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Wirtschaft t tschaft t in Baden-Württemberg

Ausgabe 1 | 2014

Ein Gemeinschaftsprodukt der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten

Preis 3,20 Euro | 87639

Editorial

Zeitung für Entscheider

Firmenstrategie Spezialisierung oder Diversifikation? SEITE 5

Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten geben eine neue Wirtschaftszeitung heraus. Von Joachim Dorfs

Selbstmanagement

B

Wie Sie die Zeitdiebe in den Griff bekommen SEITE 9

Kapitalspritze Flexible Finanzierung bringt Firmen voran SEITE 29

Illustration: Malte Knaack

Im Visier der Konzerne Die amerikanische Internetkultur ist nicht auf Deutschland übertragbar. Etablierte Unternehmen halten Ausschau nach Neugründungen. Hidden Champions sind im Durchschnitt 70 Jahre alt. Von Michael Heller

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einem Ruf als Land der Hidden Champions wird Baden-Württemberg gleich in mehrfacher Hinsicht gerecht. Unter anderem hat mehr als ein Viertel aller mittelständischen Weltmarktführer hier seinen Sitz. Zu so einem starken Profil passt es, dass auch der älteste Weltmarktführer aus dem Südwesten kommt: die mittlerweile als Autozulieferer tätigen Schwäbischen Hüttenwerke (SHW), deren Geschichte im Jahr 1365 begann. Tradition und Weltrang, das ist ein Begriffspaar, das eng mit dem deutschen Mittelstand verbunden ist. Der Begriff „German Mittelstand“, so sagt der Unternehmensberater Bernd Venohr, sei im Ausland genauso ein Qualitätsmerkmal wie „made in Germany“. In den Stolz auf diese Struktur mischt sich in jüngerer Zeit aber die Sorge, dass wo-

möglich der Nachschub ausbleiben könnte. Für Schlagzeilen weltweit sorgen gegenwärtig Unternehmen, die erst vor ein paar Jahren gegründet wurden und schon mit einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte aufwarten können, heißen sie nun Facebook oder Twitter. Aber die Welt der Wirtschaft ist größer als das Internet, dessen Besonderheiten nicht auf alle andere Branchen übertragbar sind. Aus Sicht von Venohr gehört zum Beispiel zu den typischen Merkmalen der mittelständischen Weltmarktführer, dass sie im Durchschnitt 70 Jahre alt sind. Da die Welt von Internet, Software und IT nicht zur Domäne der deutschen Wirtschaft gehört, fehlen hierzulande die großen Überflieger. In jungen Branchen, weiß Nicola Leibinger-Kammüller, die Chefin des Maschinenbauers Trumpf, gibt es aber gleichwohl Neugründungen – an denen die

Ditzinger dann Interesse zeigen. „Das beobachten wir und kaufen uns zum Teil ein“, sagt sie im Interview mit Wirtschaft in Baden-Württemberg und verweist auf das Beispiel Lasertechnik. Ähnlich sieht es Michael Zollenkop von Roland Berger und bezieht dabei die Finanzwirtschaft mit ein: „Ein potenzieller zukünftiger Hidden Champion landet heutzutage vielleicht frühzeitig unter den Fittichen eines Konzerns statt in der Start-up-Szene – und wird als Konzerneinheit nie als Hidden Champion bezeichnet werden“, schreibt er im Beitrag für Wirtschaft in Baden-Württemberg. Aber es bleiben Mängel: So vermisst Nicola Leibinger-Kammüller ein Gründerklima wie in den USA. Es sei bei uns nicht gestattet zu scheitern, bedauert sie. Und sie wünscht sich eine größere Wertschätzung für das unternehmerische Handeln.

„Das Geheimnis der Freude an der Arbeit verbirgt sich in einem einzigen Wort – Exzellenz. Zu wissen, wie man etwas gut macht, heißt, Freude daran zu haben.“ Pearl S. Buck, Pulitzer-Prize-Gewinnerin Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit rund 2.700 Mitarbeitern und 51 Büros in 36 Ländern sind wir in den global wichtigsten Märkten und auch seit mehr als 25 Jahren in Stuttgart erfolgreich aktiv. Auf der Grundlage unserer tiefgehenden Kenntnisse der Operations Performance – insbesondere ihrer Wertschöpfungsketten, Märkte und Wettbewerbslandschaft – entwickeln unsere erfahrenen Berater für unsere Kunden individuelle Lösungen zu allen strategischen Fragestellungen. Mehr über uns erfahren Sie unter: www.rolandberger.com It‘s character that creates impact!

aden-Württemberg ist das ökonomische Kraftzentrum Deutschlands. Nur sieben Volkswirtschaften in Europa stellen mehr Güter oder Dienstleistungen her als der Südwesten. Im Schatten der Schwergewichte wie Daimler oder Bosch gibt es Hunderte von mittelständischen Unternehmen, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden: innovationsstark, oft eigentümergeführt und in ihren Geschäftsfeldern an der Weltspitze. An diese Unternehmen – und die Menschen, die darin arbeiten – richtet sich die neue Zeitung Wirtschaft in Baden-Württemberg, die Sie gerade in Händen halten. Die beiden Wirtschaftsredaktionen von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten liefern durch die umfassende Aufbereitung von Schwerpunktthemen Orientierung über die täglich wechselnden Schlagzeilen hinaus – von Profis für Profis. Dabei wollen wir die Menschen erreichen, die in der Wirtschaft des Landes Entscheidungen treffen und einen klaren Bezug haben zur Region Stuttgart und zu BadenWürttemberg. In der ersten Ausgabe beantworten wir etwa die Frage, wo die neuen Weltmarktführer aus Baden-Württemberg sind, was sie auszeichnet und warum es Start-ups so schwer haben, an die Spitze zu gelangen. Wirtschaft in Baden-Württemberg beschäftigt sich aber nicht nur mit den Geschäften, sondern nimmt auch die Entscheider als Menschen in den Blick, beleuchtet Karrierewege, fragt nach Stolpersteinen und Königswegen. Aktuell beschäftigen wir uns unter anderem mit dem Thema Zeitmanagement: wie vermeiden Sie Zeitfallen, und wie trennen Sie Nebensächliches von Wichtigem? Wirtschaft in Baden-Württemberg tritt an mit der kombinierten Kompetenz von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten – zwei der größten Wirtschaftsredaktionen regionaler Tageszeitungen in Deutschland mit über 20 Redakteuren, die für seriöse, gut recherchierte Informationen stehen. Übrigens: die nächste Ausgabe von Wirtschaft in Baden-Württemberg erscheint am 30. September.

Kontakt Bitte schreiben Sie uns! Wie finden Sie die neue Zeitung Wirtschaft in Baden-Württemberg? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Reaktionen – ob Lob oder Tadel. Schreiben Sie uns Ihre Meinung an E-Mail: redaktion@wirtschaft-in-bw.de


2 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Inhalt Interview

Langfristiges Denken dominiert Familienbetriebe haben einen längeren Atem als Konzerne, sagt Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller. SEITE 3

Wirtschaftsentwicklung

Kampf um den Spitzenplatz Was ist das Erfolgsgeheimnis von Baden-Württemberg – und wie bleibt das Land auch in Zukunft vorn? SEITEN 4 und 5

Gastbeitrag

Neue Champions gesucht Wer heute Weltmarktführer ist, muss es nicht für alle Zeiten bleiben. Denn die Konkurrenz schläft nicht. SEITE 7

China

Keine Angst vor den Chinesen Die Erfahrungen mit dem Einstieg fernöstlicher Investoren in Baden-Württemberg sind überwiegend positiv. SEITE 8

Kapitalanlage

Nicht immer nur windige Anlagen Der Staat schließt Schlupflöcher, doch das Steuersparen bleibt möglich – vor allem für Vermögende. SEITE 12

Gehaltsverhandlungen

„Wer teuer ist, wird geschätzt“ Bescheidenheit ist bei Gesprächen über die eigenen Bezüge fehl am Platze, meint Erfolgsautor Martin Wehrle. SEITE 13

Ulrich Dietz

Siegfried Weishaupt

Ein Gründer ermuntert neue Gründer

Heizungen und Kunstwerke

Als Ulrich Dietz im Jahr 1990 bei einer heimischen Förderbank um Unterstützung warb, winkte die Sachbearbeiterin ab: „Oje, Software. Mein Textverarbeitungsprogramm verstehe ich schon nicht.“ Doch Dietz, der heute dank seines Förderwettbewerbs Code-n jungen IT-Start-ups auf die Sprünge hilft, ließ sich nicht beirren. „Als Unternehmer muss man sich daran gewöhnen, dass es in jedem Stadium einer Unternehmensentwicklung immer wieder anspruchsvolle Hürden gibt“, sagt Dietz, der Maschinenbau und Produktentwicklung studiert hat. Heute ist der von ihm 1987 gegründete Softwaredienstleister GFT-Technologies ein internationales Unternehmen – und der Ehrgeiz des Gründers nicht erschöpft. „Unser Ziel war und ist es, einen international führenden HighTech-Konzern mit Wurzeln in Baden-Württemberg zu entwickeln“, sagt Dietz. Die Firma soll eines der weltweit innovativsten Unternehmen werden. GFT beschäftigt rund 2500 Mitarbeiter in acht Ländern und setzt beispielsweise mit IT-Services für Banken rund 300 Millionen Euro um. age

Bewahrer einer oberschwäbischen Familiendynastie, Besitzer einer der größten Kunstsammlungen im Land, Mäzen und industrieller Weltmarktführer, das ist Siegfried Weishaupt. Die Chinesen greifen an, aber zumindest auf dem Gebiet der industriellen Großbrennertechnik läuft der Holding aus Schwendi im Kreis Biberach niemand den Rang ab. Auch sonst ist Weishaupt eine Marke in der Wärmeerzeugung. Öl- und Gasbrenner werden in Schwendi gebaut, im schweizerischen Sennwald Öl- und Gasbrennwertgeräte für Häuser und Wohnungen. Von den weltweit 3100 Angestellten arbeiten knapp 1000 im beschaulichen Schwendi, dort wird auch gerade ein neues Forschungsgebäude gebaut. Den Umsatz hat Weishaupt 2013 auf den Höchstwert von knapp 550 Millionen Euro geschraubt (2012: 522 Millionen). Das hätte sich Unternehmensgründer Max Weishaupt einst wohl kaum träumen lassen. Mit der Rückschau aufs eigene Leben lässt sich Siegfried Weishaupt, immerhin auch schon 75 Jahre alt, aber noch Zeit. Wann er Sohn Thomas an die Spitze lässt, hat er bisher nicht verraten. rub

Elektroingenieure

Menschen machen Marktführer

Die Zukunftsgestalter Elektroingenieure werden überall gesucht. Auf einer Doppelseite beschreiben wir den Beruf. SEITEN 14 und 15

Ausgefragt

Porträts

Eine Frau gibt den Ton an

Ohne den ausgeprägten Unternehmergeist in Baden-Württemberg wäre die hiesige Wirtschaft international kaum so erfolgreich. Fünf Beispiele für Chefinnen und Chefs aus dem Land, die ihre Firmen an die Spitze geführt haben.

Ganz persönliche Antworten von Stephanie Mair-Huydts, Chefin von Mairdumont in Ostfildern. SEITE 18

Öffentlichkeitsarbeit

Krisenbewältigung im Quadrat Wie der Schokoladenhersteller Ritter Sport nach einem negativen Testurteil um seinen guten Ruf kämpft. SEITE 20

Gründer

Innovationen aus Baden-Württemberg Sechs neue Geschäftsideen vom preisgünstigen Roboter bis zur orientalischen Systemgastronomie. SEITEN 22 und 23

Frauenförderung

Defizite im Management Vielen Vorständen fehlt die Sensibilität für gesellschaftliche Trends, sagt Ex-Telekom-Vorstand Sattelberger. SEITE 24

Karrierechancen

Was hilft beim Aufstieg? Die gesetzliche Quote in Aufsichtsräten wird kommen. Doch ist sie sinnvoll? Dazu ein Pro und Contra. SEITE 25

Wirtschaft und Finanzen

Handelsplatz mit Impulsfunktion Mit der Finanzbildung der Deutschen steht es nicht zum Besten. Das will die Börse Stuttgart ändern. SEITE 27

Interview

„Evidenter Machtmissbrauch“ Ministerpräsident Kretschmann über die EnBW-Affäre und den Umgang mit Steuermitteln. SEITE 28

Mobilität

Trau, Stau, wem Wie die Stauhauptstadt den Unternehmen in Stuttgart und der Region das Leben schwermacht SEITE 32

Eberhard Veit

Brigitte Vöster-Alber

Schwäbischer Schaffer

Humorvoll und streitbar

Auf der Industriemesse in Hannover ist Eberhard Veit ganz in seinem Element. Wenn der Vorstandsvorsitzende der Esslinger Festo AG ein nachgebautes Kamel präsentieren kann, eine von Konstrukteuren ausgetüftelte Möwe oder ein künstliches Handgelenk, dann hat Veit Publikum für sein Unternehmen und schöne Bilder für das Fernsehen. Den gebürtigen Göppinger freut es dann, dass ein Familienunternehmen in puncto Neuheitenpräsentation so manchem Dax-Konzern den Rang abläuft. Natürlich verkauft der Spezialist für Automatisierungstechnik weder Kamele noch Möwen – doch seine Experimente zeigen, was sonst nicht so einfach zu erklären wäre – etwa, was eine Steuerung so alles kann. „Schaffe, net bloß schwätza“ ist die Devise des gebürtigen Göppingers. Und so bodenständig sich dies auch anhört – gerade weil dieses Motto hochgehalten wird, ist Festo schon lange in der weiten Welt zu Hause, investiert in den nächsten Jahren 150 Millionen Euro und erzielt mit 16 700 Mitarbeitern, davon 7700 in Deutschland, einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. ey

Wenn Brigitte Vöster-Alber von ihrem Unternehmen berichtet, erzählt sie gerne auch, was Skifahrer sich früher manchmal fragten: „Geht’ se oder geht’ se net?“ Bis in die achtziger Jahre nämlich stellte Geze in Leonberg auch Bindungen her. Inzwischen konzentriert sich das Unternehmen auf Systeme zum Schließen von Türen, wie sie etwa in Flughäfen, Hotels oder Büros verwendet werden. Der Abschied vom Wintersport fiel vielen in dem mehr als 150 Jahre alten Unternehmen schwer – doch Brigitte Vöster-Alber setzt durch, was sie für richtig hält. Im Augenblick liegt das Unternehmen mit dem Kartellamt, aber wegen der Besteuerung von Kleingeschenken auch mit der Finanzverwaltung im Clinch. Die Chefin zeigt sich dabei durchaus streitbar. Behaupten musste sie sich schon früh. Als sie mit 24 Jahren nach dem Tod ihres Vaters an die Spitze des Unternehmens rückte, kam sie sich in der „Männerwelt“ manchmal „wie im Haifischbecken“ vor. Doch sie wurde nicht gefressen, sondern biss sich durch. Heute setzt Geze mit 2600 Mitarbeitern 330 Millionen Euro um. ey

Geschäftsreisen

Über den Wolken Charterflüge sind für Geschäftsleute oft günstiger – wenn man Zeit- und Geldaufwand gegenüberstellt. SEITE 35

Mark Bezner

Start in der Waschküche Mit dem Namen Bezner ist eine Erfolgsgeschichte verbunden, die in den Wirtschaftswunderjahren ihren Ursprung nimmt und bis in die Jetztzeit hineinreicht. Gerade erst hat Olymp am Stammsitz in Bietigheim ein neues, voll automatisiertes Hochregallager eröffnet; die Kosten von 40 Millionen Euro sind laut Mark Bezner (51) „die größte Investition in der Firmengeschichte“. Bezner hat die Geschäftsleitung 1995 von seinem Vater Eberhard übernommen. Die ersten Hemden hatte sein Großvater Eugen 1951 noch in der Waschküche seines Hauses aus alten Uniformstoffen und Fallschirmseide zusammengeschneidert. Heute durchlaufen jährlich rund zehn Millionen Hemden mit dem „O“ auf der Brust die Endkontrolle in Bietigheim. Entgegen dem allgemeinen Trend in der Textilindustrie ist Olymp in den vergangenen Jahren beständig gewachsen: die Umsätze haben sich allein seit 2003 nahezu vervierfacht (2013: 202 Millionen Euro), nicht zuletzt wegen des internationalen Erfolgs. Jedes dritte Hemd exportiert der deutsche Marktführer ins Ausland. tht

Impressum

Index Personen

Chefredakteure: Joachim Dorfs, Dr. Christoph Reisinger Leitung: Michael Heller, Klaus Köster Redaktion: Imelda Flaig, Werner Ludwig, Isabelle Pfleiderer, Walther Rosenberger Gestaltung/Produktion: Sebastian Klöpfer, Maja Mory, Dirk Steininger E-Mail: redaktion@wirtschaft-in-bw.de Telefon: 07 11 / 72 05 – 12 11 und 07 11 / 72 05 – 74 01 Internet: www.wirtschaft-in-bw.de „Wirtschaft in Baden-Württemberg“ ist ein Produkt der Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH / Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH Anzeigen: Marc Becker (verantw.) Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung GmbH, Plieninger Str. 150, 70567 Stuttgart Telefon: 0711/72 05 – 16 03 Druck: Pressehaus Stuttgart Druck GmbH, Plieninger Str. 150, 70567 Stuttgart Telefon: 07 11 / 72 05 – 0

Fotos: GFT/Michael Dannenmann, dpa (2), Horst Rudel, WiZe

Bernhard, Wolfgang

Unternehmen SEITE 18

Klenk, Bernd

SEITE 10

Schach, Markus

SEITE 10

Achtung

SEITE 20

Bezner, Mark Can, Kartal Dietz, Ulrich

2 22 2

Klett, Bettina Leibinger, Berthold Leibinger-Kammüller, Nicola

10 3 1, 3

Schwertfeger, Hannes Seiwert, Lothar Semen, Kivanc

22 9 23

Aesculap Avedition BASF

5 10 7

Dietze, Frederic Egelhaaf, Jan

22 15

Mair, Frank Mair, Kurt

18 18

Staudenmaier, Bertram Storz, Oliver

18 22

Bertrandt Bosch

15 7, 15

Erkul, Erkan Fix, Petra Greiner, Stefanie

23 20 10

Mair, Volkmar Mair-Huydts, Stephanie Mantel, Ralf

18 18 10

Veit, Eberhard Venohr, Bernd Vöster-Alber, Brigitte

Gutjahr, Michael Hahn, Frank

18 10

Marbach, Peter Masche, Hans

10 10

Wehrle, Martin Weimer, Harald

Hermann, Andreas Heissler, Stefan Jenner, Hartmut

18 5 5

Müller, Dietrich Nussbaum, Cordula Oker, Marion

10 9 18

Weishaupt, Siegfried Zitzelsberger, Roman Zollenkop, Michael

Kammüller, Mathias Kiedaisch, Petra

3 10

Pilarsky-Grosch, Sylvia Rister, Markus

18 12

Zweigle, Oliver

Kiessling, Marcel Klatt, Oliver

10 23

Roselieb, Frank Sattelberger, Thomas

20 24

2 1 2 13 10 2 8 1, 7 23

IBM

SEITE 18

Int. Bankhaus Bodensee Kärcher Karl Marbach

12 5, 15 10

SEITE 20

Storck Symrise Talanx Techniker Krankenkasse

20 18 9 24 23

Kasper Knacke Liebherr

10 5

Telekom Trubotics

Bureau Baubotanik 22 Daimler 7, 10, 15, 20, 24 Dr. Daiber & Partner 10

Mairdumont McKinsey Mondelez

18 4 20

Trumpf Twitter Vapiano

Duravit EnBW

Olymp Porsche

2 15

Vetter Voith

5 18

Rapid-Vac- Mold Ritter Sport Rofobox

22 20 22

VW Weishaupt Wewant

18 2 13

W&W Yaz

18 23

Enercon Facebook Festo Flex Geze GFT-Technologies Heidelberger Druck

10 15 12 20 2, 15 8 2 2 10

Roland Berger SAP Schwäbische Hüttenwerke Stihl

1, 7 7 1 21

1, 3, 15, 21 20 20


Wirtschaft in Baden-Württemberg 3

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

„In Bayern läuft einiges besser“

N

icola Leibinger-Kammüller kritisiert die Berliner Politik sozialer Wohltaten und fordert höhere Investitionen. Im Land vermisst die Trumpf-Chefin Wohlwollen der Wirtschaft gegenüber – weshalb sie Bayern bewundert. Frau Leibinger-Kammüller, Baden-Württemberg gilt als Land der Weltmarktführer, zu denen auch ihr Unternehmen Trumpf gehört. Womit kann der Südwesten punkten, was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren? Wenn man keine Kohle hat und kein Gold, also keine Bodenschätze, dann muss man sich was einfallen lassen. Und das ist uns hier in Baden-Württemberg sehr gut gelungen. Historisch gesehen hat unser Erfolg zweitens sicher auch etwas mit der religiösen Ausrichtung in weiten Teilen der Bevölkerung – Stichwort Pietismus – zu tun, also der Einstellung, dass man fleißig sein und sich der Arbeit widmen soll. Dazu gehört auch, persönliche Dinge zurückzustellen und sich voll auf ein Ziel zu konzentrieren. Drittens profitieren wir heutzutage außerdem von den Rahmenbedingungen mit guten Universitäten und Forschungseinrichtungen. Und schließlich glaube ich, dass der Wunsch, eigene Ideen in Selbstständigkeit zu verwirklichen, bei uns besonders ausgeprägt ist. Prägend für Baden-Württemberg ist auch die große Zahl familiengeführter Unternehmen. Was macht den Unterschied aus zwischen einem familiengeführten und einem kapitalmarktorientierten Unternehmen? Vor allem unser längerer Atem. Nachhaltigkeit und langfristiges Denken können in einem Dax-Unternehmen mit seinen kurz getakteten Berichtspflichten nicht so gelebt werden wie in einem Familienunternehmen. Ist die BASF nicht ein börsennotiertes Unternehmen, das zudem noch ohne Großaktionär auskommt, das aber trotzdem langfristig orientiert handelt? Stimmt, es gibt eben keine Ausschließlichkeit, und umgekehrt wird auch nicht jedes Familienunternehmen so geführt, wie es sein sollte. Die BASF und auch Bosch etwa werden geführt wie Familienunternehmen, und an der Spitze gibt es Kontinuität. Die Chefs zum Beispiel kommen stets aus den eigenen Reihen, amtieren lange, treten persönlich bescheiden auf und bewegen sich auch mit ihren Gehältern absolut im Rahmen. Also praktisch so, wie es in einem guten Familienunternehmen geschieht. Welche Rolle spielen die Rahmenbedingungen, die von der Politik gesetzt werden? Die Politik sollte stabile Rahmenbedingungen schaffen und darauf verzichten, in die Unternehmen hineinzuregieren. Die aktuelle Entwicklung geht teilweise in die falsche Richtung. Frühverrentung und Mütterrente sind die entsprechenden Stichworte. Oder der Mindestlohn, der die Tarifautonomie aushebelt. Das ist ein ganz massiver Eingriff.

Wenn man sich die Liste der Weltmarktführer ansieht, dann sind da nur wenige Newcomer dabei; es dominieren die Etablierten. Ist das beunruhigend? Es gibt viele faszinierende Neugründungen, allerdings weniger in den Bereichen, die bei uns im Land dominieren. In den Bereichen Software und IT entstehen neue UnternehDIE TRUMPF-CHEFIN men. Die brauchen wir dringend, denn verglichen mit Nachfolgerin Nicola Leibinger-Kammüller ist seit November 2005 Chefin den USA liegen wir zurück. der Holding des Ditzinger Maschinen- Dass es aber weniger indusbauers Trumpf. Ihr Vater Berthold Lei- trieorientierte Neugrünbinger machte das ursprünglich kleine dungen gibt, hat verschiedene Ursachen, die sich am Unternehmen zum Weltmarktführer. Beispiel Trumpf zeigen lasVita Sie wurde am 15. Dezember 1959 sen. So gibt es im Laserbereich durchaus Neugrünin Wilmington/Ohio (USA) geboren. dungen. Das beobachten wir, Die promovierte Philologin (Thema: Erich Kästners Spätwerk) arbeitet seit und da kaufen wir uns zum 1984 bei Trumpf. Die vierfache Mutter Teil ein. Es ist eben immer ist verheiratet mit Mathias Kammüller, noch eine junge Technoloebenfalls Trumpf-Geschäftsführer. mih gie, und da entstehen noch neue Unternehmen. In den etablierten Bereichen wie dem Werkzeugmaschinenbereich haben wir ein so hohes Niveau erreicht, da kommen die Ideen eher aus dem Unternehmen selbst. Wir etablierte Unternehmen stehen technologisch an der Spitze, da können kleine Newcomer nur schwer mithalten. Wir haben Tausende von Ideen, wir verfolgen Hunderte weiter, zehn bleiben übrig, und am Ende verwirklichen wir zwei oder drei. Ist es womöglich ein deutsches Phänomen, dass Innovationen eher unter dem schützenden Dach eines bestehenden Unternehmens stattfinden und nicht wie in den USA als Neugründung in der Garage? Ja, aber das hat nicht nur etwas mit Mentalität zu tun, sondern auch mit Strukturen. Es gibt zwar viele Hilfen und auch Geld für Start-ups, aber da scheint mir vieles sehr unübersichtlich und wenig koordiniert.

Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller sieht die starke Position heimischer Unternehmen durch Fehler der Politik bedroht.

Interview

Immerhin gibt es gute Ansätze. Trumpf macht ja bei der Wissensfabrik mit, die den Gründerwettbewerb Weconomy mit veranstaltet; Jungunternehmer treffen Topmanager, lautet der Slogan. Da kann sich zum Beispiel ein Gründer auf dem Gebiet der Chemie eine Stunde lang mit dem früheren BASF-Chef Jürgen Hambrecht unterhalten. Von daher wissen wir, wo Gründer der Schuh drückt. Denen ist das alles zu bürokratisch, das dauert ihnen zu lange. Auch der Zugang zu finanziellen Hilfen für Gründer müsste einfacher und durchschaubarer werden. Warum gibt es in Deutschland keine Gründerkultur wie in den USA? Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass es bei uns nicht gestattet ist zu scheitern. Wer es mit seiner Idee nicht gleich schafft, ist im Grunde erledigt. Das ist in den USA ganz anders. Zweiter Aspekt ist sicher auch die Einstellung derjenigen, die Geld geben. Es gibt in den USA und auch in Israel sehr viel mehr Venture Capital als bei uns. Übrigens sehe ich da durchaus eine Chance für deutsche Start-ups: Jeder, der weltweit Anlagemöglichkeiten sucht, müsste wissen, dass hier bei uns faszinierende Möglichkeiten bestehen. Es ist auch eine Aufgabe der Hochschulen und des Landes, weltweit stärker darauf aufmerksam zu machen, dass bei uns in BadenWürttemberg ein ähnliches Cluster existiert wie im Silicon Valley. Und schließlich brauchen wir auch an den Hochschulen noch mehr „Ausgründungs-Kultur“: Die Professoren müssten für junge Absolventen Kontakte in die Industrie und zu Geldgebern nutzen und sie nicht egoistisch in die wissenschaftliche Laufbahn lenken. Ich weiß, dass hier vieles im Wandel ist – doch das könnte noch schneller geschehen. Trumpf hat eine Bank gegründet; primäres Ziel ist die Absatzfinanzierung. Ist die Finanzierung von Start-ups ein denkbares Geschäftsfeld? Das ist bis jetzt nicht geplant, denn in der Tat geht es in erster Linie um Absatzfinanzierung. Aber ausgeschlossen ist das nicht. Was kann die Politik tun? Stellt die Große Koalition die Weichen richtig? Im Koalitionsvertrag steht viel Gutes, zum Beispiel zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. Anderes fehlt auf diesem Gebiet, etwa die steuerlichen Anreize zur

Förderung der Forschung; das fordern wir schon lange. Aber wir brauchen auch ein insgesamt unternehmerfreundlicheres Klima und geringere bürokratische Hürden, nicht nur für Neugründungen, sondern auch für etablierte Unternehmen. Man kann ja gelegentlich den Eindruck bekommen, dass die Politik glaubt, wir Unternehmen könnten immer neue Zusatzbelastungen problemlos wegstecken. Angesichts des immer stärkeren weltweiten Wettbewerbsdrucks kann ich da nur warnen. Deutschland galt vor zehn Jahren als der kranke Mann Europas; heute werden wir als der Motor der EU wahrgenommen. Ist Deutschland wirklich so stark? Wir sind gut, wir sind hochinnovativ. Aber wir gefährden jetzt das, was wir damals durch eine gemeinsame Anstrengung – Reformen, maßvolle Lohnabschlüsse – erreicht haben. Die ungute Rentenreform habe ich schon genannt. Dass wir Europa unterstützen, ist im Übrigen vollkommen richtig, denn kein anderes Land hat so vom Euro und von Europa profitiert wie wir. Wir haben jetzt sprudelnde Steuerquellen. Jetzt sollten wir deshalb dringend etwas in die Zukunft investieren. In Deutschland wird aber zu wenig investiert. Natürlich. Investiert werden kann dann, wenn Geld zur Verfügung ist, das vorher zurückgelegt wurde. Wir geben zu viel Geld auf Nebenkriegsschauplätzen aus. Aber Infrastruktur und Bildung sind für unsere Zukunftsfähigkeit nun einmal wichtiger als soziale Wohltaten. Schauen wir nicht viel zu sehr auf Europa? Die Konkurrenz sitzt doch anderswo. Die Gefahr besteht, dass wir uns sonnen und daran freuen, dass wir an der Spitze stehen. Die wahren Herausforderer sitzen aber nur in wenigen Fällen in Europa, sondern überwiegend in Asien, in Nord- und Südamerika. Statt uns fit zu machen, lassen wir uns vom Erfolg einschläfern. Können Sie ein Beispiel nennen? Die Bundesregierung nennt ein Ziel von drei Prozent Forschungsausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt – ein Wert, den wir bereits erreicht haben. Das ist nicht gerade

ambitioniert. Und dass wir als Land BadenWürttemberg beim Thema Verkehrsinfrastruktur darauf verzichten, Mittel abzurufen, auf die wir zugreifen könnten, ist natürlich ein ganz schlechtes Signal. Die Unternehmen vor allem in Baden-Württemberg tun viel für Forschung und Entwicklung. Schaut man auf das Wirtschaftswachstum, dann sind die Erfolge aber nicht größer als zum Beispiel in Bayern. Was läuft da falsch? In Bayern läuft einiges besser. Dort gibt es einen Konsens der Beteiligten, von den Unternehmen über die Politik bis zu den Universitäten: Wir wollen Bayern stark machen, und dafür tun wir was. „Mia san mia“ eben. Und es gibt ein breites gesellschaftliches und politisches Wohlwollen der Wirtschaft gegenüber. Offen gesagt, bewundere ich das, diesen Zusammenhalt. Natürlich kann man das auch als Klüngel bezeichnen, aber es entsteht etwas, das enorme Kraft hat. Sehen wir so etwas in Baden-Württemberg? Leider nein. Das Gespräch führte Michael Heller.

Gründer haben es in Deutschland zu schwer, glaubt Nicola LeibingerKammüller. Foto: factum/Weise


4 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | St Nr. 1 | Dienstag

Wie der Südwesten spitze bleibt Baden-Württemberg ist die Heimat der Weltmarktführer. Neben großen Konzernen mischen auch nur in Fachkreisen bekannte „Hidden Champions“ aus dem Land weltweit ganz vorn mit. Doch der Spitzenplatz ist hart umkämpft. Von Werner Ludwig Strategie

A

n Statistiken und Studien, welche die Innovationskraft und die starke globale Marktstellung baden-württembergischer Unternehmen belegen, herrscht kein Mangel. So gibt es im Südwesten nach Berechnungen des Unternehmensberaters und Wirtschaftsprofessors Bernd Venohr so viele Weltmarktführer wie in keinem anderen Bundesland. In Baden-Württemberg gehören 401 Betriebe in diese Kategorie. Zum Vergleich: das deutlich bevölkerungsreichere Nordrhein-Westfalen kommt nur Baden-Würtauf 372 derartige Unternehtembergs men, beim Erzrivalen Bayern Unternehmen sind es 321. sind innovativ. Bringt man zusätzlich die Sie investieren deutschZahl der Einwohner ins landweit am meisten Spiel, wird der Vorsprung des in Forschung und EntSüdwestens noch deutlicher. wicklung. Nirgendwo Mit 3,8 Weltmarktführern in Deutschland werden pro 100 000 Einwohner ergemessen an der Einreicht Baden-Württemberg wohnerzahl mehr das Doppelte des bundesweiPatente angemeldet als ten Durchschnittswertes von im Südwesten. 1,9. Der Stadtstaat Hamburg kommt als Zweitplatzierter auf 2,9 global führende Unternehmen pro 100 000 Einwohner. Der weltweite Erfolg von Autos, Maschinen und anderen Produkten aus dem Südwesten hat viele Ursachen. So geben die Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Land deutlich mehr für Forschung und Entwicklung aus als jene in anderen Bundesländern oder anderen Regionen Europas. Oft wurde die Das sichert vielen Firmen Industrieeinen technologischen Vorlastigkeit von sprung – etwa wenn es um BadenZukunftsthemen wie EnerWürttemberg kritisiert – gieeffizienz oder die intelliheute gilt sie bei vielen gente Steuerung von Proals Stärke. Im Südwesten duktionsprozessen geht – trägt die Industrie gut Stichwort: Industrie 4.0. ein Drittel zur gesamten Als weitere ErfolgsWertschöpfung bei. faktoren nennt Venohr Im bundesweiten Durchschwäbische Tugenden wie schnitt liegt der Anteil Bodenständigkeit, Fleiß und nur bei einem Viertel. Sparsamkeit. Die häufig familiengeführten Unternehmen im Südwesten ruhten sich nicht auf dem Erreichten aus. „Das Motto lautet ,JMABB‘ – Jedes Mal a bissle besser“, sagt Venohr. In vielen ländlichen Regionen Baden-Württembergs habe die Landwirtschaft in früheren Zeiten zu wenig zum Überleben abgeworfen, zumal die Höfe durch die Realteilung von Generation zu Generation Erfolgreiche kleiner wurden. „Für viele Unternehmen Menschen war das Erlernen aus dem Land handwerklicher Berufe – etsind in ihrer wa in der Metallverarbeitung Marktnische weltweit – die einzige Möglichkeit zu tätig. Mit 45 Prozent liegt überleben“, sagt Venohr. Auf die Exportquote Badendieser Basis seien GewerbeWürttembergs deutlich betriebe und Industrieunterhöher als in den anderen nehmen entstanden. großen Bundesländern. Baden-Württemberg proBei einzelnen Unternehfitiert auch von seiner hohen men beträgt sie nicht selDichte an staatlichen Forten 80 Prozent oder mehr. schungsstätten innerhalb und außerhalb der Hochschulen. Beispiele dafür sind die Fraunhofer- und Max-Planck-Institute. Auch bei der Zahl der Patente und der Zahl der Beschäftigten im F&E-Bereich steht Baden-Württemberg gut da. Diese und weitere Faktoren gehen in die Berechnung des sogenannten Innovationsindex ein, den das Statistische Landesamt alle zwei Jahre ver-

Die Stärken . . .

öffentlicht. Darin liegt das Land im Vergleich europäischer Regionen regelmäßig auf Platz eins. Obwohl die Erhebung von einer landeseigenen Behörde stammt, tauchen darin aber auch kritische Töne auf. So schneidet der Südwesten beim sogenannten Dynamikindex nur mittelmäßig ab – will heißen: weitere Verbesserungen gehen nur langsam vonstatten. Schlechter platzierte Regionen können in puncto Innovationskraft deutlich größere Fortschritte verzeichnen Eine nachlassende Dynamik konstatiert auch eine McKinsey-Studie für die Landesregierung Baden-Württemberg. Moniert werden unter anderem Defizite bei der Neugründung von Unternehmen und bei den Investitionen in neue Produktionsanlagen. Dadurch bleibe der Südwesten beim Wirtschaftswachstum unter seinen Möglichkeiten. Baden-Württemberg ruhe sich zu sehr auf seinen Stärken aus, lautet die Kritik. In der Tat liegt Experten das Land beim Bruttoinsorgen sich landsprodukt pro Kopf mit um den 36 000 Euro (2012) im VerFirmennachgleich der Flächenländer wuchs: bei der Gründung nur auf Platz drei – hinter neuer Unternehmen Hessen und Bayern. Zu ist Baden-Württemberg Beginn der 1980er Jahre deutlich zurückgefallen – konnte Baden-Württemauch im High-techberg noch den Titel des Sektor. Allerdings bieten deutschen Meisters für viele etablierte Großsich reklamieren. unternehmen im Land guTrotzdem hat das Land te Arbeitsbedingungen. gute Chancen, an frühere Wachstumsraten anzuknüpfen. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Vorschlägen – etwa mehr Anreize für unternehmerische Investitionen und eine Bündelung der entsprechenden Förder- und Beratungsangebote. Als wichtiger Erfolgsfaktor gilt auch die Verbesserung der Infrastruktur – beispielsweise durch mehr schnellere Internetanschlüsse sowie einen Ausbau des SchienenBaden-Würtverkehrs. Und um dem temberg tut drohenden Fachkräftezu wenig, um mangel entgegenzuwirken, qualifizierte braucht es bessere KinderFrauen in den Beruf zu hobetreuungsmöglichkeiten, len und so den Fachkräfdie qualifizierten Müttern temangel abzumildern. die Berufstätigkeit erleichWährend es bundesweit tern. für rund ein Viertel Die in früheren Jahren der Schulkinder eine populäre Kritik an der starGanztagsbetreuung gibt, ken Fokussierung Badenkommt der Südwesten Württembergs auf die inhier nur auf elf Prozent. dustrielle Produktion und den relativ schwach entwickelten Dienstleistungssektor ist mittlerweile deutlich abgeebbt – nicht zuletzt durch die Finanzmarktkrise, die schwächer industrialisierten Ländern besonders stark zugesetzt hat. Inzwischen empfehlen die meisten Wirtschaftsexperten, Baden-Württemberg solle sich auf jene Branchen konzentrieren, in denen es traditionell Die Innovastark ist: Fahrzeugbau, Mationsneigung schinenbau, Medizintechder Unternehnik, Informationstechnik men im Land und Pharma. Wirtschaftsist zurückgegangen. minister Nils Schmid 2012 beliefen sich die (SPD) sieht es ähnlich: „BaBruttoanlageinvestitionen den-Württemberg ist die auf 18 Prozent der Wirtindustrielle Herzkammer schaftsleistung. Bayern Europas. Wo andere heute (20,8 Prozent), die auf Reindustrialisierung Schweiz (21,4 Prozent) setzen, war die Industrie oder Österreich (22 Prohier nie weg. Davon profizent) sind hier besser. tieren wir.“

. . . und die Schwächen

Kärcher aus Winnenden hat sich konsequent auf Reinigungstechnik konzentriert und ist damit international er ebenfalls mit großem Erfolg. Neben Kränen für unterschiedlichste Anwendungen produziert das Traditionsunt

BADEN-WÜRTTEMBERGER SIND PFIFFIG Weltmarktführer pro 100 000 Einwohner

Patentanmeldungen pro 100000 Einwohner

nach Bundesländern

nach Bundesländern 3,8

Baden-Württemberg

Bayern

2,9

Hamburg

2,6

Bayern

132

Baden-Württemberg

114 57

Deutschland

Nordrhein-Westfalen

2,1

Hamburg

42

Hessen

2,0

Nordrhein-Westfalen

38

Hessen

38

1,9

Deutschland

37

Rheinland-Pfalz

1,6

Niedersachsen

Schleswig-Holstein

1,5

Rheinland-Pfalz

28

Bremen

1,5

Thüringen

27

Sachsen

26

1,1

Niedersachsen Berlin

0,7

Saarland

25

Saarland

0,7

Berlin

24 23

Sachsen

0,5

Bremen

Thüringen

0,5

Schleswig-Holstein

0,3

Mecklenburg-Vorp.

18

Brandenburg

12

Brandenburg

0,1

Sachsen-Anhalt

11

Sachsen-Anhalt

0,1

Mecklenburg-Vorp.

11

StZ-Grafik: zap

Quelle: Statistisches Bundesamt

WO DIE MEISTEN MENSCHEN ARBEITEN Die zehn beschäftigungsintensivsten Branchen in Baden-Württemberg Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Tausend (gerundet)

Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften 103 Heime (ohne Erholung, Ferien) 111 Erziehung, Unterricht 132 Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallationen, Ausbaugewerbe 141

Maschinenbau 296

Gesundheitswesen 286

insg. 1944

163 Herstellung von Metallerzeugnissen 204 Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen

StZ-Grafik: zap

279 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 229 Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) Quelle: Unternehmensregister, Statistisches Landesamt


Wirtschaft in Baden-Württemberg 5

tuttgarter Nachrichten g, 6. Mai 2014

rfolgreich. Sogar bei der „Gesichtspflege“ der US-Präsidentenköpfe am Mount Rushmore im US-Bundesstaat South Dakota (großes Bild links) kam Kärcher-Technik zum Einsatz. Der Mischkonzern Liebherr setzt dagegen auf mehrere Säulen – ternehmen unter anderem Kühlgeräte und fungiert als Zulieferer für die Luftfahrtindustrie. Fotos: WiZe

Manager debattieren über die beste Unternehmensstrategie

„Es lohnt sich, alles auf eine Karte zu setzen“ Grundlage des anhaltenden Erfolgs von Kärcher ist die Konzentration auf Kernkompetenzen. Von Hartmut Jenner Spezialisierung

Z

u den sportlichen Höhepunkten in der Leichtathletik gehört der Zehnkampf: Die Ansprüche an die Teilnehmer und ihre Vielseitigkeit sind hoch. Ausdauer, Kraft, Geschick und Schnelligkeit werden gleichermaßen gefordert. Ein erfolgreicher Zehnkämpfer erzielt in jeder Teildisziplin gute Ergebnisse. Doch kaum ein Mehrkämpfer erreicht das Leistungsniveau der besten Athleten einer einzelnen Disziplin. Warum also in allen Bereichen gut sein, wenn man in einem ausgewählten Gebiet mit Höchstleistung glänzen kann? Muss ein erfolgreicher Betrieb mit möglichst vielen Produkten und in möglichst vielen Märkten präsent sein, etwa um das Risiko zu streuen? Oder sollte sich ein Unternehmer stattdessen bewusst auf ein Geschäftsfeld konzentrieren? Gerade mit typischen Rahmenbedingungen von Mittelständlern – sprich beschränkte Ressourcen wie Personal, Zeit oder finanzielle Mittel – ist es meiner Ansicht nach klar zu empfehlen, ein Kerngeschäft konsequent zu verfolgen. Das Ergebnis sind maßgeschneiderte Lösungen für die Kunden. Ja, es

Spezialisten haben die Möglichkeiten, sich größeres Know-how anzueignen als der Zehnkämpfer und können somit auf ihrem Gebiet bessere Leistungen erbringen. Kärcher-Chef Hartmut Jenner

ist ein Risiko, alles auf eine Karte zu setzen, aber eines, das sich sehr wohl lohnen kann. Der beste Beleg dafür ist die Historie. Alfred Kärcher gründet das Unternehmen im Jahr 1935 und fertigt zunächst elektrisch betriebene Industrieöfen, bevor er 1950 mit der Entwicklung des ersten europäischen Heißwasser-Hochdruckreinigers in den Reinigungsmarkt vorstößt. An das starke Wachstum der Anfangszeit knüpft eine Phase der Diversifikation an, in der zum Beispiel neben Gerätehauben auch Schiffsrümpfe für Katamarane und sogar Rutschen für Kinder hergestellt werden. In den siebziger Jahren kommt es zur zukunftsweisenden Entscheidung: Irene Kärcher, die Ehefrau des inzwischen verstorbenen Gründers, richtet die Strategie des Betriebs neu aus. Das breite Angebot wird 1974 zunächst auf Hochdruckreiniger reduziert, obwohl man damals auch mit zahl-

reichen anderen Produkten, beispielsweise Schnelldampferzeugern, erfolgreich ist und Gewinne erzielt. Ein gewagter Schritt, der jedoch den Grundstein des heutigen Unternehmens legt. Ein genauerer Blick auf den schwäbischen Mittelstand zeigt, dass dieser von vielen Weltmarktführern geprägt ist, die in ihrer Nische sehr erfolgreich sind. Hier sind neben Kärcher beispielsweise der Medizintechnikhersteller Aesculap aus Tuttlingen oder der Pharmadienstleister Vetter aus Ravensburg zu nennen. Bei beiden hat die Konzentration zu einer herausragenden Marktposition geführt. Spezialisten haben die Möglichkeiten, sich größeres Know-how anzueignen als der Zehnkämpfer und können somit auf ihrem Gebiet bessere Leistungen erbringen. Kärcher hat sich seit Beginn der 50er Jahre ein hohes Ansehen als Reinigungsexperte erarbeitet und ist heute Weltmarktführer. Zwar ist unser Angebot innerhalb unseres Kerngeschäfts mit über 3000 Produkten mittlerweile stark diversifiziert, aber wir konzentrieren uns ganz klar auf den Reinigungsmarkt. Über 500 aktive Patente unterstreichen unsere Expertise in der Reinigungstechnik. Auch unsere Kunden profitieren davon, denn nur so können wir leistungsstarke und innovative Produkte fertigen, die höchste Ansprüche erfüllen. Wir haben uns bei Kärcher der Erbringung von Spitzenleistung verschrieben und treiben Nachhaltigkeit als Wert voran – sowohl durch unsere Produkte als auch im Umgang mit unseren Mitarbeitern, der Gesellschaft und der Umwelt. Auch die Zahlen sprechen für sich: Kärcher wächst seit vielen Jahren, teilweise sogar zweistellig, und hat 2013 mit 2,05 Milliarden Euro einen Rekordumsatz erzielt. Allein im Jahr 2013 hat Kärcher weltweit fast 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigt aktuell über 10 800 Mitarbeiter. Diesen Erfolg sehe ich als klaren Beleg für die Richtigkeit der konsequenten Spezialisierung und langfristigen Ausrichtung auf ein Kernkompetenzfeld.

