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RHEINHESSEN

AKTUELL 1/2021 Postverlagsort Mainz 20.2.2021

Weinjahrgang 2020 in Rheinhessen

Was ungesagt bleibt Wir verlieren in dieser Ausgabe kein Wort darüber, dass ein Virus dem Weinvertrieb in die Gastronomie die Türen zunagelt, aber dem Absatz unserer Weine im Lebensmittelhandel ein kräftiges Plus beschert. Wir erzählen nichts davon, dass der Export in die USA ziemlich mau ist, nach China aber rund läuft. Kein Kommentar dazu, dass die Schlagzeile „Tote Bienen, tobende Bauern“ nicht alle Wirklichkeiten widerSPIEGELt, weshalb Bauern und Winzer „Gemeinsam für Insektenschutz“ demonstrieren. Wir blenden aus, dass in Rheinhessens Weinwirtschaft mit großem Ernst an der Profilierung unserer Herkunftsbezeichnungen gearbeitet wird und zugleich die Verteidigung der trockenen Spätlese auf die Agenda kommt. „Was überhaupt die Welt bewegt, das ist der Widerspruch“, sagt Hegel in seiner Philosophie der Dialektik. Damit ist fast alles gesagt, was in dieser Ausgabe ungesagt bleibt. Bernd Kern

Gefühlt ist sie schon „ewig“ her – die Weinlese 2020 in Rheinhessen. Was bleibt ist auch viele Tage später die große Freude über gute Trauben und auch über gut gefüllte Fässer in den Kellern.

Gute Qualitäten und pointierte Aromen

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ie Erntemenge für Rheinhessen wird vom Statistischen Landesamt auf ca. 2,6 Mio. Hektoliter geschätzt und liegt damit im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Aus dem Sonnen-Jahrgang 2020 kamen kerngesunde, physiologisch reife Trauben auf die Keltern. Die Weintrinker können sich daher auf frische, fruchtige Weine aus dem Jahrgang 2020 mit sehr pointierten Aromen freuen – viele von ihnen machen bereits die Probe aufs Exempel. In der Branche spricht man von einem „neidischen Herbst“ mit sehr uterschiedlichen Erträgen – bedingt durch die starke regionale Streuung der eh schon knappen Niederschläge. Bei zum Teil recht hohen Temperaturen während der Lese war zu beobachten, dass die Winzer mit der Ernte in die kühleren Nächte und in die frühen Morgenstunden ausgewichen sind, um die Qualität der Trauben auch in der weiteren Verarbeitung zu sichern. Das Zusammenspiel von selektiver Handarbeit und schlagkräftiger Lese mit den Traubenvollerntern machte es möglich, in kurzer Zeit die Trauben in der gewünschten Qualität nach Hause zu bringen. Mitte Oktober war dann der Deckel drauf – bis auf wenige Spezialitäten. Und ganz lokal waren Ende November in Rheinhessen sogar die Voraussetzungen für die Ernte von Eiswein gegeben. Die jungen Weine des Jahrgangs 2020, die bisher im Weinbauamt Alzey auf die Tische der Prüfer kamen, haben die Juroren überzeugt. Amtschef Dr. Volker Schaefer spricht von sehr sortentypischen Aromen mit attraktiver Balance von Frucht und Säure, wobei vor allem die weißen Burgundersorten einen sehr guten Eindruck machen. Bernd Kern

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Was macht Online-Marketing erfolgreich? Immer am Puls der Zeit Die vielleicht letzte, echte Kellerei


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TREND | RHEINHESSENSIEGER Weinführer, Wettbewerbe und Entdeckungsreisen

Sieger-Kollektionen, Erfolgsgeschichten und immer wieder neue Namen Weine gibt es in Hülle und Fülle. Das Angebot an guten Weinen ist groß wie nie. Deshalb suchen viele Weinkäufer nach Orientierung, sie vertrauen auf Weinführer, Wettbewerbe und den Rat der Experten.

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n der Reihe dieser „Helfer“ setzt der rote Vinum-Weinguide schon optisch ein markantes Signal. Die aktuelle Ausgabe vergibt eine der Siegerwein-Kategorien nach Rheinhessen: „Großmeister der Sekte bleibt Volker Raumland (Flörsheim-Dalsheim). Mit dem 2008 Blanc de Blancs Extra Brut beweist er einmal mehr seine außergewöhnliche Klasse“. Der „dickste Brocken“ unter den Weinführern ist der gelbgedresste Eichelmann. Dessen Tester zeichneten in der aktuellen Ausgabe das Weingut Dreissigacker (Bechtheim) für die Weißweinkollektion des Jahres aus. Herausgeber Gerhard Eichelmann ist beeindruckt von der herausragenden Riesling-Kollektion aus Würze, Struktur, Kraft und Grip. Und auch die Weißburgunder sind von allererster Güte. Die AWC Vienna ist die Benchmark für offiziell anerkannte, internationale Weinbewertungen – mehr als 11.000 Weine aus über 40 Ländern stellten sich 2020 dem Wettbewerb. Umso bemerkenswerter ist der Erfolg, den das Weingut Machmer (Bechtheim) auch 2020 als „Best organic wine producer of the year“ verbuchen konnte – für die Seriensieger Markus und Mirjam Machmer ist es bereits die 6. Siegertrophäe in Folge. Auch in den einzelnen Kategorien des Wettbewerbs spielten die Betriebe aus Rheinhessen groß auf und stellten folgende Siegerweine: • 2018 Niersteiner Hipping Riesling/ Weingut Fischborn, Bergeshof (Dexheim) • 2019 Ensheimer Kachelberg „R“/Weingut Thomas-Rüb (Flonheim) • 2019 Guntersblumer Gewürztraminer/ Weingut Oswald (Guntersblum) • 2019 Dornfelder Weißherbst halbtrocken/Weingut Fleischmann (Gau-Algesheim) • 2018 Albiger St. Laurent/Weingut NeefEmmich (Bermersheim) • 2018 Silvaner Trockenbeerenauslese/ Weingut Schmahl (Lonsheim)

