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September

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Das ArchitekturMagazin

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BAU MEISTER CURATED

115. Jahrgang Das Architektur-Magazin

Mai

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Baumeister B5 / 2018 Kuratiert von

Baumeister B12 / 2016 Kuratiert von

Baumeister B6 / 2014 Kuratiert von

Baumeister B8 / 2013 Kuratiert von

David Adjaye

David Chipperfield Architects

TUMLAR und Stephan Trüby

Christ und Gantenbein

www.baumeister.de/shop


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xperiment Wohnen? Auf den ersten Blick scheint diese Idee widersinnig. Schließlich wollen wir Menschen doch beim Wohnen keine Risiken eingehen. Wohnen, das bedeutet Sicherheit, Geborgenheit. Experimentiert werden kann und soll bitte anderswo – speziell in der Architektur. Und dennoch: Wir leben in einer Zeit, in der das Gesamtsystem Wohnen in der Krise steckt. Die Stichworte: Preisspirale, Gentrifizierung, Wohnungsnot. Zugleich lösen sich althergebrachte Lebensmodelle auf. Neue Lösungen sind gefordert. Und damit ist dann eben doch die Basis für ergebnisoffene Feldversuche in Sachen Wohnen (und die Architektur dafür) gelegt. In diesem Heft starten wir unsere dreiteilige Serie zu diesem Thema. Diese Ausgabe widmet sich komplett dem Experimentierfeld Wohnen. Wir zeigen, wie Marc Koehler Architekten in Amsterdam den Bewohnern eines aktuellen Projekts völlig neue Einflussmöglichkeiten eröffnen, bis hin zur freien Wahl der Innenarchitekten. In Paris denkt Farshid Moussavi mit ihrem Wohnbau zwischen Friedhof, Rugbystadion und Hochhäusern das Prinzip der „passenden“ Location radikal neu. Und ein Berliner Studentendorf bringt die Studierenden gleich in umgebauten Containern unter. Mit der Perspektive auf das Experimentelle gelingt es Architekten und Gestaltern, Althergebrachtes neu zu denken. Unser Autor Max Otto Zitzelsberger zeigt, wie eine neue Generation Baumeister eine ganz andere Perspektive auf einen alten Bekannten der Interiorwelt entwickelt: den Schrank. Dieser wird, ebenso wie andere Möbelstücke, dabei selber ein Stück weit zur Architektur, getreu der Philosophie von John Hejduk, Häuser wie Möbel und Möbel wie Häuser zu denken. Auch dies ist ein Experiment – zunächst einmal ein gedankliches, aber auch eines, das ganz reale Konsequenzen haben kann, wie die Beispiele Zitzelsbergers zeigen. Und nun? Uns in der Redaktion ist klar, dass die von uns präsentierten Experimente den Wohnungsbau nicht retten. Aber vielleicht erzeugen sie so etwas wie einen optimistischen, sogar spielerischen Geist, wie er auch aus unserem Titelbild spricht. Vielleicht können sie Architekten, Bauherren und Städte zu einer neuen Freude am Erfinden im Wohnungsbau bringen – und damit letztlich auch zu einer sozial wie gestalterisch besser funktionierenden Wohnarchitektur beitragen. Gebrauchen könnten wir diese.

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Unser Titelbild lieferte uns der Berliner Fotograf Norman Konrad. 1976 in Gotha geboren, studierte er Fotografie und Design in

Alexander Gutzmer Chefredakteur a.gutzmer@baumeister.de

Bielefeld und Prag. Als freier Fotograf arbeitet Konrad seit 2006.


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Köpfe

Ideen

Lieber keine Experimente beim Thema Wohnen? Unsere Zeit fordert neue Lösungen. Die unterstrichenen Beiträge rechts befassen sich mit dem Titelthema.

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Eyal Weizman von Forensic Architecture

Eine Wohnung in den Amsterdamer Superlofts

10 Eyal Weizman

20 Superlofts in Amsterdam

Forensic Architecture und die Suche nach der Wahrheit

16 Bündnis Bezahlbares Wohnen Ein engagiertes Team wehrt sich gegen horrende Mietpreise.

System für flexibles Wohnen und Partizipation

30 Wohnblock in Paris Soziale Durchmischung in La Défense

BAU MEISTER. DE

Wohnen in Überseecontainern

52 Pflegeheim in Graz Neue Gemeinschaft in Alters-WGs

Interessante Beispiele gläserner Architektur finden Sie derzeit auf unserer Homepage. Wir zeigen sie im Rahmen einer Medienpartnerschaft mit der Düsseldorfer Messe Glasstec, die im Oktober stattfinden wird.

64 Bahnhof in Montpellier Mediterrane Infrastruktur in Südfrankreich

FOTOS V.L .: PAUL STUART; M ARCE L VAN DE R BURG; WALTE R M AIR; L AUFE N

42 Studentenwohnheim in Berlin


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Fragen

Lösungen

Gast-Arbeiter

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Ein Briefkasten von Lütjens Padmanabhan

Eher Spa als Sanitärzelle

72 Wann wird ein Möbel zum Raum?

86 Dach

78 Bauen wir Gebäude oder Orte? 82 Was ist experimenteller Wohnungsbau?

Maryse Quinton hat Architektur im bretonischen Rennes studiert und ist dann nach Paris gezogen, um dort als freie Journalistin und Autorin zu arbeiten. Ihr Schwerpunkt ist Architektur, Landschafts- und Stadtplanung. Ihr jüngstes Buch beschäftigt sich mit Charles & Ray Eames.

92 Qualitätsschmiede Besuch bei Hewi

94 Referenz Ein Haus für Pferde aus KS-OriginalSichtmauerwerk

96 Bad RUBRIKEN 6 EIN BILD 40 SONDERFÜHRUNG 50 KLEINE WERKE 62 UNTERWEGS 82 ARCHITE K TUR + M ANAGE ME NT 102 PORTFOLIO: FASSADE N 11 3 IMPRE SSUM + VORSCHAU 11 4 KOLUMNE

Der junge Münchner Architekt Max Otto Zitzelsberger sollte unseren Lesern spätestens seit unserem Bayern-Baumeister ein Begriff sein. In dieser Ausgabe wird er für uns zum Autor und schreibt über das Verhältnis von Möbel und Raum.


Svizzera 240

Haustour, Schweizer Pavillon auf der Architekturbiennale Venedig

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6 Ein Bild


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FOTO: CHRISTIAN BE UTLE R; PIC TURE ALLIANCE/KEYSTONE

Anonymität ist eine Schweizer Eigenart, die dem kleinen Land einigen Wohlstand beschert hat – man denke nur ans berühmt-berüchtigte Bankengeheimnis. Auf der diesjährigen Architekturbiennale von Venedig lenkt der Schweizer Pavillon das Augenmerk jetzt auf eine ganz andere Form der Anonymität: den der zeitgenössischen Schweizer Wohnung, wo sich die durchschnittliche Behausung als ein Abfolge generischer Innenräume durchgesetzt hat – ein Habitat ohne Eigenschaften sozusagen. Und genau das wird kritisch hinterfragt von den vier jungen Kuratoren Alessandro Bosshard, Li Tavor, Matthew van der Ploeg und Ani Vihervaara. Der Besucher nimmt dort an einer „Haustour“ durch ein scheinbar altbekanntes und gesichtsloses architektonisches Repertoire teil, durchschreitet dabei aber immer wieder labyrinthische und mitunter surreale Räume – ein Vorgang, der die kodierten sozialen Handlungsabläufe des bürgerlichen Wohnens hinterfragen soll. Dafür gab es dann auch den Goldenen Löwen. Die Architekturbiennale kann noch bis 25. November besichtigt werden.

Text

Leonardo Lella


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Der in London ansässige Architekt Eyal Weizman leitet das internationale und interdisziplinäre Forscherteam Forensic Architecture.


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FOTO: PAUL STUART

MAXIMILIAN HEISLER

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JOHANNES TOCHTERMANN

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HARTMUTH SIEBERT

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MICHELLE KLEIN

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5 Köpfe: Eyal Weizman Bündnis Bezahlbares Wohnen

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Köpfe

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Forensic Architecture hinterfragen die mediale Darstellung und politische Rechtfertigung von Menschenrechtsverletzungen.


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Was bedeutet Wahrheit im Zeitalter von Fake News? Die interdisziplinäre Forschungsagentur Forensic Architecture nutzt architektonische Mittel, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Mauern der Wahrnehmung

Text: Mark Kammerbauer

Fotos: Paul Stuart

Ein Donner erschallt, gefolgt von einem rasch aufsteigenden Rauchpilz. Was ist geschehen? Dutzende Handys nehmen zittrig den Augenblick, quer über die Stadt verstreut, auf, die Videos werden anschließend auf den sozialen Netzwerken geteilt. Wann wurde die Explosionswolke erzeugt, wann und von welchen Orten aus gesehen, wann und wie in den sozialen Medien dokumentiert? Und welche Ergebnisse bringt eine Kartografierung der Daten samt Recherche über die eingesetzten Kampfmittel? Die Antworten auf diese Fragen können mit grafisch-räumlichen Darstellungsmethoden zeitlich strukturiert, medial unterstützt, analysiert und rekonstruiert werden. Neu dabei ist der gezielte Einsatz architektonischer Techniken, für den Forensic Architecture verantwortlich zeichnen, eine preisgekrönte Forschergruppe um Eyal Weizman, die dieses Jahr für den Turner Prize nominiert ist. Es überrascht daher nicht, dass Weizman den Rauch der Bombenexplosion vor allem als architektonische Form wahrnimmt. Eine andere Praxis Eyal Weizman, ein in Haifa geborener und in London ansässiger Architekt, leitet die interdisziplinäre Forschungsagentur Forensic Architecture. Sie vereint Designer, Filmemacher, Programmierer, Archäologen und Psychologen in einem internationalen Expertenteam, gefördert vom European Research Council. Mit ihrer Arbeit spüren die Forscher Menschenrechtsverletzungen auf und hinterfragen ihre mediale Darstellung und politische Rechtfertigung. Mittels wissenschaftlicher Methoden wird dabei versucht, der Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen. Die Ermittlungen stellen aber weniger eine Beweisführung im juristischen Sinn dar, sondern sollen vielmehr die Beteiligung staatlicher Institutionen an problematischen Vorgängen oder Rechtsverstößen aufzeigen. Die Forschergruppe verknüpft digitale, räumliche Modellierung mit der Forensik, die Analyse öffentlich zugänglicher Dokumente und Bilder ermöglicht den Weg zu einer erweiterten Praxis der Architektur. Dabei hat das Zusammentragen und Montieren von bildlichem Treibgut, so Weizman, eine klare architektonische Charakteristik. Indem das räumlich-zeitliche Beziehungsgeflecht eines Tatorts seziert und neu geordnet wird. Dieser Ansatz richtet sich vor allem gegen die Neigung staatlicher Organe, Tatbestände dem öffentlichen Blick zu entziehen, wenn dadurch ihre Autorität in Frage gestellt wird. Forensic Architecture wirken mit ihren aus Datenfragmenten bestehenden Konstruktionen dieser Verschleierungstaktik entgegen. Interdisziplinarität ist dabei unumgänglich: „Die Probleme der Welt sind WEITER


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Das Internetcafé, in dem Halit Yozgat ermordet wurde, bauten Forensic Architecture anhand öffentlich zugänglicher Fotos nach.

NSU-Komplex

Die Login-Daten der Nutzer des Internetcafés als zeitliches Beziehungsgeflecht

Die Verbreitung des Schießpulvers der Tatwaffe in der Raumluft

Abgleichung der Login-Daten und Standorte der Rechner

Digital-räumliche Zusammenführung der ermittelten Daten


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Köpfe

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Simulierung des Brandverlaufs im 3D-Modell

Lokalisierung der Internet-Handyvideos

Räumliche Überlagerung verschiedener Datensätze

Digitale Integration von Videodaten und Architekturzeichnungen

Überprüfung der konkreten räumlichen Situation

Lage der Apartments, Fluchtwege und zeitlicher Verlauf

ABBILDUNGE N: FORE NSIC ARCHITEC TURE

Rekonstruktion des Gebäude im 3D-Modell

Grenfell Tower

Der Brand des Grenfell Tower wurde ebenfalls untersucht.


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Köpfe

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„Die Probleme der Welt sind nicht nach Disziplinen geordnet. Daher sollte die Suche nach Lösungen auch nicht disziplinär aufgeteilt werden. Genau darum arbeiten wir interdisziplinär.“ ( E YA L

WEIZMAN)

nicht nach Disziplinen geordnet. Daher sollte die Suche nach Lösungen auch nicht disziplinär aufgeteilt werden. Genau darum arbeiten wir interdisziplinär“, sagt Weizman über die Vorgehensweise von Forensic Architecture. Politisch brisante Fälle Die Fälle, die Forensic Architecture bearbeitet, umfassen die Brennpunkte unserer Welt, darunter die Gebiete entlang der Grenzen Israels, das Gefängnis Saydnaya in Syrien oder die Brandkatastrophe im Grenfell Tower in London. Auch einen Fall in Deutschland untersuchte das Team: Im Jahr 2006 wurde Halit Yozgat in Kassel mit einer Pistole des Typs „Ceská 83“ erschossen. Erst später begriff man, dass Yozgat eines der zehn Mordopfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ war. Die rassistische Terrorgruppe um Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe wurde für die Verbrechen verantwortlich gemacht – aber erst, nachdem der Vorwurf der sogenannten „Döner-Morde“ die Medien durcheilte und die Sonderkommission „Bosporus“, die den Opfern eine Mitschuld gab, in die falsche Richtung ermittelte. Das „Tribunal NSU-Komplex Auflösen“ beauftragte Forensic Architec-

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ture in der Folge damit, Licht ins Dunkel des Mordfalls Yozgat zu bringen. Insbesondere sollte hinterfragt werden, welche Rolle der hessische Verfassungsschützer Andreas Temme dabei spielte. Widerspenstige Zeugen Am späten Nachmittag des 6. April 2006 wurde der 21-jährige Halit Yozgat, Sohn türkischer Einwanderer in Deutschland, hinter der Theke seines Internetcafés ermordet. Zeitgleich war Andreas Temme vom Hessischen Landesamt für Verfassungsschutz anwesend. Er entfernte sich vom Tatort und bestreitet nach wie vor, die Schüsse aus der Ceská 83 gehört, das Schießpulver gerochen oder den leblosen Körper Yozgats hinter der Theke gesehen zu haben, eine Aussage, die er auch beim NSU-Prozess in München wiederholte. Der leitende Ermittler der Kasseler Polizei ist überzeugt, dass Temme lügt. Forensic Architecture nahmen daher eine räumliche und zeitliche Rekonstruktion des Mordes vor. Es galt, die unterschiedlichen Dimensionen menschlicher Wahrnehmung unmittelbar vor und nach dem Mord einem Puzzle gleich zusammenzuführen – sowohl in einem virtuellen, digitalen Modell, als auch in einem räumlichen Nachbau des Internetcafés im Maßstab 1:1. Als Grundlage des digitalen Modells dienten öffentlich zugängliche Fotos. Das Team modellierte die Größe und Form des Shops und wies den einzelnen Oberflächen bestimmte Materialien entsprechend der Situation vor Ort zu. Die LoginDaten der Computer und Verzeichnisse der Telefonverbindungen dienten dazu, alle Geräte im Internetcafé zu verorten und ihre Nutzung anhand eines Zeitstrahls zu bestimmen. Das analoge Modell wurde letztes Jahr im Maßstab 1:1 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin aufgebaut. Auch hier verwendete Forensic Architecture Materialien, die dem Original in Kassel so nahe wie möglich kommen. Im 77 Quadratmeter großen Realmodell wurden die entscheidenden neun Minuten und 26 Sekunden einem Test unterzogen: Ein Mitarbeiter stellte Temmes Bewegung im Raum nach und wurde dabei durch eine Kamera sowie eine Software zur Bewegungserkennung unterstützt: Was war in Temmes Sichtfeld, als er das Café verließ, und wie passt dies mit den Login-Daten der Rechnernutzung im Internetcafé zusammen? Bauliche Anamnese Die Ergebnisse der digitalen und physischen Rekonstruktion dienten der gegenseitigen Überprüfung. Die Überlagerung der Modelle, der Zeugenaussagen und der Login-Daten führten zu einem umfas-

senden Bild des Tatorts. Auf dieser Grundlage wurden verschiedene Szenarien durchgespielt und auf ihre Plausibilität geprüft. Wenn Temme an einem bestimmten PC saß, der nach seinen Login-Daten ermittelt werden konnte, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er die Schüsse gehört, das Schießpulver gerochen und den Körper des Ermordeten beim Verlassen des Cafés gesehen hat. Über den Mord hinaus wurde auch die Rolle staatlicher Institutionen zum Gegenstand der Untersuchung: Warum hält die Hessische Landesregierung die Unterlagen zum Fall für 120 Jahre geheim? Eine Frage, die bislang ungeklärt ist. Am selben Tag, als Andreas Temme zu den Ergebnissen der Untersuchung Stellung beziehen musste, ließ sich ein hessischer CDU-Abgeordneter zur Veröffentlichung einer Streitschrift hinreißen, die Forensic Architecture als „Künstlergruppe“ abkanzelte. Die Londoner Forscher sind gegen solche Angriffe gewappnet. Die Videoinstallation „77sqm_9:26min” machte die Ergebnisse der Untersuchung zum Mord an Halit Yozgat und dem Verhalten von Andreas Temme auf der documenta.14 der Öffentlichkeit zugänglich, nur ein paar hundert Meter vom Internetcafé der Familie Yozgat entfernt. Mauern der Wahrnehmung Die forensische Architekturpraxis des Teams um Eyal Weizman hat Pioniercharakter. In strittigen Fällen wird der Deutungshoheit staatlicher Institutionen eine wissenschaftlich begründete und unabhängige Bestandsaufnahme entgegenstellt. Eindrucksvoll ist dabei auch die Konsequenz, mit der komplexe räumliche, soziale und politische Prozesse analytisch durchdrungen werden. Dies mündet in einer Kritik globaler Überwachungstechniken: Wer die Auflösung der Kamera kontrolliert, baut eine Mauer, die auch unsere Wahrnehmung kontrolliert. Forensic Architecture macht das Hinter fragen einer medial konstruierten „Wirklichkeit“ als Domäne der Mächtigen zum Bestandteil eines breiten Kanons architektonischer Kulturtechniken. Architektur umfasst deshalb auch das „Bauen“ komplexer Faktenlagen als Beitrag zum zivilgesellschaftlichen Diskurs und zu der grundsätzlichen Frage, was Wahrheit eigentlich ist. Dank Forensic Architecture sind wir um einen Ansatz reicher, der die Suche danach unterstützt.


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Zähne zeigen

Dass die Münchner Mieten zu hoch sind, ist bekannt. Die meisten nehmen das tatenlos hin – nicht so das Bündnis Bezahlbares Wohnen: Es vermittelt zwischen Mietern und Vermietern und diskutiert mit Politikern. Aber gibt es auch Erfolge? E X P E

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Text: Vanessa Kanz

„Wir befinden uns an dem Ort, wo alles begann“, sagt Hartmuth Siebert und blickt aus dem Fenster des Cafés Westend. Hier in der Ganghoferstraße, im Münchner Stadtteil Schwanthalerhöhe, kündigte ein Vermieter vor gut einem Jahrzehnt für seine Wohnungen eine Mieterhöhung um zwanzig Prozent an. Siebert lebte in einer dieser Wohnungen. Die geplante Mietsteigerung war ein Schock – trotzdem war ihm schnell klar: Hinnehmen ist keine Option. Aus der Mietergemeinschaft in der Ganghoferstraße organisierte sich eine erste Initiative für bezahlbares Wohnen, mit Siebert als Gründungsmitglied. „Alle reden über die hohen Mieten, doch es passiert zu wenig“, sagt er. Das wollte die Initiative ändern. Mit diesem Ziel waren der heute 55-Jährige und seine Gruppe nicht allein. Es stellte sich schnell heraus, dass es auch andere Gruppen gab, die sich für bezahlbaren Wohnraum in München stark machten. Auf Veranstaltungen und Gesprächsrunden trafen sie zusammen. Stück für Stück vernetzte sich das Bündnis, und am Schluss kam die Vereinsgründung. Das war vor knapp sechs Jahren. Das heutige Bündnis Bezahlbares Wohnen ist ein Zusammenschluss von über 32 Mietergemeinschaften und Stadtteilvereinen sowie weiterer Einzelpersonen. Gemeinsam wollen sie den bezahlbaren Wohnraum erhalten – oder ihn zurückholen. „In München gibt es mittlerweile kaum noch Stadtteile, in denen man günstig wohnen kann. Selbst in den nicht so beliebten Bezirken ist es schwer geworden“, sagt Hartmuth Siebert. Zweifel an der aktuellen Wohnungsoffensive der Regierung In der aktuellen wohnungspolitischen Debatte ist das Bündnis ein verlässliches Barometer, das anzeigt, was wirkt und was nicht. Obwohl das Thema Wohnungsbau im Moment in Öffentlichkeit und Medien viel diskutiert wird, greift das für Siebert zu kurz. „Andere Themen scheinen außerdem aktuell wichtiger zu sein“, meint er. Auch wenn die Große Koalition einige neue Punkte, wie das Baukindergeld, auf die Agenda gesetzt hat: „Das ist zwar per se eine gute Sache, aber hilft nicht weiter in puncto bezahlbares Wohnen“, sagt das Bündnismitglied. Die angestrebte Verschärfung der Mietpreisbremse hält Siebert ebenso nicht für ausreichend. Auch wenn es den Vermietern schwerer gemacht wird, die Mieten anzuheben, ist es eher ein Bonus für Besserverdienende, die statt zehn nur noch sieben Euro zahlen. Das nützt Geringverdienern kaum. „Es fehlt ganz klar an langfristigen Zielen“, sagt Hartmuth Siebert. „Da bringen die Wohnraumoffensive und die kurzfristig investierten Milliarden recht

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Köpfe wenig.“ An Geld scheitere der Wohnungsbau in Ballungsräumen eher selten; das Problem sei oft, ausreichend Bauland zu finden, meint er. Als Positivbeispiel nennt Siebe r t die Wiene r Wohnungspol i t ik: „Wien hat einen ganz anderen Ansatz gefunden: Die Stadt hat von vornherein auf sozialen Wohnungsbau gesetzt, diesen konstant über Jahrzehnte hinweg gefördert“, sagt er. „So ist es gelungen, die Mieten auf einem konstanten Niveau zu halten, so dass sie bezahlbar sind und bleiben.“ In der deutschen Wohnungspolitik gehe es zu langsam voran, es fehle an Konsequenz. „Immer dann, wenn man etwas anstößt, bewegt sich auch etwas“, sagt Hartmuth Siebert. „Stößt man es nicht mehr an, besteht die Gefahr, dass es allmählich versickert.“ Das Thema bezahlbares Wohnen nicht versickern zu lassen – ist die Maxime des Bündnisses. Wo setzt das Bündnis an?

