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Lernen ist Zukunft Die bayerische Schule von morgen beginnt heute.


inhaltsverzeichnis

3 Schule ist kein Wunschkonzert ? – Doch ! 4 Grüne Schule: Lust auf Zukunft 7 Die nächsten Schritte 8 Erfolgsmodell Gemeinschaftsschule 16 Ganztagsschule – Zeit für mehr 18 Eigenverantwortung der Schule stärken 19 Schulreformen wachsen lassen – Bewährtes mitnehmen

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Schule Ist kein Wunschkonzert  ? – Doch  ! Eltern wünschen sich die beste Schule für ihr Kind – mit Recht Sie wünschen sich eine Schule, … ... die die kindgemäße Freude am Lernen nutzt und fürs Leben erhält, ... die ihr Kind mit seinen Talente und Stärken wahrnimmt und entsprechend fördert, ... in der ihr Kind seine Persönlichkeit entwickeln kann, ... in der ihr Kind lernt, Verantwortung für sich, die Umwelt und die Gesellschaft zu übernehmen, ... die ihr Kind mit den Fähigkeiten ausstatten, die es braucht, um sich in der Wissensgesellschaft zurechtzufinden, ... in der ihr Kind die Vielfalt der Gesellschaft erleben und schätzen lernt.

Wo Schule noch an Grenzen stößt Die bestehende Schule kann den unterschied­ lichen Bedürfnissen, Stärken und Schwierig­keiten der einzelnen Schülerinnen und Schüler zu wenig gerecht werden. Sie kann zu wenig auf das Leben und die Berufswelt vorbereiten. Die Rahmenbedingungen (Zeit, Klassengröße, Notendruck) sind ungünstig, und das dreigliedrige Schulsystem mit seinen Übertrittsregelungen hat sich längst überholt.

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Das dreigliedrige Schulsystem in Bayern gerät immer mehr in Schieflage: Das Gymnasium wandelt sich zur neuen „Haupt-Schule“, während die Haupt-/Mittelschule immer weniger akzeptiert wird. Der Rückgang der SchülerInnenzahlen gefährdet hier immer mehr Schulstandorte. Zudem produziert unser Bildungssystem große Ungerechtigkeiten: Zu viele Talente werden nicht entdeckt. Dabei werden vor allem die Kinder benachteiligt, deren Eltern weniger Einkommen oder einen Migrationshintergrund haben.

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grüne schule: lust auf zukunft

Es ge ht um Leistu ng!

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Lehr- und Lernziel: Zukunftserprobte Persönlichkeiten

Mehr Leistung ohne Notendruck

Grüne Schule setzt auf selbstständige Lerner und Entdecker!

Qualifizierte Rückmeldungen und realistische Selbstbewertungen sind wichtig für die eigene Einschätzung des Lernprozesses und der Weiterentwicklung. Schulnoten können diese umfangreiche Analyse nicht leisten: Sie geben häufig lediglich an, ob Lerninhalte, die kurzfristig für eine Prüfung angeeignet wurden, zu einem bestimmten Zeitpunkt abrufbar sind. Wir setzen auf eine schülerbezogene Bewertung und Beratung. Die Schüler sollen genau wissen, wo ihre Potenziale und Schwächen liegen und wie sie ihre Stärken verstärken können. Vertiefungsübungen und Entspannungsphasen wechseln sich über den gesamten Tag ab.

Unterricht ist dann erfolgreich, wenn es gelingt, die Schülerinnen und Schüler zu aktiven Lernern zu machen. Lernen ist dann gewinnbringend, wenn SchülerInnen wissen, warum sie bestimmte Inhalte lernen und wie sie ihr Wissen anwenden können. Heute geht es vermehrt darum, nachhaltiges Wissen und Können in vielfältigen Situationen einzusetzen, auf Neues flexibel zu reagieren und im Team stark zu sein. Grüne Schule will den SchülerInnen optimale Trainingsbedingungen für die Welt von morgen bieten. Damit die Kinder und Jugendlichen sich zu starken Persönlichkeiten ent­ wickeln, die ihren Weg gehen und Verantwortung übernehmen – für sich selbst, für die Gesellschaft und für ihre Umwelt. Je schneller sich die Wissensgebiete in unserer Welt ausweiten, umso wichtiger ist es für Schülerinnen und Schüler, das Lernen zu lernen. Denn wer das Lernen gelernt hat, wird auch im späteren Leben – mit immer wieder geänderten Herausforderungen – in die Lage versetzt, sich neue Sacherhalte und sinnhaftes Handeln zu erschließen, anstatt immer wieder auf Personen angewiesen zu sein, die die Richtung vorgeben und Handlungen anweisen.


