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TITELSTORY | Wilson Kipsang

RUNNING: Wie können wir uns so ein gemeinsames Training vorstellen? Kipsang: Wir starten in einer großen Gruppe los und pushen uns gegenseitig. Das erachte ich als extrem wichtig. In den Trainingsläufen gegen die Schnellsten übt man das Agieren und Reagieren für die großen Rennen.

Wilson Kipsang Mit seinem Weltrekordritt durch Berlin schrieb der Kenianer Wilson Kipsang Marathongeschichte. In einem persönlichen Gespräch mit RUNNING – Das Laufmagazin erklärte er, warum ihn auch ein fünfter Platz zufrieden macht und wieso er gerade den 40. BMW Berlin-Marathon für seinen Weltrekordversuch auswählte.

Edith Zuschmann/RUNNING: Du hast bereits zwei Mal den BMW Frankfurt Marathon gewonnen. Deutscher Boden scheint Dir zu liegen. Warum hast Du Dich 2013 für den BMW Berlin-Marathon entschieden? Wilson Kipsang: Wenn man in die Marathongeschichte zurückblickt, so wurden viele Weltrekorde hier aufgestellt. Das motivierte mich, hierherzukommen und es meinen Vorgängern nachzumachen. Noch dazu liefen all meine Freunde auf dieser Strecke sehr gut. Das gab mir Sicherheit. Daher freue ich mich noch mehr, dass ich das Kunststück geschafft habe.

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RUNNING: Der Weltrekord von Paul Tergat 2003 inspirierte Dich damals zum Laufen. Genau zehn Jahre später trittst Du in seine Fußstapfen. Es gibt noch eine zweite Verbindung nach Berlin, oder? Kipsang: Paul hat mich damals zum Marathonlaufen gebracht. Den tatsächlichen Start ins Läuferleben verdanke ich aber dem 10K Peace Run von Tegla Lourope. Auch sie lief hier in Berlin einen Weltrekord. Das alles ist jetzt Teil einer besonderen und einzigartigen Geschichte. RUNNING: Wie ist Deine Beziehung zu Paul Tergat? Kipsang: Wir kennen uns sehr gut. Er lebt nur 20 Kilometer von mir entfernt. Er ist ein großartiger Mensch. RUNNING: Unterstützt er Dich mit seinem Laufwissen? Kipsang: Immer wieder. Wir reden oft miteinander. Er versorgt mich mit wertvollen Ratschlägen rund ums Training und wie ich die Spitze erreichen kann – und das in sehr aufrichtiger Art und Weise. Er lehrte mich diszipliniert zu

THOMAS WENNING

IM GESPRÄCH MIT DEM NEUEN MARATHON-WELTREKORDLER

sein, Rennen gut zu planen und mich mental auf sie einzustellen. RUNNING: Gab er Dir spezielle Tipps für Berlin? Kipsang: Er betonte, ich sollte mir gut überlegen, was ich im Rennen machen will, wie ich es gestalte und dass ich darauf achten soll, das Vorhaben auch im richtigen Moment durchzuziehen. RUNNING: Du bist in der Szene als trainerloser Athlet bekannt. Wer waren Deine Lehrmeister rund um erfolgreiches Training? Kipsang: Anfangs lernte ich viel von den erfahrenen Läufern. Ich sprach viel mit den Jungs und deren Trainern, um meinen Weg zu finden. All die Erfahrungen und Informationen versuchte ich für mich passend zu kombinieren. Eigentlich war und ist es gar nicht so kompliziert. RUNNING: Mit wem hast Du Dich in Deinen frühen Läuferjahren besonders ausgetauscht? Kipsang: Mit Philip Manyi, er unter-

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RUNNING: Dir eilt ein Ruf als Siegläufer voraus. Wenn es doch nicht für das Podium reicht, wie etwa beim London Marathon 2013, wie gehst Du mit diesen Niederlagen um? Kipsang: Man kann immer einen schlechten Tag erwischen oder es kommt im Rennen zu Problemen. So sind die Gesetze in unserem Sport. Für mich ist nicht die Endplatzierung wichtig. Die Fähigkeit das Rennen zu finishen ist der entscheidende Punkt. Daher war es für mich nicht so schlimm Fünfter zu werden. Im Gegenteil – ich war zufrieden. Denn: heute verlierst du, morgen gewinnst du! RUNNING: Du bist nicht nur ein erfolgreicher Sportler, sondern auch ein aufstrebender Geschäftsmann. Wie schaffst Du es Training, Familie und Business unter einen Hut zu bringen? Kipsang: Das ist nicht einfach, aber ich gebe mein Bestes. Bis jetzt funktioniert es ganz gut. RUNNING: Was erachtest Du als härtesten Job? Kipsang: Das Lauftraining. Dafür muss ich mich täglich gut vorbereiten, etwa wo wir laufen und wie ich die anschließende Regeneration am besten handhabe. Da steckt sehr viel Disziplin und Management dahinter. RUNNING: Wie gefällt Dir die Arbeit als Hotelbetreiber? Kipsang: Es macht mir großen Spaß