Jochen Dreissigacker stellt im „Eichelmann“ selbstbewusst die beste Weißwein-Kollektion (oben), Familie Bretz feiert den „Winzer des Jahres“ (Mitte) stilgerecht auf dem Bretz-Sofa und David Spies schaut als Jungwinzer des Jahres (unten) optimistisch in die Zukunft. Der Spitzenwettbewerb auf nationaler Ebene ist die Bundesweinprämierung, die von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) durchgeführt wird. Hier durfte Bundesministerin Julia Klöckner gleich 3 Betriebe aus Rheinhessen mit dem Ehrenpreis auszeichnen. Primus inter pares ist das Weingut Bretz (Bechtolsheim), der aktuelle „Weinerzeuger des Jahres“. Weitere Bundesehrenpreise gab es für das Weingut Bungert-Mauer (Ockenheim) und für das Weingut Fleischmann (Gau-Algesheim). Für das süße Finale sorgte Jürgen Sander (DornDürkheim), dessen Wettbewerbs-Weine bei der Sonderauszeichnung „Beste Kollektion Edelsüß“ das Rennen machten. Die Landwirtschaftskammer RheinlandPfalz ist Ausrichter der Landesprämierung für Wein und Sekt. Im Prämierungsjahr 2019/2020 wurden in Rheinhessen 5.278 Weine, 118 Sekte und 39 Perlweine angestellt. Für besondere Leistungen gingen Große Staatsehrenpreise an die Weingüter Oekonomierat Johann Geil I Erben (Bechtheim) und Scheffer (Zotzenheim) sowie Staatsehrenpreise an die Weingüter Bretz (Bechtolsheim) , Arndt F. Werner (Ingelheim), Dorst (Wörrstadt), Eckhard Weitzel (Ingelheim), Gres (Appenheim), Kilianshof (Bodenheim), Alexander Dengler (Gau-Algesheim), Menk (Ingelheim), Bungert-Mauer (Ockenheim), Acker – Martinushof (Bodenheim), St. Quirinus-Hof (Gau-Algesheim), Walter Strub (Engelstadt), Burghof Oswald (Guntersblum), Kost (Welgesheim), Manz (Weinolsheim), G&M Machmer (Bechtheim) und Georg Gustav Huff (Nierstein). Ebenfalls in Regie der DLG läuft der Wettbewerb um den Jungwinzer des Jahres. Diese Auszeichnung ging an David

Spies aus Dittelsheim-Heßloch und mit dem 2. Platz für Julia Oswald vom Weingut Burghof Oswald in Guntersblum gab es sogar einen rheinhessischen Doppelsieg. Feinschmecker-Autor Patrick Bauer befasst sich im Januar-Heft des Magazins mit Newcomern und Aufsteigern, die man im Auge behalten sollte, davon kommen allein 4 aus Rheinhessen: Lisa Bunn (Nierstein), Battenfeld Spanier (Hohen-Sülzen) und Kühling-Gillot (Bodenheim), Adamswein (Ingelheim) sowie Schönhals (Biebelnheim). Die eine Rheinhessen-Story jagt die nächste – das Entdeckungs-Potenzial der Region ist nach wie vor groß. Christoph Raffelt hat eine solche Entdeckungsreise gemacht und berichtet in „Rheinhessen – jung und geerdet“ in Meiningers Weinwelt (Heft Januar 2021), wo er in Rheinhessen fündig geworden ist, z.B. bei Alexander Luff in Jugenheim, bei Carsten Saalwächter in Ingelheim, bei Laura Henrici aus Friesenheim und Tobias Krämer aus Gau-Weinheim, bei den Knewitz-Brüdern in Appenheim, in Uelversheim bei Moritz Kissinger, in den „Naturweinschulen“ von Andi Mann (Eckelsheim), Bianka und Daniel Schmitt (Flörsheim-Dalsheim) sowie von Jason Groebe (Westhofen), dazu bei einem Trio aus Alzey-Weinheim mit Christopher Barth sowie Martin und Christian Hannemann vom Weingut Heiligenblut. Und last not least macht er einen Stop im Weingut Keller (Flörsheim-Dalsheim), wo sich mit Felix Keller schon die nächste Keller-Generation mit eigenen Projekten zu profilieren beginnt. Bernd Kern


RHEINHESSENDIGITAL | 3

Weinvermarktung kontaktlos

Was macht Online-Marketing erfolgreich? Welche Formate haben sich bewährt? Einem Weinbaubetriebe eine pauschale Online-Marketingstrategie überzustülpen führt per se nicht zum Erfolg. Die Ansätze unter Berücksichtigung der vier P’s im Marketingmix sind je nach Betrieb zu individuell. Nur wer klare Ziele und Ressourcen absteckt, wird langfristig erfolgreich. Nichts ist abschreckender als z. B. ein ungepflegter Instagram-Account. Egal welches Format, es muss gepflegt und auf die Zielgruppe sowie Spielregeln des Mediums zugeschnitten werden. Hier gilt es zu beachten, dass verschiedene Elemente im Online-Marketingmix kombiniert werden. Denn eine Website ohne Suchmaschinenoptimierung schöpft nur die Hälfte des Potenzials aus und ein Newsletter ohne Weiterleitung zur Website bringt keine Kon-

den statischen Bild-Beiträgen den Rang ab. Das lässt auch die Betreiber der sozialen Netzwerke dazu übergehen, Videos mehr und mehr mit Reichweite zu belohnen. Denn was die Nutzer lieben, liebt auch der Algorithmus. Wie wird der Online-Kunde zum Wiederkäufer? Kaum eine Kundschaft ist so volatil wie die der Online-Shopper. Gerade junge OnlineShopper schätzen das breite Angebot im Netz. Die Transparenz, die für den OnlineKunden ein Segen und für den Verkäufer gleichermaßen ein Fluch ist, trägt ihr Übriges dazu bei. Tatsache ist: beim deutschen Online-Kunden sind ein kundenorientierter Service, niedrige bis keine Versandkosten, verschiedene Zahlungsoptionen, schneller Versand und eine bequeme sowie nutzerfreundliche Website die besten Treiber, um Kunden zu binden. Wichtig: immer mehr Kunden möchten bequem über das Smartphone einkaufen.

