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Pa^g:mmbmn]^l[^\hf^?Zlabhg Freitag, 11.07.08 bis Sonntag, 13.07.08 Konzeption: Henning Arend, Johannes Bendzulla, Dominic Osterried =b^nklik¿g`eb\a^B]^^ von uns war in etwa, eine Art aufwändig inszenierten, kunstspezifischen Witz in Form einer Ausstellung zu konzipieren, der sich sowohl auf die jüngere Kunstgeschichte als auch auf die institutionalisierte Präsentation von Kunst beziehen sollte. Auslöser für diese Überlegung war unter anderem ein T-Shirt des Karikaturistenduos Katz & Goldt, welches ich mir gekauft hatte (siehe Dokumentationsfotos). Davon inspiriert, hatte Henning zwei Shirts mit ähnlichen kunstspezifischen Witzen bemalt und mir zum Geburtstag geschenkt. Als nun ein Mitstudent, der einen kleinen Ausstellungsraum organisierte, uns fragte ob wir nicht Lust hätten dort auszustellen, kam die Idee auf, die sich in meinem Besitz befindlichen Kleidungsstücke zu präsentieren. Es war bald klar dass die gesamte Veranstaltung – von der Promotion über die Vernissage bis hin zur Dauer der Ausstellung – eine Art Pseudoernsthaftigkeit ausstrahlen musste: je ernsthafter ein Witz ausgeführt und präsentiert wird desto wirkungsvoller ist er, er muss aber dennoch als Witz erkennbar bleiben. Wichtigste Brechung dieser Seriosität war der Ort der Ausstellung. Es handelte sich um einen kleinen OffRaum, der außerhalb von Akademiekreisen völlig unbekannt war, in dem regelmäßig recht informelle Ausstellungen stattfanden auf denen man Freibier trank, auf dem Boden rumsaß und viel rauchte. Die Diskrepanz zwischen der üblichen Nutzung und der einmaligen, etablierte Formen der Kunstpräsentation zitierenden Ausstellung von uns war also gewaltig. Die Promotion: Üblicherweise wurde für dortige Ausstellungen keine Werbung gemacht und wenn dann nur in Form von kleinen Flyern. Wir entwarfen für unsere Ausstellung ein Plakat in der Größe 80 x 50 cm und einen Flyer in üblicher Größe, jedoch in den Proportionen eines Schecks oder Geldscheins. Die Ästhetik: Während unseren Überlegungen zur Konzeption der Ausstellungen tauchte immer wieder der Satz auf: „Der Prosecco muss der Maßstab sein“. Er stellte für viele unserer Überlegungen einen wichtigen Ausgangspunkt dar, so auch bei der Produktion der Werbemittel. Die Gestaltung des Plakats / Flyers sollte eine gewisse sommerliche Leichtigkeit ausstrahlen. Sie sollte nicht zu klassisch oder seriös wirken, aber auch nicht zu flippig; die Typografie sollte eher schlecht sein, aber nicht so sehr dass es dem ungeschulten Betrachter all zu sehr auffallen würde; die Auswahl der Farben sollte ungewöhnlich, aber nicht geschmacklos sein. Der Titel: Der Titel klingt flippig und aktuell (da auf Englisch), er erhält seine nötige Ernsthaftigkeit jedoch durch die direkte Anspielung auf „When Attitudes become Form“ *. Dies verspricht dem Connaisseur erstens eine frech postmoderne Haltung und zweitens ein gesundes Maß an kunstgeschichtlicher Kenntnis. Doch auch ohne die Anspielung zu verstehen wirkt der Satz recht intelligent und irgendwie cool. Zudem kann der Unwissende so im persönlichen Gespräch aufgeklärt werden was eine gute Möglichkeit darstellt bei ihm den Eindruck von Ernsthaftigkeit weiter zu steigern. Die Rollenverteilung: Professionalität zeichnet sich unter anderem durch eine klare Verteilung der Aufgaben der einzelnen Beteiligten aus. Dem entsprechend sollte ich als Sammler auftreten, da sich die Shirts in meinem Besitz befanden; Dominic war als Kurator für die Hängung und allgemeine organisatorische Dinge zuständig; Henning trat, da er die meisten der in der Ausstellung gezeigten Shirts bemalt hatte, als Künstler auf. Während der Öffnungszeiten der Ausstellung sollte jeder von uns nur in seiner Rolle existieren, d.h. er sollte jede fachbezogene Konversation nur aus seinem speziellen Blickwinkel führen. Wir wollten zudem viele typische Ausdrücke und Phrasen der gehobenen Kunstkritik verwenden. Die Ausstellung bot ja reichlich Möglichkeiten sich oberflächlich auf zeitgenössische Diskurse zu beziehen: Hochkultur – Popkultur, Curating, Kunst & Mode usw. Davon sollte ordentlich Gebrauch gemacht werden. Zudem wurde festgelegt dass Henning sehr künstlermäßig etwa eine halbe Stunde zu spät zur Vernissage kommen sollte. Die Dauer der Ausstellung: Üblicherweise gab es bei allen vorherigen Ausstellungen nur einen festen Öffnungstag und zwar den der Vernissage. Um unsere Ernsthaftigkeit zu unterstreichen wollten wir die Ausstellung auch noch Samstags und Sonntags für Interessierte öffnen, die so die Möglichkeit erhalten sollten ohne viele Besucher und Vernissagentrubel die Werke ganz konzentriert in Augenschein nehmen zu können. Die Konzeption der Vernissage: Ziel war es, die Vernissage so zu inszenieren dass eine Art Balance zu Stande kommt zwischen der Eröffnung als Feier einerseits und der Eröffnung als Gelegenheit, sich ernsthaft mit Kunst auseinander zu setzen andererseits. Grund für diese Überlegung war unser Streben nach „Mittelmäßigkeit“, einem Zustand der für uns charakteristisch schien für die meisten Vernissagen, und den wir – etwas übertrieben – auf unserer Eröffnung reproduzieren wollten.


