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Architektur + Naturstein Ă–STERREICH

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Auslobung

Bauen mit Naturstein I Gute Architektur motivier t Steine im Gar ten I Gefunden, gebrochen, gespalten Seite 9

PILGRAM PREIS2010


EDITORIAL

ÖKOLOGISCH BAUEN MIT PROFIL

UMWELTVERTRÄGLICHES UND GESUNDES BAUEN gewinnt in vielen Bereichen immer mehr an Bedeutung. Häufig ist es bereits selbstverständlicher Teil der Qualitätssicherung. Investoren und Mieter werden künftig verstärkt Gebäude und Wohnungen einfordern, die im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte hohen Standards entsprechen und gleichzeitig auch noch geringe Betriebskosten aufweisen. Umwelt- und gesundheitsbezogene Informationen zu Bauprodukten werden daher in Zukunft unverzichtbar sein. Sie erhöhen die Transparenz in der Kommunikation mit den Kunden und schaffen somit die Voraussetzungen für die Nachhaltigkeitsbewertung von Bauwerken. Informationen, wie sie die ökologischen Baustoffprofile ausweisen, werden heute zu wichtigen Bausteinen in der Nachhaltigkeitsbewertung eines Bauwerks. Diese Informationen sind Bestandteile von Environmental Product Declarations (EPDs), mit denen die europäische Natursteinbranche die wachsende Nachfrage nach Umweltinformationen in Zukunft bedienen will. Diese EPDs werden international genormt und mit den darin enthaltenen ökologischen Profilen eine konsequente und sachgerechte Kommunikation über die Umwelteinflüsse eines Produkts ermöglichen. Dank einer österreischischen Initiative kann in den nächsten Monaten in Europa eine transparente Umweltproduktdeklaration für Bauprodukte erarbeitet werden. Die Natursteinindustrie in Österreich hat diese Entwicklung nicht nur aufgenommen, sondern sie ist Vorreiter in Europa. Entscheidend ist, dass die mit einer EPD kommunizierten Informationen von Bauprodukten nicht losgelöst vom weiteren »Lebensweg« des Bauwerks gesehen werden. Dadurch wird der Weg zu einer sachgerechten Bewertung frei, in der nicht nur die Umweltwirkungen der Baustoffherstellung, sondern auch der ökologische Betrieb, der Lebenszyklus, die Leistungsfähigkeit der Baustoffe und deren Recycling in einem Bauwerk zum Tragen kommen.

Dr. Anton Helbich-Poschacher Vorsitzender der Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke

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INHALT

10 Bilbao ist grau. So wird die Stadt im Baskenland beschrieben. Stimmt nicht ganz! Zwischen den grauen Häuserzeilen leuchtet ein Bau hervor: die von Frank O. Gehry erdachten Formen des GuggenheimMuseums. Dieser Bau zeigt, dass Häuser mehr sein können als nur umbauter Raum; manchmal wenigstens.

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Das Stadtarchiv in Halle/Saale ist hochdekoriert. Nach dem Architekturpreis Sachsen-Anhalt 2007 erhielten die Architekten kister scheithauer gross aus Köln auch den Deutschen Natursteinpreis 2009 für die gelungene Ergänzung des historischen Gebäudes.

Das »Baur au Lac« in Zürich, eines der exquisitesten Hotels Europas, präsentiert sich nach einem Umbau so prachtvoll und elegant wie eh und je. Besonders edel: die neuen Bäder der Suiten mit auserlesenen klassischen Marmorsorten – verarbeitet in Österreich.

46 Bei der Gestaltung des Ludwigplatzes in Rosenheim haben die Architekten und Stadtplaner von SEP Baur & Deby der Pflasterung besonderes Augenmerk geschenkt. Diese vereint Aufenthalts- und Fahrflächen und verstärkt somit die Platzwirkung.

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TRENDS

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SCHWERPUNKT

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Natursteinfassaden – Visitenkar ten aus Stein

ARCHITEKTUR

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Stadtarchiv in Halle – Ziegelstein und Muschelkalk

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Haus der Kirche in Stuttgar t – Kirche erleben

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Schule in Hallein – Lernen auf Stein

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Villa in Sofia – Luxuriöse Vielfalt

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Hotel in Zürich – Stein vom Feinsten

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Landhaus in Moskau – gemeinsam gestalten

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Promenaden in Alicante – Zwischen Meer und Felsen

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Platz in Rosenheim – Ein Platz mit Struktur

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Fußgängerzone Baden – Bühne in der Stadt

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Softwarepark in Hagenberg – Granit im Softwarepark

GARTEN

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Trepp auf, trepp ab – Steintreppen im Garten

STANDARDS

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VÖN intern

INNEN

PLÄTZE

Die aktuellen Seiten von STEIN TIME

Impressum Fotonachweis

Auslobung Seite 9

PILGRAM PREIS2010

REDAKTION Willy Hafner, Ariane Suckfüll, Beate Ullrich, Gabriele Oldenburg, Richard Watzke; Streitfeldstraße 35 · D-81673 München Tel. +49 89/43 60 05-194 Fax +49 89/43 60 05-113 www.s-stein.com VERLAG Callwey Verlag Streitfeldstraße 35 · D-81673 München Tel. +49 89/43 60 05-0 Fax +49 89/43 60 05-113 www.callwey.de HERAUSGEBER Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke Scharitzerstraße 5 · A-4020 Linz

F r die Zukunft gestalten.

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TRENDS

marmomacc 2009

Stein oder nicht Stein: Naturstein als leichte Lamelle

Design oder nicht sein WILLY HAFNER Anfang Oktober ging in Verona die 44. Internationale Fachmesse für Naturstein und Bearbeitungsmaschinen zu Ende. Die allgemeine Stimmung: verhalten optimistisch mit Hoffnung auf einen Aufschwung noch 2010. Die weiteren Aussichten: Nur Platten genügen nicht, Naturstein muss sich neu erfinden.

Gestaltung von ganzen Räumen im Vordergrund, ging es in der von dem Designer Raffaello Galiotto konzipierten Sonderschau »I Marmi del Doge« um einzelne Gebrauchsgegenstände aus Naturstein. Beide Ausstellungen können exemplarisch für die derzeitige Entwicklung der italienischen und damit auch der internationalen Ornament oder Verbrechen: fast schon richtiges Design

umgehen kann und muss. Viele der gezeigten Produkte und Messestände dürften traditionelle Steinmetzen verwirrt oder abgeschreckt haben. Sie sahen eher aus, als seien Architekten die Kernzielgruppe dieser Fachmesse. Das muss nicht falsch sein. Falsch wäre es, die in Verona gezeigten »Fingerübungen und Prototypen« als Irrwege einiger vom steingerechten Weg abgekommener Sonderlinge zu sehen.

Steine »made in Italy« Der Name der Messe ist Programm: »Marmomacc – International Exibition of Stone Design and Technology«. Die zahlreichen Sonderschauen unterstrichen einmal mehr diesen Anspruch. Die Initiative »Marmomacc incontra il Design« will Architekten und Designer mit Ausstellern zusammenführen. Die Stände standen in diesem Jahr unter dem Motto »Hybrid and Flexible«. Die vom Consorzio Marmisti Chiampo initiierte und schon zur Fachmesse Abitare il Tempo gezeigte Ausstellung »I Marmi del Doge« will mit innovativen Gestaltungsansätzen dem natürlichen Material zu einem festen Platz im zeitgenössischen Design verhelfen. Die Sonderschau »Monocromo«, ebenfalls schon auf der Abitare il Tempo gezeigt, stellte nur ein einziges Material in den Vordergrund: Pietra Serena in verschiedenen Oberflächen und Bearbeitungsmöglichkeiten.

Naturstein im Raum Stand bei den von Architekten gestalteten Messeständen und der Schau »Monocromo« die

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Natursteinbranche stehen. Naturstein nur als harte, funktionale Platte, als dauerhaften Belag oder polierte Verkleidung anzubieten, wird in Zukunft kaum genügen. Überkapazitäten, die Verlagerung der Produktionsstätten aus Europa hin zu den Gewinnungsstätten in aller Welt, stellt die Branche in Italien und nicht nur dort vor die Aufgabe, ihr Produkt neu zu erfinden. Dass dabei viele der Gestaltungsideen weit von einer Serienreife entfernt sind, liegt in der Natur der Sache. Neue Produkte können nicht von heute auf morgen entwickelt werden.

Weg in die Zukunft Die in Verona vorgestellten Ideen zeigen Wege, wie das Produkt Naturstein in Zukunft aussehen und vor allem auch vermarktet werden kann. Dass die nördlich der Alpen beliebte Forderung nach einer vor allem Steinmetzen wichtigen »Steingerechtigkeit« dabei ab und zu auf der Strecke blieb, ist bestenfalls eine Randnotiz. Viel wichtiger dürfte die Frage sein, wie der Handwerker vor Ort mit dieser Entwicklung

Will der Bau- und Gestaltungsstoff Naturstein in Zukunft mehr sein als nur ein harter Belag, sind Initiativen und Ideen wie die in Verona gezeigten, dringend notwendig. Sicher geht es hier eher erst

einmal darum, die Ideen hinter den Gegenständen und deren Oberflächen zu erkennen. Ziel der Messestände und Produktentwicklungen war es, so vor allem im Bekannten das Unbekannte sichtbar zu machen. Natürlich gilt hier, wie immer wenn es um neue Entwicklungen geht: Nicht alles, was gut aussieht, funktioniert auch. Was vor einigen Jahren noch unmöglich schien, dominiert heute eine Messe und nimmt Einfluss auf das ästhetische Empfinden der natürlichen Steine. Handwerk gepaart mit Spitzentechnologien. Naturstein »made in Italy« soll in Zukunft wieder Einfluss auf den Markt gewinnen. Es liegt nun an jedem selbst, diese Möglichkeiten zu nutzen.

EPD für Naturstein Unter der Präsidentschaft von Dr. Anton HelbichPoschacher wurde erstmals unter Beteiligung fast aller nationalen europäischen Natursteinverbände ein Sonderbudget für die Vorbereitungen zur Erstellung einer europaweit einheitlichen Umwelt-Produktdeklaration EPD (Environmental Product Declaration) nach ISO 14025 für Naturstein bewilligt. EPD für Bauprodukte sind eine wesentliche Voraussetzung, um Bauwerke im Hinblick auf ihre Umweltleistung als Teil der Nachhaltigkeit bewerten zu können. Die umweltbezogene Qualität eines Gebäudes ist neben der Ausführungsqualität und der Nutzung von den eingesetzten

Bauprodukten abhängig. So sieht es jedenfalls die öffentliche Hand, die über ihre eigene Beschaffung immer mehr Umweltinformationen einfordert: zum Energieverbrauch in der Bauproduktherstellung, zur Beeinflussung der Innenraumluft oder auch zu Recyclingpotenzialen. Diese umweltbezogenen Informationen können durch EPDs vermittelt werden. In Europa werden im Auftrag der EU-Kommission die Grundlagen von EPDs für Bauprodukte definiert. Es wird davon ausgegangen, dass mittelfristig das öffentliche Beschaffungswesen, möglicherweise aber auch der private Sektor, EPDs nachfragen werden. rw

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Naturstein in der Diskussion

Die Preisträger

Deutscher Natursteinpreis BEATE ULLRICH Im Rahmen des Architektur Forums Naturstein wurde auf der Stone+tec in Nürnberg der Deutsche Natursteinpreis 2009 vergeben. Den mit insgesamt 30000 € dotierten Preis teilen sich dieses Mal zwei Gewinner: Weinmiller Architekten, Berlin, für den Neubau der Landeskreditbank am Schlossplatz in Karlsruhe sowie kister scheithauser gross Architekten und Stadtplaner, Köln, für den Neubau des Stadtarchivs in

Zugleich verdeutlichten die zwei prämierten Bauwerke die Bandbreite des Einsatzes von Naturstein – von der architektonischen Intervention im Bestehenden bis hin zum stadtraumprägenden Neubau. Wolfgang Bachmann, Chefredakteur der Architekturzeitschrift Baumeister, führte durch die Veranstaltung und leitete die im Anschluss an die Verleihung stattfindende Podiumsdiskussion. Frielinghaus betonte, der Preis solle

Die Preisträger mit DNV-Präsident Joachim Grüter und BDA-Präsident Michael Frielinghaus

Halle/Saale. Laut Michael Frielinghaus, Präsident des Bundes Deutscher Architekten (BDA), zeugten beide Projekte von einem großen Verständnis von Material, Proportion und räumlicher Wirkung und belegten, auf welche Weise das Material Naturstein in der Architektur mehr als nur eine dekorative Rolle einnähme.

ein Appell sein, neue Wege in der Architektur mit Naturstein zu beschreiten. Naturstein solle laut Architekt Kleihues als das gesehen werden, was es ist: ein Material mit ihm spezifischen Eigenschaften. Adjektive wie geradlinig, konservativ und bodenständig werden mit Naturstein im Allgemeinen assoziiert.