2 bis 5

Sorgen der Bürger. „Ein Politiker, der im Bundestag oder im Landtag sitzt, kann solche Mietprobleme nicht unbedingt nachvollziehen, weil er finanziell abgesichert ist oder selbst Immobilien besitzt“, sagt Siebert. Die Arbeit des Bündnisses als mahnender Gesprächsakteur wirkt sich bilateral aus: Die Mieter erfahren, dass es sich lohnt, sich zu wehren, weil es Alternativen gibt, die die Politik und der Vermieter nicht unbedingt offen kommunizieren. Und: Das Bündnis hält das Gespräch über die Mietpreiserhöhungen stetig in Gang und befeuert es. „Dabei ist die Medienarbeit essenziell“, sagt Siebert. „Denn wozu führen wir Gespräche und klären über Missstände auf, wenn niemand etwas davon mitbekommt?“ Um seine Inhalte in die Mietpreis-Debatte einzubringen, tritt das Bündnis in Radiosendungen und PolitTalkshows auf, gibt Zeitungsinterviews und publiziert Artikel auf der eigenen Homepage.

17 Die Akteure

Das Bündnis Bezahlbares Wohnen: von links Maximilian Heisler (Erster Vorsitzender), Michelle Klein (Kassenwart),

FOTO: BIANCA CL ASSE

Hartmuth Siebert

Die Vereinsarbeit gliedert sich in zwei Bereiche: Hilfeleistung bei der Gründung neuer Mieterverbände und Unterstützung bei Problemen mit dem Vermieter. Zudem agiert es als öffentlicher Fehlermelder – soll heißen: Das Bündnis steigt in Diskussionen, Gesetzgebungen und Ankündigungen ein, die zu Lasten der Mieter ausfallen können. Es sucht das Gespräch mit Politikern und Vermietern und prangert einseitige, mieterunfreundliche Aspekte an. Ein Beispiel ist die energetische Gebäudesanierung. Die Politik beschloss, dass Immobilieneigentümer ihre Fassaden dämmen müssen, um den CO 2 -Verbrauch zu senken. Im Jahr 2013 änderte sich der entsprechende Paragraph 559 zum Nachteil der Mieter. „Das Gesetz macht es dem Vermieter leicht, die Kosten in Form von Mieterhöhungen umzulegen“, so Siebert. Das bedeute in vielen Fällen eine Verdoppelung der Mietpreise, wofür das Bündnis sowohl Investoren und Vermieter als auch die Politiker als Mitschuldige sieht. Trotzdem lautet seine Devise: Kommunikation ist besser als Konfrontation; Vermieter sollen den sozialen Aspekt berücksichtigen, denn „ein Haus, in dem Menschen leben, ist kein reines Renditeobjekt“. Dabei ist das Bündnis nicht gegen alle Investoren, Vermieter oder Eigentümer von Immobilien. Im Gegenteil: Es gebe auch verantwortungsvolle Vermieter, die es zu unterstützen gelte. Und auch eine generelle Politiker-Schelte führe zu nichts, meint Siebert. Trotzdem: „Nur die Politik hat die Möglichkeit, den Handlungsrahmen so zu setzen, dass es für alle am Ende fair ausgeht.“ Deshalb sprechen die Bündnismitglieder mit allen Politikern – und wollen dabei selbst parteipolitisch unabhängig bleiben. Das Bündnis konfrontiert die Politiker in den Gesprächen mit den

Kleine Etappensiege

(Zweiter Vorsitzender), Johannes Toch-

Eine der größten Herausforderungen, vor der das Bündnis steht, sind aber die Mieter selbst. Viel zu oft, so Siebert, wehren sie sich nicht, wenn der Vermieter Forderungen stellt – „man könne ja eh nichts machen“. Dass man aber wohl etwas erreichen kann, beweisen die kleinen Erfolge: So konnte das Bündnis in vielen Einzelfällen eine Abfindung für den Mieter aushandeln oder eine Mieterhöhung verhindern. Auch auf politischer Ebene verzeichnet Siebert kleine Siege: In München war es lange möglich, alle drei Jahre die Mieten um zwanzig Prozent zu erhöhen; diesen Prozentsatz senkte die Politik auf 15 Prozent – auch ein Verdienst des Bündnisses. Und auch die elfprozentige Mietsteigerung im Rahmen der energetischen Gebäudesanierungen soll mit Hilfe des neuen Koalitionsvertrags gekürzt werden. „Sicher waren wir es nicht alleine, denn so eine Entscheidung wird ja in Berlin getroffen. Aber der Druck kommt immer von den Städten, und da haben wir sicherlich dazu beigetragen“, meint Siebert. Solche kleinen Etappensiege sind zwar oftmals Kompromisse, aber in ihrer Reichweite nicht zu unterschätzen. Ein weiteres erfolgreiches Projekt war der „Leerstandsmelder089“, eine Plattform, auf der Bürger ungenutzten Wohnraum melden konnten. Das Bündnis agierte als Schirmherr. Die Motivation dabei: Leerstände publik zu machen, um eine Diskussion über Gentrifizierung in Gang zu bringen und die Frage zu stellen, wie München in Zukunft aussehen soll. „Der Erfolg war so groß, dass wir es nicht mehr geschafft haben, alle Fälle abzuarbeiten“, sagt Hartmuth Siebert. Die Stadt wollte das Projekt übernehmen – bis heute ist es bei diesem Vorsatz geblieben.

termann (Öffentlichkeitsarbeit BBW)

Kein Kampf gegen Windmühlen Nach rund zehn Jahren als Verfechter des bezahlbaren Wohnens zieht Hartmuth Siebert Bilanz: „Es fehlen noch klare Regulierungen und wirkungsvolle Instrumente, die sowohl die Interessen der Vermieter als auch der Mieter im Blick haben.“ Die Regierung müsse verschiedene Gesetze in Summe ändern, um die Preisspirale auszubremsen, ist sich Siebert sicher. Das Bündnis will seine Inhalte und Lösungsvorschläge weiterhin offen und laut in alle Richtungen kommunizieren: Der Mietspiegel muss anhand eines Querschnitts ermittelt und der Bodenwert sollte anders berechnet werden, so zwei Forderungen. Wichtig sei nach Siebert außerdem, dass das Bündnis intern Prioritäten setzt: „Wir müssen dort verstärkt angreifen, wo wir realistisch etwas erreichen können und uns aus Sachen herausziehen, bei denen uns einfach die Manpower fehlt.“ Die Bündnismitglieder kämpfen für eine Stadt, die nicht nur für Topverdiener da ist und die ihre Eigenart trotz Gentrifizierungsprozessen wahrt. Ihr Weg zum bezahlbaren Wohnraum ist noch lang, aber die ersten Schritte sind getan. Ihr Appell ist und bleibt: Mieter, wehrt euch!


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Eine Wohnung in den Amsterdamer Superlofts von Marc Koehler


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FOTO: M ARCE L VAN DE R BURG

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5 Ideen: Superlofts in Amsterdam Wohnblock in Paris Studentenwohnheim in Berlin Pflegeheim in Graz Bahnhof in Montpellier


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Einladung zur Mündigkeit

Die Niederlande haben eine lange Geschichte im experimentellen Wohnungsbau. Die Superlofts reihen sich in diese Tradition ein und ermöglichen den Nutzern viel gestalterischen Spielraum. E X P E

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Kritik: Klaus Englert

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Fotos: Marcel van der Burg

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Architekt: Marc Koehler Architects


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Die Straßenfassade eines Superlofts im Amsterdamer Houthaven

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Rohbauästhetik: Als Zielgruppe für die Wohnungen sind vor allem Kreativschaffende gedacht.


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Die Superlofts ermöglichen den Nutzern eine hohe Gestaltungsfreiheit.


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Das statische System lässt viele Variationsmöglichkeiten bei den Wohnungen zu.


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ie Besiedlung der Amsterdamer Hafengebiete begann vor über zwanzig Jahren. Zunächst wurden die Piere westlich und östlich des Hauptbahnhofs bebaut – vom Silodam mit MVRDV’s aus dem Hafenbecken herausragendem Silodam-Block bis hin zum Östlichen Hafengebiet mit den spektakulär gestalteten Halbinseln Borneo und Sporenburg. Zu einem internationalen Medienecho schaffte es vor allem das experimentelle Konzept für die Scheepstimmermanstraat, nachdem Adriaan Geuze von West 8 den Masterplan für den Straßenzug auf dem Borneo-Pier entwickelt hatte. Einer der Paten des für die damalige Zeit einzigartigen städtebaulichen Projekts war der in Eindhoven und am MIT lehrende Nikolaas John Habraken. Viel Spielraum

Im Unterschied zu den übrigen, von Generalunternehmern errichteten Baugrundstücken, konnten hier sechzig private Bauherren ihre Eigentumshäuser nach eigenen Vorstellungen bauen. Die einzige Vorgabe war die als verbindlich festgesetzte maximale Bebauungshöhe von 9,50 Metern. Alles andere blieb dem Entscheidungsspielraum der privaten Auftraggeber überlassen. Das Ergebnis war entsprechend vielfältig: Die Breite der bebauten Parzellen variiert zwischen 4,20 und sechs Metern, während die Materialpalette für die Fassadengestaltung zwischen Backstein, Beton, Aluminium, Glasbausteinen und Corten-Stahl wechselt. Die gleiche Vielfalt findet sich auch in der Raumaufteilung: Verschachtelte Lösungen stehen offenen Varianten mit freien Grundrissen entgegen, Dachterrassen wechseln ab mit Balkonen, Patios, Wintergärten, Galerien und Erkern. Mehr Dichte Die Idee für den städtebaulichen Entwurf der Scheepstimmermanstraat sah also die Einbeziehung der privaten Bauherren und die Berücksichtigung ihrer sehr individuellen Wohnvorstellungen vor. In einem etwas anderen Rahmen findet sich dieser experimentelle Ansatz mittlerweile auch am anderen Ende des Amsterdamer Hafens wieder: Seitdem große Teile des vor 140 Jahren angelegten westlich gelegenen Houthaven, der ursprünglich für den Transport und die Lagerung von Holzstämmen angelegt worden war, nicht mehr benötigt werden, breitet sich nun auch

Ideen

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hier der Amsterdamer Immobilienhype aus. Auf sechs Bebauungsflächen sollen nach Maßgabe de r Stadt ve r wal tung 2.500 Wohneinheiten geschaffen werden. Die dort vorgesehene Dichte übersteigt die der Scheepstimmermanstraat bei weitem. Insgesamt kommen in den folgenden Jahren 50.0 0 0 neue Wohneinheiten in Amsterdam-Noord, etwa an der gegenüberliegenden NDSM-Werft am Ij, sowie an den Verkehrsringen hinzu. Superlofts im Houthaven In diese städtebauliche Strategie reihen sich auch die Superlofts am Houthaven von Marc Koehler Architects ein. Die Amsterdamer Architekten haben dafür das Open-Building-System von Nikolaas John Habraken intensiv studiert, daraus aber ganz andere Konsequenzen wie seinerzeit Adriaan Geuze bei seinen Planungen für die Scheepstimmermanstraat gezogen: Während Geuze eine große Variantenvielfalt der Wohnhäuser mit einer kleinteiligen städtebaulichen Lösung kombinierte, steht das von Marc Koehler entworfene Superloft-System für eine großstädtische Verdichtung.

P

aradigmatisch für dieses Prinzip sind die kürzlich am Houthaven fertig gestellten Casco-Lofts, die in einer dreiteiligen, farblich variierenden Blockstruktur realisiert wurden. Sie sind der Prototyp für weitere Superloft-Strukturen, die Marc Koehler Architects in den Folgemonaten fertig stellen konnten – in Amsterdam Noord und Utrecht. Kreative Zielgruppen

Laut David Tol, dem Projektleiter des Superlofts, ist die dem Entwurf inhärente Flexibilität die beste Lösung für den angespannten städtischen Wohnungsmarkt. Gleichzeitig soll es auch eine bestimmte Klientel ansprechen: „Die Superlofts eignen sich gut für städtische Randgebiete und Industrieareale. Besonders geeignet sind sie für Freiberufler wie Künstler, Medienleute und Architekten. Der gerade eröffnete Blok Y liegt in einem Außenbezirk von Utrecht, während die Casco-Lofts im Amsterdamer Houthaven errichtet wurden, der für eine sehr lange Zeit vom Stadtleben abgeschnitten war.“ Als das Projekt während der Wirtschaftskrise 2011 seinen Anfang nahm, waren die Bedingungen extrem schwierig. „Immer-

hin fanden sich 74 Leute, die sich auf das Wagnis einließen und ein Startkapital von 30.000 Euro investierten. Für die Bauherren hat sich das voll ausgezahlt. Denn ein 130 Quadratmeter großes Apartment kostete am Ende nicht mehr als 350.000 Euro. Berücksichtigt man, dass heute, nach der Krise, die Quadratmeterpreise in Amsterdam bei einer jährlichen Kostensteigerung von 30 Prozent von ursprünglich 2.500 Euro auf 5.000 Euro bis 6.000 Euro angestiegen sind, dann wird ziemlich deutlich, dass wir uns inmitten einer Immobilienblase befinden.“ Mehr Gestaltungsfreiheit Eines der Apartments wurde vollständig von Marc Koehler und Dirk Overduin gestaltet. Allerdings galt das für die Wohnungen in den Superlofts nicht zwangsläufig. Jeder Bauherr konnte selbst bestimmen, wer den Innenausbau vornehmen sollte. Das Architektenteam von Koehler entwarf ausschließlich die aus Betonfertigteilen bestehende Tragstruktur und ein Fassadensystem mit Dreifachverglasung, das die Belüftung und den Sonnenschutz des Passivhauses aktiviert. Ein zentral liegender Erschließungsschacht unterstützt die


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freie Grundrissgestaltung. Dabei lässt das statische System erstaunlich viele Variationsmöglichkeiten bei den einzelnen Modulen zu – mit unterschiedlichen Höhen und unterschiedlicher Materialität. Das erinnert an Alejandro Aravena, der im chilenischen Iquitos das Grundgerüst von 120 Sozialwohnungen errichtete, das von den Bewohnern selbständig komplettiert und erweitert werden konnte. Die Entwurfsidee resultierte allerdings aus der Auseinandersetzung mit dem anfangs erwähnten Nikolaas John Habraken und der in der Architektur zunehmend wichtiger werdenden Kreislaufwirtschaft: „Das Tragwerk bleibt als Hülle bestehen, die Fassade wird alle 50 Jahre erneuert, die Installationen alle 25 Jahre und die Wohnungseinrichtung alle fünf Jahre. Jedes dieser Systeme existiert unabhängig vom anderen, aber alle fügen sich in die zirkuläre Wirtschaft“, sagt Tol über das Nachhaltigkeitskonzept. Flexible Wohnkonzepte Dementsprechend gehen die Architekten davon aus, dass die Verantwortung für jedes einzelne System grundsätzlich bei anderen Vertragspartnern liegt. Im Unter-

schied zu den All-inclusive-Angeboten der großen Projektentwickler erhöht das die Gestaltungsfreiheit des Bauherrn. Zu dieser Freiheit gehört auch ein intensiver Entscheidungsprozess, der die Bauherren einbezieht, um Schritt für Schritt zu klären, wie die individuellen Wünsche des jeweiligen Nutzers in die Gestaltung des Wohnraums einfließen können. Zur Auswahl standen Wohnungsgrößen von 30 bis 480 Quadratmetern bei einer Geschosshöhe von fünf Metern, was den Gestaltungsreichtum der einzelnen Wohnungen beträchtlich erweiterte. Im Fall des von Marc Koehler und Dirk Overduin gestalteten Apartments konnte ein zusätzlicher Arbeitsbereich eingezogen we rden, de r wei te re Nutzungen ermöglicht. Der Zugang zum Aufzug befindet sich auf einer separate eingezogenen Geschossebene, um die weiteren Nutzungen nicht einzuschränken. „Bei der Gestaltung des Apartments ließen wir uns vom ‚Hybrid Living’ leiten, einer Verschmelzung von verschiedenen Wohnund Arbeitsbereichen. Das Apartment kann deshalb als Büro mit separatem Eingang oder als Trainings-, Wohn- oder Schlafraum genutzt werden“, sagt Tol über das Wohnkonzept.

Mündigkeit der Nutzer David Tol ist davon überzeugt, dass die flexiblen Superlofts sich bestens dazu eignen, um dem in den Niederlanden extrem hohen Wohnungsleerstand, der den Wohnungsneubau um das Fünffache übersteigt, zu begegnen. Denn die Superlofts sind sehr anpassungsfähig, selbst bei unterschiedlichsten Wohnbedürfnissen, und lassen sich sogar problemlos in Büros umwandeln. Damit werden langjährige Leerstände, aber auch der Abriss von Gebäuden vermieden. Dadurch ist die Superloft-Strategie von Marc Koehler Architects ein gewaltiger Fortschritt, was den Faktor Nachhaltigkeit betrifft. Und mehr noch: Sie stärkt die Partizipation der Nutzer, die bei den renditeorientierten Großprojekten internationaler Developer ansonsten nur die allseits bekannten normgerechten Kisten angeboten bekommen.

Insgesamt 2.500 neue Wohneinheiten sollen im Houthaven entstehen.


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Wohnungstypen

Einheiten: 19 Häuser Größe Modul: 18,00 x 5,00 x 6,30 Meter (L x H x B) Wohnfläche: 30 Quadratmeter bis 480 Quadratmeter Wohnungpreis: durchschnittlich 250.000 Euro (ohne Innenausbau)

BAUHERR: Cooperative Building Group ARCHITEKTEN: Marc Koehler Architects, Amsterdam BAUUNTERNEHMER: ERA Contour BV FERTIGSTELLUNG: 2016 STANDORT: Haparandaweg, Houthavens Plot 4, Amsterdam


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29 Städtische Situation

1

2

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XL

Wohnungsstruktur

LOF T 2-GE SCHOSSIG/2-SE ITIG

TIE FE VON 10 BIS 25 ME TE R

TUR M FLUR

24 0 — 4 8 0 M 2

18 0 — 360 M 2

12 0 — 24 0 M 2

60 — 12 0 M 2

60 — 12 0 M 2

3 0 — 60 M 2

90 — 18 0 M 2

4 5 — 90 M 2

60 — 12 0 M 2

3 0 — 60 M 2

LOF T 2-GE SCHOSSIG/1-SE ITIG

GALLE RIE

12 0 — 24 0 M 2

BLOCK

BASISE INHE IT VON 3 BIS 4 ME TE R

90 — 18 0 M 2

3/4 LOF T 2-GE SCHOSSIG/2-SE ITIG

TOWNHOUSE

190 — 360 M 2

13 5 — 270 M 2

LOF T 1-GE SCHOSSIG/2-SE ITIG

Das statische System der

metern. Zusätzlich unter-

Superlofts lässt eine Viel-

stützt ein zentral liegen-

zahl von Wohnungstypen

der Erschließungsschacht

zu. Die Größe der einzel-

die freie Gestaltung der

nen Wohnungen reicht

einzelnen Grundrisse.

12 0 — 24 0 M 2

90 — 18 0 M 2

von 30 bis 480 Quadrat-

XS


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Von der Studentenbude bis zum Luxusapartment: Die Hierarchie der verschiedenen Wohneinheiten ist nach außen nicht ablesbar.


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Zwischen Friedhof, RugbyStadion und Hochhäusern: Mit der Residence „One“ ist der erste Wohnbau seit dreißig Jahren in der Pariser Bürostadt La Défense entstanden.

Dicht bevölkerte Insel

E X P E

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: I E

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O

E N H N

(I )

Kritik: Claudia Fuchs

Fotos: Stephen Gill

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(III)

E L L E N T S

Architektin: Farshid Moussavi


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Großzügige Balkonzonen umspielen das gesamte Gebäude – auch auf der Nordseite. Schiebeläden schützen die Loggien in jedem zweiten Geschoss.

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Vexierspiel an der Gebäudeecke: Die gläsernen Balkonbrüstungen und die Lamellen der Schiebeläden überlagern sich und lösen die Kubatur auf.


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Die Hauptfassade Richtung Süden, zur Esplanade mit der Aussichtsplattform „La Jetée“. Auf dieser Seite liegt auch der Hauptzugang.


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Großzügige Loggien und Balkone – oben mit Blick auf die Grand Arche – erweitern die lichten Wohnräume als Zimmer im Freien nach draußen.


