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WritersWorkshop.de E-Zine Ausgabe 04 s Februar 2010

Projekt 52

Vorwort

Ihr Weg von der ersten, vagen Idee zum fertig überarbeiteten Roman in 52 wöchentlichen Lektionen für nur 19,00 € - Anmeldeschluss 15.03.10.

Willkommen zur vierten Ausgabe des kostenlosen monatlichen WritersWorkshop E-Zines für Schriftsteller und Hobbyautoren - diesmal in einem neuen, komplett überarbeiteten Layout. Die bisherigen Ausgaben des EZines werden in den nächsten Wochen auch noch auf das neue Layout umgestellt und dann in einem Download-Archiv auf WritersWorkshop.de zur Verfügung gestellt. Sobald es so weit ist, werde ich das in meinem Blog unter http://richardnorden.blogspot.com kurz mitteilen.

http://Projekt52.WritersWorkshop.de

Ich freue mich über die vielen neuen Abonnenten, die sich in den vergangenen Wochen angemeldet haben. Wenn Ihnen das WritersWorkshop E-Zine gefällt, dürfen Sie es gerne an Freunde und Bekannte weitergeben.

Dropbox Hier erhalten Sie 2,25 Gigabyte kostenlosen Online-Speicherplatz zur Sicherung und Synchronisierung Ihrer wichtigen Daten - inklusive mobilem Zugriff über jeden Webbrowser!

Falls Sie diese E-Zine von einem Freund weitergeleitet bekommen haben und zukünftig auch gerne das monatliche kostenlose Magazin erhalten möchten, schicken Sie mir bitte einfach eine kurze Mail an Newsletter@WritersWorkshop.de mit dem Betreff "Anmeldung" - ich freue mich über jeden neuen Leser.

Endspurt für Anmeldefrist für letzte Staffel von “Projekt 52” Am 15.03.2010 ist der Anmeldeschluss für die zehnte und voraussichtlich letzte Staffel von “Projekt 52 - Von der Idee zum fertigen Roman”. Der Kurs führt die Teilnehmer in 52 wöchentlichen Lektionen von der ersten, vagen Idee für einen Roman bis zu einem fertigen, überarbeiteten Manuskript, das man mit gutem Gewissen und guten Erfolgschancen an einen Verlag einsenden kann. Aufgrund des hohen zeitlichen Aufwands, der mit der Mailbetreuung der Teilnehmer über den Zeitraum eines ganzen Jahres verbunden ist, kann ich das Konzept mittelfristig leider nicht mehr zum bisherigen günstigen Preis von 19 Euro für den kompletten Kurs weiterführen. Wer sich also noch für “Projekt 52” registrieren möchte, sollte sich daher schnell entscheiden. Es ist noch eine begrenzte Anzahl von freien Plätzen verfügbar - daher gilt: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Informationen zum Kurs gibt es unter http://Projekt52.WritersWorkshop.de, die Teilnahme kann unter http://writersworkshop.de/um-bestellformular/bestform.php5 für einen einmaligen Betrag von 19 Euro gebucht werden.

OpenOffice 3.2 erhältlich WritersWorkshop.de E-Zine Herausgeber: Richard Norden Fax: 01805-233-633-233-39 R.Norden@RichardNorden.de http://www.WritersWorkshop.de

Nach fünf Release-Kandidaten ist nun die finale Version 3.2 des bekannten und kostenlosen OfficePakets OpenOffice3 erschienen. Neben erweiterter Kompatibilität (OpenOffice kann nun endlich auch Dokumente von Word 2007 und Excel 2007 öffnen) ist das hervorstechendste Merkmal der neuen Version die stark verbesserte Startgeschwindigkeit: Verglichen mit dem in dieser Beziehung eher schwerfälligen OpenOffice 3.1 wurden die Startzeiten für die Textverarbeitung Writer und die Tabellenkalkulation Calc um (je nach Betriebssystem und Rechnerleistung) bis zu 46% reduziert. Wei-

terhin ist OpenOffice 3.2 jetzt auch in der Lage, Postscript-basierte Open Type-Schriftarten zu verwenden. Die meisten Änderungen und Erweiterungen finden sich bei der Tabellenkalkulation Calc: Hier wurde die Funktionalität durch neue Diagrammtypen, erweiterte Möglichkeiten für Zellformatierungen und Rahmen, eine stark verbesserte Sortierfunktion (die endlich nicht mehr nur die Zellinhalte, sondern auch deren Formate mit sortiert), einen leistungsfähigeren Datenfilter (nun mit bis zu acht Bedingungen und neuen Filterregeln) und die Möglichkeit zum Kopieren/Zusammenführen nicht zusammenhängender Bereiche deutlich ausgebaut. Die deutschsprachige Version des kostenlosen Office-Pakets kann hier herunter geladen werden. Durch die bekannt hohe Leistungsfähigkeit von OpenOffice und die Erhältlichkeit für alle bekannten Betriebssysteme (Windows, Linux, Mac OSX, Solaris) ist auch die neue Version ein ganz klarer Download-Tipp.