Bewegt total emotional – das Video-Format „Rheinhessen genießen“ bringt die wichtigsten Fakten und vermittelt Genuss. Ein „bewegender“ Blick in die kulinarische Herbstaktion.

takte oder Abverkäufe. Merke: nur ein gesunder Mix aus vielen Elementen, wird sich langfristig bewähren. Die digitale Kommunikation kommt immer mehr in Bewegung Video-Formate sind in Zukunft ein Muss. Auch wenn dies mit mehr Aufwand verbunden ist, erreichen Bewegtbildformate mehr und mehr die Aufmerksamkeit von Nutzern. Nicht nur in Social-Media, auch auf Websites. So bilden Produktvideos eine beliebte Grundlage zur Informationsbeschaffung. Laut Google schauen sich Kunden vor dem Kauf lieber ein Produktvideo an, als sich mühselig alle Informationen aus einem Text zu erlesen. Nebenbei bieten Videos eine gute Gelegenheit, Produkte besser in Szene zu setzen. Speziell in den sozialen Netzwerken laufen Video-Formate immer mehr

Deshalb ist eine einwandfreie Darstellung auf dieser Art von Endgerät enorm wichtig. Was bringt Aufmerksamkeit im Dschungel der Online-Weinproben? Online-Weinproben sind längst das Mittel der Wahl, um Kunden trotz Distanz etwas bieten zu können. Die Akzeptanz und das Interesse der Verbraucher sind groß und laut einer Umfrage des Kompetenzzentrums für

Online alles fit? Das Smartphone wird für den Online-Einkauf immer beliebter. Da sollte der Online-Shop selbstverständlich mitspielen.

Weinmarkt und Weinmarketing mit 75 Teilnehmern, möchten über die Hälfte der Weinbaubetriebe in Zukunft damit weitermachen. Da heißt es in der Fülle an Angeboten nicht unterzugehen und einen besonderen Fokus auf die digitale Eventkommunikation zu legen. So wurde das Format Weinforum Rheinhessen in einen digitalen Livestream umgewandelt. Das kurzweilige Abendprogramm mit den Siegerweinen, Musik-Untermalung und Film-Einspielern wurde bis dato über 1000-mal auf YouTube abgerufen. OnlineWeinproben brauchen Eventcharakter, um die heiß umworbenen Endkunden für sich zu gewinnen. Hier machen Online-Weinproben mit attraktiven Themen, Paketbeilagen verschiedenster Art zum Wein oder Kooperationen den Unterschied. Dementsprechend viel Eigeninitiative und Ideen braucht es, um Kunden über die eigenen verfügbaren Kanäle hinaus zu erreichen. So können Online-Kalender wie Eventbrite, von Städten, Vereinen und Verbänden und vieles weitere genutzt werden, um über den eigenen Kundenstamm hinaus Aufmerksamkeit zu schaffen. Auch Rheinhessenwein e. V. pflegt eine informative Zielseite mit vielen Events aus der Weinwirtschaft und Gastronomie. Unter www.rheinhessen.de/weinerlebniszuhause können Weinbautriebe und Gastronomen ihre Events platzieren. Mit einer jährlichen Reichweite von knapp 2,2 Millionen Seitenaufrufen für www.rheinhessen. de kommt so schnell zusätzliche Aufmerksamkeit ins Spiel. Ina-Johanna Becker

Seit dem 4. Januar 2021 verstärkt Ina-Johanna Becker das Team des Rheinhessenwein e.V. Die Geisenheimer Absolventin der Internationalen Weinwirtschaft arbeitet im Bereich der digitalen Kommunikation und des digitalen Marketings. Erfahrungen bringt Ina-Johanna Becker mit aus ihren Tätigkeiten bei Boehringer Ingelheim und bei den Helios Kliniken – insbesondere zu den Themen Online-Marketing und Kommunikation. Zuletzt sorgte sie am DLR R-N-H in Oppenheim mit zahlreichen Seminaren, Webinaren und Vorträgen für einen regen Wissenstransfer in die Weinwirtschaft.


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Weinlogistik der ganz besonderen Art: Nach einer 14.000 Kilometer langen Reise ist der MS Polarstern im Verbund mit Pistenraupen und Schnee-Scootern die Auslieferung einer Kiste mit Weinen aus Rheinhessen und der Pfalz an der Neumayer-Station III in der Antarktis geglückt. Es handelt sich um das Weihnachtsgeschenk des SGD Süd-Präsidenten für das Überwinterungsteam im ewigen Eis. Geöffnet werden Riesling, Silvaner & Co. zum Mittwinterfest am 22. Juni. Und die Pinguine sind auch dabei. Seit gut einem halben Jahr ist sie schon im Amt – seit dem Jungwinzerforum im Rahmen der AgrarWinterTage ist sie durch ihre souveräne Moderation auch einem großen Publikum in der Region erst so richtig bekannt geworden: Kristin Antweiler ist die neue Leiterin des Arbeitskreises der rheinhessischen Jungwinzer und mit ihren 22 Jahren zugleich jüngstes Vorstandsmitglied im Weinbauverband. Die Jungwinzer-Chefin studiert Weinbau und Oenologie in Geisenheim, ist im Familienweingut in Volxheim fest geerdet und ist seit letztem Jahr Mitglied im Weinsalon Rheinhessen. Die Kultur- und Weinbotschafter Rheinhessen freuen sich über 22 neue Mitglieder, die den Lehrgang im Jahr 2020 mit Erfolg abgeschlossen haben. Der Verein hat eine neue Homepage in Betrieb genommen und ist seit Anfang des Jahres auf Facebook aktiv. Die Broschüre mit dem Veranstaltungsprogramm 2021 ist prall gefüllt. Die Corona-Lockerungen können kommen – die 200 Kultur- und Weinbotschafter sind bereit. Rheinhessenwein hat gemeinsam mit Rheinhessen-Touristik aus dem Material des Roadmovies „Rheinhessen erleben“ eine Kurzversion „Landschaft, Wein & Sehenswertes“ produziert. Der fünfminütige Bilderbogen, der viel Lust auf Rheinhessen macht, findet sich nicht nur auf dem Youtube-Kanal „Rheinhessen erleben“, sondern auch in der Rheinhessen Mediathek. „KONTRAST“ heißt das diesjährige Abschluss-Projekt der Fachschüler am DLR Oppenheim, das im Rahmen der AgrarWinterTage für gehörig Aufmerksamkeit gesorgt hat. Die Idee: So verschieden und unterschiedlich wie Charakter und Herkunft der Winzerinnen und Winzer in der Klasse sind, so kontrastreich sind auch deren Weine. Riesling ist der gemeinsame Nenner. Professionelle Betreuung in der Umsetzung des Konzepts lieferte die Agentur Schönski aus Bingen.