Firmenchef Hartmut Jenner ist seit 1991 für Kärcher tätig. Seit 2001 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung.

„Unser Erfolg ist die Vielfalt“ Liebherr produziert Bagger, Kräne, Gefrierschränke und Flugsteuerungen – und hat Erfolg damit. Von Stefan Heissler

Diversifikation

L

iebherr – der Name steht für Kühlund Gefriergeräte, aber auch für zahlreiche andere Technologien. So zählt das Unternehmen nicht nur zu den größten Baumaschinenherstellern weltweit, sondern ist auch Weltmarktführer im Bereich der Hafenmobilkrane, beliefert die internationale Luftfahrtindustrie etwa mit Fahrwerken. Liebherr baut aber auch die weltweit größten Hydraulikbagger und Muldenkipper für die Minenindustrie. Eine der am häufigsten zu Liebherr gestellten Fragen ist: „Was hat ein Kühlschrank mit einem Kran zu tun?“ Im Grunde nichts, und dennoch zählt Liebherr beide Bereiche zu seinen Kernkompetenzen. Lohnend ist ein Blick in die Firmengeschichte. Diese begann 1949 in Kirchdorf an der Iller, als Firmengründer Hans Liebherr einen Turmdrehkran entwickelte. Der Erfolg dieses Krans wurde das Fundament des Unternehmens. Hans Liebherr war von Technologie begeistert, und er hatte ein besonderes Gespür für Produkte und Märkte. Ende 1951 begann er damit, eine Fräsmaschine zu konstruieren. Im Jahr 1953 fiel ihm das Missverhältnis zwischen Gewicht und Leistung eines angemieteten Seilbaggers auf. Schon acht Monate danach hatte er den ersten Hydraulikbagger auf dem europäischen Kontinent fertiggestellt. 1954 ergänzte Liebherr sein Produktprogramm um Kühlschränke. Zu einem Grundprinzip der Unternehmensphilosophie wurde die Diversifikation allerdings erst Ende der 1960er und in den 1970er Jahren. Hans Liebherr erkannte, dass er sein Unternehmen auf ein breites Fundament stellen musste. Deshalb trieb er die Diversifikation nach verschiedenen Produkten und Märkten weiter voran. Diese trug seit Bestehen der Firmengruppe mehrfach dazu bei, konjunkturell schwierige Zeiten zu überwinden. Der Gesamtumsatz der Firmengruppe brach im Jahr 2009 trotz der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht wesentlich ein, und die Mitarbeiterzahl blieb stabil. Es konnten Mitarbeiter aus Liebherr-Werken mit geringerer Auslastung übergangsweise an den Standorten der Gruppe eingesetzt werden, die besser ausgelastet waren. Zum stabilen Wachstum des Unternehmens über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren hinweg trugen natürlich auch andere Faktoren als die Diversifikation bei.

So wurde immer Wert darauf gelegt, finanziell abgesichert und möglichst aus eigener Kraft zu expandieren. Insgesamt elf Produktsparten umfasst die von den Geschwistern Isolde und Willi Liebherr in der zweiten Generation gemeinsam mit Vertretern der dritten Unternehmergeneration geführte Firmengruppe mittlerweile. Innerhalb einer dezentralen Unternehmensstruktur beschäftigt Liebherr weltweit gut 39 000 Mitarbeiter in mehr als 130 Gesellschaften, darunter über 40 Produktionsstätten. Die Gruppe erzielte im Jahr 2013 einen konsolidierten Gesamtumsatz von rund neun Milliarden Euro. Dieser Umsatz ist recht gesund auf die einzelnen Sparten verteilt. Der Grundsatz, Kernkompetenzen selbst zu beherrschen, hat dazu geführt, dass wichtige Komponen-

Der Umsatz der Firmengruppe brach 2009 trotz der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht wesentlich ein, und die Mitarbeiterzahl blieb stabil. Liebherr-Direktor Stefan Heissler

ten und Systeme auf den Gebieten der mechanischen, hydraulischen und elektrischen Antriebs- und Steuerungstechnik aus eigener Entwicklung und Fertigung stammen. Liebherr ist nur deshalb in der Lage, beispielsweise die Hersteller von Windenergieanlagen zu beliefern. Doch wie war das nun mit dem Produktzweig der Kühlgeräte? Der Zufall wollte es, dass Firmengründer Hans Liebherr 1953 angesprochen wurde, ob er an dem Erwerb eines insolventen Kühlschrankwerkes Interesse habe. Nach einer Werksbesichtigung und entsprechenden Erkundigungen war die Erkenntnis gewonnen, dass die Fertigung von Kühlschränken gute Geschäftsmöglichkeiten bieten müsste. Er kaufte damals jedoch nicht die Konkursfirma, sondern entwickelte 1954 mit entsprechenden Spezialisten selbst einen eigenen Kühlschrank und baute ein eigenes Werk auf. Genau der richtige Schritt, wie sich in der Unternehmensgeschichte gezeigt hat.

Direktor Stefan Heissler ist Direktor bei der Liebherr International AG in Bulle/Schweiz. Das entspricht einem Vorstand.


6 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Die 50 größten Weltmarktführer aus Baden-Württemberg nach Umsatz 2012, in Milliarden Euro 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

Unternehmen Daimler, Stuttgart Bosch, Gerlingen ZF Friedrichshafen SAP, Walldorf Heidelberg Cement Porsche, Stuttgart Würth, Künzelsau Liebherr, Biberach Südzucker, Mannheim Freudenberg, Weinheim Mahle, Stuttgart Voith, Heidenheim Carl Zeiss, Oberkochen ZF Lenksysteme, Schwäbisch Gmünd Behr, Stuttgart Tognum, Friedrichshafen Getrag, Untergruppenbach Wieland-Werke, Ulm Eberspächer, Esslingen Stihl, Waiblingen Mann+Hummel, Ludwigsb. Dürr, Bietigh.-Bissingen SEW-Eurodrive, Bruchsal M+W-Group, Stuttgart

Branche Nutzfahrzeuge und Busse u.a. Sensorsysteme Antriebstechnik Software Baustofe Sportwagen Montagematerial Kräne Fruchtzubereitungen Dichtungstechnik Kolben, Zylinder, Ventile u.a. Papiermaschinen Objektive, Beleuchtung Lenksysteme

Umsatz in Mrd. Euro 114,3 52,5 17,4 16,2 16,2 13,9 10,0 9,1 7,9 6,3 6,2 5,7 4,2 4,0

Nirgendwo in Deutschland gibt es pro Einwohner mehr Weltmarktführer als in BadenWürttemberg. Die größte Ballung solcher Unternehmen findet sich in und um Stuttgart. Aber auch in anderen Regionen des Landes sitzen Unternehmen, die weltweit an der Spitze stehen. Grafik

3,6 3,1 3,0 2,9 2,8 2,8 2,6 2,6 2,5 2,4

Fahrzeugklimatisierung Motoren, Antriebe Kfz-Getriebetechnik Halbfabrikate aus Kupfer Abgastechnik, Standheizung u.a. Motorsägen Filtersysteme Lackieranlagen Antriebsautomatisierung Halbleiter-, FotovoltaikFabrikbau Herrenbekleidung 25 Hugo Boss, Metzingen Lasertechnik 26 Trumpf, Ditzingen Automatisierung 27 Festo, Esslingen Recycling 28 Cronimet, Karlsruhe Reinigungssysteme 29 Kärcher, Winnenden 30 Fuchs Petrolub, Mannheim Schmierstofe Medizintechnik 31 Hartmann, Heidenheim Service OP-Säle, 32 Maquet, Rastatt Intensivstationen Motoren, Ventilatoren 33 Ebm-Papst, Mulfingen Medizintechnik 34 Storz, Tuttlingen Metallumformung 35 Schuler, Göppingen Kunststofverarbeitung 36 Röchling, Mannheim 37 Herrenknecht, Schwanau Tunnelbohrung Fassadendämmsysteme 38 Sto, Stühlingen Zylinderkopfdichtungen 39 Elring-Klinger, Dettingen Möbel-, Baubeschläge 40 Häfele, Nagold Kafeemaschinen 41 WMF, Geislingen Sensorsysteme 42 Sick, Waldkirch Kabel, Steuerleitungen 43 Lapp, Stuttgart Lebensmitteltechnologie 44 Wild, Eppelheim Holzverarbeitung 45 Homag, Schopfloch Thermopapiere 46 Köhler, Oberkirch 47 Roto Frank, Leinf.-Echterd. Beschläge Fenster, Türen 48 Fischerwerke, Waldachtal Dübeltechnik Lebensmitteltechnologie 49 Gelita, Eberbach Lackieranlagen 50 Eisenmann, Böblingen 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24

Wo sitzen die Marktführer im Land?

2,3 2,3 2,2 2,1 1,9 1,8 1,8 1,5 10

MANNHEIM

1,4 1,3 1,2 1,2 1,1 1,1 1,1 1,0 1,0 1,0 0,9 0,8 0,8 0,7 0,7 0,6 0,6 0,6

30 MAIN-TAUBER-KREIS

36

9

49

NECKAR-ODENWALD-KREIS

5

44

RHEINNECKARKREIS

4

33

7

HEILBRONN KARLSRUHE

HOHENLOHEKREIS

23

SCHWÄBISCH HALL 17

28 KARLSR. LUDWIGSBURG

DIE RANGLISTE

ENZKREIS

Daten Tabelle und Grafik basieren auf der Datenbank deutscher Weltmarktführer des Unternehmensberaters und Wirtschaftsprofessors Bernd Venohr, auf Unternehmensangaben sowie der Firmendatenbank von Hoppenstedt.

22 21

PFORZHEIM

32

REMS-MURRKREIS

2 26

24 BADENBADEN

Kriterium Voraussetzung für die Aufnahme in die Rangliste ist eine Platzierung unter den Top 3 des jeweiligen Marktsegments.

20 15

11

RASTATT

14

27

50

13

19

43 CALW

OSTALBKREIS

29

6

35

47

12

1 GÖPPINGEN

Autor Bernd Venohr ist Mitherausgeber des „Lexikons der Weltmarktführer“, das im Verlag Deutsche Standards erscheint, und Mitveranstalter des Gipfeltreffens der Weltmarktführer, das im Januar 2015 wieder in Schwäbisch Hall stattfindet. WiZe

31 41

FREUDENSTADT

37

HEIDENHEIM

40

46

25 39

48 TÜBINGEN

45

ORTENAUKREIS

ALB-DONAU-KREIS ULM

REUTLINGEN

18

ROTTWEIL

ZOLLERNALBKREIS

EMMENDINGEN

42 BIBERACH SCHWARZWALDBAAR-KREIS

FREIBURG

TUTTLINGEN

8 SIGMARINGEN

34 Umsatz 100 Milliarden Euro

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD

RAVENSBURG BODENSEEKREIS

KONSTANZ

50

38 WALDSHUT 3 16

10

1 StZ-Grafik: M. Zapletal

Repro: WiZe

LÖRRACH

Quellen: Bernd Venohr, Unternehmensangaben, Wirtschaftswoche


Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Wirtschaft in Baden-Wßrttemberg 7 Sicherheit ist wichtiger als Selbstständigkeit Im Sßdwesten ist die Zahl der Neugrßndungen deutlich gesunken. Von Inge Nowak Statistik

D

aimler, Bosch und SAP sind groĂ&#x;e Namen, die Baden-WĂźrttemberg weltweit bekannt machen. Doch mindestens genauso stark prägt der Mittelstand die Region zwischen Wertheim und Konstanz. Mehr als 99 Prozent der Unternehmen im SĂźdwesten haben weniger als 250 Mitarbeiter. Nicht zuletzt sie sind es, die mit Erfindergeist den Wohlstand sichern. Unternehmertum steht fĂźr Innovationen und neue Arbeitsplätze. Doch diese Triebfeder droht zu erlahmen, befĂźrchtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Während im SĂźdwesten WeltmarktfĂźhrer dĂźrfen sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Denn auch die Konkurrenz schläft nicht – und kĂśnnte mit neuen Ideen und Geschäftsmodellen punkten. Foto: fotolia 2004 noch 96 250 Betriebe gegrĂźndet wurden, verzeichneten die Statistiker 2012 mit gut 74 000 einen Tiefstand. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der NeugrĂźndungen im Land wieder leicht auf 74 900 gestiegen. Darunter sind knapp 15 400 Unternehmen, die aufgrund ihrer Rechtsform und ihrer voraussichtlichen Beschäftigtenzahl eine Wettbewerb Auch eine weltweite MarktfĂźhrerschaft ist kein Garant fĂźr kĂźnftige Erfolge. Denn Technologien grĂśĂ&#x;ere wirtschaftliche Substanz vermuten lassen, wie es im Statistikerdeutsch und Rahmenbedingungen ändern sich ständig. Was fĂźr die etablierten Unternehmen ein latentes Risiko heiĂ&#x;t. Vereinfacht ausgedrĂźckt handelt es darstellt, bietet innovativen neuen Wettbewerbern groĂ&#x;e Chancen. Von Michael Zollenkop sich um VollerwerbsgrĂźnder. Der groĂ&#x;e Rest waren NebenerwerbsgrĂźndungen. Warum wagen immer weniger Menenn man den baden- Quelle ihrer Wettbewerbsvorteile. Dass nehmen, die im Kleinen bereits Ăźber ausschen den Sprung? Das hat mit der positiw Ăź r t t e m b e r g i s c h e n ein Ăźberlegenes Produktportfolio, Wett- gezeichnete Technologie-, Produkt- und ven Entwicklung der Konjunktur und des Marketing-Slogan „Wir bewerbsvorteile und sogar eine weltweite Marktfähigkeiten verfĂźgen, als auch StartArbeitsmarktes zu tun. Bei einer ErwerbskĂśnnen alles. AuĂ&#x;er MarktfĂźhrerschaft keine Garanten auch ups, die entweder bestehende oder latente losenquote von 4,1 Prozent in Baden-WĂźrtHochdeutsch“ betrach- fĂźr zukĂźnftige Erfolge darstellen, zeigen KundenbedĂźrfnisse Ăźberlegen bedienen temberg ist der Arbeitsmarkt quasi leer gekĂśnnen oder auf Basis innovatet, so ist das darin ausgedrĂźckte Selbstbe- zahlreiche Unternehmen, die fegt. Die Unternehmen lassen sich einiges tiver Technologien entsprewusstsein unter anderem den zahlreichen trotz exponierter Marktsteleinfallen, um Fachkräfte anzulocken und chende AnwendungsmĂśglichMarkt- und InnovationsfĂźhrern unter den lung jäh durch Konkurrenten, zu halten. NatĂźrlich mĂźssen die Beschäfkeiten identifizieren. Die erstUnternehmen in der Region geschuldet. die sie vielleicht gar nicht im tigten hart arbeiten; aber es gibt attraktive Darunter finden sich neben GroĂ&#x;konzer- Blick hatten, abgelĂśst wurden. Stellen. Zudem bieten etablierte Unternehgenannte Kategorie von Startnen zahlreiche mittelständische Firmen, Nokia als ehemaliger Weltmen sichere Jobs und Gehälter sowie Anups rekrutiert sich dabei häufig fĂźr die sich der Terminus „Hidden Cham- marktfĂźhrer bei Mobiltelefonehmlichkeiten wie Arbeitszeitflexibilität, aus ehemaligen Kunden auf pion“ etabliert hat: Unternehmen, die nen sei hier nur als ein Fall Teilzeit, Babypause, Kitas oder Telearbeit. der (erfolglosen) Suche nach sich – häufig unterhalb der Wahrneh- unter vielen genannt. Häufig Gerade in Zeiten, in denen immer mehr dem fĂźr sie tatsächlich passenFoto: WiZe mungsgrenze einer breiteren Ă–ffentlich- finden sich unter den AngreiMenschen auf ihre Work-Life-Balance achden Angebot, das sie in Erkeit – langfristig wirkende Wettbewerbs- fern etablierter MarktfĂźhrer „Jungen ten, sind solche weichen Faktoren wichtig. kenntnis einer MarktlĂźcke vorteile erschlossen haben und so suk- gerade Unternehmen, die Unternehmen Und der GrĂźnder? Er muss bĂźrokratidann selbst erstellen, am zessive zu WeltmarktfĂźhrern in ihrem zuvor in dem betreffenden sche HĂźrden und VerzĂśgerungen ĂźberwinMarkt anbieten und so die LĂźWettbewerbsumfeld gar nicht erĂśffnen sich Marktsegment herangereift sind. den, bis er endlich selbst Chef ist. Viele setcke schlieĂ&#x;en. Die zuletzt geInnerhalb ihrer Nische binden viele konkurriert hatten. zen ihre Ersparnisse ein und mĂźssen sich nannte Kategorie dagegen bepermanent Was fĂźr etablierte Unter- Chancen zur dieser Unternehmen ihre SchlĂźsselkunden zudem verschulden. Häusteht häufig aus AusgrĂźndunImmer mehr Menschen intensiv in die Produktentwicklung ein, so nehmen und Hidden Chamfig tauchen weitere Finangen von Forschungseinrichdass sie ihre Abnehmer optimal bedienen pions ein latentes Risiko dar- Etablierung einer zierungsschwierigkeiten tungen nach erfolgreichem achten auf ihre kĂśnnen. Dazu passt, dass Hidden Cham- stellt, bietet jedoch Unterneh- neuen Geschäftsauf, heiĂ&#x;t es bei der staattechnologischen Durchbruch Work-Life-Balance. pions bei Innovationen eher auf die kon- men aus der zweiten Reihe grundlage.“ lichen FĂśrderbank KfW, oder ersten Markterfolgen tinuierliche Weiterentwicklung vorhande- oder Start-ups ebensolche die jährlich einen GrĂźneiner Innovation. ner LĂśsungen als auf sprunghafte Leis- Chancen: der stete Wandel in Michael Zollenkop dungsmonitor erarbeitet. Und dann die Vielleicht unterscheidet von Roland Berger tungssteigerungen setzen, dabei aber der Unternehmensumwelt. Arbeitszeit: abhängig Beschäftigte arbeiten sich aber die Situation potendurchaus nennenswerte Umsatzanteile in Ob Technologien und Verfahin Deutschland im Schnitt 38 Wochenzieller zukĂźnftiger Hidden Forschung und Entwicklung investieren. ren, KundenbedĂźrfnisse und -präferenzen, Champions von der Situation der heutistunden, VollerwerbsgrĂźnder arbeiten pro Zudem verfĂźgen viele dieser Unternehmen staatliche Regulierung oder Deregulierung gen: Mittlerweile konkurrieren enorme Woche zehn Stunden mehr. Lohnt sich die Ăźber eine ausgeprägte Technologiebasis sowie die Veränderung konjunktureller Summen an Risikokapital um das AufspĂźMĂźhe? Das Nettoeinkommen sei bei Selbstoder sogar TechnologiefĂźhrerschaft als und Ăśkologischer Gegebenheiten: derartige ren der „WeltmarktfĂźhrer von Ăźbermorständigen tendenziell hĂśher als bei Arbeitexterne Faktoren beeinflussen durch suk- gen“ – ob von privaten Investoren oder von nehmern, haben die KfW-Experten in Mozessive Veränderungen jede Wettbewerbs- den Venture-Capital-Gesellschaften, von dellrechnungen herausgefunden. Aber: der ZUR PERSON: MICHAEL ZOLLENKOP arena und alle darin konkurrierenden Konzernen wie BASF, Bosch und vielen anErfolg ist nicht garantiert. Teilweise sind die Unternehmen – sowie potenzielle neue deren. Ein potenzieller zukĂźnftiger Hidentwicklung und der UnternehBedingungen prekär. Berater Michael Zollenkop ist Konkurrenten. Jungen Unternehmen, in- den Champion landet heutzutage vielmenstransformation. Ob eine Geschäftsidee trägfähig ist, Mitglied der Geschäftsleitung bei novativen Strategen oder Start-ups erĂśff- leicht frĂźhzeitig unter den Fittichen eines stellt sich erst im Lauf der Zeit heraus. der Unternehmensberatung Ronen sich daher permanent Chancen zur Konzerns statt in der Start-up-Szene – und Rund ein Drittel der NeugrĂźndungen ist Ausbildung Zollenkop hat in land Berger Strategy Consultants Etablierung einer neuen Geschäftsgrund- wird als Konzerneinheit nie als Hidden nach drei Jahren nicht mehr auf dem Deutschland, den USA und Frankin Stuttgart. Er berät vorwiegend lage, zum Eintritt in neue Wettbewerbs- Champion bezeichnet werden. Eines haMarkt, schreibt das FĂśrderinstitut. In Bareich Betriebswirtschafts-, Klienten aus den Bereichen Autoräume und schlieĂ&#x;lich zu entsprechendem ben den-WĂźrttemberg haben 2013 gut 12 300 allerdings alle potenziellen Volkswirtschaftslehre und Politikmobilindustrie, Maschinen- und Wachstum und mittelfristig vielleicht sogar Innovatoren und Aspiranten fĂźr MarktVollerwerbsbetriebe aufgegeben (minus wissenschaften studiert sowie Anlagenbau sowie High Tech. zur MarktfĂźhrerschaft. sieben Prozent). Immerhin: der Saldo ist fĂźhrerschaft gemeinsam: Ohne Durchhalim Rahmen des DoktorandenWo aber ist nach solchen potenziellen tevermĂśgen, unternehmerisches Geschick positiv, die Zahl der Unternehmen insgeprogramms von Roland Berger Schwerpunkte Im Mittelpunkt WeltmarktfĂźhrern von morgen zu suchen? und ein gewisses Quäntchen GlĂźck hat es samt ist gestiegen. Auch dies hat mit der an der Universität Bamberg zum von Zollenkops Tätigkeit stehen Konjunktur zu tun. Wer den Sprung gewagt Thema „Innovation von Geschäfts- In Betracht kommen gemäĂ&#x; den bisherigen noch kaum eine Idee in die Champions sämtliche Aspekte des InnovaĂœberlegungen sowohl bestehende Unter- League der MarktfĂźhrerschaft gebracht. hat, profitiert von der guten Konjunktur. modellen“ promoviert. WiZe tionsmanagements, der Produkt-

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8 Wirtschaft in Baden-WĂźrttemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Keine Angst vor chinesischen Investoren

Der Aichtaler Betonpumpenbauer Putzmeister gehÜrt seit Anfang 2012 dem chinesischen Konkurrenten Sany – bislang nicht zum Nachteil der hiesigen Beschäftigten. Foto: dpa

Droht ein Ausverkauf deutscher Mittelständler nach Fernost? Bisherige Engagements zeigen, dass es fßr hiesige Firmen von Vorteil sein kann, chinesische Geldgeber ins Boot zu holen. Auch die IG Metall berichtet von positiven Erfahrungen. Von Oliver Schmale

Ăœbernahmen

Z

uletzt haben sie in Baden-WĂźrttemberg den Elektrowerkzeughersteller Flex in Steinheim/ Murr bei Ludwigsburg komplett Ăźbernommen. Auch der Betonpumpenbauer Putzmeister aus Aichtal ist seit längerer Zeit fest in ihrer Hand. Im Land sind 70 Firmen erfasst, die zu mindestens 20 Prozent einem chinesischen Unternehmen gehĂśren, wie das Wirtschaftsministerium in Stuttgart berichtet. Im vergangenen Jahr wurden 17 neue Investitionen aus China erfasst. Deutschland und somit auch Baden-WĂźrttemberg scheint fĂźr Investoren aus dem Reich der Mitte immer interessanter zu werden. Neben grĂśĂ&#x;eren Betrieben wie Putzmeister sind aber auch gerade kleinere Betriebe wie der Heilbronner Werkzeugbauer GIW gekauft worden. Generell werden solche Engagements vom Wirtschaftsministerium positiv bewertet: „Investitionen aus dem In- und Ausland in den Standort Baden-WĂźrttemberg sind von groĂ&#x;er Bedeutung fĂźr Foto: IG Metall Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand in unserem Land.“ „Chinesische Investoren sind in Wert legt man im Hause von Nils Schmid (SPD) aber auch aller Regel darauf, „dass Know-how und Innovation in Baden-WĂźrteher längerfristig temberg verbleiben.“ Damit orientiert.“ Geldgeber nicht nur in BadenIG-Metall-Bezirksleiter WĂźrttemberg investieren, Roman Zitzelsberger sondern auch hier bleiben, „mĂźssen wir unsere Stärken erhalten und ausbauen“, heiĂ&#x;t es weiter. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat bislang keinen Trend dazu ausgemacht, dass die neuen Firmenherren aus Asien nun ĂźbermäĂ&#x;ig im SĂźdwesten zukaufen. LandesgeschäftsfĂźhrer Dietrich Birk spricht von Einzelfällen und verweist auf eine jĂźngst erstellte Ex-

perten-Studie des VDMA zu chinesischen Konkurrenten. Demnach gibt es aktuell nur bei etwa sechs Prozent der Wettbewerber aus Fernost AkquisitionsbemĂźhungen auf dem deutschen Markt. Ein Grund fĂźr die tendenziell abflachende Ăœbernahmeeuphorie sei sicherlich, dass chinesische Unternehmen es zunehmend als Herausforderung sehen, die kulturelle und integrationstechnische Seite solcher Transaktionen erfolgreich zu bewältigen, so Birk. Generell mĂźsse ein Einstieg nicht unbedingt zulasten der baden-wĂźrttembergischen Unternehmen gehen. Diese kĂśnnten mittels chinesischer Beteiligung in bestimmten Bereichen wie Einkauf oder Vertrieb durchaus im internationalen Wettbewerb auch profitieren. Der VDMA-LandesgeschäftsfĂźhrer hebt zugleich hervor, dass im Gegenzug auch deutsche Unternehmen in Asien seit Jahren verstärkt unterwegs sind. „Wichtig dabei ist, es muss beidseitig fair zugehen.“ Die Gewerkschaft lobt das asiatische Engagement. NatĂźrlich schwinge beim Einstieg jedes ausländischen Investors die BefĂźrchtung mit, dass dies auf Dauer vor Ort Arbeitsplätze gefährden kĂśnnte, sagt der IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. „Mit chinesischen Investoren haben wir als IG Metall aber bisher gute Erfahrungen gemacht. Sie sind in aller Regel eher längerfristig orientiert und nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung und Mitnahmeeffekte aus“, so Zitzelsberger. Die Mitbestimmung sei in diesen Betrieben nicht in Gefahr. Die gewerkschaftsnahe Hans-BĂścklerStiftung kommt in einer Studie zu ähnlichen Aussagen. In mehreren Fällen sei es Betriebsräten und Gewerkschaften gelungen, mit chinesischen Firmenkäufern Vereinbarungen Ăźber Tarifbindung, Investitionen und Beschäftigungssicherung zu schlieĂ&#x;en. „Die Investoren aus dem Reich der Mitte zeigten sich bislang kooperativer

als viele Finanzinvestoren.“ StiftungsĂśkonom Oliver Emons sieht aber auch ein langfristiges Ziel der Strategen in Peking. Zumindest sei der Verdacht, sie folgten einem Masterplan, „nicht ganz abwegig“. Die jĂźngsten Einkäufe in Deutschland seien auf bestimmte Sparten wie Maschinen- und Fahrzeugbau oder Chemie konzentriert. Ziel, so der Experte, seien häufig Unternehmen, die in sehr speziellen Marktsegmenten WeltmarktfĂźhrer sind, sogenannte Hidden Champions. Der Mannheimer Wirtschaftsprofessor Manfred Perlitz argumentiert in die gleiche Richtung. In einer Studie kommt er zu dem Schluss, dass chinesische Ăœbernahmen eine Erfolgsquote von 40 bis 60 Prozent ha-

ben. Bei den meisten anderen Ăœbernahmen betrage sie nur zwischen zehn und 30 Prozent. Das fĂźhrt Perlitz auf die Strategie der Chinesen zurĂźck: nach einer Ăœbernahme bleibe zunächst fast alles beim Alten. Die vielen Freiheitsgrade fĂźr das bisherige Unternehmen sorgten dafĂźr, dass der Integrationsprozess harmonischer verlaufe. FĂźr einen Mittelständler kann es der Untersuchung nach durchaus sinnvoll sein, einen Partner an Bord zu holen, um in Asien wachsen zu kĂśnnen. „Insgesamt lässt sich zusammenfassend feststellen, dass die chinesischen Auslandsinvestitionen bei einer klugen eigenen globalen Strategie dem deutschen Mittelstand zusätzliche Chancen bieten“, erläutert Perlitz.

AUF EINKAUFSTOUR Putzmeister Die Ăœbernahme des schwäbischen Betonpumpen-Herstellers Putzmeister durch den chinesischen Konkurrenten Sany Heavy Industries Anfang 2012 gilt als Musterbeispiel fĂźr eine derartige Transaktion. Es war damals der bisher grĂśĂ&#x;te Zukauf eines chinesischen Investors in Deutschland.

Sunways Während der Fall Putzmeister bislang nur positiv auffiel, stand der Einstieg der chinesischen LDK Solar Co beim Konstanzer Fotovoltaikhersteller Sunways von Anfang an unter keinem guten Stern. LDK, einst der weltgrĂśĂ&#x;te Solarkonzern, hatte an seiner deutschen Tochter keine groĂ&#x;e Freude.

Flex Auf dem Wunschzettel der Chinesen stehen oft kleinere und innovative Unternehmen. Ein Beispiel ist der Einstieg von Chervon bei der Flex-Elektrowerkzeuge GmbH im September 2013. Das Unternehmen aus Steinheim an der Murr stellte vor gut 60 Jahren den ersten hochtourigen Winkelschleifer vor. os

Weichenstellung im Lande Besonders fĂźr den Mittelstand ist auch die Politik der Landesregierung wichtig. Sie kann einiges tun. Von Ulrich Schreyer Wirtschaftspolitik

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as ist mehr als ein Tropfen auf den heiĂ&#x;en Stein“, sagt Andreas Richter. Der HauptgeschäftsfĂźhrer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stuttgart weiĂ&#x; zwar auch, dass die wichtigsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen in Berlin oder BrĂźssel fallen, dennoch sieht er auch Spielräume fĂźr die Landespolitik: „Wir brauchen gute Unternehmen, Innovationen und gute Arbeitsplätze. Da kann die Landesregierung einiges tun.“ Der baden-wĂźrttembergische Finanzund Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) jedenfalls sieht das Land gerade in diesem Punkt auf einem guten Weg. Erst Ende April konnte Schmid bekannt geben, dass unternehmensnahe Forschungseinrichtungen wie etwa die Fraunhofer-Institute im laufenden Doppelhaushalt fĂźr die Jahre 2014/15 mit 165 Millionen Euro gefĂśrdert wĂźrden, „ein Rekord fĂźr BadenWĂźrttemberg“ und „ein entscheidendes Vehikel, um Innovationen in die Unternehmen zu bringen“, wie Schmid sagt. Geld allein genĂźgt aber nicht. Auch wenn die Kritik der Wirtschaft an der Landespolitik leiser geworden ist: Richter verweist auf ein „Riesenthema“, und er meint damit ein schon Jahrzehnte praktiziertes, aber immer noch vielfach kritisiertes Arbeitsgebiet. Der vielbeschworene Technologietransfer von Forschungseinrichtungen zu den Unternehmen nämlich weist immer noch erhebliche Mängel auf – etwa auch weil Forscher und Unternehmer oftmals nicht dieselbe Sprache sprechen. Richter ist zudem der Ansicht, der Transfer mĂźsse auch durch eine Plattform im Inter-

net verbessert werden. „Die Landesregierung schafft diese aber nicht, mit dem Hinweis auf fehlende Finanzmittel.“ Auch Osker Vogel, der HauptgeschäftsfĂźhrer des Baden-WĂźrttembergischen Handwerkstag, kritisiert, es mĂźsse noch weit besser zusammengearbeitet werden, „wenn ein Handwerker schnell den richtigen Wissenschaftler braucht“. Erkannt hat die Landesregierung solcherlei Mängel offenbar – Schmid weist auf Prämien hin, die Forschungseinrichtungen fĂźr eine Zusammenarbeit speziell mit kleineren und mittleren Unternehmen erhalten. Unisono gelobt werden von der Wirtschaft die Innovationsgutscheine des Wirtschaftsministeriums. Allerdings: das Land fĂśrdert – etwa bei High-Tech-Unternehmen – Innovationsvorhaben mit bis zu 20 000 Euro. Vom Bund gibt es Ăśfter mehr, aber dort gibt es keine FĂśrderung von weniger als 50 000 Euro. Diese LĂźcke, so fordern die IHKs und der Handwerkstag, mĂźsse geschlossen werden. FĂźr Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs IndustrieĂśkonomik und Internationale UnternehmensfĂźhrung beim Mannheimer Zentrum fĂźr Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), jedenfalls ist klar, dass die Landespolitik „eine groĂ&#x;e Rolle spielen kann fĂźr kleinere und mittlere Unternehmen“ – etwa bei deren Vernetzung oder der FĂśrderung neuer Technologien. Die Vernetzung fĂśrdert die Landesregierung durch Gelder fĂźr Cluster – es gibt aber auch Cluster, etwa die Medizintechnik rund um Tuttlingen, die schon da waren, bevor es Ăźberhaupt diesen Namen gab.


Wir Wirtschaft tschaft

DIENSTAG 6. Mai 2014

& Karriere

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Sie können nicht abschalten und schlafen nachts nur mit Tabletten ein: Einer Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge sind acht von zehn Managern gestresst. Deutschlands führende Experten für Zeitmanagement, Cordula Nussbaum und Lothar Seiwert, wundert das nicht. Zwar sind Manager sehr leistungsorientiert, aber ihre Zeit können sie sich nur schlecht einteilen.

Weg mit den Zeitdieben

Bestandsaufnahme machen Oft treten Manager erst kürzer, wenn sie einen Herzinfarkt hatten, die Frau sich scheiden lässt oder ein befreundeter Manager tot umfällt. „Wer sich keine Ziele setzt, leidet oft unter Stress“, sagt Lothar Seiwert. Er lebt in einem Ungleichgewicht zwischen dem, was er will, und dem, was er tut. Zentrale Fragen lauten also: Was will ich jetzt, aber auch in Zukunft? Worauf will ich später zurückblicken? Wer soll bei mir sein, wenn ich in Rente bin? Und was muss ich dafür tun? Die besten Manager, sagt Cordula Nussbaum, sind die, die mit sich zufrieden sind, ihre Kräfte kennen und keine falschen Erwartungen erfüllen wollen. Diese Einstellung müsse man lernen. Zeitfresser entlarven Keine Ziele, ständige Störungen, zu lange Meetings, schlechte Kommunikation: Die Liste der Zeitfresser ist lang. Der größte Zeitfresser ist laut Seiwert der Versuch, zu viel auf einmal zu tun. Multitasking klappt aber höchstens bei zwei Dingen gleichzeitig. Sonst fühlt man sich gestresst und arbeitet wenig effizient. Der Leistungsabfall durch Multitasking gilt als wissenschaftlich belegt: Laut Forschern der Universität Michigan ist das Gehirn um bis zu 40 Prozent weniger leistungsfähig, wenn gleichzeitig statt nacheinander gearbeitet wird. Prioritäten setzen Manager leiden unter Hurry Sickness, der krankhaften Sofortigkeit, sagt Seiwert: Jeder muss jedem alles recht machen, und zwar jetzt. Dabei ist Dringendes selten wichtig, Wichtiges selten dringend. Und doch dominiert beim Setzen von Prioritäten oft die Dringlichkeit. Dringliche Aufgaben sind aber meist nur für andere wichtig, weshalb sie zu einem bestimmten Zeitpunkt Foto: WiZe erledigt sein müssen. Sie berei„Jeder muss jedem ten Stress und Druck. Mit dem alles recht machen, Eisenhower-Prinzip lassen sich Aufgaben einteilen. A-Aufgaund zwar sofort.“ ben sind sehr wichtig und haben einen Termin. Sie müssen Lothar Seiwert gilt auch als Zeitmanagement-Papst zuerst bearbeitet werden. Bund hat das Buch „Lass los Aufgaben sind auch wichtig, und du bist Meister deiner aber nicht terminiert. Sie lassen Zeit“ geschrieben sich verschieben oder delegieren. C-Aufgaben erfordern viel Zeit, bringen einen aber nicht den Zielen näher. Der Rest landet im Müll. Aufgaben delegieren Viele Manager wollen im tiefsten Inneren gar keine Aufgaben abgeben, sagt Nussbaum. Sie fürchten den

Berufsleben pflichtbewusst und gut organisiert sind, neigen nach Feierabend dazu, alle Fünfe gerade sein zu lassen“, sagt Seiwert. Doch ein erfülltes Privatleben schützt optimal gegen Stress. Laut Glücksforschung gehören soziale Beziehungen zu den größten Glücksbringern. „Wenn sich alles nur um den Job dreht, ist man ganz schnell frustriert und ausgepowert. Deshalb ist es wichtig, die sozialen Kontakte zu pflegen.“ Sich austauschen, fallen lassen, Kraft tanken: Wichtigen Menschen gibt man einen festen Platz im Leben. Vom Rest distanziert man sich.

Tipps für ein gutes Zeitmanagement gibt es viele. Sie eignen sich aber nicht für jeden. Experten raten, nur die Regeln zu befolgen, die man guten Gewissens übernehmen kann. Von Stefanie Köhler

Zeitmanagement

Verlust ihrer Wichtigkeit, dass andere besser sind als sie oder wollen keinen belästigen. Nicht delegieren zu können, gilt als Führungsschwäche und verhindert einen weiteren Aufstieg. An Aufgaben festzuhalten, die ein gering bezahlter Mitarbeiter ebenso gut tun kann, zeugt von Verschwendung von Zeit und Geld. Wer delegiert, schätzt, fördert und motiviert Mitarbeiter. Doch jeder hat andere Stärken und Schwächen. Wer Aufgaben abgibt, muss sie dem Richtigen mit den passenden Fähigkeiten überlassen. Und dabei möglichst viel Verantwortung abgeben. Ein Mitarbeiter darf sich nicht als „Depp vom Dienst“ fühlen. Richtig kommunizieren Die einen Mitarbeiter mögen eine persönliche, ausführliche Ansprache, anderen genügt eine kurze Arbeitsanweisung per E-Mail. Manager sollten ihre Mitarbeiter entsprechend anreden, wenn sie Arbeit verteilen. Sonst grübelt ein sensibler Mitarbeiter vielleicht stundenlang über die kryptische E-Mail. Und vergisst dabei, seinen Arbeitsauftrag zu erfüllen. Zudem muss der Auftrag klar definiert sein. Zu einem Mindestmaß an Wertschätzung rät Nussbaum grundsätzlich. Wörter wie Guten Tag, Danke und Bitte sollten selbstverständlich sein. Zeitinseln schaffen „Manager lassen sich permanent aus ihrer Arbeit reißen“, sagt Nussbaum, die störungsfreie Zeiten empfiehlt. „Wer eine Stunde lang konzentriert arbeitet, ist sehr produktiv.“ Die Zeitinseln müssen geschickt gewählt werden. Kurz vor einem Meeting sind sie genauso fehl am Platz wie vor der Übergabe eines wichtigen Projekts. Viele Manager nutzen die Zeit morgens, wenn die Firma noch leer ist. „Möglicherweise verpasst man dann das Frühstück mit der Familie oder arbeitet eine Stunde länger“, sagt Nussbaum. In diesem Fall muss ein Manager selbstbewusst die Stunde ein anderes Mal ausgleichen.

Soziale Kontakte nicht vernachlässigen Auf Schlaf verzichten Eine Allensbach-Umfrage belegt, dass sich jeder fünfte Manager in Deutschland fünf Stunden Schlaf oder weniger gönnt. Ein Drittel der 519 befragten Top-Entscheider ist überzeugt davon, mit wenig Schlaf auskommen zu müssen. Das ist jedoch fatal, denn jeder Körper muss sich regenerieren. „Man weiß inzwischen, dass müde Manager sich verhalten, als wären sie besoffen“, sagt Nussbaum. Sie treffen falsche Entscheidungen, wirken verwirrt und sind unkonzentriert. Laut Schlafforschern verliert man 50 Prozent seiner Entscheidungsfähigkeit und 20 Prozent seiner Gedächtnisleistung, wenn man bloß fünf Stunden schläft anstatt acht. Wach und ausgeschlafen entscheiden Manager folglich klug und umsichtig. Bürospielchen mitspielen Wer am längsten arbeitet, ist der Fleißigste. Solche Ansichten sind an Arbeitsplätzen verbreitet. Gerne brüsten Manager und Mitarbeiter sich damit, in der vergangenen Woche wieder 60 bis 70 Stunden gearbeitet zu haben. „Viele ziehen ihre eigene Wichtigkeit aus der Anzahl der Projekte oder gearbeiteten Stunden“, sagt Nussbaum. „Es ist aber ein Irrglaube, dass man produktiv ist, wenn man viel arbeitet. Nur wer konzentriert arbeitet, ist produktiv.“ Gute Manager gehen sorgsam mit ihren Ressourcen um. Sie ignorieren es, wenn Mitarbeiter sich gegenseitig übertrumpfen, oder lassen sich nicht davon beeinflussen. Wer nach getaner Arbeit heimgeht, ist den Mitarbeitern ein gutes Vorbild: Arbeit ist nicht alles. Privatleben vernachlässigen Nach einem anstrengenden Tag lockt die Couch vor dem Fernseher. „Gerade Menschen, die im

Ständige Erreichbarkeit An Heiligabend freuen die Kinder sich über die Geschenke – und Papa tippt nur auf sein Smartphone ein. Nachts um 4 Uhr beantwortet er eine E-Mail – die Amerikaner arbeiten ja. „Manager merken oft gar nicht, dass sie ständig am Telefon oder Computer hängen“, sagt Nussbaum. Von der Familie darauf angesprochen, reagieren sie aggressiv, schließlich haben sie Wichtiges am Laufen. Nussbaum rät zu einem Gespräch mit der Familie, der eine übertriebene Erreichbarkeit schnell auffällt. Natürlich kann man sich nicht ausklinken, wenn ein Projekt in der heißen Phase ist. Eine ständige Erreichbarkeit aber ist unnötig. Foto: privat

Penible Pläne Listen, die Punkt für Punkt abgearbeitet werden, „Viele ziehen ihre sind nicht jedermanns Sache. eigene Wichtigkeit Und je komplexer und schneller der Arbeitsalltag ist, desto aus der Anzahl der mehr gilt: Weniger Planung ist Projekte.“ mehr. „Lösen Sie sich von pe- Cordula Nussbaum ist niblen, zu detaillierten Plänen. Trainerin und Autorin des Setzen Sie besser Meilenstei- Buches „Organisieren Sie ne“, sagt Nussbaum. Auch Puf- noch oder leben Sie schon?“ fer sind wichtig. So bleibt Zeit für unerwartete Aufgaben, die eventuell neue Prioritäten erfordern. Seiwert rät überdies zu regelmäßigen Pausen. „Seine Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit kann man optimal ausschöpfen, wenn man etwa alle 90 Minuten eine kurze Pause macht.“ Immer Ja-Sagen Ein Nein ist für Seiwert das wirkungsvollste Mittel, um sich auf die eigenen Prioritäten zu konzentrieren. „Um Nein zu sagen, müssen wir erst einmal Ja sagen zu uns und unseren Bedürfnissen“: mehr Zeit haben, Ziele verwirklichen, Prioritäten setzen. Viele müssen Nein-Sagen mühsam lernen. Ihr schlechtes Gewissen ruft, wenn sie eine Aufgabe ablehnen. Wer selten Nein sagt, muss sich zuerst klar werden, warum das so ist. Dann gilt es, die richtige Strategie anzuwenden. Charme hilft ebenso wie sich für das entgegengebrachte Vertrauen zu bedanken.