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A

n der Grande Arche endete das Hochhausviertel La Défense lange Jahre abrupt in einer fast surreal anmutenden Schnittstelle von Metropole und Vorstadt – die Freitreppe auf seiner Nordwestseite mündete quasi direkt in die Friedhöfe der Nachbargemeinden. Die städtebauliche Geste der Verlängerung der „Axe Historique“ vom Louvre über den Triumphbogen zur Grande Arche de la Défense führte lange ins Nichts. Erst die Autobahnüberdeckelung und die 1998 von Paul Chémétov realisierte Hochtrasse „La Jetée“ mit dem darunterliegenden Park nahmen den Faden auf und verlängerten die Achse in Richtung Nanterre. Der aufgeständerte Stahlsteg auf Höhe der Baumkronen ist allerdings eher ein poetischer Brückenschlag als eine veritable Verbindung: Die 400 Meter lange Plattform führt lediglich zu einem Aussichtspunkt. Seit Anfang der 2000er-Jahre wird nun der Vorstadt-Bereich westlich der Grande Arche umstrukturiert und als urban-gemischter Stadtteil entwickelt. Eines dieser Projekte ist das Quartier „Les Jardins de l’Arche“: Beidseits der neuen Esplanade als öffentlicher Platzraum, Fußgängerverbindung und Radweg zwischen La Défense und den Terrasses de Nanterre entstanden und entstehen auf diesem acht Hektar großen Areal unter anderem Wohnungen, Hotels, Läden, Schulen, öffentliche Plätze und die U-Arena, das von Christian de Portzamparc entworfene Rugby- und Eventstadion. Wohnen zwischen Friedhof und Stadion

Der Wohnblock „One“ der Londoner Architektin Farshid Moussavi nimmt dabei einen schmalen Grundstücksstreifen zwischen Friedhof, Stadionkomplex und der neuen Esplanade ein, die von der Stahlkonstruktion der Jetée überspannt wird; zudem war ein zwei Geschosse hoher Gel ä ndeve rsp rung ei nzubez iehen. Das Raumprogramm des Investors gab Wohnungsangebote für unterschiedliche Einko m m e n s g r u p p e n s ow i e G ewe r b e einheiten in der Sockelzone vor. Farshid Moussavi entwickelte ihren Entwurf aus der horizontalen Schichtung der verschiedenen Funktionen und fasste sie in einem langgestreckten, vierzehngeschossigen Riegel zusammen, dessen beide untersten Etagen den Niveauunterschied zum Friedhofplateau nutzen. An seiner Westseite erweitert sich der zwölf Meter breite Bau-

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2

körper zu einem keilförmigen, dreigeschossigen Sockel. Flankiert von Freitreppen, vermittelt er zwischen den beiden Ebenen der Esplanade. Drei Restaurants sind in der Sockelzone integriert – sie beleben mit ihren Terrassen den öffentlichen Raum spürbar. Darüber sind 110 Studentenapartments, 72 kostengünstige Wohneinheiten, neun Sozialwohnungen und zehn PenthouseMaisonetten übereinander schichtet und unter einer homogenen Hülle vereint. Nach außen ist dieser Wohnungsmix allerdings nicht erkennbar; nur die Möblierung auf den Balkonen gibt Hinweise auf die unterschiedliche Bewohnerschaft. Die Studenten wohnen auf sechs Ebenen, davon sind zwei in der Sockelzone integriert. In der zweiten und dritten Etage fassen jeweils drei an den Stirnseiten gelegene Sozialwohnungen das Studentenwohnheim als Haus-im-Haus ein. Darüber folgen die sechs Geschosse mit kostengünstigen Wohnungen und ganz oben die Penthouse-Maisonetten mit großen Dachterrassen. Separate Erschließung, großzügige Balkone Studentenwohnheim und Wohnungen sind unabhängig voneinander erschlossen, um gegenseitige Störungen zu minimieren. Separate Foyers bilden die lichtdurchfluteten Eingangshallen zu den am Mittelflur angeordneten Apartments und den großteils als Zweispänner organisierten Wohnungen. Diese orientieren sich nach Süden und nach Norden. Die Grundrisse der Wohneinheiten sind prinzipiell flexibel unterteilbar, da Kommunwände, Erschließungskerne und Wandscheiben in Fassadenebene tragend sind.

E

in wesentliches Element des Entwurfs sind die Außenbereiche der Wohnungen: Die Geschossdecken laufen durch und bilden den Baukörper umspielende Balkonbänder. Sie sind etagenweise alternierend als offene Bereiche mit Glasbrüstungen oder als mit Schiebeläden geschützte Loggien gestaltet, was die Horizontalität und den Entwurfsgedanken der Schichtung des Raumprogramms unterstreicht. An drei Gebäudeseiten verläuft die Balkonzone in gleicher Breite und in einer Flucht, während die Südfassade durch die bewegte Kontur der hier verspringenden Platten akzentuiert ist. Da die sich verjüngenden Deckenplatten jeweils in zwei Stockwer-

37 ken gleich, jedoch in den beiden folgenden gegeneinander verschoben sind, entsteht die Wirkung übereinandergestapelter Quader: Dadurch verleihen sie dem Riegel Dynamik und Plastizität, ohne dass dies gestalterisch aufgesetzt wirkt. Bis zu 2,5 Meter breit, bieten die Balkone und Loggien ein zusätzliches Zimmer im Freien, dessen Ein- und Ausblicke mittels der Alum i n ium-Sch iebe l äden i nd ividue l l regelbar sind. Die durchgesteckten Wohnungen verfügen dabei sowohl über einen Balkon als auch über eine Loggia. Homogene Hülle Die Fassade differenziert demnach nicht zwischen der unterschiedlichen Bewohnerschaft und den verschiedenen Wohnungstypen. Alle Scheiben sind als leicht spiegelndes Sonnenschutzglas ausgeführt. Mit der Wahl hochwertiger Materialien wie raumhohen Fenstertüren, schwarzgrau emaillierten Glaselementen als Verkleidung der opaken Fassadenteile, Glasbrüstungen, eloxiertem Aluminium und nicht zuletzt feingliedrigen Details zeigt Farshid Moussavi, dass kostengünstiger Wohnungsbau nicht „billig“ aussehen muss. Im Gegenteil, ihr liegt daran, mit qualitätvoller Architektur und Gestaltung die Identität der Bewohner zu stärken und ihnen ein angenehmes Wohnumfeld zu schaffen – unabhängig von Einkommen und sozialem Status. Für die Architektin steht dieser Wohnbau „für den sozialen Zusammenhalt unterschiedlichster Bewohner“, wie sie meint, „wie er in Gebäudetypologien vor der Haussmann’schen Ära zu finden war, die Bürgertum, Beamte, Geringverdiener und Studenten unter einem Dach vereinten“. Ein Experiment zwar, das aber von dieser ungewöhnlichen Insellage aus auch in etablierte Wohnviertel ausstrahlen könnte. Pläne auf der folgenden Seite


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110 Studentenapartments 72 kostengünstige Wohneinheiten 10 PenthouseMaisonetten 9 Sozialwohnungen 5 Gewerbeeinheiten

Zur Umgebung

1

Wohnblock „One“

2

Grande Arche

3

Friedhof

4

Rugby-Stadion

5

Hochtrasse „La Jetée”

4 M 1:1 0 . 0 0 0

Gewaltiger Maßstabssprung zwischen

3 5

Hochhausviertel,

1

Friedhof und RugbyStadion: Trotz seiner 14 Stockwerke wirkt der Wohnbau-Riegel 2

vergleichsweise winzig.

Lageplan

Maisonetten (freier Markt) Kostengünstiger Wohnraum Sozialwohnungen

FOTO: CL AUDIA FUCHS

Studentenwohnheim Foyer 1, 2, 3 und 4 Gewerbeeinheit Parken Schema Wohnungstypen


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M 1:5 0 0

11. OG Maisonetten Ebene 2

10. OG Maisonetten Ebene 1 Norden

Süden

Querschnitt

1 0 . + 11 . O G

6. + 7. OG Kostengünstiger Wohnraum

Maisonnette (freier Markt) 4 . B I S 9. O G Kostengünstiger Wohnraum, Sozialwohnungen EG BIS 3. OG, S O W I E E B E N E N -1 U N D -2 Studentenwohnheim 1. + 2 . UG

4., 5., 8. + 9. OG Kostengünstiger Wohnraum

Parken

BAUHERR: 1. bis 3. OG Studentenwohnheim mit 2 Sozialwohnungen an beiden Enden M 1:75 0

Les Nouveaux Constructeurs ARCHITEKTEN : Farshid Moussavi Architecture TR AGWERKSPL ANUNG: Werner Sobek WETTBEWERB: September 2011 FERTIGSTELLUNG: April 2017 STANDORT: Îlot 19, Jardin de l‘Arche, La Défense-Nanterre, Paris

EG


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Sonderführung mit ...

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Gibt es historische Vorbilder für eine solche Form der Platzgestaltung? C F : Die Skulptur ist an vier Seiten offen und lädt zum Verweilen ein. Damit erinnert sie an einen Pavillon, wie es sie früher oft in Parks und an öffentlichen Plätzen gab. Das waren wichtige Orte der Zusammenzukunft, zum Beispiel bei Gratis-Konzerten für ein breites Publikum – eine Funktion, die in unseren Städten heute leider viel zu wenig bereitgestellt wird. BAUMEISTER:

... Caroline Fuchs, Kuratorin der Installation „I will be with you, whatever“ auf dem Wittelsbacherplatz in München bis 13. Oktober

Unkonventionell ist aber die Interaktion mit einem bestehenden Kunstwerk – die Skulptur zieht sich um ein Reiterstandbild von Kurfürst Maximilian I. herum. C F : Das ist ein konzeptueller Kerngedanke der Installation, die unseren Blick auf den öffentlichen Raum verändern will. Indem sie das Standbild verhüllt, ruft sie es bei vielen erst wieder in Erinnerung. Sie weist uns darauf hin, wie viel von unserer Umgebung wir aus unserer alltäglichen Wahrnehmung eigentlich ausklammern. Das betrifft auch die sozial Schwachen, die an einem gemeinschaftlich genutzten öffentlichen Raum definitionsgemäß aber auch ihren Platz haben müssen. BAUMEISTER:

Zum Jubiläum des Münchner Straßenmagazins „BISS“ hat das britische Künstlerpaar Studio Morison auf dem Wittelsbacherplatz eine großformatige Skulptur errichtet.

War der zentrale Standort dafür von Anfang an vorgegeben? C F : Ivan Morison hat sich bei einem Besuch in München selbst für den Wittelsbacherplatz ausgesprochen. Für unser Projekt war er ideal, weil BAUMEISTER:

Das Gespräch führte

er relativ geschützt und abgeschlossen ist und damit eine gute Bühne bildet. Zugleich handelt es sich hier um einen Platz, der trotz seiner Lage und repräsen tativen Gestaltung kaum genutzt wird. Hier wollten wir ansetzen. BAUMEISTER:

Mit welchem

Ziel? C F : Im Zentrum stand die Frage, wie man den öffentlichen Raum mit künstlerischen Mitteln so gestalten kann, dass er zur Nutzung einlädt. Hier soll es zwischen allen Teilen der Gesellschaft zu Begegnungen kommen. Auch wenn die Skulptur in ihrer Umgebung einen scharfen Kontrast setzt, verfolgt sie also einen integrativen Zweck. Das ist ein Konzept, das vielen Arbeiten von Studio Morison zu Grunde liegt.

Zeno Bampi Jr.

Zum 25. Jubiläum von BISS also eine Skulptur, die sich an die Schwächsten in der Gesellschaft richtet? C F : Es ist eine Skulptur für alle. Wenn sozial engagierte Kunst die Lebensbedingungen von gesellschaftlich benachteiligten Gruppen verbessern will, geschieht das nicht so, dass sie sich an die Benachteiligten als ihr Publikum richtet. Vielmehr zielt sie darauf, den sozialen Zusammenhang in der Gesellschaft insgesamt zu stärken. Sie versucht, Situationen zu schaffen, in denen die verschiedenen sozialen Gruppen in Verbindung treten. Und dieses Anliegen trägt sie an alle heran. BAUMEISTER:

FOTO: R AINE R VIE RTLBÖCK

Frau Fuchs, wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen der Münchner Straßenzeitung „BISS – Bürger in sozialen Schwiergkeiten“ und den Künstlern Studio Morison? C A R O L I N E F U C H S : Als Kuratorin des Biss-Jubiläums habe ich den Zeitschriften-Initiatoren fünf Künstler vorgeschlagen, die für dieses Projekt in Frage gekommen wären. Wir haben uns dann für Studio Morison entschieden, weil wir ihren Ansatz, mit Skulpturen auf die Nutzung des öffentlichen Raumes einzuwirken, überzeugend fanden. BAUMEISTER:


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Einladung zum unkonventionellen Wohnen: das Studentendorf „Frankie & Johnny“ in Berlin


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Wohnen in Seecontainern? Das klingt erstmal interessant, hat aber bei der Ausführung einige Tücken, wie ein Containerdorf für Studenten in Berlin zeigt.

Experimentelles Scheitern

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Fotos: Jan Bitter

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Kritik: Falk Jaeger

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Architekten: Holzer Kobler


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Für die Wohngebäude wurden Seecontainer aus Corten-Stahl übereinandergestapelt.


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An den Stirnseiten der Container befinden sich vollflächig verglaste Öffnungen.

Die Gebäude werden über eine außenliegende Treppenanlage erschlossen.

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Die Laubengangerschließung soll auch als kommunikativer Raum dienen.

Eine aus zwei Modulen bestehende Wohnung im Innern


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xperimentell war schon die Art des Architektenwettbewerbs per Facebook – und damit ein Wagnis für die Architekten, die in das unkonventionelle Verfahren einstiegen. Aber Holzer Kobler Architekturen mit Sitz in Zürich und Berlin sind auch kein konventionelles Architekturbüro, so wenig wie der Bauherr ein konventioneller Projektentwickler ist: Jörg Duske bringt normalerweise Start-ups auf den Weg. In Amsterdam hatte er ein Studentenwohnheim aus 1.000 Seecontainern besichtigt und sich so für die Idee begeistert, dass er derartiges auch in Berlin auf die Beine stellen wollte. Ein Grundstück fand er in einem Bahngleiszwickel im Bezirk Treptow – keine privilegierte Gegend, auch nicht in Fußwegentfernung zu irgendwelchen Hochschulen, aber das kann wohnungssuchende Studis in Berlin nicht schrecken. Duske erwarb ausgemusterte chinesische Seecontainer für 2.000 Euro das Stück. Bis zu 4.000 Euro investierte er in nicht verbeulte Exemplare, die als Außenwände gedacht waren. Als die Kisten nach dem Entlacken munter zu rosten begannen – Seecontainer werden aus Corten-Stahl gefertigt – entschlossen sich die Protagonisten, das gesamte Projekt aus dem Material zu bauen. Der Entwurf „Frankie & Johnny + Nelly“ sah 372 Wohneinheiten vor, gegliedert in drei viergeschossige Trakte. Ein erster Bauteil, der Kopfbau von Johnny, wurde 2013 fertiggestellt, der zweite Bauabschnitt Nelly folgte 2014. Der längste Trakt Frankie wird gerade bezogen. Containerwohnen High-Cube-40-Fuß-Container bieten mit ihrer Länge von zwölf Metern und einer Innenbreite von 2,34 Metern nicht gerade ideale Maße für Wohnräume. Will man sie stapeln, bleibt einem nichts anderes übrig, als die Stirn- und Rückseiten voll zu verglasen, um Licht ins Innere zu kriegen. Auch bei der Raumausstattung gibt es wenig Variationsmöglichkeit: Im Eingangsbereich ein Tisch für zwei Personen, die Küchenzeile 1,30 m breit an der Wand zur Nasszelle, an deren Rückseite ein Schrank mit Regal, ein Schreibtisch und das Bett, jeweils ebenfalls 1,30 m breit, das muss genügen. Beheizt werden die Container durch ein Blockheizwerk mittels einfacher Heizkörper an den Längswänden. Ein beherztes Farbkonzept mit intensiven Farben für die Längswand, kombiniert mit einem Estrichboden, soll wohl dem studenti-

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3

schen Lebensgefühl entsprechen. Von Wohnung zu Wohnung alternierend in Rot, G rün, Gelb und manchmal soga r in Schwarz den gesamten Raum dominierend, ist die farbige Lichtstimmung sicher nicht jedermanns Geschmack. Es gibt einige Doppelmodule, bei denen der Aufenthaltsbereich in der Küche eine doppelte Raumbreite und zwei Stützen aufweist und zusätzlich in der Länge auf 7,20 Meter verkürzte „Doppel-Minimodule“ mit 30 Quadtrameter Wohnfläche und breiteren Betten für Paare. Die Sonderformen sowie Rücksprünge und Auskragungen in der Fassade ergeben im Zusammenwirken mit den vorgehängten Balkonen eine willkommene architektonische Differenzierung der langgestreckten Baukörper.

G

emildert wird die innenräumliche Beschränkung in der wärmeren Jahreszeit durch die Laubengangerschließung. Die vor die Container gesetzten Galerien und Freitreppen sind großzügig bemessen und werden von den Studenten entsprechend kommunikativ genutzt. Gescheitertes Experiment

Jörg Duske investierte 13 Millionen in das Projekt, veräußerte es aber schon vor der endgültigen Fertigstellung an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge, die damit ihren öffentlichen Auftrag zur Bereitstellung neuer Studentenwohnungen zu einem großen Teil abgedeckt hatte. Ein Grund für den Ausstieg des Developers mag das Scheitern des Experiments sein – zumindest in Duskes Sinn. Seecontainer, so hat sich erwiesen, eignen sich nicht für diese Aufgabe, jedenfalls nicht unter den in Deutschland geltenden Vorschriften. Die Vorstellung, dass man kostengünstig und schnell Standardcontainer stapelt und verschraubt, ist zwar betörend, leider aber auch sehr naiv. Denn jede zusätzliche Öffnung, die eine Schwächung der Struktur des Standardcontainers bedeutet, muss statisch ertüchtigt werden. Über Kreuz-Stapelung und Auskragungen wie zum Beispiel beim Kopfbau des Projekts bringen umständliche Sonderkonstruktionen mit sich. Außerdem sind Windverbände notwendig und insgesamt jede Menge Schweißarbeiten, die den scheinbar einfachen Baukastencharakter konterkarieren. Falls man die Nachteile der schlauchartigen Raummodule vermeiden möchte und zwei oder mehrere Container

47 zusammenschaltet, entstehen weitere Sonderkonstruktionen. Zusätzlich hat man störende Stützen im Raum, wie sie beim Vermietungsbüro der Howoge im Erdgeschoss des Kopfbaus zu sehen sind.

W

irklich gravierend aber sind die klimatischen Probleme, weil Stahlwände eben nicht atmen. Deshalb müssen sie penibel gedämmt werden, auch zur Schwitzwasservermeidung. Decken und Wände mit Gipskarton doppelt zu beplanken und mit sieben Zentimeter Wärmedämmung zu versehen, kostet aber wertvollen Raum. Die Außenwände sind deshalb mit Vakuumplatten gedämmt. Zurück zur Vorfertigung

Deshalb hat man beschlossen, im weiteren Baufortgang keine gebrauchten Container zu nutzen, sondern neue, speziell ausgestattete eigens bauen zu lassen. Nach anfangs schlechten Erfahrungen mit einer Firma aus Serbien bei Nelly wurden die Module für Frankie und Johnny in Polen geordert. Die Bauweise stellt dabei gewisse Ansprüche an die Fertigungsund Montagequalität, wie am Austritt von Wasser aus einer Steckdose deutlich wurde. Auch scheinen die vielen notwendigen Dichtungen zwischen den Containern Probleme zu bereiten. Aber man lernt von Bauabschnitt zu Bauabschnitt dazu: Beim dritten Bauabschnitt wurde weniger geschweißt, da für die Verbindung der Container neue Schraubverbindungen mit Kunststofftrennungen gegen Körperschallübertragung zum Einsatz kamen.

I

n der Konzeptionsphase arbeitete Duske mit dem Berliner Büro Fuks & Wagner zusammen, das den Wettbewerb und in der Folge auch das Holzer-Kobler-Projekt betreute. Dazu gehörten unter anderem die Ausführungsplanung und die Entwicklung der zahlreichen Anpassungen inklusive der Detaillösungen. Fuks & Wagner realisierte auch die Bauleitung. Allerdings schied das Büro zwischenzeitlich wieder aus dem Projekt aus, nachdem der neue Eigentümer einen polnischen GU ins Boot nahm. WEITER


D

ie Qualitäten der Wohnanlage sind nicht so sehr in den knapp 26 Quadtratmeter g roßen Apa r tments zu finden, deren schlauchartiger Zuschnitt die Nutzungsmöglichkeiten ziemlich einschränkt. Es ist vielmehr die architektonische Konzeption der Gesamtanlage mit ihren Laubengängen, den Treppenanlagen und dem üppigen Garten, die den zusätzlichen Wohnwert des Projekts ausmacht. Interessante Pläne für die Freiflächen sind ebenfalls vorgesehen. Doch ob Boule-Bahn, Urban Gardening, Basketball, Grillplatz oder der Schwimmteich letztlich realisiert und unterhalten werden, wird man abwarten müssen. Gemeinschaftliche Räume fehlen jedenfalls, sieht man vom sicher recht kommunikativen Waschsalon ab.

W

elche Erkenntnis liefert das experimentelle Projekt? Ganz sicher die, dass Stahlcontainer zum Wohnen allenfalls fü r temporäre Unterkünfte mit wenig rigiden Bauvorschriften taugen. Ansonsten haben sie keine entscheidenden Vorzüge. Die Kostenvorteile bei der seriellen Massenproduktion werden durch aufwendige Anpassungsmaßnahmen aufgezehrt. Die Vorteile der straßentransporttauglichen Abmessungen können auch bei Modulsystemen aus Holz genutzt werden, deren Module sich viel einfacher zu vernünftig geschnittenen Räumen kombinieren lassen. Frankie & Johny + Nelly ändern also nichts an der Gewissheit, dass dem Baustoff Holz die Zukunft im Modulbau gehört.

