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K 8337 F - ISSN 0178-2193 – 31. Jahrgang 02-2012

Journal Rettungsdienst

M i t g l i e d e r o r g a n d e s B e r u f s v e r b a n d e s f ü r d e n R e t t u n g s d i e n s t e. V.

Postvertriebsstück K 8337 F, Gebühr bezahlt, Berufsverband für den Rettungsdienst e.V., Gießener Straße 42, 35423 Lich

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Hochschulstudiengänge für Rettungsassistenten mit notfallmedizinischen Schwerpunkten Referentenentwurf zum NotfallSanitäterGesetz und Stellungnahme des BVRD


EDITORIAL

Editorial... Liebe Leserinnen und Leser, diese Ausgabe des Rettungsdienst-Journal enthält nicht die gewohnte Vielfalt an Themen, der thematische Schwerpunkt liegt dieses Mal bei der Berufspolitik. Die berufspolitischen Themen in diesem Heft sind die Novellierung des Rettungsassistentengesetzes von 1989, die Diskussion um Hochschule-Studiengänge mit notfallmedizinischen Schwerpunkten für Rettungsfachpersonal sowie der Streit um Medikamentengabe durch Rettungsassistenten in München, der in den letzten Wochen bundesweite Beachtung erlangte. In der Sache „Novellierung des Rettungsassistentengesetzes“ ist vor einigen Wochen ein großer Schritt nach vorne erfolgt. Das Bundesministerium für Gesundheit hat am 25. Mai einen „Referentenentwurf für ein Notfallsanitätergesetz“ veröffentlicht. Damit ist Hälfe der Wegstrecke zu einem neuen Berufsgesetz erreicht. An dieser Stelle soll noch einmal daran erinnert werden, daß der Berufsverband für den Rettungsdienst e.V. (BVRD), stets vertreten durch Prof. Dr. Gerhard Nadler aus München, seit Februar 2003 bei allen relevanten Gesprächen und Beratungen in Ministerien und auch im DRK-Generalsekretariat sowie am 4. Juli 2007 bei der entscheidenden Anhörung im Deutschen Bundstag beteiligt war und sich stets für eine bessere Ausbildung und praxisgerechte Kompetenzen stark machte. Auch in der „Expertengruppe RettAssG-Novellierung“ beim Bundesgesundheitsministerium, die von Januar 2008 bis einschließlich November 2011 wichtige Vorarbeiten für den nun vorgelegten Referentenentwurf leistete, arbeitete Prof. Dr. Gerhard Nadler für den BVRD mit. Wichtige Auszüge aus dem Referentenentwurf und der Begründung sowie die Stellungsnahme des BVRD dazu finden Sie ab Seite 20. Auf den ersten Seiten dieses Heftes stellen wir Ihnen zwei (Fach-)Hochschul-Studiengänge vor, die sich an Rettungsfachpersonal wenden und notfallmedizinische Schwerpunkte haben. Zwei ärztliche Interessenvertretungen hatten sich im Herbst letzten Jahres sowie im Frühjahr diesen Jahres dazu kritisch geäußert – wir möchten Ihnen nun zum einen konkrete Einblicke in diese beiden Studiengänge, vor allem auch hinsichtlich den Ausbildungszielen, geben und zum anderen eine Diskussion dazu anregen. Über den Streit um Medikamentengabe durch Rettungsassistenten in München, der in den letzten Wochen bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte, berichten wir kurz und knapp auf den Seiten 12 und 13. Im übrigen finden Sie in diesem Heft einen interessanten Beitrag von Tobias Weiman über die britische „Coastguard“ und einen reich bebilderten Beitrag von Andi Bachsleitner zur RettMobil 2012. Ihre RDJ - Redaktion

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INHALTSVERZEICHNIS RDJ 02-2012 Journal Editorial Inhalt Aufnahmeantrag / Abo-Formular Impressum / Termine

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BVRD Medienkooperation mit retter.tv retter.tv berichtet über den Christoph-Hessen-Tag

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H:G - Hochschulstudium „Sanitätsund Rettungsmedizin“ Seite 6

Berufspolitik Hochschulstudiengänge für Rettungsassistenten: H:G - Hochschulstudium „Sanitäts- und Rettungsmedizin“ Ausbildungsziel „Sanitäts- und Rettungsmedizin“ (B.Sc.) MHR - Hochschulstudium „Pre-Hospital Management“ Referentenentwurf der Bundesregierung: Entwurf eines Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung des Hebammengesetzes Stellungnahme des BVRD zum NotSanG-Entwurf

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Hochschulstudium „Pre-Hospital Management“ an der MHR

RETTmobil Rekorde bei Europas größtem Branchenereignis 2012

Seite 9

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Rettungsdienst Streit um Gabe von Medikamenten durch Rettungsdienstpersonal in München

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Rettungsdienst International Die königliche Küstenwache - Her Majesty's Coastguard

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Buchvorstellung Notfallversorgung in Deutschland

Die königliche Küstenwache - Her Majesty’s Coastguard Seite 14

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NEWS Rettungsschwimmer hilft Ertrinkendem - und wird gefeuert

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Referentenentwurf der Bundesregierung für ein Notfallsanitäter-Gesetz Seite 20

Titelbild: Hubschrauber der königlichen Küstenwache während eines Einsatzes

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Foto: Tobias Weimann


AUFNAHMEANTRAG

Aufnahmeantrag Hiermit beantrage ich die Mitgliedschaft im Berufsverband für den Rettungsdienst e.V.