Foto: fotolia

Delegieren und richtig kommunizieren

Daten und Fakten Firmierung: Walser Privatbank Rechtsform: Aktiengesellschaft Hauptsitz: 6992 Hirschegg, Österreich

Walser Privatbank – für die Zukun Ihrer Werte Ein Stück Österreich mit schwäbischer Prägung Seit drei Jahren ist die Walser Privatbank auch in Stuttgart ansässig. Neben Düsseldorf ist die schwäbische Metropole die zweite deutsche Niederlassung des auf sicherheitsorientierte Vermögensanlagen spezialisierten Geldinstituts. Dass die 1894 gegründete Walser Privatbank gerade hier ihre Beratungsleistungen anbietet, kommt nicht von ungefähr: „Beim Umgang mit unseren Kunden sind

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uns vor allem Offenheit und persönliche Nähe wichtig. Attribute, die insbesondere für Menschen in dieser Region eine große Rolle spielen“, weiß Niederlassungsleiter Armin Fahrner. „Heute Sicherheit für morgen“ lautet seit jeher die Maxime des Unternehmens. Seine Geschichte ist geprägt von Werten wie Solidität, Nähe und Vertrauen. Die überdurchschnittliche Eigenkapitalquote von 31 Prozent – fast

Gründung: 1894 Eigenkapitalquote: 31 % Verwaltetes Geschäftsvolumen: 3,1 Mrd. EUR Niederlassungen: Düsseldorf und Stuttgart Das Team der Niederlassung Stuttgart, v.l.n.r.: Julia Krämer, Michael Bölkow, Thomas Gruber, Armin Fahrner und Florian Stolzenberg

das Vierfache der gesetzlichen Vorgabe (8 Prozent) – und ihre Zugehörigkeit zum Raiffeisennetzwerk in Österreich unterstreichen die Stabilität und Sicherheit der Bank. Die Nr. 1 bei Sicherheit und Rendite Die Jury des „Fuchs-Report 2014“ hat die Walser Privatbank mit dem ersten Platz in der wichtigen Kategorie Portfolioqualität

ausgezeichnet. Demnach bietet das Private-Banking-Institut seinen Kunden unter Risiko-Rendite-Gesichtspunkten eine absolut hochwertige Auswahl von Anlage-Produkten. Die Bank zähle zur Spitzengruppe österreichischer Finanzinstitute, die Beratung auf höchstem Niveau praktiziere, so die Tester. Setzen auch Sie auf vertrauensvolle Beratung und ausgezeichnete Portfolioqualität.

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Mit gutem Grund


10 Karriere Persönliches Marcel Kiessling

Heidelberg-Manager geht

Foto: Heidelberg

Der Anlagenbauer Heidelberger Druckmaschinen verliert einen langjährigen Manager. Vertriebsvorstand Marcel Kiessling hat das Unternehmen Ende März verlassen – im beiderseitigen Einvernehmen, hieß es. Der 53-Jährige Kiessling arbeitete seit 1989 für das Unternehmen und war seit 2010 Vorstandsmitglied. Zuvor verantwortete er das Amerikageschäft des Heidelberger Unternehmens. Im Zuge der personellen Umstrukturierung wurde Heidelberg-Manager Harald Weimer (49) zum ordentlichen Vorstandsmitglied und Kiessling-Nachfolger bestellt. wro

Dietrich Müller

Chef von Daimler Fleet-Board

Foto: Daimler

Der Daimler-Lkw-Manager Dietrich Müller ist seit 1. April 2014 neuer Geschäftsführer der Daimler Fleet-Board GmbH. Der bisherige Geschäftsführer, Ralf Forcher, wechselt ins Aufsichtsgremium des konzerneigenen Telematikdienstleisters. Darüber hinaus wird er weiterhin das Mercedes-Benz Lkw-Auftragszentrum von Daimler verantworten. Der studierte Diplom-Wirtschaftsingenieur Müller arbeitet seit 2000 bei Daimler, schwerpunktmäßig im Vertrieb und Marketing. wro

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Abenteuer Ausland Die grenzüberschreitende Versetzung von Arbeitnehmern ist längst keine Ausnahme mehr. Doch Unterschiede im Arbeits-, Sozial- und Steuerrecht erfordern es, den Auslandseinsatz juristisch gut vorzubereiten. Von Frank Hahn Entsendung von Mitarbeitern

M

itarbeiter, die von einem international tätigen Unternehmen, bei dem sie angestellt sind, in ein anderes Land versetzt werden, bezeichnet man als Expatriates, kurz Expats. Auch Mitarbeiter, die in einem Land arbeiten, das nicht ihr Heimatland ist, ohne dass sie von einem Unternehmen ihres Heimatlands entsandt worden wären, werden so genannt. Bei der vertraglichen Gestaltung für solche Expats sind der Zweck und die Länge einer Entsendung zu berücksichtigen, ferner Fragen der Rechtswahl sowie sozialversicherungs- und steuerrechtliche Aspekte. Wird ein Mitarbeiter etwa im Rahmen eines projektbezogenen Einsatzes in eine Betriebsstätte seines Arbeitgebers im Ausland entsandt und soll er nach wie vor dem Weisungsrecht seines Arbeitgebers im Inland unterliegen, bedarf es keines weiteren Arbeitsvertrags im Ausland. Denkbar ist aber auch, dass der Mitarbeiter an das Unternehmen im Ausland arbeitsvertraglich gebunden sein soll. Hier bietet sich eine vertragliche Gestaltung an, bei der sowohl Arbeitsver-

tragsbeziehungen zum bisherigen Arbeitgeber als auch zum Unternehmen im Ausland bestehen, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Soll der Mitarbeiter ausschließlich bei einem Arbeitgeber im Ausland arbeiten, bedarf es nur eines lokalen Arbeitsvertrags beim ausländischen Arbeitgeber. Rechtlich handelt es sich dabei nicht um eine Entsendung, sondern um ein Arbeitsverhältnis im Ausland. Sofern ein Mitarbeiter mittelfristig, also etwa bis zu drei Jahren zu einer ausländischen Tochtergesellschaft oder Auslandsvertretung oder einem Kunden im Rahmen eines Projekts entsandt werden soll, empfiehlt es sich, den Anstellungsvertrag mit dem Stammhaus bestehen zu lassen und eine zusätzliche Entsendevereinbarung abzuschließen, welche die Bedingungen der Tätigkeit im Ausland regelt. Vorteil ist, dass zumeist ein Verbleib in der deutschen Sozialversicherung problemlos möglich ist. Wird in einer Entsendevereinbarung keine Aussage zur Vergütung im Ausland getroffen, gilt die übliche Vergütung als vereinbart. Dies ist diejenige Vergütung, die von einem inländischen Arbeitgeber

Markus Schach

Neuer Partner bei Daiber Wechsel in der Unternehmensführung der Stuttgarter Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei Dr. Daiber & Partner: Der 35-jährige Unternehmensexperte Markus Schach ist neuer Partner in der Kanzlei. Schach folgt auf Firmenmengründer Hans-Joachim Daiber, der in Ruhestand geht. Die knapp 60 Mitarbeiter starke Kanzlei hat ihren Hauptsitz in Stuttgart-Vaihingen und eine Niederlassung in Albstadt. wro Foto: Daiber & Partner

§

„Ob der Betriebsrat für den ins Ausland entsandten Arbeitnehmer nach wie vor zuständig ist, richtet sich danach, ob der Mitarbeiter dem Inlandsbetrieb, also dem Stammhaus, noch zuzurechnen ist.“ Frank Hahn, Fachanwalt für Arbeitsrecht

die Versicherungspflicht und -berechtigung der deutschen Sozialversicherung in der Regel bestehen. Bei Entsendungen innerhalb der EU ist die Entsendebescheinigung E 101/102 zu beantragen. Der Entsendezeitraum ist auf 24 Monate begrenzt. Es kann in der Praxis aber eine Ausnahmegenehmigung mit den Sozialversicherungsträgern des jeweiligen EU-Staates verhandelt werden. Für die Beurteilung der Frage nach der steuerrechtlichen Behandlung des erzielten Einkommens spielen die Dauer des Auslandseinsatzes, der Wohnsitz beziehungsweise der gewöhnliche Aufenthalt des Mitarbeiters, die auszahlende Stelle des Arbeitsentgelts, die Verwertung der Arbeitstätigkeit sowie die Anwendbarkeit eines Doppelbesteuerungsabkommens die entscheidende Rolle. Kurzfristige Tätigkeiten im Ausland von weniger als drei Monaten werden in der Regel wie eine Dienstreise im Inland versteuert. Bei einem längerfristigen Einsatz kommt es unter anderem darauf an, welches vertragliche Modell dem Auslandseinsatz zugrunde liegt. Deutschland hat mit der Mehrzahl der Staaten Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, die eine doppelte Besteuerung bei Auslandsbeschäftigung vermeiden sollen. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts ist der Arbeitgeber regelmäßig nicht verpflichtet, den Mitarbeiter auf seine Steuerpflicht im Ausland hinzuweisen. In der Praxis wird Expats vom Arbeitgeber aber die Übernahme der Kosten einer steuerlichen Beratung gewährt. Ob der Betriebsrat für den ins Ausland entsandten Arbeitnehmer nach wie vor zuständig ist, richtet sich danach, ob der Mitarbeiter dem Inlandsbetrieb, also dem Stammhaus, noch zuzurechnen ist. Die Frage, ob der im Ausland tätige Mitarbeiter noch dem Inlandsbetrieb zuzuordnen ist, hängt von der Würdigung aller Umstände des Einzelfalls ab, insbesondere der Dauer des Auslandseinsatzes, einer Eingliederung in den Auslandsbetrieb, eines etwaigen Rückrufrechts und der Weisungsbefugnisse des Stamm-Arbeitgebers. Es empfiehlt sich, eine Rechtswahl zu treffen, um Rechtssicherheit hinsichtlich der anzuwendenden Rechtsvorschriften zu haben.

Bettina Klett

Klett bei neuem Verlag

Foto: Avedition

Bettina Klett (51), Spross der gleichnamigen Stuttgarter Verlagsdynastie, ist neue geschäftsführende Gesellschafterin beim Architekturverlag Avedition. Gleiches gilt für Petra Kiedaisch, die den Verlag bereits zwischen 1996 bis 2011 als Geschäftsführerin leitete und zuletzt als Verlegerin in Potsdam tätig war. Anfang Februar 2014 war Avedition von Ludwigsburg in den Stuttgarter Westen umgezogen. Der Schwerpunkt der Publikationen des Verlags liegt auf Fachbüchern und Bildbänden zum Thema Architektur. wro

Ralf Mantel

Duravit mit Wellness-Chef

Foto: Duravit

Der Sanitärausstatter Duravit aus Hornberg im Schwarzwald bündelt seine Geschäfte und schafft den neuen Geschäftsbereich Wellness-Technologien. Dessen Leitung hat der Duravit-Manager Ralf Mantel (48) zum 1. April übernommen. Mantel war zuvor für das Geschäftsfeld Senso-Wash verantwortlich. Unter der Leitung des Feingeräteelektronikers und Wirtschaftsingenieurs plant Duravit, den neuen Geschäftsbereich personell weiter auszubauen. wro

Stefanie Greiner

Marbach mit Geschäftsführerin Beim Maschinenbau-Unternehmen Karl Marbach aus Heilbronn verstärkt Stefanie Greiner das Top-Management. Seit Anfang März ist die studierte Diplom-Betriebswirtin Geschäftsführerin. Greiner ist schon seit dem Jahr 1994 bei der auf Stanztechnik spezialisierten Marbach-Gruppe beschäftigt, anfangs als Personalreferentin. Später – ab 1999 – übernahm sie die Personalleitung. Als Kaufmännische Leiterin ist die Managerin seit 2009 für die Zentral-Bereiche der Marbach-Gruppe verantwortlich. Neben Neuzugang Greiner sind in der Marbach-Geschäftsführung der geschäftsführende Gesellschafter Peter Marbach sowie die beiden Geschäftsführer Bernd Klenk und Hans Masche vertreten. wro

üblicherweise an Mitarbeiter gezahlt wird, die in vergleichbarem Gewerbe tätig sind und in vergleichbarer Weise ins Ausland entsandt werden. Die Höchstarbeitszeit in Deutschland beträgt 48 Stunden pro Woche im Durchschnitt von sechs Monaten. In vielen Ländern sind andere Höchstarbeitszeiten zulässig. Im Rahmen seines Weisungsrecht ist der Arbeitgeber grundsätzlich berechtigt, eine höhere Arbeitszeit anzuweisen, wenn dies den Bedingungen im Einsatzland entspricht. Der Mitarbeiter hat dann jedoch einen Anspruch auf entsprechende Vergütung, gegebenenfalls auch einen tariflichen Mehrarbeitszuschlag, wenn er im Inland unter einen entsprechenden Tarifvertrag fällt. Sozialversicherungsrechtlich ist zunächst vom Territorialprinzip auszugehen, das heißt es gilt das Recht des Staates, auf dessen Territorium sich der Mitarbeiter befindet. Welche Sozialrechtsordnung letztlich anzuwenden ist, richtet sich nach den jeweiligen über- und zwischenstaatlichen sowie nationalen Kollisionsregeln. Im Bereich der EU gelten seit dem 1. Mai 2010 die VO (EG) Nr. 883/2004 sowie zwei Ausführungsverordnungen aus dem Jahr 2009, die VO (EWG) Nr. 987/2009 und VO (EG) Nr. 988/2009. Deutschland hat mit der Mehrzahl außereuropäischer Staaten Abkommen vereinbart, wobei der jeweilige Stand des Abkommens bei der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherungen Ausland erfragt werden kann. Begibt sich ein Mitarbeiter auf Weisung seines inländischen Arbeitgebers für einen befristeten Zeitraum ins Ausland, um dort für seinen Arbeitgeber tätig zu sein, bleibt

ARBEITSRECHTLER

Arbeiten im Ausland: Nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Arbeitgeber herausfordernd

Fotos: dpa, WiZe

Gastautor Dr. Frank Hahn ist seit 1992 Fachanwalt für Arbeitsrecht, Partner der Stuttgarter Kanzlei Kasper Knacke und Vorsitzender des Prüfungsausschusses der Rechtsanwaltskammer Stuttgart für das Fachgebiet Arbeitsrecht.


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12 Karriere

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Nicht immer nur windige Anlagen Es muss nicht unbedingt Liechtenstein sein – es gibt noch genügend Chancen, Steuern zu sparen. Besonders Vermögende haben am Kapitalmarkt gute Karten. Für Kleinanleger ist der Strauß an Möglichkeiten dagegen kleiner. Von Raimund Haser Vermögensanlage

W

ährend der Fall Uli Hoeneß und die gegen den Bayern-Boss verhängte Haftstrafe schon fast wieder in der medialen Vergessenheit versunken sind, stellt sich für Anleger noch immer die Frage, wie sich die persönliche Steuerlast legal und sinnvoll drücken lässt. Die Zeit der degressiven Abschreibungsmöglichkeiten im Immobilienbereich ist vorbei – gleiches gilt für die Attraktion legendärer Schiffs- und Medienbeteiligungen oder anderer dubioser und am Ende oft ruinöser Anlagemöglichkeiten in den 1990er- und frühen 2000erJahren. Der Rückgang nationaler Steuerbefreiungsmöglichkeiten hat offenbar die Kapitalflucht ins Ausland attraktiver gemacht – aber auch die ist jetzt wohl „Bei bestehenden erst einmal vorbei: Laut einer aktuellen Umfrage Windparks sind unter den FinanzministeVorsteuerrenditen von rien der Länder gab es zwibis zu sieben Prozent schen Januar und März 2014 bundesweit 13 500 Selbstankeine Seltenheit.“ zeigen. „Die meisten SteuerMarkus Rister, hinterzieher machten KapiDirektor bei der Privatbank IBB talerträge von Vermögen im Ausland geltend – etwa in der Schweiz oder in Liechtenstein“, heißt es in der Untersuchung. Das freut den Fiskus, denn je nach Bundesland fließen mittels Selbstanzeigen jährlich dreistellige Millionenbeträge in den Staatssäckel. Aber die Negativ-Schlagzeilen, die das Thema „Steuern sparen“ inzwischen produzieren, könnten langfristig auch eine verheerende Wirkung auf durchaus sinnvolle Steuersparmodelle haben. Und die gibt es durchaus. Denn: Der Staat nutzt Steuersparmodelle auch als Instrument, gesellschaftlich gewollte Entwicklungen voranzutreiben – um zum Beispiel neue Technologien zu fördern, die Energiewende voranzutreiben oder auch, um den Wohnungs- und Immobilienmarkt durch neue Investitionen zu entlasten.

Würde der Staat nicht bei der Finanzierung helfen, wären Windanlagen, Sozialwohnungen oder Misch-Projekte zwischen öffentlichen und privaten Geldgebern – sogenannte PPP-Projekte – oft gar nicht finanzierbar. Genau in diesen Bereichen liegen auch die Produkte, die Markus Rister, Direktor Vermögensmanagement bei der Privatbank Internationales Bankhaus Bodensee (IBB), empfiehlt, wenn es um steueroptimierte Anlagen geht. Da wäre zum Beispiel die Sachinvestition in eine bestehende Windkraftanlage: Rister rät zu getriebelosen, bereits im Betrieb befindlichen Anlagen. Ersteres, weil die Wartungskosten dann überschau- und kalkulierbar sind. Letzteres, „weil wir bei der Berechnung einer bereits in Betrieb befindlichen Anlage nicht allein von Prognosen aufgrund eines Windgutachtens ausgehen, sondern reale Zahlen haben, mit denen wir rechnen können“. Zudem erhöht der hohe Kupferanteil dieser Anlagen den Wiederverkaufswert beträchtlich. Laut Rister sind Vorsteuerrenditen von bis zu sieben, Nachsteuerrenditen von bis zu neun Prozent hier keine Seltenheit. Ein anderes Beispiel sind Sachwertinvestitionen in Gewerbeobjekte. Insbesondere im großflächigen Einzelhandel (über 800 Quadratmeter), der durch zahlungskräftige Mieter und eine gewisse Erfolgsgarantie wegen des Konkurrenzschutzes durch die Baunutzungsverordnung hohe, in der Regel sichere Renditen verspricht, sind laut Rister Renditen von bis zu 6,5 Prozent pro Jahr möglich. Der steuerpflichtige Anteil kann – abhängig von der individuellen Steuerlast des Anlegers – deutlich geringer sein und damit die Nachsteuerrendite deutlich erhöhen. Beide Varianten haben allerdings für viele einen entscheidenden Nachteil: Sie sind für größere Geldbeutel gedacht. Wer als „Normalverdiener“ nach Steueroptimierungen sucht, landet noch immer bei bekannten Modellen wie zum Beispiel offe-

nen Immobilienfonds. Die versprechen immerhin eine Nachsteuerrendite von drei bis vier Prozent und sind auch für kleinere Geldanlagen interessant. Auch wer in Geldfragen – Hoeneß hin oder her – sein Glück im Ausland sucht, wird im Fundus der steueroptimierten Anlagen nach wie vor fündig. IBB-Experte Rister nennt hier zum Beispiel die Klasse der „Closed-end-funds“, die auch in USImmobilien investieren können. Der Anleger wird hierbei zum Kommanditist und erzielt dadurch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung in den USA. Da das Doppelbesteuerungsabkommen verhindert, dass dieselben Einkünfte zweimal mit Steuer belegt werden, profitieren deutsche Anleger von dem niedrigeren Steuerniveau in den USA. Unterm Strich bleibt – nach Steuer – also mehr übrig als bei einer deutschen Immobilie. Wie immer gilt aber auch in diesen Fällen: Mehr Rendite heißt auch mehr Risiko. Und was mit amerikanischen Immobilien oder dem deutschen Energiemarkt in Zukunft passiert, ist leider ebenso wenig kalkulierbar wie die Geschäfte von Herrn Hoeneß, die ihm am Ende zwar wenig Glück, aber wenigstens zwischendurch ein gewisses Erfolgserlebnis vermittelt haben dürften.

SELBSTANZEIGEN IM SÜDWESTEN Reuige Bürger Die Zahl der Selbstanzeigen von Steuerbetrügern hat in Baden-Württemberg drastisch zugenommen. Im ersten Quartal 2014 meldeten sich laut Finanzministerium in Stuttgart 3078 Menschen bei den Behörden, um ihre Kapitalerträge aus der Schweiz und Liechtenstein nachträglich zu versteuern. Das sei ein Anstieg um 38,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewesen. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden somit 166,8 (Vorjahr: 103,1) Millionen Euro beim Fiskus nachträglich gemeldet. Das führte von Januar bis März 2014 zu geschätzten Mehreinnahmen von 47,8 Millionen Euro. lsw

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Windrad der Firma Enercon aus dem ostfriesischen Aurich: Enercon ist bekannt für getriebelose Windmühlen und kommt bundesweit auf fast 50 Prozent Marktanteil. Foto: dpa


Wirtschaft in Baden-Württemberg 13

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

„Wer teuer ist, wird geschätzt“ Für Chefs und Mitarbeiter sind Gespräche über die Bezüge ein delikates Thema. Erfolgsautor Martin Wehrle sagt: Wer sich in die Defensive drängen lässt, hat schon fast verloren.

Gehaltsverhandlungen

E

r kennt nicht nur die Abwehrstrategien der Chefs, sondern auch die Gegenargumente. Martin Wehrle ist Karriereberater und Journalist. Er hat mehrere Bücher über die Probleme zwischen Chefs und Angestellten geschrieben und bildet in Hamburg Karriere-Coachs aus.

Wann ist der beste Zeitpunkt für ein Gehaltsgespräch? Dann, wenn die meisten Kollegen eben keine Gehaltsgespräche führen – also in der ersten Jahreshälfte, nicht in der zweiten und schon gar nicht kurz vor Weihnachten – denn dann stehen alle auf der Matte des Chefs. Die Erklärung: Der Gehaltsetat ist wie ein Kuchen – je mehr Hände nach ihm greifen, desto kleiner die einzelnen Stücke. Wer sich frühzeitig ein großes Stück reserviert, handelt klüger als der Rest.

Herr Wehrle, Sie gelten als Deutschlands bekanntester Karriere- und Gehaltscoach. Sie haben mehrere Bücher geschrieben, unter anderem „Geheime Tricks für mehr Gehalt“. Zählt Leistung oder Eigenmarketing mehr? Leider das Eigenmarketing. Es ist wie bei Verraten Sie doch mal die wichtigsten. Erstens dürfen Sie in einer Verhandlung einem neuen 100-Meter-Rekord: Was nützt nicht ehrlich sein, was die Summe angeht. er, wenn niemand die Stoppuhr gedrückt Wer ein Plus von 350 Euro fordert, be- hat und es keine Zeugen gibt? Deshalb muss kommt ganz sicher eines: weniger. Darum man dafür sorgen, dass die eigene Leistung sollten Sie mehr fordern, als Sie eigentlich in der ganzen Firma bekannt wird. Zum wollen – zum Beispiel 500 Euro. Dann Beispiel, indem man sie bei Meetings darkann Ihr Chef Sie um 100 Euro runterhan- stellt, den Chef über Projekterfolge infordeln und sich auf die Schulter klopfen – miert oder auch in Fachmedien publiziert. und Sie nehmen 100 Euro mehr als geplant mit. Verhandeln funktioniert nicht logisch, Wer sollte die erste konkrete Zahl nennen? sondern psychologisch. Und ein zweiter Der Mitarbeiter. Die erste Zahl ist ein Punkt: Sie sollten immer eine Leistungs- Richtwert. Den sollte man möglichst hoch mappe mit ins Vorstellungsgespräch neh- ansetzen. Nennt der Chef dagegen eine men. Das sind ein bis drei A-4-Seiten, auf niedrige Zahl, ist es psychologisch schwiedenen Sie darlegen, wie sich Ihre Leistung rig, ihn ein gutes Stück nach oben zu hanseit der letzten Gehaltserhöhung entwi- deln. Dagegen wagt er kaum ein knickriges Angebot, wenn die Forderung ckelt hat. Haben Sie Ihre Leisselbstbewusst ist. tung ausgebaut? Mehr Ver- „Der Mitarbeiter antwortung übernommen? sollte sich immer Welche Rolle spielen VerständGeld gespart oder zusätzliches fragen: Was hat nis und Einfühlungsvermögen gebracht? Der Chef muss sefür die Gegenseite? Können Sie hen: Sie werden nicht teurer, mein Chef von mal ein Beispiel aus Chefsicht sondern sind schon in Vorleis- meiner Arbeit?“ und Mitarbeitersicht machen? tung gegangen. Martin Wehrle, Der Mitarbeiter sollte sich imGehaltscoach mer fragen: Was hat mein Chef Was sind die größten Fettnäpfvon meiner Arbeit? Seine Archen für Mitarbeiter? Dass man nur mit dem eigenen Vorteil ar- gumente sollten betonen, wie er die Abteigumentiert, zum Beispiel: „Die Mietkosten lung ihren Zielen näher bringt. Oft hängt die sind um zehn Prozent gestiegen, jetzt brau- Prämie des Chefs von diesen Zielen ab. che ich mehr Gehalt.“ Das hat nichts mit Dann liegt sein Nutzen auf der Hand. Ein der Arbeit zu tun und vermittelt die Bot- kluger Chef sollte sich die Frage stellen, ob schaft, dass der Mitarbeiter mit Geld nicht die Initiative für eine Gehaltserhöhung wirtschaften kann. Trifft das womöglich nicht von ihm selbst ausgehen sollte. Mitauch auf seinen Umgang mit dem Geld der arbeiter schätzen es sehr, wenn ein Chef Firma zu? Oder: „Mein Kollege Dieter ver- ihre Leistung sieht und sie dafür belohnt – dient 250 Euro mehr, das will ich auch.“ statt dass sie sich die Summe in einer VerWer sagt denn, dass Dieter nicht überbe- handlung erkämpfen müssen. Dann fühlt zahlt ist? Außerdem hassen es Chefs, wenn sie sich oft wie ein Schmerzensgeld an und sich Mitarbeiter über Gehälter austau- dient der Motivation nur mäßig. schen. Besser weist man diskret auf den Wie kann man sich auf ein Gehaltsgespräch eigenen „Marktwert“ hin. vorbereiten? Was ist das Schlimmste, was einem Perso- Mit der genannten Leistungsmappe. Und indem man dieses Gespräch durch ein Rolnalchef passieren kann? Dass ein guter Mitarbeiter die Firma ver- lenspiel übt. Ein Partner oder eine Partnelässt, weil er sich unterbezahlt fühlt. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch Nerven: Er muss die Stelle neu ausschreiben, Bewerbungen sortieren, Vorstellungsgespräche führen, ein hohes Einstiegsgehalt zahlen. Denn wer wechselt, will mindestens zehn bis 15 Prozent mehr. Und am Ende stellt der Chef mit Sicherheit fest: Der neue Mitarbeiter reicht, zumindest fürs Erste, nicht an die Qualität des Ausgeschiedenen heran. Gute Leute wollen gehalten und motiviert sein. Wertschätzung drückt sich auch im Gehalt aus. Welche Rolle spielt der Nasen-Faktor? Offiziell keine, aber inoffiziell eine große. Darum ist es wichtig, dass man den Chef in der Gehaltsverhandlung nicht als Gegner sieht, den es über den Tisch zu ziehen gilt. Denn wenn er Druck spürt, übt er Gegendruck aus. Besser ist es, die gemeinsamen Ziele zu betonen und in der Wir-Form zu sprechen, zum Beispiel: „Wie können wir ein Gehalt erreichen, das meine Mitarbeit in der Abteilung dauerhaft sichert?“ Das klingt eleganter und ist effektiver als eine Drohung wie: „Entweder mehr Gehalt – oder ich bin weg!“ Dann sagt der Chef nämlich: „Reisende soll man nicht aufhalten.“

Am Ende steht der Handschlag, am Anfang die richtige Strategie rin wird in die Chefrolle eingewiesen. Wie wird er argumentieren, wie auftreten? Und dann beginnt die Verhandlung. Wer zwei bis vier Runden übt, steigert seine Sicherheit enorm. Das ist wichtig, denn Chefs verhandeln täglich – während es für viele Mitarbeiter eine Ausnahmesituation ist. Mit welchen Argumenten kontern Chefs in der Regel? Damit, dass die Firma im Moment kein Geld hat. Das ist ein schlechtes Argument, denn jede Firma, sofern sie nicht insolvent ist, verfügt über Finanzmittel. Die Frage ist nur: Wo investiert sie es? Ein Mitarbeiter muss aufzeigen, dass er gerade in einer für die Firma schwierigen Situation umso wertvoller ist. Chefs weisen auch gern auf die „Gehaltsstruktur“ hin, in die eine Erhöhung angeblich nicht passt. Dann muss man als Mitarbeiter deutlich machen, dass man nur für sich verhandelt, nicht für andere. Und Leistung ist ein Argument, das in den meisten Fällen sticht. Sind Gehaltsforderungen von Führungskräften eher fördernd für die Karriere oder Karrierekiller? Eindeutig ein Karriereturbo. Man erkennt potenzielle Führungskräfte geradezu daran, dass sie früh aus den Tarifgehältern ausbrechen. Ich habe schon mehrfach er-

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MARTIN WEHRLE Werdegang Martin Wehrle ist 1970 in Löffingen im Schwarzwald geboren. Bevor er Karriereberater und Gehaltscoach wurde, arbeitete er in einem Konzern, machte dann Karriere – unter anderem auch als Buchautor. Hobby Wehrle ist leidenschaftlicher Angler. Er war stellvertretender Chefredakteur von Europas größter Anglerzeitschrift „Blinker“ und gewann

sogar die Europameisterschaft im Hechtangeln. Ansichten Geht es nach ihm, hat Angeln eine ganze Menge mit Gehaltsverhandlungen zu tun. In beiden Situationen komme es auf das richtige Timing an, und der kleinste Fehler könne alle Bemühungen zunichte machen. Apropos Gehaltsforderung: Krumme Zahlen führen laut Wehrle eher zum Erfolg. Er beruft sich auf eine Studie und nennt dafür einen einfachen Grund: „Eine Forderung von 300 Euro wirkt recht willkürlich – wer aber 325 Euro fordert, dem wird unterstellt: Sicher hat er sich was dabei gedacht und scharf kalkuliert. Das kommt eher durch“, sagt er. imf

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lebt, dass über Beförderungen diskutiert wurde und Kandidaten aus dem Rennen fielen, weil sie „ja nur Tarifgehalt“ bekamen. Sollte heißen: Bislang können sie noch keine Bäume ausgerissen haben. Welche Rolle spielt der Etat bzw. das Konjunkturumfeld bei einer Verhandlung? Eine große, sofern ein Mitarbeiter eine durchschnittliche Leistung gebracht hat – dann wird er nur seinen „regulären“ Teil des Etats bekommen. Aber eine untergeordnete Rolle, wenn jemand durch eine Spitzenleistung punkten kann. Solche Leute sind am Markt immer gefragt, auch bei schlechter Konjunkturlage. Darum steigen ihre Gehälter auch – und manchmal gerade – in schwierigen Zeiten. Was fällt Ihnen zu den Stichworten Irrenhaus und Depp ein? Meine beiden Bestseller. In „Bin ich hier der Depp?“ zeige ich auf, wie man als Arbeitnehmer sein Privatleben abgrenzen und öfter mal Nein sagen kann, ohne seine Karriereund Gehaltschancen zu mindern. Im Gegenteil: Wer alles mit sich machen lässt, scheint für Führungsaufgaben geradezu ungeeignet. Wer dagegen Interessen gut vertreten kann – auch die eigenen –, hat beste Chancen. Das Gespräch führte Imelda Flaig.

Fotos: fotolia, André Heeger


14 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | St Nr. 1 | Dienstag

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» Jürgen Schmitt Fachanwalt für Arbeitsrecht

Elektro- und Informationstechnik Ein Beruf, der fast überall gebrau

Die Zukunftsgestalter Energieeffizienz, Elektromobilität und Energiewende – Ingenieure, die an diesen Themen arbeiten, werden die Zukunft prägen. Entsprechend gut sind die Perspektiven. Von Nils Mayer

Breites Spektrum

Dr. Robert Hartmann Fachanwalt für Arbeitsrecht

Angelika Protte Fachanwältin für Familienrecht Wirtschafts- und Familienmediation

Dieter Schenk-Hellrung Fachanwalt für Arbeitsrecht, Fachanwalt für Sozialrecht

F

ossile Brennstoffe werden rar. Das sagt Heinz-Wilhelm Seegers, BerufsberaThema Elektromobilität wird ter bei der Arbeitsagentur in Stuttgart. Der Bedarf der Industrie ist derzeit so deshalb immer wichtiger. Bis 2020 sollen nach dem Wunsch der groß, dass bereits der Bachelor reicht, um Bundesregierung mindestens in Unternehmen unterkommen. Zumal es eine Million Fahrzeuge mit elektrischem nicht nur auf den Studienabschluss anAntrieb über deutsche Straßen rollen. kommt: „Viele Unternehmen achten auch Noch ist deren Reichweite allerdings ge- auf Persönlichkeit und Soft Skills“, erklärt ring, der Preis verhältnismäßig hoch. Seegers. Und Rieger sagt: „Den Daniel DüElektroingenieure konstruieren und opti- sentrieb, der alles alleine entwickelt, gibt es mieren deshalb nicht nur seit Jahren effizi- nicht mehr. Elektroingenieure sollten entere Elektromotoren, sie tüfteln zudem Teamplayer sein.“ Unternehmen wünschen sich Elektroingenieure, die gegenan Energiespeichern wie Batterien mit. Die umweltfreundliche, schadstoffarme über Kollegen aufgeschlossen sind, ihre Fortbewegung ist aber nur ein Bereich der Rolle in einer Gruppe finden und sich entvielfältigen Beschäftigungsfelder, in denen sprechend verhalten. Um in eine FühIngenieure der Elektro- und Informations- rungsposition, in die Unternehmensberatung, in die Forschung oder technik arbeiten können. Je die Lehre an der Uni gehen zu nach Spezialisierung befassen „Den Daniel können, reicht ein Bachelorsie sich mit elektrischen und Düsentrieb, Studium indes nicht aus. „Wer elektronischen Geräten, Anla- der alles alleine weit springen will, muss einen gen und Systemen sowie mit größeren Anlauf nehmen“, dem Betrieb und Manage- entwickelt, ment von Übertragungssyste- gibt es nicht mehr.“ sagt Seegers. Und das MasterStudium dranhängen. men und Kommunikations- Marius Rieger, Ein Berufseinsteiger vernetzen. „Elektroingenieure Bildungsreferent beim ZVEI dient im bundesweiten Durchsind das Herz der Industrie“, schnitt 45 000 Euro pro Jahr, sagt Marius Rieger, Referent für Bildungspolitik beim Zentralverband in Baden-Württemberg sind auch 5000 Elektrotechnik und Elektronikindus-trie Euro mehr drin. Die Aufstiegschancen für (ZVEI). Und Jörg Schulze, Studien- dekan Elektroingenieure sind blendend. „Wer als der Elektro- und Informationstechnik an Entwicklungsingenieur beginnt, muss nicht der Universität Stuttgart, formuliert: „Was als Entwicklungsingenieur aufhören“, sagt der Blutkreislauf für den menschlichen Or- Jan Egelhaaf, Elektroingenieur bei Bosch. ganismus ist, ist die Elektrotechnik für die Insbesondere in vielen größeren Unternehmen ist die Möglichkeit da, sich intern weiWirtschaft.“ Elektroingenieure sind am Puls der terzubilden und nach einigen Jahren BeTechnologie, sie gestalten die Zukunft der rufserfahrung in eine Führungsrolle zu Industrie und letztlich auch die des Ver- schlüpfen. Solch eine kann ohne oder mit brauchers. „Die Elektroindustrie ist in Personalverantwortung sein, zum Beispiel einer ständigen Entwicklung“, sagt Rieger. als Projektleiter. Um ein Projekt leiten und ein Team fühDie Themen Energiewende, Elektromobilität und Energieeffizienz sind gute Bei- ren zu können, bedarf es entsprechender spiele für die schnell wechselnden Anfor- sozialer Kompetenzen. Schließlich muss derungen. Fachleute in diesen Bereichen man selbstbewusst auftreten, Kollegen mosind gefragter denn je. „Die Arbeitsmarkt- tivieren und im Fall der Fälle auch Konfliksituation ist so gut wie nie zuvor, Absolven- te lösen können. In Mitarbeitergesprächen ten finden gewöhnlich sofort einen Job“, gilt es außerdem, ein faires und doch direk-

tes Feedback zu geben. Diese Fähigkeiten können nicht wie eine fachliche Qualifikation erworben werden, durch Weiterbildungen werden Mitarbeiter mit Führungspotenzial aber für diese Themen sensibilisiert und ihnen Tipps gegeben. Wann genau der nächste Schritt genommen wird, hängt vom Unternehmen ab. Wer bei einer mittelständischen Firma arbeitet und den nächsten Schritt auf der Karriereleiter schneller nehmen will, dem hilft oft, das Unternehmen zu wechseln. Wer in der Hierarchie ganz nach oben kommt und für Personal verantwortlich ist, kann durchaus 100 000 Euro pro Jahr einstreichen. Themenbereiche der Zukunft sind für Elektroingenieure vor allem das sogenannte Internet der Dinge, Smart Home, Erneuerbare Energien und Elektromobilität. Das verspricht jede Menge Arbeitsplätze für Elektroingenieure. Auffällig ist, dass es in dem Berufsfeld inzwischen mehr Frauen gibt – jedoch ist ihr Anteil noch immer gering. „Wir sind keine reine Männerdomäne mehr“, bestätigt Rieger vom ZVEI, „aber wir wünschen uns noch mehr Frauen.“

DIE SCHERE IST WEIT GEÖFFNET Elektroingenieure in Baden-Württemberg Angaben in Tausend Fachkräfteangebot Nachfrage

58,1 58,2

58 56,2

54

50

50,9

48,0 47,2

46 45,8

42 2005 Infografik: zap

2008

2010

2012

2014

Quelle: Ingenieurkammer Baden-Württemberg

Felix Teichmann Fachanwalt für Versicherungsrecht

Studienabbrüche verengen den Jobmarkt zusätzlich Johannes Wörner Familienrecht, Arbeitsrecht

Fast jeder zweite Elektrotechnik-Student bricht sein Studium ab – das verschärft den gravierenden Mangel an Fachkräften. In den meisten Fällen scheiterten sie bereits im ersten oder zweiten Semester an der Disziplin Höhere Mathematik. An den Universitäten haben einige auch Probleme, sich selbst zu organisieren. „Jeder musste mit einer blutigen Nase lernen, dass die Freiheit an der Universität nicht bedeutet, frei entscheiden zu können, ob man die Vorlesungen besucht oder nicht“, sagt Jörg Schulze, Studiendekan Elektro- und Informationstechnik an der Uni Stuttgart. Unter den Studienabbrechern sind aber auch junge Menschen, die die Ingenieurwissenschaft wechseln – zum Beispiel in den Bereich Maschinenbau. nim

Eliana Pollmann Fachanwältin für Arbeitsrecht

Bei den Einkommen gibt es kaum eine Obergrenze Jürgen Beneke Bankenrecht, Bau- und Immobilienrecht Friedrichstraße 5 Zeppelin Carré 70174 Stuttgart Tel. 0711 - 22 41 99 - 0 Fax 0711 - 22 41 99 - 79 Mail: kanzlei@shp-anwaltskanzlei.de

Ein Berufseinsteiger verdient im bundesweiten Durchschnitt im Jahr 45 000 Euro, in der Region liegt das Einstiegsgehalt angesichts des engen Arbeitsmarkts häufig bei 50 000 Euro. Das Gehalt eines Elektrotechnikers variiert von Branche und zu Branche. In den ersten fünf Jahren lassen sich durchaus weitere 10 000 Euro erzielen, danach entscheidet vor allem der Karriereweg über die Vergütung. Ein Elektroingenieur in leitender Funktion mit langjähriger Berufserfahrung und Personalverantwortung kann durchaus 100 000 Euro und mehr verdienen, also mehr als das Doppelte als beim Berufseinstieg. Ingenieure mit Universitätsabschluss verdienen im Schnitt sechs Prozent mehr als Ingenieure mit Fachhochschulabschluss. Ingenieure mit Promotion erhalten nochmals rund 19 Prozent mehr als andere Ingenieure von der Universität. nim


Wirtschaft in Baden-Württemberg 15

tuttgarter Nachrichten g, 6. Mai 2014

ucht wird, wo Strom und Daten fließen

E-Mobilität und Stromversorgung sind neue Jobmotoren

Der Frauenanteil unter Elektroingenieuren ist gering

Die Beschäftigungsfelder für Elektroingenieure sind vielfältig. Besonders gefragt in der Industrie sind Elektrotechniker, die sich auf nachhaltige elektrische Energieversorgung und Elektromobilität spezialisiert haben. So bietet die Leistungselektronik, die die Kapazität der Batterie möglichst lange erhalten und deren Möglichkeiten voll ausschöpfen soll, attraktive Arbeitsplätze. Wichtig ist hier wie bei anderen Tätigkeitsfeldern aber die Zusammenarbeit über einzelne Disziplinen hinweg. So spielen bei der E-Batterie auch Elektrochemiker eine wichtige Rolle. Auch in der Automatisierungstechnik ist der Bedarf groß. „Es gibt ein Riesenspektrum an Jobs“, sagt Heinz Wilhelm Seegers, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Stuttgart. Schwerpunkte können Die Energiewende bringt Jobs für Ingenieure. sein: Mess-, Steuer und Regeltechnik; Konstruktion, Automatisierungstechnik, wissenschaftliche Forschung, Medizintechnik, Qualitätsmanagement; Projektmanagement, Produktionsplanung und -steuerung, Service und Inbetriebnahme, technischer Vertrieb, Sachverständigentätigkeit, Optoelektronik und Mechatronik. Zu den großen industriellen Arbeitgebern in der Region Stuttgart zählen Bosch, Daimler, EnBW, Festo, Porsche, Trumpf, Kärcher und Bertrandt. 2079 Ingenieure der Elektrotechnik waren zum Stichtag 28. Februar 2014 bei den Arbeitsagenturen als arbeitslos gemeldet gewesen – und damit weniger, als es offene Stellen gibt: Am selben Stichtag waren 2099 Stellen für Elektrotechnikingenieure offen. Die genannten Zahlen geben allerdings nur teilweise Einblick in die Lage auf dem Arbeitsmarkt, da viele Stellen ohne die Arbeitsagenturen gesucht und besetzt werden. nim

Fast 106 000 Studenten haben sich zum Wintersemester 2013/2014 für Ingenieurwissenschaften eingeschrieben. Davon entschieden sich knapp 19 000 – darunter etwa 2500 Frauen – für den Fachbereich Elektrotechnik. Der Frauenanteil lag bei etwa dreizehn Prozent. Diese Zahlen meldet das Statistische Bundesamt. Die meisten der Bachelor-Erstsemester sind Abiturienten oder Fachhochschulabsolventen. Es gibt aber auch staatlich geprüfte Meister und Techniker der Elektrotechnik, die mit einem Studium ihre theoretischen Kenntnisse noch vertiefen oder sich spezialisieren wollen. „Das ist aber nur ein ganz kleiner Teil“, erklärt Jutta Dietrich, Beraterin für Abiturienten und Studienanfänger bei der Agentur für Arbeit. Gut 1600 Studenten sind an der Uni Stuttgart für Elektro- und Informationstechnik eingeschrieben. 300 Studierende sind es an der Dualen Hochschule in Stuttgart. An der Fachhochschule Esslingen, Standort Göppingen, sind mehr als 800 junge Menschen der Fakultät Mechatronik und Elektrotechnik zugeordnet – darunter gut 40 Prozent dem Fach Elektrotechnik. nim

Pomellato: Ringe „Nudo 2014“, 750 Weißgold, Farbstein und Brillanten

Bulgari: Ring „Bzero1“, 750 Roségold mit Keramik Foto: dpa

Kollektion von Hofen: Ohrhänger 750 Weißgold, Blautopase und Brillanten

Einst Tüftler, heute Führungskraft

Odenwald: Ringe „Tango“, 750 Gold und Saire

Jan Egelhaaf (43) ist ein Aufsteiger – er hat es vom Entwicklungsingenieur zum Projektleiter geschafft. Von Nils Mayer

Porträt

E

Hat gut lachen: Der Elektroingenieur Jan Egelhaaf hat sich beim Technologiekonzern Bosch zum Projektleiter entwickelt. Fotos: Jan Reich, fotolia

in Auto, das auf Knopfdruck von al- Automobilelektronik. Als Teil eines Teams lein in die Garage einparkt – also ganz tüftelte er an Multimedia-Display-Systeohne Fahrer –, gibt es noch nicht. men mit den Schwerpunkten Nachtsicht Aber womöglich schon bald. Jan Egelhaaf und Geschwindigkeitsanzeige – mit Erfolg: und sein siebenköpfiges Team tüfteln gera- der Elektroingenieur aus Gerlingen meldede daran. Egelhaaf ist einer von 48 000 te in den ersten sieben Jahren rund 20 PaElektroingenieuren in Baden-Württem- tente an. Schnell wurde ihm jedoch klar, berg – und inzwischen Projektleiter in der dass das erfolgreiche Entwickeln allein auf Entwicklung von Park- und Manövrieras- Dauer nicht reicht, um weiterzukommen. sistenten für Autos beim Technologie- und Er nahm firmeninterne WeiterbildungsanDienstleistungskonzern Bosch. „Wir wol- gebote an und wurde 2004 in ein Förderlen das Fahren sicherer machen und das programm von Bosch aufgenommen. Bei Einparken erleichtern“, sagt diesen werden Angestellte der 43-Jährige über seinen „Fachlich gut zu fachübergreifend in zwei bis Aufgabenbereich, der ihn sehr sein, reicht vier Jahren auf eine weiterzufriedenstellt. Denn: „Ich allein nicht aus, führende Aufgabe als Fachwollte schon immer etwas oder Führungskraft vorbereientwickeln, das den Men- um nach oben tet. „Soft Skills wie Kommunischen hilft.“ kation im Team oder Konfliktzu kommen.“ Bereits als Kind habe ihn Jan Egelhaaf management habe ich erst bei Technik fasziniert. Deshalb Projektleiter bei Bosch Bosch gelernt. Als Führungssei für ihn früh klar gewesen, kraft braucht man die – fachdass er einen technischen lich gut zu sein, reicht allein Studiengang wählen würde. Und das, ob- nicht, um nach oben zu kommen“, sagt wohl die Zukunftsaussichten nicht so rosig Egelhaaf. waren wie heute. „Als ich mit meinem Stu2008 trat er den Posten als Projektleiter dium angefangen habe, hatte es geheißen, in der Entwicklung von Park- und Manöves gibt genügend Elektroingenieure. Ich rierassistenten an. Seither tüftelt er nicht solle doch lieber BWL studieren“, erinnert mehr selbst an Dingen, sondern leitet ein er sich. Egelhaaf trotzte den Empfehlun- Prozessverbesserungs-Team mit sieben gen und entschied sich für die Elektro- Mitarbeitern am Standort Leonberg. Das und Informationstechnik. Von 1990 bis bedeutet: er gibt seiner Mannschaft die 1996 baute er an der Uni Stuttgart an sei- Rahmenbedingungen vor, organisiert und nem Diplom. Dort promovierte er an- überwacht das Gesamtsystem und berichschließend auch am Institut für System- tet regelmäßig an einen Bereichsleiter. theorie, bis 2001. „Mein Aufgabenfeld hat sich verändert, die Danach ging er zu Bosch. Zunächst Liebe zur Technik ist aber geblieben“, sagt arbeitete er als Entwicklungsingenieur für er. Der Bereich, zu dem sein Team gehört, entwickelt Soft- und Hardware, die den Fahrkomfort und die Verkehrssicherheit erhöhen. Zum Beispiel Tote-Winkel-Assistenten und Einparkhilfen. Rund 400 Kollegen aus den USA, Indien, China, Ungarn und Deutschland greifen auf die Resultate von Egelhaafs Projektteams zu. Derzeit ist Jan Egelhaaf glücklich mit seinem Job. Eine weitere Veränderung schließt er aber nicht aus – zum Beispiel den Sprung in einen anderen Fachbereich oder in eine Führungsposition als Abteilungsleiter: „Als Elektroingenieur muss man immer offen für Neues sein“, sagt er und lacht.