Und genauso sollte das Material auch eingesetzt werden. Für Kleihues bestehe das Ziel darin, Naturstein als monolithische Wand zu verwenden und nicht zweckentfremdet vor eine bestehende Wand zu hängen. DNV-Geschäftsführer Reiner Krug erklärte hingegen, dass eine plattierte Lösung seiner Ansicht nach durchaus eine Berechtigung habe, wenn diese gut und konstruktiv richtig ausgeführt sei. Gestalten mit Stein Auf die Frage hin, ob Architekten zufrieden mit der Art und Weise der Bemusterung von Natursteinen seien, entgegnete Preisträger Michael Großmann, es sei höchst interessant zu sehen, welch unterschiedliche Arten und Bearbeitungsmöglichkeiten von Naturstein derzeit auf dem Markt zur Ver fügung stünden. Das Gestaltungspotenzial von Steinen sei laut BDA-Präsident Frielinghaus groß und der skulpturale Ansatz noch lange nicht erschöpft. Laut Kleihues sei die Auswahl in der Tat ein wunder Punkt. Er persönlich arbeite nur mit Betrieben seines Vertrauens zusammen. Gerade Architekten sollten sich laut Kleihues dieses einmalige Material in den Steinbrüchen selbst anschauen. Viele seiner Kollegen wären regelrecht begeistert gewesen, den Naturstein einmal in seiner Ursprünglichkeit erlebt zu haben.

Deutscher Natursteinpreis 2009: je 7 500,– € Weinmiller Architekten, Gesine Weinmiller, Michael Großmann, Berlin, für die L-Bank, Karlsruhe; kister scheithauser gross, Köln, für das Stadtarchiv, Halle/Saale; Besondere Anerkennungen 2009: je 5 000,– € Günter Hermann Architekten, Stuttgart, für den Um- und Erweiterungsbau der Deutschen Bundesbank, Berlin; Waechter+Waechter Architekten BDA, Darmstadt, für den Neu- und Umbau des Hessischen Landtags, Wiesbaden; Hilmer & Sattler und Albrecht Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin, für das Bürohaus/Hotel Lenbachgärten, München; Lobende Erwähnungen 2009: Bernhard, Müggenburg, Sattler Landschaftsarchitekten, Berlin, für den Bonifatiuspark, Frankfurt am Main; B & V Braun Volleth Architekten GmbH, Frankfurt/M., für den Kronprinzbau, Stuttgart; Diethelm & Spillmann, CHZürich, für den Umbau und die Erweiterung des Frank Marc Museums, Kochel am See; ARGE Ortner & Ortner / Kramm & Strigl, Berlin, für das Liliencarré, Wiesbaden; Van den Valentyn Architektur, Köln, für das Konrad-Adenauer-Ufer, Köln; Petra und Paul Kahlfeldt, Berlin, für das Wohnhaus, Heidelberg;

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TRENDS

Schüler gestalten mit Naturstein

HTL-Natursteinpreis 2009 RICHARD WATZKE Der von der Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke (VÖN) 2008 erstmals ausgelobte HTL-Natursteinpreis ist ein neuer Wettbewerb für innovative, nutzerorientierte Projekte aus Naturstein im Innenund Außenbereich. Dabei werden Arbeiten berücksichtigt, die ästhetische, innovative und ökologische Lösungen aufweisen. Der Wettbewerb stellt Naturstein als einen Baustoff in den Vordergrund, der durch individuelle Behandlung von Details und Oberflächen wie kaum ein anderer auch bei kleineren Projekten zur Wirkung kommt. Durch den Wettbewerb sollen HTL-Schüler zusätzlich zur Vortragsreihe »Faszination Naturstein« besser mit den gestalterischen und konstruktiven Möglichkei-

ten von Naturstein vertraut gemacht werden. Teilnahmeberechtigt sind HTL-Schüler als Gruppen, Klassen oder Jahrgänge als geistige Urheber und Planverfasser. Die Darstellung der Arbeiten erfolgt anhand von Lageplänen, Grundrissen, Schnitten, Details oder Fotos. In einem Begleittext sind Angaben zum Entwurf, der Konstruktion, der Wirtschaftlichkeit sowie der Oberflächenbearbeitung des Natursteins zu machen. Beurteilt werden die Projekte anhand der Gestaltung und ästhetischen Erscheinung, der technisch einwandfreien Konstruktion, der Einbindung in den räumlichen Kontext, der adäquaten Verwendung von Naturstein sowie der funktionalen Brauchbarkeit. Die Jury

Das Siegerteam in Linz: Rita Spiegelberg, Anna Kickingereder, Romina Priesner und Simone Schütz setzten sich mit ihrem Entwurf für ein Sattlermuseum durch.

Die Sieger in Mödling mit der Jury aus Professoren der HTL Mödling sowie den Vorsitzenden der VÖN.

besteht aus HTL-Lehrern und Vertretern der VÖN.

Premiere in Linz und Mödling Beim ersten Durchgang nahmen HTL-Schüler aus Linz und Mödling teil. Für die Premiere zieht der Mödlinger Abteilungsvorstand der Abteilung Bautechnik Hochbau, Prof. Harald Hrdlicka, ein positives Resumee: »Naturstein ist in, daher war die Beschäftigung der Schüler mit dem Baustoff Naturstein im Rahmen des Wettbewerbs hochaktuell.« Für die Schüler sei es ein Anreiz, sich mit Kollegen anhand konkreter Projekte zu messen. Darüber hinaus würden die Schüler durch den Wettbewerb motiviert, sich mit zeitgenössischer Natursteinarchitektur zu beschäftigen. Die Arbeiten

betreffen sowohl die Außengestaltung als auch das Innenraumdesign. An der HTL 1 in Linz begleitete Prof. Christian Armbruster drei Klassen durch den Wettbewerb: »Vonseiten der HTL begrüßen wir den Wettbewerb sehr, da die praxisnahe Ausbildung an der HTL durch solche Kontakte zur Wirtschaft gefördert wird.« Rund 70 Schüler des dritten und vierten Jahrgangs arbeiteten jeweils in Gruppen an Themen in den Bereichen Hoch- und Tiefbau. Nach dem ersten Durchgang wird der Wettbewerb im Schuljahr 2010/2011 an mehreren HTLs weitergeführt. Weitere Informationen zum Wettbewerb auf www.pronaturstein.at

Steinfestival Salzburg

Im Licht der Öffentlichkeit RICHARD WATZKE Ende Juni war die Salzburger Altstadt Schauplatz des Europäischen Steinfestivals 2009: eine dringend notwendige und vor allem sehr gelungene Imagepolitur. Der Steinmetz einmal nicht als »Billigimporteur« inhaltloser Massenware, sondern als kreativer Handwerker im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Wenn bei einem Festival in einer solch geschichtsträchtigen Umgebung junge Steinmetzen aus ganz Europa einem breiten und vor allem interessierten Publikum ihr Handwerk zeigen können, kann

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das nur gut sein für ein Handwerk, das in den letzten Monaten eher durch Negativschlagzeilen auffiel. Für heimische Qualität gegen Billigware aus dem Fernen Osten – unter dieses Motto hatte der Salzburger Landesinnungsmeister Adolf Moser das Festival gestellt. Als Organisator des Festivals wollte er auch das angestaubte Image dieses Handwerksberufs heben, erklärte er in einem Interview dem Österreichischen Rundfunk. Unter der thematischen Vorgabe »Wasser und Natur« waren

Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller mit Bundesinnungsmeister Rudi Wunsch (l.) und Salzburgs Landesinnungsmeister Adolf Moser (2. v.r.)

über 120 Steinmetzen aus Ungarn, Italien, Deutschland, Frankreich, England, Malta, Kroatien und Österreich nach Salzburg gekommen. Jedem stand als Ausgangsmaterial ein 30 x 30 x 40 cm großer Sandsteinblock zur Verfügung. Lehrlinge erhielten Arbeitsvor-

lagen, Gesellen und Meister arbeiteten nach eigenen Entwürfen. Darüber hinaus gab es ein umfangreiches Rahmenprogramm sowie gastronomische Angebote. Als Höhepunkt wurden alle Arbeiten durch den Salzburger Dorotheums-Chef öffentlich versteigert.

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Pilgram-Preis 2010

Bauen mit Naturstein – energieeffizient und nachhaltig WILLY HAFNER Der Pilgram-Preis 2010 wird für herausragende Bauten, Platz- und Freiraumgestaltungen ausgeschrieben, bei denen eine beispielhafte innovative, gestalterische und technisch-konstruktive Anwendung von Naturstein im Mittelpunkt steht. Es werden anspruchvolle Baukonzepte ausgezeichnet, die für eine hohe architektonische Qualität, eine energetische Optimierung und eine wirtschaftliche Konstruktion stehen. Gewürdigt werden herausragende Planungsleistungen, die ästhe-

sulenten für Landschaftsplanung und Landschaftspflege und Ingenieurkonsulentinnen und Ingenieurkonsulenten für Innenarchitektur, die geistige Urheber und Planver fasser von im In- und Ausland fer tig gestellten Bauwerken sind. Mit der Teilnahme werden die Bedingungen der Auslobung anerkannt. Prämier t wird die vorbildliche Gestaltung und technisch zeitgemäße Konstruktion von Projekten im Inund Ausland unter maßgeblicher Ver wendung von Naturstein aus österreichischer Fer-

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Bekannter Preis: neues Logo – der Pilgram-Preis 2010

tisch anspruchsvolle, innovative und ökologische Lösungen aufweisen. Der Wettbewerb stellt Naturstein als einen Baustoff in den Vordergrund, der durch die individuelle Behandlung von Details und Ober flächen wie kaum ein anderer auch bei kleineren Bauwerken zur Gestaltung des öffentlichen Raums beiträgt und vorbildlich hinsichtlich der Rücksichtnahme auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Umweltprobleme ist. Der Preis wird für realisier te Projekte vergeben, bei denen dem Baustoff Naturstein eine besondere architektonische Bedeutung zu kommt und die beispielhafte Lösungen für die Gestaltung unserer Umwelt darstellen. Teilnahmeberechtigt sind österreichische Architektinnen und Architekten, Ingenieurkonsulentinnen und Ingenieurkon-

tigung, ausgeführ t von Naturstein-Fachbetrieben. Ausgelobt wird der Pilgram-Preis 2010 von der Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke (VÖN), Linz, in Zusammenarbeit mit der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten (bAIK) Wien. Der Pilgram-Preis ist mit 10 000 E dotiert und ein anerkannter Architektur-Preis. 1991 wurde er zum ersten Mal vergeben. Die Jury besteht aus Arch. Prof. Dipl.-Ing. Maria Auböck, Wien; Arch. Dipl.-Ing. Herbert Ablinger, Wien; Arch. Mag. arch. Boris Podrecca, Wien; Dr. Anton Helbich-Poschacher, St. Georgen und Ing. Norbert Kienesberger, Grieskirchen. Redaktion Pilgram-Preis: Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten evelyn.stampfer@arching.at www.arching.at

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ARCHITEKTUR

Visitenkarten aus Stein VON WILLY HAFNER

ilbao ist grau. So wird die Stadt im Baskenland beschrieben. Stimmt nicht ganz! Zwischen den grauen Häuserzeilen leuchtet ein Bau hervor: die von Frank O. Gehry erdachten Formen des Guggenheim-Museums. Dieser Bau zeigt, dass Häuser mehr sein können als nur umbauter Raum; manchmal wenigstens.

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ARCHITEKTUR IST EINE ÖFFENTLICHE, IM WORTSINN POPULÄRE DISZIPLIN. Sprach man vor Jahren noch von den betont zeitgenössisch, gar futuristisch auftrumpfenden Bauwerken, den möglichst prominenten »Signature Buildings«, so stehen heute – im Namen der Krise – Symbole der ganz anderen Art im Mittelpunkt.

Naturstein im Detail: Das Fugenmuster ist entscheidend. Große Formate, schmale Fugen, ein Fugenbild, das Sinn macht: eine Fassadenfläche im Wortsinn, nur unterbrochen von präzise angeordneten Fenstern und Türen.

JEDER WILL EIN SCHLOSS In einer Zeit, da allerorten Schlösser rekonstruiert oder neu erfunden werden, in einer Zeit, da die Rückbesinnung auf das bauliche Gestern zunehmend das bekundende Heute und gar das visionäre Morgen in der Architektur verdrängt, in einer solchen Zeit taugt breiten Bevölkerungsschichten ein altes Schloss aus Stein oft mehr als Vision als eine gedämmte Kiste aus Glas. Ist das Alte plötzlich wieder das Neue? Spielt sich die Renaissance der europäischen Stadtgestalt aus natürlichem Stein und die damit punktuell, aber medienwirksam einhergehenden Rückgriffe der architektonischen Sprache auf das längst vergangene Gestern inmitten einer »neuen Avantgarde« ab, wie das die Berliner Architektin Petra Kahlfeldt einmal genannt hat?

