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RWTH insight Universitätszeitung

3+4 2016

C.A.R.L. ist in Probebetrieb Eines der größten und modernsten Hörsaalzentren Europas, kurz C.A.R.L. genannt, ist seit dem Wintersemester im Probebetrieb. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) übergab als Bauherr den Neubau an der Claßenstraße an die RWTH. Zunächst finden von Montag bis Mittwoch Veranstaltungen in einem Teil der Seminarund Hörsäle statt. An den beiden anderen Tagen der Woche können die technischen Anlagen nachreguliert und die Einrichtung des Gebäudes komplettiert werden. Rund 45 Millionen Euro aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm des Landes wurden in den mehrgeschossigen Neubau investiert. Es finden über 4.000 Studierende Platz, für die elf Hörsäle, 16 Seminarräume, eine Pausenhalle mit Café neben Flächen für die Physiksammlung,

Lager und Arbeitsbereiche zur Verfügung stehen. Im Dezember 2014 hatte der AStA die Studierenden dazu aufgerufen, sich an der Namensgebung zu beteiligen. Rund 2.000 Personen reichten ihre Ideen ein. „Das Hörsaalzentrum ist für die Studierenden da. Wir wollten daher auch, dass sie sich mit dem Namen identifizieren“, betonte Prorektor Aloys Krieg. Albert Wendt, Promotionsstudent am Aachener Zentrum für integrativen Leichtbau der RWTH, überzeugte mit seinem Vorschlag „C.A.R.L. – Central Auditorium for Research and Learning” die Jury. „Das Hörsaalzentrum ist eines der größten und modernsten in Europa. Der Name sollte das widerspiegeln. Mit dem Bezug zur Stadt Aachen kam ich daher schnell auf Karl den Großen und leitete davon dann den Namen ab“, berichtet Wendt.

Größter Hörsaal hat 1.000 Plätze Vier Fachwerkträger aus Stahl mit einer Gesamtlänge von jeweils 56 Meter sind quer über das Gebäude gespannt. Sie tragen nicht nur das Dach der beiden größten Hörsäle, sondern auch die Seminarräume im zweiten Obergeschoss sowie die Lüftungs- und Kälteanlagen. 1.000 und 800 Sitzplätze bieten die beiden größten Hörsäle des Zentrums an der Schnittstelle zwischen den Campus-Bereichen Mitte und West. Die Architektur stammt von dem dänischen Büro schmidt hammer lassen architects aus Aarhus, ausgewählt im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs. Der siegreiche Entwurf umfasste zwei separate Gebäude, die durch ein völlig verglastes Atrium miteinander verbunden sind. Die Bruttogeschossfläche des Gebäudekomplexes

beträgt 13.600 Quadratmeter. Zentrale architektonische Idee ist der Kontrast zwischen den nach innen orientierten Hörsälen und der offenen Kommunikationszone, welche die Hörsäle miteinander verbindet. Dieser Aufenthaltsbereich bietet verschiedene Terrassen und Plätze unterschiedlicher Größe, die für soziale Aktivitäten und den Austausch von Wissen genutzt werden können. Nach der offiziellen Einweihung des Gebäudes soll C.A.R.L. im Sommersemester 2017 in den Regelbetrieb gehen. Renate Kinny

Fotos: Peter Winandy

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„Die meisten Täter sind einfach nur banal“ dargestellt würden, seien sie im wahren Leben nicht. Unter seinen Patienten waren RAF-Terroristen, Nazi-Schergen oder Psychopathen, die andere Menschen perfekt manipulieren können, sowie Frauen, die ihr Baby töteten. „Die meisten Täter sind aber einfach nur banal. Meine professionelle Haltung habe ich immer bewahrt, man sollte keine Gesinnungsmedizin betreiben.“

Er ist es gewöhnt, vor einer Kamera zu stehen und Filmrollen zu spielen. Auch hält er häufig Lesungen aus seinem Buch „Knast“ ab. Der Auftritt in der Aula im RWTH-Hauptgebäude ist jedoch eine Premiere. „Dass ich mal zu einem Vortrag in einer Universität eingeladen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen“, so Joe Bausch schmunzelnd, nachdem er von Professorin Ute Habel vorgestellt wurde. Sie ist Leitende Psychologin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Uniklinik RWTH Aachen. Das Publikum kennt den 63-Jährigen als manchmal mürrischen Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth des Kölner Teams der ARD-Serie „Tatort“. Dabei ist der Mann mit dem markanten, kahlen Schädel und den tiefen Gesichtsfalten nicht nur als Schauspieler und Autor ein kreatives Multitalent. Er ist auch ein ernsthafter und engagierter Allgemeinmediziner. Seit 1986 arbeitet Joe Bausch als Anstaltsarzt in der JVA Werl, wo mehr als 900 Schwerverbrecher einsitzen. Inzwischen ist er zum Leitenden Regierungsmedizinaldirektor aufgestiegen. RWTH lädt zu „What do you do?“ Die Aachener Hochschule hat ihn im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „What do you do?“ eingeladen. Ein Format, das vor allem Doktoranden und Postdocs anhand prominenter Beispiele zeigen soll, wie eine Karriere nach dem Universitätsabschluss verlaufen kann. „Es zwingt Sie keiner, auf einem Gleis zu fahren“, lautet die Botschaft von Bausch an den akademischen Nachwuchs. Seine Biographie sei voller Brüche und Wendungen, „aber aus mir ist trotzdem was geworden“. Nach dem Abitur studiert er Theaterwissenschaften, Politik und Germanistik, dann Jura in Köln und Marburg. „Ich hatte den Eindruck, dass dies alles kleingeistig war. Plötzlich interessierte mich diese Art der Wissenschaft nicht mehr.“ Joe Bausch ging an die Ruhr-Universität Bochum,

Schauspieler und Gefängnisarzt Joe Bausch war zu Gast in der RWTH, links von ihm Psychologin Ute Habel und RWTHKanzler Manfred Nettekoven. Foto: Andreas Schmitter um Medizin zu studieren. Dort sammelte er in einer Theatergruppe erste Erfahrungen als Schauspieler. Als er gerade die Approbation hat, bekommt er ein Angebot von Star-Regisseur Roland Emmerich – er lehnt ab. Bei einer Bewerbung als Arzt könne er schließlich auf die Frage nach seiner Berufspraxis schwerlich antworten, dass er bisher als Schauspieler gearbeitet habe. Rückblickend stellt Bausch fest, dass es „vielleicht ein therapeutischer Prozess war, viele Sa-

chen gleichzeitig zu machen.“ Stets habe er versucht, allen Ansprüchen gerecht zu werden. „Medizin als Wissenschaft ist immer in Bewegung. Man muss ständig dazulernen.“ Aber auch beim Fernsehen müsse immer alles schneller gehen. „Es gibt für mich keinen Schutz als Senior.“ In seinem Vortrag widmete sich Bausch auch der Frage, was Menschen zu Mördern macht. Er stellt gleich klar: So böse, abgründig und monströs wie Verbrecher im „Tatort“ oder anderen Krimis

Mehr Prophylaxe Was Ursachen für Kriminalität sein können, erforscht auch die RWTH. Das Internationale Graduiertenkolleg „Neuronale Grundlagen der Modulation von Aggression und Impulsivität im Rahmen von Psychopathologie“ unter Leitung von Psychologin Habel möchte Erkenntnisse darüber gewinnen, wie unterschiedliche Faktoren wie Umwelt, traumatische Erfahrungen, Persönlichkeit, Geschlecht, Kultur und genetische Faktoren aggressives und impulsives Verhalten bei Menschen beeinflussen. Bausch ist überzeugt, dass die Grundlagen für kriminelles Verhalten im Kindesalter gelegt werden. Alleine im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 36.000 Kinder wegen Misshandlung oder Vernachlässigung aus ihren Familien genommen. Die Gesellschaft produziere täglich Opfer, es müsse dringend in Prophylaxe investiert werden. Und in die Therapie der Straftäter: „In Deutschland gibt es 80.000 Haftplätze, aber nur 1.500 sozialtherapeutische Plätze. Gefangene haben eben keine Lobby. Aber Knast macht nur Sinn, wenn die Zeit auch zur Resozialisierung genutzt wird.“ Zum Schluss fasst RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven die Hauptbotschaft des Abends zusammen: „Es ist wichtig, sich bei allem, was man tut, selbst treu zu bleiben.“ Multitalent Joe Bausch sei dafür ein perfektes Beispiel. Helga Hermanns

14 Fellows für digitale Lehre Insgesamt 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Aachener Hochschule beteiligten sich erfolgreich an einer erstmalig gemeinsamen Ausschreibung des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Im Rahmen der Programmlinie „Fellowship für Innovationen in

der digitalen Hochschullehre“ konnten sich Lehrende aller Disziplinen um einen Fellowship mit einer Laufzeit von einem Jahr bewerben. Für ihre Projekte erhalten nun 14 RWTH-Angehörige ab Januar 2017 insgesamt 630.000 Euro – damit nimmt die Aachener Hochschule in NRW die Spitzenposition ein. Mit der Ausschreibung will man die Entwicklung

digital gestützter Lehr- und Prüfungsformate anregen. So sollen die Neugestaltung von Modulen und Studienabschnitten, der Austausch über Hochschullehre und die Verstetigung bestehender digitaler Lehrkonzepte optimiert werden. Die erfolgreichen RWTH-Antragsteller waren Dr. Okay Altay, apl. Professor Martin Baumann, Dr. Tim Clarner, Markus Dammers, AK Rätin

Hannah Groninger, Dr. Stefan Hegemann, Dr. Sebastian Kuhlen, Bastian Küppers, Dr. Stefan Lankes, Anne Lausberg, Professor Bernd Markert, Professor Simone Paganini, Professorin Anja Richert und Professorin Karen Veroy-Grepl.

