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Colori compositi

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Arch채ologische Erlebnis-Routen zwischen Land und Meer

Das antike Rimini

I - 47900 Rimini, piazza Malatesta 28 tel. +39 0541 716371 - fax +39 0541 783808

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Provincia di Rimini Assessorato alla Cultura Assessorato al Turismo

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edizione tedesca

Riviera di Rimini Travel Notes


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Colori compositi

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Provincia di Rimini Assessorato alla Cultura Assessorato al Turismo

Angela Fontemaggi Orietta Piolanti

Das antike Rimini Arch채ologische Erlebnis-Routen zwischen Land und Meer


Koordination: Valerio Lessi, Sonia Vico, Marino Campana, Francesca Sancisi Graphische Gestaltung: Relè/Tassinari Vetta Fotos: Fotoarchiv des Assessorats für Tourismus der Provinz Rimini Fotoarchive der im Buch aufgeführten Museen Fernando Casadei, Emilio Salvatori, Pierluigi Siena Vorderes Umschlagbild: Rimini, Augustusbogen; Orpheus (Ausschnitt aus dem Mosaik des „Domus des Chirurgen”) Druck und Umbruch: Litoincisa87, Rimini Licia Romani Übersetzung: Helga Schenk, Link-Up Rimini Gedruckt 2009 Ein Dank geht an die Oberaufsicht für archäologische Güter (Soprintendenza per i Beni Archeologici) der Emilia Romagna


Inhalt

Präsentation Angela Fontemaggi, Orietta Piolanti

S. 5

Spuren der Geschichte Angela Fontemaggi

S. 7

Auf den Spuren des Urmenschen Die Etruskerfürsten im Marecchia-Tal Ariminum: Die Gründung Caput viarum („Straßenkopf“) Das Umland Die Stadt Ariminum Die „Domus“ von Ariminum

S. S. S. S. S. S. S.

Die Erlebnis-Routen Orietta Piolanti

S. 22

1. Auf den Spuren des Urmenschen 2. Symbole der Macht: Die Etruskerfürsten im Marecchia-Tal 3. Symbole der Macht: Römische Feldherren und Kaiser in der Geschichte von Ariminum 4. Caput viarum („Straßenkopf“) 5. Die archäologische Ausgrabungsstätte auf der Piazza Ferrari: ein kleines Pompei im Herzen von Rimini 6. Von Domus zu Domus 7. Rohstoffe aus der Natur und Arbeit des Menschen: Eine Wirtschaft zwischen Tradition und Aktualität

S. 23 S. 29

S. 57

Das Festival der Antiken Welt

S. 62

Museen und archäologische Ausgrabungsstätten in der Provinz Rimini

S. 64

7 9 12 14 15 17 19

S. 32 S. 36 S. 43 S. 50


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Das antike Rimini. Archäologische Erlebnis-Routen zwischen Land und Meer. Präsentation Angela Fontemaggi, Orietta Piolanti Die archäologischen Erlebnis-Routen ziehen sich quer durch die Geschichte und die Geographie der Provinz Rimini, überschreiten bisweilen deren Grenzen und zeigen uns einen weit umfassenderen Horizont von menschlichen und kulturellen Kontakten auf. Die Wege auf den Spuren der Archäologie kreuzen dabei Natur- und Wanderwege, Wein- und Spezialitätenstraßen, führen uns zu Wirtschafts- und Produktionsstätten, die auf uralten Traditionen beruhen und enthüllen uns Schritt für Schritt die wahre Identität der Orte, die weltweit für ihre Tourismusindustrie bekannt sind. Wenn wir den Spuren des Menschen auf seinem langen Weg von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Spätantike folgen, dringen wir zur wahren Seele von Rimini und seinem Hinterland (dem römischen „Ariminum“) vor und verstehen die besonderen Eigenschaften seines Landschaftsbilds und Charakters, der sich schon immer durch eine Berufung zur Gastfreundschaft ausgezeichnet hat: Rimini, als Ort der Durchreise, Kreuzungspunkt der Kulturen, Tor zur Welt und zu deren Eroberung durch das römische Reich, reger Handelsumschlagplatz, Straßenknotenpunkt zwischen Nord und Süd und Brückenkopf zwischen Rom und Europa! Es ist nicht nur möglich, noch heute diese „Spuren“ zu finden. Es ist vor allem überraschend, dass wir immer noch die Bauwerke und Monumente bewundern können, die schon lange Eingang in die Geschichts- und Architekturbücher gefunden haben, auf Straßen fahren und wandeln können, die von Menschen der Antike geplant und dank des Willens von Konsuln und Kaisern angelegt wurden, Brücken bewundern können, die mit großem bautechnischen Können errichtet wurden, die kleinen und großen Schätze entdecken können, die jedes der Museen der Gegend zu einem Kleinod des Buchs des Lebens macht und sogar Häuser aus der Römerzeit („Domus“) besuchen können, um deren Geheimnisse und Kuriositäten kennenzulernen! Und beim Aufenthalt in einem der vielen Restaurants können wir uns im Geist zurückversetzen in die Römerzeit, als ein engmaschiges Netz aus Osterien und Poststationen in den Städten und entlang der Römerstraßen das Land überzog, und uns darüber freuen, dass wir noch heute dieselbe herzliche Gastfreundschaft und traditionellen Spezialitäten genießen können. Wenn wir dann noch unseren Blick vom Land bis zum Meer hin schweifen lassen, ergeben die Erlebnis-Routen ein buntes Mosaik aus Gelegenheiten vielfältigster Art zum Kennenlernen der Kultur dieser Gegend, insbesondere der Menschen und der Natur. Der Akzent wird bei den Erlebnis-Routen auf die Aktualität der Antike gelegt. Sie bieten Möglichkeiten und Räume zum Kennenlernen und gemeinsamem Spielen, Spaßhaben und Sozialisieren bei den verschiedenen von den Museen organisierten Führungen und Workshops, an denen man teilnehmen kann. Die Angebote sind zum Teil ausgerichtet auf Familien, zum Teil speziell auf Kinder oder Erwachsene oder auch begeisterte Fahrradtouristen. Nicht zu vergessen sind auch die Initiativen, bei denen nach Möglichkeit auch Blinde und Sehbehinderte mit einbezogen werden. Dieses Büchlein soll keine erschöpfende Aufzählung des enormen archäologischen Potenzials dieser Provinz sein (das wäre auch gar nicht möglich!). Wir möchten damit einfach einmal besonders interessante und originelle Realitäten genauer „unter die Lupe nehmen“ und Besuche und Routen vorschlagen, bei deren Entdeckung Sie die Möglichkeit haben, direkt zurück zum Ursprung und zur wahren Seele dieses südlichsten Zipfels der Romagna vorzustoßen.

Oben: Umrandung des Anubis-Mosaiks (Ausschnitt). Unten: Mosaik mit

Prozessionsszene aus dem Palazzo Gioia (Ausschnitt). Rimini, Stadtmuseum.


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Das antike Rimini. Archäologische Erlebnis-Routen zwischen Land und Meer. Spuren der Geschichte Angela Fontemaggi Auf den Spuren des Urmenschen Die Geschichte von Rimini beginnt tatsächlich am Strand! Versuchen wir, eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit zu machen. Schließen wir einen Moment die Augen und öffnen wir sie… vor einer Million Jahren. Vor uns erstreckt sich eine Lagunenlandschaft mit Dünen und welligem Sandstrand unterbrochen von kiestragenden Fluss- und Bachmündungen. Hinter uns zeichnen sich dunkle dichte Wälder und Macchia-Landschaft mit Pinien und Tannen durchsetzt von dicht bestandenen Grasflächen ab. Ansonsten sehen wir Eichen, Pappeln und Birken sowie kahle Flächen entlang der Küste: alles Anzeichen für ein gemäßigtes, feuchtes Klima. In dieser Umwelt bewegen sich die Schatten von großen Säugetieren (Elefanten, Nashörner, Bisons), die verfolgt werden von Menschengruppen, den „Jägern“. Die Entdeckungsreise zu den Wurzeln der ersten Bevölkerung versetzt uns ins Hinterland an die Hänge am Fuße des romagnolischen Apennins, genauer gesagt auf den heutigen Hügel von Covignano, dort nämlich, wo vor zirka einer Million Jahren die Küstenlinie verlief. Das Meer reichte also bis hierhin und bedeckte die ganze Ebene, auf der später die Stadt Rimini entstehen sollte. Ebbe und Flut und die Wellenbewegungen des Wassers haben praktisch die Morphologie und die Geologie dieser Gegend bestimmt, die durch Schichten aus Sand- und Kiesablagerungen gekennzeichnet ist. Vor dem Hintergrund dieses Szenariums folgen wir den Spuren des Menschen, der ganz zu Beginn der Altsteinzeit gelebt hat. Zumindest dokumentieren das die Funde, die „Zeugnisse“, die 1968 durch die Entdeckung eines wichtigen Lagers von Steinabschlägen und scharfkantigen Steinwerkzeugen durch Stefano Sabattini ans Licht kamen und anschließend Gegenstand umfangreicher Studien herausragender Wissenschaftler wurden. Bei diesem Fund stieß man auf viele Aspekte, die mit den Kenntnissen über die Steinzeit übereinstimmten, welche bereits an anderen Forschungsstätten in der Region gewonnen worden waren, allen voran der Fundstätte von Monte Poggiolo in der Nähe von Forlì. Die auf einer oder beiden Seiten scharfkantig abgeschlagenen Steinsplitter (Chopper oder chopping tools) sind das Ergebnis einer wahren „Industrie“, die durch den Homus erectus aufgebaut wurde, der besonders geschickt in der Bearbeitung von Feuerstein (Flint) war, den er in Flussmündungen oder im Bett von Flüssen und Bächen fand, an denen er bei seinen Wanderungen vorüber kam. Das beweisen die vielen Steinsplitter, die durch gewaltige und entschlossene Schläge von Meisterhand erzeugt wurden, die erfahren im Verwandeln von einfachen Steinen in wirksame Jagdinstrumente und rudimentäre Werkzeuge war. Chopper und vom Kern abgeschlagene Steinsplitter werden zu Waffen und wichtigem Überlebenswerkzeug in

Abgeschlagene Feuersteinsplitter. Riccione, Gebietsmuseum.


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einer Epoche, in der der Mensch noch Jäger und Sammler der Früchte der Natur war, die ihm die Natur aus freien Stücken bot. Hinweise auf die Anwesenheit des Menschen im Gebiet der Provinz Rimini finden sich für die gesamte Steinzeit, einer riesigen Zeitspanne, die durch Klima- und Umweltveränderungen geprägt war. Die zwischen Riccione und dem Conca-Tal entdeckten Funde an abgeschlagenen Steinsplittern sind einer späteren Phase der Altsteinzeit (vor 200 - 150 Tausend Jahren) zuzuordnen, denn sie wurden mit fortschrittlicheren Schlagtechniken gewonnen, die differenziertere Werkzeuge für die Tätigkeiten des Alltags entstehen ließen: zum Jagen, Schlachten und Zerlegen der Tiere, zum Zertrümmern der Knochen und Bearbeiten der Häute, zum Ernten der Früchte und Wurzeln und Aufstellen der ersten Hütten… Die Jungsteinzeit (Neolithikum), die ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. über die Küsten der Adria auch im Gebiet der Romagna Einzug hielt, bringt eine kulturelle Revolution mit sich, die sich in innovativen Methoden der Essensbeschaffung äußert, neuen Bearbeitungstechniken der Steine, die jetzt nicht mehr nur abgeschlagen sondern auch poliert und geschärft werden, sowie der Einführung der Töpferei. Die Jahrtausende lange Erfahrung als Jäger und Räuber hat den Menschen über die Gesetze und den Jahreslauf der Natur die praktische Technik der Viehzucht und der primitiven Landwirtschaft gelehrt. Bedingt durch die Rhythmen der Viehzucht und des Anbaus von Nutzpflanzen wechseln jetzt Zeiten des Umherziehens mit immer längeren Zeiten der Sesshaftigkeit ab. Kleine Gemeinschaften entstehen, die zunächst nur einfache Ansammlungen von Hütten sind, welche auch als Ställe für die Tiere dienen. In diesen kleinen Dörfern entlang der Wasserläufe entwickelt sich die Verarbeitung von Milch zu Käse, das Anlegen von Feldern für Nutzpflanzen sowie die Steinhauerei, die jetzt in der Lage ist, immer speziellere Werkzeuge herzustellen, die Töpferei zur Herstellung von Gefäßen, die inzwischen für die Lagerung und den Transport von Milch, Käse und Samen unerlässlich geworden sind… Bruchstückhafte aber bedeutende Zeugnisse erzählen uns die Geschichte vom Leben der Menschen in der Steinzeit: Tongefäße verziert durch Prägen (Eindrücken) und Einritzen, luftgetrockneter Lehm (Verputz der Hütten, die aus einem Holzskelett bestanden), Werkzeuge aus Feuerstein (Schneidinstrumente, Speerspitzen, Schaber), Muschelschalen, die zu Ketten und Anhängern verarbeitet wurden… Dank der Präsenz des Menschen an der Küste (insbesondere oberhalb der ehemaligen Meereslinie, dem sog. toten Kliff) kann die archäologische Dokumentation über die Jungsteinzeit nachweisen, dass das Gebiet südlich von Rimini als Übergangsgebiet zwischen der kulturellen Tradition der Poebene und der übrigen Halbinsel fungierte: eine lebendige Realität, wo sich seit der Frühgeschichte Menschen mit unterschiedlichen Traditionen begegneten. Dieser Austausch der Kulturen konsolidiert sich in

Tonschüssel aus der Bronzezeit. Riccione, Gebietsmuseum).


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der Bronzezeit (3. Jahrtausend- bis 9. Jh. v. Chr.) noch stärker, insbesondere durch die Einführung von Metall und den damit verbundenen technischen Aktivitäten und durch eine immer dynamischere Wirtschaft, die durch den Handel mit Kupfer und Zinn sowie durch die Landwirtschaft und Viehzucht wertvolle Impulse erfährt. Die Besiedelung schreitet weiter fort und findet vor allem an der Küste statt, wo das Bestellen der Felder leichter ist und die Ressourcen des Meeres genutzt werden können, aber auch in den Hügeln des Hinterlands, wo es gute Weideflächen für die Viehzucht gibt. Entlang der alten „Handelswege“ intensivieren sich die Beziehungen mit dem mittleren Adriagebiet und damit auch mit der Kultur des Apennins und am Fuße des Apennins. Wir wissen von dieser Ausdehnung des kulturellen Horizonts durch Oberflächenfunde, insbesondere Scherben von Geschirr, Gegenstände aus Stein, Knochen oder Metall, Überreste von Siedlungen, Spuren von Hütten sowie Wohnstätten mit rechteckigem Grundriss, von denen die Löcher der Pfosten gefunden wurden, auf die sich die Konstruktion gründete. Fundstätten dieser Art gab es in Covignano, Misano und Riccione entlang der Via Flaminia. Die Bedeutung und das hohe Niveau der Metallschmiedekunst am Ende der Bronzezeit werden an den Gegenständen in den Kammern von Camerano di Poggio Berni und Casalecchio di Verucchio deutlich, zwei Lagerstätten für Bronzegegenstände, die absichtlich dort versteckt wurden, um wieder eingeschmolzen zu werden. Diese Funde zeigen, dass das Hügelgebiet hinter Rimini bereits im 10. Jh. v. Chr. von Handelswegen durchzogen war, die nach Norden sowie zum Ägaischen und Tyrrhenischen Meer hin offen waren. Die Etruskerfürsten im Marecchia-Tal Der Entstehung der Villanova-Kultur in Verucchio geht ein enger Kontakt zu den Etruskern voraus, von denen vor allem die fortschrittlichen Techniken der Metallschmiedekunst frühzeitig übernommen wurden. Dank seiner dominanten und strategischen Lage auf einem Hügel an der wichtigen Verbindungsstraße, die die Romagna über den Viamaggio-Pass mit Etrurieren verbindet, wird Verucchio zwischen dem 9. und 6. Jh. v. Chr. zum Zentrum einer neuen Kultur der Eisenzeit. Aufgrund seiner Wachpostenposition im Hinterland, von der aus der Eingang ins Marecchia-Tal gleichzeitig aber auch über die Mündung des Flusses der Zugang zum Meer überwacht werden konnte, hat das Zentrum von Verucchio einen großen Einfluss auf die gesamte Umgebung. Die Villanova-Kultur von Verucchio breitet sich bis in die kleineren Paralleltäler aus – im Norden bis zum Rubikon und im Süden bis zum Marano -, wo sie dann langsam übergeht in den eigenen Einflussbereich der Villanova-Kultur-Insel von Fermo und in das Gebiet der Picener.

Ohrringe aus Gold und Bernstein. Verucchio, Archäologisches Stadtmuseum.


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Die Villanovianer von Verucchio sind die Hauptakteure einer neuen Kultur, die allerdings auf eine lange Erfahrung mit der Landwirtschaft zurückblicken kann, von der sie zuerst das bewährte System des Abbrennens der abgeernteten Felder übernimmt, wodurch diese mit der Asche von Stoppeln und Pflanzenresten gedüngt werden, und dann die Methode der Brache einführt, d.h. die Mehrfelderwirtschaft mit Fruchtfolge und Brachzeiten der Felder. Aber in der Landwirtschaft halten jetzt dank der Verbreitung von Eisen und den Fortschritten in der Metallverarbeitung auch neue Werkzeuge wie Sichel und Sense Einzug und vermehrt kommen jetzt Arbeits- und Transporttiere zum Einsatz. All diese Einzelheiten über diese Menschen mit etruskischer Sprache haben uns die zahlreichen Begräbnisstätten der Nekropole (Totenstadt) enthüllt, die an den Hängen des Hügels von Verucchio entdeckt und erforscht wurden: Hier an diesen Steilhängen, die mit Sicherheit für Siedlungen und zur Nutzung als Anbauflächen weniger geeignet waren, entsteht die Totenstadt, eine wahre Schatzkammer an Informationen über die damalige Lebensweise. Archäologisch Ausgrabungen, Studium der Materialien und große Sorgfalt, bei der Aufbereitung für das Museum haben das archäologische Museum von Verucchio europaweit zu einer der einzigartigsten und bedeutendsten Einrichtungen dieser Art gemacht. Es liefert einen phantastischen Überblick über die Gesellschaft der Villanovianer, die sich uns darstellt als Gruppen von Adligen, die ihre hohe Stellung zum einen ihren kriegerischen Aktivitäten zum andern ihrer Führungsrolle, der Kontrolle des Machtbereichs oder einträglichen Handelsgeschäften, beispielsweise mit Bernstein, verdanken. Die reichen Grabbeigaben, die zwischen der Asche der Verstorbenen in den typischen bikonischen Urnen oder in den großen Fässern oder Holzkisten gefunden wurden, die beim Begräbnis ins Grab gelegt wurden, liefern eine Serie von nützlichen Hinweisen, die es uns praktisch ermöglicht, uns ein genaues Bild von den Menschen jener Zeit zu machen. Die Waffen (Lanzen, Schwerter, Helme mit kammartigen Verzierungen oder Kalotten, Äxte usw.) deuten auf einen Krieger hin, einen Mann, der Freiheit genießt und kämpft zur Verteidigung seines Landes. Der Schmuck, die Accessoires für die Bekleidung, die Gegenstände zur Pflege des Körpers und die Arbeitsgeräte deuten auf ein weibliches Universum hin (Ketten, Ohrringe, Arm- und Fußreifen,

Links: Helm mit kammartiger Spitze aus dem Grab Lippi 89. Verucchio, Archäologisches Stadtmuseum.

