spyder entwickelt. Es ist nach land zu behalten, sagte Her­ eigenen Angaben das erste, bert Kohler, Leiter E­Drive & das auf HTML5 basiert. Damit Future Mobility und Umwelt­ müssen nicht mehr aufwendig bevollmächtigter bei Daimler Apps für die Endgeräte im bei der Bekanntgabe des Pro­ Auto entwickelt werden, son­ Foto: Petsch jekts im Jahr 2012. Baden­ dern die Angebote lassen sich Württemberg als klassisches „Das Land steckt einfach über das Internet ein­ Automobilland mit seinem viel Geld in die Pro­ binden. engen Netz an Herstellern, Zulieferern und Forschungs­ duktionsforschung. Antriebe Diesel oder Benziner? Bisher einrichtungen ist dafür nach Da schauen einige war die Entscheidung beim Ansicht anderer Experten der Länder neidisch Autokauf relativ einfach. In geeignete Standort. „Baden­ Zukunft aber werden viele Württemberg steckt viel Geld zu uns herüber.“ neue Antriebsarten hinzu­ in die Produktionsforschung. Thomas Bauernhansl, kommen – von Erdgas über Da schauen einige Länder nei­ Leiter des Fraunhofer IPA Strom bis hin zur Brennstoff­ disch zu uns herüber“, sagt Thomas Bauernhansl, Leiter des Fraunho­ zelle. Vor allem das E­Auto wird es Exper­ fer­Instituts IPA in Stuttgart. Um die um­ ten zufolge zumindest in den Städten aus fassender werdenden technologischen der Nische schaffen. Kanzlerin Angela Sprünge zu meistern, müssten Firmen al­ Merkel erhofft sich bis 2020 eine Million lerdings „verstärkt kooperieren“. Die Are­ E­Autos auf deutschen Straßen, Plug­in­ na 2036 ist zunächst eine Spielwiese für die Hybride mit einem zusätzlichen Verbren­ kreativen Köpfe der Produktionsplanung. nungsmotor sind dabei jedoch mit einge­ In nicht allzu ferner Zukunft soll sie aber rechnet. die Blaupause zur Industrie 4.0 liefern – Für die Zulieferer in Baden Württemberg der vollkommen autonomen und vernetz­ bedeutet das eine große Herausforderung, ten Produktion, die es auch dem Endver­ weil beim E­Auto viele Komponenten des braucher erlaubt, sein Produkt via Internet Autos mit Verbrennungsmotor fehlen, bis kurz vor der endgültigen Produktion denen der Südwesten seine starke Markt­ stellung verdankt. Ein reines E­Auto noch selbst zu konfigurieren. braucht schließlich weder Kolben noch Ab­ Vernetzung gasanlagen oder aufwendige Getriebe. Nur „Wir sehen das Thema Connectivity als große Player wie Bosch können es sich leis­ einen der Megatrends, der uns bis weit in ten, von der Elektromaschine bis zur Leis­ die Zukunft beschäftigen wird“, sagt Ulrich tungselektronik alle Themen abzudecken. Hackenberg, Entwicklungschef bei Audi. Aber auch andere Zulieferer sind dabei, Tatsächlich ist das digitale Cockpit bereits sich zu positionieren. Ein Beispiel dafür ist in einigen Modellen wie dem Audi TT Rea­ die Klimatisierung, die beim E­Auto nicht lität. Neben dem auf Google Maps basie­ mehr über den Verbrennungsmotor funk­ renden Navigationssystem verfügt es auch tionieren kann. Unternehmen wie Ebers­

pächer, Valeo oder Mahle bieten Lösungen für das Wärmemanagement in E­Autos an und erschließen sich damit neue Ge­ schäftsfelder. Wie sich die Perspektiven entwickeln, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie viel der neuen Technik die Auto­ bauer selbst stemmen wollen.

Autonomes Fahren Der Mensch denkt, das Auto lenkt. Bereits vor einem Jahr hat Mercedes­Benz eine S­Klasse auf den Weg von Mannheim nach Pforzheim geschickt. Der Fahrer durfte sich zurücklehnen und seinen Gedanken freien Lauf lassen. Nur einmal war das Auto überfordert, als eine ältere Dame brav am Straßenrand stehen blieb und die S­Klasse durchwinken wollte. Die aber blieb eisern stehen. Noch ist dies eine Zukunftsvision. Aber spätestens von 2025 an sollen Auto­ bahnfahrten mit Autopilot möglich sein. Bis dahin geht es Schritt für Schritt – auch mit Hilfe der Zulieferer. Bosch etwa will schon 2015 einen Assistenten herausbrin­ gen, der das Auto mit Hilfe des Smart­ phones in ein Parkhaus fährt und abstellt. Wie wichtig das Thema geworden ist, zeigt auch das Beispiel ZF Friedrichshafen. Das Stiftungsunternehmen wird nun den ame­ rikanischen Zulieferer TRW übernehmen. Dieser verfügt über mehrere Standorte in Baden­Württemberg und hat sich vor allem auf intelligente Sicherheitssysteme spezia­ lisiert. Auf diesem Gebiet hat ZF bisher noch eine offene Flanke. Schwerer als die technischen Hürden auf dem Weg zum selbstfahrenden Auto wie­ gen allerdings die rechtlichen. Denn wer ist am Ende haftbar, wenn der Fahrer die Ver­ antwortung an die Elektronik abgeben kann? „Hier müssen weltweite Standards entstehen“, forderte Wolf­Henning Schei­ der, Chef der Kfz­ Sparte bei Bosch, „Bei den rechtlichen Regeln jüngst bei einer Ver­ für das autonome Fahren müssen anstaltung in Stutt­ weltweite Standards entstehen.“ gart. Dies gelte nicht nur für Fragen der Wolf­Henning Scheider, Haftung, sondern Chef der Kfz­Sparte von Bosch auch für den Schutz der Daten vor Manipulation. Die Gefahr: wenn das Auto selbstständig in die Garage fährt, dann kann es von Hackern vielleicht auch in eine andere Garage gelenkt werden; und Unbefugte können über die Daten ge­ naue Bewegungsprofile erstellen. Scheider und Daimler­Entwicklungschef Thomas Weber betonen daher: „Die Sicherheit der Daten hat allerhöchste Priorität.“ So be­ treibt Daimler bereits eigene Server für die Datenspeicherung, um Manipulationen zu erschweren. Der Verband VDA habe den Auftrag, Stan­ dards und rechtliche Regelungen zu formu­ lieren und einzuspeisen. Scheider ist zuver­ sichtlich, dass diese Entwicklung bis zum Ende des Jahrzehnts so weit ist, dass die Technologie in Serie gehen kann.


Wirtschaft in Baden-Württemberg 9

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Kranker Mann am Neckar? Kritiker sehen den Automobilstandort auf tönernen Füßen. Weil Innovation nicht in der Breite stattfindet, droht Baden­Württemberg ins Abseits zu geraten. Von Walther Rosenberger Innovationsfähigkeit

B

aden­Württemberg – Land der Tüftler und Denker. Das prägt das Bild des Landes. Mit Blick auf die Branche der Automobilzulieferer sind allerdings immer wieder Stimmen laut geworden, die genau das bezweifeln. Ist das Land, das mit Gottlieb Daimler und Carl Benz die ersten Auto­ mobilbauer der Welt hervorgebracht hat, also ein Entwicklungsland in Sachen Innovation? Das sicher nicht. Die Forschungsaus­ gaben, die sich sowohl die Automobilbauer als auch die Zulieferfirmen zusammen­ genommen leisten, sind beeindruckend. Mehr noch – die ganze Branche ist es. Zu ihr zählen neben den viel beachteten Premi­ umherstellern Daimler, Porsche, Audi auch Champions in der Nische – kleinere Fahr­ zeugbauer also, die ihr Geschäft seit Jahr­ zehnten erfolgreich in Teilbereichen des Mobilitätsgeschäfts betreiben. Mit dem Pistenraupenbauer Kässbohrer Gelände­ fahrzeuge aus Laupheim, dem Wohnwa­ genfabrikanten Hymer aus Bad Waldsee oder dem Traktor­Hersteller John Deere, aus dessen Mannheimer Werk rund 60 Pro­ zent aller in Deutschland produzierten Traktoren vom Band laufen, sind hier auch die Spezialisten zu Hause. Dazu kommen

2,6 Prozent Die Forschungs­ und Entwicklungsquote der Zulieferbranche im Südwesten ist in Summe gering – der Löwenanteil entfällt auf wenige Große. mehrere Hundert regionale Zulieferer, die sich im Windschatten der Konzerne zu einem integralen Bestandteil des Mobili­ tätsstandorts Baden­Württemberg ent­ wickelt haben. Alle Firmen zusammen stellen mit rund 88 Milliarden Euro die umsatzstärkste Industriebranche des Landes, die nur in puncto Arbeitsplätze vom Maschinenbau auf die Plätze verwiesen wird. Mit einem Umsatzwachstum von zuletzt 3,8 Prozent stellten der Kraftfahrzeugbau und seine Zulieferer im Jahr 2013 die übrige Süd­ westindustrie denn auch deutlich in den Schatten. Exportquoten von durchschnitt­ lich mehr als 70 Prozent verdeutlichen, wie gefragt Produkte made in Baden­Württem­ berg in aller Welt sind. Die in fast 130 Jahren gewachsenen Strukturen sind dabei ein entscheidender Trumpf des Standorts. „Die räumliche Nä­ he der Automobilhersteller, der Zulieferer und von Forschungsinstituten ist ein gro­ ßer Vorteil Baden­Württembergs gegen­ über anderen Regionen“, sagt etwa Thomas Bauernhansl, Leiter des eng mit der Auto­ mobilwirtschaft kooperierenden Fraun­ hofer­Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart. „Man kann hier alle Projektpartner schnell an einen Tisch holen“, sagt er. Dass speziell die Zulieferfirmen oft inhabergeführt sei­ en, verkürze die Reaktionszeiten auf Ver­

änderungen in den Märkten. „Der Chef sitzt bei Entscheidungen oft mit am Tisch“, sagt Bauernhansl. Diese Nähe und Ver­ trautheit fehle in anderen Ländern wie den USA oder China. Auch in Frankreich fehle ein vergleichbare „Industrie­ und Mittel­ standskultur“ gleich ganz. Es gibt aber auch mahnende Stimmen. Sie sehen vor allem die Innovationskraft der Automobilindustrie im Land in der Breite gefährdet – und damit das Fun­ dament, auf das sich der Erfolg der Branche seit Gottlieb Daimler und Carl Benz gründet. Kurz gesagt – so die Sorge – forschen im Autoland Baden­Württemberg wenige viel, und viele forschen wenig – zu wenig. Be­ reits im Jahr 2011 warnte die Industrie­ und Handelskammer (IHK) Region Stutt­ gart in einer Studie, dass die Mehrheit der im Kern mehr als 240 Firmen umfassenden und stark mittelständisch geprägten heimi­ schen Zulieferindustrie „für die anstehen­ den Herausforderungen nur unzureichend aufgestellt“ sei. Forscher des Karlsruher Fraunhofer­Instituts für System­ und In­ novationsforschung (ISI) hatten heraus­ gefunden, dass die Forschungs­ und Ent­ wicklungsquote der Zulieferbranche im Südwesten – gemessen am Umsatz – gerade mal 2,6 Prozent beträgt. Damit rangiere die Region im Vergleich zu anderen Automo­ bil­Hochburgen – etwa in Nordrhein­ Westfalen, Bayern oder Sachsen/Thürin­ gen – „an letzter Stelle“. Die Folge seien „unterdurchschnittliche Umsätze mit Pro­ duktneuheiten“. Das „viel bemühte Bild vom Musterland Baden­Württemberg“ entspreche schlicht nicht mehr der Reali­ tät, so die Autoren. Erklärungsansätze, wonach die geringe Forschungsquote auf die Nachwirkungen der Automobilkrise der Jahre 2008 und 2009 zurückzuführen sei, verfangen nicht. Immerhin hatten die ISI­Forscher Ende 2008 – und damit auf dem Höhepunkt der Vorkrisenkonjunktur – schon einmal einen Blick auf die Zulieferbranche geworfen und herausgefunden, dass nur 17 Prozent der Branchenumsätze auf den Verkauf von Produktinnovationen zurückgingen. Was hat sich seit diesen grundlegenden Untersuchungen der Jahre 2008 und 2011 getan, die im Kontext der E­Mobilitäts­ debatte verfasst wurden? Nicht allzu viel – das Thema führt im öffentlichen Bewusst­ sein bisher ein Schattendasein. Und das, obwohl es neue Anhaltspunkte gibt, die da­ rauf hindeuten, dass der Innovationsmo­ tor im Südwesten zwar zugkräftig ist, aber auf zu wenigen Zylindern läuft. So untersuchte die IHK Region Stutt­ gart im April dieses Jahres die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittelständischen Industrie in der Metro­ polregion Stuttgart. Diese steht für einen Großteil der Automobil­ und Zuliefer­ umsätze im ganzen Land. Deren Fazit: im Vergleich zu anderen Industriezent­ ren wie München oder dem Sachsen­ dreieck Leipzig, Chemnitz und Zwickau drohe die Region „den Anschluss in Zu­ kunfts­ oder High­Tech­Feldern“ zu ver­ lieren. Dazu zählen die Autoren Bereiche wie Steuer­ und Regelungstechnik oder den Leichtbau.

Produktion von spritsparenden Start­Stopp­Systemen bei Bosch: Der Konzern ist Deutschlands Spitzenreiter bei Patenten. Kleinere Unternehmen forschen dagegen nur wenig – zu wenig, meinen Experten. Foto: Bosch Das Hauptproblem ist altbekannt. Die Innovationskraft ruhe auf den Schultern weniger Großunternehmen und sei nicht durch die vielen Klein­ und Mittelständler abgestützt. Allein Bosch meldete beispiels­ weise im abgelaufenen Jahr 4144 Erfin­ dungen zum Patent an – mehr als jedes an­ dere Unternehmen in Deutschland. Daim­ ler folgte mit 1854 Patenten auf Platz drei. Dazwischen liegt der fränkische Zulieferer Schaeffler. Patentanmeldungen von Klein­ und Mittelständlern im Fahrzeugbau seien dagegen „quasi zum Erliegen gekommen“, sagt Manfred Müller, Referatsleiter Indus­ trie und Verkehr bei der IHK. Die Gewinn­ spannen vor allem vieler kleiner Zulieferer seien so gering, dass für die Forschung nicht mehr viel übrig bleibe. Eine Aussage, der IPA­Experte Bauernhansl zustimmt. „Der Wettbewerbsdruck ist für die Zuliefe­ rer seit Jahren immens“, sagt er. In der Branche ist es ein offenes Geheim­ nis, dass große, gut kapitalisierte Abnehmer in Krisenzeiten kleinere Zulieferer, denen die Luft auszugehen droht, mit Krediten

Wirtschaft tschaftt

4144 Patente Der Zulieferer Bosch stand im vergangenen Jahr bei der Zahl der Erfindungen bundesweit an der Spitze. Auf Platz drei folgte Daimler. stützen – um die Lieferkette zu halten, aber auch, um den Wettbewerbsdruck aufrecht­ erhalten zu können. Erfinderisch zu bleiben, fällt in diesem Umfeld schwer. Die größer werdende Pa­ tentschere zwischen großen und kleinen Firmen ist nach Einschätzung des IHK­ Experten Müller ein „Alarmzeichen“ für die künftige Entwicklung des Automobil­ standorts. Erste Auswirkungen der Situa­ tion erkennt er auch schon: „Wir sind nicht schlecht in Baden­Württemberg“, sagt er. „Aber überall der Klassenprimus, das sind wir nicht mehr.“

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sagt Seiwert. Doch ein erfülltes Privatleben schützt optimal gegen Stress. Laut Bestandsaufnahme machen Glücksforschung gehören soziale BezieOft treten Manager erst kürzer, Zeitmanagement Tipps für ein gutes Zeitmanagement hungen zu den größten Glücksbringern. wenn sie einen Herzinfarkt hatEin Gemeinschaftsprodukt der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten Preis 3,20 Euro | 87639 ten, die Frau sich scheiden lässt „Wenn sich alles nur um den Job dreht, ist gibt es viele. Sie eignen sich aber nicht für jeden. oder ein befreundeter Manager tot umfällt. man ganz schnell frustriert und ausgepoExperten raten, nur die Regeln zu befolgen, „Wer sich keine Ziele setzt, leidet oft unter wert. Deshalb ist es wichtig, die sozialen KonDas Zentrum des Stuttgarter Stress“, sagt Lothar Seiwert. Er lebt in takte zu pflegen.“ Sich austauschen, fallen Finanzplatzes: im Vordergrund die man guten Gewissens übernehmen kann. Editorial die Börse Stuttgart, im Hintereinem Ungleichgewicht zwischen dem, was lassen, Kraft tanken: Wichtigen Menschen grund das Haus der Wirtschaft. Von Stefanie Köhler er will, und dem, was er tut. Zentrale Fragibt man einen festen Platz im Leben. Vom Foto: Wilhelm Mierendorf gen lauten also: Was will ich jetzt, aber auch Rest distanziert man sich. in Zukunft? Worauf will ich später zurückblicken? Wer soll bei mir sein, wenn ich in Ständige Erreichbarkeit An Heiligabend Rente bin? Und was muss ich dafür tun? freuen die Kinder sich über die Geschenke Die besten Manager, sagt Cordula Nuss– und Papa tippt nur auf sein Smartphone baum, sind die, die mit sich zufrieden sind, ein. Nachts um 4 Uhr beantwortet er eine ihre Kräfte kennen und keine falschen ErE-Mail – die Amerikaner arbeiten ja. „MaStuttgarter Zeitung und wartungen erfüllen wollen. Diese EinstelnagerNachrichten merken oft gar nicht, dass sie ständig Stuttgarter geben SEITE 5 lung müsse man lernen. am Telefon oder Computer hängen“, sagt Verlust ihrer Wichtigkeit, dass andere beseine neue Wirtschaftszeitung ser sind als sie oder wollen keinen belästiD e r S t u t t g a r t e r F i n a n z heraus. p l aNussbaum. tVon z Joachim i s tVon i der m Familie B u n darauf d e s angevergleich einzigartig Dorfs sie aggressiv, schließZeitfresser entlarven Keine Ziele, ständi- gen. Nicht delegieren zu können, gilt als sprochen, reagieren ge Störungen, zu lange Meetings, schlechte Führungsschwäche und verhindert einen lichdem haben sie Wichtiges am Laufen. Nuss- in Deutschland geltende Frank- schäftige die Finanzwirtschaft im Südwesten ernd Hertweck weiß eben Prioritäten zusammen mit baden-württembergiFinanzplatz Kommunikation: Die Liste der Zeitfresser weiteren Aufstieg. An Aufgaben festzuhalGespräch Auf der Schlaf verzichten EineWirtschaftsministerium Al- baum rät zu einem zu setzen. Auch wenn Vorstandsschen und der Stif- furt am Main vor allem durch das Geschäft landesweit 165 000 Personen. „Aber eines aden-Württemberg ist dasder ökonoist lang. Der größte Zeitfresser ist laut ten, die ein gering bezahlter Mitarbeiter eine überdass mit der Familie, chef der Wüstenrotlensbach-Umfrage Bausparkasse AG belegt, tung Kreditwirtschaft der Universität Ho- zwischen Finanzintermediären charakteri- zeichnet den Finanzplatz Baden-Württemmische Kraftzentrum Deutschlands. Seiwert der Versuch, zu viel auf einmal zu ebenso gut tun kann, zeugt von Verschwentriebene Erreichbarkeit schnell siert wird, ist es in Stuttgart die enge Verbin- berg aus: seine Nähe zur Realwirtschaft“, besichfürjeder fünfte Manager vergangenes Jahr das Ticket ein Champihenheimin Stuttgart Financial, eine Initiative Nur sieben Volkswirtschaften in man tun. Multitasking klappt aber höchstens bei dung von Zeit und Geld. Wer delegiert, auffällt. Natürlich kann Deutschland Stunden ons-League-Spiel von Bayern München fünf in zur Bündelung finanzplatzrelevanter Inte- dung zwischen Finanz- und Realwirtschaft, tont der Minister und verweist etwa auf die Europa stellen mehr oder DienstleisSEITE 9 zwei Dingen gleichzeitig. Sonst fühlt man schätzt, fördert und motiviert Mitarbeiter. sichGüter nicht wenn ein die den Finanzplatz prägt. „Daher sind unse- L-Bank, die zu den bundesweit wichtigsten Schlaf Ein Drittel der Tasche hatte, zog oder er es weniger doch vor,gönnt. die daressen, der gegründet. Sieausklinken, organisiert oder als der Südwesten. Im Schatten sechste Bausparkassen-Lounge in Stutt-tungen unterstützt inzwischen eine ernstzunehsich gestresst und arbeitet wenig effizient. Doch jeder hat andere Stärken undmals Projekt in der heißen Phase ist. re Banker in Stuttgart näher dran am Kun- Mittelstandsfinanzierern zähle. „Vorbildlich Schwä519 befragten Top-Entscheider isther überder Schwergewichte wie Daimler oder zu besuchen. Esdavon, ist zwar überliemende Reihe von wiederkehrenden“, sagt Hans-Peter Burghof, Inhaber des sind auch die BürgDer Leistungsabfall durch Multitasking gilt chen. Wer Aufgaben abgibt, muss gart Eineregelmäßig ständige Erreichbarkeit sie dem zeugt mitnicht wenig Schlaf auskommen Bosch es Hunderte von mittelständifert, wie sich Hertweck beiDas einem Spiel des dengibt Vorträgen und ist DiskussionsveranstaltunLehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanz- schaftsbank und die als wissenschaftlich belegt: Laut Forschern Richtigen mit den passenden Fähigkeiten aber unnötig. zu müssen. ist jedoch fatal, denn jeder Unternehmen, die das Rückgrat VfB Verentschieden hätte,muss die Anekdote machtschen gen, wo sich Repräsentanten der der Finanz- dienstleistungen an der Uni Hohenheim. MBG MittelständiKörper sich regenerieren. „Man weiß der Universität Michigan ist das Gehirn um überlassen. Und dabei möglichst viel EXPORT Foto: privat deutschen Wirtschaft bilden: aber darf klar, wie inzwischen, bedeutsam der Branchentreff branche, aberPenible zunehmend auch Die Realwirtschaft produziert nicht nur sche Beteiligungsdass müde Manager sich verbis zu 40 Prozent weniger leistungsfähig, antwortung abgeben. Ein Mitarbeiter PläneinnovationsListen,Vertreter die Punkt stark, oft eigentümergeführt und in ihren Bausparkassen-Lounge geworden ist.besoffen“, der Realwirtschaft miteinander austauschen Bedarf an Finanzdienstleistungen, die gesellschaft, die ein STUTTGART FINANCIAL BÖRSE halten, als wären sie sagt Nusswenn gleichzeitig statt nacheinander gear- sich nicht als „Depp vom Dienst“ fühlen. für Punkt abgearbeitet werden, einen „Viele ziehen ihre Geschäftsfeldern an der Weltspitze. Die Veranstaltungsreihe Bausparkönnen. Dazu sind zählen neben der BausparkasBanken oder Versicherungen erbracht maßgeschneidertes baum. Sie treffenzufalsche Entscheidungen, beitet wird. nicht jedermanns Sache. von eigene sondern Wichtigkeit themen fünf Jahren vonund Stuttgart Fi- An sen-Lounge etablierte Veranstaltungen wie werden, kreiert auch noch eine Angebot für Exisdiese Unternehmen – und dieund MenRichtig kommunizieren Die einen Mit-war vor wirken verwirrt sind unkonzentriert. Und je komplexer schnelSEITE 29 nancial gemeinsam mit der Arbeitsgemeinder50 jährliche Finanzplatzgipfel, dasdie nach der qualifizierten Finanz- tenzgründer ebenso schen, die darin arbeiten – richtet sich aus der Anzahl Laut Schlafforschern verliert man Proler der Arbeitsalltag ist,Stuttdesto Nachfrage Prioritäten setzen Manager leiden unter arbeiter mögen eine persönliche, ausführschaft baden-württembergischer Bauspar-neue garter Versicherungsforum und in Koopera- experten. „Durch die Stärke der Realwirt- wie für etablierte Zeitung Baden-Würtzent seiner Entscheidungsfähigkeit und 20 Wirtschaft mehr gilt:inWeniger Planung ist Projekte.“ Hurry Sickness, der krankhaften Sofortig- liche Ansprache, anderen genügt eine kurGELD MITTELSTAND kassen, der die Badenia, die LBS Baden-temberg, tion mit Lan- schaft in der Region haben wir es daher mit Unternehmen biedieder Siebaden-württembergischen gerade in Händen halten. Prozent seiner Gedächtnisleistung, wenn mehr. „Lösen Sie sich von pe- Cordula Nussbaum ist so etwas wie einem ten“, sagt Schmid. So keit, sagt Seiwert: Jeder muss jedem alles ze Arbeitsanweisung per E-Mail. Manager Württemberg sowie die BausparkassenDie desregierung ein Venture beiden Wirtschaftsredaktionen von an- Hall man bloß fünf Stunden schläft anstatt acht. niblen, zu detaillierten Plänen. Trainerin und Autorin desSchattenfinanzplatz kam 2013 ein Drittel recht machen, und zwar jetzt. sollten ihre Mitarbeiter entsprechend Schwäbisch und Wüstenrot angehören, Capital Pitch. Hinzu Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter NachBLAUPAUSE FÜR Buches „Organisieren Sie grüWach und ausgeschlafen entscheiden MaSetzen Sie besser MeilensteiDabei ist Dringendes selten reden, wenn sie Arbeit verteilen. Sonst ins Leben gerufen worden. Mittlerweile hatrichten kommt neues bei den Unterneh- aller Bürgschaften liefern ein durch sagt die umfassende Auf- Puf- noch oder leben Sie schon?“ nager folglich klugfür undden umsichtig. Nussbaum. Auch wichtig, Wichtiges selten drin- belt ein sensibler Mitarbeiter vielleicht NEUARTIGE NETZWERKE sie sich zu einem Pflichttermin Er- Karriereportal,ne“, das unter men selbst zu tun“, bundesweit von der bereitung von Schwerpunktthemen E-Mail. fer sind wichtig. SoOrienbleibt Zeit gend. Und doch dominiert beim stundenlang über die kryptische fahrungsaustausch etabliert. „Die Bauspar- www.financial-careerdrückt es Burghof Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, die tierung über die wechselnden mitspielen am längsfür täglich unerwartete Aufgaben, eventuell Setzen von Prioritäten oft die Und vergisst dabei, seinen Arbeitsauftrag kassen-LoungeBürospielchen stellt eine Blaupause dafürWerbw.de Stellenangebote aus der Branche unddie aus. Die dortigen Finanzabteilungen unter- MBG ist der häufigste Eigenkapitalgeber hinaus –Wirtschaft von Profisbündelt. für erfordern. Profis. arbeitet, ist der Fleißigste. Solche Anneue Prioritäten Seiwert rät Dringlichkeit. Dringliche Auf- zu erfüllen. Zudem muss der Auftrag dar, klar wie es mitten Netzwerken gelingen kann,Schlagzeilen der gewerblichen halten häufig bankähnliche Strukturen, für Deutschlands. wollen wirüberdies die Menschen erreichen, an sichteninsind Arbeitsplätzen verbreitet. zu regelmäßigen Pausen. gaben sind aber meist nur für definiert sein. Zu einem Mindestmaß den Zusammenhalt der an Region zu stär-Dabei „Mit diesen Netzwerken tragen wir dazu die „Seine sie natürlich auch jede Menge FinanzDer Finanzplatz Stuttgart braucht sich dieMitarbeiter in der Wirtschaft des Landes Gerne brüsten Manager und LeistungsundEntscheiKonzentrationsfähigkeit andere wichtig, weshalb sie zu Wertschätzung rät Nussbaum grundsätzken“, sagt Thomas Munz, Vorstand der Verbei, die vorhandenen Potenziale in der Fi- experten benötigen. „Daher ist es zu kurz also nicht zu verstecken. Im Gegenteil, unter treffen einen klaren Bezug haund Baden-Württembergische sich damit, in der vergangenen Woche wie- und kann man optimal ausschöpfen, wenn man wenn man beim Thema Finanz- den hiesigen Akteuren finden sich Deutscheinem bestimmten Zeitpunkt lich. Wörter wie Guten Tag, Danke einigung Wert-dungen nanzwirtschaft besser sichtbar zu machen gesprungen, Foto: WiZe zur Region Stuttgart zuverknüpfen“, Badenpapierbörse, die Dachorganisation derbenund mit der Realwirtschaft platzPause Stuttgart nur an Finanzdienstleister im lands größte Landesbank und 17 weitere derdie 60 bis 70 Stunden gearbeitet zu haben. etwa alle und 90 zu Minuten eine kurze erledigt sein müssen. Sie berei- Bitte sollten selbstverständlich sein. Württemberg. Gruppe Börse „Viele Stuttgart bildet. diesem erläutert der Leiter von Stuttgart Financial, eigentlichen Sinne denkt“, macht Burghof Bankhäuser, die in der Landeshauptstadt ziehen ihreMit eigene Wichtigkeit aus macht.“ „Jeder muss jedem ten Stress und Druck. Mit dem In der Sturz. ersten Während Ausgabe beantworten wir Auftrag wurde Jahr 2007 Dirk das als führender klar. Vielmehr finden tagtäglich Geschäfte ihren Sitz haben. Außer der Allianz, dem sich im Rücken der Anzahl derim Projekte oder gearbeiteten alles recht machen, Eisenhower-Prinzip lassen sich Zeitinseln schaffen „Manager lassen etwa die Frage, wo die neuen Weltmarktmit den Akteuren der Banken, Versicherun- Marktführer für Lebensversicherungen, sind Stunden“, sagt Nussbaum. „Es ist aber ein Immer Ja-Sagen Ein Nein ist für Seiwert Aufgaben einteilen. A-Aufga- permanent aus ihrer Arbeit reißen“, sagt und zwar sofort.“ genauf oder führer Baden-Württemberg sind,Mittel, was um sich Irrglaube, dass man produktiv ist,aus wenn ben sind sehr wichtig und ha- Nussbaum, die störungsfreie Zeiten empdas wirkungsvollste dieWirtschaftsprüfern und -anwälten weitere namhafte Adressen präsent, daeinerseits sie auszeichnet und warum es Start-ups so viel arbeitet. konzentriert ben einen Termin. Sie müssen fiehlt. „Wer eine Stunde lang konzentriert eigenen Prioritäten zu konzentrieren. „Umund ihren Pendants in den Finanz- runter die Wüstenrot & Württembergische Lothar Seiwert gilt auch U N I V Eman R S I TÄT H O H ENur N Hwer EIM als Zeitmanagement-Papst haben, die Spitze zu gelangen. Illustration: Malte Knaack arbeitet, ist produktiv.“ Guteschwer Manager ge- an Nein zuerst bearbeitet werden. B- arbeitet, ist sehr produktiv.“ Die Zeitinseln zu sagen, müssen wir erst abteilungen einmal Ja der Realwirtschaft andererseits und die Nummer eins unter Deutschlands statt. Die Finanzbranche Börsen für Privatanleund hat das Buch „Lass los Wirtschaft Baden-Württemberg be- Bedürfnissen“: hen sorgsam mit ihren Ressourcen um. Sie in sagen Aufgaben sind auch wichtig, müssen geschickt gewählt werden. Kurz zu uns und unseren und du bist Meister deiner Studiengang und Forschungsstelle und die gewerbliche Inger. „Wir haben beschäftigt sich sich aber nur mit ignorieren es, wenn Mitarbeiter aber nicht terminiert. Sie lassen vor einem Meeting sind sie genauso fehl am mehrnicht Zeit haben, Zieleden verwirklichen, PrioSYMBIOTISCHE Zeit“ geschrieben dustrie pflegten so etwas reits auf den ersten Geschäften, die gegenseitig übertrumpfen, oder lassen sichsondern sich verschieben oder delegie- Platz wie vor der Übergabe eines wichtigen ritätennimmt setzen. auch Viele müssen Nein-Sagen BEZIEHUNG Der gezielten Weiterbildung von FachkräfForschung von der Börse unter- wie eine symbiotische BeBlick eine ganze ReiEntscheider Menschen inStuttgart den Zeitaus dernicht davon beeinflussen. Wer nach geta-als mühsam ren. C-Aufgaben erfordern viel Projekts. Viele Manager nutzen die ten lernen. IhrBlick, schlechtes ziehung, Gewissenbeschreibt Dirk Finanzwirtschaft dient der Stu- stützt. So stellt die Börse Wissenschaftlern he an Perlen zu bieKarrierewege, nachAufgabe Stol- ablehnen. Wer ist. ner Arbeit heimgeht, denbeleuchtet Mitarbeitern Zeit, bringen einen aber nicht den Zielen morgens, wenn die Firma noch leerdiengang wennfragt sie eine „Hohenheim Master in ist Finance“, Bestände anruft, Handelsund Stammdaten Sturz von Stuttgart Financial die Situation ten“, sagt Burghof. Und auf den zweiten persteinen und Königswegen. Aktuell „Möglicherweise verpasst man dannder dasvon der einUniversität gutes Vorbild: Arbeit istund nicht alles. näher. Der Rest landet im Müll. selten Neinzur sagt, muss besich zuerst klar werHohenheim für Forschungszwecke Verfügung. Im am Finanzplatz Stuttgart. Blick sind die vielen wohlhabenden Privatschäftigen wir uns unter Thomas Sattelberger istes,ein Frauenquote. Der frühere Frühstück mit der Familie oder arbeitet den, warum das somit ist.dem Dann gilt die richweiteren Partnern erarbeitet wurde. Die Jahr 2011 wurde dieanderem Forschungsstelle BörInVerfechter ein ähnlichesder Horn stößt der Finanzkunden und die vielen kleinen FinanzunterThema Zeitmanagement: wie vermeiden länger“, sagt Nussbaum. InTeilnehmer diePrivatleben Nach einem Aufgaben delegieren Viele Managerübertragbar. wol- eine Stunde tige Strategie anzuwenden. hilft Die amerikanische Internetkultur ist nicht auf Deutschland Etablierte Unternehmen halten können sovernachlässigen berufsbegleitend senhandel am Lehrstuhl für Bankwirtundfünf Wirtschaftsminister von Baden-Würt- eine nehmen typisch sowie eine zwar unauffälliTelekom-Vorstand hatCharme vor Jahren bei dem Dax-Konzern Sie Couch Zeitfallen, und wie trennen anstrengenden die len im tiefsten Inneren gar keine Aufgaben sem Fall muss ein Manager selbstbewusst ebenso wie sichSie fürNebendasder entgegengebrachte den Abschluss „Master Tag in lockt Finance“ schaftvor und Finanzdienstleistungen Uni temberg, Nils Schmid, mit Blick auf die ge, aber agile Szene der Vermögensberater freiwillige Frauenquote eingeführt – was nach seiner Ansicht Ausschau nach Neugründungen. Hidden im den Durchschnitt Jahre alt. Von Michael Heller sächliches von Wichtigem? die Stunde 70 ein anderes Mal ausgleichen. demvorhandene Fernseher. Kenntnisse „Gerade Menschen, die im abgeben, sagt Champions Nussbaum. Siesind fürchten Vertrauen zu bedanken. erwerben und verHohenheim ins Leben gerufen. Themen- staatlichen Förderinstitute. Stuttgart gehöre und -verwalter. Und dann ist da noch die in Baden-Württemberg tritt die des Unternehmens am am Arbeitsmarkt tiefen. Der Studiengang soll im Winter- Wirtschaft schwerpunkte sindAttraktivität Privatanlegerverhalten nach Frankfurt Main und erhöht neben hat. Börse Stuttgart, die neben ihrer Rolle als der kombinierten Kompetenz von im München zu den semester 2014/2015 starten. Darüber an hi- mit sowie Wettbewerb und Regulierung deutschen Ausschließlich Vorstandspositionen zubedeutendsten quotieren, tut er aber Handelsplattform als neutrales Forum inStuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nach- spe Finanzstandorten, sagt er. Immerhin be- nerhalb der Financial Community dient. spe könnte. Ditzinger dann zeigen. „Das beobeinem Ruf als Land der Hidden möglich der Nachschub naus wird auch einiges die finanzwirtschaftliche Börsenumfeld. Dieausbleiben Öffentlichkeitsarbeit trägt inInteresse der Mediengesellschaft zum „reineWirtschaftsSymbolik“ ab. Für deutsche Unternehmen richten – zwei derals größten Champions wird Baden-Würt- Für Schlagzeilen weltweit sorgen gegenwär- achten wir und kaufen uns zum Teil ein“, Dochmit wasWirtschaft tun, wenn es nichts Positives redaktionen regionaler in für Aufsichtsräte bald Realität. erst vor einvon paarUnternehmen Jah- sagt sie imbei. Interview in Batemberg gleich in mehrfacher tig Unternehmen, dieAnsehen wirdTageszeitungen eine feste Quote Daten und Fakten zuund berichten das Unternehmen stattdessen in eine Krise gerät – Deutschland mit über 20Pro Redakteuren, die der schon mitgibt einerund den-Württemberg und verweist auf das BeiHinsicht gerecht. Unter anderem ren gegründet wurden Das und Kontra Quote diskutieren für seriöse, gut recherchierte Informatioauf- spiel Ähnlich sieht es Michael hat mehr als ein Viertel aller mit- beeindruckenden Erfolgsgeschichte Firmierung: Walser Privatbank wie im vergangenen JahrLasertechnik. der Schokoladenhersteller Ritter durch eine diedie StZ-Redakteurinnen Inge Nowak nen stehen. Übrigens: nächste Ausgabe telständischen Weltmarktführer hier sei- warten können, heißen sie nun Facebook Zollenkop von Roland Berger und bezieht Rechtsform: Aktiengesellschaft Produktdeklaration? Der„Ein PR-Experte Frank von Wirtschaft inund Baden-Württemberg Bärbel Krauß. SEITEN 24, 25 Wirtschaft falsche dabei die Finanzwirtschaft mit ein: nen Sitz. Zu so einem starken Profil passt oder Twitter. Aber die Welt der angeblich Hauptsitz: 6992 Hirschegg, Österreich Roselieb gibt Tipps zur richtigen Kommunikationsstrategie erscheint am 30. September. potenzieller zukünftiger Hidden Champion es, dass auch der älteste Weltmarktführer ist größer als das Internet, dessen Besonderüber- landet heutzutage vielleicht aus dem Südwesten kommt: die mittlerwei- heiten nicht auf alle andere Branchen Gründung: 1894 in solchen schwierigen Fällen. Über frühzeitig die Möglichkeiten und le als Autozulieferer tätigen Schwäbischen tragbar sind. Aus Sicht von Venohr gehört unter den Fittichen eines Konzerns statt in Eigenkapitalquote: 31% Grenzender der Öffentlichkeitsarbeit Unternehmen Start-up-Szene – und wird alsvon KonzernHüttenwerke (SHW), deren Geschichte im zum Beispiel zu den typischen Merkmalen Kontakt Verwaltetes Geschäftsvolumen: debattieren StZ-Wirtschaftsredakteure der mittelständischen Weltmarktführer, einheit die nie als Hidden Champion bezeich- Michael Heller Jahr 1365 begann. 3,1 Mrd. EUR net werden“, schreibt er im Beitrag für Tradition und Weltrang, das ist ein Be- dass sie im Durchschnitt 70 Jahre alt sind. und Ulrich Schreyer. SEITEN 20, 21 Niederlassungen: Düsseldorf und Stuttgart griffspaar, das engEin mit dem deutschen MitDa die schwäbischer Welt von Internet, Software und Wirtschaft in Baden-Württemberg. Bitte schreiben Sie uns! Stück Österreich mit Prägung Aber es Mängel: SoStuttgart, vermisst telstand verbunden ist. Der Begriff „German IT nicht zur Domäne der deutschen WirtDasbleiben Team der Niederlassung v.l.n.r.: Julia Krämer, Michael Bölkow, Thomas Gruber, Armin Fahrner und Florian Stolzenberg Mittelstand“, so sagt der Unternehmensbe- schaft gehört, fehlen hierzulande die gro- Nicola Leibinger-Kammüller ein GründerWie finden Sie die neue Zeitung Wirtschaft Seitsei drei ist die Walser Privatbank uns vor allem Offenheit und persönliche das Vierfache Vorgabe ausgezeichnet. Demnach bietet dasin Baden-Württemberg? Gerne erläutern wirWir Ihnen, wie Sie wie in der dengesetzlichen USA. Es sei bei uns nicht rater Bernd Venohr, imJahren Ausland genauso ßen Überflieger. In jungen Branchen, weiß klima freuen unsIhr aufVerzu– scheitern, bedauert sie. UndPrivate-Banking-Institut sie ein Qualitätsmerkmal wie „madeansässig. in GermaChefin gestattet Ihre Anregungen und – ob Lob auch in Stuttgart NebenNicola Düssel- Leibinger-Kammüller, Nähe wichtig. Attribute, diedie insbesondere (8 Prozent) und ihre Zugehörigkeit seinen Kunden mögen durch dieReaktionen richtige Depot-Zusammensich eine größere Wertschätzung ny“. In den Stolz dorf auf diese mischt des gibteine es aber oder Tadel. 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10 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Von Profis für Profis: Die Redaktionsmit­ glieder Inge Nowak und Walther Rosenberger begutachten die erste Ausgabe der Wirt­ schaftszeitung, auf die viele Leser mit Zuschriften reagiert haben. Foto: Michael Steinert