Windkraft ohne Stillstand Die Gründung des Center for Wind Power Drives (CWD) wurde bereits im vorletzten Jahr als ein Meilenstein gefeiert: Ausgestattet mit einem innovativen Vier-Megawatt-Systemprüfstand intensivierte die RWTH hier wesentlich ihre Möglichkeiten zur Erforschung von On-Shore Windenergieanlagen. Es können über 100 Tonnen schwere und 14 Meter lange Windgondeln getestet werden. Das markante CWD-Gebäude am Campus-Boulevard wurde nach 18 Monaten Bauzeit im Juli 2015 eröffnet. Die unregelmäßig perforierten Aluminium-Paneele der Fassade scheinen symbolhaft wie vom Wind geformt. Für das Projekt bewilligte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern insgesamt 25 Millionen Euro. Ende Mai 2016 wurde dann die Gondel der FVA – der Forschungsvereinigung Antriebstechnik e.V. – feierlich auf dem Prüfstand eingeweiht. In Originalgröße weist sie die Höhe eines anderthalbstöcki2|

gen Hauses auf. Mit dem Projektstart der „FVAGondel“ wird nun erstmals eine komplette, generisch neutralisierte Windenergieanlage (WEA) zum Forschungsgegenstand. Acht RWTH-Institute sind beteiligt Denn obwohl im Center nur der Rumpf einer Windkraftanlage steht, können mit Hilfe eines dynamischen Windkraftsimulators am Rotorflansch sehr viele Belastungsszenarien am kompletten Antriebsstrang unter realitätsnahen Bedingungen inszeniert werden: Drehmoment, Schub, Querkräfte durch das Rotorgewicht. Insgesamt sind sechs Achsen mit Kräften und Momenten belastbar, erläutert CWD-Geschäftsführer Professor Dr. Ralf Schelenz. Auch die Eingangslasten für die Versuche sind entsprechend variabel. Sie reichen von der Kraft einer leichten Brise bis zur 50 JahresBöe, die mit gewaltigen 180 Stundenkilometern

FVA-Gondel auf dem Vier-Megawatt-Systemprüfstand im Center for Wind Power Drives (CWD). Foto: Peter Winandy


„Die Hochschule ist beweglicher geworden“ Seit etwa zehn Jahren ist die RWTH Aachen eine der exzellenten Universitäten in Deutschland. Anfang Dezember reichte sie nun Absichtserklärungen zu möglichen neuen Clustern im Rahmen der Fortsetzung der Exzellenzinitiative bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein. Die Wettbewerbsregeln wurden erheblich geändert und es ist zu erwarten, dass Exzellenzuniversitäten zukünftig mit längerfristiger Förderung rechnen können. Im Gespräch erläutert RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg, wie sich die Hochschule für die neue Runde aufstellt und wie die vergangenen zehn Jahre die RWTH verändert haben. Das Interview führte Thorsten Karbach, Leiter des RWTH-Dezernats Presse und Kommunikation. Warum hat es die RWTH zweimal geschafft, in den Kreis der Exzellenzhochschulen aufgenommen zu werden? Schmachtenberg: Wir haben sehr, sehr anspruchsvolle Forschungsvorhaben und ebenso anspruchsvolle Konzepte zur Veränderung der Hochschule eingereicht. Das hat die Gutachter überzeugt. Darauf dürfen wir stolz sein, aber es ist noch wichtiger, dass wir sehr Vieles von dem, was in den Anträgen formuliert wurde, auch umgesetzt haben. Zum Beispiel? Schmachtenberg: Wenn ich etwa an die Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich denke, die Aachen Jülich Research Alliance JARA – das ist spektakulär! Da schauen auch andere genau hin. Wir dürfen Hoffnung haben, dass wir auch in der nächsten Runde gut durchkommen, weil wir etwas vorweisen können. Aber wir sollten uns davor hüten zu sagen: „Wir haben jetzt schon gewonnen.“ Wie hat die Exzellenzinitiative die Hochschule in den vergangenen zehn Jahren geprägt? Schmachtenberg: Wir haben unter anderem detaillierte Vereinbarungen mit den Fakultäten über die zu erreichenden Ziele getroffen. Ich weiß nicht, ob wir das Instrumentarium gehabt hätten, um diese Zielvereinbarungen zu treffen, wenn wir nicht vorher im Zuge der Exzellenzinitiative eine Strategie dazu festgelegt hätten. Nun können die Gutachter prüfen: Hat dieses Instrumentarium gewirkt? Hat es? Schmachtenberg: Ich sehe zum Beispiel die Wirtschaftswissenschaften, die einen beachtli-

chen Veränderungsprozess eingeleitet haben. Wenn wir auf das Feedback schauen, etwa in den Rankings oder in den Drittmitteln, aber auch in anderen Feldern, dann überzeugt mich der Weg der Wirtschaftswissenschaften sehr. Und ich habe ebenso große Hoffnung, dass der Strategieprozess der Philosophischen Fakultät tolle Früchte tragen wird. Da will ich gar nicht darüber nachdenken, was gewesen wäre, wenn diese Hochschule vor zehn Jahren stehen geblieben wäre. Wir freuen uns über den Weg, den wir gemeinsam gehen. Es ist also zu kurz gedacht, dass von der Exzellenzinitiative in erster Linie die ausgewählten Cluster und Graduiertenkollegs gewonnen haben? Schmachtenberg: Ja, auf jeden Fall. Ich möchte das an augenscheinlichen Beispielen festmachen. Das durch die Initiative tatsächlich eingeworbene Geld war hilfreich, ist aber in der Summe weit hinter dem zurück, was an anderer Stelle an Zuwachs verbucht wurde – offensichtlich weil die Bereitschaft gewachsen ist, etwa Drittmittelforschung zu beantragen. Insofern ist es wohl richtig, bei der Exzellenzinitiative von so etwas wie einer Fermentierung zu sprechen. Die Beweglichkeit in dieser Hochschule ist größer geworden. Es gibt aber noch ein anderes Feld. Welches? Schmachtenberg: Es ist in der Vergangenheit behauptet worden, die Exzellenzinitiative würde sich zu wenig um die Studierenden kümmern. Nun sehe ich, dass die Anzahl der Studierenden an der RWTH entschieden gewachsen ist. Für uns ist jeder neue Studierende ein Geschenk, ein intelligenter, motivierter, junger Mensch, der

Foto: Peter Winandy durch sein aktives Mitwirken die Forschungsleistung dieser Hochschule verstärkt. Und es sind mehr gekommen, als wir erwarten konnten. Und sie alle haben beste Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Also gerade hier macht sich der Ruf der exzellenten Universität sehr bemerkbar. Mit welchen Stärken will sich die RWTH nun als Exzellenzuniversität bewerben? Schmachtenberg: Das Profil der RWTH ist das der integrierten interdisziplinären technischen Universität. Unsere Stärke liegt in der interdisziplinären Forschung, im Wechselspiel zwischen den Technikwissenschaften zu den Natur-, Lebens-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Die bisherige Förderung aus der Exzellenzinitiative in die Maßnahmen „Stärkung der Naturwissenschaften”, „Stärkung der interdisziplinären Forschung” und

auf die Windkraftanlage trifft. Für die Untersuchung einzelner Komponenten und Bauteile gibt es kleinere Prüfstände im CWD. Acht Institute der RWTH sind an der Forschungseinrichtung beteiligt, jedes mit einem anderen Fokus. So schaut etwa das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) auf die Antriebe, das E.ON Energy Research Center betrachtet Leistungselektronik und Versorgungsnetze oder das Institut für elektrische Maschinen (IEM) untersucht die Generatoren. Viele Versuche werden im Rahmen von Doktorarbeiten durchgeführt, denn natürlich sollen in Aachen auch Nachwuchskräfte als Spezialisten für den wachsenden Markt der Windkraftanlagen ausgebildet werden. Energie aus Wellen Obwohl Windenergieanlagen immer größere Verbreitung finden, ist die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen. „Es gibt bei den Anlagen viele Probleme, die wir noch nicht gelöst haben. Wenn wir aber die Technik besser verstehen, können wir auch die Ausfallraten reduzieren“, so Schelenz. Windkraftanlagen haben eine durchschnittliche Verfügbarkeit von etwa 97 Prozent. „Das hört sich zunächst gut an. Aber bei 100 Anlagen bedeutet dies, dass drei davon pro Jahr still stehen.“ Die Betreiber haben also großes Interesse an einer zuverlässigen Technik, die möglichst

Aufbau der „Jülich Aachen Research Alliance JARA” haben den Boden bereitet, auf dem wir nun die neuen Forschungscluster entwickeln. Zu welchen Themen? Schmachtenberg: Die Themen, zu denen wir im Dezember Absichtserklärungen für Anträge eingereicht haben, werden aus Wettbewerbsgründen derzeit vertraulich behandelt. Nur so viel: Wir positionieren die Cluster in den Forschungsbereichen, in denen wir ausgewiesene Stärken haben. Und wir haben dort spannende und herausfordernde Forschungsfragen gesucht. Diesen Prozess haben wir sehr intensiv betrieben. Wir haben Themen gefunden, die auch morgen noch sehr relevant sind – und mit denen wollen wir am Ende die Gutachter überzeugen.

autonom und mit wenig Wartung arbeitet. Seit Anfang der 1990er Jahre die ersten Windkraftanlagen konstruiert wurden, haben sich Technologie, Energieausbeute und -effizienz der Anlagen kontinuierlich verbessert. Dazu gehören beispielsweise höhere Turbinenleistung oder größere Rotoren. Dank interdisziplinärer Zusammenarbeit im CWD sollen die Leistungen der Anlagen weiter optimiert werden. Es geht darum, das Know-how über das Gesamtkonzept zu verbessern, betont Geschäftsführer Schelenz. Dass beträfe die Antriebe, aber auch die Wartung, die Infrastruktur der Netze und die Energiespeicher. Darüber hinaus werden nicht nur konventionelle Windkraftanlagen unter die Lupe genommen, sondern auch andere Maschinen-Typen zu Energiegewinnung. Das sind beispielsweise Tiden-Turbinen, deren Rotoren im Wasser stehen und die den Wellengang in Energie umwandeln. So wurde erst kürzlich ein Versuchsprojekt in Kooperation von CWD mit Einrichtungen in Schottland bewilligt. Helga Hermanns

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CAT wird fortgeführt Foto: Peter Winandy

sche Heiratsvermittler, die Reaktionen in Gang setzen, steuern und beschleunigen, ohne dabei selbst verbraucht zu werden und ohne unerwünschte Nebenreaktionen hervorzurufen.

