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STEIN TIME 1 | 2011

Architektur + Naturstein Ö STERREI C H Anja Fischer und Ernst Beneder I Spurensuche in Vorarlberg Vladimir Djurovic I Am liebsten Steine in massiven Stücken

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Editorial

Architektur verorten

Die Architektin Anja Fischer hat es vorgemacht: Mit der gemeinsam mit ihrem Partner Ernst Beneder konzipier­ ten und realisierten Pfarrkirche in Lingenau zeigen die Archi­ tekten eindrucksvoll, wie ortsbezogen Baustoffe dazu beitragen können, zeitgenössischer Architektur auch und gerade im länd­ lichen Raum zu mehr Akzeptanz zu verhelfen. Verorten heißt heute nicht mehr gleich »Lederhosen-Architektur«. In Österreich entstehen auch auf dem Land immer öfter Häuser mit klaren Linien und schnörkellosen Fassaden. Schlichte Kunst­ werke aus Stein, Holz und Stahl. Wobei der Stein oftmals unbe­ handelt bleibt, oft rau an der Oberfläche und authentisch, Sonne, Wind und Wetter ausgesetzt. Stilistisch verbindet diese Architektur und Handwerkskunst Tradition und Moderne, Schlichtheit, ökonomische Funktionalität und ökologische ­Nachhaltigkeit. Jede Architektur ist ortsgebunden. Architektur ohne Auseinander­ setzung mit den Bedingungen des Ortes gibt es nicht. Orte haben unterschiedliche Bedingungen: Topografie, Klima, Land­ schaft, Nachbarschaft, Geschichte, also jeweils einen ganz ­speziellen Genius loci. Architektur muss sich in diesen vorge­ fundenen Kontext einfügen, sich aus den Bedingungen des Ortes heraus entwickeln; sie muss in Dialog mit ihrer Umgebung treten. Jeder Baustoff hat einen individuellen Charakter und ver­ langt nach materialgerechter Verarbeitung. Stein ist Metapher für Beständigkeit. Mir ist wichtig, dass diese Phänomene in die zeit­ genössische Architektur mit Stein einfließen: Mit Stein bauen heißt Häuser bauen, die mit Würde altern können. Stein gewinnt durch Patina noch zusätzliche Ästhetik. Anderes wirkt nach ­wenigen Jahren nur noch schäbig. Langlebige und schöne Gebäude verlangen nach sorgfältiger Materialauswahl.

Dr. Anton Helbich-Poschacher Vorsitzender der Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke

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Inhalt

8 Für die Umgestaltung der Pfarrkirche in Lingenau begaben sich Anja Fischer und Ernst Beneder auf ­Spurensuche in ganz Vorarlberg. Das Ergebnis sind viele traditionelle Steine und ein Projekt mit Vorbild­ charakter.

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Bei der Renovierung und Neugestaltung der römisch-katholischen Pfarrkirche zum Heiligen Johannes dem Täufer in ­Lingenau spielt der Natursteinboden eine zentrale Rolle. Aber auch für liturgische Objekte wurde Naturstein verwendet. Die Archi­ tekten legten Wert auf den Einsatz der »Steine vom Ort«.

Glas, Holz und vor allem Naturstein, dazu eine klare Architektursprache und fertig ist der Sie­ ger des Deutschen Naturstein-Preises 2011. Für seinen Entwurf der Bibliothek des Jacobund-Wilhelm-Grimm-Zentrums in Berlin wurde der Architekt Max Dudler unlängst vom ­Deutschen Naturstein-Verband und dem Bund ­Deutscher Architekten ausgezeichnet.

50 Ob in Japan, China oder Korea: Stein hat in der asiatischen Gartengestal­ tung einen sehr hohen Stellenwert. Kein anderes Material wird so intensiv, universell und fantasiereich ein­ gesetzt. Durch die Jahrhunderte alte Tradition hat sich eine unglaublich ­vielseitige Kultur der Steinverwendung entwickelt, die auch für die moderne Gartengestaltung inspirierend ist.

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Trends

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Die aktuellen Seiten von STEIN TIME

geschichte

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Auf der Spur der Steine in Vorarlberg

Architektur

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Ernst Beneder, Anja Fischer: Kirche aus Stein in Lingenau

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Max Dudler: Bibliothek aus Stein in Berlin

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mattes · sekiguchi partner: Shoppen in Heilbronn

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Josef Panis mit Ernst Maurer: Baden in Stein

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Her wig Kroat, Wallmann Architekten: Komposition in Stein

Innen

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Der »Ich-Raum«: Paradigmenwechsel im Bad

Plätze

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Vladimir Djurovic: Am liebsten Steine in massiven Stücken

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Rathausplatz in Gerlingen: Stein verbindet

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Marktplatz in Mondsee: Teppich aus Stein

Gärten

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Daniel Böswirth: Steine im Asia-Garten

STANDARDS

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VÖN intern Impressum Fotonachweis

Redaktion Willy Hafner, Katharina Baus, Ariane Suckfüll, Richard Watzke; ­Streitfeldstraße 35 · D ­ -81673 München Tel. +49 89/43 60 05-124 Fax +49 89/43 60 05-113 www.s-stein.com Verlag Callwey Verlag Streitfeldstraße 35 · D ­ -81673 München Tel. +49 89/43 60 05-0 Fax +49 89/43 60 05-113 www.callwey.de Herausgeber Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke Scharitzerstraße 5 · A-4020 Linz

Für die Zukunft gestalten.

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Trends

Stone+tec 2011

Naturstein-Preis für Max Dudler Willy hafner Der Architekt Max Dudler erhält für den Neubau des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums der Humboldt-Universität zu Berlin den Deutschen Naturstein-Preis 2011. Der Deutsche Naturwerkstein-Verband vergibt den Preis alle zwei Jahre in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) anlässlich der internationalen Fachmesse Stone+tec in Nürnberg. Der Deutsche Naturstein-Preis stellt Naturstein als einen Baustoff in den Vordergrund, der hinsichtlich der Rücksichtnahme auf Umwelt, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz vorbildlich ist. Der mit insgesamt 30000 Euro dotierte Architekturpreis wurde 2011 erstmals europa-

weit ausgeschrieben und erhielt den Untertitel »European Architecture+Stone«. Die Jury unter Vorsitz von BDA-Präsident Michael Frielinghaus zeichnet Baukonzepte in Europa aus, die beispielhaft für eine hohe architektonische Qualität, eine technisch-innovative Anwendung und eine wirtschaftliche Konstruktion aus Naturstein stehen. Prämiert wurde die vorbildliche Gestaltung und technisch zeitgemäße Konstruktion von Projekten in Europa unter maßgeblicher Verwendung von Naturstein aus Europa, ausgeführt von Naturstein-Fachbetrieben.

Rekordbeteiligung Aus den fast 90 eingereichten Projekten, davon 20 aus dem europäischen Ausland, wählte die Jury zwölf herausragende Baukonzepte aus, die beispielhaft für eine hohe architektonische Qualität, eine energetische Optimierung und eine wirtschaftliche Konstruktion stehen. Gewürdigt wurden her­ ausragende Planungsleis­tun­ gen, die ästhetisch an­spruchs­ volle, innovative und ökologische Lösungen aufweisen.

Hohe Qualität des Preises

OpernTurm in Frankfurt von Christop Mäckler

»Der von Max Dudler geplante Neubau der Jakob-und-WilhelmGrimm-Bibliothek in Berlin besticht«, so die Begründung der Jury, »zunächst durch seine körperliche Präsenz im Stadtraum.« Die enorme Kubatur des Gebäudes werde wohl-

Deutscher Naturstein-Preis 2011: Wilhelm-Grimm-Bibliothek in Berlin

tuend strukturiert, geschichtet und gegliedert: Der Bau mit seiner Wucht und Feingliedrigkeit gleichzeitig werde nicht zuletzt durch die differenzierte Fassade aus Naturstein ver­ edelt, heißt es weiter. Die Fassadenstützen des Baus sind aus gelblich gebändertem Jurakalkstein gefertigt, der im Farbton mit den Gebäuden des zentralen Bereiches von Berlin korrespondiert. Das an den Steinoberflächen verwendete Hochdruck-Wasserstrahlverfahren hebt die natürliche ­Steinstruktur hervor.

Besondere Anerkennungen Mit Besonderen Anerkennungen zeichnete die Jury die Architekten Thomas Müller Ivan Reimann Architekten, Berlin für das Fakultätsgebäude für Recht und Wirtschaft,

Frankfurt am Main, Pablo Horvárth, CH-Chur, für das Mehrfamilienhaus Hans-Jürg Buff, CH-St. Moritz, Christoph Mäckler Architekten, Frankfurt/Main für den OpernTurm, Frankfurt/ Main, Beniamino Servino für ein Zweifamilienhaus in I-Pozzovetere, Caserta und Hans Kollhoff Architekten, Berlin, für das Gebäude Dominium, Köln aus.

Preisverleihung Die Verleihung des Deutschen Naturstein-Preises 2011 findet am Mittwochvormittag, 22. Juni 2011, im Rahmen des 10. Baumeister Architekturquartetts im Messezentrum Nürnberg statt. Die Veranstaltung gehört zu den Höhepunkten im Rahmenprogramm der 17. Fachmessse Stone+tec 2011 in Nürnberg.


Peter-Parler-Preis 2011 Vorzeile

Hohe Qualität der Einreichungen Headline willy Hafner autor Was das Steinmetzhandwerk für die Erhaltung von Kulturgut leistet, zeigen die Ergebnisse des Wettbewerbs um den

Steinmetzwerkstatt Schnell hat in beispielhafter Weise die Barockskulpturen Herkules und Simson in Karlsruhe gesichert,

Balkon Schaezlerpalais

Kopie des Herkules

Peter-Parler-Preis 2011. Erster Sieger sind Eduard Schnell aus Fridingen und Gerhard Roth aus Augsburg. Ausgezeichnet werden besondere Leistungen des Steinmetzhandwerks im Bereich der Restaurierung und Denkmalpflege. »Das Gewerk, das die Arbeiten ursprünglich ausgeführt hat, soll diese auch restaurieren«, so Gottfried Kiesow von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die alle zwei Jahre 15 000 Euro Preisgeld zur Verfügung stellt. Die

gereinigt und ergänzt. Die Restaurierung, Rekonstruktion und Dokumentation ist ebenso zu loben wie die fachgerechten Transporte der Figuren und die handwerkliche bildhauerische Leistung. Gerhard Roth erhält den Preis für die Sanierung des Repräsentationsbalkons am Augsburger Schaezlerpalais. Er hat die Originalsubstanz eines barocken Balkons gerettet und gravierende Eingriffe in die Bausubstanz des Gebäudes verhindert.

Schulterschluss der Pflasterbranche  »Mit dem Forum Qualitätspflaster gibt es erstmalig einen Standard zur Qualitätssicherung gepflasterter Flächen, der alle Gewerke einbindet«, berichtet Mario Deliner, Geschäftsführer der Semmelrock Ebenseer Baustoffindustrie, in seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender des Forums. Für die Qualitätsgemeinschaft steht der Nutzen für die Bauherren im Mittel-

willy hafner

punkt. Gerhard Steiner, neu gewähltes Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der Poschacher Natursteinwerke, ergänzt: »Seit der Überarbeitung des Internetauftrittes gibt die Plattform Informationen über die Pflasterbauweise unabhängig vom eingesetzten Material«. Alle Mitglieder werden auf der Webseite www.fqp.at aufgeführt. Forum Qualitätspflaster: (v.l.n.r.) Vorstandsmitglieder DI Dr. Peter Lux, Mag. Gerhard Steiner, Mag. Mario Deliner, Ing. Peter Nowotny, in der Mitte: Mag. Gabriela Prett-Preza (GF FQP)

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Geschichte

Auf der Spur der Steine Von Richard Watzke

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teine aus der Region, nicht aus Fernost sollten es sein: Für die Umgestaltung der Pfarrkirche ­Lingenau begaben sich die Architekten Anja Fischer und Ernst Beneder auf Spurensuche in Vorarlberg. Das Ergeb­ nis ist ein Projekt mit Vorbildcharakter.

Schrattenkalk bildet im Kleinwalsertal am Hohen Ifen das 25 m2 große Gottesäckerplateau. Bei der Kirche in Lingenau ist dieser Stein das domi­ nante Material.

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Der Bregenzerwald ist bekannt für seine Holzarchitektur. Weit weniger bekannt sind die zahlreichen Natursteinvor­ kommen der Region zwischen Arlberg und Bodensee, doch genau diese Steine wollte das Architekten-Team Anja Fischer und Ernst Beneder bei der Renovierung und Umgestaltung der Pfarrkirche in Lingenau verwenden. Ein Jahr vor Baubeginn begannen die Recherchen zur Ausschreibung der Materialien mit Suchanfragen im Internet. Am dürftigen Ergebnis erkannten die Archi­ tekten rasch, dass sie mit ihrer Stein­ suche fast bei null beginnen mussten. Die historische Bausubstanz der Lin­ genauer Kirche hingegen bot ihnen ein­

zelne Anhaltspunkte. Einen konkreten Hin­ weis auf die Verwendung eines regionalen Natursteins gab der mittelalterliche Kirch­ turm. In seinem Mauerwerk waren Werk­ steine aus Lingenauer Quelltuff verbaut worden; dasselbe Gestein fand sich im laufenden Projekt auch bei Stemmarbeiten im Hauptraum der Kirche. Als ein weiteres Material mit lokaler Bau­ tradition konnten die Gewände und Stufen­ anlagen aus Rorschacher Sandstein iden­ tifiziert werden. Recherche in Schotterbrüchen Rorschacher Sandstein ist ein gebräuch­ liches Material in der Bodenseeregion und stellte keine besondere Herausforderung

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bei der Ausschreibung dar. Die Suche nach einem geeigneten Kalkstein für die Außenwandbekleidung des Sakris­ tei-Anbaus und für den Bodenbelag im Kirchenraum verlief dagegen wesentlich aufwendiger. Der ursprüngliche Entwurf sah vor, unter den Sitzbänken im Lang­ haus Holzboden zu verlegen. Wegen der größeren Dauerhaftigkeit des Natur­ steins fiel in der Planungsphase die Ent­ scheidung zugunsten von Bregenzerwäl­ der Schratten-Kalkstein als Bodenbelag. Der dadurch gestiegene Bedarf an Roh­ material machte die Suche nach dem geeigneten Stein nicht einfacher. Im Zuge der Ausschreibung stellte sich heraus, dass ein optisch dem Schrat­ tenkalk ähnlicher chinesischer Kalk­ stein günstiger wäre. Das aus Fernost importierte Material kam aber für die Architekten wegen der langen Trans­ portwege von Anfang an nicht infrage. Daher blieb nur die Suche nach dem geeigneten Vorkommen vor Ort. Kalkstein wird im Bregenzerwald meist nur noch zu Schotter verarbeitet; für die Produktion der Bodenplatten wurden

jedoch größere Rohblöcke benötigt. Hilfe kam vom Vorsitzenden des Lin­ genauer Pfarrkirchenrates. Als ehe­ maliger Straßenbaumeister im Bregen­ zerwald kannte er die aktiv abgebauten Vorkommen und stellte die Kontakte zu den Betreibern her; Anja Fischer und Ernst Beneder besuchten daraufhin mehrere Stein­brüche in Mellau, Andels­ buch und im Laternsertal, um deren Materialqualität vor Ort zu besichtigen. Im Steinbruch Fritztobel am Eingang des Laternsertals fanden sie schließlich eine ausreichende Menge des Rohmate­ rials und überzeugten den Betreiber, statt Schotter Rohblöcke abzubauen. Überraschungsfunde Stein birgt als natürlicher Baustoff viele Überraschungen für den gestaltenden Architekten. Farbige Einschlüsse oder Adern geben jedem Stück ein individu­ elles Erscheinungsbild. Gerade bei knappen Materialressourcen zwingt Stein aber auch zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Format und dem Zuschnitt jedes Werkstücks,

In einem Schotter-Steinbruch bei Rankweil wurden ­die Roh­ blöcke für den Boden­belag aus Kalkstein gewonnen.

