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Leben heißt handeln

2.95 E · ISSN 1437-7543 · Nr. 95/4.2007

magazin

Baum des Jahres 2008 Die letzten Bergkaribus Vattenfall lässt räumen


inhalt

titel 6 25 Jahre ROBIN WOOD

Seite 6 Seite 16

schwerpunkt Walnuss - Baum des Jahres 2008 16 20 Jahre Baum des Jahres 22 Kanada: Die letzten Bergkaribus 24

Seite 24 28 Alleen: Das groĂ&#x;e Sägen

perspektiven 30 Forstwirt Felix Naumann: Viel Wald, wenig Menschen

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inhalt

strömungen 32 Welt versus Bank

Seite 32

tatorte Klimakatastrophe powered by Vattenfall 34 Vattenfalls Störfälle 36 Flash Mob gegen Bahnverkauf 37

Seite 34 Seite 42

merk-würdiges 39 Strom sparen für Fortgeschrittene 39 Schulhefte aus Recyclingpapier 39 Wallhecken in Gefahr

kleinholz 42 Tunfischfang

bücher 43 Ich! Nein ich! Streit im Watt 43 Schwarzbuch Wasser

internes 38 40 44 45 46

ROBIN WOOD-Treffpunkte 25 Jahre: Mit Neptuna zum Schutz der Weser Ihr Wille ist wichtig! ÖkoKalender 2008 50. Newsletter

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editorial Foto: Christiane Weitzel

Aktiv für die Umwelt: Vorstand und MitarbeiterInnen von ROBIN WOOD Ende August 2007

Liebe Leserinnen und Leser, nun sind schon 25 Jahre vergangen, seit sich im Jahr 1982 ein Dutzend Umweltschützerinnen und Umweltschützer zusammenschlossen, weil sie dem Sterben der Wälder nicht länger tatenlos zusehen wollten. Sie nannten sich – inspiriert vom legendären Robin Hood – ROBIN WOOD und zogen aus, um als „Rächer der Entlaubten“ gewaltfrei in Aktion zu treten. So manchen Schornstein haben die Umweltkletterer besetzt, um die zunehmende Luftverschmutzung anzuprangern und für den Erhalt der Wälder zu streiten. Auch heute noch sind kreative und oft spektakuläre Aktionen das Markenzeichen von ROBIN WOOD. Vom spontanen Aktionsverein hat sich ROBIN WOOD zur professionellen, bundesweit agierenden Umweltorganisation entwickelt. Kampagnen-Schwerpunkte sind die Themen Wald, Tropenwald, Energie und Verkehr. Die Zusammenarbeit der ehrenamtlichen AktivistInnen mit den hauptamtlichen Kräften hat sich dabei sehr bewährt. Im November 2007 feiert ROBIN WOOD seinen 25. Geburtstag. Wir stellen Ihnen aus diesem Anlass auf den folgenden Seiten die spektakulärsten und erfolgreichsten Aktionen der vergangenen Jahre vor. Darüber hinaus kommen einige der Menschen zu Wort, die ROBIN WOOD seit vielen Jahren tatkräftig und finanziell unterstützen. Denke ich an diese 25 Jahre Umweltarbeit zurück, so fallen mir sehr viele Menschen ein, ohne die ROBIN WOOD sicherlich nicht so

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bekannt und erfolgreich geworden wäre. Und wenn etliche davon auch nicht mehr aktiv dabei sind, so hoffe ich doch, dass sie dieses Magazin lesen und sich gern erinnern. Ich bedanke mich an dieser Stelle im Namen von ROBIN WOOD für das geleistete Engagement. Und ebenso geht der Dank auch an die vielen Förderinnen und Förderer, die es ROBIN WOOD erst ermöglicht haben, bis heute ohne staatliche Zuschüsse und Sponsoren auszukommen und damit immer völlig unabhängig agieren zu können. Der Preis für diese Unabhängigkeit bedeutet für uns bis heute immer wieder Phasen mit finanziellen Problemen, die wir in etlichen Spendenaufrufen thematisiert haben. Aber wir denken trotzdem, der Preis war nicht zu hoch. Ich wünsche ROBIN WOOD zu diesem schönen Jubiläum weiterhin genügend engagierten Nachwuchs sowie Spender für eine solide finanzielle Basis, damit der Verein auch in 10 Jahren noch gewaltfrei, phantasievoll und effektiv diese ganz besondere Rolle innerhalb der Umweltbewegung besetzen kann und sich auch in Zukunft lautstark einmischt.

Leiterin der Bundesgeschäftsstelle in Bremen


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Erleichterung nach dem Abstieg: Die Aktion hat geklappt

1982

1982/83: „Stoppt den Sauren Regen“ fordert ROBIN WOOD und klettert auf die Schornsteine der größten bundesdeutschen Dreckschleudern

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titel

Waldsterben 1982: Ganz Deutschland machte sich Sorgen um den Wald. Meldungen über schüttere Baumkronen, absterbende Bergwälder und versauerte Waldböden häuften sich. So manchen der noch frischen RegenbogenkämpferInnen der zwei Jahre zuvor gegründeten deutschen Sektion von Greenpeace juckte es schon länger, den schwefelschleudernden Kraftwerken auf die Schornsteine zu steigen. Doch ihre jenseits des Atlantiks agierenden internationalen Chefs stellten sich quer. „The Waldsterben“ – aus ihrem Blickwinkel allzu regional – passte partout nicht in ihre global angelegten Kampagnen. Das ging nicht lang gut. Es krachte gehörig und die Revolte unter dem deutschen Regenbogen gebar ROBIN WOOD, den das Thema Waldsterben seitdem nicht mehr losgelassen hat. Das Thema darf auch jetzt - nach 25 Jahren - nicht ad acta gelegt werden! Zwar ist der Wald - gottseidank - nicht gestorben. Aber die bundesamtlichen Zahlen der jährlichen Waldschadensstatistik sprechen eine klare Sprache. Die Fieberkurve des Waldes ist seitdem noch deutlich angestiegen. Die Ursachen dafür sind wie so häufig komplexer als anfangs gedacht. Es genügte nicht, die Kraftwerke zu entschwefeln, sie mussten auch entstickt werden, die Autos dann selbstverständlich auch. Heute richten

sich unsere Aktionen und Forderungen gegen den Güterverkehr auf der Straße und die Güllewirtschaft in der Landwirtschaft, bei denen sich so gar nichts in Richtung Schadstoffminderung tut. Und Klimaschutz ist inzwischen längst auch Waldschutz. Denn die Folgen der Klimaveränderung – längere Trockenperioden, häufigere Stürme und zunehmende Schädlingsepidemien - hinterlassen seit Jahren kahle Flächen und schüttere Baumkronen in den Wäldern. Die Politik will heute über das Waldsterben nicht mehr reden. Am liebsten würde sie sogar die jährlichen Schadenserhebungen im Wald einstellen. Das versuchen wir gerade zu verhindern. Und wenn PolitikerInnen das schleichende Sterben der Wälder totschweigen wollen, dann werden wir eben um so lauter reden.

Taiga Sommer 1989: Ein junger Finne kam auf der Durchreise bei ROBIN WOOD vorbei und erzählte von Kämpfen um den Schutz der Wälder im Norden seines Landes. Keiner von uns hatte je vorher davon gehört. Der Blick ging bislang ausschließlich in Richtung Tropenwaldschutz. Doch das Interesse war geweckt, die finnischen Waldaktivisten bauten den einmal gewonnenen Kontakt aus und wenige Monate später gab es die erste

Foto: O. Andersson

6.2.1990, Hamburg: Mit dem Protest gegen die Ausbeutung der finnischen Urwälder begann die Taiga-Kampagne

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Aktion – ein Überraschungsbesuch beim finnischen Generalkonsul in Hamburg. Die nordischen, sogenannten borealen Wälder sind seitdem zu einem klassischen Thema von ROBIN WOOD geworden. 1991 wurde das Taiga-Büro in Hamburg eingerichtet und sammelte wichtige Informationen über Ökologie und Umweltbewegungen in diesem nordischen Waldgürtel. Ein Jahr später wurde dann das Taiga Rescue Network in Nordschweden gegründet. Für den Erfolg unserer Aktionen und Kampagnen, zum Schutz der letzten Urwaldbestände in Nordeuropa beispielsweise oder für die traditionellen Waldnutzungsrechte der Saami, war dieses Netzwerk unersetzlich. Und auch die in diesem Heft vorgestellte Aktion zum Schutz des Inland-Regenwaldes in Kanada geht auf langjährige Kontakte im Rahmen dieses Netzwerkes zurück.

Recyclingpapier 1999: Eine Gruppe von Frauen, alle beruflich mit Umweltthemen in NordrheinWestfalen befasst, will dem endgültigen Niedergang von Recyclingpapier im Schulbereich einen Riegel vorschieben. Zur Gründung einer entsprechenden Initiative baten sie auch ROBIN WOOD um Unterstützung. Die bekamen sie auch. Doch war das kaum mehr, als dass künftig unser Namenszug mit auf den Veröffentlichungen der Initiative 2000 prangte. Das änderte sich, als Angelika Krumm, die früher als Papieringenieurin tätig war und nun im Redaktionsbüro des ROBIN WOOD-Magazins in Schwedt mitarbeitete, von dieser Kooperation auf Sparflamme Wind bekam. Sie begann, eine entsprechende Initiative in Brandenburg aufzubauen. Es folgten weitere solcher Landesinitiativen und sogar ein Partnerschaftsprojekt mit Polen. Inzwischen arbeitet ROBIN WOOD nicht nur daran, Schulen und Behörden für das ressourcensparende Recyclingpapier zu begeistern, sondern auch den Handel, vor allem Supermärkte und Discounter, zu bewegen, Schulhefte und andere Papierprodukte aus Recyclingpapier in ihr Sortiment aufzunehmen. Rudolf Fenner, Hamburg


wald

25 Jahre 6.12.1983, Freiburg Schauinsland

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titel

12.11.2006, Wendland: Stopp f端r den Castor

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Foto: ROBIN WOOD/B. Dannheim


energie

„Strom Ja – So Nicht!“

Gut, besonders weitsichtig schien es nicht, Rauchgasfilter für die dreckigen Kohlekraftwerke zu fordern und ansonsten alles beim Alten zu belassen. Die Art der Stromproduktion und die verantwortlichen monopolistisch organisierten Energiekonzerne sollten fortan Ziel der Aktionen von ROBIN WOOD sein. „Strom Ja – So Nicht!“ lautete dann auch das Motto, mit dem AktivistInnen Mitte bis Ende der 80er Jahre den Konzernen auf die Schornsteine und die Kühltürme rückten. Kühn waren nicht nur die Aktionen, kühn waren auch die Forderungen: Nicht weniger als die Verstaatlichung der Energieversorgung und die Zerschlagung der Monopole wollte ROBIN WOOD erreichen. Damals wie heute sind es die wenigen großen Energieversorgungsunternehmen (EVU) die die Energiepolitik in diesem Land bestimmen. Ihnen fühlt sich die Politik verpflichtet und ein Rückblick auf die letzten 25 Jahre zeigt, dass sich die Macht der EVU europaweit eher verfestigt hat. Entschwefelungsanlagen sind heute selbstverständlich – ein Erfolg, an dem ROBIN WOOD wesentlich beteiligt ist. Und auch über die zunehmende Macht der Energiekonzerne wird heute anders debattiert als vor 20 Jahren. Die EUKommission fordert die „Entflechtung“ der Konzerne und findet für die Position Zuspruch quer durch alle Parteien.

Neben den Forderungen nach Filteranlagen und einer dezentralen Stromversorgung war ein Ereignis bestimmend für die Energiepolitik von ROBIN WOOD: Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986. Der Atomunfall hat den Forderungen nach einer anderen Energieversorgung noch mehr Bedeutung und Entschlossenheit verliehen. Wohin mit dem radioaktiv strahlenden Atommüll? Die Antwort auf diese Frage war damals so ungeklärt wie sie heute ungeklärt ist. Gibt es sichere Atomkraftwerke? Die Antwort auf diese Frage ist seit Jahrzehnten gleich: Nein – gibt es nicht! Nicht nur die unbeschreibliche Gefährlichkeit der Atomanlagen war für ROBIN WOOD von jeher der Grund den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie zu fordern. Im Sofortausstieg – den wir auch heute noch mit allem Nachdruck fordern – sehen wir den Schlüssel zur Lösung vieler Probleme. Zu allererst: Das Leben ohne die Bedrohung durch die Schrottreaktoren wäre wesentlich entspannter, obwohl die Lagerung des Atommülls immer noch ein riesiges Problem darstellen würde. Dieser hochradioaktive Müll wird immer noch Tag für Tag produziert, obwohl nicht einmal ein im Ansatz geeigneter Standort für die Lagerung dieses über Jahrtausende strahlenden Mülls gefunden wurde. Aber auch: Das Festhalten an der Risikotechnologie Atomkraft verhindert die notwendige Energiewende hin zu mehr Erneuerbarer Energie und mehr Energieeffizienz. Die alten, abgeschriebenen AKW sind regelrechte Gelddruckmaschinen und kein Energiekonzern investiert freiwillig in neue Technologien, wenn sich an den alten so gut verdienen lässt. ROBIN WOOD untermauerte die Forderung nach dem sofortigen Atomausstieg und dem Ausbau der erneuerbaren Energien immer wieder mit Schornsteinbesetzungen, Kühl- und Fördertürme wurden erklommen, Transparente wurden an waghalsigen Orten aufgehängt. Speziell gegen die Transporte von hochradioaktivem Müll ins Zwischenlager Gorleben oder in die Wiederaufarbeitungsanlagen fanden Blockaden auf den Transportstre-

1984, Göttingen: Entschwefeln sofort!

cken statt. Am spektakulärsten war die 17-stündige Blockade des CASTOR-Zuges im März 2001 durch AktivistInnen von ROBIN WOOD und dem wendländischen Widerstand. Festgekettet in einem unter dem Gleis liegenden Betonblock trotzten die „Fünf von Süschendorf“ Polizei und Bundesgrenzschutz. Aufgrund der Blockade musste der Zug mit der strahlenden Fracht den Rückwärtsgang einlegen. Diese eher symbolische Bewegung eines CASTOR-Zuges wurde in unzähligen Bildern festgehalten und rund um die Welt gesendet. Die Diskussion um die Gefahren der Atomenergie war neu entfacht.

25 Jahre

… eines Tages im April 1984: am Rathaus von Göttingen flattern riesige Transparente: Waldsterben, Saurer Regen, Aktion Giro Blau, Demo gegen das Kohlekraftwerk Buschhaus. Schlagworte mit denen wir damals nur wenig anfangen konnten. Später ein Infoabend von ROBIN WOOD, Hinweise zur Demo, Zusammenhänge zwischen Waldsterben, Saurem Regen und den Abgasen der Kraftwerke. Entschwefelungsanlagen technisch in der Lage, die Abgasströme der Kraftwerke zu reinigen. Doch für das neue Kraftwerk Buschhaus sollte diese moderne Technik nicht zum Einsatz kommen. Sie galt als Altanlage im Sinne des Gesetzes. Deshalb die Aktion in Göttingen.