PROJEKT: Kondrad-Adenauer-Stiftung, Berlin ARCHITEKT: Thomas van den Valentyn, Köln NATURSTEIN: Römischer Travertin Classico

IST ALT ALSO NEU? Nach all den Diskussionen um die Bewahrung oder auch nur Nachempfin-

Die Kunst der Fuge

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Das Spiel an der Ecke Naturstein im Detail: An den Ecken ist die Qualität zu erkennen. Präzise montiert, in der Schichtung logisch, klar im Erscheinungsbild und keine geklebten Gehrungen

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PROJEKTE: Sparkasse Hohenlohekreis, Künzelsau (rechts,) CDU-Parteizentrale, Berlin (unten) ARCHITEKTEN: Müller, Müller-Djordjevic, Stuttgart (rechts), Petzinka, Pink und Partner, Düsseldorf (unten) NATURSTEIN: Gauinger Travertin (unten), Dorfergrün (rechts)

dung des Alten, der Schlösser, Burgen und Ensembles auf der einen Seite, nach all den Kämpfen für Zeitgenossenschaft, für das Neue und Eigene auf der anderen Seite kann es einen nicht mehr verwundern, dass die Gretchenfrage der Baukunst, wie man es denn nun halte – mit dem alten Neuen (Moderne) oder dem neuen Alten (Tradition) – sich als unermüdlich wie nutzlos herausstellt. Diese Debatte gehört zu den leidenschaftlichsten, vielleicht auch unsinnigsten und natürlich ältesten der »BauWelt«. Stein gegen Glas! Wie so oft bei Ideologiediskussionen geht es meist nur um Äußerlichkeiten, geht es Vielen – auch den Architekten – nur noch um die Fassaden. Viele vergessen, dass Architektur in erster Linie die Kunst des Unsichtbaren ist, dass Räume wichtiger sind als Oberflächen und dass Ästhetik nicht an die Stelle von Zwecken und Inhalten treten kann. Aber doch, so heißt es: Steinernes ist gleich undurchsichtig, schwer, totalitär. Gläsernes ist gleich transparent, leicht, demokratisch. So einfach ist das dann und so falsch. In Wirklichkeit sieht das Leben anders aus. Es lebe also der alte Streit. Es steht noch immer Stein gegen Glas oder Glas gegen Stein – gestern und heute wieder ganz besonders.

Die Platte macht dick Das Prinzip der tektonischen Schichtung: Die Schichtung von Platten übereinander, die das Verstecken der Fugen in den dabei entstehenden Überlappungen ermöglicht, erzeugt eine größere, plastische Tiefenwirkung.

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PROJEKTE: Delbrückhaus, Berlin (links), Walter-Benjamin-Platz, Leibniz-Kolonnaden, Berlin (rechts) ARCHITEKT: Hans Kollhoff, Berlin NATURSTEIN: Sardischer Granit und Pietra Serena (rechts)

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ARCHITEKTUR

Die neue Stärke Das Erscheinungsbild eines Hauses bestimmt die Fassade. Die Gesetze der Tektonik, des Tragens und Lastens stehen im Vordergrund. Massive L-Stücke aus Naturstein geben dem Wandaufbau den nötigen Halt.

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PROJEKT: Auswärtiges Amt, Berlin ARCHIKTEKTEN: Thomas Müller Ivan Reinmann, Berlin NATURSTEIN: Römischer Travertin Classico

Eine Chance fürs Ornament Umlaufende Gurtgesimse, gefräst aus massiven Werkstücken, die unten größer dimensioniert sind als oben, machen einen soliden und zuverlässigen Eindruck.

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PROJEKT: Maritim Hotel, Berlin ARCHITEKTEN: Kleihues + Kleihues Architekten, Berlin NATURSTEINE: Römischer Travertin Classico

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STEIN GEGEN GLAS … Unterschiedlicher könnten Werkstoffe kaum sein: schwer, rau und unverwüstlich der Stein – leicht, glatt und zerbrechlich das Glas. Doch es gibt nichts Verschiedenes, was nicht auch ver wandt ist, jedenfalls nicht in der Geschichte der Architektur und Kunst. Wie es sich jedoch für eine richtige nordeuropäische, will sagen teutonische Grundsatzdiskussion gehör t, gerät hier Vieles gleich zu einem Glaubensbekenntnis. Doch neigt sich dieser Krieg womöglich seinem Ende zu. Nun entpuppt sich diese Diskussion in den Augen einer neuen, jungen Generation von Architekten als »ziemlich uninteressant«. Das ist von er frischender Klugheit und Abgeklär theit. Es wäre schön, wenn man es als ein Indiz für das baldige Ende einer seit Beginn des letzten Jahrhunderts geführ ten, in

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Die Rückkehr der Massivität Naturstein im Detail: Die optische Standfestigkeit eines Gebäudes hängt von der soliden, also »massiven« Gestaltung seiner Ecken ab. Ein Beispiel: L-förmig geschnittene Werksteine wirken als Ecklösung massiver als schmale, vertikal gestellte »Vierkantstäbe«. Richtig ausgeführt überzeugt die Lösung ökologisch und ökonomisch.

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PROJEKT: Upper Eastside, Unter den Linden, Berlin ARCHITEKTEN: gmp von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg NATURSTEIN: Römischer Travertin Classico

all der Zeit dabei aber zu gar nichts Essenziellem führenden Debatte werten könnte. Auf der Seite der vermeintlich fürchterlichen Traditionalisten: Prinz Charles, der königliche Architekturkritiker aus Großbritannien. Auf der Seite der vermeintlich schrecklichen Modernisten: Richard Rogers, Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Norman Foster, Renzo Piano und Frank O. Gehr y – um nur einige Ver treter der internationalen »Star-Architektur« zu nennen. Wenn nun eine jüngere Generation von Architekten sich am überkommenen Feindbild so ostentativ desinteressier t zeigt, so lässt das hoffen. Der Streit Alt versus Neu, konservativ versus progressiv, Naturstein versus Stahl und Glas, offen versus geschlossen: All das führt schon seit Jahren zu keinem intelligenten Gespräch über das Bauen.

KEINE GEDÄMMTEN KISTEN Die wahren Zeugnisse des Bauens mit Naturstein sind die des konkreten Bauens: Häuser entstehen auf dem Fundament einer Tradition, einerseits entstehen sie im Heute, andererseits zielen sie nach Möglichkeit in die Zukunft. Das ist der Anspruch guter Architektur und sollte auch der Anspruch guter Räume aus Stein sein. Alles andere sind Glaubensfragen. Der Wiener Architekt Wolfgang D. Prix erklärte vor Kurzem in einem Vortrag zur Eröffnung der Münchener Opernfestspiele 2009 seine Auffassung von Architektur und Raum, Ästhetik und Nachhaltigkeit: »Ich denke eher an Gebäude, die nicht gedämmte Kisten sind, sondern mit ihrer Form und durch ihre Fassade Energie gewinnen und in ihrer Gestalt die Gestalt der zukünftigen Gesellschaft zeigen. Ich meine damit aber nicht die in vielen

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ARCHITEKTUR

Die ganz dicken Steine Naturstein im Detail: Eine »symmetrische Lochfassade« aus Kalkstein mit zurückgesetzten Fensterscheiben. Eine Fifty-fifty-Fassade. Die Glasfelder werden bis zur maximal bei einem Bürogebäude vertretbaren Größe aufgerissen und folglich müssen auch die umgebenden Steinflächen ein Maximalmaß ausfüllen. Ein nicht durch Fugen gestörtes Steinskelett. Naturstein an der Grenze seines ästhetisch und bautechnisch Möglichen.

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PROJEKT: DZ-Bank, Berlin ARCHITEKT: Frank O. Gehry, Los Angeles NATURSTEINE: Giallo Dorato, Pietra di Nanto

bunten Magazinen abgebildeten, leblosen Telefonsex-Architekturen, deren Bilder viel versprechen und nichts davon einlösen können.« DIE AUFGABE DER HÄUSER Die Baugeschichte hilft, den Blick zu schärfen. Was war eigentlich mit dem »immateriellen Schimmer des griechischen Marmors« auf der Akropolis, von dem die Dichter schwärmten? Was war mit den Marmorinkrustationen von San Miniato al Monte in Florenz oder von Il Gesú in Genua? Nur Fassade? Was war mit den dünnen Maßwerken an der Fassade des Straßburger Münsters, die von hinten durch Eisenbänder gehalten

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wurden? Nur Fassade? Wo bleiben hier konstruktive Logik und Ehrlichkeit, wenn auch das alles nur »Blendwerk« war? Wie war das noch vor 15 Jahren mit den polierten Kisten. Innen Beton, außen dünne Platten. Es gibt viel Stein, aber wenig Fantasie. Überall dieselben monotonen Verkleidungen. WAS HEISST EHRLICH Da ist sie dann halt doch da, die lästige Moral der Ehrlichkeit. Gottfried Semper hatte einst das formuliert, was später Robert Venturis mit seinem »decorated shed« provokativ fortführte: Das Material spreche nur für sich und trete unverhüllt auf in jener Gestalt, in jenen Verhältnissen, die als die zweckmäßigsten für dasselbe durch Erfahrung und Wissenschaften erprobt sind. Dies sei die wahre Einfachheit, so heißt es. Der Wunsch nach dem Besonderen

steht bei vielen Bauherrn heute im Vordergrund. Natursteine haben eine Persönlichkeit, sind naturverbunden, klar und frisch. Die materielle Anbindung an eine örtliche Bautradition symbolisiert das wiederentdeckte Geschichtsbewusstsein, das bereit ist, die gewachsene Tradition weiterzuführen. Die baugeschichtlichen Prototypen zeigen den Weg. Stütze und Last, Funktion und Dekor, Oberfläche und Farbenspiel bilden noch immer eine unnachahmliche Einheit. Gerade heute braucht ein Baustoff mehr Sinn als nur Verkleidung! Ein sinnvoller Einsatz von Naturstein kann nur dann gelingen, wenn seine spezifischen Eigenschaften wie Härte, Plastizität, Färbung oder Wetterfestigkeit in den Vordergrund gestellt werden. Aus Häusern werden »beeindruckende Marken«, aus Nullachtfünfzehn-Bauten wird »Corporate Architecture«. 

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ARCHITEKTUR

as Stadtarchiv in Halle/ Saale ist hochdekoriert. Nach dem Architekturpreis Sachsen-Anhalt 2007 erhielten die Architekten kister scheithauer gross aus Köln auch den Deutschen Natursteinpreis 2009 für die gelungene Ergänzung des historischen Gebäudes.

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ZIEGELSTEIN UND MUSCHELKALK


DER NEUBAU DES STADTARCHIVS IN HALLE ist eine architektonisch überzeugende und in seiner Materialität eigenständige Antwort auf die Frage nach der Ergänzung eines historischen Gebäudes. So befindet die Jury des Deutschen Natursteinpreises 2009 über den von kister scheithauer gross Architekten und Stadtplaner, Köln, realisierten Bau. Historischer »Partner« des Magazinneubaus ist ein Neorenaissance-Palazzo von 1884 mit einer Fassade aus massiv gemauerten ockerfarbenen Ziegelsteinen und in Naturstein gefassten Fensteröffnungen und Portalen. Der Bestandsbau ist horizontal stark gegliedert in Sockel-, Haupt- und Mezzaningeschoss, die durch kräftige Gesimsbänder aus Naturstein und das steinerne Traufgesims noch betont werden. Der Neubau stellt sich als ein massiver Turm aus Stein neben das Stadtpalais in eine schmale Baulücke. Der ruhende horizontale Palazzo und der vertikale aufstrebende Turm ergeben einen reizvollen Kontrast. In direkter Umkehrung der Materialität des Altbaus präsentiert sich der Archivturm als ein hoher Natursteinblock aus Muschelkalk, in den vertikale Öffnungen

geschnitten wurden, die mit Backsteinen in der Farbigkeit des Altbaus als konstruktiver Wandaufbau ausgefacht sind. Darin eingelassene hölzerne Lüftungsklappen tanzen in unterschiedlichen Höhen über die Fassade und interpretieren das Thema Öffnungen in einer dem Archiv angemessenen Weise. Gleichzeitig erhält die streng geordnete Fassade einen spielerischen irrationalen Ausdruck. Durch die Übernahme der Gesimsbänder in den Neubau fügt sich der Turm in die horizonal gegliederte Straßenfassade ein, ohne seine Vertikalität aufzugeben. Durch die schrittweise Reduktion der Auskragungstiefe der Gesimsbänder bis hin zur Fassadenbündigkeit wird in dem Turmkopf die Vertikalität des Archivs subtil

Backsteineinlagen in den Lüftungsöffnungen rhythmisieren die Fassade und schaffen mit dem ockerfarbenen Ton einen Bezug zum Hauptgebäude.

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ARCHITEKTUR

Die Fassade ist in ihrem ursprünglichen Zustand verblieben. Das Material der neuen Fassade – Muschelkalk – orientiert sich an den vorhandenen Gebäuden.

verstärkt. Der im Altbau plastisch vertretene massive Natursteinsockel tritt im Neubau zurück und wird als Schattenfuge ausgebildet. Das in Naturstein gerahmte Portal wird neu interpretiert als eine Öffnung in der Natursteinwand, ausgefacht mit einer Lage für Lage sich weiter nach innen abstaffelnden, schweren Mauerwerkswand, die die Idee des Eingangs äußerst bildhaft werden lässt. Trotz seiner Eigenständigkeit macht gerade der intelligente Dialog, den der Neubau mit dem Altbau architektonisch und in Bezug auf die Materialität führt, den großen Reiz dieses Projekts aus. Das Spiel mit Naturstein und Backstein und die Umsetzung im massiven, konstruktiven Wandaufbau erzeugt die besondere Poesie dieses Ensembles.