Name: Vorname: Straße: PLZ + Ort:

für ordentliche Mitglieder 65 Euro Jahresbeitrag (einschließlich RDJ-Bezug)

Bundesland:

für ZDL, Azubis, Studenten, Ruheständler etc. 40 Euro Jahresbeitrag (einschließlich RDJ-Bezug)

Geb.-Datum:

für informierte Mitglieder 25 Euro Jahresbeitrag (keine Versicherungsleistungen, aber RDJ-Bezug)

Tel.+ Fax.Nr.:

Bankverbind.: BLZ:

Der Aufnahmeantrag gilt gleichzeitig als Bankeinzugsermächtigung laut Delegiertenbeschluß!

Bitte kopieren und senden an:

Konto-Nr.: Datum / Unterschrift:

FAX 0 64 04 - 95 00 66

Berufsverband für den Rettungsdienst e.V. Gießener Straße 42 D - 35423 Lich

Im Rettungsdienst tätig: hauptamt. RH

nebenamtl.

RettSan

ehrenamtl.

RettAss

Arzt

nicht aktiv ZDL 04-2011

Adress / Namensänderung - Kontowechsel Sie sind umgezogen ? Haben Ihre Bank gewechselt ? Haben aber vergessen uns zu beachrichtigen ? Wir benötigen Ihre neuen Daten, damit Sie Ihr RDJ bekommen und auch versichert bleiben!

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BERUFSPOLITIK

Hochschulstudiengänge für Rettungsassistenten mit notfallmedizinischen Schwerpunkten Im Herbst letzten Jahres sowie im Frühjahr diesen Jahres äusserten sich der Bundesverband Ärztlicher Leiter Rettungsdienst (BV ÄLRD) sowie die Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands (BAND) kritisch zu Hochschulstudiengängen für Rettungsassistenten mit notfallmedizinischen Inhalten. Nach Auffassung dieser beiden Interessenverbänden sollten Rettungsassistenten, wenn sie sich auf Hochschulebene weiterqualifizieren möchten, Studiengänge wählen, die Management oder Technik zum Gegenstand haben. Hintergrund ist wohl, dass diese Studiengänge dem was BV ÄLRD und BAND für „rein ärztlich“ halten zu nahe kommen. Um Ihnen, liebe Leser, einen Einblick in die beiden der Redaktion bekannten Studiengänge mit notfallmedizinischen Inhalten zu gewähren, haben wir im Anschluss Material über diese Hochschulstudiengänge abgedruckt. Wir haben uns dafür entschieden, damit Sie sich zu dieser Thematik selbst eine Meinung bilden können.

Hochschulstudium „Sanitäts- und Rettungsmedizin“ H:G Hochschule für Gesundheit und Sport Berlin Warum Sanitäts- und Rettungsmedizin studieren? Das Bachelorstudium der Sanitäts- und Rettungsmedizin richtet sich an Abiturienten mit dem Studienwunsch Sanitäts- und Rettungsmedizin und an Absolventen der Berufsausbildung zum Rettungsassistenten mit Hochschulzugangsvoraussetzungen. Es vermittelt neben den wissenschaftlichen Schwerpunkten eines Hochschulstudiums sanitäts- und rettungsmedizinische Kenntnisse der Akutdiagnostik und der Akuttherapie häufiger internistischer Erkrankungen. Höchste Priorität wird dabei auf die Vermittlung praxisorientierter sanitäts- und rettungsmedizinischer Kenntnisse zur Erweiterung der Regelkompetenz gelegt. Für die Zukunft ist geplant, interessierten Studierenden eine duale Studienorganisation in Kooperation mit einem Partner anzubieten. Curriculum Das Bachelorstudium der Sanitäts- und Rettungsmedizin ist in drei Phasen gegliedert. In der ersten Studienphase (Semester 1-2) steht die Erkenntnisvermittlung des gesunden Körpers im naturwissenschaftlichen und medizinischen Mittelpunkt. In der zweiten Studienphase (Semester 3-4) wird das medizinische Wissen des kranken Körpers mit den vertiefenden Schwerpunkten der Unfallmedizin und den internistisch kardiologischen Erkrankungen vermittelt. Wesentliche Schwerpunkte der dritten

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Studienphase (Semester 5-6) stellen die praktischen Erfahrungen, die Differentialdiagnose und Synthese in international anerkannten Zertifikatskursen dar. Im Studium lernen Sie die international anerkannten Behandlungsrichtlinien der an Basisund erweiterten Versorgungsprinzipen akut auftretenden Erkrankungen oder Verletzungen kennen und damit den Schnittstellenbereich zwischen präklinischer Erstversorgung und dem Rettungsstellen- bzw. Schockraummanagement klinischer Einrichtungen. Ihnen werden taktische, organisatorische und administrative Kenntnisse zum Management des Rettungsdienstes, dem Notfall-, Krisen- und Katastrophenmanagement von Konfliktsituationen und Naturereignissen vermittelt. Spezialkenntnisse und -fähigkeiten im Luftrettungsdienst, im Wasserrettungs- und Bergungsdienst und von sanitätsdienstlichen Einheiten machen Sie zu Experten sanitäts- und rettungsmedizinischer Diagnostik- und Therapiemaßnahmen in der Sanitäts- und Rettungsmedizin. Praxisnah studieren An der H:G besitzt eine praxisnahe Ausbildung einen hohen Stellenwert. Die semivirtuelle Studienorganisation ermöglicht Ihnen, ihr erlerntes Wissen in rettungs- oder notfallmedizinischen Praktika im Rahmen des Praktischen Studiensemesters (5. Semester) oder integriert in ihrer Arbeitszeit im Rettungsdienst umzuset-