Aber nicht nur die großen, spektakulären und waghalsigen Aktionen sind Formen des Protestes gegen die Atom- und Energiekonzerne. Stromwechselpartys, Präsenz auf Konzern-Hauptversammlungen, Baumbesetzungen in Braunkohleabbaugebieten, Transparente und Kletteraktionen: Die Möglichkeiten, die ROBIN WOOD-AktivistInnen in den vergangenen Jahren für den Protest und die Forderung nach einer klimaverträglichen, ressourcenschonenden und sozial verträglichen Energieversorgung genutzt haben, sind noch lange nicht erschöpft. Genau genommen stehen wir nur wenig entfernt von dem Standpunkt, an dem wir vor 25 Jahren begonnen haben und den Blick über die Filteranlagen hinaus auf die grundlegenden Probleme der Energieversorgung in Deutschland gerichtet haben. Aber eines Tages … Bettina Dannheim, Jürgen Sattari

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titel

Verkehr verkehrt 25 Jahre Verkehr verkehrt – Als ich vor vier Jahren zum Team der Hamburger Pressestelle von ROBIN WOOD gestoßen bin, machte mir allein die Front der Leitz-Ordner klar, dass Verkehrspolitik den Verein von Anfang an bewegt hat. Von FV wie Flugverkehr – Band I bis XX - über Transrapid, die Bahnreform von 1994, Schwerverkehrsabgabe oder Ökosteuer ließ sich an den Ordnerrücken die Agenda für eine ökologische Verkehrswende ablesen. Und das spiegelt die tatsächliche Geschichte wider: Das ROBIN WOODMagazin Nummer 2 aus dem vierten Quartal 1984 berichtet von der neuen Verkehrsgruppe im Hamburger Büro, die „viel Arbeit mit der schleppenden Einführung des bleifreien Benzins und der Kfz-Katalysatoren“ hat. Das Magazin erschien damals auf festem, dunkelgrauem Papier und selbst den Archiv-Exemplaren scheint ein leichter Geruch von Räucherstäbchen anzuhaften. Die MacherInnen riefen zur Spende von Kugelschreibern und Schreibmaschinen für die Pressestelle auf. Deren MitarbeiterInnen verschickten ihre Pressemitteilungen per Eilbrief

1994, Hannover: Keine Verschwendung von Steuergeldern für den Transrapid

an die Aktiven vor Ort, die erst zur Tat schritten, nachdem der Postbote geklingelt hatte. Waldsterben und Luftschadstoffe waren die zentralen Probleme der ersten Jahre, und leider können wir nicht sagen, dass ROBIN WOOD diese aus der Welt geschafft hat. Doch immerhin sind Katalysatoren inzwischen Standard bei Pkws und minimieren den Ausstoß von Stickoxiden, die Gift für den Wald sind. Und nachdem in den 80er Jahren schwitzende ROBIN WOOD-Mitglieder geliehene Autos demonstrativ sechs Kilometer durch die Stadt zur einzigen Tankstelle weit und breit mit bleifreiem Benzin schoben, tanken heute „nur“ noch Flugzeuge verbleiten Kraftstoff. Die Gänsefüßchen beim „nur“ weisen schon darauf hin, dass trotz zähem Bohrens dicker Bretter der Flugverkehr ein wachsendes Problem für die Umwelt ist. Noch immer gibt es keine Kerosinsteuer in Deutschland und den meisten Ländern weltweit. So tanken die Luftfahrtgesellschaften nicht nur verbleiten Sprit, sondern bekommen ihn noch dazu steuerfrei.

2005, Frankfurt: Neun Tage lang Protest in den Bäumen gegen den Ausbau des Flughafens Klimaschutz ist heute das große Thema in der Verkehrspolitik, denn allein ein Fünftel der globalen Treibhausgasemissionen verursacht der Verkehrssektor. Im Vergleich ist Fliegen die klimaschädlichste Art zu reisen. Kohlendioxid, Stickoxide und Wasserdampf aus den Turbinen der Flieger erwärmen das Klima. Der Einbezug des Luftverkehrs in den Emissionshandel, den die Europäische Union gerade vorbereitet, ist leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein, um den Flugverkehr für seine ökologischen Schäden zur Verantwortung zu ziehen. Deswegen streiten wir gegen den Ausbau von Flughäfen. Ein Jahr vor der Gründung von ROBIN WOOD wurde das Hüttendorf gegen den Bau der Startbahn 18 West am Frankfurter Flughafen geräumt. „Kein Baum wird mehr fallen“, so der legendäre Ausspruch des damaligen hessischen Ministerpräsidenten Börner. Ende 2007 erwarten wir den Planfeststellungsbeschluss für die nächste, nunmehr vierte Bahn, für die mehrere hundert Hektar Wald zerstört würden. Gemeinsam mit den Bürgerinitiativen vor Ort kämpft ROBIN WOOD für den Wald – damit wir nicht noch mehr Entlaubte rächen müssen. Monika Lege, Hamburg

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verkehr

2006, Berlin: „Die Bahn verbessern statt verhökern!“, fordert ROBIN WOOD am Berliner Hauptbahnhof

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titel

Foto: Joanna Buryn-Weitzel

2004, Bonn: „Wir zerstören Tropenwald für Papier - Ihre Post!“

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tropenwald

Tropische Wälder – das große Plündern ls „Rächer der Entlaubten“ engagiert sich ROBIN WOOD nun schon ein Viertel Jahrhundert für den Schutz der Wälder. Von Anfang an war es den Aktivistinnen und Aktivisten ein wichtiges Anliegen, auf die Bedrohung der tropischen Wälder hinzuweisen. Zu einer Zeit, als dieses Thema noch nicht ins allgemeine Bewusstsein eingedrungen war. Seit dem schreitet die Vernichtung der Tropenwälder weiter voran. In Indonesien wird der letzte Wald zu Papier geschnetzelt, im Kongo herrscht nach Ende des Bürgerkriegs Goldgräberstimmung unter den Holzkonzernen und in Brasilien fressen sich die Sojafelder in den Amazonaswald hinein. Keine guten Nachrichten also und eigentlich kein Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen - einerseits. Andererseits können die Menschen, die sich mit Herzblut für die Rettung der Tropenwälder bei ROBIN WOOD engagieren, auf eine beeindruckende Bilanz zurückblicken. Mit spektakulären Aktionen ist ROBIN WOOD den Profiteuren von Raubbau und Regenwaldzerstörung stets auf der Spur gewesen und hat viele zu einer besseren Einkaufspolitik bewegen können. Auch in den Herkunftsländern von Tropenholz war ROBIN WOOD aktiv. 1991 besetzten Aktivisten von ROBIN WOOD Verladekräne im Hafen der malaysischen Stadt Kuala Baram. Die ROBIN WOODler wurden wochenlang eingekerkert und das Medienecho war gewaltig. Die malaysische Tropenholzwirtschaft stand am Pranger und die Zeitungen berichteten umfassend über die Tropenwaldzerstörung in dem südostasiatischen Land. Später stand ein Zeitungsverlag dann selbst im Fokus der Kritik. „Erst berichten und dann vernichten“ stand auf den riesigen Transparenten, die ROBIN WOOD an die Gerüste vor dem Neubau des Gruner und Jahr Verlags befestigt hatte. Das Pressehaus, bei dem auch GEO und Stern erscheinen, war dabei ertappt worden, Fenster aus Tropenholz eingebaut zu haben. Die Verlagsver-

antwortlichen wurden aber schnell zur Einsicht gebracht und der Fall war ihnen außerordentlich peinlich. Sie gründeten darauf hin den Verein „Geo schützt den Regenwald e.V.“ Dass große Handelsriesen den schnellen Profit vor Umweltschutz stellen, deckte ROBIN WOOD mit der Gartenmöbelkampagne auf. Der überwiegende Teil der Möbel stammte aus Raubbau oder anderen dubiosen Quellen. ROBIN WOOD hat die Skandale in Fernsehen, Radio und Presse öffentlich gemacht und ist dafür auf die Dächer vieler Baumärkte und Möbelkonzerne geklettert. Der Erfolg der Kampagne war überwältigend: Neben Baumarktriesen wie Praktiker und Bauhaus verpflichteten sich auch IKEA und der Handelsgigant Metro zu einem verantwortungsvollen Einkauf von Tropenholzprodukten. Dass weißes Papier oft eine dunkle Seite hat, enthüllte ROBIN WOOD mit seiner Papierkampagne. Große Konzerne wie Karstadt, Metro oder die Post verkauften Papier aus Indonesien, für das die letzten Regenwälder sterben mussten. Erst nachdem die Konzerne ungebetenen Besuch von ROBIN WOOD bekamen, ersetzten sie Kahlschlag-Papiere durch bessere Produkte aus Recyclingpapier.

Die Aktionen von ROBIN WOOD und seinen Partnern im Süden haben mit Sicherheit auch die politisch Verantwortlichen nachdenklich gemacht. Es besteht deshalb die realistische Chance, dass auch unsere Kinder noch die Schönheit der tropischen Regenwälder bewundern können. Dafür hat es sich gelohnt zu kämpfen und deshalb ist ROBIN WOOD auch für die Zukunft motiviert, weiter für dieses Ziel aktiv zu sein. Peter Gerhardt, Hamburg

25 Jahre

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1998, Köln: Relaxen auf Kosten des Regenwaldes

1989, Hamburg: Gruner+Jahr baut mit Tropenholz

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25 Jahre Fördern 25 Jahre ROBIN WOOD e.V. bedeutet auch: 25 Jahre Kraft, Ausdauer und Flexibilität durch Spenden! Wo wären wir wohl ohne sie? Unsere Förderinnen und Förderer sind die „große, stille Kraft im Hintergrund“. Ihre Meinung ist sehr wichtig, und unser Jubiläum ist ein besonders guter Anlass, sie zu Wort kommen zu lassen.

weiter, es bleibt noch genug zu tun für mehr als weitere 25 Jahre!“ Anne und Klaus Scheerer

Weiter für Natur und Mensch. Und nicht vergessen: Wie bisher wird es auch in Zukunft Verbündete geben, mit denen Ihr Erfolge feiern könnt. Wir freuen uns, dass es Euch gibt, und wünschen allen Aktiven und UnterstützerInnen weiterhin Lust und Mut zur guten Tat!!“ Heidi und Michael Schirmer

Michael Schirmer, Klimaforscher und Gründungsmitglied

Von Anfang an dabei, Anne & Klaus Scheerer „Anne und ich haben ROBIN WOOD vor 25 Jahren mit aufgebaut. Wir freuen uns, dass heute mehrere Generationen in unserem Verein aktiv sind. Vieles ist erreicht worden, wenn man beispielsweise an die Entgiftung von Auto-, Industrie- und Kraftwerksabgasen denkt. Energieeinsparung und regenerative Energien sind heute akzeptiert, aber sie spielen noch lange nicht die Rolle bei der Energieversorgung, die sie spielen könnten. Brauchen wir wirklich noch ein Tschernobyl, um zur Vernunft zu kommen? ROBIN WOOD braucht viele neue MitstreiterInnen und viele neue Ideen, um unsere Umwelt im Zeitalter der Globalisierung zu schützen. Liebe ROBIN WOODs, macht

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„ROBIN WOOD ist weiterhin unverzichtar! Beim Blick zurück könnte man ganz zufrieden sein und sich darüber freuen, wie viel sich getan hat in Sachen Umweltschutz: Unsere Flüsse sind sauberer, die Luft auch, der Bio-Anbau boomt, die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert den guten ökologischen Zustand, der Atomausstieg ist beschlossen… Aber: Jede erledigte Umweltsünde scheint eine neue zu gebären und fordert uns heraus: hormonähnliche Substanzen im Abwasser, noch mehr Salz und Abwärme, die FFH-Richtlinie soll ausgehöhlt werden, der Maisanbau für Biodiesel erzeugt neue, massive Belastungen… - es geht immer weiter! Den Klimawandel haben wir schon gar nicht im Griff, die Vernichtung der Urwälder, der rasende Niedergang der Biodiversität, die totale Überfischung der Weltmeere usw. usw. !!! Kein Anlass zum Nachlassen, ROBIN WOOD!

Wolfgang Glaser, treuer Förderer beim Klettertraining „Wir unterstützen ROBIN WOOD wegen seiner klaren Ziele, wegen der einfallsreichen und oft sehr mutigen „Öffentlichkeitsarbeit“ und weil wir ROBIN WOOD und andere NGOs wie Greenpeace und urgewald brauchen, um Wirtschaftsfürsten und Politiker zur Einsicht, zum verantwortungsvolleren Umgang mit uns Menschen, unserer Umwelt und unseren Ressourcen zu zwingen. Wir wünschen uns weiterhin solche Aktive für ROBIN WOOD!“ Gundula und Wolfgang Glaser


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„Ich bin 22 Jahre alt und habe bis Ende Juli 2007 ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei ROBIN WOOD in Bremen gemacht. Für ROBIN WOOD habe ich mich entschieden, weil der Verein unter den deutschen Umweltschutz-Verbänden einzigartig ist. Dieses Jahr hat mein positives Bild noch weiter gefestigt. Beeindruckende Menschen leisten hier wirklich bemerkenswerte Arbeit! Ich möchte ROBIN WOOD helfen, noch mehr Menschen dazu zu bewegen „aktiv für die Umwelt“ zu werden!“

Ich wünsche ROBIN WOOD viel Erfolg und Durchsetzungskraft und bei aller Arbeit Witz und Phantasie.“ Christiane Rieve

Peter Neuhaus, erfahrener Förderer „Ich bin Ehemann, mehrfacher Vater und Großvater, Diplomingenieur, Grüner und Rentner. Ich sehe viele Missstände in der Welt und folgenschwere Entwicklungen, die schon meine Kinder, vor allem aber meine Enkel betreffen werden. Ich allein kann wenig dagegen ausrichten. Um mit anderen gemeinsam etwas zu erreichen, unterstütze ich schon seit langem ROBIN WOOD finanziell. Bei neuen Kampagnen lasse ich mich oft zusätzlich zu Spenden verlocken. Denn für solche Kletter-Aktionen bin ich wohl doch nicht mehr jung genug.“

Christiane Rieve, 25 Jahre Förderin

25 Jahre

„Ich unterstütze ROBIN WOOD seit 25 Jahren, weil wir im Konzert der Umweltverbände einen unverwechselbaren Ton behalten haben. ROBIN WOOD fragt nach, lässt sich nicht mit einfachen Lösungen abspeisen, begründet die umweltpolitischen Forderungen fachlich versiert, hält sich von falschen Bündnissen fern und bewahrt sich vor modisch sprunghaften Themen.