Rechts: Attisches Gefäß mit roten Figuren und Käuzchen. Riccione, Gebietsmuseum.


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Fibeln, Gürtel, Spinnrocken, Schwungringe) aber auch auf ein männliches (Schmucknadeln, Rasiermesser, Waffen, Teile des Zaumzeugs von Pferden und Metallteile zum Anschirren der Wagen). Die wertvollen Geschirrservice aus Bronze und die von geschickten Handwerkern fein geschnitzten und verzierten Möbelstücke lassen auf Häuser von hohem Rang schließen. Die Objekte, die als Grabbeigaben gewählt wurden, erscheinen damit wie die Buchstaben eines Alphabets, mit deren Hilfe sich das Profil der jeweiligen Person erstellen lässt. Der Reichtum der Grabbeigaben und die Position der Gräber innerhalb der Nekropole sind die Indikatoren für die Rollen und Funktionen der herausragendsten Persönlichkeiten in der gesellschaftlichen Rangordnung, die bisweilen wahre „Fürsten“ waren. Diese Indikatoren haben häufig mit der Sphäre der Pferde zu tun, mit dem Prestige der Waffen oder dem durch Handel erzielten Reichtum. Die Personen, die sich im Leben im zivilen, religiösen oder militärischen Bereich hervorgetan haben, bekommen beim Begräbnis die wertvollsten und vornehmsten persönlichen Gegenstände mit ins Grab gelegt: Schmuckstücke, die kunstfertig mit den fortschrittlichsten Techniken der Gold- und Silberschmiedekunst und aus den wertvollsten Materialien (Bronze, Silber, Gold und dem magischen Bernstein) gefertigt wurden, kleine Meisterwerke, die von den Kunsthandwerkern geschaffen wurden, um dem Geschmack und den Ambitionen der lokalen Aristokratie gerecht zu werden; Helme mit kammartig hochstehenden Verziehrungen und Paradewaffen, Streitwagen und Symbolobjekte der am höchsten geschätzten Tätigkeiten, karismatische Machtsymbole, Gefäße aus Bronze und elegante Einrichtungsgegenstände aus Holz, die bei Banketten benutzt wurden, dem Festmahl, bei dem sich die Würde und Vortrefflichkeit der Person in der Gemeinschaft manifestierte. Prestigerollen im Leben wie im Tod scheinen auch den Frauen zuerkannt worden zu sein, und nicht nur innerhalb der häuslichen Sphäre. Die archäologischen Hinweise zeigen uns ein Bild von einer Kultur auf, die sich entwickelt und durch die Gebietskontrolle, den regen Handel und den Warenumschlag bereichert, insbesondere durch den wertvollen Bernstein, der von den fernen Gestaden der Ostsee und von einigen Mittelmeergebieten über die Bernsteinstraßen hierher gelangt. Erst im Laufe des 6. Jh. v. Chr. scheint die Pracht der Villanova-Kultur langsam an Glanz zu


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verlieren. Ihre Hegemonie geht auf den Hafen am Marecchia-Fluss über, der durch die neuen politischen Interessen der Etrusker im Adriaraum an Bedeutung gewinnt. Bei ihrem Ausdehnungsprozess zum Tal und zur Küste hin treffen die Etrusker auf ein von verschiedenen kulturellen Einflüssen geprägtes, ethnisches Bevölkerungsgefüge, das die Wissenschaftler zum einen dem Einflussbereich der Umbrer und Picener zurechnen zum anderen der größeren hellenistischen Sphäre. Dieses „Vor-Rimini“ ist im 6. bis 4. Jh. v. Chr. geprägt vom regen Handel und Austausch mit den griechischen Städten, allen voran Athen, von wo die renommierten attischen Töpferwaren hierher gelangen. Bezeichnend für das multikulturelle Panorama, das dieses Gebiet vom 5. Jh. bis zur Römerzeit kennzeichnet, ist die „Stipe votiva“ (Opfergrube) der Villa Ruffi, einer Grube für Votivgaben, die auf dem Hügel von Covignano gefunden und deren Inhalt durch den Antiquitätenhandel im 18. Jh. an verschiedenen Museen in Europa und Amerika verstreut wurde. Hier fand man in einer Art Pantheon des Kults der Kriegs- und Wassergötter etruskische, umbro-italische und griechische Elemente. Aber „Ariminum“ (das wir hier als Gebiet verstehen, das in etwa mit dem der heutigen Provinz zusammenfällt) steht im 4. Jh. auch unter dem Einfluss des Vordringens der Gallier in die Poebene zum Nachteil der Vorherrschaft der Etrusker. Denn genau sie, die gefürchteten Krieger aus Gallien, sind die Feinde, auf die die Römer bei ihrer Eroberung der Gebiete nördlich des Apennins schließlich treffen. Ariminum: Die Gründung Im Jahre 268 v. Chr. macht sich ein Kontingent von 6.000 Bauernsoldaten mit ihren Familien auf den Weg quer über den Apennin und gelangt ins Tal des Flusses „Ariminus“, dem heutigen Marecchia. Getrieben vom Landhunger haben sie Latium und Kampanien verlassen, um diese lange Reise auf sich zu nehmen, die sie in das Gebiet „Ager Picenus et Gallicus“ zwischen der Romagna und den Marken führt, das durch die Schlacht von Sentinum (295 v. Chr.) und durch die Niederlage des keltischen Stammes der Senonen für die römische Gebietsausdehnung sicher gestellt worden war. Hier müssen sie die ihnen vom Senat in Rom übertragene Mission erfüllen: eine römische Kolonie mit dem Namen Ariminum (abgeleitet vom Namen des Flusses) zwischen dem ConcaFluss und dem Rubikon gründen, einen autonomen Staat, der mit dem „Mutterland“ verbündet ist. In etwas mehr als einem Jahrhundert gelingt es diesen Pionieren und ihren Nachkommen, die Naturlandschaft in eine vom Menschen verwandelte Kulturlandschaft zu verändern, deren unauslöschliche Merkmale noch heute sichtbar sind: die geordnete Geometrie der kultivierten Flächen, unterbrochen von kleinen Ortschaften, das Straßennetz, das sich um das Stadtzentrum


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E F 4 5 1

D 3

G

C 2

B

A. Augustusbogen B. Porta Montanara C. Forum D. Theater E. Tiberiusbr체cke F. Hafen G. Amphitheater

A

Die Domus auf den Erlebnis-Routen: 1. Palazzo Massani, Pr채fektur 2. Palazzo Arpesella 3. Handelskammer 4. Domus des Chirurgen 5. Palazzo Diotallevi


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herum in alle Richtungen verzweigt, und die Stadt eingeschlossen zwischen dem Blau des Meeres und der Flüsse und der grauen Begrenzung durch die Stadtmauern. Was die Besetzungsstrategie des Gebiets betrifft, tun die Siedler nichts anderes, als die Entscheidungen der Menschen, die vor ihnen hier waren, zu übernehmen. Die Stadt wird also an der Stelle gegründet, wo der Landeplatz an der Marecchia-Mündung, der natürlichen Anlegestelle für die Küstenschifffahrt, sich bereits zu einer Siedlung entwickelt hatte, die von Villanovianern, Etruskern, Griechen und Umbrern frequentiert wurde. Caput viarum („Straßenkopf“) Im Bereich des Schiffslandeplatzes von Ariminum laufen die prähistorische Hauptverkehrsader durch das Marecchia-Tals (Via Arretina) und die am Fuße der Hügel nach Norden verlaufende Straße sowie die verschiedenen Küstenrouten zusammen. Diese privilegierte Lage wissen die Römer zu schätzen und machen aus Ariminum einen wichtigen Militär- und Handelshafen, einen strategischen Verkehrsknotenpunkt zwischen dem Norden und dem Zentrum der Halbinsel, aber auch einen Ausgangspunkt für Reisen nach Mittel- und Osteuropa. Die alten Trassen und Verkehrswege werden mit Ausnahme der Via Arretina zu würdevollen Konsularstraßen erhoben, den Autobahnen der Römerzeit, die für den Eroberungsprozess und für die wirtschaftlichen Interessen des römischen Staats von entscheidender Bedeutung waren: Da war zum einen die Via Flaminia (220-219 v. Chr.), die an der Milvius-Brücke in Rom beginnt und an der „Porta Romana“, dem südlichen Stadtzugang nach Ariminum endet, der ab 27 v. Chr. vom Augustusbogen geziert wird. Dann war da noch die Via Aemilia (187 v. Chr.), die auf der entgegengesetzten Seite der Stadt ihren Anfang nimmt, den Fluss „Ariminus“ überquert und sich in nordwestlicher Richtung die ganze Poebene entlang zieht und alle Zentren am Ausgang der Apennintäler bis Mailand miteinander verbindet. Weiter zu erwähnen wäre noch die Via Popillia (132 v. Chr.), die die natürliche Fortsetzung der Via Flaminia nach Norden darstellt und nach dem ersten Abschnitt, der mit der Via Aemilia zusammenfällt, an der Küste entlang bis zu der großen antiken Stadt Aquileia führt. Der erste, der dieses integrierte Verbindungsnetz plant und in Angriff nimmt, ist der Konsul Caius Flaminius, erster Führer der „Populares“, Gegner der Hegemonie der Senatoren, wie Marius und Cäsar. Das verhilft Ariminum zu einer Hauptrolle auf den glanzvollen Seiten der Geschichte der römischen Republik: Mit der Via Flaminia wird die Kolonie, die den Einfällen der gallischen Stämme einen Riegel vorschiebt und gleichzeitig einen Zugang bietet zur endlosen Ebene im Norden, zu einem Sprungbrett für die Eroberung von „Gallia Cisalpina“.

Tiberiusbrücke, Rimini.


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Der Verlauf der Konsularstraßen im Gebiet um Rimini war zu jener Zeit kaum anders als heute. Die Straßendecke besteht meist aus mehreren Kies- und Schotterschichten. Die Straßen werden ab und an von soliden Brücken unterbrochen. Das Reisen wird außerdem sicherer und bequemer durch Infrastrukturmaßnahmen, die analog zu den heutigen sind: Meilensteine und Straßenschilder in Form von Steinsäulen seitlich der Straße, um die Entfernungen anzugeben, sowie Pferdewechselstellen („Mutationes“) und Herbergen für die Menschen zum Übernachten („Mansiones“). Das Straßensystem und seine lokal entstehenden Verbindungsnetze werden schon bald zu Agglomerationspolen für kleinere Siedlungen, die sich hauptsächlich auf Handel und Produktion konzentrierten. Auch die Nekropolen, die Totenstädte, werden, wie bei den Römern in der Regel üblich, direkt außerhalb der Siedlungen neben den Hauptverkehrswegen angelegt, wo die Grabmonumente den Blick der Reisenden anziehen und so das Andenken der Toten verewigt wird. Das Umland Die Konsularstraßen stellen das Rückgrat der Gebietsorganisation dar, die vor allem durch die „Centuriation“ erfolgte, das römische System der Landaufteilung und Urbarmachung von landwirtschaftlichen Flächen, das eine Aufteilung in regelmäßige Grundstücke von ca. 710 m Seitenlänge mit Hilfe von Geraden im rechten Winkel zueinander vorsah. Das durch Gräben, Kanäle, Hecken , Mäuerchen und Feldwege unterteilte Netzwerk stellt die Grundlage für die intensive Nutzung eines Bodens dar, der großzügig Früchte produziert, sogar in den von der Centuriation nicht betroffenen Gebieten: Hügel und Gebirge liefern Steine, Holz und die Erzeugnisse der Viehzucht - und weiter unten sind es die Eichenwälder, die Schweinezucht und die Verarbeitung von Schweinefleisch möglich machen. Das vielfältige und reiche Hinterland garantiert zusammen mit dem Meer und seinen Fischen (es sei hier nur an den leckeren Adriafisch erinnert!) den Wohlstand der Stadt, denn nach Deckung des lokalen Bedarfs kann die restliche Produktion zum Handeln verwendet werden. In der Ebene verbreitet sich der Anbau von Getreide, Gemüse und Obstbäumen, während in den Hügeln insbesondere Olivenbäume gepflanzt und Weinberge angelegt werden. Beim Weinbau wurde die Methode des „langen Schnitts“ der Reben und der „lebenden

Rechts: Amphore mit flachem Boden. Rimini, Stadtmuseum; Daneben: Modell einer Ziegelei. Santarcangelo di Romagna, MUSASMuseum.


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Stützen“ (meist Bäume) angewandt, die möglicherweise von den Galliern übernommen, in jedem Fall jedoch eine etruskische Tradition war. In den alten Quellen wird die außergewöhnlich hohe Weinproduktion der Böden südlich von Ariminum gerühmt: „10 cullei per iugero“, was ca. 210 Hektoliter pro Hektar entspricht! Dieser üppige Ertrag ermöglichte den Export des Weines - dessen Qualität im Übrigen nicht besonders hervorragend war - über ein ausgedehntes Handelsnetz. Insbesondere die Volksmärkte der Hauptstadt schienen ein beliebter Absatzmarkt zu sein. Die intensive landwirtschaftliche Aktivität, die zwischen dem 2. und 3. Jh. n. Chr. ihren Höhepunkt erreicht, hat die Herstellung von geeigneten Gefäßen zur Folge, z.B. den typischen kleineren Amphoren mit der Besonderheit des flachen Bodens, die sich besonders gut für den Transport auf Wagen und den hauptsächlichen Vertrieb über den Landweg eigneten. Ziegeleien, die diese Art von Amphoren herstellen, sind im Gebiet um Riccione, vor allem aber in Santarcangelo gefunden worden, einem Ort, der sich in der römischen Kaiserzeit bereits einen Ruf als „Industriezentrum“ gemacht und auf die Bearbeitung von Ton spezialisiert hatte, um daraus u.a. Amphoren, Geschirr, Öllampen und Ziegelsteine herzustellen. Die in kleine und mittlere Anwesen fraktionierte landwirtschaftliche Aufteilung, die dazu bestimmt war, die Zeit zu überdauern, ohne Raum für Großgrundbesitz zu lassen, lässt eine diffuse Besiedelung entstehen, die ihren höchsten Wohlstand zwischen dem Ende des 1. Jh. v. Chr. und dem 2. Jh. n. Chr. erlebt. Das Modell für ein Wohnhaus ist der Bauernhof, der unter hauptsächlicher Verwendung von Ziegeln und einfachsten Materialien erbaut wird. Er umfasst auch Lager, Ställe und Räume für die Verarbeitung der Produkte oder kleinere Werkstätten. Insbesondere südlich von Rimini gibt es eine Vielzahl von Hinweisen auf römische Landvillen, die in einen Bereich für den Hausherren unterteilt waren, der ähnlich wie in den Stadtvillen mit vornehmen Materialien und viel Komfort ausgestattet war, und in einen Bereich für die Bediensteten, mit den Anlagen zur Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und den handwerklichen Gerätschaften. Vervollständigt wird das Siedlungsbild durch die Dörfer („pagi“ und „vici“), die sich begünstigt durch reiche Ressourcen insbesondere entlang dem Netz der Verbindungswege bildeten. So deuten die archäologischen Funde in der Ebene von San Pietro in Cotto im Conca-Tal zwischen Gemmano und Montefiore auf ein Dorf oder eine große Landvilla hin, deren leicht erhöhte Lage an einer Rundstrecke von Straßen zwischen der Romagna und den Marken besonders günstig war. Das dort gefundene Material lässt auf eine Siedlung von beträchtlichem Umfang schließen, in der die landwirtschaftlichen Rohstoffe intensiv genutzt wurden, vielleicht sogar auf ausgedehnte kaiserliche Ländereien mit vornehmen Wohnhäusern und möglicherweise einer Kultstätte.

Kamee mit Profil des Dionysos, dem Gott des Weines, und Karneol mit Ceres, Göttin des Getreides. Rimini, Stadtmuseum.


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Die Stadt Ariminum Als Verkehrsknotenpunkt, in dem alle Straßen zusammenlaufen, und Bezugspunkt für die rege Wirtschaftstätigkeit im Umland nimmt die Stadt von ihrer Gründung an die Form an, die noch heute in der Altstadt erkennbar ist. Ein geordnetes Netz aus rechtwinklig zueinander verlaufenden Straßen („cardines“ und „decumani“) lässt ein Raster aus rechteckigen Blocks („insulae“) entstehen, in denen die öffentlichen und privaten Gebäude errichtet werden. Die Hauptachsen dieser Anlage sind der Cardo maximus (Via Garibaldi - Via IV Novembre), der Straßenabschnitt, der die Via Arretina mit dem Hafen an der Flussmündung verbindet (in der Nähe des heutigen Piazzale Clementini gelegen) und der Decumanus maximus (Corso d’Augusto), die Verbindungsstraße zwischen der Via Flaminia und der Via Emilia. Wo sich diese Hauptachsen kreuzen, also an der Stelle der heutigen Piazza Tre Martiri, befindet sich das römische Forum, das Zentrum des öffentlichen und privaten Lebens. Aus den archäologischen Aufzeichnungen ergibt sich ein interessantes Bild, wie dieser Platz, der damals auf der Meerseite weiter ausgedehnt war (bis zur heutigen Via San Michelino in Foro), ausgesehen haben mag. Um den Platz reihen sich wichtige Gebäude, wie die Basilika, die zur Verwaltung des Rechtssystem und Abwicklung der Geschäfte dient, sowie das unter Augustus im ersten Häuserblock nördlich des Forums erbaute Theater. Dieses eindrucksvolle Szenarium eignet sich außerdem ausgezeichnet für das Aufstellen von Ehrendenkmälern, Statuen und Inschriften zum Gedenken an wichtige Persönlichkeiten, Kaiser und Wohltäter der Gemeinschaft. Schließlich muss auch noch daran erinnert werden, dass der Überlieferung zufolge Julius Cäser nach dem Überschreiten des Rubikons, der damals die römische Staatsgrenze darstellte, nirgendwo anders als auf dem Forum von Ariminum seine berühmte Rede vor seinen Soldaten hielt, mit der er sie aufrief, mit ihm gegen Rom zu marschieren. Die von drei Seiten von Wasser umgebene Kolonie (vom Fluss Ariminius, vom Flüsschen Ausa, dessen heutiger Lauf umgeleitet ist, und mit dem Cervi-Park übereinstimmt, und vom Meer, das zur damaligen Zeit noch weiter landeinwärts auf der Höhe der heutigen Bahnlinie verlief) wächst schon bald auf einen Umfang an, dessen Begrenzungslinien ohne entscheidende

Augustusbogen, Rimini.


