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Szene

Donnerstag, 5. Januar 2012

Nummer 4

21

Analoger Rockpoet im digitalen Zeitalter

Mick Checkers coole Party-Tipps

Aufgewachsen ist er in Aidlingen – Heute, nach vielen Rückschlägen, lebt Robby Maria in Berlin von der Musik – Neue CD als Gratisdownload

Wo geht was ab?

Es ist ein langer Weg vom Aidlinger Filou bis zur Berliner Livemusik-Szene. Robby Maria ist ihn gegangen – und hat dabei eine Menge durchgemacht. Mit seiner Band Robby Maria & The Silent Revolution ist er im Musikgeschäft angekommen. Der KRZ verrät er, warum er sein neues Album zum kostenlosen Download anbietet. Von Eddie Langner BERLIN. Viele im Kreis Böblingen kennen ihn noch von früher. Mit seinen pechschwarzen, lockigen Haaren und der sonoren, rauchigen Stimme war Robby Maria schon als Teenager ein Mädchenschwarm – und für Jungs ein ernster Grund, sich Sorgen um die Freundin zu machen. Manche kennen Robert Alexander Maria Scheer-Munoz, ˜ wie er mit bürgerlichem Namen heißt, noch von der Schulzeit an der Goldbergrealschule. Und viele schätzen ihn bis heute für sein Torwarttalent – immerhin hat der ehemalige Keeper bei der Sportvereinigung Aidlingen und später beim VfL Sindelfingen es einst in die Württembergauswahl geschafft. „Fußball war damals alles für mich“, erzählt Robby Maria. „Aber dann habe ich die Musik für mich entdeckt. Und dann gab es nichts anderes mehr für mich.“ Auf dem Aidlinger Venusberg sang er die Lieder von Bon Jovi nach, später trat er mit seiner Band Special Guest im Aidlinger Rockcaf´e Filou auf und träumte davon, eines Tages selbst auf der Bühne vor zehntausenden Fans zu stehen und seine eigenen Songs zu singen. Keine Frage – an Leidenschaft hat es Robby Maria noch nie gemangelt. Was ihm zu Beginn seiner Musikkarriere jedoch fehlte, war die nötige Reife. „Mit 20 war ich wie ein Fünfjähriger“, gibt Robby Maria, der dieses Jahr im August 40 wird, zu. Weil er, wie er es formuliert, mit dem „Heart of a gypsy“, also dem Herz eines Zigeuners geboren wurde, führte ihn sein Lebensweg erst über viele Um- und Irrwege dorthin wo er heute steht. Mitte der 90er flog er nach Los Angeles, wo er für eine Weile sein Quartier auf der Couch eines Freundes bezog und Lieder und Gedichte schrieb. „In weniger als zwei Jahren habe ich dort mehr als 150 Songs aufgenommen“, erinnert sich Robby Maria. Später zog es ihn nach New Orleans, wo er mit Stephan Metzner, einem Freund aus Aidlinger Jugendjahren zusammentraf und gemeinsam mit ihm Musik machte. Via Internet ist er noch heute mit ihm in regem Kontakt und hat

Statt wie gewöhnlich am Freitag öffnet das Red Cage im Böblinger City-Center bereits am heutigen Donnerstag seine Pforten – schließlich ist morgen Feiertag. Los geht es um 21 Uhr. @

Heute Abend bietet der Sindelfinger Alpenmax ab 21 Uhr mit variierenden Freiverzehrangeboten ein königliches Angebot zu den Heiligen Drei Königen. @

Rauschhaft-apokalyptisch

Klassisch traditionell beginnt das neue Jahr im Böblinger Kulturnetzwerk Blaues Haus am Freitag ab 21 Uhr mit Theresa’s Playground.

Die Mischung aus treibend-düsterer Rockmusik und rauschhaft-apokalyptischen Gedichten (nicht umsonst hat die Band ihr Debütalbum „Apocalyptic Folk Music“ genannt) weckt nicht von ungefähr Assoziationen an „The Doors“. In seinem künstlerischen Reifeprozess ist der Bandleader immer tiefer in die Gedankenwelt von Friedrich Nietzsche und dem von dem Philosophen stark beeinflussten „Doors“-Sänger Jim Morrison eingetaucht. Die „stille Revolution“ verschafft sich schnell Gehör und erspielt sich zunächst in Berlin und mittlerweile auch weiter darüber hinaus in Nord- und Ostdeutschland einen Namen als außergewöhnliche Liveband. Das wirft für Lokalzeitungsmacher eine Frage auf: Muss man, wenn man aus Aidlingen kommt, von hier weggehen, wenn man es im Musikgeschäft zu etwas bringen will? „Im analogen Zeitalter musste man das schon“, meint Robby Maria, der praktisch seit elf Jahren nicht mehr in der alten Heimat war. „Jetzt, im Internetzeitalter hast du ganz andere Möglichkeiten“, erzählt er. Entsprechend intensiv nützt Robby Maria, der selbst stets so etwas wie ein analoger Rockpoet geblieben ist, Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder neuerdings auch Google+.