125 Jahre Wein- und Obstbauschule Oppenheim

Immer am Puls der Zeit Im Jahr 1895 gründete Ernst Ludwig Großherzog von Hessen und bei Rhein die Wein- und Obstbauschule und 1900 die Weinbaudomäne in Oppenheim, um mit diesem Musterbetrieb Impulse zur Qualitätssteigerung in der ganzen Region zu geben. Dahinter stand die Erkenntnis, dass mit einer soliden Bildung der Grundstein für ein gutes Wirtschaften gelegt wird. Das geschah auch in anderen Regionen Deutschlands. Parallel zu den landwirtschaftlichen Schulen und Mustergütern wurden auch Kulturämter gegründet, um die durch die Realteilung sehr kleinparzellierte Flur neu zu ordnen.

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er Standort Oppenheim wurde gewählt, weil er zentral im damaligen Hauptweinanbaugebiet Hessens lag. So startete am 10. September 1895 der erste Lehrgang an der im Sommer gegründeten Wein- und Obstbauschule mit 18 Schülern. Interessant ist, dass schon damals neben den 14 Schülern aus Hessen je einer aus Preußen, Baden, Russland und Nordamerika stammte. 1909 kamen Schüler aus Luxemburg, Rumänien, England, Österreich, dem Elsass, Dalmatien und Kroatien. Die erste Schülerin wurde im Lehrgang 1910/1911 registriert. Der Kreis der Ehemaligen Oppenheimer Absolventen wuchs zunehmend, sodass sich 1903 auf die Initiative des damaligen Direktors Heinrich Fuhr die Vereinigung Ehemaliger Oppenheimer Wein- und Obstbauschüler (VEO) gründete, die bis heute den Wissens- und Erfahrungsaustausch untereinander und mit dem Lehr- und Versuchswesen pflegt. In diesem Zusammenspiel wurde bereits 1950 die erste Oppenheimer Weinbauwoche durchgeführt – bestehend aus Fachvorträgen und einer Ausstellung.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Innovationen für die Praxis In den ersten Jahren waren es die wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Innovationen, die in die Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion hineingetragen wurden. Insbesondere Pflanzenschutz und Düngung wurden durch die neue Wissenschaft der Chemie beflügelt. Als Besonderheit dürfte für Oppenheim die Pflanzenschutzapplikationstechnik für Raumkulturen wie den Obst- und Weinbau mittels Verstäubertechnik gelten. Parallel dazu wuchs das Wissen in der Mikrobiologie. Ziel war es, Erträge zu steigern und zu sichern.

Es gab verschiedenste Bereiche, von der Erprobung der Erziehungsformen über die Bodenbearbeitung bis hin zur Mechanisierung, die von den Beratern der Weinund Obstbauschule Oppenheim mitbegleitet und in die Praxis transferiert wurden. Die für die Region und für die jeweilige Zeit wichtigsten Entwicklungen waren mit Sicherheit der Rebschutzwarndienst mit Applikationstechnik, die Unterlage SO4 Oppenheim – bedeutend für die kalkhaltigen Böden Rheinhessens, die Mechanisierung des Rebschutzes sowie die Mechanisierung der Traubenernte. In der Oenologie waren es etwas später Entwicklungen wie die Stumm- und Entschwefelung von Süßreserve, die Entwicklung des Winzersekts, die temperaturgesteuerte Gärführung, die Entwicklung von Kühltürmen, die Kaltmazeration, Spontangärung, Energiekennzahlen zur Beratung in Sachen Energieeffizienz in der Kellerwirtschaft u.v.a.m.

Unabhängige Beratung als Alleinstellung Die Besonderheit lag und liegt bis heute in der neutralen, unabhängigen, staatlichen Beratung mit eigenem Versuchswesen, die den Betrieben kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Die Aufgaben und Zuständigkeiten der Wein- und Obstbauschulen veränderten sich im Laufe der 125 Jahre immer wieder aufgrund des Strukturwandels, aber auch aufgrund sich verändernder Kommunikationsmöglichkeiten und Rahmenbedingungen. Den spürbar stärksten Einschnitt brachte, so Michael Lipps, Leiter des Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, die Agrarverwaltungsreform 2003.


RHEINHESSENREGION Die Wein- und Obstbauschule am Zuckerberg in Oppenheim Welche Idee stand hinter der Agrarverwaltungsreform von 2003, aus den Wein- und Obstbauschulen Oppenheim und Bad Kreuznach-Simmern und den Kulturämtern Simmern und Worms, das DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück zu gründen? Michael Lipps: Die Agrarverwaltungsreform 2003 brachte einschneidende Veränderungen mit sich. Über 20 bis dahin eigenständige Behörden wurden zu sechs Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR) in Rheinland-Pfalz fusioniert. Die Wein- und Obstbauschule Oppenheim (damals SLVA Oppenheim) wurde damit Bestandteil des DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, das aus sechs Behörden zusammengefügt wurde. Ziel war es, die Aufgaben der Kulturverwaltung und der Agrarverwaltung zu bündeln, die Behördenstruktur auf eine Ebene zu verlegen und letztlich auch Unterhaltungskosten und Personalkosten einzusparen. Wie wird das DLR R-N-H das Thema Nachhaltigkeit in Zukunft begleiten? Michael Lipps: Nachhaltiges Wirtschaften ist schon immer eine Maxime der Agrarwirtschaft gewesen, die in den vergangenen Jahren auch bedingt durch die gesellschaftliche Diskussion wieder mehr in den Fokus gerückt ist. Der ökologische Weinbau hat in Rheinhessen schon früh einen hohen Stellenwert genossen. Mit dem Kompetenzzentrum für ökologischen Weinbau begleiten wir diese besonders umweltschonende Bewirtschaftungsweise. 2011 hatte das damals für den Weinbau zuständige Ministerium das Thema Nachhaltigkeit zu einem Schwerpunkt erklärt und Nachhaltigkeitsberater benannt. In Oppenheim ist das Bernhard Degünther, der damit das Thema Energiekennzahlen und Energieberatung in sein Beratungsportfolio aufgenommen hat. Welche Schwerpunkte wird das DLR R-N-H und speziell der Standort Oppenheim haben? Michael Lipps: Das DLR R-N-H wird in einigen Jahren die Zielzahl von rund 235 Stellen (zzgl. Projektstellen) erreichen. Das sind 40 Prozent weniger als 2003. Das Aufgabenspektrum ist sehr groß und der Dienstbezirk riesig. So liegen beim DLR R-N-H folgende Aufgabenschwerpunkte: Zentraler Standort für berufsbildende Schulen der Agrarwirtschaft (Winzer, Landwirte, Gärtner, Pferdewirte, Forstwirte und Weintechnologen), Technische Zentrale als landesweit zustänDas DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück am Standort Oppenheim mit Schwerpunkt Weinbau, Oenologie und Weinmarkt