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Schule der Zukunft könnte so aussehen: Modernes Lernen findet selbstorganisiert und eigenverantwortlich statt. Im Gegensatz zum konventionellen, frontalen Unterricht, in dem vorrangig die Lehrkraft aktiv an der Tafel Lehr­ inhalte vermittelt und von den SchülerInnen vor allem Aufnehmen und Reprodu­ zieren verlangt wird, geht hier die Aktivität auf den einzelnen Schüler über. Die Lehrkraft wird vom Belehrer zum Lernbegleiter, der die SchülerInnen auf dem Weg zum immer autonomer werdenden Lernen berät. Schüle­ rInnen entscheiden anhand ihres individuellen (Wochen-)Lernplans selbst darüber, in welchen Schritten und mit welchen Strategien sie ihre Lernziele erreichen können. Sie sollen verstehen, was sie da lernen. Und sie sollen später das Wissen auch anwenden können.

Zwischenfazit : 1. Das bayer ische Schul­ system ist in Schief­ lage: a) ungerecht b) Hauptschu le ist nicht mehr anerkan nt c) bereitet zu wenig aufs Leben vor 2. Besser le rnen heißt: a) selbststän dig b) gemeinsam c) mit begle itender indivi­ dueller Rückm eldung

Schule – ein spannender ­ rbeitsplatz! A Auf die Lehrkräfte in der Schule kommt es an. Ihnen vertrauen wir die nächsten Generationen an. In der Schule wird die Zukunft gemacht. Deswegen hat die Schulverwaltung die Aufgabe, geeignete Rahmenbedingungen zu gestalten, damit Lehrerinnen und Lehrer ihre Tätigkeit ausfüllen können. Wir wollen den Lehrkräften mehr als bisher ermöglichen, Lernbedürfnisse zu erkennen, die Stärken der SchülerInnen intensiv zu fördern und mit den SchülerIn­

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nen an ihren Schwächen zu arbeiten. Statt den Lehrplan starr durchpeitschen zu müssen, bekom­ men die Lehrkräfte Freiraum für ihr pädagogisches Handeln, bessere Arbeitsbedingungen und eine verbesserte Schul- und Unterrichtsorganisation. Die Schule der Zukunft braucht unterschiedliche Professionen, weil Schule auch ein Sozialraum ist und als „Inklusive Schule“ der Vielfalt der Kinder und Jugendlichen gerecht werden muss: fachlich und pädagogisch gut ausgebildete allgemeine Lehrkräfte, SonderpädagogInnen, Schulsozial­ arbeiterInnen und SchulpsychologInnen.

Lehrerrolle vorwärts Lehramtsstudierende sollen frühzeitig die Schulpraxis erfahren. Zudem muss sich das Studium am zukünftigen Arbeitsplatz orientieren und den JunglehrerInnen vielfältige und gut geeignete Grundlagen mitgeben. Die verschie­ denen Lehramtsausbildungen sollen sich an den Altersstufen der SchülerInnen orientieren, nicht an den Schularten.

Lehrerfortbildung: Updates Schulleitung wie Lehrkräfte brauchen regelmäßige und gute Fortbildungen für fachliche Anregungen, pädagogische Innovation, Reflexion, Teamarbeit. Wie sagte neulich jemand bei einer Fortbildung: „Es gibt keinen unsichereren Arbeitsplatz als den des Lehrers, denn die Lehrerrolle ändert sich fortwährend.“


DIE NÄCHSTEN SCHRITTE:

Mehr LehrerInnen! Wir brauchen mehr Lehrkräfte: • für kleinere Klassen • für zweite Lehrkräfte in den Klassen • für den Ausbau von Ganztagsschulen • gegen Unterrichtsausfall • für gemeinsamen Unterricht von SchülerInnen mit und ohne Behinderungen

Schluss mit dem Übertrittsdruck! Für längeres gemeinsames Lernen statt Auslese nach der vierten Klasse! Für mehr individuelle Förderung aller Kinder und Jugendlichen, statt alle über einen Kamm zu scheren.