„Vielversprechend“ Mit der ersten Ausgabe der Zeitung „Wirtschaft in Baden­Württemberg“, die sich vor allem an Entscheidungsträger in den Unternehmen richtet, hat die Redaktion Neuland betreten. Und das Echo der Leser ist ermutigend. Darunter sind auch kritische Stimmen, die dazu beitragen, dieses Blatt stetig weiterzuentwickeln.

Leser­Reaktionen

Michael Kaschke Carl Zeiss AG Vorsitzender des Vorstands Ich begrüße die Initiative der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten, die Wirtschaft unseres Landes stärker zu thematisieren. Baden­Württemberg ist Heimat zahlreicher Weltmarktführer, deren Produkte international einen exzellenten Ruf besitzen. Der Erfolg der Unternehmen geht jedoch weit über die Produktion von Gütern und Dienstleistungen hinaus: Sie erbrin­ gen für die Gesellschaft wichtige Leistungen – wie sinnerfüllte Arbeit oder sichere Arbeitsplätze. Wich­ tig ist, Funktion und Bedeutung der sozialen Marktwirtschaft wieder stärker in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. Erst eine gut funktionierende markt­ ihl t wirtschaftliche Ordnung ermög­ ­S r y a Eva M licht es Unternehmen, am Standort Deutschland erfolgreich zu arbeiten. Diese Einsicht scheint heute zunehmend in Verges­ senheit zu geraten. Ich wünsche Ihrer neuen Zeitung viel Erfolg und zahlreiche Leser.

die Schwaben im Jahr 2030 Probleme haben, unter denen meine Landsleute in NRW schon seit 30 Jahren leiden: nämlich einer einseitigen Industrie­Infrastruktur. Ein bisschen mehr Selbstkritik wäre hilf­ reich und angebracht. Thomas Kopfer per E­Mail Die Online­Ausgabe Ihrer neuen Zeitschrift hat mir von Inhalt und Layout sehr gut ge­ fallen, deutlich besser als ähnliche Konkur­ renzprodukte. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Redaktion viel Erfolg mit diesem Projekt. Interessante Themen werden Ihnen im wirtschaftsstarken Baden­Württemberg kaum ausgehen. Karl Schawinsky Institut der deutschen Wirtschaft, Köln Jeden Tag bekomme ich als Researcher eine Fülle von minutenaktuellen Informa­ tionen, lese mehrere Zeitungen plus Fach­ zeitschriften. Was ich suche und lese, sind Interviews, Hintergrundberichte mit Zu­ satzinformationen und Meinungen/Kom­ mentare. Gerhard Wolf Head of Corporates Research Landesbank Baden­Württemberg Es fragt sich jetzt, für wen diese Zeitung gemacht wird. Entscheider in der Wirt­ schaft benötigen diese wirklich nicht, denn dazu fehlen Tiefgang und Aktualität von Schwerpunktthemen. Soll das Blatt Public

Haben Sie vielen Dank für die Zusendung der ersten Ausgabe Ihrer neuen Wirt­ schaftszeitung, die ich mit großem Interes­ se gelesen habe. Ich bin sicher, dass Sie ein Medium auf den Markt gebracht haben, das seine Leser finden wird, denn schließ­ lich ist ja gerade das spannend, was regio­ nal in der Wirtschaft passiert, vor Ort, bei den potenziellen Kunden, den Wettbewer­ bern, den möglichen Arbeitgebern, den Partnern. In der ersten Ausgabe ist mir aufgefallen, dass vor allem über Unter­ nehmen berichtet wird, die man ohnehin kennt – Trumpf, Putzmeister, Kärcher und Co. Hier wünsche ich mir stärkeren Fokus auf die wirklichen „hidden champions“, die Unternehmen, die Besonderes hervorbrin­ gen, aber in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrem neuen Baby.

Danke für die kostenlose Zusendung Ihrer Wirtschaftszeitung. Gefällt mir! (Leider kann ich hier kein Bild meines Daumens einblenden.) Einen Kommentar zur Seite 25 „Pro Frauenquote“ von Bärbel Krauß kann ich mir nicht verkneifen: Wenn die Autorin schon feststellt, dass „Mütter lieber ihre Kinder gut versorgen, als möglichst schnell die Karriereleiter emporzuklettern“, dann ist es eben kein „Gerechtigkeitsproblem“ wenn Frauen weniger häufig in Chefetagen sind. Gerade andersherum ist es höchst unge­ recht, wenn jemand auf der Kar­ riereleiter nur deshalb bevorzugt wird, weil die Person privat Kin­ der großgezogen hat, anstatt sei­ ne, neudeutsch, beruflichen Skills unter Beweis gestellt zu haben. Wie kom Ich wäre in einer so anspruchs­ Frauen namen mehr E ch oben? vollen Tätigkeit eines Kinder­ gärtners ohne Ausbildung und persönlicher Eignung sicher auch überfordert. Das Prob­ lem fängt doch früher an: ZahnCe ntrum Von den 50 größten Firmen D in BW sind 95 Prozent Technologiefirmen. Techno­ logien werden in der Regel von Ingenieuren und Natur­ wissenschaftlern entwickelt. Da ist es nur selbstver­ ständlich, dass sich diese über ihre Leis­ Das Für und Wider tungen für Führungsposten empfehlen. Be­ der Frauenquote gabte Abiturientinnen studieren lieber Jura, war ein Thema der Journalismus oder Pädagogik statt natur­ wissenschaftliche Fächer. Solange weibliche letzten Ausgabe. Studenten diesem Rollenbild folgen, ändert sich kaum was.

Veit Mathauer Sympra GmbH Stuttgart

Thomas Schildknecht (Dipl.­Ing.) Schildknecht AG Murr

Relations für Baden­Württemberg machen mit ein wenig allgemeinen Mainstream­ Themen, dann ist es akzeptabel. Ich räume ein, dass es durchaus schwierig und an­ spruchsvoll ist, eine in großen Abständen erscheinende Wirtschaftszeitung für ein Bundesland zu machen. Aber für mich ist das jetzige Konzept überwiegend im Be­ reich eines unterhaltsamen Wirtschafts­ magazins als auf dem Niveau eines ernst­ haften Wirtschaftsblattes. Leider ist meine Kritik überwiegend Tadel, zum Loben gab es für mich eben fast nichts. Hubert Klötzer per E­Mail

Wirtsch aft in Ba den-Wür ttemberg 25

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Karriere Frauen haben bleibt den heute mehr meisten Chancen weiterhin als früher versperrt. – doch Deshalb ist die Quote der Weg nach s gibt viele ganz oben nötig. Von den deutscGründe, warum Bärbel Krauß Frauen hen Chefet noch in mit agen immer sie nun so selten sind: Hierar einmal biologische, es wird chien anders emotionale, die Kinder um. unterb weil bekommen; schen, emotio unden. GegenDas stört, und weil glückli meisten Mütter lieber ihre cherweise die die die Frauen nalen und sozialedie biologisorgen, als möglic auf dem Kinder men, hilft leiter hochzu hst schnel gut Weg nach n Gründe, l die Karriever- gegen die die Quote nicht. oben hemkletter che, weil gläsern redie Eliten n; und gesells Sie reproduziere chaftli- liche Elite ihre e Decke, mit der hilft nur dazu tendie die wahrt. n, Aufstie ren, männmännlich und weil sich zu In Wahrh gsprivilegien eit spricht de: Nur sind. Die Zahlen diese Eliten ment für die beein nur ein lich. Deutsc Minianteil der sprechen Bän- man kann ihr Frauenquote: Argusie wirkt, nicht Chefs ist derung ren Indust hland hinkt und des gesells ausweichen. weibweit hinter rieländern willige Selbstv chaftlichen Die VeränDas ist andeher. dung, mehr erpflichtunge Klimas, freischon viel ein Gerechtigkeit n, besser Kitas, das schoben zu lange auf die sproblem, das die letzten 50 e BilLeistun worden Jahre zeigen gsprinzip lange Bank Metern egal welche ist. hilft all – ge- oben n Lebens Es betrifft alle Frauen das den : auf den letzten weg sie wollen, entwur Frauen, wählen die nach Mann, keine . Zwar sprichtf oder Karriere-, ist sie nötig. nicht. Die Quote hilft. Deshal sich kaum Partei und Sie zwingt zernchef b ein schon 108 (!) Konzer heit aus. mehr offen gegen gar kein Kon- nen will Schwar ne – nur z-Rot die mindestens bei ihgung, um Die 68er- und Chancengleic Quote hdie Frauen 30 Prozen und nach einführen viel erreich Alice Schwar bewe- sichtsrat zu t Frauen –, im Aufzer, haben fällt, der hat installieren. Wem Heim und t. Frauen sind in der Person das schwer viele Wege Herd beschränkt,nicht mehr auf les falsch gemach alentwicklung ihnen stehen tun. Machb t und muss ren Schüle offen. Mädch jetzt eben viear en sind r, Frauen die besse- nicht immer ist das, wenn Universitätsa mehr machen Unternehmen einfach. Das auch vielleic bschlüsse, die besser Berufen ht Gejam en sie die ihre männl gleichen Einstiehaben in vielen cherlich. Die und Gewerkschaf mer von nach ganz ichen Kollegen. gschancen wie weltweit die deutschen Global ten ist läPlayer, ten, gehen Konkurrenz ben Jahrhuoben klappt auch Nur der Aufstie die auf vor g ist intakt, ndert nicht. Die nach einem hal- die man seit der Quote in Abstand haldie Knie? langem diskuti scheider weil die aussch gläserne Decke an gelten soll? Über laggebenden Sie sollten ert? Die von 2016 lieber mitwichtige Beschl sich was Entüsse nach Menschen schäme wie vor Frauen n. fassen, die reden anders sind wie Witze, tragen sie. Konflik , machen andere ein andere Bärbel Krauß s Grupp te anders aus, enverhalten haben schreibt Berliner im und gehen Büro der StZ über teidigun Verg, Verbrau Umwelt, Bau, Justiz, cher und Parlame nt.

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Heute habe ich die Erstausgabe von „Wirt­ schaft in Baden­Württemberg“ auf meinen Schreibtisch bekommen. Wirklich sehr ge­ lungen! Mark Böttger Chemoform AG Wendlingen

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Die Macher der Wirtschaftszeitung (von links): Werner Ludwig, Imelda Flaig, Michael Heller, Joachim Dorfs, Klaus Köster, Christoph Reisinger, Sebastian Klöpfer, Dirk Fotos: Achim Zweygarth, Stihl, Zeiss Repro: StZ Steininger

UNTERREPR

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Mir gefällt das neue Magazin „Wirtschaft in Baden­Württemberg“ ganz gut. Aktuelle Themen, schönes Layout und nicht zu überladen (Seitenanzahl). Weiter so! Ger­ ne viermal im Jahr. Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe.

Eva Mayr­Stihl stellvertretende Vorsitzende des Beirats von Stihl Guten Tag, die Idee einer eigenen Wirtschaftszeitung ist im Grunde gut. Angesichts der Finanz­ krise, der Null­Verschuldung des Staates, der Demografie, der kaputten Infrastruktur und der aufstrebenden Asiaten könnten

Stuttgarter Zeitung | Stuttga Nr. 1 | Diensta rter Nachric g, 6. Mai hten 2014

Foto: dpa

Herzlichen Glückwunsch zum neuen Wurf „Wirtschaft in Baden­Württemberg“! Sicher gehören in der heutigen Medienlandschaft Tatendrang, Energie und Mut zu diesem Schritt dazu, aber auch ein hohes Maß an Marktkenntnis und Intuition. Mit großem Interesse zugegriffen, mit hoher Intensität und echtem Wissenszuwachs habe ich die erste Ausgabe gelesen. Und wie Sie im Editorial schreiben, treten Sie mit der kombinierten Kompetenz von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten – zwei der größten Wirtschaftsredaktionen regiona­ ler Tageszeitungen in Deutsch­ land – an. Ich bin mir sicher, Sie haben etwas Richtiges in ke h c s die Wege geleitet, denn das a K l Michae inhaltliche Konzept ist wirklich viel­ versprechend. Für den weiteren Start wünsche ich Ihnen alles Gute!


Wir Wirtschaft tschaft & Karriere

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Bitte motivieren! Viele Führungskräfte wollen ihre Mitarbeiter motivieren und ersinnen immer neue Vergütungsmodelle. Doch Beschäftigte wollen nicht dressiert werden. Tipps

Schlimmstenfalls führt schlechte Führung zu psychischen Problemen. Diese sind heute doppelt so häufig Grund für eine Krankmeldung wie noch 2003. Foto: fotolia

Ist Leistung käuflich? Mitarbeiter zu Höchstleistungen anzuspornen, ist für viele Mittelständler eine Herausforderung. Es ist schon viel geholfen, wenn sie deren Eigenmotivation nicht zerstören. Von Jan­Philipp Schlecht Führung

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ie Zahlen sind alarmierend. Al­ lein zwischen 2010 und 2013 stieg die Zahl der Arbeitneh­ mer, die sich in Deutschland in­ folge einer psychischen Er­ krankung arbeitsunfähig meldeten, um ein Viertel. Unter den Krankmeldungen stieg auch die Zahl derer, die aufgrund schwerer Belastungen nicht mehr Klare Ziele Diese dürfen arbeiten konnten, um ruhig anspruchsvoll sein, mehr als ein Fünftel. müssen aber erreichbar Das geht aus dem DAK­Gesundheitsreport bleiben. Fühlen sich Mit­ 2014 hervor. arbeiter überfordert, schlägt die Wir­ Heike Bruch, Leite­ kung ins Gegenteil um. Auch Transpa­ rin des Instituts für renz über die Lage der Firma ist wichtig. Führung und Personal­ Das schafft Vertrauen und erhöht die management an der Bereitschaft, sich einzubringen. Universität St. Gallen, hat eine mögliche Er­ klärung parat: das Phänomen der Be­ schleunigungsfalle. Wenn die Mitarbeiter immer neue Aufgaben erhalten, in immer mehr Projekte eingebunden werden und dabei ständig am Limit ihrer Möglichkeiten arbeiten, sei das Unter­ nehmen in jene Falle Freiräume Im Job geht es getappt, beschreibt es nicht nur ums Geld. Wer Bruch anhand der Stu­ Freiräume hat, kann sich oft die „Zwischen Hochleis­ besser einbringen. Spaß am tung und Erschöpfung“. Job, den Sinn der eigenen Arbeit erken­ Bruch: „Die Überhit­ nen – das motiviert. Freiräume können zung kann zunächst nur auch flexible Arbeitszeiten und Zeit für Einzelne betreffen, aber die Familie bedeuten. Kommt der Chef schnell um sich greifen, hier entgegen, ist die Motivation höher. bis schließlich das ganze Unternehmen über­ hitzt.“ Die Folgen lassen dann häufig nicht lange auf sich warten. Mehr Mitarbeiter melden sich krank oder schauen sich nach einem neuen Arbeitsplatz um, die Produktivität leidet, das Klima sowieso. Seine Mitarbeiter zu Hochleistungen zu mo­ tivieren heißt also mit­ Wir­Gefühl Gemeinsame nichten, ihnen einfach Erfolge sind ein guter An­ nur mehr Leistung lass, um diese auch gemein­ abzuverlangen und zu sam zu feiern. Das hilft hoffen, dass es damit Mitarbeitern, Dinge abzuschließen getan ist. und Kraft für Neues zu schöpfen. Auch Unternehmer Mat­ Anerkennung ist wichtig. Ein lobendes thias Stroezel hat dies Wort vom Chef ist für manchen Mit­ erkannt und einen Weg arbeiter mehr wert als Geldgeschenke. um die Beschleuni­

wichtig es sei, die Mitarbeiter ihren Anteil am Gesamtzusammenhang erkennen zu lassen. „Wenn der Einzelne das Gefühl hat, er ist weit weg vom Kunden und sieht nicht, wie sich seine Arbeit ins Große und Ganze gungsfalle herum gefunden. Vor 16 Jahren einfügt, wirkt das demotivierend“, sagt sie. gründete er mit einem Partner die SSC Ser­ Wichtig ist also vor allem die Sinnfrage. vices GmbH, einen Software­Dienstleister „Jeder soll sehen und spüren, dass er einen an der Schnittstelle zwischen Konzernen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Unter­ und ihren Zulieferern. SSC sitzt in Böblin­ nehmens leistet.“ gen und hat mittlerweile über 100 Mit­ Bei kleinen und mittleren Unterneh­ arbeiter. men fällt Bruchs Diagnose diesbezüglich Vom Besprechungsraum aus blickt durchwachsen aus. Vor allem den kleinen Stroezel ins nahe gelegene Industriegebiet fehlt meist das Handwerkszeug für eine Hulb. Dort sitzt einer seiner Kunden, ein professionelle Führung. „Üblicherweise Großkonzern. „Viele Mitarbeiter, mit gibt es erst ab einer Größe von 150 denen wir dort zusammenarbeiten, sind Mitarbeitern einen professionellen neidisch auf die Verhältnisse bei uns“, sagt Personalmanager“, sagt sie. In kleineren Stroezel. Vom Bundesfamilienministerium Firmen werden dessen Aufgaben von je­ wurde er 2010 und 2012 als besonders mand anderem oft nebenher mit erledigt. familienfreundliches Unternehmen aus­ Dann besteht allerdings die Gefahr, dass gezeichnet. Die Motivation seiner Mit­ beim Thema Führung und Motivation „nur arbeiter steht bei ihm seit jeher ganz oben aus der Hüfte geschossen wird“, wie Bruch auf der Agenda. Ihnen kommt sagt. „Dann kann es passieren, er bei kleinen und großen „Viele Mitarbeiter dass mehr Wildwuchs ent­ Dingen entgegen: Gratiskaffee von Firmen, steht und jeder so macht, wie und Wasser für jeden, Kin­ mit denen wir er eben denkt.“ dergarten­Zuschuss, flexible Dadurch wird deutlich, Arbeitszeitmodelle, Homeof­ arbeiten, sind dass gerade kleine und mittel­ fice oder die Möglichkeit, sein neidisch auf große Unternehmen enorm Fahrrad kostenlos reparieren die Verhältnisse von einer professionellen zu lassen, sind nur einige Führung profitieren. Sie ha­ bei uns.“ ben zudem den Vorteil, nicht Beispiele. in komplexen Strukturen „Viel wichtiger aber als die­ Matthias Stroezel, oder mit viel Bürokratie agie­ se materiellen Faktoren sind Unternehmer ren zu müssen. „Dadurch kön­ die immateriellen“, sagt Stroe­ zel. „Eine Gehaltserhöhung oder ein neuer nen sich die Mitarbeiter leichter als Unter­ Dienstwagen wirkt sich auf die Motivation nehmer im Unternehmen fühlen“, sagt des Einzelnen vielleicht zwei oder drei Mo­ Bruch. Durch Schulung könnten gerade nate lang positiv aus. Danach verpufft die Manager in mittelständischen Unter­ Wirkung meistens wieder, der Gewöh­ nehmen lernen, weniger als Experte auf nungseffekt tritt ein.“ Langfristig motivie­ ihrem Fachgebiet aufzutreten, sondern ren lassen sich seine Mitarbeiter vielmehr vielmehr Führung als ihre Hauptaufgabe durch ein starkes Wir­Gefühl, sagt Stroezel. zu begreifen. „Dabei ist es allerdings Sein wichtigstes Werkzeug dabei: eine wichtig, authentisch aufzutreten“, sagt transparente Kommunikation. „Es wirkt Expertin Bruch. Sie unterscheidet in puncto Motivation sich auf die Mitarbeiter sehr demotivie­ rend aus, wenn sie das Gefühl haben, nicht ganz allgemein zwischen sogenannten intrinsischen Faktoren und den extrinsi­ richtig informiert zu sein.“ Bei der SSC gibt es daher für jeden Ein­ schen. Wer intrinsisch motiviert ist, identi­ zelnen jährlich zwei Mitarbeitergespräche, fiziert sich überdurchschnittlich mit seiner einen offenen Austausch über alle Hierar­ Arbeit – und leistet sie auf lange Sicht chiestufen hinweg und natürlich auch die besser und leichter als einer, der nur sprichwörtlich immer offene Bürotür des extrinsisch motiviert zu Werke geht. Chefs. Auch über die Lage des Unter­ Letzterer ist etwa angetrieben von einem nehmens informiert die Führungsriege leistungsbezogenen Bonus am Ende des regelmäßig. Wissenschaftlerin Heike Jahres oder einer Gehaltserhöhung. Wer Bruch schlägt in die gleiche Kerbe wie als Führungskraft seine Mitarbeiter nur Praktiker Stroezel. Sie betont ebenfalls, wie mit solchen Bonbons ködert, läuft sogar

Gefahr, deren intrinsische Motivation zu zerstören. „Dieses Modell der transaktio­ nalen Führung funktioniert nur über Leis­ tung und Gegenleistung“, sagt Bruch. Die Mitarbeiter bringen sich dann häufig nur in den Bereichen ein, in denen sie auch belohnt wer­ Mangelndes Feedback Mit­ den. Da es ihnen nur um arbeiter, die keine Rückmel­ Geld geht, agieren sie dung bekommen und nicht nach dem Motto: mög­ wissen, woran sie sind, lichst wenig geben und tun sich schwer. Oft agieren Chefs möglichst viel bekom­ unprofessionell, spannen Mitarbeiter men. ein, um ihre eigenen Ziele zu erreichen, Dass die intrinsische statt ihnen die Chance zur beruflichen Motivation deutlich Weiterentwicklung zu geben. stärker wirkt, beweist für Bruch ein harmlo­ ses, aber aufschlussrei­ ches Experiment, das mit Kindern durch­ geführt wurde: Drei Versuchsgruppen er­ hielten die Aufgabe, für ein gemeinnütziges Projekt möglichst viele Spenden einzu­ sammeln. Die erste Gruppe sollte keinerlei Anteil an den Spenden erhalten, die zweite mit zehn Prozent einen ge­ ringen Anteil und die Bürokratie Wenn die Struk­ dritte Gruppe durfte turen und Entscheidungs­ 40 Prozent der ein­ wege komplex sind, demoti­ gesammelten Spenden viert das Mitarbeiter. Oft verschwenden behalten. sie viel Zeit mit Dingen, die mit ihrem Das Ergebnis bei eigentlichen Job kaum etwas zu tun dem Experiment fiel haben. Wenn der Einzelne die Wege verblüffend aus: Die nicht mehr nachvollziehen kann, Gruppe, die keine verliert er die Lust an der Arbeit. Aussicht auf Provision hatte, sammelte die meisten Spenden ein, da ihnen nur die Identifikation mit der Aufga­ be blieb. SSC­Geschäftsführer Matthias Stroezel sieht diese Erkenntnis bei seiner täglichen Arbeit bestätigt: „Die Fluktuation der Mit­ Intransparente Belohnung arbeiter, die fünf oder Wer mit Geschenken oder mehr Jahre bei uns sind, Prämien Leistungsanreize ist gleich null“, sagt er. setzen will, muss auch die Verteilungs­ Die Wichtigkeit von mechanismen für jedermann trans­ intrinsischen Motiva­ parent machen. Sonst gibt es Frust tionsfaktoren im Ver­ bei Kollegen. Weiche Faktoren bringen gleich zu extrinsischen oft mehr – gute Arbeitsatmosphäre, schätzt er im Verhältnis von 70 zu 30 Prozent ein. offenes Ohr des Chefs. Und noch eines merkt er an: „Ein durchschnittli­ cher Angestellter verbringt seine Haupt­ lebenszeit im Büro. Es wäre doch schreck­ lich, wenn er keinen Spaß dabei hätte.“ Kaum einer wird ihm in diesem zentra­ len Punkt widersprechen.


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Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

„Ein guter Name reicht nicht aus“

Markus Weber geht die Arbeit nicht aus: In Zeiten des Fachkräftemangels sind Headhunter gefragt. Fotos: Max Kovalenko

Im Auftrag von Unternehmen ist Markus Weber auf der Suche nach Führungskräften. Im Interview erklärt der Headhunter, worauf Manager achten sollten, wenn sie abgeworben werden sollen, und wie Firmen im Rennen um die besten Köpfe punkten können. Personalberatung

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ie Suche nach geeigneten Fach­ kräften und fähigen Managern wird für Firmen immer auf­ wendiger. Für manche Spezia­ listen sind die Märkte „einfach leer“, sagt Markus Weber, der geschäfts­ führende Gesellschafter der Stuttgarter Personalberatung Dr. Maier + Partner – und verrät gleichzeitig, wie es trotzdem klappen kann.

ganz zufrieden sind. Leute, die so reagie­ ren, wollen oft nur ihren Marktwert testen oder sammeln Gespräche mit Head­ huntern als eine Art Trophäe, um damit Druck gegenüber ihrem Chef aufzubauen. Echtes Interesse erkennt man dagegen öf­ ter durch eine gewisse Reserviertheit und Zurückhaltung beim ersten Kontakt mit einem Headhunter. Wenn einer beispiels­ weise sagt: „Das überrumpelt mich jetzt zwar etwas, aber lassen Sie doch mal hö­ ren“, dann zeigt das Reflexionsvermögen. Diese Menschen lassen sich auf das Ange­ bot ein, hören die Argumente und machen dann eine Nutzenabwägung. Das ist die beste Grundlage für eine erfolgreiche Per­ sonalberatung.

Herr Weber, Ihr Job ist es, im Auftrag von Unternehmen Führungskräfte ausfindig zu machen. Wie sollte sich ein Arbeitnehmer verhalten, wenn Sie ihn anrufen? Wenn ein Headhunter anruft, kann man am anderen Ende der Leitung ja meist nicht frei reden – etwa weil man in einem Großraumbüro sitzt oder der Chef oder Kollegen mit im Raum sind. Ich stelle daher meist Fragen, auf die einfach mit Ja oder Nein geantwortet werden kann. Das gibt dem Gegenüber die Möglichkeit, auch nur das Nötigste zu antworten. Um nicht aufzu­ fallen, schadet es nicht, am Anfang etwas wortkarg zu sein.

Auf welche Punkte achten Sie im Lebenslauf von Job­Aspiranten? Es gibt da eine Fülle von Punkten, auf die man achten sollte. Nur ein Beispiel: wenn jemand beispielsweise sehr lange in einer Position ist und sich nicht bewegt, senkt das seine Attraktivität. Andersherum wir­ ken sich auch extrem viele Jobwechsel, ein unsteter Lebenslauf oder unerklärliche be­ rufliche Wendungen negativ auf die Attrak­ tivität von Arbeitnehmern aus. Wenn je­ mand dreimal von einem Mittelständler zum nächsten wechselt und dabei auch noch sein Aufgabengebiet ähnlich bleibt, ist das zum Beispiel auffällig. Wenn jemand eine berufliche Entscheidung trifft, die ihn nicht weiterbringt und seine „Employabili­ ty“ nicht erhöht, dann muss er das genau erklären können.

Wie kann ein Job­Aspirant in den folgenden Gesprächen einem Headhunter das Gefühl geben, dass er den Richtigen an der Strippe hat? Es ist immer gut, wenn das Interesse schnell in Richtung der Arbeitsinhalte in dem neuen Job und zu den persönlichen Perspektiven und Entwicklungsmöglich­ keiten geht. Nehmen Sie einen Projektma­ nager, der bislang in Deutschland Projekte abgewickelt hat und jetzt für eine Stelle mit Auslandsverantwortung im Gespräch ist. Wenn er zügig die neue Aus­ landsverantwortung zum Gesprächsthema macht, zeigt er, dass er verstanden hat, um was es geht. Er sieht den Job dann als Chance, sich weiterzuentwickeln und seine Attraktivität als Arbeitnehmer zu steigern. Markus Weber Alles andere, etwa Gehalts­ Manager und Fachkräf­ fragen, ergeben sich dann te stehen im Fokus von von selbst. Markus Webers Arbeit als Headhunter. Seit Gibt es Fragen, die einen Job­ 2013 ist der 1966 gebo­ Aspiranten sofort disqualifi­ rene Diplom­Volkswirt zieren? geschäftsführender Wenn ein Kandidat als Ers­ Gesellschafter der Stutt­ tes nach den Gehalts­ garter Personalberatung aussichten und dem neuen Dr. Maier + Partner. Firmenwagen fragt, macht mich das stutzig. Da stellt sich die Frage, ob die Motivation stimmt. Eine Motivation, die sich nur übers Gehalt oder einen Titel definiert, ist oft nicht lange tragfähig. Viel nachhaltiger ist es, wenn je­ mand von einer Aufgabe fasziniert ist und seine persönliche Entwicklung nicht nur in Gehaltsfragen, sondern auch inhaltlich weiterbringen will.