In der Nagelfluhkette reihen sich Konglomerat-Findlinge aneinander.

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Geschichte

Li.: Nagelfluh-Findlinge auf dem Privatgrund eines Stein-Stifters.

das aus dem Rohblock gewonnen wer­ den muss. Neben diesen Herausforde­ rungen führte die Steinsuche in Vorarl­ berg auch zu ganz anderen Überra­ schungen. In einem Sägewerk fand Anja Fischer großformatige Platten aus Bre­ genzerwälder Muschelkalk. Die Platten waren für einen früheren Auftrag gesägt, aber nie ausgeliefert worden und lagen bereits mehrere Jahre auf Halde. Für die Verwendung als Wandbe­ kleidung unterhalb der Empore reichte die gefundene Menge gerade aus. Zusätzlich hatte das Sägewerk Blöcke des Muschelkalks im Erdreich vergra­ ben, um die Bruchfrische des Kalk­ steines zu bewahren. Aus einem einzel­ nen Rohblock dieses Muschelkalks gelang es, die Platten für den im Bodenbelag des Kirchenraumes symbo­ lisierten Lebensfluss Jordan zu produ­ zieren. Seltene Steine als Schenkungen Die intensive Beschäftigung mit den regionalen Natursteinen blieb in der Öffentlichkeit nicht verborgen, sondern zog im Bregenzerwald weite Kreise und führte zu mehreren Material-Stiftungen. Eine der Schenkungen bestand aus Nagelfluh aus der sogenannten Nagel­ fluhkette zwischen Immenstadt im All­ gäu und Hittisau in Vorarlberg. Da Lin­ genau inmitten dieser Bergkette liegt, wollten Anja Fischer und Ernst Beneder die Nagelfluh bei der Neugestaltung der Kirche einbeziehen. Ein Landwirt fand bei Grabungsarbeiten mehrere Findlinge des gesuchten Kon­ glomerats und benachrichtigte den ­ehemaligen Straßenbaumeister. Somit gelang es den Architekten, ein lokal

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Unantastbar: Naturdenkmal des Lingenauer Quelltuffs. Die Archi­ tekten konnten jedoch auf die private Materialspende eines Lingenauers zurückgreifen.

Spaltrauer Schrattenkalk dient zur Bekleidung der Außenwände der neuen Sakristei.

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vorhandenes Gestein einzusetzen, das kommerziell nicht erhältlich gewesen wäre. Ähnlich verlief es bei einem Quader aus Quelltuff, der seinen Platz im neuen Altar fand. Die Tuffsteinvorkommen von Lingenau stehen unter Naturschutz und stehen nicht für die Steingewinnung zur Verfügung. Auch hier zahlte sich die Beharrlichkeit der Architekten aus; ein Lingenauer Landwirt besaß außerhalb des geschützten Naturdenkmals aus­ reichend Rohmaterial. Zunächst zweifelte der Landwirt an der Eignung des porösen Tuffs als Werk­ stein, wurde aber durch das Beispiel der Jahrhunderte alten Mauersteine im Kirchturm überzeugt und ist rückbli­ ckend stolz darauf, durch Steine von seinem Grund einen persönlichen ­Beitrag zum Projekt geleistet zu haben. Ein weiteres Beispiel für die rege Teil­ nahme der Bevölkerung ist ein Stück roter Liaskalk, das prominent an einer Ecke im neuen Altar eingesetzt ist. Das

Rohmaterial stammt ursprünglich von der Roten Wand im Lechquellengebirge. Ein Privatmann hatte von der Stein­ suche in Lingenau erfahren und nach einem geeigneten Quader im Bachbett auf seinem Grundstück nahe Lech gesucht. Stein schafft Identität Die Reaktion der Bregenzerwälder Bevölkerung auf die intensive Verwen­ dung regionaler, teils in Vergessenheit geratener Natursteine in Lingenau war positiv; eine solche Materialvielfalt war in der Öffentlichkeit nicht mehr bekannt. Schon kurz nach der Fertigstellung der Kirche im November 2010 gab das Pro­ jekt einen überregionalen Impuls für die verstärkte Verwendung von Naturstein als Baustoff. Darüber hinaus steigert die Verwendung regionaler Steine die Identifikation der Bevölkerung mit dem Bauwerk: Obwohl der Aufwand der Steinsuche und Materialbeschaffung

enorm war, unterstützte die Bauherr­ schaft die Entscheidung zugunsten der Steine aus dem Bregenzerwald. Mehr­ mals fuhren die Mitglieder des Kirchen­ rates in die Steinbrüche mit. Auf diese Weise wurde der Planungsprozess nicht wie ein von außen angetragenes Kon­ zept, sondern als eine gemeinsame Entwicklung wahrgenommen. Beispielhaftes Konzept Die Verwendung heimischer Materialien zieht sich wie ein roter Faden durch die Projekte von Anja Fischer und Ernst Beneder. Besonders gilt das für die Sakralbauten des Architektenteams: In der Kapelle Herzogenburg verwen­ deten sie Wachauer Marmor, in der Kirche in Gallspach Gollinger Konglo­ merat. Mit der Kirche in Lingenau schufen sie einen weiteren Beweis, wie lohnend die Beschäftigung mit ­heimischen Natursteinen über das ­Projekt hinweg für eine ganze Region sein kann. n

Reges Formen- und Farbspiel der Natur: Vorarl­berger Muschelkalk wurde im Altar und für Wandbekleidungen im Eingangsbereich eingesetzt.

Li.: Liturgisches Mobiliar in Lingenau: Die Vielfalt der Steine spiegelt sich vor allem im Ambo und Altar wider. Re.: Architekt Ernst Beneder am Lingenauer Altar. Jeder ­Apos-tel wird durch einen eige­ nen Steinquader repräsentiert.

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Architektur

Neuge­ staltung der Kirche in Lingenau Von Richard Watzke

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ei der Renovierung und Neugestaltung der römisch-katholischen Pfarrkirche zum ­Heiligen Johannes der Täufer in Lingenau spielen regionale Natursteine eine zentrale Rolle im liturgischen Konzept.

Sinnbild des Lebens: Oliven­ baum mit Taufbecken und einer Kaskade aus Nagel­ fluh. Bei einer Taufe am »Ölberg« rinnt das Wasser die steinerne Kaskade herab und tränkt den 300 Jahre alten Baum.

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Nach einem Brand des mittelalterlichen Vorgän­ gerbaus wurde die Lingenauer Pfarrkirche 1871 im neoro­ manischen Stil neu errichtet. Eine Baumaßnahme von 1963 verlängerte das Kirchenschiff um eine Fensterachse und fügte zwei übereinanderliegende Emporen hinzu. Der in historischen Abbildungen dokumentierte reiche Schmuck der Kirche wurde zu dieser Zeit vollständig entfernt; an die Stelle des Hochaltars trat ein breiter Volksaltar auf einer Plattform. Nach einer mehrjährigen Vorbereitungsphase und einem gela­ denen Wettbewerb von 2008 erhielt die Architekten-Arbeitsge­ meinschaft von Anja Fischer und Ernst Beneder den Zuschlag zur Renovierung und Neugestaltung der Kirche. Von Februar bis November 2010 veränderten sie die liturgische Disposition der Kirche entscheidend. Eine wesentliche Maßnahme bestand darin, Altar und Ambo aus dem Chor heraus nach vorne in die

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Gemeinde zu rücken. Lediglich um eine Stufe erhebt sich die Altarinsel über das Bodenniveau des Langhauses. Bei kleineren Feiern bieten drei Reihen von aus dem Vorgängerbau übernommenen Kirchenbänken zu beiden Seiten des Altars Platz. Die übrigen massiven Holzbänke im Langhaus wurden ebenfalls erhalten, abgeschliffen und gelaugt. Altar und Ambo in der Gemeinde Der neue Standort rückt den Altar als zentralen liturgischen Ort nicht nur in die Mitte der feiernden Gemeinde, sondern schafft auf Wunsch der Pfarrgemeinde rund um den Altar, aber auch im frei gewordenen Chorraum Platz für unterschiedliche litur­ gische Feiern. Der Altar selbst besteht aus 90 Zentimeter hohen Steinquadern mit quadratischem Grundriss. In der Mitte befindet sich ein schmales Kreuz aus Sandstein, darum herum sind zwölf Blöcke aus unterschiedlichen Steinen aus Vorarlberg angeordnet; die meisten davon stammen aus dem Bregenzer Wald. Ein vergleichbares System verwenden die Architekten beim Ambo, der aus vier verschiedenen Quadern für die Evan­ gelisten geformt ist.

Der mittelalterliche Vorgänger­ bau der Lingenauer Pfarrkirche wurde 1866 durch einen Brand zerstört. 1871 entstand der neoromanische Neubau. Die rechte Seite des Chorraums mit den letzten Stationen des Kreuzweges. Die textilen Bahnen korrespondieren mit im Boden eingravierten Kreuzwegstationen. An der Wand daneben hängen die Kreuzweg-Tafeln aus dem 19. Jahrhundert.

Außenansicht des mit Kalksteinriemchen bekleideten Sakristeianbaus.

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Architektur

Weihwassergefäß im Windfang des nördlichen Seiteneingangs. Wie beim stilisierten Jordan korrespondiert der Muschel­ kalk der Wandbekleidung mit dem Thema Wasser.

Blick vom Chor auf die Altarinsel und das Lang­ haus. Durch den Verzicht auf die obere Empore wurde auf der unteren Ebene Raum für den spä­ teren Einbau einer Orgel geschaffen.

Das IKONOGRAFISCHE KONZEPT Die Pfarrkirche in Lingenau ist Johannes dem Täufer geweiht. Dieser kündet vom Wirken Jesu, erkennt ihn in der Menge und tauft ihn am Ufer des Jordans. Im Kreuzweg findet das in den Evangelien berichtete Geschehen über das Leben Jesu seinen dramatischen Höhepunkt. Durch die Neugestaltung sind die liturgischen Orte wie Altar, Ambo, Tabernakel und Taufbecken als Schauplätze im Kirchen­ raum akzentuiert. Das baukünstlerische Konzept stellt diese Orte zwischen markante raumprägende Setzungen, die auf wesentliche Geschehnisse der Evangelien verweisen, wie den Kreuzweg als Lichtplastik im Kirchenraum, den Jordan mit Tauf­ brunnen und den Ölberg mit einem echten Olivenbaum. Die weiße Hülle des Kirchenraumes tritt dagegen in den Hinter­ grund.

Richtungsneutral und mitten in der Gemeinde: Der neue Altar steht nicht im Chor, sondern eine Stufe erhöht im Langhaus.

Ablesbare Spuren im Bodenbelag Die Gestaltung des Bodens mit verschiedenen Natursteinen und Oberflächen unterstützt die Wahrnehmung der künstle­ rischen Objekte wie Jordan und Kreuzweg. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und um die Identifikation der Gemeinde mit ihrer Kirche zu erhöhen, wurde grundsätzlich Naturstein aus der Region verwendet. Im Kirchenraum und in den Nebenräumen ist Kalkstein aus dem Bregenzer Wald das vorherrschende

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Belagsmaterial; in den Eingangsbereichen wurde die Ober­ fläche sandgestrahlt. Um den Jordan darzustellen, verwenden Ernst Beneder und Anja Fischer dunkelgrauen Muschelkalk. Die Wüste und das fruchtbare Land auf der anderen Flussseite symbolisieren sandgelbe und grünliche Bodenplatten aus ­Rorschacher Sandstein. Ausspracheraum statt Beichtstuhl Ein Ausspracheraum an der Außenwand zwischen Apsis und dem alten Turm ersetzt die ehemalige Sakristei. Von diesem Raum führt ein Zugang direkt in den Chorraum. Die neue Sakristei schließt als eingeschossiger, flach gedeckter Kubus an der Nordseite des Langhauses am Turm an. Zwei Reihen mit in den Farben der Messgewänder getönten, quadratischen Fenstern beleuchten den länglichen Innenraum. Die Außen­ wand ist aus fünf Zentimeter hohen und sechs Zentimeter brei­ ten Kalksteinriemchen mit Hinterlüftung und Wärmedämmung bekleidet. Die mehrfach abgetreppte Anlage des Chorraums wurde auf ein einheitliches Niveau mit fünf Stufen über dem Bodenniveau des Langhauses rückgebaut. Das entspricht der Situation vor dem Umbau von 1963. Um den Chorraum flexibel für kleine Feiern oder Andachten nutzen zu können, verzichtet die Neu­gestaltung auf eine fixe Ausstattung; zu beiden Seiten der Chorwände bietet eine mobile Bestuhlung 20 Sitzplätze.

