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Der letzte Weg Wie wir unseren Abschied persönlich gestalten können

rg Bu n d te i un rs an e m mm Ro Ha Gasthaus Stroh Buchholz

Til Macke Oberpleis

Grabfigur der Ruhestätte von Baron Sarter auf dem alten Friedhof Königswinter

Anton Schneider Leubsdorf

Renaturierung Asbach

Wanderung Oderdollendorf


Editorial

Liebe RHEINLÄNDER… vom Abonnieren und Spendieren… n a ch H a u s e ge l i e fe rt . Wi r Am 27., 28., spätestens am 29. berechnen dafür lediglich die eines Vormonats liefern wir Versandkosten (19,50 Euro pro die neuen Hefte des RHEINJahr). Einzelne Hefte für Ihre L Ä N D E R a u s . S e i t e i n i ge n Sammlung führen wir, wenn Monaten hören wir von den noch vorrätig, in m e i ste n Ve rte i l unserem Heimatbequem stellen bereits kurz nach Hause laden in Unkel. Auf danach: keine Hefte geliefert der oben genannmehr da! te n I n te rn e t s e i te Offensichtlich können Sie im Übrigen alle muss man sich als Leser spubisher erschienen Hefte einseten, um das aktuelle Heft zu hen und virtuell durchblätbekommen. tern. Au f u n s e r e r I n te rn e t s e i te www.rheinlaender-magazin.de Mit den Versandkosten für haben wir alle 200 Verteilsein Abonnement hat uns stellen aufgelistet, an denen kürzlich ein Leser aus AnderIhr Heimatmagazin erhältlich ist. Vielleicht ist ein Verteiler gleich in Ihrer Nähe. Und wenn Sie kein Heft verpassen wollen, hilft das Abonnement. Monat für Monat e r h a l te n S i e d i e Ausgaben b e q u e m

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nach gleich eine Spende mit überwiesen. Ja, auch das ist eine Möglichkeit, wie Sie Ihr Heimatmagazin unterstützen können. Für wen das infrage kommt, geben wir im Impressum unsere Bankverbindung an oder rufen Sie uns an: Tel: 02224-7796512. Sie helfen uns auch durch Ihren Besuch und Kauf im Unkeler Heimatladen, in dem Sie viele interessante Produkte und Bücher aus und über die Region finden. Und vielleicht sehen wir uns bei e i n e r u n s e r e r Ve r a n st a l t u n ge n , d e r e n E i n n a h m e n ebenfalls das Erscheinen Ihres Heimatmagazins befördern.

Wolfgang Ruland, Herausgeber


inhaltlich! A59

Rauschendorf Vinxel

D a s

Oelinghoven Oberpleis Oberdollendorf Berghausen Thomasberg Niederdollendorf Heisterbacherrott

Bonn

Königswinter

Königswinter

Buchholz

Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3 Liebe RHEINLÄNDER… … vom abonnieren und spendieren…

Eudenbach

Ittenbach

Asbach Rhöndorf

Aegidienberg

VG Asbach

Bad Honnef

Windhagen

Bad Honnef

VG Unkel

Rheinbreitbach Bruchhausen

Neustadt

Unkel Erpel Remagen

KasbachOhlenberg Ockenfels

Linz Sinzig

Roßbach Breitscheid

VG Linz Hausen

Bad Hönningen Rhein

Titel! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .8 Niemals geht man so ganz

VG Waldbreitbach

St. Katharinen

Dattenberg Leubsdorf

Ahr

kurz & knapp . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .6 Nachrichten aus der Region

A3

Vettelschoß

Waldbreitbach Niederbreitbach

VG Bad Hönningen B42

Wied

Datzeroth

Rheinbrohl Hammerstein

genießen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .13 Kräuterwind mit frischer Brise handwerklich! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Struktur der Steine historisch! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16 Burg Hammerstein literarisch! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Der Hammersteiner Ehestreit

Leutesdorf Andernach

H e i m a t m a g a z i n

Neuwied

nostalgisch! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .22 Mit Begeisterung aufs Gleis untern ehm en! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .24 Gesunder Menschenverstand und Intuition

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IMPRESSUM Gründungsjahr 2008 Verbreitung: Königswinter, Bad Honnef. VG Unkel, VG Linz VG Bad Hönningen, VG Asbach, VG Waldbreitbach Erscheinungsweise: monatlich Jahresabonnement: p19,50 (nur Portokosten) Auflage: 15.000 V ERLAG D ER R HEINLÄNDER Inh. Sandra Peukert Pützgasse 2 · 53572 Unkel Tel: 0 22 24 - 7 79 65 12 info@rheinlaender-magazin.de www.rheinlaender-magazin.de Bankverbindung: Konto: 20006623, SSK Bad Honnef BLZ 38051290 Steuernummer: 32/128/57128, Finanzamt Neuwied Herausgeber: Wolfgang Ruland (v.i.S.d.P.)

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Der Rheinländer · November 2010

Redaktion: Martina Kefer, Gudrun von Schoenebeck, Bernd Zimmermann, Benedikt Schmidt, Cäcilia Frings-Ruland, Bernhard Niemann, Hannelore Prangenberg Fotos: Dieter Ruland, Wolfgang Ruland (falls nicht anders angebeben) Grafisches Konzept und Satz: Ruland Werbung & Grafik, www.ruland-grafik.de Anzeigenannnahme: Wolfgang Ruland, Tel: 0 22 24 - 7 79 65 12, Mobil: 01 76 - 60 84 15 18 Anzeigenschluss: jeweils zum 15. des Vormonats Druckunterlagen an: info@rheinlaender-magazin.de Reprofähige Text- und ungerasterte Bildvorlagen EPS-, TIFF-, PDF-Dateien Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Vervielfältigung, Speicherung und Nachdruck von Texten, Bildern und Grafiken nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags. Für unverlangt eingesandtes Bildund Textmaterial wird keine Haftung übernommen. Alle Angaben im Heft nach bestem Wissen und Gewissen. Wir übernehmen keine Gewähr bei Irrtümern oder Druckfehlern.


inhaltlich! Niemals geht man so ganz Seite 8 engagiert! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .26 Der Natur eine Chance persönlich! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Alles für den Eisvogel tradition ell! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .30 Die Advents- und Weihnachtsmarktsaison wird eingeläutet

Struktur der Steine Seite 14

wohnlich! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .32 Außergewöhnliche Produkte persönlich! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .34 Uneingeschränkte Aufrichtigkeit kabarettistisch! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .36 Jürgen Becker in Unkel untern ehm en! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .38 Eine Scheune zum Stöbern unter wegs! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .40 Deutsche Idylle oder was einen Kölner südwärts zieht genießen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .42 Schinken schenken weihnachtlich! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .44 Tante Emma als Museum

Burg Hammerstein Seite 16

Deutsche Idylle Seite 40

Schinken schenken Seite 42

gastlich! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .46 Lämmlein mit Winterfell ausgewählt! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .48 Veranstaltungen im November künstlerisch! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .52 Poppige Rheinromantik genießen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .54 Mit Hand und Herz unter wegs! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .56 Von Mühlen, Mönchen und Wein

Lämmlein mit Winterfell Seite 46

Poppige Rheinromantik Seite 52 Der Rheinländer · November 2010

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kurz & knapp! Der aktuelle RHEINLÄNDER-Rechtstipp:

Mietrecht: Informationspflichten des Vermieters bei einer Kündigung wegen Eigenbedarfs Der Bundesgerichtshof (BGH) hat durch aktuelles Urteil vom 13.10.2010 (Az.: VIII ZR 78/10) die Informationspflichten von Vermietern, die eine Wohnung wegen Eigenbedarfs kündigen, präzisiert. Nach der Entscheidung des BGH muss der gekündigte Mieter darüber informiert werden, wenn während der Kündigungsfrist eine andere Wohnung des Vermieters im Haus oder in der Wohnungsanlage frei steht oder frei wird. Der Vermieter muss den Mieter dabei über die wesentlichen Bedingungen einer Anmietung, also Größe und Ausstattung der Wohnung sowie Mietkonditionen informieren, um die Anbietpflicht ordnungsgemäß zu erfüllen. Im zu entscheidenden Fall hatte der Vermieter das langjährige Mietverhältniss wegen Eigenbedarfs mit einer Frist von neun Monaten gekündigt. Vor Ablauf der Kündigungsfrist wurde im ersten Obergeschoss desselben Hauses eine andere Mietwohnung frei. Die Vermieterin vermietete diese Wohnung anderweitig neu, ohne sie zuvor den gekündigten Mietern angeboten zu haben.

Der BGH hat nunmehr entschieden, dass dem Vermieter gegen die Mieter kein Anspruch auf Räumung und Herausgabe der gekündigten Wohnung zusteht. Der BGH hat dabei seine Rechtsprechung bekräftigt, wonach der wegen E i ge n b e d a rfs k ü n d i ge n d e Ve rm i e te r d e m Mieter eine ihm zustehende vergleichbare Wohnung während der Kündigungsfrist anbieten muss, sofern sich die Wohnung im selben Haus oder in derselben Wohnanlage befindet. Kommt der Vermieter dieser Anbietpf licht nicht nach, ist die ausgesprochene Kündigung nach Auffassung des BGH wegen Verstoßes gegen das Gebot der Rücksichtnahme rechtsmissbräuchlich und damit unwirksam. Dr. Markus Heimermann Rechtsanwalt

Bestnote für Haus Brüngsberg Bad Honnef-Aegidienberg. Das Senioren- und Pflegeheim Haus Brüngsberg in Aegidienberg ist bei der Prüfung durch den medizinischen D i e n st d e r K r a n ke n ve r s i ch e r u n g m i t d e r Gesamtnote 1,0 zum besten vollstationären privaten Pflegeheim im gesamten Rhein- SiegKreis und zu einem der besten in Deutschland bewertet worden. Nach den bundesweit einheitlichen Transparenzkriterien sind im Kreis-

gebiet bisher lediglich drei Einrichtungen mit der Bestnote 1,0 ausgezeichnet worden. Hierunter ist das Senioren- und Pflegeheim Brüngsberg das einzige private Pflegeheim. Heimleiter Stefan Weber betont, dass sehr gute Pflege nicht teuer sein müsss, da die von ihm betriebene familiär geführte Einrichtung als preisgünstig eingestuft werden könne. Das Ergebnis ist unter www.pflegeheimnavigator.de veröffentlicht.




kurz & knapp! Gesund bleiben – gesund werden Oberpleis. Bei den Gesundheitstagen vom 4. bis 6. November steht der Ort und seine Fachgeschäfte drei Tage lang ganz im Zeichen von Gesundheit und Wellness. Neben den Tipps und Produkten an den Messeständen im Ausstellungsraum der Volksbank und bei den Experten in den teilnehmenden Fachgeschäften gibt es e i n e d r e i t ä g i ge Vo rt r a g s r e i h e sowie den großen GesundheitsParcours, der die Besucher durch die Oberpleiser Fachgeschäfte und dabei an zahlreiche Mess-, Testund Beratungsstationen führt. Die Besucher können sich ihren ganz persönlichen Gesundheitsund Vorsorge-Tag zusammenstellen und sich bei Gesundheitsexperten aus der Region informieren. Als Experten sind unter anderem mit dabei: Ärzte aus verschie-

denen Fachrichtungen, Pf legeE x p e rte n , P hys i o t h e ra p e u te n , Hörgeräteakustiker, Optiker, Heilpraktiker, Ernährungsfachleute, naturheilkundlich tätige Berufsgruppen, Sport-, Reha- und Fitness-Spezialisten, Kosmetik- und Wellness-Experten, Vertreter von Selbsthilfegruppen und Vereinen. „Gesundheitswissen kompakt und auf den Punkt gebracht!“ – das ist das Motto der Vortragsreihe in den Räumen der Volksbank. Ganztägig werden dort eine Vielzahl aktueller Themen behandelt – und das in einer für den medizinischen Laien verständlichen Form. D e r B e s u ch d e r O b e r p l e i s e r Gesundheits-Tage ist kostenfrei, ebenso die Teilnahme am Gesundheits-Parcours und an der Oberp l e i s e r G e s u n d h e i t s -To m b o l a . www.vokom.de



Mehr Wohnambiente

Foto: privat

Ittenbach. Die Unternehmerfamilie Heider eröffnet am 29. Oktober ein neues Wohnambiente-Einrichtunghaus in Köln. „Einrichten mit Leidenschaft“ ist schon seit über 50 Jahren das Motto des Traditionsunternehmens, das bereits Häuser in Ittenbach und Rheinbach führt. „Wir sind stolz darauf, unseren Kunden ein Umfeld schaffen zu dürfen, in dem sie sich wohlfühlen, erholen und Kraft tanken können“, so Geschäftsführer Michael Heider. „Wohnen bedeutet heute mehr, als ein Dach über dem Kopf zu haben, es entwickelt sich zunehmend mehr zu einer Lebensphilosophie.“ An den Eröffnungstagen vom 29. bis 31. Oktober umrahmen Veranstaltungen wie Modenschauen, Ku n st a u s ste l l u n ge n u n d Au to grammstunden mit Kölner Prominenten die Präsentation von Wohnideen. Die neue Ausstellung in Köln, Kaiser-Wilhelm-Ring 26, ist montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das Stammhaus in I t te n b a ch i st a m 2 7. u n d 2 8 . November (verkaufsoffener Sonntag von 13 bis 18 Uhr) zur Adventsa u s ste l l u n g w i e d e r l i e b evo l l ge s ch m ü ck t . Ne b e n fe st l i ch e n Weihnachtsdekorationen werden a u s ge fa l l e n e G e s ch e n k i d e e n gezeigt. www.wohnambiente.de


Titel!