Querschnitt

Fassadenschnitt

Dachaufbau 3.OG: 80 mm Extensivbegrünung 140 mm Dämmung 50 mm Unterkonstruktion 28 mm Trapezblech mit PU Hohlraum gedämmt 50 mm Dachtragwerk 50 mm Mineralwolle 25 mm 2 x GKBF mit Dampfsperre PE-Folie Anstrich 2-fach Bodenaufbau 1.OG bis 3.OG: 35 mm Gussasphalt 25 mm Trittschalldämmung Dampfsperre PE-Folie 28 mm Holzbeplankung 13,7 mm UK Container Dachaufbau EG bis 2.OG: 28 mm Trapezblech mit PU Hohlraum gedämmt 50 mm Mineralwolle 25 mm 2 x GKBF mit Dampfsperre PE-Folie Anstrich 2-fach Bodenaufbau EG: 35 mm Gussasphalt 25 mm Trittschalldämmung 25 mm VIP geklebt Dampfsperre PE-Folie 28 mm Holzbeplankung 13,7 mm UK Container stehende Luftschicht

Einheiten: 372 Wohnungen Größe Modul: 12 x 2,34 m Wohnfläche: 30 m2 Baukosten: 13 Mio. Euro

M 1: 2 5

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M 1:75 0

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Ideen

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BAUHERR: Presto 46. Vermögensverwaltung GmbH, Jörg Duske

M 1:1 0 0

NUTZER: Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH, Timo Péli ARCHITEKTEN: Holzer Kobler Architekturen

Doppelmodul

Berlin GmbH, Berlin

groß

MITARBE ITE R: Jörg Emes, Andrea Zickhardt, Kerstin Schiller, Moritz von Sassen, Joachim Swillus, Imtiaz Ashraf TR AGWERKSPL ANER: Sellmann Ingenieure Partnerschaftsgesellschaft, Hannover HAUSTECHNIK UND

Doppelmodul

ELEKTROPLANUNG:

klein

G-M-W Ingenieurbüro GmbH, Berlin BAUPHYSIK: Müller-BBM GmbH, Berlin LICHTGE STALTUNG: Lichtvision Design GmbH, Berlin

Einzelmodul

LANDSCHAFTSARCHITEKTEN: Robert Nolte | Arlett Gehrke, Planer für Freiraum + Landschaft, Berlin FERTIGSTELLUNG: Oktober 2015 (1. Etappe), M 1:1 0 0 0

Oktober 2018 (voraussichtlich) STANDORT: Eichbuschallee 51 Berlin-Treptow

Lageplan


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kleine Werke

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Text

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Lang macht er sich, der Minihaus-Prototyp der Architektin Ana Rocha aus Den Haag, den sie im Rahmen des Wettbewerbs „BuildingExpo Tiny Housing“ der Gemeinde Almere entwickelt hat. Der Name des kleinen Häuschens ist Programm: „Slim Fit“ heißt es und passt in jede Baulücke. Mit seinen 16 Quadratmetern verbraucht es weniger Grundfläche als zwei Parkplätze, verfügt über insgesamt 50 Quadratmeter Wohnraum und ist eine mögliche Antwort auf den fehlenden Baugrund in Großstädten. In seinem Innern ist es in drei Ebenen unterteilt: Kochen und Essen im

Erdgeschoss, Wohnen im ersten und Schlafen im zweiten Geschoss. Um die Wände so schlank wie möglich zu halten, wird die Mikrowohnung in Holzrahmenbauweise gefertigt. Die Innenwände sind mit Birkensperrholz, die Fassaden mit Platten aus AbachiHolz ver kleidet. Das erste „Slim Fit“ wurde von Elements Interactive gekauft, einem Unternehmen mit Sitz in Almere, das Apps entwickelt. Die Firma will es für ihre Mitarbeiter nutzen und entschied sich, trotz aller Platzersparnis, für die freistehende Variante, bei der auf allen vier Seiten große Fenster eingebaut werden können.

Vanessa Kanz

FOTO: CHRISTIANE WIRTH

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Vertikales Platzwunder

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Der komplette Jahrgang 2017 für nur € 95,-

VE R SAN D KO S T E N F R E I

BM 01/17: China / BAU2017

BM 02/17: Grüne Architektur

BM 03/17: Akustik

BM 04/17: Fassaden

BM 05/17: Mexiko

BM 06/17: Ziegelarchitektur

BM 07/17: Wissensräume

BM 08/17: Architektinnen

BM 09/17: Beton

BM 10/17: Innenarchitektur

BM 11/17: Politische Räume

BM 12/17: Globaltourismus

JETZT BESTELLEN: leserservice@baumeister.de 0049 (0) 6123 / 9238-225 baumeister.de/shop Preis inkl. MwSt. und Versand (auch ins Ausland).


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Wie Wohnen im hochbetagten Alter aussehen kann, zeigt das als Hofhaus konzipierte Pfle eheim Erika Horn in Graz mit seinen Wohngemeinschaften. Gemeinsam altern

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Kritik: Petra Kickenweitz

Fotos: Paul Ott

Architekten: Dietger Wissounig Architekten


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FOTO: S. OBE RHOFE R

Ideen

105 Seniorinnen und Senioren leben in drei Wohngemeinschaften im Erdgeschoss und in vier im Obergeschoss – überwiegend in Einzelzimmern.

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Ideen

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Das Pflegeheim in Holz-Betonmischbauweise ist als Passivhaus angelegt und hat auch schon einige Auszeichnungen dafür bekommen.


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FOTO: H. PIE RE R

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Ideen

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Für ein überschaubares, familiäres Ambiente sorgen die Gruppen von jeweils 15 Bewohnern und einer Betreuerin. Oben: eines der Einzelzimmer


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Oben: einer der halböffentlichen Einschnitte in die Kubatur. Unten: einer der privaten, mit Holz ausgelegten Innenhöfe


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Oben: die parkähnliche Umgebung des Hofhauses. Unten: eines der WG-Wohnzimmer im Obergeschoss


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eränderte Haushaltsformen und Lebensmodelle brauchen neue generationengerechte Wohn- und Quartierskonzepte, und sie müssen sich stärker an lokalen Netzwerken zur Unterstützung in allen Lebenslagen orientieren. Die Auseinandersetzung mit altengerechtem Wohnen und Wohnen für Menschen im letzten Lebensabschnitt wird daher immer wichtiger. Diesem integrativen Ansatz folgend, wurden planerische, bauliche, soziale und pflegende Aspekte im Konzept des Pflegewohnheims „Erika Horn“ (2012 bis 2015) vereint. Das Heim für 105 Bewohner, benannt nach einer österreichischen Pionierin auf dem Gebiet der Gerontologie, liegt im Grazer Norden, in Andritz, einem Stadtrandbezirk mit eher dörflich-ländlicher Umgebung. Die Typologie lehnt sich an die historischen Vorbilder der freistehenden Sanatorien und Schlösser mit ihren Innenhöfen an, die im Grazer Umland häufig zu finden sind. So lag es nahe, dass das zweigeschossige Gebäude mit annähernd quadratischem Grundriss als Solitär in eine Parklandschaft gesetzt wurde und eine Struktur erhielt, die durch mehrere ein- und zweigeschossige Höfe und Einschnitte gegliedert wird. Diese Freiräume holen nicht nur ausreichend Licht, sondern auch das Grün in den tiefen Baukörper; außerdem erweisen sie sich als lebhafte Kommunikationszonen. Sie reichen vom privaten Mittelpunkt jeder Wohngemeinschaft über semi-öffentliche Bereiche, die jeweils zwei Wohngemeinschaften miteinander verbinden, bis zur öffentlichen Mitte des Gebäudes: Diese liegt über dem zentralen multifunktionalen Foyer mit direkt angeschlossener Haupterschließung. Weiterentwicklung eines Modells

Dieses Wohnheim ist das jüngste in einer ganzen Reihe von Altenwohn- und Pflegeheimen, die Dietger Wissounig gebaut und konzeptionell weiterentwickelt hat. Bereits sein erstes Projekt 2003 in Steinfeld, Kärnten (Baumeister 5/2006), verfügt über ein zentrales Atrium mit Glasdach. Allerdings wurden erst das Pflegewohnheim Erika Horn und dessen Vorgängerbau, das Pflegewohnheim Peter Rosegger (2011 bis 14) am ehemaligen Gelände der Hummelkaserne in Graz, entsprechend dem vom Ku ratorium Deutsche Al tershil fe (KDA) entwickelten Wohngemeinschaftsmodell errichtet: Dieses Konzept unterstützt die selbstbestimmte und eigenverantwortliche Gestaltung des Alltags durch

Ideen

4

die Bewohner. Möglich wurde dies durch zwei steirische Landesgesetzesnovellierungen, die bis Ende 2013 eine Verkleinerung bestehender Pflegeheime auf rund 100 Betten vorsah. Dies führte zu weiteren dezentralen Standorten für die Neubauten und ermöglichte damit ein Leben in der gewohnten Umgebung. Dieser Standard der sogenannten vierten Generation entstand am Ende der 1990erJahre und orientiert sich an familienähnlichen Wohnstrukturen mit großer Wohnküche im Zentrum. Er weist einen hohen Einzelzimmeranteil mit acht bis maximal 15 Bewohnern auf. Im Gegenzug zu den Bauten davor, der ersten bis dritten Generation, geht es um die Auflösung des „Anstaltcharakters“: keine Mehrbettzimmer und keine reine Gangerschließung, eine kleinere Bewohnerzahl und weniger zentrale Versorgungsstrukturen wie Großküche und großer Speiseraum. Die räumliche und personelle Trennung von Hauswirtschaft, Pflege und sozialer Betreuung wird aufgehoben. Ziel sind heute also kleinteil ige An lagen m i t l ichtdu rch f luteten, freundlichen Räumen, überschaubaren Anordnungen und Bewohnergruppen. Die Möglichkeit zur Teilnahme an Alltagsaktivitäten wie etwa Kochen sowie die Vertrautheit der Mitbewohner mit einer ständig anwesenden Bezugsperson steigern die Lebensqualität und Mobilität der meist hochbetagten Bewohner.

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ieser Typus der Wohngemeinschaft wurde von Dietger Wissounig in beiden Anlagen realisiert und durch das Konzept der „Dorfstruktur“ mit zentralem multifunktionalen Aufenthaltsraum im Erdgeschoss erweitert – hier sind „öffentliche“ Nutzungen wie Andachtsraum, Friseur, Büros und Arzt angeschlossen. Auch der Freiraumbezug – die Einbindung der Außenräume, Rundwege durch die Atrien, Gärten und Terrassen – wurde in der räumlichen Qualität weiterentwickelt. Die einfache Grundrissgeometrie ähnelt einem vierblättrigen Kleeblatt und soll eine Dorfstruktur mit vier Häusern und sieben Wohngemeinschaften abbilden, um so auch die Orientierung zu erleichtern. Holzbau und Passivhaus

Die Entscheidung für eine Holz-BetonMischbauweise ist bei diesem nicht unterkellerten Wohnbau zwar auch wegen der hohen Energieeffizienz von Holz gefallen, vor allem aber ist sie dem Wohlbefinden

59 der Nutzer durch die positive Atmosphäre geschuldet. Die dritte „Säule“ der Nachhaltigkeit, die soziokulturelle Dimension, wird durch das Material Holz in unterschiedlicher Verwendung unterstützt. Holz bestimmt die Farbigkeit des Gebäudes und neben dem äußeren auch das innere Erscheinungsbild, das vorwiegend durch die starken Außenraumblickbeziehungen sowie durch Fenster- und Türelemente aus Holz sowie durch die Parkettböden charakterisiert wird. Aus Stahlbeton sind nur Teile des Tragwerks wie Boden- und Deckenplatten sowie die Trennwände zwischen den Zimmern. In den Gemeinschaftsräumen wurde einerseits aufgrund der Spannweite und andererseits aus optischen Gründen die Deckenkonstruktion zu Holz gewechselt: Hier sind die Träger der Brettsperrholz-Rippendecke auf Sicht gearbeitet und sollen damit an die gute alte Bauernstube erinnern. Die hinterlüftete Fassade aus einer Holzständerkonstruktion wurde im Werk vorgefertigt. Senkrechte und waagrechte Lärchenschalungen markieren die zwei Ebenen hinter den Fassaden. Die Fassadengliederung wird mittels raumhoher Fensterelemente regelmäßig strukturiert. Deren Tiefenwirkung entsteht durch die nach hinten versetz ten französischen Fenster und die weiter vorne in der Fassadenebene liegenden Fixverglasungen. Die monolithische Wirkung des langen Baukörpers wird zusätzlich durch die zentrierten Garten- und Terrasseneinschnitte in seiner Symmetrie gebrochen. Durch seine hochgedämmte Außenhülle sowie die kontrollierte Wohnraumlüftung, Fotovoltaik und eine Solarthermieanlage am extensiv begrünten Flachdach erreicht das Gebäude Passivhausstandard. Das Pflegewohnheim Erika Horn wurde zuletzt nicht nur wegen seiner architektonischen und bautechnischen, sondern vor allem aufgrund seiner sozialen Qualität mehrfach regional und international ausgezeichnet. Die Herausforderung dieser Wohntypologie liegt zukünftig noch in der stärkeren Einbindung des unmittelbaren Wohnumfelds. Das könnte et wa über Generationenwohnen und Synergien von öffentlichen Einrichtungen wie Kindergarten oder Café geschehen, oder indem zum Beispiel der hausinterne Friseur, der Andachtsraum und der Park für die Nachbarschaft geöffnet werden.


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Ideen

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M 1:5 . 0 0 0

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Westansicht

Lageplan

Schnitt

Obergeschoss

Die vier Flügel des

bepflanzten Atrium.

zweigeschossigen

Tiefe Loggias, einge-

Hauses sind um einen

schnittene, zum Teil

halböffentlichen,

für Demenzkranke

für unterschiedliche

geeignete Gärten

Veranstaltungen

im Erdgeschoss und

geeigneten „Dorf-

Atrien mit Umgang

platz“ angeordnet:

im Obergeschoss

mit Eingangsbereich,

dienen als zusätzli-

zentralem Pflege-

che Aufenthaltsbe-

stützpunkt, Andachts-

reiche.

M 1:1 0 0 0

Axonometrie

raum, Café, Friseur und einem offenen, Erdgeschoss


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61 BAUHERR: Gemeinnützige Wohnungs-

Fassadenschnitt

und Siedlungsgenossenschaft Ennstal und Geriatrisches Gesundheitszentrum der Stadt Graz DACHAUFBAU: EIGENTÜMER:

Vegetationsschicht 10 cm

Geriatrische Gesundheitszentren

Filtervlies

der Stadt Graz

Drän- + Wasserspeicherelemente 4 cm Schutz- + Speichervlies 0,5 cm

ARCHITEKTEN:

Dachabdichtung

Dietger Wissounig

Gefälledämmung 3 bis 27 cm

Architekten ZT GmbH, Graz

Wärmedämmung 22 cm

www.wissounig.at

Dampfsperre Voranstrich

MITARBE ITE R:

Stahlbetondecke 20 cm

Bettina Gossak-Kowalski,

Spachtelung

Patrick Steiner FUSSBODENAUFBAU: TR AGWERKSPL ANUNG:

Parkett 1 cm

Ziviltechnikerbüro

Zement-(Heiz-)Estrich 7 cm

DI Josef Koppelhuber

PE-Trennlage Trittschalldämmung 3 cm

HKLS:

PE-Trennlage

Die Haustechniker GmbH

Dämmung 5 cm

BAUPHYSIK:

Massivholzplatte 16 cm

Rosenfelder & Höfler

Spachtelung

FERTIGSTELLUNG:

WANDAUFBAU:

2015

Lärchenschalung 2 cm Lattung horizonzal 3 cm

STANDORT:

Lattung vertikal 3 bis 15 cm

Statteggerstraße 100,

Winddichtung

Graz, Österreich

Holzwerkstoffplatte 3,6 cm Holzkonstruktion 12/6, dazwischen Steinwolle

Bewohner: 105

Holzkonstruktion 20/6, dazwischen Steinwolle OSB-Platte 1,5 cm PE-Folie Lattung, dazwischen Steinwolle 7,5 cm GKF-Platte 1,5 cm

WGs: 7 mit 15 Bewohnern und eine Betreuerin Nutzfläche: 6030 m2

FUSSBODENAUFBAU EG: Parkett 1 cm Zement-(Heiz-)Estrich 7 cm Trittschalldämmung 3 cm PE-Trennlage Dämmung 5 cm Dämmung 5 cm Schüttung, Splitt lose 7,5 cm Abdichtung Voranstrich Stahlbetondecke 30 cm Dämmung 16 cm Sauberkeitsschicht 8 cm

Energie: Fernwärme, Solarthermie und Fotovoltaik

M 1:3 3

Schüttung, Splitt lose 5,5 cm


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Oben: Ein Highlight des Indigo-Hotel El Paso ist der Pool auf der Dachterrasse, der mit der Lobby über wandhohe Fenster visuell verbunden ist. Rechts: Die Dachterrasse punktet mit einem spektakulären Blick auf die Stadtlandschaft von El Paso und aufs

Links: Das Hotel stammt aus den 1960er-Jahren, was auch an der Gestaltung der Hotelzimmer im MidcenturyStil deutlich wird.

FOTOS: HOTE L INDIGO E L PASO DOWNTOWN

benachbarte Ciudad Juárez.


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Unterwegs im

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Hotel Indigo El Paso

Wer in El Paso ein Hotel eröffnet, muss die Lage der Stadt an der Grenze zu Mexiko mitdenken. Das Indigo-Hotel tut dies.

ADRESSE 325 N. Kansas Street El Paso, Texas U.S.A. www.ihg.com/ hotelindigo

El Paso ist eine seltsame Stadt. Eigentlich nicht besonders spektakulär, texanisches Mittelmaß sozusagen – wenn da nicht die Grenze im Süden wäre. Die Grenze zu Ciudad Juárez. In eine andere Welt. Es ist diese Lage, mit der sich jede gelungene Architektur in El Paso auseinandersetzen muss. Gut also, dass dies auch das Hotel „Indigo“ tut, mit dessen Eröffnung vor wenigen Jahren eine Revitalisierung der Innenstadt El Pasos begann. Das atmosphärische Epizentrum des Hotels befindet sich im fünften Stock: eine offen gestaltete Hotellobby mit wandhohen Fenstern zum Outdoor-Pool, eine Bar im MidcenturyStil, ein ansprechendes Kunstprogramm – und drinnen wie draußen ein spektakulärer Blick hinüber ins verrufene Juárez. Architektonisch macht sich das Hotel viele Elemente des modernen Originalbaus aus dem Jahr 1963 zunutze, in dem es sitzt. Allerdings wird dessen rauer Charme konterkariert mit Designelementen, die eine eher popkulturelle Lässigkeit versprühen. Das passt zu El Paso, einer Stadt, die mit mehr als 300 Sonnentagen pro Jahr auch „Sun City“ genannt wird. Und es passt zur Hotelkette Indigo, deren Anspruch es ist, mit offensiven Designstatements aus der Masse an Boutique-Hotels herauszustechen, die sich rund um den Globus verbreiten. In El Paso gelingt das recht gut. Das Hotel gibt sich ebenerdig so spröde wie die umliegenden, teilweise noch ungenutzten Bürobunker. Wenn man sich aber auf das Spiel einlässt, das die Architekten hier spielen, gewinnt das Hotel an Freundlichkeit und auch an konzeptioneller Substanz. Davon zeugt zum Beispiel die Bar, die mit den Namen 1963 an das Jahr der Grundsteinlegung erinnert. Hier findet sich Sixties-Gestaltung pur. Das Spiel mit dem Midcentury-Modernismus ist zwar heute nicht mehr originell, aber funktioniert trotzdem recht gut, wie etwa die schwarzen, von der Decke hängenden Stahlregale für die Spirituosen beweisen. Also – das Indigo macht architektonisch Spaß. Zumindest dem arglosen Besucher. Lokale Architekten hingegen mögen den Umbau nicht. Und zwar, weil der nominell verantwortliche Architekt Sig Bjornson ihrer Ansicht nach letztlich kaum etwas gemacht habe, sondern vielmehr die Designabteilung des Unternehmens Indigo. Man protestierte bei der Ortsgruppe des American Institute of Architects. Was den Bauherren aber offenbar wenig beeindruckt hat.

Text

Alexander Gutzmer

PREISE

ab 180 US-Dollar


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Kritik: Philipp Valente Fotos: Erieta Attali Architekt: Marc Mimram Architecture et Ingénierie

Das mediterrane Licht Südfrankreichs fällt über das perforierte Dach in die neue Bahnhofshalle von Montpellier.


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Unter der Sonne Montpelliers Montpellier hat ein neues Bahnhofsgebäude. Geplant wurde es vom französischen Architekten und Tragwerksplaner Marc Mimram, der ein bewusst mediterranes Gebäude entworfen hat.

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B

ahnhofsgebäude sind Knotenpunkte, an denen Raum und Zeit unmittelbar aufeinandertreffen. Das gilt auch für den neuen TGV-Bahnhof in Montpellier im Süden Frankreichs. Entworfen hat ihn der französische Architekt und Ingenieur Marc Mimram, der vor allem für seine komplexen Tragwerke bekannt ist. Mimram ist aber nicht nur Tragwerksplaner: Als studierter Mathematiker, Ingenieur, Architekt und Philosoph denkt er grundsätzlich immer multidisziplinär, was auch in Montpellier deutlich wird: Dort spielen nicht nur funktionale Notwendigkeiten eine Rolle, sondern auch die Geografie, das Klima und die Kultur des Ortes. Die 6.50 0 Quadratmeter große „Gare Montpellier Sud de France“ liegt im Süden Montpelliers zwischen Stadtzentrum und Flughafen, in unmittelbarer Nähe zum dis-

5

neyartigen Einkaufs- und Vergnügungszentrum „Odysseum“ und ist eingebettet in die mediterrane Landschaft des Départements Languedoc-Roussillon. Sie bildet das neue infrastrukturelle Herz der Stadt – ein Knotenpunkt, der die südöstliche Hochgeschwindigkeitsstrecke mit Paris, Lyon, Marseille und sogar Barcelona verbindet. In der Nachbarschaft soll zukünftig ein neues Wohnquartier entstehen, das sogenannte „Oz Montpellier Nature Urbaine“, das vom Niederländer Kees Christiaanse und seinem Büro KCAP entworfen wird. Für die Planung des öffentlichen Grünraums, der zwischen dem neuen Bahnhof und dem zukünftigen Quartier entstehen soll, ist Guéric Péré von Ilex Paysagists verantwortlich. Insgesamt 150 Millionen Euro hat der neue Bahnhof gekostet. Hinzu kamen nochmal 10 Millionen Euro für die Anbindung an die Tramlinie vor Ort. Bauherr war die Eisenba h n g ese l l sch a f t „Réseau Fe r ré D e France“, das Geld stellte der französische Staat, vertreten durch die „Agence de Financement des Infrastructures de Transport en France“, zur Verfügung.