Die liturgischen Orte Altar Bregenzerwälder Muschelkalk; Quelltuff aus Lingenau; Sandstein aus dem Schwarzachtobel und dem Bärlocher Bruch in Rohr­ schach; Kalkstein aus dem Bregenzer Wald und dem Unterland mit unterschiedlichen ­Quarzanteilen und Grautönungen; Nagelfluh-Findlinge, Konglomerat aus dem Balderschwanger Tal; Quarzit mit rötlicher Farbtönung, aus der Nähe der Roten Wand im Arlberggebiet; Bürser Marmor aus der Nähe von Blu­ denz aus einem aufgelassenen Stein­ bruch; ein Versatzstück aus dem alten Hochaltar, vermutlich Rosso Verona; Ambo In Referenz zum Altar stellen vier Stein­ arten die Evangelisten dar, wovon sich Johannes und Matthäus bereits unter jenen der Apostel finden; für Lukas und Markus kommen als 13. und 14. zwei Steine dazu. Tabernakel Naturstein aus massiven Kalkstein-­ Quadern mit Schrein; Taufbrunnen Taufbecken als Brunnen in Kalkstein; die Kaskade und der Überlauf aus dem ­Taufbrunnen sind in Nagelfluh aus ­Balderschwang ausgeführt. Kreuzweg Sandstein aus dem Schwarzachtobel, bruchrau; Markierung am Boden mit Schrift­streifen zu den Stationsbezeich­ nungen aus dem gleichen Material, jedoch poliert.

Li.: Das Innere der Sakristei wird von den in den liturgischen Farben des Kirchenjahres getönten Fenstern beleuchtet. Re: Der Tabernakel aus Kalk­ stein öffnet sich zum Langhaus. Auf der Rückseite besitzt er eine Ablage für Andachten im Chorbereich.

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Architektur

Beim Kreuzweg verwendeten die Architekten bruchrauen Quarzsand­ stein aus dem Schwarzachtobel, kombiniert mit Schriftzügen in polierten Einlegestreifen aus dem­ selben Material.

Die Statue der Mutter Gottes deutet auf den früheren, reichhaltigen Schmuck der Kirche hin. Die Figur ruht auf einem Sockel aus Bregen­ zerwälder Kalkstein.

Bauherrin Römisch-katholische Pfarrkirche zum Heiligen Johannes der Täufer, Lingenau Architekten Arbeitsgemeinschaft Dipl.-Ing. Ernst Beneder, Architekt, und Dipl.-Ing. Dr. Anja Fischer, A ­ rchitektin, Wien Natursteine Bodenplatten 3 cm stark, 450 m2 ­Bregenzerwälder Kalk­ stein geschliffen/30 cm breit/freie Längen; 22 m2 Ror­ schacher Sandstein gelb/bruchrau/10, 20, 30 cm breit/ freie Längen; 24 m2 Rorschacher Sandstein grün/bruch­ rau/10, 20, 30 cm breit/freie Längen; 61 m2 Schwarzachtobl Sandstein grau/bruchrau/10, 20, 30 cm breit/ freie Längen; 10 m2 Muschelkalk gebürstet/10, 20, 30 cm breit/freie Längen; Wand, Flächen Kirche Lingenau: Innen: 32 m2 Muschelkalk gebürstet/bis 1,5 x 1,2 m große Platten/3 cm stark; außen: 88 m2 Bregenzerwälder Kalsteinriemen gebrochen/5 cm hoch/6 cm tief;

Der Kreuzweg als Installation Der Kreuzweg auf der südlichen Seite des Langhauses ist eine die gesamte Raumhöhe umfassende, lichtdurchflutete Installa­ tion. Beim Bodenbelag verwendeten die Architekten bruch­ rauen Quarzsandstein aus dem Schwarzachtobel mit geschlif­ fenen Einlegern, in die jeweils eine Kreuzwegstation eingraviert ist. Darüber hängt ein Tragrahmen mit transparenten Seiden­ bahnen, auf denen römische Ziffern aus Filz auf die darunter­ liegende Station verweisen. An der zwölften Station steht das Kruzifix frei im Raum. n

Natursteinlieferant Für Kreuzweg Rheintalstein GmbH, Schwarzach

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Architektur

Kathedrale f端r B端cher Von Katharina Baus

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G

las, Holz und vor allem Naturstein, dazu eine klare Architektursprache und fertig ist der Sieger des Deutschen Naturstein-Preises 2011. F端r seinen Bibliotheksentwurf, das Jacob-und-WilhelmGrimm-Zentrum in Berlin, wurde der Architekt Max Dudler unl辰ngst vom Deutschen Naturstein-Verband und dem Bund Deutscher Architekten ausgezeichnet.

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Die Fassadengestaltung wird durch ein strenges Raster bestimmt.

Der Jurakalkstein der ­Fassade setzt sich auch im Innenraum fort.

200 Jahre mussten die Studenten der Berliner Humboldt-Universität auf ihre erste große Zentralbibliothek warten. Aber das Warten hat sich gelohnt. Mit rund 2,5 Millionen Büchern, davon etwa 1,5 Millionen in der größten zusammenhängenden ­Freihandaufstellung Deutschlands und 1250 Arbeitsplätzen ist das Jacob- und Wilhelm-Grimm-Zentrum eine Bibliothek der Superlative. Benannt nach den Gebrüdern Grimm, die in erster Linie zwar als Märchensammler bekannt wurden, darüber hinaus aber als Geisteswissenschaftler und Bibliothekare eine

mindestens ebenso große Bedeutung haben, wurde damit ein Paradies für Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler geschaffen. Viel beachtet und hochgelobt wurde die Bibliothek nun auch mit dem Deutschen Naturstein-Preis 2011 ausgezeichnet, der alle zwei Jahre vom Deutschen Naturwerkstein-Verband in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Architekten vergeben wird. Zentral gelegen in unmittelbarer Nähe zur Friedrichstraße und der Museumsinsel steht der Bau in einer direkten Beziehung zu anderen bedeutenden Bauwerken für Wissenschaft und Kultur

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Architektur

Der große Baukubus ­gliedert sich durch die unterschiedlichen Ge­bäudehöhen.

Architekt: Max Dudler, D-Berlin Bauherr: Humboldt-Universität, D-Berlin Natursteine: Dietfurter Kalkstein aquapower (Jurakalkstein)

Die unterschiedlichen Fassaden­ öffnungen ergeben sich aus den dahinterliegenden Raumfunktionen.

im Herzen von Berlin. Zwischen der Spree im Norden und dem S-Bahn-Bogen im Süden entwar f der Schweizer Architekt Max Dudler eine zehngeschossige Gebäude-figur, die sich über die Berliner Traufkante hinweghebt und damit einen weiteren bedeutenden Stadtbaustein in der Berliner Kulturlandschaft darstellt.

Der zentrale Lesesaal mit den Leseterrassen ist das Herz­stück der Bibliothek.

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ZeitgemäSS und historisch Der enorme Baukubus, dessen geometrische Formensprache der klassischen Moderne entlehnt ist, wird sowohl durch die streng gerasterte Fassade als auch durch unterschiedliche Traufhöhen gegliedert. Damit entsteht ein zeitgemäßes Gebäude, das sich problemlos in den ­städtebaulich historischen Kontext einfügt. Das geometrische Fassadenraster aus überhohen Fensteröffnungen und unterschiedlichen Fensterbreiten wird durch die jeweiligen Raumfunktionen im Gebäudeinneren bestimmt. In den Bereichen mit Leseplätzen sind die Fassadenstützen ­auseinandergezogen, in den Bereichen mit hauptsächlich Magazinfunktion stehen die Fassadenlisenen dichter zusammen und ergeben in Zusammenhang mit den großen Laibungstiefen der Fenster einen natürlichen Sonnenschutz für die Bücher. Durch das Zusammenfassen von jeweils zwei Geschossen im Hochhausbereich und Gebäudesockel und die dadurch erzeugte Schlankheit der Zwischenräume wird die Gebäudefigur proportioniert. Die Abstände

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zwischen den Fassadenlisenen ergeben sich dabei aus den notwendigen Gangbreiten zwischen den Bücherregalen. Dem gesamten Gebäude liegt das ­Achsmaß der Bücherregale als Raster zugrunde. Bühne fürs lesen Die funktionale Struktur entwickelt sich von unten nach oben. Von der verkehrsreichen, kommunikativen und quirligen Atmosphäre des Erdgeschosses gelangt man über die technisch dominierten Computer- und Multimediabereiche des ersten Obergeschosses zu den eher

ruhigen, konzentrierten Arbeits­berei­ chen des zweiten bis fünften Obergeschosses, die auch den Großteil des Freihandbestandes in unmittelbarer Nähe zu den Arbeitsplätzen aufnehmen. Historische Bestände und Spezial­samm­­ lungen sind im Forschungslesesaal im sechsten Obergeschoss untergebracht. Hier können an speziell eingerichteten Arbeitsplätzen wertvolle Bücher unter Aufsicht eingesehen werden. Mittelpunkt der Bibliothek ist jedoch der zentrale Lesesaal mit rund 200 Arbeitsplätzen, zu dessen Querseiten die auf unterschiedlichen Ebenen angelegten Leseterrassen ansteigen. Diese Ebenen mit den Arbeits- und Lesetischen, die über ein Glasdach Tageslicht erhalten, verbinden alle Freihandbereiche optisch miteinander. Der Lesesaal ist über die einzelnen Terrassen von fünf Etagen her zugänglich, ohne dass im Raum selbst Verkehr entstehen kann. Durch Glasscheiben getrennt und mithilfe einer Vertäfelung aus Kirschholz akus­ tisch gedämpft bildet er das ruhige Herz der Bibliothek. Auch die Einzel­ arbeitskabinen und Gruppenräume, die sich über die Etagen verteilen, orien­ tieren sich Richtung Lesesaal. Dabei entsprechen sowohl die Verkleidung der Wände als auch die kassettierte Decke

der geometrischen Strenge des Bau­ körpers. Die entstehenden Raumfolgen sollen zum konzentrierten Arbeiten einladen und werden durch die Zonen der formellen und informellen Kommuni­ kation, wie sie die Schulungsräume, Gruppenarbeitsbereiche und frei nutzbaren Räume innerhalb der Bibliothek bieten, erweitert. Analog zur klaren Formensprache griff Dudler auch bei der Materialwahl auf eine ruhige Homogenität zurück und wählte wenige, aber hochwertige Mate­ rialien aus. Neben Kirschholz im Innenraum wurde im gesamten Gebäude Dietfurter Kalkstein aus der deutschen Jura-Formation eingesetzt. Die helle Fassade besteht aus einer rhythmischen Abfolge von Stein und Glas. Die Fassadenstützen sind in gelblich gebändertem Jurakalkstein realisiert, der im Farbton mit den Gebäuden des zentralen Bereiches von Berlin korrespondiert. Das an den Steinober flächen verwendete Hochdruck-Wasserstrahlver fahren hebt die natürliche ­Steinstruktur hervor. Dadurch erhält der Stein eine Tiefenwirkung und eine farbvertiefende Wirkung, die sein Erscheinungsbild deutlicher zur Geltung bringen. Durch die Pressfügung der aquapower behandelten Plattenober­ flächen von Stirn- und Leibungsplatten erscheint die Massi­vität der Pfeiler und Lisenen als mono­lithisches Werkstück. Auch die Haupteingangshalle und die den Lesesaal begleitende Freitreppe sind mit einem Natursteinboden in gebändertem Jurakalkstein analog zur Fassade ausgelegt. n

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Architektur

Natur­­heilmittel Von Jörg Stephan

Wenn architekturinteressierte Deutsche ins Ausland reisen, sind sie nicht selten fasziniert von der Unbekümmertheit, mit der unsere Nachbarn – oftmals mitten ins Herz ihrer histori­schen Altstädte hinein – ein zeitgenössisches Bauwerk implantieren, dessen Konsequenz und Entschlossen­ heit einem schier den Atem rauben. Nicht, dass es sich immer um »große« Architektur handeln würde. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der inmitten butzenscheibenhafter Putzigkeit Corten­ stahl, Sichtbeton oder Structural Glazing über einen kommen, lässt den Betrach­ ter fast schon reflexhaft fragen: Dürfen

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ie notdürftige Versorgung städte­ baulicher Wunden nach dem Zweiten Weltkrieg hat in vielen Städten Deutschlands Narben hinter­ lassen. Doch auch 65 Jahre später kann eine Therapie noch erfolgreich sein, wie ein Beispiel aus Heilbronn zeigt. Das Heilmittel: Naturstein.

die das? Sicher, sie dürfen und offen­ sichtlich wollen sie sogar. Und bei uns? Es bleibt, ohne in architektentypisches Gejammer zu verfallen, nüchtern fest­ zustellen: hierzulande wirkt das Zeitge­ nössische noch immer suspekt. Histo­ rische Monokulturen wie Rothenburg ob der Tauber werden mittels rigoroser Gestaltungssatzungen als disneyeske Idyllen inszeniert, Schleckermarkt und DSL-Anschluss gibt es zwar auch dort, aber bitte hinter Sprossenfenstern und romantischem Giebelschmuck. Andere Orte schmücken die verbliebenen Reste ihrer historischen Substanz mit Kopf­ steinpflaster und schmiedeeisernen