Niemals geht man so ganz Die Arbeit des Bestatters sehen viele mit Scheu. Professionelle Hilfe ist im Fall der Fälle aber notwendig, helfen kann ein Vorsorgegespräch. Der traditionelle Trauermonat November bietet möglicherweise Zeit und Gelegenheit, darüber nachzudenken.

von Hans Ziegler

„Der Tod ist groß Wir sind die Seinen lachenden Munds, wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen, mitten ins uns.“ o dichtete der berühmte Lyriker Rainer Maria Rilke und brachte damit ein Lebensgefühl auf den Punkt, das vor allem dem mittelalterlichen Menschen vertraut war: Jederzeit konnte sich der Tod wie eine unberechenbare Macht zeigen. „Media vita in morte sumus – mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, im Mittelalter war das eine gängige Sentenz und Vorstellung. or allem dank der Errungenschaften der Medizin ist unser Lebensgefühl ein anderes. Der Tod erscheint weitgehend in die Schranken des hohen Alters zurückgedrängt,

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auch die statistisch ständig steigende Lebenserwartung bestätigt diese Sicht. Wenn dann allerdings das Unweigerliche, Unvermeidliche, Endgültige eintritt, stehen die Angehörigen oft wie gelähmt. Professionelle Hilfe ist dann nötig; sie wird geleistet durch Bestattungsunternehmen. In Deutschland gibt es von ihnen rund 4 000. Zwischen Königswinter und Neuwied sind rund 35 Bestatter vertreten. as diese Unternehmen leisten, ist nicht wenig. Der Verstorbene muss nach der zweiten ärztlichen Leichenschau unverzüglich eingesargt und innerhalb von 36 Stunden in

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eine Leichenhalle überführt worden sein, innerhalb von sieben Tagen h a t ge m ä ß d e n ge s e t z l i ch e n Bestimmungen die Beerdigung zu erfolgen. In dieser Wochenfrist sind viele Dinge zu klären: Ute Bockshecker, die zusammen mit ihrem Mann Helmut in Unkel ein Bestattungsunternehmen führt, erläutert: „ M i t d e n G e i st l i ch e n , Tra u e r rednern, den Behörden und den

ist die ungestörte Abschiedsnahme am offenen Sarg möglich und es l ä s st s i ch n o ch m a l s m i t d e n Angehörigen beraten, wie genau die Aufbahrung auf dem Friedhof, die Ausschmückung der Kapelle erfolgen soll. Petra Düren, die gemeinsam mit ihrem Mann Georg das Geschäft leitet, spricht dabei auch den finanziellen Aspekt an: „Wir möchten nicht, dass Unterschiede

Vorsorgegespräch Angehörigen muss der Termin für die Beerdigung abgestimmt werden, das ist innerhalb weniger Stunden nicht immer einfach. Hinzu kommt die Beurkundung des Sterbefalles, das Einholen sämtlicher Genehmigungen und vor allem geht es uns um die Gestaltung einer Verabschiedung für den Verstorbenen, die nicht nur ehren- und würdevoll ist, sondern auch individuell passt. Wir b e r a te n d e s h a l b b e i d e r Te x t gestaltung der Trauerdrucksachen und wir sorgen für eine am Leben u n d d e r Pe r s ö n l i ch ke i t d e s Verstorbenen ausgerichtete Aufbahrung mit individuellem Blumenschmuck, Fotos und Musik.“ ies alles binnen sieben Tagen zu leisten, setzt organisatorisches Geschick voraus, gefordert ist vom Bestatter aber auch psychologisches Einfühlungsvermögen. „Jeder trauert auf seine Weise, es gibt vielfältigste Arten, mit Trauer umzugehen. Darauf muss man sich in unserem Beruf individuell einstellen und viel Zeit mitbringen“, sagt Rolf Sinke, der zusammen mit seiner Frau Cornelia in Rheinbrohl und Bad Hönningen ein Bestattungsgeschäft betreibt. i ch e r i st : Tra u e r b ra u ch t einen würdevollen Platz. Die Bestatter Bockshecker und Sinke haben deshalb einen eigenen Verabschiedungsraum. Auch das alteinge s e s s e n e , s e i t 19 4 7 i n B a d Hönningen und Rheinbrohl vertretene Bestattungshaus Düren verfügt über einen solchen Raum. Auch hier

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zwischen arm und reich sichtbar werden. Wenn das Geld knapp wird für feierliche Gestecke, Kränze oder eine Blumendecke über dem Sarg, dann helfen wir eben nach durch eigene Dekore. Es ist uns ganz wichtig, dass jede Bestattung würdevoll gestaltet ist.“ u f f ä l l i g f ü r d i e h e u t i ge B e st a t t u n g s k u l t u r i st d i e Tendenz zur Einäscherung, zur Fe u e r b e st a t t u n g . D i e s e A rt d e r Beisetzung wird inzwischen in sieb e n vo n z e h n F ä l l e n gew ä h l t . Finanzielle Gründe sind oft ausschlaggebend dafür, dass die Beisetzung in einer Urne erfolgt. Hinzu ko m m t , d a s s d i e P f l e ge e i n e s Urnengrabes weniger zeitaufwendig ist. Da Angehörige oft nicht mehr im

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Ort des Verstorbenen wohnen, häufig weit weg gezogen sind, bleibt n u r n o ch we n i g Z e i t f ü r d i e Grabpf lege. Die Urnenbeisetzung erscheint dann oft als die beste Lösung.


Titel! ine ungewöhnliche, aber zunehmend gefragte Form der Urnenbeisetzung ist die Waldbestattung. Die Asche des Verstorbenen wird an den Wurzeln eines Baumes in einer kompostierbaren Urne beigesetzt. Auf Wunsch wird der Baum mit einer kleinen Tafel versehen, die Name, Geburts- und Sterbedaten ausweist. Möglich ist so etwas zum Beispiel in Bad Breisig, in der „RheinRuhe“, einem offiziell von der Stadt als Friedhofsgelände deklarierten Waldstück. er will kann sich „seinen“ Baum schon zu Lebzeiten aussuchen, auch ein einzelner Baum als Familiengrab mit bis zu zwölf Ruhestätten ist möglich. Eine solche Grabsuche schon zu Lebzeiten vorzunehmen, ist sicher nicht leicht. Innere Widerstände sind zu überw i n d e n . U te B o cks h e cke r b e to n t a b e r : „Manchmal ist es hilfreich, in einem diskreten Gespräch das eigene Sterben oder das eines nahen Angehörigen zu thematisieren. Es lassen sich in einer solchen vertraulichen Unterredung viele Fragen klären, durch die dann ein selbstbestimmtes Planen möglich wird“. i e s e T h e m a t i s i e r u n g d e s e i ge n e n Sterbens ist bislang noch die Ausnahme, oft sind die Hemmungen zu groß, eine Tendenz zu Vorsorgegesprächen gibt es aber erkennbar dort, wo der Tod eines nahen Angehörigen droht. Solche Unterredungen sind hilfreich, sie helfen auch, eine pietätvolle Beerdigung in die Wege zu leiten und den Verstorbenen in würdevoller Erinnerung zu behalten. „Das“, so betont Ute Bockshecker „ist ganz wichtig, denn die Spuren des Verstorbenen bleiben.“

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Titel! Vorsorge treffen – auch der letzte Gang lässt sich selbst bestimmen von Hans Ziegler enn ein Angehöriger stirbt, ist das nicht selten auch für die Hinterbliebenen Anlass, über den eigenen letzten Weg nachzudenken. Das ist – zugegeben – nicht einfach, sinnvoll ist es aber in jedem Fall. Wer beispielsweise ein selbst bestimmtes Leben zu führen gewohnt ist, möchte auch die „letzten Dinge“ nicht völlig dem Zufall überlassen. Vorsorge zu treffen, ist außerdem weniger kompliziert oder unangenehm als oft befürchtet. edes seriöse Bestattungsinstitut bietet kostenlose Vorsorgegespräche an, in denen der Beratene selbst entscheidet, wie konkret er die eigene Beisetzung vorausplanen möchte. Oft

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Würdiges Begräbnis ergeben sich erst aus dem Gespräch mit einem erfahrenen Bestatter, welche Möglichkeiten der Verabschiedung in Betracht kommen. Auch die Kostenzusammenstellung der besprochenen Wünsche darf der Ratsuchende erwarten. Dann kann er ohne Zeitdruck entscheiden, wie verbindlich er seine Wünsche für den letzten Gang festlegen möchte.


Titel! ntscheidend er sich beispielsweise für einen Bestattungsvorsorgevertrag mit einem Beerdigungsunternehmen, so ist der getroffene Vertrag rechtsverbindlich und wird wie ein Letzter Wille angesehen; die Einrede Dritter ist nicht möglich. Grundsätzlich ist eine solche Vereinbarung nicht gebunden an eine Sterbegeldversicherung oder eine treuhänderische Geldeinlage, die Praxis zeigt allerdings: In fast allen Fällen wird privat angespart oder es wird eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen. amit schließt eine Bestattungsvorsorge in der Regel auch finanzielle Risiken für die Angehörigen aus; vor allem aber – und das ist die eigentliche Kernidee des Bestattungsvorsorgevertrages – wird festgelegt, wie sich der Betreffende ein würdiges Begräbnis in seinem Sinn vorstellt. Er/sie kann so bestimmen, ob e i n e k l a s s i s ch e E r d b e st a t t u n g o d e r e i n e Feuerbestattung gewünscht ist, welche Inschrift die Grabstätte zieren soll, was in den Trauerdrucksachen zu lesen sein und wie schließlich die Beerdigungsfeier gestaltet werden wird. e r i m B e st a t t u n g s vo rs o rgeve rt ra g Antwort auf diese Fragen gibt, kann somit selbst bestimmt auch das Ende seines L e b e n s ge sta l te n , e r h i l f t a b e r a u ch d e n Hinterbliebenen. Angehörigen fällt es nämlich häufig schwer, eine Beerdigung zu organisieren, wenn sie nur vage Vorstellungen über die Wünsche des Verstorbenen hinsichtlich der Beisetzung haben. Diese Schwierigkeiten werden noch verstärkt durch den Zeitdruck und die seelische Belastung. m Idealfall sollte das Gespräch mit einem B e st a t te r d i e B a s i s l i e fe rn f ü r d i e Entscheidung, welche der zahlreichen, manchmal auch sehr ausgefallenen Möglichkeiten der letzten Ruhe in Frage kommen. Klassische Erdoder Feuerbestattung, Seebestattung, Flug- oder Luf tbestattung, die Almwiesen- oder Fels-

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bestattung, Diamantbestattung einschließlich gew ü n s ch te r Ka r a t z a h l u n d Fo rm d e s Brillantschliffes oder sogar eine Weltraumbestattung ? ie Auswahl wird immer vielfältiger, doch sei stets angeraten, gerade die ausgefallenen oder gar exzentrischen Wünsche mit den Angehörigen abzusprechen, die man anderenfalls im eingetretenen Trauerfall schlichtweg überfordert.

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genießen!

Kräuterwind mit frischer Brise Die Kräuterwind-Familie ist gewachsen: Kürzlich wurde die neue Kräuterwind-Genusskollektion 2010, die neue Kräuterwind-Wohlfühllinie, der Kräuterwind-Produktfilm und die neue Zeitung „Kräuterwind-Welt“ vorgestellt.

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ine stilvolle Präsentation war zugleich Höhepunkt und Abschluss der diesjährigen Grünen Woche Rheinland-Pfalz, wie der rheinland-pfälzische Landwirtschaf ts- und We i n b a u m i n i ste r H e n d r i k H e r i n g b e i d e r Veranstaltung auf dem Hofgut Dapprich im Westerwald betonte. „Kräuterwind steht für eine b e i s p i e l h a f te Ko o p e ration entlang der Werts ch ö p f u n g s ke t te u n d über Kreisgrenzen hinweg, für hervorragende Qualitäten auf Basis bekannter und weniger bekannter heimischer Produkte. Und Kräuterwind steht für Innovation in der Produktentwicklung, in der Kommuni-

kation und im Vertrieb“, hob der Minister hervo r. D a h e r h a b e d i e s e P r o d u k t l i n i e d a s Potenzial, zum „Flaggschiff für den gesamten Westerwald“ zu werden. te f f i K l ö ck n e r vo n d e r B i r ke n h o f B r e n n e r e i e r l ä u te rte b e i d e r Ve r a n staltung „Was es heißt, Krauterwindmanufaktur zu sein“, und Kameramann, Regisseur und Autor Helmut Reinelt aus Bad Honnef zeigte d e n n e u e n K r ä u te r w i n d - P r o d u k t f i l m . D i e Kräuterwind-Idee ist ein Produkt der im April 2008 geschaf fenen Gemeinschaf tsinitiative „Wir Westerwälder“ der drei Landkreise Altenk i r ch e n , We ste r wa l d und Neuwied. Seit 2009 wird sie erfolgreich in vier Bereichen genutzt: Kräuterwind-Gartenr o u te We ste r wa l d , Kräuterwind-Spezial i ste n , K r ä u te r w i n d Wirte und KräuterwindManufakturen. Initiator ist Jörg Hohenadl von d e r M i t te l st a n d s f ö r derung im Landkreis Neuwied. www.kraeuterwind.de | WR

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Westerwälder Flag gschiff

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handwerklich!

Struktur der Steine Ruth Schwenker ist Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin in Hammerstein. Bei vielen Arbeiten lässt sie ihrer künstlerischen Ader freien Lauf – auch in der Gestaltung von Grabmalen.

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unächst wollte Ruth Schwenker bildende Künstlerin werden, erfuhr jedoch von der Düsseldorfer Kunstakademie eine Ablehnung. Man empfahl ihr ein Praktikum in einem künstlerisch-handwerklichen Metier. Über den Kontakt zu Verwandten in der Eifel stieß sie auf die Steinhauerwerkstatt des Klosters Maria Laach u n d w u r d e 19 7 8 d o rt a l s P r a k t i ka n te n wo h l d i e erste Frau der Klosterge s ch i ch te , d i e i n d e r Werkstatt arbeiten durfte. Ausbilder und Bildhauer Hans Gerhard Biermann entdeckte ihr Talent und so konnte Ruth Schwenker als eine der ganz wenigen weiblichen Auszubildenden überhaupt eine Steinmetz- und Bildhauerlehre absolvieren, die sie mit der Gesellenprüfung als Landessieger abschließen konnte.