Wie sollten Unternehmen vorbereitet sein, wenn sie die Dienste von Personalberatern in Anspruch nehmen wollen? Je klarer die Stellenbeschreibung, desto besser. Das Unternehmen muss sich im Klaren darüber sein, was es mit der Neube­ setzung erreichen will und woran man den Erfolg dann festmacht. Dazu gehört bei­ spielsweise, wie der neu einzustellende Mitarbeiter in die Organisation eingebun­ den ist und an wen er berichtet. Auch die möglichen Entwicklungsperspektiven für den Neuankömmling sollten klar sein. Ge­ rade die Perspektiven­Frage ist für gute Führungs­ und Fachkräfte entscheidend. Wenn ein Unternehmen das nicht beant­ worten kann, wird es sich schwertun, geeig­ nete Mitarbeiter zu finden. Es reicht nicht, als Firma einen guten Namen zu haben und ein ordentliches Gehalt anzubieten. Unter­ nehmen müssen sich viel mehr Gedanken darüber machen, was sie als Arbeitgeber gegenüber Konkurrenten auszeichnet. Sie müssen ihr Profil schärfen. Zu viele Unter­ nehmen tun das noch nicht. Im Kontext eines zunehmenden Fachkräftemangels ist das aber ein entscheidender Punkt, gute Mitarbeiter hinzuzugewinnen. Oft werden Headhunter hinzugezogen, wenn über eine Stellenausschreibung kein passen­ der Kandidat gefunden wurde. Welche zu­ sätzlichen Trümpfe haben Sie in der Hand? Die Aufgabe von Personalberatern besteht oft darin, Anforderungsprofile zu erstellen oder das Job­Design zu schärfen. Manch­ mal haben die Firmen auch falsche Vorstel­ lungen von der Person, die sie suchen. Oder die Position, die sie besetzen wollen, exis­ tiert auf dem Arbeitsmarkt gar nicht. Es gibt Stellenausschreibungen, die mit „Technischer Leiter“ überschrieben sind. In Wirklichkeit handelt es sich dabei aber

Merken Sie am Telefon, ob das Interesse echt oder geheuchelt ist? Man bekommt im Laufe der Zeit ein Gespür dafür, wie Menschen reagieren, die ehrliches Interesse an Stellenangeboten haben. Das entscheidet sich oft in den ers­ ten zehn Sekunden. Beispielsweise ist es auffällig, wenn jemand sofort überborden­ des Interesse an einem neuen Job signali­ siert. Denn es ist ja zum Glück so, dass die meisten Arbeitnehmer mit ihrer Stelle

DIE DIENSTE DER HEADHUNTER SIND WIEDER GEFRAGT Personalberatungsgesellschaften in Deutschland Entwicklung des Branchenumsatzes in Millionen Euro 1600 1370 1150

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Quelle: Bundesverband deutscher Unternehmensberater

DER KRIEG UM DIE TALENTE HAT LÄNGST BEGONNEN Headhunter Die Zahl der Stel­ len, die mit Unterstützung von Personalberatern in ganz Deutschland jährlich besetzt werden, steigt kontinuierlich an. Vermittelten Headhunter im Jahr 2011 noch 48 800 Arbeitnehmer an Firmen und Verwaltungen, waren es 2013 nach Daten des Bundesver­ band Deutscher Unterneh­

mensberater (BDU) schon rund 52 500. Dies sind drei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Headhunter­Fir­ men ist 2013 nach BDU­Daten im Vergleich zum Vorjahr annähernd gleich geblieben. Die knapp 2000 deutschen Personalberatungsgesell­ schaften sehen sich allerdings einem verstärkten Wettbe­

um einen Posten mit weltweiter Produk­ tionsverantwortung. Das muss man als Unternehmen viel präziser fassen, sonst läuft man Gefahr, die Falschen anzuspre­ chen. So ist es nicht verwunderlich, dass Stellenanzeigen erfolglos bleiben. Gerade Mittelständlern, die selten Positionen neu ausschreiben, fehlt nicht selten ein wirklich tiefer Einblick in den Arbeitsmarkt. Für uns ist das dagegen das tägliche Geschäft. Als Unternehmen muss man eine Position auch interessant verkaufen können. Auf welchen Kanälen suchen Sie Kandi­ daten? Es gibt spezialisierte Datenbanken, wir haben aber auch eine firmeneigene, in der mehrere Tausend Arbeitnehmer gelistet sind. In ihr können wir nach bestimmten Kriterien suchen. Aber wir nutzen auch das Internet und soziale Netzwerke als Recher­ chegrundlage. Besonders wichtig ist es aber, ein persönliches Netzwerk in den ver­ schiedenen Branchen zu haben. Hat die Personalsuche in Zeiten des Fach­ kräftemangels Konjunktur? Wir merken eine zunehmende Nachfrage an zwei Stellen. Immer öfter ziehen uns Firmen hinzu, nachdem eine Stellenbeset­ zung per Annonce nicht zum Erfolg geführt hat. Zweitens merkt man, dass es einfach langsamer geht, bis die Stellen besetzt wer­ den können. Viele Märkte sind einfach leer. Dadurch steigen die Anforderungen für die Suche. Wo ist die Lage denn besonders angespannt?

werb ausgesetzt. Auch, weil das Reservoir an Arbeitskräf­ ten, aus dem sich die Firmen bedienen, abnimmt. Besonders auf der Ebene der Fach­ und Führungskräfte sind die Märkte in vielen Teil­ branchen leer gefegt – die gewünschten qualifizierten Mitarbeiter zu rekrutieren, wird immer schwieriger. wro

Fachleute, die an der Schnittstelle zwi­ schen Vertrieb und Technik arbeiten, sind rar. Wer eine Naturwissenschaft oder ein Ingenieursstudium absolviert hat, Produk­ te gut verkaufen kann und gleichzeitig fle­ xibel ist, hat derzeit sehr gute Chancen. Das gilt für viele Bereiche – für den Maschinen­ bau und die Elektrotechnik ebenso wie für den Automobilbau oder die IT­Branche. Die Spielräume der Arbeitnehmer steigen also? Das ist so. Wir sehen das an steigenden Gehältern in vielen Branchen. Allerdings gibt es hier Unterschiede, die oft regionaler Natur sind. Stellenausschreibungen in München sind beispielsweise deutlich hö­ her dotiert als in Stuttgart oder Dresden. Das hängt natürlich mit den unterschied­ lichen Lebenshaltungskosten zusammen, deutet aber auch darauf hin, dass das Arbeitskräfteangebot an den Hochpreis­ Standorten oft extrem gering ist. Da kön­ nen Sie als Arbeitnehmer höhere Forde­ rungen durchdrücken. Wie wichtig ist das Gehalt allgemein? Das Gehalt ist ein Hygienefaktor. Es muss auf einem bestimmten Niveau sein. Trifft das zu, spielt es aber nicht mehr die ent­ scheidende Rolle, besonders wenn wir über Bereiche jenseits der 100 000 Euro pro Jahr reden. Eine größere Rolle spielen die weichen Faktoren, etwa die Persönlichkeit des Chefs, eine gute Unternehmensstrate­ gie und das Team, in dem man arbeitet. Das Gespräch führte Walther Rosenberger.


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14 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

... Gebäudereinigung ...

Typische Tätigkeiten für atypische Jobs: Staplerfahren ...

... Service in der Gastronomie .

Fotos: AP (1

), dpa (3), picture allia ne

... Forschung und

dienste ... d Sicherheits ... Wach­ un

Entwicklung ...

Sind Werkverträge Missbrauch?

Zeitarbeit, Befristung und Werkverträge sind in Verruf geraten. Doch oft dienen sie betrieblichen Belangen. Auch dann müssen sie rechtlichen Kriterien entsprechen. Von Katrin Haußmann Atypische Beschäftigung

D

en Oberbegriff „Atypische Beschäftigung“ verwendet das Statistische Bundesamt in Ab­ grenzung zu „typischen“ oder „normalen“, das heißt unbe­ fristeten Vollzeitarbeitsverhältnissen. „Atypisch“ ist danach der befristete Einsatz von Mitarbeitern und auch die Arbeit in Teilzeit, auch die geringfügige Beschäf­ tigung. In der öffentlichen Diskussion werden als atypische Beschäftigung außerdem freie Dienst­ und Werkverträge und der Einsatz von Leiharbeitnehmern bezeichnet. Warum wird nicht jede Tätigkeit in einem „Normalarbeitsverhältnis“ er­ bracht? „Atypische Beschäftigung“ wird kritisch bewertet, gelegentlich sogar pau­ schal herabsetzend als „prekär“ bezeich­ net. Diese Bewertung übersieht, dass jedenfalls mit der Teilzeit eine Abweichung vom „Normalarbeitsverhältnis“ geschaffen wurde, die gerade auf Verlangen des Mit­ arbeiters die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert. Unternehmen, die Arbeit zu vergeben haben, benötigen Flexi­ bilität. Ist nicht verlässlich absehbar, ob

ture Invest in Fu ngress für o k s t f n u k u Z Der Betreuung Bildung und gart tober in Stutt k O . 8 2 d n u . 27 14: 20 punktthema Unser Schwer r Deutschland. gschancen fü tzen – Bildun nu le ia nz r Zukunft? te Po rderungen de ir die Herausfo w n er st ei m Wie ren sspezifische Fo gen für Unternehmen rausforderun r Wandel: He he isc ph ra og Dem ance Unternehmen Work-Life-Bal itswelten und Moderne Arbe d Familie von Beruf un e mehr. Vereinbarkeit d erfahren Si st in Future un ve In e Si en Besuch .de vest-in-future ionen: www.in at rm fo In re Weite Veranstalter:

Konzept-e fü

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treuung gG dung und Be

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und in welchem Umfang Arbeitseinsätze benötigt werden, zum Beispiel, weil Auf­ tragseingänge unregelmäßig sind, besteht ein betriebliches Bedürfnis nach flexibler Anpassung der Kapazitäten. Fallen Arbeiten nur für einen begrenz­ ten Zeitraum an (zum Beispiel Versand von Waren in der Vorweihnachtszeit oder Ein­ führung einer Software), bieten befristete Arbeitsverträge eine Lösung. Sind spezia­ lisierte Buchhaltungsarbeiten in einem Kleinbetrieb in geringerem Umfang als in Vollzeit zu erledigen, ist der Einsatz von Mitarbeitern in Teilzeit ein sachgerechtes Modell. Arbeiten, die nicht unmittelbar in Arbeitsabläufe eines Unternehmens ein­ gebunden sind – insbesondere zum Beispiel Montage­, Wartungs­ oder Reinigungs­ arbeiten oder IT­Support –, können von externen Selbstständigen als Dienst­oder Werkleistung erbracht werden. Für Einsät­ ze Externer auf Weisung des Unterneh­ mens, zum Beispiel bei Auftragsspitzen in der Produktion oder als Krankheitsvertre­ tung, bieten Personaldienstleister Arbeit­ nehmerüberlassung an. In diesen Formen der flexiblen Zusammenarbeit werden nur

Kapazitäten vergütet, für die betrieblicher Bedarf besteht. Kehrseite aus der Perspek­ tive der Arbeitnehmer ist die Ungewissheit darüber, ob und in welcher Höhe Einkünfte planbar sind. Trotzdem wird insbesondere zum Beispiel in kreativen Berufen die selbstständige und damit unabhängige Tä­ tigkeit für verschiedene Auftraggeber, zum Beispiel als externer Werbe­ oder Marke­ tingexperte, gezielt angestrebt. Das deutsche Arbeits­ und Sozialver­ sicherungsrecht regelt mit einer Vielzahl von Einzelgesetzen zwischen diesen ver­ schiedenen Interessen einen Ausgleich in Arbeitnehmerschutzvorschriften. Die Befristung eines Arbeitsverhältnis­ ses ist längstens für die Dauer von zwei Jahren ohne nähere Begründung erlaubt, wenn der Mitarbeiter nicht schon zuvor im Unternehmen beschäftigt war. Wird zu­ nächst eine kürzere Dauer (zum Beispiel sechs Monate) vereinbart, kann diese bis zu dreimal verlängert werden, nicht jedoch über eine Gesamtdauer von zwei Jahren hi­ naus. Spätestens dann soll der Arbeitneh­ mer die Gewissheit und Planbarkeit seiner Einkünfte haben. Daneben sind Befristun­

gen nur zulässig, wenn es dafür einen sach­ lichen Grund gibt, dessen Existenz der Arbeitgeber im Streitfall vor dem Arbeits­ gericht konkret beschreiben und beweisen muss. Elternzeitvertretungen sind ein sol­ cher Grund. Rechtsunsicherheit gibt es trotz einer kürzlichen Gesetzesänderung in der Befristung von Arbeitsverhältnissen nach Erreichen des Rentenalters. Zuguns­ ten der befristet Beschäftigten und der Teilzeitbeschäftigten ist gesetzlich ange­ ordnet, dass sie anteilig alle Leistungen erhalten müssen, die in einem Vollzeit­ beschäftigungsverhältnis gewährt werden. Durch verschiedene spektakuläre Ge­ richtsentscheidungen in den letzten Jah­ ren ist die öffentliche Diskussion über Werk­ und Dienstverträge, die schon Jahre zuvor unter der Überschrift „Scheinselbst­ ständigkeit“ geführt wurde, wieder ent­ flammt. Hier wird abgegrenzt, welche Tä­ tigkeiten objektiv geeignet sind, als freie Werk­ oder Dienstleistung erbracht zu werden und tatsächlich auch in dieser Form, also insbesondere im Wesentlichen frei von Weisungen, erbracht werden und welche als sogenannte Selbstständigkeit oder auch verdeckte Arbeitnehmerüber­ lassung eine weisungsabhängige Beschäfti­ gung, eingebunden in die Arbeitsorganisa­ tion des Unternehmens, zu verbergen suchen. Eine darüber hinausgehende poli­ tische Diskussion bezeichnet als „Miss­ brauch“ dieser Gestaltungsform auch schon den rechtmäßigen Umgang mit ech­ ten Werk­ oder Dienstverträgen. In dieser Vertragsgestaltung entschei­ det ein Unternehmer in seiner unterneh­ merischen Freiheit, bestimmte Tätigkeiten extern zu vergeben, wie zum Beispiel War­ tungs­, Montage­ oder Reinigungsarbeiten oder auch Vertriebs­ oder Marketing­ dienstleistungen, die auch durch fest ange­ stellte Arbeitnehmer erbracht werden könnten – aber nicht müssen. Kritisiert wird, dass durch diese rechtmäßigen Konstruktionen faktisch weniger tarif­ gebundene Arbeitsverhältnisse verbleiben und weniger Arbeitnehmer an Betriebs­ ratswahlen teilnehmen. Leiharbeitnehmer sind in diesen zwei Fragen inzwischen der Hauptbelegschaft weitgehend gleich­ gestellt. Ihr Einsatz ist nur vorübergehend zulässig. Der Werkvertrag ist eine etablier­ te und in vielen Fällen sachgerechte Form der Zusammenarbeit. Der politische Ruf danach, „Werkverträge abzuschaffen“, hie­ ße – beim Wort genommen –, dass jedes Unternehmen den bei Bedarf angeforder­ ten Handwerker, zum Beispiel Elektriker oder Klempner zu Wartungsarbeiten, fest einstellen müsste und Spezialisten ihre Tätigkeiten nicht frei als Unternehmer im Markt anbieten könnten. Das ist wohl nicht gemeint. Große Unternehmen besprechen inzwi­ schen mit ihren Arbeitnehmervertretern, wo im Unternehmen aus nachvollziehbaren Gründen Zeitarbeitnehmer und Werk­ unternehmer oder Dienstleister eingesetzt werden und zu welchen Bedingungen. Tarifliche Vorgaben zu den Inhalten von Werkverträgen (wie jetzt für die Stahl­ industrie in Nordrhein­Westfalen u. a. gere­ gelt) werfen die Frage auf, wie weit die Re­ gelungsmacht der Tarifparteien reicht, Wirtschaftsbedingungen zu regeln, die nicht Arbeitsbedingungen sind.

DIE ARBEITSRECHTLERIN Gastautorin Katrin Hauß­ mann ist Fachanwältin für Arbeitsrecht und seit 2002 Partner der international tätigen Wirt­ schaftskanzlei

Gleiss Lutz. Von Stuttgart und München aus berät und vertritt die promovierte Juristin Firmen und Verbände regelmäßig in arbeits­ rechtlichen, insbesondere tarif­ vertrags­ und betriebsverfassungs­ rechtlichen Angelegenheiten. red


„Analytische Kompetenz ist gefragt“ Die Zeiten für Anleger sind in einem bewegten Kapitalmarktumfeld mit anhaltend niedrigem Zinsniveau nicht einfacher geworden. Gerade in einem herausfordernden Marktumfeld wie diesem stehen die traditionellen Werte einer Privatbank bei vermögenden Anlegern und Unternehmen besonders hoch im Kurs. Während viele Bankhäuser inzwischen zu internationalen Finanzkonzernen gehören, wird die 1590 gegründete Privatbank Berenberg auch heute noch von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt. Der inhabergeführten Bank fühlen sich insbesondere vermögende Familien, Privatiers, Unternehmer, Senior Executives und Stiftungen eng verbunden, aber auch im Kapitalmarktbereich gehört Berenberg zu den bedeutenden Marktteilnehmern. „Wir legen Wert auf eine hohe Qualität in der Beratungsleistung, einen engen, persönlichen Kontakt zu unseren Kunden und maßgeschneiderte Dienstleistungen“, sagt Dr. Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Berenberg. Eine Privatbank darf nicht jedem Trend nachlaufen. Sie muss sich richtig positionieren, ihr Geschäftsmodell klar definieren und hochqualitative Dienstleistungen erbringen, die Mehrwerte stiften.

UNABHÄNGIGE BERATUNG Heute ist Berenberg eine der führenden Privatbanken in Europa. Gerade in den vergangenen, von Turbulenzen an den Kapitalmärkten gekennzeichneten Jahren haben immer mehr Kunden die Dienstleistungen der Bank in Anspruch genommen - das verwaltete Vermögen erhöhte sich von Anfang 2008 bis Ende 2013 um 58 Prozent auf 30,1 Mrd. Euro. Mit einem Fokus auf das Dienstleistungsgeschäft und unabhängige Beratung ist Berenberg neben dem Private Banking auch im Investment Banking, Asset Management und Corporate Banking tätig. Die Kernkapitalquote der Berenberg Gruppe von 15,3 Prozent liegt weit über den regulatorischen Anforderungen und ist Ausdruck der Solidität. Bereits seit über acht Jahren ist Berenberg in Stuttgart ansässig. Mit der

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Konzentration auf Beratung und Dienstleistung für vermögende Privatkunden, Unternehmer und Stiftungen in Baden-Württemberg verzeichnete die Niederlassung in der Bolzstraße auch im vergangenen Jahr einen erfreulichen Kundenzuspruch.

INDIVIDUELLE BETREUUNG „Wir sind Ansprechpartner für konservative und auf Kapitalerhalt fokussierte Anleger ebenso wie für aktive, markt- und chancenorientierte Investoren. Dabei stehen die individuelle Betreuung und das Kundeninteresse stets im Mittelpunkt unserer Tätigkeit“, erläutert Oliver Holtz, Niederlassungsleiter von Berenberg in Stuttgart. Neben der stetig wachsenden Zahl privater Kundenverbindungen ist die Bank aber auch bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen ein gefragter Berater und belegt hier Platz 2 im deutschsprachigen Raum. In den letzten Jahren hat die Bank stets in den Ausbau von Know-how investiert und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. So wurde sie beispielsweise letztes Jahr im Report „Elite der Vermögensverwalter“ (Handelsblatt) mit Platz 1 ausgezeichnet. Mit mehr als 80 Aktienanalysten hat Berenberg das zweitgrößte Analystenteam einer deutschen Bank und bewertet europaweit 500 Unternehmen. Das Research dient unter anderem als Informationsquelle für das Private Banking. Am Bankenplatz Frankfurt hat Berenberg ein Chief Investment Office errichtet, das neben der Anlagestrategie auch Investitionsideen für Anleger entwickelt. Hierfür wurde der renommierte Kapitalmarktexperte Stefan Keitel gewonnen. „Für uns ist die analytische Kompetenz ein wichtiges Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb“, erklärt Holtz. „Für unsere Kunden sehen wir uns deshalb immer wieder nach Anlagealternativen zur Diversifizierung des Vermögens um und prüfen, in welchen Bereichen gerade im derzeitigen Niedrigzinsumfeld vernünftige Renditen erzielt werden können, die im Einklang mit den Anlagezielen des Kunden stehen.“

Die Niederlassung von Berenberg in der Stuttgarter Bolzstraße

Fotos: Berenberg

GESELLSCHAFTLICHE VERANTWORTUNG Unternehmen müssen heute in die Gesellschaft hineinwirken. Um das gesellschaftliche Engagement von Firmen zu stärken, hat Deutschlands älteste Privatbank erstmalig den „BerenbergPreis für unternehmerische Verantwortung“ ausgeschrieben. Erster Preisträger ist die Faber-Castell AG. Der SchreibwarenHersteller produziert jährlich 2,3 Milliarden Stifte, 99 Prozent davon aus zertifiziertem Holz. In einem bislang einmaligen Projekt engagiert man sich in Kolumbien, um karges Weideland in

Waldflächen zu verwandeln. 51 Bauern bewirtschaften dafür insgesamt 1.900 Hektar Wald. „Gesellschaftliche Verantwortung ist gerade bei familiengeführten Unternehmen stark ausgeprägt. Dieses Selbstverständnis resultiert häufig aus dem sehr langfristigen und auf Nachhaltigkeit ausgelegten Wirkungshorizont des Familienunternehmers“, so Dr. Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Berenberg.

Verantwortungsvolles Handeln

ist unser Prinzip

Im Bankgeschäft zählt heute mehr denn je Vertrauen. Das bedeutet, einen verantworDer Eingangsbereich der Stuttgarter Niederlassung von Berenberg

„Kunde im Mittelpunkt“

tungsvoll handelnden Partner an seiner Seite zu wissen. Einen Partner, der seine Kunden kompetent und individuell betreut und dabei stets ihren dauerhaften Erfolg im Blick hat. Seit über 400 Jahren wird Berenberg von persönlich haftenden Gesellschaftern geleitet –

Oliver Holtz leitet die Niederlassung von Berenberg in Stuttgart Herr Holtz, was zeichnet eine inhabergeführte Privatbank wie Berenberg aus? Holtz: Wir verOliver Holtz stehen uns als verantwortungsvoll agierender Berater und Dienstleister. Für uns ist die Betreuung eines größeren Vermögens mehr als die Vermittlung von bloßen Anlageideen. Es ist vielmehr das Management aller Chancen und Risiken, die Auswirkungen auf die Vermögenssituation unserer Kunden haben können. Nur wer die persönliche und geschäftliche Situation des Kunden, sein Umfeld und seine individuellen Bedürfnisse in die Gesamtplanung einbezieht, kann ein maßgeschneidertes Vermögenskonzept erstellen. Als internationales Haus mit Standorten u.a. in der Schweiz, England und den USA haben wir zudem spezielle Angebote für deutsche Familien, die zunehmend internationale Aspekte berücksichtigt wissen wollen. Was genau machen Sie in Stuttgart? Holtz: Wir sind sowohl für vermögende Privatanleger und Stiftungen als auch für Unternehmer in Stuttgart und ganz BadenWürttemberg tätig. So können wir z. B.

Unternehmerfamilien sowohl auf der Firmenseite als auch auf der Privatkundenseite betreuen, bringen Käufer und Verkäufer von Unternehmen zusammen, helfen bei der Vermögensanlage und sondieren Finanzierungsmöglichkeiten. Das Kernangebot der Vermögensverwaltung wird durch die Anlageberatung und verschiedene Spezialdienstleistungen ergänzt. Neben den klassischen Anlagebereichen beschäftigt sich die Bank auch mit der Umsetzung von Sachwertinvestments wie etwa Immobilien, Wald, Ackerland und Infrastruktur oder Private Equity. Ihre Bank ist fast 425 Jahre alt. Wie gelingt es, ein Unternehmen über so lange Zeit am Markt erfolgreich zu positionieren? Holtz: Wir sind heute ein interdisziplinärer Bankpartner und können hier unsere Stärken ausspielen. So werden etwa im Corporate Banking auf Unternehmerfamilien zugeschnittene Spezialfinanzierungen konzipiert, die sich deutlich von der am Markt üblichen Standardisierung abheben. Das Aktien-Research dient unter anderem als Informationsquelle für das Private Banking. Über das Asset Management werden den Kunden des Private Banking Investmentlösungen zugänglich gemacht, die üblicherweise nur institutionellen Kunden vorbehalten sind. Dabei ist die wesentliche Prämisse der interdisziplinären Beratung stets die konsequente Orientierung am Mehrwert für den Kunden. red

ein Prinzip, das das verantwortungsvolle Handeln unseres Hauses geprägt hat. Und das von mittlerweile 1.150 unternehmerisch denkenden Mitarbeitern an 17 Standorten in Europa, Amerika und Asien gelebt wird. Für einen persönlichen Kontakt wenden Sie sich gern an Oliver Holtz. Telefon (0711) 490 44 90-10 www.berenberg.de PRIVATE BANKING · INVESTMENT BANKING ASSET MANAGEMENT · CORPORATE BANKING


16 Wirtschaft in Baden-Württemberg

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Wirtschaft in Baden-Württemberg 17

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Controller Ein Beruf, dessen Name mehr verbirgt, als er verrät

Eher Co­Pilot als Erbsenzähler

Die Rolle eines Controllers hängt stark von der jeweiligen Firma ab. Sicher ist aber: mit „Kontrolleur“ sind dessen Aufgaben nur höchst unzulänglich beschrieben. Von Stefanie Köhler Berufsprofil

I

n einem Satz zusammenfassen, was ein Controller ist oder tut? Ronald Gleich ist Profi auf dem Gebiet, doch bei der Frage muss selbst der Leiter der Hor­ váth Akademie – die Trainingsorgani­ sation der renommierten Unternehmens­ beratung Horváth & Partners – erst einmal passen. Aber nur kurz. Folgender Satz be­ schreibe das Leitbild gut, sagt Gleich: „Controller gestalten und begeleiten den Management­Prozess der Zielfindung, Pla­ nung und Steuerung und tragen damit eine Mitverantwortung für die Zielerreichung.“ Vor Jahren, ergänzt Gleich, sei die Mitver­ antwortung eines Controllers nicht so ak­ zentuiert worden wie heute. Er wurde hauptsächlich als Zuträger des Manage­ ments betrachtet. „Controller sind mit ihrer Reporting­ und Planungstätigkeit nah am Management dran, das sich immer schwieriger gestaltet. Daher übernehmen sie zunehmend Aufgaben des Manage­ ments mit“, sagt Gleich. Zu nah dran am Management sollte ein Controller aber auch wieder nicht sein. Das gefährdet seine Position als unabhängige neutrale Instanz, die zwischen Management und Geschäfts­ führung vermitteln und Missstände an­ sprechen soll. Das Controller­Leitbild wurde im Jahr 2002 durch die International Group of Controlling (IGC) neu formuliert. Die Pra­ xis sieht für jeden Controller jedoch anders aus. Controlling wird zwar häufig mit dem internen Rechnungswesen gleichgesetzt. Aber: „Den Controller gibt es nicht“, sagt Gleich. Seine Rolle und Funktion hängen von den Erwartungen und Vorstellungen einer Firma ab. „Jedes Unternehmen benö­ tigt einen anderen Typ.“ Daraus ergeben

sich unterschiedliche Anforderungen. Einen Controller, der Zahlen und Fak­ ten analysiert, interpretiert und kommuni­ ziert sowie das Unternehmen als großes Ganzes betrachtet, benötigen alle Firmen. Sie müssen sich daneben aber die Frage stellen, welchen Raum sie einem Control­ ler geben wollen. Soll er nur seine Meinung äußern, aber bitte auf zurückhaltende Art? Oder soll er als Mitentscheider auch Kern­ themen bearbeiten, sich mit dem Kapital­ markt beschäftigen oder mit den Produk­ ten und der Wertschöpfung? „Manche Ma­ nager wollen keinen Konkurrenten“, sagt Gleich. Was der eine also negativ auffasst, da sich einer zum zweiten Chef aufschwin­ gen könnte, begreift der andere positiv. Und sieht den Controller dann als seinen Sparringspartner oder Co­Piloten an. Aus Sicht von Pirmin Willmann, stell­ vertretender Leiter des regionalen Arbeits­ kreises des Internationalen Controller Vereins (ICV) in Stuttgart, ist eine Rollen­ klärung vor allem in wachsenden Unter­ nehmen unabdingbar, um Konflikte zu ver­ meiden. „Controlling ist ein Service. Eine gute Firma erstellt ein Anforderungsprofil und stimmt das mit dem Controller ab“, sagt Willmann. Ein Indiz dafür, dass die Rolle des Controllers nicht oder unzurei­ chend geklärt ist, seien Schuldzuweisun­ gen. „Dann ist nicht klar, was von wem er­ wartet wird“, sagt Willmann. Grundsätz­ lich seien Controller darauf angewiesen, dass Manager offen mit ihnen reden. „Ein gemeinsames Verständnis führt zu gegen­ seitigem Vertrauen.“ Hinzu kommt: Auch CFOs und Werks­ oder Betriebsleiter müssen sich einig sein. Bei den gemeinsamen Zielen ebenso wie

DIE VIELEN GESICHTER DES CONTROLLERS Rollenbilder der Controller in der Managerwahrnehmung 2010, Angaben in Prozent, Mehrfachnennung möglich

67

Interner Berater 59

Ökonomisches Gewissen 52

Kontrolleur 26

Steuermann 22

Spürhund Kommunikator

18

Erbsenzähler

Sechsstellige Einkommen sind möglich

Ein aus Sicht von Experten wichtiger und von Firmen zunehmend beachteter Bereich ist das Personalcontrolling. „Immer mehr Unternehmen wollen die Wirksamkeit der Personalarbeit hin­ terfragen, da immer mehr erkennen, dass in den Personalressourcen Erfolgsfaktoren liegen“, sagt Silke Wickel­Kirsch, Professorin für Personalwirt­ schaft und Organisation an der Hochschule Rhein­ Main. Die Einrichtung hat zusammen mit dem Weiterbildungsunternehmen Haufe­Akademie eine Studie zum Personalcontrolling erstellt. Um den Erfolgsfaktor Mitarbeiter besser zu verste­ hen und ihn vorausschauend steuern zu können, seien Zahlen und Erkenntnisse aus dem Perso­ nalcontrolling nötig, sagt Wickel­Kirsch. Der Personalcontroller sammelt Daten und Fakten zu Mitarbeiterzahlen, Personalkosten und zur

Das Einstiegsgehalt eines Controllers liegt bei 35 000 bis 45 000 Euro brutto im Jahr, große Mittelständler und Konzerne zahlen bis zu 50 000 Euro. Die weitere Gehaltsentwicklung hängt von der Berufserfahrung ab und davon, ob ein Controller eine Führungskraft ist oder nicht. Controller mit beispiels­ weise zehn Jahren Berufserfahrung ohne Führungsfunktion verdienen maximal 80 000 bis 85 000 Euro, bei größeren Mittelständlern oder Konzernen kann es durchaus etwas mehr sein. Führungskräfte können Summen im sechsstelli­ gen Bereich erzielen. Leiter Controlling etwa verdienen je nach Firmengröße und Branche zwischen 80 000 und 250 000 Euro, wobei die Spitzengehälter im höheren sechsstelligen Bereich vorwiegend Controller in Großkonzernen erhalten, deren Position direkt unter dem Vorstand angesiedelt ist. sk

Personalkosten sind für viele Firmen ein Thema – etwa für die Bahn.

Chefcontroller Walter Sieber sieht sich als Lotse des Leonberger Pumpenherstellers Lewa. Von Stefanie Köhler Porträt

W

4

Architekt

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Hofnarr

2

Foto: dpa

Quelle: Otto Beisheim School of Management

Neues Berufsbild Biltroller Zum Nachlesen und zum Zuhören Literatur „Challenge Controlling 2015“ (Hrsg.: Ronald Gleich und Andreas Klein) beschreibt, welche Themen die Controller künftig beschäftigen werden. Das Buch „Controller’s Performance – Mit welchen Skills Sie überzeugen“ (Hrsg.: Andreas Klein) vermittelt Controllern Methoden­ und Sozialkompetenz. Veranstaltung Der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC) in Baden­Württemberg lädt am 8. November zum Tag der offenen Tür der Arbeitskreise und des Regionalverbandes Stuttgart ein. Die Work­ shops und Vorträge sind kostenlos. Die Veranstaltung beginnt um 9.30 Uhr im commundo Tagungshotel, Universitätsstraße 34 in Stuttgart­Vaihingen. // Weitere Informationen hierzu unter www.bvbc­lvbw.de.

Die WHU – Otto Beisheim School of Management bietet eine App mit Kenn­ zahlen zu verschiedenen Controlling­Themen zum Herunterladen an – aller­ dings nur auf WebKit­basierten Browsern wie Google Chrome oder Safari. // Die App finden Sie unter http://controllingapp.whu.edu. sk

In Deutschland gibt es 80 bis 100 Lehrstühle, an denen sich rund 200 Professoren mit dem Thema beschäftigen. Schätzungen zufolge haben rund 70 Prozent der Controller einen akademischen Hintergrund. Klassisch be­ ginnt der Weg mit einem Studium in Be­ triebswirtschaftslehre oder als Wirtschafts­ ingenieur mit der Vertiefung Controlling/ Rechnungswesen. Auch Quereinsteiger haben gute Chancen. Ingenieur­ oder Sozial­ wissenschaftler können sich ebenso wie ausgebildete Kaufleute entsprechend fort­ und weiterbilden, zum Beispiel zum geprüf­ ten Controller (IHK) . Die Württembergische Verwaltungs­ und Wirtschafts­Akademie (VWA) bietet berufsbegleitende Studien an. Daneben bilden die Horváth­Akademie, die Haufe­Akademie und die Controller­Akade­ mie in München Controller weiter. Sigrid Assmus, Vorstand im Landesverband des Bundesverbands der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC), rät, im Studium mög­ lichst viele Praktika zu absolvieren oder als Werkstudent in einer Firma zu arbeiten. Nicht nur, um Kenntnisse zu vertiefen. Be­ rufserfahrung erleichtert den Einstieg, weil sich Berufsanfänger so bei der Bewerbung hervortun können. „Seit der Einführung des Bachelors unterliegen die Abschlussnoten einer gewissen Inflation. Es gibt kaum Absol­ venten, die einen schlechteren Notendurch­ schnitt als 2,5 haben“, sagt Assmus. sk

Er löst Probleme, die es noch nicht gibt

6

Innovator

Chancen auch für Quereinsteiger

Sigrid Assmus vom Vorstand des Bundesver­ bandes der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC) in Baden­Württemberg stellt einen Trend zur Spezialisierung fest. Zum Beispiel seien auf der operativen Ebene zunehmend Beteiligungscontroller gefragt. Sie kümmern sich in Konzernen und größeren Mittelständ­ lern um die Auslandsniederlassungen und fügen die Daten und Fakten zusammen. Ebenso suchen vor allem Automobilzuliefe­ rer Produktionscontroller, die etwa die Pro­ duktionsabläufe optimieren, um die wichtige Kennzahl „Umsatzrendite“ zu verbessern. Weitere Spezialisierungen gibt es im Ver­ triebs­, Marketing­ oder IT­Controlling. sk

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Bremser

Personalplanung ebenso wie Informationen über die Mitarbeiterzufriedenheit, das Gesundheits­ management oder den Bildungs­ und Qualifizie­ rungsstand und ­bedarf. Ein Ziel ist es, die Maß­ nahmen und Programme der Personalarbeit zu evaluieren. „Personalcontrolling unterstützt die Führungskräfte und Mitarbeiter des Personal­ bereichs. Es beantwortet zum Beispiel die Frage, ob Maßnahmen zur Personalentwicklung den gewünschten Erfolg erzielen“, sagt Wickel­ Kirsch. Laut einer Studie der Hochschule aus dem Jahr 2008 hat fast jedes zweite deutsche Unternehmen ein Personalcontrolling. Die Exper­ tin sieht es jedoch kritisch, wenn es im Bereich Controlling und nicht in der Personalabteilung der Unternehmen angesiedelt ist. Schließlich müsse man auch als Personalabteilung in d er Lage sein, aus „eigener Kraft und den eigenen Reihen“ seine Metho­ den und Strategien zu überprü­ fen, zu hinterfragen und gege­ benenfalls nachzubessern. Per­ sonalabteilungen können vom Personalcontrolling profitieren. „Gerade unter dem Aspekt, dass Personalabteilungen oft vorgeworfen wird, sie kosteten nur Geld, erzielten aber keine Ergebnisse, besteht die Chance aufzuzeigen, dass Personal­ arbeit sehr wohl maßgeblich zum Unternehmenserfolg beitragen kann“, sagt Silke Wickel­Kirsch. sk