Der Werkstoffhersteller Covestro und die RWTH verlängern ihre Zusammenarbeit in der KatalyseForschung. Eine entsprechende Vereinbarung wurde im Dezember von Innovationsvorstand Dr. Markus Steilemann und Rektor Ernst Schmachtenberg unterzeichnet. Damit wird Covestro das gemeinsam mit der RWTH betriebene CAT Catalytic Center in Aachen in den nächsten sieben Jahren mit rund zwölf Millionen Euro unterstützen.

Beide Seiten hatten die Einrichtung im Jahr 2007 ins Leben gerufen. Aktuell arbeiten dort 25 Mitarbeiter an der Umsetzung von Grundlagenforschung in Innovationen. Im Mittelpunkt stehen langfristige fundamentale Fragen der Katalyseforschung. Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums ist seit Beginn Professor Walter Leitner, Inhaber des Lehrstuhls für Technische Chemie und Petrolchemie an der RWTH.

Über 85 Prozent aller chemischen Reaktionen basieren auf Katalyse, entsprechend wichtig ist die Forschung auf diesem Gebiet. Wasserstoff, Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff sind die Bausteine, mit denen die chemische Industrie arbeitet. Allein die Kombination entscheidet, welche der unzähligen Stoffe daraus entstehen. Aufgabe von Katalysatoren ist, die Elemente zusammenzubringen. Diese fungieren sozusagen als chemi-

CO2 für Schaumstoff nutzen Die Herausforderung ist die Entwicklung von maßgeschneiderten Katalysatoren für die unterschiedlichen Synthesen. Mit diesem komplexen Gebiet befasst sich das CAT und arbeitet dabei intensiv mit weiteren Instituten der Hochschule zusammen. Gemeinsame Erfolge mit Covestro wurden am Catalytic Center vor allem in der Nutzbarmachung von Kohlendioxid als neuem Rohstoff in der Kunststoffproduktion erzielt. Dazu entwickelten beide Seiten ein katalytisches Verfahren, das in relativ kurzer Zeit zur Marktreife geführt wurde. Konkret kann CO2 nun als Komponente für Polyurethan-Schaumstoff genutzt werden und damit einen Teil des Erdöls ersetzen, auf dem das Material bislang komplett basiert. Eine Anlage mit einer jährlichen Produktionskapazität von 5.000 Tonnen wurde in diesem Jahr bei Covestro am Standort Dormagen eröffnet. Für ihre erfolgreiche Zusammenarbeit erhielten die Forscher von RWTH und Covestro bereits mehrere gemeinsame Auszeichnungen – jüngst den Innovation Award des Branchendienstes ICIS in der Kategorie „Innovation with the best benefit for environment and sustainability“. Redaktion

Entwickeln für die Elektromobilität Die Verknappung von Rohstoffen, die globale Umweltanalyse oder die weltweite Urbanisierung machen alternative Antriebstechnologien notwendig. Die Bundesregierung setzte sich zum Ziel, dass bis 2020 mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf den deutschen Straßen unterwegs sein sollen. Das kann nur erreicht werden, wenn ihr Kauf nicht wie derzeit wesentlich teurer ist als der von konventionell motorisierten Fahrzeugen. „Erst dann ist das Elektrofahrzeug wettbewerbsfähig“, betont Dr.-Ing. Heiner Heimes. Der Oberingenieur ist Leiter des Elektromobilitätslabors, kurz eLab genannt. Für Deutschland als eine führende Industrienation im Automobilsektor spielt die elektromobile Zukunft des Personen- und Individualverkehrs eine besondere Rolle. Auf dem RWTH Aachen Campus wurde daher ein Zentrum für Elektromobilproduktion ZEP eingerichtet, bestehend aus dem eLab und der Anlauffabrik. Im eLab arbeiten fünf Institute im Verbund: das Institut für elektrische Maschinen IEM, das Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe ISEA, das Institut für Schweißtechnik und Fügetechnik ISF, der Chair of Production Engineering of E-Mobility Components PEM und das Werkzeugmaschinenlabor WZL. Batterie im Fokus Von der Komponentenherstellung bis zur Fahrzeugendmontage ist der Kostendruck im gesamten Wertschöpfungsprozess von Elektroautos enorm. Insbesondere die Batterie ist ein Hauptkostentreiber: Sie macht über 40 Prozent der Herstellkosten eines Fahrzeugs aus. Das liege vor allem an der Fertigung und an den Materialienkosten für Kupfer oder Cobalt. „Es käme schnell 4|

zu einem elektromobilen Durchbruch, wenn wir die Kosten bei gleichbleibender Qualität senken könnten“, erklärt Heimes. Ausschlaggebend sei eine clevere Technik wie zum Beispiel die integrierte Produkt- und Prozessentwicklung. Sie ermögliche eine frühzeitige Optimierung und ein flexibles Zuschneiden auf veränderte Randbedingungen. „Industrialisierungsbarrieren lassen sich so reduzieren.“ Um das Fahrzeug zur Serienreife zu bringen, müssen sowohl die Batteriezell- sowie die Modul- und Packfertigung als auch die Integration des Batteriepacks in das E-Auto weiterentwickelt werden. All das ist im ZEP möglich. Im eLab werden die Fertigungsprozesse der Batterie und des elektrischen Antriebsstrangs analysiert. Fokus ist die Komponentenentwicklung und Prototypenproduktion. Eine vollständige Fertigungslinie bildet den ganzen Antriebsstrang von den Elektromotoren bis zu den Batterien ab. Auf einer Hallenfläche von 800 Quadratmetern stehen Automatisierungstechnologien zur Verfügung, die flexibel miteinander kombiniert werden können. Die Industrie kann Flächen anmieten, um Tests durchzuführen. „Diese Zusammenarbeit schafft Synergieeffekte und neue branchenübergreifende Netzwerke“, so Heimes. Flexible Anpassung an Produktion Aufbauend auf den Forschungsergebnissen des eLabs wird in der Anlauffabrik das Gesamtfahrzeug betrachtet. Die Produzierbarkeit steht im Vordergrund. Mit einer Anlage zum Karosseriebau, einer Montagelinie und End-of-Line Tests als Zuverlässigkeitstests werden reale Anlauf- und Produktionsprozesse abgebildet. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen die Prozesse auf die Probe und erarbeiten Innova-

tionen. So werden sichere Anläufe mit hoher Qualität und kürzeren Zeiten garantiert. Die Basis für einen optimalen Prototyp schafft die Kombination von neuartigen Fügetechnologien und umfassendem Know-how im Leichtbau. So werden zum Beispiel auch Fügefolgen unterschiedlicher Karosseriestrukturen oder das

Klimaverhalten der Materialien untersucht. Auch die optimale Anbringung der Außenhaut für die Fahrzeugkomponenten nehmen die ZEP-Mitarbeiter unter die Lupe. „Wir schaffen insgesamt eine flexible Anpassung an jeden Produktionsprozess“, fasst Heimes zusammen. Celina Begolli

Im eLab auf dem RWTH Aachen Campus werden Versuche zur Optimierung der Montagelinie für den Zusammenbau von großformatigen Lithium-Ionen Pouchzellen durchgeführt. Der Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components PEM ist in verschiedenen Industriethemen dieser Batterien-Produktion tätig. Foto: Peter Winandy


Power für die Energiewende Für Professor Walter Leitner ist es ein „starkes Signal“, ein unmissverständliches Zeichen für die enorme Bedeutung, welche die Bundesregierung der Wissenschaft zum Gelingen der Energiewende beimisst. Schon in wenigen Zahlen wird deutlich, dass das Kopernikus-Projekt „P2X: Erforschung, Validierung und Implementierung von ‚Power-to-X‘-Konzepten“ ein besonderes Forschungsvorhaben ist: Deutschlandweit umfasst es 64 Arbeitsgruppen aus 17 Forschungseinrichtungen, 26 Industrieunternehmen und drei zivilgesellschaftlichen Organisationen. Es ist für zehn Jahre konzipiert und arbeitet in den ersten drei Jahren mit einem Budget von 38,6 Millionen Euro, wobei 8,6 Millionen Euro aus der Industrie kommen, der Rest vom BMBF. Leitner, Inhaber des Lehrstuhls für Technische Chemie und Petrolchemie der RWTH, steht mit Professor Rüdiger-A. Eichel, Direktor des Instituts für Energie- und Klimaforschung des Forschungszentrums Jülich, und Professor Kurt Wagemann, Geschäftsführer der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, als Koordinator an der Spitze des Großprojekts. Es sind vier Kopernikus-Projekte für die Energiewende, ausgewählt aus 41 Vorschlägen, die das BMBF in einem innovativen, langfristig angelegten Modell in Großverbünden fördert. Neben dem Projekt mit dem Kurznamen Power-to-X haben in drei weiteren Themenfeldern weitere Konsortien ihre Arbeit aufgenommen: SynErgie zum Thema Lastmanagement in Industrieprozessen, ENSURE zum Thema Netze und deren Optimierung sowie ENavi zur Systemintegration, wobei die RWTH auch an den Projekten ENSURE und SynErgie beteiligt ist.

RWTH-Professor Walter Leitner ist Koordinator im Kopernikus-Konsortium Power-to-X, gefördert durch das Energieforschungsprogramm der Bundesregierung. Foto: Peter Winandy

Weniger fossile Rohstoffe Die Förderinitiative ist ein neues Format in der Wissenschaftslandschaft: Sie hat gesellschaftliche Fragestellungen im Fokus, ermöglicht gleichzeitig über die lange Laufzeit eine dynamische Entwicklung und hält nicht an starren „Meilensteinen“ fest. In den nächsten zehn Jahren sollen Technologien entwickelt werden, die den Umbau des Energiesystems entscheidend voranbringen. Power to X fasst dabei Technologien zusammen, die eine Umwandlung von elektrischer Energie in stoffliche Energieträger und energieintensive Chemieprodukte erreichen sollen.