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Ausdehnungen bis zum Beginn des 20. Jh. als Stadtgrenzen erhalten bleiben. Ihre Rolle als militärischer Vorposten führt in kürzester Zeit zum Bau von entsprechenden Verteidigungsanlagen, die vor allem das Stadtgebiet nach Süden hin schützen sollen, das Angriffen am meisten ausgesetzt war. Es wird also eine mächtige Stadtmauer mit langen, geraden Mauerabschnitten und viereckigen Wachtürmen aus großen, unregelmäßig behauenen lokalen Sandsteinblöcken um die Stadt errichtet. Häufige Instandsetzungsarbeiten sorgen dafür, dass sie auch im 1. Jh. v. Chr. in der schwierigen Zeit der Bürgerkriege nichts von ihrer Wirksamkeit einbüßt, als Rimini, das auf der Seite von Marius steht, zum Opfer von Vergeltungsschlägen Sullas wird. Mit der „Pax romana“ unter Augustus verliert die alte Stadtmauer ihre Funktion. Erst im 3. Jh. n. Chr. unter dem Druck der ersten Angriffe durch die Barbaren wird es wieder nötig, eine neue Stadtmauer aus Ziegelsteinen um die ganze Stadt herum zu errichten. Wo die Hauptarterien der Stadt auf den Mauerring treffen, werden Stadttore gebaut: die „Porta Montanara“ am Ende des „Cardo maximus“, der sich außerhalb dann in der Via Arretina fortsetzt, und die „Porta Romana“ an der Stelle, wo die Via Flaminia in den „Decumanus maximus“ einmündet. Dieses Tor wird später eingerissen, um 27 v. Chr. dem Augustusbogen Platz zu machen, der vom römischen Senat zu Ehren von Augustus für seine Verdienste bei der Erneuerung der wichtigsten Straßen errichtet wird. Unter Augustus nimmt Ariminum, das bereits seit Anfang des 1. Jh. v. Chr. römisches „Municipium“ ist, letztlich die Gestalt und Würde einer prachtvollen Stadt des römischen Kaiserreichs an. Neben der Verschönerung der Stadteingänge durch eindrucksvolle Monumente wie dem Augustusbogen und der Brücke über den Marecchia, die allerdings erst unter Tiberius fertig gestellt wird, sorgt Augustus für die Pflasterung der städtischen Straßen, die Potenzierung des Aquädukts und der Kanalisation, die Bonifizierung eines ganzen Viertels im südlichen Teil der Stadt, die Wiederinstandsetzung der Via Emilia, die Renovierung von Privathäusern usw. Außerdem trägt das Eintreffen von neuen Siedlern - Veteranen, die treue Anhänger des Princeps sind - zum Entstehen einer neuen Führungsklasse und zur Neubelebung der Stadt und des Umlandes bei, wodurch diese in eine große offene Baustelle verwandelt werden. Doch Augustus konzentriert sein städtebauliches Programm zum Ausdruck von Kultur, Macht und ziviler Ordnung im Reich durch Monumentalbauten vor allem auf das Forum: auf den Eingang in die Stadt, der auf

Links: römisches Amphitheater, Rimini. Rechts: Einfahrt der Schiffe in den Hafen (Detail des Mosaiks aus dem Palazzo Diotallevi). Rimini, Stadtmuseum.


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der Rom zugewandten Seite von einem großen Bogen markiert wird und eine Art „Fußgängerzone“ entstehen lässt, da er den schweren Lastenverkehr der Wagen und Karren außen vor lässt, und auf die Errichtung des Theaters auf der anderen Seite des Platzes. Ganz anders sind das Klima und die Absichten des Kaisers (aller Wahrscheinlichkeit nach Hadrian), der im 2. Jh. n. Chr. den Bau des Amphitheaters anordnet, dem letzten großen städtischen Symbol, das der Stadt den Anstrich einer mächtigen Stadt des römischen Kaiserreichs gibt. Das Amphitheater wird am östlichen Stadtrand erbaut, um dort Gladiatorenkämpfe abzuhalten, die ein großes und leidenschaftliches Publikum anziehen sollen, und wird damit zu einem Integrationsinstrument zwischen den Bewohnern der Stadt und des Umlands aber auch zwischen den verschiedenen Sippen und Familien, die sich aus allen Regionen des Reichs hier angesiedelt haben. Mit dieser Maßnahme hat der Kaiser im Sinn, sich und der ihm ergebenen Aristokratie der Stadt den Konsens des Volkes zu sichern, indem er den Massen das gewünschte Vergnügen bietet. Doch dieses Vergnügen sollte nicht von langer Dauer sein. Schon nach etwa hundert Jahren bereiten die Staatskrise und der durch die Barbaren verbreitete Schrecken den Spielen im Amphitheater ein Ende, das im Anschluss daran in die Stadtmauer eingebunden und in eine Militärfestung verwandelt wird. Die „Domus“ von Ariminum Während die Prachtbauten und Monumente das öffentliche Gesicht einer Stadt prägen, lassen sich aus den Wohnhäusern Rückschlüsse auf das private Leben einer Gesellschaft in ständigem Wandel im Laufe der acht Jahrhunderte römischer Macht ziehen. Zu Zeiten der römischen Republik baut man einfache und funktionelle Gebäude, die Ausdruck des schlichten Lebensstils sind, während sich im 1. Jh. des römischen Kaiserreichs die Domus durchsetzen (Einfamilienhäuser mit einem oder zwei Stockwerken), deren Räume sich um das Atrium (Eingang mit offenem Dach für die Sammlung des Regenwassers) und des Peristylium (Garten mit umlaufenden Bogengängen) herum gruppieren, in denen sich der Kontakt zur griechischen Kultur sowie die Verbreitung der Freuden des „Otium“ (Muße und Müßiggang) widerspiegeln. Gegen Mitte des römischen Kaiserreichs wandeln sich die Domus: Jetzt wird dem Triclinium viel Raum gegeben, dem vornehmen Esszimmer, in dem die Bankette abgehalten werden, und das zusammen mit den kunstvoll ausgestatteten Gärten mit Wasserbecken und anderem Ziergerät zu einem Schauraum für den Wohlstand des Hausherren vor dem Hintergrund einer blühenden, inzwischen multiethnischen und multikulturellen Stadt werden. Zwischen dem 5. und 6. Jh. n. Chr. tauchen schließlich in einem von moralischem Zerfall gekennzeichneten Klima Luxusresidenzen hochstehender Funktionäre und


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Offiziere des Hofs von Ravenna auf, eine Zurschaustellung von Prunk und Macht innerhalb einer Gesellschaft, in der die Unterschiede zwischen den Schichten immer extremer werden. Die letzten Domus, die unregelmäßig über das Stadtgebiet verstreut in einem Häusernetz auftauchen, das im Auflösungsprozess ist, werden nach dem Beispiel des kaiserlichen Palasts gebaut: mit einer ausgeklügelt gegliederten Planimetrie, die sich um große, mit Brunnen und Wasserspielen bereicherte Innenhöfe entwickelt sowie um Repräsentationszimmer mit komplexem Grundriss und häufig sogar einer Apsis, zu denen man über einen Weg gelangt, der jeweils abhängig von der komplizierten Besuchszeremonie gewählt wird. Stellen wir uns jetzt einmal vor, in ein römisches Haus in Rimini zur Kaiserzeit hineinzugehen: Unser Blick wird angezogen von den lebhaften Farben der Wand- und Deckenfresken, von den ausgedehnten einfarbigen Hintergrundflächen, die häufig in Rechtecke unterteilt sind, zwischen denen Motive unterschiedlichster Ausprägung oder ähnliche Muster wie bei modernen Tapeten aufgemalt sind. Anschließend wendet sich unsere Aufmerksamkeit den kunstvollen Böden zu, deren Gestaltung die Bedeutung und Funktion der Räume sowie die Aufteilung der Innenräume erkennen lässt: In den offenen Bereichen oder in den Wirtschaftsräumen sind sie funktionell und widerstandsfähig, d.h. aus Cotto oder Cocciopesto (Mörtelestrich aus gestampften Keramikscherben), die bisweilen Dekoreinschlüsse aus Mosaiksteinchen haben, während die vom Hausherren und seiner Familie bewohnten Räume mit teppichartigen Mosaikböden in Schwarz und Weiß oder mehrfarbigen Mustern ausgelegt sind oder auch mit kostbaren Marmorplatten. Ein ungeheuer reichhaltiges Repertoire an geometrischen und figürlichen Schmuckmotiven bieten uns die über einhundert Beispiele erhaltener Mosaiken an den archäologischen Fundstätten und im Museum von Rimini. Den Lebensstandard im Innern der Domus können wir an den Einrichtungsobjekten ablesen, bei denen es sich meist um Statuen, Hausrat, Gegenstände zur Körperpflege und zum Schmuck der Bewohner handelt, die uns etwas über ihren Geschmack aber auch über ihre Kultur und Religiosität sagen.

Links: Statuette des Orpheus, wahrscheinlich zur Gartendekoration. Rimini, Stadtmuseum.

Rechts: Mosaik des Cubiculum (Schlafzimmer). Rimini, Archäologischer Komplex des Domus des Chirurgen.


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Ein einzigartiger Kontext wird uns aufgrund seiner Außergewöhnlichkeit durch die Entdeckungen bei den Ausgrabungen auf der Piazza Ferrari in Rimini geboten. Der erst kürzlich der Öffentlichkeit zugänglich gemachte archäologische Komplex enthüllt uns, wie das Leben in dieser Ecke, am nördlichen Rand der römischen Stadt vom 1. Jh. v. Chr. bis zum Mittelalter aussah. Die sensationellste Entdeckung war dabei das Domus aus der Kaiserzeit, in dem eine Taberna medica (Arztpraxis) untergebracht war, was durch den außergewöhnlichen Fund eines Chirurgenbestecks, bestehend aus über 150 Instrumenten, belegt werden konnte. Das „Domus des Chirurgen“ wurde damals von einem Moment auf den andern durch einen Brand zerstört, möglicherweise im Zusammenhang mit den ersten Einfällen der Barbaren, die Mitte des 3. Jh. n. Chr. mit Feuer und Schwert ganze Viertel der Städte in der Romagna verheerten. Auch Ariminum kann sich diesem instabilen und von Unruhe geprägtem Klima nicht entziehen: Ein Beweis dafür ist, dass das unter dem Schutt verschüttete Domus aufgegeben und eine Schutzmauer um die ganze Stadt herum gebaut wird. Im Schatten des Nachbarorts Ravenna, der seit 402 Hauptstadt des Weströmischen Reiches ist, erlebt Rimini vom 5.-6. Jh. einen Moment des Aufschwungs. Erkennbar wird dies an dem prunkvollen palastähnlichen Wohnhaus mit vielen beheizten Räumen und reichen Mosaikböden, das im vorderen Teil des Blocks erbaut wurde, in dem sich auch das „Domus des Chirurgen“ befand, dessen inzwischen von Erde bedeckten Ruinen glücklicherweise nahezu unangetastet an ihrem Ort belassen werden. Doch das Leben des Palasts ist nur von kurzer Dauer: Als Rimini Mitte des 6. Jh. zum Schauplatz des schrecklichen Kriegs zwischen Goten und Byzantinern wird, der das Ende des römischen Reiches bedeutet, zerfällt das Gebäude schnell und wird seinem Schicksal überlassen, das in diesem Fall bezeichnenderweise daraus besteht, dass die herrlichen Mosaike an verschiedenen Stellen aufgebrochen werden, um darin Tote zu begraben.


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Das antike Rimini. Archäologische Erlebnis-Routen zwischen Land und Meer. Die Erlebnis-Routen Orietta Piolanti Die archäologischen Erlebnis-Routen wurden im Prinzip für Erwachsene ausgearbeitet (rote Route), durch spezielle Abwandlungen und ein Workshop-Angebot jedoch auch für Kinder und Jugendliche adaptiert (blaue Route). In einem Fall wurde eine spezielle Erlebnis-Route für Blinde und Sehbehinderte erstellt (lila Route), die praktisch einem Museum zum Anfassen gleicht. Außerdem wurden zwei Erlebnis-Routen für Fahrradtouristen konzipiert (grüne Route). Erlebnis-Route für Erwachsene Erlebnis-Route für Kinder Erlebnis-Route für Blinde Erlebnis-Route für Fahrradtouristen


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1. Auf den Spuren des Urmenschen 1 oder 2 Tage Erlebnis-Route: Rimini, Museo della Città (Stadtmuseum) - Workshop: Behauen von Steinen Workshop: Ton modellieren wie in einem Dorf der Jungsteinzeit; Riccione, Museo del Territorio (Gebietsmuseum) - Abteilung Ur- und Frühgeschichte - Workshop: Knochen, Zähne und Muscheln: Amulette und Schmuckstücke der Steinzeitmenschen. A14

Workshop: Behauen von Steinen Organisiert von: Stefano Sabattini Dauer: 2 Stunden Für Kinder ab 8 Jahren und Erwachsene Gegen Bezahlung, nach Voranmeldung Info: Tel. 0541 704421-704426 Wie haben unsere ältesten Vorfahren gelebt? Wie verteidigten sie sich? Wie versorgten sie sich mit Essen? Welchen Stein benutzten sie am häufigsten? Was können denn einfache Steine schon aussagen? Eine Unmenge von kuriosen Aspekten einer Welt, in der der Mensch nach den Rhythmen und Gesetzen der Natur lebte, in einer Umwelt, die noch urtümlich und unverfälscht war. Und viele Antworten geben uns tatsächlich die Steine, insbesondere der Feuerstein, den der Urmensch an den Wasserläufen und steinigen Küstenstreifen sammelte und der das Material war, das in der Altsteinzeit neben anderen vergänglicheren Materialien wie Holz, Häuten und Knochen am häufigsten benutzt wurde. Bei diesem Workshop wird dem Publikum auf faszinierende Weise gezeigt, wie


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die Urmenschen Steine behauen haben, um Steinsplitter abzuschlagen. Verschiedene Techniken werden in der Simulation vorgeführt. Bei der am häufigsten angewandten, dem direkten Schlag, wird mit einem Stein direkt auf den in der Hand gehaltenen Stein geschlagen. Daneben gibt es die bipolare Technik, bei der der Stein, von dem man etwas abschlagen möchte, auf einen Fels, eine Art Amboss, gelegt wird. Von dem Steinkern springen unter den entschlossenen Schlägen die Abschläge ab und nehmen die Schneidwerkzeuge Form an, die der Mensch mit fortschreitender Entwicklung der Steinhauerei und der Kunst der Bearbeitung lernt, in immer schärfer geschliffene Werkzeuge zu verwandeln. Der Kursleiter führt methodisch und präzise genau die Bewegungen vor, die der Urmensch ausübte, um sich mit den für sein Leben unerlässlichen Werkzeugen zu versorgen. Durch die Betrachtung der so erzeugten Steinsplitter erkennt man ihre besonderen Eigenschaften (die nicht zufällig sind), da Form und Bruchstelle das Ergebnis eines klaren Plans sind. Es zeichnen sich

Workshop: Behauen von Steinen: Bearbeitung von Feuerstein und Anbringen eines Schafts an eine Speerspitze.

verschiedene Arten von Waffen und Werkzeugen ab, die von den einfachsten und rudimentären bis zu komplexeren und fortgeschritteneren reichen, die auf beiden Seiten behauen und anschließend noch weiter bearbeitet wurden. Mit Hilfe der verschiedenen Werkzeuge (Chopper, Chopping Tools, Spitzen, messerartige Schneidgeräte, Schaber…) wird durch Ausprobieren gezeigt, wie effizient mit ihnen geschlagen, zertrümmert, ausgehöhlt, entwurzelt, abgeschnitten, Rinde entfernt und enthäutet werden kann. Es können damit also alle Tätigkeiten ausgeführt werden, die für den Urmenschen zum Jagen, Schlachten, Baumfällen und Ausgraben von Wurzeln unerlässlich waren. Es wird auch leicht verständlich, warum der Mensch die Werkzeuge dann mit der Zeit durch Befestigen von Holz- und Knochenschäften mit Griffen versehen hat. In Zukunft wird diese Erlebnis-Route durch einen Besuch der Ausstellungsräume über die Ur- und Frühgeschichte im Stadtmuseum von Rimini ergänzt werden. Bei einem Ausflug auf den Hügel von Covignano können einige der


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charakteristischen geologischen Eigenschaften angeschaut werden, wie etwa der gelbe Sand an dem Ort, an dem die erste Besiedelung in der Provinz Rimini stattfand. Mit der Vorstellung, einen Tag als Urmensch und Sammler unterwegs zu sein, kann man auf uralten Pfaden auf den Hügeln und in den Tälern der Romagna wandern und nach wilden Beeren, Früchten, Kräutern und Pflanzentrieben suchen (natürlich nur die, die wirklich wild wachsen und nicht geschützt sind!).