BERUFSPOLITIK zen. Darüber hinaus werden Bedingungen der klinischen Erstuntersuchung und Therapierichtlinien für Notfalldiagnosen im Studium zuerst simuliert und später unter kompetenter Supervision soweit wie möglich im Klinikroutinebetrieb erprobt. Praxiseinheiten finden im Rahmen ausgewählter Lehrveranstaltungen bei Unternehmen und Einrichtungen der Gesundheitsbranche wie dem Sana Klinikum Lichtenberg, den Ruppiner Kliniken und dem Klinikum Niederlausitz statt. Berufsfelder Der Bachelorstudiengang Sanitäts- und Rettungsmedizin qualifiziert Sie für eine selbstständige rettungs- und notfallmedizinische Arbeit oder die Mitarbeit in einem medizinischen Rettungsteam. Um als Rettungsassistent zu arbeiten, müssen Sie in jedem Falle die Ausbildung zum Rettungsassistenten abschließen. Das Studium der Sanitäts- und Rettungsmedizin alleine berechtigt Sie nicht zur Ausübung dieser Tätigkeit. Für Ihr Kompetenzprofil haben insbesondere folgende Bereiche Verwendung: • Tätigkeit als Rettungsdienstbereichsleiter • Krankenhäuser und Kliniken mit rettungsmedizinischer Abteilung • Leitungs- und Führungstätigkeiten im Leitstellenbereich von Feuerwehr und Rettungsdienst • Wissenschaftliche Mitarbeit in Stiftungen und Verbänden • Wissenschaftliche und redaktionelle Mitarbeit in Verlagen • Tätigkeit im Bereich rettungsmedizinisch relevanter Medizintechnikhersteller • Militärmedizinische Tätigkeit im Sanitätsdienst der Bundeswehr

Prüfungsanforderungen Im Bachelorstudiengang Sanitäts- und Rettungsmedizin sind insgesamt 24 studienbegleitende Prüfungen in 20 Modulen abzulegen. 18 Module werden mit Modulprüfungen, 2 Module mit insgesamt 6 Modulteilprüfungen abgeprüft. Hinzu kommen die Prüfungsbestandteile des Praktischen Studiensemesters und des Bachelorabschlussmoduls. Die Prüfungslast verteilt sich gleichmäßig über die Semester. Regelungen zum Nachteilsausgleich von Studierenden mit Behinderung und chronischer Krankheit sind in § 16 der Allgemeinen Prüfungsordnung festgelegt. Körperlich und geistig beeinträchtigten Studierenden kann, soweit dies zur Herstellung der Chancengleichheit erforderlich ist, Nachteilsausgleich in Form von zusätzlichen Arbeits- und Hilfsmitteln und/oder verlängerter Bearbeitungszeit und/oder der Ablegung der Prüfung in einer anderen Form gewährt werden. Zulassungsvoraussetzungen • Allgemeine Hochschulreife oder • Fachhochschulreife oder • vergleichbare (ausländische) Bildungsnachweise oder • die Hochschulzugangsberechtigung für beruflich Qualifizierte gem. §11 Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) Einschlägige Berufserfahrungen sowie bereits in einem Studium in studienähnlichen Fächern erworbene ECTS-Punkte oder Leistungsnachweise können anerkannt werden.

Rettungsassistenten erhalten durch den international anerkannten Abschluss eines Bachelor of Science eine wertvolle und international vergleichbare Erweiterung Ihrer Ausbildung als deutscher Rettungsdienstmitarbeiter. Außerdem steht Ihnen eine vertiefte rettungsund sanitätsmedizinische Ausbildung durch einen weiterführenden Master offen. Rettungsdienst Journal 02-2012

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BERUFSPOLITIK

Ausbildungsziel „Sanitäts- und Rettungsmedizin“ (B.Sc.) Ausbildungsziel des Bachelorstudiums „Sanitäts- und Rettungsmedizin“ ist primär der „reflektierende Praktiker“ - also jemand, der auf Grundlage seiner akademischen Ausbildung in Verbindung mit einer Berufsausbildung für den Rettungsdienst „Strukturen und Arbeitsabläufe“ sowie „Folgen von Handeln und Unterlassen“ umfassend reflektieren und bewerten kann. Zum einen erwirbt der Absolvent damit die Befähigung im Rettungswesen – vor allem im Rettungsdienst – (Führungs-)Aufgaben in angehobener Position oder aber in gehobener Position wahrnehmen zu können. Im operativen Bereich des Rettungsdienstes kann dies die Tätigkeit als Schichtleiter einer größeren Dienststelle oder als Rettungsdienstbereichsleiter sein. Im administrativen Bereich kann dies die Wahrnehmung von Aufgaben in der kommunalen Verwaltung oder aber auch bei Verbänden ein.