„Durch die direkte Verknüpfung der energetischen und stofflichen Wertschöpfungskette haben solche Technologien ein besonderes Potenzial für die Verringerung des Einsatzes fossiler Rohstoffe in den Sektoren Energiewirtschaft, Transport/Verkehr und Chemie“, erläutert Leitner. Das entsprechende Stichwort laute Sektorkopplung: „Eine Schlüsselfunktion hat dabei die elektrochemische Nutzung von Strom aus erneuerbaren Quellen zur Erzeugung stofflicher Ressourcen wie Wasserstoff, Kohlenstoffmonoxid und Synthesegas.“ Die zweite zentrale Technologie ist die Katalyse für die anschließende effiziente Verwertung dieser Ressourcen über ökologisch und ökonomisch sinnvolle Prozesse zu stofflichen Energieträgern oder chemischen Produkten. 400 Millionen für Kopernikus-Pojekte Bei Vorstellung der Kopernikus-Projekte betonte Forschungsministerin Johanna Wanka, dass Deutschland mit diesem Energieforschungsprogramm, das ein Gesamtvolumen von 400 Millionen Euro umfasst, eine Vorreiterrolle einnimmt. Das gelte besonders für die Anstrengungen zur Dekarbonisierung und damit zur Verringerung der Nutzung von fossilen Ressourcen, so Chemiker Leitner: „Weltweit werden die Anstrengungen, Erfolge, und Herausforderungen mit großem Interesse beobachtet. In diesem Wettbewerb um die Gestaltung einer erneuten industriellen Revolution gilt es, für das ‚Versuchslabor Deutschland‘ Chancen zu nutzen und Risiken zu minimieren.“ Hierfür biete die deutsche Wissenschaftslandschaft aufgrund der traditionell wirkungsvollen Vernetzung von akademischer Forschung und industrieller Umsetzung hervorragende Voraussetzungen. Und für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, insbesondere für den Nachwuchs, ermögliche das Projekt die Mitwirkung an der Entwicklung der zukünftigen Technologien. Hohe CO2-Einsparung „Das Projekt bringt Wissenschaft, Industrievertreter, Energieversorger und Bürgervereine zusammen, damit wir in fünf bis zehn Jahren Lösungen für die Speicherfrage haben, die sich im großen Maßstab umsetzen lassen“, so Wanka. In Power-to-X verbindet sich Grundlagenforschung in den Kompetenzbereichen Elektrolyse, Katalyse und Prozess-Design mit den Anwendungsfeldern der Industrie. In sechs Forschungsclustern wird die technologische Entwicklung von Beginn an mit gesellschaftlichen Bedürfnissen und nach einhergehender Akzeptanz abgeglichen. Angestrebt wird eine hohe CO2-Einsparung bei maximaler Wertschöpfung, die Integration dezentraler und autarker Lösungen, Skalierbarkeit und Modularisierung sowie die Exportfähigkeit. Dass Deutschland als Exportnation mit Technologien für ein nachhaltiges Energiesystem weltweit neue Märkte erschließt, ist erklärtes Ziel. Thorsten Karbach

CARL auf Campus Melaten Bis 2020 soll die RWTH ein Zentrum zur grundlegenden Erforschung der Alterung von Batteriematerialien und leistungselektronischen Systemen erhalten. Der Wissenschaftsrat hat hierfür knapp 60 Millionen Euro Fördergelder von Bund und Land NRW bewilligt. Dieses Center trägt – ähnlich dem neuen Hörsaalzentrum, aber ohne Punkte geschrieben – den Namen CARL, Kurzform für „Center for Ageing, Reliability and Lifetime Prediction of Electrochemical and Power Electronic Systems“. In der interdisziplinären Einrichtung werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zehn Kernprofessuren und rund 20 weiteren Lehrstühlen und Instituten der RWTH und des Forschungszentrums Jülich forschen können. Vertreten sind dabei die Disziplinen Chemie, Physik, Mathematik, Informatik, Materialwissenschaft, Maschinenbau und Elektrotechnik. „Batteriealterung und Lebensdauervorhersage

der Leistungselektronik sind Themen, die in Aachen am Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe schon seit den 1980er Jahren untersucht werden“, erläutert dessen Leiter Professor Rik De Doncker. „Mit CARL wird es jedoch zum ersten Mal in Deutschland einen ganzheitlichen Betrachtungsansatz geben.“ Die komplette Prozesskette von der Herstellung bis zur Anwendung steht dabei ebenso im Fokus wie der Lebenszyklus sämtlicher Materialien und Komponenten. „Wir wollen bis zur Atomund Kristallebene verstehen, wie Energiespeicher funktionieren und auf unterschiedliche Anforderungen reagieren“, ergänzt Projektsprecher Professor Dirk Uwe Sauer, Lehrstuhl für Energiewandlung und Speichersystemtechnik. „Ganz ähnlich sind zum Beispiel die Fragen der Verbindungen für Leistungshalbleiter wie sie etwa in Elektrofahrzeugen oder Windkraftan-

lagen eingesetzt werden. Erst wenn wir die physikalisch-chemischen Prozesse kennen, können wir Systeme produzieren, die ohne Überkapazitäten oder Redundanzen arbeiten.“ Drei große Laborbereiche Im CARL sollen zwei Perspektiven betrachtet werden: die der Endanwender einerseits und die der Entwickler von Maschinen und Materialien zur Herstellung von Batterien und Leistungselektronik andererseits. „Mit unseren Forschungsergebnissen können wir dazu beitragen, dass Entwicklungszyklen beschleunigt werden und durch eine optimale Konfiguration der Systeme letztlich Geld gespart wird“, so Sauer. Denn die Frage der Lebensdauer sei essentiell für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Beispielsweise ist es wichtig für Autohersteller, Abschreibungszeiträume, Garantieleistungen und Zuverlässigkeit als Teil

der funktionalen Sicherheit einschätzen zu können. Mit dem Bau der Forschungsstätte CARL wird 2017 auf dem Campus Melaten im Westen von Aachen begonnen. Die Baukosten für das Gebäude betragen rund 43 Millionen Euro. Für die Großgeräte und die Grundausstattung sind rund 16 Millionen Euro veranschlagt. Drei große Laborbereiche werden errichtet: Im ersten wird es Prüfstände für Belastungs- und Umweltsimulationen geben. Der zweite Labor-Bereich befasst sich mit dem Bau von Prototypen. Der dritte Laborbereich widmet sich schließlich der physikalischelektrochemischen Analyse. Der Einzug der rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist für Mitte 2020 geplant. Redaktion

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Rohstoffe und Recycling Die aktuelle Ausgabe des Magazins „RWTH THEMEN“ berichtet über Forschungsprojekte der Aachener Hochschule rund um Lagerstätten, Aufbereitung, Produktion und Abfallbehandlung. In insgesamt 17 Beiträgen werden unter anderem die Nachsorge von Bergbaulandschaften, Sicherheitsaspekte im Bergwerk, eine sensorgestützte Sortierung, das Recycling von Elektronikschrott oder Kirschkerne als Energieträger vorgestellt. So sind beispielsweise Manganknollen bis zu kartoffelgroße Mineralanreicherungen, die in 3.500 bis 6.500 Meter Wassertiefe im Pazifik und im Indischen Ozean vorkommen. Ein Forschungsprojekt befasst sich mit den Fragen, wie diese zu gewinnen sind und wie sich ihre Weiterverarbeitung realisieren lässt.

RWTH THEMEN Forschungsmagazin

Ausgabe 2/2016

Zu den betrieblichen Aufgaben eines modernen Bergwerks und zu den Aufgaben eines Staates im Rohstoffsektor gehört der Arbeitsschutz. Wissenschaftlerteams der RWTH erforschen alle Aspekte rund um die Kernthemen Bergbau und Rohstoffe. In vielen Ländern erschwert die unzureichende Ausbildung der Bevölkerung eine moderne Arbeitssicherheit. Hier gilt es, die staatlichen Institutionen und Aufsichtsbehörden zu stärken. Somit lenkt die ansteigende globale Rohstoffnachfrage den Blick zunehmend auf die Ausbildung von Fachkräften für eine nachhaltige Rohstoffgewinnung. Im RWTH-Institut für Maschinentechnik in der Rohstoffindustrie wird daran gearbeitet, dass die Gewinnungsmaschine ebenso wie der Bergmann „hören“ kann. Denn der erfahrene Bergmann hört, ob die Gewinnungsmaschine wertvolle Kohle oder härteres Nebengestein schneidet. Möglich werden soll die Materialerkennung durch den Einsatz der Acoustic Emission Technologie.

Kompetenzbereich Rohstoffe und Recycling

Karosserien aus Aluminium Für viele US-Amerikaner sind sie das Symbol des American Way of Life: die Pickup-Trucks aus der F-Serie von Ford. Vorne gewaltige Kühlerhauben über breiten Stoßstangen, hinten eine lange Ladefläche. Kein anderes Auto offenbart mehr amerikanischen Patriotismus und Nationalstolz als diese tonnenschweren Boliden. Seit über 30 Jahren ist der F-Truck das meistverkaufte Auto auf dem nordamerikanischen Markt. Die beeindruckende Größe bringt allerdings auch ein beeindruckendes Gewicht und einen hohen Benzinverbrauch mit sich. Ford setzt aus diesem Grund beim neusten Modell des F-150 auf eine Karosserie aus Aluminium. „Der Truck ist dadurch etwa 700 Pfund leichter geworden und wiegt in der Basisausstattung rund 1.950 Kilogramm – weniger als eine typische Oberklassenlimousine“, erklärt Dr. Jürgen Wesemann, technischer Leiter für Werkstoffstrategien bei der Ford Forschungszentrum Aachen GmbH. Dabei konnten die Konstrukteure die Robustheit des Trucks erhalten und mussten keine Features weglassen. „Wir haben einen Ruf zu verteidigen“, so Wesemann. „Der F-150 steht für Robustheit sowie überlegene Nutz- und Anhängelast. Der Aluminiumleichtbau unterstützt Kundenanforderungen wie niedrigen Verbrauch und gute Fahrdynamik.“ Forschung im Nichteisen-Metallbereich Das an der Süsterfeldstraße ansässige Forschungszentrum ist eines von zehn Industrieunternehmen, die sich an AMAP (Advanced Metals and Processes) beteiligen. Dieses Open-Innovation-Forschungscluster für Nichteisen-Metalle arbeitet seit 2012 an aktuellen Problemstellungen auf dem Gebiet der Nichteisen-Werkstoffe. Ziel ist die Forschung, Entwicklung sowie Aus- und Weiterbildung auf den Gebieten der Metallerzeugung, der Weiterverarbeitung von Metallen und der Herstellung von Produkten aus Metallen und metallischen Werkstoffen bis hin zum Recycling. Foto: Peter Winandy 6|