Ton modellieren wie in einem Dorf der Jungsteinzeit Organisiert von: Francesca Minak und Erika Franca Tonni Dauer: 2 Stunden Für Kinder ab 8 Jahren und Erwachsene Gegen Bezahlung, nach Voranmeldung Info: Tel. 0541 704421-704426 Zu den Faktoren, die den langen innovativen Prozess eingeläutet haben, der unter dem Namen „neolithische Revolution“ zusammengefasst wird, gehört auch die Einführung der Töpferei, die Herstellung von Gefäßen zum Aufbewahren und Transportieren von Flüssigkeiten und landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Die Töpferkunst hält ihren Einzug in eine Gesellschaft im Wandel dank des Anbaus von Nutzpflanzen und der Viehzucht, immer längerer sesshafter Perioden, der Entstehung von kleinen Gemeinschaften, der Technik des Schleifens und Polierens von Steinen, der Beherrschung des Feuermachens und der Sitte des Tauschhandels. In diesem Zusammenhang kommt der Herstellung von Tongefäßen große Bedeutung zu, da sie für eine auf den ersten Formen der Landwirtschaft und der Herstellung von Milchprodukten beruhenden Wirtschaft eine entscheidende Rolle spielt. Das Töpfern von Hand (die Verwendung der Töpferscheibe verbreitet sich in Italien erst in der Eisenzeit) bedient sich der vor Ort vorkommenden Ressourcen: Ton, Wasser und Brennholz für die einfachen Öfen, in denen die Gefäße gebrannt werden. Die Rohstoffe sind also leicht verfügbar und werden zum Ausgangspunkt für eine „Industrie“ auf Familienebene, gebunden an den Bedarf des Dorfes. Mit Hilfe von Tonklumpen (der in der Natur gefundene Ton muss erst eine Absetzphase durchlaufen, um von allen Unreinheiten befreit zu werden) lassen sich die Formen von verschiedenem Alltagsgeschirr, wie sie in der Jungsteinzeit entweder frei Hand oder mit der Technik des Aufbauens mit Tonwülsten oder Tonstreifen angefertigt wurden, simulieren. Im ersten Fall wird eine Portion Ton abgetrennt. Dann wird das Gefäß durch Ausformen der plastischen Tonmasse mit der Hand modelliert, im zweiten Fall werden lange Tonwülste oder Tonstreifen hergestellt, die dann spiralförmig aufgebaut und fest mit einem flachen Boden verbunden werden. Mit diesen


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Töpfermethoden lassen sich einfache Formen erstellen (Becher, Tassen und Schüsseln), deren Charakteristika bisweilen ihre Nutzung in bestimmten Bereichen, wie der Milchverarbeitung oder Käseherstellung, erkennen lassen. Nach der Formung und Glättung der Wände des Gefäßes kann zur Verzierung übergegangen werden: entweder mit der Technik des „Prägens“, bei der das

Workshop: Ton modellieren: Dekoration einer Tasse.

Dekor allein durch das Eindrücken der Finger oder der Fingernägel in die noch formbare Oberfläche erzeugt wird, oder mit der Technik des „Einritzens“ von Motiven mit Hilfe von spitzen Werkzeugen. Jedes Gefäß wird so zum Unikat, das von der Geschicktheit der Person, die es modelliert, und deren Kreativität abhängt: Jeder Workshop-Teilnehmer darf zur Erinnerung sein Originalgefäß mit nach Hause nehmen, das nach den in der Romagna in der Jungsteinzeit verbreiteten Modellen und Techniken reproduziert wurde. Die Endphasen des Herstellungsprozesses von Tonwaren werden bei diesem Workshop ausgelassen: das langsame Trocknen, bei dem der Ton an Feuchtigkeit verliert und an Konsistenz und Härte gewinnt und das Brennen der Gefäße in den entsprechenden Öfen.

Das Gebietsmuseum von Riccione: Eine Reise in die Ur- und Frühgeschichte In mehreren Ausstellungsräumen des Museums von Riccione, das sich seit 1990 im „Centro Culturale della Pesa“ befindet, wird die Geschichte der geologischen Entwicklung und Entstehung der ältesten Ansiedlungen im Gebiet südlich von Rimini erzählt. Diese Erzählung beginnt vor Millionen von Jahren und endet in der Römerzeit, in der die Verbindung zum Schicksal der römischen Kolonie von „Ariminum“ hergestellt wird. Bei dieser Erlebnis-Route wird die Veränderung der Küstenzone und des ConcaTals illustriert, Umgebungen der Altsteinzeit rekonstruiert und die Präsenz des Menschen in der Ur- und Frühgeschichte dokumentiert. Steinwerkzeuge, die mit einer fortgeschrittenen Technik (der sog. Levallois-Technik) abgeschlagen wurden, führen uns zurück zu den ersten Spuren der Besiedelung in der


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Endphase der jüngeren Altsteinzeit, in der sich besonders häufig Schaber fanden. Reste von Hütten (wie die, die beim Bau der Autorennstrecke Santa Monica entlang des Flüsschens Agina gefunden wurden) bieten interessante Einblicke in das Leben der Jungsteinzeit mit seinen ersten ortsfesten Wohnbauten und dem Übergang zum Anbau von Nutzpflanzen und zur

Axt mit überstehender Fläche und Dolch aus der Bronzezeit. Unten: Grabbeigaben in gallischem Grab. Riccione, Gebietsmuseum.

Viehzucht. Die Geschichte des Alltagslebens und der archaischen Formen von Spiritualität der Steinzeitmenschen erzählen uns auch in diesem Fall bearbeitete Werkzeuge aus Feuerstein, Tongefäße und Gegenstände aus Knochen. Neben den wenigen Zeugnissen der Kupferzeit (Äneolithikum) - die Zeit, in der die grundlegendenen Techniken der Metallgewinnung und -verarbeitung entwickelt wurden, der Tauschhandel zunahm und die Arbeit immer deutlicher gegliederte Formen annahm - wird vor allem die Bronze- und Eisenzeit am Beispiel der Herstellung von Töpferwaren und der Kunst der Metallverarbeitung dokumentiert. Die verwendeten Materialien zeigen auf, dass der kulturelle Horizont sowohl von der Apenninkultur (geprägt von Viehzucht und dem Rhythmus der Wandertierhaltung) als auch von der Terramaricola-Kultur beeinflusst war (der Kultur in den Dörfern der großen Ebene im Norden, wo die Landwirtschaft eine große Weiterentwicklung erfuhr). Der Einfluss dieser beiden Kulturen zeigt sich in den Töpferwaren der Apenninkultur und den Instrumenten zur Bearbeitung der Felder: kleine Hacken und Sicheln aus Knochen und Metall.


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Und auch wenn zu Anfang der Eisenzeit das Gebiet um Riccione gegenüber der zentralen Rolle des Marecchia-Tals mit seinem Epizentrum der etruskisch geprägten Villanova-Kultur in Verucchio eher eine periphere Rolle spielte, gibt es im 5. Jh. v. Chr. entscheidende Hinweise auf griechische Einflüsse in der Zone, die insbesondere auf den lebhaften Seehandel zurückzuführen sind. Außerdem war auch immer noch die keltische Kultur hier vertreten, nachweisbar an den Grabbeigaben in einem gallischen Grab aus dem 3. Jh. v. Chr., das in Misano gefunden wurde.

Knochen, Zähne und Muscheln: Amulette und Schmuckstücke der Steinzeitmenschen Organisiert von: Vanessa Delvecchio Dauer: 1 Stunde und 15 Minuten Für Kinder von 8 bis 12 Jahren. Gegen Bezahlung, nach Voranmeldung Info: Tel. 0541 600113 Schon die Steinzeitmenschen schmückten sich gerne mit Schmuckstücken und nicht nur aus Schönheitsgründen. Sie waren für sie vor allem Glücksbringer, denen sie magische Kräfte zuschrieben, die böse Geister abwehren konnten. Unter Verwendung einfacher Materialien aus der Natur fertigten sich die Menschen in der Jungsteinzeit Ketten und Amulette, die sie sich umhängten. Auf ihre glücksbringenden Eigenschaften vertrauten sie, wenn sie auf die Jagd gingen und auch in allen sonstigen Lebenslagen, denn ihr „religiöser Glaube“ war eng verbunden mit der Natur und ihren Gesetzen. Die Teilnehmer dieses Workshops bekommen die Möglichkeit, aus Materialien wie Muscheln mit kleinen Löchern (die uns das Meer auch heute noch an den Strand spült), Holz, Federn und Ton (nicht verwendet werden hier Knochen und Steine, die in der Frühgeschichte auch häufig zu Schmuck verarbeitet wurden) unter Zuhilfenahme ihrer Phantasie und ihres Schönheitssinns ein Schmuckstück oder Amulett zu „kreieren“. Zunächst wird eine kleine Einführung in das Thema bei einem Rundgang durch das Museum gemacht, bei dem alle mit den wichtigsten Elementen der Schmuckherstellung vertraut gemacht werden, so dass jeder im Anschluss, unter Mithilfe des WorkshopLeiters, „sein“ Schmuckstück anfertigen kann. Jede Kreation ist einzigartig und originell und wird den Teilnehmern als „persönliche“ Erinnerung an ein Erlebnis mitgegeben, bei dem sie in Kontakt mit einer Urtradition kamen, bei der Rohstoffe aus der Umgebung genutzt, die Kräfte der Natur in Symbole übertragen und mit Hilfe von Objekten Gefühle der Furcht und Todesangst vertrieben werden.


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2. Symbole der Macht: Die Etruskerfürsten im Marecchia-Tal 1 Tag Erlebnis-Route: Verucchio, Museo Civico Archeologico (Archäologisches Stadtmuseum).

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Die Führung durch das Museum schließt auch die Vorführung eines Animationsvideos mit ein, das die Zeremonie des Begräbnisritus des „Herrn“ vom Grab Lippi 89 zeigt, dessen Grabbeigaben im „Thronsaal“ ausgestellt sind. Für Kinder empfiehlt sich der thematische Rundgang „Der Fürstenthron und seine Symbole” und der Rundgang mit Erzählung der Geschichte „Der magische Thron“ Info: Tel. 0541 670222 Folgt man dem Flusslauf des Marecchia von Rimini aus etwa 18 km ins Landesinnere, so kommt man nach Verucchio, einem hochragenden Felsen von 330m Höhe, der das ganze Tal dominiert. Verucchio liegt an der Grenze zum Montefeltro-Gebiet und zur Republik von San Marino in einer strategisch äußerst günstigen Position sowohl was die Verteidigung betrifft als auch hinsichtlich der Verbindungen zum Tibertal und zur tyrrhenischen Küste. Noch heute stellt Verucchio die glorreichen Symbole seiner reichen Geschichte zur Schau, deren interessantesten Seiten in der frühen Eisenzeit mit der Blütezeit der VillanovaKultur und im Mittelalter geschrieben wurden, als es zur Wiege des Herrscherhauses der Malatesta wurde. Die Macht der Malatesta-Familie wird an der eindrucksvollen Malatesta-Burg erkennbar, während die Artefakte der langen Erfahrung der Villanovianer, die hier ihre Originalität und Macht demonstrierten, in dem örtlichen archäologischen Museum zusammengetragen


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Holzthron aus der Nekropole Lippi (Detail). Verucchio, archäologisches Stadtmuseum.

und äußerst ansprechend ausgestellt werden. Das Museum befindet sich im ehemaligen Kloster der Augustinermönche, das im 12. Jh. erbaut und im 17. Jh. durch den Bau der Kirche und der Spinnereien erweitert wurde. Im Museumsgebäude, das sich nur wenige Schritte vor der mittelalterlichen Stadtmauer befindet, gibt es eine wunderbare archäologische Dokumentation der reichen Begräbnisstätten von Verucchio mit hochinteressanten und seltenen Funden zu bestaunen, die Zeugnisse der Vormachtstellung einer Elite von Kriegsfürsten sind. Jeder Saal erzählt für sich die glanzvolle Geschichte dieser Kultur am Beispiel der in den Nekropolen an den Hängen des Hügels erhalten gebliebenen Fundstücke. Es gibt eine Unmenge von Schaukästen, vor denen der Besucher in einer Art virtuellem Zusammentreffen mit den Etruskerfürsten verweilen kann, die hier vom 8. bis 7. Jh. v. Chr. lebten. Die effiziente, didaktisch wertvolle Beschriftung der Schaukästen hilft dem Besucher, sich die Figur der Persönlichkeiten von hoher Abstammung genau vorstellen zu können: Diesen Fürsten, zu deren Aufgaben auch der militärische Einsatz gehörte, wie aus der Beigabe von Paradewaffen und echten Verteidigungs- und Angriffswaffen zu den Gräbern ersichtlich wird. Insbesondere das Grab 85 und 89 der Nekropole Lippi (die umfangreichste aller Nekropolen von Verucchio) sind Paradebeispiele für die Grabbeigaben, die Personen von fürstlichem Rang, Männer wie Frauen, auf die letzte Reise mitgegeben wurden. Der Begräbnisritus, der einen Schatz an Informationen über die „Identität“ und die Persönlichkeit des Verstorbenen birgt, offenbart uns in diesen Fällen eine unvergleichliche Zurschaustellung von Reichtum durch Gegenstände von hohem Wert und Ansehen. Man denke nur an die Holzthrone (die hier aufgrund


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Verzierte Bernsteinperle. Verucchio, archäologisches Stadtmuseum.

der außergewöhnlichen chemischen Zusammensetzung des Bodens auf wunderbare Weise erhalten blieben) und insbesondere an den vollständig verzierten Thron aus dem Grab 89, auf dem innerhalb eines komplexen Schemas von Schmuckmotiven Szenen aus dem Verarbeitungszyklus von Wolle, vom Spinnen bis zum Weben, abgebildet sind, genauer gesagt eingeschnitzt in die hohe Rückenlehne. Ein weiterer Beweis für den Status der Herren von Verucchio sind auch die Kleidungsstücke und persönlichen Gegenstände neben den Artefakten von Wagen und Pferdegeschirren und den wertvollen Gefäßen aus Bronze. Diese Gegenstände lassen erkennen, dass sie der Welt der Etrusker nahestanden. Zusammen mit der Organisation des Begräbnisraums und der Zusammensetzung des gesamten rituellen Begräbnisschatzes sind diese Gegenstände ein Hinweis auf ihre wichtige Rolle in der Gesellschaft, Beziehungen auf höchster Ebene sowie ihre hohe wirtschaftliche und kulturelle Stellung. Bezeichnend ist der Fall der doppelten „Einkleidung“ der Urne und des Fasses aus dem Grab 26 der Nekropole MoroniSemprini, eine ganz offensichtliche Botschaft, die zusammen mit anderen bedeutenden Objekten der Grabbeigaben das hohe gesellschaftliche Niveau aufzeigen soll, das die Person erreicht hatte. Unter den vielen Symbolen der Macht und des Reichtums der „Fürsten“ von Verucchio kann der Besucher insbesondere die Produkte der Goldschmiedekunst bewundern, die wahre Kleinode einer Handwerkskunst darstellen, die ihre Blütezeit vom 8. bis 7. Jh. v. Chr. hatte. Das Gold, das nach den fortschrittlichsten Techniken jener Zeit bearbeitet wurde, schimmert uns von prachtvollen Fibeln und überraschenden Ohrringen entgegen! Und neben den Glasperlen, die zu Ketten und Anhängern verarbeitet wurden, entdecken wir die warme Farbe des mythischen Bernsteins, dem Geschenk der Götter zum Trost für den Tod Phaetons, dem Sohn des Sonnengotts. Dank der Bernsteinstraßen wächst auch der Reichtum Verucchios, das zum Zentrum für die Weiterverteilung von Bernstein und die Verarbeitung dieses fossilen Baumharzes wird, das aufgrund seiner Transparenz, seiner Farbintensität und therapeutischen Eigenschaften für die Herren dieser Gemeinde bestimmt war.


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3. Symbole der Macht: Römische Feldherren und Kaiser in der Geschichte von Ariminum 1 Tag Erlebnis-Route: Rimini, Stadtmuseum - Archäologische Abteilung - Römisches Lapidarium (Erlebnis-Route, die sich auch für Blinde eignet)/ Augustusbogen/Piazza Tre Martiri/Tiberiusbrücke/Amphitheater. Ponte di Tiberio Piazzale Boscovich Palazzo Arengo

Museo della Città Lapidario Romano

Grand Hotel

Rocca Malatestiana Palazzo del Podestà

Teatro degli Atti

via Sigism

Camera di Commercio

Palazzo del Turismo

Biblioteca Gambalunga Vecchia Pescheria Piazza Tre Martiri

Porta Montanara

ex Consorzio Agrario

IAT

XXIII

ondo

ni Ufficio info Corso Giovan comunale Domus del chirurgo

Palazzo Massani Prefettura

IAT

Tempio Malatestiano

Arco d’Augusto

Anfiteatro Romano

Die Namen von berühmten Persönlichkeiten der römischen Geschichte sind eng mit der Geschichte von Ariminum verbunden: neben Flaminius und Marius auch der große Feldherr Julius Cäser, der durch seinen Ausspruch „Die Würfel sind gefallen“ das Überschreiten des Rubikons in den Geschichtsbüchern verewigte, Octavianus Augustus, der Kaiser, dem die Größe des antiken Riminis am Herzen lag, und schließlich Hadrian, der Kunst liebende römische Kaiser, der der Stadt das Symbolmonument des Römertums schlechthin schenkte, das Amphitheater. Die Erlebnis-Route folgt ihren Spuren. Startpunkt ist das Stadtmuseum, in dem das geschichtliche, künstlerische und archäologische Erbe von Rimini aufbewahrt ist und das sich im Jesuitenkolleg aus dem 18. Jh. befindet. Hier treffen wir zunächst auf Octavianus Augustus, dessen Gesicht, erkennbar an den charakteristischen Haarlocken auf der Stirn, die eine sog. Zange bilden, in einem Marmorkopf verewigt wurde, einer Skulptur, die wahrscheinlich posthum als idealisiertes Abbild des Kaisers mit einem pathetischen Ausdruck erstellt wurde. Die Monumente und archäologischen Zeugnisse zeigen uns hingegen einen Politiker, der sich für ein umfassendes Programm städte- und


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Ebenbild des Augustus und Inschrift zur Erinnerung an die Pflasterung der Straßen. Rimini, Stadtmuseum.

straßenbaulicher Maßnahmen engagierte. Im römischen Lapidarium befindet sich beispielsweise ein Meilenstein, der 1949 in der Nähe der Brücke über den Fluss Uso in San Vito gefunden wurde und ursprünglich 7 Meilen von der Stadt entfernt aufgestellt war und an die Erneuerung der Via Emilia im 2. Jh. v. Chr. erinnert, während eine Gedenktafel aus Marmor an die Pflasterung der städtischen Straßen auf Geheiß von Caius Cäsar, dem Enkel von Augustus, im 1. Jh. n. Chr. erinnert. Der von Augustus initiierte Erneuerungsprozess lässt auch das Privatleben der Menschen nicht unberührt. So ist in der Begräbnisstele der Egnatia Chila, einem der elegantesten Beispiele der Bildhauerei im ersten Jahrhundert des römischen Reiches, die Inspiration an den Idealen der Kunst zu Zeiten Augustus’ erkennbar. Vielsagend für diese Bautätigkeit sind auch die Wohnhäuser („Domus“) um den Augustusbogen, vornehme Häuser, die mit Heizungsanlagen, Schmuckbrunnen, einer Apsis und Bodenmosaiken, bereichert durch Marmorplatten, ausgestattet waren, die nur noch darauf warten, demnächst in den Sälen der archäologischen Abteilung des Stadtmuseums ausgestellt zu werden. Ebenfalls Augustus verdanken wir den Bau zweier Symbolbauten der Stadt. Das ist zum einen der Bogen, der am Ende der Via Flaminia errichtet wurde, und zum anderen die Brücke über den Marecchia am anderen Ende des „Decumanus maximus“ (Corso d’Augusto). Der Augustusbogen ist das erste große Bauwerk, das von dem Kaiser in Rimini erstellt wurde. Der Bogen wurde 27 v. Chr. als Stadttor zu Ehren der Person und Politik des Augustus erricht, wie aus der Inschrift zu entnehmen ist, die die Erneuerung der Via Flaminia lobpreist. Die gesamte Struktur aus Schalmauerwerk, das mit istrischem Marmor verkleidet wurde, ist von einem stark religiösen und propagandistischen Charakter durchdrungen. Der architektonische Aufbau erinnert an einen Tempel, während die Öffnung des Bogens so breit ist, dass sie keinesfalls mit Holztoren geschlossen werden