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von Wolfgang Ruland o hatte ich doch das ge f u n d e n , wa s i ch w i r k l i ch m a ch e n wo l l te ” , blickt sie heute froh zurück. s folgten Stationen als Bausteinmetz, wo sie im A k ko r d P r o f i l st ü cke u n d Industriemaßwerke herstellte, als Restaurateurin von alter Bausubstanz in Nürnberg und schließlich als Meisterin der Bauhütte der St. Matt hias-

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Gefragt in der Region Basilika in Trier, an der sie sieben Jahre wirkte. 1992 kam sie schließlich nach Hammerstein, wo s i e s i ch a l s Ste i n b i l d hauerin selbstständig machte. Mit ihrem Mann bezog sie dessen Elternhaus direkt unterh a l b d e s H a m m e r ste i n e r Felsens. In der Region ist sie heute gefragte Gestalterin von

steinernen Skulpturen wie der Feder für die SternenkinderGedenkstätte auf dem Friedhof der Kirchengemeinde St. Pantaleon in Unkel, den Gedenkstein für Anton Schneider in Leubsdorf (siehe Seite 34) oder d i e b e s p i e l b a r e n M ä r ch e n figuren auf dem Hof der Gebrüder-Grimm-Grundschule in Rheinbreitbach, die im Zuge des Wettbewerbs „Kunst am Bau” entstanden sind: Zwei Z we rge n f i g u r e n h a l te n eine Turnstange, ein Esel ein Springseil und ein riesiger Frosch schluckt Bälle, die man in seinen Hals hineinstecken kann. „Figürliches verbunden mit technischen Ideen, das ist wohl typisch für meine Arbeit”, sagt die Meisterin, für die „die handwerkliche und künstlerische Beschäftigung mit der Form und Struktur des Steines ein wichtiges Element“


ihrer Arbeit ist. So auch bei der Herstellung von Grabsteinen. eute ist in der Bestattungskultur fast alles möglich”, stellt sie fest, „in den letzten zwanzig Jahren hat hier ein starker Wandel stattgefunden. Traditionen, sozialer Druck und moralischer Anspruch sind für die Gestaltung einer Grabstätte nicht mehr entscheidend – man ist da sehr viel freier. Aber man sollte das Ritual, eine feste Trauerstelle zu besuchen und den Angehörigen durch eine angemessene Grabgestaltung gewürdigt zu wissen, nicht unterschätzen. Es tut gut, seine Trauer an einem eigenen Platz auf dem Friedhof lassen zu können.” Nach Einschätzung der Steinbildhauerin ist gerade ein Grabstein oder eine Grabfigur wichtig für die Hinterbliebenen, die einen konkreten Ort der Trauer brauchen. Mit den Angehörigen entwickelt sie im Gespräch eine Idee für das Grabmal, das in Form und Inhalt am besten zum Verstorbenen passt und somit ganz individuell und künstlerisch – geformt wird.

WEINHAUS & RESTAURANT Unkel am Rhein

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Ruth Schwenker, Burgweg 1, 56598 Hammerstein, Tel: 02635-6072

Ab November ist unser Restaurant in den Weinstuben Donnerstag bis Sonntag ab 17 Uhr geöffnet Nach Absprache auch an anderen Tagen möglich!

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historisch!

Burg Hammerstein von Werner Schönhofen Die ehemalige Festung auf dem Felsmassiv war einst ein bedeutendes Machtzentrum. Hier waren deutsche Kaiser und Könige zu Gast, die Reichsinsignien wurden im Burgverlies verwahrt und ein späterer Papst saß im Kerker.

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er hervorspringende Fels ragte wohl ehedem bis zum Rheinufer. Durch den Bahnund Straßenbau des 19. Jahrhunderts wurde er rheinwärts abgetragen. Er stellte seit jeher für den Rheinlauf und den Verkehrsweg ein Hindernis dar. Die Bergmassive bewirken eine leichte Krümmung des Stromes, mittelhochdeutsch hame oder hamme. Es ist aber auch möglich, dass das althochdeutsche Wort hamar, mittelhochdeutsch hamer, als Bezeichnung für ein festes Haus auf einem Felsen, sprich eine Burg, namengebend war. it dem Ehestreit zur Zeit des Grafen Otto und seiner Gemahlin Irmingard, der 1002 erstmals urkundlich feststellbar ist, wird Hammerstein und seine Festung geschichtlich fassbar. Graf Otto war Gaugraf in der Wetterau ebenso wie hier im Engersgau und als solcher e i n ge f ä h r l i ch e r Ko n k u rr e n t d e r M a i n z e r Erzbischöfe. Vor diesem Hintergrund muss gesehen werden, dass sich diese auch zunächst erfolgreich gegen Ottos Ehe mit seiner entfernten Verwandten Irmingard wandten. Erzbischof E r ch e n b a l d s e t z te a u f d e r S y n o d e vo n Nijmwegen die Exkommunikation des Grafenpaares durch, worauf Otto mainzisches Gebiet verwüstete, was wiederum Kaiser Heinrich II. veranlasste, die Burg im Spätherbst 1020 zu belagern. Otto konnte mit seinen Mannen erst nach dreimonatiger Belagerung a u s ge h u n ge rt we r d e n . Au ch Aribo, seit 1021 Nachfolger des Mainzer Erzb i s c h o f s

Erchenbald, setzte zielstrebig die Bemühungen gegen das Grafenpaar fort, was sogar zur Amtsenthebung des Erzbischofs durch den Papst führte. Erst als Konrad II., der in einer ähnlichen Ehe lebte, 1024 Nachfolger von Heinrich II. wurde, beruhigte sich der Streit um Graf Otto und Gräfin Irmingard; Kaiser und Papst hatten offensichtlich kein Interesse, das Verhältnis von Kirche und Reich durch die Machenschaften der M a i n z e r E r z b i s ch ö fe b e l a ste n z u l a s s e n . 10 31 ko n n te das Grafenpaar sogar wieder die Burg auf dem Hammerstein beziehen, im gl e i ch e n J a h r wa r i h r s ch ä rfste r G e g n e r Erzbischof Aribo von Mainz gestorben. 1036 starb Graf Otto, 1043 Gräfin Irmingard; ihr einziger Sohn, Graf Udo, war bereits 1034 gestorben, so erlosch dieses Geschlecht. ie Burg war wohl mittlerweile verfallen, so dass Heinrich IV. sie 1071 wiederherstellen ließ und einen eigenen Burgmann hier einsetzte als königlichen Verwalter. 1074 errichtete er im Schutze des Hammersteins eine Zollstätte, die jedoch nicht von Dauer war. Denn z u r Z e i t d e s D r e i ß i g j ä h r i ge n Krieges (1618-1648) wurde der kurtrierische Koblenzer Moselzoll an den einträglicheren Rhein nach hier verlegt; er wurde aber bereits nach kurzer Zeit nach dem sichereren Leutesdorf verlegt, wo e r b i s 18 0 5 bestand.

Kaiser, Päpste und Ritter

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historisch! d e n d i e s e Re i ch s insignien in der Wiener Hofburg aufb ewa h rt . In den Jahren 1110 und 1112 hat die Feste einen vo rn e h m e n G e fa n genen beherbergt, so saß hier der Mönch Hildebrand, der spätere Papst Gregor VII., ein. ilitärische Bedeutung erlangte die Festung wieder zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) a l s s i e 16 3 2 i m Wechsel von spanischen, schwedischen und h e s s i s ch e n Tr u p p e n besetzt wurde und sich 1646 Lot hringer festsetzte n . D i e s e e r h o b e n h i e r u n r e ch t m ä ß i g Zoll und drangsalierten die Orte der Umgebung. Erst 1654 konnten die Lothringer durch Aushungern von den Belagerern, Truppen Kurtriers und der Grafschaft Wied, bezwungen werden. Danach zerstörten kurtrierische und wiedische Truppen die Burg, die seit dieser Zeit Ruine ist – ein Grund d a f ü r, d a s s n u r m e h r we n i g o b e r i r d i s ch e s Mauerwerk vorhanden ist. Von ihm sind heute lediglich noch der sogenannte Windmühlenturm auf vorderster, rheinseitiger Bastion, Teile der südlichen Umfassungsmauer, die in neuerer

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n der Zwischenzeit hatte die Festung jedoch Reichsgeschichte gemacht: Im Jahre 1105 suchte Heinrich IV. auf der Flucht vor seinem Sohn, der sich als Heinrich V. die Macht angeeignet hatte, hier Schutz vor seinem Verfolger. Zeitweise waren auf der Burg die Re i ch s i n s i g n i e n : K r o n e , K r ö n u n g s m a n te l , Zepter, Schwert, Reichsapfel, heilige Lanze aufbewahrt. Wer sie vorzeigen konnte, war in einer Z e i t m i t m a n ge l h a f te n Ko m m u n i ka t i o n s möglichkeiten und in der weite Teile der Bevölkerung weder lesen noch schreiben konnte , sta a t s r e ch t l i ch e U r k u n d e n a l s o we n i g b e ka n n t u n d e i n e z we i fe l h a f te Wi r k u n g besaßen, der rechtmäßige Herrscher. Heute wer-

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Zeit durch den Eigentümer freigemacht und r e st a u r i e rt w u r d e u n d n e b e n we n i ge n Fundamentresten im Innern ein Mauerstück mit innenliegender Treppe und Kellergewölbe vorhanden. Erwähnenswert ist auch eine quer durch die Burg verlaufende Mauer, die im Fundament erhalten ist. Sie deutet auf die Trennung der Burg in zwei Hälften hin, die zeitweise von zwei Burggrafenlinien bewohnt war. m Mauerwerk der Umfassungsmauer ist teilweise noch Basaltquaderverblendung feststellbar. Hinter dieser Verblendung verbirgt sich Mauerwerk in Fischgrätverband bzw. Füllmauertechnik, wie es von den Römern verwendet wurde. Daher stammt wohl die Fama, Burg Hammerstein sei auf römischem Grundmauerwerk durch Karl Martell errichtet worden, was jedoch nicht zu beweisen ist. er preußische Staat verkaufte die Ruinen im Jahre 1823 an den Freiherrn von Haxthausen, erwarb sie aber 1843 zurück, um sie dann 1893 an den Familienverband der Freiherren von Hammerstein, eine Nebenlinie, zu veräußern, der sie noch heute gehören. Die Burg ist durch einen Pfad zu erreichen, jedoch innen nicht überall gesichert.

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Reste des Windmühlenturms


literarisch! Der Hammersteiner Ehestreit or tausend Jahren erschütterte der Streit um die Rechtmäßigkeit der Ehe zwischen Graf Otto von Hammerstein und seiner Frau Irmingard das ganze damalige Deutsche Reich. Zur der Zeit galten Ehen mit Verwandten bis zum siebten Grad als nicht gottgewollt. Otto und Irmingard hatten gemeinsame Vo rfa h r e n , U r u rg r o ß m u t te r b z w. U rg r o ß m u t te r wa r e n Schwestern, somit handelte es sich tatsächlich um eine Verwandtschaft siebten Grades. olitische Gegner wie die M a i n z e r E r z b i s ch ö fe nutzten diesen Umstand für I n t r i ge n u n d M a ch t s p i e l e gegen den Grafen von Hammerstein. as ist der Hintergrund d e s h i sto r i s ch e n Ro m a n s „ H a m m e r ste i n “ vo n Schriftsteller und Journalist Rüdiger Ruch aus Sinzig, der

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heute in Bad Neuenahr-Ahrweiler lebt. Als Schüler fuhr er jeden Tag gegenüber der ehemaligen Burg rheinauf- und abwärts. Das imposante Felsmassiv hat ihn seitdem fasziniert und später zu seinem Roman inspiriert. r beschreibt die Querelen um die Hammersteiner Ehe und die Zeit des hohen Mittelalters detailgetreu, fesselnd und sprachgewaltig. Der Verlag Der Rheinländer hat das zuletzt im Droemer-Verlag erschienene Buch neu aufgelegt. Es wird ab Ende November im Buchhandel und beim RHEINLÄNDER wieder erhältlich sein. utor Günter Ruch liest am Freitag, 26. Novemb e r u m 19 U h r i m Un ke l e r Heimtladen aus seinem wucht i ge n 4 9 0 - S e i te n - S ch m ö ke r. Der Eintritt ist frei!

Sprachgewaltig

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Bach-Klavierkonzert mit Thomas Rohde Freitag, 19. November, 19 Uhr Heimatladen, Pützgasse 2, Unkel „Wohltemperiert“ nennt der Sinziger Pianist und Diplom-Musiker Thomas Rohde sein Klavierprogramm mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach. So wird er Präludien und Fugen aus dem „Wohltemperierten

Klavier“ vortragen. Dazu spielt der Gründer und Leiter der Sinziger Musikschule auch eigene Stücke. Bereits als Kind wurde er mit zahlreichen „Jugend musiziert“-Preisen ausgezeichnet. Seit vielen Jahren ist Thomas Rohde auf Konzertbühnen unterwegs – so spielte er im Münchner Herkulessaal, in der Berliner Philharmonie, am Theater am Aegi ( H a n n ove r ) u n d z u s a m m e n m i t d e n Münchner Symphonikern. Der Eintritt ist frei – bei Gefallen wird um eine Spende gebeten. Info-Tel: 02224-7796512


nostalgisch! von Wolfgang Ruland

Die in Linz ansässige Eifelbahn GmbH betreibt nicht nur die bekannte Kasbachtalbahn, sondern führt als Sonderzugveranstalter auch etliche Zugtouren bundesweit durch. Exklusiv für RHEINLÄNDERLeser stellt das Unternehmen zwei kostenlose Fahrten zu den Weihnachtsmärkten Hannover, Braunschweig oder Wernigerode zur Verfügung. anderer und Ausf lügler ke n n e n d e n b e l i e b te n roten Schienenbus, der zwischen den Bahnhöfen Linz und Kalenborn verkehrt. Man lässt sich den Berg hinauffahr e n , ke h rt i m Re st a u ra n t „Nattermann’s“ ein und wand e rt w i e d e r i n s R h e i n t a l zurück, nachdem man zwischendurch eine Pause in der „Alten Brauereischänke“ im Kasbachtal eingelegt hat. Der S ch i e n e n b u s a u s d e n 5 0 e r Jahren verkehrt in diesem Jahr noch bis in die Weihnachtszeit a m 19 . D e z e m b e r, j ewe i l s samstags und sonntags zur vo l l e n St u n d e a b L i n z . Betreiber dieses historischen

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Fotos: Eifelbahn GmbH

Mit Begeisterung aufs Gleis

Vollbesetzt über das Viadukt im Kasbachtal u n d u r i ge n Z u ge s i st d i e E i fe l b a h n G m b H m i t S i t z inmitten des Linzer Güterb a h n h o fs . Un te rn e h m e n s gründer und geschäftsführen-

Historische Züge der Gesellschafter ist Jörg S ey f fe rt a u s Ka s b a ch , d e r schon in jungen Jahren als Eisenbahninteressierter Sonderzüge zunächst aus der Eifelregion veranstaltet hatte – daher der Firmenname. n den 90er Jahren erfolgte die Privatisierung vieler St r e cke n d e r B u n d e s b a h n . Seyffert griff zu und übernahm

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Der Partywagen

von der Bundesbahn die zur Stilllegung anstehende Strecke im Kasbachtal. Damit erhielt der Betreiber als einer der ersten die Konzession zur privaten Nutzung von Bahnstrecken. Gleisanlagen und Brücken wurden überarbeitet und der Pendelverkehr erfreut sich seitdem steigender Beliebtheit – pro Jahr rund 30.000 Fahrgäste. Inzwischen sind die Freizeitverkehre offiz i e l l vo m L a n d R h e i n l a n d Pfalz bestellt und Teil des öffentlichen Nahverkehrs und Rheinland-Pfalz-Taktes. i s e n b a h n u n te r n e h m e r J ö rg S ey f fe rt , d e s s e n Aktivitäten aus einem Hobby heraus entstanden sind („Ich habe mich schon immer für die Geschichte und Technik von Eisenbahnen interessiert“), sieht sich in erster Linie als Re i s eve r a n st a l te r a u f d e r Schiene und lässt von seinen hauptberuflichen Mitarbeitern touristisch-gesellige Sonderzüge bundesweit verkehren.