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Kollektion von Hofen: Ring, 750 Weißgold mit Brillanten 3,5 ct und Paraiba Turmalin 5,8 ct

Dodo: Kette Roségold, Anhänger „Kleeblatt“ mit Tsavorithen, „Marienkäfer“ mit Emaille

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16 Karriere

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Die Rätsel des Steuerrechts entwirren Diese Ausbildung an der Hochschule Aalen verläuft zweigleisig und bringt zwei Titel. Parallel zum akademischen Grad eines Masters of Arts erlangen Studierende nach erfolgreicher Prüfung auch den Abschluss als Steuerberater. Von Imelda Flaig

Taxmaster-Studiengang

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raue Theorie ist seine Sache nicht, dafür ist das Thema Steuern viel zu spannend. Markus Peter, Studiendekan und Professor an der Hochschule Aalen, ist seit 2004 Steuerberater und rückt gleich mal Klischees zurecht, auch wenn viele Studienanfänger mit dem Beruf des Steuerberaters immer noch Ärmelschoner und Buchhalterklappe assoziierten, wie er sagt. Doch weit gefehlt. Gefragt seien Ideen und Kreativität. Mandanten wollten schließlich eine Beratung haben, sagt der Steuerexperte. Die Absolventen des Studiengangs Taxmaster sollen keine Steuerdeklarierer, sondern -berater werden. Das Gestalterische im Rahmen der Gesetze ist Peter wichtig, ebenso auch, dass man Gesetze kritisch hinterfrage. Als leidenschaftlicher Kirchenmusiker liebt er nicht nur die kreativen Momente in der Musik. Er schafft es auch, Kreativität in seine berufliche Tätig-

„Schon im ersten Studienjahr erhalten die Studierenden das, was sie in der Praxis zu einem wertvollen Mitarbeiter macht“ Studiendekan Markus Peter

keit hinüberzuretten, indem er sich unter anderem aktiv an der Fortentwicklung des Steuerrechts beteiligt. Seit 2007 ist Peter Professor im Studiengang Internationale Betriebswirtschaft an der Hochschule Aalen sowie Partner bei SPS Spohn Peer Steuerberater in Offenburg und auch Gutachter beim Deutschen wissenschaftlichen Institut der Steuerberater. Große Steuerberatungsgesellschaften investierten viel Geld in die Ausbildung eines Berufsanfängers, um diesen für den Beruf einsatzfähig zu machen, sagt Peter und spricht von „Employability“. Die Umstellung von Diplom- auf Bachelor- und Masterstudiengänge habe diese Employability nicht gerade verbessert. Daher die Idee, die Steuerberaterprüfung in ein wissenschaftlich anspruchsvolles Studium einzubetten. „Um kritisch denkende Steuerberaterpersönlichkeiten auszubilden, die mehr können als Gesetze und Richtlinien beachten“, beschreibt Peter den Taxmaster-Studiengang. „Lizenz zum Beraten“, nennt er es salopp. Steuern vergleicht er gerne mit einem Rubik-Würfel. „Wenn Sie an einer Seite drehen, passt nichts mehr zusammen“, sagt Peter. „Wir wollen den Studierenden den richtigen Werkzeugkoffer für ihre Mandanten mitgeben“, sagt er. Im Jahr 2010 hat die Hochschule Aalen zusammen mit der Steuerfachschule Dr. Endriss den berufsbegleitenden Masterstudiengang mit Schwerpunkt Steuerrecht entwickelt. Das siebensemestrige Master-

studium integriert die Vorbereitung auf das Berufsexamen des Steuerberaters und schließt zudem mit dem Master of Arts ab. Das Studium vermittelt berufsbegleitend das für die Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung erforderliche Wissen und macht gleichzeitig fit für die steuerliche Beratungspraxis. „Schon im ersten Studienjahr erhalten die Studierenden das, was sie in der Praxis zu einem wertvollen Mitarbeiter macht“, beschreibt es Peter. Studenten müssen sich mit anonymisierten Praxisfällen auseinandersetzen. Es geht um den richtigen Aufbau und das Verfassen von steuerlichen Stellungnahmen, Einsprüchen oder Klageschriften, um Fragen rund um Investitionen, Finanzierung oder die Wahl der richtigen Rechtsform sowie Optimierungsfragen unter steuerlichen Gesichtspunkten. Im zweiten Studienjahr startet die Vorbereitung auf das Berufsexamen zum Steuerberater. Nach der schriftlichen Steuerberaterprüfung folgt im dritten Studienjahr das „akademi- Dreht man sche Sahnehäubchen“, weil Aspekte ver- am Zauberwürfel, tieft werden, die bei der Examensvorberei- passt nichts mehr. Ähnlich ist es bei den Steuern. tung zu kurz kommen. Da geht es beispielsweise um internatio- Wird an einer Stelle optimiert, nales Steuerrecht und die Königsdisziplin passt es an anderer Stelle nicht mehr. Steuergestaltung – Themen, die weit über Fotos: tarborotimes.com, Christian Rieger das Erstellen von Steuererklärungen und Illustration: Oliver Biwer Jahresabschlüssen hinausgehen. Im Anschluss an die mündliche Prüfung wird dann die Masterarbeit geschrieben. Reisen zu Lehrgängen halten sich für die Peter als fairen Preis. Berücksichtige man, – diesmal sind es 110 Studierende. Die Studierenden in Grenzen, sagt Peter, da das dass die Vorbereitungslehrgänge im Klientel ist unterschiedlich – das reicht Studium bundesweit an verschiedenen Gegenwert von mehr als 7500 Euro enthal- vom Hochschulabsolventen über den JuStandorten angeboten wird – darunter bei- ten seien, koste der Master weniger als risten bis zum Finanzwirt. Der Taxmaster sei über das Steuerberaspielsweise Hamburg, Frankfurt, Köln, 8500 Euro zusätzlich. Das Interesse ist groß. Im ersten Tax- terwissen hinaus imstande, betriebswirtStuttgart und München. Weitere Standorte sind für das kommende Jahr in Planung. master-Jahrgang 2010 haben sich 35 Stu- schaftlich zu handeln und verfüge über dierende angemeldet. Schon im mehr Beratungs- und GestaltungskompeWer sich für den Taxmaster entscheide, Jahr darauf waren es deut- tenz im Steuerrecht als reine Steuerberater, komme schneller voran, sagt der Studienlich mehr. Mittlerweile hat lobt Peter die Vorzüge. Ein „Spaziergang“ dekan, weil die Ausbildung zweigleisig gerade der fünfte Jahrgang sei das Studium allerdings nicht, sagt er. verlaufe. mit dem Studium begonnen Denn am Pauken komme man nicht vorbei. Viele Studierende, die einen steuerberatenden Beruf anstrebten, stünden nach ihrem Bachelor-Abschluss vor der STUDIENGANG TAXMASTER Frage: arbeiten oder weiterstudieSchwerpunkt Steuerlehre, tätige, die über einen solchen ren? Wagt man den BerufseinSteuerrecht Abschluss verfügen. stieg und strebt nach drei JahZwei Abschlüsse Steuerberater, Partner Die Hochschule Aalen, ren das Berufsexamen zum Master of Arts in Taxation die mit rund 4000 Studierenden Steuerberater an? Oder Studiendauer Sieben Semester eine der größeren und derzeit die schließt man an den Bachelor– etwa 3,5 Jahre forschungsstärkste Hochschule Abschluss noch einen MasterStudienform Berufsbegleitenfür angewandte Wissenschaften Studiengang an und startet des Studium Baden-Württembergs ist. Die dann in den Beruf? Studienbeginn Jeweils zum Steuer-Fachschule Dr. Endriss, die Beim Taxmaster müsse Sommersemester mit mehr als 9000 Teilnehmenden man keine Entweder-odereines Jahres (1. April) die größte bundesdeutsche Entscheidung treffen, sonBewerbung Bis 1. März Spezialschule im Steuer- und dern erlange in 3,5 Jahren eines Jahres Rechnungswesen ist. Gegründet die beiden begehrten AbVoraussetzungen Hochschulabwurde sie 1950. schlüsse Master of Arts und schluss (FH/Uni), Schwerpunkt Steuerberater. Die Kosten Markus Peter, geboren 1973 in Offen// Weitere Informationen unter Rechts- oder Wirtschaftswissenvon 15 500 Euro für die burg, ist Steuerberater und www.taxmaster.de Studiengang bezeichnet Studiendekan an der Hochschule Aalen schafen. Zielgruppe sind Berufs-

Wegweisendes Personalmarketing aus Tradition Als dynamisches und zukunftsorientiertes Unternehmen entwickeln wir schon seit Jahrzehnten erfolgreiche Konzepte für die Zukunft. Solide und gründlich wie die schwäbische Kehrwoche lassen wir dabei keine erfolgversprechende Neuerung aus — wissen aber auch, wann Entwicklungen ins Leere laufen. Als eine der größten Fachagenturen für Personalmarketing betreuen wir seit 1967 unsere Kunden im gesamten Bundesgebiet mit unserem Rundum-Paket. Neben klassischer Personalwerbung im Stellenteil von Tageszeitungen und Anzeigenblättern sind wir als Pionier im Bereich der Online-Kombinationen auch seit vielen Jahren der Ansprechpartner für sämtliche Jobbörsen im Internet — und zwar international. Doch damit nicht genug. Wir sind anspruchsvoll und nehmen den Personalbedarf unserer Kunden ernst. An unserem größten Standort in der Landeshauptstadt Stuttgart haben wir über die Jahre stets unsere Hausaufgaben gemacht und uns so zum bevorzugten Dienstleister für umfassende Personalmarketing-Lösungen gemausert. Dabei kam uns eine schwäbische Tugend zugute — die Sparsamkeit.

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Karriere 17

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Dass alle an einem Strang ziehen, wünscht sich jeder Chef – ob es so kommt, liegt auch an ihm.

Foto: fotolia

Eine Frage des Vertrauens Wenn Mitarbeiter die Lust an der Arbeit verlieren, hat oft auch die Führungsebene versagt. Doch Experten raten von Motivationstricks ab. Wer es schafft, den inneren Antrieb der Mitarbeiter nicht zu schwächen, hat bereits viel erreicht. Von Stefanie Köhler

Motivation

positiven Selbstbild passen, aus. Sie stehen schließlich schon genügend unter Druck. Jedoch merken das die Mitarbeiter, die ernst genommen werden wollen. „Menschen haben feine Antennen“, sagt Hossiep. Ob eine Führungskraft ihnen wirklich etwas zutraut oder das Lob ein Lippenbekenntnis ist, bleibt ihnen nicht verborgen. „Wort und Tat müssen zusammenpassen. Die Schlüssel zur Führung sind Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Aufrichtigkeit und Respekt“, so Hossiep. Dazu zählen Lob wie Kritik. Selbst Manager brauchen beides. „Der Trick bei gelungener Führung: Sie ist daran zu erkennen, dass es keinen Trick gibt.“ Die Krux dabei: Mitarbeiter verschweigen, dass sie die Maske durchschaut haben. „Sie simulieren Gefolgschaft, Leistungsbereitschaft und Zufriedenheit“, sagt Hossiep. In Internet-Foren und Studien lassen sie ihren Frust ab – und kündigen bei nächster Gelegenheit. Das gelte für viele Mitarbeiter, besonders in großen Firmen.

Anreize wie mehr Geld, Bonuszahlun- sätzlich betrachten viele die Arbeit als ein gen, Laptops oder Dienstwagen halten die notwendiges Übel, nicht als Lebensinhalt. Experten für wenig sinnvoll, wenn nicht für „Der Mensch arbeitet, damit er etwas bekontraproduktiv. Sie hemmen den Eigen- kommt.“ Dabei steigt er in seinen Bedürfnisebenen auf. Ist die unterste antrieb der Mitarbeiter und abgedeckt, will er am Arbeitsdemotivieren diejenigen, die „Manager müssen platz gute Beziehungen und leer ausgehen. „Solche Dinge die Weltsicht soziale Anerkennung erleben. sind Standards, die man schon des Schwächeren Danach folgt das Bedürfnis beim Vorstellungsgespräch nach Mitgestaltung und Miterfährt“, sagt Coaching-Ex- kennen lernen.“ sprache, etwa bei den Arbeitspertin Weber. Geld sei höchs- Heinrich Wottawa zeiten, bis hin zu mehr Mögtens für Menschen wichtig, die Wirtschaftspsychologe lichkeiten zur Selbstverwirkliwenig verdienen. Bei kompetenten Fachkräften müsse das Gehalt im chung. „Dafür sind Freiräume nötig“, sagt Vergleich zu dem der Kollegen stimmen. Wottawa. Andernfalls wird der Mitarbeiter Hossiep formuliert das so: „Eine schlechte unzufrieden. Diese Dynamik erfordere FührungsBezahlung macht die Leute unzufrieden. Eine gute Bezahlung stellt sie nicht auto- kräfte, die sensibel sind für die verschiedenen Kulturen, Ziele und Wünsche der Mitmatisch zufrieden.“ Aus Sicht des Wirtschaftspsychologen arbeiter. „Manager leben in einer spezielHeinrich Wottawa gehören Geld und len Welt. Sie haben Macht und gehen gern Sicherheit zur sogenannten untersten von sich aus. Doch sie müssen die Weltsicht Bedürfnisebene eines Menschen. Grund- des Schwächeren kennen lernen.“

www.sechzighundert.de

N

icht immer liegt es an der Firma, oft ist auch der Chef schuld: Mitarbeiter bewerben sich wegen des Unternehmens, kündigen aber wegen des Chefs. Petra Weber, Führungsexpertin und Chefin des Coachingzentrums Heidelberg, weiß schon gar nicht mehr, wie oft Sätze wie dieser ihr über die Lippen gegangen sind. Mitarbeiter hingegen wüssten häufig nicht, was ihr Unternehmen von ihnen erwartet. Das liege daran, dass Manager ihre Führungsaufgaben zu oft zugunsten von Fach- und Sachaufgaben vernachlässigen, sagt Weber. „Wer keine Zeit für Mitarbeitergespräche hat, der hat keine Zeit für die wesentlichen Aufgaben.“ Doch Mitarbeiter benötigten eine Rückmeldung ebenso wie Wertschätzung und Anerkennung für ihre Arbeit. Und sie müssen entsprechend ihrer Talente gefordert und gefördert werden. „Die Rahmenbedingungen müssen so geschaffen sein, dass sie die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter halten“, sagt Weber. „Leistungsmotivierte Mitarbeiter wollen sich einsetzen und packen an.“ Der Führungsexperte Reinhold K. Sprenger drückt sich radikal aus. „Mitarbeiter, für die Manager keine Zeit haben, sind bereits abgewählt.“ An der Stelle muss der Mitarbeiter sich fragen, ob er in einem Unternehmen, das ihn und seine Arbeitskraft nicht würdigt, überhaupt arbeiten will. „Führungskräfte müssen ein Klima schaffen, in ERST KRANK, DANN WEG dem Mitarbeiter ungefragt kommen und sagen können, Indikator Krankheitsrate Jeder vierte was sie stört“, sagt Sprenger. Arbeitnehmer hat laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Gallup in- Der physische Kontakt sei nerlich gekündigt. Experten halten von ein wichtiges menschliches Bedürfnis und vermittle solchen Studien wenig. Sie kritisieren etwa die Fragen. Für Führungsexpertin Wertschätzung. Aus SprenPetra Weber ist eine hohe Krankheits- gers Sicht sind Führungskräfte aber nicht dazu da, rate ein Indikator für Missstände. Bei Mitarbeiter zu motivieren. einem Test von Volkswagen wurden Jeder könne nur sich selbst Führungskräfte mit hohem Krankenstand in ihrer Abteilung in Abteilungen motivieren – und es sei mit niedrigem Krankenstand versetzt. schon viel erreicht, wenn Führungskräfte diese EigenEin Jahr später hatten die Manager in der neuen Abteilung wieder „ihren“ motivation nicht beschädigen. alten hohen Krankenstand erreicht. Rüdiger Hossiep, WirtTeure Fluktuation Auf Krankheit folgt schaftspsychologe der RuhrUniversität Bochum, sagt, Fluktuation. Die Kosten für die Wiedass Motivation von beiden derbesetzung einer Stelle werden je Seiten kommen muss. „Der nach Position auf 50 bis 200 Prozent Quell für Arbeitsfreude liegt des Jahresgehaltes geschätzt. Auch in der Person selbst.“ Zudem geht Wissen verloren. sk müsse ein Mitarbeiter seine Bedürfnisse kennen. Hossiep räumt ein: „Führungskräfte sind mehr denn je mit vielen weit hergeholten Ansprüchen konfrontiert. Der Chef soll etwa dafür sorgen, dass die Arbeit allen immer Spaß macht.“ In einem Dialog müsse die Führungskraft klären, was jemanden daran hindert, sich einzubringen. Einfach so entsteht ein Dialog aber nicht. Als Trainer für Führungskräfte erlebt Hossiep, dass die Tür zwar vermeintlich offen steht, aber trotzdem kein Mitarbeiter kommt. Schuld sei eine Diskrepanz, wie Führungskräfte sich sehen und wie sie von ihren Mitarbeitern gesehen werden. „Führungskräfte sind heute so wenig selbstkritisch wie nie“, sagt Hossiep. „Sie sind häufig glühende Verehrer ihrer selbst.“ Aus reinem Selbstschutz und meist unbewusst blendeten sie negative Informationen oder Aspekte, die nicht zu ihrem

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In Stuttgart daheim, global zuhause. HAVER & MAILÄNDER Rechtsanwälte ist eine der wenigen unabhängigen deutschen und international aufgestellten Wirtschaftskanzleien mit Hauptstandort in Stuttgart. Im kommenden Jahr 2015 feiern wir unser 50-jähriges Bestehen. Traditionell beraten wir Unternehmen und Unternehmer in allen Bereichen des nationalen und internationalen Wirtschaftsrechts. Unser Team von 30 Anwälten/-innen berät individuell und zielorientiert, international sind wir weltweit vernetzt. Das stetige Wachstum unserer Kanzlei beruht gleichermaßen auf der Zufriedenheit unserer Mandanten wie auch unseres anwaltlichen Nachwuchses. Mittelstand und Großunternehmen: beide wollen Lösungen – schnell, maßgeschneidert und aufwandsgerecht – dafür stehen wir, darauf können Sie sich verlassen. Weil wir gerne – auch für Sie – Recht haben und es durchsetzen.

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18 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Bei Reisen gibt eine Frau den Ton an

Persönliches

Sie steht an der Spitze von Europas größter Reiseverlagsgruppe Mairdumont in Ostfildern. Stephanie Mair-Huydts möchte, dass die Leute mit Hilfe der Reisetipps aus ihrem Haus einen schönen Urlaub haben. Von Imelda Flaig

Job in Wirtschaftsvereinigung

Mairdumont

ist Verlegerin mit Leib und Seele. Im Fragebogen verrät sie unter anderem, wer ihr Vorbild ist und von wem sie Kritik einstecken kann. Von Imelda Flaig

Wolfgang Bernhard, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, ist neues Präsidiumsmitglied der Wirtschaftsvereinigung Deutsches Verkehrsforum (DFV). Neben Bernhard rückten auch der IBM-Manager Ivo Körner sowie Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe, in das Gremium auf. Bernhard nimmt im DFV die Stelle vom Ex-Daimler-Vorstand Andreas Renschler ein, der zum VW-Konzern wechselt. wro

Was macht einen guten Chef aus

Michael Gutjahr

Ausgefragt

Foto: dpa

Familienmensch und Pippi-Fan

?

Ein guter Chef muss vor allem glau bwü und sich und andere dafür begeistern rdig und authentisch sein. Er sollte seine Ziele gradlinig verfolgen können.

Und welche Eigenschaften davon

haben Sie?

Ich liebe meine Verlegertätigkeit seh Team für unsere gemeinsamen Ide r. Ich hoffe, dass ich mit dieser Begeisterungsfähigkeit auch das gesamte en anstecken kann.

Wie kommt man so weit wie Sie? Indem man das tut, was einem Freude macht. Ich habe das große Glück, das Neigung meist zusammenfallen. s bei mir Pflicht und

Welche Rolle spielte Glück bei Ihr

er Karriere?

Eine sehr große. Ich bin meinen Elte wie ich es konnte und in diese Familiern sehr dankbar und der Tatsache, dass ich so aufwachsen durfte, getroffen zu haben, der mich immer hineingeboren wurde. Ich hatte zudem das große Glück, meinen Man unterstützt. n

Haben Sie Vorbilder?

Michael Gutjahr ist neuer Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Wüstenrot & Württembergische. Der 57-Jährige folgt auf Jan Martin Wicke (45), der zum 30. April ausscheidet. Wicke wechselt in den Vorstand der Hannoveraner Talanx AG. Gutjahr arbeitet seit 1988 bei der heutigen Württembergischen Lebensversicherung. Der studierte Mathematiker war sowohl Vorstand der Leonberger als auch der Wüstenrot Bausparkasse. wro

Bertram Staudenmaier

mein großes Vorbild. Sie ist bärenstark

Was ist typisch für Ihren Arbeits alltag?

Neuer Voith-Paper-Chef und hat ein ganz großes Herz.

Er ist lang und mit vielen Meetings gesp lich – von Fragen, wie sich der Reisefü ickt. Die Themen, die ich auf dem Tisch habe, sind sehr unterschied hrermarkt entwickelt, über Busines von neuen Reiseführern. spläne bis zu Coverentscheidungen

Was würden Sie heute anders ma

chen?

Von wem können Sie am ehesten

Foto: Voith

Eigentlich nichts.

Kritik einstecken?

wenn dies die härteste und direktes te ist.

Womit können Kollegen Sie nerven Mit zu langen Meetings, bei denen

Bertram Staudenmaier wird Anfang Juli neuer Vorsitzender der Geschäftsführung des Konzernbereichs Paper beim Heidenheimer Anlagenbauer Voith. Staudenmaier folgt Hans-Peter Sollinger nach, der nach 32 Jahren bei Voith ausscheidet. Der neue Voith-PaperChef Staudenmaier stammt aus der Region Heidenheim und hat einen Großteil seines Berufslebens in der Papierindustrie verbracht. Seine Karriere begann bei den Heidenheimer Gummiwerken Becker. wro

?

zu viel geschwätzt wird und zu wen

ig rauskommt.

Und umgekehrt?

Sylvia Pilarsky-Grosch

Rücktritt nach einem Jahr

Dass ich ungeduldig werde und imm er wieder mal frage, was es kostet und günstiger machen könnte. ob man es nicht

Was raten Sie Berufsanfängern? Vor allem etwas zu tun, für das sie sich Freizeit. Und keine Scheu zu haben, begeistern können. Dann ist die Arbeit quasi desto besser. Das gibt neue Perspektivhinauszuziehen und die Welt zu erkunden. Je früher, en und relativiert einige Befindlich keiten.

Was macht Sie leistungsfähig?

Meine Familie. Unsere gemeinsame viel Kraft. Wenn ich dann noch gen n Abendessen und Wochenenden geben mir unendlich kann ich meinen Bedarf an Energie ügend Zeit für meinen Waldlauf und Klavierspielen habe, tanken.

Nach nur einem Jahr an der Spitze des Bundesverbands Windenergie (BWE) hat Sylvia Pilarsky-Grosch ihr Präsidentenamt Anfang April niedergelegt. Persönliche Gründe hätten sie zu diesem Schritt bewogen, hieß es von Seiten des Verbands. Vor ihrem Spitzenamt beim BWE war die Mutter zweier Töchter Mitglied des Landesvorstands des BUND Baden-Württemberg. Nachfolger der aus Bad Krozingen im Schwarzwald stammenden Juristin beim BWE wird Hermann Albers, der den Verband bereits zwischen 2007 und 2013 anführte. wro Foto: dpa

Ja, seit jeher ist Pippi Langstrumpf

Von meinen beiden Kindern – auch

Neuer Finanzer bei W&W

Foto: W&W

Ste pha nie Mai r-H uyd ts

Andreas Hermann

Lapp mit neuem Finanzprofi Verlagschefin Stephanie Mair-Huydts setzt auf reisefreudige Zeitgenossen. Weil deren Ansprüche steigen, werden Informationen immer wichtiger. Dabei nutzen die Leute sowohl Gedrucktes als auch Digitales – je nach Situation.

Foto: Günter E. Bergmann

Foto: dpa

Andreas Hermann ist neuer Finanzvorstand des Stuttgarter Kabel-Herstellers Lapp. Zuvor war der 45-Jährige in ähnlichen Positionen bei mehreren großen familiengeführten Unternehmen in BadenWürttemberg beschäftigt. Unter anderen verantwortete er beim Schopflocher Maschinenbauer Homag und beim Freudenstädter Solar-Maschinenbauer Gebr. Schmid die Finanzen im Vorstand. Man habe einen Finanzfachmann gefunden „der versteht, wie Familienunternehmen denken und handeln“, sagte Lapp-Chef Andreas Lapp. wro

CHEFIN IM FAMILIENUNTERNEHMEN Die Familie Mairdumont ist ein Familienunternehmen in der dritten Generation. Seinen Ursprung hat es in dem 1948 von Stephanie Mair-Huydts’ Großvater Kurt Mair gegründeten Kartographischen Institut. Mair-Huydts (51) ist seit fast 25 Jahren im Unternehmen und Anfang 2010 zur Sprecherin der Geschäftsführung aufgerückt. Sie leitet die Verlage. Ihr Bruder Frank (46) ist auch in der Geschäftsführung und verantwortet den Bereich Digitales. Vater Volkmar Mair (82) ist Verwaltungsratsvorsitzender. Die Marken Zur MairdumontGruppe gehören unter anderem

die Reiseführer Dumont (steht für individuelle Kultiviertheit), Marco Polo (konzentriertes Erleben) und Baedeker (intelligentes Wissen), aber auch Falk-Stadtpläne oder beispielsweise der österreichische Kartenverlag Kompass. Künftig soll auch das Segment Reiseberichte abgedeckt werden – über die Serie Dumont Reiseabenteuer. Es gibt auch Reisefernsehen auf Abruf: Marco Polo TV sendet in den Pay-TV Sendern Kabelkiosk und Telekom Entertain. Die Kennzahlen 2013 lag der Umsatz der Verlagsgruppe bei rund 100 Millionen Euro und damit etwas geringer als geplant. Die Zahl der Mitarbeiter sank leicht von 420 auf 400, was vor allem mit Rückgängen in der Kartografie zu tun hat. imf

Marion Oker

IHK-Bezirk mit neuer Frau Marion Oker ist zur neuen Leitenden Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer im Bezirk Böblingen gewählt worden. Sie übernimmt ab Januar 2015 die Nachfolge von Walter Kübler, der in den Ruhestand geht. Die 38-jährige DiplomVolkswirtin war vorher Bereichsleiterin International und Geschäftsführerin des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Würzburg-Schweinfurt. Nach dem Studium an der Universität Heidelberg war sie im Stab der Hauptgeschäftsführung der IHK Koblenz. wro Foto: IHK

S

ie ist offen und direkt, lacht gern und viel. Von Managerallüren hält die Frau im Chefsessel nichts. Sie liebt ihren Job und baut mit immer neuen Ideen die Marktführerschaft der Verlagsgruppe aus. Erst im Februar 2014 ist Mairdumont in China offiziell an den Start gegangen. Kein leichtes Unterfangen für ein Familienunternehmen. Doch davon ließ sich Stephanie Mair-Huydts nicht abschrecken. Schließlich gibt keine Nation so viel Geld fürs Reisen aus wie die Chinesen, die mittlerweile sogar die Deutschen als Reiseweltmeister abgelöst haben. Mair-Huydts ist Unternehmerin mit Leib und Seele. Doch auch Zeit für die Familie ist der Mutter zweier Teenager wichtig – egal ob beim Abendessen, an den Wochenenden oder bei gemeinsamen Reisen. Sie hat auch zahlreiche Ehrenämter, die sie aber sorgfältig auswählt. Denn wenn sie sich engagiert, dann mit Herzblut. Die unternehmerische Verantwortung ist ihr wichtig, deshalb unterstützt Mairdumont auch ein Dritte-Welt-Projekt in Afrika. Dabei geht es um die Schulernährung von 400 Schülern eines Dorfes in Angola. Auf diese Weise wird erreicht, dass die Kinder überhaupt in die Schule gehen. Erst im April ist Mair-Huydts nach Angola gereist, um sich das Projekt anzuschauen. Die Karriere als Verlegerin war ihr keineswegs in die Wiege gelegt, auch wenn sie ausgerechnet am Welttag des Buches Geburtstag hat. Nach dem Abitur studierte sie Betriebswirtschaft in Freiburg und St. Gallen, promovierte und machte Auslandspraktika unter anderem in Paris und New York. Egal, was sie tat – ob Facharbeit oder Praktikum – es hatte immer was mit Verlagswesen und Büchern zu tun. Die Umwälzungen in der Branche sind enorm. Doch vor dem Internet ist es MairHuydts nicht bange. Für sie sind Bildschirm und Handy ein weiterer Verbreitungsweg. „Das Buch wird durch das Internet nicht verschwinden“, ist sich die quirlige Medienunternehmerin sicher. Die Inhalte von Marco Polo stünden seit gut zehn Jahren im Netz, trotzdem sei Marco Polo Marktführer im Gesamtmarkt in Deutschland. „Jeder fünfte verkaufte Reiseführer in Deutschland ist ein Marco Polo“ freut sich Mair-Huydts. Die Leute seien reisefreudiger und anspruchsvoller geworden und nutzten nicht nur Gedrucktes oder nur Digitales, sondern in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Medien.

Wolfgang Bernhard


Wir Wirtschaft tschaft & Debatte

DIENSTAG 6. Mai 2014

19

Illustrationen: Oliver Biwer

ÖFFE N ARBE TLIC IT

Was wird sich durch die Frauenquote ändern?

Selbstdarstellung: Feilen am Image Die Öffentlichkeitsarbeit trägt in der Mediengesellschaft einiges zum Ansehen von Unternehmen bei. Doch was tun, wenn es nichts Positives zu berichten gibt und das Unternehmen stattdessen in eine Krise gerät – wie im vergangenen Jahr der Schokoladenhersteller Ritter durch eine angeblich falsche Produktdeklaration? Der PR-Experte Frank Roselieb gibt Tipps zur richtigen Kommunikationsstrategie in solchen schwierigen Fällen. Über die Möglichkeiten und Grenzen der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen debattieren die StZ-Wirtschaftsredakteure Michael Heller und Ulrich Schreyer. SEITEN 20, 21

Thomas Sattelberger ist ein Verfechter der Frauenquote. Der frühere Telekom-Vorstand hat vor fünf Jahren bei dem Dax-Konzern eine freiwillige Frauenquote eingeführt – was nach seiner Ansicht die Attraktivität des Unternehmens am Arbeitsmarkt erhöht hat. Ausschließlich Vorstandspositionen zu quotieren, tut er aber als „reine Symbolik“ ab. Für deutsche Unternehmen wird eine feste Quote für Aufsichtsräte bald Realität. Das Pro und Kontra der Quote diskutieren die StZ-Redakteurinnen Inge Nowak und Bärbel Krauß. SEITEN 24, 25


20 Debatte

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Krisenbewältigung im Quadrat Der Schokoladenhersteller Ritter Sport kämpft nach einem negativen Testurteil vor Gericht gegen die Stiftung Warentest. Der Fall ist auch ein gutes Beispiel für die Tücken der Unternehmenskommunikation in Ausnahmesituationen. Von Thomas Thieme Öffentlichkeitsarbeit

E

Der Umgang von Daimler mit den Problemen beim Elchtest der A-Klasse von Mercedes gilt als Beispiel für gelungene Krisen-PR.

s hat nicht viel gefehlt, und der deutsche Einzelhandel hätte noch am Nachmittag des 21. November 2013 damit begonnen, Ritter-Sport-Schokolade aus seinen Regalen zu räumen. Die Traditionsmarke mit den beliebten quadratischen Tafeln war wie aus dem Nichts in die Kritik geraten. Ganz abgesehen vom guten Ruf stand plötzlich auch wirtschaftlich einiges auf dem Spiel für das schwäbische Familienunternehmen. Petra Fix, eine Pressesprecherin von Ritter, erinnert sich: „Durch den Vorwurf der Falschdeklaration (der Stiftung Warentest, Anm. d. Red.) kam es zu Auslistungsdrohungen für unser gesamtes Sortiment binnen Stunden nach der Veröffentlichung.“ Fix und ihre Kollegen mussten sich in den kommenden Tagen und Wochen auf einem Feld beweisen, das in Hochschulvorlesungen gerne als „Königsdisziplin der Öffentlichkeitsarbeit“ bezeichnet wird: Krisen-PR. Ritter wirbt seit Jahren mit dem Begriff „natürliches Aroma“ auf allen Packungen. Die Warentester stellten aber genau dies im Ergebnis ihres Nussschokoladentests in Abrede, verpassten den Tafeln das Testurteil „mangelhaft“ und bezichtigten den Hersteller aus Waldenbuch der Verbrauchertäuschung. Der Rechtsstreit über die Deklaration eines wohlgemerkt nicht im Geringsten gesundheitsgefährdenden Aromastoffes dauert bis heute an. In erster Instanz erzielte Ritter einen Teilerfolg und erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen die Wiederholung der Vorwürfe durch Warentest. Doch Schlagzeilen in anderen Medien wie „Voll auf die Nuss“, „Ritter abgestraft“ oder „Quadratisch, praktisch, mangelhaft?“ bleiben freilich in der (Netz-)Welt. Der Medienansturm, erinnert sich Petra Fix, habe die kleine Presseabteilung des Schokoproduzenten „regelrecht überrollt“ und noch über die Weihnachtsfeiertage hinweg „maximal beansprucht“. Die Händler konnten zwar mit Hilfe einer Garantieerklärung beru-

Die Voll-Nuss-Schokolade aus Waldenbuch hat für Schlagzeilen gesorgt, auf die Ritter Sport gerne verzichtet hätte. higt werden, die Ritters Aromahersteller Symrise unmittelbar nach dem Testurteil abgab. Blieben aber immer noch viele irritierte Kunden: „Die Reaktionen reichten von Zuspruch bis hin zu bösesten Beschimpfungen und Drohungen“, sagt Fix. Der Zeitpunkt der Veröffentlichungen, kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft, sei zudem von der Belegschaft als existenziell bedrohend empfunden worden. Die Ritter-Verantwortlichen reagierten nach außen dementsprechend „entsetzt“ auf die Anschuldigungen. Die eidesstattliche Versicherung des Aromalieferanten Symrise ermöglichte es der Presseabteilung allerdings auch, von Beginn an eine offensive Verteidigungsposition einzunehmen, nach dem Motto: Seht alle her! Wir behaupten nicht nur, vor Jahren einen „Grünen Kurs“ eingeschlagen zu haben, wir können es auch belegen. Warentest habe unzureichend geprüft und sei daher zu einem falschen Ergebnis gekommen. Die Stiftung handele verantwortungslos und verunsichere Handel und Verbraucher; und das nur für eine schlagzeilenträchtige Meldung, ist

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in Ritters Pressemeldungen vom 21. und 28. November zu lesen. Diese emotionalen Reaktionen aus Waldenbuch haben Frank Roselieb überrascht. „Das war sicherlich ein bisschen überzogen“, sagt der PR-Experte. Normalerweise sei es ratsam, besonnener zu reagieren. Solch harte Worte gegenüber der Stiftung Warentest so früh zu formulieren, sei riskant gewesen. Schließlich gelte die Organisation in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor als relativ neutral und unabhängig. Der Vergleich des schwäbischen David gegen den Goliath aus Berlin eigne sich daher nicht so gut wie etwa bei früheren Auseinandersetzungen zwischen Ritter und Milka, das zum US-Lebensmittelriesen Mondelez (früher Kraft Foods) gehört. Roselieb ist als Leiter des Kieler Instituts für Krisenforschung ein Fachmann für Unternehmen und öffentliche Personen, die in die Bredouille geraten sind. 250 solcher Fälle aus dem deutschsprachigen Raum untersuchen die Kieler jährlich. Meistens handele es sich um die Demission von Managern oder Erklärungsnöte von

Fotos: dpa

Unternehmen, die schwere Umsatz- oder Gewinneinbrüche kommunizieren müssten. Zu den national und international relevantesten PR-Krisen der jüngeren Vergangenheit zählen neben dem Aroma-Streit der falsche Doktortitel von Annette Schavan, die Präsidentschaftsaffäre Wulff und die Mauscheleien beim ADAC. Letztere allesamt Paradebeispiele für die größten beiden PR-Fehler: Schweigen und auf Zeit spielen. Das kann man Ritter in der Tat nicht vorwerfen. Der Druck auf das mittelständische Familienunternehmen sei groß gewesen, räumt auch Roselieb ein: „Wenn der Handel sagt, eure Produkte sind nicht mehr verkehrsfähig, deshalb fliegt ihr raus, hätte Ritter ein massives Problem gehabt.“ In der Bewertung der Gegenseite zeigt sich der PR-Spezialist weniger nachsichtig: „Dass die Warentester auch einmal einen Fehler machen, wie hier offenkundig geschehen, wollen die Verantwortlichen nicht wahrhaben.“ Wären „Dass die Warentester die Berliner nicht in Beru- auch einmal einen fung gegangen, wäre die Sa- Fehler machen, che ausgestanden, der Schaden für beide Seiten bliebe wollen die Verantwortlichen überschaubar. „Immerhin nicht wahrhaben.“ hat in diesem Fall nicht die Frank Roselieb über die PR-Strategie Gefahr bestanden, dass je- der Stiftung Warentest mand in ein Krankenhaus eingeliefert werden müsste oder Schlimmeres“, relativiert Roselieb die Brisanz des Aroma-Streits mit Blick auf andere Lebensmittelskandale aus der Vergangenheit. Storck musste beispielsweise kurz vor Weihnachten 2001 Merci-Schokolade wegen Salmonellen-Gefahr aus dem Verkauf nehmen. Eine Imagekampagne, um den angekratzten Ruf wieder aufzupolieren, hat Ritter übrigens nicht gestartet. Das war im wohl bekanntesten Fall von geglückter Krisen-PR noch anders: Nachdem die Mercedes-A-Klasse 1997 beim Elch-Test umgekippt war, reagierten die Verantwortlichen zunächst eher unbeholfen. Wenig später schaltete Daimler jedoch großflächige Anzeigen mit dem damals noch aktiven Tennisstar Boris Becker und dem Slogan: „Stark ist, wer keine Fehler macht. Stärker, wer aus seinen Fehlern lernt.“ Man verstand es, das eigentlich katastrophale Ergebnis positiv zu nutzen, und benötigte, wie sich hinterher zeigte, nur einen Bruchteil der veranschlagten Werbeausgaben für den Markteintritt. Der kleine Wagen war bereits in aller Munde.