Mittelschule: Wirkliche Schulentwicklung statt nur einen neuen Namen! Die Einführung von Mittelschulen bzw. Mittelschul­ verbünden löst die Probleme der Hauptschulen und der gefährdeten Schulstandorte nicht. Wir sind davon überzeugt, dass nur da, wo alle Kinder und Jugendlichen länger gemeinsam lernen, die Schule vor Ort eine Zukunft bekommt. Das wollen wir durch eine Öffnungsklausel im Schulgesetz ermöglichen.

Mehr SchulsozialarbeiterInnen! Für SchulsozialarbeiterInnen wollen wir einen Stellenausbau, für den der Freistaat Bayern seine finanzielle Verantwortung übernimmt.

Gemeinsam – nicht gegeneinander Wir wollen keine unkoordinierten Anordungen des Kultusministeriums „von oben“ (wie beim G8), sondern die Schule „von unten“ mit allen Beteiligten weiterentwickeln.

Grundschulen wollen wir auch dann, wenn sie bei SchülerInnenrückgang kleiner werden, als wohnortnahe Schulen erhalten.

el

m efum

z

Rat

Kurze Beine, kurze Wege!

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Erfolgsmodell Gemeinschaftsschule Die Schule der Zukunft ist der Bestleistung und nicht dem Mittelmaß verpflichtet. Anders als Schule in Bayern heute, setzt sie deshalb auf individuelle Förderung statt auf das vermeintlich richtige Sortieren der Kinder auf unterschiedliche Schularten. Jedes Kind und jede/r Jugendliche wird individuell so gefördert, dass sie das jeweils eigene Potential voll ausschöpfen und ihre persönliche Bildungs-Bestleistung vollbringen können. Die Schule der Zukunft ist die Gemeinschafts­ schule; in ihr werden die unterschiedlichen Lerntypen der Kinder und Jugendlichen berück­ sichtigt. Lernziele erreichen die SchülerInnen so auf individuelle Weise. Der Unterricht orientiert sich an ihren Bedarfen. Es geht aber nicht nur um die Spannbreite in den schulischen Leistungen. Vielfalt bezieht sich auf weit mehr – etwa auf den kulturellen, familiären, sozialen und ökonomischen Hintergrund, das Geschlecht und den Lernstil. Jedes Kind hat es „verdient“, in seiner individuellen Vielfalt wahrgenommen zu werden.

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Die Gemeinschaftsschule ist eine Sekundarschule ab Klasse fünf, die offen ist für alle Kinder aus der Grundschule. Die Gemeinschaftsschule besuchen alle Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der Schulpflicht nach Klasse 9. Mit der Gemeinschaftsschule eröffnen sich für die SchülerInnen die nach Klasse 9 nicht in das berufliche System gehen, unterschiedliche Wege. Ab Klasse 10 werden die SchülerInnen die noch ungenügende Ausbildungsreife haben gefördert, sowie der Großteil der SchülerInnen auf den mittleren Abschluss und gff. auf den Übergang zur gymnasialen Oberstufe vorbereitet.


Die Gemeinschaftsschule – Struktur der Bildungswege mit Abschlüssen zu beruflichen und akademischen Weiterbildungsgängen

Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife / Fachhochschulreife

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10-13 Duale Berufsausbildung /

11 und 12

Fachhochschulreife

BOS / FOS / Gymnasiale Oberstufe

Sekundarstufe II (bis Klasse 13 möglich)

nach Klasse 10: Duale Berufsaus­

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bildung / berufliches Schulwesen

Ende der Schulpflicht nach der 9. Klasse: Erster allgemeinbildender Abschluss / duale Berufsausbildung

9 8./9./1

Berufs

• Wahlpflichtunterricht vertiefend in • Fremdsprachen • Mathematik/Naturwissenschaft/Technik • Musik/Kunst/Theater/Sport

0. Klas

se:

orient

ierung

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Gemeinsamer Unterricht mit Binnendifferenzierung

in allen Schulstufen: Praktisches Lernen –

auch an außerschulischen Lernorten

Sozialkunde/Geschichte/Erdkunde wird als Gemeinschaftskunde unterrichtet.