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Dabei kann er auf einen Pool von historischen Z ü ge n , ge l e ge n t l i ch a u ch vo n D a mp f lokomotiven gezogen, zurückgreifen. Eigene Waggons wie ein Party-Wagen stehen einsatzbereit auf dem Linzer Bahnhof, der bestens dafür geeignet ist, Sonderzüge zusammenzustellen. Zum täglichen Geschäft gehören auch Sonderzüge für Firmen, Sport- oder Reiseveranstalter, aber auch die Sonderzüge der Deutschen Bahn AG zur Fußball-WM oder zum Papst-Besuch wurden von Seyfferts Bahn-Mitarbeitern in Linz professionell abgewickelt. Zuletzt ging es auf diese romantische Art mit Zügen unter Dampf nach Borkum und Papenburg, der SambaExpress mit Tanz- und Barwagen fuhr auf die Insel Norderney. Als nächster Höhepunkt steht als Sonderzugveranstaltung eine Fahrt mit dem we i h n a ch t l i ch e n S a m b a - E x p r e s s z u d e n Weihnachtsmärkten von Hannover, Braunschweig oder Wernigerode im Harz an. Im Tanzwagen oder auch in ruhigeren Abteilen kann man die Fahrt, zu der man auch in Linz zusteigen kann, in eine der Weihnachtsstädte genießen.

VERLOSUNG Zu gewinnen sind 1 x 2 Karten für die Reise mit dem weihnachtlichen Samba-Express ab Bahnhof Linz zu den Weihnachtsstädten Hannover, Braunschweig oder Wernigerode am 4. Dezember 2010. Bitte Postkarte oder E-Mail bis zum 10. November mit dem Kennwort „zugtouren“ an: Verlag Der Rheinländer, Pützgasse 2, 53572 Unkel bzw. info@rheinlaender-magazin.de. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt. Eifelbahn Verkehrsgesellschaft mmbH Rheinhöller 3 · 53545 Linz Tel: 02644-80900 · www.zugtouren.de


unternehmen!

Gesunder Menschenverstand und Intuition

von Wolfgang Ruland

Marcus van Riet aus Windhagen war ein erfolgreicher Manager im Kundenservice und Vertrieb. Unethische Zielvorgaben und Stress ließen ihn an den Werten der Arbeitswelt zweifeln. Heute hilft er als Coach Unternehmen und Einzelpersonen, neue Wege zu gehen.

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Foto: privat

ielleicht die typische Karriere eines jungen Menschen, der nach oben will und glaubt, alles erreichen zu können: Verkaufsa u ß e n d i e n st für Finanzprodukte, Aufbau von Vertriebsst r u k t u r e n i n d e r Telekommunikationsbranche, Leitung des Ku n d e n s e r v i c e s vo n Bonusprogrammen. So verlief auch der Weg des Marcus van Riet. „Aufstieg, Macht und G e l d wa r e n m e i n e Antriebsfedern“, erinnert er sich, „und ich h a b e s e h r g u t ve r dient.“ Aber dann kam d e r Au f t r a g , e i n e zuvor aufgebaute Ver-

triebsmannschaft wieder abzuwickeln – die Mitarbeiter sollten unter Druck gesetzt und zur eigenen Kündigung gezwungen werden. „Eine im Grunde menschenverachtende Vorgehensweise“, sagt der Coach heute. Neben den Zweifeln an der Vertretbarkeit der Aufgabe und der Einsicht in die eigene Machtlosigkeit kamen körperliche Warnsignale wie Bandscheibenvorfa l l u n d H ö r st u r z hinzu. „Da habe ich beschlossen, die Seite zu wechseln und denjenigen zu helfen, die durch unerreichbare E r wa rt u n ge n a u s ge beutet werden und an Stress und Burn-Out z u z e r b r e ch e n d r o hen“, erklärt er die Gründung seines Unternehmens, das er in Anklang an die A n fa n g s b u ch st a b e n s e i n e r Na m e n ste i l e „Mavari“ nennt. an Riet ließ sich als Coach ausbilden und steht nun als Berater für Unternehmen zu Verfügung,

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die erkannt haben, dass zur Mitarbeiterführung Respekt und Anerkennung gehören und eine dahingehende Firmenethik aufbauen wollen. „Dabei ziele ich auf die Einsicht der Führungskräfte, Verantwortung zu übernehmen, Werte zu erarbeiten und zu erkennen, dass unternehmerische Erfolge nicht allein auf dem Rücken der Mitarbeiter möglich sind.“ eine Beratungs- und Seminarangebote richten sich aber auch an Einzelpersonen, die für sich entdeckt haben, dass es auf dem einmal beschrittenen Weg nicht weitergeht und neue Perspektiven für ihr Berufs- oder Privatleben suchen. Der 37-Jährige empfiehlt sich als

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Die Seite gewechselt ko mp e te n te r G e s p r ä ch s p a rt n e r u n d We g begleiter für schwierige und entscheidende Phasen im Leben. „Ich habe selbst erlebt, wie es ist, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird“, spricht der Coach aus eigener Erfahrung. Er setzt bei seiner Arbeit auf Vernunft, gesunden Menschenverstand und Intuition. Wichtig ist ihm die Ganzheitlichkeit seiner Beratung: „Es we r d e n n e b e n d e r A n fo r derung im Beruf auch ander e L e b e n s a s p e k te w i e Bewegung, Ernährung und Spiritualität mit einbezogen.“ So gehören denn nicht nur Seminare und Gespräche zu seinen Leistungen, sondern auch Meditationund Tiefenentpannung. xklusiv für RHEINLÄNDER-Leser bietet Marcus van Riet, der auch Mitbegründer und Vizepräsident des Verbandes „Ganzheitl i ch e s F ü h r u n g s - u n d Pe r s ö n l i ch ke i t s Coaching“ ist, einen Gutschein über 50 Euro an, der auf all seine Einzelcoachingleistungen angerechnet werden kann.

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GUTSCHEIN über 50 Euro, einlösbar für alle Beratungsleistungen für Einzelpersonen Vorlage des Heftes genügt – nur einmal pro Person möglich Mavari Marcus van Riet Akazienweg 25 · 53578 Windhagen Tel. 02645-974751 · www.mavari.de


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Der Natur eine Chance von Leo Schäfer Wie eine kleine Fischereigemeinschaft die ehemalige Kläranlage in Asbach-Bennau zu einem zukunftsorientierten Projekt machte.

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n den letzten Jahrzehnten sind in unserer Landschaft viele Bäche, Seen und natürliche Fe u ch t ge b i e te d u r ch Ve rr o h r u n g und Begradigungen verloren gegangen, oder haben an ökologischem Wert stark eingebüßt. Umso bemerkenswerter ist das, was sich fünf gestandene Männer im Asbacher Ortsteil Bennau zum Ziel setzten. nde der 1990er Jahre wurden Zug um Zug alle Ortsteile der Verbandsgemeinde Asbach an die neue Kläranlage Oberhoppen angeschlossen. Die mittlerweile veraltete und nicht mehr ausreichende Kläranlage in Asbach-Bennau hatte ihren Dienst getan und wurde geschlossen. In der Folgezeit sollte die Anlage mit Erdaushub verfüllt werden. Das rief fünf Männer, die schon einige Jahre vorher eine Fischereigemeinschaft gegründet hatten, auf den Plan. „Wir hegten schon lange die Idee und den Wunsch, ein Naturschutzprojekt ins Leben zu rufen, hier bot s i ch f ü r u n s e i n e a u ch ko ste n g ü n st i ge Gelegenheit und wir griffen sofort zu“, so Martin Krautscheid, einer der fünf. Im Jahre 2003 kaufte man das Gelände und begann mit

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der Renaturierung. Das gesamte Becken wurde entschlammt und es mussten verschiedene Tiefen geschaffen werden, um günstige LaichB e d i n g u n ge n z u s ch a f fe n . A l l e i n f ü r d e n Laichgrund wurden 60 Tonnen spezieller Kies benötigt. Im Anschluss wurden sämtliche Randbereiche für die Bepflanzung neu modelliert, um einheimischen P f l a n z e n w i e H e ch t kraut, Rohrkolbe, Seerose oder Schwertlilie und Wasserminze gute Bedingungen zu bieten. Hierbei kam dem Projekt zugute, dass mit Kurt Marenbach und Michael Kötting zwei Meister für Garten- und Landschaftsbau sowie für den Bau von Teichanlagen der Gruppe angehören. ann, im Herbst 2004, kam man zum vorläufigen Abschluss des Vorhabens. „Wir denken langfristig und wollen durch weitere E r h a l t u n g s m a ß n a h m e n , w i e d a s st ä n d i ge Prüfen der Wasserbeschaffenheit, streng nach ökologischen Gesichtspunkten und immer mit Blick auf den Naturschutz, hier ein Langzeitprojekt schaffen und erhalten“, bestätigt Kurt Marenbach. Bis zum Jahre 2005 vervollständigte man den Fischbesatz artgerecht mit Zander,

Erhaltungsmaßnahmen



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Foto: privat

Barsch, Rotfeder und Forelle. Dann stellte sich die Gruppe der schwierigen Aufgabe, früher heimische, jedoch mittlerweile vom Aussterben bedrohte Edelkrebse aufzuziehen. Späteres Aussetzen in heimische Gewässer sollte ihnen wieder die Möglichkeit zur Fortpf lanzung geben. Durch nicht heimische Krebsarten, die die sogenannte „Krebspest“ übertrugen, musste man immer wieder Rückschläge hinnehmen, jedoch war man zuletzt erfolgreich. Am Rande des ANUAL-Aktionstages im Juni 2010 wurden

Die Krebse werden ausgesetzt die Edelkrebse im benachbarten Pfaffenbach ausgesetzt, so dass sich hier wieder ein Bestand der einst heimischen Krebsarten entwickeln kann, wie die Naturfreunde nicht ohne Stolz zu berichten wissen. Auch kann man heute durch das neu entstandene ökologische Gleichgewicht wieder heimisch gewordene Tiere wie Eisvogel, Libelle sowie Schlangen, Frösche und Kröten bewundern. Seit einiger Zeit nistet in unmittelbarer Nähe auch ein Schwarzstorchenpaar. Mit diesem Projekt wolle man unter anderem zeige n , d a s m a n l ä n g st ve r l o r e n ge gl a u b te Naturgebiete nicht aufgeben müsse, so die einh e l l i ge M e i n u n g d e r f ü n f Na t u rs ch ü t z e r. Mittlerweile hat diese Anlage weit über die Verbandsgemeinde Asbach hinaus Anerkennung gefunden und nicht selten wird sie von vielen Naturfreunden und sogar von Biologen besucht und bestaunt.


persönlich!

Alles für den Eisvogel von Wolfgang Ruland

Til Macke, Unternehmer, Naturschützer und Enkel August Mackes hat in Oberpleis ein paradiesisches Biotop geschaffen.

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s hat den Anschein, als ob Til Macke drei Leben lebt, die auf wundersame Weise miteinander verzahnt sind. a i st z u n ä ch st d e r Un te rn e h m e r : 19 7 5 übernahm Til Macke, Jahrgang 1939, die Geschäftsführung der C. Gebhard GmbH & Co. KG, die seit 2003 ihren Sitz in Oberdollendorf hat. Das weltweit tätige Unternehmen mit St a m m h a u s i n B o n n „ e n t wickelt und produziert anspruchsvolle Laborgeräte, die schwerpunktmäßig in der Lebens- und Futtermittelanalytik eingesetzt werden“. Firmengründer Carl Gerhardt produzierte seit 1872 zunächst Utensilien für den A p o t h e ke r b e d a rf . Dessen Tochter Elisabeth wurde die Ehefrau von August Macke, e i n e m d e r b e d e u te n d ste n Maler des 20. Jahrhunderts. Seinem Vater Wolfgang, Sohn und Bewahrer der Werke von

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August Macke, folgte Til Macke in die Geschäftsleitung und m a ch te a u s d e m Fa m i l i e n u n te rn e h m e n e i n we l t we i t führendes Haus, in dem heute wiederum seine Söhne Verantwortung tragen. ie Lebensleidenschaf t des promovierten Zoologen ist jedoch der Naturschutz und hier insbesondere der Vogelschutz. Seit er mit vierz e h n J a h r e n z we i We l l e n s i t t i ch e ge s ch e n k t b e ka m ,

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Eulen im Dachgiebel nachdem er seine Hamster abgeben musste, weil diese sich an den Leinwänden seines berühmten Großvaters vergangen hatten, ist er Ornithologe mit Leib und Seele. Er engagierte sich im NABU und leitete die Kreisgruppe Bonn, war auch Vorsitzender der Bonner Sektion des Deutschen Bundes

für Vogelschutz und Geschäftsführer der nordrhein-westfälis ch e n O rn i t h o l o ge n ge s e l l schaft. konnte er ein vier Hektar großes Gelände einer ehemaligen Tongrube in Oberpleis erwerben. Das alte Betriebsgebäude renovierte Macke in jahrelanger Arbeit. „Heute ist e s e i n Ne u b a u m i t a l te n Materialien“, beschreibt er seine Vorgehensweise bei der Wi e d e r e rr i ch t u n g des sehenswerten Fachwerkbaus. Sein ganzer Stolz ist j e d o ch d e r r e n a t u r i e rte See, der auf der Tongrube entstanden ist. „Die Pflege des Geländes war ganz darauf ausgerichtet, den Eisvogel hier wieder heimisch zu machen.“ Immer wieder lichtet er den G ra s b ew u ch s a m U fe r, u m L e b e n s r ä u m e f ü r b e d r o h te Tiere zu schaffen. Der Eisvogel hat es ihm gedankt und lässt

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sich wieder sehen, daneben sind auch viele andere Vögel, die auf der roten Liste stehen, hier wieder heimisch geworden. Zudem hat Til Macke, der immer sein Beobachtungsglas zur Hand hat, schon 27 verschiedene Libellenarten am See gezählt. Im Dachgiebel des Fachwerkhauses richtete er eine Unterkunft für Schleiereulen ein, die von den scheuen Tieren auch angenommen wurde.