Doch es ist nicht nur die Gestaltung, die bei diesem Objekt überzeugt: Der charakteristische Neubau wird dazu genutzt, die klimatische Situation für die Lagerung des Archivmaterials zu optimieren. Durch die Auslagerung der Archivbestände konnte im Altbau die räumliche Situation der Archivverwaltung und der öffentlichen Lese- und Versammlungsräume verbessert werden. Ziel war es auch, die späteren Betriebskosten zu minimieren. Deshalb wurde ein klimatisches Konzept, das sogenannte Kölner Modell entwickelt. Bei dieser Baukonstruktion wird auf eine teure Vollklimatisierung der Räume verzichtet. Die geforderte Raumtemperatur, Luftzufuhr und -feuchtigkeit werden ausschließlich durch den konstruktiven Wandaufbau und eine natürliche, kontrollierte Lüftung erreicht. 

BAUHERR Stadt Halle, D-Halle/Saale ARCHITEKT/PLANVERFASSER kister scheithauer gross Architekten und Stadtplaner, D-Köln NATURSTEIN Kirchheimer Muschelkalk

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ARCHITEKTUR

KIRCHE ERLEBEN VON ANNE-MARIE RING

m Herzen Stuttgarts ist »Kirche« seit Anfang 2009 auf neue Art und Weise erlebbar. Auf der Königstraße, mitten im pulsierenden Leben der City, schafft das Haus der Katholischen Kirche einen Ort der Ruhe und Begegnung.

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Das Haus der Katholischen Kirche, Stuttgart, will ein Forum sein, in dem aktuelle Fragen der Politik, Gesellschaft und Religion erörtert werden.

NOMEN EST OMEN Der Name ist Programm: »City-Pastorale« heißt das Konzept, mit dem sich die katholische Kirche einen neuen Zugang zum Menschen eröffnen will. Wo bislang die Verkündung christlicher Dogmen im Vordergrund stand, soll künftig verstärkt der Einzelne mit seinen individuellen Belangen im Mittelpunkt stehen. City-Pastorale wurde 1992 in Frankfurt am Main gestartet. Inzwischen gibt es mehr als 20 deutsche Großstädte, in denen Menschen auf ganz individuelle Art und Weise mit der Kirche auf Tuchfühlung gehen können.

BAUHERR Bauherrengemeinschaft Kath. Pfarrstelle St. Dionysius, D-Neckarsulm; Kath. Stadtdekanat, Stuttgart, und Kath. Kirchengemeinde St. Eberhard, D-Stuttgart, vertreten durch Katholisches Stadtdekanat, D-Stuttgart ARCHITEKTEN Anton Ummenhofer, D-Stuttgart

LAGE IST TRUMPF In Stuttgart sah die katholische Kirche die einmalige Chance gekommen, als die Landesbank Baden-Württemberg beschloss, ihren Stammsitz an der Königstraße aufzugeben. Eine bessere Adresse als Kö 7, an der quirligen Fußgängerzone, die in ihrem unteren Bereich den Hauptbahnhof mit dem Schlossplatz verbindet, hätte sich für

Zwecke der City-Pastorale kaum finden lassen. Durch den Abriss des Pfarrhauses an der dahinter liegenden Stauffenbergstraße wurde ein etwa 900 Quadratmeter großer Bauplatz geschaffen. Das Grundstück stellte besondere Anforderungen an den Entwurf. Die Stirnseite zur Königstraße beträgt nur 13 Meter, während sich die Längsachse auf über 50 Meter ausdehnt, begrenzt durch die Domkirche auf der einen und den neu erbauten Phönixbau auf der anderen Seite. An der Stirnseite ragt das Haus der katholischen Kirche zwei Meter in den Luftraum der Königstraße und macht als städtebaulich weit sichtbares Zeichen auf die besondere öffentliche Nutzung aufmerksam. Von dieser schmalen Stirnseite aus entwickelt sich der Baukörper in einem gewissen räumlichen Abstand entlang der Domkirche und umfasst diese in ihrem rückwärtigen Teil. Auf acht Ebenen sind in zwei Untergeschossen eine Tiefgarage sowie ein großer Veranstaltungssaal, im ersten

NATURSTEINARBEITEN Steinbau Lauster, D-Stuttgart

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ARCHITEKTUR

Li.: Das senkrechte Bandfenster belichtet das Treppenhaus. Re.: Ansicht von der Königstraße; massive gemauerte Fassade aus acht bis zwölf Zentimeter dicken Platten.

MATERIALIEN Außenfassade: Maulbronner Sandstein, geschliffen Innenwand: Maulbronner Sandstein, Krustensteine Bodenbelag Erdgeschoss, 1. Untergeschoss und Galerie: Gauinger Travertin, gespachtelt und geschliffen; quadratische Platten, Format 100 x 100 cm Treppe EG zur Galerie: Keilstufentreppen aus massiven Werkstücken; die übrigen Treppen sind mit Maßplatten aus Gauinger Travertin belegt.

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Obergeschoss eine Galerie für Ausstellungen und in den darüber liegenden Etagen Büros und Wohnungen – das Konvent der Vinzentinerinnen von Untermerchtal sowie die Pfarrwohnung im Loggiageschoss – untergebracht.

die Fassade mit demselben Maulbronner Sandstein verkleidet, der auch das Äußere von St. Eberhard prägt. Für die Fassade wurden die Platten fein geschliffen, anders im Inneren, wo die Außenwand der Domkirche zur Innenwand des Neubaus wird.

SEELSORGE »EN PASSANT« Kernzone jedoch ist der öffentlich zugängliche Bereich im Erdgeschoss: ein lichtes Atrium mit Café, Buchhandlung, mehreren Läden und der kreisrunden Informationstheke, dem »katholischen i-Punkt«, im Zentrum. Um Passanten die Schwellenangst zu nehmen, öffnet sich das Erdgeschoss mit einer Glasfront zur Königstraße. Eigentlich hätte die gesamte Fassade verglast werden sollen, doch mit Rücksicht auf den Ensemble-Charakter von KöniginOlga-Bau, Domkirche und nicht zuletzt Kunstgebäude wurde schließlich eine Sandsteinfassade realisiert. Das äußere Erscheinungsbild des Neubaus orientiert sich in Bezug auf Maßverhältnisse, Wandaufbau, Fassadengliederung, Fensterteilung und Materialien an den historischen Bauwerken des städtebaulichen Ensembles. So ist

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Blick auf den Laden im Erdgeschoss

Li.: Der »i-Punkt« im Erdgeschoss, von der Galerie aus gesehen

Re.: Die ehemalige Außenwand der Domkirche wurde – mit Krustenplatten aus Maulbronner Sandstein bekleidet – zur Innenwand des Neubaus.

AUSSEN WIRD INNEN Die Längsfassade des Doms, bisher im Inneren des Gebäudeblocks verborgen, ist als Hauptfassade des Neubaus nun in voller Höhe sichtbar: Mit einer Raumhöhe von neun Metern macht das zweigeschossige Atrium die gesamte Außenwand der Domkirche zur Innenwand des Neubaus. Der Abstand zwischen Neuund Altbau ist mit einem schmalen Glasdach geschlossen, durch welches natürliches Tageslicht fällt und die mit Krustenstücken aus Maulbronner Sandstein bekleidete Längsfassade der Domkirche betont. Der neu geschaffene halb öffentliche Raum bildet eine fußläufige Verbindung quer zur Königstraße, über die neu gestaltete Stauffenbergstraße, durch das Foyer des Kunstgebäudes hindurch in den Schlossgarten hinein.

KRUSTENWAND Für die Gestaltung der Innenwand liefer ten die Natursteinwerke Lauster Krustenplatten aus rotem Maulbronner Sandstein. Es war der Wunsch der Architekten, nur solche Werkstücke zu verlegen, die aus den unregelmäßigen Bruchkanten der Blöcke herausgesägt waren. Die aufgrund der unregelmäßigen Ober fläche auftretenden Toleranzen wurden zur Raummitte hin ausgerichtet, was der Innenwand die ihr eigene Plastizität verleiht. Sie ist nach Ar t einer Vormauerschale aus diesen massiven Werkstücken gemauer t und mit Halteankern an der Domwand gesicher t. Das Gewicht der acht bis zwölf Zentimeter dicken Natursteinwand ist nach unten abgelastet.

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ARCHITEKTUR

LERNEN AUF STEIN VON RICHARD WATZKE

Geprägt von Naturstein und Holz: Der nach Südwesten ausgerichtete Gang im Theorietrakt erhält viel natürliches Licht.

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eim Neubau der Höheren Technischen Lehranstalt Hallein wurde österreichischer Naturstein für alle Böden und Treppen verwendet. Das einheitliche Erscheinungsbild verknüpft die Gebäudeteile für Theorie und Praxisunterricht.

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IN DER HÖHEREN TECHNISCHEN BUNDESLEHRANSTALT HALLEIN werden jährlich rund 1 000 Schüler unterrichtet. Schwerpunkte der Ausbildung sind die Fächer Hochbau, Bauhandwerk, Betriebsinformatik, Steinmetzhandwerk und Bildhauerei, Innenraumgestaltung, Tischlerei, Produktund Systemdesign sowie Maschinenbau. Der Unterricht fand bis 2007 in Gebäuden statt, die den Anforderungen an modernen Unterricht nicht mehr genügten. Das rund 100 Jahre alte Theoriegebäude war wegen der beengten Grundstückssituation nicht erweiterbar und wich einem Neubau. Der bestehende Werkstättentrakt musste zum Teil ergänzt und an die aktuellen Erfordernisse des Praxisunterrichts angepasst werden. Der Baustart des Neubaus des Theorietrakts sowie der Funktionsadaptierung der Werkstätten erfolgte im April 2007 nach einem 2003 durchgeführten Architektenwettbewerb. Nach einer Bauzeit von eineinhalb Jahren wurden die Baumaßnahmen abgeschlossen und zum Winterhalbjahr 2009/2010 der Unnterricht im Neubau aufgenommen. Die Gesamtkosten betrugen rund 15 Millionen Euro. Das neue, viergeschossige Theoriegebäude besteht aus zwei zueinander verschobenen Gebäudehälften

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BAUHERR BIG Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H., 1031 Wien ARCHITEKTEN Arbeitsgemeinschaft Mack + Sorg, 70736 Fellbach NATURSTEINARBEITEN Lauster Steinbau GmbH Natursteinwerke, 9541 Einöde b. Villach

Die einzelnen Geschosse kommunizieren miteinander über Galerien und erlauben den Blick in die Halle im Erdgeschoss.

mit einer sich daraus ergebenden Halle im Zwischenraum. Im Erdgeschoss befinden sich Verwaltung, Buffet, Sportlerumkleiden sowie die Eingangshalle. In den Geschossen darüber wurden die Unterrichtsräume untergebracht. Der Zubau des Werkstättentrakts ist wie das vorhandene Gebäude dreigeschossig und bildet den »Kopf« der Schulanlage mit Wirkung über die Salzach zur Altstadt hin. Als Zwischenglied zum Bestand dient ein Stiegenhaus, das über einen Verbindungssteg im ersten Obergeschoss über die Davisstraße hinweg mit dem Theorietrakt verbunden ist. Auch optisch sind Praxisausbildung und theoretischer Unterricht miteinander verknüpft: Sowohl die Böden und Treppen im Theorietrakt als auch der verglaste Verbindungssteg und das Treppenhaus des Praxistrakts wurden mit dem auf 1400 Meter Seehöhe in Osttirol gewonnenen Dorfergrün belegt. Der dunkelgrüne Chloritgneis besitzt eine geschliffene Oberfläche und wurde bei den Bodenflächen in Bahnen mit unterschiedlichen Breiten verlegt. Die Treppenstufen wurden jeweils aus einem Stück gefertigt; runde Einleger aus Rauchkristall sowie in den Bodenbelag eingefräste Blindenleitstreifen sorgen auf den stark frequentierten Treppen für Sicherheit. 

Blick aus dem ersten Stock in die Halle im Erdgeschoss

Runde Einleger aus Rauchkristall markieren die Trittkanten bei den Podesten. Zusätzlich erhöhen in die Bodenplatten aus Dorfergrün eingefräste Blindenleitstreifen die Sicherheit.

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INNEN

LUXURIÖSE VIELFALT VON RICHARD WATZKE

elten bekommt ein Steinmetz die Gelegenheit, die gesamte Vielfalt von Naturstein in einem einzigen Bauvorhaben wie dieser Villa in Sofia auszureizen. Oberste Priorität hatte die Qualität.

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Lisenen, Fensterumrandungen und Balustraden sind aus dem Kalkstein Mocca Creme gearbeitet.

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Die Eingangshalle empfängt die Besucher mit einem eleganten Spiel aus weißem Rosa Portogallo und Rosso Alicante.

EINEN IN DER SUMME SEINER EINZELTEILE beeindruckenden Bau wünschte sich der private bulgarische Auftraggeber. Die hohen Ansprüche waren von den in Bulgarien ansässigen Bauunternehmen und Handwerkern allerdings noch nicht zu erfüllen. Eine Gruppe österreichischer Unternehmen erhielt dadurch die Chance, den gesamten Bau fast in Eigenregie auszuführen. Das Besondere daran war, dass es keine übergeordnete Bauleitung gab. Lediglich ein von den ausführenden Unternehmen eingesetzter Projektkoordinator sorgte für die reibungslose Zusammenarbeit aller Gewerke und die termingerechte Abwicklung; die Gestaltung wurde vom Architekt gemeinsam mit allen ausfüh-

Treppenanlage mit massiven, profilierten Pfeilern und Treppenwangen aus fein geschliffenem Kalkstein.