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Leuchtern, es wird getümelt, wo immer sich die Gelegenheit bietet. Und lässt sich nichts Erhaltenes mehr finden, wird eben nachgerüstet. Frankfurt am Main errichtete Mitte der 80ger-Jahre eine Fachwerkkulisse als »historischen« Frankfurter Römer und die deutsche Bundeshauptstadt übt sich 20 Jahre später in vergleichbarer Traditions­ pflege. Wunderten sich die Arbeiter, die einst den »Palast der Republik« errich­ teten noch über einen sogenannten Sozialismus, der einen Palast in seiner Mitte für angemessen hielt, wird nun an dessen Stelle das Hohenzollern-Schloss wiedererrichtet werden, als Zierde des baulichen Zentrums des demokratischen Gemeinwesens. Das kann man schon merkwürdig finden. Andererseits ist die Angelegenheit auch nachvollziehbar. Denn wo Tschechen, Österreicher, Schweizer oder Italiener selbstverständlich durch ihre histori­ schen Gassen und Straßen flanieren, hat der Zweite Weltkrieg in Deutschland eine breite Schneise der Zerstörung hinterlassen. Das, was im Anschluss an den Wiederaufbau zu leisten war, geschah meist unter großem Zeitdruck und dem Primat der Funktionalität. Dass so in großem Umfang architekto­ nische Beliebigkeit entstand, kann nicht verwundern. Die gab es auch schon in den Jahrhunderten davor, aber die Ent­ wicklung der Städte war auch stetigem Wandel unterworfen, sodass sich im Kreislauf von Abriss und Neubau lang­ fristig die Qualitäten einer Epoche durchsetzen konnten. Nach 1945 war für museale Restaurie­ rung weder die Zeit noch das Geld vor­ handen und der Wiederaufbau ganzer Städte war unter diesen Maßgaben ohne Qualitätsverlust nicht zu leisten. Die Narben, die das hinterließ, sind ­vielerorts noch heute zu erkennen. Die Stadt Heilbronn, die weniger ihrer In­dus­trieanlagen als des Neckarhafens und des Güterbahnhofs wegen zum Ziel alliierter Bomber wurde, zählte nach dem Ende des Krieges noch knapp zwei ­Dutzend erhaltene oder erhaltenswerte

historische Gebäude, Hunderte waren zerstört. Die weitere Entwicklung nahm den typischen Verlauf: bauliche Dut­ zendware und hie und da ein modernes Juwel. Städtebaulich behielt man die kleinteiligen Vorkriegsstrukturen weit­ gehend bei. Dies bewahrte der Stadt zwar ihren Charme, erwies sich aber in Zeiten eines zunehmend von großflä­ chig organisierten Kaufhausketten geprägten Handelswesens zumindest wirtschaftlich auch als Nachteil. Der Kiliansplatz bildet das Zentrum der Heilbronner Innenstadt. Die Spitze der Kilianskirche ziert das »Männle«, die mit Breitschwert bewaffnete Identifi­ kationsfigur des Heilbronner Bürger­ stolzes. Zu dessen Füßen plätschert jener Brunnen, dem die Stadt ihren Namen verdankt. Schräg gegenüber schloss Ende der Neunzigerjahre das Kaufhaus Beilharz seine Pforten, ein Tiefpunkt in der Entwicklung des gesamten anschließenden, seit Jahren schon dem Siechtum verfallenen ­Straßenblocks. In Folge schlugen sich diverse interessierte Investoren mit einem Gestrüpp aus komplexen Besitz­ verhältnissen, städtebaulichen Zwangs­ läufigkeiten und zunehmend schwieriger werdenden ­wirtschaftlichen Rahmen­ bedingungen herum. Erst nachdem die Stadt einige der betroffenen Grund­ stücke übernehmen konnte und das ganze Areal zum Sanierungsgebiet erklärt hatte, kam Bewegung in die Angelegenheit. Ein städtebauliches The­ rapiekonzept in Form eines Bebauungs­ plans wurde erstellt und mit der Düs­ seldorfer ITG GmbH ein kompetenter Projektentwickler und Investor gefun­ den. Die Planung sah auf dem etwa 5 000 Quadratmeter-Areal die Errichtung von knapp 11000 Quadratmetern Ver­ kaufsfläche plus Parkhaus vor. Grundrisse, Geschosszahl und ErschlieSSung wurden vom haus­ eigenen Planungsteam des Investors entwickelt. Für die Gestaltung der Fas­ saden des Komplexes hatte die Stadt Heilbronn ausdrücklich die Ausschrei­

Material Heilbronner Sandstein, ­Kirchheimer Muschelkalk Architekten mattes · sekiguchi partner, D-Heilbronn Mitarbeiter: Dipl. Ing. Cornelius Krähmer Dipl. Ing. (FH) Kristian Riglewski Dipl. Ing. Ramona Schröder

Variation und Fuge: das Grundthema der Fassade in unterschiedlicher plastischer Ausbildung

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Architektur

Eine gewebeartige Struktur aus Stein macht den Reiz der Fassade aus. Gewünscht war ein einheimischer Stein. Die Wahl fiel daher auf Heilbronner Sandstein. Ein alter Steinbruch wurde hierfür »reaktiviert«.

Schaufenster an der Moltkestraße

bung eines Wettbewerbs gefordert. ­ ingeladen waren vier Planer aus der E Region, die Entscheidung fiel zugunsten des Heilbronner Büros Mattes, Seki­ guchi und Partner. Architekten, deren Portfolio fast schon als Bekenntnis zur klassischen Moderne zu lesen ist. Neben Wohn- und Gewerbebauten ­hatten sie auch schon an einigen ­städtischen Bauprojekten mitgewirkt. Weder war in der Ausschreibung des Wettbewerbs ein Fassadenmaterial vor­ gegeben noch waren die beauftragten Architekten als Natursteinspezialisten bekannt. Dass sich trotzdem der Stein als bestimmendes Material der Fas­ sade durchsetzen konnte, hängt ein weiteres Mal mit seinen besonderen Eigenschaften als Mittler zwischen Alt und Neu zusammen. Indem sie den Sandstein der Kilianskirche aufgriffen und in ihr zeitgenössisches architekto­ nisches Vokabular übersetzten, gaben die Architekten nicht nur ihrer Fassade, sondern dem gesamten Platzraum eine zurückhaltende Homogenität, ohne dabei den Verdacht zu provozieren, sich eines plumpen historischen Zitats bedient zu haben. Durchgehendes Merkmal des Entwurfs ist eine gewebeartige Struktur aus vor- und zurückspringen­ den Sandsteinplatten, die an allen ­Seiten des Komplexes wiederzufinden ist. Mal flacher, mal plastischer mit dahinter liegenden Glasflächen ausge­ bildet wird sie zum Erkennungszeichen

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des Gebäudes. Zum Kiliansplatz hin ­bildet sie den eher unauffälligen Hinter­ grund der großflächigen Eingangs­ fronten und Verglasungen, zur Kilianstraße wird sie von schmalen, mit Metallgewebe gefüllten Schlitzen geglie­ dert. Das gleiche Metallgewebe wird zur schmalen Klostergasse hin zum die Fassade bestimmenden Element, das Natursteinrelief dient hier nur mehr als Rahmen. In der darunterliegenden, hohen Sockelzone wird die Struktur in der Fugenteilung übernommen, sonst aber rein flächig ausgeführt. Als Solitär herausgearbeitet wurde der Bereich im Südwesten des Ensembles. Eine auf den ersten Blick streng geometrisierte Lochfassade, die aber beim genauen Hinschauen leichte Abweichungen offenbart, die um ein Stockwerk höhere Gebäudeentwicklung, vor allem aber die Verwendung von Kirchheimer Muschel­ kalk als Fassadenstein verleihen dem Gebäude Eigenständigkeit, ohne den inneren Zusammenhalt der Gesamt­ konzeption infrage zu stellen. Der auf einem klaren Grundthema auf­ bauende Variantenreichtum dieser Fas­ sade schafft so mühelos die Integration in ein kleinteiliges, beinahe disso­ nantes Umfeld, ohne dabei die Größe des bekleideten Volumens zu verleug­ nen. So umgesetzt findet auch unver­ kennbar moderne Architektur die ver­ diente Akzeptanz. Aus einem »häss­ lichen Entlein«, so der Heilbronner ­Bürgermeister während der Eröffnung, »wurde ein stolzer Schwan«. n

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Innen

Asien trifft »Bucklige Welt« Von Anne-marie Ring

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as bauliche Konzept des Linsberg Asia thematisiert fernöstliche Prinzipien, die sich wie ein roter Faden durch den Hotel- und Thermenkomplex bis hin zur Speisen- und Weinkarte ziehen.

Asiatisches und europäisches Design gehen im Linsberg Asia eine gelungene Verbindung ein.

Eine knappe Autostunde von Wien entfernt wurde ein einzigartiges Ressort aus Therme, Spa, Restaurant und Hotel realisiert: das Linsberg Asia. Ausschlag­ gebend für die Wahl des Bauplatzes im südlichen niederösterreichischen Bad Erlach war der Fund einer 36 Grad heißen Thermalwasserader in 980 Meter Tiefe. Aus ihr speist sich nun auch die unver­ hoffte Bedeutung des zu neuem Leben erwachten Ortes. Es dürfte nur allzu ­ver­ständlich sein, dass man sich den ­aktuellen Gegebenheiten anpassen wollte und aus »Erlach« kurzerhand »Bad Erlach« wurde.

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Die Wandverkleidung der Winery ist aus indischen Buntschieferplatten gestaltet, die dem Gast die einzigartige Schön­ heit von Naturstein nahe bringen.

In den öffent­lichen Berei­chen wurde ein schwar­zer brasilia­ nischer Schiefer im quadratischen Format verlegt.

Nach dem Entwurf vom Baumeisterbüro Panis, Wiener Neustadt, und Architektur Maurer aus Wien-Hollabrunn entstand auf einem sechs Hektar großen Grundstück eine moderne Architektur, die sich fernöst­ liche Gestaltungsprinzipien zu eigen macht. Das zeigt sich in der Formensprache, wo Kreis und Quadrat dominieren, aber auch im Wechselspiel der Materialien Stein, Holz und Glas. Gestalterisches Ziel war es, den Komplex baulich so unscheinbar wie mög­ lich in die Landschaft zu integrieren. In ­diesem Bestreben gehen modernes euro­ päisches und traditionelles asiatisches Design eine harmonische Verbindung ein, die sich stilsicher durch das 4-Sterne-­ Superior-Hotel mit hoteleigenem Spa, drei Restaurants und Seminarbereich sowie die öffentliche Therme zieht. Die Inspiration verschiedenster asiatischer Kulturen findet sich in allen Bereichen wie­ der – seien es die Gartengestaltung, die Gesundheitsanwendungen oder auch »nur« die Weinkarte, die sowohl einen Morillon aus der Südsteiermark als auch einen Chardonnay aus China offeriert. Aber nicht nur Architektur und Technik, sondern auch das Finanzierungsmodell dieses Leitbe­ triebes ist innovativ. Die Verbindung von Privatwirtschaft und Interessen der öffent­ lichen Hand hat hier ein neues Modell einer Privat Public Partnership entstehen

Die Oberfläche der gespaltenen Schieferplatten ist mit einer Impräg­nierung versehen, um auf Dauer der Belastung eines Hotel­ betriebs gewappnet zu sein.

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Innen

lassen, in dem das Land Niederöster­ reich, die Gemeinde Erlach und ein Bankenkonsortium sich mit insgesamt 93 Privatinvestoren in einer Projektent­ wicklungs GmbH & Co. KG zusammen­ geschlossen und rund 18 Millionen Euro investiert haben. Das Linsberg Asia verfügt in zwei Gebäudekomplexen über 116 Doppel­ zimmer, vier Juniorsuiten und fünf luxu­ riöse Gartensuiten. Die Nähe zu Wien ist sicherlich ein großes Plus, aber auch Graz ist nicht weit entfernt und verkehrstechnisch bestens angeschlos­ sen. Doch das Konzept der neuen Anlage spricht vor allem weltreisende, erholungssuchende Gäste an, denen das niederösterreichische Wellness Ressort Ruhe und Entspannung vom

Übergrosser Esstisch aus Rain Forest Green-Maßplatten

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Alltag bietet. Dazu Projektarchitekt DI Ernst Maurer: »Vorherrschend im archi­ tektonischen Erleben der Anlage sind die fortwährend vorhandenen Sicht­ beziehungen und Blickverbindungen anhand der großzügigen Transparenz der innen liegenden Zen-Gärten und Lichthöfe, durch die eine enorme Span­ nung zwischen der nach innen gerichte­ ten und nach außen orientierten Auf­ merksamkeit erzeugt wird. Dem Blick des Besuchers eröffnet sich neben den Außenräumen auch die Aussicht zu den angrenzenden Räumen und Bereichen. Durch das Verwischen der Grenzen zwi­ schen Mensch und Natur sowie durch die fließenden Übergänge von innen nach außen soll auch die Energie der Besucher in Fluss gebracht werden.« n

Objekt Linsberg Asia Hotel- und Thermen­ komplex, Bad Erlbach Architekten Baumeister Josef Panis, Wiener Neustadt, mit DI Ernst Maurer, Wien-Hollabrunn Innenarchitektur und ­Generalunternehmer LIST General Contractor GmbH, Bad Erlach Natursteinverlegung Steinmetz- und Kunststeinbetrieb Komm. Rat Johann Gersthofer, Grafenbach-St. Valentin Natursteine Schwarzer brasilianischer ­Schiefer, indischer Buntschiefer Peacock, indischer Marmor Rain Forest Green und Nero-AssolutoGranitmaßplatten

Bodenmaßplatten aus Rain Forest Brown in den Suiten

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Architektur

Kom­po­sition in Stein Von Anne-marie Ring

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er Bauplatz für das Einfamilienhaus, eine von drei Seiten einsehbare Hanglage, die nur von unten erschlossen werden konnte, erforderte ein besonderes Planungskonzept: Einerseits galt es, die reizvolle Aussicht zu inszenieren, andererseits die Bewohner vor Einblicken aus den umliegenden Häusern zu schützen.

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An der Westfassade öffnet sich das ­Bauwerk mit einer großen Glasfront zum Garten hin.

Konsequenterweise wurde der Donaukalk auch auf den Terrassen verlegt – hier allerdings sandgestrahlt und in 30 cm breiten Bahnen –, auf der Gartenterrasse im Mörtelbett und auf der Dachterrasse in einem Kiesbett.