Beim Einsatz im Rettungsdienst kann dem Hochschulabsolventen aufgrund der fundierteren Ausbildung vom verantwortlichen Arzt im Rahmen einer spezifischen Delegation ein größeres Spektrum an Maßnahmen zur Durchführung übertragen werden. Zum anderen erwirbt der Absolvent die notwendigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen, um – ggf. in Kombination mit einem speziellen Traineeprogramm – als ArztAssistent in Kliniken tätig werden zu können. Dort kann er als Arzt-Assistent im Rahmen der Chefarzt-Delegation und unter „Supervision“ eines Facharztes verschiedene medizinische Maßnahmen ausführen, die gegenwärtig vom Arzt persönlich durchgeführt werden, aber bei fachlich-medizinsicher Betrachtung sowie aus juristischer Perspektive betrachtet nicht vom Arzt persönlich durchgeführt werden müßten. Aufgrund der fachlichen Ausrichtung kommt vor allem eine Tätigkeit in Rettungsstellen bzw. Zentralen Notaufnahmen und Funktionsbereichen der Kliniken und Krankenhäuser in Betracht. Mit dem Abschluß „Bachelor of Science“ können konsektuive und nicht-konsektuive Master-Studiengänge aufgenommen werden, die beispielsweise für eine Tätigkeit in der Lehre (u.a. an beruflichen Schulen), in den Bereichen Qualitätsmanagement, Sicherheit und Technik im Rettungswesen oder speziell für das operationale Management im Rettungsdienst qualifizieren. Gute und sehr gute Absolventen haben auch die Möglichkeit zu promovieren. Studienberatung: Tel.: 030 / 577 97 37 - 0 www.my-campus-berlin.de

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BERUFSPOLITIK

Hochschulstudium „Pre-Hospital Management“ Mathias Hochschule Rheine Die staatliche anerkannte Mathias Hochschule Rheine ist eine junge private Fachhochschule für Gesundheit, Wirtschaft und Technik. Innovative Angebote orientieren sich an Berufe im Gesundheitswesen. Für Rettungsassistentinnen und -assistenten eröffnet der akkreditierte Studiengang Pre-Hospital Management/Präklinisches Management, B.Sc. mit seinem einzigartigen Qualifikationsspektrum neue Perspektiven der akademischen Qualifizierung des rettungsdienstlichen Personals. Der BachelorStudiengang Pre-Hospital Management richtet sich an Rettungsassistentinnen und -assistenten, die einen akademischen Berufsweg einschlagen möchten, ohne den Bereich Rettungsdienst verlassen zu müssen. Mit dem Studiengang Pre-Hospital Management werden Kompetenzen vermittelt, die für Leitungs- und Führungsaufgaben im Rettungsdienst erforderlich sind. Bereits im Jahr 2007 hat der Sachverständigenrat die Veränderung der Aufgabenteilung im Gesundheitswesen und eine akademische Qualifizierung des nicht-ärztlichen Personals gefordert. Während Studiengänge mit einem technischen Fokus für Führungsaufgaben im Bereich des Brandschutzes qualifizieren, fehlen entsprechende Qualifikationen für die Leitung im Rettungsdienst obwohl sich der Großteil der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr auf den Rettungsdienst konzentriert. Daher legt der Studiengang Pre-Hospital Management den Schwerpunkt auf die Managementkompetenz im Rettungsdienst. So zeigt eine internationale Studie, dass erfolgreiche Führungskräfte im Krankenhaus sowohl über eine betriebswirtschaftliche wie auch medizinische Qualifikation verfügen (Limb et al., BMJ 2010). In den Krankenhäusern wird seit Jahrzehnten die Leitung erfolgreich gemeinsam von kaufmännischen, pflegerischen und ärztlichen Führungskräften wahrgenommen. Aufgrund dieser Erkenntnisse ist der Studiengang Pre-Hospital Management so aufgebaut, dass für das erfolgreiche Management im Rettungsdienst die Kernkompetenzen in den folgenden drei zentralen Aufgabenfeldern vermittelt werden:

• • •

Medizinisches Notfall-Management Technisches und organisatorisches Einsatz-Management Wirtschaftliches Rettungsdienst Management und rechtliche Aspekte

Studieninhalte und Tätigkeitsperspektiven Im Mittelpunkt steht die patientenorientierte und effiziente Gestaltung der Notfallversorgung, die auf evidenzbasierten und gesundheitsökonomischen Kenntnissen basiert. Durch die Berücksichtigung notfallmedizinischer Inhalte sind die Absolventen als Multiplikatoren in der Lage, die Versorgungsqualität zu verbessern. So können die Absolventen gemeinsam mit Ärzten ein hohes Ausbildungs- und Qualitätsniveau sicherstellen. Der Studiengang Pre-Hospital Management propagiert kein Paramedic-System und zielt nicht auf den Ersatz des Notarztsystems ab. Die inhaltliche Konzeption des Studienganges basiert auf den folgenden drei Säulen, die den Studierenden neue attraktive Berufs- und Tätigkeitsperspektiven eröffnen: 1. MedizinischesNotfall-Management Die Vertiefung und Stärkung der notfallmedizinischen Kompetenzen der Studierenden dient der Steigerung der Versorgungsqualität im Rettungsdienst. Die ärztlichen Leiter für den Rettungsdienst können nur in wenigen Bereichen für ein direktes Qualitätsmanagement in den einzelnen Rettungswachen sorgen. Durch die gezielte Vermittlung von theoretischen und praktischen Kenntnissen der Notfallmedizin können die Absolventen gemeinsam mit dem ärztlichen Leiter Qualitätsstandards entwickeln. Sie sorgen als Multiplikatoren für die ständige Fort- und Weiterbildung in den Rettungswachen sowie ein kontinuierliches Qualitätsmanagement. Für diese Aufgabe bedarf es der Vermittlung wissenschaftlich fundierter Kenntnisse, die ein evidenzbasiertes Entscheiden und Handeln gewährleisten. Akademisch qualifiziertes Personal, das sowohl theoretisch wie praktisch hochqualifiziert ist, kann therapeutische Maßnahmen sicherer Durchführen und so die Versorgungsqualität bis zum Arztkontakt verRettungsdienst Journal 02-2012

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BERUFSPOLITIK bessern. Dies ist als Ergänzung zum bestehenden Notarztsystem gedacht und stärkt die Handlungssicherheit der Rettungsassistenten/ innen und sorgt für mehr Patientensicherheit in der Notfallversorgung. 2.