Stefan Steyer

Stefan Steyer, Umweltpraktikant

Peter Neuhaus

Liebe Leserinnen und Leser! „Mich hat das Thema „Energie“ schon ziemlich früh beschäftigt, denn ich bin in der Lausitz aufgewachsen und musste ansehen, wie Dörfer und ganze Landschaften für Kohle zerstört wurden. Ich wünsche mir, dass sich ROBIN WOOD auch die nächsten 25 Jahre aktiv für den Umweltschutz einsetzt, mit der gleichen Spontanität und Kreativität!“ Juliane Selenk

Juliane Selenk, Förderin und Aktivistin

Bitte schreiben Sie uns, warum Sie ROBIN WOOD unterstützen. Wir möchten gerne veröffentlichen, was Ihnen an unserer Umweltarbeit gefällt und wo wir noch besser werden können. Herzlichen Dank! ROBIN WOOD-Magazin Lindenallee 32 16303 Schwedt magazin@robinwood.de

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Die Eichel des Jupiter Die Walnuss - Baum des Jahres 2008

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n einigen oberösterreichischen Flussauen, da wächst die sogenannte Spitznuss, ein gegen Frost recht widerstandsfähiger Walnussbaum mit auffallend kleinen, spitz zulaufenden Früchten. Unter BotanikerInnen ist der Streit noch im Gange, ob es sich hierbei vielleicht um die einzigen echten Relikte der während der vorletzten großen Eiszeit vor mehr als hunderttausend Jahren in Mitteleuropa ausgestorbenen Walnuss handelt. Möglicherweise sind es aber lediglich eingeführte und dann verwilderte Kultursorten, die in die dortigen Auenwälder eingewandert sind. Denn Fakt ist, dass – von dieser eventuellen Ausnahme mal abgesehen – die typische und uns allen so vertraute Walnuss erst vor einigen tausend Jahren unter der Obhut des Menschen ihr eiszeitliches Refugium am Schwarzen Meer wieder verlassen hat. Heute ist sie überall in Mitteleuropa anzutreffen. Natürlich war es weniger der Baum selbst, als vielmehr seine nahrhafte und wohlschmeckende Frucht, die die Menschen damals bewogen, ihn unter seine Fittiche zu nehmen. Sie nahmen die Nüsse mit, wenn sie ihre alten Siedlungen aufgaben und sie hatten sie dabei, wenn sie zu ausgedehnten Han-

delsreisen aufbrachen. Natürlich waren es auch immer die größten und gehaltvollsten Nüsse, die zur Aussaat weiter gereicht wurden. Und in dieser Weise genetisch selektiert, wurden die Früchte der Walnussbäume auf ihrer Jahrtausende langen Wanderung von der West- und Südküste des Schwarzen Meeres zu den Griechen, Römern, Kelten und Germanen immer größer. Die ursprünglich mal höchstens zwei Zentimeter langen Nüsse können heute eine Länge von bis zu fünf Zentimetern erreichen. Die ersten Walnussbäume nördlich der Alpen wurden bereits in der ausgehenden Jungsteinzeit und beginnenden Bronzezeit angebaut – nachgewiesen durch Pollenanalysen von Torfsedimenten. Dies deutet darauf hin, dass damals bereits die Siedlungen recht dauerhaft gewesen sein müssen. Denn sonst hätte keiner Bäume gepflanzt, die erst so richtig nach fünfzehn Jahren Früchte tragen.

Die Walnuss kann etwa 150 Jahre alt und dabei als freistehender Baum bis zu 20 Meter hoch werden

Foto: Andreas Roloff Foto: Bolko Haase

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schwerpunkt Göttliche Frucht Für die entscheidende Verbreitung in Mitteleuropa sorgten die Römer. Bei denen gehörte die dem Jupiter geweihte göttliche Eichel schon einige Jahrhunderte lang zu den wichtigsten Kulturpflanzen. Ihr botanischer Name Juglans leitet sich vom lateinischen Jovis glans ab, übersetzt: die Eichel des Jupiter. Als Cäsar Gallien besetzte, wurden auch dort sehr erfolgreich Nusskulturen angelegt. Und diese gallische Nusssorte (Nux gallica) pflanzten die Römer dann in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung auch überall im besetzten Germanien an. Seither ist sie in Mitteleuropa – später dann auch jenseits des Limes - heimisch geworden. Als Karl der Große in seiner sogenannten Landgüterverordnung festschrieb, wie und was alles auf seinen zahlreichen Gütern angebaut zu werden hat, da war auch ganz selbstverständlich die Walnuss unter den sechzehn auf der Liste aufgeführten Obstbäumen dabei. Die nächste große und folgenreiche Wanderung der Walnuss fand dann in der Neuzeit statt. Es war die transatlantische Querung per Schiff. Spanische Missionare brachten 1770 den Baum in die Neue Welt. Knapp hundert Jahre später begann bei Santa Barbara in Kalifornien der kommerzielle Anbau der Walnuss. Heute werden in diesem USBundesstaat zwei Drittel aller Walnüsse weltweit geerntet. Und auch in unseren Läden dominiert die Nuss aus den Tälern des Sacramento und San Joaquin.

Arbeitspausen spendet. Entscheidender noch für diese Zuneigung ist es, dass die ätherischen Ausdünstungen der Walnussblätter Mücken, Schnaken, Fliegen, Flöhe und anderes Getier fernhalten, das sonst die Vesperstimmung trüben würde. Aus dem gleichen Grund werden Walnussbäume auch gerne vor Schlafzimmerfenster gepflanzt. Auch viele Pflanzenarten halten es übrigens unter der Krone des Walnussbaums nicht aus. Am Schatten liegt’s nicht. Verantwortlich ist ein Glukosid, das aus Blättern und Fruchtschalen stammt und mit dem Regen in den Boden gelangt. Dort sorgen Mikroorganismen dafür, dass dieser Stoff in das sogenannte Juglon umgewandelt wird - die eigentlich wirksame Substanz, die Keimung und Wachstum von Pflanzen hemmen kann. Rispengräser, Brombeeren und Buschwindröschen allerdings gehören zu den wenigen Pflanzen, die es trotzdem ganz gut unter einem Walnussbaum aushalten.

Exklusives Holz Nicht nur die Nüsse - auch sein Holz machen den Walnussbaum interessant. Walnussholz gilt als eines der wertvollsten europäischen Hölzer – als

Baum der Weinberge Walnussbäume wachsen dort besonders gut, wo es auch dem Wein am besten gefällt - auf wintermilden, spätfrostfreien Lagen. In Süddeutschland gilt die Walnuss als typischer Weinbergbegleiter. Die WinzerInnen lieben diesen Baum, der ihnen den nötigen Schatten in den

Foto: Bolko Haase

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Auffällige männliche Kätzchen und schmucklose weibliche Blüten sitzen auf dem gleichen Baum (oben). Walnüsse sind erst reif, wenn die grüne Fruchthülle von selbst aufplatzt (unten)

Fotos: Andreas Roloff


schwerpunkt Foto: obs/Südtiroler Apfelkonsortium

Foto: Bolko Haase

Massiv- und erst recht als Furnierholz. Seit der Renaissance wird das Nussholz mit dem grau- bis schwarzbraunen, breit geaderten Kern und dem hellen Splint für kunstvolle Möbel und exklusiven Innenausbau mit Täfelungen und Parkett genutzt. Auch Orgeln, Klaviere, Saiteninstrumente und Lautsprecherboxen werden gern daraus gefertigt. Wegen seiner hohen Festigkeit und seiner geringen Neigung zum Splittern war es auch das beste Holz für Armbrüste und Gewehrschäfte, was in Kriegszeiten regelmäßig die Walnussbestände dezimierte. Wertvoll ist das Nussholz zwar wegen seiner einzigartigen Farbstrukturen, doch teuer wird es allein schon deshalb, weil die Walnussbäume bei uns sehr verstreut in der Landschaft stehen. Außerdem haben sie als Einzelbäume meist einen eher kurzen, oft auch leicht gekrümmten Stamm und zahlreiche weitausladende Kronenäste. Das alles ist nicht gerade die beste Voraussetzung für eine kostengünstige Holzverarbeitung in größerem Stil. Das Holz wird heute überwiegend importiert, aus Frankreich, Italien oder der Türkei, wo es größere Nussplantagen gibt. Oder es kommt aus Nordamerika zu uns. Dann stammt das Holz allerdings

meist von der nah verwandten Schwarznuss oder von der Butternuss.

Baum der offenen Kulturlandschaft Seit einiger Zeit gibt es Bestrebungen, auch im deutschen Wald zumindest ein bisschen am lukrativen Nussholzgeschäft teilzuhaben. Forstleute - insbesondere in Süddeutschland - versuchen die Walnuss zu einem Waldbaum zu machen, in der Hoffnung, dass sie innerhalb der Enge eines Waldes gerade und ohne viel Kronenastwerk in die Höhe wächst. Das tut sie auch. Bis zu dreißig Meter hoch kann sie im Wald werden, während sie im Freien nur auf 15 bis 20 Meter kommt. Und auch der Stamm, der sonst nach etwa drei Metern bereits in die Kronenäste übergeht, kann im Wald schon mal zehn Meter hoch werden. Doch so einfach ist das nicht hinzukriegen mit der Walnuss. Denn sie ist äußerst lichtbedürftig. Ihr Kronenraum darf also nicht all zu sehr von benachbarten Bäumen bedrängt und schon gar nicht überwachsen werden. Andererseits - nur wenn sie von anderen Bäumen umgeben ist, wächst sie wie gewünscht

Typischer Wuchs: Kurzstämmig und selten gerade - hier in einer Nussplantage in Rheinland-Pfalz gerade und ohne starke Verzweigung in die Höhe. Es ist also eine recht schwierige Balance, die man da hinbekommen muss. Und das geht meist nur mit viel Fürsorge und lebenslanger Pflege. Andere experimentieren in ihrem Wald mit Walnussbäumen, die aus Mischwäldern im gebirgigen Kirgistan stammen. Wieder andere setzen ihre Hoffnung auf die bereits erwähnten Nussbäume aus den nordamerikanischen Wäldern und pflanzen Bastarde, also Kreuzungen aus hiesiger Walnuss und transatlantischer Schwarznuss in ihre Bestände. Bei all diesen Versuchen, die Walnuss in unsere Wirtschaftswälder zu integrieren, mag viel Liebhaberei und Experimentierlust im Spiel sein. Mit den Zielen einer naturnahen Waldnutzung hat das alles allerdings wenig zu tun. Die Walnuss mag ja vor über hunderttausend Jahren – bevor sie hier ausstarb - ein Baum der mitteleuropäischen Wälder gewesen sein. Zurückgekehrt ist sie aber jetzt

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schwerpunkt als Baum der offenen Kulturlandschaft. Auch wenn sie von Eichhörnchen, Krähen und anderen Nussliebhabern immer wieder auch in die Wälder verschleppt wurde, dauerhaft hat sie dann ihren Platz doch eher an den Rändern dieser Wälder oder in Feldgehölzen gefunden. Mit einer Ausnahme: In Auenwäldern, in die der Fluss mit seinen reißenden Hochwassern immer wieder auch sonnendurchflutete Lücken schlägt, kommt die Walnuss recht gut zurecht. Sie ist zudem auch ausgesprochen überflutungstolerant. Mehr als einen Monat hält sie es im fließenden Hochwasser aus. In den Hartholzauen am Oberrhein und an der Donau, aber auch an der kühleren mittleren Elbe hat die verwilderte Walnuss ihren naturnächsten Lebensraum in Mitteleuropa gefunden. Allerdings sind solche Auenwaldstandorte heute nur noch in wenigen Relikten vorhanden. So ist die Walnuss bei uns – ähnlich wie die Rosskastanie – doch vor allem ein Baum der Bauernhöfe, Hausgärten und Parks. Sie ist der Schattenspender am Wegesrand und in den Feldern. Tipps und Rezepte zur Verwendung ihrer Blätter und Früchte füllen unendlich viele Buch- und Internetseiten – vom Haare und Wolle färben über Liköre ansetzen,

Von Kauderwelsch und Welscher Nuss Tuorta da Nusch, so heißt eine der berühmtesten Nussspeisen in der Sprache ihrer rätischen Heimat Graubünden: Tuorta da Nusch, das ist die Engadiner Nusstorte. Rumantsch bzw. Rätoromanisch spricht das Bergvolk in den Hochtälern der Schweizer Alpen. Zu Luthers Zeiten wurde diese eigentümliche Sprache das Churer Welsch genannt. Zur Erklärung: Chur ist die wichtigste Stadt im Kanton Graubünden. Und als welsch galt bei uns früher alles, was aus Regionen kam, in denen romanisch geprägte Sprachen gesprochen wurden. Dieses Churer Welsch muss damals der Inbegriff einer unverständlichen Sprache gewesen sein. Jedenfalls hat sich direkt daraus – da sind sich die Etymologen einigermaßen sicher – der Begriff Kauderwelsch entwickelt. Was das alles mit der Walnuss zu tun hat? So gut wie nichts – außer dass sich der Name Walnuss ebenfalls von dem Wort welsch ableitet. Die Welschnuss – das ist die Nuss mit der gallisch-römischen Herkunft. Und was hat das Engadin mit Walnüssen zu tun? In dieser Bergregion wachsen Arven und Lärchen, aber wohl kein einziger Walnussbaum. Erfinder der weltberühmten Torte ist ein nach Frankreich ausgewanderter Engadiner, der vor etwa 80 Jahren als Zuckerbäcker in seine Heimat zurückkehrte und dort ein aus Frankreich mitgebrachtes Rezept eines Nusskuchen erfolgreich vermarktet hat.

Öle pressen, Heiltinkturen mischen bis hin zum Ungeziefer vertreiben und Weihnachtsschmuck basteln. All das belegt eine große Vertrautheit, die die Walnuss schon seit langem bei uns in Mitteleuropa genießt. So gesehen ist dieses Besatzungskind aus der Römerzeit ein ausgesprochen heimischer Baum

Als Hofbaum war die Walnuss früher weit verbreitet

Fotos: Andreas Roloff

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geworden, mehr als so mancher unserer ur-heimischen Waldbäume.

Rudolf Fenner ist Waldreferent und seit 1993 für ROBIN WOOD im Kuratorium Baum des Jahres aktiv, Tel.: 040/38089211 wald@robinwood.de


schwerpunkt

Rezept der Tuorta da Nusch Aus 350 g Mehl, 250 g Butterflocken, 200 g Zucker, einem Ei, einer abgeriebenen Zitronenschale und einer Prise Salz einen Mürbeteig zubereiten und dann zu einer Kugel geformt eine halbe Stunde im Kühlen ruhen lassen. In der Zwischenzeit die Füllung zubereiten: Dazu 250 g Zucker hellbraun schmelzen, 300 g grob gehackte Walnüsse mitrösten, mit 200 ml Sahne ablöschen und 3 EL Honig unterrühren. Die Füllung muss warm auf den Mürbeteig gebracht werden. Zwei Drittel des Mürbeteigs ausrollen und in einer ausgebutterten, runden Springform auslegen, dabei den Teig am Rand hochziehen. Die Nussfüllung auf dem Teig verteilen, die hochgezogenen Teigränder umgeklappen und mit Eiweiß bestreichen. Den restlichen Teig ausrollen und einen passenden Deckel ausschneiden, auf die Füllung legen und an den Teigrändern runherum gut zusammendrücken. Bei 180 Grad eine Stunde backen und dann ... Geduld, Geduld - mindestens einen Tag stehen lassen. Achtung: Kalorienbombe!

Wer mehr über die Walnuss wissen will, ... ... der sollte im umfangreichen Faltblatt „Die Walnuss – Baum des Jahres 2008“ weiterlesen, das von dem Forstbotaniker Prof. Dr. Andreas Roloff verfasst wurde und vom Kuratorium „Baum des Jahres“ (KBJ) herausgegeben wird. Auch für Kinder gibt es wieder ein KBJ-Faltblatt über den Jahresbaum 2008.