WritersWorkshop.de E-Zine Plottingkurs, Teil 3: Szenenaufbau / Kalkulation für Schriftsteller Buchlinks: Zehn vor Zwölf "Zehn vor Zwölf" enthält zehn düstere und unheimliche Geschichten aus der Feder von Richard Norden, unter anderem die beiden Drachentaler-Gewinner "Das Dorf der Verlorenen" und "Der Ring der Unsterblichkeit" und die 2006 als Hörspiele auf SUN.fm ausgestrahlten Stories "Spiegelschatten", "Die Jagd" und "Das Gemälde". Abgerundet wird die Sammlung durch "Der Fluch", "Der Tätowierte" und drei komplett neue Stories: "Nachtpatrouille", "Feuertod" und "Der Tempel".

Kalkulation? Und das für Schriftsteller? Wenn ich im Zusammenhang mit dem Kreativen Schreiben von ‘Kalkulation’ spreche, sträuben sich den meisten Kreativen unwillkürlich die Nackenhaare. Kalkulation? Ich geben zu, der Begriff “Kalkulation” wirkt mehr nach grauer Theorie als nach Kreativität, aber genau wie die klassische 3Akt-Struktur des Romans, mit der wir uns in der letzten Ausgabe beschäftigt haben, gehört auch ein gewisses Maß an Kalkulation zur Planung eines guten Romans. Die Dinge, die wir als Autoren bei der Planung eines Romans kalkulieren müssen, sind nicht Kosten, Gewinn und Deckungsbeitrag, sondern die Anzahl der Handlungsstränge und Szenen unseres Romans - und wie sich letztere auf erstere verteilen.

Was ist eine Szene? Eine Szene ist eine in sich abgeschlossene Einheit. Obwohl wir uns nicht mehr in der Zeit der klassischen Theaterstücke befinden, in denen ein Szenenwechsel meist mit einem Wechsel der Akteure (und ggf. einen Umbau des Szenenbildes) gleichzusetzen war, gilt auch heute noch die Regel, dass man eine Szene durch die sieben W-Fragen beschreiben können sollte:

WER? WO? WANN? WOGEGEN? WIE?

WAS?

WARUM?

Schauen wir uns diese Fragen einmal der Reihe nach an: Amazon Bestell-Link

Die Verschwörer von Styngard Jason Kimble, ein Detroiter Undercover-Cop, erwacht nach seinem vermeintlichen Tod in einer fantastischen Parallelwelt. Unversehens befindet er sich zwischen den Fronten einer epischen Schlacht zwischen Gut und Böse. Während er mit jedem Kampf tiefer in eine Dimension voller Abgründe und überraschender Wendungen verstrickt wird, entwickelt er sich mehr und mehr zu einer Schlüsselfigur in einem Konflikt, dessen wahre Ausmaße er nicht einmal ansatzweise absehen kann.

WER? Um wen (bzw. wessen Ziel) geht es in der Szene? Jede Szene hat nur eine Hauptperson, auf die wir uns eindeutig festlegen sollten. Achtung: Wenn ich im weiteren Verlauf der nächsten Seiten von einer 'Hauptperson' rede, meine ich damit nicht unbedingt die Hauptperson des Romans, also unseren Protagonisten, sondern nur die Hauptperson dieser einzelnen Szene. Diese kann zwar mit dem Protagonisten identisch sein, muss es aber nicht. ;-) Ohne hier schon auf die Frage der Perspektive (PoV) eingehen zu wollen, möchte ich an dieser Stelle schon davon abraten, eine Szene aus der Perspektive mehrerer beteiligter Personen gleichzeitig schreiben zu wollen. Dies ist kein Zeichen dafür, dass der Autor eben die Motivation aller seiner Figuren versteht, sondern eher dafür, dass er sich nicht entscheiden konnte, aus wessen Perspektive er eigentlich schreiben möchte. Generell gilt die Faustregel: Die Hauptperson einer Szene ist diejenige, für die in dieser Szene am meisten auf dem Spiel steht. Kommen hierfür mehrere Personen in Frage (z.B. der Held und die Heldin befinden sich auf der Flucht vor einem bewaffneten Killer, wobei beide voneinander getrennt werden und sich getrennt durchschlagen müssen), ist die Hauptperson entweder diejenige, die am wenigsten weiß oder

