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Wirtschaft tschaftt in Baden-Württemberg

Ausgabe 1 | 2018

Ein Gemeinschaftsprodukt der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten

Preis 3,20 Euro | 87639

Boomender Tourismus Baden-Württemberg lockt Gäste aus der ganzen Welt. Doch der Wettbewerb wird härter. SEITEN 1–8

Wirtschaft & Start-ups Die baden-württembergische Wirtschaft sucht nach neuen Ideen. SEITEN 9–16

Wirtschaft & Erfolg

Illustration: Malte Knaack

Benimmkurse haben Konjunktur, denn Manieren machen Karriere. SEITEN 17–24

Nicht nur eitel Sonnenschein Die Branche befindet sich seit Jahren im Aufwind. Auch die Zahl der Gäste aus dem Ausland nimmt zu. Doch zu Bequemlichkeit bei Rostbraten und Trollinger gibt es keinen Anlass. Nicht nur der Facharbeitermangel ist eine Herausforderung. Von Ulrich Schreyer

Tourismus

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ber dem Touristenland BadenWürttemberg scheint die Sonne. „Wir können auch für dieses Jahr optimistisch sein“, sagt Tourismus-Minister Guido Wolf. „Weltweit, national und auch bei uns wird 2018 ein gutes Tourismusjahr“, sekundiert Andreas Braun, der Geschäftsführer der Touristikmarketing BadenWürttemberg GmbH. Kommt es wie erwartet, würde der Südwesten nahtlos an die positive Entwicklung der vergangenen Jahre anknüpfen. Die Zahl der Übernachtungen in Hotels und anderen Herbergen stieg in den vergangenen fünf Jahren von knapp 48 auf nahezu 53 Millionen. Allein im vergangenen Jahr verbuchten die Städte und Ausflugsregionen zwischen Main und Bodensee, Rhein und Nördlinger Ries ein Plus von 1,7 Prozent. Besonders bemerkenswert: Nach der Stagnation im Jahr 2016 kamen im letzten Jahr auch wieder mehr Gäste aus dem Ausland. Vom Wachstum der Besucherzahlen profitierten vor allem die Großstädte im Südwesten. Der Zuwachs um 3,8 Prozent ist ein deutlicher Hinweis auf die wachsende Bedeutung des Städtetourismus, zu dem auch Geschäftsreisen

gezählt werden. Dort locken Theater und Galerien ebenso wie etwa die Museum von Mercedes und Porsche. Absoluter Spitzenreiter unter den einzelnen Zielen aber war 2017 der Europa-Park in Rust mit nicht weniger als 5,6 Millionen Besuchern. Schlösser, Burgen, Eiszeithöhlen, aber auch Wald und Wasser locken Gäste in den deutschen Südwesten. Dennoch mussten einzelne Landkreise im Schwarzwald und am Bodensee Rückgänge bei den Besucherzahlen verzeichnen. „Am Bodensee geht es einzelnen Gastgebern so gut, dass sie glauben, sie müssten sich nicht mehr anstrengen“, sagt Braun. Der MarketingGeschäftsführer dagegen überlegt, wie man auch im Herbst und Winter mehr Gäste für das Schwäbische Meer und seine Umgebung interessieren könnte. Was in BadenWürttemberg fehle, sei etwas wie das Münchner Oktoberfest. Bei dem weißblauen Bierevent fließt der Gerstensaft zwar nur 14 Tage lang – werbewirksam aber ist es das ganze Jahr über. Mit rund 90 Millionen Übernachtungen liegt Bayern an der Spitze aller Bundesländer, Baden-Württemberg folgt auf Platz

zwei. Den Umsatz im südwestdeutschen Touristikgewerbe schätzen Fachleute auf rund 20 Milliarden Euro, die Zahl der Vollzeitstellen wird mit 326 000 angegeben. Als größtes aktuelles Problem stuft die Branche den Mangel an Arbeitskräften ein. Nach den Worten von Fritz Engelhardt, dem Vorsitzenden des Hotelund Gaststättenverbandes Dehoga, fehlen allein 1300 Köche. Doch dies ist nicht das einzige Problem, mit dem sich die Branche herumschlagen muss. So werden etwa die sozialen Medien immer wichtiger. Einfach einen schönen Prospekt herauszugeben, wird für viele Tourismusgebiete und Hotels nicht mehr reichen. Sie sind zunehmend auch davon abhängig, was als „Mund-zu-Mund-Propaganda“ durch das Netz fließt. Und dann gibt es noch ein anderes, hausgemachtes Problem: mangelnde Zusammenarbeit, Verzettelung statt Konzentration. Gemeinden, Landkreise und Landstriche haben ihre Touristikfachleute, doch diese kennen oftmals nur eines: den eigenen Kirchturm. Doch für den interessiert sich im Ausland niemand.

Start-up-Schwerpunkt deutlich erweitert In stark ausgeweitetem Umfang präsentiert sich in dieser Ausgabe von Wirtschaft in Baden-Württemberg das Thema „Innovation und Start-ups“. Der Themenschwerpunkt IdeenwerkBW, der mit dem gleichnamigen Internetportal von Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten verknüpft ist, wird auf acht Seiten verdoppelt.

Zu den bisherigen Rubriken zu einzelnen Gründerstandorten in Baden-Württemberg, der Doppelseite zu Start-ups sowie Texten rund um Hochschulen und Mittelstand kommen nun Essays, Praxistipps und Gründerporträts. In dieser Ausgabe geht es unter anderem um die Start-upKultur am Arbeitsplatz, den Medizinstandort Hechingen und um Start-ups, die sich ökologischen und sozialen Themen verschrieben haben. age

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