DIE RAUPE IM SALAT WIRD ZUM FACEBOOK-STAR Eigenwerbung Die sozialen Netzwerke können für Unternehmen Fluch und Segen zugleich sein. Geht es dem Unternehmen gut, lässt sich über Twitter, Facebook und Co. mit relativ geringem Aufwand und vergleichsweise kostengünstig EigenPR verbreiten. Zudem sind die Streuverluste gering, die potenziellen Kunden können zielgenauer angesprochen werden als durch herkömmliche Wege wie Werbeanzeigen oder TV-Spots. Doch eine große Community im Netz bedeutet auch viel Hohn und Spott, falls das Unternehmen in eine Krise gerät. Krisen-Experte Frank Roselieb rät den Unternehmen in solchen Fällen zu einem kreativen und selbstironischen Umgang mit eigenen Versäumnissen, sofern dies nicht unangemessen erscheint.

Selbstironie Ein aktuelles Beispiel für gelungene Krisen-PR bietet die Pizzakette Vapiano. Ein Kunde hatte im Februar ein 12-Sekunden-Video ins Netz gestellt, auf dem sich eine kleine Raupe durch seinen Salat schlängelt. Die kurze Sequenz machte rasend schnell die Runde bei You Tube und Facebook. Innerhalb weniger Stunden kommentierte die Hamburger PR-Agentur Achtung! den Clip im Auftrag von Vapiano mit dem Satz: „Man könnte dies als Beleg für die Frische unserer Salate sehen. Wir nehmen dies aber im Gegenteil sehr, sehr ernst. So etwas darf bei uns nicht passieren!“ Der Kunde wurde gebeten, sich beim Unternehmen zu melden; der befürchtete Shitstorm entwickelte sich zunehmend zu einer Pro-Raupe-Bewegung. tht


Debatte 21

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Knackpunkt Selbstdarstellung Unternehmen präsentieren sich in der Öffentlichkeit höchst unterschiedlich. Zwei StZ-Redakteure diskutieren die Risiken und Chancen der Unternehmenskommunikation.

Pressearbeit

Kontra

Kehrseite der Medaille Grundsatzentscheidung Die Zurückhaltung vieler Mittelständler wirkt in der heutigen Mediengesellschaft altmodisch. Es gibt aber gute Gründe dafür. Von Michael Heller

B

aden-Württemberg gilt als das Land eigenen Schicksal teilhaben zu lassen. Wer der Hidden Champions, der erfolg- für die Medien interessant und ansprechreichen Unternehmen, die ihre Er- bar sein will, der muss mehr tun, als ledigfolge im Verborgenen feiern. Für ihre lich einen PR-Referenten einzustellen, der Platzierung an der Spitze der Weltranglis- zu allen möglichen – aus Sicht des Unterte genießen die häufig familiengeführten nehmens – erfreulichen Anlässen MitteiBetriebe aus dem Großraum Stuttgart, aus lungen verfasst und verschickt. UnternehHohenlohe und von der Ostalb Wertschät- menskommunikation ist etwas gänzlich zung, ja Bewunderung. Anders sieht es aus anderes als Werbung, und es ist auch mehr mit dem fehlenden Sendungsbewusstsein als eine lediglich punktuelle Aktion. dieser Weltmarktführer, denen es vielfach Die Entscheidung für die Öffentlichreicht, bei den Kunden einen guten Na- keitsarbeit ist eine unternehmerische men zu haben; ansonsten wird um den Grundsatzentscheidung; der Chef muss eigenen Erfolg wenig Aufhemit ganzer Überzeugung dabens gemacht. „Schaffe, net In der Krise hinterstehen. Und sie muss schwätze!“, lautet ein auch kann allzu große einhergehen mit einem Beheute noch häufig gehörter Offenheit kenntnis zu Transparenz. Geschwäbischer Imperativ. fordert ist die Bereitschaft, Wer will, mag dies für eine die Probleme nach innen, also der BelegSchwäche halten, mag die Zu- verschärfen. schaft gegenüber, ebenso wie rückhaltung in der Öffentlichnach außen offen zu agieren. keit kritisieren. Und es wirkt Das fällt einem Eigentümerja auch ein wenig altmodisch, wenn ein Unternehmer, der sein eigenes Geld invesUnternehmen in einer Gesellschaft, die tiert, naturgemäß schwerer als dem Chef sich bisweilen als Mediengesellschaft ver- eines börsennotierten Unternehmens; wer steht, Öffentlichkeitsarbeit ablehnt. Ist es an den Kapitalmärkten Mittel einsammelt, denn nicht förmlich ein Allgemeinplatz, hat grundsätzlich kein Problem damit, die dass eine ordentliche Pressearbeit den Be- Eigner auf dem Laufenden zu halten. kanntheitsgrad steigert, die Attraktivität In Krisenzeiten kann die (selbst) abverals Arbeitgeber erhöht, neue Kunden an- langte Offenheit regelrecht zum Dilemma lockt und zu höherem Umsatz in Konkur- führen. Das Schweigen ist dann keine renz zu den Wettbewerbern führt? ernsthafte Option mehr; andererseits kann Das mag so sein, ist es aber nicht allzu große Redseligkeit die Malaise noch zwangsläufig. Schon seit den achtziger dramatisch verschärfen – bis hin zur Pleite. Jahren sind spezialisierte PR-Agenturen Aber es hilft alles nichts: Glaubwürdigkeit im Südwesten auf Kundenfang, versuchen ist nur zu gewinnen, wenn die Kommunidie Maschinenbauer und Autozulieferer kationsstrategie eines Unternehmens von den Vorzügen einer größeren Offen- langfristig und damit nachhaltig angelegt heit zu überzeugen. Die Erfolge sind frei- ist. So ist es verständlich, wenn viele Unterlich eher mäßig. Es sind weiterhin die gro- nehmen mit dem eigentlich doch zu begrüßen etablierten Namen wie Trumpf und ßenden Schritt hin zu einer stärkeren ÖffStihl, die als Beleg für einen keineswegs nung zögern. grundsätzlich verschwiegenen Mittelstand dienen. Dieser Befund ist gar nicht so schwer zu erklären. Womöglich haben die zurückhaltenden Unternehmer sogar besser als manche externe Berater verMichael Heller leitet standen, was es bedeutet, Zäune einzureidie Wirtschaftsredaktion ßen und die Öffentlichkeit künftig am der Stuttgarter Zeitung.

Pro

Wissen, was läuft Notwendigkeit Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, was in Unternehmen läuft. Und diese dürfen sich ruhig auch präsentieren. Von Ulrich Schreyer

D

er Staat baut Straßen, auf denen Wa- es dann auch nichts, wenn irgendeine Firren transportiert werden; der Staat ma erklärt: „Wir konzentrieren uns auf baut Schulen, in denen für den Beruf unsere Kernkompetenzen“ – und dann irgelernt wird; der Staat investiert in For- gendwo im Text, in dem viel von „Fit maschungseinrichtungen. Der Steuerbürger chen für die Zukunft“ die Rede ist, verzahlt dies. Und er hat den Nutzen davon. steckt, dass auch etliche Hundert ArbeitsAls Konsument, als Beschäftigter – aber plätze gestrichen werden. Glaubt denn der auch als Unternehmer, der gut ausgebildete Verfasser einer derartigen Pressemeldung Fachkräfte braucht und vom Gehirn- wirklich, niemand werde merken, wo der schmalz der Tüftler in den Forschungsla- Hund begraben liegt? Gerade der Mittelstand müsste bei seiboren profitiert. Deshalb soll der Steuerzahler durchaus auch erfahren, was in ner Öffentlichkeitsarbeit noch mehr tun – Unternehmen vor sich geht. Zu informie- auch um zu zeigen, dass es nicht nur die Großkonzerne sind, die ren, das sollte Unternehmen das Rad der Wirtschaft in kaum weniger wichtig sein, als Der Mittelstand Schwung halten. Der Klage Geld zu verdienen und muss die aus kleineren und mittleren Arbeitsplätze anzubieten. Für Öffentlichkeit Unternehmen, die Medien den Staat als solchen ist es schielten nur auf Großkonzerwichtig, volkswirtschaftliche suchen – auch im ne, wird zu wenig mit einer Betrachtungen, etwa zur Ent- eigenen Interesse. eigenen Darstellung entwicklung des Bruttoinlandsgegengehalten. Dass Famiprodukts oder zu weltweiten Wirtschaftsverflechtungen, anzustellen. lienunternehmen nicht darauf erpicht Für den Bewohner einer Region oder Ge- sind, aller Welt ihre Gewinne mitzuteilen, meinde kann es dagegen fast wichtiger sein, ist das eine und möglicherweise verständwas in dem Unternehmen geschieht, in lich. Den Umsatz aber sollten sie schon dem Vater, Mutter, Sohn oder Tochter be- nennen. Nur damit und mit der Zahl der schäftigt sind. Gehen die Geschäfte gut? Arbeitsplätze – die Steuern sind ja ein GeSind Arbeitsplätze in Gefahr, oder gibt es heimnis – können sie nachweisen, dass sie berufliche Chancen für Sohn oder Tochter? etwa für eine Gemeinde wichtig sind, die Über all dies sollten Unternehmen offen doch bitte schön ein schönes Gewerbeinformieren – und es bietet auch ihnen gebiet bereitstellen soll. Erfreulicherweise sehen auch MittelChancen. Etwa dann, wenn es um die Gewinnung des immer knapper werdenden ständler ein, dass es wichtig ist, sich in Berufsnachwuchses geht, seien es Inge- ihren Verbänden zu organisieren – der Zunieure, seien es Facharbeiter. Oder wenn sammenschluss verschafft ihnen ein Geeine Firma sich überhaupt bekannt ma- wicht, das einer allein nie hätte. Nur: wer chen will. Oft gibt es in wenigen Kilometer sich dann etwa zum Vorsitzenden oder zum Abstand zwei Unternehmen, die kaum et- Präsidenten wählen lässt – der sollte auch was voneinander wissen – oder zumindest in puncto Öffentlichkeitsarbeit ein Vorbild nicht wissen, wo und wie sie möglicherwei- sein – auch, um seine Kollegen zu ermunse zusammenarbeiten könnten. Gerade im tern, Gleiches zu tun. Das hilft dann allen. schwäbischen Mittelstand spielt dies eine Rolle. Informieren heißt dann aber auch, richtig und wahrheitsgetreu zu informieren. Nur das schafft Glaubwürdigkeit. Probleme lassen sich meist ohnehin nicht Ulrich Schreyer schreibt unter der Decke halten – sie „schweigen in der StZ hauptsächlich sich herum“, wie man so schön sagt. Da hilft über den Mittelstand.

Welchen Anstrich geben sich Unternehmen? In puncto Öffentlichkeitsarbeit gibt es große Unterschiede. Illustration: Oliver Biwer

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22 Wirtschaft in Baden-WĂźrttemberg

BEWĂ„HRT

SEIT 20 JAHREN

Frederic Dietze will Ingenieuren Gestaltungsräume Üffnen.

Foto: WiZe

Rapid-Vac-Mold

Formen in Sekundenschnelle

INNOVATION Fachbereich für kaufmännisches Personal              ! !   "#"# $"# % & '(  $ )*#

Der Formenbau gehĂśrt zu vielen Produktionsprozessen: Ob Autoteile oder Toilettendeckel – Produkte werden mit Hilfe von Formvorlagen gefertigt. Doch wenn es nur darum geht, Kleinstserien, Prototypen oder Messemodelle zu fertigen, sind konventionelle Verfahren teuer. Am Ende bleiben aufwendig hergestellte Formen Ăźbrig, die vielleicht sogar nur einmal verwendet werden kĂśnnen. Die Firma Weightworks Engineering aus Allensbach fertigt diese mit dem eigens entwickelten, patentierten Verfahren „Rapid-VacMold“, das mit Hilfe von Vakuum und einem speziellen Granulat preiswert und binnen Sekunden jede gewĂźnschte Formvorlage darstellen kann. Der Clou dabei: sobald das gewĂźnschte Teil mit dieser Form produziert ist, kann das Granulat wieder gelockert und zu einer neuen Vorlage geformt werden. Es entsteht so auch kein Abfall. „Stellen Sie sich eine unter Vakuum verschlossene, steife Packung Kaffee vor. Wenn sie die Ăśffnen, wird der Inhalt wegen des Druckausgleichs wieder locker“, beschreibt Weightworks-GrĂźnder Frederic Dietze das einfache physikalische Prinzip hinter der Technik. Ingenieure und Designer kĂśnnen so Konstruktions- und Gestaltungsvarianten ohne hohen Zeit- und Materialaufwand ausprobieren. Bisher wurde das Verfahren nur fĂźr interne Kundenprojekte verwendet. Noch in diesem Jahr will das Start-up vom Bodensee die Anlagen fĂźr den Einsatz in diversen Branchen bereitstellen. age

Neue Ideen au

Niemand weiĂ&#x; wirklich, was die nächste groĂ&#x;e Idee sein wird, die aus Baden-WĂźrttemberg kommt. Die sechs hier porträtie als steuerbares Baumaterial bis hin zur orientalischen Systemgastronomie reichen die Ideen. Doch eines haben die Menschen geme erfolgreich sein wird, liefern solche GrĂźnder die entscheidenden Ingredienzien fĂźr einen Wirtschaftsstandort wie Baden-WĂźrtt Porträts

SOLUTIONS Fachbereich für Facharbeiter und Hilfskräfte  ( ( +  !" , ),. , ( ), "#"# %.  ),,/

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Kartal Can automatisiert die Hotellerie.

Foto: Kai Fischer

Rofobox

Servietten von Roboterhand

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Drei Roboter, die Servietten falten. Was zunächst nach einer Idee des ComictĂźftlers Daniel DĂźsentrieb klingt, ist in Stuttgart Realität geworden. Kartal Can ist der Kopf hinter der Idee, nicht mehr das Hotelpersonal falten zu lassen, sondern dies seiner Maschine zu Ăźberlassen. Sie hĂśrt auf den klangvollen Namen Rofobox. Das Akronym steht fĂźr Robot Folding Box. â&#x20AC;&#x17E;Die Maschine kann Formen wie die Pyramide falten oder auch die Kerze rollenâ&#x20AC;&#x153;, erklärt Can. Im Schnitt brauche sie dafĂźr 40 bis 100 Sekunden, je nach Form. â&#x20AC;&#x17E;Ich stamme aus einer Unternehmerfamilie, die einen Hotelservice und eigene Restaurants betrieben hatâ&#x20AC;&#x153;, so Can. Der diplomierte Betriebswirt und Wirtschaftsassistent beschritt seine Karriere von 1995 an ebenfalls in der Hotel- und Gastronomiebranche. Hier war er bis Dezember 2007 aktiv. Schon im Januar 2008 grĂźndete er mit Partnern den Vorläufer von Rofobox. â&#x20AC;&#x17E;Ich wollte gelernte Fachkräfte nicht fĂźr das Serviettenfalten einsetzen, sondern vorwiegend im direkten Kundenkontaktâ&#x20AC;&#x153;, skizziert Can die Idee zur Maschine. Ausschlaggebend sei auch gewesen, die Hotellerie von kostenintensiven Routinearbeiten zu entlasten. Das Entwicklerteam hatte zu Beginn mit dem Problem zu kämpfen, dass Servietten aus elastischem und weichem Material bestehen. Zudem schlagen sie auf Stapeln Wellen. â&#x20AC;&#x17E;Wir haben allein 500 Entwicklungsstunden gebraucht, um den Mechanismus zu konstruieren, die StĂźcke richtig zu vereinzelnâ&#x20AC;&#x153;, so Can. Das Team habe bei null angefangen und Grundlagenforschung geleistet. Dementsprechend stecke viel Know-how in der Maschine. FĂźnfeinhalb Jahre Entwicklungszeit zogen bis zum Betatest ins Land. Das zwĂślfkĂśpfige Team lieferte die ersten Typen 2011 an das Estrel-Hotel in Berlin und 2013 an die GroĂ&#x;wäscherei KĂśnig aus. â&#x20AC;&#x17E;Wir konnten in den zweijährigen Feldversuchen unsere Maschinen an die Unternehmen anpassenâ&#x20AC;&#x153;, sagt der GeschäftsfĂźhrer. Im Jahresdurchschnitt kann die Maschine 500 000 StĂźcke falten, und sie ist auf eine Lebensdauer von mindestens zehn Jahren ausgelegt. sos

Hannes Schwertfeger und Oliver Storz bauen auf Bäume.

Foto: Steinert

Bureau Baubotanik

Lebende StĂźtzen fĂźr Bauwerke Bisher trugen Bäume nur Ă&#x201E;pfel und Birnen. Geht es nach Oliver Storz und Hannes Schwertfeger, sind es bald auch BrĂźcken und TĂźrme. Die beiden Architekten aus Ludwigsburg und TĂźbingen entwerfen Bauwerke, die von lebenden Weiden, Eichen oder Platanen gestĂźtzt werden. In ihrem Labor in den Stuttgarter Wagenhallen lernen sie, wie Bäume miteinander verwachsen oder Stahlrohre umwachsen. Vor dem Gebäude, in dem Storz und Schwertfeger ihr EntwurfsbĂźro haben, hat sich seit der GrĂźndung des Unternehmens Bureau Baubotanik im Jahr 2010 ein stattlicher kleiner Wald angesammelt: Hier stehen junge Pappeln, Eichen, Platanen und Ahornbäume, insgesamt 120 StĂźck. â&#x20AC;&#x17E;Baubotanik heiĂ&#x;t eben auch Learning by Doingâ&#x20AC;&#x153;, sagt Storz. Um die Statikeigenschaften einzelner Gewächse zu testen, mĂźssen die beiden viel ausprobieren. Also pfropfen sie in ihrem Baum-Bootcamp Weidenstämme aufeinander, damit sie miteinander verwachsen, oder sie lassen Korbweiden mittels zeitgesteuerter Winden hin- und herwiegen. Der kĂźnstliche Biegestress fĂśrdert das Wachstum und damit die Stabilität der Bäume. Und um die geht es schlieĂ&#x;lich. Die Bäume sind die Trägersubstanz fĂźr Bauwerke. Eine Aussichtsplattform im Norden der Stadt Olfen in Nordrhein-Westfalen beispielsweise wird in Zukunft von Korbweiden getragen werden. Bis die Weiden Ăźbernehmen, machen temporäre Stahlträger ihren Job. â&#x20AC;&#x17E;Wir haben die Anfangsstruktur gebaut, den Rest macht der Baumâ&#x20AC;&#x153;, sagt Storz. Dabei mĂźssen die beiden Architekten sehr langfristig denken: Bis alle Stahlträger entfernt werden kĂśnnen, vergehen noch gute zehn Jahre. Sollte der Baum dann eines Tages absterben, kĂśnnen die Stahlträger wieder eingesetzt werden. Durch die Baubotanik werde die Vergänglichkeit von Architektur offenbar. â&#x20AC;&#x17E;Auch Häuser sterbenâ&#x20AC;&#x153;, sagt Storz. Dazu haben sie noch einige Projekte anstehen, vieles davon in Olfen, was dadurch â&#x20AC;&#x17E;zu einem Aushängeschild in der Regionâ&#x20AC;&#x153; werden soll, wie Storz bekundet. In Baden-WĂźrttemberg stehen derzeit keine Aufträge an, â&#x20AC;&#x17E;obwohl wir sehr gerne welche hättenâ&#x20AC;&#x153;, gibt Storz zu. pho


Wirtschaft in Baden-Württemberg 23

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Kivanc Semen (l.) und Erkan Erkul kochen anders.

Foto: Hans Rupert/noir

Yaz

Der Orient, modern interpretiert Wer das Restaurant Yaz in der Calwer Straße in Stuttgart betritt, dem strömen Düfte wie Kardamom und Sesam entgegen. Es läuft arabischer Jazz, und das Ambiente ist dezent orientalisch. „Wir wollten hier kein Beduinenzelt aufbauen“, sagt Erkan Erkul, Gründer und Geschäftsführer von Yaz. Zusammen mit Kivanc Semen hat der 44-Jährige im September 2013 sein erstes großes Restaurant eröffnet. Es bietet orientalische Speisen wie Taboulé, Falafel oder Köfte, aber modern interpretiert. Die Karte hat der Gourmetkoch Christian Mittermeier zusammengestellt. Im Branchenjargon ist Yaz (türkisch für „Sommer“) ein FastCasual-Restaurant und damit gehobene Systemgastronomie wie etwa Vapiano. Eigentlich kommen die beiden Unternehmer mit türkischen Wurzeln aus der IT-Branche. Dazu passt der im Tablett integrierte Chip, der den Bedienungen verrät, wer das Gericht bekommt. Erkul und Semen gehen auch kulinarisch neue Wege: Bisher gebe es keine Systemgastronomie mit orientalischem Flair. Die Nachfrage sei da, wie überhaupt die Systemgastronomie auf dem Vormarsch sei, meinen Erkul und Semen. Das liege an den immer dichter und unregelmäßiger werdenden Tagesabläufen der Kunden, die auf die Schnelle etwas essen wollten. „Aber Nudeln, Pizza und Döner gehen auch nicht jeden Tag“, sagt Erkul. Yaz biete deshalb abwechslungsreiches und bekömmliches Essen. pho

us Baden-Württemberg

erten Gründer stehen zumeist noch ganz am Anfang. Doch sie zeigen, wie vielfältig die Geschäftsideen sind, die hierzulande reifen: Vom Roboter über lebende Bäume einsam, die dahinter stecken: Sie arbeiten hart an ihrem Traum und nehmen ein hohes Risiko und einen ungewissen Ausgang auf sich. Jenseits der Frage, wer langfristig temberg, der wie kaum ein anderer in Deutschland durch individuelle Courage und durch Innovationen groß geworden ist – und davon auch in Zukunft leben wird.

Oliver Klatt vernetzt Produktentwicklung und Kunden.

Foto: Wewant

Wewant

Oliver Klatt hat über die Nutzer von Facebook und ihre Kommentare zu Produkten wenig Schmeichelhaftes zu sagen: „Deren Feedback ist immer zurückblickend und oftmals ein unqualifizierter Ausdruck einer sich in der Gesellschaft breitmachenden Profilneurose.“ Anstatt sich über die Kommentarkultur weiter zu echauffieren, gründete Klatt 2013 in Stuttgart das Start-up Wewant, mit der Prämisse „Wir wollen“ (englisch: we want). „Dies soll verdeutlichen, dass Wewant ein zukunftsgewandtes Konzept verfolgt“, erläutert Klatt. Die Firma sieht sich als Scharnier zwischen Kundenkritik und Unternehmen. „Es gab zuvor kein branchenübergreifendes Tool“, sagt Klatt. Vielfach muss die Kritik von Nutzern umständlich gebündelt werden, um ein Meinungsspektrum zu verdichten. Facebook sei für eine gelungene Produktentwicklung nicht zuträglich. „Dort herrscht im Grunde nur Belanglosigkeit. Wir verfolgen mit Wewant die Absicht, dass Firmen und die Käufer einen Mehrwert haben“, sagt Klatt. Beispielsweise seien Kunden kürzlich über Wewant an Aldi herangetreten mit dem Wunsch, der Discounter solle bitte umweltschonende Papiertüten anbieten. Andere Kunden sahen diesen Vorstoß auf ihrem Smartphone. Nach einer anonymen Registrierung unter www.wewant.com hätten sie sich dann dem Vorschlag angeschlossen, mit „Rewants“. „Der Erfahrungsaustausch dient dazu, Produkte und Angebote schon in frühen Phasen zu verbessern“, meint Klatt. Ab 20 Rewants leitet das Wewant-Team die Vorschläge der Nutzer an die Firmen weiter. Diesen steht Wewant als Marketing-Tool zur Verfügung, über das sie die Umfragen durchführen. Sie können die Erhebung lokal eingrenzen, auf Nutzerprofile oder auf spezielle Rewants zuschneiden. Momentan pflegt das sechsköpfige Team um Klatt nicht nur den Wewant-Stream. Firmen wie Jochen Schweizer, der Hemdenhersteller Olymp und der Ulmer Apothekenzusammenschluss gehören zum Kundenstamm. Zudem stünde man in Gesprächen mit Edeka, Henkel und Beiersdorf, berichtet Klatt. sos

Oliver Zweigle macht Roboter handlich und günstig. Foto: Matthiessen/MFG

Trubotics

Roboter für alle Lebenslagen Oliver Zweigle kennt die Schwäche des schwäbischen Ingenieurs, wenn es ums Gründen geht: „Wir haben manchmal die Neigung, so lange an etwas herumzubasteln, bis es perfekt ist“, sagt er. Bisher hat er als Doktorand der Informatik an der Universität Stuttgart an Robotern geforscht. Doch noch in diesem Jahr will er einen alltagstauglichen und dank seines Aufbaus aus konventionellen Teilen preiswerten Roboter auf den Markt bringen. Der Clou ist die im Roboterhirn programmierte Intelligenz. Bisher beschränken sich handelsübliche Kleinroboter auf Staubsauger und Rasenmäher mit einem kleinen Wirkungskreis. Die Roboter aus der Werkstätte von Trubotics hingegen sollen echte Dauerläufer sein. Die Batterie soll beispielsweise neun Stunden halten, mehr als einen Arbeitstag lang. Doch vor allem sollen die Trubotics-Roboter vollkommen autonom agierende Maschinen sein. Dank ihrer selbstständigen Navigation sollen sie beispielsweise in Lagerhallen ohne die heute üblichen, aufwendigen Leitlinien im Boden auskommen. Schon für 10 000 bis 30 000 Euro hätten dann Nutzer aus den vielfältigsten Bereichen ein frei bewegliches, intelligentes Gerät, das die Aufgaben eines Menschen übernehmen kann. Die Vermessung von neu errichteten großen Gebäuden wäre beispielsweise ein Terrain, auf dem die rasenmähergroßen Automaten zu Hause sein könnten. Für die Bedienung und die Programmierung soll es keine Spezialisten brauchen. Ein paar Wegepunkte, die auf einem Computer, Tablet oder Smartphone eingegeben werden – und schon kann der Roboter losrollen und sich über einen Laserscanner und einen Trägheitsmesser selbstständig orientieren. Dass dies keine ScienceFiction ist, sondern Marktchancen hat, belegt der Hauptpreis, den Trubotics auf dem jüngsten Heidelberger Innovationsforum erhielt, wo Investoren und vielversprechende Gründer zusammengeführt werden. Das Preisgeld will Trubotics sofort nützen, um eine Kleinserie zu bauen, die Interessenten in den kommenden Monaten testen können. age

Foto: fotolia Montage: Knauf

Konstruktive Nutzerkritik


24 Wirtschaft in Baden-Württemberg

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

„2030 werden wir keine Quote mehr benötigen“

„Personalabteilungen müssen Chancengleichheit zum Kern ihrer Agenda machen. Sonst verlieren wir Jahrzehnte.“ Personalexperte Thomas Sattelberger

Der Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger plädiert für freiwillige Vorgaben der Unternehmen zur Förderung von Frauen und fordert mehr Sensibilität für gesellschaftliche Trends.

Interview

T

homas Sattelberger ist ein Verfechter der Frauenquote. Diese hatte er vor fünf Jahren in seiner Position als Telekom-Vorstand durchgesetzt. Er erläutert, warum sie immer noch wichtig ist. Es liege nicht nur an den Frauen, dass sie selten Führungspositionen erreichen. Herr Sattelberger, Sie haben vor fünf Jahren in Ihrer Position als Telekom-Vorstand erstmals in einem Dax-Unternehmen eine freiwillige Frauenquote durchgesetzt. War dies im Rückblick die richtige Entscheidung? Ja, klar. Die Telekom hat einige Jahre zum Trainieren und Umsetzen gehabt. Jetzt kommt die gesetzliche Frauenquote. Unsere Erfahrungen zahlen sich aus. Hatten Sie damals große Probleme, die Frauenquote durchzusetzen? Eigentlich nicht. Wir hatten dies damals gründlich vorbereitet – sowohl im Vorstand selbst als auch bei einem internationalen Managerinnenkongress. Es war uns allen bewusst, dass wir einen wichtigen, innovativen Schritt gegangen sind. Die Telekom hatte sich damals selbst verpflichtet, bis Ende 2015 weltweit 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Es ist wichtig zu wissen, dass es nicht um Vorstandspositionen ging. Das war später die Entscheidung unseres Aufsichtsrates. Nur die Spitze zu quotieren, ist reine Symbolik und keine nachhaltige Talententwicklung für beide Geschlechter.

„Wichtig ist, dass sich Frauen in Netzwerken organisieren und klare Forderungen stellen.“ Thomas Sattelberger über Karrierestrategien

Wie hat es sich damals ausgewirkt? Wir haben signifikant mehr weibliche Bewerbungen sowohl für Fach- als auch für Führungspositionen erhalten. Die Attraktivität der Telekom am Arbeits- und Ausbildungsmarkt ist signifikant gestiegen. Ich würde aber nicht so weit gehen zu sagen, dass sich die Geschäftsergebnisse der Telekom deswegen verbessert haben. Das wird sich erst langfristig auswirken und lässt sich auch nicht kausal belegen.

Sie haben kaum Nachahmer gefunden. Das war auch nicht das Ziel. Wir bei der Telekom haben es ja für uns gemacht. Bei positiven Veränderungen springen andere Unternehmen doch oft gerne mit auf. Das ist simpel. Vorstände und Personalverantwortliche in vielen großen Unternehmen sind häufig ohne jegliche Sensibilität für gesellschaftliche Trends. Das Bild ist immer gleich: Unternehmensleitungen und Personalabteilungen wehren Trends zuerst ab, dann werden sie gejagt, sie werden von der Politik eingeholt – und hinterher jammern sie, dass sie davon betroffen sind. Das konnte man beispielsweise vor Jahrzehnten bei der Teilzeit und jüngst bei der Vorstandsvergütung sehen.

Sie sind für die politische Frauenquote? Sie ist doch schon entschieden. Ich wage die Prognose: hätten die börsennotierten Unternehmen 2010 nicht an der Telekom rumgenörgelt und sich stattdessen selbst des Themas angenommen, dann hätten wir heute keine gesetzliche Frauenquote. Die Verhinderer haben sich selbst die Entscheidung eingebrockt. Ich sehe jetzt schon, wie wir bei anderen gesellschaftlich ebenfalls wichtigen Herausforderungen wie der Integration von Migranten in Unternehmen und der psychischen Belastungen der Beschäftigten von der Politik eingeholt werden, wenn die Firmen jetzt nicht beginnen, eine Sensorik dafür zu entwickeln. Wenn die Politik längere Zeit ein Vakuum sieht, füllt sie es mit Regulierung. Kann es auch an der Qualifikation der Frauen liegen? Entscheiden sich zu wenige für sogenannte Mint-Fächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik? Das stimmt doch gar nicht. Wissen Sie, wie sich die Zahl der Studierenden in den letzten acht Jahren entwickelt hat? Sie ist um über 200 000 gestiegen, davon über ein Drittel Mint-Studierende. Und die Frauen haben nicht nur in absoluten Zahlen mitgehalten, sondern ihren Mint-Anteil sogar leicht auf knapp 30 Prozent erhöht. Das ist also nicht das Problem. Was glauben Sie, wie viele Vorstände in börsennotierten Konzernen einen Mint-Hintergrund haben? Sagen Sie es mir. Rund 20 Prozent, der Rest sind Juristen, Betriebswirte oder andere. Übrigens gelten die gleichen Zahlen für den Aufsichtsrat. Können Sie mir erklären, warum bei der Deutschen Bank keine Frau im Vorstand sitzt, da gibt es doch gar kein Mint? Nein, das sind hohle Behauptungen. Empirische Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass gerade Mint-qualifizierte Frauen gleich an drei gläserne Decken in Unternehmen stoßen. Die erste Decke gibt es bereits vor der Familiengründung: Frauen brauchen 1,4 Jahre länger als junge Männer bis zur ersten Beförderung. Gegen die zweite gläserne Decke stoßen Frauen nach der Familiengründungsphase. Zurück im Unternehmen werden sie häufig nicht mehr so eingesetzt, wie es ihren Kompetenzen entspricht. Und die dritte gläserne Decke ist dann ganz oben, wenn es um Posten im Vorstand und Aufsichtsrat geht, da geht es eher um das Thema Habitus. Frustrierende Ergebnisse sind das. Ich habe vor kurzem eine Untersuchung gelesen, dass ein beträchtlicher Teil der MintExpertinnen in ihren 30ern gerade große Technik-Unternehmen verlässt. Doch sie entscheiden sich nicht etwa für Küche, Kinder und Kosmetik, sondern sie gehen in die freien Berufe oder in die Beratung. 60 Prozent der befragten Frauen haben dies mit der Machokultur in Unternehmen begründet, die sie ablehnen; 40 Prozent mit verstopften Karrierewegen. Also ist der angebliche Engpass bei technischen Fachkräften eine Mär. In Unternehmen wird häufig der Bock zum Gärtner gemacht. Statt da anzusetzen, um

Fotos: Baumgarten, Continental AG, dpa (3), Hess, Kunz, Lufthansa, picture alliance (3), WiZe (2), Achim Zweygarth

qualifizierte Mint-Frauen zu halten, wird darüber lamentiert, dass es nicht genügend Mint-Absolventen gäbe. Ich habe in einer Diskussion selten so viele bescheuerte, falsche Argumente gehört, die nicht von Empirie und Faktenlage gedeckt waren, wie in dieser Diskussion. Die Männer verteidigen ihre Position. Zum Teil sind auch Frauen blauäugig. In einer Leichtgläubigkeit nimmt man alle Argumente auf, die einem zugeschrieben werden: Frauen verkaufen sich nicht so gut, Frauen verhandeln nicht so gut, zu wenig Frauen studieren Mint, Frauen gehen nach der Geburt des ersten Kindes doch lieber zurück in die Familie. All diese Diskussionen sind – wenn man die Empirie anschaut – entweder die halbe Wahrheit oder die Unwahrheit. Welche Empfehlung geben Sie? Es geht darum, was die Spitze, was die Unternehmensführung tun muss, um Frauen die gleichen Chancen zu geben. Das Thema zu individualisieren ist nicht zielführend. Einzelne Frauen schaffen es ja immer. Das System wird immer so durchlässig sein, um ein paar Lichtgestalten reinzuholen – und dann zu sagen: schaut doch her, es geht. Wichtig ist, dass sich Frauen in Netzwerken organisieren. Es dürfen nicht nur mit sich selbst beschäftigte Netzwerke sein, sondern sie müssen klare Forderungen an die Personal- und Unternehmensleitung stellen. Damit bekommen Frauennetzwerke eine ganz andere Kraft. Und weiter? Ein anderes Thema, wenn sich der Erfolg dann nicht gleich einstellt, ist, nicht nur bei sich die Ursache zu suchen. Die Chancengleichheit ist in hohem Maße von der Art und Weise abhängig, wie Männer die Kultur gestaltet haben. Und das heißt: Präsenzkultur, Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, voller Einsatz und nicht zuletzt Agieren mit teilweise martialischen Mitteln. Wagen Sie eine Prognose, bis wann sich die Kultur in Deutschland verändert hat?

THOMAS SATTELBERGER Werdegang Geboren wurde Thomas Sattelberger 1949 in Munderkingen/Donau, sein Abitur hat er in Stuttgart abgelegt. Seine ersten beiden Studiengänge – Soziologie und Lehramt – hat der DiplomBetriebswirt, der in den 1960er Jahren enge Kontakte zu Joschka Fischer unterhielt, abgebrochen. Karriere Thomas Sattelberger kennt sich mit Frauenthemen und mit technischen Berufen, den sogenannten Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissen-

schaften und Technik), aus. Er startete seine Karriere bei Daimler, war in verschiedenen Funktionen auch bei Konzerntöchtern tätig. Bei der Lufthansa gründete er die erste Corporate University Deutschlands. Anschließend übernahm er im Vorstand des Zulieferers Continental die Verantwortung für Personalfragen, später wechselte er in gleicher Funktion zur Telekom. Heute ist Sattelberger unter anderem Vorsitzender der BDA/BDI-Bildungsinitiative „Mint Zukunft schaffen“. ino

20 Jahre, gerechnet von 2010 an. 2030 werden wir keine Frauenquote mehr benötigen. Dann liegt das Thema hinter uns – mit jahrzehntelanger Verspätung gegenüber anderen europäischen Ländern. Diese Prognose setzt aber voraus, dass erstens der Gesetzgeber bei der Umsetzung der gesetzlichen Quote im Aufsichtsrat sauber sanktioniert; zweitens müssen Zivilgesellschaft und Medien bei der betrieblichen Verpflichtung für eine Frauenquote in Führungspositionen Schande über das Haupt derer schütten, die sich zu niedrige Werte geben oder ihre Werte nicht erreichen. Dann müssen die Frauenvereinigungen sehr viel enger zusammenarbeiten und koalitionsfähig sein mit anderen, die auch um Chancengleichheit kämpfen. Es ist ja nicht nur ein Frauenthema. Interessant ist, dass in vielen anderen Ländern das Thema Frauenrechte immer im Zusammenhang mit allgemeinen Menschenrechten vertreten wird, während bei uns jeder für sich kämpft. Und nicht zuletzt müssen Personalabteilungen endlich ihrer Aufgabe gerecht werden und Diversity und Chancengleichheit zum Kern ihrer strategischen Agenda machen. Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, verlieren wir wieder Jahrzehnte. Das Gespräch führte Inge Nowak.

FRAUEN IN DAX-UNTERNEHMEN Zähe Aufholjagd: unter den 191 Vorstandsmitgliedern der 30 größten Aktiengesellschaften in Deutschland finden sich nur zwölf Frauen – das entspricht einem Anteil von 6,3 Prozent Christine Hohmann-Dennhardt ist seit Februar 2011 im DaimlerVorstand zuständig für Integrität und Recht. Kathrin Menges verantwortet seit April 2012 im Henkel-Vorstand die Bereiche Personal und InfrastrukturServices.

Claudia Nemat ist seit Oktober 2011 im Vorstand der Telekom. Gebiete: Europa und die strategische Steuerung der Technik. Bettina Volkens ist seit Juli 2013 bei der Deutschen Lufthansa verantwortlich für Personal und Recht.

Marion Schick wurde 2012 Vorstandsmitglied der Telekom; jetzt ist sie aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Helga Jung ist seit 2012 im Allianz-Vorstand zuständig für Spanien, Portugal und Lateinamerika sowie für Zukäufe und Recht.

Ariane Reinhart übernimmt zum 1. Oktober das Ressort Personal im ContinentalVorstand. Sie folgt auf Elke Strathmann.

Angela Titzrath verantwortet seit Mai 2012 den Bereich Personal bei der Deutschen Post AG in Bonn. Simone Menne wacht seit Juli 2012 im Vorstand der Lufthansa über die Finanzen sowie die Sparte Aviation Services.

Milagros Caiña Carreiro-Andree wechselte 2012 zu BMW. Die gebürtige Spanierin wurde zum Personalvorstand bestellt.

Margret Suckale ist seit 2011 bei BASF fürs Personal verantwortlich. Dieses Amt hatte sie zuvor bei der Deutschen Bahn inne. ino Hauke Stars ist seit Dezember 2012 im Vorstand der Börse AG zuständig für IT sowie Marktdaten und Services.


Wirtschaft in Baden-Württemberg 25 Foto: dpa

Stuttgarter Zeitung | Stuttgarter Nachrichten Nr. 1 | Dienstag, 6. Mai 2014

Pro

Männer unter sich Karriere Frauen haben heute mehr Chancen als früher – doch der Weg nach ganz oben bleibt den meisten weiterhin versperrt. Deshalb ist die Quote nötig. Von Bärbel Krauß

Wie kommen mehr Frauen nach oben? Die Bundesregierung will in Aufsichtsräten großer Unternehmen einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent durchsetzen. Zwei StZ-Redakteurinnen diskutieren das Für und Wider eines gesetzlich festgelegten Anteils. Quote

IN SPITZENGREMIEN SIND FRAUEN WEITER UNTERREPRÄSENTIERT In Vorständen und Geschäftsführungen Anteil in Prozent 10

In Aufsichts- und Verwaltungsräten Anteil in Prozent

größte 100 Unternehmen ohne Finanzsektor

8,6

20 17,2 16,3

Banken und Sparkassen 6,3

Versicherungen

15

15,2

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5 4,8

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StZ-Grafik: oli

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Quelle: DIW

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s gibt viele Gründe, warum Frauen in den deutschen Chefetagen immer noch so selten sind: biologische, weil sie nun einmal die Kinder bekommen; emotionale, weil glücklicherweise die meisten Mütter lieber ihre Kinder gut versorgen, als möglichst schnell die Karriereleiter hochzuklettern; und gesellschaftliche, weil die Eliten dazu tendieren, sich zu reproduzieren, und weil diese Eliten männlich sind. Die Zahlen sprechen Bände: Nur ein Minianteil der Chefs ist weiblich. Deutschland hinkt weit hinter anderen Industrieländern her. Das ist ein Gerechtigkeitsproblem, das schon viel zu lange auf die lange Bank geschoben worden ist. Es betrifft alle Frauen, egal welchen Lebensentwurf oder Karriereweg sie wählen. Zwar spricht sich kaum ein Mann, keine Partei und schon gar kein Konzernchef mehr offen gegen Chancengleichheit aus. Die 68er- und die Frauenbewegung, um und nach Alice Schwarzer, haben viel erreicht. Frauen sind nicht mehr auf Heim und Herd beschränkt, ihnen stehen viele Wege offen. Mädchen sind die besseren Schüler, Frauen machen die besseren Universitätsabschlüsse, sie haben in vielen Berufen die gleichen Einstiegschancen wie ihre männlichen Kollegen. Nur der Aufstieg nach ganz oben klappt auch nach einem halben Jahrhundert nicht. Die gläserne Decke ist intakt, weil die ausschlaggebenden Entscheider wichtige Beschlüsse nach wie vor lieber mit Menschen fassen, die sind wie sie. Frauen reden anders, machen andere Witze, tragen Konflikte anders aus, haben ein anderes Gruppenverhalten und gehen

ZahnCentrum

Kontra

im Centrum30

Die Kultur muss sich ändern

D

vergangenen Jahren wurde viel über Chefinnen geredet, bewegt hat sich in den Unternehmen bisher wenig. Frauen in Spitzenpositionen waren und sind die Ausnahme. Teilweise lassen sich sogar Rückschritte beobachten – der Technologiekonzern Siemens hat vor einiger Zeit schon einmal stolz zwei weibliche Vorstandsmitglieder präsentiert. Inzwischen beträgt der Frauenanteil aber wieder null Prozent. Deshalb ist es konsequent, dass die Politik nun den Druck auf Unternehmen deutlich erhöht. Doch der Sinn einer festen Quote von 30 Prozent für Aufsichtsräte und einer flexiblen Quote für die obersten Führungsebenen in großen Unternehmen, die Unternehmen auch noch selbst festlegen dürfen, darf bezweifelt werden. Wieso schreibt die Politik denn nicht einfach vor, dass der Anteil der Chefinnen genauso hoch sein muss wie der Anteil der Frauen im Unternehmen insgesamt? Und dies nicht nur auf der obersten, sondern auf allen Führungsebenen. Dann besteht gar nicht erst die Gefahr, dass sich Unternehmen selbst extrem niedrige Frauenquoten setzen und das Vorhaben damit zur Makulatur verkommt. Außerdem sollte sich die Politik für Unternehmen, die ihre Ziele bei der Frauenförderung nicht erreichen, Sanktionen ausdenken, die auch wirklich wehtun.

Inge Nowak beschäftigt sich in der StZ-Wirtschaftsredaktion vor allem mit der Zulieferindustrie.

Bärbel Krauß schreibt im Berliner Büro der StZ über Verteidigung, Umwelt, Bau, Justiz, Verbraucher und Parlament.