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diejenige, die den größten Anteil an physischer Aktion in der Szene hat - je nachdem, worauf wir unser Schwergewicht legen wollen. In der gerade angerissenen Szene (Held und Heldin fliehen vor einem bewaffneten Killer) könnte der Autor in bester Bond-Manier den Schwerpunkt auf die Action legen: Er schildert aus der Perspektive des Helden (der vielleicht kurz zuvor die Identität des Killers entlarvt hat), wie dieser über Zäune und Mauern klettert, versucht, sich Zugang zu einem Gebäude zu verschaffen oder sich eventuell sogar einen Kampf auf Leben und Tod mit dem Killer liefert. Umgekehrt könnte er dieselbe Szene auch aus der Perspektive der Heldin schildern, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, wer sie verfolgt und warum derjenige sie beide umbringen will, da ihr Freund noch keine Zeit gefunden hat, sie über seine Entdeckung zu informieren. Sie kennt sich in der Gegend nicht aus und weiß nicht, wo sie sich verstecken kann. Vielleicht haben die vorhergehenden Szenen ihr sogar Anlass gegeben, ihrem eigenen Freund nicht mehr zu vertrauen? Weiß sie wirklich, wer Freund und wer Feind ist, oder ist sie vielleicht im Begriff, einen folgenschweren Irrtum zu begehen? Sie sehen, wie unterschiedlich ein- und dieselbe Szene ausfallen könnte, je nachdem, aus wessen Perspektive man sie schildert. Wenn Sie eine Szene schildern, in der es um einen Mord geht, wäre demzufolge die Hauptperson der Szene das Opfer - zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie ums Leben kommt und uns somit nicht mehr viel über den weiteren Verlauf der Ereignisse verraten kann. ;-)

WAS? Was ist das Ziel / die Absicht der Person? Was will sie tun / erreichen? Selbst, wenn wir eine Szene ohne wirkliche 'Action' haben, hat die Hauptperson doch immer ein Ziel bzw. eine Absicht. Sollte sie das nicht haben, handelt es sich nicht um eine Szene und wir können sie ersatzlos streichen. ;-) Beispiel: Wenn unsere Szene davon handelt, dass Marc auf die Party von Laura geht, was könnten seine Ziele/Absichten sein? Will er einfach nur Spaß haben und sich auf der Party amüsieren? Hofft er, dort seine Ex-Freundin zu treffen und so wieder mit ihr ins Gespräch zu kommen? Oder plant er, sich heimlich abzusetzen und im Haus nach Beweisen dafür zu suchen, dass Lauras älterer Bruder derjenige ist, der Drogen auf dem Campus verkauft? Während der erste Grund für sich genommen langweilig wirkt (Wo ist die Spannung? Warum sollte es uns interessieren, ob Marc sich auf der Party amüsiert?), haben die beiden anderen Ziele durchaus das nötige Potenzial für eine spannende, dramatische Szene. Achtung: Ein geeignetes Ziel für eine Szene zeichnet sich dadurch aus, dass es innerhalb der Szene erreicht werden kann. Am Ende der Szene


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muss klar erkennbar sein: Hat die Figur ihr Ziel erreicht oder nicht? Falls das Ziel Ihrer Figur also noch zu groß ist, müssen Sie es konkretisieren und auf die geplante Szene herunter brechen. Statt "Sam Marlowe will den Mörder seiner Klientin finden." könnte sein Ziel für eine konkrete Szene sein. "Sam Marlowe will herausfinden, ob Victor Moriarty ein Alibi für die Tatzeit hat."