dige IT-Stelle der Agrarverwaltung, Agrarwirtschaft, Weinbau, Oenologie und Weinmarkt sowie Ländliche Entwicklung und Bodenordnung. Für viele Themen hat das DLR R-N-H die landesweite Zuständigkeit: Ökologische Landwirtschaft, Weinmarketing, Pflanzenschutz und Applikationstechnik – um nur einige zu nennen. Für die Zukunft gilt es, die vielfältigen Aufgaben klug den einzelnen Standorten schwerpunktmäßig zuzuordnen, um Doppelstrukturen zu vermeiden. Am Standort Oppenheim wird zukünftig die Abteilung Weinbau, Oenologie und Weinmarkt angesiedelt sein. Was wird der Schwerpunkt dort sein? Michael Lipps: Der Schwerpunkt der Weinbauabteilung ist auf die schulische Aus- und Weiterbildung ausgerichtet. Berufsschulklassen der drei Ausbildungsjahre in Oppenheim und Bad Kreuznach, eine integrierte Klasse der Weintechnologen in Oppenheim, drei Fachschulklassen (WirtschafterInnen und TechnikerInnen). Das braucht eine konstante Anzahl an Lehrkräften. Im Versuchswesen und der Beratung wird es ein relativ enges Personalkorsett geben, sodass zukünftig keine einzelbetriebliche Beratung angeboten wird. Stattdessen wird verstärkt auf Weiterbildungsseminare – auch online – und Gruppenberatungen (zukünftig zunehmend über den GeoBox-Messenger) gesetzt. Welche Themen werden zukünftig im Weinbauversuchswesen bearbeitet? Dr. Bernd Prior – stellvertretender Leiter des DLR R-N-H und Leiter der Abteilung Weinbau, Oenologie und Weinmarkt in Oppenheim: Auf dem Plan für die nächste Zukunft stehen Versuchsthemen und -projekte wie • Kupferminimierungsstrategie insbesondere für den Ökoweinbau • Prüfung verschiedener PIWI-Rebsorten sowie Klone klassischer Rebsorten zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln

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• Herbizid-Alternativen zur Unterstockbearbeitung • Anpassungsstrategien an die Folgen des Klimawandels (im Weinbau und in der Oenologie) • Die Etablierung digitaler Medien wie die GeoBox mit all ihren Funktionalitäten bis hin zum Einsatz von z.B. künstlicher Intelligenz in der Rebschutzberatung. Das sind beispielhaft Themen, die auf den Ressourcen- und Umweltschutz einzahlen, Themen, die nachhaltiges Wirtschaften im Weinbau in Zukunft ermöglichen und den Puls der Zeit aufgreifen.

AgrarWinterTage erstmals in digitalem Format Von Verwaltungsstrukturen schier unabhängig sind aus dem Zusammenspiel der Schule mit der VEO und später auch dem Weinbauverband Rheinhessen zunächst unter der Leitung von Franz Pfaff und bis heute unter der Geschäftsführung von Norbert Breier die Agrartage als große Fachveranstaltung für die Landfrauen, den Obstbau, die Landwirtschaft und den Weinbau entwickelt worden. Integriert ist mittlerweile die größte jährlich wiederkehrende Maschinenund Geräteausstellung für den Weinbau. In diesem Jahr sollte diese Tagung zusammengelegt mit den Kreuznacher Wintertagen erstmals als AgrarWinterTage auf dem Mainzer Messegelände stattfinden. Corona-bedingt wurde die Messe in einem digitalen Format veranstaltet. Die Fachvorträge wie auch die Jahreshauptversammlung des Weinbauverbandes wurden live gestreamt und konnten – das belegen die Klick-Zahlen – ein noch größeres Publikum erreichen. Interessanterweise – und das ermöglicht das digitale Format – gab es beachtliche Zuschaltungen aus anderen Ländern. Wir danken Michael Lipps, Dr. Bernd Prior und Norbert Breier für die Informationen und Recherchen für diesen Artikel. Sonja Ostermayer

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Reh Kendermann-Profil INHABER GESCHÄFTSFÜHRER

Die Hundertjährige, das Gespür für Wein und der Blick nach vorn

MARKETING

Reh Kendermann in Bingen – „die vielleicht letzte, echte Kellerei“

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ie Binger Winemaker konnten 2020 schon früh einschätzen, was in den Keller kommen wird, da sie für ihren weltweit vertriebenen Millionseller „Black Tower“ (13 Mio. Flaschen), den Reh Kendermann über das Landwein-Kontingent vinifiziert, schon früh den Startschuss in die Lese gegeben hatten. Qualitätsmanagement und Effizienz gehen in der großen Kellerei Hand in Hand, was auch darin zum Ausdruck kommt, dass selbst in der kurzen Kampagne 2020 die Tanks in den Gärkellern teilweise doppelt belegt werden konnten. Auf 60% der gesamten Einkaufsmenge beziffert Rittlinger inzwischen denjenigen Anteil der Produktion, die Reh Kendermann selbst in der Hand hat. Allein die Hälfte der Bezüge von Trauben und Most stammt aus den Weinbergen Rheinhessens. Vorverträge mit den Winzern erleichtern die Planbarkeit – auch wenn zwischenzeitlich die Grauburgunder-Hausse am Erzeugermarkt manchen Winzer über eine Flucht aus den Verträgen spekulieren lässt. Faire Zusammenarbeit zwischen Winzer und Kellerei und faire Preise – der aktuelle Grauburgunder-Hype ist zweifelsohne die Nagelprobe, wie sich Fairness und Vertrauen zwischen den Partnern am Erzeugermarkt – auch mit Blick in die Zukunft – leben lässt. Zumal der Lebensmittelhandel mit seinen Entwederoder-Preisschwellen schon manchen eupho-