Titelfoto: A.ROLOFF

Pflanzen – Schützen – Pflegen

www.Baum-des-Jahres.de

Walnuss

Die Walnuss

Baum des Jahres 2008 20 Jahre

2008

2008 Walnuss Und natürlich gibt es auch für das kommende Jahr wieder den Wandkalender des KBJ mit wunderschönen Bildern der Walnuss, diesmal gemeinsam erstellt von Jens Tönnießen und Rudolf Fenner. Er ist für 13,-€ plus 1.65 € Porto zu haben. Faltblätter, Broschüren und Kalender sind in der ROBIN WOOD-Geschäftsstelle erhältlich: Postfach 102122, D-28021 Bremen, info@robinwood.de, Tel.: 0421.598288

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Ginkgo, Baum des Jahrtausends

Š: www.baum-des-jahres.de


schwerpunkt 1989

Sommerlinde

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1990

Stieleiche Buche

1994

1993

Bäume des Jahres

1992

1989 – 2006

Pflanzen – Schützen – Pflegen

Bergulme

Speierling

Eibe Spitzahorn

1995 ist seit 15 Jahresbäumen Mitglied im Kuratorium Baum des Jahres und gratuliert herzlich zum 20. Baum des Jahres

Die Broschüre ist zu beziehen bei: Kuratorium Baum des Jahres, Kneippstraße 15, 95615 Marktredwitz,Tel.: 09231/985848 Fax: 82927

info@baum-des-jahres.de

1996

1997

Hainbuche Eberesche

1998

Wildbirne

Dr. Silvius Wodarz, Schöpfer von „Baum des Jahres“ und seit 1989 Vorsitzender des Kuratoriums

1999

Silberweide

2001

2000

Sandbirke

2002 Esche

2004 2003 Wacholder

2005

Schwarzerle

Rosskastanie

Weißtanne

2008

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2006 Schwarzpappel

Waldkiefer

Walnuss

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Foto: Craig Pettitt


schwerpunkt

Die letzten Bergkaribus Mit dem Einschlag der ursprünglichen Wälder in der kanadischen Forstprovinz British Columbia drohen nun die letzten Bergkaribus für immer zu verschwinden. Einige Zehntausend dieser Bergrentiere zogen noch vor hundert Jahren in großen Herden durch die bergige Landschaft mit ihren regenreichen Wäldern an der Westflanke der Rocky Mountains. Heute leben hier nur noch 1800 Exemplare. Im Oktober hat nun die Provinzregierung einen Plan zum Schutz der Bergkaribus angekündigt. Ein halbherziger Plan, denn er überlässt große Bereiche Kanadischer der einzigartigen und artenreichen Hang-Regenwälder, in denen sich Inlanddie Rentierherden zweimal im Jahr aufhalten, weiterhin der überRegenwald mächtigen Forstindustrie.

R

egenreiche Landstriche bringen eine üppige und vielfältige Vegetation hervor. Das gilt für große Teile der Tropen mit den äquatornahen Regenwäldern. Das gilt auch für einige Küstenregionen in den gemäßigten Breiten - in Chile, Tasmanien oder Westkanada beispielsweise. Es gibt sogar einen Regenwald im kalten, im sogenannten borealen Klimabereich, nämlich in einem schmalen Küstenstreifen im nordwestlichen Norwegen, wo in den regenfeuchten Fichtenwäldern eine beeindruckend reiche Flechtenflora wächst. Alle diese Wälder stehen wegen ihrer hohen Holzvorräte im Focus einer begehrlichen Holzindustrie. Die meisten dieser Regenwälder sind bereits, bis auf wenige ursprüngliche Reste, unter die Säge gekommen.

ten, die auch die Küstenwälder prägen. Und ganz ähnlich wie in den Küstenwäldern gibt es hier Hemlocktannen und Riesen-Thujas, die – wenn sie vom Menschen und vom Feuer unbehelligt bleiben – zu über achtzig Meter hohen Baumgiganten heranwachsen und weit über 1000 Jahre alt werden können. Doch anders als im milden Küstenklima gibt es hier richtige Winter mit Schnee und tiefen Minusgraden. Und es gibt in dieser Bergregion noch eine Reihe ganz anderer Lebensräume: alpine Matten und Gletscher, Hochlagenwälder und – im Windschatten – auch trockene Waldstandorte. Das alles macht die biologische Einmaligkeit dieses Lebens-

raumes aus und sorgt für eine außergewöhnliche hohe biologische Vielfalt. Besonders die Flechtenvegetation ist in ihrer Artenvielfalt einzigartig. Über 280 unterschiedliche Flechtenarten wurden allein in einem kleinen Untersuchungsareal dokumentiert. Eine ganze Reihe bislang unbekannter Flechten wurden hier in den letzten Jahren erstmals beschrieben. Und WissenschaftlerInnen sind sich sicher, dass es noch zahlreiche weitere Arten zu entdecken gibt. Hier - und nur hier in dieser Bergregion – sind die Bergkaribus zu Hause. Sie sind eine Unterart des Waldkaribus, dem kleinen Verwandten des weiter im Nor-

Foto: Valhalla Wilderness Society

In der kanadischen Provinz British Columbia, wo der weltweit größte Küstenregenwald steht, gibt es noch einen weiteren und in dieser Form einzigartigen Typ des Regenwaldes: den Inland-Regenwald. Er wächst im Osten der Provinz, an den Vorgebirgen und Hängen der Rocky Mountains und erstreckt sich von den Cariboo Mountains im Norden bis hinein in die US-Bundesstaaten Washington, Idaho und Montana. Hier an den Westhängen regnen sich die vom Pazifik kommenden Wolken nach mehr als 500 Kilometern über Land ausgiebigst und endgültig leer. In den tieferen Lagen dieser Hang-Regenwälder wachsen viele der Baumar-

Die Giganten des InlandRegenwäldern können über 1000 Jahre alt werden

ROBIN WOOD engagiert sich für den Schutz der Bergkaribus und protestiert bei der Provinzregierung gegen die Zerstörung ihres Lebensraum, dem einzigartigen Inland-Regenwald. Helfen Sie jetzt mit, dass unser Protest noch deutlicher gehört wird!

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schwerpunkt Foto: Craig Pettitt

Forstwirtschaft, die jährlich 50.000 Hektar Wald in den Tälern kahlschlägt, ist die Hauptursache für das Verschwinden der Bergkaribus

Foto: ForestEthics

Im Winter ziehen die Bergkaribus in die hochgelegenen Waldgebiete den lebenden großen Tundrenkaribus. Sie durchziehen im Wechsel der Jahreszeiten und je nach Schneeverhältnissen die Berghänge von den hochgelegenen Bergwiesen bis in die Talauen. Den

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Sommer hindurch halten sie sich in den waldfreien Hochlagen auf. Im tiefsten Winter, wenn der hohe Schnee die am Boden wachsenden Flechtenvegetation unerreichbar werden lässt, kämpfen sie sich durch die hochgelegenen Wälder, wo sie sich – dank ihrer auffällig breiten Hufe – auf der Schneedecke bewegen können und so die für sie in dieser Zeit einzig mögliche Nahrung erreichen - die von den Kronenästen herabhängenden Bartflechten. Doch zwei mal im Jahr – ein mal, bevor der Winter so richtig loslegt, und dann wieder, wenn im Tal der Frühling beginnt – da steigen sie auf der Suche nach Nahrung in die tieferen Hanglagen hinunter in die üppigen Hemlock- und Thujabestände des Interior Rainforest. Doch dies genau sind auch die Waldbestände, die auch für die Forstindustrie am lukrativsten sind. Seit über vierzig Jahren werden in dieser Region die unteren Hanglagen kahlgeschlagen – im Schnitt etwa 50.000 Hektar pro Jahr. Und mit dem Verschwinden dieser alten

und ursprünglichen Wälder verschwinden auch die Flechten und die Bergkaribus. Forstwirtschaft ist der Hauptgrund, dass heute das Bergkaribu mit nur noch etwa 1800 Exemplaren die am stärksten gefährdete Großwildart Nordamerikas ist. Zusätzlich geschwächt werden diese Rentiere durch Inzucht, da die insgesamt noch dreizehn bestehenden Herden durch Straßen, Siedlungen, Kahlschlagflächen und Waldrodungen immer stärker von einander isoliert leben müssen. Der in dieser Bergregion boomende Wintersport tut ein übriges. Lärmende Motorschlitten und dröhnende Hubschrauber fürs Heliskiing scheuchen die äußerst scheuen Tiere immer häufiger auf und stören sie bei der in dieser Jahreszeit mühsamen Nahrungssuche. Und auf den festgefahrenen Wegen und Loipen kommen im Winter auch Wölfe und Pumas immer höher in die tief verschneiten Hochlagenwälder, in denen sich früher das Bergkaribu mit seinen Schneeschuh-Hufen als einziges Großwild und somit unbehelligt von hungrigen Raubtieren fortbewegen konnte.


schwerpunkt Die Provinzregierung von British Columbia hat vor vier Jahren das Mountain Caribou Science Panel eingesetzt, eine wissenschaftliche Kommission, die beauftragt wurde, ein Schutzkonzept für das vom Aussterben bedrohte Bergkaribu auszuarbeiten. Nachdem diese Kommission ihre Vorschläge vorgelegt hatte, kündigte nun vor wenigen Wochen die Provinzregierung einen Rettungsplan an. Noch ist dieser Plan nicht öffentlich, und vieles davon soll auch erst in den kommenden Monaten und Jahren konkretisiert werden. Aber klar ist, dass die Regierung über zwei Millionen Hektar Schutzgebiete für die Karibus plant. Diese insbesondere für Europäer unvorstellbar große Schutzfläche schrumpft allerdings in ihrer beeindruckenden Wirkung rapide, wenn deutlich wird, dass knapp 80 % dieser vorgesehenen Schutzflächen längst geschützt sind. Diese Gebiete sollen lediglich in ihrem Schutzstatus angehoben werden, um künftig motorisierten Wintersport und Bergbauaktivitäten auszuschließen. Und auch die restlichen rund 20 Prozent der Flächen, die als wirklich neue Schutzgebiete dazu kommen sollen, sind fast ausschließlich wirtschaftlich unproduktive und damit nicht akut gefährdete Waldgebiete.

rmen einigen. Die in British Columbia so mächtige Forstbranche verzichtet gerne großzügig auf diese Waldgebiete: zu unzugänglich, zu wenig Qualität, zu wenig Masse. Für die tiefergelegenen Wälder, in denen die Bergkaribus in den Übergangszeiten vor und nach dem Winter Nahrung und Schutz suchen, scheinen kaum Schutzpläne im Regierungskonzept vorgesehen zu sein. Die Abholzunternehmen können also auch die letzten verbliebenen 20 Prozent des Inland-Regenwaldes für die nächsten Jahre auf ihrer Agenda lassen.

Deutlich geht aus der Ankündigung der Regierung hervor, dass sie vor allem den Winterlebensraum der Bergkaribus, die Hochlagenwälder unterhalb der alpinen Baumgrenze, schützen will. Hierfür muss sie sich lediglich mit der Wintersportbranche, vielleicht noch mit einigen Bergbaufi-

Noch ist es nur ein angekündigter, unfertiger Plan. Bis zu einem endgültigen Beschluss werden noch einige Monate vergehen. Zudem ist auch noch eine zweimonatige Phase vorgeschrieben, in der die Öffentlichkeit dazu Stellung nehmen kann. Fünfzig WissenschaftlerInnen

Einige Umweltorganisationen, die zusammen mit Forstunternehmen und Wintersport-Clubs in den Entscheidungsprozess der Provinzregierung eingebunden waren, bezeichnen trotzdem den angekündigten Plan als ersten großen Schritt in Richtung Karibuschutz. Doch ein Plan, der nur einen Teil des Lebensraums im jährlichen Wanderzyklus der Bergkaribus schützt, kann nicht erfolgreich sein - erst recht nicht, wenn gerade diejenigen Waldgebiete ungeschützt bleiben, deren fortschreitende Zerstörung den Untergang der Bergkaribus eingeläutet hat.

Der jahrzehntelange Kampf gegen die Zerstörung der Regenwälder im Küstengebiet von British Columbia hat weltweit Aufsehen erregt. Vor sieben Jahren begann dort ein Verhandlungsprozess, an dem einige große Umweltorganisationen, eine ganze Reihe von First Nations, die Holzindustrie und Regierungsvertreter teilnahmen. Verhandelt wurde um den rund sechs Millionen Hektar großen sogenannten Great Bear Rainforest. Ein Drittel dieses Waldes wurde inzwischen unter Schutz gestellt. Nun geht es darum, dass auch die restlichen zwei Drittel bewahrt und naturverträglich bewirtschaftet werden. Mehr dazu in den ROBIN WOODMagazinen 3/2007 und 4/2001 oder Foto: Craig Pettitt unter www.robinwood.de/magazin.

Foto: Gary Diers

Machen Sie mit! Unterstützen Sie unsere Kampagne zum Schutz der Bergkaribus und der letzten Urwälder im Gebiet des InlandRegenwaldes! Schreiben Sie einen Brief an Gordon Campbell, den Premier der Provinz British Columbia! Sie finden in diesem Magazin einen Protestbrief, den sie nur auszufüllen, zu unterschreiben und an ROBIN WOOD zu schicken brauchen. Wir werden Ihre Protestbriefe sammeln und dann mit einer pressewirksamen Aktion an den Premier übergeben. Machen Sie unsere Kampagne auch in Ihrem Freundeskreis und bei Ihren Nachbarn bekannt. Mehr Protestbriefe können Sie von unserer Website herunterladen: www.robinwood.de. Je mehr Protestbriefe und Unterschriften wir sammeln, um so größer wird die Wirkung auf die politisch Verantwortlichen.

- vornehmlich Biologen – haben bereits in diesem Jahr eine Petition an die Provinzregierung gerichtet, in der sie mit höchster Priorität den Schutz aller Urwälder mit über 140-jährigen Baumbeständen im gesamten Gebiet der Bergkaribus forderten. Nur so können diese Rentiere und Hunderte weiterer bedrohter Tier- und Pflanzenarten des Inland-Regenwaldes vor dem Artentod bewahrt werden. Die Valhalla Wilderness Society, das Western Canada Wilderness Committee und fünfzehn weitere Umweltgruppierungen aus British Columbia unterstützen die Forderungen dieser WissenschaftlerInnen. Rudolf Fenner ist ROBIN WOODWaldreferent und hat vor 15 Jahren zusammen mit der Valhalla Wilderness Society, unserer Partnerorganisation im kanadischen Inland-Regenwaldgebiet, das Taiga Rescue Network mitgegründet, Tel.: 040/38089211, wald@robinwood.de

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schwerpunkt

Das große Sägen In unserem Nachbarland Polen verschwinden die Bäume an den Straßen in einem atemberaubenden Tempo, weil mit den Stämmen viel Geld verdient werden kann. Aber auch das alleenreichste Bundesland in Deutschland, Brandenburg, plant in den nächsten Jahren großzügig zur Säge zu greifen. In Polen ist es einfach und lohnend Geschäfte mit Straßenbäumen zu machen, denn Alleebäume dürfen seit 2003 auch ohne Genehmigung der Naturschutzbehörden gefällt werden, berichtet Iwona Trusewicz in der polnischen Zeitung „Rzeczpospolita“ vom 20. Juni 2007. Der Sägewerkbesitzer Jacek Wierzbicki aus Prztuly in Masuren hat ihr vorgerechnet, dass eine straßenbegleitenden Esche bis zu 13.000 Zloty, also ca. 3000 Euro, einbringen kann: Für eine Esche von ca. drei Kubikmetern Holz aus den staatlichen Wäldern muss ein Unternehmer 1500 Zloty zahlen, für eine vom Straßenrand nur 100 bis 300 Zloty. Aus einem Festmeter Esche kann er 30 Quadratmeter Bodenbelag in hervorragender Qualität oder 40 Quadratmeter Paneele herstellen. Für das Parkett zahlen die Kunden 4500 Zloty, für die Paneele 2400. Jacek Wierzbicki engagiert sich schon lange gegen den Ausverkauf der polnischen Alleen und hat sich damit bereits unbeliebt gemacht. Zweimal wurde schon versucht sein Sägewerk anzuzünden.