WARUM? Es genügt nicht, dass unsere Person ein Ziel hat. Sie braucht auch eine Motivation, dieses Ziel zu erreichen. Ohne eine glaubwürdige Motivation der Hauptperson wirkt unsere Szene flach und unrealistisch und wird den Leser nur schwer fesseln können. Beispiel: "Marc hofft, auf Lauras Party seine ExFreundin Sarah zu treffen, und so wieder mit ihr ins Gespräch zu kommen". Warum? a) Marc ist klar geworden, dass er sich wie ein verdammter Idiot benommen hat und dass Sarah ihm immer noch viel bedeutet. Er will sie dazu bringen, ihm eine zweite Chance zu geben. b) Marc hat den Verdacht, dass Sarahs neuer Freund Arthur mit den Drogendealern zu tun hat und vielleicht sogar seine Finger bei einem Überfall auf einen Geldboten im Spiel hatte. Er befürchtet, dass Sarah in Gefahr ist und will sie vor Arthur warnen. c) Sarah hat immer noch einige Kleidungsstücke von Marc in ihrer Wohnung. Da sie den Kontakt völlig abgebrochen hat, hatte er bisher keine Chance, diese Kleidungstücke zurück zu bekommen. Allerdings befindet sich in einer Jacke noch der Schlüssel zu einem Schließfach, an das Marc dringend ran kommen muss. Sie sehen, dass unterschiedliche Motivationen zu vollkommen unterschiedlichen Szenen führen können. WOGEGEN? Welche Hindernisse stellen sich der Hauptperson unserer Szene in den Weg? Dies können andere Personen mit gegensätzlichen Zielen, widrige Umstände, Missverständnisse oder auch innere Zweifel sein. 1) Marc trifft Sarah wie geplant, allerdings ist Arthur stets in ihrer Nähe. Um sie vor Arthur zu warnen, müsste Marc ihn irgendwie für ein paar Minuten loswerden. Das Hindernis in diesem Fall ist eindeutig Arthur. 2) Privatdetektiv Peter verfolgt den verdächtigen Geschäftsmann Thomas Weller. Als dieser gerade in einer Seitenstraße verschwindet, zieht eine Demonstration von Globalisierungsgegnern die Straße entlang. Peter will Weller verfolgen und muss sich schnell einen Weg durch die Menge der Demonstranten bahnen, die sich von ihm angerempelt und angepöbelt fühlen und darauf ziemlich ungehalten reagieren. Das Hindernis sind die an sich unbeteiligten Demonstranten. 3) Maria will ein Beweisstück in der ohnung von Amelie verstecken, das, wenn es dort gefunden wird, Amelie mit dem Tod ihres Freunds Paul in Verbindung bringt. Maria ist anfangs der festen Überzeugung, dass Amelie ihn auf dem Gewissen

hat und will nur der Gerechtigkeit nachhelfen. Als sie allerdings eine Konzertkarte bei Amelie findet, deren Datum mit dem Abend von Pauls Tod übereinstimmt, gerät sie ins Zweifeln. Wenn Amelie auf dem Konzert war, kann sie nichts mit Pauls Tod zu tun haben. Aber was ist mit den anderen Anhaltspunkten für ihren Verdacht? Maria muss sich entscheiden, ob sie ihren ausgeklügelten Plan abbrechen oder zu Ende führen will. Sie weiß, dass sie vermutlich keine zweite Chance hierfür haben wird. Das Hindernis sind Marias Zweifel, ob sie vielleicht die Polizei auf die Spur einer Unschuldigen bringt. Natürlich können Sie auch mehrere Hindernisse miteinander kombinieren. Beispiel 3 wird noch spannender, wenn Amelie gerade in diesem Moment unerwartet früh nach Hause kommt und gleichzeitig Marias Handy anfängt, zu klingeln. ;-)

WIE? Wie versucht die Person, ihr Ziel zu erreichen? Also: Was ist ihr (ursprünglicher) Plan? Wenn unsere Hauptperson im Verlauf der Szene mit (möglichst unerwarteten) Hindernissen konfrontiert wird, kann ihr Plan entweder in sich zusammen brechen oder sich zumindest ändern. Dennoch wird unsere Person mit einem gewissen Plan an ihre Aktion herangegangen sein. Was war ihr Plan?

WO? An welchem Schauplatz spielt die Szene? Wer ist sonst noch anwesend? Beachten Sie gerade in dieser Hinsicht auch die nächste Frage (Wann?). Achten Sie bei der Konzeption Ihrer Szenen (gerade, wenn Sie gerne mit Szenen jonglieren und diese innerhalb der Handlung beim Planen nach vorne oder nach hinten verschieben) immer darauf, dass die Personen zu diesem Zeitpunkt auch wirklich dort sein können. Wenn Ihre Szene z.B. auf einer Vorstandssitzung in Frankfurt spielt und auch der Bankier Gruber mit am Tisch sitzt, der eine Szene zuvor noch gerade seine Koffer am Flughafen Köln-Bonn eincheckte, wird dies den Leser (zu Recht) irritieren. Sitzt Gruber in der nächsten Szene plötzlich im Flugzeug nach Mailand, haben Sie ein ernstes Problem. ;-)