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Der Gott Neptun (Detail des Augustusbogens). Rimini.

konnte. Das ist als Hinweis gedacht, das durch den Friedensschluss 31 v. Chr. nach der Schlacht von Actium kein Grund mehr besteht, Angst zu haben. Die Dekorelemente des Bogens bestehen aus verherrlichenden Symbolen, die auch die Tafeln im Tympanon bedecken. Die in den Rundschilden abgebildeten Gottheiten (Jupiter und Apollon auf der Außenseite, Neptun und Rom auf der Stadtseite) versinnbildlichen die Potenz Roms und die Größe von Augustus. Ursprünglich war der Bogen Teil der alten Stadtmauer aus Stein, von der noch Reste zu erkennen sind, und wurde von einem Atticus mit der Statue des Kaisers zu Pferde oder auf einer Quadriga überragt. Im Mittelalter wurde der obere Rand des Bogens dann mit Zinnen verziert, die noch heute erhalten sind. Auf dem römischen Forum, der heutigen Piazza Tre Martiri, kann man in grubenartigen Vertiefungen, die bei der Neugestaltung des Platzes ausgespart wurden, archäologische Reste der römischen Straßen sehen, die auf das Zeitalter von Augustus zurückgehen. Damals dehnte sich das Straßenpflaster aus Kalkstein über den ganzen Platz aus, der im Norden begrenzt war vom gewaltigen Bauwerk des Theaters aus Ziegelstein und im Süden vom Bogen, der den Eingang markierte. Außerdem befand sich weiter oben das Fundament eines der vielen Ehrendenkmäler, welche die Freigiebigkeit der herrschenden Klasse rühmten, während auf der Seite des Forums zum Meer hin, in Höhe der heutigen Via San Michelino die Basilika stand. Auf dem Platz taucht noch eine andere gebieterische Persönlichkeit auf: Es ist Julius Cäsar, verkörpert durch moderne Symbole, in Form einer Bronzestatue und eines Säulenstumpfs aus Stein an der Einmündung der Via IV Novembre. Der Überlieferung zufolge (die nicht mit der Erzählung übereinstimmt, die der Feldherr selbst geschrieben hat) soll Cäser genau auf dem Forum von Ariminum seine Truppen am Tag nach Überschreiten des Rubikons versammelt haben. Darauf beruht auch die Legende von dem großen Stein, auf den Cäsar gestiegen sein soll, um sich an seine Truppen zu wenden. Dieser große Stein soll zur Erinnerung an dieses Ereignis bis zum letzten Weltkrieg auf dem 1555


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errichteten Säulenstumpf gestanden haben. Die Reise auf den Spuren von Augustus geht an der Tiberiusbrücke weiter. In Wirklichkeit wurde ihr Bau nämlich unter Augustus im Jahre 14 v. Chr., seinem Todesjahr, begonnen und dann von seinem Nachfolger Tiberius 21 n. Chr. beendet, wie die Inschrift auf der Innenseite der Brückenmauer zu berichten weiß. Die Brücke von über 70 m Länge wurde aus istrischen Marmorblöcken über 5 Brückenbögen gebaut, die auf massiven Stützpfeilern ruhen. Diese sind mit schräg zur Straßenachse stehenden Wellenbrechern versehen sind, um die Wucht des Aufpralls der Strömung abzuschwächen und ein leichteres Weiterfließen zu begünstigen. An der Tiberiusbrücke, die den Übergang zur Vorstadt bildet, beginnen die Konsularstraßen „Via Aemilia“ und „Via Popillia“. Sie ist ein imponierendes Beispiel der Ingenieurbaukunst und besticht durch ihr architektonisches Design, das nützliche Funktion, Harmonie der Formen und Verherrlichung der römischen Kaiser perfekt kombiniert. Diese Verherrlichung erfolgt hier durch die Inschrift und die schlichten dekorativen Elemente, welche die zivile Macht (Lorbeerkranz und Schild) und die religiöse Macht versinnbildlichen (Bischofstab, Krug und Opferschale). Im letzten Brückenbogen zum Borgo San Giuliano hin sind noch Spuren der Verwüstungen durch den Krieg zwischen den Goten und den Byzantinern zu erkennen, eine der vielen Auseinandersetzungen, die im Laufe der Jahrhunderte die Brücke immer wieder der Gefahr der Zerstörung aussetzten. Während die Baumaßnahmen von Augustus einem systematischen Plan inspiriert durch politische Ideale und eine Kultur folgten, die sich an der alten römischen Tradition orientiert, ist der Bau des Amphitheaters im 2. Jh. n. Chr. auf Geheiß von Kaiser Hadrian (der auf einer in der Mauer gefundenen Münze dargestellt ist) als Symbol der Politik „Brot und Spiele“ (panis et circensis) zu werten, mit der möglichst viel Rückhalt in der Bevölkerung erzielt und die sozialen Spannungen in Momenten kollektiver Ablenkung abgebaut werden sollen. Die historischen Überreste des grandiosen Bauwerks, in dem die Gladiatorenkämpfe, die Erlegung von Tieren und spektakulären Hinrichtungen stattfanden, sind die bedeutendsten der ganzen Region. Das Bauwerk war am Stadtrand in der Nähe des Hafens errichtet worden und gut eingebunden in das Straßennetz, um den Publikumsfluß zu begünstigen, denn die Menschen strömten auch aus dem Umland herbei. Das Amphitheater war aus Beton gebaut und mit Ziegeln verkleidet, bestand aus zwei übereinander angeordneten Rängen aus 60 Bögen mit einer Höhe von über 15 m und bot Platz für mehr als 10.000 Zuschauer. Es hatte eine elliptische Form und eine Arena aus gestampfter Erde, die von ihrer Größe her kaum kleiner war als das Kolosseum. Heute ist nur noch der nordöstliche Teil mit einem der Haupteingänge erhalten. Andere Eingänge führten auf den Gang, der den Zugang zu den Treppen bildete, die zu den nummerierten Steinstufen hochführten. Nach nur etwas mehr als einem Jahrhundert verlor das Amphitheater seine Funktion und wurde in die Stadtmauern integriert, die zum Schutz der Stadt gegen die Barbarenangriffe errichtet wurden.


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4. Caput viarum („Straßenkopf“) 1 oder 2 Tage Erlebnis-Route: Cattolica, Archäologische Ausgrabungsstätte am ehemaligen Obst- und Gemüsegroßmarkt / Museo della Regina; Riccione, Brücke über den Rio Melo/Archäologische Ausgrabungsstätte der Kommunalen Apotheken/Museo del Territorio (Gebietsmuseum) Rimini, Augustusbogen/Porta Montanara/Stadtmuseum/Tiberiusbrücke; San Vito. San Vito

A14

Diese Erlebnis-Route kann man sowohl mit dem Auto als auch mit dem Fahrrad abfahren, wobei im letzteren Fall empfohlen wird, das Fahrradwegenetz zu benutzen, das in der Provinz Rimini in immer umfangreicherem Ausmaß angelegt wird. Info: www.ciclo.emila-romagna.it oder www.piste-ciclabili.com/provincia-rimini Für Kinder mit ihren Familien empfiehlt sich der im Museum „della Regina“ in Cattolica angebotene Workshop „Tabernae und Gastfreundschaft in der römischen Welt: Raststätten für Reisende“ organisiert von Maria Luisa Stoppioni. Dauer: etwa 1,5 Stunden. Für Kinder ab 9 Jahren. Info und Voranmeldung: Tel. 0541 966577 Wer auf der Via Flaminia von Süden kam, traf in Höhe des heutigen Cattolica auf die erste Siedlung auf römischem Gebiet. Hier entstand Ende des 1. Jh. v. Chr.,


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in den Jahren also, als Augustus seine Wiederinstandsetzungsarbeiten der Straßen ausführen ließ, die mit der Inschrift auf dem Augustbogen gerühmt werden, eine „Mansio“, eine Art „Raststätte“ auf halben Weg zwischen Pisaurum und Ariminum, die den Reisenden und ihren Pferden Verpflegung und Schlafmöglichkeiten bot. Im Bereich der ehemaligen Piazza des Obst- und Gemüsegroßmarkts in Cattolica kann man Arbeitsräume und Strukturen bewundern, die bei den archäologischen Ausgrabungen ans Licht kamen, die ab den 60er Jahren hier durchgeführt wurden: Wannen und Böden aus Cotto, ein Kanalisationssystem mit Wassersablauf und ein mehr als 8m tiefer Brunnen, der bis Mitte des 3. Jh. n. Chr. in Gebrauch war, als ein Brand im Zusammenhang mit den ersten Barbareneinfällen den Zerfall der Ortschaft besiegelte. Die Funde dieser und anderer Ausgrabungsstätten wurden im „Museo della Regina“, das im alten Pilgerkrankenhaus untergebracht ist, zusammengetragen und auf zwei Abteilungen aufgeteilt: die archäologisch Abteilung und die Abteilung über die Tradition des Lebens am Meer. Beim Besuch der archäologischen Ausstellungsräume kann man in das Alltagsleben einer kleinen Siedlung in der Römerzeit eintauchen. Die Gefäße zum Mischen und Ausschenken der Getränke lassen die Taverne in der „Mansio“ vor unserem geistigen Auge wieder aufleben, ein rustikales Mosaik aus unregelmäßigen Mosaiksteinchen aus Kalkstein erinnert an deren Handwerkscharakter und die im Brunnen gefundenen Objekte an die Mühseligkeit des Wasserschöpfens zu jener Zeit. Hingegen lassen die vornehmen Wandbemalungen auf Putz, der kunstvoll bearbeitete Marmor, der wertvolle Hausrat und die eleganten persönlichen Gegenstände auf einen gehobenen Lebenstil in dem Dörfchen schließen, das sich um die Herberge herum entwickelt hat. Auf dem Weg in Richtung Rimini kommt man an Misano und der Ortschaft Fontanelle vorbei, aus der der Überlieferung zufolge der Meilenstein stammt, der von Rom kommend die 211. Meile markierte, und die Inschrift, mit der die von Kaiser Domizian im Jahre 93 n. Chr. durchgeführten Arbeiten gerühmt werden. Danach gibt es immer mehr archäolgische Zeugnisse entlang des letzten Abschnitts des Straßenverlaufs, der größtenteils mit der heutigen

Mosaik mit unregelmäßig geschnittenen Mosaiksteinchen und Putzfragment mit abgebildetem Fuß. Cattolica, Museo della Regina.


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Staatsstraße übereinstimmt. Gleich hinter dem Friedhof von Riccione kann man nur wenige Meter unter dem heutigen Viadukt über den Rio Melo, den gemauerten Bogen der Brücke entdecken, die sich in der Römerzeit über diesen Wasserlauf spannte. Die Route führt weiter etwas landeinwärts nach San Lorenzo in Strada, wo die Straße einen fast rechtwinkligen Knick macht (heute durch die Kreisverkehre deutlich abgeschwächt) und wieder dem Meer zustrebt. Diese Abweichung von der Küstenlinie war damals nötig, um die Sümpfe an der Küste zu umgehen, aber auch weil es hier eine wichtig Kultstätte gab. Die verschiedenen archäologischen Entdeckungen in dieser Gegend bestätigen, dass es in der Nähe der Kurve ein Dorf gab - der Überlieferung zufolge als Vicus Popilius identifiziert -, das zwischen dem 2. Jh. v. Chr. und der ersten Phase der Kaiserzeit auf die Herrstellung von Terracotta für Bauwerke spezialisiert war, insbesondere zur Verziehrung von religiösen und privaten Gebäuden. Es lohnt sich hier anzuhalten und die archäologische Stätte der „Farmacie Comunali“ (Apotheke) zu besichtigen, wo die Ruinen dank der Rekonstruktionszeichnungen der verschiedenen Phasen der Stätte lebendig werden und von der ersten Ansiedelung in der Eisenzeit bis zum Produktionsbetrieb im Zusammenhang mit dem Bau der Straße, von der Instandsetzung der Anlage unter Augustus bis zu den Nekropolen in der Kaiserzeit und zur Verwendung als Kalkofen in der Spätantike erzählen. Die Artefakte, die aus den ländlichen Siedlungen im Hinterland, der Ortschaft San Lorenzo in Strada und der Nekropole neben der Via Flaminia stammen, werden im Gebietsmuseum von Riccione aufbewahrt. Originell ist die Dokumentation der Begräbnisriten: ein Grab zur Feuerbestattung wird von Ziegeln bedeckt, in die ein Senkloch zum Einführen einer Amphore geschnitten


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Links: römische Brücke über den Melo (Bach), Riccione. Rechts: Terracotta mit Satyr und Mänade aus San Lorenzo in Strada, Rimini, Stadtmuseum; und ein Grab mit Senkloch aus der Nekropole an der Via Flaminia, Riccione, Gebietsmuseum.

wurde, über die dem Verstorbenen die rituellen Opfergaben ins Grab hinabgelassen werden konnten; außerdem ein großer gemauerter Kasten, in dem zuerst das Kremationsfeuer entfacht und dann die Asche des Toten zusammen mit den Grabbeigaben begraben wurden, die verbrannten Überreste eines Begräbnisbetts aus verzierten Knochen, auf denen kleine geflügelte Amorfigürchen, drapierte Figürchen und ein Pferd zu erkennen sind. Weiter geht der Weg vorbei an wohlklingenden Ortsnahmen (al Terzo, Colonnella) und Meilensäulen, die 3 Meilen und 1 Meile von Rimini aufgestellt, aber ohne Textinschrift sind. Eine ist noch in Miramare, etwa 1 km vom Flughafen entfernt, zu sehen, die andere in der Nähe der Kirche von Colonnella. Nichts weist vor Ort auf die Nekropolen hin, die ältesten und prächtigsten von Ariminum, die sich vor den Stadtmauern über eine Meile erstreckten und mit ihren imposanten Familiengruften, feierlichen Grabmälern oder bescheideneren Symbolen, die nach einem hierarchischen Kriterium der Sichtbarkeit angeordnet waren, ein eindrucksvolles Spalier bildeten. Als spektakulärer Abschluss der Via Flaminia erhebt sich vor uns der von Augustus vor mehr als 2000 Jahren errichtete Bogen (siehe Erlebnis-Route Nr. 3). Wenn wir die Einladung zum Eintreten annehmen, die von der breiten Bogenöffnung an uns zu ergehen scheint, überschreiten wir die Schwelle zur römischen Stadt und kommen am Ende des „Cardo maximus“ (Via Garibaldi) zur „Porta Montanara“. Die Reste des ehemaligen Stadttors aus Sandstein, die hier im Jahre 2004 etwa 10 Meter weiter außen als ihrem Originalstandort (auf dem Straßenpflaster angezeichnet) wieder aufgebaut wurden, stammen vom Ende des 1. Jh. v. Chr.. Das Stadttor markiert den Beginn der „Via Arretina“ (Straße nach Arrezzo) und war ursprünglich mit Doppelbogen und einem inneren Wachhof mit Doppeltür ausgestattet, wurde jedoch bereits im 2. Jh. n. Chr. durch das Schließen eines Durchgangs auf einen Bogen reduziert. Unsere Erlebnis-Route setzt sich jetzt im Garten des römischen Lapidariums im


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Porta Montanara, Rimini.

Stadtmuseum („Museo della Città“) fort. Zunächst wird unser Blick angezogen von den ältesten Grabmälern der Totenstädte der Via Flaminia in typischer Würfelform: Die Gruften der vornehmen Familien der „Ovii“ und „Maecii“ bieten eine Unmenge von Informationen über Ariminum zu Beginn des 1. Jh. v. Chr., eine Stadt mit einer regen Wirtschaftstätigkeit und einer dynamischen multiethnischen Gesellschaft. Die Widmungen der Grabinschriften, von denen das Museum über eine reichhaltige Sammlung verfügt, fesseln den Leser heute wie damals, da sie sich mit Grußformeln und ergreifenden Trauerbezeugungen an ihn wenden, doch innezuhalten und der geliebten Person oder des in allzu zartem Alter verstorbenen Kindes zu gedenken. Im römischen Lapidarium sind außerdem die bereits erwähnten Marmortafeln von Fontanelle bei Riccione ausgestellt, auf denen der Name des Kaisers Domizian infolge der nachträglichen Verurteilung seiner Greueltaten („damnatio memoriae“) ausgelöscht wurde, und eine Sammlung von Meilensteinen mit Inschriften, die vielsagende Beispiele der kaiserlichen Propaganda sind: Von dem riesigen Meilenstein, der im 2. Jh. v. Chr. von Augustus in einer Entfernung von 7 Meilen an der Via Aemilia in der Nähe der Brücke über den Uso aufgestellt wurde, über jenen, der die 211. Meile auf der Via Flaminia markierte und von Massenzius im 4. Jh. errichtet und von Constantinus und Magnus Maximus wiederverwendet wurde, bis hin zu dem Meilenstein, auf dem die Kaiser Valentinianus, Valens und Grazianus erwähnt sind, die sich Ende des 4. Jh. n. Chr. um die Erneuerung der Straßen bemühten. Außerdem gibt es hier eine interessante Platte zu bewundern, auf der ein Satyr und eine Mänade (Bacchantin) abgebildet sind, die zum Kern einer architektonischen Terracottasammlung gehören, die 1866 in San Lorenzo in Strada entdeckt und demnächst in ihrer Gesamtheit in den Ausstellungsräumen


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Würfelförmiges Grabdenkmal und Meilenstein von der Via Flaminia. Rimini, Stadtmuseum.