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Die Advents- und Weihnachtsmarktsaison wird eingeläutet ie schon seit fünf Jahren startet zunächst der Markt im Gewand der Jahrhundertwende auf dem Gelände der Alten Brauerei in Kasbach, zum ersten Mal geöffnet am 12., 13. und 14 November und dann an den folgenden Wochenenden bis Weihnachten. Am ersten Adventswochenende, 27. und 28. November folgt der nostalgische Weihnachtsmarkt von Bad Hönningen (unser Foto), gleichzeitig startet der L i n z e r We i h n a ch t s m a r k t i n s e i n e r ste s Wo ch e n e n d e u n d d a s E i n r i ch t u n g s h a u s Wohnambiente Heider in Ittenbach lädt ein zu einer exklusiven Weihnachtsausstellung.

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wohnlich!

Außergewöhnliche Außergewöhnliche Produkte Produkte Kauffrau Nadine Narres aus Bad Honnef-Wülscheid ist Geschäftsführerin von „fischer‘s Lagerhaus” in Neuwied. Exklusiv für RHEINLÄNDER-Leser hält sie vor Ort ein kleines Präsent bereit. von Wolfgang Ruland

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aren und Wohnkultur aus fernen Ländern wie Marokko, Vietnam, Nepal, Burma, China, Indien, Thailand und Indonesien werden in den elf deutschlandweiten Filialen der FischerLagerhäuser angeboten. hnlich einem Franchise-System wird der Einkauf der Warenhäuser zentral durchgeführt, jedes Lagerhaus ist als GmbH jedoch in seiner Geschäftspolitik weitgehend eigenständig. So führt Nadine Narres nicht nur das Neuw i e d e r G e s ch ä f t m i t dreizehn Angestellten in eigener Regie, sond e rn h a t d a f ü r a u ch 2008 den Standort gesucht und den Aufbau begleitet. Zudem ist sie als GmbH-Gesellschafterin in geschäftlicher Verantwortung. Daher war die Entschluss, sich bei “fischer’s Lagerhaus” einzubringen und zu beteiligen wohl überlegt aber auch vom Gefühl her eine

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klare Entscheidung: „Es ist ein einzigartiges Sortiment, das sich von anderen Möbelhäuser abhebt. Die außergewöhnlichen Produkte haben mich gleich begeistert”, begründet die 29Jährige ihren Schritt in die Sebstständigkeit. ahezu unüberschaubar und staunenswert ist demnach das Warenangebot, über das die Wülscheiderin in Neuwied verfügt. Möbel jeglicher Art für Haus und Garten, dazu eine Fülle von Gebrauchsgegenständen, Wohnaccessoires und Dekorationsartikeln im Stil fe rn ö st l i ch e r E xo t i k . Neben Reproduktionen sind auch echte Antiquitäten im Angebot, wie etwa 300 Jahre alte chinesische Sideboards. Die Möbel werden in den Ursprungsländern meist in kleinen Familienunternehmen in Handarbeit hergestellt und von den Einkäufern der Gruppe nach Europa verschifft.

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Dekorative Wohnaccessoires

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aut Unternehmensgründer Udo Fischer legt man bei der Produktauswahl großen Wert auf angemessene Bezahlung der herstellenden Familien: „Ja, die Handwerker verdienen ausreichend, wenn sie für uns produzieren. Wir leisten mit dem direkten Einkauf bei kleinsten Betrieben und Werkstätten einen Beitrag zum fairen Handel.” u r ch e i ge n e Z u k ä u fe a ch te t Na d i n e Narres zudem auch auf ein individuelles Warenangebot. Insbesondere wertvolle Möbel mit altem Charakter und mediterraner Ausstrahlung versammelt die junge Geschäftsfrau gerne in ihrem Lagerhaus. ufgewachsen und wohnhaft im Aegidienberger Ortsteil Wülscheid war Nadine Narres nach Ausbildung zur Arzthelferin und weiterführender Abendschule sieben Jahre als Personalfachfrau tätig, bevor sie sich vom Konzept „fischer‘s Lagerhaus” überzeugen ließ. Nach Feierabend kümmert sie sich um ihr „Pferd in Rente” mit Namen „Beck”, mit dem sie als begeisterte Reiterin früher sogar Turniere bestritten hat. Auf einer Weide im Kochenbachtal genießt das treue Tier nun seinen Lebensabend. ür ihr geschäftliches Engagement hingegen wünscht sich Nadine Narres, dass sie sich „am Standort Neuwied im Großraum Koblenz etablieren kann”.

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BEGRÜßUNGSPRÄSENT RHEINLÄNDER-Leser, die dieses Heft bei fischer’s Lagerhaus in Neuwied vorlegen erhalten pro Person ein Lesezeichen, das in einer vietnamesischen Gehörlosenwerkstatt gefertigt wurde, gültig bis 30.11.2010, nur solange der Vorrat reicht fischers’s Lagerhaus Bromberger Str. 12 · 56566 Neuwied Tel: 02631-343658 · www.fischers-lagerhaus.de

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In einem Festakt am 5. November erinnert man sich in Leubsdorf mit der Enthüllung eines Gedenksteins an den ehemaligen Bürgermeisters Anton Schneider. Justizrat Wolfgang Stümper hat dazu eine Festschrift vorgelegt.

Fotos: privat

„Uneingeschränkte Aufrichtigkeit“

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nton Schneider, so formuliert es Wolfgang Stümper in s e i n e r S ch r i f t , wa r nicht nur ein glänzender Redner und beeindruckende Persönlichkeit, sondern er engagierte sich auch selbstlos in schwierigen Zeiten für seine Mitbürger. So erreichte er im Mai 1945 durch seine KonAnton Schneider (1899 – 1973) Leubsdorfer Bürgermeister von 1946 bis 1969 t a k te , d a s s d i e h u n ge rn d e n L e u b s d o rfe r mit Kartoffeln versorgt wurden und Beschlagnalsozialistische Haltung wurde von zahllosen nahmungen landwirtschaf tlicher Produkte Zeitzeugen verbürgt. So auch von der früheren, durch französische Besatzungstruppen glimpfjüdischen Mitbürgerin Thea Faber, deren Eltern, lich ausgingen. Neben seinem untadeligen Ruf, die später in Auschwitz starben, in Leubsdorf den er sich in der Zeit des Dritten Reiches erhaleine bekannte koschere Metzgerei betrieben ten hatte, beruhte Anhatten. In einem Kondoton Schneiders Prestige l e n z s ch r e i b e n n a ch i n d e n e r ste n Na ch Anton Schneiders Tod kriegsjahren n i ch t beklagt Thea Faber, mit zuletzt darauf, dass er am 11. März 1945 mutig ihm ein Stück ihres geliebten Leubsdorf verloden amerikanischen Truppen entgegenging und ren zu haben. In ihrem Herzen gelte Anton sein Dorf übergab, ohne dass ein Schuss fiel. Schneider als leuchtendes Beispiel uneingeSchneider wurde sodann als „vorübergehend schränkter Nächstenliebe und Aufrichtigkeit. ie Verbundenheit der jüdischen handelnder Bürgermeister“ eingesetzt – Familie Faber beruhte auf gelebnach Meinung der Leubsdorfer war er heinlän ter Nachbarschaft, die Anton Schneidas schon längst. GemeinderatsR r der auch noch aufrechterhielt, als es protokolle weisen tatsächlich aus, politisch nicht mehr opportun war. dass Schneider seit 1940 das Amt Wir – von hier Wolfgang Stümper schreibt: „Wie des stellvertretenden Bürgermeissehr ihn das Schicksal seiner jüditers innehatte. Trotz seiner Funkschen Nachbarn bewegte, wird deuttion war er nie Mitglied der NSDAP, a He g imatma l i ch d u r ch e i n e B e ge b e n h e i t i n im Gegenteil, seine zutiefst antinatio-

Leuchtendes Beispiel

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gemeinsam erlebten schlimmsten Stunden.“ In der Nacht vom 9. November 1939, der Reichskristallnacht, lag der neugeborene Sohn von Katharina und Anton Schneider im Sterben. Trotzdem verlässt der Vater sein Heim, als sich der NS-Mob gewaltsam Zutritt zum Hause Faber verschafft. Schneider bahnt sich einen Weg durch die gewalttätige Menge und bringt die Fabers über einen Hinterausgang in Sicherheit. Auch in anderen Situationen stellte er sich den nationalsozialistischen Machthabern in den Weg, so als er seinem Bruder Heinrich, Pfarrer i n B u l l ay, z u r Fr e i h e i t a u s m o n a te l a n ge r Gestapo-Haft verhalf. In einem anderen Fall einer politisch motivierten Verhaftung organisierte er Widerstand und gab entscheidende Hinweise, die zur Freilassung führten. , nach der ersten Kommunalwahl, wurde Anton Schneider, der der CDU beigetreten war, nunmehr ganz offiziell zum Bürgermeister gewählt. Auch spätere Wahlen konnte der bei der Bevölkerung b e l i e b te S ch n e i d e r f ü r s i ch e n t s ch e i d e n . Wolfgang Stümper zu Schneiders Leistungen in der Nachkriegszeit: „Auch in Leubsdorf ging es nach 1949 wieder bergauf. Es mussten Kriegs-

1946

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persönlich! s ch ä d e n b e s e i t i g t we r d e n . I m m e r h i n waren im Bombenhagel über sechzig G e b ä u d e z e rst ö rt oder beschädigt word e n . D a r u n te r d i e S ch u l ge b ä u d e u n d das Spritzenhaus der Fr e i w i l l i ge n Feuerwehr. Es waren F l ü ch t l i n ge und H e i m a t ve r t r i e b e n e zu i n te g r i e r e n . Wo h n r a u m m u s ste geschaffen werden. Un te r A n to n S ch n e i d e r w u r d e damals viel in die Verbesserung der Infrastruktur investiert und das Ortsstraßennetz auf neuesten Stand gebracht. Schon kurz n a ch d e r W ä h r u n g s r e fo rm w u r d e a b e r a l s E r ste s d i e Errichtung einer neuen, zweik l a s s i ge n S ch u l e i n d e r Ortsmitte in Angriff genommen ( … ) D i e m a r ka n te ste E i n richtung, die mit dem Namen A n to n S ch n e i d e r ve r b u n d e n bleibt, ist die neue Volks-, heute Grundschule auf dem Kreuzberg, deren Bau er gegen zum Teil erbitterten Widerstand durchsetzte (…) Gleichwohl vermochte er 1964 nur mit Hilfe einer eigenen Bürgerliste und gegen seine Partei, die CDU, noch einmal für

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch Landrat Oster

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fünf Jahre in sein Amt zu kommen. Das ge l a n g i h m m i t einem beeindruckenden Wahlergebnis, hinterließ aber auf Jahre hinaus Spuren in der Leubsdorfer Kommunalpolitik. Eine Mehrheit im damaligen CDU-Ortsverband hatte sich offenbar in den zurückliegenden Jahren mehr und mehr an dem `präsidialen` F ü h r u n g s st i l Schneiders gerieben, der kein Aktenfresser war und gelegentlich aus der Erkenntnis keinen Hehl machte, dass manche Dinge sich durch Zeitablauf erledigen.“ 1969 kandidierte Anton Schneider nicht mehr. Zum Ende seiner Amtszeit wurde ihm durch die Landesregierung die höchste kommunalpolitische Auszeichnung, die Fr e i h e rr- vo m - Ste i n - P l a ke t te u n d zudem das Bundesverdienstkreuz verliehen. | WR

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kabarettistisch!

Jürgen Becker in Unkel m Samstag, 6. November spielt Jürgen Becker sein Programm „Ja, was glauben Sie denn?“ im Unkeler Center-Forum am VorteilCenter. Die „kabarettistische Götterspeise“ des Kölners dreht sich um Sinn und Unsinn der Glaubensgemeinschaften, denn „Religion ist, wenn man trotzdem stirbt“.

Foto: Veranstalter

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arten für die Veranstaltung gibt es für 18 Euro im Vorverkauf im Vorteil-Center Unkel, bei MediMax Asbach und Unkel, bei Mobau Aegidienberg und im Heimatladen, Pützgasse 2, Unkel. Karten an der Abendkasse kosten 22 Euro. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Der RHEINLÄNDER versendet Tickets auch gerne mit Rechnung. Info-Tel.: 022247796512.