WANN? Datum und Uhrzeit; Einordnung der Szene in der Zeitachse unseres Romans. Vermeiden Sie Kontinuitätsprobleme (In der letzten Szene saß Maria mit ihrem Kaffee am Tisch und starrte gedankenverloren in die Morgendämmerung, jetzt klingelt es an der Tür. Sie öffnet noch mit der Kaffeetasse in der Hand dem Postboten, während die Sonne hoch am Himmel steht...) Nur, wenn Sie sich zu jeder Szene, die Sie planen, diese Informationen präzise notieren, können Sie ärgerliche Fehler und Logiklöcher vermeiden. Dabei gilt natürlich genau dasselbe wie für die Beschreibung von Personen oder Szenen. Legen Sie bei der Planung von Szenen anfangs gerade zu den Punkten WO und WANN nur die Details fest, die wirklich eine zentrale Bedeutung für die Szene haben und möglichst nicht geändert werden sollten.


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WritersWorkshop.de E-Zine Beispiel: Für die Szene mit der Party sollten neben Marc auch Laura (die Gastgeberin), Sarah und Arthur anwesend sein. Alle anderen Gäste kann man ergänzen, wenn man die endgültige Reihenfolge der Szenen festgelegt hat und weiß, welche anderen Personen zu diesem Zeitpunkt anwesend sein könnten. Die Party wird vermutlich an einem Freitag oder Samstag abends stattfinden, wenn die Gäste am nächsten Tag nicht arbeiten müssen und sich ausschlafen können. Wenn unsere Romanhandlung nur einen Zeitrahmen von 5 Tagen abdecken soll, legt das die Position unserer Szene innerhalb der Handlung bereits sehr präzise fest und lässt uns keinen großen Spielraum. Erstreckt sich die Handlung hingegen über den kompletten Sommer, bleibt es uns überlassen, an welchem Wochenende wir die Party stattfinden lassen wollen. Aufbau einer Szene: Die Szene ist gewissermaßen eine Geschichte im Miniaturformat. Sie besteht (wie auch unser Roman) aus drei Teilen: der Einleitung, dem Hauptteil und dem Ende. In der Einleitung geben wir dem Leser die notwendigen Informationen, die er braucht, um der Szene folgen zu können. Meist beantwortet die Einleitung zumindest die Fragen "Wer" und "Wo". Natürlich kann man den Leser gezielt im Dunkeln tappen lassen, um nicht zu viel zu verraten oder ihn gezielt auf falsche Fährten zu locken. Beispiel: Wenn in einer Szene eines Thrillers ein Killer, dessen Identität dem Leser noch nicht bekannt ist, auf sein Opfer lauert, würde die präzise Beantwortung der "Wer"-Frage zum jetzigen Zeitpunkt zu viel verraten. Wacht umgekehrt in einer anderen Szene die zuvor hinterrücks niedergeschlagene Protagonistin gefesselt in einem dunklen Raum auf, wird sie (und somit auch der Leser) nicht wissen, wo sie sich befindet. Die "Wo"-Frage könnte hier zum zentralen Inhalt der Szene werden, wenn die Protagonistin versucht, herauszufinden, wo man sie eingesperrt hat. Der Hauptteil schildert den eigentlichen Konflikt. Die Hauptperson stellt fest, dass sie ein Problem hat. Sie versucht, das Problem zu lösen und ihr Ziel trotz des Problems zu erreichen. Das Ende schließt die Szene ab und schildert die Resultate der Lösungsversuche unserer Hauptperson. Hatte sie Erfolg? Hier kommt die wichtigste Regel: Lassen Sie eine Szene, die aus der Sicht einer positiven Figur (speziell Ihres Protagonisten) geschildert wird, so gut wie nie mit einem Erfolg enden! Konfrontieren Sie sie am Ende der Szene möglichst mit noch größeren Problemen als denen, die sie bereits zu Beginn der Szene hatte. Legen Sie ihr zusätzliche Steine in den Weg und erhöhen Sie zugleich mit jeder Szene den Einsatz. Sollte Ihr Protagonist in einer Szene zumindest einen Teilerfolg für sich verbuchen können, sorgen Sie im Abschluss der Szene dafür, dass sich das nächste, noch größere Problem bereits am Horizont abzeichnet. So sorgen Sie für Spannung und halten den Leser bei der Stange. Erst am Ende des

Romans gönnen Sie Ihrem Protagonisten einen echten, befriedigenden und endgültigen Sieg. Natürlich gibt es auch zuvor schon Szenen, die mit einem vollen Erfolg der Hauptfigur dieser Szene enden: Es handelt sich um die Szenen, die Sie aus der Sicht des Antagonisten oder seiner Handlanger schreiben. Lassen Sie den Feind/Widersacher so gut wie immer Erfolg haben, während Ihre Protagonisten mit Niederlagen, Rückschlägen und ständig steigenden Widerständen zu kämpfen haben.