KELLERMEISTER WINEMAKER EINKAUF MITARBEITER

Alexander Rittlinger Harald Kroll Alexander Dauth, Steffan Haub und Christoph Knewitz Barbara Wollschied 130 (Bingen), 250 (insgesamt) 95 Mio. ¤ Gruppenumsatz (2020)

ABSATZ

55 Mio. Flaschen

MARKEN

rischen Höhenflug in die Ausnüchterungsschleife zurückbeordert hat. Diesen Mechanismus kann man mit gut gemachten Konzeptweinen aushebeln, ist sich Rittlinger sicher. Inhaber und Mitgeschäftsführer Carl Reh sieht Reh Kendermann als vielleicht sogar letzte echte Weinkellerei. Sein Blick in die Zukunft ist konstruktiv-positiv, zumal

Carl Reh, Alexander Rittlinger

UMSATZ

VERTRIEB

Der Blick auf den Weinjahrgang 2020: „Da waren wir sehr zufrieden“ sagt Alexander Rittlinger, Geschäftsführer der Reh Kendermann Weinkellerei in Bingen. „Wir haben soviel Trauben und Most wie noch nie übernommen, Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Scheurebe & Co. – alles in prima Qualität“.

Andrea und Carl Reh

STANDORT KONTAKT

55% Inland, 45% Export Black Tower, Kendermanns, Carl Reh, Edition Terroir (deutsches Portfolio); Val Duna (Rumänien), Napier (Südafrika) Vertrieb: Canti, Espiritu de Chile, Lindeman‘s (internationales Programm) Bingen (Hauptsitz), Gau-Bickelheim, Böchingen, Leiwen Reh Kendermann, Bingen www.reh-kendermann.de

die Welt gerade erst lernt, dass deutscher Riesling spitze und Grauburgunder oft viel besser als Pinot Grigio ist. Die Zukunft gehört somit gut geführten Marken und bestimmten Rebsorten – auch als alternativer Entwurf zum komplizierten Weinbezeichnungsrecht. Aus der Position der exportstärksten deutschen Weinkellerei merkt Alexander Rittlinger noch an: „Wir brauchen eine Aufwertung für das Image des deutschen Weins. Wir müssen Deutschland in den Regalen der Auslandsmärkte trendig halten – mit einer kraftvollen Kommunikation unserer besonderen Qualität und unserer Stilistik.“ Bernd Kern

Reh Kendermann-Fakten • • • • • •

1920 Gründung durch Carl Reh 1992 Übernahme der Kellerei Herman Kendermann, Bingen 1997 Konzentration am Standort Bingen 1999 Carl und Andrea Reh werden Alleingesellschafter 2008 Übernahme der Novini Kellerei (Kaltgärverfahren), Gau-Bickelheim 2011/2012 Neuausrichtung − Straffung der Sortimente; verschlankte Organisation − Fokus im Export: Großbritannien, Skandinavien, Nordamerika, China • Qualitätsmanagement mit Zugriff auf die Trauben (gekeltert für 17 Mio. Liter Wein im Herbst 2020) • 2020 Firmenjubiläum (100 Jahre) • Investitionsprogramm von 10 Mio. ¤ in Bingen − Erweiterung der Lagerkapazitäten (Zielgröße = 24 Mio. Liter) − Impuls für Qualität, Effizienz und Nachhaltigkeit

DER WEINTIPP

Grauburgunder Urmeer Löss Haifische im Urmeer des Mainzer Beckens – vor 30 Mio. Jahren – viel später der Löss – vom Winde verweht als Staub der Eiszeit – perfekte „Erdung“ für einen selbstbewussten Grauburgunder mit feiner mineralischer Note


RHEINHESSENNACHHALTIG

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Weingut Dreissigacker

In Kreisläufen wirtschaften

Es gibt kaum eine andere Branche, die für nachhaltiges Wirtschaften so prädestiniert ist, wie der Weinbau: Weinbau in der Dauerkultur auf einer definierten Fläche über Generationen hinweg mit dem Ziel, den Boden und das Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben. Für Jochen Dreissigacker bedeutet nachhaltig wirtschaften, in Kreisläufen zu denken und zu wirtschaften.

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roß geworden in einem Familienbetrieb, Ausbildung zunächst in einem branchenfremden Beruf, zurückgekehrt in das Familienweingut, hat sich Jochen Dreissigacker dieses Thema mit der Betriebsübernahme und seinem Neubau sehr zu eigen gemacht. 45 Hektar bewirtschaftet das Weingut Dreissigacker in Bechtheim selbst. Dazu kommen 30 Hektar Bewirtschaftungsfläche von biologisch wirtschaftenden Kollegen. Von dieser Fläche verarbeitet das Weingut die Trauben nach klar definierten Qualitätsvorgaben für den wichtigsten Wein, den „Organic Riesling“. Für diesen Wein, den er in 30 Länder der Welt exportiert, setzt er die Leichtglas-Flasche ein, womit es ihm gelingt, CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren. Mit seinen Weingutsweinen setzt Jochen Dreissigacker auf klassische Weißweinsorten: Riesling (60%), Grauburgunder (10%), Weißburgunder (10%) und einige weitere Rebsorten wie Chardonnay und Rieslaner. Er hat die Rebsorten-Liste enorm reduziert. Auf 10 Prozent der Fläche wachsen rote Rebsorten: „Wunderwerk“ heißt der Top-Spätburgunder aus Top-Lagen und „Vintage“ die Rotwein-Cuvée aus Spätburgunder und St. Laurent. Die Hälfte der roten Trauben wird zu Rosé verarbeitet. Insgesamt lautet seine Devise: Konzentrieren auf die Kernkompetenz klassische Weißweinsorten. Guts-, Orts- und Lagenweine. Das Herkunftsmodell ist für den Kunden nachvollziehbar. Und um die Weine mit entsprechender Trinkreife zu präsentieren, gehört die Reife auf der Feinhefe zu seiner Quali-

