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1 Do it yourself: Kardamom-Eis à la Marcel Thiele   2 Der Punk der Meere: Mahi-Mahi ist bei uns besser als die Gemeine Goldmakrele bekannt 3 Zallotti Blossom: Die afrikanische Minze überzeugt mit einem Aromenmix aus Basilikum und Minze 4 + 5 Mittendrin statt nur dabei: Auf seinen Food-Safaris beschäftigt sich Marcel Thiele intensiv mit der kulinarischen Kultur der Länder 6 Namenloses Mystery-Kraut: geschmacklich vergleichbar mit der Ananasminze inklusive kräftigen Rosen-Aromas.

seiner letzten Expedition in Nepal entdeckte der Spice Hunter eine einzigartige Minze (Bild Nr. 6) mit bombastischer Aromen-Überraschung. „Wenn man mit geschlossenen Augen daran riechen würde, würde man definitiv sagen: ‚Rose‘, aber ohne diesen seifigen Charakter.“ Geschmacklich gesellt sich dann noch ein Frische-Kick in Form von Minze, Mango und Avocado dazu. „Einfach nur spektakulär“, so Thiele. Auf seinen Food-Expeditionen fokussiert sich der Spice Hunter aber nicht nur stur auf exotische Produkte, Aromen und Geschmäcke. „Viel wichtiger ist doch die Frage, warum die Menschen gewisse Lebensmittel essen und was sie sich davon versprechen.“ Der Austausch mit den Locals und das Beobachten kulinarischer Traditionen sind für Thiele daher so wichtig wie das täglich Brot. Die Frage nach dem Warum Sechuan Buttons oder Parakresse ist in Europa vielen als „kulinarischer Elektroschocker“ ein Begriff. Der Geschmack von Sechuan Buttons reicht von leicht pfeffrigen Zitrusaromen bis hin zu einer prickelnden Schärfe, die den Gaumen und die Lippen leicht betäubt. „Was bei uns die wenigsten Menschen wissen, ist, dass in Afrika Sechuan Buttons als Heilmittel gegen Malaria gegessen werden.“ Und in der Tat gibt es Studien, die beweisen, dass die Blüten Stoffe beinhalten, die Parasiten im Blut abtöten. Darum landen Sechuan Buttons auch oft auf rohen Fleisch- und Fischgerichten, um die Gefahr einer Malaria-Übertragung zu minimieren. „Es geht weniger um die Jagd nach Produkten, die skurril sind, zu verstehen, warum haben die Leute angefangen das zu essen, darum geht es – vor Ort zu sehen, wie kombiniert wird und welche Techniken angewandt werden.“ Beeindruckend und einzigartig beschreibt Thiele die riesigen Food-Märkte in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. „Wir waren auf Produktsuche unterwegs und haben dort den größten Luxus ever erlebt. Du suchst dir beispielsweise deine Fische aus, verhandelst den Preis und dann bringen dir die Händler die Ware direkt ins Restaurant. Ein Service hoch drei, den es bei uns nicht gibt.“ Durch den Meereszugang können in Dakar täglich fangfrische maritime Exoten wie Mahi-Mahi oder der Schmetterlingsbuntbarsch gekauft werden. Auch das Obst- und Gemüseangebot lässt keine Wünsche offen – Tamarillos, Kakis oder Kumquats sind in rauen Mengen frisch und reif vorhanden. Zwischen den vielen Top-Produkten machte Thiele aber auch einen rätselhaften Fund. „Überall auf dem Markt konnte man kleine Singvögel in Käfigen kaufen.“ Als Haustiere? „Nein. Sie gelten in Afrika als absolute Delikatesse und werden in guten Restaurants kredenzt“, erklärt der Spice Hunter. Bei dieser Produktvielfalt müsste man doch meinen, dass alles eitel Wonne ist. Doch den Händlern in der Megametropole Dakar heizt ein ganz anderes Problem sprichwörtlich ein – die Hitze.

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