Angebote in Neigungsgruppen in mehreren Fächern

Sekundarstufe I

 Gemeinsames Lernen im Klassenverband

1-4

 Einüben in Wochenarbeitsplan

Primarstufe

 Beginn mit erster Fremdsprache Vorschulische Bildung 9


Vom Verordnen zum Ermöglichen – mit der Öffnungsklausel zu Gemeinschaftsschulen Wir wollen den Weg freimachen. Deshalb machen wir uns sofort auf den Weg. Ob Grund-, Real-, und (Haupt-)Mittelschulen oder Gymnasien – alle Schulen sollen sich weiterentwi­ ckeln können. Deshalb müssen die Schulen und Kommunen in die Lage versetzt werden, flexibel auf die Bedürfnisse von SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen einzugehen, sowie entsprechend der Gegebenheiten vor Ort handeln zu können. Wir setzen uns daher für selbstständi­ gere Schulen und mehr kommunale Verantwortung ein.

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Um das starre Schulsystem zu überwinden und es für flexible und intelligente Lösungen zu öffnen, wollen wir per Gesetz neue Schulmodelle ermöglichen. Wo vor Ort gewünscht, sollen Gemeinschaftsschulen bis Klasse 9 entstehen, die alle Abschlüsse und den Anschluss zur gymnasialen Oberstufe wie auch zur Berufsausbil­ dung gewährleisten. In der Gemeinschaftsschule werden die SchülerInnen nach Klasse 4 nicht mehr getrennt, sondern sie lernen weiter gemeinsam und werden zugleich individuell gefördert. Das heißt: Die Landespolitik initiiert und steuert diesen Prozess, sie schafft die gesetzlichen Voraussetzungen, sie schafft – als Rahmen für die einzelnen Modelle – die Qualitätsstandards, sie setzt Zielvorgaben und sorgt mit einer zusätzlichen Ressourcen­ ausstattung für Anreize. Innerhalb dieses Rahmens erhalten die Schulen eigene Gestaltungsspielräume.


Stundenplanbeispiel 8. Klasse Offener Schulbeginn

7:30 8:45 10:15 10:45

Fachunterricht

Fachunterricht

Fachunterricht

Fachunterricht

Pause Fach­ unterricht

Wahlpflicht- unterricht

Fachunterricht

12:15

Mittagspause

13:15

Fachunterricht

14:45

Freiwillige Angebote

Wahl- pflicht- unterricht

­

t- Fach Wahlpfliicch ht unterricht unterr

• 3 x jährlich: fachübergreifende Kompaktwochen • 8./10. Klasse: Beruftsorientierung • Ökologisches Lernen: Schulgarten, Streuobst­ wiese, Bienenstöcke

• Sozialkunde, Erdkunde, Geschichte werden als Gemeinschaftskunde unterrichtet.

• Physik, Chemie, Biologie bis Klasse 8 als Naturwissenschaft unterrichtet, in Klasse 9 und 10 mit vertiefenden, themendifferenzierten Neigungsgruppen. • Stadtteilarbeit mit außerschulischen Angeboten, Ferienspielen, Kooperation mit Vereinen, Jugendbildung und Jugendsozialarbeit

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EINE SCHULE FÜR ALLE Schulische Inklusion

Weitere Schritte zur Inklusion

Im März 2009 unterzeichnete Deutschland die Be­ hindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Damit verpflichten sich Bund, Länder und Kommu­ nen zur Entwicklung einer inklusiven Gesellschaft, in der die Unterschiedlichkeit von Menschen geschätzt und gemeinsames Leben auch bei unterschiedlichen Behinderungen gefördert wer­ den. Das gegliederte Schulsystem Bayerns aber unterscheidet zwischen dem Regelschulsystem und dem Förderschulwesen mit seinerseits sieben Untergliederungen. Fest steht: Die Ziele der UNKonvention können nur erreicht werden, wenn die bayerische Bildungspolitik verändert wird. Deshalb haben sich die im Landtag vertretenen Fraktio­ nen auf einen gemeinsamen Gesetzentwurf zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention geeinigt, um einen ersten Schritt in Richtung eines inklusiven Schulsystems zu gehen. Weitere Schrit­ te müssen folgen.