der archäologischen Abteilung ausgestellt werden wird. Möglicherweise werden dort auch noch bemerkenswerte Grabbeigaben aus den Totenstädten entlang der Straßen außerhalb des Stadtzentrums aufgenommen. Unsere Erlebnis-Route geht weiter auf der Straße, und zwar auf den Spuren der Via Aemilia, die zusammen mit der Via Popillia aus der Stadt hinaus und über die Tiberiusbrücke über den Fluss Marecchia hinweg führte (siehe ErlebnisRoute Nr. 3). Der erste Abschnitt der Konsularstraße, die wahrscheinlich anlässlich der monumentalen Bauarbeiten unter Augustus gepflastert wurde, verlief zunächst geradeaus, d.h. einfach auf der Achse der Brücke weiter durch die bis zum 3. Jh. n. Chr. bewohnte Vorstadt, die anschließend zur Nekropole erklärt wurde. Nach der Abzweigung der Küstenstraße Via Popillia (wahrscheinlich auf Höhe des heutigen Stadtteils Celle) bog die Via Aemilia landeinwärts ab und zog sich am Fuße der Hügel entlang quer durch die Ebene nach Nordwesten. Dabei durchquerte sie ein Gebiet, in dem die Präsenz des Menschen durch die „Centuriation“, die römische Landaufteilung, mit der Via Aemilia als Hauptachse im Zentrum deutlich erkennbar war. Auf der Höhe des Ortes S. Giustina mündet unsere Erlebnis-Route in die „Via Emilia Vecchia“, die für eine kleine Strecke bis Savignano vom Hauptweg abzweigt. Diese „Umleitung“ wird auf die unter Augustus im 2. Jh. v. Chr. durchgeführten Erneuerungsarbeiten zurückgeführt, wie der Meilenstein zu verstehen gibt, der in San Vito - 7 Meilen von Ariminum entfernt - gefunden wurde. Doch die Gründe, die den Kaiser dazu brachten, vom älteren Verlauf, dem die heutige Staatsstraße wieder folgt, abzuweichen, sind immer noch nicht geklärt. Sicher ist nur, dass die Konsularstraße auf diese Weise die Gegend des heutigen Santarcangelo umging, ein Handwerkszentrum, in dem sich die Produktion von Ziegeln, Amphoren und Töpferwaren konzentrierte. Die Meilensäule wurde in der Nähe der alten Brücke über den Uso entdeckt, von der nur noch Mauerreste geblieben sind, nicht weit von der alten Pfarrkirche („Pieve“). Neuere archäologische Studien haben gezeigt, dass die noch


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erhaltenen Brückenbögen aus Ziegeln aus der Epoche der Malatasta stammen, aber das sie auf Resten einer römischen Brücke aus Steinblöcken ruhen. Diese wahrscheinlich aus dem Zeitalter unter Augustus stammende Brücke scheint den Abmessungen an dem noch vor Ort vorhandenen eingestürzten Teil zufolge monumentale Formen und noch größere Ausmaße als die Tiberiusbrücke in Rimini gehabt zu haben (ca. 8 bis 9 Brückenbögen!). Dem Bauwerk muss also ein symbolischer und propagandistischer Wert höchster Bedeutung zugeschrieben worden sein. Diese Tatsache wurde als Argument für die These gewertet, dass der Uso in Wirklichkeit identisch mit dem alten Rubikon war, der Fluss, den Cäser durch seine Überschreitung berühmt gemacht hat und der zur Zeit der römischen Republik die Grenze des römischen Staates darstellte. Augustus hat diese Grenze nach der Vereinigung des antiken Italien mit Gallia Cisalpina bis zu den Alpen verschoben. Vielleicht war es diese politische Vereinigung, die der Kaiser durch den Bau dieser imposanten Brücke als materielle Verbindung zwischen diesen beiden Regionen feiern wollte.

Römische Brücke über den Marecchia-Fluss in Rimini und Reste der röm. Brücke über den Uso (Bach) in San Vito.


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5. Die archäologische Ausgrabungsstätte auf der Piazza Ferrari: ein kleines Pompei im Herzen von Rimini 1 Tag Erlebnis-Route: Rimini, Archäologischer Komplex des „Domus des Chirurgen“ auf der Piazza Ferrari/Stadtmuseum - Archäologische Abteilung Ein unmögliches Interview - Workshop: Die Schaufel des Archäologen. Ponte di Tiberio

Palazzo Arengo

Museo della Città

Rocca Malatestiana Palazzo del Podestà

Teatro degli Atti

via Sigism

Camera di Commercio

Biblioteca Gambalunga Vecchia Pescheria Piazza Tre Martiri

Porta Montanara

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anni Ufficio info Corso Giov comunale Domus del chirurgo

Palazzo Massani Prefettura

IAT

Im Dezember 2007 fand die Eröffnung für das Publikum der museumsartig aufbereiteten, archäologischen Ausgrabungszone von über 700 m2 Fläche statt, die mehr als 2000 Jahre Stadtgeschichte erzählt. Ein wahrer „Schatz“ also, der allein aufgrund der Außergewöhnlichkeit seiner Funde bereits einen Besuch in Rimini wert ist. Der architektonische Bau zum Schutz und zur Erhaltung der Fundstätte bringt die archäologischen Reste erst richtig zur Geltung, weil er einen Gesamtbild der Strukturen und eine einheitlichen Leseart der verschiedenen Kontexte im Zusammenhang ermöglicht. Mit den Ausgrabungen wurde 1989 im Auftrag der Oberaufsicht für die archäologischen Güter („Soprintendenza per i Beni Archeologici“) der Emilia Romagna begonnen. Dabei wurde ein Domus aus der Römerzeit, eine palastähnliche spätantike Residenz, Begräbnisstätten und Spuren von Wohnhäusern aus dem Spätmittelalter zu Tage gefördert, sowie Mauern aus dem Frühmittelalter und aus der Neuzeit. Der Besuch ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit: Mit gemischten Gefühlen zwischen Aufregung und Verzauberung projizieren wir uns in die römische Stadt, um ihre Stimmen und das Rauschen des Meeres zu hören, das damals ganz in der Nähe des Stadtzentrums an den Strand schlug, und Momente des täglichen Lebens zu erhaschen.


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Hier also, nich weit vom alten Hafen, stand im 2. Jh. n. Chr. ein Haus, das die Wissenschaftler nach dem Beruf des letzten Besitzers, einem Arzt griechischen Ursprungs, „Domus des Chirurgen” genannt haben. Es wurde Mitte des 3. Jh. durch einen Brand zerstört, der bei einem der Überfälle der ersten Barbaren ausgebrochen war. Das Domus hat uns unter den Trümmern des zusammengestürzten Hauses viel zu enthüllen: Baustrukturen, Mosaiken, Verputz, Einrichtungsgegenstände und Hausrat, die uns praktisch ein „fotographisches Abbild“ des Lebens im antiken Rimini liefern. Die wertvollen Bodenmosaike und Mauern, die zum Teil noch mit Fresken in lebhaften Farben bedeckt sind, enthüllen uns eine Residenz, die sowohl privat als auch beruflch genutzt wird. So enthält sie eine Arztpraxis, eine „Taberna medica“, die mit einem eleganten mehrfarbigen Fußbodenmosaik ausgestattet ist, in dessen Zentrum Orpheus zu sehen ist. Dem Zusammensturz, der das Ambiente praktisch verrsiegelte, haben wir es zu verdanken, dass uns bis zum heutigen Tag eine Sammlung an außergewöhnlichen chirurgischen und pharmazeutischen Instrumenten erhalten blieb, die die umfangreichste der ganzen Antike ist. Doch die Geschichte dieses Ortes blieb mit dem zerstörerischen Brand nicht einfach stehen. Das zeigen die Restes eines palastähnlichen Gebäudes aus der Spätantike, dass im 5. Jh. auf den vorderen Teil des Domus gebaut wurde. Die bunten Mosaike mit fein ausgearbeiteten geometrischen Motiven und die Technik der Beheizung von einigen Räumen bezeugen den Reichtum und Luxus der Residenz, die jedoch bereits im 6. Jh. n. Chr. ihr Ende besiegelte. In der Folge wurde dieser Ort zu einer Begräbnisstätte umfunktioniert, wie am Beispiel verschiedener Gräber erkennbar ist. Wahrscheinlich wird auf dem westlichen Teil dieser Fläche im 7. Jh. n. Chr. wieder ein neues Gebäude aus einfachem Material (Holz und Lehm) und wiederverwendetem Material


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Links: Archäologischer Komplex des Domus des Chirurgen. Rimini. Rechts, von oben nach unten: Mosaik des Orpheus in der Taberna medica und Mosaik aus dem spätantiken Palazzo (Detail). Rimini, Archäologischer Komplex des Domus des Chirurgen.

errichtet. Nachdem dieses Gebäude noch im Hochmittelalter zerstört wurde, blieb die Fläche wahrscheinlich frei. In der archäologischen Abteilung des nahen Stadtmuseums wird dem Domus des Chirurgen ein Spezial-Bereich eingeräumt: Man kann hier tatsächlich in die Taberna medica hineingehen, die praktisch originalgetreu rekonstruiert wurde, und die wichtigsten Funde bewundern, die man unter den Trümmern des eingestürzten Hauses entdeckt hat. Besonders faszinierend ist das außergewöhnliche runde Glasbild, das einst die Wand des Triclinium zierte: In der Mitte der Scheibe sind auf naturalistische Weise auf dem Blau des Meeres eine Goldbrasse, eine Makrele und ein Delphin dargestellt, die wie bei einem


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Links: Schmuckscheibe aus Glas aus dem Domus des Chirurgen. Rechts: Mörser mit Stößeln, Arzneigefäße und Votivhand aus Bronze aus dem Domus des Chirurgen. Rimini, Stadtmuseum.

Mosaik in eine zurechtgeschnittene Glasscheibe eingelegt sind. Es handelt sich hierbei um ein seltenes und wertvolles Wandbild (auf griechisch: Pinax), das aller Wahrscheinlichkeit nach aus Griechenland stammt, da es einem anderen in Korinth Mitte des 3. Jh. hergestellten sehr ähnlich ist. Mit diesem Bild konnten im Domus die Lichter und Horizonte des Meeres heraufbeschworen werden. Das Domus lag bekanntlich nur wenige Meter von der Adriaküste entfernt. Im Stadtmuseum können wir auch das außergewöhnlich Chirurgenbesteck und die pharmazeutischen Gerätschaften im Original bewundern: Von den über 150 chirurgischen Instrumenten aus Bronze sind einige durch die großen Hitze beim Brand im Kern miteinander verschmolzen. Neben Skalpellen, Sonden, Bohrern, kleinen Zangen, Geburtszangen und Zangen zum Zähneziehen kann man auch eine Zange für die Knochenchirurgie erkennen, ein Eisen zum Entfernen von Harnsteinen, einen Handbohrer mit beweglichen Armen und einen orthopädischen Heber. Im selben Schaukasten befindet sich eine Bronzeplatte, auf der man eine

Chirurgische Instrumente und Reste eines Behälters aus dem Domus des Chirurgen. Rimini, Stadtmuseum.


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Abbildung der jagenden Diana erkennen kann. Es handelt sich dabei um den Deckel eines Medizinkästchens, wahrscheinlich aus Holz, zum Schieben. Als nächstes wird unsere Aufmerksamkeit auf die großen Mörser und Stößel gelenkt, die zum Zerstampfen und Zermahlen von Kräutern und Mineralien zur Herstellung von Arzneimitteln dienten. Die unterschiedlichen Formen und Materialien sind Hinweise auf eine Spezialisierung beim Zerreiben der verschiedenen Substanzen. Ein Ausstellungsstück ist besonders kurios: ein Gefäß in Form eines Fußes mit Doppelwand, die innen hohl ist. Es handelt sich dabei um nichts anderes als eine Wärmflasche zum Einfüllen von heißem Wasser oder um eine Art Eisbeutel, in den Eis eingefüllt werden kann. Je nach Bedarf konnte der Fuß so auf die eine oder andere Weise benutzt werden. Nicht weniger interessant sind die kleinen Behälter, auf denen der Inhalt angegeben ist! Aus dem Behandlungszimmer des Chirurgen stammt auch die Votivhand aus Bronze, eine Skulptur, die mit dem östlichen Jupiter Dolichenus-Kult in Verbindung gebracht wird, der in Rimini zwischen dem 2. und 3. Jahrhundert praktiziert wird. Am Ende des Ausstellungsrundgangs gibt es noch eine hoch interessantes Kuriosität zu bestaunen: Ein Graffiti, das in den Verputz der Wand neben dem Bett in dem Zimmer der Arztpraxis eingeritzt war, in dem sich die Kranken von den Eingriffen erholten, das den Namen des Arztes (Eutyches) angibt und ihn - möglicherweise aus Dank - als guten Menschen („homo bonus“) bezeichnet. Im Schaukasten gegenüber ist ein Häufchen Münzen (mehr als 80 Stück) ausgestellt, die wahrscheinlich das Kleingeld für das tägliche Leben waren. Diese Münzen befanden sich beim Zusammenbruch des Domus wahrscheinlich im oberen Stockwerk. Daneben sehen wir Waffen (die Spitze einer Lanze und einen Speer), die auf dem Boden des Behandlungszimmers des Chirurgen gefunden wurden und wahrscheinlich von den kriegerischen Auseinandersetzungen stammen, die zur Zerstörung des Hauses geführt haben.


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Unmögliches Interview mit einer Person, die im 3. Jh. n. Chr im Domus des Chirurgen gelebt hat Organisiert von: Francesca Minak und Marina Della Pasqua Dauer: 1 Stunde und 15 Minuten Für Kinder ab 9 Jahren Gegen Bezahlung, nach Voranmeldung Info: Tel. 0541 704421-26 Diese Führung wird animiert durch das Zusammentreffen mit einer Person, die den Chirurgen, der im Domus auf der Piazza Ferrari gelebt hat, gut kannte. Die Führerin schlüpft dazu symbolisch in die Rolle dieser Person. Wer war der Arzt, der im 3 Jh. n. Chr. in diesem Domus wohnte? Wie hieß er? Wo kam er her? Welche Krankheiten konnte er heilen und welche Operationen durchführen? All diese neugierigen Fragen können bei dem Besuch der archäolgischen Fundstätte und beim Zusammentreffen mit dieser Person gestellt werden, die darauf eine Antwort gibt, die sich auf die Schlüsse stützt, zu denen die Archäologen und Wissenschaftler gekommen sind! Bei diesem sog. „unmöglichen Interview“ haben die Kinder das Gefühl, eine Zeitreise zurück in die geheimnisvolle und faszinierende Epoche der alten Römer in der Kaiserzeit zu machen, in eine reiche und blühende Stadt, die offen ist für Menschen, Waren und Kultur aus dem Orient, aber vor deren Toren bereits der Alptraum von den barbarischen Horden Gestalt annimmt. Bei diesem Hin und Her zwischen Gegenwart und Vergangenheit im Gespräch mit der Person, die dem Arzt in der Römerzeit nahestand, wird die Geschichte am Beispiel des praktischen Lebens zu etwas Lebendigem. Man bekommt Einblicke in den damaligen Alltag, erfährt etwas über die uralte Wissenschaft der Medizin und über den Glauben, Geschmack und die Vorlieben unserer Vorfahren. Für kleinere Kinder wird ein Rundgang angeboten, bei dem vom Domus und seinen Bewohnern inspirierte Geschichten erzählt werden. Außerdem gibt es einen sympathischen Einführungskurs im Ausgraben mit dem Titel „Die Schaufel des Archäologen“. Folgende Geschichten werden angeboten: Es war ein Mal … ein Domus (für Kinder von 3 bis 6 Jahren) Pinax. Eine Klanggeschichte des Meeres (für Kinder von 3 bis 8 Jahren) Der Chirurg und der geheime Anubis-Tempel (für Kinder von 7 bis 12 Jahren) Der Chirurg und der seltsame Fall einer Liebeserkältung (für Kinder von 3 bis 6 Jahren) Organisiert von: Cristina Sedioli Dauer: 1 Stunde und 15 Minuten Gegen Bezahlung, nach Voranmeldung Info: Tel. 0541 704421-26


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Die Schaufel des Archäologen Organisiert von: Ilaria Balena Dauer: 2 Stunden Für Kinder von 7 bis 11 Jahren Gegen Bezahlung, nach Voranmeldung Info: Tel. 0541 704421-26 Der Workshop schließt an die Erfahrung einer archäologischen Ausgrabung im Sand an (also mit der Schaufel!), die von adArte sas durchgeführt wird, und zwar im Ambiente des Gartens des Stadtmuseums, in dem sich das römische Lapidarium befindet. Dort wird ein Ausgrabungsfeld ausgestattet, in dem die Kinder unter Anleitung eines Archäologen lernen können, wie aufregend es ist, selbst zu „kleinen Archäologen“ zu werden und etwas zu entdecken. Die Ausgrabungssimulation bietet die Möglichkeit, Kinder auf lustige und stimulierende Weise an die Archäologie heranzuführen, um die kleinen Forscher mit einer Mischung aus Spiel, Neugierde und Wunder auf die Spuren der Vergangenheit zu führen! Mit den üblichen Werkzeugen des Archäologen werden die verschiedenen Phasen einer archäologischen Suche unter Anpassung der Kriterien und Methoden nachvollzogen: Graben und genaues Beobachten des Geländes und der Spuren, die es möglicherweise aufweist, Sicherstellen des Materials und Dokumentieren, um den Begriff Stratigraphie (Schichtenkunde) und die Bedeutung der Arbeit von Archäologen zu verstehen, aber auch wie wichtig es ist, alles, was die Zeit vergraben hat, zu respektieren. Dieser hautnahe Kontakt mit der Archäologie stellt jedoch auch eine Annäherung an die Geschichte dar, bei der im Prinzip genau dasselbe passiert: Die Seiten der Geschichtsbücher sind wie die Erdschichten und die geschriebenen Worte werden durch die gefundenen und ausgegrabenen Gegenstände interpretiert! Durch ihre persönliche Beteiligung und das Gemeinschaftserlebnis in der Arbeitsgruppe erleben die Kinder ein mitreißendes Abenteuer, bei dem sie sich des Werts der Geschichte bewusster werden und lernen, achtsamer mit ihrem Erbe umzugehen.

Damhirsch, Detail des Orpheus-Mosaiks. Rimini, Archäologischer Komplex des Domus des Chirurgen.


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6. Von Domus zu Domus 1 oder 2 Tage Erlebnis-Route: Rimini, Palazzo Massani (Präfektur)/Handelskammer/ Stadtmuseum - Archäologische Abteilung - Workshop „Fresken malen“.