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Oben: Der neue

Die Bahnhofshalle

Bahnhof wird im

befindet sich im ers-

Norden von einer

ten Obergeschoss,

Autobahn begrenzt.

während der Fern-

Der Hauptzugang

verkehr von Ost

zum Gebäude mit

nach West im Erdge-

den Parkplätzen be-

schoss verläuft.

findet sich im Süden.


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69 einem verkleideten Stahltragwerk aufliegen. Ihre hohe Tragfähigkeit mit einer Spannweite von zwanzig Metern ermöglicht ein großzügiges Stützenraster, die spezifische Dachform ist entsprechend der vorherrschenden Winde ausgerichtet. Das Dach ist aber nicht nur effizientes Tragwerk und architektonische Geste, es dient auch zur Regulierung des Klimas: Die einzelnen Dachschalen bestehen aus „Ductal UHCP“, einem ultrafesten, faserverstärkten und vorgefertigtem Beton, der eine hohe thermische Trägheit aufweist. Zusätzlich gibt es Öffnungen an den Verbindungspunkten der Palmblätter, die als natürliche Ventilation dienen.

D Ein mediterranes Gebäude Der Hauptzugang des Bahnhofs befindet sich im Süden und ist dem Meer zugewandt. Dort befinden sich auch die Parkplätze, Taxistände und eine Bushaltestelle. Die Autobahn verläuft im Norden. Die Gleise des Fernverkehrs sind in Ost-WestRichtung angeordnet und im Erdgeschoss des Gebäudes untergebracht, die Tramlinien außerhalb des Gebäudes im ersten Obergeschoss, wo sich auch die Bahnhofshalle befindet. Im Westen verbindet eine breite Brücke den Norden mit dem Süden und führt über die Autobahn sowie die Bahngleise des Fernverkehrs zum Bahnhof. Dort wird sie zu einer großen Terrasse, die gleichzeitig als Haltestelle für die einzelnen Tramlinien dient. Ziel des Entwurfs war es von Anfang an, ein mediterranes Gebäude zu entwerfen – eine Idee, die Marc Mimram mittels eines großen Dachs, das Schutz vor der kraftvollen Sonne Südfrankreichs bieten soll, umsetzte. Die Fahrgäste strömen über Rampen und Treppen unter den weiten Vordächern hinauf in die lichtdurchflutete

Ankunftshalle im ersten Obergeschoss und finden dort diverse Einkaufsmöglichkeiten vor, die ein Art Filter zwischen der Bahnhofshalle und der großen Terrasse bilden. Gleichzeitig tragen sie zur Aktivierung des öffentlichen Raums bei. An die Geschäfte grenzen Technik- und Wartungsräume im Norden an, die den öffentlichen Bereich von der Autobahn abschirmen. In einem Zwischengeschoss im Westen, von dem aus die Halle überblickt werden kann, gibt es zusätzlich Arbeitsund Ruhezonen. Die Dachlandschaft bildet für alle diese Bereiche einen wirksamen Schutz und formt das Gebäude zu einer Einheit. Ihre expressive Form erinnert dabei ein wenig an den Panzer eines Insekts, allerdings waren es Palmblätter, die Mimram beim Entwurfsprozess als Analogie dienten. Teil der Landschaft 115 dieser selbsttragenden „Palmblätter“ gibt es insgesamt. Sie bestehen aus jeweils zwei geknickten und nur fünf Zentimeter starken Schalen, die wie Rippen auf

er Innenraum des Bahnhofs ist als große Glasbox unter das Dach gestellt. Durch die großzügige Glasfassade wird das Gebäude zu einem Teil der Landschaft – es entsteht eine Transparenz, die den Horizont des Mittelmeers einfängt und in den Innenraum einbezieht. Die dadurch hervorgerufene Immaterialität der Räume wird durch unregelmäßig verteilte Öffnungen in den Palmenblättern, die sich am Verlauf der Sonne orientieren, zusätzlich gesteigert. Sie machen 20 Prozent der Fläche aus und sind an ihrer Oberseite von nicht sichtbaren Dachfenstern überdeckt. Durch diese Oberlichter fällt das mediterrane Licht in die Bahnhofshalle, wird von den Glaswänden reflektiert und erzeugt ein fast magisches Vexierspiel in der Bahnhofshalle. Räumliche Identität Der neue TGV-Bahnhof von Marc Mimram ist ein öffentlicher Transitraum, der nicht nur die Verkehrströme der Besucher und Maschinen lenkt, sondern auch den besonderen klimatischen, geografischen und kulturellen Bedingungen von Montpellier gerecht wird. Indem er das mediterrane Licht und die angrenzende Landschaft in das Gebäude integriert, die klimatischen Bedingungen in der Konstruktion aufgreift und durch das große Dach eine überzeugende architektonische Geste schafft, greift er die Gegebenheiten des Orts auf und lässt sie zu einem Teil der Architektur werden – aus einer infrastrukturellen Funktion wird ein Stück südfranzösische Poesie.


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Ideen

5 BAUHERR: Réseau Ferré De France ARCHITEKTUR: Marc Mimram Architecture & Associés, Paris Emmanuel Nebout, Montpellier LANDSCHAFTSARCHITEKTUR: Ilex Paysagists BAUUNTERNEHMER: Icade, Egis, Fondeville

Lageplan STATIK: Marc Mimram Ingénierie,

M 1:1 0 0 0

Paris FERTIGSTELLUNG: März 2017 STANDORT: Quartier Odysseum, Montpellier, Frankreich

M 1:1 0 0 0

Schnitt Ost-West

Grundriss Bahnhofshalle


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SEITE 72

SEITE 78

SEITE 82

3 Fragen: Wann wird ein Möbel zum Raum? Bauen wir Gebäude oder Orte? Was ist experimenteller Wohnungsbau?


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Poesie der Dinge: Die architektonischen Figuren des „Jan Palach Memorial“ in Prag von John Hejduk wirken wie fantastische Wesen.


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FOTO: M IROSL AV CIK ÁN

Fragen

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Wann wird ein Möbel zum Raum

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Wozu braucht man als mobiler Mensch eigentlich noch einen Schrank? Unser Autor Max Otto Zitzelsberger wirft einen Blick auf ein scheinbar altmodisches Möbelstück und zeigt, wie eine junge Architektengeneration das Wohnen neu interpretiert.


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Fragen Text: Max Otto Zitzelsberger

„Was für eine wundervolle Erfindung ist doch die Schranktür, dieser einfache Schutzschild für einen der intimsten Bereiche im inneren Territorium.“ (ALISON UND

PETER SMITHSON)

1 Ein Schrank, früher auch Kasten genannt, der so ausdrucksstark wie eine Skulptur ist und über Generationen vererbt wird, der Gebrauchsspuren zeigt, immer wieder hergerichtet wird, so einen Schrank gibt es nur noch selten. Mit seinem Inhalt ist es das Gleiche. Heutzutage denkt niemand mehr an Heiratsgut. Niemand bringt mehr Möbel, Bettlaken oder Tischdecken in eine neue Beziehung mit. Wir leisten es uns, eine individuelle Möbelkollektion für jeden Lebensabschnitt auszusuchen. Schränke erscheinen heute altmodisch, obwohl es sie noch überall gibt – oft aus hässlichen furnierten Spanplatten zusammengeleimt, mit großen ganzflächig verspiegelten Schiebetüren. Zu kaufen gibt es sie in Möbelhäusern, die an Autobahnausfahrten liegen. Fantastische Wesen „Was der Schrank für das Haus ist, ist das Haus für die Stadt. So wie der Schrank seine Türen hat, so hat das Haus eine Straßenansicht, die wie Schranktüren den bunt gemischten Inhalt des Hauses (…) in der Stadt richtig zur Geltung bringt. (…) Hinter Schranktüren können Geheimnisse stecken, verborgene, zukünftige Freuden, zu verschiedenen Jahreszeiten gezeigte Gegenstände, Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke – denn die Vorfreude ist die schönste Freude. Hinter Schranktüren lassen sich gefährliche Dinge verstecken. Hinter Schranktüren können Dinge in großer Anzahl so aufbewahrt werden, dass gesunder Menschenverstand nicht wie Verschwendung aussieht.“ Dieses Zitat stammt von Alison und Peter Smithson. Das englische Architektenpaar entwarf Häuser mit der Präzision eines Möbelschreiners. Ein Beispiel dafür ist der Upper Lawn Pavilion im englischen Tisbury, eines ihrer kleinsten und gleichzeitig beeindruckendsten Werke.

75 Es handelt sich dabei um ein Ferienhaus, das die Smithsons an die Natursteinmauer eines verfallenen Bauernhauses andockten. Der Pavillon befindet sich hinter der Mauer und zeigt sich dem Besucher zunächst von seiner geschlossenen Seite. Erst wenn man den Innenhof des Bauernhauses durch eine Öffnung in der Natursteinmauer betritt, offenbart sich das Spiel von Innen und Außen – und damit die beeindruckende räumliche Qualität der radikal einfachen Holzkonstruktion. Ein anderer Architekt aus dem englischsprachigen Raum, der Amerikaner John Hejduk, hat ebenfalls Häuser wie Möbel und Möbel wie Häuser gedacht. Seine Interventionen im öffentlichen Raum sind im wahrsten Sinne des Wortes „Möbel“, mobile Objekte im Raum, veränderbar und doch in einem untrennbar starken Bezug zu ihrem Kontext. Er entwarf unter anderem eine Reihe architektonischer „Figuren“ für Gedenkstätten und Denkmäler, die zum Teil auch gebaut wurden. Ein Beispiel dafür ist das Jan Palach Memorial in Prag. Hejduk erwies sich dabei als ein Meister des Symbolhaften: Seine architektonischen Figuren stehen auf schlanken Beinen, haben Köpfe, Fenster wie Augen, Erker wie Nasen, Dächer wie Ohren, Kronen wie Haare. Hejduk hat begehbare Möbel entworfen, Objekte, die fantastischen Wesen gleichen. Die Poesie der Dinge Diese Lust auf ausdrucksstarke Möbel mit Persönlichkeit scheint jetzt wieder aufzuflammen. Eine junge Generation von Architektinnen und Architekten greift die Gedanken der Smithsons auf, bewusst oder unbewusst – eine Generation, die von Hejduks Werk inspiriert ist, den Gedanken von Ettore Sottsass jr. nachhört und in seinem Sinne eine Poesie der Dinge betreibt. Die folgenden Seiten zeigen eine Auswahl. WEITER


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76 Briefkasten

Dust Free Friends

The Gang Auch aus dem Züricher Architekturbüro Conen Sigel gibt es einen besonderen Möbelentwurf. Es handelt sich um eine Serie aus Schränken und Kommoden, die sich „The Gang“ nennt. Zunächst erscheinen die Objekte ganz traditionell. Bei genauerem Hinsehen wird dann die feine Ironie deutlich: Die Knäufe wie auch die Beinchen der Möbel sind viel zu groß geraten. Farbig abgesetzte Zierflächen in Form von Dreiecken, Kreisen und Ovalen prangen auf den Fronten und zitieren augenzwinkernd die kitschigen Verkaufsschlager von Discount-Möbelhäusern.

Die limitierte Möbelkollektion „Dust Free Friends“, die Stephanie Macdonald und Tom Emerson vom Londoner Büro 6a Architects für das Brüsseler Möbelstudio Maniera entworfen haben, besteht aus Tischen unterschiedlicher Größe und Höhe, einem Regal, einem Behältnis fürs Sammelsurium und einem Paravent. Alle Möbel sind aus miteinander verschraubten dreieckigen, viereckigen oder mehreckigen Furnierholzplatten gebaut. Einzelne Holzplatten sind mit einer Tapete bezogen, die dem feinen floralen Seidenpapier ähnelt, mit dem die Einlageböden in alten Schränken bespannt wurden, um den Inhalt vor der rauen Oberfläche zu schützen.

FOTO OBE N: WALTE R M AIR; M IT TE: 6A ARCHITEC TS, DUST FRE E FRIE NDS, M ANIE R A GALLE RY, PAL A Z ZO CLE RICI, M AIL AND 2 015; UNTE N: ROM AN KE LLE R

Die Schweizer Oliver Lütjens und Thomas Padmanabhan vom Büro Lütjens Padmanabhan Architekten sind ein gutes Beispiel für diesen Ansatz. Für ein Wohnhaus in Binningen (B10/14) haben sie einen Briefkasten im Hejdukschen Sinne konzipiert, ein kleines Objekt aus weiß lackiertem Metall, das die Hausnummer des Gebäudes auf seiner Stirnseite trägt. Es hat schlanke Beine, kleine Füße und erinnert an ein Tier mit großen Ohren, das ein bisschen unbeholfen vor dem Haus steht, als würde es auf jemanden warten.


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Fragen

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77 Studiolo Bewohnbare Möbel für unmöblierte Wohnungen konzipiert die Architektin und Künstlerin Regina Baierl aus München. Sie entwirft begehbare Schränke, die eingerichtet sind wie in einem Märchen – fantasievolle Collagen aus alten Möbeln, die sie in Anlehnung an einen Raumtypus der Renaissance, der dem Studium der Künste diente, „Studiolo“ nennt. Dort gibt es einen Stuhl mit Felldecke, ein kleines gerahmtes Bild, ein Podest zum Lesen mit Lampe. Die Möbel erinnern an die eigene Kindheit, in der man sich in einem alten Kasten versteckt hat, um für sich zu sein. Ihre „schrankartigen Behältnisse“ laden zum Verweilen ein und schaffen einen Ort, wo man die Gedanken schweifen lassen kann und dessen Fenster einen Blick in das eigene Innere ermöglichen.

FOTO OBE N: M ICHAE L HE INRICH; UNTE N: LUCA GIR ARDINI

Kitchen Set Ganz anders präsentiert sich die Möbelserie „Kitchen Set“ von Johanna Meyer-Grohbrügge und Sam Chermayeff vom Architekturbüro June14 aus Berlin. Sie haben eine Küche dekonstruiert und ihre kompakt zusammengefassten Funktionen in einzelne Möbelstücke aufgeteilt, die hauptsächlich aus dünnen weißlackierten Metallhohlrohrprofilen bestehen. Die Möbel erscheinen banal und poetisch zugleich und erinnern mit ihren langen dürren Beinchen ein klein wenig an John Hejduks fantastische Wesen. Gleichzeitig denkt man dabei aber sofort auch an den Urvater aller modernen Möbel, den Künstler Donald Judd, und an seine Kollektion an Objekten, die sowohl Hocker, Tisch oder Skulptur sein können.


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78

Fragen

Bauen wir Gebäude oder Orte ? : I E

E X P E

R

Der französische Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig stellt eine Auswahl besonderer Orte vor: Statt dem Diktat des Immobilienmarkts unterworfen zu sein, schafft hier das Engagement von Bürgern, Vereinen und Architekten einen Rahmen, um neue Lebens- und Wohnformen zu erproben – und findet einen Weg, um erhaltenswerte Gebäude vor dem Abriss zu retten. I

M

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E L L E N T S

O

E N H N

(I )

Text: Maryse Quinton

2 Bekanntlich ist „Freespace“ das Motto der 16. Architekturbiennale in Venedig, die von Grafton Architects kuratiert wurde. Ein Thema, das räumliche Großzügigkeit und das Bedürfnis nach einem freimütigen, optimistischen Austausch verbindet und vielfältige Interpretationen zulässt. Die Präsentation im französischen Pavillon zu diesem Anlass wurde vom Büro Encore Heureux – Nicola Depon, Julien Choppin und Sébastien Eymard – entworfen: Sie lädt die Besucher zum Entdecken einer Reihe „nicht begrenzter Orte“ ein; diese wollen inspirieren, indem sie Spontaneität fördern und unvorhergesehenen Nutzungen Raum geben. Die Architekten beschreiben sie als offene Orte mit Freiräumen für alternative Lösungen: „Angesichts der immensen Herausforderungen der heutigen Zeit, in der ökologische Ansätze Mühe haben, sich gegen die Dominanz marktwirtschaftlicher Forderungen, gegen nationalistische und regionalistische Rückzugsreflexe durchzusetzen, müssen wir umso dringender auf das Prinzip Hoffnung setzen.“ Das Architektenkollektiv Encore Heureux entstand 2001. In Frankreich ist es für sein Engagement für eine ethische Architektur mittlerweile weithin bekannt. „Bauen wir Gebäude oder Orte?“ – diese programmatische Frage hat die Funktion einer Präambel. „Orte ohne Grenzen lassen sich als Situationen verstehen, in denen Neues hinzugefügt werden kann, so dass sie die Entwicklung neuer Lebens- und Wohnformen begünstigen. Man sollte jedoch der Versuchung widerstehen, das Konzept vom Ort ohne Grenzen allzu präzise festzulegen. Vielmehr geht es darum, festgezurrte Raumdefinitionen aufzulösen und stattdessen eine neu ordnende Bestandsaufnahme solcher Elemente vorzunehmen, die eine wesentliche Eigenschaft aufweist: Offenheit für Unvorhergesehenes, um immer wieder neu, für die Zukunft, zu bauen.“

Für ihr Venedig-Projekt hat Encore Heureux sich auf das komplexe Abenteuer eingelassen zu zeigen, was nicht sichtbar ist: das Engagement von Gemeinschaften, kollektive Energie, laufende Prozesse, die zeitliche Reifung von Vorhaben. Für die Ausstellung im Pavillon wurden zehn Orte in Frankreich ausgewählt. In den Augen der Architekten sind sie besondere Hoffnungsträger, denn um eine andere Art der Existenz zu ermöglichen, haben diese Orte einen ungewöhnlichen Weg gewählt. Und sie sind Risiken eingegangen in einer Zeit, in der eine von Normen eingeschnürte und durch gesetzliche Vorgaben erdrückte Architektur es kaum noch schafft, sich zu erneuern. Die Ausstellung reicht von völligen Neuheiten wie den jüngst in Clichy-Montfermeil eröffneten Ateliers Médicis über den Centquatre-Paris, einer Kulturinstitution, die nach schwierigen Anfängen ihren Platz gefunden hat, bis zum Tri Postal in Avignon, wo eine ehemalige Postsortierhalle von einer Obdachlosenorganisation vielseitig genutzt wird. Das Konzept dieses weit gespannten Panoramas überzeugt, auch wenn die Architekten den subjektiven Charakter ihrer Auswahl offen eingestehen: „Wir haben zehn besondere Situationen ausgewählt, wo keine vorbestimmten Orte mehr existieren, sondern sie Tag für Tag neu geschaffen werden. Die Auswahl ist das Ergebnis von Begegnungen aus unserem Alltag als Architekten. In einigen Fällen haben wir zur bereits erfolgten oder noch bevorstehenden Realisierung beigetragen. Wir halten uns dort auf und nehmen an der praktischen Umsetzung teil. Wir bewundern das, was diese Orte ausmacht, und diejenigen, die sie mit Leben füllen. Diese Orte sind nicht in jeder Hinsicht exemplarisch, auch sind sie nicht besser als andere Orte oder repräsentativer, doch sie haben uns berührt.“


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FOTO: ALEX A BRUNE T

79

LA CONVENTION

die Anlage zu er-

BAUHERR:

IN AUCH:

halten; sie wollen

ein Bürgerkollektiv

Ein ehemaliges

durch Wohnraum für

Kloster in der Stadt-

Obdachlose und

ARCHITEKTEN:

mitte wird unter

Feste Leben in die

Jean-Marc Joudrain

anderem zum Ob-

alten Mauern holen

und Nicolas Bachet,

dachlosenheim.

und den Bestand

Dominique Alet

Ein paar engagierte

sichern.

Einwohner der mit-

NUTZER:

telgroßen Stadt

Bürgerkollektiv,

versuchen mit ihrer

Bewohner und

täglichen Arbeit

Öffentlichkeit


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80

LE TRI POSTAL IN

dürfnisse anpasst.

BAUHERR:

Gärtner,

AV I G N O N :

Derzeit mischen

SNCF Real Estate

Freiwillige und

Eine ehemalige

sich an diesem bis-

Postsortierstelle an

lang „temporären“

ARCHITEKTEN:

den Bahngleisen

Ort Wohnraum,

Perou und NAC,

mitten in der Stadt

Werkstätten, Gär-

Touraterre, Eugène

wird zum Obdach-

ten, Cafeteria,

Chirié

losenheim. Eine

Kindergarten und

lokale Initiative

ein Auditorium.