Zurück zur Kalkulation: Nach diesem (etwas längeren) Exkurs zum Thema “Was ist eine Szene?” kommen wir zurück zu unserem ursprünglichen Thema: der Kalkulation.

Handlungsstränge: Üblicherweise besteht ein Roman nicht nur aus einem einzelnen Handlungsstrang (der Haupthandlung), sondern aus den Handlungssträngen unterschiedlicher Charaktere, die üblicherweise jeweils aus deren Perspektive geschildert werden. Die Anzahl dieser Handlungsstränge wird durch die geplante Länge unseres Romans bestimmt. Natürlich kann man eine Romanhandlung ungeachtet jeglicher Längenkonventionen bis zu ihrem “natürlichen Ende” weiter schreiben, in der Praxis wird man mit einer solchen Vorgehensweise jedoch (wenn man nicht gerade Stephen King oder J.K. Rowling heißt) bei Verlegern auf eher geringes Verständnis stoßen - speziell dann, wenn Ihr Roman satte 180.000 Wörter lang ist, während die Länge eines durchschnittlichen Romans Ihres Genres gerade mal bei etwas über 90.000 Wörtern liegt. Als Faustformel können Sie sagen, dass Sie bei unter 60.000 Wörtern nicht mehr als zwei, bis 90.000 maximal drei, bis 120.000 maximal vier und bis 150.000 maximal fünf Handlungsstränge / PoVCharaktere haben sollten, um sich selbst genügend Raum zu lassen, all diese Handlungen und Konflikte auch zu einem für den Leser befriedigenden Ende zu führen. Doch auch diese Handlungsstränge sind keinesfalls als gleichberechtigt zu betrachten: Ihr Haupthandlungsstrang, das Rückgrat Ihres Romans, muss eindeutig im Mittelpunkt stehen. Wenn Ihr Leser sich fragen muss, ob der Kampf Ihres Protagonisten gegen den korrupten Abgeordneten oder sein Versuch, das Sorgerecht für seine behinderte Tochter zu erlangen, der eigentliche Mittelpunkt des Romans ist, haben Sie bereits verloren. Aber auch für diese Problematik gibt es eine relativ einfache Faustformel: Geben Sie der Haupthandlung doppelt so viel Raum wie jeder anderen Handlung. Klingt kompliziert, ist aber im Prinzip ganz einfach: Haben Sie drei Handlungsstränge, werten Sie den Haupthandlungsstrang doppelt und kommen somit auf die Zahl VIER. Bei fünf Handlungssträngen in einem richtig dicken Wälzer werten Sie ebenfalls die Haupthandlung doppelt und kommen auf SECHS. Behalten Sie diese Zahl im Hinterkopf, wenn Sie die Anzahl der Szenen für Ihren Roman ermitteln. Die Länge einer Szene ist alles andere als ein fester Wert. Genau wie es Autoren gibt, die durch ausschweifende Landschaftsbeschreibungen und