Trend: Spezialisierung

12

Change Agent

StZ-Grafik: zap

bei der Frage, wem der Controller diszipli­ rungsprozesse einleiten zu können, muss narisch und wem fachlich untergeordnet er immer so früh wie möglich in Entschei­ ist. „Andernfalls muss der Controller eine dungsprozesse involviert werden. Entspre­ starke Persönlichkeit sein und seine Rolle chend hoch müssen sein Controlling­Wis­ einfordern“, sagt Willmann. sen und sein Geschäftsverständnis sein. Als Die Horváth Akademie hat in einer ein Mitarbeiter, der Veränderungen an­ Studie vier typische Rollenbilder mit ver­ stößt, die nicht jedem gefallen mögen, bläst schiedenen Anforderungen an den Con­ diesem Controller­Typ immer wieder troller herausgearbeitet. Das sogenannte Gegenwind ins Gesicht. Er braucht deshalb Kompetenzmodell definiert die nötigen ein dickes Fell, muss aber auch diploma­ Kompetenzen eines Controllers als Person tisch, sensibel und einfühlsam sein. und formuliert die dritte Dimension neben Welche Rolle auch immer er einnimmt: Leitbild und Aufgaben. Bei Controllern als eigenbrötlerische Erbsenzähler oder geht es demnach um fachliche, methodi­ Pfennigfuchser, die allein im verdunkelten sche, persönliche und soziale Kompetenz. Hinterzimmer Zahlen nach links und Die Rollenbilder bauen aufeinander auf. rechts drehen, werden Controller kaum Horváth­Akademie­Leiter Gleich sagt, dass mehr wahrgenommen. Sie sind heute ge­ mit diesem Modell „Hebel für die Auswahl fragter denn je. Laut Experten sollte jede und Entwicklung von Controllern“ gefun­ Firma ab 200 Mitarbeitern Controller ha­ den worden seien. ben. Konzerne mit 10 000 Mitarbeitern be­ Da ist einmal der Analyst. Die Rolle des schäftigen bis zu 70. Gesetzliche Regelun­ Zahlenmeisters müssen alle Controller be­ gen, Datenmassen, die verwaltet und aus­ herrschen. Der Analyst berei­ gewertet werden müssen – tet betriebswirtschaftliche „Jedes Stichwort Big Data –, Volatili­ Daten so auf, dass der Adres­ Unternehmen tät des Geschäfts oder Kosten­ sat sie versteht und nachvoll­ benötigt einen druck befördern ihre Wichtig­ ziehen kann. Daher muss die­ keit, die weiter wächst. Ronald ser Typ, der mit fachlichen anderen Typ Gleich geht davon aus, dass und methodischen Kompe­ Controller.“ Controller künftig mehr als tenzen punktet, gut kommu­ Roland Gleich, Mitentscheider und strategi­ nizieren und argumentieren Leiter der Horváth Akademie sche Partner fungieren. „Sie können. Der Analyst muss werden sich auch stärker mit auch belastbar sein, weil er bei dem Markt und Marktverän­ zeitkritischen Entscheidungen mitunter derungen beschäftigen oder sich in das Un­ schnell Informationen aufbereiten muss. sicherheitsmanagement einarbeiten müs­ Und der Controller als Kontrolleur? Er sen“, sagt Gleich. Eine gesunde Portion ist das kaufmännische Gewissen eines Neugierde und Wissensdrang helfe Con­ Unternehmens, soll Missstände und fal­ trollern, sich im Unternehmen unentbehr­ sche Entwicklungen analysieren und Ver­ lich zu machen. Und mehr Mut, der aus besserungsvorschläge liefern. Also muss er Sicht von Gleich einigen Controllern fehlt. teamorientiert und kooperativ sein. Weil er Etwa wenn es darum geht, dem Manage­ nicht nur den Erfolg von Maßnahmen und ment Investitionen auszureden oder seine Strategien misst, sondern auch die Leis­ Planungen zu korrigieren. tung anderer Menschen, muss er überdies Der Weg in die Unternehmensspitze neutral und gründlich arbeiten. Analyti­ wäre damit geebnet. Je weiter Controller sche Kompetenz benötigt er mehr als der aufsteigen, desto einflussreicher werden zahlenorientierte Analyst. sie. Mit jedem Karriereschritt sammeln sie Der Controller als Business Partner mehr Erfahrung und vor allem mehr Wis­ oder Sparringspartner berät Führungs­ sen über die Firma. Immer öfter rücken Fi­ kräfte bei Entscheidungen. Voraussetzung nanzvorstände in die Konzernspitze auf. So dafür ist, dass der Controller viel über Joe Kaeser (Siemens), Olaf Koch (Metro) das Unternehmen weiß. Er kennt die Ge­ oder Kurt Bock (BASF). Eine Entwicklung, schäftsstrategie ebenso wie die Vision, die die zumindest Horváth­Akademie­Leiter Unternehmensziele und ­prozesse. Die Gleich aber kritisch sieht. Seiner Meinung Führungskräfte akzeptieren die Vorschläge nach haben ehemalige CFOs nicht selten zu des Sparringspartners umso mehr, je aus­ wenig umfangreiches Fachwissen, zum geprägter seine Lösungs­ und Umsetzungs­ Beispiel über die jeweiligen Produkte des fähigkeit ist. Er muss außerdem voraus­ Unternehmens. schauend Initiative zeigen, belastbar und leistungsorientiert sein. Der Business Part­ ner muss auch Führungsaufgaben erfolg­ reich bewältigen können. Rollenbild Nummer vier beschreibt den pro­aktiven Leader, der als Change Agent fungiert. Um im Unternehmen Verände­

Controlling der Personalarbeit wird wichtiger

Biltroller heißt das Kunstwort, mit dem der Bundesver­ band der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC) ein relativ neues Berufsbild bezeichnet. Der Begriff setzt sich zusammen aus Bilanzbuchhalter und Controller. Die Verzahnung der einst getrennten Tätigkeiten ist der Entwicklung geschuldet, dass immer mehr Firmen von Controllern Bilanzwissen verlangen und von Buch­ haltern Kenntnisse über Reporting oder Kostenrech­ nungen. Laut Sigrid Assmus, Vorstandsmitglied des BVBC­Landesverbandes Baden­Württemberg, gibt es den Biltroller vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen – wenngleich bislang selten mit dieser Bezeichnung, wie eine BVBC­Studie im Jahr 2012 zeigte. Die Unternehmen sparen so auch Kosten. Sie benötigen nur einen Mitarbeiter statt zwei. Jedoch fordern auch größere Unternehmen von Controllern zunehmend Bilanzierungswissen, etwa im Beteiligungscontrolling, sagt Assmus. „Das ist vor allem in börsennotierten Konzernen unabdingbar, die nach IFRS bilanzieren.“ Lehrgänge zum Biltroller bietet der BVBC an. Ansons­ ten eignet sich eine Weiterbildung zum geprüften Controller (IHK) oder ein berufsbegleitendes Studium zum Beispiel an der Württembergischen Verwaltungs­ und Wirtschafts­Akademie (VWA). Das Einkommen eines Biltrollers orientiert sich an dem des Controllers. sk

alter Sieber (56) hat sein Ziel erreicht. Bei der Firma Lewa mit Hauptsitz in Leonberg ist er auf der zweiten Führungsebene unter den drei Geschäftsführern angekommen. Als Leiter Finance & Controlling hat er zwölf Mit­ arbeiter aus zwei Abteilungen unter sich. „Bei mir laufen alle Informationen zusam­ men, die mein Team und ich verdichten“, sagt Sieber. Die Besonderheit bei Lewa: der Finanzbereich ist gesplittet. Sieber teilt sich den Posten des CFO mit einem Kollegen aus der Finanzbuchhaltung. Und das in einem Unternehmen, von dem er immer träumte. Lewa, eine typisch schwäbi­ „Ich schiebe nicht sche Firma, stellt Pumpen nur Zahlen hin und und Anlagen für Industrie­ her. Hinter Zahlen kunden her. „Ich fühle mich im Mittelstand gut aufgeho­ stecken die Firma ben“, sagt Sieber, der auch immer für einen Maschinen­ und Menschen.“ bauer tätig sein wollte. Von Walter Sieber, seiner Rolle hat er eine klare Controlling­Leiter bei Lewa Vorstellung. „Das Bild vom Lotsen oder Steuermann auf einem Schiff gefällt mir gut.“ Er schaut stets nach vorn, um Probleme zu verhindern. Derzeit kämpft Lewa allenfalls mit Platzproblemen. Wachstum ist ein großes Thema. Die japanische Muttergesellschaft Nikkiso, die Lewa 2009 gekauft hat, will bis 2018 um 50 Prozent wachsen. Sieber sagt, dass für einen Controller eine Wachstums­ situation grundsätzlich angenehmer ist als eine Schieflage, in der die Firma Personal entlassen oder sogar Standorte schließen muss. „Doch auch wenn es gut läuft, muss man wirtschaftlich agieren. Man darf sich nicht ausruhen, sondern muss das Poten­ zial weiter ausschöpfen“, sagt Sieber. Er be­ trachtet es deshalb auch als seine Aufgabe, das Management vor zu großem Optimis­ mus zu warnen und bei zu gewagten Inves­ titionen zu bremsen.

Sieber sieht sich nicht nur als internen Berater. „Ich bin auch der Organisator, der dafür sorgt, dass die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen dem Hauptsitz und den 16 Tochtergesellschaften weltweit zustande kommt.“ Zusammengerechnet zwei Monate verbringt er jedes Jahr allein mit Reisen zu den Gesellschaften. „Ich wer­ de künftig sicher mehr reisen. Wegen unse­ ren japanischen Investoren ist vor allem meine Tätigkeit internationaler geworden. Der Kontakt zu Tokio und den Tochter­ gesellschaften hat sich intensiviert“, sagt Sieber. Lewa als Muttergesellschaft der Töchter ist stark auf diese ausgelegt. Nikki­ so hingegen interessiert das Gesamtergeb­ nis der Lewa­Gruppe und erst danach die Ergebnisse der Einzelgesellschaften. Nach dem Wechsel zu Lewa im August 2003 änderten sich Siebers Aufgaben mehrfach. Eingestellt als Leiter Produk­ tionsplanung und ­logistik, wechselte er 2006 in den Finanzbereich, wo er ab 2008 für Berichterstattung und Controlling zu­ ständig war. Ein Jahr nach dem Verkauf an Nikkiso bekam er die Leitung des Bereichs Finance & Controlling. Der Aufstieg bedeu­ tete zugleich den Eintritt in den Geschäfts­ leitungskreis. Eine Affinität zu Zahlen hatte Sieber schon in der Schule. „Damals konnte ich mir aber nicht vorstellen, was Finanz­ buchhaltung ist.“ Inzwischen weiß er: Hinter Zahlen stecken Menschen. Men­ schen, die Sieber bei Lewa persönlich kennt. „Die Mitarbeiter finden es positiv, dass ich sie und ihre Arbeitsabläufe ken­ ne“, sagt Sieber. Sie sind teils seit Genera­ tionen bei Lewa angestellt. „Mit dem Be­ wusstsein, dass man als Controller nicht nur Zahlen hin­ und herschiebt und inter­ pretiert, sondern damit auch über die Fir­ ma und Mitarbeiter entscheidet, arbeitet man sorgfältiger.“

Vielfältige Aufgaben: als Controller beim Pumpenhersteller Lewa bereitet Walter Sieber nicht nur Zahlen auf. Foto: Peter­Michael Petsch Ein gutes persönliches Verhältnis sowie Vertrauen zu Mitarbeitern suchte Sieber im­ mer. 1988, nach dem BWL­Studium und sie­ ben Jahren im betrieblichen Rechnungswe­ sen in der Elektronikindustrie in München, leitete er in Stuttgart das technische Con­ trolling einer Chemiefirma. In den 15 Jahren dort kamen andere Aufgaben hinzu. Etwa die Verantwortung für gewerbliche Mitarbeiter. „Es gefiel mir, auch einmal die andere Seite zu sehen. Nicht nur Zahlen zu liefern, son­ dern auch das Tagesgeschäft zu erleben.“


18 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Eine Stiftung schützt die Firma

Die Übertragung macht ein Unternehmen unabhängiger und kann Steuervorteile bringen. Von Raimund Haser Vermögenssicherung

E

ines vorweg: Wer eine Stiftung vergangenen Jahr sind 638 neu hinzuge­ aus Steuersparmotiven gründen kommen. Die Bandbreite reicht von Mil­ möchte, liegt daneben. Denn: ent­ liardenstiftungen wie Bertelsmann, Bosch weder die Stiftung ist gemeinnüt­ oder Volkswagen bis zu kleinen Bürger­ zig, mildtätig oder kirchlich – dann oder Privatstiftungen, die zum Beispiel den ist die Einlage zwar sonderabzugsfähig Erhalt eines Friedhofs, eines Denkmals (siehe Info), das Geld ist aber für immer oder auch die Sportförderung als Zweck „verloren“. Zweite Möglichkeit: die Stif­ verfolgen und zum Teil jährlich nicht ein­ tung ist nur dazu da, um zum Beispiel das mal 10 000 Euro ausschütten. Vermögen einer Familie oder eines Unter­ Auf der anderen Seite sind Stiftungen nehmens zusammenzuhalten. Dann ist sie milliardenschwere Unternehmen: 34 deut­ nicht gemeinnützig, und damit sind die sche Stiftungen verfügten 2013 über ein Stiftungseinlagen auch nicht steuerlich ab­ Stiftungsvermögen von über 100 Millionen zugsfähig. Von den Kapitalerträgen müs­ Euro, neun sogar zwischen mehr als einer sen überdies ganz normal Steuern entrich­ und mehr als fünf Milliarden Euro – Ten­ tet werden. Vorteil dieser Variante bleibt denz aufgrund der guten Wirtschaftslage dennoch: Erbschaft­ und Schenkungsteuer stark steigend. Allein die Robert­Bosch­Stif­ fallen nicht an, weshalb diese Variante in tung schüttete 2013 fast 100 Millionen Euro Familienunternehmen sehr beliebt ist – aus, die Baden­Württemberg­Stiftung fast nicht nur in Deutschland. 50 Millionen Euro, bei der Dietmar­Hopp­ Erst kürzlich hat die Bill­und­Melinda­ Stiftung waren es 42 Millionen Euro. Für Gates­Stiftung 50 Millionen US­Dollar für manche vielleicht überraschend: Nur etwas mehr als ein Viertel der Sum­ die Forschung an einem Anti­ men geht in soziale Projekte; virus des Ebola­Erregers ge­ Wissenschaft und Forschung spendet. Geld, das eines Tages erhielten im abgelaufenen vielleicht Millionen Menschen Jahr 12,4 Prozent, Bildung und das Leben retten könnte. Geld, Erziehung 15,4 Prozent der in das aus einem Vermögen Deutschland ausgeschütteten stammt, das der Microsoft­ Beträge. Gründer – immerhin ist er mit Eine Besonderheit unter Vermögenswerten von 70 Mil­ Foto: IHK den Stiftungen stellen stif­ liarden US­Dollar immer noch tungsgetragene Unternehmen der reichste Mensch der Welt – „Ein Verkauf dar – eine ausgeprägte Stärke Bedürftigen gestiftet hat. Geld, kam für uns Baden­Württembergs. Die das noch in 100 Jahren, wenn Stiftung ist in diesen Fällen Bill und Melinda längst tot trotz attraktiver Eigner eines Unternehmens. sind, Gutes vollbringen kann Angebote nicht Nur das Kapital, das am Ende und wird. infrage.“ des Jahres nicht für den Be­ Hierzulande sind die Ein­ trieb oder für Investitionen zelsummen, die von Stiftungs­ Heinrich Grieshaber, Unternehmer und Rücklagen benötigt wird, unternehmen alljährlich aus­ geht an die Stiftung. Berühmte geschüttet werden, zwar nicht annähernd so hoch wie die der amerikani­ Beispiele hierfür sind Bosch, Diehl, ZF schen „Trusts“ und „Funds“. In der Summe Friedrichshafen oder Mahle. Der Stuttgar­ sind sie aber gewaltig. Ein großer Teil des ter Autozulieferer beispielsweise gehört zu wirtschaftlichen und sozialen Erfolgs 99,9 Prozent einer gemeinnützigen Stif­ Deutschlands fußt auf der nachhaltigen Fi­ tung, die mit ihrem Geld unter anderm das nanzierung verschiedenster Zwecke durch anthroposophische Krankenhaus auf den Stiftungsgelder. Motor dieser Bewegung ist Fildern fördert. In verschiedenen Studien wird immer die Wirtschaft, sie steuert den Löwenanteil der Stiftungsgelder bei. Ohne verantwor­ wieder die wirtschaftliche Bedeutung dieser tungsbewusste Unternehmer, die – heute oft Unternehmen für den Standort Deutschland schon zu Lebzeiten – ihre Unternehmens­ betont. Weil sie nicht von den internationa­ anteile in Stiftungen stecken, ließen sich al­ len Kapitalmärkten abhängig sind, könnten so viele soziale oder wissenschaftliche Pro­ sie wirtschaftlich langfristiger und deshalb auch nachhaltig erfolgreicher wirtschaften jekte gar nicht finanzieren. Im Gegensatz zu den USA gilt hierzulan­ als Aktiengesellschaften, heißt es allgemein. de: die Masse macht’s. Ende 2013 gab es Ebenso wird aber auch immer wieder darauf laut Bundesverband Deutscher Stiftungen hingewiesen, dass die Kontrolle nicht so ef­ 20 130 Stiftungen in Deutschland, allein im fektiv sei wie bei Kapitalgesellschaften. Von –

Die anthroposophisch ausgerichtete Filderklinik in Filderstadt wird von der gemeinnützigen Mahle­Stiftung geför­ dert. Sie ist eine der großen Stiftungen im Südwesten und profitiert vom Ergebnis des Autozulieferers. Foto: Filderklinik im Nachhinein – unsinnigen Entscheidungen blieben in der Vergangenheit auch Stiftungs­ unternehmen nicht verschont. Irren bleibt menschlich – egal in welcher Rechtsform. Unterm Strich konstatieren Experten wie Burkhard Schwenker, lang gedienter Berater und heute Aufsichtsratschef bei Roland Berger, bei Stiftungsunternehmen aber mehr Erfolg in ruhigerem Fahrwasser. „Stiftungen sind eher an langfristigen und stetigen Zuflüssen als an kurzfristiger Gewinnmaximierung interessiert“, so Schwenker in einem Interview. „Ihre Unternehmen können mehr Rücklagen und mehr Eigenkapital bilden und haben es so leichter, Investitionen zu finanzieren oder

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temporäre Krisen zu überbrücken.“ Zu den Nutznießern des Modells zähle auch die Ge­ sellschaft. „So gesehen sind Stiftungsunter­ nehmen die besseren Kapitalisten.“ Gerade in Zeiten fehlender Nachfolger überlegen sich immer mehr kleine und mittlere Unternehmen, den Beispielen von Krupp, Fresenius und anderen zu folgen. Viele die­ ser Unternehmen kennt man, für die Eigentumsver­ hältnisse interessiert man STEUERN SPAREN Natürlich gibt es Stiftungsübertragun­ sich aber nur selten. Als zum Beispiel 1981 gen ins Ausland, zum Beispiel nach Firmengründer Alois Gold­ Liechtenstein oder in die Schweiz. hofer plötzlich verstarb, Steuersparend wirkt sich hier aber weni­ übernahm seine Witwe die ger der Tatbestand der Stiftungsgrün­ Geschäfte des Fahrzeug­ dung aus als vielmehr die Übertragung bauers im bayerisch­ des Vermögens ins Ausland. Betrachtet schwäbischen Memmin­ man die Situation in Deutschland, heißt gen, überführte die Firma die Faustregel: Stiftungen, die privat­ im Jahr 2000 in die Alois­ wirtschaftliche Zwecke verfolgen, Goldhofer­Stiftung und sind nicht steuerfrei. Begünstigt werden setzte sich bis zu ihrem Tod dagegen Stiftungen, deren Zweck 2013 für gemeinnützige gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich ist. Zwecke, Wissenschaft und Forschung, Bildung und Laut deutschem Stiftungsverband Erziehung sowie kulturelle können Zuwendungen (Spenden oder und karitative Einrichtun­ Mitgliedsbeiträge) zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke insgesamt gen in ihrer Region ein. Beispiele wie diese gibt bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags es viele: Erst Anfang Sep­ der Einkünfte des Steuerpflichtigen als tember gaben die kinder­ Sonderausgaben abgezogen werden. losen Eheleute Gabriele Der Spendenabzugsbetrag ist unbe­ und Heinrich Grieshaber, grenzt vortragsfähig. die im oberschwäbischen Weingarten ein Spedi­ Ein Beispiel: Ein kinderloses Ehepaar tionsunternehmen mit besitzt ein Eigenheim. Jeder von beiden 530 Mitarbeitern führen, hat ein Bruttojahreseinkommen von bekannt, dass aus ihrem 75 000 Euro sowie eigene Ersparnisse. Betrieb ein Stiftungs­ Sie überlegen, eine eigene gemein­ unternehmen wird. „Bei nützige Stiftung zu gründen. Welchen der Nachfolge war es uns Betrag können sie über einen Betrach­ wichtig, dass die Firma in tungszeitraum von zehn Jahren als der jetzigen Form weiter­ Sonderausgabe abziehen? geführt wird“, sagte Hein­ Normaler Spendenabzug (gem. § 10b rich Grieshaber, amtieren­ Abs. 1 S. 1 EStG): de Präsident der IHK Bo­ – jährlich 15 000 € (20 % von densee­Oberschwaben, 75 000 €) pro Ehegatte: 30 000 € x 10 anlässlich seiner Entschei­ ergibt 300 000 € plus Sonderausga­ dung. „Ein Verkauf kam für benabzug gem. § 10b Abs. 1a S. 1 EStG: uns trotz attraktiver Ange­ – einmalig im Zehnjahreszeitraum: bote nicht infrage.“ Die 1 Million € pro Ehegatte = 2 Millionen €. Stiftung soll künftig über Beides zusammengerechnet, bleibt den die Firma wachen und Eheleuten insgesamt in einem Zehnjah­ auch das soziale Engage­ reszeitraum ein Sonderausgabenabzug ment der Familie Griesha­ in Höhe von insgesamt 2,3 Millionen Euro. Die Beiträge, die beide in die Stif­ ber nachhaltig fortsetzen. Da sich Beispiele wie tung eingezahlt haben, sind allerdings dieses tausendfach wieder­ unwiederbringlich verloren. holen, haben sich Stif­ tungen nicht nur als Ein gutes Geschäft ist die Stiftung in Alternative zum Verkauf dem Fall also – rein monetär gesehen – mittelständischer Unter­ nicht. Das kann sie nur werden, wenn nehmen etabliert. Auch die man deren ideellen Wert bepreist. rah Gesellschaft profitiert in hohem Maße von dieser Entwicklung: Die jährlich ausgeschüttete Summe aller deut­ scher Stiftungen kletterte im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 17 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Seit Gründung der Bill­und­Melinda­Gates­Stiftung flossen aus dieser Organisation insgesamt 7,5 Mil­ liarden US­Dollar für gute Zwecke.


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20 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Der Spielmacher

Persönliches Stefan Löbich

Zurück in die Heimat

Ausgefragt

Ungeduldig mit Freude am Gestalte

n

ist Manager mit Leib und Seele. Im Fra gebogen verrät er etwas über seine Vorbilder, womit ihn Kollegen ner ven können und umgekehrt. Von Ime lda Flaig Karsten Sch mid t

Was macht einen guten Chef aus

Inhaltliche Klarheit und Verlässlich

?

keit gepaart mit Empathie

Und welche Eigenschaften davon

Markus Weiß

Von Porsche zu Degussa

haben Sie?

Ich versuche dem obigen Profil zu ent sprechen, werde es nie ganz schaffe Ungeduld. n und stolpere öfter über meine

Wie kommt man so weit wie Sie? den Leistungen anderer Menschen.

Welche Rolle spielte Glück bei Ihr

Eine sehr große. Eine Karriere kann

Haben Sie Vorbilder? Ja, viele. Am meisten lernte ich dur

er Karriere?

man nicht planen.

Foto: Degussa

Durch Fleiß, Glück und Demut vor

ch Beobachten von anderen Mensch

Was ist typisch für Ihren Arbeits alltag?

en in Grenzsituationen.

Jeden Morgen erstelle ich mir eine tägliche „To­do­Liste“ auf Basis mei Notizen im iPad. ner

Was würden Sie heute anders ma

Ich würde versuchen der Work­Life­ Von kompetenten Menschen.

Kritik einstecken?

Womit können Kollegen Sie nerven

Mit angst­ oder egogetriebenen Ged

Stephan Ziegler

chen?

Balance und insbesondere der Fam

Von wem können Sie am ehesten

Der Edelmetallhändler Degussa Goldhandel GmbH verstärkt sein Führungsteam. Seit Anfang August ist der Ex­Porsche­Manager Markus Weiß neuer Chef­Finanzer (CFO) und kaufmännischer Leiter bei dem 2010 vom Unternehmer August von Finck junior wieder­ belebten Unternehmen. Weiß arbeitete zuvor mehrere Jahre lang für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Später war er für die Stuttgarter Porsche Auto­ mobil Holding in leitender Position im Rech­ nungswesen tätig. Bei Degussa gehört Weiß nun auch zum Kreis der Geschäftsführer. wro

Neuer Südwest­Banker ilie einen größeren Raum zu geben.

?

anken.

Foto: Südwestbank

Und umgekehrt?

Mit Stephan Ziegler ist ein Urgestein der baden­ württembergischen Bankenlandschaft ins Auf­ sichtsgremium der Süd­ westbank AG gewech­ selt. Zusammen mit Ziegler ist seit Anfang Juli auch Guido M. Sollors in das Gremium aufgerückt. Ziegler war 27 Jahre bei der Baden­ Württembergischen Bank tätig – davon sieben Jahre als Vorstandsmit­ glied. 2006 übernahm der Banker den Vorsitz der Nassauischen Sparkasse. Die vor 90 Jah­ ren gegründete Südwestbank gehört mit einer Bilanzsumme von über fünf Milliarden Euro zu den großen mittelständischen Privatbanken der Republik. wro

Mit Ungeduld.

Was raten Sie Berufsanfängern?

Stellt euch vor, was für eine Art von Arb euch, was der richtige Weg dahin ist. eit ihr in zehn Jahren machen wollt. Wenn ihr dies wisst, fragt

Was macht Sie leistungsfähig?

Siegfried Kübler

Die Freude am Gestalten – wiederkehrende Administration nervt.

Wechsel bei Fischer Seit Mitte Juni 2014 ist Siegfried Kübler Spre­ cher der Geschäftsführung der Fischer Auto­ motive Systems GmbH mit Sitz in Horb am Neckar. Zuvor hatte er bereits einige Monate im Unternehmen in anderer Position gearbeitet. Fischer Automotive ist der Zulieferer­Geschäfts­ bereich der Fischer­Unternehmensgruppe, die vor allem für ihre Befestigungssysteme bekannt ist. wro

Tilo Köster

Chefjurist wird Vorstand

DER FAMILIENFREMDE MANAGER Karsten Schmidt Der 58­Jährige sitzt seit 2002 im Vorstand des Spieleherstellers Ravensburger. Der Betriebswirt mit Studien­ schwerpunkt Marketing hat Erfahrung mit Marken – unter anderem durch seine Tätig­ keit bei den Konzernen Procter & Gamble sowie Philip Morris.

Ravensburger­ Vorstandschef Karsten Schmidt mit einem überdimen­ sionalen Spielstein Foto: Ravensburger

Das Unternehmen Ravensburger ist ein führen­ der Anbieter von Puzzles, Spielen und Beschäf­ tigungsprodukten in Europa und einer der füh­ renden Anbieter von Kinder­ und Jugendbüchern im deutschsprachigen Raum. Unverkennbares Markenzeichen: das blaue Dreieck. Gegründet wurde das Unternehmen 1883 von Otto Maier als Buchverlag. Heute umfasst das Programm rund 8000 verschiedene Produkte. Seit Anfang 2011 sitzt mit Clemens Maier wieder ein Familienmit­ glied im Vorstand des Familienunternehmens – in vierter Generation. Die Kennzahlen Im vergangenen Jahr erwirt­ schaftete die Unternehmensgruppe mit welt­ weit fast 1700 Mitarbeitern 359 Millionen Euro Umsatz. Mit rund 80 Prozent entfällt der Großteil davon auf den Geschäftsbereich Spiele, Puzzles und Beschäftigung. Auch der Freizeitpark Ravensburger Spieleland gehört zum Unternehmen. Er zählte 2013 insgesamt 351 000 Besucher. imf

Erst vor kurzem wurde der Stuttgarter Pharma­ händler Celesio vom US­Konzern McKesson übernommen. Nachdem Vorstandschefin Marion Helmes bereis im Juli durch Marc Owen abgelöst worden war, gibt es jetzt weitere per­ sonelle Veränderungen. Marketingvorstand Stephan Borchert scheide „in bestem beider­ seitigem Einvernehmen“ aus, teilte das Unter­ nehmen mit. Neu in den Vorstand kommt Chefjurist Tilo Köster als Verantwortlicher für Recht & Compliance. Owen sagte, die Berufung spiegele die zunehmende Bedeutung des regu­ latorischen Umfelds wider. kö

Susanne Jochheim

Von Bosch zu Naegele Susanne Jochheim (48) verstärkt seit Anfang August die Stuttgarter Kanzlei Naegele, die auf Arbeitsrecht spezialisiert ist. Die Juristin kommt vom Bosch­Konzern, wo sie seit 1996 in unterschiedlichen Positionen tätig war und zuletzt die Compliance­ Abteilung geleitet hat. Sie implementierte unter anderem Prozesse zur internen Unter­ suchung von Compliance­Fällen, arbeitete mit Ermittlungs­ und Strafverfolgungsbehör­ den zusammen und schaffte Regelungen und Standards für das gesamte Unternehmen. Letzteres unter anderem in den Bereichen Antikorruption, Spenden und Sponsoring. Die Rheinländerin soll bei Naegele die Com­ pliance­Beratung für die Unternehmen und die leitenden Führungskräfte weiter ausbauen und professionalisieren. imf Foto: Kanzlei Naegele

S

chnappt Hubi oder lieber Das ver­ rückte Labyrinth? Lotti Karotti oder doch lieber Kakerlakak, das Spiel mit der kleinen motorisier­ ten Küchenschabe, die über das Spielbrett krabbelt? Bei Spielen kennt sich Karsten Schmidt aus, denn er hat sie aus­ probiert – und nicht nur diese. Als zweifa­ cher Vater und Vorstandschef der Ravens­ burger AG gehört Spielen zu seiner Leiden­ schaft. „Ich spiele gern, vor allem mit meinen Kindern“, sagt der 58­Jährige. Seit zwölf Jahren sitzt er als familien­ fremder Manager im Vorstand des ober­ schwäbischen Familienunternehmens, An­ fang 2011 ist er als Vorstandsvorsitzender an die Spitze gerückt. Unter seiner Regie ist das Unternehmen wieder in die Erfolgs­ spur zurückgekehrt – mit einer Mischung aus altbewährten Spielen und Innova­ tionen, bei denen beispielsweise die klassische Spielewelt auch mit Elektronik verbunden wird. Zuwächse kommen durch neue Wege und neue Produkte, so Schmidts Erfah­ rung. Rund ein Drittel des Umsatzes entfal­ len auf Produktneuheiten. Ein Glücksgriff gelingt ihm beispielsweise mit der Lizenz für den Puzzleball. Die Neuheit wird zum Renner. Durch die Kleinkinderserie Mini­ steps erschließt er sich mit den Babys eine neue Zielgruppe. Beispiele für Innovatio­ nen aus Ravensburg gibt es zuhauf – etwa den elektronischen Lesestift Tiptoi oder 3­ D­Puzzle wie vom Empire State Building bei Nacht mit Innenbeleuchtung. Schmidt, der einst beim Konsumgüter­ hersteller Procter & Gamble die Waschmit­ telumsätze und bei Philip Morris den Ziga­ rettenkonsum angekurbelt hat, besitzt ein Gespür für Marken und Märkte. Er sei einer, der auch zuhören kann, sagen Mit­ arbeiter. Schmidt gibt sich zurückhaltend, drängt sich nicht in den Vordergrund. Er setzt vielmehr aufs Team, denn am Erfolg sind viele beteiligt. Wichtig ist ihm dabei nicht der kurzfristige Erfolg, sondern lang­ fristiges Handeln. Abschalten vom Alltag kann er unter anderem bei seinen Hobbys. Er interes­ siert sich für Kunst, liebt Musik, ist vor al­ lem ein großer Blues­ und Jazz­Freund – und nicht selten greift er auch selbst in die Gitarrensaiten.

Der ehemalige Chef des Göppinger Modell­ bahnbauers Märklin, Stefan Löbich, ist seit diesem Jahr Gesell­ schafter und Geschäfts­ führer des Metall­ und Kunststoffbearbeiters Wolpert mit Sitz in Bretzfeld bei Heilbronn. Die Führung der Holding teilt er sich mit Firmen­ gründer Josef Wolpert. Zudem ist der gebürtige Heilbronner Co­Ge­ schäftsführer zweier Wolpert­Gruppenunter­ nehmen. Der ehemalige Würth­Manager Löbich war zwischen 2010 und 2013 Märklin­ Chef. Die Wolpert­Gruppe erwirtschaftete mit 500 Mitarbeitern zuletzt einen Umsatz von 50 Millionen Euro. wro Foto: Piechowski

Er steht an der Spitze des oberschwäbischen Spiele­ und Puzzleherstellers Ravensburger. Karsten Schmidt will mit den Produkten Kindern und Erwachsenen die Freizeit vertreiben. Von Imelda Flaig Ravensburger


Wir Wirtschaft tschaft & Debatte

Oktober 2014

21

Gutes Gewissen – gute Geschäfte?

Immer mehr Unternehmen versprechen, nicht nur auf die Rendite zu schauen, sondern durch freiwilliges soziales Engagement auch Mehrwert für Umwelt, Gesellschaft und Mitarbeiter zu schaffen. Anhand von drei Beispielen zeigen wir, wie Unternehmen das Thema CSR in die Praxis umsetzen. Auch ein Wirtschaftsethiker und ein Nobelpreisträger kommen zu Wort. Seiten 21 bis 23 Corporate Social Responsibility

Fotos: Joerg Lantelme, fotolia, 3dkombinat Illustration: Ewers

Für Olymp darf nicht jeder nähen Der Hemdenhersteller kooperiert nur mit Betrieben, zu denen eine langjährige Beziehung besteht. Von Nora Stöhr CSR­Fallbeispiel 1

E

instürzende Fabriken in Bangla­ desch oder Kinderarbeit auf Baum­ wollplantagen: Es sind Missstände wie diese, die große, bekannte Tex­ tilketten wie Zara, H&M und Pri­ mark in den letzten Jahren in Verruf ge­ bracht haben – und die gesamte Branche gleich mit. Aber an Bangladesch kommt die Textilbranche nicht mehr vorbei: Das Land ist in zehn Jahren vom zehnt­ zum zweit­ größten Schneider für Europa geworden – gleich nach China. Mark Bezner, geschäftsführender Gesellschafter des Hemdenherstellers Olymp, verfolgt die Diskussion um Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs­ industrie genau – schließlich lässt auch das Unternehmen aus Bietigheim­Bissingen (Kreis Ludwigsburg) den Großteil seiner Ware in Asien produzieren, seit gut drei Jahren auch in Bangladesh. Al­ lerdings: der schwäbische Mittel­ ständler wirbt damit, dass die Hemden und Strickwaren nach international anerkannten und

nachprüfbaren Sozialstandards sowie unter humanen Arbeitsbedingungen her­ gestellt werden. Zertifizieren lässt sich das schwäbische Unternehmen sein soziales Engagement von der internationalen Nichtregierungsorganisation Social Ac­ countability International (SAI). Außerdem hat sich das Haus durch die Mitgliedschaft in der Business Social Compliance Initiative (BSCI) zur Erfül­ lung weitreichender Sozialstandards bei der Herstellung der Produkte verpflichtet. „Wir nehmen die soziale Verantwortung vor allem in unseren ausländischen Pro­ duktionsstätten außerordentlich ernst“, beteuert Bezner, dessen Großvater Eugen Bezner die Firma 1951 gründete. Olymp lässt seine Hemden in sechs Pro­ duktionsstätten in Europa (Mazedonien, Kroatien) und Asien (Bangladesch, China, Vietnam und Indonesien) mit insgesamt 2300 Mitarbeitern fertigen. „Die Betriebe produzieren ausschließlich für uns und nicht für Mitbewerber“, erzählt Bezner. In den Partnerfabriken werde das ganze Jahr

Tipps für Unternehmensgründer Damit ein Start­up auch wirtschaftlich zum Erfolg wird, braucht es mehr als nur eine vielversprechende Geschäftsidee. Genauso wichtig sind psychologische und persönliche Faktoren. Seiten 24 und 25

über stets die gleiche Menge produziert. „Wir planen langfristig und vorausschau­ end“, erzählt der Chef. So gebe es „keine saisonalen Peaks“, die etwa zeitweise zu Überstunden führen könnten – oder im umgekehrten Fall zu Unterbeschäftigung und weniger Lohn. Auf Subunternehmen verzichtet das Unternehmen, das jährlich etwa 3,5 Millio­ nen Herrenhemden produziert, komplett. Stattdessen setzt man auf „Partnerschaf­ ten, die alle von einer langjährigen und vertrauensvollen Beziehung geprägt sind“, wie der Chef berichtet. Mit dem Betrieb in Indonesien etwa arbeiten die Schwaben bereits seit 25 Jahren zusammen, mit dem Werk in Kroatien sind es sogar mehr als 40 Jahre. „Wenn wir uns für jemanden entscheiden, investieren wir viel, um den Betrieb auf unser Niveau zu bringen“, sagt der 51­Jährige. Von seinen ausländischen Nähereien fordere Olymp konsequent die generelle Einhaltung global gültiger, respektierter und verbindlicher Sozialstandards, berich­ tet Bezner. Um zu überprüfen, ob diese Vor­ gaben auch eingehalten werden, sind in den Produktionsstätten permanent Olymp­ Mitarbeiter zugegen. „Bei etwaigen Miss­ ständen kann so direkt und unmittelbar

eingeschritten werden“ sagt Bezner, der die Standorte in Asien und Europa selbst mehrmals im Jahr bereist, „um sich persön­ lich von den Produktionsbe­ dingungen zu überzeugen“. Am Stammsitz des Unter­ nehmens in Bietigheim­Bis­ singen, an dem 230 der bun­ desweit 600 Mitarbeiter be­ schäftigt sind, kümmern sich zudem zwei Vollzeitkräfte um die Dokumentation der CSR­Aktivitäten von Olymp. Die Stoffe, aus denen die für den Endverbraucher zwischen 40 und 60 Euro Foto: dpa teuren Olymp­Hemden ge­ näht werden, bezieht das „Die Betriebe inhabergeführte Familien­ produzieren unternehmen aus Öster­ reich, Italien – oder auch aus ausschließlich China. „Die Webereien sind für uns und nicht alles Weltmarktführer. Wir für Mitbewerber.“ wissen also ganz genau, was für Firmen das sind. Außer­ Olymp­Chef Mark Bezner über die Fabriken im Ausland dem schaut sich unser Ein­ kaufsleiter die Begebenhei­ ten immer auch vor Ort an“, erklärt Bezner. Die Lieferkette, so versichert der Olymp­ Geschäftsführer, sei absolut transparent.

