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Drehbuchworkshops 21

Rundbrief 126 - Juni / July / Aug. 2017

Dr ehb u ch ku rs e für Eins te ige r Wo ch e n e n d s e minar vs . O nline kur s - Ei n Erfahrungsberi cht Generell ist so ein Workshop übers Wochenende natürlich schön. Man sitzt dem erfahrenen Drehbuchautor direkt gegenüber, kann seine Fragen stellen und es befinden sich noch ein Dutzend Gleichgesinnte, beziehungsweise ähnlich Ahnungslose, im Raum, die alle dasselbe Ziel verfolgen. So müsste es doch funktionieren, dachte ich seinerzeit und buchte einen entsprechenden Workshop mit einem renommierten Autor bei der Filmschule Hamburg Berlin. Trotz des für mich nicht zu unterschätzenden Aufwands an Zeit (3 Stunden Zugfahrt, halber Tag Urlaub von der Werktätigkeit) und Geld (wieder die Zugfahrt, Hotelkosten, Kursgebühren), zog ich am Ende ein positives Fazit. Der Profiautor konnte viele gute Beispiele vortragen, interessante Insideranekdoten erzählen und er stellte auch die eine oder andere kreative Aufgabe, die wir Teilnehmer dann am Abend schreiben mussten, um sie am nächsten Tag in der Gruppe vorzutragen und zu besprechen. Dennoch fehlte mir etwas, da ich ohne eigenen Entwurf einer Story angereist war. Andere Teilnehmer gingen nach dem „Unterricht“ noch zum Kursleiter und bekamen Hilfestellung für ihr eigenes Projekt. Mir schwebte dagegen vor, an diesem Wochenende würde der Profi uns Amateuren einfach die Karten auf den Tisch legen und zeigen, wie das Ganze funktioniert. Überlegen lächelnd träte ich sodann die Heimfahrt an, da ich ja nur noch meine Idee, die ganz bestimmt noch kommen würde, in das vorgegebene Schema packen müsste und fertig wäre die neue Karriere als gefeierter Drehbuchautor. Partydialoge wie „Und was machst Du so beruflich?“ „Kennst Du den Film `Die vier Nachtfalken`?“ „Ja, logisch“ „Den hab´ ich geschrieben“ „Wow!“ sollten für mich zukünftig keine Utopie sein. Oder doch? In der ersten Woche „danach“ passierte leider gar nichts. Die gute Gewissheit, alles bestens verstanden zu haben, gepaart mit meiner Überzeugung, jederzeit die Kursunterlagen rausholen zu können, um den neunzigminütigen Blockbuster locker runterzuschreiben, sorgte für eine gepflegte und ausgewachsene Aufschieberitis. Diese hielt auch nach zwei Monaten noch an. Weitere zwei Jahre später war das ganze Thema in meinem Kopf bereits in die Kategorie „Ja, könnte ich jederzeit machen, komme aber leider im Moment nicht dazu, weil ...**“ gewandert. Doch als mir eine Freundin überschwänglich berichtete, dass sie gerade nicht nur einen neuen Job angetreten habe, sondern trotz Kleinfamilie nebenbei auch noch ein Onlinestudium im Bereich BWL macht, wur-