Palazzo Arengo

Museo della Città

Rocca Malatestiana Palazzo del Podestà

Teatro degli Atti

via Sigism

Camera di Commercio

Biblioteca Gambalunga Vecchia Pescheria Piazza Tre Martiri

Porta Montanara

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anni Ufficio info Corso Giov comunale Domus del chirurgo

Palazzo Massani Prefettura

Das unterirdische Rimini enthüllt sich dem Besucher durch die Schätze der antiken Stadt, auf der das heutige Stadtzentrum gebaut wurde. Dieser Reichtum eröffnet sich uns jedes Mal, wenn wir die Gelegenheit bekommen, einen Blick unter die heutige Straßendecke zu werfen, wo sich immer deutlicher das lebendige Stadtnetz abzeichnet, das ein Ausdruck der großartigen Baukunst jener Zeit war. Eine Vielzahl von archäologischen Stätten, die im Herzen von Rimini dank der Ausgrabungstätigkeit nach dem 2. Weltkrieg entdeckt wurden, haben bedeutende Zeugnisse der Domus ans Tageslicht befördert, den prachtvollen römischen Wohnhäusern, die ein Spiegel des gesellschaftlichen Rangs und Berufs ihrer Hausherren („Domini“) waren. Drei dieser Ausgrabungsstätten wurden vor Ort zu einem kleinen Museum gemacht: die Ausgrabungen im Palazzo Massani (heutiger Sitz der Präfektur), die Funde am Sitz der Handelskammer und der archäologische Komplex auf der der Piazza Ferrari (siehe Erlebnis-Route Nr. 5). Das römische Haus, das im Bereich des Palazzo Massani entdeckt wurde, lag direkt am Cardo maximus, also in einer hervorragenden Lage, und ist beispielhaft für die Entwicklung der Domus in Ariminum. Bei den zwischen 1998 und 2000 erfolgten Ausgrabungen konnten mindestens sechs bauliche Eingriffe am Gebäude nachgewiesen werden: von den ersten bescheidenen Strukturen des 4. Jh. v. Chr. (also noch vor der Gründung der römischen Kolonie!) bis zu


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seiner Aufgabe im 5. Jh. n. Chr. Die Reste, die zu sehen sind, gehören zu der Luxusresidenz vom Beginn des 1. Jh. n. Chr.. In seiner Baustruktur gleicht das Gebäude den Häusern in der Gegend um den Vesuv. Vom Eingang her eröffnet sich uns in einer effektvollen Verkürzung der Perspektive das Atrium, das Tablinum (das Empfangszimmer) und das Peristylium (der Garten mit umlaufenden Bogengängen). Das waren die Repräsentationsräume, in denen der Hausherr seine Geschäfte abwickelte und die Gäste unterhielt. Das Tablinum besaß einen Boden aus von einem Mosaikband umgebenen, mehrfarbigen Marmorplatten. Im Zentrum stand ein Brunnen, von dem der Abdruck erhalten ist. Das Peristylium war ausgeschmückt mit einem großen Becken, das unten von einem schwarzen Mosaik und an den Wänden mit einer wasserundurchlässigen Cocciopesto-Schicht ausgekleidet war. Durch das Plätschern des Wassers wurde der Aufenthalt im Garten noch angenehmer. Zur Reinigung des Beckens waren bei den Umbauarbeiten Ende des 1. Jh. gemauerte Treppen und eine Vertiefung im Beckenboden ausgeführt worden. Auch die archäologische Ausgrabungsstätte, die im Keller des HandelskammerSitzes besichtigt werden kann, zeugt von der kontinuierlichen Bewohnung des Hauses über die gesamte Geschichte von Ariminum. Die zwischen 1995 und 1996 an den Tag geförderten Bauelemente dokumentieren die Existenz von mindestens drei Domus in dem Block im westlichen Teil der römischen Stadt, die hauptsächlich zu Wohnzwecken genutzt wurden. In der komplexen archäologischen Situation, die wir hier vorfinden, fällt unser

Böden aus Cocciopesto, Mosaik und Marmorplatten. Rimini, Archäologische Ausgrabungsstätte am Sitz der Handelskammer.


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Eingeritzter Schmuckstein mit Abbildung des Mars und Oscillum mit Hase. Rimini, Stadtmuseum.

Blick sogleich auf die Böden. Der vornehme Cocciopesto-Boden mit wellenförmigen Mosaikbändern gehörte zu einem Domus des 1. Jh. v. Chr., das über einen Innenhof mit Bogengängen verfügte. Der wertvolle Boden aus schwarzen und weißen Marmorplatten wird einem anderen Haus aus der römischen Kaiserzeit zugeschrieben, das originelle mehrfarbige Mosaik mit geometrischen Schmuckmotiven und stilisierten Pflanzenabbildungen einer Renovierung im 3. Jh. n. Chr. und der Luxusboden aus mehrfarbigen Marmorplatten, der sich im großen Saal mit überhöhter Apsis befand, der Spätantike. Viele der Marmorplatten wurden noch in der Antike entwendet, da durch die Krise des Kaiserreichs die wertvollsten Materialien knapp zu werden begannen. Wir sehen hier also nur noch die klar erkennbaren Abdrücke dieser Platten auf dem Untergrund des Bodens. In der zentralen Zone der Ausgrabungsstätte befinden sich interessante Spuren einer Gasse, die den Häuserblock längs teilte. In der offenen Rinne verlief ein Abwasserkanal aus Ziegelsteinen (der noch gut sichtbar ist), in den die Abwässer aus den umliegenden Häusern einmündeten. In dieser Gasse siedelten sich ab der Spätphase der römischen Republik viele kleine Läden an. In der Spätantike verlor sie dann ihre Funktion, da sie von der Apsis des palastähnlichen Gebäudes versperrt wurde. Hunderttausende von Fundstücken, die aus den Ausgrabungsstätten im Stadtgebiet von Rimini geborgen wurden, werden im Stadtmuseum aufbewahrt, das über eine der reichhaltigsten und interessantesten Sammlungen in der ganzen Region verfügt, die allerdings noch darauf wartet, in die archäologische Abteilung eingeordnet zu werden, die demnächst ein neues Gesicht bekommen soll. Im Moment kann der Teil über Rimini im 2. und 3. Jh. n. Chr. besichtigt werden, in dem der Fokus insbesondere auf den Domus und dem Alltagsleben liegt. Beim Rundgang durch diesen Bereich taucht der Besucher ein in die Intimität der häuslichen vier Wände, insbesondere in der Nachbildung eines der Räume, die bei den Ausgrabungen im Palazzo Arpesella ans Licht kamen. Der Boden besteht aus Cocciopesto mit kleinen Mosaikeinschlüssen, die Wände und die Decken sind mit bemaltem Verputz dekoriert und weisen ähnliche Muster wie die heutigen Tapeten auf: Wiederholungen von geometrischen und


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Verzierter Sockel mit Schulszene aus dem Palazzo Diotallevi. Rimini, Stadtmuseum.

Blumenmotiven, wie etwa das Muster mit Rosen und Rosenknospen auf blauem Grund. Die Exponate in den Schaukästen versetzen uns im Geist zurück in die Zimmer der römischen Häuser, in denen die Hausherrin („Domina“) ihre Zeit zubrachte, die von den langsamen Rhythmen des Spinnens und Webens geprägt wurde, oder sich den erfahrenen Händen der Sklavinnen überließ, die ihr beim Frisieren und Kreieren von hoch kompizierten Frisuren, beim Schminken des Gesichts, beim Parfümieren und Salben des Körpers und Anlegen des Schmucks halfen. Auch die Männer hatten eine Vorliebe für ausgedehnte Körperpflege mit Salben und Parfums und trugen wertvolle Gegenstände, wie Ringe, in die harte Steine mit eingeritzten Symbolen und Abbildungen von Schutzgöttern eingelassen waren, die auch als Siegel benutzt werden konnten. Eine geheimnisvolle Aura durchzog das ganze Haus, das voll war von Statuen, Einrichtungsgegenständen, Wandleuchtern für Möbel, Hausrat und Amuletten, denen man die magische Kraft zuschrieb, Unheil abzuwehren. In den Zimmern war das Klingeln der Tintinnabula (Glöckchen) zu hören und in den Gärten und Säulengängen das Klirren der Oscilla, dünnen Marmorscheiben mit figürlichen Flachreliefdekorationen, die zwischen den Säulen aufgehängt waren. An die Momente der Muße und der leidenschaftlichen Brett- oder Glücksspiele erinnern die Spielfiguren und -steine aus Knochen und Glas, die Astragale (Spielwürfel aus Sprunggelenksknochen von Opfertieren) und Würfel, während die Gefäße aus Ton und Glas auf die Aktivitäten der Küche und das Essen im Allgemeinen verweisen. Nach der Besichtigung der Ausstellungsräume, die dem Domus des Chirurgen und den Ausgrabungen auf der Piazza Ferrari gewidmet sind (siehe ErlebnisRoute Nr. 5), tritt der Besucher ein in das luxeriöse Domus des Palazzo Diotallevi ganz in der Nähe des Forums und am Decumano gelegen wie das


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Herkules (Ausschnitt aus dem Mosaik mit den einfahrenden Schiffen) und Statuette eines tanzenden Lars (Hausgott) aus dem Palazzo Diotallevi. Rimini, Stadtmuseum.

Theater. Die Funde stammen größtenteils aus der Mitte der römischen Kaiserzeit, der am besten dokumentierten Phase dieses Hauses, das ab der römischen Republik bis zum 3. Jh. n. Chr. bewohnt war. In jener Zeit kam es zu dem Brand, der wahrscheinlich mit dem des Domus des Chirurgen zusammenfiel und zur Zerstörung und Aufgabe dieses Gebäudes führte. Zwischen dem 2. und 3. Jh. n. Chr. wurde dieses Domus renoviert und mit umfassenden Empfangsräumen ausgestattet, während möglicherweise eine Privatschule in einen Seitenflügel mit eigenem Eingang einzog, von der noch das Symbol eines Lehrers und Schülers in dem kleinen Steinsockel erhalten blieb. Das Haus verfügte über elegante Räume: ein Triclinium (das Zimmer zum Abhalten der Bankette) für den Winter und eines für den Sommer, die Böden aus herrlichen geometrischen Mosaiken besaßen und auf den großen Garten im Innenhof hinausgingen, der geschmückt war mit einem großen mit Nischen versehenen Wasserbecken. Es wird vermutet, dass sich in einer dieser Nischen die Statue eines Athleten befand, wahrscheinlich eine Kopie des Diskuswerfers von Polyklet, von der wir nur noch Bruchstücke bewundern können. Doch seine „Imagepflege“ überließ der Hausherr, der wahrscheinlich ein Reeder war, dem grandiosen Schwarz-Weiß-Mosaik mit der Szene des Einlaufens der Schiffe in den Hafen. Die originelle und komplexe Komposition des Mosaikteppichs, auf dem im Zentrum Herkules beim Erheben eines Pokals abgebildet ist, mit dem einer der größten Repräsentationsräume ausgelegt war, musste bei seinen Gästen Bewunderung und Staunen hervorrufen. Ganz ähnliche Gefühle also wie sie der Museumsbesucher heute vor diesem Mosaik empfindet, das praktisch die erste „fotographische“ Abbildung des Hafens von Rimini darstellt. Die Funktion des Raumes, der für prunkvolle Bankette vorgesehen war, lässt sich an dem Kantharos erkennen, dem großen Weinpokal, der auf der Schwelle abgebildet war, und an den auf dem äußersten Band um das zentrale Symbol abgebildeten Gefäßen.


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Anubis-Mosaik und Dionysos-Büste. Rimini, Stadtmuseum.

Der gehobene Lebensstandard zeigt sich auch an der Pracht des Tisches, auf dem das Bronzeservice zur Schau gestellt wurde, das unter den Resten eines verkohlten Schrankes entdeckt worden war. Dieser Schrank fiel dem Brand zum Opfer, der das gesamte Domus zerstörte. Zu diesem Service gehörten u. a. Krüge, Töpfe, eine Pfanne, ein Lampensockel und ein tanzender Lar (die Laren waren die Hausgötter der Römer, die Haus und Herd schützten), der für die rituellen Opfergaben während des Banketts auf den Tisch gestellt wurde. Abbildungen der Götter und mythologischen Figuren fanden sich in großer Menge in den Domus und auf den Gegenständen des täglichen Gebrauchs insbesondere in der römischen Kaiserzeit, als diese mehr zu einem Ausdruck des Kunstgeschmacks und der Mode wurden, als Objekte wahrer Verehrung zu sein. In diesem Sinne ist auch die zentrale Szene des „Anubis-Mosaiks“ zu werten, das mehr eine Manifestation der sich ausbreitenden Vorliebe für das Exotische ist als ein Beispiel für die Verbreitung von orientalischen Kulten. Großes Glück hatten die Gottheiten des Dionysoskults: Für den häuslichen Bereich und zum Ausschmücken der Gärten eigneten sich die Skulpturen von Eros, Dionysos, Priapos und Silenos bestens, welche die Tafelfreuden und die positiven Kräfte der Natur verkörperten. Stellen wir uns deshalb die Statue des Orpheus mit seiner Leier als Dekorationsobjekt in der Nische eines Hauses vor, während die kleinen Bronzestatuetten von Gottheiten wahrscheinlich für Kultzwecke in einem Lararium (Schrein der Hausgötter) bestimmt waren, letztendlich jedoch als Ausschuss einer Gießerei endeten, die in den Fünfzigerjahren entdeckt wurde.


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Workshop: Fresken malen Organisiert von: Lorenza Angelini Dauer: 3 Stunden Für Kinder ab 10 Jahren und Erwachsene Gegen Bezahlung, nach Voranmeldung Info: Tel. 0541 704421-26 Diese Erlebnis-Route wird durch einen Workshop vervollständigt, bei dem man seine Kenntnisse über das reiche Vermächtnis an Wandputzbemalungen aus der Römerzeit, die im Museum und im Domus des Chirurgen aufbewahrt werden, vertiefen kann. Außerdem lernen wir dabei die Geheimnisse der ältesten und faszinierendsten Maltechniken kennen, in der sich geschickte Handwerker und große Künstler versucht haben. Ein Fresko ist eine Wandbemalung, die auf einer noch „frischen“ Oberfläche ausgeführt wird, damit die Reaktion bei der Verbindung vom Kalk des Verputzes und der Luft zum Fixieren der Farben führt. Vitruv hat uns in seinem Werk „De Architectura” die detailliertesten Beschreibungen dieser Technik überliefert, die die Römer als „udo tectorio pingere“ (Malerei auf nassen Gründen) bezeichneten. Der Workshop beginnt mit dem Ansehen der Originalfresken unter Anleitung des Experten: ausgedehnte einfarbige Hintergrundflächen, die häufig in Rechtecke unterteilt sind, zwischen denen Motive unterschiedlichster Ausprägung wie stilisierte Blumen, Vögel oder Landschaftsansichten aufgemalt sind. Aber auch ähnliche Kompositionen wie bei Wandbehängen mit geometrischen Mustern und Pflanzenornamenten. Anschließend geht man zum praktischen Teil und zum Anfertigen kleiner Fresken durch das Ausprobieren der antiken Techniken über. Zunächst nimmt man die sog. Durchstäubung vor, eine vorbereitende Technik, bei der man eines der bei der Besichtigung bewunderten Motive in eigener Interpretation überträgt. Auf dem gleichförmigen Putzgrund, der auf den bereits vorbereiteten Untergrund aufgebracht wurde, tauchen zunächst die Umrisse des mit der Durchstäubung übertragenen Bildes auf. Anschließend nehmen durch den Auftrag der Farbpigmente die durch Farben und Definition der Details animierten Motive je nach der persönlichen Kreativität des Teilnehmers Gestalt an. Am Ende des Workshops darf jeder sein Fresko zur Erinnerung mit nach Hause nehmen.

Fresken mit Rosen aus dem Palazzo Arpesella. Rimini, Stadtmuseum.


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7. Rohstoffe aus der Natur und Arbeit des Menschen: Eine Wirtschaft zwischen Tradition und Aktualität 2 Tage Erlebnis-Route: Rimini, Archäologische Ausgrabungsstätte auf dem Gelände der ehemaligen landwirschaftlichen Genossenschaft (ex Consorzio Agrario)/Stadtmuseum Archäologische Abteilung; Santarcangelo di Romagna, MUSAS-Museum.

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Diese Erlebnis-Route eignet sich zum Entdecken mit dem Auto oder mit dem Fahrrad, wobei in diesem Fall das Netz an Fahrradwegen vorzuziehen ist, das in der Provinz Rimini immer stärker ausgebaut wird (Info: www.ciclo.emilia-romagna.it odere www.piste-ciclabili.com/provincia-rimini). Diese Erlebnis-Route lässt sich auch bestens mit anderen interessanten Besuchen kombinieren (Weinstraßen, Agriturismi (Bauernhöfe mit Restaurantbetrieb und/oder Übernachtungsmöglichkeit), Ölmühlen, Fischhallen usw.) und mit Ausflügen in das Hinterland mit seinen schönen Landschaften und Wäldern (z.B. durch das Conca-Tal bis zur Ebene von San Pietro in Cotto und bis hinauf zu den ersten Höhenzügen des Montefeltro-Gebiets). Für alle, die den direkten Kontakt mit der Natur lieben, schlagen wir einen Besuch des Multimedialen Naturkundemuseums und der Höhlen von Onferno vor (Info: Tel. 0541 984694). Im Museum erfährt man viel über die Geologie dieser Gegend, von den Gipsformationen und der von Lehmklippen („Calanchi“) geprägten Landschaft bis hin zu den charakteristischen Höhlen. Die Reise auf den Spuren der Entstehungsgeschichte dieser ganzen Landschaft kann im Museum von Mondaino (Info: Tel. 0541 981674) fortgesetzt werden, in dem es eine eindrucksvolle Sammlung von Fossilien aus der Gegend zu bestaunen gibt. Für Kinder werden folgende Aktivitäten empfohlen, die im Museum MUSAS von


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Santarcangelo di Romagna angeboten werden: Amphoren und Wein Bei diesem Workshop lernt man auf spielerische Weise die gesamte Produktionskette der Weinherstellung vom Weinberg bis zum Markt kennen. Organisiert von: Cristina Giovagnetti Dauer: 2 Stunden Für Kinder ab 9 Jahren und Erwachsene Gegen Bezahlung, nach Voranmeldung Info: Tel. 0541 624703 Der Riese Fuocargilla Diese Fabel erzählt die fantastische Geschichte, wie der Töpfer Mario sich den schrecklichen Riesen Fuocargilla zum Freund machte und dabei lernte, unglaubliche Amphoren herzustellen. Mit Basteln der Puppe des Riesen Fuocargilla. Organisiert von: Cristina Sedioli Dauer: 1 Stunde und 15 Minuten Für Kinder von 3 bis 7 Jahren Gegen Bezahlung, nach Voranmeldung Info: Tel. 0541 624703 Doch wie das Leben in der Stadt Ariminum in der Römerzeit war, zeigen uns nicht nur die Bauwerke, Monumente, Konsularstraßen, Brücken und prachtvollen Domus: Bei den archäologischen Ausgrabungen sind auch Produktionsstätten entdeckt worden, die uns einen Einblick in die Organisation des Arbeitslebens geben, wie etwa Reste von römischen Landvillen und Gebäuden in denen die typischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Gegend hergestellt wurden (vom Olivenöl bis zum Wein). So kann man in Rimini, wo sich die südliche Umgehungsstraße um den alten Mauerring zieht, nur eine Katzensprung von der „Porta Montanara“ entfernt, einen Teil eines römischen Produktionsbetriebs bestaunen, der zwischen 2002 und 2003 bei den Bauarbeiten für einen neuen Wohnkomplex auf dem Gelände der ehemaligen landwirtschaftlichen Genossenschaft entdeckt und anschließend zur Besichtigung aufbereitet wurde. Hier kann man ein großes Becken mit einem Boden aus kleinen, im Fischgrätmuster (dem klassischen „Opus spicatum“) verlegten Cottoziegeln und mit einer Schicht aus „Cocciopesto“ abgedichteten Wänden bewundern. Kurios ist hier, dass keine Treppen in das Becken führen, sondern eine Rutsche. Das hängt sicher mit der Funktionalität und dem Zweck zusammen, für den das Becken verwendet wurde, das Teil eines in der römischen Kaiserzeit aktiven Manufakturbetriebs bestehend aus mehreren Räumen war (in dem wahrscheinlich Ton oder Spinnfasern verarbeitet wurden). Diese archäologische Stätte kann symbolisch als „Zugangstor“ zum Erforschen der handwerklichen Tradition in der Provinz Rimini benutzt werden.