Kampf dem Datenklau Wenn es um die Datensicherheit in Unternehmen geht, denken die meisten an die Bedrohung durch Spione und kriminelle Hacker. Dabei sind die eigenen Mitarbeiter der größte Risikofaktor. Seiten 26 bis 29


22 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

„Rendite ist nicht der einzige Faktor“ Wenn Unternehmen langfristig erfolgreich sein wollen, müssen sie Ökonomie und Moral verbinden, sagt der Konstanzer Wirtschaftsethiker Josef Wieland. Wer sich besser darstellt, als er ist, werde in unserer transparenten Gesellschaft schnell entlarvt. Interview

Herr Professor Wieland, CSR ist in Mode. Unternehmen beteuern, nicht nur Geld ver­ dienen zu wollen, sondern auch gesellschaft­ liche Verantwortung zu übernehmen – etwa indem sie sich für Umweltschutz, Sozialpro­ jekte oder humane Arbeitsbedingungen ein­ setzen. Wie kann ich als Kunde erkennen, ob das mehr als leere Versprechen sind? CSR ist ein freiwilliges Engagement der Wirtschaft, das über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Aber Frei­ willigkeit heißt nicht Beliebigkeit. Es gibt bei CSR allgemein akzeptierte Stan­ dards – auch was die Berichtspflichten an­ geht. Interessierte Verbrau­ cher können anhand der CSR­Berichte zum Beispiel überprüfen, ob und wie sich ein Unternehmen für die Gesundheit der Mitarbeiter in seinen Produktionsstät­ ten einsetzt. Wichtig sind aus Konsumentensicht auch die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisa­ tionen und die unabhängige Kontrolle der CSR­Aktivitä­ Foto: privat ten. Wer dabei bestimmte Standards einhält, bekommt „Lange bevor es den ein Gütesiegel. Begriff Corporate Social

Responsibility überhaupt gab, haben sich deutsche Mittelständler gesellschaftlich engagiert.“

In einer Marktwirtschaft wollen Unternehmen mög­ lichst hohe Gewinne erzielen. Ist CSR nicht nur ein weiteres Mittel, um dieses Ziel zu er­ reichen – etwa über ein positi­ Josef Wieland über die soziale Verantwortung hiesiger Unternehmen ves Image –, oder sind die Unternehmen auch von ethisch­moralischen Motiven geleitet? Ich halte es für einen wesentlichen Aspekt, dass Unternehmen und ihre Führung moralische Überzeugungen und Wert­ vorstellungen haben – und dass es ihnen ein echtes Anliegen ist, diese zu verwirklichen. Die entscheidende Frage ist aber: wie lässt sich das mit dem Alltagsgeschäft verbinden? In einigen Branchen erscheint das schwierig. Wenn zum Beispiel ein Zigarettenkonzern sein gesellschaftliches Engagement mit einer Nichtraucherkampagne für Jugendliche demonstrieren will, nimmt ihm das kaum einer ab. Auch ein Waffenhersteller tut sich mit CSR schwer. Zigaretten und Rüstungsgüter sind morali­ sche Güter. Bei ihnen zählt vor allem, ob ihre Herstellung und ihr Vertrieb als legi­ tim, also nicht nur legal, angesehen werden. Stiften sie für den Einzelnen und die Volks­ wirtschaft mehr Nutzen als Schaden? Hier sollte es den Unternehmen darum gehen, gesellschaftliche Akzeptanz für ihre Produkte über die rechtliche Zulässigkeit hinaus herzustellen. Das klingt bei Zigaretten, Waffen oder gefährlichen Chemikalien nach einer kaum lösbaren Aufgabe.

Die Herausforderung an die Kommunika­ tion und die Integrität des Unternehmens ist in solchen Fällen hoch. Aber an dieser Problemstellung führt für die Unterneh­ men kein Weg vorbei. Geht es bei CSR wirklich nur um Moral? Die Unternehmen haben doch die Erwartung, dass sich ihr Engagement am Ende auch rechnet. Das schließt einander nicht aus. Letztlich geht es Unternehmen um die Befriedigung von Konsumentenwünschen – also um neue Produkte, neue Herstellungsverfah­ ren, neue Absatzwege. Einem modern geführten Unternehmen bleibt gar nichts anders übrig, als sich permanent mit den gesellschaftlichen Bedingungen seiner Wirtschaftstätigkeit auseinandersetzen. Es muss sich immer wieder fragen: wie entwi­ ckeln sich die Präferenzen der Konsumen­ ten – auch im Sozial­ und Umweltbereich, für Menschenrechte und Integrität –, und wofür sind sie bereit zu zahlen? Wer das nicht tut, wird längerfristig nicht im Markt bleiben. Das schließt moralische Prinzipien von Unternehmen nicht aus, sondern setzt sie vielmehr voraus. Trotzdem geht es am Ende auch um den Pro­ fit – zumindest auf längere Sicht. Gute Unternehmensführung bedeutet, Mo­ ral und Ökonomie zu verbinden. Ich glaube nicht, dass es Firmen, die ernsthaft nach­ haltig wirtschaften wollen, einseitig um Profitmaximierung geht. Unternehmen müssen heute nicht nur Shareholder Value, sondern Shared Value schaffen – also einen positiven Beitrag für alle Beteiligten und die Gesellschaft liefern. Daran werden sie ge­ messen. Die Eigenkapitalrendite ist sicher ein wichtiger Faktor für Investoren, aber nicht der einzige. Die Vorstellung, dass Unternehmen Gewinne allein für Sharehol­ der maximieren müssen und dass soziales Engagement ausschließlich Kosten verur­ sacht, die dann niedrigere Profite zur Folge haben, führt uns in die Irre. Es ist eine In­ vestition, in Mitarbeiter, Kunden, Lieferan­ ten und in die Stabilität der Gesellschaft. Eine AG muss doch den bestmöglichen Profit für ihre Anteilseigner erzielen. Es kann auch im Interesse der Aktionäre sein, in die Gesellschaft zu investieren und so die Weiterentwicklung des Unterneh­ mens zu gewährleisten. Es steht nirgends im Gesetz – auch nicht in den USA –, dass ein Unternehmen nur seine Gewinne maxi­ mieren muss. Aktionäre haben Anspruch auf eine angemessene Verzinsung. Im Übri­ gen ist ja auch eine gute Reputation ein Ver­ mögenswert. Bisweilen hat man dennoch den Eindruck, dass CSR eine Art Feigenblattfunktion hat. Wenn etwa ein Ölkonzern sich öffentlich als umweltengagiert präsentiert und zugleich Lobbyarbeit gegen strengere Grenzwerte macht. Kritiker nennen das Greenwashing. Ein Unternehmen mag ja Greenwashing probieren, aber unsere transparente Ge­ sellschaft würde es schnell herausfinden und dieses Unternehmen gerade deshalb abstrafen – etwa durch den Boykott seiner Produkte. Negative Nachrichten verbreiten sich heute durch das Internet und die sozia­ len Netzwerke sehr schnell, und Informa­ tionen sind leicht zugänglich. Sie müssen nicht mehr nach Asien reisen, um zu sehen,

Illustration: cartoonstock Montage: Detsch

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ine wachsende Zahl von Unterneh­ men bekennt sich unter dem Schlagwort Corporate Social Re­ sponsibility (CSR) öffentlich zu ihrer sozialen Verantwortung. Der Wirtschaftsethiker Josef Wieland erklärt, worauf es dabei ankommt und warum sich sogenanntes Greenwashing nicht auszahlt.

wie der Lieferant einer hiesigen Firma pro­ duziert. Für viele ist CSR trotzdem nur eine andere Form von Public Relations. CSR und PR sind zwei völlig verschiedene Dinge. Bei PR geht es darum, Unternehmen ein bestimmtes Image zu verpassen, das sie sich selbst überlegt haben. Bei CSR geht es darum, sich gesellschaftliche Reputation durch glaubwürdiges Handeln zu erarbei­ ten. Diese Anerkennung können Sie nicht von sich aus kreieren, sie muss von der Gesellschaft selbst kommen – auf Englisch sagt man deshalb auch „earned reputation“. Wer glaubt, sich eine gute Reputation erschleichen oder kaufen zu können, hat nicht verstanden, wie CSR funktioniert. Können Unternehmen angesichts der Kom­ plexität heutiger Produktionsketten über­ haupt kontrollieren, ob ihre Standards einge­ halten werden – zum Beispiel in einer Textil­ fabrik in Bangladesch, die für hiesige Abnehmer produziert? Unternehmen sollten keine vollständige Transparenz versprechen, wenn sie diese nicht sicherstellen können. Sie müssen klar definieren, wofür sie sich verantwortlich fühlen – zum Beispiel für ihre Hauptliefe­ ranten. Bei Sub­ und Subsubunternehmern ist das viel schwieriger. Ein entscheidender Faktor ist dabei die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen vor Ort, ohne die sich ein Mindestmaß an Transparenz gar nicht sicherstellen lässt. Was heißt das für die Kommunikation der Unternehmen? Firmen sind gut beraten, wenn sie die Pro­ bleme bei der Durchsetzung der Standards nicht verschweigen, sondern mit kommuni­ zieren. Das schafft Vertrauen in die Bericht­ erstattung. In einem CSR­Bericht sollte zum Beispiel stehen: Wir wollten in diesem Jahr eigentlich 100 Prozent unserer Liefe­ ranten evaluieren, haben aber wegen des hohen Aufwands nur 79 Prozent geschafft und werden im kommenden Jahr das Pro­ jekt fortsetzen. Zu behaupten, alles im Griff zu haben, ist eine gefährliche Strategie. CSR baut auf den mündigen Kunden, der wis­ sen will, unter welchen Bedingungen ein Pro­ dukt hergestellt wurde. Man hat aber den

Eindruck, dass für die breite Masse immer noch vor allem der Preis zählt. Es ist in der Tat ein Problem, dass Konsu­ menten zwar hohe moralische Ansprüche haben, aber nur eine geringe Zahlungs­ bereitschaft. Eine Entwicklung hin zum Besseren sehe ich bei Produkten, die dem Kunden sehr nahe kommen – zum Beispiel bei Lebensmitteln und Kleidung. Aber ins­ gesamt ist die Situation unbefriedigend. Deshalb müssen die Unternehmen ein Stück weit in Vorleistung gehen und ver­ suchen, ihre Kunden mitzunehmen. Wo stehen deutsche Unternehmen in puncto CSR im globalen Vergleich? Sie stehen sehr weit vorn. Vor allem der Mittelstand wird weltweit anerkannt für seine hohen Standards auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Verantwortung. Hiesige Unternehmen sind ja nicht umsonst in vielen Ländern ein gesuchter Arbeitgeber. Lange bevor es den Begriff CSR überhaupt gab, haben sich deutsche Mittelständler ge­ sellschaftlich engagiert, weil sie sich ihrer Region und ihren Mitarbeitern verpflichtet fühlen – und weniger aus strategischem Kalkül. Allerdings bemühen sie sich zu wenig, das nach außen zu kommunizieren. Ist das nicht ein sympathischer Zug? Das ist in der Tat eine sehr noble Haltung. Solange man als Unternehmen nur in einer bestimmten Region aktiv sind, ist es auch gar nicht ZUR PERSON nötig, sein gesell­ Wirtschaftsethiker Josef Wieland (Jahrgang schaftliches Engage­ 1951) ist seit 1995 Inhaber des Lehrstuhls ment an die große für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Glocke zu hängen, Schwerpunkt Wirtschafts­ und Unterneh­ weil das dort ohne­ mensethik an der Hochschule für Technik, hin jeder weiß. Aber Wirtschaft und Gestaltung Konstanz. Dane­ heute spielen auch ben ist er in mehreren Organisation aus dem Mittelständler oft in Bereich Wirtschaftsethik und CSR engagiert – größeren Räumen, unter anderem als Direktor des Konstanz Insti­ und da ist es schon tuts für Wertemanagement und Vorsitzender sinnvoll, seine CSR­ des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik. Aktivitäten zu kom­ munizieren. Das ist Werdegang Wieland studierte nach einer umso wichtiger, je in­ Lehre zum Industriekaufmann und mehr als ternationaler ein Un­ zehnjähriger Beschäftigung in der Industrie ternehmen tätig ist. Wirtschaftswissenschaften und Philosophie. 1988 folgte die Promotion zum Dr. rer. oec. Das Gespräch führte und 1995 die Habilitation im Fach VWL an Werner Ludwig. der Privatuniversität Witten­Herdecke. lud

Unternehmensverantwortung aus Tradition

Die Mitarbeiter stehen bei Witzenmann schon lange im Zentrum – und nun auch die nachhaltige Produktion. Von Nora Stöhr CSR­Fallbeispiel 2

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m Jahr 1854 zunächst als Schmuck­ warenfabrik gegründet, kann die Pforz­ heimer Witzenmann GmbH heute auf eine 160­jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken – eine lange Zeit, in der sich bei dem Hersteller von Metallschläuchen, Kompensatoren, Bälgen und Fahrzeug­ teilen der verantwortliche Umgang mit den Mitarbeitern entwickeln konnte. „Bei uns gibt es Unternehmensverant­ wortung bereits lange bevor der Begriff CSR überhaupt eingeführt wurde“, sagt Philipp Paschen. Er ist bei Witzenmann als Leiter der Abteilung Unternehmensstab für das Thema Nachhaltigkeit verantwort­ lich. So gebe es bei dem badischen Metall­ verarbeiter, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 497 Millionen Euro

machte, beispielsweise schon seit vielen Jahren einen Werkschor oder auch ein breites Angebot an sportlichen Aktivitäten. In den siebziger Jahren, so erzählt Paschen, sei dieses Unternehmensleitbild vom damaligen Geschäftsführer Walter Witzenmann (1908–2004), einem studier­ ten Soziologen, geprägt worden. Der Enkel des Firmengründers Heinrich Witzen­ mann, welcher im Jahr 1885 den flexiblen Metallschlauch erfand, sei sehr auf die Bil­ dung und Gesundheit seiner Mitarbeiter bedacht gewesen. „Dieser Gedanke liegt auch unserem heutigen Unternehmensleit­ bild zugrunde“, sagt Paschen. Dabei sei das neue, in diesem Jahr frisch aufgelegte Leit­ bild um einige Punkte erweitert worden – etwa um das Thema nachhaltige Produk­

tion. „Hier bewegen wir uns auf einem noch ermittelt. Berücksichtigt wurden dabei recht neuen Terrain“, sagt Paschen. Doch neben den direkten auch die indirekten das soll sich schnell ändern. Deshalb koope­ Emissionen, die durch Vorprodukte und riert Witzenmann seit gerau­ Dienstleistungen entstanden mer Zeit mit der Hochschule Schon der Firmen­ sind. „Hier hat sich heraus­ Pforzheim. gestellt, dass unser Grund­ gründer Heinrich Bei einem der Projekte et­ Witzenmann war ausstoß unauffällig ist“, so wa haben Studenten für ein Paschen. Schlauchgelenk, das beim auf die Bildung Seit 2011 ist Witzenmann Fahrzeug zwischen dem Mo­ und Gesundheit Mitglied des Global Com­ tor und der Abgasanlage ange­ seiner Mitarbeiter pact – einer Initiative der Ver­ bracht wird, eine Material­ einten Nationen. Mit ihrem flusskostenrechnung durch­ bedacht. Beitritt haben sich die Pforz­ geführt: Es wurde berechnet, heimer dazu verpflichtet, ihre bei welchen Arbeitsschritten wie viel Edel­ Geschäftstätigkeiten und Strategien an stahl als Abfall anfällt. „Mit diesem Wissen zehn universell anerkannten Prinzipien können wir nun die Produktion optimieren aus den Bereichen Menschenrechte, und so Material und Energie einsparen“, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Kor­ erzählt Paschen. ruptionsbekämpfung auszurichten – mit Bei einem anderen Projekt in Koopera­ ersten Erfolgen, wie Paschen zu berichten tion mit der Hochschule wurden die Treib­ weiß: „2011 kam es in einem Fall aufgrund hausgasemissionen für die Witzenmann­ von Kinderarbeit zur Sperrung eines chine­ Standorte Pforzheim und Remchingen sischen Lieferanten.“


Wirtschaft in Baden-Württemberg 23

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Für Friedman hat nur der Gewinn gezählt Vordergründig war sich der neoliberale Ökonom beim Thema soziale Verantwortung mit Linken einig. Von Michael Heller Wissenschaft

Sicht den Fehler machen könnten, sich mit CSR­Maßnahmen gesellschaftliche Akzep­ tanz erkaufen zu wollen. Friedmans drei Beispiele im Beitrag von 1970 zeigen, dass sich das CSR­Verständnis seitdem gewandelt hat: ein Betrieb verzich­ tet auf Preiserhöhungen, um die Inflation zu bekämpfen, ein Chef zieht aus sozialen Gründen einen unqualifizierten Bewerber einem Fachmann vor, und ein Unterneh­ men tut mehr für den Umweltschutz, als das Gesetz vorschreibt. Allenfalls das dritte Beispiel gilt heute als CSR­Fall, die beiden anderen als fast unrealistisch.

Transparenz bis zum Teller Der schwäbische Nudelhersteller Albgold engagiert sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Von Nora Stöhr CSR­Fallbeispiel 3

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n Trochtelfingen auf der Schwäbischen Nicht nur das Urgetreide, sondern auch Alb, mitten auf einer grünen Wiese, hat alle anderen Getreidesorten, die Albgold der Teigwarenhersteller Albgold seinen verarbeitet, werden ökologisch angebaut. Stammsitz. Hierher kommen Touristen, „Wir beziehen nur Korn, das ohne Gentech­ um in der „gläsernen Produktion“ zuzu­ nik produziert wurde“, versichert Klumpp. schauen, wie Nudeln und Spätzle herge­ Um dies kontrollieren zu können, koope­ stellt werden. Auch Schülergruppen, die an riert Albgold seit 2002 mit der Mühlen­ einer Führung durch den zwei Hektar gro­ genossenschaft Römerstein. „Durch die di­ ßen Kräutergarten teilnehmen, sind auf rekte Zusammenarbeit mit den rund 20 Er­ dem Firmengelände häufig gesehene Gäste. zeugern kann die Rohstoffbeschaffung bis „Wir haben etwa 300 000 Besucher jährlich hin zum Saatgut zurückverfolgt werden“, in unserem Kundenzentrum“, erzählt Mat­ erklärt Klumpp. Neben Getreide benötigt thias Klumpp. Er ist der Leiter der Marke­ das Unternehmen für seine Teigwaren vor tingabteilung und verantwortet neben dem allem Eier, Kartoffelprodukte und Gewür­ Mitglied der Geschäftsleitung, Michael ze. Auch hier würden regionale Produkte Schoser, und sechs weiteren bezogen, um kurze Wege zu Mitarbeitern den Bereich Albgold stellt gewährleisten, so Klumpp. Umweltmanagement. Zudem sei das Futter, das die auch aus alten Transparenz vom Saatgut Getreidearten Partnerbetriebe an die Hüh­ bis auf den Teller – so lautet ner verfüttern, frei von gen­ die Philosophie des schwäbi­ Teigwaren her. technisch veränderten Zuta­ schen Familienbetriebs mit ten. Zusammen mit einem ba­ seinen 400 Mitarbeitern. „Wir wollen Ver­ den­württembergischen Futtermittelwerk braucher, Lieferanten, Kooperationspart­ hat Albgold dafür einen umweltschonen­ ner und die Öffentlichkeit über den Schutz den Mais­ und Sojaanbau entwickelt. der Artenvielfalt informieren“, sagt Ein Biomasseheizwerk, das neben dem Klumpp über die Angebote, Aktionen und Firmengelände steht, liefert 85 Prozent der Veranstaltungen. Die Biodiversität, also die Wärme, die für das Trocknen der Nudeln Vielfalt von Tier­ und Pflanzenarten zu benötigt wird. „Hier werden nur regionales erhalten, darauf legt Albgold den Schwer­ Schnittgut oder Holzhackschnitzel aus der punkt seiner CSR­Aktivitäten. „Der Verlust Forstwirtschaft und keine Lebensmittel der biologischen Vielfalt ist eine der zentra­ wie Getreide verbrannt“, erklärt Klumpp. len Herausforderungen für unsere Gesell­ Zudem produzieren drei Fotovoltaikanla­ schaft, die bislang noch keine hinreichende gen Strom für die Teigwarenproduktion. Bedeutung erlangt hat“, erklärt Klumpp. Die Dächer, die sich nicht für die Installa­ Deshalb setzt sich Albgold etwa dafür tion von Solaranlagen eignen, sind mit ein­ ein, dass alte Getreidearten wie Dinkel, heimischen Pflanzen begrünt. Diese Flä­ Emmer oder Einkorn, die im Laufe der Zeit chen seien – wie der Kräutergarten mit vom ertragreichen Weizen weitestgehend 1000 unterschiedlichen Pflanzenarten – verdrängt wurden, wieder vermehrt auf der wertvolle Lebensräume für Schmetterlinge Alb angebaut werden – und auch zur Nudel­ und Wildbienen, sagt Klumpp. Außerdem herstellung verwendet werden. Durch den dienten sie zum Sammeln von Regenwasser regionalen Anbau, so Klumpp, würden für die Feuchtbiotope auf dem Gelände, wo Transporte verringert und damit auch der seltene Libellenarten, Kröten und Lurche Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid. ihren Lebensraum haben.

geht in einer Publikation des Roman­Her­ zog­Instituts zum Thema CSR davon aus, dass Unternehmen gesellschaftliche Ver­ antwortung übernehmen, wenn sie sich einen wirtschaftlichen Vorteil davon ver­ sprechen. Ein anderer Autor nennt das Bei­ spiel eines deutschen IT­Unternehmens, das auf ausländische Fachkräfte angewie­ sen ist und sich deshalb – entsprechend der Marktlogik – an Aktionen gegen Fremden­ feindlichkeit beteiligt hat. Die Gesellschaft könne sich aber nicht darauf verlassen, schreibt Goldschmidt, dass Unternehmen freiwillig soziale Verantwortung überneh­ men, wenn es gesellschaftlich wünschens­ wert wäre. Und: „Die Gesellschaft sollte Unternehmen politisch in die Pflicht neh­ men, das zu befördern, was im gesellschaft­ lichen Interesse liegt.“

CSR­BERATUNG ALS GESCHÄFT

Foto: Dokeo

Unternehmen Wie kann man gesellschaftliche Verantwortung nachhal­ tig verankern? Wolfgang Scheunemann will Firmen dieses Know­how ver­ mitteln. Seine Stuttgarter Beratungsfirma Dokeo bietet Dienstleistungen W. Scheunemann rund um das Thema CSR an. Unternehmen können etwa Seminare und Veranstaltungen buchen, oder werden dabei un­ terstützt, Nachhaltigkeitsberichte zu optimieren. Zudem erstellt Dokeo Pressetexte oder führt Kommunikationskampagnen durch. Zwischen 4000 und 80 000 Euro kostet eine Beratung. Zielgruppe Die Kunden stammen aus allen Branchen – vom Finanzsektor über die Textil­ oder Nahrungsmittelindustrie bis hin zum verarbeitenden Gewerbe. Etwa 100 Unterneh­ men haben laut Scheunemann in der letzten Dekade Gebrauch von den Angeboten gemacht, sechs sind es aktuell. „Wir beraten die Kunden und ziehen uns nach Beendigung des Auftrags wieder zurück“, erklärt der 64­Jährige. Er hat auch das CSR­Forum initiiert, bei dem jährlich der Deutsche CSR­Preis verliehen wird.

Illustration: cartoonstock Montage: Rötgers

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n der linken Szene hat Milton Friedman nicht viele Freunde. Das ist kein Wun­ der. Denn der Ökonom, der zusammen mit John Maynard Keynes der bedeu­ tendste Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jahrhunderts war, hat die Grundlagen für den Neoliberalismus geschaffen, der für Kapitalismuskritiker ein rotes Tuch ist. Dass er einst Chiles Militärdiktator Augusto Pinochet seine Ideen persönlich zur An­ wendung empfahl, diskreditierte den 2006 verstorbenen Nobelpreisträger zusätzlich. Aber zur gesellschaftlichen Verantwor­ tung von Unternehmen, kurz CSR (Corpo­ rate Social Responsability), nahm Friedman eine genauso restriktive Haltung ein wie zum Beispiel der US­Linguist und Vorzeige­ Linke Noam Chomsky. Friedman hat seine Position zu einer angeblichen Verantwor­ tung für Ökonomie, Ökologie und Soziales über das gesetz­ lich vorgeschriebene Maß hi­ naus bereits im Titel eines 1970 erschienenen Aufsatzes zum Ausdruck gebracht: „Die soziale Verantwortung von Unternehmen besteht darin, den Gewinn zu erhöhen.“ Ähn­ Foto: AFP lich steht es schon in Fried­ mans Hauptwerk „Kapitalis­ „Das Meinungsklima ist mus und Freiheit“ (1962 ). von einer Aversion gegen Und was sagt Chomsky zu Kapitalismus, Gewinne CSR? Der kanadische Jurapro­ fessor Joel Bakan von der Uni­ und angeblich seelenlose versity of British Columbia hat Firmen geprägt.“ Chomsky für sein viel disku­ Der Wirtschaftsnobelpreisträger tiertes Buch „Das Ende der Milton Friedman im Jahr 1970 Konzerne“ befragt, das 2005 in Deutschland erschien. Kapital­ gesellschaften, sagt Chomsky, „sollten sich ausschließlich um das Wohl ihrer Aktionäre kümmern... und nicht um die Gesellschaft, die Belegschaft oder was auch immer“. So ähnlich die Aussagen von Friedman und Chomsky sind, so wenig passen sie doch zueinander. Linke Intellektuelle weh­ ren sich gegen das, was sie als Machtüber­ nahme der Wirtschaft und ihrer Konzerne im Zeichen des Neoliberalismus begreifen. Dies ist ohnehin nie Friedmans Sichtweise gewesen, aber er ging in den sechziger Jah­ ren auch von einer anderen gesellschaft­ lichen Situation aus. Gegen Ende des Jahr­ zehnts geriet der Kapitalismus grundsätz­ lich in die Kritik. Friedman klagte über ein „Meinungsklima, das von einer weit ver­ breiteten Aversion gegen Kapitalismus, Gewinne und angeblich seelenlose Firmen geprägt ist“. Den Wissenschaftler beschlich die Sorge, dass die Konzerne aus seiner

Nach Friedmans Verständnis gibt der Konzern jeweils Geld für soziale Zwecke aus, das eigentlich den Aktionären gehört. Im Grunde genommen, so schreibt er, erhe­ be das Unternehmen Steuern und ent­ scheide selbst über die Verwendung – ohne demokratische Kontrolle. In dieser Hin­ sicht ist er sich mit linken Kritikern einig: Unternehmen sollten sich nicht Entschei­ dungen anmaßen, die eigentlich von der Politik getroffen werden sollten. Im Gespräch mit Joel Bakan zeigt Fried­ man, dass er vom heutigen CSR­Verständ­ nis nicht weit weg ist. Wenn die Maßnah­ men der Maximierung des Aktionärs­ vermögens dienen und keine eigenständige Zielsetzung sind, so sagt er, dann sei daran nichts Verwerfliches. Der Ökonom Nils Goldschmidt, der an der Uni Siegen lehrt,

Ursprung Dokeo leitet sich aus dem Griechi­ schen ab und bedeutet dort „Image“ oder „Reputation“. Scheunemann sieht in seinen Dienstleistungen aber mehr als nur Image­ pflege oder Reputationsmanagement. „Es ist auf keinen Fall Greenwashing. Wenn das jemand bei uns bestellen will, lehnen wir das ab“, ver­ sichert der studierte Chemiker, der zwölf Jahre lang die globale Technologie­ und Umwelt­ kommunikation beim Daimler­Konzern leitete, bevor er im Jahr 2004 Dokeo gründete. Mitt­ lerweile beschäftigt er acht fest angestellte Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz zwischen 500 000 und einer Million Euro. noa

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24 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Wirtschaft in Baden-Württemberg 25

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e Ohne Rendit ts ist alles nich t uss sich nich m e it d n e R e sobald Persönlich nieren, aber fi e d ld e G nur in deren in nder mit an emde man als Grü t und eine fr m m o k g n u t, r Berüh pruch nimm s n A in g n u nde Finanzier s entscheide e ll a s a d s ie ist d rt apital forde Kriterium. K Exzellenz.

Gründertipps für Start­ups 1

Nicht fixiert sein technologie so g mag noch n u s ö L e h c keine Die technis ber sie darf a – in e s t n brilla e nach einem h c u S r e d f u Lösung a muss . Ihr Zweck in e s m le b o Pr tz einzigen Sa sich in einem ssen. erklären la

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Persönliche Risiken eing ehen – aber seine G renzen kenn en Natürlich m uss ein Unte rnehmer m Haut und H it aaren für se in Unterneh brennen – a m en ber er muss nicht bis üb beide Ohren e r Risiken eing Der finanzie ehen. lle Einsatz s ollte nach d Motto „Was em bleibt, wenn dieser Einsa verloren ist? tz “ gut dosier t sein.

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Ziele definie ren und dennoch be weglich bleib en Ein Geschäft splan ist zun ächst ein Stü totes Papier ck – dieser Pla n muss sich verändern k tä g lich önn manchmal n en. Auch Gründer sind icht bewegli ch: Sie halte an einer Ide n e fest, die ke in e ist. Mit ihr Anfangside er e werden sie vielleicht ga nicht erfolg r reich, sonde rn mit einer, die sich erst ergibt.

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Mut zur Entscheidung haben Persönliche G efühle gehöre Geschäft getren n vom nt. Selbst Bau ch entscheidunge sind keine em n otionalen Ents sondern eine M cheidungen, ischung aus gu ter Marktkenn Instinkt und K tnis, alkül. Und ohn e unternehmer Führung geht is che es nicht – spät estens wenn das Start­up zu wachsen begin nt, wird auch so m anche harte Entscheidung nötig.

5 Der Kunde bestimmt den Preis Was ist meine Innovation für den Kunden wert? Diese Frage steht am Anfang aller Preiskalkulationen. Die eigene Kostenstruktur ist dann erst das Problem Nummer zwei.

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Nicht mit der Idee lten hinter dem Berg ha ale mt die eigene, geni m ko n an w nd ge Ir er n auf den Markt. D Idee sowieso offe n den potenzielle erste Kontakt mit g alb nicht früh genu Kunden kann desh r unde ist nicht de stattfinden. Der K r Wettbewerber. Feind, sondern de

BEWÄHRT

Gründen als Beziehungskiste

Über den wirtschaftlichen Erfolg eines Start­ups entscheiden auch die Persönlichkeitsstruktur und psychologische Faktoren. Der Stuttgarter Gründerberater Mattias Götz berichtet über seine langjährigen Erfahrungen. Von Andreas Geldner Strategie

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ine zündende Idee, eine kräftige Prise Optimismus, ausreichend Kapital – und vielleicht noch der richtige Fördertopf. Das sind die weniger überraschenden Stich­ worte aus dem Rezeptbuch für Unter­ nehmensgründungen. Doch wenn Mattias Götz über die Ingredienzen für den Erfolg redet, geht es erst einmal um die mensch­ lichen Qualitäten, die ganz am Anfang ste­ hen. „Ein richtiger Gründer, der ist auch menschlich etwas anders. Der ist ein Ma­ chertyp“, sagt Götz. „Er muss mit der Rolle des Unternehmers auch privat zurecht­ kommen. Es ist keine Rolle, die man an der Garderobe abgeben kann.“ 14 Jahre lang hat Götz für die Landes­ bank Baden­Württemberg (LBBW) einen Gründerfonds betreut. Jedes Jahr hat er Bewerbungen von 200 bis 300 Unterneh­ men durchforstet. Finanziert wurden in dieser Zeit etwa 50 – wobei Götz sich zwei­ bis dreimal so viele Unternehmen konkret anschaute und so manchen hochfliegenden Plan auf den Boden der Tatsachen bringen musste. Seit Anfang dieses Jahres arbeitet er in der Beraterfirma Wert8 zusammen mit einem Geschäftspartner selbstständig. Er schlüpft hier unter anderem in die Rolle des Motivators und Trainers, der neben der Entwicklung von Geschäftsplä­ nen und der Unterstützung beim Kontakt zu Investoren jungen Unternehmern auch hilft, die mentalen und emotionalen Klip­ pen zu umschiffen, die sich bei einer Grün­ dung auftun. Denn jenseits des Business­ plans und der technischen Idee werde die menschliche Komponente des Gründungs­ geschehens oft unterschätzt, sagt Götz. Am Anfang steht eine Idee. Dann formiert sich fast immer ein Team. Dort finden sich bei einem Start­up zumeist

Menschen zusammen, die sich kennen. Das sind Studienkollegen, häufig persönliche Freunde oder Verwandte. Man kämpft und ackert gemeinsam. Bis die Stunde der Wahrheit kommt, in der das Start­up schei­ tert – oder sich in ein wachsendes, immer weniger familiäres Unternehmen verwan­ delt. Dieser Meilenstein kann für die Betei­ ligten der ersten Stunde fast so schmerzlich sein wie die Pleite. Denn dies ist oft der Mo­ ment, in dem ein Trennungsstrich fällig ist. Wer sich in der anfänglichen, verschwore­ nen Gemeinschaft wohlgefühlt hat, passt deshalb nicht gleich in eine größere Firma. Götz erzählt von einem Start­up­ Unternehmen, das Suchmaschinenwer­ bung optimiert und gerade diesen Häu­ tungsprozess durchmacht. Der Antreiber und Kopf ist ein Praktiker, ein Machertyp sowohl mit einem Gespür für die Technik als auch mit einer Nase für das Geschäft. Partner Nummer zwei war bisher ein In­ formatiker, ein fachliches Genie, der die Prozesse entwickelte und sich in die tech­ nischen Details vertiefte. Der dritte im Bunde agierte als Vertriebschef. Binnen drei bis vier Jahren hat sich die Firma auf einen Umsatz von 25 Millionen Euro kata­ pultiert – und die Geschichte von den drei Freunden hält der Realität nicht stand. „Der Informatiker hat von sich aus gesagt, dass er nicht weiterhin der Cheftechniker sein wolle“, sagt Götz. „Er wollte zwar wei­ ter mitmachen, aber im Hintergrund wir­ ken – und jemand anderem die technische Leitung übertragen.“ Für Götz ist das eine seltene Geste: „Von sich aus zu sagen, ich kann das nicht, das ist eine wirkliche Leistung.“ Doch bei Mit­ gründer Nummer drei lief diese Zäsur nicht so reibungslos. „Der Kopf der Gruppe muss­ te zu ihm sagen: Ich traue dir diese Ent­

wicklung nicht zu.“ Ein sehr schwieriger über Emotionen. „Das stellen sich viele jun­ Moment. Das Unternehmen hatte bei sei­ ge Unternehmer gemütlicher vor. Und da nen Investoren Glück. Sie ließen die Grün­ merkt man schnell, welcher Gründer bereit der den Konflikt unter sich lösen und ge­ ist, diesen Weg zu gehen, und wer den Rück­ währten dafür auch die entsprechende Zeit. wärtssalto macht, egal wie groß seine Visio­ „Im Normalfall ist es eher so, dass der nen sind.“ Investor die Reißleine zieht. Da sind keine Entscheidend sei die realistische Ein­ Emotionen im Spiel, diese Leute schauen schätzung, in welche Rolle man schlüpfen nach dem Geld.“ könne. „Es gibt Gründer, die bauen ein Bei solch harten Schnitten entscheide Unternehmen auf, wachsen bis zu einer sich, ob ein junges Unternehmen die nötige gewissen Grenze – und geben ihre Firma Anpassungsfähigkeit mitbringe. Wer grün­ dann lieber ab, um erneut von vorn anzu­ de, könne nämlich nie genau wissen, wohin fangen, weil sie sich beispielsweise den Auf­ die Reise geht. „Wenn sich tritt auf dem internationalen Leute zu einer Gründung Markt nicht zutrauen. Oder zusammengefunden haben, ist sie wollen nicht ein Konzern­ das deshalb noch lange kein chef werden“, sagt Götz. Er er­ Team. Man fängt mit Men­ muntert deshalb weniger die schen an, mit denen man zu­ jungen Dynamiker, sondern sammen sein will. Und dann gereifte Persönlichkeiten. Der merkt man, dass man mit ih­ perfekte Gründer sei in sei­ nen nicht den nächsten Schritt nem Metier schon einige Jah­ gehen kann. Dann muss man re sattelfest. Und erfahrungs­ Foto: Michael Steinert sie austauschen“, sagt Götz: gemäß am erfolgreichsten sei­ „Der Schritt zur Professionali­ „Ein richtiger en Gründerteams, die schon sierung tut weh. Aber es ist der Gründer, der ist eine erste Gründung hinter entscheidende Sprung vom sich gebracht hätten – selbst auch menschlich Tüftler zum Gründer.“ wenn der erste Anlauf ge­ Doch damit ist die Bezie­ etwas anders. Der scheitert ist. hungskiste namens Gründung ist ein Machertyp.“ Generell hätten es Grün­ noch nicht zu Ende. Wenn ein derpersönlichkeiten in der Start­up sich in ein echtes Mattias Götz über die deutschen Gesellschaft nicht Persönlichkeitsstruktur Unternehmen verwandelt, von Firmenpionieren leicht. „Wir haben mit dem kommt der Auftritt der harten Typ Unternehmer so „Schwiegermutter“. So nennt unsere Schwierigkeiten. Man Götz scherzhaft die Rolle der Geldgeber sollte deshalb nicht geliebt werden wollen. und Investoren. „Mit dem Geld heiraten sie Unternehmer sind nicht nett.“ Förder­ die nämlich gleich mit“, sagt er. Und wie die töpfe, Beratungsangebote oder Lobreden sprichwörtliche Schwiegermutter sitzen könnten diesen Kulturwandel allein nicht die Finanziers dann mit am Tisch und wol­ erreichen. len mitreden – auch wenn die Unterneh­ „Es gibt immer noch zu viel klamm­ mensführung nicht in ihrer Hand liegt. Die heimliche Freude, wenn jemand scheitert“, Frage, wer zum Gründer taugt, wird auch findet Götz. Noch fehle beispielsweise in hier ein Persönlichkeitstest. Kann er sich der Region Stuttgart das konkrete politi­ damit anfreunden, dass es unter dem Strich sche Engagement – etwa bei der Förderung eben nicht um Selbstverwirklichung, son­ von Gründerzentren. Zudem habe es in der dern um Rendite geht? Region in den vergangenen Jahren keine Während am Anfang eine Prise Idealis­ Leuchtturm­Gründung gegeben, die zu mus hilfreich sein könne, funktioniere das einer weithin beachteten globalen Firma Wachstum zum reifen Unternehmen nicht gewachsen sei.