Technisches und organisatorisches Einsatz-Management Die medizinische Qualifizierung der Studierenden wird verbunden mit der Kompetenz, technische Geräte nicht nur anwenden, sondern auch auf Eignung und Finanzierbarkeit überprüfen zu können. Niemand kann technische Geräte und auch Fahrzeuge besser beurteilen und einschätzen als diejenigen, die täglich damit arbeiten. Die Organisation ungewöhnlicher Einsatzsituationen unter Berücksichtigung des Ressourcenmanagements zählt ebenso zu den einsatztaktischen Komponenten des Studiengangs. So werden z.B. der Transport von adipösen Patienten, Verlegungstransporte von Intensivpatienten, sowie strukturelle Konzepte und die Organisation von Großschadensereignissen vertiefend behandelt. 3.

Wirtschaftliches Rettungsdienst Management und rechtliche Aspekte Positionen des mittleren Managements im Rettungsdienst (z. B. Leitung kleinerer Wachen, Wachabteilungsleitung, Bereichsleitung sowie Funktionen in Verwaltung und Behörden) können durch Absolventen des Studiengangs PHM adäquat besetzt werden, da sie im Studium vertiefte betriebswirtschaftliche Fähigkeiten und rechtliche Kenntnisse erwerben. Sie lernen die grundlegenden Controlling-Instrumente ebenso wie die Besonderheiten der Finanzierung im Rettungsdienst kennen. Es werden umfangreiche Kompetenzen im Bereich des Qualitäts- und Risiko-managements vermittelt.

Aufbau, Präsenzzeiten und Zulassungsvoraussetzungen Die Studienzeit beträgt 36 Monate (sechs Semester). Sie setzt sich zusammen aus Präsenz, Transfer- (Praxis-) und Selbstlernphasen (u. a. Projektarbeiten, Anwendung von OnlineMedien). Die Bündelung der Präsenzzeiten (Anwesenheiten an der Hochschule) des Studiengangs auf fünf bis sechs Wochen pro Semester ermöglicht eine zeitgünstige Aufteilung des Studiums. Der Wechsel von Präsenz- und Selbststudienzeiten wird begleitet von Transferzeiten, die zu einem Teil einen praktikumsähnlichen Charakter besitzen. Dabei kann ein Teil der Transferleistungen unter bestimmten Voraussetzungen auf der eigenen Rettungswache absolviert werden und ein klinisches Praktikum von fünf Wochen auch an einzelnen Tagen erbracht werden. Voraussetzungen für die Bewerbung sind: • die allgemeine Hochschulreife, Fachhochschulreife oder ein mittlerer Schulabschluss und mindestens drei Jahre Berufstätigkeit als Rettungsassistent/in • die gesundheitliche Eignung nach § 5 RettAssG • abgeschlossene Ausbildung nach § 7 Rett AssG ODER abgeschlossene schulische Ausbildung nach § 4, § 8 Abs. 2 und § 8 Abs.3 RettAssG und mindestens 1120 Stunden des praktischen Ausbildungsabschnitts. Innerhalb des Studiums können die fehlenden 480 Stunden der praktischen Ausbildung durch Transferleistungen erbracht werden. Der Abschluss einer weiteren Berufsausbildung und mehrjährige Ausübung der beruflichen Tätigkeit kann über eine Zugangsprüfung durch die Mathias Hochschule Rheine ebenso als Berechtigung zur Aufnahme des Studiums gelten. Hierdurch kann der Nachweis einer schulischen Hochschulreife ersetzt werden. Nähere Informationen zum Studium Pre-Hospital Management an der Mathias Hochschule Rheine finden sie auf der Homepage: www.mhrheine.de Ansprechpartner: Dr. Christopher Niehues, LL.M. (c.niehues@mhrheine.de)

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BUCHVORSTELLUNG

Notfallversorgung in Deutschland Sozialgesetzgebung und des Strafrechts einheitlich anzuwenden sind. Zudem kommt es zu diversen Schnittstellenproblemen im Bereich der Leitstellenorganisation sowie der Konzeption und Bewältigung von Großschadensereignissen. Die Arbeit zeigt, wie zum Beispiel mit größeren Leitstellenbereichen die Versorgungsqualität verbessert und gleichzeitig die Kosten gesenkt werden können.

Die Notfallversorgung stellt von der Laienhilfe bis zu den Notaufnahmen eine Black Box hinsichtlich der Faktoren Qualität und Kosten dar. Das Versorgungsniveau wird durch diverse rechtliche Bestimmungen und unterschiedliche Zuständigkeiten bestimmt. Vor dem Hintergrund der Ressourcenknappheit werden im Spannungsfeld Medizin, Ökonomie und Recht die Schwachstellen der Rettungskette analysiert und Empfehlungen für eine patientenorientierte und effiziente Notfallversorgung gegeben. Es werden sowohl die rechtlichen Aspekte, wie auch die Qualifikationsund Qualitätsprobleme diskutiert und Lösungsvorschläge erörtert. Dabei bezieht sich die Untersuchung auf sämtliche Akteure der Rettungskette, da unter ökonomischen Gesichtspunkten das schwächste Glied der Rettungskette den notwendigen Handlungsbedarf signalisiert. In Deutschland existieren höchst heterogene Versorgungsstrukturen im Rettungsdienst, die nicht mit den Grundprinzipien einer Patientenversorgung nach wissenschaftlichen Erkenntnissen der Medizin und dem Wirtschaftlichkeitsgebot gem. §12 SGB V vereinbar sind. Regional sehr unterschiedliche Vorgaben zur Durchführung erweiterter medizinischer Maßnahmen durch Rettungsassistenten führen sowohl für das Rettungsdienstpersonal als auch für die Ärztlichen Leiter Rettungsdienst zu strafrechtlichen und haftungsrechtlichen Risiken, da die bundesrechtlichen Regelungen der