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RUNNING: Wenn Du unterwegs bist, wer führt dann die Geschäfte? Kipsang: Meine Frau und sie macht das wirklich ausgezeichnet. Die Gäste fühlen sich wohl und das zählt. RUNNING: Willst Du Deinen Hotelbetrieb ausbauen? Kipsang: Ja, klar. Das ist erst der Start. Wir wollen größer werden. Ich möchte auch weitere Projekte vorantreiben, von denen die Menschen in der Region profitieren können. RUNNING: An was denkst Du konkret? Kipsang: Neben Hotels will ich auch Schulen aufbauen. Doch dafür brauche ich mehr Zeit. RUNNING: Hast Du Dir schon Gedanken über Dein Leben nach dem Laufsport gemacht? Kipsang: Meine Zukunft hat bereits begonnen. Ich habe ein Hotel aufgebaut und den Schritt in die Wirtschaft gewagt. Doch ich möchte auch dem Laufsport erhalten bleiben. Etwa als Mentor für junge, talentierte Athleten. Das Geld muss ich über meine Geschäfte lukrieren, das ist wichtig. Denn ich trage große Verantwortung für meine Familie und meine Angestellten. RUNNING: Apropos Familie: Du bist Vater von drei Buben. Motivierst Du sie, Läufer zu werden? Kipsang: Ja, natürlich. Aber ich möchte sie auf keinen Fall dazu zwingen. Wenn einer von ihnen in einer anderen Sportart talentierter ist, werde ich das unterstützen. Ich wünsche mir, dass sie ihren gewählten Sport lieben, so wie ich es tue. RUNNING: Welche Antwort gibst Du Deinen Jungs, wenn sie Dich nach Deiner Liebe zum Laufen fragen? Kipsang: Ich habe das Talent und das genieße ich. Außerdem mag ich es, mich mit anderen zu messen. Ich liebe die Herausforderung. Je mehr ich laufe, desto mehr bringt es mir für mein ganzes Leben. Ich verdiene Geld, um meine Familie zu erhalten, und es eröffnet

RUNNING ZUSCHI

RUNNING: Heute zählst Du zu den Topläufern und suchst Dir Deine Kontrahenten für ein Training aus, etwa Geoffrey Mutai und Patrick Makau. Kipsang: Ja, wir trainieren gerne zusammen und es herrscht immer gute Stimmung. Wir sind fast wie Brüder.

und fällt mir nicht schwer. Ich weiß, was ich will, gebe meinem Personal Anweisungen und sie setzen es großartig um.

◗ Wilson Kipsang im Gespräch mit RUNNING – Das Laufmagazin

mir die Möglichkeit, Freunden und Bekannten ein wenig unter die Arme zu greifen. Das ist Leben. Und das ist meine Leidenschaft. RUNNING: Kommt Deine Familie mit zu internationalen Rennen? Kipsang: Manchmal nehme ich sie mit. Im Sommer waren wir gemeinsam in den Niederlanden, wo jeder von uns beim Rennen mitmachte. Das ist mir sehr wichtig. So bekommen sie ein Gefühl dafür, was ihr Vater macht. RUNNING: Wie ist es ihnen ergangen? Kipsang: Alle drei gewannen ihre Altersklasse. Und meine Frau siegte über die Fünf-Kilometer-Distanz. Wir waren alle aufeinander unheimlich stolz und genossen den Erfolg. Daran werden wir uns ewig erinnern.

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stützte mich sehr und nahm mich immer zu den Läufen mit. Ich lernte viel von ihm.

Der Sportartikelhersteller Adidas stellt für einen RUNNING-Leser ein Paar Laufschuhe des Kipsangs Weltrekord-Schuh in limitierter Berlin-Marathon-Edition gratis zur Verfügung. Zur Teilnahme senden Sie bis zum 12.02.2014 eine E-Mail oder Postkarte mit dem Stichwort „Kipsang“ sowie Ihren persönlichen Daten (Name, Adresse, gewünschte Schuhgröße) an: RUNNING – Das Laufmagazin, Badenweilerstr. 2–4, 79115 Freiburg, E-Mail: gewinnspiel@running-magazin.de Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, es besteht kein Anspruch auf Auszahlung des entsprechenden finanziellen Gegenwertes. Der Gewinn ist nicht übertragbar. Es gilt das Datum des Poststempels. Die Gewinne werden unter allen richtigen Einsendungen verlost (Ziehung: 14.02.2014) und anschließend schriftlich benachrichtigt (per E-Mail oder Postweg).

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Interview mit Wilson Kipsang