Arbeit und Leben zusammen denken sich mit Haut und Ein Gründer, der nternehmen Haaren seinem U n nn Arbeit und Lebe ka t, ha en eb ri ch vers cieren, wie es der nicht so ausbalan ce r Work­Life­Balan de n vo ff ri eg eb Mod und das eigene suggeriert. Arbeit tung en nicht als Belas llt so en hm ne er Unt werden. wahrgenommen

SOLUTIONS Fachbereich für Facharbeiter und Hilfskräfte

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Die Außensicht respek tieren Vor allem Investoren br ingen eine wertvolle Außensicht un d andere Kriterien mit. Man sollt e offen sein für diesen Input.

10 Scheitern bedeutet nich t das Ende Wer erst einmal erlebt hat, was es bedeutet, selbstständig zu sein, de r hat auch für ein „Leben danach“ gute Ka rten. Selbst wenn die eigene Idee nicht fu nktioniert, bleibt die unternehmerische Sich t auf die Welt vorhande n. Gepaart mit fachlichem Know­how ist dies eine gute Voraussetzung, au ch als Angestellter wieder eine gute Positio n zu finden.

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26 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Mitarbeiter sind der größte Risikofaktor Die Datensicherheitsdebatte läuft in die falsche Richtung, sagt der Chef von All for One Steeb. Sein Fazit: Systemausfälle können gefährlicher sein als Hacker und Spione. Von Andreas Geldner IT­Strategie

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atensicherheit? Ist das nicht eine dramatische Geschichte von Hackern, Spionen und Geheimdiensten? Wenn Lars Landwehrkamp, Vorstands­ sprecher des IT­Dienstleister All for One Steeb in Filderstadt­Bernhausen, von den Problemen erzählt, mit denen seine Kun­ den zu tun haben, dann tauchen zunächst einmal weder die NSA noch chinesische Plagiatoren auf. Statt­ dessen Baggerbisse, überschwemmte Keller oder schlampige Mit­ arbeiter. „Die wichtigste Herausforderung in der IT­Sicherheit ist es, erst einmal zu verhindern, Die NSA­Affäre hat einen dass ihr IT­System aus­ Run auf die IT­Sicherheit fällt“, sagt Landwehr­ provoziert kamp, dessen Unter­ Diesen Nachfrageschub nehmen sich auf Kun­ gibt es – aber schon seit Jahren. den des Softwareriesen Die Abhängigkeit der Firmen von SAP spezialisiert hat. einer 100­prozentig funktionierenden, Hier sei das Schadens­ immer komplexeren IT wächst. potenzial am größten. Das ist die entscheidende Antriebskraft, Wenn eine Online­ die von Schlagzeilen unabhängig ist. Verkaufsplattform in die Knie geht oder der Mailserver für die interne Kommunikation ausfällt, kann das schlimmstenfalls den wirtschaftlichen Ruin bedeuten. Und die Gründe dafür sind zumeist kein Fall für einen Spionagethriller, sondern ganz ba­ nal: Es sind die fehlenden Reservebatte­ rien, wenn etwa ein Bagger bei Bauarbeiten eine Stromleitung kappt. Es ist die fehlende Absicherung der Server gegen Brand oder Wassereinbruch. Und es ist immer wieder die Schwachstel­ Firmen haben mehr Angst vor Wirtschaftsspionage le Mensch. Ein häufiges Sicher­ Die Bedrohung durch Spio­ heitsrisiko ist der Mit­ nage und Datenkriminalität arbeiter, dem das halbe ist nur ein kleiner Teil der Gefährdun­ Dutzend Passwörter, gen, denen ein IT­System unterliegt. mit dem er sich im Be­ Viel größer ist das Risiko von Daten­ trieb herumschlagen verlust und Funktionsstörungen. muss, zu viel wird – und der sie deshalb auf Kle­ bezettel schreibt, die er neben den Compu­ ter heftet. Es ist der Kollege, der sein Dienst­Smartphone am Flughafen liegen lässt. Oder es ist der im Zorn aus dem Unternehmen geschiedene Vertriebsmit­ arbeiter, der seine Kundendaten zur Kon­ kurrenz mitnimmt. Sicherheit sei nicht nur eine Frage der Technologie. „Jede Sicher­

Fünf Mythen über Datensicherheit

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heitsphilosophie, die den Faktor Mensch außen vor lässt, wird scheitern“, sagt Land­ wehrkamp. „Die Trickkiste, in die Anwen­ der greifen, um lästige Schutzmechanis­ men zu unterlaufen, ist nahezu unergründ­ lich.“ Wer die Zahl der Passwörter in der Hand eines Mitarbeiters von sechs auf eines reduziert, weil verschiedene IT­An­ wendungen besser gebündelt werden, tut deshalb manchmal mehr für die Sicherheit, als wenn er nach einer komple­ xen Verschlüsselungstechnologie für die Firmenmails sucht. Für Landwehrkamp ist es an der Zeit, die in Deutschland intensiv geführte Debatte um die Datensicherheit, die sich auf die gro­ ßen anonymen Bedrohungen fokussiert, vom Kopf auf die Füße zu stellen. Die Dis­ kussion sei teilweise auf die falschen The­ men fixiert. „Ich wüsste von keinem unse­ rer mittelständischen Kunden, dass er jemals direkt von Wirtschaftsspionage im klassischen Sinn betroffen gewesen wäre“, sagt er. Es sei auch eine verzerrte Wahrneh­ mung der Wirklichkeit, wenn behauptet werde, dass erst die NSA­Enthüllungen die deutsche Wirtschaft wachgerüttelt hätten. Viele Mittelständler stünden beim Thema IT­Sicherheit schon lange unter dem Druck der Großunternehmen, die ihre Kunden sind. Große Konzerne verlangen immer öf­ ter von jedem Glied ihrer Lieferkette, dass dort dieselben zertifizierten Sicherheits­ maßstäbe gelten wie im eigenen Haus. Dass der Begriff Datensicherheit made in Germany nun die Schlagzeilen beherrsche, habe auch eine psychologische Komponen­ te. „Der verlässliche rechtliche Rahmen hierzulande und die Sicherheitskultur ha­ ben bei den Kunden schon immer eine Rolle gespielt.“ Sicherheit sei nämlich keine Ex­ trakomponente, die man sich nachträglich zur IT dazukaufen könne. „Sie müssen schon ganz zu Anfang eine Risikoanalyse machen: Kann ich es etwa verkraften, wenn meine Internetseite einen halben Tag aus­ fällt? Diese Abschätzung sieht für einen An­ lagenbauer anders aus als für den Betreiber eines Online­Shops“, so Landwehrkamp. Schon beim Aufbau der IT­Architektur müsse das Thema Sicherheit mit bedacht werden – genau aufgeschlüsselt danach, welches Schutzniveau man sich in welchem Bereich leisten will. Sicherheit ist nicht die Frage einzelner Komponenten, sondern der ganzen IT­Architektur. Dass das Thema Datensicherheit bei den Firmen immer mehr in den Mittelpunkt

Wo sind meine Daten am sichersten? Diese Frage stellen sich Unternehmen nicht erst seit der NSA­Affäre. rückt, ist nicht das Resultat einer Spionage­ affäre, sondern der Kulminationspunkt vieler schon seit Jahren zu beobachtenden technischen Trends. „Es gibt niemanden mehr, der Daten nur für sich im eigenen Haus verarbeitet – selbst der Handwerker, der einst noch seine selbst geschriebenen Rechnungen per Fax verschickt hat, ist heu­ te meist bereits online unterwegs.“ Auch der kleinste Mittelständler sei heute Teil einer weltweiten Lieferkette und tausche seine Daten rund um den Globus mit Liefe­ ranten und Kunden aus – und jeder Daten­ austausch sei ein potenzielles Leck. Wo Daten früher gesichert, aber auch ungenutzt in der eigenen IT­Zentrale gela­ gert waren, sind sie von immer mehr Stellen abrufbar und ständig in Bewegung. Statt am stationären PC hinter der Büro­Firewall operieren Mitarbeiter mit einer Vielfalt von Mobilgeräten, auf die jederzeit ein Zu­ griff möglich sein muss, sollten sie etwa ver­ loren gehen. Wer bekommt welche Berech­ tigung und welches Passwort für welchen Teil einer intern und extern immer dichter

Foto: dpa

vernetzten IT? Wie ist der Ablauf geregelt, wenn ein Mitarbeiter die Firma verlässt? Und wer schaltet die Geräte wieder frei, wenn eines der immer komplizierteren Passwörter unterwegs vergessen wird? Unter dem Stichwort Industrie 4.0 er­ reicht der Datenstrom inzwischen auch die Pro­ Sicherheitsmaßnahmen duktion. „Es hilft nichts, werden immer komplexer wenn sie dem Mitarbei­ Für ein gesamtes IT­System ter an der Maschine sa­ ist diese Aussage wohl gen, dass er ein 13­stelli­ ges Passwort eingeben richtig. Aus Sicht der Mitarbeiter sollte aber das Gegenteil der Fall sein: sie muss, wenn das mit sei­ nen dicken Handschu­ brauchen Lösungen, die komfortabel hen nicht funktioniert“, und alltagstauglich sind. Überzogene Sicherheitsanforderungen schrecken sagt Landwehrkamp. „Die Komplexität des ab – und verführen dazu, sie bei jeder Themas Sicherheit wird Gelegenheit zu unterlaufen. immer noch unter­ schätzt“, fügt er hinzu. „Das Thema kommt nicht erst auf sie zu, wenn sie sich dazu entschieden haben, die Internet­Cloud zu nutzen.“ Im Gegenteil: Cloud­Anbieter hätten in der Regel mehr Si­ cherheitsexpertise als die eigene IT­Abteilung. „In den USA ist die Angst Cloud­Computing und Big vor der Cloud überhaupt Data schaffen weitere kein Thema – das ist Bedrohungen wirklich ein sehr west­ Niemand ist eine Insel – europäisches Problem.“ das gilt auch für Firmen, die ihre Daten Auch Big Data, das in den eigenen Händen halten wollen. vermeintlich die Risi­ Im Zeitalter des Internet sind sie so oder ken zu mehren scheine, so nicht mehr abzuschotten. Auch Big sieht Landwehrkamp Data ist beim Thema Sicherheit ein eher als Teil der Lösung. zweischneidiges Schwert. Es erhöht Mit geballter Rechen­ den Datendurchsatz und erfordert damit kraft sei es einfacher, per se erhöhte Sicherheitsvorkehrungen, den Datenverkehr live gibt Unternehmen aber auch neue zu überwachen und et­ Diagnoseinstrumente zum Aufspüren wa ungewöhnliche Mus­ von Sicherheitslücken in die Hand. ter herauszupicken – die ein Indiz dafür sein kön­ nen, dass etwas nicht stimmt. Das muss ein IT­Dienstleister wie All for One Steeb na­ türlich auch aus eigenem Interesse so se­ hen. Dort hofft man, dass Datensicherheit auch im Mittelstand verstärkt zur Angele­ Europa ist beim Thema IT­Sicherheit genheit externer Anbie­ eine Bastion ter wird, die vom Ver­ Der transatlantische Graben trieb bis zur Produktion, mag tief sein. Doch auch in vom E­Mail­Server bis der EU gibt es weder eine zum Firmennetz und einheitliche Sicherheitskultur noch von den Datenspeichern einen halbwegs einheitlichen Rechts­ bis zu den Übertra­ rahmen. Auch Internetkriminalität gungswegen die gesam­ wird nicht zentral verfolgt. Ein Daten­ te IT im Blick haben. „Bei bloßen punktu­ Binnenmarkt ist noch in weiter Ferne – ellen Schutzversuchen auch wenn die Datenströme keine sind Fehlschläge pro­ Landesgrenzen kennen. grammiert“, sagt Land­ wehrkamp. Nur ein Spe­ zialist sei in der Lage, die Sicherheitsarchi­ tektur auf dem neuesten Stand zu halten und neue Einfallstore sogleich zu schließen. „Für ein normales Unternehmen ist es zum Beispiel zu teuer, einmal einen richtigen Hackerangriff simulieren zu lassen.“

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IT­DIENSTLEISTER AUS FILDERSTADT Unternehmen Die All for One Steeb AG ist ein auf SAP­ Programme spezialisierter IT­Dienstleister für mittel­ ständische Unternehmen. Der in Filderstadt­Bernhausen angesiedelte IT­Spezialist beschäftigt rund 1000 Mit­ arbeiter. Zum Angebot gehören

unter anderem Cloud­ und Big­Data­Anwendungen. Kunden All for One Steeb be­ treut nach eigenen Angaben mehr als 2000 Kunden aus den Branchen Maschinen­ und Anlagenbau, Autozulieferer, Konsumgüter, Großhandel

und Dienstleistungen. Schwerpunkt ist dabei der deutschsprachige Raum, allerdings gibt es Geschäfts­ verbindungen in insgesamt 54 Länder. Im Geschäftsjahr 2012/13 erzielte All for One Steeb einen Umsatz in Höhe von 186 Millionen Euro. age


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Mittelpunkt Mensch Interview mit Frank Hofmeister, Geschäftsführender Gesellschafter des schwäbischen Einrichtungshauses Hofmeister, mit Standorten in Bietigheim, Leonberg, Sindel ngen und Heilbronn

Sie sind bereits in vierter Generation für Ihre Kunden da. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis für das Familienunternehmen Hofmeister? Frank Hofmeister: Ja, das gibt es. Wir können Anpacken. Wir können Einrichten. Und wir können Wohlgefühl. Mein Urgroßvater startete 1892 mit einem Schreinereibetrieb – auf Basis dieses Handwerks sind wir groß geworden. Der Werkstoff Holz ist uns seit 122 Jahren vertraut. Wir wissen, FRANK HOFMEISTER wie daraus ein lebenswertes Zuhause Frank Hofmeister ist 53 Jahre, entsteht. Wir sind aus Diplom-Kaufmann und seit 2007 in der Region für die vierter Generation GeschäftsführenRegion. Nach und der Gesellschafter des schwäbischen nach haben wir unEinrichtungshauses Hofmeister, mit sere Quali kationen Standorten in Bietigheim, Leonberg, erweitert. 1951 bauSindel ngen und Heilbronn. Frank ten meine Großeltern Hofmeister ist verheiratet und hat Hermann und Emma vier Kinder. Hofmeister das Hofmeister Möbelhaus in Kirchheim am Neckar. Dort verkauften sie die in der eigenen Schreinerei hergestellten Möbel. Da nach dem Krieg die Nachfrage nach Möbeln sehr groß war, kauften sie zudem bereits gefertigte Möbel bei anderen Schreinereien zu. 1972 übernahmen mein Vater und seine beiden Brüder das Familienunternehmen und eröffneten das Hofmeister Einrichtungshaus in Bietigheim. Nach und nach etablierte sich Hofmeister als Kompletteinrichter – mit einem breiten Angebot in den drei Wohnwelten Einrichtungshaus, Trendy für Mitnahmemöbel und SB-Möbel-Discount. Seit 2007 bin ich für das Unterneh-

men verantwortlich. 2009 kam das Hofmeister Erlebnis-Wohzentrum in Leonberg hinzu, am 21. März 2013 die Neueröffnung in Sindelngen. Und seit Juli 2011 betreiben wir in Heilbronn unseren ersten KüchenFachmarkt mit 70 Musterküchen. Wir von Hofmeister verstehen richtig viel vom Einrichten. Ob erste Wohnung oder Hightech-Zuhause – im Ländle sind wir die richtige Adresse für „Schöner Wohnen“. Unsere Schreinerei ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil unseres Leistungsspektrums im Bereich individuelle Maßanpassungen und Sonderanfertigungen. Und im Heimwerker, dem wohnlichen Hofmeister-Baumarkt, ndet man all das, was in den Raum kommt, bevor die Möbel gestellt werden – also Farben, Teppichboden, Parkett etc. Der Konzentrationsprozess im deutschen Möbeleinzelhandel schreitet seit Jahren voran. Speziell im Großraum Stuttgart wurden viele Familienunternehmen verkauft oder sind einfach nicht mehr da. Frank Hofmeister: Das ist richtig. Möbelhäuser wie Siegle in Fellbach, Bierstorfer in Heilbronn und Gamerdinger auf der Hulb sind zwar weiterhin am Markt, werden aber z.B. von dem österreichischen Konzern XXXLutz betrieben. Komplett verschwunden sind Traditionshäuser wie Mammut Beck und Schildknecht in Stuttgart, Wössner in Weilimdorf oder Möbel Braun in Ludwigsburg. Wie punktet Hofmeister gegenüber Großkonzernen? Frank Hofmeister: Wir setzen selbstbewusst UND erfolgreich auf unsere Stärken: Das PreisLeistungs-Verhältnis ist für uns wichtiger als der reine Preis. Wir bevorzugen exzellente Beratung, Vielfalt im Sortiment

und den Erlebnis-Einkauf. Zudem quali zieren wir laufend unsere Mitarbeiter und bilden aktuell über 100 junge Menschen aus. Und: Wir nehmen soziale Verantwortung ernst und geben der Region etwas zurück. So unterstützen wir jährlich über hundert Vereine, Initiativen und Projekte aus der Region. Als Familienunternehmen zeigen wir Flagge – und werden das weiter tun. Unsere Kunden bestärken uns darin. Damit unterscheiden wir uns von den großen Möbelkonzernen. 2014 feiern Sie Jubiläum, m, „Trendy“ wird 30. Was planen en Sie? Frank Hofmeister: Trendy steht eht für Möbel, Trends und mehr. hr. Trendy, unseren MitnahmemeMöbelmarkt für junge Leueute gibt es seit 1984. Mit dieser ser eigenwilligen Tochter waren ren wir deutschlandweit Vorreieiter. Ein Erfolgskonzept, das wir zusammen mit unseren ren Kunden gebührend feiern wererden. Zum Auftakt der Aktionen zu 30 Jahre Trendy veranstalten wir am Freitag, 26. September, vor unserem Hofmeister Einrichchtungshaus in Bietigheim ein groroßes Open-Air-Konzert mit der Band „Münchener Freiheit“. Die Tickets kosten im Vorverkauf uf nur 5 Euro (erhältlich bei Hofmeister & Easy Ticket). Seien Sie dabei, denn eines ist sicher – das rockt!

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Hellwach und immer voller Ideen – so führt Frank Hofmeister in vierter Generation das schwäbische Einrichtungshaus Hofmeister. Der DiplomKaufmann legt großen Wert auf den Dialog mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ebenso wie mit Kunden, Geschäftspartnern, Politikern und Nachbarn an seinen vier Standorten Bietigheim, Leonberg, Sindel ngen und Heilbronn.

Hofmeister ist immer wieder für Überraschungen gut. Was wird man in naher Zukunft von Hofmeister hören? Frank Hofmeister: Wir wollen unser ErlebnisWohnzentrum in Sindel ngen noch bekannter machen und planen eine großangelegte schwäbische Kampagne. Die Kernaussage ist

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Sie haben am 21. März 2013 in Sindel ngen Ihr Hofmeister Erlebnis-Wohnzentrum eröffnet – nach Bietigheim-Bissingen und Leonberg das dritte im Ländle? Wie fällt Ihre Bilanz nach 1 ½ Jahren Sindel ngen aus? Frank Hofmeister: Wir sind in Sindel ngen angetreten, um auch im Süden von Stuttgart Marktführer zu werden. Wir sind mit unserem Konzept des Hofmeister Erlebnis-Wohnzentrums in Sindel ngen auf einem guten Weg – so weist uns die MIFM-Verbraucherumfrage 2014 wieder als Sieger aus. Unsere Kunden lieben das für Hofmeister so typische Einkaufserlebnis mit durchgehendem Wohlgefühl. Während manch anderer Anbieter optische Prestigebauten bevorzugt, stellen wir den Kunden in den Mittelpunkt. In Sindel ngen wie in unseren anderen beiden Hofmeister Einrichtungshäusern in Bietigheim und Leonberg legen wir größten Wert auf die Präsentation der Möbel und Wohnaccessoires. Jede Möbelkoje spiegelt eine eigene Welt - modern oder klassisch, Design oder naturverbunden, kreativ oder stilvoll. Mit Hofmeister in Sindel ngen bieten wir 40.000 qm Einrichtungsideen, Impulse und „Begleiter“ fürs Zuhause. Das sind 40.000 qm zum Stöbern, Staunen, Aussuchen, Sich-beraten-lassen und Möbeln, die man sofort mitnehmen kann. Und nicht zu vergessen, unser 2.500 qm großer Dehner ErlebnisZoo. Mit dem Erlebnis-Wohnzentrum in Sindel ngen haben wir einen wesentlichen Grundstein gelegt, um das Familienunternehmen Hofmeister erfolgreich in die Zukunft zu führen.


28 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Nicht jeder traut der Cloud Das Tübinger Medizintechnikunternehmen Erbe hält seine Daten am liebsten in eigener Verwahrung. Von Ulrich Schreyer IT­Sicherheit

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ir haben sehr viele Daten, die wir nicht aus der Hand geben dürfen“, sagt Chris­ tian Erbe. Der geschäfts­ führende Gesellschafter der Erbe Elektromedizin GmbH verwaltet natürlich keine Patientendaten. Doch auch das Wissen um die Vorgänge im eigenen Haus sieht er in seinen beiden eigenen Re­ chenzentren am besten aufgehoben. Das Unternehmen stellt unter anderem Hoch­ frequenzchirurgiegeräte her, mit denen kranke Zellen verdampft oder Wunden ge­ schweißt werden können. Der Mittelständ­ ler mit 860 Beschäftigten und einem Um­ satz von 180 Millionen Euro arbeitet mit ganz unterschied­ lichen Softwaresystemen – teils von Microsoft, teils auch von Oracle. Berichte über Ha­ cker „freuen uns nicht“, sagt Erbe. „Eine Cloud ist geradezu prädestiniert für Hackeran­ griffe.“ Vor allem durch Indus­ triespionage, so die Befürch­ tung des Firmenchefs, könnte sein High­Tech­Unterneh­ „Eine Cloud ist prädes­ men gefährdet sein. tiniert für Angriffe Dies ist aber nicht der einzi­ von Hackern.“ ge Grund für die Skepsis gegenüber der Datenaufbe­ Christian Erbe, geschäftsführender Gesellschafter von Erbe Elektromedizin wahrung auf den Servern ir­ gendeines Anbieters. „Wenn wir das machen würden, müssten wir immer mehr Software mieten, anstatt diese kaufen zu können“, sagt Wolfgang Werz, Bereichs­ leiter für die Informationstechnologie. Noch könne man Softwarelizenzen auch käuflich erwerben – der Trend aber gehe eher in Richtung Vermietung. Würde sich Erbe einer externen Cloud anschließen, müssten zudem alle Systeme im Unterneh­ men umgestellt werden. Problematisch wä­ re auch, mit verschiedenen Anbietern zu arbeiten: Die Integration unterschiedlicher Cloud­Systeme nämlich sei noch keines­ wegs gelöst. Zudem hält Werz den Wechsel eines Cloud­Anbieters für „denkbar schwie­ rig“, hat sich ein Unternehmen erst mal einer bestimmten Cloud verschrieben. Auf seiner öffentlichen Website hatte auch Erbe schon Hackerangriffe. „Aber wir haben unseren Webauftritt extrem gesi­ chert“ – nötig sei dies auch, weil es im Ausland staatliche Einrichtungen gebe, „die nichts anderes als Industriespionage

betreiben“, wie Erbe sagt. „Der deutsche Verfassungsschutz hat 2012 fast 1100 digi­ tale Angriffe ausländischer Nachrichten­ dienste auf deutsche Behörden registriert.“ Hinzu kämen „Ausspähaktionen in deut­ schen Unternehmen in weitaus größerem, aber nicht beziffertem Umfang“. Doch wer etwa den öffentlichen Auftritt von Erbe hacken würde, „der hat noch lan­ ge keinen Zugriff auf unsere internen Daten“, sagt Werz. Der IT­Experte hat auch Beispiele für die Absicherung der Daten im Unternehmen parat. So müssen etwa Geld­ überweisungen durch zwei Personen ge­ nehmigt werden. „Diese müssen sich durch eine elektronische Unterschrift ausweisen, die nicht im System abgelegt ist“, sagt der IT­Chef: „Die Zuständigen müssen persön­ lich einen Stick reinstecken, damit Geld überwiesen wird.“ Cloud­Anbieter weisen gerne darauf hin, nicht die „Wolke“ sei das Problem, sondern möglicherweise die Mitarbeiter. Datenklau hat es auch bei Erbe schon gegeben, der ehe­ malige Mitarbeiter wurde wegen Diebstahls verklagt. Geschützt hat sich der Medizin­ technikhersteller dagegen gegen Nachläs­ sigkeiten: Versucht etwa jemand, mit einem verloren gegangenen Tablet oder Handy wieder ins Internet zu kommen, wird das Gerät automatisch abgeschaltet. Und durch zwei räumlich getrennte Rechenzentren glaubt das Unternehmen auch gegen mögli­ che Brände oder Wasserschäden Vorsorge getroffen zu haben. Dies ist auch deswegen wichtig, weil Erbe eine „Private Cloud“ innerhalb der Gruppe betreibt. Manches – wie etwa eine bestimmte Gra­ fiksoftware – bezieht auch Erbe aus einer Cloud. Notgedrungen, da es „diese Version nur in der Cloud gibt“. Manche Dokumente könnten dort möglicherweise gespeichert werden, „aber Konstruktionspläne würde man wohl als Letztes in einer Cloud able­ gen“. Die Datenwolke bedeutet für ihn aber auch Abhängigkeit, ein Anbieterwechsel sei recht aufwendig. Doch nicht nur dies: „Cloud heißt auch, stark zu standardisieren. Es gibt weniger Möglichkeiten, firmenindividuelle Prozesse zu unterstützen“, meint Werz. Doch genau das braucht Erbe. Darauf, wie ein ex­ terner Dienstleister sein Sicherheitssystem ausrichte, habe der Kunde wenig Einfluss. In jedem Fall dürften die Daten in der Wol­ ke „immer wieder im Fokus von Hackeran­ griffen stehen“, meint der IT­Fachmann.

Erbe Elektromedizin will bei der Verwaltung sensibler Firmendaten nicht von externen Cloud­Anbietern abhängig sein. Hier prüft eine Mitarbeiterin eine Plasmasonde. die bei Operationen eingesetzt werden kann. Fotos: Erbe (2), Leser

INTERNETWOLKE IST NICHT GLEICH INTERNETWOLKE Cloud­Computing Unter dem „Rechnen in der Wol­ ke“ versteht man das Spei­ chern und das Auslagern von Daten in ein Rechen­ zentrum, das nicht vor Ort beim Anwender steht. In diesem System werden in einer externen Infrastruktur flexibel die nötigen Kapazi­ täten zur Verfügung gestellt. Meist geht das über die reine Datenspeicherung

hinaus und umfasst auch die Nutzung von Software. Der Zugang erfolgt über ein Netzwerk, meist über das Internet. Public Cloud Dies ist ein Cloud­Angebot, das für die unterschiedlichsten Kunden offen zugänglich ist. Dazu können beispielsweise so­ genannte Webmail­Dienste gehören, die nur E­Mails

speichern, oder Dienste, die auch komplette IT­Prozesse abbilden können. Private Cloud Aus Gründen des Datenschutzes und der IT­Sicherheit ziehen es Unternehmen häufig vor, ihre IT­Infrastruktur selbst zu betreiben. Wenn dies so gestaltet wird, dass dafür auch externe Kapazitäten eingesetzt werden, dann

spricht man von einer soge­ nannten Private Cloud. Hybrid Cloud Darunter versteht man eine häufig vorkommende Mischform. Bestimmte Dienste laufen in dieser Konstellation bei öffentlichen Anbietern, während sensible Anwen­ dungen und Daten weiter im Unternehmen selbst verarbeitet werden. age

BERUFLICHE FORTBILDUNGEN Plädoyer für die Wolke vhs stuttgart Moderne Cloud­Lösungen für Unternehmen sind flexibel, schnell und kostengünstig, sagt der IT­Berater Markus Kapler. Gastbeitrag

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MS-Office-Kurse, Schulungen in den gängigen Adobe Programmen, in Online-Marketing und Webtechnik sowie berufsspezifische Angebote in den Bereichen Programmierung und CAD – die vhs stuttgart entwickelt passgenaue, individuelle Seminare für Ihre Mitarbeiter/innen. Kommunikationstrainings und Seminare zur Gesundheitsvorsorge ergänzen das Angebot.

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it meinen Unternehmensdaten in die Cloud? Viel zu unsicher. Statt­ dessen haben wir unsere IT an einen renommierten Outsourcing­ Dienst­ leister ausgelagert. Seine Rechenzentren befinden sich fast vor unserer Haustür“, er­ eiferte sich unlängst einer meiner Ge­ schäftspartner. Was der rührige Unterneh­ mer nicht wusste: auch seine Systeme wer­ den in einer Wolke betrieben, klar abgegrenzt auf zwei Rechenzentren in Deutschland wohlgemerkt. Auch bei Unternehmensanwendungen ist die Cloud mächtig auf dem Vormarsch. Hauptvorteile solcher Servicelösungen sind deren Skalierbarkeit und deren kauf­ männische Kalkulierbarkeit. Nutzung und Geschäftsabläufe und damit auch die Kos­ ten lassen sich überaus flexibel anpassen, etwa bei schwankender Auslastung oder bei neuen Prozessen. Bemerkenswert: der Vorstoß kommt meist aus der Fachabtei­ lung, selten jedoch vom IT­Chef selbst. Fast immer geht es um Innovationen. Wer Veränderungen gestalten will, weil Kunden höhere Geschwindigkeit, weltwei­ te Mobilität und Leistungen fordern, die nur innerhalb durchgängiger Lieferketten erbracht werden können, kommt an der Cloud kaum mehr vorbei. „Alles aus der Cloud“, lautet das Credo der neuen Genera­ tion von Unternehmensgründern aus der Start­up­Szene. Doch längst sind auch etablierte Unternehmen hier unterwegs. So berichtete mir erst unlängst die Personal­ leiterin eines stark wach­ senden Dienstleisters mit 1000 Beschäftigten von ihrer neuen Be­ werberverwaltung, die jetzt aus der Cloud erfolgt. Demnächst könnten hier auch

die Dienstreisen mit einer Software aus der Wolke abgerechnet werden. Das geht deut­ lich schneller und einfacher. Selbst umfangreiche geschäftskritische Unternehmenssoftware­Landschaften, et­ wa zur Steuerung von Produktion, Logistik oder Finanzwesen, gewinnen mit den neu­ en „Softwareschnellbooten aus der Wolke“ deutlich an Performance. Für die IT­Chefs lassen sich so die Vorstellungen ihrer Fach­ bereiche viel besser umsetzen, ohne den meist teuren Wildwuchs pflegeintensiver Anwendungsschnittstellen. Moderne Cloud­Lösungen zeichnen sich durch hohe Integrationsfähigkeit aus und lassen sich meist gut in bestehende IT­Landschaften, Compliance­Regularien und Strategien einbinden. Für die Unter­ nehmen machen sich solche Investitionen oft bereits innerhalb eines Jahres bezahlt. Welche Modelle am besten passen – etwa Hybrid, also Cloud als funktionale Er­ weiterung, ein mehrstufiges Cloud­Mo­ dell, etwa zwischen Zentrale und Nieder­ lassungen, oder ein Komplettmodell –, muss im Einzelfall genau untersucht wer­ den. Wie bei vielen anderen IT­Innovatio­ nen gilt auch hier: die Cloud ist kein Selbst­ zweck. Software aus der Wolke muss die Unternehmens­ strategie bestmöglich unter­ stützen. Die Chancen dafür stehen gut.

Markus Kapler berät Unternehmen in den Bereichen IT­Strategie, Organisation, Sicherheit und Systemauswahl. Der Betriebswirt war mehrere Jahre in verschiedenen IT­Leitungspositionen in der Automobilzuliefer­ industrie tätig.


Wirtschaft in Baden-Württemberg 29

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 2 | Oktober 2014

Die Hackerbranche agiert global

Michael Hange, Chef des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, warnt angesichts der Spionagedebatte der vergangenen Monate davor, die alltäglichen Bedrohungen für die IT aus dem Auge zu verlieren. Interview

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uch der Bund hilft Bürgern und Unternehmen, die von Gefah­ ren im Netz bedroht sind. Mi­ chael Hange, Chef des Bundes­ amtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), beschreibt die Risiken und wie sein Amt helfen kann.