tätsphilosophie. Sein neu gebauter Keller macht das möglich, sodass die Lagenweine erst drei Jahre nach der Ernte auf den Markt kommen. Die Kunden aus dem Handel und der Gastronomie wissen das zu schätzen. Auch die Möglichkeit, Weine frühzeitig zu ordern und im Weingut bis zur perfekten Reife zu lagern, bindet die Kunden. Den Weinbau hat er auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Insbesondere die Vitalität der Böden und den Aufbau von Humus zur Speicherung von CO2 liegen ihm am Herzen. Dafür hat er eine eigene Kompostierung etabliert mit dem Ziel, den Böden wieder etwas zurückzugeben. Zusammen mit seinen Eltern zählt Dreissigacker 24 Mitarbeiter zu seinem Weingutsteam. Selbst geprägt von einem intakten Familienbetrieb, setzt auch er auf eine familiäre und zugleich professionelle Atmosphäre: dazu zählt er einen sehr offenen Umgang miteinander, das gemeinsame Mittagessen, für das – in Nicht-Corona-Zeiten – eine eigene Mitarbeiterin sorgt und natürlich die Möglichkeit, sich auch in strategische Entscheidungen einzubringen, wenn es um die Verbesserung im Sinne der Nachhaltigkeit geht. Ein konkretes Projekt zur Teambildung ist auch aufgesetzt. Unter den Labeln „United“ – „Loved“ – „Inspired“ wurde eine Weinkollektion für den Lebensmitteleinzelhandel kreiert, dessen Profit unter den Mitarbeitern geteilt wird. Zusammen mit seinem engagierten Team konnte er als Corona und der erste Lockdown kam, erfolgreich das Ruder in

Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Branchenleitfaden für Weinbaubetriebe Wer den Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung sucht, findet unter www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de in der Titelleiste den Weg zum Branchenleitfaden für Weinbaubetriebe. Das Logo des DNK darf als Beleg für die Nachhaltigkeit im Unternehmen kostenfrei genutzt werden. Die gedruckte Broschüre dazu gibt es in der Geschäftsstelle des Rheinhessenwein e.V. Kontakt: sonja.ostermayer@rheinhessenwein.de | 06731/95107413.

Die Vitalität der Böden zu erhalten ist wesentlich für nachhaltigen Weinbau. Richtung Digitalisierung drehen. So ist dank zahlreicher Online-Weinproben, attraktiven Online-Events und der Vermarktung über hochfrequentierte Portale der Absatz an den Endkunden von 10 auf 30 Prozent angewachsen. Auf die Frage, an welchem Kriterienkatalog für nachhaltiges Wirtschaften er sich orientiert, verweist er auf die Stellschrauben Boden, Pflanzenschutz, regenerative Energien und Energieeffizienz sowie nachhaltige Verpackungen. Diese im Zusammenspiel mit einem offenen und konstruktiven Mitarbeiterdialog sind für ihn der Schlüssel zum Erfolg. Das Weingut Dreissigacker wurde mit dem Best-Of-Wine-Tourism-Award 2021 der Great-Wine-Capitals in der Kategorie Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Die Jury war begeistert von der konsequenten Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens beim Neubau: Das Kellereigebäude wurde in den Hang eingefügt, um die Isolierung des Bodens zu nutzen. Die Dächer wurden mit Photovoltaik ausgestattet und durch eine Tresterheizung ergänzt, mit dem Ziel, energieautark zu arbeiten. Damit wird das Weingut Dreissigacker zu einem Vorzeigebetrieb in der Region und kann sich international mit nachhaltig wirtschaftenden Weingütern wie z. B. Miguel Torres messen. Sonja Ostermayer


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| RHEINHESSENSPOTS „Rheinhessen schmeckt gut“ verspricht genussvolle Zeiten

Der neue Gastronomieführer „Rheinhessen schmeckt gut“ 2021 ist fertig. Das ist in diesen herausfordernden Zeiten zugleich ein starkes Statement unserer Gastronomen, die mit dem Schaffen von neuen Genuss-Momenten in den letzten Monaten überraschende Akzente gesetzt haben. Die Gastronomen in Rheinhessen haben gezeigt, dass sie den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern lieber neue Konzepte ausprobieren. Der handliche Begleiter durch die rheinhessische Gastronomie ist mit 100 Adressen weiterhin gut gefüllt ist – in diesem Jahr sind 5 neue Betriebe darin zu finden. Die Gastronomen stehen in den Startlöchern und die Winzerinnen und Winzer drücken ihnen fest die Daumen, dass sie möglichst bald wieder die Bühne haben werden, um Rheinhessen kulinarisch zu präsentieren. Die Broschüre „Rheinhessen schmeckt gut“ 2021 liegt beim Rheinhessenwein e.V. im Haus der Landwirtschaft aus, wird an die Kreisverwaltungen in Alzey und Ingelheim, an die rheinhessischen Tourist-Informationen sowie an alle Städte und Verbandsgemeinden verteilt.  Alexandra Wollesen