Die Architekten ebneten zunächst die Hanglage: Das Grundstück wurde zu einer bereits bestehenden Stützmauer aus Naturstein hin, die auf Straßenniveau verläuft, abgeflacht und gegenüberliegend mit einer zweiten, neu ge­schaffenen Bruchsteinmauer aufgefangen. Auf den so entstandenen Bauplatz schichteten die Architekten Wohn- und Funktionsräume auf vier Ebenen so übereinander, dass auf allen Ebenen geschützte Sitzflächen im Freien ent­ standen. Das Straßenniveau ist gleich dem Niveau der unters­ ten Ebene. Um das Grundstück zu erschließen, musste eine Öffnung in die Bruchsteinmauer gebrochen werden. Von der untersten Ebene mit Stellplatz, Garage, Haustechnikräumen und Wellnessbereich aus führt intern eine Treppe nach oben. Besucher erreichen den Wohnungseingang über eine außen liegende Natursteintreppe. Im Erdgeschoss sind die Wohnräume angeordnet, das erste Obergeschoss beherbergt die Schlafzimmer. Ein Penthouse auf dem flachen Dach wird als Arbeitsraum genutzt. Es ist in Holzbauweise konstruiert und mit einer Holzschalung versehen. Die darunter liegenden Etagen sind in Massivbauweise mit Vollwärmeschutz ausgeführt und teils weiß verputzt, teils mit einer Verkleidung aus Naturstein versehen: Die vorgehängte Fassade aus Donaukalk nimmt das durch die Bruch-

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Architektur

Eine begehbare Garderobe verbindet Elternbad und Schlafzimmer

Holzfronten vermitteln dem Elternbad eine wohnliche Atmosphäre.

steinmauer vorgegebene Thema »Naturstein« am Haus auf und führt es in einer zeitgemäßen Architektursprache fort. Dem fein abgestimmten Äußeren entspricht die sorgfältige Gestaltung im Inneren. Das Elternbad wurde sehr an­sprechend mit venezianischem Sandstein gestaltet: Boden- und Wandverkleidungen, Waschtisch und Wannenverkleidung sind mit großformatigen, fein geschliffenen Platten im Dünnbett belegt. Ein Highlight ist die Dusche: Der Boden besteht aus nur vier Maßplatten mit konzentrisch angeordnetem Abfluss. Der Wandbereich wurde aus Bisazza­mosaik mit Lustro­ shine vom Boden bis zur Decke gezogen, wobei alle Ecken rund vorbereitet waren und danach in einer Abwicklung geklebt werden konnten. Dem Wunsch, das Kinderbad frisch und dennoch dezent auszugestalten, kam man insofern nach, als eine dezent gewellte Grundfliese auf Bund versetzt wurde, entsprechend dem Wandmosaik, welches ebenfalls versetzt auf Netz aufgebracht ist. Lediglich für den Duschboden entschied man sich für Scheiben aus Flusskiesel, welche für die Verlegung ins Gefälle optimal eingesetzt werden konnten. Die Materialien von Joiser wurden in endbehandelter Oberfläche ­ge­­liefert und erleichterten somit die Verarbeitung des Materials wesentlich. n

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Maßarbeit war auch bei der Duschtasse angesagt: Der Boden besteht aus nur vier Platten, der Abfluss ist mittig angeordnet.

Architekt DI Herwig Kroat, Wallmann Architekten, Wien Natursteinarbeiten Franz Bamberger GmbH, ­Trais­kirchen

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Innen

Der »Ich-Raum« Von Ariane Suckfüll

Entfesselte Formenvielfalt: Die Wanne im Origami-Design, die Dusche mit rustikaler ­Verzierung á la Renaissance. Sogar der Boden besteht aus demselben Kalkstein.

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ie Ansprüche an Funktionalität und Design des Bades haben sich g­ eändert. Das Bad wird individueller, größer und wohnlicher. Die Ausstattung soll natürlich und h ­ ochwertig sein – eine Chance für Naturstein.

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Erst war die Küche an der Reihe, dann folgte das Bad: Wohl kaum ein anderer Wohnraum hat in den vergangenen Jahren eine ä ­ hnliche Wandlung vollzogen wie diese beiden ehemaligen Funktionsräume. Denn nur funk­tionieren reicht den Badnutzern schon lange nicht mehr. Das Bad ist ein Ort der Entspannung, der Regeneration geworden, ein ganz privates Refugium, in das man sich vor der Hektik des Alltags zurückzieht. Die Rückbesinnung auf die Sicherheit des Eigenheims und die Selbstinszenierung in den eigenen vier Wänden hat auch vor dem Bad nicht halt gemacht. Die Gestaltung passt sich diesen geänderten Ansprüchen an. Vorbei sind die Zeiten, in denen das Badezimmer vom Boden bis an die Decke gefliest wurde, Bäder dürfen heute wohnliche Wände zeigen. Oder sie sprengen ihre Wände gleich ganz: Im Neubau werden Grundrisse im

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­ rivaten Wohnbereich geplant, die die p Wände zwischen Bad und Schlafzimmer öffnen. Bäder erhalten mehr Fläche und Licht, oft auch einen kleinen Austritt ins Grüne. Das grüne Bad Im Rahmen der Messe ISH 2009 wurde eine Internetplattform eingerichtet, die die Badtrends für die kommenden Jahre visualisierte. Einer der wichtigs­ten Trends ist dabei – wenig überraschend – der sogenannte »Green Bathroom«, also das grüne Bad. Dazu heißt es: Im Green Bathroom werden Sparsamkeit, ein gutes Gewissen und Wellness mit­ einander verbunden. Es dominieren na­türliche, ökologisch unbedenkliche Materialien und zeitloses, langlebiges Design. Der Konsument ist sensibilisiert für die Notwendigkeit eines nachhalti­gen Um­­ gangs mit den natürlichen Ressourcen einerseits und die Abhängigkeit von knapper und teurer werdenden Energiereserven andererseits. Daher ist der

internationale Trend zum nachhaltigen Green Design der vielleicht einflussreichste Trend für die Konzeption, Gestaltung und technische Ausrüstung dieses Badezimmers. Denn im Bad werden sowohl Wasser als auch Energie verbraucht. Das Green-Bathroom-Konzept hilft mit technischen Features, Wasser und Energie zu sparen, ohne auf Komfort zu verzichten, und bietet eine Auswahl ökologisch unbedenklicher Materialien und langlebiger ­Einbauelemente an. Dieser Badtrend kommt dem Einsatz von Naturstein entgegen: natürlich, zeitlos, langlebig und energiesparend in der Herstellung. Wer bei der Einrichtung seines grünen Bades auf Naturstein setzt, der wird vermutlich möglichst naturbelassene, matte, samtige Oberflächen bevorzugen – und das nicht nur am Boden. Eine Wanne aus Stein wirkt archaisch, eine Natursteinheizung ist nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll, sondern gibt auch eine besonders wohltuende Wärme ab.

Bad und Mode Aber Naturstein passt auch zu einem weiteren Trend, der dem Bad von morgen prognostiziert wird: dem FashionBad. Die Verbindung von Mode und Bad deutet sich schon seit einiger Zeit an. Wurde früher der persönliche Stil der Bewohner vor allem im Wohnzimmer zelebriert, so findet diese Inszenierung heute zunehmend auch im Badezimmer statt. Eine Folge ist, dass das Bad immer wohnlicher wirkt. Der Fernseher zieht dann schon mal ins Bad um. Das Gleiche gilt für weite­­re Unter­ haltungselektronik: Spritzwassergeschützte Geräte und Fernbedienungen machen es möglich. Aber nicht nur die Technik zieht ins Bad – auch typische Materialien und Funktionen der Wohnwelt. Eine Liege, Kleinmöbel, vielleicht sogar der Lieblingssessel. Neue Farben, besondere Oberflächen und neue Materialkompositionen sorgen für mehr Atmosphäre. Geöltes Holz, offener Putz und natürlich Materialien wie Naturstein bringen mehr Wärme ins Bad. Welcher

Harmonie in Weiß, Beige und Braun: Die Formensprache des Beckens und der Wandbekleidung korrespondiert mit den sanften Bewegungen des Wassers.

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Innen

Strenge Geometrie: Massive Waschbecken vor einem Wandmosaik aus drei unterschiedlichen Natursteinen.

Stein zum Einsatz kommt, kommt ganz auf den Stil des »Wohnbades« an. Stein kann, je nach Farbe und Oberflächenbehandlung, elegant oder rustikal, klassisch oder modern wirken.

Die ganze Schönheit der Natur: Großformatige Wandbekleidung aus rotem Kalkstein (oben) und ein Waschbecken mit verstecktem Ablauf

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Barrierefrei baden Dass dies auch einen weiteren Grund hat, zeigt ein Trend, der die kommenden Jahre ­prägen wird: Der »Easy Bathroom« steht für ein Bad, das vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung von Alt und Jung gleichermaßen genutzt werden kann. Trendforscher definieren das Konzept des Easy Bathroom so: Es stellt den Menschen in den Mittelpunkt und soll möglichst viele Nutzer ansprechen. Es folgt der Idee des »Universal Design«, bei dem sich niemand ausgeschlossen fühlen soll. Das neue, barrierefreie Bad ist komfortabel, vielseitig und schick. Es zeichnet sich weniger durch spezielle Hilfsmittel aus als durch einfache Funktionalität, eine hohe Fehlertoleranz und eine durchdachte Gestaltung, die flexible Nutzungen zulässt. Hier lassen sich Hilfsmittel unauffällig integrieren, wenn sie gebraucht werden. Im Stil unterscheidet es sich nicht mehr von den konventionellen, design­ orientierten Bädern. Dieses Badkonzept will keine Spezialisierung, sondern Normalität schaffen. n

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Architektur

Am liebsten in groSSen, massiven Stücken Von Elke Berger

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ladimir Djurovic arbeitet als Landschafts­architekt in Beirut. In seinen Projekten sucht er stets einen engen Ortsbezug und beschränkt sich auf die am Ort vorkommenden Landschaftselemente und Materialien. Elke Berger sprach mit Djurovic über seine Entwürfe und seine Einstellung zu Naturstein, der im bergigen Libanon die Gestaltung in den Städten prägt.

Vladimir Djurovic, Vladimir Djurovic Landscape Architectur, www.vladimirdjurovic.com

Inwieweit hat die starke Präsenz der Moderne in Beirut die allgemeine Einstellung zu Beton und Stein beeinflusst? Alle alten libanesischen Gebäude sind aus massivem Stein erbaut, aus Steinen, die Hunderte Jahre überdauern. Stein als Baumaterial ist nach wie vor sehr präsent – Beton kommt heute jedoch die wichtigere Rolle zu, denn mit ihm lässt sich schnell und ganz anders bauen. Er wird im Libanon allerdings auch stark mit der Zerstörung der Umwelt assoziiert.

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Welche Erfahrungen machen Sie mit der Kompetenz der Bauarbeiter in der Verwendung von Beton oder Stein? Beton wird sehr amateurhaft verarbeitet. Man kann hier keinen Sichtbeton ausschreiben: Er sieht meist schrecklich aus und wird letztendlich angestrichen. Beton bekommt das Klima auch nicht gut. Gerade in den Bergen, wo wir im Winter meterhoch Schnee haben, zeigt Beton schnell Risse. Das Bauen mit Naturstein hat dagegen eine Jahrtausende alte Tradition. Es gibt sehr gute Maurer, die wissen, wie

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man Naturstein bearbeitet und richtig verbaut. Die besten findet man bei den Drusen in der Chouf Region. Da das Arbeiten mit Naturstein aber immer weniger nachgefragt wird, geht dieses Wissen verloren. Welche Steine sind typisch für den Libanon? Das sind zum einen Kalksteine in verschiedenen Farben: von Creme über Gelb bis Orange. Zudem gibt es Vulkangesteine, Basalt und außergewöhnlich gemaserten Sandstein, der jedoch ­derzeit unmodern ist. Die Vorkommen von hartem Kalkstein gelten im Libanon als weitgehend ausgeschöpft. Finden Sie noch lokalen Kalkstein in guter Qualität? Es ist tatsächlich schwierig geworden, Steine für Belagsarbeiten zu finden. Zudem variiert die Qualität zwischen den Steinhorizonten auch innerhalb eines Steinbruchs extrem. Darum achten wir sehr genau auf die

Die Elemente des »Hariri Memorial Garden« in Beirut von Vladimir Djurovic sind symbolhaltig. Der Basalt steht für Trauer, das Wasser für Leben und Frieden und die Jacaranda-Bäume für Hoffnung.

Beschaffenheit des Steins. Wir sammeln Proben aus verschieden Steinbrüchen und testen sie regelmäßig in den Laboren der Amerikanischen Universität in Beirut auf Abrieb, Absorptionsver­ mögen und Druckbelastung. Sind die Ergebnisse gut, untersuchen wir, in welchen Mengen dieser Stein in dem entsprechenden Steinbruch verfügbar ist. Wie kontrollieren Sie die Beschaffenheit und Qualität des Steins während des Baus? Wir suchen die Steine schon im Steinbruch sehr gewissenhaft aus. Auf der Baustelle kontrollieren wir dann noch einmal jeden einzelnen Stein. Wenn wir Qualitätsabweichungen befürchten, unterbrechen wir sofort den Einbau und lassen die Steine tes­ten. Man muss lernen, Materialien auch abzulehnen. Wir mustern mindestens 20 Prozent jeder Lie­ferung aus. Was kostet mehr Geld: guter Naturstein oder guter Beton?

Naturstein ist teurer als Beton. Lokale Steine zu verwenden ist aber viel günstiger als sie aus Europa zu beziehen, wie es die meisten Planer tun. Da ich Naturstein fast ausschließlich massiv verwende, kann ich ihn nicht importieren – das wäre viel zu teuer. Warum auch, wenn ich lokalen Stein kaufen kann und damit heimische Familien­ betriebe unterstütze, die seit Generationen mit Stein arbeiten. Allerdings: Die Steinbrüche werden ohne Rücksicht auf die Umwelt betrieben. Von den über 700 Steinbrüchen im Libanon sind viele illegal. Inwieweit versuchen Sie mit Ihrer Materialwahl, den Ort mit seiner Geschichte zu verbinden? Basalt findet sich in allen alten Straßen Beiruts wieder. Der ehemalige Ministerpräsident Rafik Hariri starb 2005 durch eine Autobombe. Der Stein, den wir für sein Denkmal verwendeten, ist dunkel und düster, wie die Trauer nach diesem Attentat. Wir wollten nichts Heiteres in hellen Farben. Wir sollten aufgrund der Nähe zum Regierungssitz explizit keinen öffentlichen Platz entwerfen, sondern ein Denkmal. Also haben wir die ­Wassertreppe nicht mit 15 Zentimeter hohen Stufen gebaut, sondern mit 30 Zentimeter hohen Treppenabsätzen, um darzustellen, dass der Platz eher

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Architektur

Die Absätze von 30 cm sind bewusst gewählt, damit der Memorial Garden eher betrachtet als begangen wird.

betrachtet als begangen werden soll. Die Stufen sind aus massivem Naturstein. Was auch immer passiert, sie werden es überdauern. Brunnen mit reflektierendem Wasserspiegel haben üblicherweise Wartungsschächte mit abnehmbaren Abdeckun­ gen, die dann sehr schlecht altern. Bei uns gibt es keine abnehmbaren Teile, alle sichtbaren Komponenten sind ­massiv. Unter der gesamten Becken­ abfolge haben wir eine technische Ebene eingebaut, von der aus die Anlage gewartet wird. Die Dauerhaftigkeit spielt bei Ihnen eine wichtige Rolle. Für mich ist das definitiv Nachhaltigkeit: Man baut ein Objekt nur einmal – und das auf Dauer. Dann lässt man es ­stehen. An his­torischen Orten wie Rom sieht man, dass die großen, massiven Steine der antiken Ruinen mit dem Alter sogar immer schöner werden. Auch wenn sie angeschlagen oder beschädigt sind: Sie bestehen immer nur aus dem einen Material, es gibt