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INNEN

Klassisch: Weit in den Raum vorspringender Kamin aus Rosa Portogallo mit frei stehenden Säulen.

Das rote Mosaik und der beige Waschtisch aus Kalkstein bilden einen reizvollen Farbkontrast.

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renden Handwerkern »demokratisch erarbeitet« und mit dem Bauherrenehepaar abgestimmt, erklärt Rudolf Buryan vom Natursteinwerk Rada aus Niederösterreich; beim gesamten Bau sei ausschließlich die Qualität im Vordergrund gestanden. Erste Gespräche fanden im Herbst 2007 statt, im März 2008 wurde der Auftrag auf ungewöhnliche Weise nur mit Handschlag fixiert und im Mai 2009 fertiggestellt. Rückblickend betont Rudolf Buryan, dass es bei einem so komplexen Projekt wichtig sei, alle ausführenden Gewerke so früh wie möglich in den gesamten Bauprozess einzubinden.

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Profilierte Leisten aus Nero Portoro umrahmen den Spiegel.

Beige und graubraune Kalksteine und Marmore prägen das Bad mit dem rund eingefassten Whirlpool.

Eine runde Sache: Ohne Ecken schwingt die mit Kalkstein verkleidete Wand des Bades zur Dusche hinein.

STEIN IN HÜLLE UND FÜLLE Insgesamt wurden für den Außenbereich und den Innenausbau 14 Kubikmeter Naturstein verarbeitet. Für die massive Bauzier an der Fassade sowie zahlreiche Böden wurde der portugiesische Kalkstein Mocca Creme mit fein geschliffener Oberfläche verwendet; gleich in drei verschiedenen Varianten wurde Rosa Portogallo gewählt. Ein wesentliches Gestaltungselement der Villa sind die Kamine. Bei einem Kamin aus Rosa Alicante wurde das Material so verarbeitet, dass es wie ein Gemälde vor der Wand wirkt.

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INNEN

Kamin aus dem türkischen Marmor Salome, um die Ecke gezogen

MATERIALIEN Außenbereich: 16 m3 portugiesischer Kalkstein Mocca Creme

Die Platte misst 140 x 250 Zentimeter; die größte Herausforderung war, die wandhohe Platte schadenfrei zu transportieren und zu versetzen. Eine heikle Aufgabe, wie Rudolf Buryan betont, denn zusätzlich war die linke Seitenkante auf Gehrung gearbeitet. Im oberen Stockwerk befindet sich ein weiterer Kamin mit einer aufwendigen Verkleidung. Der türkische Marmor Salome wurde dabei in großformatigen Platten versetzt und zieht sich um die Ecke herum als Treppenverkleidung nach oben. 

Innenbereich: Insgesamt wurden 500 m2 Marmor, Kalkstein und Granit verlegt, darunter die Sorten Mocca Creme, Rosa Portogallo in den Varianten Creme Extra, Rosa und Rötlich-weiß, Giallo Reale, Bianco Perlino, Rosso Alicante, Marmor Salome, Nero Portoro, Emperador hell und dunkel, Ivory Brown sowie Neuhauser Granit und Nero Assoluto.

ARCHITEKTEN Miksche.Roth.Architektur 1230 Wien Juri Angelov, BG-Sofia NATURSTEINARBEITEN Rada Naturstein GmbH 2170 Poysdorf

Kaminverkleidung aus Rosa Alicante aus einer einzigen, wandhohen Platte

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INNEN

as »Baur au Lac« in Zürich, eines der exquisitesten Hotels Europas, präsentiert sich nach einem Umbau so prachtvoll und elegant wie eh und je. Besonders edel: die neuen Bäder der Suiten mit auserlesenen klassischen Marmorsorten – verarbeitet in Österreich.

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Edle Materialien, wohin man blickt: Waschbecken aus Noir St. Laurent in einem der Bäder

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Bronzene Dedon-Sofas auf einem Bodenbelag aus Belgisch Granit

STEIN VOM FEINSTEN VON ROBERT STADLER

Fünf Meter langer Bartresen aus Nero Assoluto mit integrierten kleinen Glasfenstern.

DER VORARLBERGER JOHANNES BAUR aus Götzis hat in Zürich Hotelgeschichte geschrieben. 1838 eröffnete er am Paradeplatz, dem Zentrum des heutigen Zürcher Bankenviertels, das »Baur en Ville«, damals das vornehmste Hotel der Stadt. Noch edler sollte sein zweites Gästehaus werden, das im Jahr 1844 direkt am Zürichsee eröffnete »Baur au Lac«. Zunächst mehr eine große Villa denn ein Hotel, diente es in den ersten Betriebsjahren als noble Residenz für inkognito reisende Gäste. Später wurde es mehrmals erweitert, bis es seine heutige Größe mit 120 Gästezimmern und Suiten erreichte. Der exzellente Ruf des Hauses verbreitete sich rasch. 1854 widmete beispielsweise die Leipziger »Illustrierte Zeitung« dem Baur au Lac einen ausführlichen Bericht und lobte überschwänglich: »Das Äußere verspricht viel, sehr viel. Wenn man aber das Innere betritt, die luxuriösen Salons und Schlafzimmer durchwandert, so findet man alle Erwartungen übertroffen«. Das Baur au Lac zog im 19. Jahrhundert viele adlige Gäste aus ganz Europa an. Österreichs Kaiserin Elisabeth (Sissi) verbrachte hier mit zwei Prinzen und einer Entourage von 60 Personen gleich einen ganzen Sommer. Die russische Zarin, später der deutsche Kaiser

Wilhelm II. und viele Fürsten, Grafen und Barone folgten. Daneben fanden sich zu allen Zeiten immer wieder berühmte Musiker als Gäste ein, von Richard Wagner, Franz Liszt, Arthur Rubinstein über Placido Domingo und Zubin Mehta bis zu Anne-Sophie Mutter, ebenso weltbekannte bildende Künstler wie Marc Chagall, Joan Miró, Henry Moore und viele andere. KONTINUITÄT WIRD GROSS GESCHRIEBEN Das Baur au Lac ist laut einem Gästeprospekt weltweit das älteste 5-SterneHotel, das noch im Besitz der Gründerfamilie steht. Mit Andrea Kracht an der Spitze führt die gleichnamige Familie das Traditionshaus nun bereits in der sechsten Generation (Karl Kracht hatte Ende des 19. Jahrhunderts eine Tochter des Baur-Sprosses geehelicht und mit ihr zusammen das Hotel übernommen – daher der Namenswechsel). Die Besitzerkontinuität spiegelt sich auch in der Entwicklung des Hotels selbst wider. Seit seinem Bestehen wurde es in regelmäßigen Abständen auf die jeweils aktuellen Bedürfnisse einer anspruchsvollen internationalen Kundschaft abgestimmt. In den vergangenen zwölf Jahren investierte die Familie Kracht nicht weniger als 150 Millionen

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INNEN

Franken – das sind knapp 100 Millionen Euro – in Erneuerungen, Umbauten und Erweiterungen. Im Sommer 2009 konnte die vorläufig letzte Etappe abgeschlossen worden. Gegenstand des umgerechnet 26 Millionen Euro teuren Projekts war die Erneuerung von 22 Juniorsuiten und Suiten, drei Bankettsalons, der Terrasse und des im Hotelpark gelegenen Restaurants »Pavillon«. Für Michel Rey, der seit über 25 Jahren Direktor des Hotels ist und dessen Vater bereits vor ihm über Jahrzehnte erfolgreich die Geschicke des Hauses gelenkt hatte, war dies bereits der vierte Umbau. HOTELARCHITEKTEN VON WELTRUF Der Pariser Stararchitekt Pierre-Yves Rochon gilt in der Luxushotellerie als Koryphäe. Seine Handschrift tragen unter anderem ausgewählte Hotels wie das Four Seasons Hotel George V in

Crema Marfil – hier als Badewannenabdeckung in einem der Luxusbäder

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Paris, das Four Seasons Hotel des Bergues in Genf, das Hotel Hermitage in Monte Carlo und einige der Toprestaurants von Jöel Robuchon. Beim Baur au Lac in Zürich zeichnete Rochon – stets in enger Zusammenarbeit mit der Familie Kracht und dem Direktorenehepaar Rey – verantwortlich für die Neugestaltung des im eigenen Hotelpark gelegenen Gourmetrestaurants »Pavillon« und der Terrasse. Die Terrasse, die einen fantastischen Blick auf den hoteleigenen Park, den Zürichsee und die dahinter liegenden Berge erlaubt, präsentiert sich seit dem Umbau in einem trendigen Design mit einer originellen Kombination von VintageDesign aus der Zeit der Wende zum 20. Jahrhundert und zeitgenössischem Design. Dominierend sind Grün, Weiß, Schwarz und Grau. Die Tische aus schwarzem Chrom und Glas sind eine Sonderanfertigung aus Italien. Passend dazu sind die bronzenen Dedon-Sofas mit mintfarbenen Auflagen. In den fünf Meter langen, in Italien angefertigten Bar-Tresen aus schwarzem Granit sind kleine Glasfenster integriert. Tische

und Sitzecken werden gesäumt von prachtvollen Buchsbäumchen und Rosmarinsträuchern. Nebst Pierre-Yves Rochon war der in Zürich lebende Designer Frédéric D’Haufayt maßgeblich am Umbau beteiligt. Er hat dem Salon, dem sogenannten Petit Palais, sowie den Zimmern ein völlig neues Gesicht verliehen. AUF DER SUCHE NACH DEM RICHTIGEN STEIN Aber nicht nur erstklassige Designer und Architekten waren bei der Erneuerung des Baur au Lac engagiert, auch für die Natursteinarbeiten wurde mit der Firma Franz Bamberger Naturstein GmbH aus Traiskirchen bei Wien ein Unternehmen beauftragt, das bei der Planung, Umsetzung und Ausführung von exklusiven Gestaltungen aus Marmor und Granit über langjährige und breite Erfahrung verfügt. Firmeninhaber Franz Bamberger gibt gern zu, die Annehmlichkeiten von Top-Hotels als Gast selbst sehr zu schätzen. Seine eigenen Hotelerfahrungen sind wohl mit ein Grund dafür, weshalb sein Unterneh-

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Großzügige Wandverkleidungen in aufgeklappter Form aus feinadrigem Marmor Bianco Statuario mit Umrahmungen aus Bardiglio, Bodenbelag aus dem gleichen Material. Freistehende Badewanne in Ovalform, Steinverkleidung in Ausführung mit durchgehender Aderung. Abdeckungen im Glasverbundverfahren Stein-Glas. Durch die Verwendung an exponierten Stellen wie Waschtisch- und Badewannenabedeckugen ermöglicht dies eine zeitlose Hochglanzoberfläche.

men schon wiederholt für Natursteinarbeiten in äußerst exklusiven Hotels in ganz Europa beauftragt wurde, beim Baur au Lac jetzt bereits zum zweiten Mal. Bei der Planung und der Auswahl der Steine kann sich Bamberger leicht in die Welt der Gäste versetzen; er kennt deren Ansprüche und weiß, welches Ambiente sie erwarten. Als Steinhändler und Steinmetzmeister kennt er aber auch Hunderte von Materialien und fast ebenso viele Steinbrüche in aller Welt. Wann immer möglich führt er seine Auftraggeber selbst in die Brüche und Steinwerke, um ihnen die Materialien vor Ort zu zeigen. Dies tat er auch mit Baur-au-Lac-Besitzer Andrea Kracht. Die Reise führte zunächst in abgelegene Gebiete der Türkei, wo die beiden allerdings feststellen mussten, dass der dort abgebaute Stein doch nicht ins Gestaltungskonzept der Renovierung des Zürcher Nobelhotels passte. Deshalb ging es gleich weiter, diesmal hoch hinauf in die Vogesen, immer auf der Suche nach dem Stein mit der speziellen, individuellen Maserung, die der Gestaltung des Hotels die besondere Note, das gewisse Etwas verleiht. Dazu Franz Bamberger: »Ich habe schon bei vielen Hotelbauten mitgewirkt, aber gemeinsam mit Herrn Kracht in verschie-

dene Gegenden zu reisen, um einen Stein auszusuchen, hat mir wieder vor Augen geführt, wie viel Engagement dazu gehört, ein Hotel von der Qualität eines Baur au Lac zu leiten.« EDLE MATERIALIEN 25 Luxusbäder wurden im Zuge der Renovierung mit hochwertigen Natursteinen ausgestattet. Der spanische Marmor Crema Marfil verleiht ihnen besonderen Glanz. Dieser hochwertige Stein fand Verwendung bei den Bodenbelägen mit Kippeffekt zu den Friesen, den Badewannenabdeckungen und den Wandplatten, die mit reichlich profilierten Friesen verziert sind. Einen Kontrapunkt setzen die massiven Duschtas-

sen aus Black Galaxy gemeinsam mit den Waschtischen aus demselben Material. In den Suiten unterstreichen raumhohe, kassettenartige und zum Teil gespiegelte Platten aus weißem portugiesischem Marmor die außergewöhnliche Eleganz. All dies lieferten die Mitarbeiter der Franz Bamberger Naturstein GmbH maßgeschneidert aus dem Werk in Traiskirchen an, für die Badewannen sowie für die Natursteinverlegung. Auch in den öffentlichen Bereichen des Hotels finden sich Natursteinverlegungen vom Feinsten, so im Pavillon, im Restaurant, im Salon und in den WC-Anlagen. Hier wurden als Materialen Bleu de France mit polierter Oberfläche, Bel-