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unternehmen! von Martina Kefer

Überraschung: Wieder einmal steht ein Paket vor dem Scheunentor in Buchholz, Im Weiher 1. Nichts Bestelltes, ohne Absender und auch nicht von der Post oder einem Versandservice angeliefert, sondern persönlich vorbei gebracht. abine B e cke r spinkst in den Ka rto n . Aha Bücher also – für die offensichtlich kein Platz mehr im Leben ihres Besitzers ist, die aber viel zu schade für die Altp a p i e rto n n e s i n d . Bei der 46-Jährigen können sie jetzt erst einmal herumtrödeln, bis sich ein gewillter Leser oder Sammler ihrer annimmt. Obwohl die 250 Quadratmeter große Verkaufsfläche von „B...Engel´s Antik & Trödel“ schon dicht besiedelt ist: „Natürlich finde ich noch ein Plätzchen für die Buchstabenschätzchen“, stemmt Sabine Becker den „Fund“ und geht zielstrebig in ihre mit Kleinmöbeln und Büchern ausgestattete Ecke. „Ich habe den Laden nach Sachgebieten geordnet“, betont sie. Die Kleinen kommen zuerst: Porzellan, Geschirr, Besteck begrüßen den Ku n d e n d i r e k t b e i m E i n t r e te n , e s fo l ge n Kleinmöbel und Bücher. So richtig ausruhen und genießen kann das Auge beim Anblick von Sabines großen Schätzen: den von ihr aufgearbeiteten Möbeln. Mit denen eigentlich alles begann... ch erfülle mir hier einen Jugendtraum“, beginnt Becker die eigene Reise in die Vergangenheit. Schon mit 17 Jahren restaurierte sie den ersten Schrank: „Ein Schmuckstück von meiner Oma.“ Weil sie in ihrem Wunschberuf

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Eine Scheune zum Stöbern „Schreiner“ als Mädchen damals keine Lehrstelle fand, ließ sie sich zu Einzelhandelskauf frau ausbilden – im Fachbereich Werkzeug und Kleineisenwaren. Kein Wunder also, dass die We r k z e u ge cke S a b i n e B e cke r besonders am Herzen liegt und „selbstverständlich sortiert“ vorzufinden ist. s gingen viele Jahre ins Land, bis Sabine Becker 2007 mit ihrem ersten Ladenlokal in Etscheid am Ziel ihrer Wünsche war. Der knapp zwei Jahre später folgende Umzug nach Buchholz – ein echter Kraf takt: Dreizehn Fahrten mit einem Zwei-Tonnen-Hänger waren nötig, bis alle Schätze von A nach B transportiert waren – die vollgeladenen Pkws der Helfer nicht eingerechnet. affeepöttchen aus dem 17. Jahrhundert, Werkzeuge aus dem 18. Jahrhundert, aber auch Saisonware wie Weihnachts- und Osterschmuck, Karnevalsartikel, Camping-

Jugendtraum

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zubehör und, und, und... Eigentlich gibt es nichts, was es in ihrer Scheune nicht gibt. Und trotz ebay f inden die Leute den Weg ins Buchholzer Trödelland. „Wer hierhin kommt, will nicht nur einfach verkaufen oder kaufen. Viele Besucher erzählen aus ihrem Leben und dazu gehört meist auch eine Geschichte zu dem Stück, von dem sie sich nun trennen“, erzählt Becker. Oder andersherum: Leute stöbern in der Scheune und finden Sachen aus ihrer Kindheit. „Genau dasselbe Geschirr hatte meine Oma im S ch r a n k ste h e n . “ O d e r : „ M i t s o e i n e m Kohlenkasten musste ich früher immer die Kohlen aus dem Keller holen“, zitiert Sabine Becker zwei Kunden. Das Schönste aber sei, so die Trödlerin, „dass aus Stammkunden sogar schon echte Freunde geworden sind“. isenlockenwickler, die ins Feuer gelegt werden müssen, bevor sie einsatzbereit sind, Holzschlegel, um die Ähren aus dem Korn zu dreschen oder zu schlagen, Tapeten aus den 70er Jahren – der Laden ist gleichermaßen eine Fundgrube für Nützliches und Schräges. Wer also ein ausgefallenes Weihnachtsgeschenk sucht, sollte sich auf jeden Fall das Wochenende vor dem ersten Advent vormerken und beim Scheunenfest vorbeischauen: Essen, trinken – und stöbern sind in „B...Engel´s Antik & Trödel“ ausdrücklich erwünscht.

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B…ENGEL’S ANTIK & TRÖDEL Im Weiher 1 · 53567 Buchholz Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 16 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung, Tel: 02638-969980 Scheunenfest am Samstag, 20. November mit Reibekuchen, Glühwein und Waffeln


unterwegs! Deutsche Idylle: Erpeler Marktplatz

Deutsche Idylle oder was einen Kölner südwärts zieht Schriftsteller Bert Brune aus der Domstadt beschreibt im RHEINLÄNDER, was ihn immer wieder in unsere Region lockt.

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an könnte von Köln aus auch ins Bergische fahren, oder in die Eifel, auch da ist blauer Himmel, auch da ist Stille. Aber Bonn, und weiter zum Siebengebirge, ist eben Süden – da scheint die Sonne heißer, der Himmel ist blauer, vor allem größer. Größer, weil der Rhein da ist: In ihm spiegelt sich der Himmel, und er hat d a f ü r ge s o rg t , d a s s Weite da ist. Wenn man auf einem der sieben B e rge ste h t , e t wa Drachenfels oder Petersberg, und direkt auf den Rhein sieht, ist Weite da. Du bist der Adler, der über sein Reich blickt. Und man braucht als Kölner nur ein paar Kilometer zu fahren – und hat das alles. eute zog es uns noch weiter südwärts nach Unkel, weil ich, seit unserem letzten Spaziergang dort, immer dieses Bild vor Augen hatte: Sonne, blauer Himmel, ein weicher

schmaler Pfad, Pf laumen- und Äpfel- und Birnenbäume, die rechts und links am Zaun standen, mit niedrig herabhängenden Ästen. Wir kommen aus der Großstadt, steigen nach vierzigminütiger Fahrt aus dem Zug, und wenige Meter hinterm Bahnhof beginnt dieser Weg. Scheint kaum benutzt zu werden, sieht man einmal von den zahlreich gewo r d e n e n Fa h rr a d ausflüglern ab. Und das damals noch natürliche Geläuf ist härter und künstlicher geworden. Trotzdem: Die Bäume rechts und links strahlen Ruhe aus, und es gibt außerdem einen kleinen Bach, den ich gar nicht mehr in Erinnerung hatte. Doch das gleiche Gefühl wie damals: Von zu Hause noch den Geruch der Benzinwolken in der Nase, das Getöse der Autos im Ohr – nun plötzlich Stille, saubere Luft, weiße Wolken am blauen Himmel. Paradiesisch fast.

Jede Ecke ein Blickfang

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ir gehen also diese schöne, wenn auch unsere Füße strapazierende Uferstrecke bis Erpel. Und dann hüpfen wir nach links über die Straße. Rechts auf der anderen Seite Remagen, und nun links – immerhin gibt es einen Zebrastreifen – durch die Stadtmauer hindurch in die verträumten Gassen rechts bis zum Marktplatz. Dort zwar kein Café, stattdessen Bratkartoffeln mit Spiegelei – die solide deutsche Küche. Wir machen draußen an den Tischen unsere Beine lang und blicken uns um. Eine riesige Platane, deren Krone wie ein Schirm schützend über die Besucher des kleinen Platzes, sogar über die niedrigen Häuser ringsum, sich verteilt. Und Ruhe. Und wo man hinguckt – gediegene Fachwerkhäuser, jede Ecke, jeder Fenstersims, jeder Giebel ein Blickfang.

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Rheinpanorama in Unkel on Idyllen sprechen die Leute, die in der Toskana oder auf Kreta sich erholen wollen. Es gibt sie natürlich auch hier in Deutschland. Allerdings seltener. Vor allem in deutschen Städten sind sie selten. Wäre mir sonst nicht so angenehm aufgefallen, jener Platz mitten in Erpel. Auch die Radfahrer, die gelegentlich auftauchen und, nach einem kurzen Blick, weiterfahren (sie haben es naturgemäß eilig), sind verwundert. Noch nicht einmal die Autos können der Atmosphäre etwas anhaben. Auch nicht dieser strahlend saubere Mercedes mit Hagener Kennzeichen, der direkt neben unserem Tisch – verbotenerweise – parkt. ogar im verträumten Erpel gibt es einen Bahnhof, halten Züge auf dem Weg nach Norden. In einen von ihnen steigen wir, und, die Idylle hinter uns lassend, beginnen wir, uns wieder mit dem harten Boden der Wirklichkeit – d e m ko m m e n d e n Arbeitsalltag – vertraut zu machen.

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Schinken schenken von Bernd Zimmermann Fleischer Raphael Zech produziert in Roßbach den kürzlich mit zwei Qualitätsmedallien ausgezeichneten „Wiedtaler-Rohschinken“, den er auch auf den Weihnachtsmärkten in Bad Hönningen und Waldbreitbach anbietet.

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aphael Zech räuchert Schinken noch „wie vor auf Anhieb je eine Medaille gewonnen: „Gold für unseren Original Rohschinken, Silber für die h u n d e rt J a h r e n “ a u f B u ch e n s p ä n e n . E r Variante PUR, die wir nur mit Meersalz und bezieht den rohen Hinterschinken ausschließKräutern aus biologisch kontrollich von deutschen Metzgereien, salzt und würzt ihn, lässt liertem Anbau würzen“, so Zech ihn „ziehen“ und, gut abgewastolz. igentlich arbeitet der in schen, „nachbrennen“, also Linz geborene, gelernte trocknen. Erst danach folgt das M e t z ge r h a u p t b e r u f l i ch a l s Räuchern nach Altväter Sitte. Abteilungsleiter in einer Wurstfabrik. Der Zu guter Letzt lässt er den Schinken vier Tradition des Schinkenräucherns widmet er Wochen lichtgeschützt abhängen. Zu Zechs s i ch n e b e n b e r u f l i ch . Kunden zählen bisher Aufgewachsen in der S u p e rm ä r k te und ehemaligen, alteingeB ä cke r e i e n a u s d e r s e s s e n e n M e t z ge r e i Nähe, aber auch PrivatZech in Bad Hönningen l e u te , d i e n o ch e i n liegt ihm das Veredeln b e s o n d e r s z ü n f t i ge s vo n F l e i s ch wa r e n Geschenk suchen. Kosts ch l i e ß l i ch i m B l u t . proben seiner DelikaSeine kleine Räucherei tesse hatte Zech kürzin Roßbach ist klein, lich an die Jury eines aber fein: Soweit beinternationalen Qualikannt ist er Inhaber des t ä t s we t t b ewe r b s d e s e u r o p awe i t e i n z i ge n Deutschen FleischerRaphael und Jeannine Zech Einmannbetriebes der Verbandes gesandt und

Herzhaftes aus dem Wiedtal

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Fotos: privat

genießen!


Fleischbranche, der das QS-Gütesiegel für Qualitätssicherheit tragen darf und zudem nach EU-Norm zertifiziert ist. „Das alles ist mit viel Arbeit verbunden allein dadurch, dass ich die lückenlose Rückverfolgbarkeit meiner Hinterschinkenchargen vom Stall bis zum Verkaufsort sicherstelle“, sagt Zech. Natürlich muss die Betriebsstätte picobello sein. Da hieß es erst einmal zu investieren. Für einen FreizeitEinzelunternehmer mit begrenztem Warenumsatz ist das kein leichtes Unterfangen. Aber Selbstverwirklichung und Leidenschaft sind dem zweifachen Familienvater noch wichtiger als Gewinn: „Räuchern hat mich schon als Junge fasziniert. Jetzt erhalte ich dafür neben viel Kundenlob sogar Auszeichnungen. Und wirtschaftlich trägt sich die Sache zumindest.“ ech lässt seinen „Wiedtaler Rohschinken“ von einem Labor auf mikrobiologische Un b e d e n k l i ch ke i t u n d 4 0 - t ä g i ge M i n d e st haltbarkeit prüfen. Auf den Weihnachtsmärkten Bad Hönningen Ende November und Waldbreitbach am ersten und zweiten Dezemberwochenende wird er ihn an einem Verkaufsstand präsentieren. Ehefrau Jeannine: „Natürlich darf auch probiert werden. Und wir bieten unseren Rohschinken als hübsche Präsentarrangements an.“ Der „Wiedtaler Schinkensack“ – ein Leinensäckchen gefüllt mit Wiedtaler Rohschinken - ist auch im RHEINLÄNDERHeimatladen in der Unkeler Pützgasse erhältlich.

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INFO Wiedtaler Rohschinken Sauerwiese 1 · 53547 Breitscheid www.wiedtaler-rohschinken.de Tel: 02638-945609


weihnachtlich!

Tante Emma als Museum von Wolfgang Ruland Anlässlich des 5. nostalgischen Weihnachtsmarktes der Alten Brauerei im Kasbachtal lohnt sich auch ein Besuch im einmaligen Museumshofladen.

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n Gedanken sieht Roman Runkel, Inhaber der Alten B r a u e r e i , d e n We i h n a ch t s markt, der auf dem Hof des Geländes e n t ste h e n wird, schon vor sich: „Es wird richtig schön, ich freue mich darauf.“ Aufgestellt ist bereits ein alter zweisitziger offener Pferdeschlitten aus dem 19. Jahrh u n d e rt . „ D a r i n we r d e n Nikolaus und eine Märchenerzählerin sitzen und ein ungemein romantisches Bild

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abgeben“, schwärmt er, „dazu gibt es erstmals ein antikes Kinderkarussell mit sechzehn Plätzen.“

Nostalgie n jedem Wochenende ab dem 12. November, jeweils freitags ab 17 Uhr und samstags sowie sonntags ab 12 Uhr ist der nostalgische Weihnachtsmarkt geöffnet, der den Besucher in die Zeit der

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l e t z te n J a h r h u n d e rt we n d e führt. Gleichzeitig mit den B e s u ch s z e i te n d e s We i h nachtsmarktes öffnet auch der Museumshofladen s e i n e P fo rte n . Ü b e r dem Eingang steht in großen L e t te rn : „Colonialwarenhandlung“ und dementsprechend ist er mit Tausenden von Gegenständen aus der Zeit von vor hundert Jahren dekoriert. Originale Werbeplakate, Verpackungen, Figuren, Spielzeuge, Möbel


und Einrichtungsgegenstände versetzen den Besucher in die vermeintlich gute alte Zeit. lickfang ist eine riesige gusseiserne Registrierkasse, „die wohl in Berlin in einem großen Ka u f h a u s ge st a n d e n h a t “ , e r l ä u te rt Runkel. „Es war immer ein Traum von mir, einen TanteEmma-Laden, so wie er früher war, einzurichten“, beschreibt der Gastwirt zudem die Entstehung des ab Mitte November weihnachtlich geschmückten Museumshofladens.