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keine darunterliegenden Schichten. Naturstein ist mein liebs­tes Material, wir verwenden es in fast allen unseren Projekten. Wenn es das Budget erlaubt, arbeiten wir mit großen, massiven Stücken. Was im öffentlichen Raum nicht immer möglich ist. Im öffentlichen Raum ist es sogar noch wichtiger – er soll von Bestand sein und ist sehr starker Nutzung ausgesetzt. Dünne Platten beginnen schon nach zwei Jahren zu zerfallen, das würde die Stadt in einem ungünstigen Licht erscheinen lassen. Bei öffentlichen Bauvorhaben sind wir noch strikter als bei Wohnprojekten, die weniger beansprucht werden. Was haben Sie für Bauherren, die Sie dabei unterstützen? Für uns ist das gebaute Produkt das Wichtigste. Deshalb fangen wir unsere Projekte quasi am Ende an. Wir nehmen nur acht bis zehn Projekte im Jahr an. Grund­legende Voraussetzung muss sein, dass unsere Bauherren ein Ver-

ständnis für die hohe Qualität des Produktes haben. Wenn wir uns in diesem Punkt nicht einig sind, hat eine weitere Zusammenarbeit keinen Sinn. Wir fangen hinten an und arbeiten, bis wir das Ziel erreicht haben. Es geht dabei nicht um große Theorien oder schwierige Texte, sondern darum, etwas zu schaffen, das den Menschen gefällt, sie der Natur näher bringt und all die subtilen Details hoch schätzen lässt – auf die beste und nachhaltigste Weise. Für mich bedeutet Nachhaltigkeit auch, etwas zu bauen und es dann loszu­ lassen. In der traditionellen Architektur scheint alles zeitlos. In den alten libanesischen Dörfern hält Naturstein die Häuser im Winter warm und im Sommer kühl. Er sieht im Alter wunderschön aus. Auch die alten handwerk­lichen Techniken sind immer noch aktuell, weil sie so gut funktionieren. Wenn wir in der Wüste arbeiten, recherchieren wir alle neuen Technologien, aber noch wichtiger ist uns zu untersuchen, wie die Menschen früher in dieser Umgebung lebten. Sie verfügten über faszinierende Techniken, die heute aber meist zugunsten von Hightech-Lösungen ignoriert werden. Dabei haben sie früher alles richtig gemacht. n Aus dem Englischen von Caroline Ahrens

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Plätze

Das neutrale Grau des Gebhartser Syenit verbindet die Gebäude optisch miteinander, in die Pflanztröge sind ­Sitzelemente integriert.

Naturstein verbindet Von Susanne Lorenz

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ie Stadt Gerlingen in Süddeutschland feierte im Sommer 2008 die Fertigstellung des neuen Rathausplatzes. Der Naturstein G ­ ebhartser Syenit wurde wegen seiner Langlebigkeit, vor allem aber unter farblichen Aspekten als verbindendes Element für die Platzgestaltung gewählt.

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Das Schachbrettmuster entsteht durch geflammte (neben polierter) Oberflächenbearbeitung.

Situation vor der ­Neugestaltung Vor der Sanierung und Umgestaltung war der Rathausplatz in Gerlingen eigentlich gar nicht gestaltet, so die Landschaftsarchitektin Gisela Marta Stötzer vom Landschaftsarchitekturbüro Stötzer und Stötzer aus Freiburg im Breisgau. Eine wenig attraktive Fläche aus Beton und Asphalt verband oder besser trennte die Gebäude rund um den Platz im Zentrum des Ortes von­ einander, das Alte Rathaus wirkte wie abgeschnitten. Um den unregelmäßig geformten Platz herum befinden sich zudem das Neue Rathaus, die Stadt­ halle, das Hallenbad, ein Bankgebäude sowie darunter eine Tiefgarage. Der Höhenunterschied von bis zu fünf Metern war mit hohen, abweisenden Treppenfronten überbrückt. Funktion des Platzes Der Rathausplatz soll nicht nur die ver­ schiedenen Gebäude erschließen, son­ dern zugleich als urbaner Treffpunkt, als Ort der Kommunikation dienen. Man soll dort verweilen können, aber auch optimalen Zugang zu den umlie­ genden Geschäftsstraßen und dem nahen Schulzentrum haben. Zudem wünschte sich die Bürgerschaft die Möglichkeit, Veranstaltungen und Markt­ tage durchzuführen, wie eine Bürger­ befragung der Stadtverwaltung im Jahr

Polierte Spiegelflächen der Treppenstufen mit integrierter Beleuchtung sorgen für besseren Kontrast und gute Begehbarkeit.

2005 ergab. Aus diesem Grund musste ein entsprechend massiver, belastbarer Unterbau mit Versorgungsleitungen ein­ geplant werden. Eine Bushaltestelle befindet sich am Rand des Platzes und wurde in das Konzept aufgenommen. Zielsetzung der Gestaltung Mitte des Jahres 2005 lobte die Stadt einen Ideenwettbewerb mit anschlie­ ßendem städtebaulichem Realisierungs­ wettbewerb aus, aus dem das Büro Stötzer und Stötzer als Sieger her­ vorging. Entscheidend waren unter anderem eine klare räumliche Definition, die deutliche Verbesserung der Topografie,

ein besserer und barrierefreier Zugang zu den öffentlichen Gebäuden sowie die moderne Treppenanlage. Einladende Sitzmöbel, ein zeitgemäßes Beleuchtungskonzept, neue, frische Grünanlagen sowie die »Lebensader« Wasser komplettieren den Rathausplatz an der Oberfläche. Mit der Erweiterung der Tiefgarage wurden die oben entfal­ lenen Parkplätze kompensiert. Umsetzung durch die ­Wettbewerbssieger Der Entwurf von Stötzer und Stötzer lässt drei Teilbereiche des Platzes ablesbar werden und vereint diese zugleich: Rathausplatz, Umgebung des

Die Fläche vor dem Rathaus ist mit groß­ formatigen Granit­ platten gepflastert und flexibel nutzbar.

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Plätze

Wassertisch und Stufen verbinden das unterste Platzniveau mit der­ ­Fläche vor dem Rathaus.

Alten Rathauses und den oberen Platz vor der Stadthalle und dem Hallenbad. Ein Durchgang in die benachbarten Straßen und Bereiche ist natürlich wei­ terhin möglich und wird durch beglei­ tende Grünflächen gefördert. Als Über­ gang zum vierten Platzraum, der Tief­ garage, fungiert ein gläsernes Zugangs­ gebäude auf dem Platz. Die Neugestal­ tung verbindet die einzelnen Platzräume fließend miteinander, es gibt keine optischen und gestalterischen Brüche mehr. Die größte Fläche befindet sich vor dem Neuen Rathaus. Sie ist über drei flache Stufen vom Alten Rathaus zu erreichen und blieb weitgehend frei von Bebauung, damit sie flexibel für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden kann. Von der Straße aus kann sie direkt befahren werden. Einen weiteren Höhensprung mit sechs Stufen vollzieht der Platz vor dem Bank­

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gebäude, seitlich steht das Glashaus als Lichtspender und Zugang zur Tief­ garage. Der längliche, oberste Platzbereich vor der Stadthalle hebt sich zur Bank mit drei breiten Blockstufen ab, dieser Höhenunterschied flacht Richtung ­Hallenbad ab. Vor dem Foyer der Stadt­ halle ist der Boden im Schachbrett­ muster gestaltet und erhält dadurch optische Eigenständigkeit. Den Eingang des Schwimmbades erreicht man über mehrere Stufen. Die Höhenunterschiede der verschie­ denen Platzbereiche sind mit Treppen und behindertengerechten Rampen aus Naturstein verbunden, und das Licht­ konzept tut hier ein Übriges: In die Spiegelflächen der Treppen und in die Seiten der Rampen sind Lichtbänder eingelassen, die die Objekte indirekt beleuchten. Die Gebäude, Möblierung

und Bepflanzung auf dem Platz sind ebenso erhellt. Pflanzeneinfassungen, Wasserläufe und die Pflanztröge mit Sitzelementen bestehen aus gegossenem Beton, sind aber farblich dem Naturstein ange­ passt. Das Gestaltungselement Wasser durchzieht, begleitet von Grünanlagen, den Platz als Bachlauf über mehrere Niveausprünge und mündet in das große Becken vor dem Rathaus. Außer­ dem vermittelt ein Wassertisch mit Mosaikbecken zwischen dem untersten Höhensprung. Entscheidung für den ­Naturstein Nach mehrfachen Bemusterungen und Begutachtung durch die Architekten und die Stadt Gerlingen fiel die Entschei­ dung hinsichtlich des Natursteinbelags schließlich auf Gebhartser Syenit, einen

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Der obere Platzbereich wirkt durch die Verlegerichtung der Platten, Wasser­ lauf und Begrünung einladend.

dunklen Granit von bester Güte. Ent­ scheidend waren einerseits die gute Begehbarkeit und Rutschfestigkeit der Trittfläche durch die geflammte Oberflä­ che, andererseits wurden die Maserung und die Beschaffenheit sowie die Lang­ lebigkeit und die Herkunft aus österrei­ chischem Bruch positiv bewertet. Das Material war in großen Platten verfüg­ bar, so dass der weitläufige Platz­ bereich vor dem Neuen Rathaus wie gewünscht mit Elementen in entspre­ chenden Abmessungen belegt werden konnte. Auch Blockstufen aus Gebhart­ ser Syenit wurden gewählt, wobei die Spiegelseite geschliffen und etwas dunkler ist, damit die Terrassierung gut sichtbar wird. In die Blockstufen und seitlich in die Rampen sind Schlitze ­eingearbeitet, in denen die horizontalen blauen und weißen Lichtlinien verlau­ fen. Sie führen bei Dunkelheit über den Platz. Farbe verbindet Ausschlaggebend war jedoch letztlich die Farbe des Granits. Das dunkle, ­neutrale Grau des Gebhartser Syenits wurde als optimal befunden, um die verschiedenfarbigen Gebäude des Platzes optisch so zu vereinen, dass er Verbindungs- und nicht mehr Trennungs­ raum war. Die zurückhaltende dunkle Farbgebung

Die Granitplatten wurden im Läuferverband in D ­ ränbeton verlegt.

hebt sich nicht wie hellere Nuancen nach oben ab, sondern beruhigt den Platz, indem es die verschiedenen Materialien der Gebäude ringsum visu­ ell verknüpft. Durch die unterschied­ liche Größe der Platten strahlt der Belag trotzdem Lebendigkeit aus. Beim Schachbrettmuster im Boden vor der Stadthalle wurde die ansonsten durch­ gehend verwendete geflammte Ober­ flächenbearbeitung mit geschliffenen Platten kombiniert, um das geome­ trische Muster zu erzielen. Verlegt wurde der Granit im Läufer­ verband mit durchgehenden, geschlos­ senen Fugen, entsprechend den natür­ lichen Höhenlinien und in Dränbeton. Split aus Gebhartser Syenit fand als Ziermaterial Anwendung. Insgesamt wurden rund 4700 m² Bodenplatten mit vorwiegend geflammter, teils geschliffener Trittflä­ che, gefrästen und leicht angestrahlten Kanten sowie sandgestrahlten Unterla­ gern, und Block-, Tritt- und Setzstufen verwendet. Bei der Neugestaltung des Gerlinger Rathausplatzes wurde das hochwertige Material nicht nur wegen seiner Güte, sondern auch wegen der verbindenden farblichen Qualität einge­ setzt. Das Konzept ging auf, der Platz ist städtebaulich und in puncto Natur­ stein gelungen und wird von den Bür­ gern gut angenommen. n

Bauherr Stadt Gerlingen, D-Gerlingen Planende Landschaftsarchitekten Stötzer und Stötzer Landschafts­ architekten, D-Freiburg i. B. Natursteinlieferant Poschacher Natursteinwerke, St. Georgen Natursteinberatung WS-Granit-Natursteine GmbH, D-Hauzenberg Material Gebhartser Syenit ca. 4700 m² Bodenplatten, Ober­ flächen zum größten Teil geflammt, teilweise geschliffen, in unter­ schiedlichen Formaten; 700 lfm gerade Blockstufen, Ober­ flächen geflammt, in unterschied­ lichen Formaten; neun gerundete Blockstufen, zehn Eckblockstufen, Oberflächen geflammt; 53 m² Fassadenplatten, Ansicht geschliffen; Tritt- und Setzstufen, Gebhartser Ziersplitt 4–8 mm gewaschen

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Plätze

Marktplatz mit Steinteppich Von Susanne Lorenz

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ür die Neugestaltung des Marktplatzes im Zentrum von Mondsee gewann die Marktgemeinde im Salzkammergut den bekannten Architekten Boris Podrecca. Als Material wurden Gebhartser Syenit, Krastaler und der burgenländische Pannonia Grün als Mehrschichtplatten verwendet.

Bild oben: Das neutrale Grau des Gebhartser Syenit verbindet die Gebäude optisch miteinander, in die Pflanztröge sind Sitzelemente integriert.

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Nach rund einjähriger Bauzeit wurde im Juni 2010 der neu gestaltete Marktplatz in Mondsee fertiggestellt. Die Pläne stammen vom renommierten Wiener Architekten und Universitätsprofessor Boris Podrecca, der bereits zahlreiche Plätze gestaltet hat. Zielsetzung der Platzgestaltung in Mondsee war es in erster Linie, die historische Atmosphäre des Marktplatzes und die Natürlichkeit der Umgebung des Mondseelandes zu unterstreichen. Die Platzstruktur Bei dem Platz, der im Zentrum der oberösterreichischen Stadt liegt, handelt es sich um einen unregelmäßig geformten Stadtraum, der durch einen bogenförmigen Abschluss zur Straße begrenzt wird. Um den Platz befinden sich historische Gebäude wie die Basilika St. Michael, das ehemalige Kloster und heutige Schloss Mondsee und das Gemeindeamt sowie weitere Bauwerke, die die regionale Bautradition widerspiegeln. Der neue Stadtraum schließt einerseits Kirch- und Marktplatz zusammen, andererseits wurde bei der Neugestaltung Wert darauf gelegt, dass sich der Kirchenvorplatz gegenüber der Fläche des

Auch der »Kirchenteppich« wurde mit Mehrschichtplatten gestaltet.