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INNEN

Glasmarmor Statuario als Waschtisch kombiniert mit Intarsien und Friesen als Bodenbelag

Intarsienarbeit im Bereich eines SuitenEntrées; Materialien: Thassos, Crema Marfil, Noir St. Laurent

BAUHERR Kracht’s Erben, CH-Zürich GENERALPLANUNG Implenia Generalunternehmung AG, CH-Zürich ARCHITEKTEN Fischer Architekten AG, CH-Zürich DESIGN Pierre-Yves Rochon, FR-Paris; Fréderic d’Haufayt, CH-Zürich BAUHERRENVERTRETUNG MS Bautreuhand, Hegnau/CHZürich; Markus Salathé NATURSTEINARBEITEN Franz Bamberger Naturstein GmbH, Traiskirchen bei Wien VERWENDETE NATURSTEINE Bleu de France, Belgisch Granit, Virginia Mist (öffentlicher Bereich), Crema Marfil, Black Galaxy, Rosa Portogallo (in den Badezimmern der Suiten)

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gisch Granit mit geschliffener Oberfläche und Virginia Mist (USA) eingesetzt. Die Produktions-, Verlege- und Montagearbeiten inklusive Vorbereitung wie Planung und Materialienkauf nahmen rund neun Monate in Anspruch. Die Arbeiten auf der Baustelle erfolgten bei laufendem Hotelbetrieb unter der Leitung von Implenia, dem größten und bedeutendsten Generalunternehmen in der Schweiz. Dragan Milosevic, der für die Firma Bamberger die Natursteinarbeiten leitete, gegenüber STEIN TIME: »Dieser Auftrag war schon sehr speziell. Der Designer reizte die Möglichkeiten und das Know-how unserer Firma zu 100 Prozent aus – oder anders gesagt: Er ging mit uns ans Limit!« Die Zusammenarbeit mit den einzelnen Gewerken, so Milosevic weiter, hätte unter Berücksichtigung der schwierigen Umstände –

Bauen im Betrieb – hervorragend geklappt. Hier seien in jeder Hinsicht Vollprofis am Werk gewesen. Gleiches gelte im Übrigen auch für das Hotelreinigungspersonal, in dessen Obhut sich die Natursteinarbeiten im Baur au Lac nun befinden. Das Hotelpersonal habe bezüglich Reinigung, Pflege und Unterhalt große Erfahrung im Umgang mit diesen hochwertigen Materialien. Eine zusätzliche Schulung seitens des ausführenden Unternehmens habe sich in diesem Fall erübrigt. Und Franz Bamberger meint: »Die Hotelbesitzerfamilien und das Hotelmanagement haben wahrlich keine Kosten und Mühen gescheut, um den Gästen ein Höchstmaß an Luxus zur Verfügung zu stellen. Das Baur au Lac bleibt damit auch in Zukunft, was es schon immer war: ein Hotel der Sonderklasse.«

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STEINZEITREISE VON JÖRG STEPHAN

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ine Villa gilt als Ausdruck repräsentativer Wohnkultur und verfeinerter Lebensart, ist bei Wikipedia zu lesen. Das lässt Spielraum für Interpretationen. In Moskau wurde dieser Spielraum ausgereizt …

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RUSSLAND BOOMT, HEISST ES. Glitzernde Hochhäuser wachsen in den Himmel über Moskau und St. Petersburg, die fast schon legendären russischen Oligarchen horten Reichtümer, neben denen sich Dagobert Ducks Geldspeicher wie ein armseliges Sparschwein ausnimmt, die Top-Destinationen des internationalen Jetsets verzeichnen einen steigenden Anteil russischer Klientel und Nobelmarken wie Maybach, Prada oder D&G müssten ohne die Kunden aus Putins Reich spürbar geringere Umsätze ausweisen. Wenn Firmen wie Strabag, Hochtief, Magna oder Oerlikon Investoren suchen oder gar zum Verkauf stehen, ist mit Sicherheit einer der russischen Superreichen unter der Bieterschar zu finden. Russland ist vielleicht noch nicht ganz das neue El Dorado, scheint aber auf

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Architektur für Disneyland, Steinmetzarbeit fürs Lehrbuch: massive Aussenverkleidungen aus Juramarmor, Verkleidungen und Gesimse aus Donaulkalkstein

dem Weg dorthin ein gutes Stück vorangekommen zu sein. In nüchternen Zahlen liest sich das allerdings ein bisschen weniger grandios. Wohl hat sich das Pro-Kopf-Einkommen seit Beginn des Millenniums vervielfacht und beträgt nun immerhin rund 400 Euro monatlich, aber erst im Jahr 2007 gelang es der russischen Wirtschaft, ein Brutto-Inlandsprodukt zu erzielen, das – wenn auch nur knapp – über dem von 1989 lag. Umgerechnet auf die Bevölkerung betrug das BIP 2008 rund 16 000 Euro pro Kopf, zum Vergleich: In Österreich sind es knapp 40000 Euro, in Luxemburg schlappe 113 000 Euro. Nach oben gibt es also Spielraum. Wie viel Spielraum möglich ist, dokumentiert unter anderem ein ständig wachsender Gürtel von Villenvierteln, der in den Kiefernwäldern um

die russische Hauptstadt entstanden ist. Durchschnittsverdiener dürften hier allenfalls in den für das Hauspersonal errichteten Wohntrakten anzutreffen sein. Die Herrschaften aber zeigen, wie weit sie es gebracht haben. Wenn man denn so weit kommt, es ansehen zu können. Denn zwischen unsereinem und jenen dort liegt ein fünf Meter hoher Schutzzaun, ausgestattet mit allem, was die Sicherheitsindustrie an High-End-Produkten zu bieten hat, und sorgfältig gehütet von einer grimmig schauenden Wachmannschaft. Es ist zu bezweifeln, dass diese Herren bereit sind, die mitgeführten Kalaschnikows im Ernstfall ihrer Bestimmung gemäß einzusetzen, käme grobem Leichtsinn gleich. Wie in aller Welt bevorzugt auch die Moskauer Society die Villa als Wohn-

Römisch-Russisches Crossover: die Brunnenanlage im Park des Hauses

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ARCHITEKTUR

Steinkultur in Reinkultur: Treppe, Säulen und Bodenbelag aus Jerusalem Stone, Kaminsims aus Pietra Vicenza

form und angemessenen Ausdruck wirtschaftlichen Erfolges. Dass dieser Bautypus in seiner reinen und ursprünglichen Form, also als sommerlichlockere Alternative zum steif-zeremoniellen Stadtpalais, heute kaum mehr anzutreffen ist, wird ja von Architekturkritikern weltweit und mit sich häufig wiederholenden Stereotypen beklagt. Allein, was hilft es? Bauherren dieser Kategorie haben meist andere Prioritäten als stilistische Reinheit. So entstand ein neuer »Internationaler Stil«, den man vielleicht am ehesten als neogotisch-edwardianischen Spät-Rokkoko mit Elementen einer barockisierten mallorquinischen Finca bezeichnen könnte. Nichts für Puristen also. Doch vor Überheblichkeit sei gewarnt: So wie sich in Casting-Shows zahnlückige Handyverkäufer oder borstige Putzfrauen als engelsgleiche Stimmträger entpuppen, bieten auch die scheinbaren Geschmacksirrungen eines italienischrussischen Planungsteams im Detail manche – positive – Überraschung. Denn auch wenn man selbst kein

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Freund barocker Treppenhäuser oder antikisierender Kamineinfassungen sein mag, die handwerkliche Qualität dieses Bauwerks wird auch der größte Zweifler nicht bestreiten. Allein das Treppengesims aus Jerusalem Stone: naht- und makellos wie die massiven Säulen im zentralen Salon. Das Material wird im Bodenbelag weitergeführt und kontrastiert dann angenehm zu den Kaminverkleidungen aus Pietra Vicenza. Im Außenbereich fällt vor allem das grobe 15 cm starke, massiv gefügte Mauerwerk aus Juramarmor (Solnhofer Rembrandt) ins Auge, eingefasst von Gesimsen und Verkleidungen aus bulgarischem Donaukalk, der sich hier auch als Bodenbelag fortsetzt. Insgesamt gut 700 m2 Bodenfläche innen und außen, rund 500 m2 Fassade und 800 laufende Meter Gesimse und Verkleidungen wurden projektiert, geliefert und montiert. Das alles summierte sich zu einem Auftragsvolumen von knapp vier Miollionen Euro. Qualität hat eben ihren Preis. Wohl dem, der sie liefern kann.

MATERIALIEN Außenfassade: Bruchsteinmauerwerk (15 cm massiv): Solnhofer Rembrandt Verkleidungen und Gesimse: Donaukalk (Vratza, Bulgarien) Bodenbelag: Donaukalk (Vratza, Bulgarien) Innenausbau: Treppenbelag und Massivstützen: Jerusalem Stone, gelb Kaminverkleidungen: Pietra Vicenza Bodenbelag: Jerusalem Stone, gelb Natursteinlieferung und -arbeiten: Franz Bamberger Natursteinwerke, Traiskirchen

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ARCHITEKTUR

ZWISCHEN MEER UND FELSEN VON ARIANE SUCKFÜLL

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licantes neue Tramlinie durchquert eine spektakuläre Szenerie zwischen Meer und schroffen Felsen. Die Architekten Urzelai und de Miguel legten dafür eine Ebene an – flankiert von Promenaden und Plätzen –, die Infrastruktur und Felslandschaft harmonisch verschmelzen lässt.

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EINE HARMONISCHE EINHEIT von Infrastruktur und Felslandschaft haben die Architekten Eduardo de Miguel & José Maria Urzelai in der bergigen Küstenregion um die spanische Stadt Alicante geschaffen. Die Tramlinie 1 ist eingebettet zwischen das Meer auf der einen und die schroffen Felsen der Serra Grossa auf der anderen Seite. Die Architekten säumten ihren Weg mit modernen Promenaden, Mauern, Fußgängerwegen sowie Plätzen und bezogen die alte Infrastruktur dabei mit ein. Hinter den Überresten einer Raffinerie, der sogenannten La Británica, entstanden die ersten von Menschenhand errichteten Mauern in der Serra Grossa. Dieser strategisch günstig gelegene Ort am Fuße des Gebirgszuges war von seiner industriellen Vergangenheit deutlich geprägt. Er war die Basis für die Raffinerieanlage mit Stollen und Tanks im tiefen Inneren des Felsgesteins, zugänglich über einen

Die neue Tramlinie ist eingebettet zwischen das Meer auf der einen und die schroffen Felsen auf der anderen Seite.

bereits davor existierenden Steinbruch. Die neue Streckenführung der Tram hat dazu beigetragen, die Überreste der alten Industrielandschaft in einen neuen Kontext zu stellen und damit ein Stück Vergangenheit zu retten. EINE EBENE FÜR DIE TRAM Die Herausforderung bestand in der Konstruktion einer einfachen Ebene. Zwischen den Gleisen und dem von der Sonne gebrannten Gestein der natürlichen Felsen und alten Mauern legten die Architekten eine Promenade an. Bei den Fußgängerwegen planten sie Zugänge über die Schwelle unterhalb der Trambahn-Infrastruktur, wobei immer die Abstützung der bestehenden Mauern genutzt wird. Genau vor dem Steinbruch, also vor dem größten und ältesten Einschnitt, entstand der Hauptplatz mit einer Tram-Station. Auch der ehemalige Steinbruch ist fester Bestandteil des Konzeptes.

Die künstlichen Landschaftselemente sind der natürlichen Felslandschaft nachempfunden.

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ARCHITEKTUR

Bei Nacht taucht die indirekte Beleuchtung die Szenerie in ein warmes Licht.

Im leeren Raum, der durch den Abbruch einer Seite entstanden war, gestalteten die Architekten eine neue Umgebung. So sollen zum einen die Geräusche der Außenbezirke gedämpft und zum anderen der neu entstandene Platz geschlossen werden. Plattformen, Geländer, Bänke, Pinien, Rinnsteine, Türen und die Beleuchtung sind harmonisch aufeinander abgestimmt. Galvanisierter Stahl wurde als

Material für die funktionalen Elemente gewählt. Der Beton der Wände und der Bodenbeläge wurde ursprünglich belassen, grob zersägte Ebenen, die von Sonne und salzigem Wind weiter aufgeraut werden. Beton und Felsen haben dieselbe Farbe, die sie zu einer Einheit verschmelzen lässt. Auch die neu gestalteten Mauern sind aus dem Material der Umgebung: aus dem Kalkstein des alten Serra-Grossa-Steinbruchs. 

BAUHERR Regionalregierung Valencia ARCHITEKT/PLANVERFASSER: José María Urzelai y Eduardo de Miguel, ES-Valencia NATURSTEIN Kalkstein aus der Serra Grossa, Region Alicante


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PLÄTZE

EIN PLATZ MIT STRUKTUR VON BEATE ULLRICH

ei der Gestaltung des Ludwigplatzes in Rosenheim haben die Architekten und Stadtplaner von SEP Baur & Deby der Pflasterung besonderes Augenmerk geschenkt. Diese vereint Aufenthalts- und Fahrflächen und verstärkt somit die Platzwirkung.