Straßenbegleitendes Geschäft In einigen masurischen Gemeinden verschwinden die Bäume schnell und unauffällig. Sie werden im Morgengrauen gefällt, damit die Touristen, die auf ihren Fahrrädern unterwegs sind, nicht an den Fällaktionen Anstoß nehmen und womöglich die Polizei informieren. Die Gesellschaft zum Schutz der Kulturlandschaft „Sadyba“ hat eine lange Liste solcher Fällungen zusammengetragen. Diese dokumentierten Ordnungswidrigkeiten hat Sadyba der obersten Rechnungskontrollbehörde

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übergeben, die demnächst eine Untersuchung einleiten wird. Für viele masurische Alleebäume könnte es dann schon zu spät sein. Allein an der Landstraße Bartoszyce – Ketrzyn wurden 4105 Alleebäume bis Herbst 2006 gefällt. Oft rechtfertigen die Straßenbehörden die Fällungen mit geplanten Instandsetzungen der Straßen oder damit, dass die Bäume die Sicherheit des Straßenverkehrs gefährden würden. An der Straße nach Mikolajki erlaubte der Gemeindevorsteher aus Kolno die Fällung von 760 Bäumen. Repariert oder verbreitert wurde die nun kahle Straße allerdings nicht. Wie Sadyba berichtet, wurden diese Fällungen genehmigt, ohne das vorgeschriebene Verfahren einzuhalten. So befreite der Gemeindevorsteher die ausführende Firma von den Gebühren, die zugunsten des gemeindlichen Naturschutzfonds fällig geworden wären. Der stellvertretende Direktor der Wojewodschaftsstraßenverwaltung in Olsztyn, Wladyslaw Adamiuk, klagt, dass es mit den straßenbegleitenden Bäumen nur Probleme gäbe. Er erklärt, dass seine Behörde plane, an allen masurischen Straßen die Bäume zu fällen. Leider würde ihnen dafür zur Zeit das Geld fehlen. Die Organisation Sadyba macht sich gegen das sinnlose Abholzen an polnischen Straßen stark und hat Ende 2004 die Aktion „Wir retten die Alleen“ ins Leben gerufen. Sadyba setzt auf die Europäische Landschaftskonvention, die Polen 2004 ratifiziert hat. Danach sind Alleebäume wichtige Landschaftselemente, die es zu schützen gilt. Werden sie gefällt, führt das zu einer Degradation des Landschaftsbildes und

Foto: ROBIN WOOD/Chr. Weitzel


schwerpunkt läuft damit den Zielen der EU-Konvention zum Schutz und der Gestaltung der Landschaft zuwider.

Baum ab in Brandenburg mit der Strategie 21 In Deutschland können mit gefällten Alleebäumen keine Geschäfte gemacht werden, so die zuständigen Straßenbehörden. Die Bäume würden hier immer erst gefällt, wenn das entbehrungsreiche Leben an der Straße sie morsch und kaputt gemacht hätte. In Brandenburg soll aber in Zukunft schneller zur Säge gegriffen werden. Das Brandenburger Verkehrsministerium plant, den Alleebaumbestand in den nächsten Jahren um mehr als 100.000 Bäume zu verringern. Dafür soll ein neues Konzept mit dem klangvollen Namen „Strategie 21 – Die Zukunft der Alleen an Bundes- und Landesstraßen in Brandenburg“ so schnell wie möglich umgesetzt werden. Es dient nach Auskunft der Behörde dazu, den Alleenbestand an märkischen Straßen langfristig zu sichern. Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen soll mit dem Konzept allerdings nur das Fällen vereinfacht und Geld für dringend nötige Nachpflanzungen von Alleen gespart werden. Wer in diesem Sommer durch die märkischen Alleen gefahren ist, konnte sehen, dass das winterliche Streusalz, falsche Schnittmaßnahmen und die Schäden an den Wurzeln durch Baumaßnahmen den Bäumen stark zugesetzt haben. Viele Alleen sind in einem beklagenswerten Zustand und ihre Blätter waren bereits im Juli braun verfärbt. Ob auch in Zukunft Alleen in Brandenburg erlebt werden können, hängt maßgeblich davon ab, wie viele Bäume nachgepflanzt werden. Im Alleen-Erlass aus dem Jahr 2000 hatte das Land festgeschrieben, dass Alleebäume im Verhältnis 1:1 nachgepflanzt werden müssen. Doch dieser Verpflichtung sind die Straßen-

baubehörden nicht nachgekommen: In den Jahren 2001 bis 2004 summierte sich das Nachpflanzdefizit auf über 5700 Bäumen an Bundes- und Landstraßen. Erst 2005 und 2006 wurden erstmals mehr Bäume gepflanzt als gefällt. Das neue Konzept „Strategie 21“ lässt schwarz sehen, für die Zukunft der märkischen Alleen. Wird es wie geplant noch 2007 beschlossen, werden die Brandenburger Alleen in den nächsten Jahren aus der Landschaft verschwinden. So soll die Zahl der Nachpflanzungen von der Zahl der Fällungen entkoppelt werden und jährlich konstant 5000 Bäume gepflanzt werden. Das entspricht einer Länge von 30 Alleen-Kilometer pro Jahr. Bei jährlich 9000 Fällungen, die für 2010 vom Verkehrsministerium prognostiziert werden, würde der Alleenbestand gravierend verringert. Bis 2025 wären die märkischen Alleen um mehr als 100.000 Bäume auf Zweidrittel des heutigen Bestandes reduziert. Erst danach würde die Zahl der Alleebäume wieder zunehmen und 2060 heutiges Niveau erreicht haben. Wie diese Nachpflanzungen finanziert werden sollen, bleibt allerdings unklar. Dabei macht Mecklenburg-Vorpommern mit klugen Regelungen schon lange vor, wie Alleen langfristig erhalten und neue Baumreihen angelegt werden können. Seit 1994 wurden dort im Schnitt zwei Bäume für jeden gefällten Alleebaum gepflanzt. Kernstück der Regelung ist

ein Alleenfonds, in den jeder, der einen Baum fällt, einzahlt und zwar in Abhängigkeit von der Größe des gefällten Baumes. Dieses Geld ist zweckgebunden für Nachpflanzungen vorgesehen. Jetzt hat sich auch der Brandenburger Landkreistag kritisch zur „Strategie 21“ geäußert. Der lange Planungszeitraum sei inaktzeptabel, weil damit die Verantwortung für das Nachpflanzen von Alleen einfach auf künftige Generationen abgewälzt würde. Damit die Brandenburger Alleen nicht dem neuen Alleenvernichtungskonzept zum Opfer fallen, möchten wir unsere LeserInnen bitten, beim Brandenburger Verkehrsministerium gegen die geplante „Strategie 21 - Die Zukunft der Alleen an Bundes- und Landesstraßen in Brandenburg“ zu protestieren und sich für einen Alleenfonds nach dem Vorbild Mecklenburg-Vorpommerns stark zu machen. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung! Minister Reinhold Dellmann Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung Postfach 601161 14411 Potsdam E-Mail: poststelle@mir.brandenburg.de Christiane Weitzel lebt in Schwedt an der Oder und ist seit 2000 für ROBIN WOOD eine der SprecherInnen der Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen Foto: Wolfgang Ewert

Eine Gesundheitsreform für Alleen forderte die Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen am 27. Juli 2007: Wie hier an der B 158 bei Blumberg sind die Bäume krank durch zu viel Salz, falsche Pflege und Baumaßnahmen

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perspektiven

Viel Wald, wenig Menschen Ein studierter Förster wird aus Felix Naumann wohl nicht mehr. „Viel zu theoretisch“, sagt der beste Nachwuchs-Forstwirt Deutschlands mit Überzeugung: Der 24-Jährige arbeitet viel zu gerne draußen im Wald und Computer mag er überhaupt nicht. „Ich weiß, wie man online einkauft, aber ansonsten brauch ich die Technik nicht. Die ist höchstens Mittel zum Zweck“, erklärt der gebürtige Solinger, den seine Naturverbundenheit als Jugendlicher „schon ein wenig zum Außenseiter“ machte. „Wir sind halt ein wenig anders“, wirft Felix Naumanns Vorarbeiter Michael Stolz ein.

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eißes T-Shirt, grün/rote Hose mit Schnittschutz an Knien und Beinen, klobige Sicherheitsschuhe und ein Helm mit Ohr- und Augenschutz: In diesem Aufzug fühlt sich Felix Naumann wohl. Der junge Mann arbeitet für die Stadt Wuppertal im Bergischen Land als Forstwirt. Für 1600 Hektar Wald sind er und seine 20 Mitarbeiter plus fünf Auszubildende zuständig. An seine eigene Ausbildung erinnert sich der junge Mann gerne: „Das war eine kurzweilige und schöne Zeit“. In der Berufsschule hat er viel gelernt über Waldbau und Naturschutz, Bioöle, Arbeitsschutz, Wirtschaftlichkeit und Rechtsgrundlagen in der Waldwirtschaft. Felix Naumann scheint gute Lehrer gehabt zu haben. Immerhin ist er in diesem Jahr zum besten JungForstwirt Deutschlands gewählt worden. Der junge Mann lacht breit: „Gegen die Jungs aus dem Süden hatte ich mir eigentlich gar keine Chancen ausgerechnet, nicht beim

Landes- und schon gar nicht beim Bundeswettbewerb. Ich war eigentlich völlig unvorbereitet und hatte nur einen Nachmittag Zeit zum Üben.“ Beim Bundeswettbewerb musste der Jung-Forstwirt immerhin einen 15-minütigen Vortrag halten, eine Zielfällung vornehmen, Äste in einem vorgegebenen Zeitrahmen absägen, bedrohte Pflanzen und Holzarten bestimmen, Setzlinge pflanzen und einen Fledermauskasten bauen. Zum ersten Mal war bei der Siegerehrung im Rahmen des Deutschen Bauerntags am 28. Juni auch der Bundespräsident anwesend. „Der Köhler kam wirklich sehr sympathisch rüber.“ Gelohnt hat sich die Reise nach Sachsen-Anhalt für den jungen Mann. „Ich habe als Sieger eine Motorsäge gewonnen, einen kleinen Scheck, eine Urkunde, eine Medaille – und einen Gutschein für eine Fortbildung“, erzählt der Geehrte. Felix Naumann wollte schon als Kind immer nur nach draußen. Anders als

Felix Naumann...

Fotos: Annette Lübbers

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viele seiner Altersgenossen tummelte er sich lieber auf einem Bauernhof, als auf den Straßen seiner Heimatstadt herumzulungern. Ganze fünf oder sechs Wochen hielt der Abiturient – „mit Leistungskurs Chemie und Biologie“ – es an der Wuppertaler Universität aus. „Ich wollte Chemie studieren. Aber im Vorlesungssaal war es mir zu eng und die viele Theorie. Nee, ich wollte was Handfestes machen.“ Fast hätte ihm der Amtsarzt noch einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Ich habe Diabetes. Anstrengende körperliche Arbeiten sind da nicht vorgesehen. Wenn ich zu wenig esse, zu wenig trinke und zu hart arbeite, dann kann es Probleme geben. Aber man hat mir zugetraut, dass ich die Krankheit im Griff habe und die Kollegen wissen ohnehin Bescheid.“

Fichten umgeweht Der Sturm Kyrill im Januar dieses Jahres hat viel dazu beigetragen, dass Felix Naumann und seinen Kollegen die Arbeit nicht ausgeht. Etwa 15.000 Kubikmeter Holz sind alleine im Wuppertaler Stadtgebiet herunter gekracht. „Wir haben acht Monate Aufräumarbeiten hinter uns“, erzählt Felix Naumann und er fügt an: „Die etwa 50 bis 80 Zentimeter hohen Setzlinge brauchen jetzt natürlich viel Pflege.“ Was empfindet er, wenn er durch „seinen“ Wald geht und die Schäden betrachtet? „Das war keine sehr emotionale Sache“, sagt der junge Mann nüchtern. „Es hat damals eine Menge Fichten umgeweht. Aber die gehören nicht an diesen Standort. Fichten sind nur flach verwurzelt und bieten dem Sturm viele Angriffsflächen. Ins Bergische Land gehören traditionell Buchen und Eichen. Allerdings bringen


den Einsatz von Maschinen und Fahrzeugen. Früher sahen die Wälder teilweise wie Schlachtfelder aus. Wir machen heute mehr zu Fuß.“ Felix Naumann überlegt einen Moment. „Natürlich ist der Arbeitsschutz sehr verbessert worden. Und wir benutzen für unsere Motorsägen Bioöl und für die Fahrzeuge Sonderkraftstoffe. Nicht alles muss auf Teufel komm raus billig sein.“ Felix Naumann und seine Kollegen haben in den letzten Jahren schon gemerkt, dass die Anforderungen an die Forstwirte gestiegen sind. Dennoch gibt es mehr Angelernte als etwa in der Landwirtschaft. „Die bringen sich dann leider auch schneller um“, erklärt Michael Stolz trocken. Er kann sich an einen Fall in Nordrhein-Westfalen vor zwei Jahren erinnern, als ein Azubi von einem platzenden Stamm am Hals getroffen wurde – tödlich. Auch Felix Naumann hat bereits die Erfahrung gemacht, dass sein Beruf kein ungefährlicher Schreibtischjob ist. „Der Baum war gespannt wie ein Bogen, die Krone befand sich bereits auf dem Boden. Dann ist der angeschnittene Stamm der Länge nach aufgeplatzt und mir durchs Gesicht geräubert.“ Seine Nase war gebrochen, seine Schulter verrenkt, vier Zähne waren lose und seine Lippe musste mit sechs Stichen genäht werden. „Fünf Zentimeter tiefer, dann wäre meine Kehle dran gewesen. Diesen Unfall werde ich so schnell nicht vergessen“, sagt Felix Naumann.

... ist dieses Jahr der beste Jung-Forstwirt bundesweit

Fichten schneller Erträge“, erzählt er. Michael Stolz lacht im Hintergrund: „Die Waldbauern wollen natürlich schnell Euros sehen.“ Nun hat Felix Naumann das, was er immer wollte: handfeste Arbeit bei Wind und Wetter. Kälte macht ihm in seinen dicken Hosen wenig aus. „Extreme Wärme ist allerdings nichts für uns und Dauerregen ist natürlich auch ätzend. Wenn es zu schlimm wird, dann können wir aber immer noch unterm Dach die Maschinen warten. Wir haben alle ein Arbeitszeitkonto. Wenn nichts mehr

geht, dann geht es halt an dem Tag früher nach Hause. Man ist flexibel und das ist eine schöne Sache.“ Felix Naumann gehört zu den Forstwirten, die noch viel mit der Hand arbeiten. „Wir haben hier in Wuppertal viele zerstückelte Waldflächen und je kleiner die Fläche, desto weniger sinnvoll sind große Maschinen im Wald.“ Ohnehin hat sich in den letzten zwanzig Jahren vieles verändert im Alltag der Forstwirte. Der Umweltschutz spielt eine deutlich gewichtigere Rolle. „Wir benutzen kaum noch Pestizide. Abgesehen vom Borkenkäfer. Und es gibt feste Richtlinien für

grüne berufe

perspektiven

Dennoch ist er glücklich mit seinem Job. Alle seine Azubi-Kollegen sind irgendwo untergekommen. „Nur die Konditionen, unter denen manche arbeiten, sind manchmal schon etwas fragwürdig“, erzählt der Forstwirt Felix Naumann, der gerne Forstwirtschaftsmeister werden möchte. Aber eben kein Förster. „Da ist die Sache mit der Theorie. Und die Berufschancen wären eh schlecht. Nur etwa fünf Prozent der Förster haben danach ihr eigenes Revier. Außerdem wäre mir das eben viel zu weit weg vom Kerngeschäft.“ Die Arbeit im Wald, die ist ihm wichtig. „Am liebsten dort, wo es viel Wald und wenig Menschen gibt.“ Annette Lübbers ist freie Journalistin Kontakt: a-luebbers@versanet.de

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strömungen

Fotos: Martin Zint

Die lokale Bevölkerung wie hier im Tschad profitiert selten vom Ölabbau...