Gemeindehauses optisch abhebt. Vorher waren Kirch- und Marktplatz durch eine Straße getrennt. Der Höhenunterschied zur angrenzenden Straße neben dem Kirchplatz ist mit Stufen überbrückt. Die Gestaltung Die optische Eigenständigkeit des Kirchplatzes wurde durch einen »steinernen Teppich« mit auffallendem Zick­ zackmuster erreicht. Bei ihm wechseln sich helle und dunkle Bahnen aus Naturstein ab. Durch das geometrische Muster fühlt sich der Besucher von dem Platz angezogen, zugleich ver-

Der neu gestaltete Platz schafft neue ­Verbindungen von Kirch- und Marktplatz.

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Plätze

Bauherr Marktgemeinde Mondsee Architekt Atelier Podrecca, Wien Natursteinlieferant Lauster Steinbau GmbH, Einöde bei Villach Poschacher Natursteinwerke, St. Georgen, Lauster Naturstein 660 m² Bodenplatten aus Verde ­Fontain, ­Trittfläche geflammt, 3 cm stark; 740 m² Bodenplatten aus Rauchkristall, ­Trittfläche und Unterlager gestockt, 3 cm stark; 643 m² Bodenplatten aus Pannonia grün, ­allseitig sandgestrahlt, 3 cm stark und Blockstufen aus Pannonia, ­allseitig ­sandgestrahlt; 500 m² Kleinsteine aus Gebhartser Syenit, 9 x 9 x 9 cm

schafft er dem Sakralbau Freiraum. Der Teppich ragt in die Fläche vor dem Gemeindeamt hinein, so entsteht eine Verbindung: Dieser Platz schließt sich nahtlos an den »Kirchenteppich« an, doch ist er optisch beruhigt und erhält durch die einheitliche Gestaltung mit Pannonia-Bodenplatten Eigenständigkeit. In den Platz vor dem Gemeindeamt wurde ein Baum in quadratischer Aussparung integriert, zudem wird die Fläche durch einen Brunnen belebt, dessen Entwurf ebenfalls von Boris Podrecca stammt. Der abgerundete Platzabschluss ist mit Kleinsteinen aus Gebhartser Syenit gepflastert. Kugel­ förmige Elemente verhindern, dass der Platz befahren wird. Der Naturstein Für den »Kirchenteppich« mit Zickzack­ muster wurden Bodenplatten aus Verde Fontain und aus Rauchkristall im Wechsel, beide 3 cm stark, verwendet. Die Trittfläche ist jeweils geflammt und

garantiert gute Begehbarkeit, die Unterlager der Rauchkristallplatten sind gestockt. Der grünliche Pannonia vor dem Gemeindehaus wurde in gestrahlter Qualität verlegt. Bei dem Belag handelt es sich um Topstone-Mehrschichtplatten, also GranitBeton-Verbundplatten, bei denen auf einem circa 15 cm starken Betonsockel die 3 cm starken Natursteinplatten dauerhaft aufgebracht sind. Es wurden ausschließlich Steine verwendet, die sich für die Nutzung im Außenbereich gut eignen. Die Stärke des Betonunterbaus variiert je nach statischen Anforderungen. Auch die Blockstufen seitlich des Kirchplatzes sind mit TopstonePanno-niaplatten gefertigt. Das Material ermöglicht eine hoch­wer­ tige und zugleich preisgünstige Oberflächengestaltung auch für größere Flä­ chen, wie der rund 2000 m² große Platz in Mondsee beweist. Der Gestaltungsfreiheit sind mit diesen Mehr­schicht­ platten kaum Grenzen gesetzt. n

Baustelle: Die Natursteinplatten sind mit dem Betonsockel dauerhaft verbunden.

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Garten

Steine im Asia-Garten Von Daniel BĂśswirth

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b in Japan, China oder Korea: Stein hat in der asiatischen Gartengestaltung einen sehr hohen Stellenwert. Kein anderes Material wird so intensiv, universell und fantasiereich eingesetzt. Durch die Jahrhunderte alte Tradition hat sich eine unglaublich vielseitige Kultur der Stein­ verwendung entwickelt, die auch fßr die moderne Gartengestaltung inspirierend ist.

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Meditation statt Nutzgarten Die Vorstellung von einem Garten könnte zwischen Asien und Europa ­konträrer nicht sein: Während mit euro­ päischen Gärten meist auch ein prak­ tischer Nutzen verbunden ist, dienen asiatische Gärten der hohen Schule der reinen Betrachtung. Einen Garten aus­ schließlich für die geistige Meditation anzulegen und diesem Konzept alles unterzuordnen sowie die strenge Cho­ reografie üben oft eine ganz besondere Faszination auf Europäer aus. So sind japanische Gärten eng mit der Zen-­ Philosophie verbunden. Unter dem Ein­ fluss von Buddhismus und chinesischer Philosophie sowie dem Shintoismus entstanden kunstvoll angelegte Medi­

tationsgärten, denen ein ausgeprägtes Gefühl für Raum und Rhythmus inne­ wohnt. Quelle der Inspiration Es ist nicht ratsam, die hohe Kunst der asiatischen Gartengestaltung einfach nachzuempfinden und in die europä­ ische Kultur zu übernehmen. Jahrhun­ derte alte und fremde Traditionen las­ sen sich nicht so leicht in die westliche Welt übertragen und auch leben. Nichts spricht jedoch dagegen, sich von der faszinierenden Verwendung von Stein im asiatischen Garten anstecken zu lassen und etwas Neues zu erschaffen. Geschickt in den Garten eingebunden, können viele Elemente wie Steinbrun­

Farbharmonie zwischen Bepflanzung und Steinen

Shishiodoshi, ein traditio­ nelles Wasserspiel der ­japanischen Gartenkunst

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Garten

Mit Kieselsteinen ausge­ pflastertes Bachbett.

Gerechte Wellen im Kiesbeet und Steininseln in einem neu angelegten Garten.

nen, Pagoden oder gerechte Kiesflä­ chen wunderbar mit moderner Garten­ gestaltung kombiniert werden. Als Quelle der Inspiration spielt wie bei der asiatischen Gartenkunst die Natur eine große Rolle. Eigenwillige Solitärsteine oder auffallende Steingruppen dienen als Landmarken und prägen Land­ schaften. Im Garten stehen bewusst angeordnete und einfühlsam gesetzte Steine, die aus ihrer Proportion und Lage zueinander Spannung schöpfen. Transformieren statt Kopieren Die intensive Auseinandersetzung mit der Natur spiegelt sich nicht nur in der Gestaltung asiatischer Gärten wider, sondern hat ihre Wurzeln auch in der japanischen und chinesischen Philosophie. Es geht nie darum, etwas detailgetreu nachzustellen und zum Bei­ spiel einen Bachlauf 1:1 in den Garten

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zu übertragen und damit einfach nur ein Abbild der Natur zu erschaffen. ­Vielmehr wollten die alten Meister die Natur in ihrem Wesen erfassen und in den Garten transformieren. Durch den schroffen, direkten und schlichten »Charakter«, der Stein innewohnt, nimmt das universell einsetzbare Mate­ rial in fernöstlichen Gärten eine heraus­ ragende Stellung ein. Äußerer Schön­ heit von Steinen wird weniger Aufmerk­ samkeit geschenkt als ihrer assozia­ tiven Wirkung. Welche Bilder können sie erwecken, welche Erinnerungen wach­ rufen? Erosion, Verwitterung und Zer­ klüftung – jeder Stein trägt auch eine Geschichte in sich. Gesucht waren stets Steine, die eine besondere Aus­ strahlung hatten. Frisch aus dem Stein­ bruch gebrochen wirken die Blöcke gleichförmig und sind für die Verwen­ dung im Sinne der asiatischen Garten­

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Garten

Steinblöcke tauchen wie eine Insel aus dem Meer der kleinen Splittstein­ chen auf.

philosophie ungeeignet. Besser lassen sich Findlinge aus Schotterwerken oder zumindest jahrelang abgelegene Steine verwenden. An ihnen hat schon der Zahn der Zeit genagt, sie haben sich schon individuell geformt und – wenn man so will – ihren Charakter gefunden. Die richtige Auswahl der Steine für den Garten ist damit eng mit den Fähig­ keiten des Gestalters verknüpft, der interessante Steine von gewöhnlichen auslesen muss. Gerechte Steinchen ­erwecken den Eindruck von sich ­kräuselnden Wellen.

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Auf den Punkt gebracht Auf der Suche nach dem wahren Wesen der Natur sind asiatische Gärten geprägt von Klarheit und Konzentration auf ­Formen, Einfachheit und Harmonie. Das Grundmotiv in der Gestaltung ­lautet: weglassen des Überflüssigen, beschrän­

ken auf das Wesentliche. ­Manche japa­ nische Gärten kommen ganz ohne Pflan­ zen aus, es gibt aber keinen einzigen Garten, der ganz auf Stein verzichten könnte. Die höchste Kunst stellt ein rei­ ner Steingarten dar, der ausschließlich aus Sand, Kies und Steinen besteht. Im liebevoll ausgestalteten Kieselstein­ pflaster zeigt sich, dass asiatische ­Gärten durchaus Sinn für Detailliebe aufweisen. Doch die einzelnen Elemen­te wie Steinpagode, Brunnen, Laterne oder Brücke werden nur sehr behutsam eingesetzt. Auf engstem Raum alle ­Elemente vereinen zu wollen, wider­ spricht allen Gestaltungsprinzipien. Schön gefertigte Einzelstücke oder ­Produktionen nach einem Meisterstück unterscheiden sich hier wohltuend von Massenware.

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Rechen statt flieSSen Der Trockenwasserfall japanischer Gär­ ten ist ein gutes Beispiel für die Liebe zur Abstraktion – die Illusion ist wich­ tiger als das Element selbst. Die ­»stürzenden« Steinkaskaden aus Felsen erzeugen auch ohne Wasser eine dyna­ mische und zugleich kühle Atmosphäre. Dabei ist der Wasserfall nicht bloß ein Miniaturlandschaftsgarten, ein Abbild der Natur. Dimensionen und Proportionen müssen nicht den realen Gege­ benheiten entsprechen. Mit Kies und Splitt lässt sich eine erstaunliche Wirkung erzielen: Wellen­ kräusel, wirbelnde Fluten oder exakte Kreise mit einer Steininsel als Zentrum

– die Liebe zur Perfektion und ein ein­ facher Holzrechen machen es möglich. Ebenso raffiniert sehen eng gelegte, gewöhnliche Flusskiesel aus. Durch die rhythmische, geordnete Struktur der vielen, kleinen, gewölbten Rundungen wird eine Dynamik erzeugt, die stark an fließendes Wasser erinnert. Perfektio­ niert wird die Illusion eines trockenen Bachlaufes, wenn Trittsteine zum Über­ queren des Bachbettes einladen. Shishiodoshi Das japanische Shishiodoshi gießt ­Wasser in Zeit. Ein hohles, an einem Ende verschlossenes, kurzes Bambus­ rohr wird von einer eigenen Zuleitung

Steinlaternen gibt es in unzähligen Variationen. Gefragt sind Unikate.

Kiesflächen und Findlinge passen gut in asiatische Gärten.

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Garten

Trockenbachbett mit einem Trittsteinweg zum Überqueren

Weniger ist mehr: Stein, Kiesfläche und Bambus

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langsam befüllt. In seiner Mitte ist es beweglich befestigt, sodass es sich zum offenen Ende hin neigt, wenn eine bestimmte Füllmenge überschritten ist. Es entlässt das Wasser in einem Schwall, um dann, leer geworden, wie­ der in die Ausgangsposition zu kippen – ganz den Gesetzen der Schwerkraft gehorchend. Dabei schlägt sein Ende auf einen flachen Stein am Boden und erzeugt ein klackendes Geräusch, des­ sen regelmäßige Wiederkehr eine medi­ tative Wirkung ausübt. Die konturlose Zeit wird in kleine Einheiten geteilt, und erst die regelmäßige Störung der Stille macht diese spürbar.

Japanischer Steinbrunnen Im traditionellen japanischen Teegarten ist ein kleines Wasserbecken mit einer Schöpfkelle aus Bambus ein wesent­ liches Element. Es dient der ritu­ellen Reinigung vor der Teezeremonie. In ­Verwendung sind aus Stein herausge­ arbeitete formale Becken oder grob behauene Findlinge, in die eine kleine, beckenförmige Ausnehmung gemeißelt ist. Solche mit Wasser gefüllten Stein­ schalen lassen sich auch für Spiele­ reien verwenden. Wie kleine Schiffchen treiben die bunten Blüten von Marga­ riten, Ringelblumen, Dahlien oder Gaza­ nien auf dem kleinen Meer aus Stein­ chen. An einem schattigen Ort im Gar­ ten bringen sie Farbe in sonst blüten­ lose, düstere Ecken. n

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VÖN intern

Die Tradition fortführen Rudolf Buryan sen. verstarb Ende März 2011. Sein Sohn Rudolf wird die Stärken des Familienunternehmens weiter ausbauen.

Die österreichische Natursteinbranche hat mit Rudolf Buryan sen. einen profilierten Vordenker verloren. Ursprünglich gelernter KFZ-Mechaniker absolvierte er die Buchhalterprüfung und arbeitete mehrere Jahre in der IT-Branche als Programmierer. Mit der Übernahme der Geschäftsleitung der Rada Naturstein GmbH in Poysdorf im Jahr 1980 setzte er von Anfang an auf die elektronisch gestützte Arbeitsplanung und Fertigung: Mit der Verknüpfung von handwerkEinen Meilenstein markierte 1990 das lichem Können und moderner TechHaas-Haus, dessen Fassade mit rundem nologie setzt Rudolf Buryan jun. die Grundriss und diagonaler Fugenteilung Unternehmensphilosophie seines nur unter Anwendung von CAD- und CNC- Vaters fort. Fertigung möglich war. Die Umsetzung der von Hans Hollein entworfenen Fassade wurde 1991 mit dem PilgramArchitekturpreis ausgezeichnet, den das Unternehmen später mehrfach für Arbeiten im Hochbau und im Innenausbau erhielt. Inzwischen ist der gehobene Privat- und Geschäftsbau ein Schwerpunkt bei Rada Naturstein.