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DIE STÄDTEBAULICHE SITUATION um den Ludwigsplatz und die Nikolauskirche liegt an der Schnittstelle zur spätmittelalterlichen Stadterweiterung Rosenheims. Ursprünglich verlief hier ein Wassergraben der Stadtbefestigung um die Altstadt. Bereits Ende des 15. Jahrhunderts war es jedoch notwendig geworden, zusätzliche Marktflächen und Stapelplätze für Waren, insbesondere für den Salzhandel, zu schaffen. Als sogenannter »Äußerer Markt« wurde damals der Ludwigsplatz als nach dem Max-Josefs-Platz wichtigster Stadtraum von Rosenheim angelegt.

Die Freifläche vor der Nicolauskirche ist durch Sitzmöbel gegliedert.

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GESTALTUNG Der Verlauf der ehemaligen Stadtbefestigung mit Graben wird bei der Neugestaltung durch den freigelegten Stadtbach markiert, der durch eine beglei-

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MATERIALIEN Schremser Granit, 9 x 11, 11 x 13, 13 x 15 und 15 x 17 cm, einheitlich 10 cm hoch in 4 cm Splitt verlegt; Fahrbahn: teilweise Granitgroßsteine im Platzbereich, bituminöser Belag im Fahrbahnbereich;

tende Baumreihe betont wird. Eine Terrassierung erweitert den freigelegten Bach und schafft auf diese Weise eine reizvolle Aufenthaltssituation. Passanten können den Bach erleben und an ihm verweilen. Eine in den Platz eingestellte Baumgruppe gliedert den Raum und verdeutlicht den ursprünglich winkelförmigen Ludwigsplatz. Der Ludwigsplatz beginnt heute an der Nikolauskirche und zieht sich über einen dem motorisierten Verkehr zugehörigen Abschnitt hin zum sogenannten »Grünen Markt«. An diesem Teil des Ludwigsplatzes bieten heute noch Bauern und Blumenhändler ihre Waren feil. Im Hinblick auf die historische Altstadtsituation erfolgte eine durchgehende Pflasterung des Stadtbodens, der durch Entwässerungsrinnen gegliedert wird. Der niveaugleiche Ausbau verstärkt die

Oben: Im Vordergrund ein »MIni-Kreisel«: LKWs können auf Grund der Bodengleichheit den Kreisel befahren. Rechts: Ein »Quelltopf«, der den Stadtbach speißt.

Der Luwigsplatz vom »Grünen Markt« aus gesehen: Die Pflasterung erstreckt sich über die gesamte Platzfläche.

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PLÄTZE

bitte das Grün links oben entfernen

Platzwirkung. Dieses Gestaltungsprinzip gilt auch für die angrenzenden Straßen und Gassen, wobei für die Fahrbahnen entsprechende Materialien gewählt wurden. NUTZUNG Die Platzflächen sind vielfältig nutzbar. Der bereits bestehende »Grüne Markt« kann sich entsprechend dem Bedarf über den gesamten Ludwigsplatz erstrecken und durch Dauerstände ergänzt werden. Zwischen Mittertor und Nikolauskirche erstreckt sich eine Multifunktionsfläche. In den Aufenthaltsbereichen sind Bänke, Infosäulen, Fahrradständer sowie große Freiflächen der Gastronomie untergebracht. Für Feste und Veranstaltungen können auch Parkplätze als Mehrzweckflächen miteinbezogen werden.

Die Terrassen gliedern den Platz und laden Sommer wie Winter zum Verweilen ein.

VERKEHR Im gesamten Bereich des Ludwigsplatzes ist der Fußgänger soweit wie möglich privilegiert. Die Fahrflächen für den motorisierten Verkehr werden im erforderlichen Umfang als verkehrsberuhigter Bereich mit Tempo 20 ausgewiesen. Die angrenzenden Flächen sind Fußgänger- bzw. verkehrsberuhigte Bereiche. Die Einmündung von Königstraße und Innstraße in den Ludwigsplatz erfolgt über einen Kreisverkehrsplatz (»Minikreisel«) mit 16 Metern Durchmesser, der alle Verkehrsbeziehungen auch für den Schwerverkehr zulässt und gleichzeitig als verkehrsberuhigende Maßnahme wirkt. Der Schwerverkehr kann zum Abbiegen die Mittelinsel überfahren. Mit dem leistungsfähigen »Minikreisel« kann auf eine Lichtsignalanlage sowie auf die Beschilderung verzichtet werden. Dieser Kreisel liegt zum Teil auf dem verdeckten Mühlbach, der im angrenzenden Gehbereich geöffnet und damit bewusst in das Stadtbild eingefügt wurde.

Eine vorgespannte Granitbrücke verläuft über den frei gelegten Stadtbach.

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Unterschiedliche Pflasterformate aus Schremser Granit geben dem Bodenbelag Lebendigkeit und Struktur.

NATURSTEINARBEITEN Die Brücke, die an dieser den Mühlbach überspannenden Stelle eingebaut ist, besteht aus einer erstmalig angewandten Konstruktion. Diese besteht aus einer nur 25 Zentimeter dünnen Granitplatte mit vorgespannten Stahllitzen, die über 8,8 Meter Spannweite frei trägt. Die Fahrbahn am Ludwigsplatz ist mit Granitgroßsteinen gepflastert. Wenig Fugenanteil und eine diagonale Verlegung gewährleisten geringe Rollgeräusche. In den übrigen Straßenabschnitten erfolgte ein bituminöser Ausbau. Für die Pflasterung der Seitenbereiche wurden Schremser Granitsteine in unterschiedlichen Größen, 9 x 11, 11 x 13, 13 x 15 und 15 x 17 Zenti-

Lageplan o.M.: Eine Gruppe von vier Bäumen gliedert den Raum und verdeutlicht die ursprüngliche Winkelform des Ludwigsplatzes.

meter, einheitlich zehn Zentimeter hoch, in vier Zentimeter Splitt verlegt. Die Verfugung des Pflasters erfolgte in Splitt, das obere Drittel in Sand, um eine feste aber wasserdurchlässige Fuge zu erreichen. Als Belagsmaterial wurde Schremser Granit verwendet – ein feinkristalliner, glatt spaltender Stein, der eine exakte Verlegung, schmale Fugen und damit eine gute Begehbarkeit gewährleistet. Vor den Gebäuden wurden Granitplatten, deren Oberfläche gesägt und gestrahlt wurde, 40 Zentimeter in freien Längen, zehn Zentimeter hoch, in Splitt verlegt. In den Arkaden und an der Nikolauskirche sind gebrauchte großformatige Granitplatten verlegt.

BAUHERR Stadt Rosenheim ARCHITEKTEN SEP Baur & Deby, D-München NATURSTEINARBEITEN Karl Pritzl Pflasterarbeiten, D-Zwiesel NATURSTEINALIEFERANT Schärdinger Granitindustrie AG, 3943 Schrems BRÜCKE Kusser Aicha Granitwerke D-Aicha vorm Wald


PLÄTZE

BÜHNE IN DER STADT VON RICHARD WATZKE

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er Hauptplatz ist das Zentrum der Fußgängerzone der Stadt Baden. Bei der Neugestaltung wurde er bewusst als zeitlose Bühne für das städtische Leben gestaltet.

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BAUHERR Stadtgemeinde Baden ARCHITEKT Lindner Architektur ZT GmbH, 2500 Baden NATURSTEINLIEFERANT Poschacher Natursteinwerke, 4222 St. Georgen

DAS ERSCHEINUNGSBILD BADENS wird durch den Hauptplatz geprägt. Die Gestaltung in Dreiecksform geht auf das Jahr 1000 zurück; die größte Veränderung erlebte der Platz 1812 durch einen Stadtbrand, nach dem alle Häuser auf der Rathausseite neu aufgebaut werden mussten. Einen großen Schritt zur Erhöhung der Lebensqualität in der Stadt setzte Baden 1972, als es die Autos aus dem Stadtinneren verbannte und damit die erste Fußgängerzone Österreichs schuf. Nach 26 Jahren Nutzung und kleineren Adaptierungen erfolgte in den letzten Jahren die vollständige Neugestaltung des Platzes. Auf Wunsch der Stadtverwaltung ersetzte man dabei rund 4 000 Quadratmeter Betonsteine durch Herschenberger Granitpflaster, das neben der Langlebigkeit vor allem auch ein

MATERIAL 3 100 m2 Bodenplatten aus Herschenberger Granit, allseits sandgestrahlt, 36 x 24 x 8 cm, 1 200 m2 Bahnen, 10 cm stark, sowie 125 m2 Rigolplatten mit Schlitz, 10 x 1,5 cm

Pendant zur historischen Häuserumgebung bildet. Zuvor wurden der Unterbau sowie alle Leitungen für Strom, Kommunikation und Wasser erneuert. Da der Hauptplatz kein historisch angelegter Platz, sondern lediglich eine Straßenkreuzung vor dem Rathaus in der Stadtmitte war, galt es, den Raumeindruck zu vergrößern, indem bei der Restaurierung der barocken Pestsäule Poller, Absperrkette sowie die alten Kandelaber entfernt wurden. Stattdessen belebt ein Wasserspiel mit sechs in den Boden eingelassenen Düsen die Zone um die Säule herum. Die neue Weite des Platzes als Stadtraum wird zudem durch die ruhige und zurückhaltende Pflasterung betont. 

Die 1718 vollendete, fast 20 m hohe Dreifaltigkeitssäule von Giovanni Stanetti markiert das Zentrum des Platzes.

Die geschlitzten Rigolplatten setzen eine Zäsur in der Pflasterung und überdecken die Versorgungsleitungen bei temporären Nutzungen.

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GRANIT IM SOFTWAREPARK

egionaler Granit spielt die tragende Rolle bei der Gestaltung der Außenanlagen eines Softwareunternehmens in Hagenberg im Mühlkreis.

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VON RICHARD WATZKE

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BAUHERR amsec, 4232 Hagenberg im Mühlkreis LANDSCHAFTSARCHITEKT Markus Kumpfmüller, 4400 Steyr NATURSTEINLIEFERANT Poschacher Natursteinwerke, 4222 St. Georgen Dem harten, dauerhaften Granit wurden weiche, warme und bunte »Antagonisten« zugesellt: unbehandeltes Eichen-, Robinien- und Lärchenholz sowie vielfältige Mischpflanzungen und Ansaaten aus heimischen Wildpflanzen

Sitzbänke aus gesägten und sandgestrahlten Granitquadern mit dazwischengehängten Holzrosten aus Eichenbohlen.

MATERIAL Trittplatten, Blockstufen, Brückenplatten und Sitzblöcke aus gesägtem und sandgestrahltem Herschenberger Granit.

DAS BÜROGEBÄUDE AMSEC wurde von der TISP Aufschließungs- und Betreibergesellschaft mbH im Softwarepark Hagenberg für 250–300 Mitarbeiter errichtet. Als Entwicklungs-Prototyp für Gebäudeautomation beherbergt es neben Öko-Serverhousing ein Veranstaltungszentrum. Darüber hinaus ist amsec ein Musterobjekt zum Testen von Wohlbefinden, Energieund Gesamtkosteneffizienz, bei dem Heizung, Kühlung und Lüftung von einer zentralen Gebäudeautomation überwacht und geregelt werden; 2007 wurde das Gebäude mit dem »Energie Star« des Landes Oberösterreich ausgezeichnet. Die Außenanlagen wurden nach den Prinzipien des Förderprogramms »Natur in Betrieb« des Landes Oberösterreich angelegt. Auf Wunsch des Firmeninhabers Walter Sticht verwendete das zuständige Büro für Landschaftsplanung als bevorzugten Baustoff Granit, der bei den Aushubarbeiten in großen Mengen und mit großem Aufwand zutage gefördert worden war. Für die Gestaltung wurden neben den Bruchsteinen und Findlingen aus dem Aushub auch wiederverwertbare Platten aus dem Linzer Bahnhof sowie neu gefertigte Trittplatten, Stufen und Granitquader aus Herschenberger Granit verwendet. Akzente setzen die bogenförmig bearbeiteten Monolithe, die einen künstlich angelegten Bachlauf überbrücken.  53


IM GARTEN

TREPP AUF, TREPP AB VON DANIEL BÖSWIRTH

aturstein ist wegen seiner Dauerhaftigkeit und Schönheit das am meisten verwendete Material für den Bau von Treppen. Es gibt viele interessante Möglichkeiten und Spielarten, mit dem Rohstoff Stein Treppen zu gestalten. Bevor über bautechnische Details getüftelt wird, sollte man sich einen Überblick über alle in Frage kommenden Varianten verschaffen. Nicht zuletzt entscheidet die fantasievolle Einbindung der Treppe in den Garten, ob ein Projekt als gelungen angesehen werden kann oder nicht.

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Durch ihre Stabilität und fixe Höhe können Blockstufen rasch verlegt werden.

STEIL BERGAUF ODER GESCHWUNGEN um den Hang, mit oder ohne Podest, unter dem Laubengang verborgen oder zwischen Steinmauern als Durchgang eingeplant: Treppen schaffen die für Hanggärten so charakteristische Stimmung. Die Kunst beim Bau einer Treppe liegt in der Ablenkung und Abwechslung. Berühmte Gartenanlagen wie die Cortile del Belvedere in Rom oder das Schloss Sanssouci sind gute Beispiele dafür, wie eindrucksvoll Terrassen mit Treppenläufen verbunden werden können. Seit der Renaissance suchten Architekten und Gartenplaner nach Lösungen, steile Hänge zu gestalten, eine Aufgabe, bei der auch in Privatgärten witterungsbeständige Granite und andere Hartgesteine aus österreichischen Steinbrüchen zunehmend eine wichtige Rolle spielen.