Welt versus Bank Internationale Zeugen bescheinigen der Weltbank eine Politik, die eher das Wohl der westlichen Konzerne und VerbraucherInnen im Blick hat, als die Bekämpfung der Armut. Den Haag, 15.10.: „Gold tötet Menschen, Gold tötet die Biodiversität, Gold tötet das Wasser.“ Miguel Palacin weiß wovon er redet. Er ist aus Perus Goldabbauregion angereist, um bei einer öffentlichen Anhörung Zeugnis abzulegen. Dort steht die Politik der

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Weltbank auf dem Prüfstand und Palacin hat nichts Gutes zu berichten: „Unsere Dorfgemeinschaften fußen auf kollektiven Rechten, aber für die Weltbank geht es immer nur um private Rechte. Für uns bedeutet ‚Entwicklung’ die Entwicklung der Dorfgemeinschaft, aber für die Weltbank folgt ‚Entwicklung’ immer dem neoliberalen Modell. Deshalb finanziert sie vor allem solche Projekte, die den Konzernen helfen.“

einem internationalen Konsortium aus Ölfirmen im Jahr 2002 115 Millionen US Dollar gegeben, damit es das Karachaganak-Ölfeld erschließt. Öl, das dann für den Verbrauch nach Westen transportiert wird. Svetlana Anasova berichtet, was das vor Ort heißt: „Der landwirtschaftlich nutzbare Boden ist an die Ölfirmen verpachtet worden, aber die Menschen in direkter Umgebung haben nichts von den Pachteinnahmen. Sie müssen zu sehen, wie die Wasserqualität ständig schlechter wird. Den Konzernen hat die Weltbank auch Die Weltbank hat bei der Kreditverin Kasachstan geholfen. Dort hat sie gabe gesagt, dass das Projekt einen positiven Einfluss auf Kasachstan haMiguel Palacin in Den Haag: ben würde. Aber alles was wir bekom„Die Weltbank födert vor allem men, sind Kopf- und Brustschmerzen, Projekte, die den Konzernen Schwindel und Dauermüdigkeit, da die helfen“ Ölförderung die Luft verpestet.“


strömungen Aus der ganzen Welt sind Zeugen nach Den Haag angereist, um über die Auswirkungen der Weltbankpolitik in ihren Ländern zu berichten. Sie kommen aus Nicaragua, Malawi, Nigeria und Mali und erläutern, wie sich Privatisierung und Liberalisierung auf die Elektrifizierung, den Baumwollsektor und die Ernährungssicherheit auswirken. Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen IWF und Weltbank Zehntausende DemonstrantInnen auf die Straße trieben. Aber die Anhörung zeigt, dass sich die Weltbank nicht grundsätzlich geändert hat. Sie hat unter dem ehemaligen Präsident Wolfensohn mit einer Charmeoffensive auf Kritik reagiert und massiv an ihrer Rhetorik gearbeitet. So stilisiert sich die Bank heutzutage als oberste globale Klimaschützerin. Ein Blick unter die Oberfläche zeigt jedoch, dass der Klimaschutz der Weltbank mehr Schein als Sein ist. Die Weltbank finanziert weiter massiv fossile Energien. Die Ausgaben in diesem Bereich steigen, statt zugunsten von Erneuerbaren und Energieeffizienz zu sinken: Im Jahr 2006 hat die Weltbank ihre Investitionen in Öl-, Gas- und Kohleprojekte um satte 93 Prozent von 451 auf 869 Millionen US-Dollar erhöht.

sie ist eine Institution, die in regelmäßigen Abständen Geld braucht. Wie zum Beispiel jetzt: Die Gelder, die die International Development Association (IDA) bekommt, sollen Ende 2007 für die nächsten drei Jahre festgelegt werden. Von IDA können die ärmsten Länder der Welt fast zinslos sehr langfristige Kredite bekommen. Da mehr Geld abfließt, als wieder hereinkommt, muss alle paar Jahre Geld nachgeschossen werden. Solche „Wiederauffüllungsrunden“ können von den Anteilseignern für Reformen genutzt werden. Auf die Einrichtung des Inspection Panels der Weltbank ließ sich die Weltbank zum Beispiel während einer früheren Auffüllungsrunde ein. Deshalb haben sich europäische Entwicklungs-, Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen zusammengetan, um Druck auf europäische Regierungen zu machen. Die Den Haager Anhörung ist ein Baustein ihrer Kampagne, um z.B. zu erreichen, dass die Weltbank aus der Förderung fossiler Energien aussteigt, weil davon die Armen in Ölförderländern am wenigsten profitieren. Dabei ist auch die

Bundesregierung gefragt: Deutschland rühmt sich, eins der führenden Länder bei erneuerbaren Energien zu sein. Während jedoch in Windkraft und Solaranlagen investiert wird, um Klimaschutzziele zu erreichen, gehen gleichzeitig durch Zahlungen an die Weltbank Millionen in die Nutzung fossiler Brennstoffe, die das genaue Gegenteil bewirken. Wenn Regierung und Bundestag ihre Aussagen zum Klimaschutz ernst meinen, müssen sie jetzt handeln und ihren Einfluss auf die Weltbank geltend machen. Mit politischem Druck können wir Veränderungen bei der Weltbank erzwingen. Fordern Sie deshalb mit uns Bundestag und Regierung auf, der Weltbank erst dann neues Geld zu bewilligen, wenn sie mit der Finanzierung von fossiler Energie aufhört. Mehr Informationen dazu unter www.urgewald.de und www.worldbankcampaigneurope.org Regine Richter ist Biologin und arbeitet für die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald in Berlin, Kontakt: regine@urgewald.de

... wenn die Weltbank Ölförderung finanziert

Die Versorgungssicherheit des Nordens ist immer noch bedeutender als alle anderen Überlegungen. Und auch im klimarelevanten Waldbereich kommt die Bank nicht aus den Negativschlagzeilen: Ein Anfang Oktober der Öffentlichkeit zugespielter Bericht des Inspection Panels der Weltbank, eine Beschwerdestelle für Betroffene, findet, dass die Zukunft von 15 Millionen Hektar Regenwald im Kongo gefährdet sei, weil Versuche den illegalen Holzeinschlag einzudämmen, nicht entschlossen genug angegangen würden. Genaues Hinsehen ist also nötig, um zu erkennen, dass sich in der Substanz wenig geändert hat. Die Weltbank ist nach wie vor eine Institution, die den Interessen und Firmen ihrer großen Geldgeber deutlich mehr nutzt, als ihrer Aufgabe „Abschaffung der Armut“ nachzukommen. Dabei ist es eine Institution, bei der die Anteilseigner, zu denen auch die Bundesrepublik gehört, über Politik und Projekte mitentscheiden. Und

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Lacoma: Zwölf Tage und Nächte blieben die AktivistInnen in den Bäumen

Bei der Räumung der Baumbesetzer ging Vattenfalls Betriebsfeuerwehr derart rücksichtslos vor, dass es mehrfach zu einer erheblichen Gefährdung der AktivistInnen kam, ohne dass die Polizei eingriff. „Ein Vattenfall-Feuerwehrmann hat den Baumstamm, an dem ich in etwa sieben Meter Höhe hing, bis auf einen halben Meter über meinem Kopf mit einer Motorsäge abgesägt. Eine der abgesägten Baumscheiben ist auf mich drauf gestürzt“, berichtete Tobi, einer der Kletterer. Und Baumbesetzerin Kathrin wurde regelrecht bedroht: „Ein Polizist drohte mir mit einem Messer in der Hand aus dem Korb einer Drehleiter, das Kletterseil durchzuschneiden, an dem ich in etwa 15 Meter Höhe zwischen zwei Bäumen gesichert hing.“ Dennoch: Mit der Aktion gelang es den ROBIN WOOD-AktivistInnen überregional auf die unverantwortliche und klimafeindliche Braunkohlepolitik von Vattenfall in der Lausitz aufmerksam zu machen.

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Klimakatastrophe powered by Vattenfall Vattenfalls Braunkohlepolitik schädigt das Klima und zerstört Natur. ROBIN WOODAktivistInnen besetzten Bäume im Braunkohle-Erweiterungsgebiet.

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ördlich von Cottbus liegt die Lacomaer Teichlandschaft, ein einzigartiges Naturgebiet mit einer Vielzahl von seltenen und vom Aussterben bedrohten Pflanzen und Tieren. Eine Landschaft, die Vattenfall für den Ausbau des Braunkohletagebaus zerstören will. Bereits 12 Tage hatten AktivistInnen von ROBIN WOOD und der Initiative „Freunde von Lacoma“ zahlreiche Bäume in diesem Gebiet besetzt, um gegen die Pläne des Stromriesen Vattenfall zu protestieren. Dann, im Morgengrauen des 27. September, rückte Vattenfalls Betriebsfeuerwehr samt privatem Sicherheitsdienst, der Polizei und schwerem Gerät zur Räumung an. Mit rund 7.500 Megawatt erzeugt Vattenfall seinen Strom zu weit über 50 Prozent aus Braunkohle. Klimaschädlicher geht es nicht, denn Braunkohle ist mit Abstand derjenige Energieträger mit den höchsten CO2-Emissionen.

Doch nicht nur klimapolitisch ist das Festhalten von Vattenfall an der Stromerzeugung aus Braunkohle eine Katastrophe. Um die Kraftwerke in Jänschwalde, Schwarze Pumpe, Boxberg und Lippendorf mit ausreichend Brennstoff zu versorgen, werden seit Jahrzehnten ganze Landstriche zerstört. Rund um Cottbus in der Niederlausitz wird die Braunkohle durch Vattenfall im Tagebau gefördert. Viele Dörfer sind dafür zerstört worden, tausende Menschen haben ihre Heimat verloren und wurden häufig enteignet und umgesiedelt. Auch das ist eine Folge der Energiepolitik des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall. Und gerade erst hat der Stromriese den Ausbau und die Neuerschließung weiterer Braunkohletagebauen angekündigt. Für die Erweiterung des Tagebaus Welzow-Süd, südwestlich von Cottbus, hat Vattenfall im vergangenen Juli einen entsprechenden Genehmigungsantrag gestellt. Für die BewohnerInnen des kleinen Ortes Porschim bedeutet das, dass auch sie vertrieben und ihr Dorf von den Baggern Vattenfalls platt gemacht werden soll. Um gegen die Fortsetzung dieser klimaschädlichen und naturzerstörenden Politik von Vattenfall zu protestieren, engagiert sich ROBIN WOOD schon seit vielen Jahren gegen die Braunkohleförderung und -verstromung. Bereits seit 2003 hat ROBIN WOOD gemeinsam mit örtlichen Umweltgruppen durch vielfältige Aktionen gegen die geplante Zerstörung der Lacomaer Teichlandschaft nördlich von Cottbus protestiert. Gemeinsam mit den brandenburgischen Landesverbänden von BUND und NABU unterstützte ROBIN WOOD auch die von der Grünen Liga geführten Klagen vor Gericht, mit denen die Ausweitung des Braunkohletagebaus Cottbus-Nord verhindert werden sollte. Die Chancen, Vattenfall gerichtlich zu stoppen,

standen zunächst nicht schlecht. Denn das Land Brandenburg hatte die Lacomaer Teichlandschaft als Schutzgebiet entsprechend der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie nach Brüssel gemeldet. Daher hätte das zuständige Oberverwaltungsgericht (OVG) den Fall eigentlich dem Europäischen Gerichtshof vorlegen müssen. Noch im Frühsommer dieses Jahres hatten die obersten Verwaltungsrichter diese Ansicht auch selbst vertreten. Doch innerhalb nur weniger Wochen machte das OVG eine juristische Kehrtwende um 180 Grad und gab völlig überraschend grünes Licht für die Abbaggerung der Teichlandschaft. Mit diesem Urteil war für Vattenfall der Weg frei, ab dem 17. September mit der Abholzung in Lacoma zu beginnen. Während sich die Grüne Liga mit Vattenfall auf einen außergerichtlichen Vergleich einließ, beschloss ROBIN WOOD, aus dem Klagebündnis auszusteigen und auf anderem Weg gegen die Zerstörungspläne von Vattenfall vorzugehen. In der Nacht zum 17. September besetzten AktivistInnen von ROBIN WOOD und den „Freunden von Lacoma“ Bäume entlang des so genannten Hammergrabens, dort, wo die Bagger von Vattenfall als erstes ihr Zerstörungswerk fortsetzen wollten. Zwölf Tage und Nächte blieben die bis zu 25 AktivistInnen in den Bäumen. Mit dieser Aktion sorgten sie dafür, dass Vattenfall aus den negativen Schlagzeilen nicht mehr heraus kam. Bereits im Sommer hatte Vattenfall mit einer Serie von Störfällen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel und einer Informationspolitik zwischen Verharmlosen und Vertuschen für einen erheblichen Imageschaden gesorgt. Die zuständige Atomaufsichtsbehörde in Schleswig Holstein prüft sogar, ob dem Unternehmen auf Grund fehlender Fachkunde die Betriebslizenz für seine Atommeiler entzogen werden muss. Der Vorstandschef von Vattenfall Europa musste seinen Hut nehmen, der Geschäftsführer der Atomsparte wurde kurzerhand gefeuert. Über 100.000 StromkundInnen verlor das Unternehmen darauf hin, bis heute stehen die beiden Atomreaktoren auf Grund zahlreicher Sicherheitsmängel still. Nun gerät auch die klimaschädliche Braunkohlepolitik von Vattenfall immer mehr ins Blickfeld. ROBIN WOOD ruft angesichts der verantwortungslosen Kohle- und Atompolitik der Energiekonzerne weiter dazu auf: „Kündigen Sie ihren Stromvertrag bei Vattenfall und den anderen großen Energieversorgern E.On, EnBW und RWE. Machen Sie klar, dass Sie keinen Strom wollen, der Klimakatastrophe und atomare Risiken mit sich bringt. Wechseln Sie zu einem Ökostrom-Anbieter!“ Dirk Seifert, Hamburg

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tatorte Vattenfalls Störfälle

Blockade in Geesthacht

Geesthacht, 08.08.07: Anfang August sollte das AKW Krümmel einen neuen Transformator bekommen, da der alte ja bekanntlich Ende Juni abgebrannt war. Ein Schwerlastanhänger wurde mit einem Reservetrafo des AKW Brunsbüttel beladen, der von dort auf einen Schwimmponton gehieft wurde, um so über die Elbe bis nach Geesthacht geschippert zu werden. ROBIN WOOD-AktivistInnen blockierten den Transport gleich zweimal: Als das Schiff am Abend des 8. August die Schleuse Geesthacht erreichte, seilten Fotos: Erdal Torun sich fünf AktivistInnen von einer Brücke über die Einfahrten ab. Bis in den frühen Morgen ging hier für den Trafo nichts mehr. Weiter gingen die Aktionen nach dem Abladen des Stahlkolosses auf der Straße: Über der Transportroute spannten Kletterer ein Transparent, die Straße selbst wurde mit einer Sitzblockade dichtgemacht. Dann die Mitteilung der Polizei: Kein Transport heute, der Tieflader ist kaputt. Die Polizei zog ab und wir richteten uns direkt neben der Straße häuslich ein. Am nächsten Tag gelang die gleiche Aktion erneut: Kletterer über der Straße, dieses Mal wurde die Nacht zum Bau einer Seilbrücke über der Straße genutzt, Sitzblockade auf der Straße. Die Polizei reagierte prompt, bestellt die Drehleiter der Feuerwehr, schnitt die Kletterer vom Seil und räumte die Blockierer vom Asphalt. So rollte dann mit mehr als 48 Stunden Verspätung der 500-Tonnen-Koloss auf seine neue Heimat zu.