Das Handwerk fördern Das zweite Standbein sind an­­ spruchsvolle Restaurierungen wie die derzeitigen Arbeiten am Südturm des Wiener Stephansdoms. Rada ist eines von vier Unternehmen, die dafür am Stephansdom zugelassen sind. Typische Arbeiten sind der Austausch von Fassadenstücken und das sogenannte »Anarbeiten« der Krabben oder Kreuzblumen als Vorbereitung für den Mit dem Pilgrampreis ausgezeichnet: Die Bildhauer. Die Weitergabe der traditechnisch aufwendige Natursteinfassade des tionellen Steinmetzkunst ist Teil der Haas-Hauses realisierte Rada 1990 komplett Firmenphilosophie und garantiert mit CAD/CAM. den hohen Qualitätsanspruch. Jedes Jahr wird mindestens ein Lehrling ausgebildet, der in der Regel auch übernommen wird. Derzeit hat Rada 30 Mitarbeiter und ist in Österreich, aber auch im europäischen Ausland aktiv. Trotz des überraschenden Todes seines Vaters wird es bei Rada keine Zäsur geben, betont Rudolf Buryan jun. Die Stärke von Rada liegt in der hohen Flexibilität und der Fähigkeit, rasch auf Kundenwünsche einzugehen. Für die Zukunft will Rudolf Buryan jun. keine Experimente beginnen, sondern die Stärken des Unternehmens im Privatbau und in der Restaurierung weiter ausbauen.

Österreich Redaktion Streitfeldstraße 35, D-81673 München Postfach 80 04 09, D-81604 München Fon +49 89 /43 60 05-194, Fax +49 89 /43 60 05-113 E-Mail: redaktion@s-stein.com Internet: www.s-stein.com Chefredaktion: Willy Hafner (verantw. für den ­redaktionellen Inhalt, Anschrift: Scheyerner Weg 1, D-80638 München), Fon +49 89/17 80 96 58 Redaktion: Katharina Baus Fon +49 89/43 60 05-186 Ariane Suckfüll, Fon +49 89/43 60 05-124 Gabriele Oldenburg (Geschäftsführende Redakteurin), Fon +49 89 /43 60 05-194 Richard Watzke, Fon +49 86 54/67 02 03 Ständige Mitarbeiter: Jörg Stephan, München;  Anne-Marie Ring, München Gestaltung: allegria | design, Oppermann, München

Abonnementservice Zu beziehen bei: Vereinigung Österreichischer Natursteinwerke Scharitzerstraße 5/II, A-4020 Linz Fon +43 7 32/65 60 48 und +43 76 12/8 73 36 Fax +43 76 12/8 94 33 Erscheinungsweise: 2 x jährlich

Verlag Verlag Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG Streitfeldstraße 35, D-81673 München Postfach 80 04 09, D-81604 München Fon +49 89/43 60 05-0 Fax +49 89/43 60 05-113 Internet: www.callwey.de Persönlich haftende Gesellschafterin: Georg D.W. Callwey Verwaltungs-GmbH Alleiniger Gesellschafter: Helmuth Baur-Callwey, Verleger in München Kommanditisten: Helmuth Baur-Callwey und Dr. Veronika Baur-Callwey, Verleger in München; Dr. Marcella Prior-Callwey und Dominik Baur-Callwey, Geschäftsführer in München Geschäftsführer: Dr. Marcella Prior-Callwey, Fon -165 und Dominik Baur-Callwey, Fon -159 Herstellungsleitung: Alexander Stix, Fon -167, Fax -164 Druck, Bindung: Kessler Druck + Medien, Michael-Schäffer-Straße 1, D-86399 Bobingen Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Abbildungen sind ur­heber­recht­lich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Ur­heber­rechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlages. Erfüllungsort und Gerichtsstand: München

Für die Zukunft gestalten.

Fotonachweis:

Robert Fessler, Lauterach, Titel, S. 4, S. 8-11, S. 12-16; ­Daniel Böswirth, Wien, S. 4, S. 50-56; DI Anja Fischer, Wien, S. 4, S. 8-11; Stefan Müller, D-Berlin, S. 4, S. 6, S. 18-21; Thomas Eicken, D-Mühltal, S. 6; Richard Watzke, D-Freilassing, S. 8-11, S. 34-37, S. 57; DI Ernst Beneder, Wien, S. 12-16; Dietmar Strauß, D-Besigheim, S. 22-24; List General Contractor GmbH, www.list.at, S. 26-28; ­Therme Linsberg Asia www.linsbergasia.at, S. 26-28; Dr. Edith Almhofer, Wien, S. 30-32, Matteo Piazza, I-Mailand, S. 38-40; Stötzer & Stötzer, D-Freiburg i. B., S. 42-45; B­ etonwerk Rieder GmbH, Maishofen, S. 46-48; Forum Qualitätspflaster, Wien, S. 46-48

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Mitgliedsbetriebe der VÖN

Wr. Neustädter Straße 137–139, 2514 Traiskirchen, Tel. 0 22 52/80 52 10, Fax 8 53 52 www.marmorwelt.com, bamberger@naturstein.co.at

Steinmetzbetriebe Franz Bamberger GmbH

Gegründet 1953, etwa 130 Beschäftigte. Das moderne Maschinenequipment ermöglicht technisch und gestalterisch anspruchsvollste Natursteinarbeiten. Neben allen einschlägigen Steinmetzarbeiten liegt der Tätigkeitsschwerpunkt in der Ausstattung von Wohnungen und Hotels der Luxusklasse. Eigene Büros in Deutschland, Schweiz, Großbritannien und der Russischen Föderation.

Untere Landstraße 20, 4055 Pucking, Tel. 0 72 29/7 98 60, Fax 7 98 60 11 www.casa-sasso.at, office@www.casa-sasso.at

casa sasso Steinmetz GmbH

Naturstein, Marmor und Granit sind Klassiker in allen Bereichen anspruchsvoller Architektur. Aus vielerlei Gründen. Hier begeistert die Ästhetik des natürlichen Materials. Dort inspiriert die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten. Luxuriös, elegant, rustikal, modern. Was immer Ihnen zu Stein einfällt, casa sasso ist der richtige Partner zur fachmännischen Umsetzung Ihrer Ideen und Wünsche. Mit Komplettlösungskompetenz. Badener Straße 25, 2514 Traiskirchen, Tel. 0 22 52/52 22 40, Fax 52 22 47 www.ecker-stein.at, office@ecker-stein.at

Steinmetzmeisterbetrieb Wolfgang Ecker Ges.m.b.H.

Höchster Qualität und Professionalität in der Verarbeitung von Naturstein hat sich der 1965 gegründete Steinmetzmeisterbetrieb Wolfgang Ecker verschrieben. Klassische Arbeiten wie Fassadengestaltung, Bodenbeläge oder Fensterbänke sind ebenso Bestandteil der handwerklichen Palette wie Arbeiten in der Denkmalpflege.

Schulstraße 4, 2632 Grafenbach, Tel. 0 26 30/3 71 13, Fax 3 71 13-19 www.gersthofer.at, stein@gersthofer.at

Komm. Rat. Johann Gersthofer Ges.m.b.H.

Seit 1902 bürgt die Firma Gersthofer für höchste Qualität in der Natursteinverarbeitung und verbindet das traditionelle Handwerk mit modernster Technologie und Leidenschaft für Steine. Ausführungen von Steinmetz- und Kunststeinarbeiten für innen und außen (Boden- und Stufenbeläge, Fassaden, Küchenarbeitsplatten etc.).

Wiestalstraße 10, 5411 Oberalm (Salzburg), Tel. 0 62 45/8 35 04, Fax 8 35 05 33 www.marmor-kiefer.at, office@marmor-kiefer.at

Marmor-Industrie Kiefer GmbH

Mit 38 Mitarbeitern gewinnt und verarbeitet die Marmor Kiefer Marmorvorkommen aus eigenen Steinbrüchen in Adnet und am Untersberg. Verarbeitet wird auch Gollinger Konglomerat. Ein Viertel der Produktion wird exportiert. Wichtige Bereiche sind die Denkmalpflege und der hochwertige Innenausbau.

Au 17, 4710 Grieskirchen, Tel. 0 72 48/6 82 95, Fax 6 82 95-7 www.kienesberger-stein.at, info@kienesberger-stein.at

Kienesberger Steinmetzmeister GmbH & Co. KG

Seit drei Generationen bearbeiten wir Naturstein auf höchstem Niveau. Die Liebe zum Material, eine moderne Produktion und die handwerklichen Fähigkeiten der Mitarbeiter sind unsere Grundlage. Damit schaffen wir Unikate. Mit Kalkstein aus unserem eigenen Steinbruch im Salzkammergut und aus allen weltweit verfügbaren Natursteinen.

Steinweg 2, 9554 St. Urban, Tel. 0 42 77/82 41, Fax 82 41-11 www.kogler-natursteinwerk.at, kogler.naturstein@aon.at

Josef Kogler Natursteinbruch und Schotterwerk GmbH

Der Blau-Grüne Carat, ein Naturstein von hoher Qualität, abgebaut im eigenen Steinbruch in St. Urban, ist das Herzstück der Produktpalette der Firma Kogler Naturstein. Das 1954 gegründete Unternehmen bietet ein umfassendes Angebot an Naturstein-Produkten für den Innen- und Außenbereich. Moderne Technologie und erfahrene Handwerker garantieren die Produktqualität.

Krastaler Straße 28, 9541 Einöde b. Villach, Tel. 0 42 48/27 82, Fax 20 17 www.laustersteinbau.de, office@lausternaturstein.at

Lauster Naturstein GmbH Natursteinwerke

Lauster gewinnt und verarbeitet Naturstein seit über 200 Jahren. Das Unternehmen war maßgeblich an der Entwicklung der zeitgenössischen Fassadentechnik beteiligt. Zurzeit gewinnt das Unternehmen in eigenen Steinbrüchen im Krastal in Kärnten den kristallinen Marmor Krastaler Marmor und in Osttirol den Serpentinit Tauerngrün und den Chloritschiefer Dorfergrün.


Wiener Straße 65, 8605 Kapfenberg, Tel. 0 38 62/22 45 2, Fax 22 45 24 www.matschy.com, office@matschy.com.at

Matschy GmbH Stein & Design

Die Tradition sowie die speziellen Fähigkeiten in der Gestaltung und Verarbeitung von Naturstein sind über mehrere Generationen entwickelt und aufgebaut worden. Durch diesen Umstand sind wir einer der technisch modernsten Meisterbetriebe in der Steiermark. Besuchen Sie unsere Showrooms in Kapfenberg und finden Sie zu Ihren Wünschen und Ideen den passenden Stein mit seiner geforderten Gestaltung. Poschacherstraße 7, 4222 St. Georgen, Tel. 0 72 37/33 33, Fax 33 33 44 4 www.poschacher.com, office@poschacher.com

Poschacher Natursteinwerke GmbH & Co. KG

Seit 1839 steht der Name Poschacher für die perfekte Verarbeitung von Naturstein. In acht österreichischen Steinbrüchen werden die Granite Neuhauser, Herschenberger, Gebhartser, Aalfanger, Hartberger und Schremser sowie der Chloritschiefer Pannonia Grün abgebaut und von über 200 Mitarbeitern in modernsten Anlagen zu einer Vielzahl an Produkten verarbeitet.

Johannessiedlung 1, 2170 Poysdorf, Tel. 0 25 52/24 00, Fax 24 00-6 www.rada.at, office@rada.at

Rada Naturstein Ges.mbH

Das Unternehmen ist ein traditioneller Steinmetzbetrieb. Unter Einsatz moderner Bearbeitungsmaschinen und -methoden soll zeitgemäße Architektur in Stein geformt und mit handwerklichem Können sollen alte Kulturbauten erhalten werden. Die gehobene Steinmetzarbeit im Privatbereich oder Geschäftsbau sowie anspruchsvolle Renovierung und Restaurierung ist eine Stärke.

Hainsdorf 8, 8421 Wolfsberg, Tel. 0 31 84/24 08-0, Fax 24 08-24 www.stein.at, office@stein.at

Steinmetzunternehmen Reinisch GmbH

Stein Reinisch ist ein ISO-zertifizierter Betrieb – Mitarbeiter werden laufend geschult, individuelle Arbeiten werden professionell geplant und ausgeführt. Wir bieten Ihnen Komplettlösungen – alles aus einer Hand. In unseren neun Filialen und im Werk sind Sie immer herzlich willkommen. Der Betrieb wurde 1985 gegründet und zählt heute zu den größten Betrieben in der Steiermark.

Hofsteigstraße 63, 6858 Schwarzach, Tel. 0 55 72/4 12 30, Fax 4 12 30 10 www.rheintalstein.at, office@rheintalstein.at

ABSW Rheintalstein GmbH

Seit 2009 baut die ABSW Rheintalstein GmbH aus Vorarlberg im einzigen Sandsteinbruch Österreichs Schwarzachtobler Quarzsandstein ab. Eine blaugraue Färbung, Frostsicherheit, Polierfähigkeit und eine hohe Widerstandsfähigkeit sind nur ein paar Eigenschaften des Steines. Diese Materialeigenschaften prädestinieren unser Produkt für den Innen- und Außenausbau, Fassadenbau sowie im GaLaBau. Gopperding 17, 4782 Sankt Florian am Inn, Tel. 0 77 12/31 16-0, Fax 31 16-50 www.schaerdingergranit.at, info@schaerdingergranit.at

Schärdinger Granit Industrie AG

Seit über 120 Jahren stellt die Schärdinger Granit Industrie AG in ihren Betrieben in Schrems und Schärding Pflaster-, Leisten- und Randsteine sowie Platten aus Schärdinger und Schremser Granit her. Bei Steinmetzprodukten reicht die Produktpalette von der Bodenplatte bis zu Grabanlagen.

Sölker Marmor GmbH

Der Ursprung des Sölker Marmors liegt mehr als 350 Millionen Jahre zurück. Sein hohes Alter und seine spezifische Entstehungsgeschichte machen ihn zu einem der hochwertigsten Marmore der Welt. Die Firma Sölker Marmor mit ihren 40 Mitarbeitern hat sich auf den Abbau und die Veredelung des im Sölktal gewonnenen edlen Natursteins spezialisiert.

Für nähere Informationen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Büro Natursteinvereinigung: Scharitzerstraße 5/II, A-4020 Linz Tel. 07 32/65 60 48 und 0 76 12/8 73 36 Fax 0 76 12/8 94 33 voen@gmx.at www.pronaturstein.at

allegria | design – Oppermann, www.allegriadesign.de

Reith 279, 8961 Kleinsölk, Tel. 0 36 85/2 22 16-0, Fax 2 22 16-19 www.soelker.at, office@soelker.at.at

Steintime Österreich 1 2011  

Seit mehr als 11 Jahren erscheint die Zeitschrift Steintime Österreich zweimal jährlich. Herausgeber ist die VÖN, Vereinigung Österreichisch...

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