1. Inklusion braucht mehr LehrerInnenstellen: • für eine zügige Aufstockung der Stellen für Sonderpädagogik an Regelschulen, • für mehr Lehrkräfte an der Regelschule, damit sie kleinere Klassen bilden und die SchülerInnen besser individuell fördern können und damit sie den notwendigen Raum erhalten für die Zusammenarbeit mit den SonderpädagogInnen im Kollegium, • für eine wesentlich bessere Ausstattung des Mobilen Beratungs- und Unterstützungs­ dienstes. 2. Wir wollen eine Offensive in der Lehrer­ Innenfortbildung, um die PädagogInnen auf die neuen Aufgaben einer Inklusiven Schule vorzubereiten. 3. Sonderpädagogische Ausbildungsinhalte werden in allen Lehramtsstudiengängen verankert. 4. Eltern erhalten eine unabhängige Beratung aus einer Hand. 5. SchulbegleiterInnen werden in die schulische Arbeit einbezogen. Für sie werden spezifische Qualifizierungsangebote geschaffen. Die Finanzierung geht von Bezirken und Kommu­ nen auf das Land über. 6. Alle Schulen werden barrierefrei. 7. Förderschulen werden zu Kompetenz- und Beratungszentren umgebaut. Nur wenn wir das gegliederte Schulsystem hinter uns lassen, können wir das Ziel erreichen: Eine Schule für alle, in der keine Schülerin und kein Schüler verloren geht. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg.

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SCHULE MIT MIGRATIONshintergrund

Vielfal t nutzen lernen

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Das bayerische Bildungssystem benachteiligt Kinder aus sozial schwachen Familien – und damit auch viele Schülerinnen und Schüler mit Migra­ tionshintergrund. Statt sie schon früh in Haupt-, Real- und GymnasialschülerInnen zu trennen und damit soziale Unterschiede zu verstärken, sollten Kinder länger gemeinsam lernen. Dabei müssen sie nach ihren jeweiligen Bedürfnissen gefördert werden – nur so können Jungen und Mädchen entdecken, was in ihnen steckt. Eine vielfältige Schülerschaft kann zu besseren Leistungen aller Kinder führen. • Lehrerinnen und Lehrer lernen in ihrer Ausbil­ dung, pädagogisch und didaktisch besser auf Kinder aus verschiedenen Kulturen einzugehen. Beim Lehramtsstudium wird Deutsch als Zweitsprache eine größere Rolle spielen. • Junge Migrantinnen und Migranten sollen ermutigt werden, LehrerIn zu werden. • In allen Bildungsstufen wird sowohl die deutsche als auch die Muttersprache gefördert. Das geht in Ganztagsschulen besser: Dort haben die Kinder nicht nur mehr Zeit für Sprachunterricht, sondern auch mehr Gelegen­ heit für Gespräche und Kontakte.

• Damit Integration an der Schule gelingen kann, müssen alle Beteiligten – Kinder, Lehrende und Eltern – zu Dialog und Kompromissen bereit sein. So benötigen wir neue Ansätze und Ideen, um gerade jene Eltern anzusprechen, die sich bislang wenig um die Bildung ihrer Kinder kümmern. Auch die Jugendlichen werden so einbezogen, dass sie sich mit ihrer Schule identifizieren und den Alltag dort engagiert mitgestalten. • Um Ausgrenzung zu verhindern, werden die Schulen gestärkt, damit alle Kinder – also auch die muslimischen Schülerinnen – an Klassen­ fahrten, Sport-, Schwimm- und Sexualkunde­ unterricht teilnehmen können.