DR. GEORG VINTZILEOS Stuttgarter Straße 26 70736 Fellbach www.zahncentrum-fellbach.de

Managerinnen Die Gesetzespläne für eine Frauenquote greifen zu kurz. Ohne schmerzhafte Sanktionsandrohungen bleiben sie Makulatur. Von Inge Nowak ieter Zetsche könnte als Vorbild durchgehen. Der Daimler-Chef, der bei dem Autokonzern eine freiwillige Frauenquote durchgesetzt hat, wacht selbst über deren Einhaltung im Unternehmen. Bis 2020, so lautet seine Vorgabe, sollen 20 Prozent der leitenden Führungspositionen mit Frauen besetzt sein. Bis dahin soll ihr Anteil Jahr für Jahr von derzeit 13 Prozent um gut einen Prozentpunkt steigen. Den von manchen befürchteten Frust männlicher Kollegen über die angebliche Bevorzugung der Frauen bei Beförderungen hat Zetsche vor einiger Zeit bei einer Diversity-Konferenz als „Bullshit“ weggewischt – schließlich würden auch künftig mit Abstand die meisten Posten mit Männern besetzt. So kann es funktionieren, dass in Unternehmen endlich mehr gut ausgebildete Frauen Karriere machen und als Chefin ihre Fähigkeiten beweisen können – ohne ständig unliebsame Seitenhiebe frustrierter männlicher Rivalen parieren zu müssen. Zetsche hat die Möglichkeit, auf allen Ebenen durchzugreifen. Er kann so einen Umdenkprozess im Konzern anstoßen. Und das hat beileibe nichts mit einer Bevorzugung von Frauen zu tun. Ein Kulturwandel, der in vielen anderen (rein männlich geprägten) Unternehmen ebenfalls dringend nötig wäre. Das Beispiel macht aber auch deutlich: die Zielsetzung in Form einer Frauenquote ist nur die halbe Miete. Mindestens ebenso wichtig ist, dass Vorstand und Geschäftsführung dahinterstehen; sie müssen verstaubtes, aber immer noch vorhandenes Machogehabe über Bord werfen. In den

mit Hierarchien anders um. Das stört, und es wird unterbunden. Gegen die biologischen, emotionalen und sozialen Gründe, die die Frauen auf dem Weg nach oben hemmen, hilft die Quote nicht. Sie hilft nur gegen die gläserne Decke, mit der die männliche Elite ihre Aufstiegsprivilegien bewahrt. In Wahrheit spricht nur ein Argument für die Frauenquote: sie wirkt, und man kann ihr nicht ausweichen. Die Veränderung des gesellschaftlichen Klimas, freiwillige Selbstverpflichtungen, bessere Bildung, mehr Kitas, das Leistungsprinzip – die letzten 50 Jahre zeigen: auf den letzten Metern hilft all das den Frauen, die nach oben wollen, nicht. Die Quote hilft. Deshalb ist sie nötig. Sie zwingt 108 (!) Konzerne – nur bei ihnen will Schwarz-Rot die Quote einführen –, mindestens 30 Prozent Frauen im Aufsichtsrat zu installieren. Wem das schwerfällt, der hat in der Personalentwicklung vieles falsch gemacht und muss jetzt eben mehr tun. Machbar ist das, wenn auch vielleicht nicht immer einfach. Das Gejammer von Unternehmen und Gewerkschaften ist lächerlich. Die deutschen Global Player, die weltweit die Konkurrenz auf Abstand halten, gehen vor der Quote in die Knie? Über die man seit langem diskutiert? Die von 2016 an gelten soll? Sie sollten sich was schämen.

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Wirtschaftsoase Leinfelden-Echterdingen

Eine Oase für die Wirtschaft Interview Die Messe- und Flughafenstadt Leinfelden-Echterdingen macht als Wirtschaftsoase von sich Reden

A

ußergewöhnlich sind wirtschaftsfördernde Maßnahmen einer Kommune heute nicht mehr. Nahezu jede Gemeinde und vor allem jede Stadt nimmt dafür mittlerweile einiges an finanziellen Mitteln in die Hand, beschäftigt in manchen Fällen gar eine ganze Abteilung an Mitarbeitern dafür. In der Regel ist dies gut angelegtes Geld, denn schließlich gilt es, prosperierende Unternehmen anzusiedeln und erfolgreich am Ort zu halten, finanziert ihre Gewerbesteuer doch eine Vielzahl an Projekten mit, die ansonsten womöglich gar nicht umzusetzen wären. Allein bei einer monetären Unterstützung belässt es die große Kreisstadt Leinfelden-Echterdingen jedoch nicht. Das Projekt „Wirtschaftsoase LeinfeldenEchterdingen“ setzt nicht nur auf eine besondere Nachhaltigkeit, sondern bewirkt darüber hinaus Außergewöhnliches.

Das heißt Wirtschaftsoase bezeichnet die Standortqualität? Roland Klenk: Ja, aber nicht allein. Die Wirtschaftsoase bezeichnet auch ein Stadtmarketing beziehungsweise Wirtschaftsmarketing der ganz besonderen Art. Im Moment vielleicht ein Alleinstellungsmerkmal LeinfeldenEchterdingens. Mit Sicherheit jedoch ein wichtiger Standortfaktor. Wir bieten hier in LE nämlich nicht nur ein gutes Arbeitsumfeld, sondern schaffen auch Rahmenbedingungen für die innere Stärkung von Gemeinsamkeit und Zusammenhalt in einer globalisierten Zeit. Das stärkt die Kaufkraftbindung und schafft Voraussetzungen für Kaufkraftzuwächse.

Wie hat man sich das konkret vorzustellen? Roland Klenk: Durch ein strategisch nachhaltig angelegtes Konzept aus Imagewerbung, Herr Klenk, Sie sind nicht nur OberbürgerAußen- und Binnenmarketing, eng verbunden meister einer Stadt auf deren Gemarkung mit Maßnahmen zur Stärkung der Kundender Flughafen und die Landesmesse angesiebindung und des gemeinsamen Auftritts delt sind, seit geraumer Zeit wird von LE unserer Unternehmen. Und das alles unter auch als der Wirtschaftsoase gesprochen. zentraler Koordination der Stadt. Eigentlich zwei Begriffe, die sich ausschlieJährliches Highlight dieser Reihe verschießen. dentlicher AktiviRoland Bleinroth (li.), Geschäftsführer der Landesmesse Stuttgart, und Roland Klenk, Oberbürgermeister der Stadt Leinfelden-Echterdingen Roland Klenk: Genau täten, ist der Mesdas ist das Außerge- Die in der Region einmalige Stand- seauftritt auf der wöhnliche an unserer ortqualität Leinfelden-Echterdin„Familie & Heim“ „Familie & Heim“ geworden. Aus unseren BeStadt. Hier verbinden schaftsoase ist es zudem gelungen, dass die Stuttgarter gens ist durch die Verkehrsanbin- beim sucherbefragungen wissen wir, dass viele Besich vermeintliche GeUnternehmen der Stadt ein gut funktionieMesseherbst im Nosucher gezielt wegen der Wirtschaftsoase auf gensätze zu einer Be- dung und die unmittelbare Nach- vember. rendes Netzwerk aufgebaut haben, das Synerdie Messe kommen. Die Messe ist damit sonderheit. Die in der barschaft zur Landeshauptstadt gien nutzt und vielfache Kooperationen erPlattform und Schaufenster für die heimische Region einmalige möglicht. Die positive Resonanz seitens Der Messeauftritt Wirtschaft zugleich. Standortqualität Lein- ideal für unsere Wirtschaftsunter- ist ein Kooperatianderer Städte und die Sympathie der Bevölfelden-Echterdingens nehmen. kerung lassen auf ein innovatives und überonsprojekt mit der Ist das Kooperationsangebot eigentlich auf ist durch die Verkehrszeugendes Konzept schließen. Sicher keine Landesmesse Leinfelden-Echterdingen beschränkt? anbindung und die un- Roland Klenk Neuerfindung des Stadtmarketings, ganz geStuttgart. Herr Roland Bleinroth: Natürlich nicht. Leinmittelbare Nachbarwiss aber ein kräftiger Impuls. Bleinroth, warum braucht eine Stadt wie Leinfelden-Echfelden-Echterdingen hat unser Angebot als schaft zur Landeshauptstadt, aber auch durch terdingen eine solche Präsenz? erste Stadt hervorragend ausgearbeitet, umihre sogenannten „weichen Standortfaktoren“ Roland Bleinroth: Sie ist ein Aushängeschild gesetzt und etabliert. Der Messeauftritt der und das Arbeitsumfeld ideal für unsere der Sympathie für Leinfelden-Echterdingen Wirtschaftsoase hat mittlerweile einen herWirtschaftsunternehmen. Beispielsweise sind geworden. Die Stadt kann sich hier mit allen vorragenden Ruf und die Ergebnisse sprechen Sie von jedem Standort unserer Stadt aus, ihren Vorzügen auf ideale Art und Weise eine deutliche Sprache. Ein Konzept, das sich innerhalb von wenigen Minuten im Grünen. Die Wirtschaftsoase Leinfelden-Echterdingen einem großen regionalen Publikum präseninzwischen mehr als bewährt hat. LeinfelWenn das keine Oase ist… tieren. Letztes Jahr hatten wir über 180.000 den-Echterdingen ist insofern auch unser Das gesamte Jahr über gibt es in LeinfeldenIn der vielfältigen Reihe unterschiedlicher Besucher beim Stuttgarter Messeherbst. Das Vorzeigeprojekt für die Gespräche mit anderen Echterdingen Projekte und Angebote, die Aktivitäten lassen sich beispielsweise „Kunst sind auch 180.000 potentielle Besucher Städten und Gebietsgemeinschaften. nicht nur der Kaufkraftbindung und -gewinbewegt LE”, eine öffentlich zugängige Leinfelden-Echterdingens, oder aber Kunden. nung dienen, sondern auch eine enge KoopeKunstausstellung in den Betrieben und Roland Klenk: Auch das Wir-Gefühl in der Bislang ist uns kein vergleichbares Konzept ration der Gewerbebetriebe untereinander Geschäften der Stadt nennen, oder aber auch Bürgerschaft von Leinfelden-Echterdingen dieser Art bekannt. Ist in Leinfelden-Echterunterstützen und fördern. Federführer und die in Kürze stattfindenden „Miniköche“, wurde durch den Messeauftritt der Wirtdingen denn tatsächlich das StadtmarketinImpulsgeber ist hierfür eine direkt beim bei denen örtliche Restaurants und Hotels, schaftsoase gestärkt. Unsere Einwohner besugrad neu erfunden worden? Oberbürgermeister angebundene Stabsstelle gemeinsam mit Gewerbebetrieben zusammen chen den Messestand Roland Klenk: Die für Stadtmarketing. Deren Leiter, arbeiten werden. Am Ende eines Jahres gipfeln Jahr für Jahr gezielt Wirtschaftsoase hat Klaus P. Wagner, betreibt, gemeinsam mit all diese Aktivitäten in einem Messeauftritt und empfinden ange- Die Wirtschaftsoase ist in den einen hohen Imaden örtlichen Firmen, Unternehmensverder Stadt mit ihren Unternehmen auf der sichts der Präsen- vergangenen drei Jahren zu einem gegewinn für die bänden und Werbegemeinschaften, ein „Familie & Heim“, der mit verschiedenen tation ihrer Stadt Stadt gebracht. Die integriertes Wirtschaftsmarketing. Ziel ist es Marketingstrategien, wie Portraitreihen und wichtigen Eckpfeiler der Messe einen gewissen Stolz, Reputation Leindabei, Synergien zu bündeln und ein Netzwerk PR-Kampagnen für die teilnehmenden Firmen, den sie auch äußern. „Familie & Heim“ geworden. felden-Echterdinzu stricken, das Leinfelden-Echterdingen als verbunden ist. gens in der Region bunten und facettenreichen Einkaufs-, DienstUnd was hat die Roland Bleinroth ist dadurch enorm leistungs- und Wirtschaftsstandort profesMesse von dieser gewachsen. Wirtsionell nach außen trägt und den Gästen Kooperation? schaftsunternehmen siedeln sich gerne hier und Kunden die positiven Eigenschaften der Roland Bleinroth: Der Stand der Wirtan und bereits ansässige Unternehmen fühStadt sympathisch vermittelt. schaftsoase ist in den vergangenen drei Jahlen sich der Stadt verbunden. Der Wirtren zu einem wichtigen Eckpfeiler der Messe Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Kundenbindung nach innen und die Steigerung des sogenannten „Wir-Gefühls” innerhalb der Bürgerschaft. Damit soll mittelfristig eine latente Kommunikationsplattform zwischen Anbietern und Kunden geschaffen werden.

Wir sind dabei, weil...

…es wirklich eine tolle Möglichkeit ist, sich und die Firma zu präsentieren. Leinfelden-Echterdingen ist es damit gelungen, die verschiedensten Unternehmen der Stadt zu einer Gemeinschaft zu vereinen.

Burkhard Mülln, Inhaber Fahrschule B. Mülln

…das Miteinander einer solchen Gemeinschaft etwas Schönes ist. Gemeinsam in einer Stadt zu arbeiten, sich im Idealfall sogar gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, ist eine schöne Entwicklung, die in der Wirtschaftsoase realisiert werden konnte.

Eva-Maria Neef, Geschäftsführerin Photo Studio 13

„…der Gesamtauftritt absolut

„…ich es wichtig finde, den

„…das Konzept der Stadt

qualifiziert und gekonnt gemacht ist und zwar von A bis Z. Eine solch professionelle Vorgehensweise passt zu uns und unserem Unternehmen und wir achten sehr genau darauf, woran wir uns beteiligen.

Kunden die Vielfältigkeit der „einheimischen” Gewerbetreibenden zu präsentieren und gleichzeitig das Zusammenwachsen der OasenTeilnehmern weiter zu entwickeln.

uns überzeugt hat. Wir setzen voll auf die Nachhaltigkeit der Wirtschaftsoase und den weiteren Ausbau unseres Netzwerks.

Wolfgang Treiber, Geschäftsführer Treiber Spezialitäten Bäckerei Konditorei

Leinfelden-Echterdingen – wo sonst.

Inge BehrendtMertens, Inhaberin Villa Leinfelden, Villa Stetten & Bernhausen

Richard Briem, Geschäftsführer Autohaus Briem


EIN SONDERTHEMA DER ZEITUNG WIRTSCHAFT IN BADEN-WÜRTTEMBERG

WIRTSCHAFT UND FINANZEN D I E N S TAG , 6 . M A I 2 0 1 4 Keine Fusionspläne

Vielfältige Starthilfe

Ministerpräsident Kretschmann sieht derzeit keinen Sinn darin, dass die LBBW und die Landesbanken Hessen und Bayern fusionieren.

Für Gründer gibt es verschiedene Formen der Förderung. Die Wahl will gut überlegt sein, denn die Förderung muss zur Situation passen.

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Das Zentrum des Stuttgarter Finanzplatzes: im Vordergrund die Börse Stuttgart, im Hintergrund das Haus der Wirtschaft. Foto: Wilhelm Mierendorf

Nähe zur Realwirtschaft Der Stuttgarter Finanzplatz ist im Bundesvergleich einzigartig

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ernd Hertweck weiß eben Prioritäten zu setzen. Auch wenn der Vorstandschef der Wüstenrot Bausparkasse AG vergangenes Jahr das Ticket für ein Champions-League-Spiel von Bayern München in der Tasche hatte, zog er es doch vor, die damals sechste Bausparkassen-Lounge in Stuttgart zu besuchen. Es ist zwar nicht überliefert, wie sich Hertweck bei einem Spiel des VfB entschieden hätte, die Anekdote macht aber klar, wie bedeutsam der Branchentreff Bausparkassen-Lounge geworden ist. Die Veranstaltungsreihe zu Bausparthemen war vor fünf Jahren von Stuttgart Financial gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft baden-württembergischer Bausparkassen, der die Badenia, die LBS BadenWürttemberg sowie die Bausparkassen Schwäbisch Hall und Wüstenrot angehören, ins Leben gerufen worden. Mittlerweile hat sie sich zu einem Pflichttermin für den Erfahrungsaustausch etabliert. „Die Bausparkassen-Lounge stellt eine Blaupause dafür dar, wie es mit Netzwerken gelingen kann, den Zusammenhalt in der Region zu stärken“, sagt Thomas Munz, Vorstand der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse, die die Dachorganisation der Gruppe Börse Stuttgart bildet. Mit diesem Auftrag im Rücken wurde im Jahr 2007

zusammen mit dem baden-württembergischen Wirtschaftsministerium und der Stiftung Kreditwirtschaft der Universität Hohenheim Stuttgart Financial, eine Initiative zur Bündelung finanzplatzrelevanter Interessen, gegründet. Sie organisiert oder unterstützt inzwischen eine ernstzunehmende Reihe von regelmäßig wiederkehrenden Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen, wo sich Repräsentanten der Finanzbranche, aber zunehmend auch Vertreter der Realwirtschaft miteinander austauschen können. Dazu zählen neben der Bausparkassen-Lounge etablierte Veranstaltungen wie der jährliche Finanzplatzgipfel, das Stuttgarter Versicherungsforum und in Kooperation mit der baden-württembergischen Landesregierung ein Venture Capital Pitch. Hinzu BLAUPAUSE kommt ein neues NEUARTIGE Karriereportal, das unter www.financial-careerbw.de Stellenangebote aus der Branche und der gewerblichen Wirtschaft bündelt. „Mit diesen Netzwerken tragen wir dazu bei, die vorhandenen Potenziale in der Finanzwirtschaft besser sichtbar zu machen und mit der Realwirtschaft zu verknüpfen“, erläutert der Leiter von Stuttgart Financial, Dirk Sturz. Während das als führender

U NIV ER SITÄT HOHEN HEIM Studiengang und Forschungsstelle Der gezielten Weiterbildung von Fachkräften aus der Finanzwirtschaft dient der Studiengang „Hohenheim Master in Finance“, der von der Universität Hohenheim und weiteren Partnern erarbeitet wurde. Die Teilnehmer können so berufsbegleitend den Abschluss „Master in Finance“ erwerben und vorhandene Kenntnisse vertiefen. Der Studiengang soll im Wintersemester 2014/2015 starten. Darüber hinaus wird auch die finanzwirtschaftliche

Forschung von der Börse Stuttgart unterstützt. So stellt die Börse Wissenschaftlern Bestände an Handels- und Stammdaten für Forschungszwecke zur Verfügung. Im Jahr 2011 wurde die Forschungsstelle Börsenhandel am Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen der Uni Hohenheim ins Leben gerufen. Themenschwerpunkte sind Privatanlegerverhalten sowie Wettbewerb und Regulierung im Börsenumfeld. spe

Finanzplatz in Deutschland geltende Frank- schäftige die Finanzwirtschaft im Südwesten furt am Main vor allem durch das Geschäft landesweit 165 000 Personen. „Aber eines zwischen Finanzintermediären charakteri- zeichnet den Finanzplatz Baden-Württemsiert wird, ist es in Stuttgart die enge Verbin- berg aus: seine Nähe zur Realwirtschaft“, bedung zwischen Finanz- und Realwirtschaft, tont der Minister und verweist etwa auf die die den Finanzplatz prägt. „Daher sind unse- L-Bank, die zu den bundesweit wichtigsten re Banker in Stuttgart näher dran am Kun- Mittelstandsfinanzierern zähle. „Vorbildlich den“, sagt Hans-Peter Burghof, Inhaber des sind auch die BürgLehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanz- schaftsbank und die dienstleistungen an der Uni Hohenheim. MBG MittelständiEXPORT Die Realwirtschaft produziert nicht nur sche Beteiligungseinen Bedarf an Finanzdienstleistungen, die gesellschaft, die ein STUTTGART FINANCIAL von Banken oder Versicherungen erbracht maßgeschneidertes werden, sondern kreiert auch noch eine Angebot für ExisNachfrage nach qualifizierten Finanz- tenzgründer ebenso experten. „Durch die Stärke der Realwirt- wie für etablierte GELD MITTELSTAND schaft in der Region haben wir es daher mit Unternehmen bieso etwas wie einem ten“, sagt Schmid. So Schattenfinanzplatz kam 2013 ein Drittel FÜR bei den Unterneh- aller Bürgschaften NETZWERKE men selbst zu tun“, bundesweit von der drückt es Burghof Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, die aus. Die dortigen Finanzabteilungen unter- MBG ist der häufigste Eigenkapitalgeber halten häufig bankähnliche Strukturen, für Deutschlands. die sie natürlich auch jede Menge FinanzDer Finanzplatz Stuttgart braucht sich experten benötigen. „Daher ist es zu kurz also nicht zu verstecken. Im Gegenteil, unter gesprungen, wenn man beim Thema Finanz- den hiesigen Akteuren finden sich Deutschplatz Stuttgart nur an Finanzdienstleister im lands größte Landesbank und 17 weitere eigentlichen Sinne denkt“, macht Burghof Bankhäuser, die in der Landeshauptstadt klar. Vielmehr finden tagtäglich Geschäfte ihren Sitz haben. Außer der Allianz, dem mit den Akteuren der Banken, Versicherun- Marktführer für Lebensversicherungen, sind gen oder Wirtschaftsprüfern und -anwälten weitere namhafte Adressen präsent, daeinerseits und ihren Pendants in den Finanz- runter die Wüstenrot & Württembergische abteilungen der Realwirtschaft andererseits und die Nummer eins unter Deutschlands statt. Die Finanzbranche Börsen für Privatanleund die gewerbliche Inger. „Wir haben beSYMBIOTISCHE dustrie pflegten so etwas reits auf den ersten BEZIEHUNG wie eine symbiotische BeBlick eine ganze Reiziehung, beschreibt Dirk he an Perlen zu bieSturz von Stuttgart Financial die Situation ten“, sagt Burghof. Und auf den zweiten am Finanzplatz Stuttgart. Blick sind die vielen wohlhabenden PrivatIn ein ähnliches Horn stößt der Finanz- kunden und die vielen kleinen Finanzunterund Wirtschaftsminister von Baden-Würt- nehmen typisch sowie eine zwar unauffällitemberg, Nils Schmid, mit Blick auf die ge, aber agile Szene der Vermögensberater staatlichen Förderinstitute. Stuttgart gehöre und -verwalter. Und dann ist da noch die nach Frankfurt am Main und neben Börse Stuttgart, die neben ihrer Rolle als München zu den bedeutendsten deutschen Handelsplattform als neutrales Forum inFinanzstandorten, sagt er. Immerhin be- nerhalb der Financial Community dient. spe

FINANZEN

BÖRSE

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WIRTSCHAFT UND FINANZEN

Dienstag, 6. Mai 2014

„Ein Fall evidenten Machtmissbrauchs“

Foto: Michael Steinert

Im Interview übt Ministerpräsident Winfried Kretschmann deutliche Kritik an seinem Vorgänger Stefan Mappus

S

olidarität ist ihm ganz wichtig, wenn er über die föderale Ordnung spricht. Winfried Kretschmann kann sich aber genauso gut ärgern, wie das Thema EnBWDeal seines Vorgängers zeigt. Im Interview äußert sich der baden-württembergische Ministerpräsident auch über den Ankauf von Steuer-CDs oder den Landespreis für junge Unternehmen. Herr Ministerpräsident, den Schwaben sagt man nach, dass sie besonders sparsam sind. Halten Sie das eher für eine Tugend oder ein Laster? Ich würde Sparsamkeit schon als Tugend sehen, wenn Sie so wollen, als Idealzustand zwischen Verschwendung und Geiz. Wenden wir uns den ernsteren Themen im Land zu. Ärgert es Sie, wenn Ihr Vorgänger den EnBW-Deal immer noch als gutes Geschäft für das Land sieht? Dass Politik – wie schon Kurt Schumacher sagte – mit der Betrachtung der Wirk-

SYSTEM MUSS „ DIESES WIEDER VOM KOPF AUF DIE FÜSSE GESTELLT WERDEN.

lichkeit beginnt, ist offensichtlich noch nicht überall bekannt. Wenn man sich die Zahlen, aber auch das Vorgehen der vorherigen CDU-Regierung ansieht, rund fünf Milliarden Euro ohne tragfähige Wertermittlung und unter Umgehung des zuständigen Parlaments auszugeben, kann man über die Aussage von Herrn Mappus nur den Kopf schütteln. Es geht hier um einen Fall evidenten Machtmissbrauchs der vorherigen schwarz-gelben Regierung zulasten des Steuerzahlers. Noch mal. Ärgert Sie das? Natürlich, denn so wurden schon jetzt enorme verdeckte Schulden aufgehäuft. Jenseits der Vergangenheitsbewältigung haben wir aber jetzt die Aufgabe, daran mitzuwirken, die EnBW auch unter den aktuell schwierigen Rahmenbedingungen als zukunftsfähigen Energieversorger zu positionieren. Diese Verantwortung nehmen wir selbstverständlich mit vollem Einsatz wahr. Sie sollen gesagt haben, das System des Länder-

finanzausgleichs sei „absolut bescheuert“. Wie könnte denn die von Ihnen geforderte Neuregelung aussehen? Solidarität ist natürlich wichtig in der föderalen Ordnung. Sie kann aber nicht dazu führen, dass immer weniger Länder immer mehr bezahlen müssen. Zu Beginn des aktuellen Länderfinanzausgleichs gab es fünf Zahlerländer, die knapp sieben Milliarden Euro aufbringen mussten. Jetzt bringen drei Länder knapp 8,5 Milliarden Euro auf. Damit stoßen wir auf Dauer an unsere finanziellen Grenzen. Mit welchen Konsequenzen? Dieses System muss wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden, beispielsweise indem wirksame Anreize für eine Steigerung der Ländereinnahmen verankert werden, ohne dass den Ländern dies gleich wieder genommen wird. Es wäre auch zu überlegen, ob künftig der Soli nicht nur dem Bund, sondern allen Ländern zugutekommen sollte. Wenn der Soli 2019 ausläuft, wird er sich voraussichtlich auf ein Volumen von rund 17,7 Milliarden Euro belaufen. Hier müssen die Länder einen substanziellen Anteil erhalten, unabhängig von Himmelsrichtungen. Die Opposition im Landtag hält sie – pardon für einen Leisetreter, weil Sie in dieser Frage nicht den Klageweg über das Bundesverfassungsgericht beschreiten wollen. In Anbetracht der desolaten Haushaltslage könnte das Land aber doch dringend mehr Geld gebrauchen, oder? Die Haushaltslage ist alles andere als desolat. Wir haben einen klaren Einsparpfad vorgelegt, und diesen setzen wir um. Wir haben bereits ordentliche Anstrengungen unternommen und werden von 2020 an keine neue Schulden mehr machen. Natürlich spielen da auch die Zahlungen in den Länderfinanzausgleich eine Rolle – ohne diese Zahlungen wären wir bereits heute schuldenfrei. Aber mit einer Klage wäre nicht viel gewonnen. Das Bundesverfassungsgericht wird nämlich sicherlich keinen neuen Finanzausgleich entwickeln, sondern höchstens zu Verhandlungen auffordern. Der Druck zu verhandeln ist aber auch ohne die Aufforderung des Bundesverfassungsgerichts schon da, denn das jetzige Regelwerk läuft ja 2019 aus. Deshalb setze ich mich im Kreise meiner Kollegen mit Nachdruck für frühzeitige Verhandlungen ein. Abgesehen davon sind Mittel für den Landeshaushalt immer willkommen. Als Gelddruckmaschine für den Fiskus hat sich in den zurückliegenden Jahren der Ankauf von Steuer-CDs erwiesen. Könnten Sie sich denn vor-

stellen, dass sich auch das Land an den Kosten beteiligt? Wir beteiligen uns bereits an den Ankaufkosten für die Steuer-CDs. Die Kosten werden immer je zur Hälfte von Bund und Land getragen. Wir haben uns in zehn Fällen mit knapp 1,4 Millionen Euro beteiligt. Und dann ist da ja noch die LBBW. Jetzt sollen einige Herrschaften beim Zocken sogar den Fiskus betrogen haben. Ihnen bleibt nichts erspart. Denken Sie manchmal daran, wie in der Vergangenheit immer wieder diskutiert, die LBBW mit Bayern und Hessen zusammenzulegen? Der Vorstand der LBBW selbst entlarvte die Verfehlungen einzelner Mitarbeiter und schaltete die Staatsanwaltschaft und die Steuerbehörde ein. Das ist ein Beispiel für funktionierende Revision. Die LBBW hat durch die Übernahme der rheinland-pfälzischen Landesbank und der Sachsen LB schon hinreichend zur Konsolidierung des Landesbankenbereichs beigetragen. Die LBBW hat die von der EU geforderte Umstrukturierung erfolgreich abgeschlossen und ist wieder eine der erfolgreichsten deutschen Kundenund Mittelstandsbanken. Das Thema der Zusammenlegung stellt sich für das Land als einen der drei Träger aktuell nicht. Zum Glück gibt es auch erfreuliche Themen wie den Landespreis. Wie wichtig ist Ihnen der Landespreis für junge Unternehmen? Und welche Rolle spielt er für das Land? Mit dem Landespreis werden vor allem neue und unkonventionelle Unternehmenskonzepte ausgezeichnet. Auch die Nachhaltigkeit oder das soziale Engagement des Unternehmens spielen eine Rolle. Kurz gesagt: wir suchen pfiffige Ideen für die Zukunft. Das ist wichtig für die jungen Unternehmen, die für ihre Leistung belohnt werden. Und der Wettbewerb ist ein Schaufenster für das Land, mit dem wir den Ideenreichtum unserer Betriebe darstellen können. Wie kann die Politik Jungunternehmern unter die Arme greifen? Die Auszeichnung besonderer Leistungen wurde ja als Beispiel schon genannt. Es gibt auch finanzielle Hilfen, wie verbilligte Darlehen, Bürgschaften oder Beteiligungsfinanzierungen. Und es gibt viele Beratungsangebote für Existenzgründer. Ist das überhaupt sinnvoll? Ganz zweifellos. Der Weg von einer guten Idee zu einem erfolgreichen Betrieb ist nicht immer ganz einfach. Da ist es gut, wenn für die Startphase Hilfe zur Verfügung steht.

Könnten Sie sich einen vom Land unterstützten Gründerfonds vorstellen, der sich beispielsweise explizit an Unternehmer aus dem sozialen Bereich richtet? Gerade da liegen ja durch die demografische Entwicklung die großen Herausforderungen für die Zukunft. Wir arbeiten gerade mit privaten Partnern an einem Gründerfonds, der innovativen Existenzgründern Eigenkapital zur Verfügung stellen soll. Ausschlaggebend für eine Beteiligung ist der innovative Charakter des Produkts oder der Dienstleistung – egal zu welcher Branche das Unternehmen gezählt wird. Das Gespräch führten Reimund Abel und Ingo Dalcolmo.

V ITA Winfried Kretschmann Winfried Kretschmann ist seit Mai 2011 Ministerpräsident des Landes BadenWürttemberg. Er wurde am 17. Mai 1948 in Spaichingen geboren. Kretschmann wuchs in einem liberalen, katholischen Elternhaus auf. Vom Dorf auf der Schwäbischen Alb ging es dann aufs Gymnasium in Oberschwaben. Nach dem Abitur leistete Winfried Kretschmann seinen Grundwehrdienst ab und studierte anschließend an der Universität Hohenheim Biologie und Chemie für das Lehramt an Gymnasien. Nach dem zweiten Staatsexamen 1977 unterrichtete er als Lehrer in Stuttgart, Esslingen, Mengen und Bad Schussenried. Seit Studententagen politisch aktiv gründete Kretschmann 1979 zusammen mit anderen die Grünen in Baden-Württemberg. Ein Jahr später wurde Winfried Kretschmann Mitglied der ersten grünen Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Der hessische Umweltminister Joschka Fischer holte ihn 1986 als Grundsatzreferent ins erste grüne Umweltministerium. Nach zwei Jahren in Wiesbaden kehrte Kretschmann 1988 in den baden-württembergischen Landtag zurück, dem er seither mit einer Unterbrechung angehört. 2002 wurde Kretschmann zum Fraktionsvorsitzenden seiner Partei gewählt und blieb dies bis 2011. Mit 73 von 138 Stimmen wählte der Landtag Winfried Kretschmann am 12. Mai 2011 zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg.


WIRTSCHAFT UND FINANZEN

Dienstag, 6. Mai 2014

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Treibstoff für den Start Venture Capital, Business Angels und öffentliche Fördermittel bringen Gründer in die Erfolgsspur

NETZWERKE SIND DAS A UND O Das VC-Angebot allerdings sei hier eben nicht so organisiert und konzentriert wie im Silicon Valley. Umso wichtiger sind Netzwerke und Kapitalgeber wie die MBG und der High-Tech Gründerfonds (HTGF) als größter deutscher Frühphasenfinanzierer. Auch für die vor zwei Jahren gegründete Notion Systems in Schwetzingen waren sie entscheidende Stellschrauben für den Erfolg. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet unter anderem industrielle Inkjet-Drucker, mit denen funktionale Tinten präzise in der Fertigung von Elektronik, Fotovoltaik und organischen Leuchtdioden auf Bauteile aufgebracht werden. Das hilft, Chemikalien zu sparen, und macht sogar manche Anwendungen überhaupt erst möglich „Wir haben das Marktpotenzial erkannt, ohne die Startfinanzierung durch die MBG und den HTGF aber wären wir vermutlich nie gegründet worden“, sagt Geschäfts-

führer Michael Doran. Von den MBG-Investmentmanagern kam dann auch der Rat, bei Veranstaltungen und Wettbewerben den Kontakt zu lokalen Investoren zu suchen. Es hat sich gelohnt. Notion Systems wurde 2013 sowohl zweiter Sieger des Venture Capital Pitch als auch Gewinner des vom Netzwerk Baden-Württemberg: Connected (bwcon) vergebenen Cyber-One Award. „Das hat uns Rückenwind für die spätere A-Finanzierungsrunde gegeben, bei der wir mit der Sparkassenbeteiligungsgesellschaft Heilbronn-Franken und der S-Kap Beteiligungen der Sparkasse Pforzheim Calw weitere Investoren gefunden haben“, sagt Doran.

PLATTFORM SORGT FÜR ÜBERBLICK Einen Überblick über Netzwerke, Risikokapitalgesellschaften und Förderinstitute bietet die Internetplattform von VC-BW. Darüber hinaus ist die Suche nach persönlichen Kontakten unverzichtbar. „Nur so erfahren Gründer, welche Investoren an bestimmten Unternehmensphasen und Technologien interessiert sind“, sagt Selbherr. Das können neben den Beteiligungsgesellschaften auch Business Angels sein: Vermögende, die privates Geld in junge Technologiefirmen investieren. Die öffentliche Hand trägt zum Ausbau des Kapitalangebots ebenfalls bei. So hat die Landesregierung 2009 gemeinsam mit der L-Bank, der MBG und der LBBW Venture Capital den Seedfonds BW aufgelegt. Auch der schon seit einiger Zeit geplante „Venture Capital Fonds Baden Württemberg“ soll nun aus der Taufe gehoben werden. Die Landesregierung hatte den Fonds bereits 2013 zur Notifizierung in Brüssel angemeldet. Nach einer neuen EULeitlinie für staatliche Beihilfen zur Förderung wird diese aber von Juli 2014 an gar nicht mehr erforderlich sein. Der Fonds kann deshalb in der zweiten Jahreshälfte mit einem Volumen von zehn Millionen Euro an den Start gehen, wobei jeweils vier Millionen aus Landesmitteln sowie von institutionellen Anlegern des Versicherungssektors kommen. Die MBG, die das Fondsmanagement übernimmt, wird als Parallelinvestor Kapital in Höhe von zwei Millionen Euro zur Verfügung stellen. „Der Fonds will ein Mitinitiator für junge technologieorientierte Wachstumsunternehmen sein, gleichzeitig soll er die Diversifikation des Lan-

des hin zu neuen Produkten und Branchen unterstützen“, so Selbherr. Kleine und junge Unternehmen auch außerhalb des Technologiesektors können seit 2013 auch europäische Mittel bis zu 50 000 Euro aus einem MikromezzanineFonds abrufen. Der Vorteil: Mezzanine ist eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital, für das die Firmen keine Sicherheiten mitbringen müssen. Es führt damit zu einer höheren Eigenkapitalquote, was den Spielraum für Bankkredite erweitert. In Baden-Württemberg hat die MBG, bei der das Mikromezzanine beantragt werden kann, bis Ende März damit bereits 60 Unternehmen begleitet. Spezielle Förderprogramme gibt es auch für Darlehen zur Finanzierung sehr kleiner Gründungsvorhaben. Die L-Bank bietet

mit „Startfinanzierung 80“ zinsgünstige Förderkredite bis 100 000 Euro, wobei eine 80-prozentige Risikoentlastung der Hausbank durch die Bürgschaftsbank enthalten ist. Das hilft besonders Gründern, die über keine Sicherheiten verfügen. 2013 hat die Förderbank mehr als 1000 Kredite aus diesem Programm vergeben, während es 2007 erst rund 700 waren. Insgesamt nehmen eher die Kredite im oberen Volu-

mensegment zu, während Mikrofinanzierungen unter 30 000 Euro konstant für rund ein Viertel dieser Startkredite stehen. „Auch diese kleineren Finanzierungen sind uns wichtig, denn wir wollen das Unternehmertum generell fördern“, sagt Walter Weik, Generalbevollmächtigter der L-Bank. Zentrale Säulen der über die Hausbank weitergeleiteten Existenzgründerkredite sind bei einem Anteil von 45 bis 50 Prozent die Sparkassen und mit 30 bis 35 Prozent die Genossenschaftsbanken. „Wichtige Multiplikatoren sind aber auch regionale Veranstaltungen wie die Wirtschaftsforen der L-Bank oder unsere Website“, sagt Weik. Bei den von der L-Bank mit den regionalen Wirtschaftskammern veranstalteten Sprechtagen können Firmen sich konkret über Fördergelder informieren. Auch das kann eine Initialzündung sein. Norbert Hofmann

F o to : V a ri o Im ages

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s ist weder das Silicon Valley noch eine Startrampe der Nasa. Doch auch der Schritt auf dieses Podium kann zur Initialzündung werden. Wenn junge High-Tech-Unternehmer aus Baden-Württemberg beim jährlich stattfindenden „Venture Capital Pitch“ ihre Geschäftsideen vorstellen, treffen sie auf potenzielle Investoren aus ganz Deutschland. Ein besseres Publikum können sie kaum finden. Denn es verfügt über das, was Start-ups am dringendsten brauchen: Risikokapital. Der Wettbewerb wird ausgerichtet von VC-BW, dem baden-württembergischen Netzwerk für Beteiligungskapital (VC). VCBW wurde durch das Wirtschaftsministerium und Stuttgart Financial in enger Zusammenarbeit mit regionalen und branchenfokussierten Gründer- und VC-Netzwerken ins Leben gerufen, um innovative Gründer ins Blickfeld von Wagniskapitalinvestoren zu rücken. Laut einer Analyse der Branchenverbände BVK und Bitkom lag Baden-Württemberg im Jahr 2013 bei den VCInvestitionen in IT-Start-ups mit 8,6 Millionen Euro weit hinter Bayern und Berlin, die zusammen fast das 20-Fache erreichten. An den Risiken liegt es eher nicht. „In BadenWürttemberg sind die Chancen für innovative Start-ups aufgrund der hervorragenden industriellen Struktur, der Vielzahl forschender Unternehmen und der geradezu einzigartigen universitären Forschungslandschaft samt zahlreicher Steinbeis-Transferzentren überdurchschnittlich“, sagt Guy Selbherr, Geschäftsführer der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft BadenWürttemberg.

Flexiblere Finanzierung Hersteller mit eigener Bank – was Autobauer vorgemacht haben, gibt es auch in anderen Branchen

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ie Autobanken haben es vorgemacht. BMW, Mercedes und Volkswagen unterhalten längst allesamt ihre eigenen Banken. Auch Siemens besitzt seit drei Jahren eine Banklizenz. Und nun hat im Februar auch der Laser- und Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf in Ditzingen sein eigenes Institut mit Vollbanklizenz gegründet. Mit der Trumpf Financial Services GmbH kümmert sich der Laser- und Werkzeugmaschinenhersteller von nun an selbst darum, dass die Kunden ihre TrumpfMaschinen bezahlen können. Die Aktivität ist nicht wirklich neu, vielmehr ist der Schritt zur Universalbank nur ein weiterer konsequenter Schritt im Zuge der Absatzfinanzierungen, die das Unternehmen schon seit geraumer Zeit betreibt. So bietet Trumpf seit zehn Jahren über seine beiden Leasinggesellschaften in Deutschland und der Schweiz Absatzfinanzierungen europa- und weltweit an. Mit Erhalt der Vollbanklizenz aber können die Ditzinger jetzt grenzüberschreitende Dienstleistungen ermöglichen, ohne dass gesonderte Zulassungsverfahren notwendig sind. Wie weit verbreitet Absatzfinanzierungen unter mittelständischen Unternehmen sind, macht auch das Beispiel der Stoll Financial Services klar. Die Finanzierungstochter der Stoll GmbH & Co. KG, dem weltweit führenden Hersteller von Flachstrickmaschinen mit Sitz in Reutlingen, war bereits 2002 zur Vertriebsunterstützung für schwierige Auslandsfinanzierungen der Stoll-Kunden gegründet worden. Stoll Financial Services wirbt damit, dass es bei ihr „keine anonymen Formularwüsten, realitätsfremde Ratingsysteme oder langwierige Genehmigungsverfahren“ gebe. Außerdem

wird betont, dass von ihr finanzierte Projekte keine Auswirkungen auf die Kreditlinien ihrer Kunden hätten, mit denen man an einer längerfristigen, eben auch finanziellen Kooperation interessiert sei. Derartige Aussagen können bei klassischen Banken durchaus die Alarmglocken klingeln lassen. Schließlich hört sich das ja alles nach neuem Wettbewerb an. So hat auch die Trumpf Bank angekündigt, in Zukunft rund um Absatzfinanzierung, Kreditvergabe und Existenzgründung völlig neue

Produkte anzubieten. Hinzu soll eine breite Palette an Finanzdienstleistungen auch für Mitarbeiter kommen. Nach außen aber geben sich Vertreter der Kreditwirtschaft gelassen. Es habe geradezu eine innere Logik, dass Trumpf den Schritt mit der eigenen Bank gehe, sagt Thomas Keller, Sprecher der Geschäftsleitung der Deutschen Bank in Stuttgart, angesichts der engen Beziehungen zwischen Trumpf und seinen Kunden. So könne es durchaus sinnvoll sein, dass die neue Firmenbank

Abnehmer in Südeuropa, wo die Kreditbeschaffung nicht immer einfach sei, bei der Finanzierung von Trumpf-Maschinen unter die Arme greife. Ähnlich sieht dies Jürgen Horn, Stuttgarter Niederlassungsleiter der HSH Nordbank. Was Trumpf da mache, sei eine sinnvolle Ergänzung zu dem Angebot der Banken, meint er. Sehr wohl als Konkurrenz zu den klassischen Banken sieht indessen Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an

Auch der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf, Spezialist in der Laserbearbeitung, hat eine Vollbanklizenz.

