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REPORTAGE

dass die Grunderkrankung auch mit einer neuen Niere weiterhin aktiv war.“ Die Ärzte versuchten mit dem Austausch von Blutsubstanzen und Chemotherapie entgegenzusteuern. Nichts half. „Das Jahr 2008 war für mich eine sehr schwache Zeit. Ich konnte gerade einmal zwei Stunden täglich arbeiten, danach benötigte ich vier Stunden Erholung.“ In dieser Zeit erfuhr Häberle, der seit 1996 Chef der Memminger Triathleten des TV Memmingen ist, sehr viel Unterstützung von seinen Vereinskollegen. „Schau, dass du wieder auf die Beine kommst, wir brauchen dich“, erklärten sie ihm. Und er kam auf die Beine: Doch gegen Endes des Jahres 2008 bildeten sich erneut Ödeme in seinem Körper. Anders, als die Jahre zuvor, schaltete der Leidgeprüfte diesmal auf stur: Er konnte und wollte sich nicht mehr mit dem Gedanken befassen, wieder zur Dialyse zu gehen. Monate später wurde er jedoch von schweren Atemproblemen befallen, ein erneuter Klinikaufenthalt folgte, für eine Woche wurde er ins künstliche Koma versetzt. „Danach bestand ich nur noch aus Haut und Knochen. 20 Kilogramm hatte ich verloren. Außerdem zog ich mir eine brutale Blutvergiftung zu. Aber, ich bin dem Teufel von der Schippe gesprungen.“ Nach diesem Satz hält er inne, schaut und horcht in sich hinein ... „ja, von der Schaufel.“

Im Gespräch mit einem Kunden: Trotz seiner schweren Krankheit will Matthias Häberle aus Memmingen am „Ironman“ in Frankfurt teilnehmen. Foto: Jürgen Rasemann

Sekunden später betritt eine Kundin das Geschäft und übergibt dem Geschäftsmann ein Magazin, das über ihn berichtet hatte. “Mei, dass Sie in Frankfurt mitmachen wollen, finde ich ganz toll. Lassen Sie sich nicht unterkriegen.“ Häberle lacht: „Fachsimpelte ich früher mit Kunden über Stoffe und Fußbodenbeläge, so kommt es heute vor, dass wir über Krankheiten und Medikamente reden.“

Aber das sei in Ordnung. „Jetzt weiß ich, was Gesundheit bedeutet, dass auch ein Teilzeitjob sehr viel Freude macht, wie schön es ist, wenn man sein eigenes Geld verdienen darf und sein Geschäft weiterführen kann. Das alles hat mich die Krankheit gelehrt“, sagt der 41-Jährige. Noch heute danke er seiner Frau, seiner Familie, seinen Angestellten, seinen Freunden und Vereinskameraden für deren Hilfe und das Vertrauen, das sie in ihn gesetzt haben. „In Gedanken reisen sie alle mit nach Frankfurt und werden mich, den Dialyse-Triathlon-Mann, beflügeln.“ Jürgen Rasemann

Info Ironman Frankfurt

Info Dialyse

Seit dem Jahr 2002 ist neben der „Ironman“-Weltmeisterschaft auf Hawaii der „Ironman Europe“ in Frankfurt am Main jedes Jahr die weltweit größte Veranstaltung dieser Art. Über 2.500 Athletinnen und Athleten aus 51 Nationen haben die Herausforderung „Ironman“ am 7. Juli 2013 in Angriff genommen. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und der abschließende Marathon mit dem grandiosen Finish auf dem Frankfurter Römer faszinieren die Sportler wie auch fast eine Million Zuschauer. Neben der Veranstaltung in Frankfurt gibt es in Europa rund 20 weitere QualifikationsRennen für den „Ironman“ auf Hawaii. In Frankfurt werden 100 Slots für die Ironman-World-Championship in KailuaKona, Hawaii, vergeben.

Die Dialyse (griechisch dialysis „Auflösung“) ist ein Blutreinigungsverfahren, das bei Nierenversagen als Ersatzverfahren zum Einsatz kommt. Die Dialyse ist neben der Nierentransplantation die wichtigste Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen und eine der Behandlungsmöglichkeiten bei akutem Nierenversagen. Unter Dialyse wird dabei ein Stoffaustausch über eine Membran verstanden, wobei auf der einen Seite Blut/Plasma und auf der anderen Seite der Membran eine Dialyselösung anliegt. Die weltweit erste „Blutwäsche“ über semipermeable Membranen beim Menschen wurde 1924 von Georg Haas in Gießen durchgeführt. Den Durchbruch brachte jedoch erst Willem Kolff 1945 in Kampen (Niederlande) mit seinem Trommeldialysegerät mit Zellophan-Schläuchen als Dialysemembran. Diese Membran erlaubte eine kontrollierte Blutreinigung von definierten Stoffmengen. Eine technisch überlegene Parallelentwicklung von Nils Alwall in Lund (Schweden) 1946 erlaubte auch die Ausschwemmung von Ödemflüssigkeit aus Lungen und Gewebe (Ultrafiltration). Quelle: wikipedia

„Lassen Sie sich nicht unterkriegen“

Info Marathon Der Marathonlauf ist eine auf Straßen oder Wegen ausgetragene sportliche Laufveranstaltung über 42,195 Kilometer und zugleich die längste olympische Laufdisziplin in der Leichtathletik. Manche Läufe, insbesondere bei leichtathletischen Jahreshöhepunkten, führen zum Zieleinlauf ins Stadion, wo dann noch etwa eine Runde zu laufen ist. Bei Olympischen Spielen wird die Marathonstrecke seit 1896 von den Männern gelaufen (allerdings zunächst nur auf ca. 40 Kilometer Länge) und von Frauen seit 1984.

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Allgaeu Running 2014  

Laufen, Rennrad, Mountainbike und Triathlon

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