NUTZER:

sorgt dafür, dass

Obdachlose,

sich die Einrichtung

Vereine, Künstler,

täglich an die Be-

Handwerker,

FOTO: ALEX A BRUNE T

Öffentlichkeit


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Fragen

„Ein inhaltlich offenes Projekt zu entwerfen, sich als Kollektiv einem Ethos zu verpflichten und sich als Gemeinschaft zu definieren“ (KOLLE K TIV

LA CONVENTION)

„La Convention“ in Auch Wer hätte gedacht, dass zum Beispiel die von den Bewohnern von La Convention in Auch erzeugte Dynamik in Venedig ein Echo finden würde? Es ist diese Art von schönen, erbaulichen Geschichten, die Encore Heureux erzählen möchte. Das imposante Bauwerk, um das es geht, steht in der Kleinstadt Auch in Südwestfrankreich und hat im Laufe der Jahrhunderte ein Kloster, eine konfessionelle Schule, einen Gewerkschaftssitz und eine Einrichtung für behinderte Menschen beherbergt. Zu den Reizen des Gebäudes gehört der freie Blick

auf die Pyrenäen; andererseits gibt es keine Autozufahrt. Nach Aufgabe der letzten Nutzung 2008 ließ sich jahrelang kein Käufer finden. Schließlich entdeckte eine Gruppe befreundeter Personen den Charme der alten Gemäuer und kam auf die Idee, hier ihren Traum eines Wohnkollektivs zu verwirklichen. 2014 erwarben sie die 2.000 Quadratmeter Nutzfläche umfassende Anlage für 300.000 Euro. Heute wohnen in der sogenannten Convention 14 Familien und bilden eine Eigentümergemeinschaft. Ein Architekturbüro ist ebenfalls in dem Gebäude untergebracht. Auch wenn

2 der ungewöhnlich günstige Preis einen erheblichen Bonus darstellt, ist das Projekt vor allem das Ergebnis einer kollektiven Anstrengung. An Herausforderungen und Schwierigkeiten mangelt es selbstverständlich nicht. 72 Versammlungen bis zur Unterschrift unter den Kaufvertrag, 15.000 Stunden Eigenarbeit der Eigentümer (unter Aufsicht zweier Bewohner, die Architekten sind), 325 Tonnen Bauschutt, der ohne Einsatz von Fahrzeugen beseitigt werden musste. Diese Zahlen bezeugen, was für eine komplexe Aufgabe die Verwirklichung der Utopie war. Dennoch verlor man das Ziel nicht aus den Augen, nämlich – in den Worten der Mitglieder des Kollektivs – „ein inhaltlich offenes Projekt zu entwerfen, sich als Kollektiv einem Ethos zu verpflichten und sich als Gemeinschaft zu definieren“. „Le Tri Postal“ in Avignon Ein weiteres Beispiel ist die Postsortierhalle (Tri Postal) in Avignon, die 1992 außer Betrieb genommen worden war und 2003 als Obdachlosenheim reaktiviert wurde. Seitdem hat sich das Projekt zu einer Einrichtung gemausert, die auch kulturelle Angebote einschließt, ohne ihren sozialen Anspruch aufzugeben. Dennoch ist der Fortbestand der Institution fragil und hängt von den äußerst geringen Mitteln ab, die von den involvierten gesellschaftlichen Gruppen bereitgestellt werden. Eine Schließung seitens der öffentlichen Verwaltung konnte abgewendet werden. Wie lange ein Überleben mittels zivilgesellschaftlicher Finanzierung möglich ist, bleibt ungewiss. Die Obdachlosenorganisation CASA beharrt auf der gesellschaftlichen Relevanz des Projekts: „Dieses Leuchtturmprojekt steht für ein solidarisches gesellschaftliches Miteinander und strahlt auf die ganze Stadt aus. Eine Geste der Gastfreundschaft, die von den schwächsten und weitgehend mittellosen Mitglie-

81 dern der Gesellschaft ausgeht und sich an alle richtet.“ Die Auswahl dieses Projekts durch Encore Heureux ist auch ein Plädoyer für Stadtsanierungen. Warum müssen ständig Neubauten in Auftrag gegeben werden, wenn es so viel Baubestand gibt, dessen Potenzial brachliegt? Die Antwort der Partner von Encore Heureux: „Von den zehn Orten sind acht historische Gebäude mit herausragenden räumlichen Voraussetzungen. Die heute vorherrschende Logik, die sich an der Rendite pro Quadratmeter orientiert, verhindert geradezu, dass derartige Nutzungen auch nur ins Auge gefasst werden. Mit unserer Auswahl wollten wir indirekt die gegenwärtige Ausrichtung der zeitgenössischen Architektur in Frage stellen.“ Auch außerhalb der Mauern des Pavillons fanden die Kuratoren von Encore Heureux Gelegenheit, ihre Position deutlich zu machen. Genauer gesagt am Lido, wo sie einen Ort ausfindig machten, an dem sich ihre inhaltlichen Anliegen in unterschiedlicher Form umsetzen und darstellen lassen. Während der sechs Monate der Biennale reaktivierten sie ein altes Gebäude, die „Caserna Guglielmo Pepe“, als Veranstaltungsort für ein Kulturprogramm. Als konkretes praktisches und lokales Pendant zu den im französischen Pavillon ausgestellten experimentellen Projekten steht „Esperienza Pepe“ für eine Mischung aus Forschungs- und Aktionsveranstaltungen, die von lokalem Engagement getragen sind. Außerdem werden temporäre Unterkunftsmöglichkeiten für die verschiedenen Akteure des französischen Pavillons bereitgestellt. Auf originelle Weise gelingt es Encore Heureux hier, die Biennale aus ihren räumlichen Begrenzungen herauszutragen und durch ihre Aktionen Position zu beziehen. Aus dem Französischen von Michael Wachholz


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Architektur und Management

Was ist experimenteller Wohnungsbau ?

In Bayern gibt es ein Referat für experimentellen Wohnungsbau. Zurück geht es auf die 1980er-Jahre, als der experimentelle Wohnungsbau in Bayern institutionalisiert wurde. Das ursprüngliche Ziel der Behörde, mit innovativen Projekten auf demografische und gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren, gilt heute noch. Insbesondere kommunale Wohnungsbauunternehmen, aber auch Genossenschaften und Bauherren beteiligen sich an den Pilotprojekten. Etwa 6.000 Wohnungen entstanden bislang im sozialen Wohnungsbau. Die rund 130 Modellprojekte wurden mit über 220 Millionen Euro gefördert und beschäftigen sich mit den Themen Ökologie und Energie, neue Technologien und Materialien sowie Wohnen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und Bedürfnisse. Wir sprachen mit Karin Sandeck, Architektin und Leiterin des Sachgebiets IIC2 – Technische Angelegenheiten des Wohnungsbaus, Experimenteller Wohnungsbau im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (bis März 2018 Oberste Baubehörde München). Was versteht Ihre Behörde unter experimentellem Wohnungsbau? K A R I N S A N D E C K : Wir verstehen das Wort „Experiment“ als Ausrufezeichen. Das heißt, wir wollen gute, vorwärtsgewandte Wohnungen auf den Weg bringen, die programmatisch ihrer Zeit voraus sind. Unsere Projektreihen bewegen sich – je formuliertem Thema – zahlenmäßig bei rund einem Dutzend Bauvorhaben mit unterschiedlichen Akzenten, etwa in Ballungsgebieten oder in ländlichen Räumen. So sorgen wir für eine größere Belastbarkeit der Erkenntnisse. BAUMEISTER:

Wohnungsbau und Experiment scheinen erstmal Gegensätze zu sein. Wie bringen Sie diese zusammen? K S : Wohnen ist tatsächlich ein recht konservatives Gut. Im bayerischen experimenB:

Text

Désirée Balthasar


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83 tellen Wohnungsbau bewegen wir uns im Bereich des öffentlich geförderten Mietwohnungsbaus. Das heißt, die Bewohner kennen nur traditionelle Wohnungen mit Zimmer, Küche, Bad, Balkon. Von unkonventionellem Wohnungsbau haben sie keine Vorstellung. Auch viele Bauherren setzen gern auf verlässliche Konzepte. Doch mit kleinen Schritten weisen wir behutsam neue Wege, wie wir den Wohnungsbau weiterentwickeln können.

Beispielsweise hat unser Schwerpunkt auf Energieeffizienz, das Modellvorhaben „e%“, in der Fachwelt große Aufmerksamkeit bekommen. Das Büro Deppisch Architekten gewann mit einem Projekt in Ansbach den Nike-BDAArchitekturpreis für Neuerung. Eine weitere energieeffiziente Wohnanlage von Bogevischs Buero ist mit dem Europäischen Architekturpreis für Energie und Architektur ausgezeichnet worden. Wie finden Sie die richtigen Themen? K S : Unsere Motivation ist es, das Ohr am Puls der Zeit zu haben. Das ist ein anspruchsvolles Ziel, wenn man bedenkt, dass wir vom Schreibtisch im Ministerium aus agieren. Persönlich habe ich meine Aufgabe als Beamtin immer schon als aktivierend und ermöglichend empfunden. Eigeninitiative ist Grundvoraussetzung für meine Arbeit. Ich möchte das Wohnen voranbringen und beobachte daher, wie sich die Gesellschaft und die Rahmenbedingungen entwickeln. Das oberste Ziel muss sein, die Balance zwischen Kosten und Qualität zu wahren. B:

Warum setzen Sie auf den Mietwohnungsbau? K S : Der öffentlich geförderte Mietwohnungsbau liegt in der unmittelbaren Zuständigkeit des Ministeriums – dort können wir zusammen mit unseren Partnern, der kommunalen Wohnungswirtschaft, etwas bewegen. Im Segment der Eigentumswohnungen sind unkonventionelle Ideen weniger nachgefragt, weil den Eigentümern das Verständnis fehlt, dass auch solche Wohnungen Abnehmer finden. B:

Welche Anreize bieten Sie Ihren Partnern, sich in diesem Segment zu engagieren? K S : Wir bieten beispielsweise wissenschaftliche Begleitung für Bauherren und Planer an, wenn es etwa um Baukosten oder Energie geht. Und wir agieren als Moderatoren in schwierigen Situationen. So groß müssen die Anreize allerdings gar nicht ausfallen. Die Bauherren, die bei unseren Auslobungen teilnehmen, haben große Lust auf Innovation. Sie setzen die Projekte neben ihren regulären Vorhaben um und haben einen hohen Impetus. Gerade kommunale bayerische Wohnungsbaugesellschaften sind aktiv und innovativ. B:

Und warum lohnt es sich für Architekten, an Ihren Projekten mitzuwirken? K S : Wir setzen in Relation zum Wohnungsbaugeschehen nur eine geringe Anzahl an Projekten um. Doch diese haben große Strahlkraft, wovon Architekten profitieren. B:

Geben Sie uns einen Einblick in Ihre Projekte. K S : Neben dem bereits erwähnten gibt es beispielsweise das Modell „Wohnen in allen Lebensphasen“. Die Besonderheit liegt darin, Menschen zu ermöglichen, bis ins hohe Alter in der eigenen Wohnung zu leben. Also sind sowohl Wohnungen als auch das Wohnumfeld wie Garten oder Gemeinschaftsräume barrierefrei oder bei Bestandsmodernisierungen zumindest barrierearm. Natürlich muss es sich rechnen, daher lautet die Devise, dass bei Sanierungen jede vermiedene Barriere zählt. Zusätzlich können die Mieter bei Bedarf Optionen zur Unterstützung abrufen, die aus Kooperationen mit Pflegeheimen und sozialen Diensten angeboten werden oder über Nachbarschaftshilfe. Ein anderes Modellvorhaben beschäftigt B:

sich mit innerstädtischen Wohnquartieren, die für Familien ausgelegt sind. Häufig werden diese an den Stadtrand gedrängt, wenn die Familie wächst. Daher haben wir explizit familiengerechte Wohnungen umgesetzt, oft in Kombination mit Einrichtungen für Kinderbetreuung.

Die Modellvorhaben

Experimenteller Wohnungsbau im Wandel der Zeit 1986 Alternative

Womit beschäftigen Sie sich aktuell? K S : Derzeit steht verstärkt die Bezahlbarkeit im Fokus. Daher heißt das aktuelle Modellvorhaben „effizient bauen, leistbar wohnen“. Wir verfolgen das Ziel, die Baukosten nicht weiter steigen zu lassen und die Qualität dennoch hochzuhalten. Vor diesem Kontext beschäftigen wir uns beispielsweise auch mit Modulbauweisen. B:

Wohnformen 1992 Barrierefreies und integriertes Wohnen 1992 Wohnen in Holzbauweise 1994 Kostengünstiger Wohnungsbau 1994

Wie fühlen sich eigentlich die Mieter, die in solchen „Experimenten“ leben? K S : Etwa zwei Jahre nach Bezug evaluieren wir jeweils die Wohnsituation und befragen die Bewohner und Bewohnerinnen. Denn natürlich möchten wir wissen, ob sich unsere theoretischen Überlegungen in der Praxis bewähren. Die Menschen beschäftigen sich nicht mit den Themen, die wir setzen, sondern suchen einfach eine schöne Wohnung. Da sie häufig Zusatzangebote wie Gemeinschaftsräume bekommen, ist die Zufriedenheit sehr hoch. So etwas trägt zum Wohlfühlen bei. Manche Angebote werden zwar anfangs skeptisch beäugt, doch wenn es engagierte Wohnungsunternehmen oder begeisterte Mieter gibt, die die Nutzung vorantreiben, wird es gut angenommen. B:

Siedlungsmodelle Bayern 1996 Das bezahlbare eigene Haus 1999 Ökologische Modernisierung 2000 Ökologischer Wohnungsbau 2003 Gemeinsam Bauen und Leben 2003 Lebendige Wohnquartiere 2005 Wohnen in allen Lebensphasen 2007 Energieeffizienter Wohnungsbau 2010 Innerstädtische Wohnquartiere 2015 Effizient bauen, leistbar wohnen


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Vor 50 Jahren präsentierte Vola erstmals die Wandarmatur „111“ – die Geburtsstunde der Unterputzarmatur. Das modulare System wurde über die Jahrzehnte ausgebaut und bietet heute zahlreiche Oberflächen, etwa PVD Kupfer matt.


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SEITE 86

SEITE 96

18 Lösungen: Dach Bad + QUALITÄTSSCHMIE DE: BESUCH BEI HEWI SEITE 92 + REFERENZ: HAUS FÜR PFERDE AUS KS-ORIGINALSICHTMAUERWERK SEITE 94

85


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86

Lösungen Dach

1 Rundes Design ausgezeichnet Der neuartige, gebogene Kunststoff-Einfassrahmen und das Scharniersystem machen die runde Lichtkuppel „F100“ des Lamilux-CI-Systems attraktiv für Planer, Architekten und Bauherren mit einer Vor-

Rahmen gleichzeitig

Faktor 0,05. Für

liebe für das Beson-

Stabilität zu geben.

dieses Designkonzept

dere. Das ausschlag-

Die Biegeradien der

wurde das runde

gebende Bauteil des

Profilgeometrie ste-

Glaselement F100

Oberlichts ist der run-

hen im direkten Ver-

bereits mit dem

de PVC-Einfassrah-

hältnis zum Radius

German Design

men. Lamilux ist es

der lichten Dachöff-

Award und dem Red

gelungen, PVC derart

nung und vergrößern

Dot Award ausge-

zu biegen und dem

sich jeweils um den

zeichnet.

2 Alles unter einem Hut

möglichst homogenes Ensemble zu bilden, andererseits aber die starke Ausstrahlung des großen, im wilhelminischen Stil erbauten, optisch dominierenden weißen Hauses zu erhalten. Um alle Gebäude einzubeziehen,

von Vanessa Kanz

ROEBEN.COM

packte der Architekt Im Ortskern der friesi-

alt und neu unter „ei-

schen Stadt Zetel

nen Hut“: Alle Dächer

sollten mehrere, zum

wurden einheitlich

Teil leer stehende

mit dem Tondachzie-

Gebäude aus unter-

gel „Bari anthrazit“

schiedlichen Epo-

von Röben einge-

chen zu einem

deckt. Die dezent

Dienstleistungszen-

graue Farbe der Zie-

trum mit Ärztehaus

gel verbindet die ein-

umgestaltet werden.

zelnen Gebäude des

Dem Zeteler Archi-

Ensembles, verleiht

tekturbüro Kapels

ihm eine angemesse-

war es dabei wichtig,

ne Noblesse und gibt

aus dem ortsbildprä-

der Straße ein neues

genden Komplex ein

Gesicht.

FOTO OBE N: L A M ILUX; UNTE N: RÖBE N; RECHTE SE ITE: SHLOMO ARONSON ARCHITEC TS LTD.

WWW.LAMILUX.DE

Der Ausbau und die Aufstockung von Dächern bieten ein enormes Potenzial für die städtische Nachverdichtung, ohne dabei zusätzlich Flächen zu versiegeln. Schätzungsweise 1,5 Mio. neue Wohnungen lassen sich in deutschen Ballungsräumen auf Dächern von Mehrfamilienhäusern schaffen, die zwischen 1950 und 1990 gebaut wurden. Der Baumeister stellt passende Produkte für die Dachabdichtung und Dachbedeckung vor.


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Dach

87 Gründach mit

und mit 10 cm Über-

Aussicht

lappung verlegten Mattenbahnen die

Auf dem Dach des

Dachabdichtung vor

National Campus for

Zug- und Scherkräf-

the Archaeology of

ten. Die folgenden

Israel verwirklichten

Drän- und Wasser-

die Landschaftsarchi-

speicherelemente

tekten Shlomo Aron-

„Floradrain“ sind

son Architects Ltd.

rund 1 x 2 m groß und

einen 1.600 m2 gro-

besitzen oberseitig

ßen, öffentlichen Park

Mulden zur Wasser-

mit dem ZinCo-

speicherung sowie

Systemaufbau „Dach-

Diffusionsöffnungen

garten“. Als Basis für

und ein unterseitiges

das System wurde die

Kanalsystem.

zelfest ausgebildet. Die darauf verlegten Speicherschutzmat-

3 Gehen Sie auch beim Dach auf Nummer sicher.

Visionäre Entwürfe überlassen wir ganz allein Ihnen – das Thema Dachsicherheit nicht. Als führender Hersteller von Systemlösungen fürs Flachdach und Steildach liefern wir alles rund ums Dichten, Dämmen, Begrünen und Energiegewinnen. Plus ein Mehr an Planungs- und Ausführungssicherheit. Ihr Bauder-Fachberater weiß, worauf es hier ankommt. Nehmen Sie einfach direkt Kontakt auf: www.bauder.de/fachberatersuche

ten sorgen für mechanischen Schutz, speichern Wasser und Nährstoffe und verbessern den Trittschallschutz. Außerdem schützen die lose

W W W. Z I N C O - G R E E N R O O F.C O M

Dachabdichtung wur-


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Lösungen

WWW.RATHSCHECK.DE

88

Wie ein Fels in der Landschaft 50 km südwestlich von Katowitze stehen am Ortseingang einer kleinen Ortschaft zwei Schiefermonolithe. Die skulpturale Wirkung des Anwesens basiert auf einer puristischen Gestaltung aller Umschließungsflächen. Schieferdach und Schieferfassade des Einfamilienhauses und des daneben liegenden fast ansatzlos ineinander über. Der konsequent geometrische Entwurf von RS+ Robert Skitek, die Wasserführung

von Rathscheck

in der Ansichtsflä-

Tychy, Polen, kommt

wurde unsichtbar

Schiefer sind auf den

che gleich groß,

ohne Regenrinne,

organisiert.

Dächern und auf der

was den monolithi-

Dachfenster, Anten-

Die verwendeten

Fassade – trotz unter-

schen Charakter der

ne, Schornstein oder

blaugrauen Schiefer

schiedlicher Größe

Bauwerke nochmals

Schneestopper aus;

der Marke „InterSIN“

und Überdeckung –

betont.

WWW.BAUDER.DE

Architekten aus

4

Optimale

durch die unter-

te, Produkt- und Si-

Dämmlösungen für

schiedlichen Aufbau-

cherheitsdatenblätter

Steildächer

ten, Produkte und

gibt es als Download,

Materialien und stellt

und jeder gewählte

Der „Steildach-Navi-

die optimal aufeinan-

Aufbau lässt sich als

gator“ von Bauder

der abgestimmten

PDF speichern.

führt Planer, Architek-

Schichten zu einem

Wie bisher können

ten, Händler und Ver-

sicheren Dachsystem

sich Planer und Archi-

arbeiter aufgrund der

zusammen. Zu benut-

tekten aber auch an

wesentlichen Kernei-

zen ist der Navigator

die Fachberater vor

genschaften des zu

auf PCs, Tablets und

Ort wenden. Auch

planenden Dachs in

Smartphones.

diese können mithilfe

wenigen Schritten

Zu jedem Produkt ste-

des Navigators ge-

zum optimalen Steil-

hen die technischen

funden werden.

dach-Systemaufbau.

Informationen direkt

Er navigiert hierfür

abrufbereit. Prospek-

FOTO OBE N: R ATHSCHECK SCHIE FE R

Garagentrakts gehen


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Dach

6

Mit Design-

Rostench!

erhältli

Stark,

stärker,

Fortis Stan

WWW.CLIMACELL .DE

Entwässerungssysteme aus Beton

d

Cellulose lässt die

sern aufbereitet, die

Hitze außen vor

für den Kälte- wie den Wärmeschutz hervor-

Im Sommer wird es

ragend geeignet sind.

unter dem Dach oft

Die Cellulosedäm-

ungemütlich heiß.

mung von Climacell,

Abhilfe kann hier eine

für die nur hochwerti-

nachträglich einge-

ges Recyclingpapier

brachte Dämmung

verarbeitet wird,

schaffen, bei der

erreicht bezüglich

neben der Dämmwir-

Dämmwerten, Wohn-

kung auch eine öko-

gesundheit und auch

logisch korrekte Bau-

Brand- und Schall-

weise und Nachhal-

schutz Bestwerte. Das

tigkeit wichtig sind.

Dämmmaterial wird

Alle diese Kriterien

dann von Fachbetrie-

erfüllt der Dämmstoff

ben maschinell in Hohl-

Cellulose, der vor

räume eingeblasen.

Halle 4

4-521

Bis Belastungsklasse

D 400

Zum Prospekt

allem aus Teilen pflanzlicher Zellwände besteht, vorbildlich. Cellulose ist zu-

FOTO: CLIM ACE LL

gleich der wichtigste Bestandteil von Zei-

• Dränage & Entwässerung • Hochbeete & Pflanzkästen

tungspapier. Dieses

Unseren Prospekt finden Sie auch auf:

wird in Spezialma-

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schinen zu flauschig weichen Cellulosefa-

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90

Lösungen

8 Sichere Dachränder

Alwitra-Halterschie-

7

Die Alwitra GmbH

Aluminium haben

aus Trier liefert zuver-

im Vergleich zu her-

lässige und sichere

kömmlichen Haltern

Lösungen für Dach-

zum Beispiel eine

randabdeckungen

dreifache Biegestei-

und Dachrandprofile.

figkeit.