Dem entsprechend sollte es kostenlosen ALDI – Prosecco geben statt des üblichen Freibiers, aber eben keinen guten oder gar Sekt. Wir wollten uns als Beteiligte dem offiziellen Anlass gemäß seriös kleiden (weißes Hemd, dunkle Hose, Lederschuhe), jedoch auf Jackett und Krawatte verzichten. Zudem wollten wir den obersten Hemdknopf offen lassen – ein Zugeständnis an die sommerlich – leichten Exponate. Sehr wichtig war auch dass der Ausschank der Getränke nicht von uns „Offiziellen“ getätigt werden sollte sondern von einer eigens dafür organisierten Dame. Eine Freundin von uns erklärte sich dazu bereit den Job zu machen, sie wurde jedoch darum gebeten sich nicht zu der Ausstellung zu äußern und zu betonen dass sie nur für die Getränke zuständig sei. Der Prosecco sollte im Flur vor dem eigentlichen Ausstellungsraum ausgeschenkt werde, so dass man theoretisch nur in den Raum ging um die Exponate zu betrachten. Einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Werken sollte nichts im Wege stehen. Um die „Exklusivität“ und das Eventmäßige des Abends zu betonen baten wir zudem einen Kommilitonen, Fotos während der Eröffnungsfeier zu machen. Die Fenster des Raumes wurden sorgfältig gemilcht und sollten während der gesamten Ausstellungsdauer geschlossen bleiben – bei den meisten vorherigen Ausstellungen waren die Fenster offen, so das eine optische Verbindung zur „Außenwelt“ bestand. Außerdem sollte absolutes Rauchverbot im Ausstellungsraum bestehen und auch das Sitzen auf dem Boden sollte untersagt sein. =b^Pbkdng`3 Als der Eröffnungsabend (der ohne nennenswerte Schwierigkeiten ablief, also wie geplant) seinen Lauf nahm mussten wir feststellen dass niemand (abgesehen von weniger als einer Handvoll Besucher) die Ironie der Veranstaltung wahrnahm – ganz im Gegenteil. Unsere (verhältnismäßig) professionelle Promo hatte ein erstaunlich großes und differenziertes Publikum angelockt: neben den üblichen Verdächtigen erschienen viele Akademiestudenten die sonst nie zu Citadellstraßeneröffnungen gekommen waren und sogar zahlreiche unbekannte Gesichter außerhalb des Akademiekontextes. Der Besucherandrang war mindestens doppelt so hoch wie bei vorherigen Veranstaltungen. Das Rauch- und Sitzverbot wurde (abgesehen von einer „Protestaktion“) wie selbstverständlich eingehalten - wir hatten in Anbetracht der vielen offiziellen Gesten und Reglementierungen mit mehr Widerstand gerechnet. Sowohl die ausgestellten Arbeiten als auch wir in unseren Rollen wurden völlig ernst genommen. Jeder von uns war den Abend über in verschiedene Kunstgespräche verwickelt, in denen wir bis zum Schluss seriös unseren jeweiligen Berufsstand spielten. Niemand schien etwas komisch daran zu finden dass Kunststudenten sich völlig ernsthaft als Kurator bzw. Sammler bezeichnen und sich ausschließlich zu Fragen zu ihrem „Fachgebiet“ äußern - und das in Bezug auf eine Ausstellung die aus auf T-Shirts gemalten, kunstspezifischen Witzen bestand. Wir hatten ganz offensichtlich die Autorität der von uns verwendeten Zeichen unterschätzt. Man schien reflexartig auf die Form der Zeichen, auf ihren „Anschein“, mit Respekt und Ehrfurcht zu reagieren und übersah dabei dass das, was da eigentlich bezeichnet wurde, überhaupt nicht da war oder so grotesk war dass es keineswegs dem Zeichen entsprach. Es schien, als sei die Mehrzahl der Besucher sozusagen konditioniert auf bestimmte Zeichen, die für Professionalität und Ernsthaftigkeit stehen. Wir ließen – um im Bild zu bleiben – die pawlowsche „Seriositätsglocke“ klingen und mussten einigermaßen fassungslos feststellen dass statt der erwarteten Belustigung oder Irritation über unsere Anmaßung sich Ernsthaftigkeit und Zurückhaltung einstellten. So entwickelte sich unser als Komödie geplantes „Theaterstück über eine Vernissage“ im Laufe des Abends überraschenderweise eher in Richtung Trauerspiel. J.Bendzulla

* „When Attitudes become Form“ war eine wegweisende Ausstellung Ende der Sechziger Jahre, die vor allem minimalistische, postminimalistische und konzeptuelle Tendenzen präsentierte. Sie wurde zusammengestellt von Harald Szeemann, der als erster Kurator im zeitgenössischen Sinne gilt.


Pa^g:mmbmn]^l[^\hf^?Zlabhg Der K端nstler - Henning Arend Der Sammler - Johannes Bendzulla Der Kurator - Dominic Osterried Die Cateringdame - Jasmin Reif Der Szenefotograf - Sebatian Riemer Der Organisator - Ali Altin


Rhein-Verlag 2010, Kurze StraĂ&#x;e 16, D-40213 DĂźsseldorf Telefon: +49 (0)211 163 69 605, E-Mail: info@rhein-verlag.com





When Attidues become Fashion