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Ganztagsschule – Zeit für mehr Ganztagsschulen gehört die Zukunft. Sie ermöglichen Schulen einen schülergerechten Lernrhythmus und Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ganztags­ schulen bieten Zeit für mehr. Durch verbesserte Bildungsangebote auch am Nachmittag können Bildungsdefizite abgebaut und die Koppelung von sozialer Herkunft und Schulerfolg durchbrochen werden. Die Schule übernimmt Verantwortung für den gesamten Tag. Damit gewinnen neben dem Unterrichten auch Fragen der Persönlichkeitsent­ wicklung von Kindern und Jugendlichen mehr an Gewicht. Für uns ist nicht nur wichtig, gebundene Ganztagsschulen in Bayern zu gestalten, sondern auch, hohe Qualität aller Ganztagsangebote zu gewährleisten, damit die Kinder und Jugendlichen die bestmögliche Förderung für ihren weiteren Ausbildungsweg bekommen.

Ganztagsschule konkret: Konzentrations- und Entspannungsphasen wechseln sich ab. Die alten „Haus-“Aufgaben finden als differenzierte Übungen in der Schule statt, denn der ohnehin stattfindende Nach­ mittagsunterricht wird in ein Gesamtkonzept eingebunden. Statt Lernen im 45-Minuten-Takt gibt die Ganztagsschule Raum für selbstständi­ ges, eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten im Team, für neue Lernformen, für Projekte, Zeit für individuelle Förderung und pädagogisches Eingehen auf die Bedürfnisse der SchülerInnen. 16

Lebensraum Schule Schule ist ein wichtiger Lebensraum für Schülerin­ nen und Schüler – und nicht nur eine Bildungsan­ stalt, in der die jungen Menschen Bildung „konsu­ mieren“ oder Ausbildungsbestandteile „abholen“. Bildung entsteht in Beziehungen; sie beruht auf Vorbildern, auf Austausch, auf Kommunikation, auf Dialog, wie auch auf der Konfrontation mit unterschiedlichen Lebensentwürfen. Ein positives und sicheres Sozialklima in der Lernumgebung ist eine wichtige Voraussetzung für nachhaltigen Lernerfolg. Und ein förderliches Klima unterstützt das Erlernen sozialer Kompetenzen. Schulgebäude und Klassenraum gelten als „Dritter Pädagoge“. Wir wissen und haben wohl auch schon selbst erfahren, dass die Gestaltung des Lernortes und eine positive Lernatmosphäre das Gelingen schulischer Bildung beeinflussen. Doch die Lernumgebung vieler Schulen besteht nur aus einem langen Gang mit aneinandergereihten Klassenzimmern. In der Ganztagsschule wird der Lebensraum noch wichtiger. Neben veränderten Schul- und Unterrichtsformen verlangt nach Schulbauten mit dazu passenden Räumlichkeiten und flexibler Ausstattung. Zu einer guten Schule gehört außerdem gutes und gesundes Essen – mit einer Cafeteria und einer Mensa, die eine geeignete Atmosphäre zum Speisen schaffen kann. Möglichst mit regionalen Produkten aus ökologischem Anbau.


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Eigenverantwortung der Schule stärken Internationale Vergleiche zeigen uns eindeutig, dass mit zunehmender, gelebter Eigenverantwor­ tung die Qualität der schulischen Arbeit verbessert wird. Motoren der Schulentwicklung sind auch besonders die Schulleiterinnen und Schulleiter.

Die Profis sind vor Ort

Die Gestaltung unseres Bildungswesens gelingt nur gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern, SchülerInnen, Kommunen und Eltern. Schon heute kann man in vielen Schulen Initiative und Enga­ gement für die Gestaltung der eigenen Schule erkennen. Oft aber wird der Gestaltungswille vor Ort gebremst und behindert. Wir wollen die Schulgemeinden ausdrücklich auffordern, auch neue pädagogische und unterrichtsorganisatori­ sche Wege zu gehen.

Eigenverantwortung braucht Demokratie

Ein wirklicher pädagogischer Aufbruch wird nur gelingen, wenn die Schulen tatsächlich über die Verwendung zusätzlicher Mittel entscheiden und damit Neues auf den Weg bringen können. Und wir wissen: Eigenverantwortliche Schulen entstehen nicht an einem Tag. Sie benötigen Zeit.