Im aktuellen Vordergrund steht die Forschung über Werkstoffe auf Aluminiumbasis. Projekte des AMAP-Clusters bearbeiten Fragestellungen der prozessübergreifenden Modellierung von Prozessen und Werkstoffeigenschaften, zur Schmelzereinheit, zu Umform- beziehungsweise Gießprozessen und den Eigenschaften von Bauteilen. Darüber hinaus wird mit Blick auf Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit an der Verbesserung der Recyclingmöglichkeiten von Aluminium gearbeitet. Im Mittelpunkt stehe die vorwettbewerbliche Erforschung unter dem ganzheitlichen Aspekt „vom Einsatzmaterial zum Bauteil“, erklärt AMAP-Beiratsvorsitzender und Leiter der Hydro Aluminium-Forschung & Entwicklung in Bonn, Dr. Klaus Vieregge. „AMAP ist kein Service Center, unsere Forschung keine kurzfristige Maßnahme. Sie benötigt einen langen Atem. Wir

können uns also noch auf viele weitere Jahre der Zusammenarbeit freuen.“

AMAP-Verbund praktiziert Open Innovation Derzeit arbeiten im AMAP-Verbund elf Industrieunternehmen und sechs RWTH Institute zusammen. Man verfolgt den evolutionären Gedanken einer gemeinsamen Forschung an einem Ort, industrie- und institutsübergreifend. „Die Zusammenarbeit hat für uns viele Vorteile“, erläutert Professor Karl Bernhard Friedrich, Leiter des RWTH-Instituts für Metallurgische Prozesstechnik und Metallrecycling (IME), das AMAP angeschlossen ist. „Der Austausch mit Akteuren aus der Industrie lässt neue Ideen reifen. Master- und Doktorarbeiten können von Branchenspezialisten begleitet werden. Darüber hinaus hat unser Institut die Möglichkeit, sich international zu präsen-

tieren.“ Friedrich betont, neben dem fachlichen Austausch und der Generierung neuer Forschungsansätze seien für die Industrie vor allem der Zugang zum Ingenieur-Nachwuchs und die Synergieeffekte von großem Wert, die durch die Nähe zur RWTH entstehen. Aktuelle Forschungsergebnisse könnten so schnell in marktfähige Projekte integriert werden – für alle Beteiligten aus Industrie und Hochschule eine Win-Win-Situation. Ein gutes Beispiel für diese Synergieeffekte soll die erwähnte F-Serie von Ford werden. „Da schlummert ein großes Potential“, meint Experte Wesemann von Ford und wagt einen Blick in die Zukunft. „Die Chancen stehen gut, dass für unsere nächste Generation von Aluminiumfahrzeugen in AMAP entwickelte Technologien verwendet werden.“ Sebastian Dreher


Die Nachsorge von Bergbaulandschaften ist Forschungsthema an der RWTH Aachen. Im Bild ist der Tagebau Hambach nahe Aachen zu sehen. Luftaufnahme: Peter Winandy

Aachener Kompetenzzentrum für Ressourcentechnologie Der Weg von der Erschließung nicht erneuerbarer Ressourcen beziehungsweise der Nutzbarmachung erneuerbarer Ressourcen bis hin zur Wiederverwertung von so genannten „end-of-life“-Produkten verläuft entlang einer Prozesskette, die diverse Disziplinen wie Bergbau, untertägiger Ingenieurbau, Metallurgie und Metallrecycling sowie Rohstoff-, Material- und Umwelttechnik einbindet. Um die Initiierung und Koordination von integrierten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zwischen Industrieunternehmen und Hochschuleinrichtungen zu erleichtern, haben sich über 20 Professorinnen und Professoren der RWTH im „Aachener Kompetenzzentrum für Ressourcentechnologie – AKR e.V.“ zusammengeschlossen. Das Forschungsmagazin RWTH THEMEN „Rohstoffe und Recycling“ kann per E-Mail (pressestelle@rwth-aachen.de) oder telefonisch unter +49 241 80 94322 angefordert werden.

Das Aachen-Maastricht Institute for Biobased Materials, AMIBM, wurde offiziell im Dezemberauf dem Brightlands Chemelot Campus in Geleen eröffnet. Das AMIBM steht für eine neue Form der Zusammenarbeit der Maastricht University, UM, mit der RWTH und dem Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie IME in Aachen. Unterstützt wird das AMIBM dabei von der Provinz Limburg. Das binationale Institut hat auf dem Brightlands Chemelot Campus 1.500 Quadratmeter bezogen, rund 50 Beschäftigte von UM, RWTH und Fraunhofer entwickeln in den Laboren neue Biowerkstoffe. Dabei werden nach haltige Materialien erprobt, die beispielsweise auf Basis des Abfalls mechanisch geschälter Garnelen mit Hilfe von Tiefseebakterien gewonnen werden. „Ich sehe hier eine große Zukunft für herausragende Forschung“, sagte RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg bei der Eröffnung. Biologen, Chemiker, Ingenieure und Mediziner aus 16 Ländern arbeiten im AMIBM zusammen. „Das ist eine Blaupause für grenzüberschreitende Kooperationen in der Forschung“, erklärte Professor Martin Paul, Präsident der Maastricht University. Einzigartige Spinnanlage im AMIBM Das AMIBM präsentierte bei der Eröffnung auch eine weltweit einzigartige „bi-component wet spinning line“ für die Entwicklung von medizinischen Fasern. Mit der Anlage von beinahe 20 Metern Länge lassen sich biobasierte Fasern aus einer Polymerlösung und auf Zimmertemperatur spinnen. Dies ist sogar mit zwei verschiedenen biobasierten Polymeren gleichzeitig für die Produktion von Bi-Komponenten-Fasern möglich. So können verschiedene Fasern vereint werden, zum Beispiel starke und antibakterielle Fasern für Implantate. Anschließend werden diese Fasern mit einer Lasur überzogen, die den Materialien eine Reihe weiterer medizinischer Eigenschaften verleiht. AMIBM entwickelt diese speziellen Fasern für Implantate, beispielsweise als Herzklappen. Die in Geleen tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler starten zudem ein neues „Bio Tex Fieldlab“. Es bezeichnet ein Testgelände für die Produktion von Fasern und Garnen aus künftig verfügbaren Biopolymeren. Errichtet wird es ebenfalls im AMIBM-Labor auf dem Brightlands Chemelot Campus. Ziel ist es, biobasierte Polymere zu realisierbaren Marktpreisen für die Textilbranche zu erzeugen. Projektpartner sind dabei AMIBM, Modint – das niederländische Branchennetzwerk von über 600 Betrieben in den Bereichen Bekleidung, Modeaccessoires und Innenausstattung – und CHILL, die Chemelot Innovation and Learning Labs. Zudem soll intensiv mit Biopolymer- und Textilproduzenten zusammengearbeitet werden. Die Projektpartner des „Bio Tex Fieldlabs“ werden durch das Operationeel Programma Zuid-Nederland – OP Zuid – mit 760.000 Euro gefördert. Thorsten Karbach

Foto: AMIBM

AMIBM entwickelt Biowerkstoffe | 7


AStA lud zum Speeddrawing

Laura Platte steht mit gezücktem Filzschreiber vor einem großen weißen Blatt Papier, das an einer Stellwand befestigt ist. Erst wenige Stunden zuvor hat sie sich entschieden, beim Speeddrawing mitzumachen: „Keine Ahnung, was mich hier erwartet“, so die Studentin der Digitalen Medienkommunikation an der RWTH. Ihre Konkurrenten in der Couven-Halle sind Architekturstudent Barnabas Friedrich und die beiden FHStudenten Sebastiano Lia und Dave Rindorindo. Eine Zuschauerin und ihr Begleiter vermuten, dass diese ungewöhnliche Veranstaltung „wahrscheinlich so ähnlich ist wie ein Poetry-Slam, nur eben mit Bildern“. Dies sei gar nicht so falsch, erläutert Luisa Miny vom RWTH-AStA, der zu dieser Pilotveranstaltung Mitte Dezember einlud. Die Kulturreferentin entwickelte das Konzept, die Moderation übernahmen Julie Göths und Clemens Schmittmann, die nun Publikum und Künstlern die Umsetzung erläutern. Es wird ein Thema genannt, das zeichnerisch zu gestalten ist. „Winter is coming“ heißt das Motto der ersten von insgesamt drei Wettbewerbsrunden. Es folgen „Leonardo da Vinci“ und „Mauerfall“. Format wird fortgesetzt Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, wie unterschiedlich das jeweilige Thema umgesetzt

wird: Das reicht vom japanischen Manga-Style über einen satirischen Ansatz mit Comic-Figuren und Sprechblasen bis hin zur Berghütte inmitten einer idyllischen Schneelandschaft. Das Publikum darf weitere Begriffe vorschlagen – es folgen beispielsweise „Treppe“, „Strippenzieher“ oder „Industrie 4.0“. Nach jeder Runde stimmen die Zuschauerinnen und Zuschauer ab, indem sie sich einfach vor ihr „Lieblingsbild“ stellen. Für musikalische Unterhaltung sorgt DJ Mike Kandinsky. Am Ende des Abends gewinnt Laura Platte mit ihrem Bild vom Mauerfall: Auf einem Mauerrest liegt eine Bananenschale, hinter der Mauer taucht drohend ein riesiger Roboter auf, der zwischen Daumen und Zeigefinger einen von der Mauerkrone herabstürzenden Menschen festhält. Das Interesse an allen entstandenen Bildern des Abends ist groß, sie werden gerne von den Zuschauern mitgenommen. Eines schmückt künftig die Büroräume des AStA. „Die Stimmung war wie auf einer Vernissage und das Feedback der Teilnehmer durchweg positiv. Auch die Couven-Halle ist mit ihrem Ambiente einfach passend.“, meint Luisa Miny abschließend und versichert, dass weitere Auflagen des Speed-Drawing folgen werden. Helga Hermanns

Dem Publikum gefiel besonders das Bild von Laura Platte beim ersten Speeddrawing. Foto: Peter Winandy