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Versuchen wir nun, uns auf verschiedenen Wegen zwischen Meer und Hinterland in einem Auf und Ab zwischen Tälern und Hügeln auf eine Entdeckungsreise zu der wahren Seele unserer Geschichte in Form der Feldarbeit, der alten Handwerke und der unverfälschten traditionellen Spezialitäten zu machen. Überall, wo wir hinkommen, in den vielen Lokalen der belebten Küstenstädte, in den Gassen der mittelalterlichen Dörfer und freundlichen Städtchen, in dieser abwechslungsreichen Landschaft, in der Weinberge und Olivenhaine sich abwechseln, Gärten und Gemüsefelder sich bis zur Küste hinabziehen und Wälder in Wiesen übergehen, überall gibt es zum Wecken der Lebensgeister ein gutes Gläschen Sangiovese-Rotwein. Der Wein wird heute mit modernen Weinbaumethoden erzeugt, die jedoch die über tausendjährige Kultur respektieren, die von den historischen und archäologischen Quellen belegt ist. So wissen wir, dass der lokale römische Wein, der allerdings nicht von höchster Qualität war, billig verkauft wurde. Das begünstigte seinen Export bis in die Hauptstadt Rom, wo er für die Tafeln des Volkes bestimmt war. Und auf den Weinstraßen entdecken wir dann, dass der Handel mit diesem Produkt der Romagna mit der Herstellung von kleinen Amphoren mit typischem flachen Boden Hand in Hand ging, die für den Landtransport auf Karren geeignet waren. Forlimpopoli und Santarcangelo haben sich als die wichtigsten Produktionszentren dieser Gefäße herausgestellt, die Mitte der römischen Kaiserzeit äußerst beliebt waren. Das Museum für Geschichte und Archäologie in Santarcangelo (MUSAS), das seit 2005 im Palazzo Cenci untergebracht ist, bietet eine ausgezeichnete Darstellung dieser Ortschaft mit ihren fruchtbaren und ergiebigen landwirtschaftliche Flächen, die es verstanden hat, durch ihre Lage an wichtigen Handelswegen von der Herstellung von Tonwaren (Statuetten, Ziegeln, Amphoren usw.) zu profitieren und später den Wandel zur künstlerischen Tradition des Mittelalters und zur modernen Industrieproduktion zu vollziehen. Während im archäologischen Museum die Ziegeleien Zeugnis von der Herstellung von Tonwaren, den dabei verwendeten Techniken und deren Kontinuität über die Jahrhunderte ablegen, eröffnet uns die Dokumentation über die Landvillen, um die sich die gesamte Feldarbeit in der Römerzeit drehte, einen Einblick in die blühende Landwirtschaft jener Epoche. Wie wir wissen, konzentrierte sie sich, neben dem

Links: Weinamphoren mit flachem Boden. Santarcangelo di Romagna, MUSASMuseum. Rechts: Felder und Olivenhaine im Conca-Tal.


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Weinbau, vor allem auf den Anbau von Getreide, Gemüse, Obstbäumen und Olivenbäumen. Auch heute noch wird der Geschmack der Speisen durch das Olivenöl unserer Hügel hervorgehoben. Das Olivenöl aus dieser Gegend ist das Ergebnis sorgfältiger Verarbeitung, mit der in jüngster Zeit ein exzellentes Produkt erzielt wird, das sich durch Säuregrad, Farbe, Aroma und Geschmack besonders auszeichnet. Überall weht uns der Duft von Piada um die Nase, diesem einfachen Fladenbrot, das durch die Zugabe von Schmalz oder Öl angenehm weich wird. Bearbeitet von erfahrenen Händen, die die archaische Geste des Durchknetens wiederholen (die bereits den Menschen in der Jungsteinzeit bekannt war) wird die Piada auf den typischen Piadapfannen aus feuerfestem Terracotta gebacken, die an das bereits bei den Römern verwendete Testum erinnern. Piada (zu rustikalen „Cassoni“ verarbeitet) wird mit leckerem grünem Blattgemüse aus Wildkräutern gefüllt, oder einfach zu besten Schinken- und Salamispezialitäten und den romagnolischen Weichkäsesorten gereicht. Käsespezialitäten aus der Romagna sind vor allem der weiche Squacquerone, der zarte Raviggiolo, die luftig weiche Ricotta; aber auch würziger Pecorinokäse oder der hoch geschätzte Fossa-Käse, der montelang in alten Brunnen aufbewahrt wird. Fossa-Käse ist ein typisches Produkt aus Sogliano al Rubicone, aber auch aus Talamello und Mondaino. Diese Spezialitäten aus den Tälern der Provinz Rimini, Cesena-Forlì und dem nahen Montefeltro-Gebiet sind das Ergebnis einer Viehzucht und Weidewirtschaft mit jahrhundertealter Tradition, deren Wurzeln bis in die Urgeschichte zurückreichen. Die weit verbreitete Schafzucht hat schon immer eine der wichtigsten Einnahmequellen dieses Landstrichs dargestellt und wurde schon in der Römerzeit hoch gelobt: Man denke nur an den Käse aus Sarsina (heute mit DOC-Auszeichnung), der schon Plinius in höchstem Maße mundete und dessen Erbe heute die „Caciotta romagnola“ angetreten hat! Die Wälder und die üppige Getreideproduktion begünstigten schon in der Zeit der römischen Republik, in Nachahmung der gallischen Tradition, die Aufzucht von Schweinen und die Weiterverarbeitung des Schweinefleischs. Zusammen mit den Wildschweinen, die die wildesten Zonen mit vielen Eichenwäldern bevölkern, sind die Schweine auch heute noch das Ausgangsprodukt für eine wahre „Industrie“. Insbesondere der ursprüngliche Geschmack der luftgetrockneten Schinken- und Salamispezialitäten begeistert, allen voran der exzellente Schinken des Montefeltro. In der lokalen Gastronomie werden mit den Fleischgerichten traditionelle Aromen kombiniert, wie beispielsweise bei der Zubereitungsart „in porchetta“ (mit Pfeffer, Salz und wildem Fenchel), die sich aus dem Kontakt mit Mittelitalien ergab und über die Apenninstraßen hierher gelangt ist, wo sie sich im Laufe der Geschichte als Tradition verewigte. Auf den Feldern und in den Gärten, die die Fruchtbarkeit der Böden nutzen, werden immer noch die gesunden Wildkräuter und das zarte Gemüse angebaut, wie z.B. Spargel, die schon die Römer zu schätzen wussten. Die Wildkräuter spielen insbesondere in den Gerichten und Rezepten von Saludecio, einem Städtchen über dem Conca-Tal, die absolute Hauptrolle, während das Gemüse für bunte Abwechslung auf den Märkten und bei Tisch sorgt, wo es zu den ausgezeichneten Fleischgerichten oder dem leckeren Fisch aus der Adria


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Fische, Mollusken und Krustentiere der Adria (Detail des Mosaiks aus der Via Cairoli). Rimini, Stadtmuseum.

gereicht wird. Außerdem gibt es immer mehr Volksfeste, bei denen die lokalen Produkte im Mittelpunkt stehen, wie etwa das Honigfest (in Montebello di Torriana) oder das Fest der Esskastanien, die früher ein nahrhaftes Armenessen waren, während sie heute zu Königinnen von gemütlichen Herbstabenden erhoben werden, wie beim Kastanienfest im Dörfchen Montefiore. Neben dieser engen Bindung des Rimineser Gebiets an das Landleben, ist es seit der Antike durch seine Lage am Meer auch stets wegen seines Fischreichtums gerühmt worden. In der Adria gibt es eine Vielzahl von äußerst schmackhaften Fischen, die sowohl gegrillt, zu frischen Salaten verarbeitet oder als wohlschmeckende Fischsuppen immer freudige Abnehmer finden. Im Vordergrund steht dank seines Geschmacks und seiner diätetischen Eigenschaften der „Blaufisch“ (Sardinen usw.), umgangssprachlich auch als „turchino“ bezeichnet, eine einfache Fischspezialität, die es verdient, mit Hilfe der vielen leckeren Rezepte der lokalen Gastronomie eine Aufwertung zu erfahren. Im heutigen Rimini, das mehr und mehr das Ausmaß einer Metropole annimmt, wie auf dem Gebiet der gesamten Provinz ist es immer wieder überraschend, dass in einer Gesellschaft, in der die Industrie - und nicht nur die Tourismusindustrie - zusammen mit dem Dienstleistungssektor das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt neu definiert, weiterhin die Landwirtschaft Seite an Seite mit der Weidewirtschaft und der Fischerei fortleben und die atavistische Tradition von Feldfrüchten, Milch- und Fischereiprodukten fortsetzen. Schon im Rimini der Römerzeit bediente man sich im öffentlichen wie im häuslichen Bereich des reichen Symbolschatzes an Bildern vom Land und vom Meer: Wilde Tiere, Trauben und Olivenzweige blicken uns zusammen mit flitzenden Fischen vom Tympanon des Augustusbogens entgegen und spielen im Schmuckrepertoire der Mosaike und häuslichen Dekorationsgegenstände eine große Rolle. In der archäologischen Abteilung des Stadtmuseums von Rimini werden wunderbare, lebendige Mosaike aufbewahrt, auf denen geschickte Künstler Fische, Mollusken und Krustentiere der Adria abgebildet haben. Und das Meer begleitet uns auch wie ein feiner blauer Faden am Horizont auf unserer Reise auf den archäologischen Erlebnis-Routen und beim Entdecken einer Landschaft, deren Krönung der kilometerlange goldgelbe Strand und am Ende die Steilküste von Gabicce ist.


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Das Festival der Antiken Welt („Festival del Mondo Antico“)

Bei diesem Festival handelt es sich um einen ganz besonderen Event, der 4 Tage dauert und besser gesagt aus einer ganzen Reihe von Events besteht. In einer Gegenüberstellung von Antike und Gegenwart findet das „Festival der Antiken Welt“ jedes Jahr im Juni in Rimini statt. Organisiert wird das Ganze von der Bibliothek „Gambalunga“, den städtischen Museen von Rimini und anderen Partnern aus der Provinz Rimini. Die Grundstruktur des Programms dieser bewährten Veranstaltung, die immer sehr gute Kritiken bekommen hat, bleibt stets gleich, wobei die einzelnen Programmpunkte jeweils inhaltsspezifisch variiert werden. Auf dem Programm stehen also ausgezeichnete Vorträge, Buchpräsentationen, archäologische Führungen, Rundgänge und Besichtigungen, Seminare und Symposien über geschichtliche, wissenschaftliche, anthropologische und religiöse Themen, aber auch Spaß, Spiel und Unterhaltung für Kinder und Erwachsene, Nachspielen von historischen Situationen usw. Ein buntes, reichhaltiges Programm also, bei dem für jeden etwas dabei ist, um seine Neugierde und sein Interesse zu befriedigen: Veranstaltungen zu Archäologie, Politik, Geschichte, Recht, Literatur, Technik, Spiele, Sitten und Gebräuche, Religion, Medizin und vieles andere. Was Rimini und sein Umland zu bieten haben, geht also weit über die vordergründigen Denkschemata hinaus. Hier eröffnet sich uns ein faszinierendes Szenarium aus jahrtausendealten Bauwerken und Monumenten, Museen mit umfangreichen und bisweilen einzigartigen Schätzen, eine Vielzahl von Originalfundstätten aus der Antike und sorgfältig durchdachte Museumsprojekte, die umgesetzt werden: angefangen beim archäologischen Komplex des Domus des Chirurgen bis hin zu der geplanten Erweiterung der archäologischen Abteilung des Stadtmuseums von Rimini, die am Ende vierzig Ausstellungssäle umfassen wird. Info: http://antico.comune.rimini.it

Momentaufnahme beim Festival: Römisches Heerlager, eine Rekonstruktion der Legion XXX Ulpia Traiana Victrix.


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Museen und archäologische Ausgrabungsstätten in der Provinz Rimini (die auf den Erlebnis-Routen besucht werden)

Cattolica, Museo della Regina Via Pascoli, 23 47841 Cattolica Info: Tel. 0541 966577 museo@cattolica.net www.cattolica.net/retecivica/italiano/cultura Öffnungszeiten: Im Winter: Dienstag bis Donnerstag: 9.30-12.30 Uhr Freitag und Samstag: 9.30-13.30 Uhr und 15.30-19.00 Uhr Sonntag: 15.30-19.00 Uhr Montag geschlossen. Im Sommer: Dienstag: 9.30-12.30 Uhr Mittwoch bis Sonntag: 17.30-23.00 Uhr Montag geschlossen. Cattolica, Archäologische Zone am ehemaligen Platz des Großmarkts Piazzetta Mercato 47841 Cattolica Info: Tel. 0541 966577 Museo della Regina Die Ausgrabungsstätte unter freiem Himmel ist von außen einsehbar. Besuch nach Voranmeldung. Riccione, Museo del Territorio (Gebietsmuseum) im „Centro Culturale della Pesa“ Via Lazio, 10 47838 Riccione Info: Tel. 0541 600113 museo@comune.riccione.rn.it Öffnungszeiten: Im Winter (1. September bis 20. Juni) Dienstag bis Samstag: 9.00-12.00 Uhr Im Sommer (21. Juni bis 31. August) Dienstag, Mittwoch, Freitag: 9.00-12.00 und 21.00-23.00 Uhr Donnerstag und Samstag: 9.00-12.00 Uhr Sonntag und Montag: geschlossen.


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Riccione, Archäologische Ausgrabungsstätte in San Lorenzo in Strada Via Flaminia, 25 47838 Riccione Info: Tel. 0541 600113 Museo del Territorio (Gebietsmuseum) Die Ausgrabungsstätte, die in die Gebäudestruktur der „Farmacia Comunale n. 2“ (Apotheke) einbezogen ist, kann immer besichtigt werden. Führung nach Voranmeldung. Rimini, Museo della Città (Stadtmuseum) und archäologische Ausgrabungsstätte auf der Piazza Ferrari (Domus des Chirurgen) Via L. Tonini, 1 und Piazza Ferrari 47900 Rimini Info: Tel. 0541 21482-704421/26 musei@comune.rimini.it www.comune.rimini.it Öffnungszeiten: Im Winter (16. September bis 15. Juni) Dienstag bis Samstag: 8.30-12.30 und 17.00-19.00 Uhr Sonn- und Feiertag: 10.00-12.30 und 15.00-19.00 Uhr Montag (kein Feiertag): geschlossen Im Sommer (16. Juni bis 15. September) Dienstag bis Samstag: 10.00-12.30 und 16.30-19.30 Uhr Sonn- und Feiertag: 16.30-19.30 Uhr Dienstag und Freitag im Juli und August: auch 21.00-23.00 Uhr Montag (kein Feiertag): geschlossen. Rimini, Archäologische Ausgrabungsstätte am Sitz der Handelskammer Via Sigismondo, 28 47900 Rimini Info: Tel. 0541 704421-704426 Musei Comunali (städtische Museen) Führungen nach Voranmeldung (mindestens eine Woche im voraus) Rimini, Archäologische Ausgrabungsstätte im Palazzo Massani (Sitz der Präfektur von Rimini, Ufficio Territoriale del Governo (Gebietsamt der Regierung)) Via IV Novembre, 40 47900 Rimini Info: Tel. 0541 704421-704426 Musei Comunali (städtische Museen) www.prefettura.rimini.it Führungen nach Voranmeldung


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Rimini, Archäologische Fundstätte am Sitz der ehemaligen landwirtschaftlichen Genossenschaft (ex-Consorzio Agrario) Via Circonvallazione Meridionale, 82 47900 Rimini Die Ausgrabungsstätte kann immer besichtigt werden. Santarcangelo, MUSAS-Museum (Historisches archäologisches Museum) Via della Costa, 26 47822 Santarcangelo di Romagna Info: Tel. 0541 625212-624703 servizi@metweb.org www.metweb.org/musas Öffnungszeiten: Im Winter (1. November bis 30. April): Samstag: 10.30-12.30 und 15.30-17.30 Uhr Sonntag: 15.30-17.30 Uhr Führungen nach Voranmeldung auch an den anderen Tagen. Im Sommer (1. Mai - 31. Oktober): Dienstag bis Sonntag: 16.30-19.30 Uhr Samstag: auch 10.30-12.30 Uhr Dienstag und Freitag (nur von Juni bis September): auch 21.00-23.00 Uhr Montag: geschlossen. Verucchio, Museo Civico Archeologico (Archäologisches Stadtmuseum) Via S. Agostino 47826 Verucchio Info: Tel. 0541 670222 iat.verucchio@iper.net www.comunediverucchio.it Öffnungszeiten: Im Winter: Montag bis Freitag: nach Voranmeldung Samstag: 14.30-18.30 Uhr Sonntag: 10.00-13.00 und 14.30-18.00 Uhr Im Sommer (30. März bis 30. September) Montag bis Sonntag: 9.30-12.30 und 14.30-19.30 Uhr Anmerkung: Öffnungszeiten und Eintrittspreise können sich ändern.

Der Felsen von Verucchio, Wiege der VillanovaKultur, und die Steilküste von Gabicce.


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Die Schönheit Unser Erdöl ist Schönheit. Die Schönheit lässt unsere Gedanken hoch fliegen. Und wir werfen sie weg, als wäre sie nichts als Münzen in durchlöcherten Taschen. Die Schönheit schreit ihren Schmerz in aller Stille hinaus. Die Ohren der Herrschenden sollten geheilt werden, damit sie sie weiterhin hören können. Die Schönheit ist die Nahrung des Geistes. Die Schönheit kann man in Italien auf der Straße finden Und sie erfüllt dich sofort mit andächtigem Staunen. Doch in den kleinen Welten gibt es soviel Schönheit, die am Aussterben ist. Wenn wir sie retten, retten wir uns. Tonino Guerra


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