Der Schwerpunkt der Arbeit beschäftigt sich mit den Versorgungsproblemen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser, die sowohl im Bereich der Routineversorgung als auch bei der Bewältigung von Großschadensereignissen das schwächste Glied der Rettungskette darstellen. Während für den präklinischen Bereich die Hilfsfristen in der Regel eine zeitnahe Versorgung sicherstellen, fehlen entsprechende Vorgaben für die innerklinische Versorgung. Steigende Patientenzahlen in den Notaufnahmen und ein starker Ärztemangel in den Kliniken führen zu immer längeren Wartezeiten. Gleichzeitig ist bei vielen Notarzteinsätzen keine ärztliche Versorgung erforderlich. Wenngleich die Einrichtung einer Zentralen Notaufnahme als sinnvoll erachtet wird, wird die klinische Notfallversorgung in den Vergütungssystemen nicht berücksichtigt. Dies spiegelt sich unmittelbar in der Versorgungssituation wieder. Im Gegensatz zu anderen Ländern existiert weder ein Facharzt für Notfallmedizin noch ist eine besondere pflegerische Fachqualifikation für die notfallmedizinischen Besonderheiten vorgeschrieben. Häufig ist der Notarzt im Rettungsdienst höher qualifiziert als der Assistenzarzt in der Notaufnahme. In diesem Zusammenhang wird die medizinische und rechtliche Notwendigkeit des Facharztes für Notfallmedizin gezeigt, der zudem aus ökonomischer Sicht eine gute Lösung ist, um die Notfallversorgung in kleineren Krankenhäusern sicherzustellen. Autoreninformationen: Dr. Christopher Niehues ist Hochschullehrer für den Bereich Rettungsdienstmanagement an der Mathias Hochschule Rheine. Rettungsdienst Journal 02-2012 1 ­1


RETTUNGSDIENST Streit um Gabe von Medikamenten durch Rettungsdienstpersonal in München Mitte Juni verbot der neue Ärztliche Leiter Rettungsdienst im Rettungsdienstbereich München dem Rettungsfachpersonal die Gabe aller Medikamente mit Ausnahme von medizinischem Sauerstoff und Vollelektrolyt-Lösung. Damit wollte er offenbar den bisher praktizierten Übungen, und damit auch dem vorbildlichen Konzept des Bayerischen Roten Kreuzes im KV München, das über sieben Jahre erfolgreich praktiziert wurde, „über Nacht“ ein Ende setzen. Nachfolgend finden Sie die Zusammenfassung eines Rettungsassistenten aus München zu diesem „Politikum“. Ferner die Anweisung des ÄLRD sowie die Reaktion eines Münchner Komunalpolitikers, der selbst eine lange Zeit als Rettungsassistent tätig war. „Als das Schreiben des ÄLRD am 19.06.2012 veröffentlicht wurde, herrschte große Unsicherheit und ein Ausmaß an Verwirrung unter den Kollegen im RDB München.“ Viele Jahre wurde der Einsatz von Medikamenten durch Rettungsdienstpersonal von ärztlicher, wie auch nicht-ärztlicher Seite, grundsätzlich sehr liberal behandelt. Gelegentlich erschienen organisationsinterne Dienstanweisungen, die in der Regel nur auf formale Abläufe hinwiesen, aber nie die Versorgung des Patienten tangierten. Wer und vor allem in welchem Umfang Arzneimittel appliziert worden sind, entschied jeder Einzelne für sich selbst. Vor kurzem etablierten sich vereinzelt Programme zur Qualitätssicherung der Medikamentengabe durch Rettungsdienstpersonal. Jene wurden kontrovers diskutiert, zeigten aber prinzipiell einen vernünftig gangbaren Weg auf, die Medikamentengabe durch Rettungsassistenten einheitlich und suffizient zu regeln. „Wie sollen wir uns jetzt verhalten? Warten wir jetzt wirklich erst auf den Notarzt und schauen einfach zu? Widersetzen wir uns? Wie verfahren unsere Organisationen? Eine Regelung erarbeiten ist sinnvoll, aber bis dahin den Status Quo auf (fast) Null?“ Antworten... Nein, unsere Arbeitgeber reagierten ad hoc auf die prekäre Situation. Dem Schreiben des ÄLRD wurde von den meisten Durchführenden des Rettungsdienst München eine gesonderte Stellungnahme angefügt, welche explizit wiederholt auf den allgemein gültigen rechtfertigenden Notstand verwies und eine rasche Bearbeitung der Sachlage ihrerseits ankündigte. Innerhalb der letzten drei Wochen wurde auf breiter Ebene, sogar bundesweit diskutiert, gestritten, und gemutmaßt wie es weiter geht. Neben den Berufsverbänden schaltete sich sogar die Lokalpolitik in Form eines Münchner Stadtrats (Michael Kuffer) ein. Diese Art der Unterstützung wurde von den Kollegen sehr wohlwollend und dankbar angenommen und suggerierte, zwecks der transparenten und zielorientierten Vorgehensweise, einen baldigen Lösungsansatz. Am 11.07.2012 wurde in einer Sitzung mit dem ÄLRD, dem RZV und allen durchführenden Organisationen ein Übergangsmodell (angelehnt an die Stellung-