Foto: Factum/Weise

der Universität Hohenheim, die Gründung eines firmeneigenen Instituts wie das von Trumpf. Schließlich sei doch gerade das Geschäft mit der mittelständischen Wirtschaft von den Banken so stark umworben wie kaum ein anderes. „Firmeneigene Banken stehen im Wettbewerb zur Kreditwirtschaft, die das Geschäft mit bonitätsstarken Kunden gerne selbst machen würde“, so Burghof. Und nicht zuletzt deshalb, weil dieses Segment nicht unbegrenzt groß ist, „knabbert eine solche Entwicklung am Geschäft der Banken“. Generell würden immer mehr Unternehmen über die Nützlichkeit einer eigenen Finanzierungsgesellschaft nachdenken, sagt Burghof. Nicht zuletzt deshalb, weil man auch nicht immer mit den eigenen Banken zufrieden sei. Zum einen würde man seine Kunden in der Regel besser kennen als die Banken. Und zum anderen seien Industrieunternehmen direkter an ihren Kunden dran als die Kreditwirtschaft. „Das heißt, man weiß genau, wann der Kunde welche Dienstleistung braucht“, erläutert Burghof. Den Industrieunternehmen steht dabei noch eine weitere Möglichkeit offen, die die Banken in dieser Form nicht zur Verfügung haben. Sollte einer ihrer Abnehmer in Zahlungsschwierigkeiten kommen, so scheuen sich die Unternehmen in der Praxis nicht, wie zu hören ist, bei ihren Abnehmern auch schon mal mit dem Lastwagen vorzufahren, um die noch nicht abbezahlte Maschine mitzunehmen. Denn die produzierenden Unternehmen haben im Gegensatz zur Bank in der Regel die Möglichkeit, die konfiszierte Maschine auf dem Gebrauchtmarkt zu Geld zu machen, um zu retten, was noch zu retten ist. Thomas Spengler


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WIRTSCHAFT UND FINANZEN

Dienstag, 6. Mai 2014

Fluch und Segen Niedrige Zinsen beim Bausparen

AUF JAHRE HINAUS PROFITIEREN Im Schnitt liegen die günstigsten Bauspardarlehenszinsen heute bei rund 1,5 Prozent. Und selbst wenn die Tiefzinsperiode noch einige Jahre andauern sollte, dürften sich heutige Bausparer bei Zuteilung ihres Bausparvertrages um das Jahr 2020 zu ihrer damaligen Weitsicht und vor allem zu minimalen Finanzierungskosten gratulieren, meint Bernd Hertweck, Vorstandchef der Wüstenrot Bausparkasse AG. „Und je schärfer der irgendwann sicher eintretende Zinsanstieg sein wird, umso größer ist der ,Gewinn‘ des Bausparers“, macht er klar. Bausparer profitieren von einem „systembedingten Pluspunkt“, wie es Hertweck nennt: der Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt. Denn Bauspardarlehen werden im Gegensatz zu Hypothekendarlehen nicht über den Kapitalmarkt refinanziert, sondern über Einzahlungen aller Bausparer in einen gemeinsamen Topf. „Es entsteht so ein geschlossener Spar- und Entnahmekreislauf, der es erlaubt, Bausparern besonders günstige Darlehenskonditionen über die gesamte Vertragslaufzeit zu gewähren.“ Für die Bausparbranche aber stellt die aktuelle, extreme Niedrigzinsphase eine enorme Herausforderung dar. Denn während die Bausparer von Schwankungen an

Foto: Blickwinkel/McPhoto

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ausparer profitieren von niedrig verzinsten und zinsstabilen Darlehen, weil deren Konditionen, wie bei Vertragsabschluss zugesagt, auch in der Zukunft gelten. Bei normalen Zinsverhältnissen sind Bauspardarlehen deutlich günstiger als sonstige Baudarlehen. „Dafür nehmen die Bausparer während der Ansparphase einen Zinsverzicht im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten in Kauf “, erläutert Matthias Metz, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG. Dieser „Preis“ fällt jedoch gerade in Zeiten niedriger Zinsen sehr gering aus. Daher, so Metz, müssen Bausparer im Verhältnis zu anderen sicheren Anlageformen gegenwärtig kaum einen Zinsverzicht hinnehmen. Vielmehr könnten sie sich schon heute die historisch niedrigen Zinsen für einen langen Zeitraum in der Zukunft sichern und davon in der Darlehensphase profitieren. Vor diesem Hintergrund mache die Niedrigzinsphase den Sprung in die eigenen vier Wände als Investition fürs Leben möglicher denn je, sagt Tilmann Hesselbarth, Vorsitzender des Vorstandes der LBS BadenWürttemberg. „Schließlich sind die Raten für die Baufinanzierung aktuell kaum höher als eine vergleichbare Miete – die zudem stetig steigt“, so Tilmann Hesselbarth. Wohneigentum sei die beste Mietpreisbremse. „Und als Versicherung gegen steigende Zinsen ist der Bausparvertrag gerade in diesem Umfeld ein wichtiger Baustein jeder Finanzierung.“

den Kapitalmärkten unabhängig sind, gilt dies nicht für die Bausparkassen selbst. Wie bei allen Banken haben auch bei den Bausparkassen die Kapitalmarktzinsen maßgeblichen Einfluss auf ihr Geschäft, schließlich verringern sich in der anhaltenden Niedrigzinssituation deren Zinsmargen. Die Anlage freier Bausparmittel, die nicht als Bauspardarlehen oder als Sofortfinanzierungen ausgereicht werden, sei daher komplizierter geworden, gesteht Schwäbisch-HallChef Metz ein. In der aktuellen Situation seien das Finanzmanagement und die Produktkalkulation der Bausparkassen stark gefordert, sagt er. Schließlich könne man die Zinsen der bestehenden Verträge, die in der Regel 15 bis 20 Jahre laufen, nicht zum Nachteil der Kunden im Nachhinein verändern. Gerade weil Bausparen ein sehr langfristiger Prozess ist, steht die Branche immer wieder vor der Aufgabe, das Kollektiv unter sich ständig verändernden Bedingungen auszusteuern und ihre Tarifwerke zu überprüfen. Daher setze man seit jeher auf eine vorausschauende Produktpolitik und habe das Angebot frühzeitig an die Niedrigzins-

situation angepasst, heißt es bei der LBS Baden-Württemberg. „Dafür werden in regelmäßigen Abständen unterschiedliche Zins-Szenarien und ihre Auswirkungen berechnet“, erläutert Hesselbarth von der LBS. Ebenso tun dies die anderen Anbieter, so dass es der Branche insgesamt gelingt, der Niedrigphase zu trotzen.

VEHIKEL FÜR DIE ENERGETISCHE SANIERUNG Doch Bausparen ist nicht nur ein etabliertes Instrument für die Finanzierung des Wohneigentumerwerbs durch Bau oder Kauf. Zunehmend würden Kredite für Bestandsmaßnahmen wie Umbau, Anbau und Sanierung gegeben, heißt es bei der Deutschen Bausparkasse Badenia. „Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten und aus Gründen des Klimaschutzes gewinnt insbesondere der Bereich der Energieeinsparung

und -eigenversorgung immer mehr an Bedeutung“, sagt der Vorstandsvorsitzende der in Karlsruhe beheimateten Bausparkasse, Jochen Petin. So fließe bereits ein großer Teil der ausbezahlten Bausparmittel in energetische Modernisierungsmaßnahmen. „Der Bausparvertrag wird immer mehr zum Energiesparvertrag“, so Petin. Damit trägt diese Sparform dazu bei, die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende umzusetzen, die mit dem Ziel verknüpft ist, die Energiebilanz des Hausund Wohnungsbestands in Deutschland deutlich zu verbessern. So soll der Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 nahezu klimaneutral sein und der Primärenergiebedarf bis dahin um 80 Prozent sinken. Dafür müssen pro Jahr etwa 33 Milliarden Euro investiert werden, die Hälfte für energetische Maßnahmen. Gerade hier, im Bereich kleiner bis mittelgroßer Baufinanzierungen, könne der Bausparvertrag seine Stärken voll ausspielen, sagt Hertweck von Wüstenrot. „Denn im Bereich bis 50 000 Euro sind normale Baukredite – auch im aktuellen

Umfeld – weit teurer als Bauspardarlehen.“ Trotz vieler Förderprogramme für das energieeffiziente Wohnen – etwa von der L-Bank – werden die Privateigentümer im Kern die Investitionen schultern müssen, überwiegend durch eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. „Hierfür bietet sich der Bausparvertrag geradezu an“, meint Hertweck. Denn egal ob das Geld zur energetischen Modernisierung und Renovierung kurzfristig benötigt werde oder ob die Investitionen am Haus erst in ein paar Jahren anstünden: „Der Bausparvertrag passt sich den individuellen Bedürfnissen der Immobilienbesitzer an und ist dabei durch seine Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt immer zinsgünstig.“ Bereits heute werden mit Bausparmitteln Milliarden Euro in die Verbesserung der Wohnsubstanz gesteckt, während nur noch ein kleinerer Teil in den Neubau fließt. Bei der Wüstenrot Bausparkasse beispielsweise beträgt dieses Verhältnis ungefähr zwei zu eins. Auch bei der LBS entfällt mehr als die Hälfte auf Modernisierungen – häufig mit dem Ziel, den Energieverbrauch im Gebäude zu senken. „Bausparen beflügelt also die private Energiewende regelrecht“, resümiert Hesselbarth. Thomas Spengler

Grundlagen der Zinsprognose als Zankapfel Versicherungswirtschaft fordert Nachbesserungen bei Solvency II

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ie Versicherungsaufsicht in Europa steht vor einem Systemwechsel. Von 2016 an gilt Solvency II – eine neue Regelung zur Eigenmittelausstattung, die einerseits eine hohe Stabilität der Branche gewährleisten, gleichzeitig aber den Unternehmen noch Freiraum lassen soll, um erfolgreich wirtschaften zu können. Es geht um ein Regelwerk, das die Versicherungsaufsicht in der EU zwar harmonisiert, gleichzeitig aber den nationalen Unterschieden Rechnung trägt. Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Solvabilitätsvorschriften. Sie definieren die Eigenmittel, die ein Versicherungsunternehmen vorhalten muss, um seine Verpflichtungen gegenüber Kunden erfüllen zu können. Im Unterschied zu den heutigen Regeln enthält Solvency II weniger starre Vorgaben – die Versicherer sind somit flexibler, etwa in ihren Anlageentscheidungen. Je mehr Risiken sie jedoch eingehen, desto mehr Eigenmittel müssen sie vorhalten. „Die Grundidee von Solvency II, die Kapitalanforderungen für Versicherer stärker an ihrem tatsächlichen Geschäfts- und Risikoprofil auszurichten, ist richtig und gut“, sagt Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und Vorstandsvorsitzender des Finanzdienstleistungskonzerns Wüstenrot & Württembergische AG in Stuttgart. „Bevor Solvency II im Jahr 2016 in Kraft treten kann, ist aber noch eine Reihe von Fragen zu klären.“ Nach jahrelangen Verhandlungen hatten sich die EU-Parteien erst im vergangenen

Herbst auf die Eckpunkte des künftigen Aufsichtssystems verständigt. Abgeschlossen ist die Arbeit an dem Projekt damit aber nicht. Aktuell wird an den Details des Regelwerks gefeilt. „Für uns ist vor allem wichtig, dass wir auch in Zukunft Altersvorsorgeprodukte

Die Renditen von Lebensversicherungen haben auch immer etwas von einer Wette auf die Zukunft. Foto: Phalanx

mit langfristigen Garantien anbieten können, die für den hiesigen Markt so charakteristisch sind“, betont Erdland. Eine zentrale Rolle spielen für die Versicherer dabei die konkreten Regeln zur Bewertung dieser langfristigen Garantien. Um

beispielsweise in 20 Jahren 100 000 Euro auszahlen zu können, muss ein Versicherer schon heute einen gewissen Betrag reservieren. Wie viel das ist, hängt von der künftigen Zinsentwicklung ab. Aufschluss darüber soll unter Solvency II die europaweit einheitlich definierte Zinsstrukturkurve geben. Sie berücksichtigt Marktdaten – und bildet damit die Erwartung der Investoren ab. Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die Versicherer in Europa diese Zinsstrukturkurve jedoch nur mit einem Abschlag anwenden dürfen. Einen solchen willkürlichen Eingriff hält der GDV für ungerechtfertigt, weil er die Transparenz der Zinsstrukturkurve verringere. Diese basiere ja schließlich auf echten Marktdaten. Zudem käme es zu unterschiedlichen Wertansätzen in der Bilanz, da es für die Bewertung von Vermögenswerten keinen Abschlag auf den Marktzins gebe, argumentiert der GDV. Die Versicherer dringen zugleich darauf, für die Bewertung ihrer langfristigen Garantien nur valide Daten heranzuziehen. Die Zinsstrukturkurve bietet verlässliche Werte für 20 Jahre – für die Zeit danach müssen die Unternehmen mit Modellen arbeiten. Die Einigung zu Solvency II sieht vor, dass sie dabei ab dem 20. Jahr schrittweise den sogenannten Langfristzins anwenden – ein Wert, der die langfristige Zinsentwicklung und die erwartete Inflation abbildet. Aus Sicht des GDV ist es wichtig, dass bei der schrittweisen Annäherung an den Langfristzins tatsächlich nur Marktdaten der ersten 20 Jahre einbezogen werden – und keine unzuverlässi-

gen Werte späterer Jahre. „Andernfalls könnte es zu willkürlichen Schwankungen in der Bewertung langfristiger Garantien kommen, die das Angebot langfristiger Vorsorgeprodukte weiter erschweren“, betont Erdland. Änderungen mahnt der GDV-Präsident auch bei den Dokumentationspflichten an, die mit Solvency II noch umfangreicher werden. „Schon heute beklagen die Anbieter, insbesondere die kleineren Unternehmen, ein Übermaß an Bürokratie, das in keinem Verhältnis mehr zum Umfang ihres Geschäfts steht“, sagt Erdland. Er spricht sich deshalb für Erleichterungen für kleine und mittelgroße Versicherer aus, sowohl in Bezug auf die Berichts- und Dokumentationspflichten als auch beim Aufbau der Unternehmensorganisation und der Eigenmittelberechnung. „Das im europäischen Gesetz zu Recht vorgesehene Proportionalitätsprinzip muss jetzt in die Tat umgesetzt werden“, mahnt Erdland. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Bis Mitte dieses Jahrs will die EU-Kommission die Details zu Solvency II vorlegen. Anschließend bekommen noch das Europäische Parlament und der Rat die Gelegenheit, Nachbesserungswünsche anzumelden. Nach derzeitigem Stand soll das Regelwerk bereits Anfang 2015 in nationales Recht umgesetzt werden. „Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Frist zwischen Finalisierung und Scharfschaltung der Regeln sehr kurz sein wird. Das fordert der Versicherungswirtschaft viel ab“, sagt Erdland. Thomas Spengler


Team by Krämer Eckl

Blickpunkt Mittelstand

Der Mittelstand ist das Herz unserer Wirtschaftskraft. Zahlreiche baden-württembergische Unternehmer sind Macher, die mit Innovationskraft und Zielstrebigkeit aus ihren Firmen Weltunternehmen geformt haben. Viele haben wir dabei in den letzten 10 Jahren als Rechtsanwalts- und Notarkanzlei begleitet. Darauf sind wir stolz.

Als unabhängige Rechtsanwalts- und Notarkanzlei mit Sitz in Stuttgart engagieren wir uns vor allem für Unternehmen und Unternehmer. Eine unserer besonderen Stärken ist der Mittelstand: Wir kennen seine Herausforderungen. Wir identifizieren uns mit seinen Zielen. Wir verfügen über die Kompetenz und Ressourcen, um die daraus resultierenden Aufgaben souverän zu lösen. Und wir verbinden das komplette Leistungsportfolio einer Großkanzlei mit der individuellen Betreuung einer kleineren Einheit. Das alles hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind: eine der Top-50-Kanzleien in Deutschland. Menold Bezler Rechtsanwälte, Stuttgart, Telefon +49 711 86040-00, www.menoldbezler.de

Mittelstand im Mittelpunkt®


EIN SONDERTHEMA DER ZEITUNG WIRTSCHAFT IN BADEN-WĂ&#x153;RTTEMBERG

M O B I L I TĂ&#x201E;T IN DER REGION D I E N S TAG , 6 . M A I 2 0 1 4 Die vernetzte Bahn

Der BĂźrgerbus

Der Business-Flug

Die Zeiten, in denen die Optimierung von StraĂ&#x;en- oder Schienennetz angesagt war, sind vorbei. Mobilität muss systemĂźbergreifend werden.

Was tun, wenn der letzte Laden im Dorf schlieĂ&#x;t, aber nicht jeder eigenständig in den Nachbarort fahren kann? Der BĂźrger steuert den Bus.

Schnelligkeit, Flexibilität und persÜnlicher Service sind die Stärken von Business-Jets. Oft sind sie fßr Geschäftsreisen die gßnstigere Alternative.

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Trau, Stau, wem M

ehr als 830 000 Staukilometer haben Experten fĂźr Deutschland im vergangenen Jahr registriert. Eine gigantische Kolonne an Autos, Lastwagen, Motorrädern oder Transportern, die den Erdball rechnerisch mehr als 20-mal umspannen kĂśnnte. Stellt man sich vor, wie viel Zeit da auf der Strecke bleibt, lässt sich in etwa ermessen, wie viel Wirtschaftskraft dieser kollektive Stillstand kostet. Die Region Stuttgart leidet im Besonderen unter dieser Plage. Eine Umfrage unter Verbänden und politischen Gremien in einem der Ăśkonomisch erfolgreichsten Areale Europas macht die Misere anschaulich. Zunächst eine Analyse, wo es am meisten hakt. Der Verkehr ist an den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit angelangt und hat sie in Teilen womĂśglich bereits Ăźberschritten, heiĂ&#x;t es bei der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK). Die Siedlungsstruktur und das Image des GĂźterverkehrs machen den Infrastrukturausbau, ganz gleich bei welchem Verkehrsträger, teuer, komplex und langwierig. â&#x20AC;&#x17E;Tatsache istâ&#x20AC;&#x153;, sagt IHK-HauptgeschäftsfĂźhrer Andreas Richter, â&#x20AC;&#x17E;dass alle Landesregierungen der zurĂźckliegenden 30 Jahre das Thema Verkehrsinfrastruktur vernachlässigt haben.â&#x20AC;&#x153; Nach wie vor habe die IHK nicht den Eindruck, dass man in Berlin und Stuttgart daran wirklich etwas ändern wolle. Der ADAC nennt das Problem â&#x20AC;&#x17E;Kapazitätsengpässeâ&#x20AC;&#x153;, meint aber im Grunde dasselbe wie die IHK. â&#x20AC;&#x17E;Sowohl die StraĂ&#x;enverkehrsinfrastruktur als auch der Ă&#x2013;PNV kĂśnnen das MobilitätsbedĂźrfnis der BevĂślkerung von heute nicht mehr erfĂźllenâ&#x20AC;&#x153;, erklärt ADACSprecherin Melanie Hauptvogel. Zudem fehle es an Alternativen, sagt sie. Defizite bestĂźnden zum Beispiel in der Anbindung des ländlichen Raums an die groĂ&#x;en Verkehrsachsen des Ă&#x2013;PNV. â&#x20AC;&#x17E;Neben den nur wenig vorhandenen Anbindungen durch Busse und Bahnen an die groĂ&#x;en BahnhĂśfe sind zumeist auch keine MĂśglichkeiten mehr

Stuttgart ist die Stauhauptstadt Deutschlands. Etwa 60 Stunden im Jahr steht ein Autofahrer still. Was heiĂ&#x;t das fĂźr die Wirtschaft?

Montage: Leonie und Jule Haas Fotos: Ingo Dalcolmo

zum Umsteigen vom Auto in die Bahn gegeben.â&#x20AC;&#x153; Die WirtschaftsfĂśrderung Region Stuttgart (WRS) sieht den mangelnden Platz fĂźr neue StraĂ&#x;en oder zusätzliche Schienen als Manko. â&#x20AC;&#x17E;Durch die schwierige Topografie in der Region sind die Strecken, die BĂźrger und WirtschaftsgĂźter zurĂźcklegen mĂźssen, im Durchschnitt besonders lang und die Wege damit besonders belastetâ&#x20AC;&#x153;, sagt WRS-GeschäftsfĂźhrer Dr. Walter Rogg (siehe dazu Seiten 33 und 34). Die Logistikfirmen haben tagtäglich mit unzureichenden Verkehrswegen zu kämpfen. Andrea Marongiu, GeschäftsfĂźhrer des Verbands Spedition und Logistik BadenWĂźrttemberg (VSL), diagnostiziert eine seit Jahren anhaltende â&#x20AC;&#x17E;deutliche Unterfinanzierungâ&#x20AC;&#x153;, die fĂźr StraĂ&#x;en genau so gelte wie fĂźr Schienen oder fĂźr BinnenwasserstraĂ&#x;en. Der VSL geht davon aus, dass jede Stunde, die ein Lkw im Stillstand verbringt, mit 50 bis 100 Euro auf der Negativseite zu Buche schlägt. Die Stausituation sei fĂźr die Wirtschaft hochproblematisch, heiĂ&#x;t es auch bei der IHK. FĂźr saubere Fahrzeuge mĂźssen, so die Forderung, Durchfahrtsverbote, die zu Umwegfahrten fĂźhren, gelockert werden. Beim GĂźtertransport ist der Ăśffentliche Nahverkehr (Ă&#x2013;PNV) keine Alternative, aber doch fĂźr den Menschen. Nur zum Teil, so die Auffassung. Problematisch seien fehlende Kapazitätsreserven in den Hauptverkehrszeiten. â&#x20AC;&#x17E;Die PĂźnktlichkeit der S-Bahnen muss ebenfalls verbessert werdenâ&#x20AC;&#x153;, sagt IHK-Chef Richter. Drei Viertel der Berufstätigen in der Region Stuttgart pendeln vom Wohnort zum Arbeitsplatz. â&#x20AC;&#x17E;Ohne leistungsfähigen Ă&#x2013;PNV wĂźrde der Verkehr kollabierenâ&#x20AC;&#x153;, konsta-

tiert WRS-Chef Rogg. Einer von mehreren Vorschlägen, um das Leiden zu mildern: kreisĂźbergreifende Schnellbusse, die grĂśĂ&#x;ere Städte der Region verbinden sowie wichtige Ziele, etwa den Flughafen, ansteuern. Rogg: â&#x20AC;&#x17E;Alles, was die StraĂ&#x;en des Ballungsraums entlastet, ist willkommen, damit mehr Kapazitäten fĂźr den Verkehr zur VerfĂźgung stehen, der nicht von der StraĂ&#x;e verlagert werden kann.â&#x20AC;&#x153; Der ADAC weist auf Fehler in der Vergangenheit hin: â&#x20AC;&#x17E;Die VerknĂźpfung des Ă&#x2013;PNV mit anderen Verkehrsträgern wurde lange Zeit vernachlässigt, so dass heute ein Nachholbedarf in diesem Bereich bestehtâ&#x20AC;&#x153;, sagt Club-Sprecherin Melanie Hauptvogel.

druck, dass die Regierenden die We i c h e n in die falsche Richtung stellen. GrĂźn-Rot mĂźsse handeln und andere Prioritäten setzen, so die Ăźbereinstimmende Meinung. â&#x20AC;&#x17E;Die Politik hat dafĂźr Sorge zu tragen, dass nicht nur Radwege gebaut werdenâ&#x20AC;&#x153;, sagt IHK-HauptgeschäftsfĂźhrer Richter. Die Wirtschaftsregion Stuttgart fordert unmissverständlich â&#x20AC;&#x17E;mehr Geld fĂźr die Verkehrsinfrastrukturâ&#x20AC;&#x153;, sagt GeschäftsfĂźhrer Rogg. Bund und Land sollten bei der Vergabe von Infrastrukturmitteln die Bedeutung der Region als bedeutendes Wirtschaftszentrum wĂźrdigen. Richter ergänzt, StraĂ&#x;en und Schienen mĂźssten da gebaut werden, wo der Verkehr ist, â&#x20AC;&#x17E;und nicht dort, wo der jeweilige Bundestags- und Landtagsabgeordnete seinen Wahlkreis hatâ&#x20AC;&#x153;. VSL-GeschäftsfĂźhrer Marongiu setzt sich vehement fĂźr eine StraĂ&#x;enmaut fĂźr alle Nutzer ein. â&#x20AC;&#x17E;Voraussetzung ist eine Zweckbindung der Gelderâ&#x20AC;&#x153;, sagt er. Nach seiner Ă&#x153;berzeugung hakt es beim Verkehr auch deshalb, weil es beim Wähler heute nicht mehr gut ankommt, sich fĂźr neue StraĂ&#x;en, Flughäfen oder Schifffahrtswege einzusetzen. Die Politiker als Getriebene des nächsten Wahltermins und nicht der notwendigen MaĂ&#x;nahmen: eine Analyse, die Regierenden zu denken geben sollte. Reimund Abel

POLITIK: GETRIEBEN VOM NĂ&#x201E;CHSTEN WAHLTERMIN Wo und wie lässt sich Druck aus dem Kessel nehmen? Der ADAC plädiert zum Beispiel fĂźr eine umfangreichere Verbreitung von Verkehrs- und Stauinfos im innerstädtischen Bereich. Die WirtschaftsfĂśrderung Region Stuttgart dringt darauf, Unternehmen, die mit viel Verkehr verbunden sind, an den Schnittstellen zwischen Fern- und regionalen StraĂ&#x;ennetzen anzusiedeln, um eine konfliktfreie Versorgung zu sichern. Der VSL verspricht sich Verbesserungen beim GĂźtertransport auf Schiffen durch einen Ausbau der Schleusen entlang des Neckars von Mannheim bis Stuttgart. Es entsteht der Ein-

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Ausgabe 1 | 2014

â&#x20AC;&#x17E;Wirtschaft in Baden-WĂźrttembergâ&#x20AC;&#x153; geht Ăźber das umfangreiche Wirtschaftsangebot der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten hinaus und bietet durch die umfassende Aufbereitung von Schwerpunktthemen noch mehr Orientierung neben den täglich wechselnden Schlagzeilen.

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Blindheit per Definition geschlagen, den- sichtbar, präsentiere ich mich als unsentiere ich mich als unbeachtetes und unĂ&#x153;bernahmegerĂźchte Gedanken machen zu noch nicht unsichtbar, präsentiere ich beachtetes und ungeliebtes Stiefkind MitRuhe Blindheit per Definition geschlagen, geliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer LiteramĂźssen. Es wird Zeit, dass wieder mich als unbeachtetes und ungeliebtes zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blinddennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich tur. Mit Blindheit per Definition geschladenn seit dem per Abgang des lang- geschlagen, Ja bitte! Mit Blindheit per Definition geschlagen, dennoch Ehereinkehrt, nicht Mit Blindheit Definition dennoch nicht FA K T E N U N D Z A H L E N Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit heit per Definition geschlagen, dennoch mich2011 als unbeachtetes und ungeliebtes gen, dennoch nicht unsichtbar, präsentiere jährigen Chefs Fritz Oesterle im Jahr nicht unsichtbar, präsentiere ich mictetesr. Von Mustermann unsichtbar, ich mictetesr. Mustermann Blindheit per Definition geschlagen, den- nicht unsichtbar, präsentiere ich mich als Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit ich mich als unbeachtetes und ungeliebtes geht es beipräsentiere dem Pharmahändler drunter Von noch nicht unsichtbar, präsentiere ich unbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind Blindheit Kerngebiet im SĂźdwesten und drĂźber: TĂśchter wurden verkauft, Vor- per Definition geschlagen, den- Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. mich als unbeachtetes und ungeliebtes zeitgenĂśssischer Literatur. noch nicht unsichtbar, präsentiere ich stände wechselten fastBim MonatsrhythF l e x i b l e A r b e i t s z e i t m o d e l l e a l s f e s t e r e s t a n d t e i l d e r U n t e r n e h m n s k u lper t uDefinition r Literatur.und Mit mich als unbeachtetes ungeliebtes Mite Blindheit geschlagen, noch nicht und unsichtbar, präsentiere mich als unbeachtetes mus, FĂźhrungskräfte das Weite. m Blindheit per Definition ge- Stiefkind zeitgenĂśssischer it Blindheit persuchten Definition Mit Blindheit per Definition geschlagen, Definition Stiefkind geschlagen, den- Mit Blindheit per Definition geschlagen, Literatur. Mit dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich zeitgeich mich als unbeachtetes und ungeDiegeschlagen, grĂśĂ&#x;te Aufmerksamkeit giltStiefkind nun denperzeitgenĂśssischer schlagen, dennoch nicht un- Blindheit perungeliebtes dennoch nicht it Blindheit per unsichtbar, Definition geschlafinition nicht unsichtMit Blindheit Definition geschlagen, finition dennoch nicht und unsichtdennoch nicht unsichtbar, präsentiere unsichtbar, Literatur. präsentiereMit ich dennoch Blindheit per Definition geschlagen, den- geschlagen, nicht präsentiere ich geschlagen, dennoch mich unbeachtetes ungeliebtes liebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Li- als Herren. Wird McKesson Beisichtbar, präsentiere ich mich noch nicht nĂśssischer präsentiere ichzum gen, dennoch nicht unsichtbar, bar, präsentiere ich neuen mich unsichtbar, als unbeachtetes dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich bar, präsentiere ich mich als unbeachtetes ich mich als unbeachtetes und ungeliebund ungeliebtes noch ernichtteratur. unsichtbar, präsentiere ich Stiefkind mich als unbeachtetes und ungeliebtes zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Mit Blindheit Blindheit finition dennoch spiel, wie von manchen Spekulanten als unbeachtetes und ungeliebtesmich als unbeachtetes als unbeachtetes und ungeliebtes präsentiere ich mich als unbeach- und ungeliebtes mich Stiefkind zeitgenĂśssischer mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stief- per undDefinition ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer tes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Stiefkindnicht zeitgenĂśssischer mich unbeachtetes undnicht ungeliebtes zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindheit per Definition geschlagen, denunsichtbar, Literatur. präsentiere ichundStiefkind geschlagen, dennoch unsichtbar, wartet, seinen Anteil aufstocken Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Stiefkind Literatur. Mit als tetes ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssi- Literatur. Mit Blindheit perzeitgenĂśssischer Definition ge- weiter kind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit BlindLiteratur. präMit Blindheit per Definition geMit Blindheit per Definition geschlagen, Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Blindheit per Definition geschlagen, dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich ich mich als unbeachtetes unddennoch ununge-Literatur. Mit Blindheit per Definition schlagen, dennoch undunsichtbar, Celesio komplett von derper BĂśrse neh-sentiere Blindheit per Definition geschlagen, den- mich als unbeachtetes und scher Blindheit per Definition dendennoch nicht unsichtbar, präsentiere nicht präsen-geschlagen, heit Definition geschlagen, dennoch schlagen, nicht unsichtbar, präsenper Definition geschlagen, noch nicht nicht unsichtbar, präsentiere ichich mich als als unbeachtetes unbeachtetesund und ungeliebtes liebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Stiefkind zeitgenĂśssischer men? Klar ist, die Amerikaner noch nicht unsichtbar, präsentiereMit ichBlindheit noch nicht unsichtbar, präsentiere ichnachgeliebtes geschlagen, dennoch unsichtbar, prä- tiere unbeachtetes unddass ungenicht unsichtbar, präsentiere ich mich als tiere ich mich mich als ungeich mich als unbeachtetes und ungeliebdennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich ich mich alsalsunbeachtetes ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Blindheit per Definition geschlagen, Literatur. Mit Blindheit per DefiLiteratur. Mit Blindheit per Definition weiteren EinsparmĂśglichkeiten beiMit Celesio mich als unbeachtetes und ungeliebtes mich als unbeachtetes ungeliebtes sentiere mich unbeachtetes und und unliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. undunbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind zeitliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. tes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. unbeachtetes ungeliebtes dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich geschlagen, dennoch nicht prä- per Definition geschlagen, nition geschlagen,und dennoch nicht un- Stiefkind suchen werden, um imLiteratur. harten Preiskampf Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. mich Mit als Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindheit per Definition geliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer zeitgenĂśssischer Literatur. LiteragenĂśssischer Literatur. Mit Blindheit per De- unsichtbar, Mit Blindheit Stiefkind zeitgenĂśssischer Mit mich als unbeachtetes und ungeliebtes perpräsentiere Definition ich geschlagen, tur. Mit Blindheit per Definition geschlagen, dennoch nichtals unsichtdennoch nicht unsichtbar, geschlagen, dennoch nicht unsichtbar, sichtbar, präsentiereLiteratur. ich mich als unsentiere ich mich unbeachtetes undMit un-Blindheit bestehen. Dabei gibt esfinition jedoch geschlagen, Grenzen. Blindheit per Definition geschlagen, denSICHERHEIT zu GEHT per Definition geschlagen,dennoch den- Mit Stiefkind Literatur. Mitals perpräsentiere Definition ich geschlagen, dennoch nicht unsichtbar, ich präsentiere ich mich als unbeachtetes nichtBlindheit unsichtbar, bar, präsentiere ichzeitgenĂśssischer mich Stiefkind als unbeachtetes mich unbeachtetes und ungeliebtespräsentiere Stiefund ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer LiterasindDefinition die Stuttgarter kein Sanie-geliebtes noch nicht unsichtbar, präsentiereBlindheit ich beachtetes Mit SchlieĂ&#x;lich Blindheit per geschlagen, noch nicht unsichtbar, Literatur. präsentiere ich per geschlagen, den-geschladennoch nicht unsichtbar, ich mich als unbeachtetes und ungeliebtes VOR SCHNELLIGKEIT mich als unbeachtetes und ungeliebtespräsentiere Stiefund ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer kind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindund ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssiMitDefinition Blindheit per Definition zeitgenĂśssischer Mit Blindrungsfall. Pharmahändler hatBlindheit es mich als unbeachtetes und ungeliebtes dennoch nichtDer unsichtbar, präsentiere ichtrotztur. kind zeitgenĂśssischer Literatur. heit DefinitionzeitgenĂśssischer geschlagen, dennoch scher Literatur. Mit Blindhgeschlagen, ungeliebtes noch nicht unsichtbar, ichper Stiefkind mich als unbeachtetes und ungeliebtes Literatur. Mit heitunbeachtetes per Definitionund geschlagen, dennoch gen, dennoch nichtpräsentiere unsichtbar, präsentiere schwieriger Marktbedingungen geschafft, Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. mich Mit als mich als unbeachtetes undLiteratur. ungeliebtes Mit BlindheitStiefkind per aus Definition geschlagen, dennoch nic, präsentiere ich mich als Blindheit perzeitgenĂśssischer Definition geschlagen, Mit Blindheit perunbeachtetes Definition geschlagen, nicht unsichtbar, ich mich als Stiefkind zeitgenĂśssischer. mich als und ungeliebtes Stiefkind Literatur. Mit Blindheitpräsentiere per Definition geschlagen, dennicht unsichtbar, präsentiere ichMit mich als ich mich als unbeachtetes und ungeliebtes denzeitgenĂśssischer roten Zahlen zu kommen und seine Blindheit per Definition geschlagen, denLiteratur. Mit präsentiere ichgeschlagen, dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich Literatur. unbeachtetes ungeliebtes Stiefkind zeitunbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind Stiefkind zeitgenĂśssischer. Blindheit per Definition geschlagen, den- nicht unsichtbar, nochund nicht unsichtbar, präsentiere ich Stiefkind Stiefkind zeitgenĂśssischer Gewinnmarge wieder aufdennoch das branchenĂźbnoch nicht unsichtbar, präsentiere ich unbeachtetes und ungeliebtes Blindheit per Definition denund ungeliebtes Stief-präsentiere zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindheit mich ungeliebtes Stief- mich michzugegebenerals unbeachtetes und ungeliebtes Stief- genĂśssischer Literatur. Mit Blindheitund per DeLiteratur Mit Blindheit Literatur. per Definition ge-als unbeachtetes noch nicht und unsichtbar, präsentiere ichals unbeachtetes mich als unbeachtetes ungeliebtes zeitgenĂśssischer Niveau zu hieven, das mich als unbeachtetes und ungeliebtes nochliche nicht unsichtbar, ich kind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blind- kind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit BlindLiteratur. Mit Blindfinition dennoch nicht unsichtper DefinitioenĂśssischer Literatur. Mit dennoch nicht unsichtbar,kind prä-zeitgenĂśssischer mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindheit perDefinition Definition ge- geschlagen, MitMit Blindheit per geschlagen, maĂ&#x;en nicht sonderlich hoch ist. Literatur Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. schlagen, Mit mich als unbeachtetes und ungeliebtes heit geschlagen, dennoch heit per schlagen, heit DefinitionzeitgenĂśssischer geschlagen, dennoch Definitiondennoch geschlagen, dennoch bar, präsentiere ichper mich als unbeachtetes Blindheit per Definition geschlagen, sentiereMit ich Blindheit mich als unbeachtetes und un-per Stiefkind Literatur. Mitper Definition Blindheit Definition geschlagen, dennicht unsichtbar, präper Definition geschlagen, nicht unsichtbar, präsentiere ich Es spricht aber auchLiteratur. mit Blick Mit auf diedennoch Blindheit per Definition geschlagen, denStiefkind zeitgenĂśssischer unsichtbar, präsentiere ich mich als nicht unsichtbar, dennoch nicht unsichtbenĂśssischer Litenicht unsichtbar, präsentiere ich mich als nicht präsentiere ich mich als und und ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer geliebtes Stiefkind on geschlagen, dennoch Blindheit per Definition geschlagen, dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich sentiere ich mich als unbeachtetes unichund ungeliebtes Stiefkind zeit- unbeachtetes undBlindheit als unbeachtetes ungeliebtes Besonderheiten des noch nicht unsichtbar, präsentiere ich dennoch nicht unsichtbar, präsentiere perStiefkind Definition geschlagen, den-undmich ungeliebtes zeit-Gesundheitsmarktes unbeachtetes unbeachtetes ungeliebtes Stiefkind zeit-undLiteratur. Mit Blindheit per Definition geratur. Mit Blindheit. red nicht unsichtbar, präsentiere ichund michungeliebtes als noch nicht unsichtbar, präsentiere ich geliebtes StiefkindzeitgenĂśssischer on geschlagen, dennoch mich und ungeliebtes Stiefkind Mit als unbeachtetes mich als unbeachtetes dafĂźr, dass die Amerikaner bei mich als unbeachtetes und ungeliebtes nochwenig nicht unsichtbar, präsentiere ichihrer genĂśssischer Literatur. Mit Blindheit per De- genĂśssischer Literatur. genĂśssischer Literatur. Mit Blindheit per De- Literatur. schlagen.teratur. Max Mustermann und ungeliebtes Stiefkind Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. nicht unsichtbar, präsentiere ichgeschlagen, mich als denStiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. mich Mit als unbeachtetes und ungeliebtes Blindheit per Definition neuen Tochter zu einem KahlStiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. unbeachtetes mich als unbeachtetes und massiven ungeliebtes zeitgenĂśssischer Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. und ungeliebtes Blindheit Literatur. per Definition geschlagen, denunsichtbar, Stiefkind präsentiere ich schlagzeitgenĂśssischer ansetzen werden. Vor allem unbeachtetes in Euro-noch nicht Stiefkind Literatur. Mit Blindheit per Definition zeitgenĂśssischer Mit Blindheit per Definition geschlagen, mich als Literatur. unbeachtetes und ungeliebtes noch nicht unsichtbar,geschlagen, präsentiere ich pa ist das Geschäft mit verschreibungsMit Blindheit per Definition geschlagen, nichtals unsichtbar, präsentiere ich Mit Blindheit per Definition geschlagen, Mit Blindheit Definition geschlagen, Stiefkind per zeitgenĂśssischer Literatur. dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich unbeachtetes und ungeliebtes in vielen geschlagen, Ländern streng dennoch nicht unsichtbar, präsentieredennoch ich mich Mit pflichtiger Blindheit Arznei per Definition mich als unbeachtetes und ungeliebtes dennoch Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich von der Politik reglementiert â&#x20AC;&#x201C; teilweise mich als unbeachtetes und ungeliebtes dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich bis nicht unsichtbar, präsentiere ich mich als unbeachtetes und ungeliebtes zeitgenĂśssischer Literatur. Mit mich als unbeachtetes und ungeliebtes mich als ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Mitunbeachtetes Blindheit perund Definition geschlagen, hinals zu unbeachtetes den Preisen, zuund denen PharmaproStiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Stiefkind Mit mich ungeliebtes Blindheit Definition Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindheit Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Ich per Definition geschlagen, denMit Blindheit perzeitgenĂśssischer ganzer Mitper Blindheit pergeschlagen, Definition dengeschlagen, nicht unsichtbar, präsentiere ich duzenten ihreDefinition Arznei anLiteratur. den GroĂ&#x;handel Blindheit per Definition geschlagen, denStiefkind Mit dennoch unsichtbar, präsentiere ich mich noch nicht unsichtbar, präsentiere ich Blindheit per als Definition geschlagen, geschlagen, dennoch mich unbeachtetes und denungeliebtes dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich als unbeachtetes und ungeliebtes verkaufen dĂźrfen. Dasgeschlagen, setzt den mĂśglichen noch nicht unsichtbar, präsentierenoch ich nicht Blindheit per unsichtbar Definition denmich als unbeachtetes und ungeliebtes noch unsichtbar, präsentiere ich mich Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit präsentiere ich michunsichtbar, als unbeachtetes. mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit als unbeachtetes und ungeliebtes durch grĂśĂ&#x;ere Bestellvolumich als unbeachtetes und ungeliebtes nochEinsparungen nicht präsentiere ich nicht Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur.Literatur. Blindheit mich als unbeachtetes und ungeliebtes per Definition geschlagen, denStiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Foto: Stiefkind zeitgenĂśssischer Mit Blindheit per Definition geschlagen, denmina Grenzen. kommen Stiefkind zeitgenĂśssischer. mich als natĂźrliche unbeachtetes und Hinzu ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. noch nicht unsichtbar, präsentiere ich per Definition geschlagen, dennicht unsichtbar, präsentiereBlindheit ich Blindheit per Definition geschlagen, dendie groĂ&#x;en nationalen Unterschiede auf dernoch Stiefkind zeitgenĂśssischer. per Definition geschlagen, noch nicht unsichtbar, präsentiere ich noch nicht unsichtbar, präsentieremich ich als unbeachtetes und ungeliebtes Vertriebsseite. So ist etwa der Betrieb eige-mich als unbeachtetes und ungeliebtes Literatur Mit Blindheit per DefinitionMit ge-Blindheit nichtals unsichtbar, präsentiere ich Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindheit perzeitgenĂśssischer Definition geschlagen, Stiefkind Literatur. mich Mit als unbeachtetes und ungeliebtes unbeachtetes und ungeliebtes ner Apothekenketten in Definition Deutschland schlagen, dennoch nicht unsichtbar, dennoch prä- mich Literatur Mit Blindheit per ge-verunbeachtetes und ungeliebtes dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich denMit Blindheit per Definition geschlagen, Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit per Definition geschlagen, boten,dennoch aber in GroĂ&#x;britannien erlaubt.Und sentiere ich mich als unbeachtetes undmich un- als schlagen, nicht unsichtbar, prä- Blindheit Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit dendennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich Mit Blindheit per Definition geschlagen, als unbeachtetes und ungeliebtes noch nicht unsichtbar, präsentiere ich Blindheit per Definition geschlagen, in den tickt Markt ohnehin anders geliebtes Stiefkind on geschlagen, dennoch sentiere ichUSA mich als der unbeachtetes undmich unper nicht Definition geschlagen, den- mich Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich unsichtbar, präsentiere ich als unbeachtetes und ungeliebtes als unbeachtetes und ungeliebtes als inStiefkind den meisten Ländern Europas. Einemich nicht unsichtbar, präsentiere ich michBlindheit als noch geliebtes on geschlagen, dennoch noch nicht präsentiere ich selbst Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. per Definition geschlagen, den- mich als unbeachtete. mich unsichtbar, als ungeliebtes zeitgenĂśssischer Literatur. zentrale Steuerung des AuĂ&#x;endienstes und ungeliebtesBaden-WĂźrttemberg Stiefkind nicht unsichtbar, präsentiere ich michBlindheit als er-Stiefkind Alles so schĂśn bunt hier â&#x20AC;&#x201C; mit dieser Vielfaltunbeachtetes kĂśnnte es am Pharmastandort baldunbeachtetes vorbei sein. Dieund Branche sieht einige Hundert Jobs in Gefahr. Foto: dpa Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. gibt da nicht vielungeliebtes Sinn. zeitgenĂśssischer Literatur. unbeachtetes und Stiefkind Aufgrund Literatur. dieser Unterschiede sind dieMit Blindheit per Definition geschlagen, Mit Blindheit per Definition geschlagen, zeitgenĂśssischer neuen Eignerper auf Expertisegeschlagen, vor Ort ange-dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich Mit Blindheit per Definition geschlagen, Mit Blindheit Definition wiesen. Beruhigend dĂźrfte in diesem mich als unbeachtetes und ungeliebtes dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich Zu-mich als unbeachtetes und ungeliebtes sammenhang auch einund Blickungeliebtes auf den Frank-Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit mich als unbeachtetes und ungeliebtes mich als unbeachtetes furter zeitgenĂśssischer Celesio-Konkurrenten Blindheit per Definition geschlagen, den- Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Ich Stiefkind Literatur. Alliance Mit Blindheit per Definition geschlagen, denMit Blindheit per ganzer Definition Healthcare Deutschland sein. Der Händler, noch nicht unsichtbar, präsentiere ich mich als unbeachtetes und ungeliebtes Blindheit per Definition geschlagen, den- noch nicht unsichtbar, präsentiere ich geschlagen, dennoch unsichtbar einst Anzag hieĂ&#x;, gehĂśrt seit 2012 mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit nochdernicht unsichtbar, präsentiere ichganzmich als unbeachtetes und ungeliebtes präsentiere ich mich als unbeachtetes. Blindheit per Definition geschlagen, zum Konzern Alliance BootsStiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Stiefkindist zeitgenĂśssischer Literatur. mich als britischen unbeachtetes und ungeliebtes Foto: Baden-WĂźrttemberg bei Arzneimitteln europaweit fĂźhrend. Die Branche klagt denĂźber Preisstopp und noch nicht unsichtbar, präsentiere ich und hat seither nicht mit radikalen Spar-Blindheit per Definition geschlagen, denStiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Zwangsrabatte.Mit Schwellenländer holen auf. Der Mittelstand wird vermutlich schrumpfen. Von Peter Rost mich als unbeachtetes und ungeliebtes programmen von sich reden gemacht. Auchnoch nicht unsichtbar, präsentiere ich Blindheit per Definition geschlagen, wäre gut beraten, nach dermich als unbeachtetes und ungeliebtes dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit McKesson Blindheit per Definition geschlagen, Mit Blindheit per Definition geschlagen, Durchsetzung eines Beherrschungsvermich als unbeachtetes und ungeliebtes dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. dennoch nicht unsichtbar,tiziert, präsentiere ich der Umsatzanteil von LänMit Blindheit per Definition geschlagen, trags der nächsten Celesio-HauptverzeitgenĂśssischerjĂźngster Literatur. mich als auf unbeachtetes und ungeliebtes ZeitMit klagt die Branche zunehmend dass sich utos made Stiefkind in Baden-WĂźrttemberg unbeachtetes sammlung im Mai verantwortlich Blindheit perPillen Definition den- mich Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. mit Mit sei-dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich Ăźber Restriktionen durch als verschiedene Ge- und dernungeliebtes wie Brasilien, China, Indien oder sind weltweit gefragt. und geschlagen, zeitgenĂśssischer ner neuen Macht umzugehen. noch nicht unsichtbar, präsentiere ich Stiefkind Blindheit per Definition geschlagen,Eine den-Son-mich als unbeachtete. sundheitsreformen â&#x20AC;&#x201C; allen voran der 2010 Literatur. Russland von 17 Prozent im Jahr 2010 auf Tinkturen ebenso â&#x20AC;&#x201C; der SĂźdwesten derdividende, um den hohen Kaufpreis von ist der grĂśĂ&#x;te Pharmastandort in Deutsch- beschlossene Preisstopp fĂźr Arzneimittel 37 Prozent 2020 mehr als verdoppeln wird. insgesamt 6,2 Milliarden Euro schneller land und exportiert Ăźber 70 Prozent seiner plus Zwangsrabatte, die die Hersteller den Erschwerend kommt hinzu, dass zuletzt wieder hereinzuholen, wäre angesichts der Erzeugnisse. KĂźnftig wird die Branche aber Krankenkassen gewähren mĂźssen. Das Ziel zahlreiche umsatzstarke Medikamente Ăźberschaubaren Gewinnmargen im PharJobs verlieren, fĂźrchten Experten. Boeh- der MaĂ&#x;nahmen ist, die Ausgaben fĂźr Arz- ihren Patentschutz verloren haben. Diese magroĂ&#x;handel keine gute Idee. ringer Ingelheim, Ratiopharm, Weleda â&#x20AC;&#x201C; so neimittel in Grenzen zu halten. Laut Mayer LĂźcke muss erst wieder gefĂźllt werden. Mayer erwartet, dass die unterschiedliheiĂ&#x;en nur einige der bekanntesten Unter- sind diese Einschränkungen â&#x20AC;&#x17E;auf Dauer nehmen. â&#x20AC;&#x17E;Das Pharmaland Baden-WĂźrt- aber nicht wirtschaftlich tragbarâ&#x20AC;&#x153;. Als Fol- chen Hemmnisse langfristig Jobs kosten temberg hat europaweit einen guten ge der staatlichen Zwänge stagniere die werden, der Aderlass beim Personal werde Kontakt Klangâ&#x20AC;&#x153;, sagt Thomas Mayer, Hauptge- Branche seit Jahren bei Umsatz und Be- zwischen einem halben und einem Prozent schäftsfĂźhrer der Chemieverbände Baden- schäftigung. Zuwächse lassen sich nur noch liegen, schätzt er. â&#x20AC;&#x17E;Die Mittelständler werWirtschaft Stuttgarter Zeitung WĂźrttemberg, die auch die Pharmaindust- im Ausland erwirtschaften, der Inlandsum- den schrumpfen, bei GroĂ&#x;unternehmen ist Telefon: 07 11/72 05-12 11 rie vertreten. Die Branche im SĂźdwesten satz ist in den vergangenen fĂźnf Jahren um die Gefahr groĂ&#x;, dass sie abwandern.â&#x20AC;&#x153; AbE-Mail: wirtschaft@stz.zgs.de hilfe kĂśnnte ein VorstoĂ&#x; von Landeswirterwirtschaftet 8,5 Milliarden Euro Umsatz 25 Prozent zurĂźckgegangen. Seit ein paar Jahren befindet sich die schaftsminister Nils Schmid schaffen, der mit 36 000 Mitarbeitern in 120 Firmen. Wirtschaft Stuttgarter Nachrichten Mit Ausnahme weniger GroĂ&#x;konzerne Pharmabranche im Umbruch, Schwellen- Forschungsausgaben steuerlich fĂśrdern Telefon: 07 11/72 05-74 01 besteht die Branche vor allem aus Mittel- länder weltweit gewinnen an Bedeutung. will. Allerdings: im Berliner KoalitionsverE-Mail: wirtschaft@stn.zgs.de ständlern mit 100 bis 500 Mitarbeitern. In Die Beratungsgesellschaft KPMG prognos- trag steht davon nichts.