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b e r n i ch t n u r A l te s i st zu bestaunen: Weihnachtss ch m u ck , G e s ch e n k a rt i ke l u n d D e ko ra tionsartikel für Haus und Garten können als Neuware erworben werden. Auch hier legt Runkel großen Wert darauf, dass ausgesuchte Produkte, die es nicht überall gibt, angeboten werden. in weiterer Höhepunkt in der Abfolge der Weihnachtsmarktwochenenden ist der Auftritt von Startrompeter

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Bruce Kapusta am 14. Dezember mit seinem We i h n a ch t s p r o gramm auf dem nostalgisch geschmückte n H o f d e r A l te n Brauerei.

MUSEUMSHOFLADEN Alte Brauerei St. Severinsberg 1 53547 Kasbach Tel: 02644-980780 www.runkel-gastronomie.de

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gastlich!

Lämmlein mit Winterfell von Wolfgang Ruland

Das Unkeler Weinhaus „Im Lämmlein“ öffnet erstmals auch im Winter.

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ur Tradition des Tradit i o n s h a u s e s ge h ö rte bislang a u ch die Schließzeit im Winter von Ende Oktober bis zur alljährlichen Wiedereröf fnung im Frühjahr am Ostersamstag. Dies galt seit 1949, als der von der Mosel stammende Winzer Jacob Braun im Hof ein altes Bauerngehöftes in der romant i s ch e n Un ke l e r P ü t z ga s s e eine kleine Straußwirtschaft einrichtete. Sohn Albert und dessen Frau Leni übernahmen 1960 das Lokal und richteten es nach und nach zum heuti-

azu wurden in den letzte n M o n a te n e i ge n s Räume eingerichtet, die gleich neben der bisherigen Schankwirtschaf t seit über einem J a h r z e h n t n u r a l s A b ste l l kammern genutzt wurden und

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schen Weinhaus gewohnt ist. Moderne Tische, handgefertigt aus Eschenholz, helle Ein-

gen Erscheinungsbild mit dem überdachten Gastraum ein. Seit 2000 befindet sich das Haus in den Händen der dritten Generation. Die heutigen Gastwirte Peter und Martina Braun wagen sich nun auch an die Winteröffnung, wie von v i e l e n G ä ste n s e i t J a h r e n innigst gewünscht.

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vormals der Familie Braun als Wohnung dienten. „Das sind die Räume, in denen ich als Kind aufgewachsen bin“, erinnert sich Peter Braun, „und die jetzt wieder zum Leben erweckt worden sind.“ Die Räume sind „ganz bewusst anders“ eingerichtet, als man das von einem typisch rheini-

Foto: Frank Homann

In der dritten Generation


uf der Karte sind einige zusätzliche Wintergerichte zu den bekannten weintypischen Speisen zu finden. Un d n a t ü r l i ch w i r d d a z u Unkeler und anderer guter Wein kredenzt. Eröffnung der neuen Räume ist am Samstag, 5. November ab 17 Uhr.

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Foto: Frank Homann

WEINHAUS „IM LÄMMLEIN“

richtung, freundliches Licht u n d s p a r s a m e D e ko r a t i o n machen aus den beiden zusätzlichen Räumen, die durch ori-

g i n a l e s , o f fe n e s Fa ch we r k gebälk voneinander getrennt sind, einladende Gaststuben mit insgesamt 35 Sitzplätzen.

Pützgasse 6 · 53572 Unkel Tel. 02224-3179 www.im-laemmlein.de Winteröffnungszeiten: mittwochs und samstags ab 17 Uhr sonn- und feiertags ab 12 Uhr Betriebsferien: 20.12.2010 bis 20.01.2011 und 02.03.2011 bis 10.03.2011

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ausgewählt!sch!

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Veranstaltungen im

11 bis 16.30 Uhr

Montag, 1. November Bad Honnef | Stadtinformation, Rathausplatz Wanderung zur Löwenburg Der KKV-Kur-u.VerkehrsVerein Bad Honnef e.V. wandert durch das Annatal zur Löwenburg mit Einkehr im Löwenburger Hof, bitte feste Schuhe, Wasser und Kondition mitbringen. Beitrag: 3 Euro Anmeldung und Info-Tel: 02224-961841

Donnerstag, 4. November 19 bis Bad Hönningen | Marienschule 21.00 Uhr Schnupperkurs in die Aromakunde Was sind äth. Öle, wie wirken sie, wie werden sie gewonne und angewendet…? Tauchen Sie ein in die Welt der Düfte! Leitung: Aromaexpertin Cäcilia Frings-Ruland Info u. Anmeldung: Helga Wingen, VHS Bad Hönningen, Tel: 02635-4753 Freitag, 5. November 20 Uhr Königswinter | Bungertshof, Heisterbacher Str. 149 Sylvia Brécko spielt ihr neues Kabarettprogramm „Liebling, wir müssen reden!“ Info-Tel: 0173-9388011

 Immo-News Über bekannte Mängel informieren Der Kauf eines gebrauchten Hauses bietet viele Vorzüge: Es ist günstiger als ein Neubau und der Käufer kann zumeist sofort einziehen. Zudem ist das Grundstück meistens größer als bei neu errichteten Gebäuden, da die Baulandpreise vor einigen Jahrzehnten günstiger waren als heute und entsprechend größere Flächen bebaut wurden. Wie beim Erwerb eines gebrauchten Autos, sollte man auch das Eigenheim aus zweiter Hand genau unter die Lupe nehmen. Der Immobilienverkäufer ist verpf lichtet, dem Interessenten wahrheitsgemäß Auskunft über den Zustand des Gebäudes zu geben. Dies gilt allerdings nur für Mängel, die er selbst kennt. Sind beispielsweise die Kellerwände über das normale Maß hinaus feucht, so muss der Verkäufer einen potenziellen Käufer sogar ungefragt darauf hinweisen. Dies gilt vor allem dann, wenn er die Kellerwände vorher gestrichen hat und man die fe u ch te n Ste l l e n n i ch t s e h e n ka n n ( O LG Saarbrücken, Az: 4 U 90/08-33).

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Besondere Aufmerksamkeit sollte der Erwerber auch dem Dach widmen, weil es am meisten Wettereinflüssen ausgesetzt ist. Deswegen sollte der Eigentümer in spe darauf achten, dass die Ziegeln intakt sind und fest miteinander verbunden sind. Ist dies nicht der Fall, sollte man überp r ü fe n , i n w i ewe i t d e r D a ch st u h l i n M i t leidenschaft gezogen wurde. Tritt Feuchtigkeit ein, kann das Holz faulen. Auf Fäulnis sollte man vor allem an Stellen achten, wo andere Materialien auf das Holz treffen (Kamin, Hausgiebel). Ein Auge sollte man außerdem darauf werfen, ob und wie das Dach gedämmt ist. Sinnvoll ist es ferner, sich bei der Gemeinde zu erkundigen, ob in der Nähe größere Baumaßnahmen geplant sind (Umgehungsstraße, neues Baugebiet). Diese können den Gebäudewert erhöhen beziehungsweise mindern.


18 Uhr

Samstag, 6. November Bad Honnef | Kursaal Posaunenquartett „Von Bach bis Gershwin“ Gewandhausorchester Leipzig Eintritt: 20 Euro, ermäßigt 10 Euro Info-Tel: 02224-5111

18 Uhr

Oberpleis, Aula des Schulzentrums 2. Große Ballettgala der Musikschule Königswinter Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 3 Euro Info-Tel: 02244-889276 auch Sonntag, 7. November 16 Uhr

20 Uhr

Unkel | Center-Forum am Vorteil Center Großer Kabarettabend mit Jürgen Becker: „Ja, was glauben Sie denn?“ Beginn 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr VVK 18 Euro, Abendkasse 22 Euro Info-Tel: 02224-7796512

10.30 Uhr

13 Uhr

19 Uhr

Sonntag, 7. November Königswinter, Naturparkhaus Margarethenhöhe Wanderung des VVS: Wildnis am Ölberg Dauer etwa 2,5 Stunden Info-Tel: 02223-909494

Heimische Künstler und Kunsthandwerker präsentieren vom 5. bis 7. November in der O b e r e n B u rg i n R h e i n b r e i t b a ch i h r e Arbeiten. Am Eröffnungsabend, Freitag, 5. November, wird von 18 bis 21 Uhr italienische LiveMusik nebst kleinem Gaumenschmaus geboten. Ausstellung, Vorführung und Verkauf von Keramikarbeiten, Malerei, Kartenkunst, Porzellanmalerei, Floristik, Stoffobjekten, venizianischem Glasperlenschmuck und anderen Kostbarkeiten erfolgt jeweils am Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Info-Tel: 02224-76386



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Nostalgischer Weihnachtsmarkt Bad Hönningen 27. - 28. November 2010

Bad Honnef | Stadtinformation, Rathausplatz Stolpersteine in Bad Honnef Geführte Tour durch Bad Honnef zu den Stolpersteinen, den Orten, wo einst jüdische Mitbürger lebten und über den jüdischen Friedhof, wo seit dem späten Mittelalter ein Teil von ihnen seine letzte Ruhe fand Dauer etwa 2,5 Stunden Veranstaltung des Kur- und Verkehrsvereins Bad Honnef und Renate Mahnke Unkostenbeitrag: 3 Euro

Nostalgisch dekorierte Weihnachtsstände, stimmungsvolle Live-Musik und ein abwechslungsreiches Programm erwarten Sie als besonderes Erlebnis beim Weihnachtseinkauf für die ganze Familie.

Freitag, 12. November Unkel | Heimatladen, Pützgasse 2 Vortrag von Metereologe Karsten Brandt: Der Klimawechsel und seine Auswirkungen auf das Rheinland Eintritt frei! Info-Tel: 02224-7796512

Im Heimatmuseum Hohes Haus sind das Weihnachtszimmer, die Krippenausstellung sowie der große Weihnachtskalender am Fachwerkanbau zu sehen.

Sonntag, 14. November 19 Uhr Rheinbreitbach | Obere Burg Richard Wester, Manfred Maurenbrecher und George Nussbaumer: Das Randy-NewmanProjekt 2.0 Eintritt: 15 Euro Info-Tel: 02224-74512

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Kunsthandwerk – italienisch inspiriert

Bad Honnef | Kursaal Klavierkonzert Thomas Solzbacher spielt Beethoven, Schumann, Brahms, Chopin Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 10 Euro Info-Tel: 02224-5111

Ein historisches Karussell, Ponyreiten, Märchenstunden im „Lebkuchenhaus“, heißer Kinderpunsch, der Besuch von Sankt Nikolaus und Vlado, dem Puppenspieler, begeistern Kinder und Erwachsene.

In den Auslagen der Geschäfte werden Exponate der Krippensammlung von Gustel Hertling aus Waldbreitbach ausgestellt. Marktzeiten: 27.11. von 13.00 Uhr - 22.00 Uhr 28.11. von 11.00 Uhr - 19.00 Uhr Tourist-Information Bad Hönningen, Neustraße. 2a 53557 Bad Hönningen Tel: 02635/2273, Fax 02635/2736 E-mail: info@bad-hoenningen.de www.bad-hoenningen.de/weihnachtsmarkt


ausgewählt!sch! Freitag, 19 November Unkel | Heimatladen, Pützgasse 2 Klavierabend mit Thomas Rohde Der Sinziger Pianist spielt Bach und Nusol Eintritt frei! Info-Tel: 02224-7796512 Freitag, 19 November 19 Uhr Königswinter | Kunstforum Palastweiher, Winzerstr. 7 Filmvorführung: Menschen im Hotel Tonfilm von 1932 mit Greta Garbo, Joan Crawford u.a. Oscar für den Besten Film 1932 Info-Tel: 02223-298736 19 Uhr

19 Uhr

Freitag, 26. November Unkel | Heimatladen, Pützgasse 2 Autorenlesung und Buchvorstellung: Günter Ruch liest aus seinem historischen Roman: „Hammerstein“ (siehe Seite 20) Eintritt frei! Info-Tel: 02224-7796512

Samstag, 27. November 13 bis 22 Uhr Bad Hönningen | Fußgängerzone Nostalgischer Weihnachtsmarkt auch Sonntag, 28. November 11 bis 19 Uhr Info-Tel: 02635-2273

11 Uhr

Sonntag, 28. November Bad Honnef | Stadtinformation, Rathausplatz Führung: Mit Adenauer unterwegs in Bad Honnef mit Claudia Waibel

The Cavern Beatles live in Unkel Ihre einzigen Deutschlandkonzerte gaben die Beatles 1966 in München, Essen und Hamburg. Wer die verpasst hat, ist am 29. Januar 2011 beim Gastspiel der „Cavern Beatles“ im Unkeler Center-Forum richtig. Die vier Musiker, die ebenfalls aus Liverpool stammen, präsentieren – vom RHEINLÄNDER und den Rhein-Westerwald-News eingeladen – ein Konzert, wie es auch die echten Beatles gegeben haben könnten. Sie spielen nicht nur Ton für Ton originalgetreu die größten Hits und schönsten Songs nach, sondern glänzen auch mit mehrstimmigen Gesang und tun in Gestik und Habitus so, als seien sie wirklich die Fab Four. Zudem stimmen Instrumente und Kostümierung bis ins Detail. The Cavern Beatles wirken so echt, dass die Illusion fast perfekt ist. Karten gibt es ab sofort im Vorverkauf für 29 Euro im Heimatladen, Unkel, im VorteilCenter Unkel und bei MediMax in Asbach u n d Un ke l . D e r R H E I N L Ä N D E R s e n d e t Karten auch gerne per Rechnung zu. Info-Tel: 02224-7796512


Der Rheinl盲nder 路 November 2010

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künstlerisch!