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lange Dialoge kaum eine Szene unter 3.000 Wörtern abschließen, gibt es auch solche, bei deren knappem, prosaischen Schreibstil eine Szene mit mehr als 800 Wörtern schon Seltenheitswert hat. Wenn Sie schon einige Romane (oder zumindest Romananfänge) geschrieben haben, können Sie durch Analyse Ihrer eigenen Texte auf einen für Sie realistischen Wert kommen. Achtung: Kurzgeschichten sind für eine solche Analyse eher ungeeignet, da der Stil einer Kurgeschichte naturgemäß knapper und straffer als der eines Romans ist. Sollten Sie nicht genügend Material für eine Selbstanalyse haben, dürften Sie mit einer Annahme von 1.250 Wörtern (entspricht 5 Druckseiten á 250 Wörtern) erfahrungsgemäß nicht allzu weit daneben liegen. Soll Ihr Roman also maximal 100.000 Wörter (entspricht ungefähr 400 Druckseiten á 250 Wörtern) lang werden, kämen Sie mit 1.250 Wörtern je Szene auf glatte 80 Szenen, die Sie für Ihren Roman benötigen. Natürlich werden manche Szenen deutlich kürzer und andere ein ganzes Stück länger als Ihr Mittelwert sein, aber statistisch gesehen dürften Sie mit 80 Szenen irgendwo zwischen 95.000 und 110.000 Wörtern landen. Bei einer Ziellänge von 100.000 Wörtern liegen wir im Bereich von 3-4 Handlungssträngen. Entscheiden Sie sich für 3 Handlungsstränge, kommen Sie auf einen Divisor von 4 (der Haupthandlungsstrang wird wie gesagt immer doppelt gewertet), bei 4 Handlungssträngen auf einen Divisor von 5. Mit einem Divisor von 4 kommen Sie auf 80 / 4 = 20 Szenen. 20 * 2 = 40 Szenen entfallen also auf Ihre Haupthandlung, je 20 Szenen auf die beiden anderen Handlungsstränge. Mit einem Divisor von 5 (= 4 Handlungsstränge) entfallen 80 / 5 * 2 = 32 Szenen auf die Haupthandlung und jeweils 16 Szenen auf die drei Nebenhandlungen. Diese Werte sind natürlich keine exakte Wissenschaft, sondern ähnlich wie der “Goldene Schnitt” bei der Komposition eines Bildes eine reine Orientierungshilfe. Wenn Sie Ihre Handlung auf dieser Basis aufbauen, bevor Sie auch nur “Kapitel 1” über die erste Seite Ihres Manuskripts schreiben, reduzieren Sie bereits deutlich das Risiko, später bei der Revision vor einem amorphen Handlungsklumpen zu sitzen, der sich standhaft weigert, sich in eine vermarktbare Form quetschen zu lassen. In der nächsten Ausgabe werden wir uns dem Braiding, dem Verflechten von Handlungssträngen, und mit der elementaren Bedeutung von Karten für die Konsistenz und Glaubwürdigkeit Ihrer Romanhandlung beschäftigen.


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Focus Writer - schlicht und einfach? “Gott Code” Mit “Focus Writer” schickt der OpenSource-Programmierer Graeme Gott ein weiteres ZenWareTextverarbeitungssystem ins Rennen um die Gunst der schreibenden Zunft.

zwischen diesen hin und her zu schalten.

Während Mac-Anwender seit dem Klassiker Writeroom durchaus daran gewöhnt sind, für ZenWare-Textverarbeitungsprogramme bares Geld hinzulegen, ist der ZenWare-Markt unter Windows von kostenlosen Programmen wie WriteMonkey und Q10 dominiert. Graeme Gotts “Focus Writer”, das seit Januar 2010 in der Version 1.2.1 vorliegt, orientiert sich weniger an ‘klassischer’ Zenware wie Writeroom, sondern mehr am optisch aufwändigeren OmmWriter. Während OmmWriter (zumindest bisher) nur für Mac OS X erhältlich ist, gibt es den “Focus Writer” sowohl für Windows als auch für Mac OS X. Gibt sich Focus Writer beim ersten Start mit schlichter schwarzer Schrift auf mausgrauem Untergrund noch eher unauffällig, treten die Unterschiede zu den ‘üblichen Verdächtigen’ sehr deutlich zu Tage, wenn man den Mauszeiger an den oberen oder unteren Bildschirmrand bewegt. Am oberen Bildschirmrand blendet sich sanft ein Menü ein, über das man unterschiedliche Themes erstellen und auswählen kann. Jedes Theme besteht aus einem (optionalen) Hintergrundbild, einer Vordergrundfarbe, die sich stufenlos mehr oder weniger transparent einstellen lässt und einer Kombination aus Schriftart, Schriftgrad und Schriftfarbe.

Je nachdem, ob man gerade an einem FantasyRoman, einem Blogpost oder einem Sachbuch arbeitet, kann man sich also unterschiedliche Themen anlegen, die gerade zur eigenen Stimmung passen und einen bei der Arbeit inspirieren. Bewegt man hingegen den Mauszeiger an den unteren Rand, blendet das Programm eine Statusleiste ein, die neben den üblichen Informationen wie der Länge des Dokuments in Wörtern oder Zeichen, der Zeit und dem Namen des Dokuments auch die von Webbrowsern oder anderen Programmen wie Lotus Symphony bekannten Dokumententabs zeigt. Es ist daher möglich, mehrere Dokumente paralllel zur Bearbeitung zu öffnen und jederzeit schnell

Ein kleiner Schönheitsfehler (der vielleicht ja noch in einer späteren Version behoben wird) ist, dass die Auswahl eines Themas sich gleichermaßen auf alle geöffneten Dokumente bezieht. Wäre es auch noch möglich, für jedes parallel geöffnete Dokument ein eigenes Thema anzuwählen, wäre dieses Feature noch interessanter. Auch wenn “Focus Writer” von Funktionsumfang und Komfort her nicht einmal annähernd meinem persönlichen Favoriten “WriteMonkey” das Wasser reichen kann, finde ich den Ansatz mit den Hintergrundbildern durchaus interessant und werde das Programm weiterhin im Auge behalten. Weblink: http://gottcode.org/focuswriter/


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Buchtipp: “Write Faster, Write Better” “Write Faster, Write Better” von David A. Fryxell Auch in dieser Ausgabe gibt es im Buchtipp des Monats einen englischsprachigen Geheimtipp, der es leider nicht zu einer deutschen Ausgabe gebracht hat.