VERSCHIEDENE BAUWEISEN Blockstufen lassen sich besonders einfach und rationell verlegen und eignen sich wegen ihrer einheitlichen Form ausgezeichnet für gerade, formale Treppenanlagen. Zu bedenken ist allerdings, dass eine Granitstufe mit einer Länge von 100 cm, einer Höhe von 15 cm und einer Breite von 35 cm bereits etwa 150 kg wiegt. Auch wirken sie viel massiver und wuchtiger als z.B. Setzstufen mit Stufenplatten. Im Unterschied zu anderen Bauvarianten können Blockstufen auch labil, das heißt direkt auf das gefestigte Erdreich mit Sand als Füllmaterial, verlegt werden.

Die etwas nach vorn versetzte rechte Mauer und der leichte Schwung der Treppe machen neugierig und wirken wie eine Einladung für den Gartenbesucher.

GEPFLASTERTE TREPPEN Mit Stellstufen, beispielsweise aus Granitbegrenzungselementen und Klein-

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IM GARTEN

Beim Stiegensteigen sollte man nicht die Stufen zählen, sondern, abgelenkt durch die vielen unterschiedlichen Blickwinkel in den Garten, leichtfüßig hinaufspazieren.

pflastersteinen, können durch die kleingliedrige Struktur elegant gewendelte Treppen gebaut werden. Dabei werden Kantensteine auf eine frostsichere und tragfähige Unterkonstruktion in ein Mörtelbett gesetzt. Durch die Verwendung eines andersfarbigen Materials wie heller Granit in Kombination mit rotem Klinker, können die Stufenkanten besonders hervorgehoben werden, was der Sicherheit sehschwacher Personen zuträglich ist. Tritt- oder Setzstufen mit Stoß- und Auftrittselement (meist Natursteinplatten) dürfen nur auf einen tragund frostfesten, bewehrten Betonuntergrund ins Mörtelbett verlegt werden. VERSETZEN DER EINZELNEN STUFEN Bei seitlich versetzten Stufen besteht die Möglichkeit, Treppen an der Basis breiter zu pflastern und nach oben zu

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etwas schmäler zu gestalten. Gerade dort, wo Treppen besonders »natürlich« in Hänge eingebunden werden sollen, bietet sich durch das Versetzen der Stufen nach links und rechts genügend Platz, niedere Stauden oder Sträucher an den Rändern als Begleiter zu pflanzen. Schnell breiten sich Farne, Buschklee oder Gräser aus und überdecken kahle Stellen. Die Treppe verliert durch das Verschwimmen der Randschärfe ihre strenge Form und fügt sich besser in die natürliche Umgebung ein. So wird nicht nur die Geradlinigkeit in einfacher Weise aufgelockert, sondern die gesamte Treppe rasch in das Gelände eingebunden. Auch leichte Richtungsänderungen können so elegant vorgenommen werden. SCHREITEN UND STEIGEN Interessante Möglichkeiten ergeben sich durch eine Kombination von Weg und Treppe. Über steilere Anstiege führen Stufen, die flacheren meistert ein Weg. Für Hanggärten, die terrassenartig angelegt sind, ist das sicherlich die

Auch Trockenmauersteine können zum Treppenbau herangezogen werden. Um die einheitliche Stufenhöhe zu erreichen, muss mit Ausgleichsfugen und flachen Platten (Ausgleichsplatten) gearbeitet werden.

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Treppe und Mauer aus dem selben Material bilden eine Einheit. Auf der Suche nach ökologischen Baustoffen im Garten werden vermehrt Granite aus dem Wald- und Mühlviertel eingesetzt.

schönste Variante. Die größeren, langgezogenen Auftrittsflächen von Schlepptreppen (Treppen mit großer Auftrittsfläche) erinnern mehr an einen Weg als an eine Treppe und sehen dadurch pfiffiger und ungezwungener aus. STEIN, ABER WELCHER? Grob behauene Granitblöcke und Findlinge haben zwar keine ideale Beschaffenheit, denn ihre raue und unregelmäßige Oberfläche bringt ein unsicheres Gehgefühl mit sich, sie passen aber aufgrund ihres natürlichen Charmes wunderbar in einen Naturgarten. Granit lässt sich aber auch sehr gut bearbeiten. Gesägt in genormte Blockstufen und sandgestrahlt eignet er sich ideal für formale Gärten. Für Naturgärten wirkt die strenge Form der gesägten Blockstufen zu formal. Hier sind die

gespaltenen Blöcke eine gute Alternative. Sie fügen sich durch ihre raue Oberfläche und interessanten Farbschattierungen besser in die Umgebung ein. Durch das Spalten variiert auch die Form der Steinblöcke. Sie bringen durch ihre unterschiedliche und lebhafte Struktur Abwechslung in das Stufenbild. Für gemauerte Stufen aus Natursteinplatten eignen sich Sandstein, Granit und Porphyr gleichermaßen. Gepflasterte Stufen bieten eine gute Möglichkeit, mit unterschiedlichen Materialien zu arbeiten. Hier kann man auch auf Materialien zurückgreifen, die es nur in kleineren Pflasterformaten gibt. Diabas, Basalt, Diorit, Südtiroler Porphyr, Kalkstein, Grauwacke, Sandstein oder Granulit sind eine kleine Auswahl aus schier unendlichen Möglichkeiten. EINE PLATTFORM ZUM VERWEILEN Podeste sind ein überaus reizvolles Mittel, Gärten zu präsentieren. Deswegen sollte man sie nicht nur als Aufstiegshilfen ansehen, sondern auch bewusst

in die Gestaltung mit einbeziehen. Ermüdend und langweilig ist der Anblick, wenn sich von der ersten Stufe an ein gleichförmiger Anstieg ergibt. Eine durch ein Podest unterbrochene Treppe schafft aber nicht nur Platz. Der Blick von oben in den darunter liegenden Garten eröffnet neue, interessante Perspektiven. Mit Podesten können Treppen besser in das Gelände eingefügt oder Richtungsänderungen bequem vorgenommen werden. Das Schrittmaß muss natürlich auch bei der Ermittlung der Podestlänge eingehalten werden. Folgen mehrere Treppen mit Zwischenpodesten hintereinander, so ist darauf zu achten, dass jede Treppe mit einem anderen Bein angetreten wird (Schrittwechsel). Eine Erweiterung des obersten letzten Podestes zu einem kleinen Sitzplatz, auf dem man es sich richtig gemütlich einrichten kann, ist die Krönung einer gelungenen Treppenanlage. Der angebliche Nachteil eines Hanggartens wird zu seinem Vorteil: ein Sitzplatz mit Weitblick.

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VÖN INTERN

60 Jahre Rada Naturstein

Ein heimischer Betrieb setzt auf CAD dabei auf die elektronisch gestützte Arbeitsplanung und Fer tigung: Bei Rada wurde die erste CAD-Anwendung zur Natursteinverarbeitung im deutschsprachigen Raum eingeführ t. Der Neubau der Ersten Allgemeinen Versicherung am Wiener Bauernmarkt war der erste vollständig mit CAD gezeichnete Bau. Einen weiteren Höhepunkt markier te 1990 das HaasHaus, dessen Fassade mit rundem Grundriss und diagonaler Fugenteilung nur unter Anwendung von CAD und CNC-Fer tigung möglich war. Inzwischen bilden der gehobene Privat- und Brunnen aus Donaukalkstein, zum 60-jährigen Jubiläum Geschäftsbau sowie die gestiftet für die Landesausstellung 2013 Renovierung den Unternehmensschwerpunkt. Rada ist eines von fünf Unternehmen, Gebiet Kunststein und dem Treppendas für Steinmetzarbeiten am bau mit durch eigene Patente Stephansdom zugelassen ist. Rudolf geschützten freitragenden TreppensysBur yan sieht zwei Gründe für den temen tätig. Diese Entwicklung fand Unternehmenser folg: die hohe ihren Höhepunkt in der Ausführung Bekanntheit als Problemlöser bei der gesamten Kunststeinarbeiten und technisch anspruchsvollen Projekten Teilen der Natursteinarbeiten in der sowie eine Belegschaft von 33 MitUNO City in Wien. arbeitern, die einschließlich der Mit der Übernahme der GeschäftsleiMeister fast ausschließlich im Untertung durch Rudolf und Elfriede Bur yan nehmen ausgebildet wurden. begann 1980 eine neue Entwicklung Damit ist das Unternehmen auch bei Rada. Der Kunststeinbereich international tätig, in München, aber wurde aufgegeben und der Betrieb auf auch in Prag, Budapest, Israel, Bulgadie reine Natursteinverarbeitung rien und sogar in der Mongolei. umgestellt. Von Anfang an setzte man Die Rada Naturstein Ges.m.b.H. feier te 2009 ihr sechzigstes Firmenjubiläum. Das 1949 von Oswald Rada in Poysdor f gegründete Steinmetzunternehmen war ursprünglich auf dem

ÖSTERREICH Redaktion Streitfeldstraße 35, D - 81673 München Postfach 80 04 09, D - 81604 München Fon +49 89 / 43 60 05-194, Fax +49 89 / 43 60 05-113 E-Mail: redaktion@s-stein.com Internet: www.s-stein.com Chefredaktion: Willy Hafner (verantw. für den redaktionellen Inhalt, Anschrift: Scheyerner Weg 1, D-80638 München), Fon +49 89 / 17 80 96 58 Redaktion: Beate Ullrich Fon +49 89 / 43 60 05-186 Ariane Suckfüll, Fon +49 89 / 43 60 05-124 Gabriele Waldmann (Geschäftsführende Redakteurin), Fon +49 89 / 43 60 05-194 Richard Watzke, Fon +49 86 54/67 02 03 Ständige Mitarbeiter: Jörg Stephan, München; Anette Ritter-Höll, München Gestaltung: AllegriaDesign, Oppermann, München

Abonnementservice Zu beziehen bei: Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke Scharitzerstraße 5/II, A-4020 Linz Fon +43 7 32/65 60 48 und +43 76 12/8 73 36 Fax +43 76 12/8 94 33 Erscheinungsweise: 2 x jährlich

Verlag Verlag Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG Streitfeldstraße 35, D - 81673 München Postfach 80 04 09, D - 81604 München Fon +49 89 / 43 60 05-0 Fax +49 89 / 43 60 05-113 Internet: www.callwey.de Persönlich haftende Gesellschafterin: Georg D.W. Callwey Verwaltungs-GmbH Alleiniger Gesellschafter: Helmuth Baur-Callwey, Verleger in München Kommanditisten: Helmuth Baur-Callwey und Dr. Veronika Baur-Callwey, Verleger in München; Dr. Marcella Prior-Callwey, Redakteurin in München; Dominik Baur-Callwey, Projektmanager in München Geschäftsführer: Lutz Bandte, Fon -155 Herstellungsleitung: Alexander Stix, Fon -167, Fax -164 Druck, Bindung: Kessler Druck + Medien, Michael-Schäffer-Straße 1, D - 86399 Bobingen Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlages. Erfüllungsort und Gerichtsstand: München

F r die Zukunft gestalten.

Fotonachweis:

Die technisch aufwendige Natursteinfassade des Haas-Hauses wurde 1990 komplett mit CAD/CAM realisiert.

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Wolf-Dieter Gericke, D-Waiblingen, Titel, S. 10–15, S. 22– 23, S. 24–25 ; Richard Watzke, D-Freilassing, S. 6–9; Sigrid Schütze-Rodemann, D-Köln, S. 16–19; Rada Naturstein, Poysdorf, S. 26–30, S. 58; Natursteinwerke Franz Bamberger, Traiskirchen, S. 32–37, S. 38–41; Baur au Lac, CH-Zürich, S. 32–37; Duccio Malagamba, ES-Barcelona, S. 42–45; Miguel & Urzelai, ES-Valencia, S. 42–45; Beate Ullrich, D-München, S. 46–49; SEP Baur & Deby, D-München, S. 46–49; Poschacher Natursteinwerk, St. Georg a. d. G., S. 50–51, S. 52–53; Daniel Böswirth, Wien, S. 54–57;

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www.allegriadesign.de

www. P R O N AT U RS T E I N .at

Anz. VÖN U4 -folge 4 2009

27.10.2009

17:00 Uhr

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STEIN IST ANDERS

NATUSTEIN IST DRIN! ENTDECKEN SIE DIE STEINE IM NETZ.

Sie sehen es. Sie erleben es. Sie haben den Durchblick! Naturstein ist drin . Mit Stein bauen heißt, anders bauen. Blaue Steine, grüne Steine, rote Steine – die Farbpalette reicht von Schwarz bis Weiß. Bruchrau, gesägt, geschliffen oder poliert – Naturstein steht in einer Vielzahl von Oberflächenbearbeitungen zur Verfügung. Erleben Sie die Vielfalt der Steine. Steine sind Unikate – im Netz finden Sie alle!

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Steintime Österreich 2 2009  

Steintime Österreich, Architekturzeitschrift zum Gestalten und Bauen mit Naturstein.

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