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Wir wollen, dass die Lehrkräfte – sie sind die Profis für Lernen und Unterricht – über die Schul- und Unterrichtsorganisation eigenverantwortlich entscheiden können.

Die eigenverantwortliche Schule beteiligt die Lehrkräfte, aber auch Eltern und SchülerInnen an der Schulentwicklung.

Schulleitung Wir wollen den Schulleitungen mehr Zeit für ihre Leitungsaufgaben geben, mit mehr Verantwortung für ihre Schulen, damit sie besser als heute Schule entwickeln können. Dazu brauchen sie auch besser ausgestattete Schulsekretariate an ihrer Seite.

Schulverwaltung Damit neue Freiräume und Chancen für die Schulen genützt werden können, werden die Aufgaben innerhalb der Ebenen der staatlichen Schulverwaltung neu ausgerichtet. Das spart auch Resourcen ein, die dann direkt zur Qualitätsver­ besserung eingesetzt werden können.


Schulreformen wachsen lassen Bewährtes mitnehmen Unsere Gesellschaft befindet sich in einem heftigen Wandel. Man denke nur an die Heraus­ forderungen durch Globalisierung, Integration und Ökologie. Die Kinder und Jugendlichen von heute müssen in der Welt von morgen zurechtkommen, also selbstständig und verantwortungsvoll handeln können. Gleichzeitig verändern sich heute die Lebensbedingungen von Jugendlichen in Schule und Ausbildung, in Freizeit und dem Einfluss der Medien. Schulen müssen sich daher ständig weiterentwickeln können. Wir wollen Schulrefor­ men Schritt für Schritt mit den ExpertInnen vor Ort realisieren. Mit klaren Zielen, mit Zeit und den notwendigen finanziellen Mitteln.

Kommunen in der Verantwortung Die Kommunen leisten längst mehr als nur den „äußeren Sachaufwand“ für Schulgebäude. Oft finanzieren und organisieren sie die Schulsozial­ arbeit und die Betreuung in der Ganztagsschule, die Einrichtung von Schülercafés, Küchen und Mensen, die Ausgestaltung der Nachmit­ tagsangebote, die Kooperation mit Vereinen, die Hausaufgabenbetreuung und die Unterstützung für Migrantenkinder – die Kommunen sind also bereits aktiv an den „inneren Schulangelegenhei­ ten“ beteiligt.

STÄRKUNG DES KOMMUNALEN SCHULTRÄGERS Die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Schule soll besser verzahnt sein. Kommunen sind nicht nur „Sachaufwandträger“, sondern Gestalter der Schule - natürlich für die hier arbeitenden Menschen, aber mehr und mehr auch als „Stand­ ortfaktor für die Region“. Das Land muss dafür die Kommunen sachgerecht finanziell ausstatten. Die Kommunen erhalten Freiräume zur Gestaltung, um maßgeschneiderte Lösungsansätze zum Wohl der Kinder umsetzen zu können – mit eigenen Bud­ gets und Mitsprachen bei Personal­entscheidungen. Die Schulverwaltung setzt dann nur noch den Rahmen und eröffnet Entscheidungsspielräume. 19


Impressum Thomas Gehring, MdL Schulpolitischer Sprecher und Sabine Schneider Referentin für Bildung und Hochschule  mehr Informationen:

Bündnis 90 / Die Grünen im Bayerischen Landtag Maximilianeum, 81627 München Tel. 089 / 4126-2493, -2728 Fax 089 / 4126-1494 info@gruene-fraktion-bayern.de www.gruene-fraktion-bayern.de Gestaltung: bioculture – umweltbewusstes Marketing Druck: ulenspiegel druck gmbh, Andechs Klimaneutral gedruckt

Den QR-Code einfach mit Smartphone einscannen oder im Internet unter www.wir-bilden-bayerns-zukunft.de

klimaneutral gedruckt

Unter Berücksichtigung der individuellen Nachhaltigkeitsleistungen von ulenspiegel druck gmbh, dokumentiert durch EMAS D-155-00126, geprüftes Umweltmanagement.

Zertifikatsnummer: 072-53275-0111-1139

www.climatepartner.com

Lernen ist Zukunft  

Schulbroschüre 2012

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