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Mit Blindheit per Definition geschlagen, dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindheit per Definition geschlagen, dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindheit per Definition geschlagen, dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindheit per Definition geschlagen, Celesio Das Hin und Her ist dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich vorbei. Die neuen Herren mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stiefsollten ihre Macht dosiert kind zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindeinsetzen. Von Werner Ludwig heit per Definition geschlagen, dennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind zeitun hat es also doch noch geklappt. genĂśssischer Literatur. Mit Blindheit per Definition geschlagen, dennoch nicht unsichtIm zweiten Anlauf ist es dem USPharmahändler McKessonEher gelunnicht Mit Blindheit per Definition geschlagen, dennoch nicht bar, präsentiere ich mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer gen, sich Celesio einzuverleiben â&#x20AC;&#x201C; gerade unsichtbar, präsentiere ich mictetesr. Von Mustermann Literatur. mal zehn Tage, nachdem die Amerikaner Mit Blindheit per Definition geschlagen, das Scheitern des Milliardengeschäfts verdennoch nicht unsichtbar, präsentiere ich meldet hatten. Der Ă&#x153;bernahmekampf mit mich als unbeachtetes und ungeliebtes Stiefnoch nicht unsichtbar, präsentiere dem Hedgefonds Elliott in der Rolle des bĂś- it Blindheit per Definition ich mich als unbeachtetes undkind unge-zeitgenĂśssischer Literatur. Mit Blindsen Buben war ein veritabler Wirtschafts- geschlagen, dennoch nicht heitLi-per Definition geschlagen, dennoch liebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer krimi, dessen Handlung selbst Fachleute unsichtbar, präsentiere ich nicht unsichtbar, präsentiere ich mich als mich als unbeachtetes und ungeliebtes teratur. Mit Blindheit per Definition immer wieder Ăźberrascht hat. unbeachtetes und ungeliebtes Stiefkind zeitStiefkind präNun ist zumindest in groben ZĂźgen klar, zeitgenĂśssischer Literatur. Mit geschlagen, dennoch nicht unsichtbar, genĂśssischer Literatur. Mit Blindheit per DeBlindheit unwie es bei Celesio weitergehen wird â&#x20AC;&#x201C; und per Definition geschlagen, den- sentiere ich mich als unbeachtetes und finition geschlagen, dennoch nicht unsichtnoch nicht unsichtbar, präsentiere ich geliebtes Stiefkind zeitgenĂśssischer bar, präsentiere ich mich als Stiefkind zeitdie 39 000 Mitarbeiter des Stuttgarter mich als unbeachtetes und ungeliebtes Literatur. Mit Blindheit per Definition Unternehmens kĂśnnen wieder ihrer Arbeit genĂśssischer Literatur. red

Kommentar

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Bedrohter Wohlstand

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MOBILITĂ&#x201E;T IN DER REGION

Dienstag, 6. Mai 2014

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Nachbar als Fahrer Die Idee des BĂźrgerbusses

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lma Bomsdorf merkt man ihre 86 Jahre nicht an. Die kleine Frau mit den schlohweiĂ&#x;en Haaren ist noch gut zu FuĂ&#x; und auch schnell im Kopf. Und dennoch: Lange Wege sind fĂźr sie sehr beschwerlich. â&#x20AC;&#x17E;Seit es den Laden um die Ecke nicht mehr gibt, ist Einkaufen fĂźr mich ziemlich schwierig gewordenâ&#x20AC;&#x153;, sagt sie und steigt in einen weiĂ&#x;en Kleinbus. â&#x20AC;&#x17E;Zum GlĂźck haben wir den jetzt. Sonst mĂźsste ich das Taxi nehmen, anders ginge es nicht.â&#x20AC;&#x153; 7000 Menschen leben im sĂźdbadischen Lauchringen â&#x20AC;&#x201C; die meisten von ihnen aber im Ortsteil Unterlauchringen. Wer wie Alma Bomsdorf in Oberlauchringen wohnt und einkaufen will, muss das Auto nehmen, wenn er eins hat â&#x20AC;&#x201C; oder den BĂźrgerbus, den die Gemeinde seit dem Verlust des letzten Lebensmittelgeschäfts im kleinen Ortsteil eingerichtet hat. Er verkehrt seit Ende 2013 am Montag und am Donnerstag und kostet die Lauchringer keinen Cent.

BĂ&#x153;RGER STEUERN SELBST DIE BUSSE

Der ewige Stau â&#x20AC;&#x201C; nur wenige andere Gebiete im Bundesgebiet eignen sich so sehr fĂźr dieses nervenaufreibende Erlebnis wie die Region. Foto: fotolia

Statussymbol allein ist zu wenig In regionalen FÜrderprogrammen wird nach der Mobilität von morgen gesucht

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ie Erfindung eines Gottlieb Daimlerâ&#x20AC;&#x153;, stand im GroĂ&#x;en Brockhaus aus dem Jahr 1896, â&#x20AC;&#x17E;wird fĂźr die Entwicklung des Verkehrsgeschehens wohl ohne groĂ&#x;e Bedeutung bleibenâ&#x20AC;&#x153;. Ă&#x201E;hnlich sah es der deutsche Kaiser Wilhelm II: â&#x20AC;&#x17E;Das Automobil ist nur eine vorĂźbergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd.â&#x20AC;&#x153; Eine Prognose, mit der sich der gute Mann allerdings vĂśllig vergaloppierte. SchlieĂ&#x;lich hat kaum eine Erfindung den Alltag der Menschen so verändert wie die von Daimler und Carl Benz. Spätestens mit Beginn der FlieĂ&#x;bandproduktion durch Ford wurde das Auto weltweit zum Inbegriff der individuellen Freiheit und Mobilität. In den Nachkriegsjahren avancierte der VW Käfer gar zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders. Mittlerweile ist das automobile VergnĂźgen aber längst nicht mehr so ungetrĂźbt wie einst. Immer häufiger bereitet die Fahrt mit dem eigenen Pkw mehr Frust als Lust. Insbesondere in den Ballungsräumen, in denen eine enorme Verkehrsdichte herrscht. Ein Paradebeispiel dafĂźr ist die Region Stuttgart. Deren Einwohner legen laut Statistik im Berufsverkehr und während der Freizeit jährlich 15,3 Milliarden Kilometer mit dem Pkw zurĂźck. Das ergibt eine Fahrleistung von 42 Millionen Kilometer pro Tag. Umgerechnet heiĂ&#x;t dies, dass die Menschen der Region innerhalb von 24 Stunden Ăźber tausendmal die Erde umrunden. Verbunden ist der automobile Verkehr mit vielen Staus, einer Menge Lärm und einer gewaltigen Belastung fĂźr unsere Umwelt und Lebensqualität. Hinzu kommt, dass

sowohl die Anschaffungskosten fĂźr ein Auto als auch die Spritpreise permanent steigen. Diese GrĂźnde scheinen allmählich zu einem Umdenken zu fĂźhren. Das zeigt sich an aktuellen Umfragen bei der jĂźngeren Generation. In dieser Altersgruppe hat das Statussymbol Auto bereits Dellen abgekriegt. â&#x20AC;&#x17E;Sichtbar wird das vor allem in den Städtenâ&#x20AC;&#x153;, sagt Walter Rogg, â&#x20AC;&#x17E;wo viele junge Menschen ihre Mobilität so individuell gestalten wie ihre Kleiderwahl.â&#x20AC;&#x153; Heute fahren sie Bus, morgen Bahn und Ăźbermorgen leihen sie sich einen Elektro-Smart. FĂźr den GeschäftsfĂźhrer der WirtschaftsfĂśrderung Region Stuttgart sind dies die â&#x20AC;&#x17E;Vorboten einer Umwälzungâ&#x20AC;&#x153;, die gerade erst begonnen hat. Denn fĂźr Rogg steht fest, dass â&#x20AC;&#x17E;die Mobilität, wie wir sie jahrzehntelang gewohnt waren, vor einer ähnlichen Revolution steht wie nach der Erfindung des Autosâ&#x20AC;&#x153;.

HEUTE BUS, MORGEN CAR-SHARING Aus diesen Ă&#x153;berlegungen heraus wurden gleich zwei FĂśrderprogramme gestartet. Das erste, initiiert vom Verband Region Stuttgart und der WirtschaftsfĂśrderung Region Stuttgart, trägt den Namen â&#x20AC;&#x17E;Modellregion fĂźr nachhaltige Mobilitätâ&#x20AC;&#x153;. Am zweiten Projekt â&#x20AC;&#x17E;Nachhaltige mobile Region Stuttgartâ&#x20AC;&#x153; ist der Verband Region Stuttgart ebenfalls beteiligt, weitere Partner sind das baden-wĂźrttembergische Verkehrsministerium und die Landeshauptstadt Stuttgart. Ziel ist es, innovative und nachhaltige Mobi-

litätskonzepte auf regionaler Ebene zu entwickeln und umzusetzen, die der Mobilität im 21. Jahrhundert und damit unterschiedlichsten AnsprĂźchen gerecht werden. AuĂ&#x;erdem sollen die Konzepte â&#x20AC;&#x17E;die negativen Auswirkungen unserer globalisierten Welt begrenzen und wirtschaftliche, Ăśkologische sowie soziale Kriterien in Einklang bringenâ&#x20AC;&#x153;. Einige Beispiele zu den 22 Einzelprojekten: â&#x20AC;˘ â&#x20AC;&#x17E;Echtzeit fĂźr alle Busse im VVS-Gebietâ&#x20AC;&#x153;: Auf die Abfahrtszeiten in den Fahrplänen ist leider kein hundertprozentiger Verlass. Immer wieder kommt es zu Verspätungen von Bussen und Bahnen. Damit soll nun Schluss sein. KĂźnftig werden die Fahrgäste Ăźber die tatsächlichen Abfahrtszeiten im Verkehrsund Tarifverbund Stuttgart (VVS) informiert. Ă&#x153;ber Anzeigen und eine Datenplattform, auf die User per PC oder Smartphone zugreifen kĂśnnen. â&#x20AC;&#x17E;Mit Echtzeitdatenâ&#x20AC;&#x153;, sagt Verkehrsminister Winfried Herrmann, â&#x20AC;&#x17E;wird die elektronische Fahrplanauskunft zum Navi des Ăśffentlichen Personennahverkehrs.â&#x20AC;&#x153; â&#x20AC;˘ â&#x20AC;&#x17E;E-2-Rad-Anschlussmobilität an Bahnhaltepunktenâ&#x20AC;&#x153;: Viele Pendler benutzen ihr Auto, bevor sie mit Ăśffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren. Das neue Konzept der E-Bike-Stationen soll sie zum Umsteigen bewegen. Die erste Pilotstation wird seit Oktober 2013 am Hauptbahnhof BietigheimBissingen getestet. Bis 2015 sollen zehn weitere Stationen folgen, an denen Pendler Pedelecs ausleihen kĂśnnen. Da die Benutzer ihre E-Bikes zudem an anderen BahnhĂśfen zurĂźckgeben kĂśnnen, eignet sich das Konzept auch fĂźr FreizeitausflĂźge und Touren in Kombination mit der S-Bahn.

â&#x20AC;˘ â&#x20AC;&#x17E;Siedlung und Verkehrâ&#x20AC;&#x153;: 75 Prozent der in der Region Stuttgart arbeitenden Menschen sind Pendler. Im Durchschnitt legen sie auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause pro Tag 36 Kilometer zurĂźck. Im Rahmen des Projekts sollen diese Fahrten â&#x20AC;&#x17E;sozial verträglich, Ăśkonomisch und Ăśkologisch organisiertâ&#x20AC;&#x153; werden. Beispielsweise sieht das Konzept vor, Klimaschutzaspekte in die regionale Siedlungs- und Verkehrsplanung zu integrieren. AuĂ&#x;erdem sollen BĂźrger enger in die Planungen eingebunden werden. Ein weiteres Ziel ist es, innovative Konzepte anderer Länder wie die Citymaut in Stockholm auf ihre Ă&#x153;bertragbarkeit zu ĂźberprĂźfen.

PILOTSTATION IN BIETIGHEIM-BISSINGEN â&#x20AC;˘ â&#x20AC;&#x17E;Bahnhof der Zukunft â&#x20AC;&#x201C; Stadt Fellbachâ&#x20AC;&#x153;: Der Bahnhof Fellbach soll zur Drehscheibe fĂźr innovative und nachhaltige Mobilität aus- und umgebaut werden. Verbunden ist dies mit dem Ziel, die Mobilität ohne Auto attraktiver zu gestalten und den LkwVerkehr auf die Schiene zu verlagern. Zu den MaĂ&#x;nahmen gehĂśrt die Einrichtung von zwei Ăśffentlichen Elektrozapfsäulen sowie drei Ladesäulen fĂźr das Carsharing-Projekt E-Car2go, eine Mobilitätszentrale, ein Pedelec-Verleih, der Bau eines Parkhauses fĂźr Fahrräder mit 150 Stellplätzen sowie eine BahnsteigĂźberdachung mit Fotovoltaikanlage. AuĂ&#x;erdem ist geplant, einen Industriegleisanschluss fĂźr den Schwerlasttransport zu reaktivieren. Gerhard HĂśrner

So etwas gibt nicht nur in Lauchringen, sondern in immer mehr Gemeinden: Wo keine Geschäfte mehr existieren und auch keine Buslinie, da schreiten BĂźrger zur Tat und fahren selbst. UnterstĂźtzt werden sie dabei von den Kommunen oder vom jeweiligen Bundesland, die einen Kleinbus zur VerfĂźgung stellen und die Fixkosten Ăźbernehmen. Um sie zu senken, kostet die Fahrt auch ein paar Cent oder einen Euro, aber niemals viel. BĂźrgerbusse sind gelebtes bĂźrgerschaftliches Engagement â&#x20AC;&#x201C; doch viele Menschen wissen gar nicht, dass sie existieren. Angefangen hat alles in den Niederlanden: Dort gibt es seit 1977 den sogenannten â&#x20AC;&#x17E;Buurtbusâ&#x20AC;&#x153;, der Menschen aus abgelegenen Regionen Mobilität ermĂśglicht. â&#x20AC;&#x17E;In den Niederlanden und bei uns gab es damals dieselben Probleme im Ăśffentlichen Raum. Also haben wir uns das System angeguckt und versucht, es auf unsere Situation zu Ăźbertragenâ&#x20AC;&#x153;, sagt Franz Heckens, Vorsitzender von Pro BĂźrgerbus NRW in Kevelaer. Hier wie dort habe es neben den Ballungsräumen strukturschwache Regionen gegeben, zugleich immer mehr Privatautos â&#x20AC;&#x201C; und in der Folge ausgedĂźnnte Busfahrpläne. â&#x20AC;&#x17E;Ab einem bestimmten Punkt ist es nicht mehr wirtschaftlich, einen Linienbus zu betreiben. Dann kann ein BĂźrgerbus helfen.â&#x20AC;&#x153; Wie viele BĂźrgerbusse in Deutschland verkehren, kann niemand so genau sagen. Pro BĂźrgerbus NRW schätzt die Gesamtzahl auf 250, kann aber sicher sagen, dass es in Nordrhein-Westfalen derzeit 117 solcher Projekte gibt. Es ist in Deutschland das Stammland des BĂźrgerbusses, weswegen es mit dem Verein auch einen landesweiten Dachverband gibt, aber keinen auf Bundesebene. â&#x20AC;&#x17E;Dabei wäre es wichtig, dass man sich in Zukunft besser koordiniertâ&#x20AC;&#x153;, sagt Heckens. Zur Wahrheit gehĂśrt: Wer Ăźber ihn redet, muss immer von einem Mangel sprechen. So ist es auch im sĂźdbadischen Lauchringen, wo ein Teil der Menschen plĂśtzlich von EinkaufsmĂśglichkeiten abgeschnitten war. â&#x20AC;&#x17E;Die Leute hätten am liebsten gehabt, dass wir als Gemeinde einen Laden betreiben. Aber das verbietet die Gemeindeordnungâ&#x20AC;&#x153;, sagt BĂźrgermeister Thomas Schäuble (CDU). 34 Fahrgäste hat Fahrer Franz Boll, 62, an diesem Tag durch Lauchringen gefahren. Das ist Rekord. â&#x20AC;&#x17E;Der Bus wird sehr gut angenommenâ&#x20AC;&#x153;, sagt er. Und das liege sicher nicht nur daran, dass er eine LĂźcke schlieĂ&#x;e, sondern auch, dass er zum Treffpunkt werde. â&#x20AC;&#x17E;Sie glauben gar nicht, wie viel man auf zwei Kilometern erfahren kann.â&#x20AC;&#x153; epd

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Die Wirtschafts- und Industrievereinigung Stuttgart (WIV) ist mit rund 180 Mitgliedern und Partnern der grĂśĂ&#x;te unabhängige Wirtschaftsverband in der Region. Seit 1973 setzt sich die WIV aktiv fĂźr die Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen und der         

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MOBILITÄT IN DER REGION

Dienstag, 6. Mai 2014

Schritt für Schritt So lässt sich der drohende Verkehrsinfarkt vermeiden

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atur, Landschaft, Infrastruktur, Freizeit- und Kulturangebote. Das sind nach einer Umfrage des Verbands Region Stuttgart die größten Pluspunkte für die Bürger, die hier leben und arbeiten. Von der Verkehrssituation dagegen sind viele Einwohner von Stuttgart und Umgebung genervt. Mehr als 60 Prozent der Befragten bewerten sie weniger oder gar nicht gut. Insbesondere der Individualverkehr stößt dabei immer häufiger an seine Grenzen. Stauschwerpunkte: In der Region sind die Autobahnen A 8 und A 81, insbesondere in den Bereichen des Autobahndreiecks Leonberg, des Autobahnkreuz Stuttgart und des Echterdinger Eies, am Albaufstieg, bei Böblingen und Sindelfingen sowie bei Pleidelsheim und Zuffenhausen sehr häufig überfüllt. Ebenfalls oft recht zäh geht es auf den folgenden Bundesstraßen voran: B 10 (Esslingen – Stuttgart), B 14 (Backnang), B 14/29 (Kappelbergtunnel), B 27 (Aich – Echterdinger Ei, Kornwestheim – Stuttgart) und B 464 (Holzgerlingen). Auch innerhalb der Landeshauptstadt heißt das Motto häufig mehr „stop“ als „go“. Vor allem auf der B 10 (Wilhelma/Rosensteinbrücke, Friedrichswahl), der B 14 (Schattenring, Heslacher Tunnel) und der B 27 (Heilbronner Steige, Neue Weinsteige). Hauptgründe für die Staus: Nach Meinung des Verbands Region Stuttgart sind das die hohe Zahl an Fahrzeugen und zu wenige Ausweichstrecken, bedingt durch die

Stadt- und S-Bahnen entlasten den Straßenverkehr. Künftig müssen die verschiedenen Verkehrsmittel jedoch noch besser miteinander vernetzt werden. schwierige topografische Lage, vor allem im Stuttgarter Kessel. Hinzu kommen Probleme durch Baustellen und Unfälle. Um Abhilfe zu schaffen, prüft der Verband momentan im Rahmen der Aktualisierung des Regionalverkehrsplans, welche Maßnahmen geeignet sein könnten, um Staus zu vermeiden. Denn für Nicola Schelling, Regionaldirektorin des Verbands Region Stuttgart, ist „Mobilität kein Selbstzweck, sondern überlebenswichtig für unsere Region“, wie sie erklärt. Daher werde der Individualverkehr immer eine große Rolle spielen.

Lösungsansätze: Bei der Suche nach Abhilfe ist es nach Schellings Ansicht aber wichtig, den Verkehr in seiner Gesamtheit zu betrachten, insbesondere unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Eine entscheidende Rolle komme dabei der S-Bahn zu. Sie sei das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Region. „Als Finanzier des S-Bahn-Verkehrs leisten wir einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität.“ In den letzten Jahren habe der Verband über 250 Millionen Euro in den S-Bahn-Ausbau investiert. „Hinzu kommen Angebots-

verbesserungen wie zum Beispiel die stetige Ausdehnung des 15-Minuten-Takts oder der Einsatz moderner und komfortabler Fahrzeuge. Auf diese Weise machen wir den Umstieg vom Auto auf ÖPNV attraktiv.“ Verkehrsmittel vernetzen: Ein weiteres Ziel sei es, die Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel so einfach wie möglich zu machen und miteinander zu vernetzen. „Das fängt beim Ticketkauf an“, erklärt Schelling, „geht über die Buchung eines Park-andRide-Platzes bis hin zum nahtlosen Umstieg

Foto: Andreas Rosar

zwischen Bussen und Bahnen, Car-Sharing, Pedelec-Ausleihe und Fahrrad-Mitnahme.“ Auch der kürzlich geschlossene ÖPNV-Pakt biete neue Ansatzpunkte, um die Mobilität nachhaltig zu gestalten. Als Beispiel nennt Schelling die Expressbusse oder das regionale Verkehrsmanagement. Hinzu komme die Mobilitäts- und Servicekarte, die derzeit von mehreren Partnern, darunter auch der Verband Region Stuttgart, erarbeitet werde. „Das“, sagt Nicola Schelling, „ist ein weiterer Schritt, damit unsere Visionen Wirklichkeit werden.“ Gerhard Hörner

Förderung wäre hilfreich Studie zu Werkstoffinnovationen

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Audi A3 Sportback 1.6 TDI ultra 81 kW (110 PS)

Audi A4 Avant 2.0 TDI ultra 100 kW (136 PS)

Audi A5 Sportback 2.0 TDI ultra 120 kW (163 PS)

Audi A6 Avant 2.0 TDI ultra 140 kW (190 PS)

Kraftstoffverbrauch l/100 km: innerorts 3,9; außerorts 3,1; kombiniert 3,3; CO2-Emission g/km: kombiniert 88; Effizienzklasse A+

Kraftstoffverbrauch l/100 km: innerorts 4,9; außerorts 3,8; kombiniert 4,2; CO2-Emission g/km: kombiniert 109; Effizienzklasse A+

Kraftstoffverbrauch l/100 km: innerorts 5,0; außerorts 3,8; kombiniert 4,3; CO2-Emission g/km: kombiniert 111; Effizienzklasse A+

Kraftstoffverbrauch l/100 km: innerorts 5,3; außerorts 4,1; kombiniert 4,6; CO2-Emission g/km: kombiniert 119; Effizienzklasse A+

Audi Geschäftskunden-Leasing: Jährliche Fahrleistung: 10.000 km Vertragslaufzeit: 36 Monate

Audi Geschäftskunden-Leasing: Jährliche Fahrleistung: 10.000 km Vertragslaufzeit: 24 Monate

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ie VDI-Gesellschaft Materials Engineering (VDI-GME) und das VDITechnologiezentrum haben gemeinsam die Studie „Werkstoffinnovationen für nachhaltige Mobilität und Energieversorgung“ veröffentlicht. Sie gibt eine Orientierung für die gezielte Entwicklung wettbewerbsfähiger Werkstoffe in Deutschland. Die Studie behandelt vornehmlich die Felder Energie und Mobilität, weil diese aktuell eine besonders hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung haben und Werkstofftechnologien hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Drei Viertel der zwanzig größten deutschen Unternehmen schätzen die Werkstoffforschung als sehr bedeutend für ihre zukünftige Unternehmensentwicklung ein. „Werkstoffinnovationen sind eine entscheidende Voraussetzung für Produktentwicklungen technikorientierter Unternehmen“, erläutert Hans-Jürgen Schäfer, Geschäftsführer der VDI-GME. „Denn da, wo sich durch neue Werkstoffe und ihre verbesserte Werkstofftechnik die Leistungsgrenzen bestehender Produkte verschieben lassen oder neue Produktvarianten entstehen können, werden Innovationsschübe und entscheidende Wettbewerbsvorteile für unsere Unternehmen generiert.“

VERRINGERUNG DER CO 2-EMISSIONEN Ungefähr zwei Drittel aller technischen Innovationen hängen von den Eigenschaften der Werkstoffe ab. In nahezu allen Industriebranchen werden daher Werkstoffe entwickelt, um neue und leistungsfähige Produkte herstellen zu können. Die Ziele der Automobilhersteller müssen sich beispielsweise an klaren Vorgaben der Politik orientieren, die eine Reduzierung der CO2-Emissionen von Neufahrzeugen von 130 im Jahr 2015 auf 95 Gramm pro Kilometer bis 2020 verlangt. „Es müssen Anforderungen wie hohe Sicherheit, hoher Komfort, hohe Fahrleistungen und geringe Verbrauchskosten mit geringen Herstellungskosten und zusätzlichen Maßnahmen zur CO2-Reduzierung in Einklang gebracht werden“, sagt Schäfer. „Das ist eine werkstofftechnische Herausforderung.“

Auch der Umbau der Energieversorgung erfordert neuartige Materialsysteme, weil die bestehenden Systemkomponenten den künftigen Anforderungen nicht ausreichend gerecht werden können. Die Studie verdeutlicht, dass mittel- und langfristig die Entwicklung innovativer Materialien und Konzepte für bessere anorganische Solarzellen, Farbstoffsolarzellen oder organische Solarzellen erforderlich ist, um eine deutliche Reduzierung der Kosten für Solarstrom und eine Erhöhung des Wirkungsgrades zu erreichen. Um die Wettbewerbsfähigkeit bei Windkraftrotoren weiter zu stärken, sind für den Wechsel von glasfaserverstärkten auf kohlefaserverstärkte Kunststoffe neue produktionstechnische Methoden erforderlich.

DEN GESAMTEN LEBENSZYKLUS IM AUGE Die Herausforderungen gehen aber noch weiter: Fabrikanlagen müssen an die Produktion von Multimaterialsystemen angepasst, neue Methoden für die Qualitätssicherung eingeführt und Fragen des werkstoffgerechten Recyclings schon in der Designphase berücksichtigt werden. Diese neuen Anforderungen sind so vielschichtig, dass die VDI-Studie empfiehlt, neue Förderinstrumente zu schaffen, die in grundlagenund anwendungsorientierten Projekten die Forschung beschleunigen können. hf

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MOBILITÄT IN DER REGION

Dienstag, 6. Mai 2014

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Zeit ist Geld

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enn der VfB Stuttgart mit Mannschaft, Trainer und der gesamten Entourage nach einem Abendspiel in der FußballBundesliga in einem fremden Stadion gleich wieder heim reisen will, ist das eine sportliche und konditionelle Herausforderung, aber auch eine logistische. Lange Transfer- oder Fahrzeiten kosten wertvolle Erholungszeit. Unter Abwägung von Kosten, Nutzen und Zeit ist für ein Fußballteam – wie in vielen anderen Fällen – ein Charterflug die vernünftigste Alternative. Entsprechende Anbieter kümmern sich um die gesamte Logistik. Spieler, Betreuer und Coach werden samt Gepäck am Stadion abgeholt, zum nächsten passenden Flughafen gefahren und von dort direkt in die Heimat oder zum nächsten Spielort geflogen. Fußballmannschaften, aber auch Eishockeyteams, Formel-1-Piloten, Musiker und Schauspieler – sie alle greifen von Zeit zu Zeit auf den Service und Komfort von Anbietern von Charterjets zurück. Damit machen sie aber nach Angaben der German Business Aviation Association (GBAA) nur knapp acht Prozent der Passagiere in diesem Bereich aus. Der typische Kunde der Verbandsmitglieder kommt weit weniger glamourös daher. Es ist der Geschäftsmann, dessen Zeit zu kostbar ist, als dass er sie in der VIP-Lounge eines

Linienfluganbieters verplempern möchte. Wer morgens einen Termin in Madrid, nachmittags eine Besprechung in der englischen Provinz und am nächsten Tag früh ein Meeting in Hamburg hat, kommt um das Chartern eines Privatfliegers kaum herum. 22 Prozent aller Reisen im Privatjet entfallen auf Topmanager, 50 auf sonstige Führungskräfte und 20 Prozent auf Mitarbeiter aus den Bereichen Service, Technik und Verkauf.

GRÖSSTER VORTEIL IST DIE FLEXIBILITÄT General Aviation nennt sich dieser Bereich der Luftfahrt im Gegensatz zum Linienverkehr. Neben den Chartermaschinen gehören dazu auch werkseigene Flugzeuge großer Unternehmen oder Mittelständler. Diese werden entweder von den Firmen selbst mit angestellten oder freien Piloten oder durch spezialisierte Dienstleister betrieben. 650 Flugzeuge sind in Deutschland außerhalb der Linienflüge für Geschäftsflüge unterwegs. Mit mehr als 92 000 Flügen pro Jahr liegt die Bundesrepublik damit an zweiter Stelle in Europa. Der größte Vorteil der sogenannten Bedarfsfliegerei ist ihre Flexibilität. Wo immer sich eine Landebahn oder,

wenn es gar nicht anders geht, genug Platz für eine Hubschrauberlandung findet, kann sie zum Einsatz kommen. Das Spektrum reicht dabei von Viersitzern über Learjets bis hin zu großen Passagiermaschinen. Je nachdem, wohin die Reise geht und wie viele Passagiere an Bord sind. Für Bernd Gans, Geschäftsführer der GBAA, ist gerade die dezentrale Struktur der bundesdeutschen Wirtschaft einer der Hauptgründe für die verhältnismäßig große Bedeutung der Geschäftsfliegerei hierzulande: „Die Business Aviation spielt eine wichtige Rolle bei der Anbindung der Wirtschaftsstandorte in den Regionen. Die Regionalflughäfen fungieren hier als Teil der Daseinsfürsorge und sind eine der Stärken des Standortes“, erläutert Gans. 103 000 Städtepaare verbinden die Geschäftsflieger auf diese Weise in Europa nach Angaben von Eurocontrol, der internationalen Organisation zur zentralen Koordination der Luftverkehrskontrolle in Europa. Der Linienverkehr kommt gerade mal auf 32 000. Weltweit betrachtet potenziert sich die Zahl der möglichen Routen. Der Flughafen Stuttgart gehört zu den beliebtesten Business-Destinationen in Deutschland. Schon allein, weil hier relativ viele Slots – also Zeitfenster

für Abflug und Landung – für Privatmaschinen zur Verfügung stehen und die Wege zwischen dem General Aviation Gate und den entsprechenden Landebahnen kurz sind. Die Geschäftsflieger profitieren außerdem davon, dass sie normalerweise mit Propellermaschinen fliegen, die als leise eingestuft werden und deswegen auch noch nach 22 Uhr landen dürfen. Linienmaschinen müssen da schon am Boden bleiben.

KUNDEN: INDUSTRIE UND MITTELSTÄNDLER 14 000 Starts und Landungen mit 27 545 Passagieren fielen nach Angaben des Flughafens allein im Jahr 2013 in die Rubrik „sonstiger gewerblicher Verkehr“. Insgesamt wickelt das General Aviation Terminal nach eigenen Angaben rund 20 Prozent aller Flugbewegungen in Stuttgart ab. Hauptkunden sind Industrieunternehmen und Mittelständler in der Region, die darauf angewiesen sind, ihre Kunden und Geschäftspartner in Europa und darüber hinaus schnell und direkt anfliegen zu können. Nur sehr selten ist die Nutzung des Privatjet-Charters allein dem Prestige des Fluggastes geschuldet. Meist sind es handfeste praktische Erwägungen,

die die Entscheidung beeinflussen. Wer zum Beispiel mit einer Gruppe von acht Personen zu einem wichtigen Meeting reist, fliegt im Learjet oft zu vergleichbaren Kosten wie in der Business-Class. „Richtig angewandt ist der Business-Flieger ein absolut produktives, unterstützendes Instrument“, erläutert GBAA-Geschäftsführer Gans, der über viele Jahre die Aufsicht über den Flugbetrieb bei Daimler hatte. Wenn man dann noch den Zeitgewinn und eventuell die einzusparenden Übernachtungskosten berücksichtigt, rechnet sich der Charter auch finanziell. Der Business-Flieger wird auf diese Art und Weise zu einem wichtigen ergänzenden Bestandteil im Mobilitätsmix einer Region. Annette Fahrendorf

INFO Business Aviation Anbieter in Stuttgart •DC Aviation: www.dc-aviation.com •Eisele Flugdienst GmbH: www.e-aviation.de •ProAir-Charter-Transport GmbH (Filderstadt): www.proair.de •Stuttgarter Flugdienst: www.sfd.eu afa

Hin und weg per Business-Jet In der Business Aviation zählen Schnelligkeit, Flexibilität und Service

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enn Markus Ciravegna, Business Development Manager bei der ProAir-Charter-Transport GmbH, seine Kunden am General Aviation Terminal des Stuttgarter Flughafens in Empfang nimmt, geht alles ganz schnell. Die Passagiere werden direkt vor dem Terminal abgesetzt. Am Sicherheitscheck erwartet sie ihr Pilot und bringt sie auf direktem Weg zum bereitstehenden Flugzeug. Platz nehmen, anschnallen, abheben: so schnell kann Fliegen sein. „Manchmal dauert es keine zehn Minuten vom Eintreffen des Fluggastes, bis das Flugzeug in der Luft ist“, erläutert Sascha Rösner, Manager Ground Operations bei der Stuttgarter Flugdienst GmbH (SFD). Ein reibungsloser Ablauf und Rundum-Service für die Fluggäste sind das große Plus der Business Aviation. Wer mit einem gecharterten Geschäftsflieger unterwegs ist, vermeidet lange Wartezeiten bei Sicherheitskontrollen, Gepäckaufgabe oder am Gate. Schon allein das bringt in

vielen Fällen eine Zeitersparnis von knapp zwei Stunden. Das Gleiche gilt für die Rücktour oder den Anschlussflug. Der Pilot richtet sich nach dem Passagier und nicht umgekehrt: „Wenn sie fertig sind, sind sie fertig. Dann fliegen wir sie wieder zurück. Wenn Sie länger brauchen, warten wir“, sagt Ibrahim Mefire Kouotou, Leiter Corporate & Business Development bei der Eheim VerwaltungsGmbH, die mit dem Stuttgarter Flugdienst seit vielen Jahren BusinessFlüge anbietet. Anbieter von Business-Flügen sind Spezialisten für Sonderwünsche. Ihre Aufgabe ist es, den Passagier so schnell und so bequem wie möglich von A nach B zu bringen. Egal wo A und B liegen, egal wann geflogen werden soll, egal wie viel Gepäck, exotische Haustiere oder Sportgeräte er dabeihat. Jeder der Anbieter kann dazu Anekdoten erzählen: Kochshows an Bord eines Flugzeuges, rote Teppiche für die Passagiere im Flughafen, Stars mit extremer Flugangst.

Der Normalfall ist das aber nicht. Den größten Teil ihres Geschäfts bestreitet die Branche mit Geschäftsleuten, die schnell und effektiv auf Strecken unterwegs sein müssen, die Linienflieger nicht oder unzureichend abdecken. Der Flug an sich ist dabei manchmal deutlich unbequemer als im Business- oder First-Class-Sitz eines Linienfliegers. Kleine Maschinen haben keine Stehhöhe, es gibt häufig keine Stewardess, die einen mit Getränken und Zeitschriften verwöhnt, und die Sitze sind eher bequem als luxuriös. Aber es geht schnell und ist flexibel. Das ist das eigentliche Argument. Ein weiterer Vorteil sind Diskretion und Vertraulichkeit. An Bord eines Linienflugzeuges weiß man nie so richtig, wer der Nachbar ist, der diskret aus dem Augenwinkel auf den Bildschirm schielt – und die E-Mails mitliest. Vertrauliche Besprechungen mit Kollegen zur Vorbereitung wichtiger Meetings verbieten sich angesichts der Gefahr, dass neugierige Ohren mithören. Im gecharterten Flugzeug

sieht das anders aus. Der Flug ist Teil des Termins und reine Arbeitszeit. Im Idealfall sind die Sitze gegenüber angeordnet, so dass eine angenehme Arbeitsatmosphäre entsteht. Telefon, Internet- und E-Mail-Nutzung gehören zum Service. Die Abwicklung ist denkbar einfach. Über ein Online-Formular oder – besonders wenn es schnell gehen muss, telefonisch – wird der Bedarf angemeldet: Zieldestination, Abflugzeit, Zahl der Passagiere, gewünschtes Fluggerät. Wenn Angebot und Preis stimmen, kann es losgehen. Im Idealfall ist der nächste Kontakt das Eintreffen der Passagiere am Terminal. Der ausgefüllte Terminplan wichtiger Führungskräfte lässt dabei meist genügend Zeit für eine langfristige Planung und Koordination des entsprechenden Gerätes. In Ausnahmefällen geht aber alles auch viel zügiger. „Wir haben auch schon Kunden vom Moment der Anfrage an innerhalb einer Stunde in der Luft gehabt“, sagt Ciravegna. afa

Foto: Josef P. Willems/Look-Foto

Foto: fotolia

Wer Zeit- und Geldaufwand für Geschäftsreisen gegeneinander aufwiegt, stellt oft fest, dass ein Business-Jet die günstigere Alternative ist.


AV I AT I O N

FLEXIBEL FLIEGEN. ENTSPANNT ANKOMMEN.

SFD Aviation – More than just charter: Aus welchem Anlass und mit welchem Ziel Sie auch starten, der SFD bietet Ihnen die überzeugende Alternative zum Linienflug. Maßgeschneiderte Business- und Private-Charter sind heute das Maß der Dinge, wenn es um Terminsouveränität, Zeitersparnis und höchste Flexibilität bei der Reiseplanung geht. Seit fast sechs Jahrzehnten steht der SFD für Kompetenz, Zuverlässigkeit und höchste Sicherheitsstandards. Und darüber hinaus können Sie auch als Besitzer eines eigenen Flugzeugs von den Service-Angeboten profitieren, mit denen der SFD von der Technik bis zum Flugzeug-Management alle Bereiche abdeckt. info@sfd.eu

Fon +49 711 - 490022 -22

www.sfd-aviation.com

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SFD STUTTGARTER FLUGDIENST GMBH, General Aviation, Airport Stuttgart, D-70629 Stuttgart Der SFD ist ein Unternehmen der EHEIM-GRUPPE

Wirtschaft in Baden-Württemberg  

2014, Ausgabe 1

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