Herr Hange, das Kürzel BSI ist nicht jedem geläufig. Was macht Ihr Amt eigentlich? Zunächst ist unsere Aufgabe der Schutz der IT­Netze von Bundesregierung und Bun­ desverwaltung. Als Teil eines internationa­ len Sicherheitsnetzwerks, das weltweit IT­Attacken beobachtet, geben wir War­ nungen vor IT­Gefahren heraus. Und wir beraten als neutrale Instanz Bürger und Unternehmen, wobei wir auch ganz kon­ kret Produkte für die IT­Sicherheit emp­ fehlen können. Inwieweit unterscheiden Sie sich von einem privaten IT­Dienstleister? Wir sind keine Konkurrenz zu IT­Sicher­ heitsfirmen, sondern dienen als erste An­ laufstelle. Jedes Unternehmen kann sich bei IT­Sicherheitsproblemen an uns wen­ den. Wir sagen aber auch ganz klar, wenn eine Firma Sicherheit nicht aus eigener Kraft erreichen kann, sondern es einen ex­ ternen Dienstleister braucht. Viele dieser Dienstleister sind von uns zertifiziert, was die nötige Kompetenz und Vertrauenswür­ digkeit gewährleistet. Man kann ja nicht jeder Firma Einblick in seine digitalen Geheimnisse geben. Sind Sie also vor allem für kleine und mitt­ lere Unternehmen interessant? Wir kooperieren auch mit großen Firmen, vor allem wenn es um komplexe internatio­ nale Bedrohungen geht. Wenn es um der­ artige Attacken geht, holen sich auch Groß­ unternehmen Hilfe.

nalität. Das ist heute ein global arbeitsteili­ ger Markt. Es gibt Spezialisten, die An­ griffswerkzeuge entwickeln, es gibt andere, welche die entsprechenden Programme vertreiben – nur die Nutzung am Ende ist illegal. Das Geschäft ist international, es ist hoch attraktiv, weil die Angreifer in der Regel unentdeckt bleiben. Und woher kommen die Attacken? Es gibt Länder, in denen böse Hacker mehr verdienen als gute IT­Experten. Aber letzt­ lich können Sie das nur sehr schwer fest­ stellen. Der Entwickler eines kriminellen Programms stammt vielleicht aus einem Land, der Anbieter aus einem anderen, der eigentliche Täter aus einem dritten. Das ist nicht leicht zu fassen. Deshalb muss man in diesem Bereich auf Prävention setzen. Hat die Abhördebatte der vergangenen Monate die Realität verzerrt? Das hat natürlich auch mit der Bericht­ erstattung zu tun. Große spektakuläre Er­ eignisse finden mehr Aufmerksamkeit als die vielen kleinen Vorfälle im Alltag. IT­Si­ cherheit ist viel breiter und vielschichtiger

als das. Das fängt mit der Sorglosigkeit im eigenen Unternehmen an – etwa beim Um­ gang mit USB­Sticks oder Passwörtern. Viele Täter kommen von innen. Diskutieren wir über die falschen Risiken? Um nicht missverstanden zu werden: der Staat muss sich natürlich auf hohem Niveau vor dem Angriff von Nachrichten­ diensten schützen. In der Wirtschaft sollte man aber pragmatisch Kosten und Nutzen abwägen. Mit 20 Prozent Aufwand kann man sich vor 80 Prozent der IT­Bedrohun­ gen schützen. Wir bieten Tipps für einen IT­Grundschutz an. Und dieser Basis­ schutz hat sich in der Wirtschaft durch­ gesetzt. Den legt inzwischen auch die Rechtsprechung als Maßstab an. Was gehört zu einem guten Basisschutz? Das fängt bei der Sicherung mit Passwör­ tern an, beim Virenschutz, der Firewall und den Software­Updates. Ganz wichtig ist ein solides Back­up ihrer Daten und Systeme. Sie müssen beachten, dass die Internetbrowser richtig eingestellt sind oder dass nicht jeder PC Administrator­

rechte hat, was jedem Angreifer sofort die Möglichkeit zur vollen Kontrolle gibt. Zu­ dem sollten Sie Ihre Daten verschlüsseln. Aber das muss nicht immer eine Ver­ schlüsselung von einem Ende zum ande­ ren sein. Hier hilft schon eine gute Authen­ tifizierung. Sie raten zu Nüchternheit? Man darf nicht nur die hochwertigsten Be­ drohungen im Blick haben. Erforderlich ist eine solide, umfassende Ba­ sis. Die Verschlüsselung der „Mit 20 Prozent Aufwand Kommunikation nützt ih­ kann man sich vor nen nichts, wenn der Schutz 80 Prozent der nicht auch in die Breite geht. Wir müssen IT­Sicherheit Bedrohungen schützen.“ zu einem Alltagsthema zu Michael Hange zur Abwägung von machen wie die Verkehrs­ Kosten und Nutzen in der IT­Sicherheit sicherheit. Bedroht einen wirklich ein Nachrichtendienst? Oder ist es nicht eher ein gemeiner Cyber­Kriminel­ ler, der sich die allgemein im Internet ver­ fügbaren Instrumente holt? Dagegen kann man sich gut wehren. Das Gespräch führte Andreas Geldner.

Foto: BSI

Wo liegt der Schwerpunkt der Bedrohungen? Alle Untersuchungen besagen, dass der Faktor Mensch im Unternehmen mit Ab­ stand die größte offene Flanke ist. Ein Ein­ fallstor sind auch Schwachstellen in Pro­ grammen, wenn die Angreifer schneller sind als diejenigen, welche die Sicher­ ERFAHRENER IT­EXPERTE heitslecks stopfen. Amt Der Diplom­Mathe­ Ein wachsendes matiker Michael Hange Thema ist die Cy­ ist seit 2009 Präsident ber­Erpressung. Er­ des Bundesamtes für pressungsmails se­ Sicherheit in der Infor­ geln auch schon ein­ mationstechnik (BSI) mal unter der und seit 2011 Sprecher falschen Flagge des des Nationalen Cyber­ BSI oder des Bun­ Abwehrzentrums. Seit 1977 hat er sich in der deskriminalamts. Bundesverwaltung mit dem Thema IT­Sicher­ Aber um eine Grö­ heit beschäftigt. ßenordnung zu nen­ nen: wir schätzen, Aufgaben Schwerpunkt seiner Arbeit war dass etwa drei Pro­ etwa die Entwicklung eines Handbuches für den zent der Internet­ Grundschutz in Unternehmen und Verwaltung. seiten infiziert sind. Hange ist auch für die internationale Koopera­ tion in IT­Sicherheitsfragen zuständig. StZ Was wissen wir – und was nicht? Letztlich sind exakte Statistiken unmöglich. Es kann manchmal 100 bis 200 Tage dauern, bis eine erfolgreiche Attacke überhaupt be­ merkt wird – etwa wenn Ihr Computer im Rahmen eines sogenannten Bot­Netzes für kriminelle Zwecke gekapert wurde. Noch et­ was kommt hinzu: Immer noch stehen Fir­ men ungern öffentlich dazu, wenn sie digital angegriffen werden und Opfer einer Cyber­ Attacke sind. Wir können Unternehmen nur ermuntern, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Wir garantieren ihnen absolute Ver­ traulichkeit. Eine anonyme Meldung ist al­ lemal besser als gar keine. Nur mit Hilfe der Meldungen können wir sehen, was gerade passiert. Bei der neuen „Allianz für Cyber­ Sicherheit“, die wir mit dem Branchenver­ band Bitkom und der Wirtschaft geschlos­ sen haben, gibt es erfreulicherweise eine wachsende Zahl von Meldungen. Immer mehr Unternehmen nennen ihren Namen. Aber von uns wird niemand in die Öffent­ lichkeit gebracht oder gar gedrängt. Auch Erfahrungen, die anonym weitergegeben werden, können für andere Firmen wertvoll sein. Fallbeispiele sind oft hilfreicher als die Predigt eines Sicherheitsapostels.

„Kriminelle Hacker tummeln sich heute auf einem internationalen Markt, auf dem die Urheber von Attacken schwer auszumachen sind“, sagt Michael Hange. Foto: dpa

Wer ist schlimmer: Spione oder Kriminelle? Das Hauptthema bleibt die Cyber­Krimi­

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IT­Grundschutz Der IT­Grundschutz des BSI ist modular aufgebaut und bietet eine einfache Methode, dem Stand der Technik entsprechende Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen: www.bsi.bund.de/IT­Grundschutz Allianz für Cyber­Sicherheit Eine 2012 gegründete Initiative des BSI, des Branchenverbandes Bitkom und der Wirtschaft, die den Erfahrungs­ austausch ausbauen will: www.allianz­fuer­cybersicherheit.de

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Welcome Center Neuer Service für Unternehmen und internationale Fachkräfte Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geht davon aus, dass aktuell 25 Prozent der Firmen in Deutschland einen Fachkräftemangel haben. Baden-Württemberg als wirtschaftsstarkes Bundesland ist von diesem Fachkräftemangel überproportional betroffen. Nach dem aktuellen Fachkräftemonitor der badenwürttembergischen Industrie- und Handelskammern fehlen im Land derzeit vor allem dual ausgebildete technische Facharbeiter in der Industrie und im Handwerk, Ingenieure und Informatiker. Es fehlen aber auch zahlreiche Fachkräfte in der Pflege. Der demografische Wandel, der sich in Baden-Württemberg ab dem Jahr 2020 deutlich auswirken wird, würde ohne Gegenmaßnahmen zu einer Ausweitung des Fachkräftemangels führen. Denn dann gehen die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. Nach der aktuellen Prognose des Statistischen Landesamtes verringert sich die Bevölkerung zwischen 20 und 65 Jahren in Baden-Württemberg von 2020 bis 2030 um 450.000 und bis 2050 um über 1 Million. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, haben sich auf Initiative des Finanz und Wirtschaftsministeriums die verantwortlichen Akteure zur Fachkräfteallianz Baden-Württemberg zusammengeschlossen.

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Es wurde vereinbart, das inländische Beschäftigungspotenzial verstärkt auszuschöpfen und zusätzlich internationale Fachkräfte für Baden-Württemberg zu gewinnen. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es für die Unternehmen im Land und für internationale Fachkräfte einen neuen Service ‒ die Welcome Center. Sie werden finanziert vom Finanz- und Wirtschaftsministerium im Rahmen der Fachkräfteallianz Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Welcome Center gibt es in zehn Regionen und zusätzlich ein landesweites Welcome Center speziell für den Pflegebereich und das Erziehungswesen. Die Welcome Center fungieren als zentrale Anlaufstellen für internationale Fachkräfte. Sie sollen zum einen auf die Betriebe zugehen und sie über die Möglichkeiten und die Vorgehensweise bei der Gewinnung von Fachkräften beraten. Zum anderen sollen die Welcome Center den zuwandernden Fachkräften und deren Familien bei der Integration helfen. Sie bieten eine Erstberatung an und vermitteln die Menschen dann an die originär zuständigen Stellen. Themen sind beispielsweise Arbeitssuche, Arbeits- und Sozialrecht, Aufenthaltsrecht, Berufsanerkennung, Wohnen, Bildung und Kinderbetreuung.

Folgende Welcome Center beraten und unterstützen bei der Anwerbung und Integration von internationalen Fachkräften:

Für die Bereiche Pflege und Erziehung gibt es ein landesweites Welcome Center.

Mehr über die Fachkräfteallianz in Baden-Württemberg sowie die Ansprechpartner auf Landesebene und vor Ort finden Sie unter: www.fachkraefteallianz-bw.de

Baden-Württemberg International - Partner bei der Fachkräftesicherung Baden-Württemberg International (bw-i) ist das Kompetenzzentrum für das Land zur Internationalisierung von Wirtschaft und Wissenschaft. Mit Programmen und Maßnahmen, die in enger Zusammenarbeit mit Wirtschafts- und Wissenschaftsorganisationen sowie Regionen und Kommunen entwickelt und durchgeführt werden, leistet bw-i einen wichtigen Beitrag zur Standortentwicklung und -sicherung. bw-i realisiert dabei auch zahlreiche Kommunikations- und Rekrutierungsprojekte zur Fachkräftesicherung, die vom Finanz- und Wirtschaftsministerium gefördert werden. Weitere Informationen zu Baden-Württemberg International finden Sie unter: www.bw-i.de Aktivitäten • Aufbau und Betrieb der Kommunikationsplattform bw-jobs.de Besucher aus dem In- und Ausland erhalten durch diesen Internetauftritt, der in den Sprachen deutsch, englisch, spanisch, französisch und türkisch verfügbar ist, einen Überblick über Arbeiten und Leben in Baden-Württemberg und die Maßnahmen im Rahmen der Willkommenskultur. Zudem werden die Besucher gezielt über Angebote und Unterstützungsleistungen des Landes, der Bundesagentur für Arbeit, der Wirtschafts- und Brancheninstitutionen, der regionalen Wirtschaftsfördereinrichtungen sowie der regionalen Fachkräfteallianzen im Hinblick auf die Gewinnung von Fachkräften informiert. Zentrale Bausteine des Internetauftritts sind eine Jobsuchmaschine mit ca. 30.000 Stellenangeboten in technischen Berufen sowie ein Arbeitgeberverzeichnis mit derzeit 25.000 baden-württembergischen Unternehmen, die sich potenziellen Fachkräften als mögliche Arbeitgeber präsentieren. • Informations- und Gemeinschaftsstände auf Messen Im Rahmen in- und ausländischer Messen werden Informations- und Firmengemeinschaftsstände

organisiert. Sie sollen den Besuchern aufzeigen, welche Zukunftschancen und Jobmöglichkeiten in BadenWürttemberg bestehen. Kleinen und mittelständischen Unternehmen des Landes möchten sie eine Präsentationsplattform bieten, auf der sie sich als attraktive Arbeitgeber vorstellen können. Geplant ist, das Angebot von Firmengemeinschaftsständen bei internationalen Recruitingmessen in Deutschland auszuweiten sowie zusätzliche Synergien zu bw-i-Messebeteiligungen im In- und Ausland durch Einrichtung einer digitalen Jobwall für Aussteller von Gemeinschaftsständen zu schaffen. Die von den ausstellenden Unternehmen angebotenen freien Stellen werden dabei visualisiert, gleichzeitig erfolgt eine Präsentation des anbietenden Unternehmens. Erste Projekte dieser Art wurden bereits auf der Hannover Messe (Industrie) sowie der Intersolar in München realisiert und stießen sowohl bei den teilnehmenden baden-württembergischen Unternehmen als auch bei in- und ausländischen Besuchern auf sehr positive Resonanz. Auch auf Jobmessen an Hochschulen wird für den Fachkräftestandort Baden-Württemberg geworben. Insbesondere den teilnehmenden ausländischen Studierenden werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie nach Abschluss des Studiums in Baden-Württemberg leben und arbeiten können bzw. wie sie bei einer Rückkehr in das jeweilige Herkunftsland eine Anstellung bei einer baden-württembergischen Firma finden. • Verstärkte Zusammenarbeit mit Messegesellschaften des Landes Messen, welche an den neun Messeplätzen des Landes veranstaltet werden, sind eine ideale Plattform für die Begegnung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Daher ist es ein Ziel der Fachkräfteallianz, die Messegesellschaften und deren technische Fachmessen in die Rekrutierung von künftigen Fachkräften mit einzubeziehen. Im Pilotprojekt „Karrieremarktplätze Baden-Württemberg“ erhalten baden-württembergische Aussteller auf internationalen technischen Fachmessen die Möglichkeit, ihre aktuellen Jobangebote den Messebesuchern auf einer digitalen Jobwall zu präsentieren.

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EIN SONDERTHEMA DER ZEITUNG WIRTSCHAFT IN BADEN-WÜRTTEMBERG

BAUWIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN D I E N S TAG , 3 0 . S E P T E M B E R 2 0 1 4

Bauprojekte steuern

Fachkräfte gesucht

Drehbuch fürs Bauen

Der öffentlichen Hand fehlten Spezialisten für Großprojekte, sagt Verbandschef Diener. Die Bauwirtschaft könne das besser leisten.

Auf dem Bau ist heute mehr Köpfchen als Muskelkraft gefragt. Die Branche kämpft mit ihrem Image und sucht intensiv nach Nachwuchs.

Die Autoproduktion ist minutiös geplant. So etwas gibt es im Bauwesen bislang nicht. Dabei verspricht der Ansatz Einsparpotenzial.

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Alle Hände voll zu tun

Umsatzplus in der Bauwirtschaft: Vor allem Wohnungsbau legt zu

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ei Baden-Württemberg denkt jeder an die Autoindustrie. Dann kommt lange Zeit nichts, und erst spät wird an die Bauwirtschaft gedacht. Dabei ist ihre Rolle nicht zu unterschätzen. Ihr Umsatz lag im Vorjahr bei 12,25 Milliarden Euro, wie eine Sprecherin mitteilte. Somit steuert das Baugewerbe mit seinen Leistungen rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bei. Die Branche schiebt auch weitere Investitionen an. So haben die Fachleute des Verbands errechnet, dass jeder Euro, der in der Bauwirtschaft investiert wird, etwa drei Euro an Folgeinvestitionen nach sich zieht. Die 90 000 Beschäftigten in den etwa 7000 Betrieben im Südwesten haben zurzeit alle Hände voll zu tun (siehe auch Seite 34). An allen Ecken und Enden wird gebaut oder renoviert. Daraus lassen sich die guten Zahlen ableiten. Bis Ende Juni dieses Jahres wurden rund 5,68 Milliarden Euro umgesetzt – ein Plus von 10,7 Prozent gegenüber den Vergleichsmonaten des Vorjahres. Die Auftragseingänge legten um 4,4 Prozent zu, die geleisteten Arbeitsstunden stiegen sogar um 7,8 Prozent an. Doch die Zeiten waren in der Vergangenheit nicht immer so rosig. Nach einem mehrjährigen konjunkturellen Aufschwung bis Mitte der 1990er Jahre hatte die Bauwirtschaft im Zuge der allgemeinen Rezession im Laufe von zehn Jahren

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deutschlandweit die Hälfte ihrer Beschäftigten verloren – in Baden-Württemberg waren es ungefähr 40 Prozent. Seit fast einem Jahrzehnt dagegen gibt es in beinahe allen Sparten einen deutlichen Aufwärtstrend. Die Branche hat sich – nach notwendigen Strukturreformen – stabilisiert. Besonders kräftig zugelegt hat im ersten Halbjahr der Wohnungsbau mit 14,4 Prozent, was auf die gute Witterung zurückzuführen ist, aber ebenso auf die niedrigen Bauzinsen. Auch der öffentliche Sektor kann zweistellige Zuwachsraten verzeichnen. Eine weitere erfreuliche Entwicklung gibt es im Wirtschaftsbau. Nach Jahren der Zurückhaltung investieren die Unternehmen im Land vermehrt in Ersatz – und Neubauten. Das lässt die Bauwirtschaft im Südwesten optimistisch nach vorn schauen. Der Wachstumskurs soll sich nach Aussage des Verbands fortsetzen, wenn auch in abgeschwächter Form. Bis Jahresende wird mit einem Gesamtumsatzplus von 2,5 bis drei Prozent gerechnet. Zu den wichtigsten Auftraggebern zählt der Staat. Mit Bund, Land und Kommunen werden den Angaben zufolge 26 Prozent des Bauumsatzes erzielt, insbesondere was die öffentliche Infrastruktur angeht. Dazu zähl-

beim Abwassernetz. Etwa 20 Prozent des 50 000 Kilometer langen Mischwasserkanalnetzes in Baden-Württemberg sind laut einer Studie dringend sanierungsbedürftig. Leider seien Schäden auf den ersten Blick nicht sichtbar, sagt die Sprecherin. Auch sei das kommunale Kanalnetz, das teilweise 100 Jahre alt ist, völlig unterdimensioniert. Was das bedeuten kann, lässt sich bei einem Gewitterregen beobachten, wenn Keller volllaufen. Ein Problem ist die zögerliche Zahlungsmoral der staatlichen Stellen. Denn: die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand ist schlechter als die der privaten Investoren. In einer Verbandsumfrage heißt es, dass zwei

ten in erster Linie Aufträge für den Aus- und Neubau von Bundesfern- und Landesstraßen, aber auch von öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Hochschulen. Besonders bedeutend sind dabei die Aufträge der Kommunen, die rund zwei Drittel aller öffentlichen Investitionen ausmachen. Eigentlich gibt es für Teile der Branche in Baden-Württemberg in den nächsten Jahren genügend zu tun. Doch seit Jahren werden zu wenig Mittel in die Verkehrsinfrastruktur gesteckt. Dringende Aus- und Neubauten werden nicht realisiert, bestehende Verkehrswege nicht rechtzeitig saniert. Die FolBADEN-WÜRTTEMBERG SANIERUNGSBEDARF ge sind marode BrüABWASSERNETZ cken und Straßen. Die Bauwirtschaft ZAHLUNGSMORAL STRUKTURREFORM fordert außerdem, dass BRUTTOINLANDSPRODUKT wieder mehr Personal in der Straßenbauverwaltung eingesetzt wird, damit die Drittel der Unternehmen die Zahlungsmoral großen bevorstehenden Aufgaben bewältigt von Bund, Land, Städten und Gemeinden als werden können. Außerdem sei es gerade in schlecht oder sehr schlecht beurteilen. Vor diesem Bausektor wichtig, dass verstetigt allem die kommunalen Auftraggeber verausgeschrieben werde, damit die Unterneh- zögerten oft die Zahlung von Rechnungen, men ihre Kapazitäten (Personal und Maschi- manchmal bis zu einem halben Jahr über nen) möglichst über viele Monate hinweg der eigentlichen Zahlungsfrist. Bei privaten effizient einsetzen könnten. Großer Sanie- Auftraggebern sei die Zahlungsmoral daOliver Schmale rungsbedarf besteht demnach zum Beispiel gegen deutlich besser.

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BAUWIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN

Dienstag, 30. September 2014

„Kein Grund zur Sorge“ Verband der Bauwirtschaft ist mit Konjunktur zufrieden

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err Diener, die Bauwirtschaft hat aktuell, was die Umsätze angeht, nicht zu klagen. Oder? Wir sind rundum zufrieden, was die Umsätze und den Auftragseingang anbelangt. Wir haben eine leichte Abschwächung bei den Baugenehmigungen, daher könnte es sein, dass in der Folge die Auftragseingänge etwas zurückgehen. Derzeit sehen wir jedoch überhaupt keinen Grund zur Sorge. Wird sich die hohe Nachfrage auf die Baupreise auswirken? Nein. Wir liegen etwas über der Inflationsrate, bei zwei bis 2,2 Prozent. Allerdings hatten wir zwischen 1990 und 2003 gar keine Preissteigerungen, lagen also im Nullbereich. Da bestand sicher ein gewisser Nachholbedarf, weil in dieser Zeit die Kosten für Baumaterialien und Löhne gestiegen sind. Müssen Bauherren länger warten? Wir sind gut ausgelastet. Es ist aber sicher nicht so wie in den sechziger Jahren, als Bauherren bis zu sechs Monate auf den ersten Spatenstich warten mussten. Wir liegen heute bei drei Monaten Auftragsreichweite. Gibt es einen Schwerpunkt nach Bauart? Der Wirtschaftsbau und der Wohnungsbau halten sich in etwa die Waage. Im Moment liegt der Wohnungsbau etwas vor dem Wirtschaftsbau. Die restlichen 30 Prozent entfallen auf den öffentlichen Bau. Wir hatten befürchtet, dass durch die verspätete Verabschiedung des Bundeshaushaltes es zu Einbrüchen kommen könnte.

Im Nachhinein betrachtet muss man aber sagen, dass die Umsatzzahlen dagegensprechen. Selbst der Straßenbau ist vom Umsatz her sehr gut gestartet. Wie sieht die Situation bei den Fachkräften aus? Aktuell verzeichnen wir bei der Ausbildung ein Minus von zwei Prozent. Das kommt daher, dass wir nicht mehr so viele Auszubildende bekommen, wie wir brauchen. Vor allem nicht in der Qualität, wie es notwendig wäre. Wir stehen da am Anfang einer beunruhigenden Entwicklung. Der Anteil ausländischer Arbeitskräfte konnte erhöht werden, so dass noch keine Not besteht. Aber dieses Thema wird aus meiner Sicht in den nächsten 20 Jahren für die Betriebe zur ent-

scheidenden Herausforderung. Es kann sein, dass sich jetzt durch die Zuwanderung das Problem etwas entschärft. Man kann jedoch nicht richtig einschätzen, wie nachhaltig die Zuwanderung ist.

venz gegangen sind und dass daraus viele Neugründungen entstanden sind. Heute ist das weniger aus der Not geboren. Wir haben also Neugründungen, das sind aber sehr kleine Betriebe.

Liegt das vielleicht am Image der Bauwirtschaft? Es gibt hier sicher Verbesserungsbedarf, aber wir kennen auch Studien, in denen hervorgehoben wird, dass die Aufstiegsmöglichkeiten im Baugewerbe als sehr attraktiv angesehen werden. Bei der Bezahlung liegen wir auf einem guten Mittelplatz. Im Moment halten wir die Ausbildungszahlen. Mit unseren Ausbildungszentren ist da in den letzten Jahren ein solides Fundament gelegt worden.

Können Sie uns die Lage bei den Insolvenzen in der Bauwirtschaft schildern? Gott sei Dank ist die Insolvenzquote deutlich gesunken. Wir lagen so in der Hochphase bei mehr als 300 Insolvenzen pro Jahr in Baden-Württemberg und sind jetzt so bei 100 bis 120. Das ist das Niveau, das wir vor der Krise hatten.

Wie sieht es aktuell bei den Neugründungen aus? Wir hatten eher in der Krise das Problem, dass einige größere Firmen in die Insol-

Klingt ausgesprochen erfreulich. Wir haben derzeit eher das Problem, dass wir keine Betriebsnachfolger haben und deswegen die Firmen vom Markt verschwinden. Es gibt einfach keinen Markt mehr für Bauunternehmen. Auch wenn die Söhne und Töchter den Beruf erlernen, sind sie oft nicht bereit, den Betrieb zu übernehmen. Wie sieht es in der Bauwirtschaft im Land mit der Eigenkapitalquote aus? Sie ist umso geringer, je kleiner der Betrieb ist. Sie liegt zwischen zwölf und 14 Prozent. Die Rendite schwankt zwischen 2,2 und drei Prozent. Das Problem ist, dass die Risiken im Bau deutlich größer sind, weil wir individuelle Bauwerke machen. Wie zuverlässig sind Baukalkulationen? Wir haben das Problem – sehr überspitzt ausgedrückt –, dass jeder vor sich hinwurschtelt und dabei das gemeinsame Ziel aus den Augen verliert, ein Haus oder Gebäude zu Dieter Diener, Geschäftsführer des Bauwirtschaftsverbands. Foto: Mierendorf

errichten, das qualitativ in einem Zeit- und Kostenrahmen zu errichten ist. Es hat sich eine Unkultur entwickelt. Insbesondere im öffentlichen Bereich wird immer versucht, das billigste Angebot zu nehmen, obwohl es eigentlich das wirtschaftlichste sein sollte. Ist es heute leichter oder schwerer, mit der öffentlichen Hand zu bauen? Früher war es unproblematisch, von der öffentlichen Hand jemand zu bekommen, der eine Entscheidung getroffen hat, die er in der eigenen Behörde vertreten hat. Das wird zunehmend schwieriger. Viele Verantwortlichkeiten sind unschärfer geworden. Das alles führt unter dem Strich zu einer suboptimalen Zusammenarbeit. Es gibt Stimmen, die sagen, die öffentliche Hand sollte die Finger von Großprojekten lassen. Das sehe ich auch so. Solche Projekte werden ja nicht jeden Tag gebaut. Und es wäre sinnvoll, Organisationen zu schaffen, die mit Großprojekten umgehen können. Ich sage ja gar nicht, dass die öffentliche Hand keine Großprojekte mehr machen soll. Sie sollte dann aber über Spezialisten verfügen, die auf dem Gebiet erfahren sind. Was ärgert Sie an der aktuellen Politik? Die Rahmenbedingungen, insbesondere im Wohnungsbau, werden immer schlechter. Mich treibt die große Sorge um, dass die Politik so lange an der Kostenschraube dreht, bis der Wohnungsbau immer unattraktiver wird.

ZUR PERSON Dieter Diener Der Jurist ist seit dem Jahr 1997 Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Bau Württemberg/Bauwirtschaft BadenWürttemberg und Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft BadenWürttemberg. Seit 2009 ist Diener auch Geschäftsführer des Landesinnungsverbands Fliesen. Zu seinen ersten Stationen nach dem zweiten juristischen Staatsexamen gehörten der Verband der Metallindustrie (1982–1985) und das Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft (1985–1986), wo er jeweils als Referent tätig war. red

Nennen Sie Beispiele. Um fast 50 Prozent wurde die Grunderwerbsteuer angehoben, wir gehen dazu über, die Deponiegebühren innerhalb von sechs Jahren um teilweise 100 Prozent zu erhöhen, wir erhöhen ständig die energetischen Standards. Was nicht falsch ist, aber nicht in diesem Umfang. Ich habe bis heute nicht verstanden, wie eine Mietpreisbremse mehr Wohnungen schaffen soll. Der beste Mieterschutz ist ein ausreichendes Angebot an Wohnraum. Die Fragen stellte Ingo Dalcolmo.

Weites Land Zu wenig Erddeponien in der Region

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n der Region Stuttgart wird viel gebaut. durchaus auch mal zu längeren TransportEine Konsequenz daraus: auf den Erd- wegen kommen, wenn sich wirtschaftlich deponien in der Region geht es eng zu. attraktivere Verwertungsmöglichkeiten in Das Land sieht hingegen derzeit ausreichen- größerer Entfernung fänden. de Deponiekapazitäten. Vor allem BauunterStuttgart 21 ist offenbar nicht die Ursanehmen in den Ballungszentren wären che für den Mangel, auch wenn nach Angaimmer öfter gezwungen, weitere Wege in ben des Kommunikationsbüros in den Anspruch zu nehmen, um den Erdaushub nächsten Jahren rund 20 Millionen Tonnen loszuwerden, weil Erddeponien wegen Über- Steine und Erde anfallen werden. Allein für füllung geschlossen werden, bemängelt Die- die Talquerung mit Hauptbahnhof, den Filter Diener, Geschäftsführer des Verbands dertunnel und die Zuführungen Feuerbach, Bauwirtschaft. TeilBad Cannstatt mit weise müsste der S-Bahn und den Erdaushub bis nach Zuführungen in Bayern transportiert Ober- und Unterwerden. türkheim soll es Für den Verband rund acht Millioliegt das daran, dass nen Tonnen Erdes die Kommunen aushub geben. Akin den vergangenen tuellen Unterlagen Jahren versäumt hätdes Kommunikaten, ausreichend Detionsbüros zufolge ponieraum zu schafwerden während fen. Die Folge davon der Bauzeit jeden sei, dass in einigen Tag zwischen 5000 Landkreisen nur und 10 000 Tonortsansässige Firnen Erdaushub auf men ihren unbelasdem Schienenweg teten Erdaushub anabtransportiert. In liefern dürfen. DieSpitzenzeiten kann ter Diener sieht in sich dieser Wert bis Sachen Deponieauf 15 000 Tonnen knappheit in erster erhöhen. Ein Zug Linie die Städte und fasst dabei rund Landkreise in der 1000 Tonnen ErdPflicht, gegebenenaushub. Das entGibt es zu wenig Platz für Bauaushub in falls durch vertraglispricht rund 40 der Region? Foto: Mierendorf che Verpflichtungen Lkw. Ein Großteil für eine angemessedes Erdaushubs ne Entsorgungssicherheit auch über die bleibt laut Kommunikationsbüro in BadenLandkreise hinweg zu sorgen, um die Preis- Württemberg. Ein Fünftel des gesamten Erdspirale für Bauaushub sowie den drohenden aushubs wird per Zug nach Thüringen und Transporttourismus zu stoppen. Sachsen-Anhalt in die ehemaligen Kali„Von einem Engpass könne keine Rede halden gebracht. sein“, sagt indes das hiesige UmweltministeAktuell verteilt sich die Deponierung wie rium und spielt den Ball an die Bauwirt- folgt: südliches Baden-Württemberg 47 Proschaft in Baden-Württemberg zurück. zent, Schwäbisch Hall (mit Steinbruch WilGrundsätzlich seien Abfallerzeuger ver- helmsglück in Michelbach) 24 Prozent, Thüpflichtet, sich um die Verwertung zu küm- ringen/Sachsen-Anhalt 20 Prozent, östliches mern. So könne ein Großteil des minerali- Baden-Württemberg fünf Prozent, der Großschen Bodenaushubs – sofern unbelastet – raum Stuttgart drei Prozent und Saarland/ im Erdbau genutzt werden. Dabei könne es Rheinland-Pfalz rund zwei Prozent. olm


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Baggern bis zur Rente Unternehmen werben sich gegenseitig Fachleute ab

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Württemberg 2010 noch rund 38 000 Absolventen betrug, in 2020 auf nur noch etwa 18 000 Hauptschüler zurückgehen werde. Diese waren bisher die größte Zielgruppe für den Nachwuchs in der Bauwirtschaft. Durch die geplanten Veränderungen im Schulsystem – weg vom drei-, hin zum zweigliedrigen System – wird die Zahl der Hauptschüler zusätzlich schrumpfen. „Hinzu kommt, dass auch innerhalb der verschiedenen Branchen zwischenzeitlich ein starker Konkurrenzkampf um die besten jungen Köpfe entbrannt ist“, heißt es weiter. 20 verschiedene Berufe werden auf dem Bau ausgebildet – vom Maurer, Zimmerer und Straßenbauer bis hin zum Baugeräteführer oder Spezialtiefbauer. Als Azubi am Bau zählt man zu den Spitzenverdienern unter den Lehrlingen. Die Brutto-Ausbildungsvergütung in Bauberufen beträgt im ersten Ausbildungsjahr 690 Euro pro Monat und steigt im dritten Jahr bis auf 1339 Euro pro Monat. Um junge Leute zu gewinnen, gibt es vielfältige Aktionen – zum Beispiel die aktuelle Nachwuchskampagne „Bau – Dein Ding“. Ein weiteres Projekt heißt „Berufsstart Bau“. Damit sollen lernschwache deutsche Jugendliche, die in sogenannten Übergangssystemen stecken, fit gemacht werden für eine Ausbildung in einem Bauberuf. Außerdem präsentiert sich die Bauwirtschaft seit Jahren intensiv in Schulen und auf Bildungsmessen als Arbeitgeber. Auch auf dem jährlich stattfindenden landesweiten Infotag Bauausbildung, zu dem jedes Jahr im Oktober rund 7000 Schüler in 17 Ausbildungszentren kommen, wird geworben. Darüber hinaus gibt es weitere Aktionen für interessierte Schüler in den Ausbildungszentren wie beispielsweise das Bau-Sommercamp, in dem Jugendliche während ihrer Ferien die Bauberufe hautnah kennenlernen können.