MemPad 3.40 MemPad ist ein ressourcenschonender Outliner des deutschen Programmierers Horst Schaeffer.

David A. Fryxell ist ehemaliger Chefredakteur des Writers Digest Magazins und Autor von über tausend Artikeln in internationalen Zeitungen und Zeitschriften. Im Verlauf seiner Laufbahn hat er über hundert Preise und Auszeichnungen erhalten. Der titelgebende Ratschlag, schneller und dadurch besser zu schreiben, wirkt auf den ersten Blick missverständlich. Soll man nun seine Texte einfach herunter rattern, ohne über Struktur und Semantik nachzudenken, und so auch noch besser schreiben? Keine Sorge, hier geht es nicht darum, schnell und ohne nachzudenken drittklassige Texte herunter zu rattern, sondern darum, durch gute Organisation und Planung die Zeit, die man für das Schreiben qualitativ hochwertiger Prosa benötigt, deutlich zu reduzieren. In fünfzehn Kapiteln auf 256 Seiten geht Fryxell auf fast alle Bereiche der Schriftstellerei (ob nun als Sachbuch- oder Romanautor) ein und gibt hilfreiche Tipps, um Zeit zu sparen und seine Ziele mit einem möglichst geringen Aufwand zu erreichen. Ob es nun um Struktur, die Organisation des eigenen Tagesablaufs, Ideensuche, Recherche, Interviews oder den Kampf gegen Schreibblockaden geht - David Fryxells Buch liest sich stets locker und erfrischend und ist dabei äußerst informativ. Wer über ein zumindest passables Schulenglisch verfügt, bekommt mit Fryxells Buch für 16,99 € eines jener Bücher, die im Bücherregal keines ambitionierten Schriftstellers fehlen sollten. Amazon-Bestell-Link

Mit gerade einmal 130 KB (!!!) bietet MemPad ein beeindruckendes Leistungsspektrum, an dem sich andere Outliner internationaler Hersteller messen lassen müssen. Mit wenigen Mausklicks und geschickt definierten Tastaturshortcuts lassen sich Informationen in beliebig tief verschachtelten Strukturen ablegen und über einen sauber definierter Suchalgorithmus schnell und komfortabel wieder finden. MemPad beschränkt sich hierbei auf reine Texte, bietet also nicht wie manch anderer Outliner einen integrierten RTF-Editor, was ich persönlich allerdings eher als eine Stärke als als Schwachpunkt sehen würde. Seit der neuen Version 3.40 bietet MemPad endlich auch einen mehrsprachigen (und standardmäßig auf deutsch eingestellten) Modus. Ich verwende MemPad seit Jahren und habe mich offengestanden schon immer gewundert, dass ein deutsches Programm wie MemPad ausschließlich in einer englischsprachigen Version verfügbar war - aber das gehört nun glücklicherweise der Vergangenheit an. Einer der besonderen Vorteile von MemPad ist, dass man über die sogenannten Tweaks (eine ausführliche Anleitung hierzu finden Sie im deutschsprachigen Handbuch) unterschiedliche Dateigruppen mit eigenständigen Layouts, Icons und Einstellungen definieren können. Obwohl ich mich seit über einem Vierteljahrhundert aktiv mit Computern und Programmierung beschäftige, finde ich es mehr als beeindruckend, wie viele nützliche und gut durchdachte Funktionen Horst Schaeffer in ein derart kompaktes Programm gepackt hat. Ich persönlich nutze auf meinen Rechnern unterschiedliche Instanzen von MemPad (alle mit eigenen Icons, Dateendungen und Einstellungen), um Ideen für Romane, Kurzgeschichten und Sachbücher zu sammeln, meine Einkaufs- und ToDoListen zu führen und um in meinem “Brotberuf” stets die perfekte Übersicht über alle in Arbeit befindlichen und abgeschlossenen Projekte zu behalten. Weblink: http://home.mnet-online.de/horst.muc/wmemd.htm

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