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Nachdem sie an Silvester in Tübingen gespielt haben, finden sich die Dicken Fische am Freitag wieder zur Langen Nacht in den Böblinger Mineralthermen ein. @

Electronic Biscuits serviert euch am Freitag das Stuttgarter Climax ab 23 Uhr mit dem Auftritt von Brünemann & Hehner. @

Pop, Rock, Funk und Soul hält am Samstag ab 22 Uhr die Filmklause in Schönaich für euch parat. @

Stuttgart meets Tübingen heißt es am Samstag ab 22 Uhr im Tübinger Club 27, wenn sich Heron, Erasmus & Krieger, Minimalte & Karaat, sowie Neo die Ehre geben. @

Gegen Kommerz und Klischees

Allein auf Facebook hat die Band 500 Fans. „Gut, Bon Jovi hat fast 15 Millionen“, lächelt Robby Maria. Dennoch: Im Internet macht die Band immer mehr von sich reden: „Leute, hört sie euch an, solange die drei noch für 3 Euro spielen! Lange wird das bestimmt nicht mehr sein!“, schreibt zum Beispiel ein begeisterter Zuhörer auf dem Netzportal regiomusik.de, nachdem er die Band vergangen Februar bei einem Konzert in Neukölln erlebt hat. „Der Laden hat eine knappe Stunde lichterloh gebrannt“, schwärmt der Fan vom „besten Sänger und der besten Band weit und breit“. Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen will, kann das neue Album „Break the Silence“ kostenlos auf der Bandhomepage herunterladen. Wie kommt die Band denn darauf, ihre Songs umsonst anzubieten? „Die Frage höre ich öfAußergewöhnliches Live-Erlebnis: Robby Maria and the Silent Revolution ter“, grinst der Sän-

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Partykönig Mick Checker weiß wieder, wo in der Gegend was los ist. Natürlich stehen vor allem viele Silvesterfeten an. Hier seine aktuellen Tipps:

auf diese Weise mit dem Gitarristen, der jetzt auf Zypern lebt, vergangenes Jahr sogar ein gemeinsames Album produziert (wir berichteten). Fünf weitere Jahre dauerte sein Selbstfindungstrip, der ihn unter anderem in den Amazonas-Dschungel und nach Nepal führte. Mit allen möglichen Nebenjobs vom Türenabbeizen bis zum Möbelverkaufen übers Telefon hielt er sich über Wasser. „Ich habe schon große Löcher im Lebenslauf“, räumt Robby Maria ein. Sein großes Ziel, von der Musik zu leben, rückte dabei für einige Zeit in den Hintergrund – ganz aus den Augen hat er es aber nie verloren. In Berlin gründete er schließlich im Jahr 2008 zusammen mit seiner Mitbewohnerin, der talentierten Schlagzeugerin Anni Müller, die Band „Robby Maria and The Silent Revolution“. Dritter im Bunde ist Basser und Keyboarder Simon Birkholz.

Robby Maria – Charismatischer Frontmann der Band The Silent Revolution ger. Aber eigentlich sei das ganz logisch: Zum einen liege das Geld im Musikgeschäft heute ohnehin mehr im Bereich Live-Konzerte. Zum anderen gehe es ums Prinzip: Im Januar 2011 hatte die Band ein Demo mit 18 Songs im Heimstudio aufgenommen und war damit zu ihrem Manager Mario Burkhardt vom Plattenlabel Mes/Pap gegangen. „Der war damit aber überhaupt nicht einverstanden“, erinnert sich Robby Maria. Der Manager habe sich „was viel Kommerzielleres und Glatteres mit viel mehr Rockklischees“ vorgestellt. „Das wollte ich aber auf keinen Fall“, sagt Robby Maria.

Schon mehr als 5000 Downloads Nachdem auch andere Labels den Sound gerne etwas massentauglicher haben wollten, entschloss sich die Band, selber sechs Songs aufzunehmen und bietet diese seit 1. Oktober zum kostenlosen Download an. Bereits zehn Tage vor Heiligabend hatten 5000 Leute das Album heruntergeladen. Dem Sänger gibt das Rückenwind für neue Verhandlungen mit Plattenfirmen: „Mit so vielen Downloads habe ich eine bessere Ausgangsposition“. Sätze wie dieser zeigen: Robby Maria ist durch seine Rolle als Frontmann enorm gereift. Gestartet ist er als naiver Träumer, der

Fotos: RM &TSR

lange nicht erwachsen werden wollte. Heute lebt er von der Musik – „manche Monate besser, manche schlechter“, räumt er ein. Und er trägt eine Menge Verantwortung, kümmert sich um Auftritte, Logistik, Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr. „Ich bin der Boss. Ohne mich geht gar nichts. Falsche Bescheidenheit bringt da nichts“, sagt er selbstbewusst. Zuvor hat er sich lange schwer damit getan, seinen Idealismus und das raue Musikbusiness miteinander in Einklang zu bringen. „Ich habe wirklich wichtigen Leuten schlimme Sachen gesagt“, schaut er zurück. Verbogen hat er sich bis heute nicht. Aber er hat seinen Weg gefunden.

Robby Maria im Internet Musik, Bilder und ausführliche Infos über die Band gibt’s unter www.robbymaria.com im Netz sowie unter anderem auf Facebook – dort findet sich auch ein Link zum Musikvideo „Ship to Shore“ aus dem neuen Album. Das Video ist nominiert für den „Session Music“-Wettbewerb um das kreativste Musikvideo für die Frankfurter Musikmesse.

Das Stuttgarter 1210 hat für Samstag den Kampf Indie versus Hip Hop in der Girlz Edition ausgelobt. Ab 22 Uhr treten DJane Anja von Tight und DJane Cathrin gegen DJane Änna und DJane D-Nice an. @

Frisch gezapften Coverrock präsentiert die Band FASS am Samstag, ab 20 Uhr in der Gaststätte „Die Galerie“ in Renningen. Gespielt werden die besten Lieder von Folk bis Pop und von ABBA bis U2. Der Bandname geht übrigens auf die Anfangsbuchstaben der Bandmitglieder zurück. Der Eintritt kostet acht Euro.

Robby maria kreiszeitung  
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