Impfstoff gegen Malaria? Jährlich erkranken Millionen Menschen an Malaria, sie gilt als die häufigste Tropenkrankheit. Besonders betroffen sind dabei Kinder unter fünf Jahren in der Region südlich der Sahara. Nach Aussage des Robert-Koch-Instituts ist Malaria in Deutschland die bedeutendste Importkrankheit. Eine wirksame Malaria-Impfung steht zurzeit noch nicht zur Verfügung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der RWTH arbeiten zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie bereits seit Jahren an neuen Ansätzen zur Bekämpfung der Krankheit. In einem internationalen Projekt hat die Heisenberg-Professorin Gabriele Pradel vom Lehr- und Forschungsgebiet Zelluläre und Angewandte Infektionsbiologie an einer wegweisenden Malariastudie mitgewirkt, die im Fachmagazin Cell Host & Microbe erschienen ist. Das Leben in der Wirtszelle Die Infektion eines Menschen erfolgt durch den Stich der infizierten Anopheles-Mücke. Ausgelöst wird Malaria durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium. Sie haben einen äußerst komplexen Lebenszyklus, der sich in der Mücke und im Menschen abspielt. Im Menschen hält sich der Parasit zumeist geschützt innerhalb verschiedener Wirtszellen auf. Nachdem die Mücke während einer Blutmahlzeit den Erreger in die Haut des Menschen injiziert, wandert er innerhalb von Minuten mit dem Blut in die Leber. Dort dringt er aktiv in die Leberzellen ein und vermehrt sich ungeschlechtlich. Nach dieser initialen Vermehrungsphase befällt der Malariaparasit ausschließlich rote Blutkörperchen. In diesen erfolgen nun abermals ungeschlechtliche Vermehrungsphasen, die mit den typischen Fieberschüben vieler Malariakranker einhergehen. Das Leben der Plasmodien spielt sich innerhalb 8|

der Wirtszellen eingebettet in einer Vakuole, umschlossen von einer Membran, ab. Der intrazelluläre Lebensstil bietet den Parasiten ein ideales Nahrungsangebot bei gleichzeitigem Schutz vor dem menschlichen Immunsystem. Daher versuchen die Erreger, die Zeitspanne außerhalb der Wirtszellen möglichst kurz zu halten. Ein Teil von ihnen kann sich in den roten Blutkörperchen später zu sexuellen Vorläuferzellen, den Gametozyten, umwandeln. Sie werden während der nächsten Blutmahlzeit wieder von einer Mücke aufgenommen. Im Mitteldarm der Mücke bilden sich die Gametozyten innerhalb weniger Minuten zu Geschlechtszellen um. Funktionale Studien via Gen-Knockout Die männlichen und weiblichen Geschlechtszellen müssen jedoch zuerst die roten Blutkörperchen verlassen, bevor sie zu einer Zygote verschmelzen können. Dazu durchbrechen sie mehrere Hüllmembranen. Es folgt eine weitere ungeschlechtliche Vermehrungsphase im Innern der Mücke. Nach zwei bis drei Wochen gelangt der Malariaerreger erneut in die Speicheldrüsen der Anopheles-Mücke und kann so wieder Menschen infizieren. Im Rahmen der internationalen Studie wurden Proteine aus der so genannten TRAP-Familie untersucht. Sie besitzen essenzielle Funktionen für die Bewegung der Parasiten und das Eindringen in die roten Blutkörperchen. Bei der Untersuchung eines speziellen Proteins der TRAP-Familie, MTRAP genannt, zeigte sich, dass dieses Protein beim Eindringen in die Blutzellen keine Rolle spielt. Stattdessen wurde nachgewiesen, dass Parasiten, bei denen man das Gen für die Kodierung des Proteins MTRAP ausgeschaltet hatte, nicht in der Lage waren, sich nach der Blutmahlzeit in den Mücken weiterzuentwickeln.

Laborarbeiten im Rahmen von Malariastudien im Lehrstuhl für Molekulare Biotechnologie. Foto: Peter Winandy

Schlüsselprotein für die Übertragung Weitere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass es tatsächlich die Geschlechtszellen waren, die sich im Darm der Mücke nicht aus den sie umgebenden roten Blutkörperchen befreien können, wenn das MTRAP-Gen ausgeschaltet wurde. Hierzu müssen die Parasiten nicht nur die Membran der roten Blutkörperchen zerstören, sondern vorher auch die Membran der sie umhüllenden Vakuole. Und diese konnte nicht aufgebrochen werden, wenn die Geschlechtszellen nicht in der Lage waren, MTRAP zu synthetisieren und es auf ihrer Oberfläche zu exponieren. Die Forschenden wiesen eindeutig nach, dass MTRAP für die Freisetzung der Geschlechtszellen aus den Blutzellen wichtig ist. Es stellt somit ein Schlüsselprotein für die Übertragung der Malaria dar.

Die Ergebnisse dieser Studie könnten bei der Entwicklung von Impfstoffen eine wichtige Rolle spielen. Diese bestehen in der Regel aus biotechnologisch hergestellten Proteinen, die denen auf der Oberfläche von Geschlechtszellen des Malariaerregers entsprechen. Der Impfstoff wird dem Menschen injiziert, der dann Antikörper dagegen ausbildet. Als Folge einer Immunisierung mit den Impfstoffen nimmt die Stechmücke mit der Blutmahlzeit nicht nur den Erreger, sondern auch die Antikörper auf. Im Darm der Mücke zerstören diese gezielt die Sexualstadien des Erregers und verhindern die Verbreitung der unbehandelt oft tödlichen Tropenkrankheit. Redaktion


Passt dieses Studium zu mir? Eine Tasse Kaffee und ein paar Kekse neben den Computer gestellt – und schon geht es los. Nein, nicht das gemütliche Surfen im Internet, sondern das SelfAssessment. Nico, 18 Jahre alt und im nächsten Jahr vielleicht Student der RWTH, will wissen, ob das Studium der Materialwissenschaften das Richtige für ihn ist. Sein Freund Florian hat ihm geraten, das SelfAssessment der RWTH – kurz SAM genannt – online als Orientierungshilfe zu nutzen. Florian hat sich bereits für Maschinenbau eingeschrieben und den Test erfolgreich durchlaufen. Zwischen 60 und 90 Minuten dauert die Bearbeitung der Fragen und Aufgaben. Im Orientierungs-SelfAssessment können Schülerinnen und Schüler zunächst grundsätzlich ihre Kompetenzen erkunden. Wenn sich bereits für ein Fach entschieden wurde, vermittelt das zeitlich umfassendere Studienfeld-Assessment spezifische Informationen. Alle Angaben werden anonym gespeichert, das Ergebnis hat keine Auswirkung auf die Vergabe der Studienplätze. Die Teilnehmenden erhalten eine Auswertung und erfahren, welche Bedeutung ein Aufgabenbereich für das jeweilige Studium hat. Nico weiß am Ende des Online-Verfahrens, dass der angestrebte Studiengang seinen Interessen entspricht. Aber seine Mathekenntnisse weisen Lücken auf, er muss dringend Stoff nachholen. Damit hat das Angebot das gesetzte Ziel erreicht: Orientierung bei der Studienwahl zu geben und dabei zu unterstützen, das Studium möglichst ohne frustrierende Erlebnisse zu meistern und es erfolgreich zu beenden. Relaunch von SAM Hinter SAM stehen rund zehn Personen: Psychologen, Bildungswissenschaftler und IT-Fachleute.

Vier davon sind überwiegend mit der Entwicklung der RWTH-eigenen SelfAssessments und der Programmierung der Software beschäftigt. Sie werden von der Hochschule und durch das Bund-Länder-Programm (BLP) für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre finanziert. Geleitet wird das Team am Institut für Erziehungswissenschaft der Philosophischen Fakultät von Professor Marold Wosnitza. Seit zwölf Jahren gibt es das Projekt SAM, es wurde 2016 sogar als eines der besten seiner Art in Deutschland gekürt. Der zu erwartende Studienerfolg könne auf diesem Wege valide vorhergesagt werden, heißt es in einer Studie. Für Studieninteressierte ist die Teilnahme seit dem Wintersemester 2011/2012 verpflichtend. Wer sich für ein Bachelor- oder ein Lehramtsstudium an der RWTH einschreiben möchte, muss nachweisen, dass ein Studienfeld-SelfAssessment absolviert wurde. Insgesamt gibt es mittlerweile etwa 160.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mit ihren Feedbacks tragen sie dazu bei, dass sich die Programme inhaltlich und gestalterisch optimieren. Zum Jahresbeginn 2017 wird SAM ein frischeres, moderneres Outfit haben. Möglich wird das durch die neue Software TestMaker 4, die beispielsweise zeitgemäße Formate wie Videoeinspieler ermöglicht. SelfAssessment gibt Rückschlüsse für Lehre Außerhalb der RWTH ist das Know-how aus Aachen ebenfalls gefragt: Das Team hat etwa für die Universitäten Rostock und Dortmund oder den Verbund der Technischen Universitäten TU9 entsprechende Programme erarbeitet und kürzlich ein Tool für die German University of Technology im Oman (GUtech) abgeschlossen. Künftig

Das SelfAssessment-Team der RWTH um Professor Marold Wosnitza (2.v.l.). Foto: Peter Winandy

sollen weitere Zielgruppen wie „Studienzweifler“ oder ausländische Studieninteressierte erreicht werden. Im Dezember bewilligte das Bundesforschungsministerium ein neues Projekt: „SUCCESS“ hilft studienwilligen Flüchtlingen, sich im deutschen Bildungssystem zurechtzufinden. Darüber hinaus gehört zu den Aufgaben des SAMTeams, Auswertungen für das Rektorat zu erstellen, die wertvolle Rückschlüsse auf die Lehre erlauben. „Wir sehen uns auch als interne Dienstleister der RWTH mit einer entsprechenden

Expertise“, erklärt Katharina Zay, die als operative Projektleitung alle Aufgaben im Team im Blick hat. Dazu gehört die kontinuierliche Qualitätsprüfung der RWTH-SAM. Hauptmotivation ist laut Wosnitza, Studieninteressierten Orientierung zu geben – und das mit einer Methode, mit der man sowohl die eigene Motivation als auch offensichtliche oder verborgene Talente entdecken und reflektieren kann. Helga Hermanns

„Erklär’s mir, RWTH!“ Was ist eigentlich dieses Darknet, in dem der Amokläufer, der in einem Münchener Einkaufszentrum um sich schoss, seine Waffe gekauft hatte? Und wo lag die Faszination von Pokemon-Go, diesem Phänomen, das wochenlang Menschen auf ihrem Smartphone kleine Monsterwesen fangen ließ? Und dann der Brexit und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten – wie konnte es nur soweit kommen? Antworten auf gesellschaftliche, wissenschaftliche und weitere Fragen kann eine Hochschule geben. Das war die grundlegende Idee für die neue Videoreihe „Erklär’s mir, RWTH!“, umgesetzt vom Team des Dezernats 3.0 Presse und Kommunikation. Zunächst in kurzen Interviews mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen wie Informatiker Professor Leif Kobbelt oder Politikwissenschaftler Professor Emanuel Richter, mit denen die Erklär-Kompetenz der RWTH stärker in die Öffentlichkeit rückte. Durchaus erfolgreich, die Abrufzahlen und Kommentare bei Youtube und auf Facebook waren auf Anhieb mehr als zufriedenstellend, das Videoformat kommt auch schon im Schulunterricht zum Einsatz. Nach und nach wurde dabei das Portfolio erweitert – um Forschungsthemen verbunden mit aktuellen Veranstaltungen an der RWTH Aachen. Darüber hinaus wurde das klassische Interviewformat ergänzt um Solostücke und kleine Reihen mit festen „Erklärern“, bei denen das Dezernat mit der zentralen Einrichtung „Medien für die Lehre“ zusammenarbeitet.