Poppige Rheinromantik! von Wolfgang Ruland Die Thomasberger Künstlerin Bettina Breitkopf liebt es „totalbunt“ und bildet so auch Motive der Region ab. ine attraktive Loreley, mit wallendem golden e n H a a r, vo l l e n L i p p e n u n d l a n ge n Wimpern, sitzt auf Ihrem grünen Felsen, unter ihr der blaue Rhein, dazwischen Herzen und Blumenblüten in vielen Farben. Etwa dreißig verschiedene Farbtöne hat Bettina Breitkopf in ihrer Version der Rheinromantik-Ikone verwendet. Nichts erinnert hier an die Gemälde der Rheinlandschaft, wie man sie sonst kennt. „Poppig bunt und modern, lebensfroh und witzig“, so sieht die Malerin ihre Heimat, das Rheinland und seine Bewohner. So bildet sie d e n n a u ch M o t i ve w i e S i e b e n ge b i rge , D r a ch e n fe l s , D r a ch e n b u rg , K ö l n , We i n Stillleben oder eben die Loreley „totalbunt“ ab, wie sie ihrem Malstil eine Überschrift gegeben hat. Den wichtigsten Teil ihrer Arbeit sieht die Künstlerin in der Farbzusammenstellung: „Sie

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müssen sich gegenseitig zum Leuchten bringen.“ Dabei entdeckt sie immer wieder neue Farbkompositionen. „Die gemischten Farben werden ganz dick und perfekt deckend aufgetragen, damit sie Ihre Wirkung erzielen.“ Es komm e n a b e r a u ch a n d e r e M a te r i a l i e n , w i e Strassperlen und Metallringe zum Einsatz, mit denen „ein Glamoureffekt erzielt wird“, so Bettina Breitkopf. Der Stil der Arbeiten in Öl und Acryl mit den charakte r i st i s ch e n s ch wa r z e n und exakten Abtrennungsl i n i e n , d i e a u ch a n Bleiverglasungen denken lassen, erinnert nicht von ungefähr an die Pop-Art von Roy Lichtenstein. Scherzhaft erzählt sie, dass bei einem Museumsbesuch jener Roy Lichtenstein aus einem seiner Bilder zu ihr gesprochen habe und meinte, dass „er dieses Bild hier jetzt gerade leider nicht erklären“ könne. Das ist auch die Maxime der Thomasbergerin: „Ein Kunstwerk muss nicht unbedingt etwas aussagen, es soll in erster Linie den Betrachter erfreuen und inspirieren.“ So macht sie sich denn keine großen

Attraktive Loreley

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Gedanken um die Bedeutung ihrer Kunst – Hauptsache es gefällt. „Die Bilder reflektieren meine optimistische Sichtweise der Welt“, fasst sie ihre Malphilosophie zusammen. Es geht ihr um leuchtende Farben, lebhafte Motive und humorvolle Themen. it Malen beschäftigt sie sich, wie sie erzählt, seit ihrer frühesten Kindheit. Ihr Großvater, der Oberdollendorfer Malermeister Josef Penglisch restaurierte Heiligenhäuschen der Umgebung und schuf selbst einen großformatigen St. Sebastianus in Öl. Auch ihre Mutter kennt sie als Restaurateurin nur mit einem Pinsel in der Hand. Da war es nahezu vorgezeichnet, dass die gelernte Immobilienkauffrau irgendwann ganz zur Malerei gewechselt ist. Nachdem sie vor fünf Jahren ihre Bilder ins Internet gestellt hatte, häuften sich die Kaufanfragen und so wurde aus dem Hobby eine tagesfüllende Beschäftigung. Gerade arbeitet sie an neuen Projekten, wie einem selbst gestalteten Kinderbuch, in dem Melodien in Farben umgesetzt werden. Im kommenden Frühjahr ist e i n e Au s ste l l u n g i m K ö l n e r L a n d ge r i ch t geplant. Dafür übertrug Bettina Breitkopf das Motiv der Justitia in ihren Malstil: „Mal nicht konservativ, sondern sexy.“

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BETTINA BREITKOPF Bettina Breitkopf · Rosenaustr. 18 53639 Königswinter-Thomasberg www.totalbunt.de Einige Bilder von Bettina Breitkopf sind auch im Unkeler Heimatladen, Pützgasse 2, zu sehen.


genießen!

Mit Herz und Hand von Hans Ziegler

Das Gasthaus Stroh in Buchholz existiert seit mehr als 170 Jahren. Es steht für gutbürgerliche Küche, die Liste saisonaler Spezialitäten ist imposant.

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Foto: privat

e r B u ch h o l z i n d e r Ve r b a n d s g e m e i n d e A s b a ch b e s u ch t , d e r s i e h t schon aus weiter Ferne den weiß verputzen Kirchturm St. Pantaleon. Der 44 Meter hohe Kirchturm ist das Wahrzeichen der heute 4.600 Einwohner zählenden Gemeinde. Gegenüber der Kirche befindet sich das Gasthaus Stroh, es ist das älteste am Ort. Seit mehr als 170 Jahren wird hier für das l e i b l i ch e Wo h l d e r G ä ste

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gesorgt. Wer außerdem über Nacht bleiben will, ist herzlich w i l l ko m m e n . Vi e l e G ä ste zimmer stehen bereit. rsprünglich befand sich gleich neben dem Gast-

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h a u s e i n e Po st st a t i o n , d e r Kutscher stärkte sich während des Halts im Gasthof, aber auch Reisende, die in der Regel z u F u ß u n te r we g s wa r e n . Wanderer kehren auch heute noch gerne im Hause Stroh ein. Sie fahren aber jetzt in der Regel zunächst mit dem Auto vor und oft kommen sie von weit her. „Unsere Gäste komm e n a u s D ü s s e l d o rf , a u s Hachenburg, aus dem Bergischen Land und von der rechtsrheinischen Seite. Das wir ein so großes Einzugsgebiet haben, liegt sicher an guten Empfehlungen, es hat aber auch etwas zu tun mit der g ü n st i ge n A n b i n d u n g vo n Buchholz. Bis zur A3, Ausfahrt Bad Honnef/Linz, sind es nur rund sieben Kilometer, hinzu ko m m t , d a s s d i e B 8 vo n Limburg nach Siegburg durch unser nördliches Gemeindegebiet führt“, sagt Josef Klomp,


der zusammen mit seiner Frau Hildegard, einer geborenen Stroh und mit deren Mutter Maria Stroh, den Gasthof führt. eboten wird den Gästen gutbürgerliche Küche nach Hausmutters Art, „nicht vom Band, sondern geschaffen mit Herz und Hand“, wie Klomp und seine Frau betonen. Auffällig ist die lange und umfangreiche Liste saisonbezogener Extrakarten, die das Ehepaar Monat für Monat das gesamte Jahr über zusätzlich zur Hauptspeisekarte anbietet. Jetzt im November steht das „Große Schlachtfest“ an, ebenfalls im November werden Spezialitäten von der Gans und Gerichte mit heimischem Wild aus den umliegenden Wäldern angeboten. Ebenfalls aus der Umgebung stammen die Steinpilzgerichte, die frisch ab dem Herbst angeboten werden. „Wild- und Steinpilzgerichte haben bei uns eine lange Tradition“, sagt Hildegard Klomp und fügt an: „Das gilt auch für eine ganze Reihe anderer

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Gutbürgerlich

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INFO Gasthaus Stroh Hauptstr. 29, 53567 Buchholz Tel: 02683-6509, www.gasthaus-stroh.de

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kt voller Ge c e t sc ss seit 1950

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Spezialitäten, die wir anbieten, zum Beispiel unseren Rheinischen Sauerbraten und die Kartoffelspezialitäten zum ‘Tuffelsfest’. Die Rezepte stammen von meiner Mutter und haben sich über Generationen bewährt. Ich halte deshalb an den Rezepturen fest, das erwarten auch die Buchholzer von uns.“ icher ist: Für die Alteingesessenen in Buchholz ist der Gasthof Stroh eine feste Adresse. Ablesbar ist das besonders an der Vielzahl der Vereine, die den Gasthof ihr Stammlokal nennen und das seit mehr als hundert Jahren. Josef Klomp zählt voller Stolz die Freiwillige Feuerwehr, den Westerwaldverein Buchholz, den Schützen- und den Karnevalsverein auf. ie gutbürgerliche Küche, die liebevolle Betreuung der Gäste ist ein Grund für die lange Treue der Buchholzer Vereine, ein weiterer Grund sind die Räumlichkeiten. Bis zu 120 Gäste finden im Gasthaus Stroh Platz, zum Haus gehören auch zwei vollautomatische Kegelbahnen, ein Biergarten und ein großzügig angelegter Parkplatz. Es ist also rundum für aufgeschlossene Gastlichkeit gesorgt.

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unterwegs!

Von Mühlen, Mönchen und Wein Rundwanderung durch altes Kulturland zwischen Kloster Heisterbach und Oberdollendorf. Text und Fotos von Walter Töpner

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usgangs- und Endpunkt der Wanderung ist das Weingut Sülz, wo gegenüber an der großen Steinmauer rechts der Wanderweg RV Mühlental in R i ch t u n g d e r K l o ste rr u i n e H e i ste r b a ch b e g i n n t . A m Heisterbacher Bach, der durch O b e r d o l l e n d o rf z u m R h e i n fließt, gab es einst zahlreiche Mühlen, die man aber im 19. Jahrhundert aufgegeben hat. Manche wurden für Wohnzwecke weiterhin genutzt, andere wie die Schleifm ü h l e ve rf i e l e n . D e r Straßenname „Mühlental“ erinnert an diese Zeit. Das kleine St r ä ß ch e n f ü h rt ge m ä ch l i ch b a ch a u f w ä rt s , durch ein schattiges Tal geht es weiter am gefassten Bach entlang, mal durch den Wald, mal im Freien. Bald taucht das alte Fachwerkhaus „Mühle am H e l l e n b e rg “ i n i d y l l i s ch e r Lage vor uns auf. Die ehemali-

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ge oberschlächtige Getreidemühle aus dem Jahr 1777 diente als Wohnhaus und war bis 1914 in Betrieb. Wir erreichen jetzt den Rand eines Naturschutzgebietes, rechts zweigt ein Weg zur Hauptstraße ab, wir gehen geradeaus weiter. Wir kommen an einer Pferdewiese vorbei und erreichen die „Idyllenmühle“. Die 1728 von den Zisterziensern des Kloste r s H e i ste r b a ch e r b a u te

Freier Blick Ö l m ü h l e , d i e n a ch d e r Säkularisation Eigentum des Grafen zur Lippe wurde, war bis 1914 in Betrieb. Das Mühlrad wurde erst 1940 entfernt. ei einem Wanderstein treffen wir auf den von links herabkommenden Rheinste i g . Wi r ge h e n b i s z u r Heisterbacher Landstraße, um

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a u f d e r a n d e r e n S e i te d e r Straße den Weg fortzusetzen. Am Waldrand mit freien Blick auf die Ackerflur führt der Weg l a n g s a m n a ch o b e n , n a ch e i n e m L i n ks k n i ck a u f d e r Höhe erreichen wir die alte Klostermauer, von hier ist es nicht mehr weit zur Pforte des ehemaligen Klosters Heisterbach. Die erfindungsreichen und willensstarken Mönche verwandelten vor mehr als 700 Jahren hier ein unwirtliches Gebiet in eine blühende klösterliche Kulturlandschaft. Die still in einem Waldtal liegende Klosterruine ist ein Ort der Beschaulichkeit geblieben. Einst war hier der Mittelpunkt der Land- und Wasserwirtschaft im Siebengebirge, die Mühlen, Fischz u ch t , u n d d e n We i n b a u umfasste. Gleichzeitig war das Kloster eine Stätte der Gelehrsamkeit.


Im Mühlental

ach Besichtigung der Klosteranlage setzen wir die Wanderung gegenüber der Klosterpforte auf der anderen Seite der Straße auf dem ausgeschilderten Wanderweg R fort. Wir gehen durch altes Klosterland, eine wohltuende Wiesenlandschaft mit Weiden und alten Laubbäumen bestanden, in der die ordnenden fleißigen Hände der Zisterziensermönche wirkten. Nach einer Linksbiegung treten wird bald wieder aus einem Wäldchen heraus und sehen l i n ks u n s e r n ä ch ste s Z i e l , d i e b ewa l d e te Dollendorfer Hardt, liegen. Diese Erhebung des Siebengebirges östlich von Oberdollendorf erreicht eine Höhe von 246 Meter. An den Westhängen zum Rhein wird Wein angebaut. Die „Hardt“ steht wie das ganze Siebengebirge unter Naturschutz und ist ein beliebtes Wandergebiet. Im 19. Jahrhundert wurden hier Steine gebrochen sowie Braunkohle und Alaun abgebaut. Nach der Durchquerung einer Wiese kommt man an die Hauptstraße, auf der anderen Seite

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geht es in den Wald. Der Wanderweg R 5 führt bergan und in leichtem Linksbogen nach oben. Wir halten uns links und bleiben zunächst auf dem Weg R 5, bis nach etwa zwei Kilometern ein Weg rechts nach unten abbiegt, der bei der Wanderhütte „Rheinblick“ herauskommt. Man geht jetzt die WeinbergLangemarckstraße

Rheinsteig Oberdollendorf

L520

246 Dollendorfer Hardt

Weinberg Weingut Sülz Start und Ziel B42

IJ

Heisterbacher Straße

Klosterruine Heisterbach


unterwegs!

Maria im Weingarten

straße links weiter Richtung Oberdollendorf. Von der sogenannten Hülle, einer vorspringenden Hanglage, tut sich bei der Wanderhütte ein grandioses Rheinpanorama vor uns a u f . We n n w i r ge n u g i n s Rheintal hinunter bis nach Bonn und weit hinüber in die Eifel hinein geschaut haben, ste i ge n w i r z u m We i n o rt Oberdollendorf ab. Auf dem Weg zum Weingut Sülz kommt man am Laurentiusberg zu einem großen Weinbergkreuz, das die Inschrift trägt: „Herr und Gott, vielen Dank für diese H e i m a t “ . E t wa s u n te r h a l b t r i f f t m a n a n e i n e r We g gabelung mitten im Weinberg auf den Bildstock „Maria im

Weingarten“. Die von Reben u m k r ä n z te B r o n z e m a d o n n a mit Kind fügt sich harmonisch in die Rebenlandschaft ein.

Bald taucht im Vorblick das Weingut Sülz auf. Hier oder in einer der zahlreichen Oberdollendorfer Gaststätten kann man die Wanderung bei einem Schoppen ausklingen lassen.

LESEN

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Eine ausführliche Version dieser Wanderung finden Sie neben vielen anderen Wandervorschlägen im Buch von Walter Töpner: „Auf den Spuren der Rheinromatik rund um Bonn“, erhältlich für 12,80 Euro im Buchhandel und im RHEINLÄNDERHeimatladen, Pützgasse 2, Unkel.






Rheinländer 27 November 2010