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BETTINA NAUMANN

Karneval der Tiere

nach dem Klassiker von Camille Saint-SaĂŤns


Einführung Hereinspaziert, herein marschiert, ob zu eins, zu zweien oder zu viert, ob als Meute oder Schar oder fernen Ländern gar. Kommt geflogen aus eurem Nest, denn – heute steigt ein großes Fest, in die Arena allesamt, und nun sind wir einmal gespannt wer erscheint in prächtig Zierde – beim tollsten Karneval der Tiere. Alle Tiere, die wir kennen ob fliegend, kriechend oder rennend. Allesamt sind sie willkommen. Doch nur eins nicht, das genommen das Recht jeder Kreatur auf Erden, die sich wünscht so zu werden; glücklich, froh und munter im Leben, und da soll es dieses geben: Freiheit, Gleichheit, Frohsinn, Tanz, all dies in schönstem, vollstem Glanz. Ja, für einen dies Fest nicht gilt, der der einzig ist gewillt aufrecht zu gehen auf zwei Beinen und bestimmt den Raum als seinen. Den Raum einer jeden Kreatur, die frei sein will – in der Natur.


Der Löwe Als der Löwenkönig brüllt sofort sich die Arena füllt. Niemand braucht vor ihm zu zittern selbst nicht beim größten Erderschüttern. Der Löw ist ein gar prächt’ger Knabe mit höchst modelmäßigem Gehabe. Höchst galant er langstolziert mit seiner blonden Mähne Vor Entzücken die Stute wiehert, Frau Löw gleich fletscht die Zähne.


Huhn und Hahn Nach des Löwen stolzem Gang so versuchts auch ohne Bang, bei lautem Krähgesang der Hahn. Sehr stolz auf hohem Sockel zeigt sich brüsk der hübsche Gockel mit hoch gerecktem Hahnenkamm und die Henne ohne Scham nimmt den Gatten in den Arm zupft ihm das Federkleid zurecht sodass lacht ganz frech der Specht. Und auf den Wiesen grün und grüner tummeln sich en Mass’ die Hühner Kücken hüpfen flauschig fein als wollten sie gar Flummis sein.


Der Esel Auf einmal pest da durch den Raum so schnell kann gar keiner schaun mit langen Ohren sonderbar ein Esel schaut, da ist er ja! Laut ist er auf jeden Fall auf der Bühne wie im Stall. Und ruft keck springend ein Hurra! singend eindringlich I – ah, I – ah I – ah!


Die Schildkröten Klar das war nun kein Chanson – doch wer tanzt den langsamen Can-Can? Die weisen alten Faltenhäute Sehen wir denn recht? Ja es sind schon dicke Bräute doch machen das nicht schlecht. Schwungvoll ihren Panzer wippend, rechts und links und Beine schmeißend beinahe nach hinten kippend, das ganze Publikum mitreißend.


Die Elefanten Welch ein Stampfen, welch ein Beben, was wird Tier denn nun erleben? Groß und dick mit welch Trara! Das ist imposant – fürwahr. Sie marschieren sehr galant, geradezu so wie Raketen hoch gen Himmel die Trompeten, Elefant an Elefant


Die Känguruhs Auf einmal – was kommt da geflogen, ins Feld ein Ball, in hohem Bogen. Gleich hinterher mit langen Beinen, hohem Sprung durch Busch und Hainen, oh – und verliert sogleich den Schuh? Auf keinen Fall..die Manitus. Nein es sind die Känguruhs!


Die Vögel In den Bäumen, auf den Zweigen, wenn man genau hinsieht, bunte Vögel flattern im Reigen, und singen dir ein Lied. Eines von knorrig alten Bäumen. Nur noch in ihren Träumen, bis der Mensch alsdann kam rege, mit seiner lauten, kreischig’ Motorsäge.


Die Fische Ein Blubbern hier, ein Blubbern dort, wer gluckert hier denn immerfort? Im Wasser, dunkelblau und dicht, so dachten wir, dass es so ist. Doch d端ster ist es rein gar nicht. Schillernd Farben, reiche Formen. Nein, hier gibt es keine Normen. Bunte Fische, ein Seepferd ganz keck, sind ein fantastisches Quintett. Im tiefen Ozean solls geben, das formenreichste Artenleben.


Der Schwan Ein leises Plätschern am Flussesrand, es lauschen die Tiere und schaun gebannt auf den sich nähernden Schatten, doch nicht dunkel, nein – schneeweiss. Schwimmend durch Seerosenmatten, ganz elegant und leis. Hoch erhaben auf ebener Bahn der elegante und anmutige Schwan.


Nun, das solls gewesen sein, ein Einblick in die Fantasie. Tiere feiern nicht allein und Streit gibts dabei nie. Solch Karneval wird’s immer geben Solange FREIE Tiere leben.

BETTINA NAUMANN Leipzig 2010/11


Karneval der Tiere