Neben ästhetischen

Die Alwitra-Dach-

Profilen stellt Alwitra

randabdeckungen

auch stabile Halter

der Serie MAG-6/

und aussagekräftige

MAG-4 sind universell

Angaben zum Stan-

am Dachrand oder

ses Problem mit dem

dardhalterabstand

auch an Terrassen

Stichkanalsystem

bereit, mit klaren sta-

und Balkonen einsetz-

„Subterra“ aus Alumi-

tischen Aussagen. Die

bar. Dank der Halter

nium. Dieses System

und Stoßverbinder

gehört zu den ersten

werden alle bau-

revisionierbaren

rechtlichen Anforde-

Stichkanälen auf dem

rungen erfüllt. Alle

Anschluss leicht

Markt. Über einen

Formteile wie T-Stü-

gemacht

Adapter lässt es sich

cke oder Ecken sind

problemlos – über

dichtgeschweißt und

Stichkanäle bilden

den kompletten

wie die gesamten

einen zielgerichteten

Querschnitt des Stich-

Profile industriell

Entwässerungskanal,

kanals – an die jewei-

gefertigt.

der Niederschlag

ligen Rinnen des

etwa von Drainage-

Metallwarenherstel-

rinnen zu Dachabläu-

lers anschließen. Das

fen leitet. Allerdings

durchdachte Clip-

erweist sich ihre Inte-

System gewährleistet

gration in vorhande-

zudem eine schnelle

ne Entwässerungssys-

und leichte Montage.

teme aufgrund fehlender fester Verbindungen oft als nicht optimal. Die Firma Richard Brink löst die-

W W W. ALWITR A .DE

WWW.RICHARD-BRINK.DE

nen aus hochfestem


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Dach

9

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E A

B

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FOTO GANZ LINKS: RICHARD BRINK GMBH & CO. KG; OBE N: ICOPAL/B&T

W W W. I C O PA L . D E

I D E E .

Leichter abdichten

sourcen und Naturraum geschont wer-

Die kombinierten

den. Das Granulat

Dampfsperr- und Aus-

dämmt nicht nur Wär-

gleichsschweißbah-

me, sondern auch

nen „Alu-Villatherm“

Schall und ist dauer-

und „Alu-Villatherm

haft formstabil,

K“ (mit oberseitigem

feuerbeständig und

Vlies) von Icopal

chemisch resistent.

werden aus Blähglas-

Das Material ist ein-

granulat produziert.

setzbar auf allen bau-

Die einzigartige Füll-

üblichen Untergrün-

stoff-Technologie

den, auf Stahlprofil-

reduziert das Gewicht

blech sowie auf allen

um nochmals bis zu

festen und nagelba-

20 % bei gleichblei-

ren Untergründen.

bender Qualität.

Nur auf Holzunter-

Dadurch können last-

gründen sind gemäß

abtragende Bauteile

den Fachregeln

wesentlich schlanker

Trennlagen zu

dimensioniert wer-

verwenden.

den. Mit der Verwendung von Blähglasgranulat aus Recyclingglas leistet Icopal zudem einen Beitrag zum Umweltschutz, da natürliche Res-

Wir den Stein dazu. Gebäude bieten besondere Perspektiven, wenn sie von einem faszinierenden Material inspiriert werden. Ziegel von Röben sind so reich in ihrer Vielfalt wie die Ideenwelt der besten Entwürfe unserer Zeit. Für eine Architektur, die den Geist beschäftigt. Im freien Spiel von Einbildungskraft und Verstand. www.brick-design.com


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System 111 in der bicolor-Variante in Tiefschwarz mit flacher Rosette aus glänzendem Kupfer

Lösungen

WWW.HEWI.COM

92

Die 111 wird 50 Besuch bei Hewi

von

Melanie Schlegel


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Qualitätsschmiede

93

FOTOS: HEWI

Thorsten Stute

Über Hewi

Einige Serienprodukte mit der Ziffer 11 im Namen gehören zu den bekanntesten Marken Deutschlands, der Porsche Carrera 911 zum Beispiel oder das „Echt Kölnisch Wasser 4711“. Einen Ehrenplatz unter diesen Designklassikern hat sich mittlerweile auch der „111er“ von Hewi gesichert: Inzwischen gibt es dieses Design schon seit einem halben Jahrhundert. Alleine diese Bilanz wäre zum bevorstehenden 90. Geburtstag der Heinrich Wilke GmbH, die besser unter der Abkürzung Hewi bekannt ist, Grund genug zum Feiern. Es gibt aber noch mehr Gründe. Einer heißt „System 162“ und zählt zu den Architekten-Lieblingen unter den Sanitär-Accessoires. Nach neun Jahrzehnten Bestehen zeigt sich das Unternehmen ganz und gar nicht alt und grau. Im Gegenteil: Gerade die Farbe war das Geheimnis des Unternehmenserfolgs, und so soll das auch bleiben, ganz egal, ob es sich um Beschläge, Sanitär-Accessoires oder um barrierefreie Lösungen handelt, wie der Beschlag „bicolor“ aus Polyamid und Edelstahl, der Beschlag „Edition matt“ mit Oberflächen im samtigen Finish, der Türdrücker „mini“ oder das „Sanitärsystem 900“ für die institutionelle Pflege. Geschäftsführer Thorsten Stute subsumiert die Bestandteile des Erfolgsrezepts: „Seit der Gründung 1929 arbeiten wir an beständigen Innovationen. Unsere jahrzehntelange Erfahrung verleiht uns ein tiefes Verständnis für Formen, Farben und Materialien.“ Bei der Produktentwicklung berücksichtigt Hewi besonders die Bedürfnisse der Nutzer: Barrierefreie Produkte fördern die Selbstständigkeit jedes Einzelnen und entlasten das Pflegepersonal, technische Details erleichtern die Arbeit des Fachhandwerkers bei der Montage, und der Architekt kann aus einem umfangreichen Sortiment vielfältige Material- und Designoptionen wählen, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen. Alle Lösungen sind außerdem dem modularen Prinzip untergeordnet. Das ermöglicht die individuelle Planung repräsentativer Büroräume oder die komfortable Ausstattung von

Firmendaten Hewi Heinrich Wilke GmbH Gründung 1929 Stammsitz Bad Arolsen Standorte Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich, Polen Mitarbeiter 550 Auslandsanteil 30 Prozent

Systeme, Lösungen, Produkte

barrierefreien Privatbädern und hoch frequentierten sanitären Anlagen in öffentlichen Gebäuden. Gerade letztgenannte stellen besondere Anforderungen an Planung und Ausstattung. Alle Hewi-Systeme erfüllen deshalb die Anforderungen diverser länderspezifischer Normen wie die DIN 18040, den British Standard, die österreichische ÖNORM B 1600, den amerikanischen ADA oder die Schweizer SIA 500. Das Verständnis für Barrierefreiheit heißt bei Hewi, Voraussetzungen für eine inklusive Gesellschaft zu schaffen – und zwar mit anspruchsvollem Design. „Wir glauben, dass wir mit unserer Tätigkeit dazu beitragen, dass barrierefreie Gestaltung zur Selbstverständlichkeit wird. Das erfüllt uns mit großer Freude und motiviert uns, immer wieder neue Wege zu gehen“, sagt Thorsten Stute. Der Geschäftsführer des Jubilars äußert hierzu einen Herzensanliegen: „Wir wünschen uns, dass Barrierefreiheit in der Architektur im Sinne des Universal Designs verstanden wird.“

Beschlag S 111 System 162 Beschlag bicolor aus Polyamid und Edelstahl Beschlag Edition matt mit Oberflächen im samtigen Finish Türdrücker mini System 900 für die institutionelle Pflege


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94

Lösungen

WWW.KS-ORIGINAL .DE

Zum Mauerwerk

Die drei Produktgruppen KS-Original, KS-Plus und KS-Quadro umfassen verschiedene Formate und Bausysteme mit unterschiedlichen Eigenschaften. Die verschiedenen Steinformate sind unter anderem in diversen Rohdichten und Druckfestigkeiten erhältlich. KS-Original bietet vielfältige Steinformate für den traditionellen Mauerwerksbau sowie für das Sichtmauerwerk. KS-Plus wurde entwickelt für wirtschaftlich einsetzbare Wandbausätze mit maßgefertigten Planelementen. Ein ganzheitliches System zur Gestaltung innovativer Wandkonstruktionen mit Rasterelementen und der

aus KS-OriginalSichtmauerwerk

die Wand zu integrieren, ist die Produktfamilie KS-Quadro. Die Steine werden aus den Rohstoffen Kalk, Sand und Wasser hergestellt und sind frei von Schadstoffen. Das Programm von KS umfasst Bauteile zur Systemergänzung sowie ein umfangreiches Zubehör zur Verbesserung der Arbeitsabläufe auf der Baustelle.

FOTOS: E RICH SPAHN/KS ORIGINAL

Ein Haus für Pferde

Option, Funktionen in


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Referenz

95

Ein luxuriöser Pferdestall sollte sich harmonisch in das denkmalgeschützte Ensemble integrieren. Errichtet wurde der Neubau als Sichtmauerwerk aus hochfestem Kalksandstein.

Unweit von der oberfränkischen Stadt Naila liegt das Hammerschloss Unterklingensporn inmitten des Landschaftsschutzgebiets Selbitztal. Die Anlage stammt in ihrem Ursprung aus dem 13. Jahrhundert. Erste urkundliche Erwähnungen sind auf 1248 datiert, daher steht das Ensemble unter Denkmalschutz. Seit etwa 30 Jahren befindet sich das Schloss im Privatbesitz. In dieser Zeit restaurierte der Besitzer, der Bauingenieur Volkmar Schneider, die Bestandsgebäude Stück für Stück selbst. Dabei wurde das ehemalige Gesindehaus in Ferienwohnungen aufgeteilt. Das Schloss ist im für diese Gegend typischen Schiefer eingedeckt, seine weißen Putzfassaden stehen im Kontrast dazu. Ähnlich sind die Nebengebäude ausgeführt. 2015 baute der Eigentümer in Sichtweite des Haupthauses einen großzügigen Pferdestall mit weitem Außengelände, der sich in das denkmalgeschützte Ensemble integrieren sollte. Der Neubau entstand auf der Fläche eines abgerissenen Schafstalls: ein eingeschossiger Bau mit L-förmigem Grundriss, der an eines der Neben-

gebäude anschließt. Das Dach ist als asymmetrisches Satteldach ausgebildet, das zu den Außenanlagen hin weit auskragt und so für Schutz vor Sonne und Regen sorgt. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz entschied sich der Bauherr für eine Konstruktion, die sich optisch und in der Kubatur in das Ensemble einfügt. So bestehen die Außenwände des kompakten Baus aus Kalksandstein. Die Fassaden wurden nicht verputzt, sondern als weißes Sichtmauerwerk ausgeführt. Rundbogenfenster und -türen mit gemauerten Stürzen sorgen dafür, dass sich der Stall architektonisch dem Bestand anpasst. Das Dach ist in farblicher Anlehnung an den Schiefer mit anthrazitfarbenem Metall gedeckt. Im Inneren des neuen Stalls haben acht Pferde in 15 bis 25 m2 großen Boxen Platz. Von jeder Box gibt es einen direkten Zugang zum Außenbereich. Die angrenzenden Paddocks im Außenbereich teilen sich jeweils zwei Tiere. Die Besitzer legten Wert darauf, die Boxen, den Auslauf der Pferde und die Belichtungsflächen deutlich größer zu bemessen, als dies die Richtlinien für Pferdehaltung vorschrei-

von

Ulrike Sengmüller

ben. Auch die Entscheidung für ein massives Mauerwerk aus Kalksandstein spielt bei dem auf neuesten Erkenntnissen beruhenden Stallkonzept eine wichtige Rolle, denn neben der hohen Tragfähigkeit weist der Wandbaustoff eine hohe Temperaturund Feuchtespeicherfähigkeit auf; er ist nicht brennbar und resistent gegen mechanische Beschädigungen. Für die 24 cm starken Außenwände wurden Steinformate aus dem KS-Produktprogramm KS-Original mit der hohen Druckfestigkeitsklasse (SFK) 20 und der Rohdichteklasse (RDK) 1,6 verwendet. Die weniger beanspruchten Trennwände der Sattelkammer und der Futterkammer sind mit Steinen der Festigkeitsklasse 12 gemauert. Passend zum robusten KS-Sichtmauerwerk wurde für die Stoßfugenvermörtelung ein starker Zementmörtel der Klasse P3 verwendet. Die Entscheidung für den hochfesten Kalksandstein fiel auch aufgrund seiner Strapazierfähigkeit: Er ist unempfindlich gegenüber Pferdehufen. So findet man auch nach Jahren der Nutzung so gut wie keine Schäden durch Pferdetritte an den Wänden.


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96

Lösungen Bad

von Alexander Russ

2 WWW.KUHFUSS-DELABIE .DE

225 X

1

WWW.AXOR-DESIGN.COM

Der Trend im Badezimmer steuert immer mehr auf maßgeschneiderte Lösungen zu. Badmöbel und -armaturen lassen sich daher immer häufiger den speziellen Wünschen der Bauherren anpassen. Ob Oberfläche oder Farbe, der Kunde kann mehr denn je auswählen. So lassen sich Bäder erschaffen, die einzigartig sind. Zu diesem „Customizing“ gehören auch indirektes Licht, Spa-Anwendungen und Smart-HomeTechnologie.

Intelligentes Spülverhalten Bei dem elektronischen UnterputzUrinalspüler „Tempomatic 4“ von Kuhfuss

225 Designvarianten

einer Kombination

Delabie ist die Elek-

von 15 „FinishPlus“-

tronik direkt in die

Axor bietet mit der

PVD-Oberflächen

Abdeckplatte inte-

neuen Kollektion

und exklusiven

griert. Die „intelligen-

„MyEdition“ noch

„Signature“-Materia-

te“ Armatur ist in der

mehr Möglichkeiten,

lien wie Metall, Holz,

Lage, die Besucher-

Badarmaturen zu in-

Marmor oder Leder

frequenz zu messen

dividualisieren. Die

gefertigt werden.

und das Spülverhal-

Kollektion umfasst

Die innovative Strahl-

ten daran anzupas-

neun Produkte für das

art „PowderRain“ ver-

sen. So wird ein idea-

Waschbecken, das

leiht der neuen Kol-

ler Kompromiss zwi-

Bidet und die Bade-

lektion ein samtig

schen Wasserver-

wanne – alle erhält-

weiches Wassergefühl

brauch und Effizienz

lich ab Oktober. Das

auf der Haut. Powder-

erzielt. Die Abdeck-

Design ist geradlinig,

Rain begeisterte

platte sticht durch

monolithisch und

bereits auf der Mai-

ihr zeitloses Design

architektonisch.

länder Möbelmesse

hervor – sie ist in den

Die Armaturen setzen

mit Haptik und Akus-

Oberflächen hoch-

sich aus zwei Produkt-

tik: Nahezu geräusch-

glänzend, satiniert,

teilen zusammen:

los schmiegen sich

weiß oder schwarz

Korpus und Platte.

die Wassertropfen

erhältlich.

Standardmäßig in den

an die Haut, ohne

Ein patentiertes Sys-

Ausführungen Chrom/

abzuperlen.

tem der Gehäuse-

Spiegelglas und

ablängung vor dem

Chrom/Schwarzglas

Flansch garantiert

erhältlich, können

absolute Wasser-

die Armaturen nach

dichtigkeit des Unter-

Wunsch auch aus

putzkörpers.


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Titel

97

3

K reisrunde Bade-

wanne als Blickfang Die Badkollektion „Val“ zeichnet sich durch klare geometrische Formen, dünne Wandungen, extrem schmale Kanten und sanfte Radien aus. Ein echter Blickfang

WWW.LAUFEN.COM

ist die freistehende, kreisrunde Badewanne mit 130 cm Durchmesser, die eine Alternative zu dem bereits eingeführten, ovalen Modell bietet. Dank ihrer schmalen Kanten interagiert sie perfekt mit den fili-granen Waschtischen und wirkt selbst leicht und elegant. Ihre samtige, weiße, pflegeleichte Oberfläche verdankt sie dem MineralgussWerkstoff Sentec, mit dessen Hilfe Laufen die Wanne auch einwandig und in einem Guss produzieren kann, ohne dass auf einen integrierten Überlauf verzichtet werden muss. Mit Val können die Badmöbelelemente „Boutique“, „Space“ und „Base“ kombiniert werden. Base zeichnet sich durch zurückhaltende Gestaltung, gute Qualität und viele Funktionen zu einem ausgezeichneten PreisLeistungs-Verhältnis

FOTO: L AUFE N

aus. Base ist in den Farben Ulme hell, dunkel, Weiß matt oder glänzend erhältlich.


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Lösungen

98 Multisensorisches Wassererlebnis Die Erlebnisdusche „Aquamoon“ von Dornbracht bietet eine bisher ungekannte Begegnung mit dem Element Wasser: Vier neu entwickelte Strahlarten und faszinierende Lichtszenarien verbinden sich zu einem emotionalen Wassererlebnis. Aquamoon zeichnet sich durch ein minimalistisches Design aus, wodurch der Fokus auf dem besonderen Wassererlebnis liegt. Zentrales Element ist die Decke eingelassen wird. Nahtlos integriert sie sich in

4 die Umgebung und

verschmilzt nahezu mit der Bad- oder Spa-Architektur. Dabei eröffnet der Blick in die Kuppel einen besonderen Tiefeneffekt: Durch ein verborgenes Lichtband im Inneren der Halbkugel schafft die Designdusche eine perfekte Lichtstimmung und erzeugt beim Blick von unten hinauf in die Kuppel ein Gefühl von Unendlichkeit.

FOTO: DORNBR ACHT/M ARKUS JANS; KE MPINSKI HOTE L S

W W W. L I F E S PA . D O R N B R AC H T.C O M /AQ UA M O O N

eine Kuppel, die in


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Titel

99

HA VAN NA

5

Luxuriöse Bäder in

legt, so auch bei den

Havanna

geräumigen Bade-

W W W .VO L A . D E

zimmern. Dort rundet Havanna ist ein be-

der Badhersteller

liebtes Reiseziel. Kein

Kaldewei mit seinen

Wunder: Das Flair der

hochwertigen Badlö-

Karibik-Metropole ist

sungen die exklusive

einmalig, bunte Old-

Ausstattung ab: Die

timer, wohin das Auge

Wannen „Classic Duo

blickt, Prachtbauten

Oval“ sowie „Classic

aus vergangenen

Duo Oval Wide“ wur-

Tagen und belebte

den vom Mailänder

Cafés an nahezu je-

Designstudio Sottsass

sind sichtbar. Die Prä-

gungshebeln, Ab-

modulares System

sentation der neuarti-

deckplatten und

gen Wandarmatur

Ausläufen ein Parade-

2018 feiert die däni-

„111“ im Jahr 1968 war

beispiel für ein modu-

sche Designmarke

zugleich die Geburts-

lares Designsystem.

der Ecke. Besonders

Associati entworfen.

Vola ihr 50-jähriges

stunde der Unterputz-

Jedes Produkt ist in

die Altstadt ist voller

Beide Modelle über-

Jubiläum. Seit Vola-

armatur und die Basis

zahlreichen Oberflä-

Leben und bereits seit

zeugen durch ihre

Gründer Verner

eines modularen Sys-

chen erhältlich –

den 1980er-Jahren

schlichte Eleganz,

Overgaard und der

tems, das bis heute

auch in einzigartigen

Unesco-Weltkultur-

eine ausgewogene

dänische Architekt

Maßstäbe setzt in Be-

Metallveredelungen

erbe. Mittendrin be-

Formensprache und

Arne Jacobsen ihr

zug auf Schlichtheit,

und vielen Farben.

findet sich das „Gran

ihre edle Materialität

erstes Produkt im Jahr

Langlebigkeit und

Hotel Manzana Kem-

aus Kaldewei-Stahl-

1968 entwickelten,

Gestaltungsfreiheit.

pinski La Habana“.

Email.

sind bei Vola die

50 Jahre später ist die

Bei der Ausstattung

technischen Teile in

Modellfamilie 111 mit

der Wand verborgen,

ihren verschiedenen

nur die Funktionsteile

Armaturen, Betäti-

WWW.K ALDEWE I.DE

Jubiläum für

des Fünf-SterneHotels wurde viel Wert auf edle Details ge-

Beilagenhinweis

6

Dieser Ausgabe liegen Prospekte folgender Firmen bei: BE N KE R T BÄN KE , Königsberg und Georg D. W. Callwey GmbH & Co. KG, München Wir bitten unsere Leser um Beachtung.

plus Kostenmanagement

ORCA TRAINING Ausschreibung, Abrechnung, ... orca-software.com/training


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100

Lösungen

WWW.BET TE .DE

Bette das Design behutsam mit einem feinen Wannenrand modernisiert; dessen Aufbauhöhe wurde von 30 auf 8 mm reduziert und die Eckradien von R20 auf R5 verringert. Die neue Einbauvariante nennt sich „BetteStarlet Spirit“ und ist in zwei Formaten erhältlich.

7 Waschtischserie

verschiedenen Ein-

bietet Gestaltungs-

bauvarianten ange-

freiheit

boten.

Neben der verfeinerten Optik bietet die BetteStarlet Spirit auch hohen funktionellen Nutzen, etwa Filigraner

mit diesen einfachen

eine großzügige, be-

Wannenrand

Zutaten wurde die

queme Liegefläche

Badewanne „Bet-

und einen breiten

Eine ovale Wannen-

teStarlet“ in den letz-

Wannenrand, der als

form, eingebettet in

ten 20 Jahren ein

Ablage für die Arme

ein Rechteck, und ein

Klassiker in der Bad-

oder Badutensilien

besonderes Material –

planung. Jetzt hat

dienen kann.

