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RATGEBER | Veganes Grillen

rek längst bewiesen: Siebenmal in Folge gewann Jurek zwischen 1999 und 2005 den berüchtigten Western States 100 Mile Endurance Run – ohne ein einziges Gramm tierisches Protein, dafür mit 100 Prozent „Pflanzentreibstoff”. Keine Frage: Grillen ist eine gesellige Angelegenheit, in der Sonne sitzen, mit einem (alkoholfreien) Bier anstoßen und Heldengeschichten vom letzten Marathon erzählen – einfach herrlich!

Es geht nicht immer um die Wurst Veganes Grillen für Läufer

Das Experiment wagen Sie müssen nicht befürchten, zum Außenseiter zu werden, wenn Sie das vegane Grillexperiment wagen. Weiterhin müssen Sie sich nicht mit Gemüsesticks und trockenem Baguette über Wasser halten. Probieren Sie doch stattdessen einmal: Pflanzliche „Wurst” und „Steaks”: Wer auf den Fleischgeschmack nicht verzichten möchte, wird in Biomärkten und gut sortierten Supermärkten fündig. Es gibt eine Vielzahl an Fleischalternativen aus Tofu (Soja) oder Seitan (Weizeneiweiß), die sich in Konsistenz und Geschmack kaum vom jeweiligen Original unterscheiden. Wichtig: Nicht alle Produkte schmecken gleich gut. Am besten verschiedene Sorten durchprobieren und so den persönlichen Favoriten finden. Salate: Nudelsalat aus kleinen Muschelnudeln, Gemüse und Kichererbsen, Kartoffelsalat mit Gewürzgurken

und scharf angebratenem Räuchertofu, ein orientalisches Taboulé aus Couscous und viel Petersilie oder ein Linsen- oder Bohnensalat, angemacht mit Zwiebeln. Werden Sie kreativ. Ihr Bonus: Bei sommerlichen Temperaturen sehen Salate ohne Ei, Schinken, Käse und Sahne selbst nach Stunden noch appetitlich aus. Folienkartoffeln gehören zum Grillen einfach dazu. Ein veganer Kräuterquark lässt sich prima herstellen, indem man ein feines Sieb mit einem Küchenkrepp auslegt und Natur-Sojajoghurt darin abtropfen lässt. Anschließend mit Kräutern und Gewürzen abschmecken. Gegrilltes Gemüse wie Zucchini, Fenchel, Aubergine, Kohlrabi oder Champignons mit etwas Olivenöl einpinseln und ab damit auf den Grill. Anschließend nur noch mit Salz und Pfeffer würzen – das ist echtes Fast Food. Gemüsepäckchen mit Süßkartoffeln: Süßkartoffeln und weiteres Gemüse nach Wahl würfeln und mit etwas Öl, Salz und Pfeffer marinieren. Jeweils eine Handvoll in Alufolie einwickeln und einige Minuten auf dem Grill garen lassen. Zum Nachtisch: Reife Bananen für ein paar Minuten samt Schale auf den Grill legen, anschließend schälen und mit gehackter Zartbitterschokolade bestreuen. Funktioniert darüber hinaus mit Ananas-Scheiben und ist himmlisch lecker.

Tipps und Tricks für vegane Grillmeister

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Eine herrliche Angelegenheit Dass ein Nährstoffmangel bei einer ausgewogenen veganen Ernährung nicht zu befürchten ist, haben Spitzensportler wie die Ultramarathonlegende Scott Ju-

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Salate können meist problemlos im Kühlschrank aufbewahrt werden. Taboulé oder Kartoffelsalate schmecken oft sogar noch besser, nachdem sie einige Stunden „ziehen“ durften. Nur bei grünen Blattsalaten kommt die Soße erst direkt vor dem Servieren hinzu, sonst werden die Blätter matschig und sehen unappetitlich aus. FOTO: L.K./WWW.NATUREOFMUSIC.NET

Hand aufs Herz: Gibt es nach einem schweißtreibenden Training bei sommerlichen Temperaturen etwas Schöneres, als den Tag mit einem alkoholfreien Bier und Leckereien vom Grill ausklingen zu lassen? Allein schon bei dem Gedanken daran steigt dem gemeinen Läufer ein würziger Geruch von marinierten Steaks und rauchigen Würstchen in die Nase. Doch Halt, stopp! Lassen Sie uns doch mal was Neues ausprobieren – Grillen kann auch ohne Fleisch verlockend sein.

Nach dem Training soll es natürlich schnell gehen. Schlaue Grillmeister bereiten deshalb möglichst viel vor, damit sie nur noch die Kohlen anheizen müssen.

ie vegane Ernährung ist in den vergangenen Jahren immer mehr zum Mainstream geworden. Der Vegetarierbund VEBU geht davon aus, dass sich mittlerweile etwa 900.000 Menschen in Deutschland rein pflanzlich ernähren, sei es aus gesundheitlichen, ethischen oder geschmacklichen Gründen.

FOTO: VISIONSI/123RF.COM

von Katrin Schäfer und Daniel Roth

Kartoffeln und Gemüse werden am besten vorgegart und anschließend direkt in Alufolie verpackt – so gehts später auf dem Rost deutlich schneller. Und last, but not least: Die Getränke kaltstellen. Denn wer möchte schon an einem heißen Sommernachmittag mit einem lauwarmen Hefeweizen auf seinen Lauf anstoßen?

KATRIN SCHÄFER (Ökotrophologin) und DANIEL ROTH sind vegane Sportler, Laufcoaches und die Autoren von „beVegt ‒ vegan leben und laufen“, dem größten deutschsprachigen Blog zum Thema vegane Ernährung und Fitness. Die beiden schreiben aus ihrer eigenen Erfahrung als ambitionierte vegane Hobbyläufer. Sie lieben die Vielfältigkeit der pflanzlichen Küche und die Bewegung an der frischen Luft und möchten möglichst viele Menschen mit ihrer Begeisterung für diesen Lebensstil anstecken. INFOS

www.bevegt.de

Zum Wohl Und wie sieht es mit den Getränken aus? Nach dem deutschen Reinheitsgebot gebrautes Bier ist immer vegan. Bei Weinen ist das anders. Konventionell werden Trübstoffe im Wein mit Gelatine oder Fischblasen entfernt. Aber es gibt inzwischen immer mehr vegane Anbieter. Am besten aufs Etikett schauen oder direkt beim Winzer nachfragen.

Ist veganes Grillen gesünder? Nicht unbedingt. Auch ein veganer Nudelsalat kann Unmengen an Fett und „leeren” Kalorien enthalten. Ein Grillabend ohne Fleisch, dafür mit einer bunten und abwechslungsreichen pflanzlichen Lebensmittelauswahl, bietet aber alles, was Kilometerfresser nach einer anstrengenden Einheit benötigen: Komplexe und nicht-raffinierte Kohlenhydrate in Form von Pasta, Kartoffeln, Süßkartoffeln oder Couscous füllen die Energiespeicher wieder auf. Hochwertiges pflanzliches Eiweiß aus Soja, Bohnen, Erbsen und Linsen unterstützt den Körper bei Regeneration und Muskelaufbau. Vitamine und Mineralstoffe aus frischem Gemüse und Obst stärken das Immunsystem und ersetzen, was über den Schweiß verloren gegangen ist.

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