Professor Stefan Pischinger beantwortet vor der Kamera Fragen zur Entwicklung alternativer Kraftstoffe im Rahmen des Exzellenzclusters TMFB. Foto: Peter Winandy | 9


Neue Professoren

Fotos: Peter Winandy

Jan Alber ist seit Oktober 2016 Universitätsprofessor für das Fach Englischsprachige Literatur- und Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Kognition der Philosophischen Fakultät der RWTH Aachen University. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Frage, wie Rezipienten Erzählungen vermittels kognitiver Raster interpretatorisch fassen. Außerdem interessiert er sich für alle unkonventionellen bzw. außergewöhnlichen Formen von Literatur und Kultur. geboren

am 10. Juni 1973 in Bietigheim-Bissingen

Ausbildung 1994 bis 2001 2005 2013

Studium der Fächer Englisch, Politikwissenschaft und Philosophie in Freiburg und Reading (UK) Promotion zum Dr. phil. an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg Habilitation zu ‚unnatürlichen‘ Erzählungen in Freiburg (prämiert mit dem Habilitationspreis des Deutschen Anglistenverbandes)

Berufliches 2006 bis 2014 2007 bis 2008 2011 bis 2012 2013 2014 bis 2016 2017

Akademischer Rat im Beamtenverhältnis auf Zeit, Englisches Seminar, Freiburg DFG-Forschungsstipendium, Project Narrative, The Ohio State University (USA) Humboldt-Stipendiat, University of Maryland und University of North Carolina Vertretung der W2-Professur für Anglistische Literaturwissenschaft, TU Darmstadt AIAS-COFUND (Marie Curie) Forschungsstipendium, Aarhus Institute of Advanced Studies (Dänemark) President der International Society for the Study of Narrative (ISSN)

Persönliches Freizeit

Familie, Campen, Sport – vor allem Mountainbike, Kajak und Wandern, Klavier und Schlagzeug spielen.

I hate reality but it‘s still the best place to get a good steak.“ (Woody Allen)

Jan Alber

Dr. Egbert Figgemeier ist seit Mai 2016 Universitätsprofessor für das Fach Alterungsprozesse und Lebensdauerprognose von Batterien der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der RWTH Aachen University. Im Rahmen der Jülich Aachen Research Alliance (JARA) ist er Abteilungsleiter des Helmholtz-Instituts Münster (IEK-12) am Forschungszentrum Jülich mit Standort in Aachen.

Egbert Figgemeier

geboren

am 4. Februar 1971 in Salzkotten

Ausbildung 1996 1998

Studium an der Universität Paderborn – Diplom Chemiker Promotion (PhD) in Physikalischer Chemie an der Universität Paderborn.

Berufliches 1998 bis 1999 1999 bis 2000 2001 bis 2003 2003 bis 2007 2007 bis 2012 2012 bis 2016

Post-Doktorand an der Dublin City University, Irland Post-Doktorand an der Universität Basel, Schweiz Projektleiter und Marie-Curie-Fellow der EU an der Uppsala University, Schweden Forschungsgruppenleiter an der Universität Basel Laborleiter bei Bayer Technology Services GmbH, Leverkusen Anwendungsentwickler Europaverantwortlicher für Batteriematerialien bei 3M Deutschland GmbH

Persönliches Familie Freizeit

verheiratet mit Dr. Viviane Maccio Figgemeier, Vater von Noël (11) und Sonia (8) Sport in allen Varianten – am liebsten aber mit Schläger und Ball, Bücher von Geschichte bis Fantasy

„Steter Tropfen höhlt den Stein“ (und nicht mit dem Kopf durch die Wand)

Dr. phil. Axel Mayer (im Bild zweiter von links) ist seit Juli 2016 Juniorprofessor für das Fach Psychologische Methodenlehre der Philosophischen Fakultät der RWTH Aachen University. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Entwicklung von statistischen Methoden zur Evaluation von Interventionen. geboren

am 20. Oktober 1983 in Bruchsal, Deutschland

Ausbildung 2004 bis 2010 2013

Studium der Psychologie an der Friedrich Schiller Universität Jena und der Penn State University Promotion an der Friedrich Schiller Universität Jena

Berufliches 2010 bis 2014 2014 bis 2016

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Prae- und Post-Doc) am Lehrstuhl für Methodenlehre und Evaluationsforschung in Jena Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Post-Doc) im Department of Data Analysis, Ghent University

Persönliches Freizeit

Sport (Fußball, Tischtennis, Badminton, Billard,...), Lesen, Reisen

„Think before you speak. Read before you think.“ (Fran Lebowitz)

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Axel Mayer


Dr. rer. nat. Christian Roos ist seit August 2016 Universitätsprofessor für das Fach Werkstoffund Prozesstechnik – Glas und Verbundwerkstoffe der Fakultät für Georessourcen und Materialtechnik der RWTH Aachen University. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Thermochemie von Glasschmelz- und Formgebungsprozessen, der Werkstoffmechanik von Gläsern und in der Entwicklung neuer glaskeramischer Werkstoffe. geboren

am 25. Juli 1972 in Ehringshausen

Ausbildung

1993 bis 1997 Studium der Mineralogie und Kristallographie an der Universität Gießen und Universität Marburg 2000 bis 2002 Promotion an der Universität Würzburg. Berufliches

1998 bis 2000 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Schott Glas F&E, Mainz 2000 bis 2002 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotion, Fraunhofer-ISC, Würzburg 2002 bis 2008 Wissenschaftlicher Referent und Projektleiter, Schott AG F&E, Mainz 2014 bis 2015 Gastdozent an der Universität, Jena Persönliches

Freizeit

Sportklettern und Mountainbike, Musik in nahezu allen Facetten

„Kinder suchen immer nach dem Geheimnis jenseits des Spiegels. Nur wir Erwachsenen begnügen uns mit unserer flachen Vordergründigkeit.“ (Stanislaw Jerzy Lec)

Christian Roos

Dr. rer. pol. Michael David Schneider ist seit Juni 2016 Universitätsprofessor und Inhaber des Deutsche Post Lehrstuhls für Optimierung von Distributionsnetzwerken der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der RWTH Aachen University.

Michael Schneider

geboren

am 15. April 1978 in Schwäbisch Gmünd

Ausbildung 1998 bis 2007 2012 2016

Studium der Betriebswirtschaftslehre und Informatik, Universitäten Passau, Stuttgart und Mannheim, jeweils Diplomabschluss Promotion zum Dr. rer. pol., TU Kaiserslautern Habilitation im Fach Betriebswirtschaftslehre, TU Darmstadt

Berufliches 2009 bis 2013 2013 bis 2016

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Operations Research, TU Kaiserlautern Inhaber der DB Schenker Stiftungsjuniorprofessur BWL: Logistikplanung und Informationssysteme, TU Darmstadt

Persönliches Familie Freizeit

verheiratet, ein Sohn Mountainbike, Snowboard und Ski, Wellenreiten

„If you don’t go, you don’t know” (The Stormrider Guide)

„RWTHonline“ ist IT-System für alle Das integrierte Campus-Managementsystem „RWTHonline“ soll in Zukunft alle wichtigen Bereiche rund um die Organisation von Studium und Lehre an der RWTH unterstützen. Das auf einer Software der Technischen Universität Graz basierende System wurde in ersten Bereichen den Bedürfnissen der Aachen Hochschule angepasst. Zu Beginn des Wintersemesters präsentierten die Projektleiterinnen und -leiter im SuperC den Stand der Entwicklungen. „Vor rund einem Jahr haben wir Angehörigen der Hochschule die Standardsoftware vorgestellt. Heute haben wir ein System, das bereits auf die Organisationstrukturen der RWTH zugeschnitten ist“, berichtete der technische Projektleiter Christoph Becker vom IT Center. In „RWTHonline“ werden die beiden großen IT-Systeme HIS ZUL/SOS/POS für die Hochschulverwaltung und CAS CAMPUS für die Fakultäten zusammengeführt. Dabei müssen Schnittstellen beibehalten werden, etwa zur RWTHApp und zum Lehr- und Lernportal L²P. „Ein integriertes Campus-Mana-

gementsystem, das Studierende, Lehrende und Verwaltungsangehörige nutzen können, bringt unser Qualitätsmanagement entscheidend voran“, betonte Professor Aloys Krieg, RWTH-Prorektor für Lehre. Verbesserung des Student-Life-Cycle Ab dem Wintersemester 2017/18 startet das System mit zwei Pilotstudiengängen: Bachelor Chemie und Master Politikwissenschaft. „Wir haben uns für diese beiden Studiengänge entschieden, weil sie zu zwei unterschiedlichen Fakultäten gehören, jedoch mit anderen Studiengängen eng verzahnt sind. Sie eignen sich außerdem für einen Testdurchlauf, weil die Studierendenzahlen überschaubar sind“, erläuterte Dr. Marguerite Franssen, Leiterin des Projekt „Reorganisation der Prozesse rund um das Prüfungsleistungs- und Lehrveranstaltungsmanagement einschließlich der Einführung einer integrierten Softwarelösung“, kurz PuL. Dieses Projekt zielt auf eine Verbesserung der hochschulweiten Abläufe rund um den

studentischen Lebenszyklus, den Student-LifeCycle. Es umfasst neben dem Prüfungsleistungsund Lehrveranstaltungsmanagement die Themen Bewerbung, Zulassung und das Studierendenund Gebührenmanagement. Im Anschluss an die Präsentationen der Teilprojektleiterinnen und -leiter, in denen es unter anderem um die Basis-IT und das Bewerbungs-, Lehrveranstaltungs- und Prüfungsmanagement ging, präsentierten Vertreter der TU Graz beispielhaft, wie das prinzipiell zweisprachige System in einem finalen Zustand als Desktop- und mobile Version aussehen könnte.