Weil Erfolg nur im Miteinander entstehen kann. Die Ed. Züblin AG mit Hauptsitz in Stuttgart ist mit einer jährlichen Bauleistung von rund 3 Mrd. Euro im deutschen Hoch- und Ingenieurbau die Nummer eins. Ihren Erfolg verdankt die Ed. Züblin AG als Mitglied der weltweit agierenden STRABAG SE dem Ideenreichtum und Engagement von rund 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die als ein großes Team auch komplexe Bauvorhaben durch perfekte Abläufe termingerecht und zum besten Preis realisieren. Wir glauben an die Kraft des Teams. Und daran, dass genau das den Unterschied für unsere Auftraggeberschaft ausmacht, um Außergewöhnliches entstehen zu lassen. www.zueblin.de

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Generell hat die Baubranche ein schlechtes Image beim Nachwuchs. Das Ansehen lasse sich insgesamt nach Ansicht aller befragten Personengruppen verbessern. Bemerkenswert sei, dass die Auszubildenden eine positive Einstellung zu den Bauberufen haben, so die Sprecherin. 82 Prozent halten diese für attraktiv, 77 Prozent sind der Ansicht, diese bieten eine sichere Zukunft, und mehr als die Hälfte sind der Auffas-

sung, diese bieten überdurchschnittlich gute Verdienstmöglichkeiten. „Heute ist auf dem Bau weniger Muskelkraft gefragt, sondern eher Köpfchen.“ Das haben sich auch 120 Jugendliche aus Spanien, Italien und Rumänien gedacht, die der dortigen hohen Jugendarbeitslosigkeit entkommen wollen. Ein Großteil von ihnen strebt im Südwesten eine Ausbildung an. Nach einem Sprachkurs in ihren Heimatländern, bei dem die 18- bis 25Jährigen auf Deutschland vorbereitet wurden, durchlaufen sie zurzeit Praktika in den Betrieben. Oliver Schmale

Foto: Zweygarth

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er Konkurrenzkampf in der Bauwirtschaft in Baden-Württemberg ist seit längerem entbrannt. Die Probleme reichen vom Fachkräftemangel und der Überalterung bis hin zum demografischen Wandel. „Es kommt durchaus vor, dass Mitarbeiter untereinander abgeworben werden“, sagt eine Verbandssprecherin in Stuttgart. Nicht zuletzt wegen der anziehenden Baukonjunktur klagten zahlreiche Unternehmen, dass sie kaum noch geeignetes Fachpersonal fänden. Besonders rar seien derzeit qualifizierte Bauingenieure und Poliere. Angespannt ist die Situation auch, weil es eine Überalterung in der Bauwirtschaft gibt. Bei den besonders qualifizierten Meistern und Polieren liegt der Altersdurchschnitt laut Mitteilung bei 49 Jahren. Probleme bereitet auch die Frühverrentung. Die Hälfte der Bauleute scheidet vor dem 65. Lebensjahr aus dem Berufsleben aus. Das Durchschnittsalter bei Rentenbeginn liegt bei 62 Jahren und zwei Monaten. Die Folge: allein für die Dekade der heute 55- bis 64-Jährigen, die in den nächsten acht Jahren in den Ruhestand gehen, werden deutschlandweit 80 000 junge Baufacharbeiter benötigt. Diese Lücke sei schwer zu schließen. Deshalb unternimmt die Branche alles, um an Nachwuchs zu kommen. Geworben wird mit großen Bannern an Baukränen, klassisch mit Anzeigen oder in sozialen NACHWUCHS EU-BÜRGER Netzwerken. In der Bauwirtschaft im Südwesten gibt es knapp 5900 AuszuHAUPTSCHULE VERDIENST bildende, mit leicht rückläufiger Tendenz. Aktuelle ZahDEMOGRAFISCHER WANDEL len über unbesetzte Ausbildungsplätze gibt es nicht. Die zurückgehende Schülerzahl macht allen Branchen zu schaffen. Ein besonderes Problem ist aber, dass immer mehr junge Leute einen höheren Bildungsabschluss anstreben. Hinzu komme, so die Sprecherin, dass der Anteil der Gymnasiasten stetig angestiegen sei, während der Anteil der Hauptschulabgänger, der in Baden-


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Wetter als Verbündeter Die Bauwirtschaft Baden-Württembergs in Zahlen

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ereits Ende des vergangenen Jahres hat sich in Baden-Württemberg eine positive Entwicklung im Baugewerbe abgezeichnet. Im Jahresdurchschnitt meldete die Landesvereinigung Bauwirtschaft für 2013 eine Umsatzsteigerung von 5,9 Prozent. Das Bauvolumen betrug insgesamt 12,25 Milliarden Euro. Das milde und trockene Wetter im zweiten Halbjahr 2013 war Wasser auf die Mühlen der Baubetriebe. Genauso lassen sich die ersten beiden Quartale 2014 an. Denn auch im Winter und Frühjahr konnte witterungsbedingt gut durchgearbeitet werden. Für den weiteren Jahresverlauf prognostiziert die Bauwirtschaft Baden-Württemberg e. V. zwar „eine Abschwächung der Positiventwicklung, wir glauben aber dennoch an ein weiteres Wachstum“, sagt Sprecherin Eleni Auer. Grund für das starke erste Halbjahr seien neben dem guten Wetter auch die Basisdaten, erläutert Auer. Denn im kalten ersten Halbjahr 2013 habe das Wetter keineswegs so gut mitgespielt. Statistisch erscheint die Differenz höher, wenn der Vergleichszeitraum mau war. „Insgesamt sind wir mit der Entwicklung aber sehr zufrieden“, bekräftigt die Sprecherin, die den Erfolg der Branche keineswegs schmälern will. Der Bau ist Indikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Geht es Unternehmen und Investoren in Deutschland gut, haben sie Geld übrig, um es in Baumaßnahmen zu stecken. „Die Baubranche unterliegt den Schwankungen der Gesamtwirtschaft. Im Moment profitieren unsere Unternehmen von der guten Konjunktur“, erläutert Eleni Auer. Stark entwickelt haben sich bereits 2013 der Wohnungsbau mit einer Steigerung von 6,3 Prozent sowie der Bau für die öffentliche Hand mit einem Plus von sechs Prozentpunkten. Vor allem der Straßenbau profitierte vom guten Wetter. „Allerdings wird in die Infrastruktur immer WITTERUNGSBEDINGUNGEN noch zu wenig inBAUZINS vestiert. Bei Straßen und Brücken sowie AUSZUBILDENDE WACHSTUM bei Schulen und Universitäten gibt es einen hohen Rückstau an Investitionen aufseiten der öffentlichen Hand“, sagt die Branchenkennerin. Selbst der Wirtschaftsbau legte im vergangenen Jahr um 5,4 Prozentpunkte zu.

Am Jahresende betrug das Volumen der eingegangen Aufträge 7,24 Milliarden Euro. „Hier könnten große Projekte wie Stuttgart 21 eine Rolle spielen“, sagt Auer. Grundsätzlich hätten aber Prestigeobjekte wie die Einkaufszentren Gerber und Milaneo oder große Wohnprojekte keine signifikante Auswirkung auf die Entwicklung der Branche. „Solche Bauten können sich höchstens im Umsatz niederschlagen“, sagt Auer. Als Folge der insgesamt guten Auftragslage

nahm die Zahl der von den Beschäftigten geleisteten Arbeitsstunden um knapp acht Prozent zu. In der baden-württembergischen Bauwirtschaft arbeiteten zur Jahresmitte mehr als 91 000 Menschen. Die Gesamtzahl der Auszubildenden vom ersten bis zum dritten Lehrjahr sank von knapp 6000 auf knapp 5900. Die Zahl der Baulehrlinge im ersten Ausbildungsjahr stieg in Baden-Württemberg hingegen um immerhin drei Prozent auf 1750. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels versucht die Bauwirtschaft noch stärker als bisher mit unterschiedlichen Maßnahmen und Aktivitäten junge Nachwuchskräfte für die Branche zu gewinnen.

Jedenfalls sieht Bernhard Sänger, der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, momentan keine Immobilienblase und auch keine Kapazitätsprobleme: „Unsere Betriebe sind zwar derzeit gut ausgelastet, Engpässe sind aber nicht zu befürchten. Dies gilt auch für die FÖRDERUNG gestiegene Nachfrage im öffentlichen Investition in Ausbildung Bau.“ Hier steht ein Umsatzplus von 12,9 Das baden-württembergische WirtProzent in den Büschaftsministerium fördert in diesem chern – vor allem der Jahr insgesamt 500 überbetriebliche Straßenbau profiAusbildungslehrgänge der Berufsfördetierte. rungsgesellschaft der WürttembergiBernhard Sänger schen Bauwirtschaft Stuttgart mit rund ist zuversichtlich, 740 000 Euro. In den fünf überbetrieblidass die Bauwirtchen Ausbildungszentren der Württemschaft im Südwesten bergischen Bauwirtschaft nehmen derweiter auf Wachszeit mehr als 4200 Auszubildende an tumskurs bleibt und den Lehrgängen teil. Überbetriebliche das zu Jahresbeginn Ausbildungslehrgänge werden im Südprognostizierte Umwesten in rund 100 Bildungs- und Techsatzplus von 2,5 bis nologiezentren der Wirtschaftsorganisadrei Prozent Ende tionen angeboten. Die Auszubildenden 2014 tatsächlich erlernen hier die Dinge, die der jeweilige reicht oder es mögAusbildungsbetrieb aufgrund seiner licherweise sogar Größe oder Spezialisierung nicht vermitnoch übertrifft. teln kann. red Leila Haidar

UMSATZPLUS

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OPTIMISMUS

FACHKRÄFTEMANGEL

ke l/ M cP h o to

Hochbau öffentl.

Personalauswahl nach Maß

Die Zahlen sprechen für sich: Die Auftragslage der badenwürttembergischen Bauwirtschaft ist gut, wie die geleisteten Stunden (siehe Tortengrafik) zeigen. Die Bereiche Hochbau, Tiefbau und Instandsetzung wachsen (unten). Fast drei Viertel des Umsatzes entfallen auf den Wohnungs- und Wirtschaftsbau (rechts).

Tiefbau öffentl. 6674*

2636*

Wohnungsbau 24 667*

Straßenbau öffentl. 4549*

Wirtschaftsbau 15 422*

*Angaben in Tausend

Index mit MwSt. Art

Veränderung in % gegenüber

Mai 2014

Mai 2013

Februar 2014

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+ 0,7

3. Instandsetzungen Schönheitsreparaturen in einer Wohnung


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BAUWIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN

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Unfairer Wettbewerb Wenn Kommunen in Konkurrenz zu Unternehmen treten

GEMEINDEORDNUNG

ARBEITSPLÄTZE

ßen, die einen fairen Wettbewerb von vornherein ausschließen. „Gerät beispielsweise ein kommunales Unternehmen in wirtschaftliche Schieflage, springen die Gemeinden, und damit der Steuerzahler, mit öffentlichen Geldern ein, während ein Privatunternehmen in derselben Situation schlicht Insolvenz anmelden muss“, sagt er. Häufig gebe es auch personelle Verflechtungen zwischen den kommunalen Betrieben und der Verwaltung, was im Kampf um Aufträge einen unbestreitbaren Wettbewerbsvorteil bedeute. „Für bestimmte von öffentlichen Einrichtungen erbrachte Leistungen müsse zudem keine Mehrwertsteuer oder nur ein reduzierter Mehrwertsteuersatz abgeführt werden, so dass der kommunale Betrieb einen privaten Anbieter immer mit günstigeren Preisen ausstechen kann“, macht der Verbandsvertreter klar. Ordnungspolitisch sei überdies daran zu erinnern, dass sich der Staat in erster Linie aus Abgaben finanziere und nicht, indem er mit der Privatwirtschaft in Konkurrenz trete. Konkret hätte die Gesetzesänderung laut Bauwirtschaft deutliche Auswirkungen auf die Branche. „Kommunale Eigenbetriebe könnten dann beispielsweise konkurrenzlos günstig Wege- und Pflasterarbeiten anbieten, Maßnahmen im Wohnungsbau und bei der Stadtsanierung oder allgemeine Gartenund Landschaftspflege“, meint Waggershauser. Dies führe letztlich zu einer Verdrängung privater Unternehmen vom Markt und damit zum Verlust von Arbeitsplätzen und zu Steuerausfällen. Mit Blick auf das Auftragsverhalten der öffentlichen Hand sagt er, dass es aufgrund von Sparmaßnahmen dort zu Engpässen und Überlastungen komme. „Oft fehlt es an Kompetenz, weil schlicht und einfach zu wenig Personal vorhanden ist“, bedauert er. Aus diesem Grund müssten häufig Planungsleistungen an Ingenieurbüros ausgelagert werden, was wiederum das Volumen der durchzuführenden Baumaßnahmen reduziere. Die Landesvereinigung Bauwirt-

schaft fordert daher schon seit längerer Zeit, dass die Straßenbauverwaltungen noch in diesem Jahr durch deutlich mehr qualifiziertes Fachpersonal aufgestockt werden, um die komplexen Planungen und Ausschreibungen für wichtige Bauprojekte möglichst rasch umzusetzen. Dies gilt nach Überzeugung des Branchenverbands auch und besonders für Brückenbaumaßnahmen, deren Planung ein hohes Maß an Fachkenntnissen erfordert. Der Verband verweist in diesem Zusammenhang auf das bereits seit längerem vom Landesverkehrsministerium angekündigte und noch immer nicht umgesetzte Brückensanierungsprogramm. Vom selben Ministerium gab es im vergangenen Jahr eine Erhebung, wonach allein für den Brückenerhalt und die Brückenertüchtigung an Bundesautobahnen sowie Bundesstraßen in Baden-Württemberg bis 2028 pro Jahr zusätzlich 180 Millionen Euro notwendig wären. Insgesamt vermisst der Bauwirtschaft-Vizepräsident bei Großprojekten wie Stuttgart 21 „das richtige Miteinander“ zwischen Bauwirtschaft, öffentlicher Hand und, ganz allgemein, der Gesellschaft. Die Zusammenarbeit, so seine Erfahrung, sei auch deshalb problematischer geworden, weil die Ansprüche gestiegen seien. Wenn man jedes Mal kurz vor Fertigstellung die neuesten Standards einfordere, werde jedes Bauprojekt nochmals teurer. Mit Blick auf Stuttgart 21 sagt er, dass es etwa bei den Tunnelbohrungen natürlich zu Überraschungen kommen könne. „Doch wenn wir als Bauwirtschaft auf etwas

Unerwartetes stoßen, wissen wir mit technischen Lösungen zu reagieren“, so Waggershauser. Thomas Spengler

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ie Bauwirtschaft in Baden-Württemberg warnt vor einem unlauteren Wettbewerb durch kommunale Betriebe. „Es ist problematisch, wenn kommunale Betriebe in unmittelbare Konkurrenz zu privaten Anbietern treten dürfen und damit die Existenz unserer Firmen bedrohen“, sagt Mathias Waggershauser, Vizepräsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Waggershauser bezieht sich dabei auf den geplanten Gesetzentwurf zur Änderung der Gemeindeordnung, was den Kommunen ein deutlich erweitertes Betätigungsfeld verschaffen würde. Aufgabe der Gemeinden ist es in erster Linie, die kommunale Daseinsvorsorge wie beispielsweise Müllabfuhr oder Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung für ihre Bürger zu gewährleisten. Deshalb bestimmt die derzeitige Gemeindeordnung, dass eine Kommune außerhalb dieser Daseinsvorsorge nur dann tätig werden darf, wenn es keinen privaten Anbieter gibt, der die Leistung ebenso gut erbringen kann. Dies soll nun geändert werden. In Zukunft müsste ein privater Anbieter beweisen, dass er die Leistung besINSOLVENZ PFLASTERSTEIN ser und wirtschaftlicher STADTSANIERUNG erbringen kann als die staatliche Konkurrenz. LANDSCHAFTSPFLEGE Nur dann darf die Gemeinde nicht tätig werden. Da dieser Beweis STUTTGART 21 nach Darstellung der hiesigen Bauwirtschaft faktisch nicht zu führen ist, seien den Kommunen künftig in ihrer wirtschaftlichen Betätigung keine Grenzen mehr gesetzt. Dies führe zu einer Wettbewerbsverzerrung zulasten der mittelständischen Bauunternehmen, kritisiert er. Ganz offensichtlich versuche man hier, den klammen Kommunen gegenüber den örtlichen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Er verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass kommunale Betriebe im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen Unternehmen eine Reihe von Privilegien genie-


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Dienstag, 30. September 2014

Foto: dpa

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Schlaglöcher im Straßenbau Wenn nicht mehr Geld in n von Straßen investiert wir Verkehrsinfarkt, warnt die braucht die Wirtschaft ein zum Überleben wie Mensch

SCHWERLASTVERKEHR

STRASSENBAU

VERKEHRSINFRASTRUKTUR

EMISSIONEN

SWING-MITTEL

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fristige Sanierung nicht mehr weiter. Vielmehr dringe Wasser durch die Risse und gefährde den gesamten Straßenaufbau. „Dann jedoch verzehnfacht sich der Aufwand mit Blick auf die Kosten und die zeitliche Belastung“, sagt er. Als Hauptverursacher der Straßenschäden macht er eindeutig den Schwerlastverkehr aus. Nicht nur die Zahl der Fahrzeuge habe zugenommen, auch die Lastwagen sind in den vergangenen Jahren deutlich schwerer geworden. „Die Belastung für die Straße, die von einer Lkw-Achse ausgeht, übertrifft die einer Pkw-Achse um sage und schreibe das 60 000- bis 100 000Fache“, rechnet er vor. Hinzu kommt der Zuwachs des Verkehrs im Allgemeinen, was dazu geführt hat, dass es an neuralgischen Stellen wie am A-8-Knotenpunkt Vaihingen/ Leonberg regelmäßig zu dem kommt, was der Vizepräsident unmissverständlich „einen Verkehrsinfarkt“ nennt. Vor dem Hintergrund des Straßenzustands im Land

, DANKE G N U R E D R Ö F E B E I D R Ü F CHE F !

beklagt die Landesvereinigung Bauwirtschaft insbesondere, dass Baden-Württemberg 2013 erstmals keine sogenannten Swing-Mittel erhalten hat, weil die hiesige Straßenbauverwaltung nicht in der Lage gewesen sei, die Gelder in konkrete Projekte umzusetzen. Damit, so die Schätzung des Branchenverbands, sind dem Land Gelder in einer Größenordnung von 60 bis 80 Millionen Euro für den Straßenbau entgangen. Bei den Swing-Mitteln handelt es sich um einen jährlichen Überhang, also Bundesmittel, die in anderen Bundesländern nicht für Straßenbauprojekte verbaut werden konnten. Außerdem seien im vergangenen Jahr von den 701 Millionen Euro aus dem regulären Haushalt für den Neu- und Ausbau sowie den Unterhalt von Bundesstraßen in BadenWürttemberg nur 675 Millionen Euro abgerufen worden, rechnet die Landesvereinigung Bauwirtschaft vor. „Wir brauchen eine gut funktionierende Infrastruktur. Deshalb kann es sich das Land nicht leisten, einfach auf Millionengelder zu verzichten, nur weil am Personal gespart wurde“, sagt Dieter Diener, der Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Im Juni hat nun Diener die Forderung der grün-roten Landesregierung nach einem deutlich höheren Bundeszuschuss bei den Planungskosten sowie nach einer überjährigen Verwendung der Straßenbaumittel begrüßt. Insbesondere die Verstetigung der Ausschreibungen und somit die Aufhebung des sogenannten kameralistischen Prinzips seien der Bauwirtschaft seit langem ein dringendes Anliegen. Nur so könnten die Straßenbaufirmen rechtzeitig Personalkapazitäten einplanen beziehungsweise bereitstellen und damit den immer wieder drohenden Stellenabbau verhindern. Dennoch leidet die Bauwirtschaft unter einem zunehmenden Fachkräftemangel. 70 Prozent der Betriebe klagen laut Verband über einen Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften. Vor diesem Hintergrund ist die Ausbildungsbereitschaft hoch: Diesen Juni gab es allein in der südbadischen Bauwirtschaft rund 140 freie Ausbildungsplätze. Vor diesem Hintergrund hat der Verband seine Werbung für Auszubildende verstärkt.

Auch Waggershauser selbst ist inzwischen aktiv geworden. Sein Unternehmen in Kirchheim/Teck, das rund 170 Beschäftigte zählt, bemüht sich derzeit erfolgreich, die Enkel und Neffen langjähriger Mitarbeiter aus dem italienischen Süden für die Arbeit in Deutschland zu begeistern. Probleme bereiten der Branche aber auch technische Neuerungen. Baumaschinen sollen mit Rußpartikelfiltern nachgerüstet werden, damit die Luft sauberer wird. Ab Mitte 2015 soll im Südwesten eine Landesverordnung greifen, wonach nur noch mobile Maschinen mit Rußpartikelfiltern zum Einsatz kommen dürfen. Das Gesetz soll für Neumaschinen und für dieselbetriebene Maschinen im Bestand gelten.

WUNSCH NACH ÜBERGANGSFRISTEN Genau dies ist nach Ansicht des Vizepräsidenten des Verbands der Knackpunkt: „Natürlich sehen wir die Notwendigkeit, schädliche Feinstaubbelastungen zu verringern, insbesondere in den Ballungszentren.“ Allerdings seien nicht die Baumaschinen primäre Verursacher dieser Emissionen. „Deren Anteil ist im Vergleich zur städtischen Hintergrundbelastung kaum messbar und liegt bei ein bis zwei Prozent“, sagt er – und verweist zudem auf eine aktuelle Ifeu-Studie. Darin wurde der Anteil von mobilen Maschinen an Partikel-Emissionen zwar mit rund 48 Prozent berechnet, der Hauptteil geht mit 34 Prozent jedoch auf das Konto von landwirtschaftlichem Gerät. Auf die Bauwirtschaft entfallen demnach nur zehn Prozent, was gerade mal einem Fünftel des Straßenverkehrs entspricht, erläutert er. Sollte die Rußpartikelfilterpflicht dennoch zusätzlich auch auf Baumaschinen ausgeweitet werden, fordert die Bauwirtschaft, dass dies ausschließlich für neue Maschinen gelten dürfe, und zwar mit einer angemessenen Übergangsfrist. Denn Hersteller, Bauunternehmer und Mietparkbetreiber müssten sich auf die geänderten Vorgaben einstellen. Immerhin koste ein Rußpartikelfilter 3000 bis 10 000 Euro. Thomas Spengler

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Foto: Keystone

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er Straßenbau ist so etwas wie das Sorgenkind der baden-württembergischen Bauwirtschaft. Der Verband beklagt einen deutlichen Auftragsstau. Der Schuldige ist klar ausgemacht – die Politik. „Seit mindestens 20 Jahren klafft eine deutliche Lücke zwischen dem, was tatsächlich investiert wird, und dem, was notwendig wäre“, sagt Mathias Waggershauser, Vizepräsident der Bauwirtschaft im Land. Selbst die Mittel, die jährlich allein zur Erhaltung des Status quo notwendig wären, würden nicht investiert, so seine Aussage. „Als Folge davon hat sich der Straßenzustand im Land kontinuierlich verschlechtert“, stellt er fest und warnt insbesondere davor, die sogenannte Deckschicht, also die oberen vier Zentimeter der Straße, zu vernachlässigen. Wenn das versäumt werde, sagt der Branchenvertreter, helfe bald die kurz-

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BAUWIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN

Dienstag, 30. September 2014

Drehbuch fürs Bauen Durch bessere Planung lässt sich ein Fünftel der Zeit einsparen

FORSCHUNG

ZEITBEDARF

IMPROVISATION

Ginge es nach Berner, würden heute die meisten Großprojekte ab etwa drei Millionen Euro, an denen mehrere Firmen parallel arbeiten, über eine Fertigungsplanung gesteuert werden. Das Prinzip: die einzelnen Arbeitsschritte werden wie bei einer Fabrikproduktion bis auf eine Zeiteinheit von einer Minute heruntergebrochen. Dadurch wäre es laut Berner möglich, den einzelnen Gewerken genaue Vorgaben zu machen, in welcher Zeit sie mit wie vielen Leuten an welchem Tag und Ort welche Arbeiten auszuführen hätten. „Durch die detaillierte Vorgabe und die Vernetzung mit allen Aufgaben rund um das Objekt hätten wir die Terminschiene endlich im Griff “, sagt er. Eigentlich handelt es sich bei der Fertigungsplanung am Bau um eine Art Refa-Technik, also die klassische Arbeitsstudie. Am Anfang steht dabei die Erfassung der Daten. Wie lange braucht der Fliesenleger, um einen Quadratmeter zu fliesen? Wie lange dauert es, bis ein Fenster montiert ist? „Sind solche Daten erst einmal komplett erfasst, kann man sie fortschreiben.“ Bislang gibt es am Bau in vielen Bereichen nur eine Arbeitsvorbereitung. Dabei wird festgelegt, wie die Baustelle eingerichtet werden soll und in welchen Zeiträumen man beabsichtigt, etwas umzusetzen. „In der Baubranche hat sich die Meinung manifes-

tiert, dass sich Vorplanungen nicht lohnen, da ein Bauvorhaben nie so ablaufe, wie man es tatsächlich geplant hat“, so Berner. Diese Ansicht hält der Wissenschaftler aber für falsch, da die Grundstruktur der Prozesse der einzelnen Gewerke auf der Baustelle immer gleich sei. Es sei also möglich, diese Systematik genauso wie bei der Fertigungsplanung einer Fabrik mit einer Software abzubilden. „Das hätte den großen Vorteil, dass man jeden Arbeitsschritt detailliert festlegen könnte und bei Veränderungen sofort sieht, welche Schritte einzuleiten sind, damit der Endtermin sich einhalten lässt.“ Die Praxis dagegen sieht ganz anders aus. „Der Improvisationsgrad an den Baustellen ist leider immer noch erschreckend hoch“, stellt Berner immer wieder fest. Beim Start eines Bauprojekts könne es zum Beispiel durchaus vorkommen, dass zu Baubeginn noch gar nicht klar ist, wer es überhaupt einmal wie nutzen wird. Solche Planungen „ins Blaue“ führten immer wieder zu enormen Verlustquellen durch Leerläufe, weil mangels Planung nicht effektiv gearbeitet werden kann. Oft müsse dieses Manko durch Überstunden aufgefangen werden. Gerade in der Endphase eines Projekts würde es oft drunter und drüber gehen und zu einem erhöhten Personaleinsatz kommen, um rechtzeitig fertig zu werden. „Das sind

alles Mehrkosten, die man durch eine richtige Fertigungsplanung vermeiden könnte“, sagt der Wissenschaftler. Bislang ist die Fertigungsplanung am Bau nur Theorie. Zwar haben die Wissenschaftler am Institut für Baubetriebslehre schon einzelne Projekte simuliert, für ein echtes Großprojekt reichen aber die Forschungsmittel nicht aus. Berner hat die Hoffnung, dass sich ein Unternehmen findet, mit dem er einmal in der Praxis die von seinem Institut entwickelte Systematik der Fertigungsplanung umsetzen kann. Das könnte aber noch dauern. „Das Misstrauen in ein derartiges System ist groß“, stellt Berner immer wieder fest. Denn viele Praktiker können sich bislang nur schwer vorstellen, dass die vielfältigen Änderungen am Bau sich in ihrer Komplexität überhaupt in einem einheitlichen System erfassen lassen. Ingo Dalcolmo

Foto: Topic Photo Agency

P

rofessor Fritz Berner, Ordinarius am Institut für Baubetriebslehre der Universität Stuttgart, vergleicht das Bauen gerne mit einem Film. „Bevor die Schauspieler ihren ersten Satz am Set sagen, ist jede einzelne Aufnahme bis ins kleinste Detail geplant.“ So ein Drehbuch gebe es beim Bauen bislang nicht, erklärt er. Zwar gibt es Zeichnungen, wie das Endprodukt auszusehen hat, auch gebe es Vorgaben, mit wie vielen Arbeitern man wann und wo zu arbeiten gedenkt; was fehlt, sei aber eine echte Fertigungsplanung, so wie man sie zum Beispiel aus der Automobilindustrie kennt. Der Wissenschaftler geht davon aus, dass rund 20 Prozent der Arbeitsstunden an einem Bauprojekt ins Leere laufen, weil Bauprojekte derzeit nicht detailliert genug geplant werden. „Kein Hersteller würde auf die Idee kommen, mit der Produktion eines Autos zu beginnen, ohne dass die Fertigungsprozesse feststehen. Beim Bauen ist es leider in vielen Bereichen immer noch so, dass man erst während des Bauens detaillierter weiterplant und von PROJEKTE Anfang an gar FERTIGUNGSPLANUNG nicht alle Endpunkte fixiert BAUSTELLE hat“, kritisiert der Bauingenieur.

JUBILÄUM Bauen ist Technik und Betriebswirtschaftslehre In diesem Jahr feiert das Institut für Baubetriebslehre der Universität Stuttgart sein 50-jähriges Bestehen. 1964 gegründet, liegt der Schwerpunkt des Institutes darauf, „die Lehre und die Forschung in allen Bereichen der Baubetriebswirtschaft fortzuentwickeln, um die dabei gewonnenen Kenntnisse zu einem Bestandteil des Bauingenieurstudiums an der Universität Stuttgart zu machen“. In der Bauwirtschaft, die zum Gebiet der Industriebetriebslehre gehört, sind technische und betriebswirtschaftliche Komponenten miteinander verknüpft, erklärt Professor Fritz Berner, Ordinarius des Instituts. Das Lehr- und Forschungsprogramm des Instituts sei von Anfang an nicht einseitig auf eng begrenzte Fachgebiete ausgerichtet gewesen, sondern umfasste alle Bereiche, die für den Baubetrieb von Bedeutung sind. „Naturgemäß standen zu Beginn der Institutstätigkeit die Probleme der Bauausführung im Vordergrund“, erinnert sich Berner. Im Laufe der Entwicklung wurden aber auch Fragen aufgeworfen, die über das unmittelbare Baugeschehen hinausgehen und die zum Beispiel der Finanzanalyse und der Optimierung der Arbeits- und Produktionsorganisation galten und dadurch auch die

«MIT MEINEM FÜHRHUND BIN ICH WENIGER BLIND.»

betriebswirtschaftliche Seite miteinbezogen. Das Qualitätsmanagement, die Baulogistik, die Simulation von Bauabläufen, das Informationsmanagement, Facility Management, Public Private Partnerships und die Immobilienwirtschaft haben schon vor vielen Jahren das Forschungsund Arbeitsgebiet erweitert. Zu den Grundsätzen der Institutsarbeit gehört für Berner, dass Lehre und Forschung engen Bezug zur Praxis haben müssen. „Die Forschung soll ungelöste Probleme aufgreifen und hierfür eine Lösung anbieten, die sich im Baubetrieb realisieren lässt.“ In der Lehre hingegen werde der Bezug zur Praxis durch eine Projektstudie verstärkt. Dabei haben Studierende die Möglichkeit, im Rahmen eines Bauteams selbst eine konkrete Teilaufgabe zu erarbeiten. Gegründet wurde das Institut von Professor Gerhard Drees, der es 1994 in die Hände von Berner übergab. Zum Wintersemester 2001/02 startete der neue Studiengang Immobilientechnik und Immobilienwirtschaft an der Uni Stuttgart mit über 450 Studierenden. Zur Einrichtung und Förderung des Studiengangs wurde 2001 die Stiftung Immobilie (www.stiftung-immobilie.de) gegründet. red

INFORMATION

SPENDE

Deutsche Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde

Telefon 0711– 2172 4949 info@blindenhundeschule.org www.blindenhundeschule.org

IBAN: DE75 6007 0070 0092 3706 00 BIC: DEUTDESSXXX

Kronenstraße 32 DE -70174 Stuttgart

Wir verfolgen ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Als gemeinnützige Organisation sind wir daher von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit. Zudem ist unsere Stiftung Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Wenn Sie für Ihre Spende eine Zuwendungsbestätigung benötigen, so vergessen Sie bitte nicht, uns Ihre Adresse mitzuteilen.

Foto: Wolfgang Filser

Mit einer Spende unterstützen Sie die Ausbildung eines Blindenführhundes.


BAUWIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN

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Foto: Mierendorf

Dienstag, 30. September 2014

Aus Alt mach Neu Die Bauwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Denn die Rohstoffe werden knapper. Einen möglichen Ausweg bietet das Konzept „Cradle to Cradle“.

V

on der Wiege zur Wiege heißt es auf Deutsch. Oder auf Englisch: cradle to cradle. Das Schlagwort fasziniert die Bauwirtschaft seit einiger Zeit. Wie wäre es, einmal verwendete Ressourcen in immer wieder gleicher Güte zu gebrauchen? Peter Mösle, Geschäftsführer und Partner bei Drees & Sommer, beschäftigt sich seit über einem Jahr mit dem Thema. „Das hat nichts mit klassischem Recycling zu tun“, erklärt Mösle. Beim Recycling wird zum Beispiel aus einem Fensterglas vielleicht ein Gurkenglas, das irgendwann auf dem Müll landet. Beim „Cradle to Cradle“-Konzept – kurz C2C – wird das Fensterglas wieder zum Fensterglas, erklärt der Ingenieur den Unterschied. Entwickelt wurde C2C bereits im Jahr 2002 von Michael Braungart und William McDonough. Der Chemiker Braungart stammt aus Schwäbisch Gmünd und gehört zu den Gründungsmitgliedern der badenwürttembergischen Grünen. Heute ist Braungart Professor an der Erasmus-Universität Rotterdam, Geschäftsführer der Epea Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg und wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts. Für die Bau- und Immobilienwirtschaft wird C2C langfristig zur Überlebensfrage, glaubt Mösle. Schon heute sind viele der in

sen“, sagt Mösle. Er zeigt dazu auf eine Grafik. Darauf sieht man deutlich, wie mit dem Rückgang des Energiebedarfs fast in gleichem Umfang der Anteil der Materialien am ökologischen Fußabdruck anstieg. Während für die Energieproblematik nach Einschätzung von Mösle eine Lösung gefunden wurde – das sei nur noch eine Frage von Kosten und Zeit –, sei dies bei den Rohstoffen noch nicht der Fall. Die seien genauso endlich wie fossile Brennstoffe. Die meisten der am Bau Beteiligten sehen die Rohstoffproblematik kritischer als die Energieproblematik. Denn: die Bauindustrie ist mit einem Anteil von 50 Prozent der größte Verbraucher von Rohstoffen. Hinzu kommt, dass Forscher davon ausgehen, dass sich die sogenannte globale Mittelschicht in den nächsten 20 bis 30 Jahren verdoppeln wird. Das dürfte eine gewaltige Nachfrage auslösen, glauben die Experten bei Drees & Sommer. Schon heute ist der Rohstoffmarkt großen Preisschwankungen ausgesetzt. Hier setzt das C2C-Konzept von Braungart an. Während beim klassischen Recycling nur Downcycling betrieben werde, also jede weitere Produktionsstufe nur immer minderwertigere Erzeugnisse liefere, werde beim C2C ein echtes Upcycling ROHSTOFFMARKT betrieben. Mit anderen Worten: die so gewonnenen Ressourcen können wieder für die Herstellung der gleichen Produkte verwendet werden. „Damit C2C aber überhaupt möglich der Bauwirtschaft gebrauchten Rohstoffe ist, muss das Material sortenrein getrennt knapp. Das Edelmetall Kupfer wird zum Bei- werden können“, erklärt Mösle. Und es müsspiel nach Schätzungen von Experten etwa se sichergestellt sein, dass die Materialien noch für 30 bis 40 Jahre reichen. „Allein in keine Umweltgifte enthielten. Das sei aber einer Stadt wie Stuttgart ist die Kupferdichte zum Beispiel bei altem PVC ein großes höher als in einer Kupfermine“, macht der Problem. Selbst wenn man dieses Material Experte die Situation deutlich. Aluminium recycele, werde man nie alle Schwermetalle reiche vielleicht noch 100 Jahre. Zwar wer- herausbekommen. In der Branche wird das den viele Baustoffe auch heute schon recy- C2C-Konzept schon eine Weile diskutiert. celt, darunter auch Kupfer; der Anteil des Den Durchbruch gab es aber noch nicht, Baumaterials, der bei einem Abriss des obwohl sich die Marktteilnehmer über die Gebäudes nur noch als minderwertiges Vorteile im Klaren sind. „Das ist ein bisschen Material für den Untergrund im Straßenbau so wie das Henne-Ei-Problem“, so Mösle. verwendet werden kann, sei aber immer „Der Hersteller sagt, es gibt keine Nachfrage, noch viel zu hoch, sagt Mösle. der Nutzer behauptet, es gibt keinen ArchiDas liegt vor allem daran, dass heute die tekten, und der wiederum sagt, er hat keine meisten der am Bau verwendeten Produkte Produkte.“ Ingo Dalcolmo nicht mehr in ihren ursprünglichen Gütezustand zurückversetzt werden könnten. Mösle nennt ein Beispiel: Kunststoffe, sogenannte Polymere, sind jeder für sich beIMPRESSUM trachtet gut recycelbar. Wenn die Stoffe aber Materialverbünde eingehen, dann entsteht Redaktion: STZW Sonderthemen ein neuer Stoff, der mit einem derzeit verReimund Abel, Ingo Dalcolmo tretbaren Aufwand nicht mehr sinnvoll geProduktion: Christina Middendorf trennt werden kann, so Mösle. Das ist zum Titelfotos: Andy_Di/Fotolia, A. Meissner Beispiel beim Dämmmaterial von Hausfassaden der Fall, wo bis zu 20 unterschiedliche Anzeigen: Stuttgarter Zeitung Schichten miteinander verklebt werden. Werbevermarktung GmbH Telefon 07 11 / 72 05 - 16 20 Diese Stoffe kann man nur noch mechanisch Telefax 07 11 / 72 05 - 16 14 zu Fußmatten verarbeiten, bevor sie dann svanzeigen@stzw.zgs.de irgendwann doch in der MüllverbrennungsAnzeigenMarc Becker anlage landen. „Wir haben uns in den verkaufsleitung: Telefon 07 11 / 72 05 - 16 03 zurückliegenden Jahren viel mit der EnergieDruck: Pressehaus Stuttgart effizienz beschäftigt und dabei den RohDruck GmbH stoffeinsatz vollkommen außer Acht gelas-

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2014, Ausgabe 2

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