Foto: Hanna Poddig

Hamburg

Für Ökostrom: Vattenfall abschalten! Hamburg, 19.08.07: Auch als die Energieversorgung Hamburgs noch durch die HEW gesichert wurde gab es sie schon: die Cyclassics, das alljährliche Radrennen durch die Hamburger Innenstadt. Mit der Übernahme durch Vattenfall hat sich daran nichts geändert. Für den Konzern ist dieser Termin eine willkommene Gelegenheit das schlechte Image wieder etwas aufzubessern. Für uns also eine gute Möglichkeit wieder einmal darauf hinzuweisen, dass Vattenfall unverantwortlich handelt und es Alternativen zum dreckigen Kohle- und Atomstrom gibt. Ein Transparent an einem Baugerüst an der Radrennstrecke wies auf die Möglichkeit des Stromanbieterwechsels hin und auf einem weiteren Transparent direkt über der Vattenfall-Bühne vor deren Kundenzentrum forderten die AktivistInnen die Abschaltung Vattenfalls. 24.08.07: „Vattenfall ist scheiße, ich habe den Anbieter gewechselt - macht ihr es auch“ riet Jan Delay seinen Fans von der Bühne aus bei seinem Konzert im Hamburger Stadtpark. ROBIN WOOD sammelte dabei Unterschriften gegen das geplante Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg. Das Feedback war erfreulich: Viele Fans wollen nun Vattenfall die rote Karte zeigen.

15.09.07: In Hamburg Moorburg plant Vattenfall ein Steinkohlekraftwerk. Jährlich wird es acht Millionen Tonnen CO2 emittieren und so den Ausstoß der Hansestadt um 40 Prozent erhöhen. Ein breites Bündnis organisiert sich nun zum Widerstand und demonstrierte am 15. September gegen das geplante Kraftwerk.

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tatorte Beitrag zum Klimaschutz: Hefte aus Recyclingpapier

Kassel

Kassel, 25.08.07: Beim bunten Straßenfest der Kasseler Umweltverbände gab ROBIN WOOD Antworten darauf, was jede/r einzelne für den Klimaschutz tun kann – zum Beispiel Schulhefte aus Recyclingpapier nutzen. Der sonnige Tag brachte das Eis im selbst modellierten Klimamodell schnell zum schmelzen.

Schwanewede

Schwanewede, 13.09.07: Wie hängt der eigene Papierkonsum mit dem Klima zusammen? Welche sozialen und ökologischen Folgen hat die Abholzung des Regenwaldes? Wie kann man selber Wälder schützen? Darüber informierte ROBIN WOOD die SchülerInnen beim Klimatag der Waldschule in Schwanewede. 1600 SchülerInnen und 100 LehrerInnen, die an diesem Tag alle mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule kamen, wollen sich weiter mit dem Thema beschäftigen. Viele Klassen haben persönliche Klimasparpläne aufgestellt. Recyclingpapier an der Schule benutzen gehört dazu, ebenso wie die Auseinandersetzung und Auswahl des richtigen Stromanbieters.

Gegen den Ausverkauf der Bahn Hamburg, 08.09.07: Der Minutenzeiger der Bahnhofsuhr springt auf fünf vor zwölf. Rund 130 vermeintliche Reisende in der Halle des Hamburger Hauptbahnhofs treten aus der Menge und greifen zu den Krachmachern, die sie versteckt mitgebracht haben: Kochtöpfe, Trillerpfeifen, Trommeln. Nach zwei Minuten verstummt der ohrenbetäubende Krach, sie halten nun Plakate mit der Aufschrift „183 = 13“ in die Höhe. Dann verschwindet das Orchester so unauffällig, wie es gekommen ist.

Berlin

Zu diesem „Flash Mob“ hatte ROBIN WOOD zusammen mit dem Bündnis „Bahn für alle“ am 8. September bundesweit aufgerufen. Insgesamt fanden sich zu diesem Ereignis in 50 Städten über 2000 Menschen ein. Mit der Aktion protestierten sie gegen die geplante Privatisierung der Bahn. Die Aufschrift „183=13“ spielt darauf an, dass die Regierung die Bahn zu billig verkaufen will. Die bundeseigene Bahn ist laut amtlicher Statistik 183 Milliarden Euro Wert. Vom Börsengang erwartet die Bundesregierung aber maximal 6,5 Milliarden Euro Einnahmen für den Verkauf der Hälfte ihres Bahneigentums, hochgerechnet wären das also nur 13 Milliarden für die gesamte Bahn. Foto: Monika Lege

Hamburg

Berlin, 19.09.07: In schwindelerregende Höhen wagten sich ROBIN WOOD-Aktive, um gegen die geplante Privatisierung der Bahn zu protestieren. „Stopp Bahnverkauf“ hieß es auf dem Transparent, das auf dem 61 Meter hohen Abluftturm des Lehrter Bahnhofs in Berlin zu sehen war. Anlass war die erste Lesung des Bundestags über das Gesetz zu Bahnprivatisierung am 21.September. Das war schon eine Woche später als geplant, denn die Bundesregierung wollte das Gesetz eigentlich per Eilverfahren klammheimlich durch den Bundestag bringen. Daraus wurde nichts! Und damit war die Aktion ein voller Erfolg. Für dieses Jahr wurde das Privatisierungsgesetz zumindest verhindert. Ein wichtiger Etappensieg für unsere Kampagne gegen den Verkauf der Bahn!

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internes

Treffpunkte Hier erfahren Sie, wann und wo die Aktiven von ROBIN WOOD sich treffen. Schauen Sie doch mal bei uns vorbei! Bayreuth Johannes Krug, 0921/5087165 bayreuth@robinwood.de Berlin Donnerstags um 20 Uhr (14-tägig) im „Verwaltungsgebäude“ des RAWTempels, Revaler Str. 99, 10245 BerlinFriedrichshain, Tel.: 030/20687813 (AB), Bürozeiten: donnerstags von 12.30 bis 15.30 Uhr berlin@robinwood.de

Freiburg Bei uns können sich alle Interessierten aus Baden-Württemberg melden: c/o Erik Mohr 0761/61290450 oder 0172/7413995, freiburg@robinwood.de Greifswald Birger Buhl, Tel.: 03834/513138 greifswald@robinwood.de

Braunschweig Donnerstag, 20 Uhr Ort bitte erfragen bei: Thomas Erbe: 0531/2505865 braunschweig@robinwood.de

Hamburg-Lüneburg jeden 2. und 4. Mittwoch, 18.30 Uhr in der Pressestelle, Nernstweg 32, 22765 Hamburg-Altona Jürgen Mumme: 040/38089212 Kathrin Scherer: 04131/206160 hamburg@robinwood.de lueneburg@robinwood.de

Bremen Geschäftsstelle Dienstag, 19 Uhr Tel.: 0421/598288 bremen@robinwood.de

Kassel jeden 1. Donnerstag im Monat, 17 bis 19 Uhr im Umwelthaus Kassel, Infos bei Klaus Schotte: 0561/878384 kassel@robinwood.de

Köln Montag, 20.30 Uhr Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3 koeln@robinwood.de Leipzig Sebastian Vollnhals, c/o Infoladen Libelle, Kolonnadenstr. 19, 04109 Leipzig Tel.: 0341/2246650 leipzig@robinwood.de Rhein-Main Termine erfragen bei: rhein-main@robinwood.de Rhein-Neckar Treffen jeden 2. und 4. Dienstag um 19 Uhr im ASV, Beilstraße 12, Mannheim Juliane Boß: 06221/589251 rhein-neckar@robinwood.de München „Im Werkhaus“, Leonrodstr. 19 jeden 2. und 4. Mittwoch, 20 Uhr Tel.: 089/168117 muenchen@robinwood.de

Foto: Peter Spiegel

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Der alljährliche, sehr beliebte Fährdienst unter der Flagge von ROBIN WOOD zum größten Umweltfest Norddeutschlands, dem Streuobstwiesenfest bei Elmshorn, hat diesmal 680 Euro Spenden eingebracht. Herzlichen Dank!


Elektrospeicherheizungen

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iele Energieversorgungsunternehmen machen wieder verstärkt Werbung für Elektrospeicherheizungen als Alternativen zu Öl- oder Gasheizungen. Rund 2,5 Millionen Haushalte beziehen Nachtspeicherstrom: insgesamt rund 23 Milliarden Kilowattstunden im Jahr, mehr als ein Atomkraftwerk erzeugt. Die ökologischen Nachteile der Nachtspeicheröfen sind offenbar: drei Kilowattstunden thermischer Energie müssen in Form von Kohle, Öl, Gas oder Uran eingesetzt werden, um eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen. Diese eine Kilowattstunde Strom wird dann aber wieder in nur eine einzige Kilowattstunde thermischer Energie umgewandelt, um die Wohnung zu heizen – zwei Kilowattstunden werden verschwendet. Da wäre es sinnvoller, die Kohle in der eigenen Heizung zu verfeuern. Eine „umweltschonende Technik“, die hilft „wertvolle Brennstoffe wie Erdgas oder Öl für die nächsten Generationen“ zu schonen, wie die Werbung verspricht, ist darum das Beheizen der Wohnung mit Elektrospeicherheizungen sicherlich nicht. Versprechungen, wie ein „Wirkungsgrad von 100%“ sind zumindest irreführend.

Foto: Superlocke/PIXELIO

Aufgeklärte VerbraucherInnen wissen: 1. Strom ist zum Verheizen viel zu schade. 2. Der Schlüssel zu niedrigen Wärmeverbräuchen bei der Wohnraumbeheizung liegt in einer guten Wärmedämmung des Gebäudes. 3. Verantwortungsbewusst heizt man zum Beispiel mit Nah- oder Fernwärme aus einem Blockheizkraftwerk, mit einer Holzpellet-Heizung oder auch mit einem optimierten Gas-Brennwertkessel. Werner Brinker, Darmstadt

Schulmaterialien von ROBIN WOOD

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ecyclingpapiere mit dem Blauen Engel erfüllen ein Höchstmaß an funktioneller und ökologischer Qualität. Sie schonen weltweit Umwelt und Wälder und tragen zum Klimaschutz bei. Mit den ROBIN WOOD-Schulmaterialien können alle SchülerInnen vom ersten Schultag an umweltfreundliche Hefte benutzen, dessen Papier trotzdem glatt, tintenfest sowie für Radierer und Tintenkiller geeignet sind. Das Sortiment besteht aus A6-, A5- und A4- Heften, College- und Schreibblöcken und Ringbucheinlagen. Alle Schulklassen, die Recyclingmaterial benutzen, sind aufgerufen an der Gemeinschaftsaktion „Wir setzen Zeichen - Schulen pro Recyclingpapier“ teilzunehmen und ihre Unterschriftenliste an die „Initiative 2000 plus – Schulmaterialien aus Recyclingpapier“ einzusenden. ROBIN WOOD ist Partner der Initiative. Wir bieten Ihnen einen Fundus von Hintergrundinformationen zum Thema Wald und Papier, praktische Arbeitshilfen, Mit-MachAktionen für Kids, thematisch aufbereitetes Unterrichtsmaterial, Fortbildungen und Beratung bei der Beschaffung. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.robinwood.de/papier oder Sie wenden sich direkt an uns: ROBIN WOOD-Geschäftsstelle, Postfach 102122, 28021 Bremen, Tel.: 0421/59828-8, Fax: -72, info@robinwood.de. Dort können Sie die ROBIN WOOD-Schulhefte auch direkt bestellen.

Strom sparen für Fortgeschrittene

merk-würdiges

Wallhecken in Gefahr!

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allhecken prägen heute noch die Landschaft Ostfrieslands und des Oldenburger Landes. Seit 1935 stehen diese mit Hecken und alten Bäumen bewachsenen Wälle, die als Windschutz und Einfriedung dienten, unter Naturschutz. Die niedersächsische Landesregierung unter Christian Wulff (CDU), die sich konsequent als Verhinderer von Naturschutz hervortut, hat die Wallhecken in Neubaugebieten generell gegen eine Ausgleichszahlung aus dem Schutz genommen. Von dieser Ausnahmeregelung wird mehr und mehr auch in bereits bestehenden Wohngebieten Gebrauch gemacht. Die AnwohnerInnen fürchten Schatten und zu starken Laubfall der zum Teil Hunderte Jahre alten Eichen. Ein trauriges Beispiel ist der „Leepser Weg“ in Wittmund: Hier haben AnwohnerInnen beantragt, eine ca. 300 Meter lange Wallhecke mit knapp fünfzig 150 Jahre alten Eichen aus dem Schutz zu nehmen und gegen Zahlung von lediglich 20,- Euro pro Quadratmeter zu beseitigen. Mit der Fällung der alten Bäume wurde im Frühjahr 2007 bereits begonnen.

www.nordwestreisemagazin.de

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Mit Neptuna...

Umweltbildung mit Wassertieren

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internes

Ein Schiff der Kronos Titan GmbH verklappte Dünnsäure in die Nordsee, vor den Abwassereinleitungen in die Weser schwammen tote Fische. Die Umweltskandale waren in den 80er Jahren allgegenwärtig: Die Motivation mutig dagegen anzugehen, bei vielen Menschen hoch. Die junge Organisation ROBIN WOOD hatte neben den bedrohten Wäldern auch die hoch belastete Weser in Bremen im Fokus.

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eben der legendären Tour mit dem gigantischen Neptuna-Floß und dem Zumauern von Notüberläufen des Abwassersystems organisierte ROBIN WOOD auf der Weser Flussfahrten mit Charterschiffen. So konnten die Passagiere mit eigenen Augen sehen, dass Abwässer der Industrie und der Stadt direkt in die Weser flossen. Natur am Fluss konnten sie nicht erleben, denn die Ufer waren und sind komplett verbaut. Über die Jahre blieb der Informationsbedarf über den Zustand der Weser hoch - von BremerInnen, BesucherInnen der Stadt und zunehmend von Schulklassen aus Bremen und dem Umland. Die Kinder können noch heute direkt an Bord Gewässeranalysen durchführen und den Zustand der Weser beurteilen. Besonders lebhaft geht es auf solchen Fahrten zu, wenn sich das Schiff der Kläranlage mit ihrer typischen Duftnote nähert. Mit der Zeit kamen Schul-, Hort- und Kindergartenprojekte dazu. So zum Beispiel eine „wissenschaftliche Analyse“ in einem Hort: „Wo leben die Fischstäbchen?“ Sie brachte außer dem Wissen über die gefährdeten Speisefische auch ein wunderbares Fischkochbuch hervor. Im Rahmen eines Klimaprojektes drehte eine 9. Klasse mit viel Engagement einen Sience-Fiction über die zukünftigen Wetterereignisse in Bremen. Beim jüngsten ROBIN WOOD-Wasserprojekt mit der Gesamtschule Ost in Bremen gaben SchülerInnen Anfang 2007 der Natur an einem Entwässerungsgraben mehr Freiraum (siehe rechts). Gibt es ein 25-Jahre-Resümee? Kann ROBIN WOOD die Gewässerschutzarbeit demnächst einmotten? Momentan deutet nichts darauf hin. Es braucht noch immer viele bunte Projekte, die die Sinne für die Umwelt öffnen.

