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KURT ZDESAR. Hürdenspringer Kurt Zdesar ist einer, der Niederlagen nicht akzeptiert. Für ihn gibt es keine Einbahnstraße, nur Hindernisse. Sein tägliches Mantra, das er von seinem Meister und Mentor Nobu Matsuhisa, gelernt hat: Überlege dir, wie kommst du über das Hindernis, drumherum oder auch untendurch. Einen Weg gibt es immer. Wie Hindernisse gehören auch Fehler zum Alltag. Das Gute ist, man kann aus ihnen lernen. Zum Beispiel nicht selbstgefällig zu werden, oder davon auszugehen, dass sich Dinge einfach von selbst entwickeln. Erfolg kommt nicht allein mit der Planung, sondern auch mit Anpassung von Konzepten auf Gegebenes. Diese Erfahrung hat er vor allem mit Bouillabaisse gemacht. Er war sich seiner Sache sicher, dass das Konzept der Nachhaltigkeit – auch wenn es kostspieliger ist – funktioniert. Aber außer ein paar getreuen Gästen war das Publikum nicht bereit, 40 Pfund für die nachhaltig gefangene Seebrasse zu zahlen, die andernorts nur 18 kostet. Die Einnahmen waren rentabel, erreichten aber nicht die Messlatte, die Kurt Zdesar gerne bei 1000 Pfund Umsatz pro Platz anlegt. Also reißt er kurzerhand das Steuer herum. Black Roe entsteht. Der Fisch bleibt, aber in der Pacific-Rim-Variante. Das Interior veränderte sich von dem kühlen griechisch anmutenden Weiß-blau-Ambiente hin zu einer gemütlicheren Hemingway-Bar-Atmosphäre, personalisiert zum Beispiel durch Aufnahmen von Fischern.

Dazu Musik, die Zdesar wichtig ist, weil sie ein Gefühlsträger ist und Menschen einfach stressfrei und glücklich stimmen kann. Anekdote gefällig? Als kleiner Junge machte er mit Straßenmusik mitunter an die 50 Australische Pfund. Da erzählte er leider seinen Mitschülern von seinen Gewinnen und sie taten es ihm nach. Ein Fehler, den er nicht wiederholen wird. Daher zu Black Roe nur so viel: Es wird als Beach-Konzept nach Mykonos, Ibiza und St. Tropez auswandern. Expansion – kein Ende in Sicht Wer da denkt, das war’s: Nein. 2018 kommt Chotto Matte nach Miami, Kuwait, Mykonos und Toronto. Letzteres sage und schreibe als 14.000-Quadratmeter-Loca-

tion im Basement eines Shopping-Centers, wo zurzeit noch schwere Betonplatten zertrümmert werden, soweit die Behörden es zulassen. Der Adrenalinspiegel soll ja nicht sinken. Und dabei sagte er kürzlich im Gespräch mit seiner Ehefrau, er erwäge eine 3-Tage-Woche, worauf er zur Antwort bekam: „Du weißt sicher, wenn du das tust, kannst du es nicht als Boss tun.“ Eigentlich wollte er ja mal sein eigener Chef werden, damit er weniger arbeitet. Jetzt ist es genau umgekehrt. „Der Trick ist, ein gutes Abschlussspiel zu haben, aber um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht, ob ich es jemals finden möchte.“ www.blackroe.com

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