Objektbereich inter-

„Keramag VariForm“

essant ist die Variante

von Geberit umfasst

mit KeraTect-Glasur,

49 verschiedene

die optional für alle

Waschtische in nur

VariForm-Modelle

einer Serie. Die For-

mitbestellt werden

menvielfalt reicht

kann. Die Glasur ist

von kreisrunden über

hochglänzend, sehr

ovale und elliptische

glatt und besonders

bis zu rechteckigen

unempfindlich. Selbst

Modellen, die alle

scharfen Reinigern

jeweils aufgesetzt,

und Desinfektionsmit-

ein- oder untergebaut

teln hält sie stand.

werden können. Außerdem sind sie mit oder ohne Überlauf erhältlich. Der Wasserhahn kann auf der Sanitärkeramik, dahinter oder an der Wand platziert werden. Bis zu sechs Größen werden für die

8

FOTO OBE N: BE T TE; UNTE N: GE BE RIT

W W W.KE R A M AG.DE

Besonders für den Die Waschtischserie


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Bad

W W W. D U R AV I T. D E

9 Perfekt aufeinander

eine klare Linienfüh-

abgestimmte Technik

rung aus. Die elektronische WC-Betäti-

Das Installationssys-

gungsplatte „A2“ aus

tem „DuraSystem“

weißem Glas wird

von Duravit bietet

aufgesetzt eingebaut.

komfortable Zusatz-

Ein Infrarotsensor

funktionen für das

aktiviert bei Annähe-

komplette Badezim-

rung die Beleuchtung

mer und ist perfekt

der Symbole. Über

abgestimmt auf die

die mitgelieferte

Designsprache von

Fernbedienung kön-

Duravit. DuraSystem

nen die zahlreichen

ist ab sofort erhältlich

Funktionen eingestellt

für WCs, Urinale,

und bei Bedarf an-

Waschtische und

gepasst werden: inte-

Bidets. Vor der Wand

grierte Hygienespü-

bietet das durch-

lung, Autospülen,

dachte System op-

Nachtlicht, Kindersi-

tisch wie haptisch

cherung, Reinigungs-

perfektionierte Betä-

funktion, Notstrom-

tigungsplatten; hinter

versorgung sowie als

der Wand garantiert

Zusatzausstattung die

es eine einfache

besonders leise und

Installation und löst

effektive Geruchs-

viele technische

absaugung.

Herausforderungen. Die Betätigungsplatten gibt es als elektronische und mechanische Version. Beide zeichnen sich durch


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B

9

Portfolio 2018

Fassaden

Es gibt Fassaden, die alle Blicke auf sich ziehen. Weil sie an exponierter Stelle stehen, eine ungewöhnliche Form haben, ungewöhnliche Materialien präsentieren, mit Licht und Schatten spielen. Und dann gibt es die unaufgeregten Fassaden, die nicht sofort ins Auge stechen. Sie strahlen Ruhe aus, verbinden das Außen mit dem Innen und harmonieren mit der Umgebung, der sie aber ebenbürtig entgegentreten. Beispiele für beide Spielarten finden Sie auf den nächsten Seiten.


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Das Sichtmauerwerk aus KS-Fasensteinen unterstreicht die massive Bauweise des Gebäudes und schafft ein besonderes architektonisch anspruchsvolles Erscheinungsbild. Vor allem die umlaufende Fase trägt dazu bei.

FOTO: E RICH SPAHN/KS-ORIGINAL GMBH

Moderner Neubau statt Altbau mit Kompromissen www.ks-original.de

Reinhard Graf zog mit seinem Architekturbüro bewusst aus einem städtischen Zentrum in eine kleine Gemeinde im Mittelfränkischen – raus aus einem unflexiblen Altbau, rein in einen zeitgemäßen Neubau mit besten Arbeitsbedingungen. Der Neubau ist klar gegliedert: Auf dem leicht konisch geformten Erdgeschoss sitzt ein kleinerer Quader, der an zwei Seiten 50 cm über das Sockelgeschoss herausragt. Die Geschosse wirken wie gestapelte Kartons, ein Effekt, den die unterschiedliche Fassadengestaltung verstärkt: Während das untere Stockwerk mit anthrazitfarbenen KS-Fasensteinen als Sichtmauerwerk gestaltet ist, wurde das obere Stockwerk weiß verputzt. Der Fasenstein untermauert dabei die massive Bauweise des Hauses. Die tragenden Außenwände sowie die Innenwände bestehen aus großformatigen Kalksandstei-

nen des Bausystems „KS-Quadro“ mit einer Wanddicke von 17,5 cm, die Decken sind aus Stahlbeton. Um die energetische Zielsetzung (geringer als KfW 55) zu erreichen, wurden die Decken energetisch aktiviert: Durch die Rohrregister in den Decken zirkuliert eine Flüssigkeit, die die Räume im Sommer kühlt und im Winter erwärmt. Die Wärme- oder Kälteenergie für das flüssige Trägermedium stammt aus dem Erdreich. Die hohe Wärmespeicherfähigkeit des Kalksandsteins ergänzt die Betonkernaktivierung und sorgt ganzjährig für ausgeglichene Temperaturen im gesamten Gebäude. Es ergibt sich ein Jahresprimärenergiebedarf von nur 35,5 kWh/m2. Der KS-Fasenstein überzeugt nicht nur mit seiner Speichermasse, sondern ist auch robust, stoß- und witterungsbeständig sowie wenig anfällig für Verschmutzungen.


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Links: Gleich zwei Glas-Faltwände in der oberen Etage machen die Terrasse begehbar und schließen sie in den Wohn- und Schlafbereich ein. Linke Seite: Trotz

Der Natur auf der Spur

FOTOS: SOL ARLUX GMBH

www.solarlux.de

Ein Wohnhaus mitten im Wald hat einen ganz besonderen Reiz. Die Architektur sollte allerdings der natürlichen Umgebung gewachsen sein und auf sie eingehen. Ein Beispiel dafür ist das hier vorgestellte, von Architekt Peter Kuczia konzipierte Waldhaus in der Nähe von Warschau. Der dreigeschossige Neubau gleicht sich durch die Balance aus Abgrenzung und gleichzeitiger Einbeziehung der Flora an. Offenkundig spiegelt sich dies in der Materialwahl und in den optischen Verbindungsachsen zwischen innen und außen wider, die sich durch alle drei Etagen ziehen. Das Haus hat eine Wohnfläche von etwa 250 m2, wurde nicht unterkellert und integriert auf Erdgeschossniveau die Garage. Alle Wohnräume zeigen aufgrund großer Glasflächen zugleich in Richtung Süden, Osten und Westen. Die obere Etage schafft

kubischer Architek-

Oben: Bei geöffne-

tur wirkt das Haus

ter Glas-Faltwand

wie eingebettet in

rückt der Wald noch

seine natürliche

ein Stück näher an

Umgebung.

die Bewohner.

durch die Glas-Faltwand von zwei Seiten aus eine barrierefrei begehbare Terrasse, die sich bei aufgefalteten Glaselementen ganz mit dem Wohnraum verbindet. Die kubische Form des Waldhauses ist von einer Holzfassade umschlossen und harmoniert in ihrer Rhythmik aus senkrechten Holzpaneelen mit den Bäumen der Umgebung. Die offenen, transparenten Fassaden lassen den Wald in jedem Winkel präsent werden. Die Symbiose von Natur und Architektur gelingt mit flexiblen Übergängen zwischen Wohn- und Außenraum – realisiert mit der Glas-Faltwand „Woodline“ von Solarlux. Vollständig aufgefaltet, gestattet sie fließende Ein- und Austritte. Ihre hervorragenden Statik- und U-Werte verbindet sie mit einer auf dem Markt einzigartig schlanken Optik, bei einer Ansichtsbreite von nur 143 mm im Flügelstoß.


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Linke Seite: Die seit-

Oben: Der Schöck

lichen Wände wur-

Isokorb Typ WXT ist

den für die statische

ein tragendes Wär-

Befestigung der

medämmelement

Frames genutzt und

mit 120 mm Dämm-

mit dem Isokorb Typ

körperdicke für aus-

WXT angeschlossen.

kragende Wandscheiben. Das Ele-

Ideale Rahmenbedingungen

FOTO: SCHÖCK BAUTE ILE GMBH

www.schoeck.de

Lange Zeit bestimmten triste Zweckbauten das Bild zwischen Tel-Aviv-Straße, Perlengraben und Blaubach – ein Areal mitten in der Kölner Innenstadt. Das Gesamtkonzept für die Neugestaltung vom Kölner Stadtplaner Boris Enning überzeugte die Jury des Architektenwettbewerbs. Das Projekt „55 Frames“ erfüllt urbane Wohnansprüche mit unterschiedlichen Formaten: vom Penthouse über individuell geschnittene Wohnungen bis zu Townhouse- und Gartenwohnungen im Erdgeschoss. Die namengebenden Frames, die wie herausgezogene Schubladen unregelmäßig an der weißen Außenfassade hervorstehen, strukturieren das Gebäude und öffnen den Wohnraum nach außen, bieten dem Bewohner aber durch die Rahmen Schutz und Geborgenheit. Die Befestigung der Betonrahmen schien bei

Links: Besonderes

ment überträgt

Merkmal der Fassa-

negative Momente

de sind die vor Ort

und positive Quer-

aus Beton herge-

kräfte. Zusätzlich

stellten Balkone mit

werden horizontale

grün eingefärbter

Querkräfte über-

Glasbrüstung.

tragen.

diesem Projekt anfangs wegen des hohen Gewichts schwer realisierbar, doch mit Hilfe des „Isokorb Typ WXT“ von Schöck konnte die erforderliche Tragfähigkeit der auskragenden Wandscheiben und somit der „Frames“ problemlos erreicht werden: Hierzu wurde eine Wandscheibe jeweils mit einem Isokorb Typ WXT und der innenliegenden Wand verbunden, die andere Wandscheibe ist mit einem in die Stütze abgebogenen Typ WXT in der Außenwand verankert, da hier keine innenliegende Wand für die Rückverankerung vorhanden war. Die oberen und unteren Deckenplatten sind lediglich mit dem Isokorb Ergänzungstyp HP-XT befestigt und liegen oder hängen auf oder an den Wandscheiben. Der Isokorb Typ WXT ist ein tragendes Wärmedämmelement mit 120 mm Dämmkörperdicke für auskragende Wandscheiben.


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Sieben verschiede-

bäude rechts im Bild

ne Hagemeister-

hüllt die rot-anthra-

Klinkersortierungen

zit-farbene Sortie-

wurden im Wohn-

rung Lübeck GT ein.

komplex Space-S in Eindhoven ver-

Oben: Die Klinker-

wendet.

sortierung Ruhrerde GT + FU passt mit ih-

Bewohner sprechen sich für Klinker aus

FOTOS: ANDREAS SECCI, NIE KI DIE PE N

www.hagemeister.de

Auf einem ehemaligen Werksgelände in Eindhoven errichtete das örtliche Architekturbüro Inbo die Wohnanlage „Space S“. Sie wurde nach dem „Bottom-up“Prinzip realisiert: Die späteren Bewohner hatten also Vorschlags- und Mitspracherechte. Sechs der sieben Gebäude, die sich um Grünflächen gruppieren, zieren verschiedene Sortierungen des Klinkerwerks Hagemeister – ebenfalls auf Wunsch der Bewohner. Die Gebäudeteile an der Torenallee, die eine der Hauptachsen der Siedlung bildet, sind höher gehalten. Großzügige Eingänge prägen die Fassade und greifen den Charakter der übrigen Bebauung der Straße auf. Auf der Südseite sind die Bauten niedriger – hier wird die Verbindung zum Wohngebiet, das sich auf der anderen Straßenseite anschließt, deutlich. Die einzelnen Baukörper durften sich

Linke Seite: Die Sor-

ren braun changie-

tierung Weimar HS

renden Kohlebrand-

wirkt freundlich und

ak zenten perfekt zu

einladend.

den modernen

Links: Das Wohnge-

Fenstermaterialien.

unterscheiden, allerdings sollten sie auch als Ensemble erkennbar sein. Die Architekten entschieden sich deshalb für eine Fassadengestaltung mit mehreren Klinkersortierungen, die zusammen ein einheitliches und gleichzeitig individuelles Aussehen ergeben. Die Sortierungen Lübeck GT, Liverpool GT, Rostock FU, Weimar HS, Farsund HS, Ruhrerde GT + FU und Gent FU machten am Ende das Rennen. Alle haben sie den Kohlebrand gemein, der sowohl dem einzelnen Stein als auch der Fassade als Ganzes eine raue und ursprüngliche Optik verleiht. Ruhrerde zum Beispiel besticht mit seinen warmen Brauntönen und den Kohlebrand-Aufschmauchungen, die beinahe anthrazitfarben schimmern. Die Sortierung Farsund hingegen lockert den Komplex mit hellen Grau- und Weißtönen auf.


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FOTOS LINKE SE ITE + LINKS: HUNTE R KE RHART; RECHTS: E RIC PLE NZ/ V&S ARCHITE K TE N

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Gebäudeklimatisierung mit Transparenz www.hahnlamellenfenster.de

Eine außergewöhnliche Umgebung fordert ein außergewöhnliches Design. Das gilt auch für den Bahnhof vor den Toren Disneylands, das Anaheim Regional Transportation Intermodal Center (Artic). Die eindrucksvolle gestalterische Rasterung der Fassade im Stil des übrigen Gebäudes ergibt sich durch die Form der Lamellenfenster von Hahn. Sie fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein, punkten aber zugleich mit voller Transparenz – das Tageslicht wird durch die nur seitlich gehaltenen Lamellen optimal genutzt und in das Gebäude gelassen. Zugleich wird der Blick nach außen geöffnet; ankommende Besucher genießen das weitläufige Panorama und fühlen sich hierdurch sofort willkommen. Die eigens für dieses Projekt entwickelte Lösung mit speziellen Federdrähten realisiert die größtmögliche Öffnungsfläche

Mit Hilfe einer auto-

Gebäudeklimati-

matisierten Gebäu-

sierung deutlich zu

desteuerung kön-

senken – wie hier

nen Lamellenfenster

etwa beim Bahnhof

dafür sorgen, die

Artic nahe Los

Kosten für die

Angeles.

mit Ganzglasoptik bei gleichzeitigem Vogelschutz. Über die automatisierte Gebäudesteuerung sorgen die Lamellenfenster für eine gezielte Nachtauskühlung und sparen dadurch Kosten für die Gebäudeklimatisierung – im Fall des Artic bis zu 30 Prozent. Die Auszeichnung des Gebäudes mit dem LEED-NC-PlatinumZertifikat ist nur einer von insgesamt derzeit 15 Awards für das Artic, geplant durch HOK und Parsons Brinckerhoff. Für Objekte mit zusätzlichen Ansprüchen an den Wärmeschutz bietet Hahn diverse weitere Möglichkeiten, die Lamellenfenster – entsprechend den Erfordernissen der jeweiligen Klimaregion – zu modifizieren: Dazu zählen zwei- oder dreifachverglaste Systeme mit und ohne Rahmenprofile, optional auch mit zusätzlichen Dämmkernen innerhalb der Profilkammern.


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Die außergewöhnliche Fassade von Rieder des umgestalteten ehemaligen Marinegebäudes 27E in Amsterdam wird geprägt von Glasfaserbeton-Elementen und „Brise Soleils“ in Form der europäischen Nationalflaggen. Links die Südseite,

Ästhetisch und funktionell www.rieder.cc

Eine ehemalige Ausbildungsakademie der Marine in Amsterdam sollte für den EU-Ratssitz der Niederlande vom Architekturbüro Bureau SLA in ein Konferenzund Pressezentrum umgestaltet werden. Auf raffinierte Art und Weise interpretierten die Planer den damaligen Baustil neu und übersetzten ihn in die Architektur der Gegenwart. Die größte Veränderung am Gebäude 27E zeigt sich an seiner Nordund Südfassade. Hier ersetzten die Architekten die ehemalige Band- durch eine Lochfassade mit 3,5 x 3,5 m großen Fenstern. Die anthrazitfarbenen Formteile von Rieder an der Fassade verleihen dem Bau sein außergewöhnliches Erscheinungsbild. Zusammen mit den „Brise Soleils“ an der Südfassade, die durch die Anordnung ihrer filigranen Holzlamellen die Nationalflaggen der Europäischen Gemeinschaft nachempfinden, stellen die

Glasfaserbeton-Elemente einen besonderen Blickfang dar. Die Verkleidung ist nicht nur ästhetisch und innovativ, sondern erfüllt auch funktionelle Anforderungen an die Gebäudehülle: So fungieren die formparts von Rieder auch als Sonnenschutz. Durch das geringe Gewicht der nur 13 mm dünnen Elemente sowie die hohen Spannweiten von bis zu 4,5 m ist weniger Material für die Unterkonstruktion erforderlich. Das geringe Gewicht der formparts war außerdem für die Gebäudestatik der ehemaligen Akademie von Vorteil, da nur wenig zusätzliche Last eingebracht werden konnte. Bei der Realisierung der Fassade spielte der Faktor Zeit eine ausschlaggebende Rolle: In enger Zusammenarbeit konnte schließlich eine rasch umsetzbare, kosteneffiziente und ästhetisch anspruchsvolle Lösung gefunden werden.

FOTOS: RIE DE R GROUP/DIT Z FEJE R

oben die Nordfassade


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Impressum

113

Baumeister — Das Architektur-Magazin — 115. Jahrgang Eine Marke von

S

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B10

CHEFREDAKTION Prof. Dr. Alexander Gutzmer Tel – 11 8 (verantwortlich für den redaktionellen Inhalt)

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Firmenzentralen sind heute weit mehr als bloße Produktionsstätten oder Büroräume: Spätestens seit dem Erfolg des VitraCampus ist klar, dass Architektur einen Markenwert transportieren und dadurch stärken kann. In unserer Oktoberausgabe porträtieren wir deshalb unter anderem Gebäude von Lego, Vitsœ und Kärcher. Außerdem setzen wir unsere Serie über experimentelles Wohnen fort.

DRUCK, BINDUNG OPTIMAL : MEDIA, Glienholzweg 7, D – 17207 Röbel / Müritz Sonderdrucke einzelner Beiträge dieser Ausgabe können beim Verlag angefragt werden. Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlages. Mit der Einsendung von Manuskripten und Bildmaterial erklärt sich der/die Autor/in einverstanden, dass diese vollständig oder teilweise in der Zeitschrift Baumeister publiziert werden. Ebenso stimmt er/sie der Verwertung im Wege der digitalen Vervielfältigung und Verbreitung über Offline- oder Online-Produktionen zu (z.B. CD-ROM oder Datenfernübertragung). Falls eine Vergütung vereinbart wird, deckt diese die genannten Verwertungsformen ab. Erfüllungsort und Gerichtsstand München Ab 1.1.2018 ist die Anzeigenpreisliste Nr. 57 gültig. Anzeigenschluss ist jeweils am 25. des Vormonats. Mitglied der agla a + b, Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse Architekten und Bauingenieure. ISSN 0005-674X B1547

Auszeichnungen


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Kolumne

von

Anne-Julchen Bernhardt

Aus der Echtwelt 3

Die Echtwelt ist mir momentan zu viel, der Vorsatz, im Alltag und im Jetzt zu wirken, kann ganz schön anstrengend sein. Und ob die gegenwärtige Echtwelt eine Zukunft hat, ist ohnehin unklar. Dann ist auch noch Sommer, überall gibt es neue Eisdielen – die jetzt Manufaktur heißen – mit veganem Eis; in Biergärten kann man sich staubige Füße holen, und was geht mich die Welt außerhalb meiner wunderbar gentrifizierten Großstadtsommerinsel überhaupt an. Die Welt ist verroht und verdummt, Europäerin kann ich auch nicht mehr ohne Scham sein, und Architektin ist ein aussterbender Beruf. Also lieber nicht professionell und nicht politisch sein, sondern nur Eis essen, Rhabarberschorle trinken, im Internet einkaufen und Genossenschaften gründen. Selbstgefällige architektonische Erzählungen über die Komplexität der Welt und reine Schönheiten der Struktur, die sich mit der alltäglichen Komplexität der Welt füllen, sind diesen Sommer Ladenhüter. Die Leistungsphasen 1 und 2 gibt es allenthalben noch ein wenig. Und vor einigen Jahren hat jemand die Leistungsphase 0 erfunden, deshalb beraten wir nun lauter Gemeinwohldinge, konzeptionelle Programme statt konzeptionelle Gebäude. Eigentlich würde ich gerne Häuser bauen, das ist aber zunehmend weniger gefragt. Programmatik statt Festigkeit und Schönheit – ich dachte immer, es geht um alles zusammen. Der Boxclub ist das Programm der Stunde, was vielleicht am großartigen Känguru von Marc-Uwe Kling liegt, das den Film Fight Club zitiert und mittels seiner Anhänger gegen Nazis aufbegehrt. Oder es liegt daran, dass es so schön arbeiterklassenhaft riecht, obwohl es die nicht mehr gibt, und nach Migrationshintergrund, und man gerne mitmacht und sich so städtisch fühlt, und dummerweise ist das alles, mit dem Känguru gesprochen, nicht witzig. Und dummerweise ist das Känguru auch nur ein Attribut auf der

Insel der Gebildeten. Allgemeiner geht’s beim Boxclub ums Sich-Schlagen, gleichmäßig Nebeneinander-Schwitzen und Stinken; irgendwo in einer Unterseite der Stadt, denn der Boxclub ist ein totaler Innenraum. Während in den 90ern Bibliotheken entworfen wurden, in den 2000ern viele entweder vom Weingut (Land) oder vom Museum (Stadt) träumten, in den 2010ern vom Datencenter, ist es nun der Boxclub, der immer hilft. Der Boxclub ist eine Flucht ins Private oder wenigstens ins Nachbarschaftliche. Die Nachbarn sind die Biedermeier der Gegenwart. Im Viertel ist alles so wunderbar alltäglich, es gibt kleine Erfolge, irgendwie ist es ein wenig gemischt, und man kann so Dinge gemeinsam tun. Vielleicht braucht die Echtwelt doch Radikalisierung, keine feinen Nachbarschaften, denn nach Mao gilt, „eine Revolution ist kein Gastmahl, kein Aufsatzschreiben, kein Bildermalen oder Deckchensticken, sie kann nicht so fein, so gemächlich und zartfühlend, so maßvoll, gesittet, höflich, zurückhaltend und großherzig durchgeführt werden. Die Revolution ist ein Aufstand, ein Gewaltakt, durch den eine Klasse eine andere stürzt.“ So sind dies meine letzten öffentlichen Worte, zur nächsten Kolumne bin ich bereits im Untergrund und schaffe dort unvorstellbare, bisher ungesehene Schönheit. Oder ich habe doch eine Eismanufaktur eröffnet mit Shishas to go, Fablab und Hausaufgabenbetreuung in Köln-Chorweiler und einem Boxclub im Hinterzimmer.

An dieser Stelle schreiben Baumeister-Chefredakteur Alexander Gutzmer im Wechsel mit der Architektin Anne-Julchen Bernhardt und dem Architekturtheoretiker Friedrich von Borries.


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