tungsabteilungen und das IT Center zusammengebracht. Es ist organisatorisch im Dezernat 1.0 – Akademische und studentische Angelegenheiten eingebunden. Insgesamt gibt es über 100 Projektmitwirkende. Wenn die Einführung der neuen Software planmäßig Ende 2018 abgeschlossen ist, arbeiten alle in Studium und Lehre involvierten RWTH-Beschäftigten und alle Studierenden mit dem neuen System. www.rwth-aachen.de/PuL Sebastian Dreher

Abschluss Ende 2018 Bis zum Sommer 2018 sollen weitere Funktionalitäten und Schnittstellen entwickelt, RWTH-spezifische Informationen aufgenommen und Tests durchgeführt sein. Auch werden Schulungen im Umgang mit dem neuen Campus-Managementsystem durchgeführt. Im PuL-Projekt werden alle Fakultäten, Studierende, die beteiligten Verwal| 11


Johannes Braumann, Professorin Sigrid Brell-Cokcan und Elisa Lublasser (von links) bei Versuchen zur haptischen Programmierung im Rahmen von DIANA. Das Forschungsprojekt war Finalist des KUKA Innovation Awards 2016. Foto: Peter Winandy

Robotik in der Architektur

Mehr Effizienz auf der Baustelle ist ihr Ziel: Am jungen RWTH-Lehrstuhl für Individualisierte Bauproduktion – kurz IP genannt – erforschen Maschinenbauingenieure, Informatiker und Architekten gemeinsam innovative Technologien. „Die Produktion auf der Baustelle hinkt der industriellen, vollautomatisierten Massenproduktion einzelner Bauteile massiv hinterher“, so Professorin Sigrid Brell-Cokcan, Lehrstuhlinhaberin seit März 2015. Sie und ihr Team wollen die Robotik in der Architektur künftig stärker nutzbar machen. Zwar arbeiten Roboter derzeit überwiegend in der Massenproduktion wie beispielsweise in der Automobilfertigung. Neu ist der Ansatz, dass auch Architekten Roboter einsetzen können, aber nicht. Bekannt sind die utopischen Zeichnungen des französischen Künstlers Bartolo Villemard, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigten, wie mechanische Greifarme – gesteuert von einem Architekten – Häuser bauen. In den 1980er Jahren setzten Japaner hochspezialisierte, aber sehr teure Robotersysteme für den Bau von Hochhäusern ein. „Wir befassen uns in unseren Projekten mit der Teilautomatisierung von Bauprozessen und mit dem Einsatz von Robotern“, berichtet die Architektin.

Die ersten Ergebnisse am IP gehen Hand in Hand mit einer neuen forschungsgeleiteten Lehre innerhalb der Fakultät für Architektur. „Die Studierenden lernen hier technologische Potenziale kennen“, betont Daniel Haarhoff, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl. Dank der Ausbildung im visuellen Programmieren und in intuitiven digitalen Software-Umgebungen können sie Robotik und Produktionsprozesse direkt in ihre Entwürfe einfließen lassen. In manuellen Versuchen erkunden sie Prozesse zur Materialbearbeitung. Mit selbst entworfenen Endeffektoren werden Fertigungsprozesse anschließend im Robotiklabor des IP von den Studierenden selbst programmiert. „Dabei werden sie zudem mit Fragen der Materialverarbeitung und Konsequenzen für die Gestaltung und Bauausführung konfrontiert“, so Haarhoff. Intelligente Maschinen führen Planung aus Die Lehrveranstaltung „Kinematics for Architects“ gibt einen Überblick zu Motoren, Getrieben und anderen kinematischen Systemen, die für neue baustellentaugliche Automatisierungsansätze und Maschinen notwendig sind. Die Studierenden entwerfen Skizzen und setzen sie anschließend in physische Modelle um. Ein wichtiges Thema ist

zum Beispiel die Überwindung von großen Höhen. Bereits im ersten Seminar entstanden Ansätze zu Seilrobotern, die große vertikale Strecken bewältigen und in einem ersten Modellversuch eine Wand bemalen konnten. Diese Methode ist zukünftig auch in anderen Maßstäben und weiteren Baustellentätigkeiten anwendbar. „Die dynamische Umgebung der Baustelle verlangt auch nach schnell adaptierbarer Programmierung“, erläutert Haarhoff. Während digitale Modelle die Programmierung der robotischen Systeme beschleunigen könnten, müssten in Zukunft auch Roboter als Informationsträger dienen. Nur so werde der derzeitige Informationsverlust von der digitalen Planung bis zur Ausführung auf der Baustelle überwindbar. „Erst wenn Menschen ihre Expertise in Planung und Bau nahtlos von intelligenten Maschinen ausführen lassen können, werden wir die notwendige Auswirkung auf die gebaute Umwelt erreichen“, unterstreicht Brell-Cokcan. Um handwerkliches Vermögen mit automatisierten Konstruktionen zu verbinden und um schnell auf wandelnde Bau- und Umweltbedingungen zu reagieren, entwickelt der Lehrstuhl intuitive Programmieransätze. Brell-Cokcan: „Entschei-

Schlaglichter Kooperation mit E.ON E.ON und die RWTH Aachen haben ihren Kooperationsvertrag um weitere fünf Jahre verlängert. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten E.ON Vorstandsmitglied Karsten Wildberger und der Rektor Ernst Schmachtenberg. Wesentliches Ziel der Zusammenarbeit ist, die Potenziale der Einsparung von Energie und nachhaltiger Energieversorgung zu erforschen und daraus neue Angebote und Lösungen für Kunden zu entwickeln. Die Forschung ist am E.ON Energy Research Center (ERC) gebündelt und konzentriert sich auf die Gebiete Erneuerbare Energien, zukunftsfähige Stromnetze und effiziente Gebäudetechnik.

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Unter den 100 Besten Die RWTH schafft es in diesem Jahr erstmalig, sich unter den 100 besten Hochschulen der Welt zu positionieren. Das Times Higher Education World University Ranking, THE Ranking, belegt dies in seiner Ausgabe vom September. Das Ranking gehört zu den bedeutendsten weltweit und wird jährlich von dem in London ansässigen Unternehmen Times Higher Education herausgegeben. Neben der Reputation, die die Universitäten weltweit bei Akademikern haben, fließen auch Daten zu Publikationen, Hochschulfinanzen, Mitarbeitern und Absolventen in die Berechnungen der Ranglisten ein. Mit Platz 78 erzielt die RWTH ihr bisher bestes Ergebnis.

RWTH-Forscher häufig zitiert Mit den RWTH-Professoren Carsten Bolm, Dieter Enders, Magnus Rueping und Björn Usadel sind beim internationalen Zitations-Ranking „Highly Cited Researchers 2016“ erneut Aachener Wissenschaftler gelistet. Bolm und Rueping leiten Lehrstühle für Organische Chemie, Enders ist Seniorprofessor am selben Institut und Usadel leitet den Lehrstuhl für Botanik an der RWTH. Das internationale Ranking benennt Forscher, deren Publikationen in den Naturwissenschaften, den Sozialwissenschaften oder der Medizin weltweit am häufigsten zitiert wurden. Es basiert auf der renommierten Zitationsdatenbank „Web of Science“ des Medienkonzerns Thomson Reuters. Die Zitierhäufigkeit ist ein wichtiger Indikator für den wissenschaftlichen Einfluss einer Veröffentlichung.

dend ist, dass die Programme nicht nur über Software, sondern auch über physische Elemente kontrolliert werden können. Denn die haptische Komponente ermöglicht ein direktes Verständnis vom Prozess.“ Roboter mit eingebauten Kraft-Momenten-Sensoren ermöglichen hier ganz neue Ansätze der Mensch-Maschine-Interaktion. Die eingebauten Sensoren erlauben weit mehr als nur eine sichere physische Interaktion mit Nutzern. Dies wird im Projekt DIANA – Kurzform für Dynamic Interactive Robotic Assistant for Novel Applications – in Kooperation mit dem Kybernetik-Cluster IMA/ZLW & IfU der RWTH erkundet. Moderne Konzepte für alte Bausubstanzen Ein weiterer Fokus in Zusammenarbeit mit der Juniorprofessur für rezykliergerechtes Bauen sind die Potenziale bestehender Gebäude. So erarbeiteten Studierende Entwurfsprojekte für alte Bausubstanzen im Rahmen der Initiative „Superlocal“ der niederländischen Baugesellschaft HEEMwonen in Kerkrade. Entstanden sind moderne Wohnkonzepte, die mit rezyklierten Bauteilen gebaut werden können. Verfahren für Vollwärmedämmverbundfassaden werden im Roboterlabor des Lehrstuhls getestet. Ein vorhandener Wandaufbau soll sicher, materialgerecht und qualitätskontrolliert auseinandergenommen werden. Wärmedämmender Schaumbeton, am RWTH-Institut für Bauforschung entwickelt, wird mittels Spritztechnik oder 3DDruckverfahren auf vorhandene Bausubstanzen als Ersatz von Wärmedämmverbundsystemen automatisiert aufgebracht. Das Automatisierungspotenzial unterschiedlicher Verarbeitungstechniken ist zu überprüfen. Im Labor werden sie sowohl manuell als auch mit prototypischen Endeffektoren auf mobiler Robotik erprobt. Um die Baurobotik international vorwärts zu bringen, engagiert sich Brell-Cokcan im Netzwerk „euRobotics“ und ist Präsidentin der Vereinigung „Robots in Architecture“. „Auch an der RWTH führt die Baustelle der Zukunft als Forschungsfeld interdisziplinär zusammen, um das Thema Bauen ins 21. Jahrhundert zu überführen“, äußert sich die Professorin überzeugt. Redaktion

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RWTHinsight 3+4/2016