RHEINHESSENTICKER

+ + + + + Zum Jahresende 2020 hat der renommierte Weinkritiker James Suckling

seine Liste der Top 100-Weine der Welt vorgelegt. Ganz oben dabei, und mit jeweils 100 Punkten bewertet, stehen 2 Rieslingweine aus Rheinhessen: 2019 Morstein Riesling GG aus dem Weingut Wittmann (Westhofen) und 2019 Brunnenhäuschen Abts E Riesling GG aus dem Weingut Keller (Flörsheim-Dalsheim). Best of Silvaner heißt die feine Auswahl der Top-Silvaner des Jahrgangs 2019, die Marcus Hofschuster, Chefverkoster von wein.plus, ausgewählt hat. Der 2019 Sylvaner Feuervogel Reserve aus dem Weingut Keller (FlörsheimDalsheim) führt die Reihe der besten Rheinhessen an, gefolgt vom 2019 Probstey Silvaner aus dem Weingut Thörle (Saulheim), 2019 Gau-Algesheim Silvaner „Terrassen“ aus dem Weingut Bischel (Appenheim), 2019 Hohen-Sülzen Silvaner „Leopold“ von Battenfeld Spanier (HohenSülzen), 2019 Westhofen Silvaner Alte Reben aus dem Weingut Wechsler (Westhofen), 2019 Goldenes Horn Silvaner, Selection Rheinhessen, aus dem Weingut Alexander Flick (Bechtolsheim) und 2019 Ludwigshöhe Silvaner aus dem Weingut Brüder Dr. Becker (Ludwigshöhe). In der Kategorie „Ältere Jahrgänge“ überzeugte der 2017 Sankt Kathrin Silvaner aus dem Weingut Bernhard (Wolfsheim), in der Kategorie „Edelsüß“ waren der 2018 Silvaner Eiswein aus dem Weingut Boxheimerhof (Worms-Abenheim) und der 2018 Blauer Sylvaner Eiswein von Becker, Das Weingut (Mainz-Ebersheim) dabei und bester Sekt dieser Silvaner-Sichtung war der 2015 Silvaner Dosage Zero aus dem Weingut Werther Windisch (Mommenheim). In der Welt am Sonntag vom 2. Dezember 2020 suchte Autor Manfred Klimek den eigenen deutschen Sauvignon Blanc-Stil und wurde bei Winzerin Gesine Roll fündig: beim 2018 Sauvignon Blanc Terra Rossa („aristokratisch wie die besten Sauvignons der Loire“) und beim 2018 Sauvignon Réserve („eine richtige Granate“) – beide vom Weingut Weedenborn (Monzernheim). In der Stuttgarter Zeitung vom 30. Dezember 2020 empfiehlt Redakteurin Kathrin Haasis als „Sekt fürs Fest“ den 2014 Cuvée Katharina Brut Nature aus dem Sekthaus Raumland (Flörsheim-Dalsheim) – begleitet vom Zuruf ihres Redaktions-Kollegen Harald Beck: „Abschied mit trockenem Champagner-Humor und Hoffnung auf mehr so Gutes“. In seiner „Flaschenpost zum Fest“ stellt Feinschmecker-Autor Jens Priewe in der Dezember-Ausgabe des Magazins seine „50 Tipps für alle Lebenslagen“ vor. Aus Rheinhessen sind dabei: 2018 Bürgel Spätburgunder GG aus dem Weingut Keller (Flörsheim-Dalsheim), 2019 Rothenberg Riesling GG aus dem Weingut Gunderloch (Nackenheim), 2019 Niersteiner Riesling Kabinett aus dem Weingut Schätzel (Nierstein), 2018 Silvaner Grauer Stein aus dem Weingut Saalwächter (Ingelheim) und „Fräulein Hu“ Rosé trocken aus dem Weingut Wechsler (Westhofen). Einen „Südtiroler in Rheinhessen“ hat Adriana Cartolano von Wein + Markt im Januar-Magazin als Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels vorgestellt: den 2019 Goldmuskateller aus dem Weingut Paul Frank (Nierstein). In der Dezember-Ausgabe des Magazins Vinum werden die besten Sekte der großen Vinum-Verkostung vorgestellt. Im Rating ganz vorne dabei ist die Sektmanufaktur Flik (Mainz-Laubenheim), der Vinum-Aufsteiger des Jahres 2020 in Rheinhessen, mit dem 2017 Blanc de Noirs Brut und dem 2015 Pinot Noir Rosé Extra Brut Suavium.

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„Du stehst vorne, musst lächeln, winken, gut aussehen und sagen, du bist für den Weltfrieden.“ Eva Müller, Rheinhessische Weinkönigin im Gespräch mit Dr. Annette Nünnerich-Asmus zu den Klischees über Weinköniginnen (Verlags-Karree RLP auf der Frankfurter Buchmesse in Panzweiler)

„Das Weinrecht ist gar nicht so kompliziert.“ (Dr. Michael Koehler, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf der Jahreshauptversammlung des Weinbauverbandes Rheinhessen)

„Die Rheinhessen sind halt einfach schneller“. Weinbaupräsident Ingo Steitz auf der Jahreshauptversammlung des Verbandes zur praktischen Anwendung des neuen Weinrechts, das erst mit dem Jahrgang 2026 verbindlich werden wird

„Trotz der vielen Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, ist der Weinbau in den nördlicheren Anbauregionen derzeit noch ein Gewinner dieses Klimawandels“ Dr. Bernd Prior, DLR Oppenheim, AgrarWinterTage 2021

„Es gibt auch Weintrinker, die mich oft nerven, weil sie so langsam trinken.“ Psychotherapeutin Irmtraud Tarr im Interview der Allgemeinen Zeitung zum Thema „Achtsamkeit“

RHEINHESSENTERMINE 24. MÄRZ 2021 – 10-12 UHR Netzwerktreffen Rheinhessen AUSGEZEICHNET – ONLINE Anmeldung und Link: kathrin.saaler@dlr.rlp.de Programm: www.rheinhessen.de/ rheinhessen-ausgezeichnet

Impressum Redaktion und verantwortlich für den Inhalt Bernd Kern, Sonja Ostermayer Rheinhessenwein e. V. Otto-Lilienthal-Straße 4, 55232 Alzey Tel. 0 67 31 / 95 10 74-0 Bildnachweise dieth & schröder fotografie S.1, Ina-Johanna Becker S.1/3, Volker Oehl S.1, Reh Kendermann S.1/6, Bretz/DLG S.2, Dreissigacker S.2/7, Spies/DLG S.2, Rheinhessenwein e.V. S.3, Foto Rimbach S.3, DLR Rheinhessen-NaheHunsrück S.4/5, Julia Pieroth S.7, Cindy Albrecht, www.dieth.com S.8 Layout Andrea Adler & Alice Hubert, hauptsache:design, Mainz

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