Der geplante immense Ausbau der „Schifffahrtsstraße Weser“ braucht weiterhin Gegenwind. In der 1. „Weserabflussfibel“, die ROBIN WOOD 1983 im Eigenverlag herausgebrachte, wurde Voltaire zitiert: „Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das,

was wir nicht tun“. Dies Zitat ist heute noch so aktuell wie vor 25 Jahren. Annegret Reinecke ist in Bremen die Wasserexpertin von ROBIN WOOD und zu erreichen unter Tel.: 0421/5982894

25 Jahre

...zum Schutz der Weser

Neues Inselreich Osterholzer Sielgraben Im Februar 2007 sah es am Osterholzer Sielgraben an der Gesamtschule Ost in Bremen noch so aus: Ein schnurgerader Graben mit wenigen Pflanzenarten an der Böschung erstreckte sich auf Höhe des Schulgeländes. Trist, wenig abwechslungsreich, eben ein Graben, der den umgebenden Siedlungs- und Gewerbebereich entwässern soll. Das wollten die SchülerInnen der Klassen 5.5 und 5.6 der Gesamtschule ändern und einen Abschnitt des Gra- vorher... bens so gestalten, dass er einem natürlichen Gewässer mit einer abwechslungsreichen Uferstruktur entspricht, der Lebensraum für am und im Wasser lebende Pflanzen und Tiere bietet. Außerdem sollte die Erweiterung des Grabenquerschnittes Platz für eine größere Wassermenge schaffen. Nachdem ein Bagger die groben Arbeiten erledigt hatte, konnten die SchülerInnen loslegen. Mit Schaufel und Schubkarre ausgerüstet modellierten sie eine strukturreiche Graben- und Insellandschaft. Sie ließen einen neuen Lebensraum für heimische Tier- und Pflanzenarten entstehen. Im Inseluferbereich gibt es nun flache Zonen, die den Kontaktbereich zwischen Land und Wasser vergrößern – besonders wichtig für ein intaktes ...und nachher Gewässer, denn hier können Uferpflanzen bei der Reinigung des Gewässers helfen. Die Böschung wurde mit Blüten- und Grassamen eingesät. Am Ufer fanden Wasseriris, Schwanenblume oder Wasserfenchel ihr neues Zuhause. Projektbegleitend untersuchten die SchülerInnen die Wasserchemie und drehten ein eindrucksvolles Video über das Projekt.

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Tunfischfang Beim Fischfang gehen neben den gewünschten Arten viele Meereslebewesen als Beifang mit in die Netze. Beim Tunfischfang werden so die Bestände von Delfinen, Haien, Mantarochen oder die stark gefährdeten Meeresschildkröten dezimiert.

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ber auch die Tunfischbestände selbst sind in vielen Teilen der Welt stark überfischt. Umweltschutzorganisationen setzen sich dafür ein, dass der Tunfischfang reduziert wird und Fangmethoden zum Einsatz kommen, die andere Meeresbewohner verschonen. Mit Hochsee-Treibnetzen werden große Meeresgebiete regelrecht durchsiebt. Das Ergebnis ist der Tod unzähliger Haie, Rochen, Robben, Delfine, Wale, Meeresschildkröten und Seevögel. 1983 machte Greenpeace mit Aktionen Druck gegen diese Fangmethode. Schließlich wurde die Hochsee-Treibnetzfischerei von den Vereinten Nationen weltweit verboten. Sogar Japan, Süd-Korea und Taiwan mit den größten Fangflotten der Welt bauten ihre Treibnetzflotte ab.

Die EU allerdings akzeptierte das UNVerbot nicht, um die Treibnetzfischer in Italien, Frankreich, England und Irland zu schützen. Als Anfang der 90er Jahre die französische Treibnetzflotte expandierte und die Fischer sich auf den Gelbflossen-Tunfisch spezialisierten, beschloss die EU endlich ein Verbot der Treibnetzfischerei. Nur in der Ostsee darf weiter mit HochseeTreibnetzen gefischt werden. Dies soll sich aber laut Greenpeace nächstes Jahr ändern. Mit Ringwadennetzen werden die Tunfisch-Schwärme eingekreist. In vielen Meeresgebieten schwimmen über den Tunfisch-Schwärmen Delfine. Dies machen sich die Fischer zunutze und halten nach Delfinen Ausschau, um sie einzukreisen. Seit 1959 sind über sechs Millionen Delfine als Beifang in

Die Tunfischbestände sind weltweit überfischt Foto: Udo Kefrig/Greenpeace

die Netze gegangen. Die von einigen US-Organisationen in den 80er Jahren gegründete Kampagne „DolphinSafe-Label“ kennzeichnete den delfinsicheren Tunfischfang. Die Beifangrate wurde im tropischen Ostpazifik auf unter 3000 Delfine pro Jahr verringert. Der Tunfisch, der auf unseren Markt gelangt, stammt vorwiegend aus Südostasien. Dort können für den Tunfischfang keine zuverlässigen Label vergeben werden. Ein gutes Beispiel sowohl für umweltgerechte als zerstörerische Fischerei ist das Langleinenfischen mit Haken. Denn die Bandbreite liegt zwischen zwei und bis zu mehrere tausend Haken pro Leine. Seit langer Zeit fischen die Baskenfischer in Spanien mit kleineren Schlepp- und Langleinen. Dabei nutzen sie meistens 4 bis 8 Haken pro Leine und fangen gezielt den Tunfisch. Diese Fangtechnik ist zwar arbeitsintensiv, hat aber dafür gesorgt, dass die Fischbestände relativ stabil bleiben. Im krassen Gegensatz dazu steht die großindustrielle Fischerei mit Langleinen. Es werden kilometerlange Leinen mit mehreren tausend Haken ausgelegt. Mit dieser Fangtechnik sind in wenigen Jahren die Tunfischbestände überfischt. Weiterhin verfangen sich auch andere Tiere in den Langleinen wie zum Beispiel Haie, Meeresschildkröten und Albatrosse, die dadurch inzwischen stark gefährdet sind. Tipp: Achten Sie beim Kauf von Tunfischprodukten auf die Herkunft und vor allem auf ein Label, das umweltfreundlichen Fang garantiert, zum Beispiel das „Dolphin-Safe-Label“. www.greenpeace.de/themen/meere/ fischerei/artikel/tunfischfang_nur_ein_ problem_fuer_delfine/ Anna Bernardt aus Schwedt ist 15 Jahre alt und interessiert sich besonders für Meeresbiologie.

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bücher Ökosystem Watt Endlich kommt der Tag, an dem Sie mal wieder ans Meer fahren, gemeinsam mit der Familie an die Nordsee! Sie träumen davon am Strand zu schlendern und dem Wellenspiel zu lauschen. Die letzten Meter eilen Sie zum Strand und....Ebbe! Die Kinder blicken Sie leicht enttäuscht und fragend an. Wohin verschwindet das Meer bei Ebbe? Allen, die mit dieser Frage konfrontiert werden, hilft jetzt die Aktionskonferenz Nordsee weiter: Sie hat ein Kinderbuch herausgegeben, das gerade mal 40 Seiten umfasst und in jeden Kinderrucksack passt. Sein Name „ICH! NEIN ICH! Streit im Watt“ ist Programm, denn die LeserInnen verfolgen ein Streitgespräch zwischen den Protagonisten des Wattenmeeres, wer der Stärkste und Bedeutendste ist. Es gelingt der Autorengruppe einen Spannungsbogen aufzubauen, dem man sich als LeserIn nur noch schwer entziehen kann, denn alle haben gute Argumente - aus ihrer Sicht! So beginnt der Mond mit der Behauptung, er sei der stärkste im Watt und ohne ihn gäbe es nicht Ebbe und Flut. Worauf die Nordsee kontert, dass es ja wohl ohne sie gar keine Gezeiten gäbe und sie selbst die Stärkste sei. Allerdings sehen das die Nordseeinseln ganz anders, stellen ihre Stärken und Besonderheiten heraus und am Ende fest, dass natürlich sie im Wattenmeer die Stärksten sind. In diesem Moment können die Priele, die Flüsse im Watt, nicht mehr an sich halten und...

ICH! NEIN ICH! Streit im Watt Aktionskonferenz Nordsee Tel.: 0421/77675, info@aknev.org Bremen, 2007 Hardcover 40 Seiten, 12,00 Euro ISBN 978-3-9806741-5-7

So lernen wir nach und nach durch sehr gelungene farbige Illustrationen und Textbeiträge die Phänomene aus den Landschaften, der Tier- und Pflanzenwelt und des Wettergeschehens des Wattenmeeres und der Nordsee kennen. Dazu lassen sich auf 19 Doppelseiten vertiefende Informationen zu den einzelnen Themen finden, die aktuellen Umweltfragen wie Umweltschutz durch den Nationalpark Wattenmeer, Fischfang und Umweltverschmutzung mit einbeziehen. Darin eingebettet sind kleine Anregungen und Experimente zu verschiedenen Themenbereichen unter der Rubrik „Probier´s aus!“. So können die LeserInnen selbst kleine Dünen wachsen lassen, die Fliehkraft sinnlich erfahren, Müllmonster bauen oder simulieren, wie es ist, am Meer durch den Nebel zu laufen. Mit diesem Konzept spricht das Buch, das sich an LeserInnen zwischen 5 – 9 Jahren wendet, Geist und Sinne an und ermöglicht, die Zusammenhänge der Natur im Wattenmeer und die Bedeutung des Menschen in der Natur nachzuvollziehen und zu begreifen. Es nimmt seine LeserInnen ernst und macht neugierig auf mehr. Dieses Buch ist einfach ein Multitalent. Es eignet sich sowohl für die kleine Gutenachtgeschichte am Abend zu Hause als auch besonders für die Umweltbildung in Kindergärten und Schulen. Und dazwischen ist es der ideale Begleiter für alle, die endlich mal mit ihrer Familie an die Nordsee fahren... Oliver Wallheimer, Bremen

Schwarzbuch Wasser Nichts ist so wichtig für uns wie sauberes Trinkwasser. Doch genau dieses Überlebensmittel ist auf der Erde nur in begrenzter Menge vorhanden und kann nicht beliebig vermehrt werden. Weltweit haben schon heute mehr als 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser und der weltweite Verbrauch hat sich seit 1950 verdreifacht. Unverantwortlicher Umgang mit Wasser führt auch in unseren Breiten zu einer bedenklichen Situation.

Karo Katzmann Schwarzbuch Wasser Molden Verlag, 2007 224 Seiten, 19,90 Euro ISBN: 978-3854851967

Die Ökologin Karo Katzmann macht anhand dramatischer Beispiele im Schwarzbuch Wasser klar, dass es Zeit wird zu entscheiden, ob wir künftigen Generationen das Wasser abgraben oder doch eine Umkehr bewirken wollen. Denn noch ist es nicht zu spät, ist sich die Autorin sicher und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf. Darüber hinaus bietet sie in ihrem Buch die interessante Möglichkeit, einen persönlichen „Wasser-Fußabdruck“ zu erstellen. Die LeserInnen erfahren, dass für den Genuss einer Tasse Kaffee 140 Liter Wasser nötig sind oder für die Herstellung eines Pkw gar 450.000 Liter. Die vielen interessanten Fakten sind im Schwarzbuch Wasser wissenschaftlich belegt und dabei kurz aber umfassend dargestellt.

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Foto: Jens Wieting

Ihr Wille ist wichtig!

Liebe Leserin, lieber Leser, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird in Deutschland mehr Geld vererbt als jemals zuvor. Und es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Erbschaften die Erfolge gemeinnütziger Organisationen ganz wesentlich beeinflussen werden. Dies gilt auch und ganz besonders für den Umweltschutz. Immer wieder stellen Förderinnen und Förderer die Frage, ob und wie sie einen Teil ihres Vermögens guten Zwecken widmen können. Und leider geschieht es auch immer wieder, dass Menschen vergessen, ihren persönlichen Willen und ihre Ziele schriftlich im Testament festzuhalten. Dann entscheiden abstrakte Gesetze und Verordnungen darüber, was mit dem Nachlass geschieht. Nicht selten erbt dann das Finanzamt, also der Staat.

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Im Prinzip ist dagegen nichts zu sagen. Doch die meisten Menschen wollen eigentlich lieber selbst bestimmen, was mit ihrem Geld geschieht. Deshalb wollen wir zuweilen daran erinnern: Ein Vermächtnis ist Selbstbestimmung und eine Entscheidung für das Leben. Ein Testament dokumentiert persönliche Werte, Wünsche und Ziele. Es wirkt in das Leben hinein und über das physische Leben hinaus. Was Menschen in ihrem Leben an inneren und äußeren Werten zusammen getragen haben, kann durch ein Vermächtnis weiter leben. Wer sich die Zeit gönnt und ein Testament schreibt, gestaltet die Zukunft mit. Es ist Ihre ganz persönliche Antwort auf die Frage, welchen Sinn das eigene Lebenswerk für die Zukunft haben soll.

Bitte sprechen Sie mit dem Anwalt Ihres Vertrauens! Gerne zeigen wir Ihnen, dass Sie mit Ihrem Vermächtnis auch das Erbe unserer natürlichen Lebensgrundlagen schützen können.

Bestellen Sie kostenlos unsere kleine Broschüre „Ihr Wille ist wichtig!“ bei: ROBIN WOOD e.V. Djoeke Lueken Langemarckstraße 10 28199 Bremen Telefon: 0421 / 598 288


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ÖkoKalender von ROBIN WOOD Umweltinfos im Taschenformat Der ÖkoKalender 2008 bietet Ihnen wieder eine interessante Auswahl an Themen zum Naturund Umweltschutz: von Tipps zum Energiesparen über Hinweise zu welchem Ökostromanbieter Sie am besten wechseln können, bis hin zu vielen Informationen rund um das Thema Papier. Sie erfahren, wie wir der Erde einheizen und wie Ihr persönliches Kohlendioxid-Jahresbudget aussieht.

Dazu finden Sie im Kalendarium Aktionen aus 25 Jahren ROBIN WOOD und die üblichen Serviceleistungen: Monatsplaner, Jahresübersichten, Ferientermine und ein umfangreiches Adressenverzeichnis von ROBIN WOOD und anderen Umweltgruppen.

256 Seiten, Format A6, mit unverwüstlicher Fadenheftung, Lesebändchen, erscheint im VERLAG DIE WERKSTATT

Exklusiv für ROBIN WOODMitglieder kostet der ÖkoKalender 2008 nur 6,- Euro

Jetzt bestellen bei der ROBIN WOOD-Geschäftsstelle Postfach 102122, 28021 Bremen, Tel: 0421/59828-8, Fax: -72, info@robinwood.de Der Kalender ist auch im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich

Bestell-Coupon Ja, hiermit bestelle ich ÖkoKalender 2008 für je 7,95 Euro, ISBN 978-3-89533-568-6

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Nummer 95/4.07 Magazin Zeitschrift für Umweltschutz und Ökologie Erscheinungsweise vierteljährlich

Ute Greiser gratuliert der 50. Newsletter-Ausgabe

25 Jahre ROBIN WOOD 50. Newsletter - 1500 Abos Vor vier Jahren wurde die erste Ausgabe des ROBIN WOOD Online-Newsletters von Ute Greiser in Bremen produziert. Nun ist schon die 50. Ausgabe verschickt worden und der Newsletter hat bald 1.500 AbonnentInnen. Ein schöner Anlass für einen Blumenstrauß, fand Ute und gratulierte symbolisch dem Newsletter auf ihrem Computer-Bildschirm. Einmal monatlich informiert der kostenlose Newsletter in knapper und übersichtlicher E-Mail-Version über die aktuellsten ROBIN WOOD-Aktionen und wichtigsten Themen. Neue AbonnentInnen sind herzlich willkommen. Und unter allen Neu-BestellerInnen, die sich bis zum 30. November angemeldet haben, wird eine elegante Thermo-Edelstahltasse verlost. Einfach eintragen unter: www.robinwood.de/newsletter oder eine E-Mail schicken an

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Wir wollen Kanadas Urwälder retten. Machen Sie mit! Kanadas Urwälder brauchen unseren Schutz. Für internationale Kampagnen und große Projekte brauchen wir Förderinnen und Förderer, die uns regelmäßig unterstützen. Vor allem die Spenden, mit denen wir rechnen und planen können, geben uns die notwendige Kraft, um Regierungen und Großkonzerne zur Besinnung zu bringen. Ohne die regelmäßigen Spenden unserer „Umwelt-Aktionäre“ wären unsere Kampagnen niemals so erfolgreich. Um nun auch die Urwälder im Norden besser zu schützen, brauchen wir mehr „Power“. Deshalb suchen wir Sie!

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Robin Wood Magazin 4/2007