de ich neugierig. Alles wäre kein Problem, die Teilnehmer würden untereinander chatten, Fragen stellen und das alles zu familienfreundlichen Uhrzeiten abends unter der Woche. Das müsste es doch auch für den Bereich Drehbuch geben! Nach kurzer Recherche stieß ich auf die Berliner Masterschool. Hier wurde für angehende Drehbuchautoren neben den üblichen Wochenendkursen tatsächlich auch die gewünschte Online- Variante angeboten. Vom „Schnupperkurs“, dem Basicmodul A, für diejenigen ohne Erfahrung, also für mich, bis zu Kurs D, in dem es dann drei Monate (solange dauert jedes Kursmodul) nahezu ausschließlich um den eigenen Stoff geht. Der grundsätzliche Arbeitsablauf ist von A bis D jedoch weitgehend identisch. Alle Kurse werden von einem Dozenten der Masterschool begleitet. Einmal pro Woche erhält man einen Theorieteil nebst Übungen, welche man bei freier Zeiteinteilung erledigen kann. Ein Austausch mit den anderen Kursteilnehmern (bei mir waren das immer zwischen 8 und 12) findet in einem Forum auf dem passwortgeschützten Teil des Masterschool Onlineportals statt. Zusätzlich gibt es einmal pro Woche einen Chat mit allen Teilnehmern und dem Dozenten. Jeder Kursteilnehmer stellt in den drei Monaten zweimal den jeweils aktuellen Stand seines Stoffes vor. Diese eigene Geschichte wird auch mindestens zweimal pro Kurs vom Dozenten individuell „korrigiert“ und kommentiert. Für mich war das der hilfreichste Part überhaupt. Fällt Ihnen etwas auf? Genau! Die eigene Geschichte. Ja, welche denn? Ich hatte natürlich den gleichen naiven Ansatz wie beim früheren Wochenendseminar gewählt. Erstmal den Kurs buchen. Schnell werden sie in diesem meine überragenden Kenntnisse auffrischen und am Ende schreibe ich tatsächlich selbst etwas. Doch dann der Schock! Die Grundidee für eine eigene Geschichte sollte, nein, musste vorab eingereicht werden.

Waaaaas ? Da die Gebühren bereits in Richtung Berlin überwiesen waren, gab es keinen Ausweg mehr. Am Wochenende vor Kursbeginn schrieb ich eine vage Idee auf, schmiss alles wieder in den Papierkorb, begann neu und schickte schließlich am letzten Abgabetag, dem späten Montagabend, ein Ergebnis zur Dozentin. Von nun an gab es in regelmäßigen Abständen Abgabetage und das war (für mich) auch gut so. Schließlich war es Ansporn genug,

nicht der einzige Teilnehmer zu sein, der seine „Hausaufgaben“ nicht macht oder von der ersten Präsentation der Story im Chat am Anfang des Kurses bis zur zweiten Präsentation am Ende nichts Neues hinzugefügt hat. Wobei auch das grundsätzlich möglich gewesen wäre. Aber da ich die Kursgebühren zu 100% selbst zahlen musste (bei Arbeitslosigkeit ist auch eine Förderung durch die Bundesagentur möglich), wäre das natürlich einer komplett sinnlosen Geldvernichtung gleichgekommen. Neben dem Vorankommen am eigenen Stoff gibt es bei den Onlinekursen auch die Chance, die Entwicklung von Geschichten der anderen Teilnehmer zu verfolgen. Das war durch die naturgemäß grundverschiedenen Charaktere und Herangehensweisen immer wieder sehr interessant. Es gehört aber auch dazu, mit Kritik an der eigenen Blockbustervorlage umzugehen. Ob vom Dozenten oder den anderen „Kollegen“ Ob in Forum oder im wöchentlichen Chat. Einen derartigen Umfang an Feedback kann ein Wochenendseminar natürlich nicht bieten. Insgesamt haben beide Varianten Vor- und Nachteile. Es ist natürlich immer schön, von einem Profi live von Angesicht zu Angesicht unterrichtet zu werden und direkt Fragen stellen zu können. Aber wer sich noch nicht sicher ist, ob das Drehbuchschreiben überhaupt für ihn umsetzbar ist, der sollte das Geld für ein Wochenendseminar meiner Meinung nach lieber in einen Basic Kurs Online investieren. Hier lässt sich besser herausfinden, wie weit es mit der freien Zeit zum Schreiben und besonders mit dem Eigenantrieb her ist. Wer anschließend der Meinung ist, den eigenen Stoff bis zum fertigen Drehbuch zu entwickeln, kann ja zusätzlich noch den einen oder anderen Wochenendkurs besuchen. Nun mit dem sicheren Gefühl, zumindest eine Vorahnung von der Materie zu haben. Um dem Kursleiter dann am Ende des ersten Tages freundlich lächelnd das eigene Werk auf den zu Tisch legen und ihn zu bitten, da doch „vielleicht kurz mal drüber zu schauen“........ ** an dieser Stelle bitte nach Belieben auswählen unter „ich Stress im Job habe“ „mehr Zeit für die Familie brauche“, „zu viele Termine habe“ oder „es gerade überhaupt nicht passt“

Jörg Schedlinski

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