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nahme BÄK) verabschiedet, welches als Vorgabe für die Medikamentengabe durch Rettungsassistenten dient, bis die in jenem Rahmen ebenfalls gegründete Arbeitsgruppe zeitnah, ein einheitlich, endgültiges und für die Zukunft ausgelegtes Programm für die Medikamentenapplikation erstellt hat. Persönlich begrüße ich die jetzt anzustrebende Regelung zur Medikamentengabe durch nichtärztliches Personal, aber ob die initial sehr restriktive Vorgehensweise des ÄLRD (zwecks bekannter Gründe) wirklich notwendig war, möchte ich nicht bewerten. Wir hoffen jetzt bald ein, vor allem für den Patienten, sinnvolles System nutzen zu können. M.H., Rettungsassistent in München


RETTUNGSDIENST

Michael Kuffer, LL.M. Rechtsanwalt, M端nchner Stadtrat und Verbandsrat im Rettungszweckverband sowie Rettungsassistent; er war von Beginn der 1990er Jahre an 端ber etwa zehn Jahre in verschiedenen Positionen hauptamlich im Rettungsdienst, auch in leitender Position, t辰tig. Rettungsdienst Journal 02-2012 1 足3


RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL

Die königliche Küstenwache - Her Majesty's Coastguard 100 Fuss über dem Meer bei 150 Knoten und kaum Sicht – Für die Besatzung der Sikorsky S92 HM Coastguard in Shetland Alltag...

Die HM Coastguard ("Her Majesty's Coastguard") ist zuständig für die Suche und Rettung (Search and Rescue - SAR) von Personen in Not auf See oder bei Notfällen und aus Gefahr an der Küste. 19 Einsatzleitzentralen (Maritime Rescue Coordination Centres, MRCCs) sind 24h besetzt und organisieren alle Einsätze, die entweder über die Notrufnummer 999 bzw. 112 oder über Funk ankommen. Das Einsatzgebiet der britischen SAR-Einheiten

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umfasst mehr als 19.000 km Küste und ca. 3,2 Mio. km2 Meeresfläche. Folgende Ressourcen stehen den MRCCs zur Verfügung: • 362 Coastguard Rescue Teams • Search and Rescue Helicopter unter Vertrag mit MCA (Maritime and Coastguard Agency) • Rettungsboote der RNLI (Royal National Lifeboat Institution) • Search and Rescue Helicopter der Royal Navy und Royal Air Force • Gefahrgut-Einsatzteams für Chemieunfälle mit Schiffen • Strandrettungseinheiten • Berg- und Höhlenrettungsteams • Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst Die MCA unterhält 4 SAR-HubschrauberStandorte (Hubschrauber und Besatzung werden durch ein Privatunternehmen gestellt): - Stornoway (Sikorsky S92), 24h - Shetland (Sikorsky S92), 24h - Portland (Agusta Westland AW139S), nur tagsüber - Lee-on-the-Solent (Agusta Westland AW139S), 24h


RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL Im Weiteren gehe ich hier am Beispiel der Basis Shetland auf die Coastguard-Hubschrauber ein. Der Hubschrauber in Shetland wird samt Besatzung im Auftrag der MCA von CHC Helicopter bis Juli 2013 gestellt. Auch die übrigen CoastguardHubschrauber-Basen, sowie die Standorte der Royal Air Force sind ausgeschrieben und sollen bis 2017 neu vergeben werden. Besatzung Die Coastguard-Hubschrauber sind alle mit einem Pilot, einem Copilot, einem Winchoperator und einem Winchman besetzt, wobei zumindest der Winchman eine Qualifikation als Paramedic besitzt. Das Personal wurde bisher vor allem vom Militär rekrutiert, da die Ausbildung sehr zeitaufwändig und kostenintensiv ist. Oben: Die in Sumburgh stationierte Sikorsky S92 „102“ (von Tobias Weimann) Links: Dank IFR und Autopilot, sowie weiteren Hilfsmitteln ist das Fliegen auch unter Extrembedingungen möglich (von Tobias Weimann) Unten: Zuständigkeit der MCA (von UK Maritime and Coastguard Agency)

Allein die Paramedic-Ausbildung (siehe Tabelle) dauert 3 Jahre, in denen ein Ausbildungsgehalt gezahlt wird. Neben der Berufsausbildung gibt es auch die Möglichkeit, Paramedic Science an einer Universität zu studieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss kann die Registrierung beim Health Professions Council beantragt werden, bevor eine eigenständige Berufsausübung möglich ist. Um die Arbeitslizenz aufrecht zu erhalten, ist alle 3 Jahre eine Rezertifizierung notwendig. Bei der Coastguard müssen durch die Paramedics zusätzlich • 4 Tage pro Jahr ein Rettungsdienstpraktikum • 2 Tage pro Jahr ein AnästhesiePraktikum • 1 Reanimationstraining mit einem externen Trainer am SimMan, sowie • mind. 1 venöser Zugang alle 3 Monate am Patienten nachgewiesen werden. Rettungsdienst Journal 02-2012 1 ­5


RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL Hinzu kommen weitere regelmässige Fortbildungen und Übungen, grösstenteils aus Eigeninitiative. Die Fortbildung, wie auch weitere persönliche Lernerfolge, z.B. durch das Lesen von Fachzeitschriften werden online in einer Datenbank („CPD“ = Continuing Personal oder Professional Development) erfasst. Des Weiteren nimmt die Ausbildung als Winchman oder Winchoperator und die SAR-spezifischen Kenntnisse, nochmals ca. 6 Monate in Anspruch (davon ca. 6 Wochen Präsenzseminar in einem Trainingszentrum). Helikopter An der Basis in Sumburgh/Shetland sind zwei Sikorsky S92 mit den Kennzeichen G-CGOC und GSARC stationiert. Der diensthabende Hubschrauber hat jeweils den Rufnamen 102, die ErsatzDie Moving Map (auf Laptop), so wie das FLIR (oberer Monitor) maschine 103. werden vom Winchoperator bedient (von Tobias Weimann) Die S92 fliegt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 140kts (259km/h), hat eine HöchstMedizinische Ausstattung geschwindigkeit von 165kts (306km/h) und eine Die Ausrüstung ist entsprechend den Aufgaben Gipfelhöhe von bis zu 15.000ft (ca. 4572m). der SAR-Hubschrauber auf die Suche und Rettung im Wasser und an der Küste ausgerichtet. Für lange Strecken haben die Hubschrauber standardmässig einen im Innenraum eingebauten Die medizinische Ausstattung ist für die Zusatztank. Versorgung von mindestens zwei schwer verletzten Patienten ausgelegt. Im Grossen und Ganzen Neben der üblichen Ausstattung eines Hubist diese mit der eines Rettungswagens vergleichschraubers verfügen die SAR-Maschinen zusätzbar, jedoch kompakt in Taschen und geschlosselich über ein Flight-Following-System, um die nen Schubladen verstaut, damit diese flexibel einPosition der Hubschrauber kontinuierlich nachgesetzt und bei Bedarf auch mit der Winde herverfolgen zu können, so wie über eine automatiabgelassen werden kann (siehe Tabelle). sche Flugkontroll- und eine Auto-Hover-Funktion. Die vorgehaltene Medikamentenbestückung ist Um die Suche eines Schiffes oder von Personen im für die Bedürfnisse im SAR-Dienst entsprechend Wasser zu erleichtern, bietet ein AIS Transponder einfach gehalten (siehe Tabelle). System (siehe auch unter Link unten) eine ÜberMedikamente sicht aller Schiffe und Flugzeuge in Reichweite mit im BTM-Ampullarium (wird vom Paramedic ausführlicher Angabe unter anderem des am Körper getragen): Namens, der Fahrtrichtung, Geschwindigkeit, Ziel Morphin Diazepam oder auch Ladung. Zur weiteren Unterstützung sind die Maschinen mit einem Radar mit unterschiedlichen Ansichten und einem FLIR (Infrarot- und Farbkamera mit Tracking-Funktion) ausgestattet. Hinzu kommen diverse Suchscheinwerfer. Eine Moving Map gibt es in den aktuellen Maschinen nur hinten. Diese wird vom Navigator/Winchoperator bedient. Zur Rettung gibt es zwei Rettungswinden (davon 1 Reserve) mit je 270 kg Tragkraft und 90 m Kabel. Die Sikorsky S92 sind allwetter- und nachtflugtauglich und damit bestens für die Aufgaben als SAR-Hubschrauber, vor allem unter den Extrembedingungen über See geeignet.

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im Notfallrucksack: Aspirin Salbutamol Glucagon Nitrolingual Spray Benzylpenicillin NaCl 0,9% Glucosegel Naloxon Metoclopramid Ipratropium Adrenalin im Reanimationsset (an den Defibrillatoren) Atropin Adrenalin Amiodaron zusätzlich: Entonox (Lachgas-Sauerstoff-Gemisch)


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Oben: Blick durch die Tür ins Cockpit (von Tobias Weimann) Unten: Das Material ist kompakt in Taschen, bzw. Schubladen verstaut (von Tobias Weimann)

Einsätze Mit durchschnittlich ca. 120 Einsätzen pro Jahr ist die Einsatzfrequenz auf der Basis Shetland sehr gering, auch wenn die Gesamtzahl der Flugstunden mit denen anderer Basen vergleichbar ist. Dies liegt unter anderem an den teilweise sehr weiten Flugstrecken, die bis hinter die Ölfelder nordöstlich von Shetland oder gelegentlich auch bis zu den Färöer Inseln reichen. Aus diesem Grund ist es teilweise trotz eines fest verbauten Zusatztanks notwendig, auf Einsätzen unterwegs zwischenzulanden, z.B. auf Bohrinseln, um nachzutanken. In diesem Fall muss die Flugstrecke entsprechend vorab geplant werden. Der Dienst dauert daher 24h mit Schichtwechsel um 13:00 Uhr. Je nach Spritreserve beträgt die Verweildauer vor Ort (vor allem, wenn nicht gelandet werden kann) maximal 15 min. In dieser Zeit muss der Patient minimal versorgt und für den Transport vorbereitet werden. Die definitive Versorgung findet in der Regel erst unterwegs im Hubschrauber statt, was bei einer angenehmen Stehhöhe, dem grossen Raumangebot und der recht ruhigen Maschine gut möglich ist. Die Art der Einsätze reicht neben Schiffsunglücken bis zu Unfällen auf Bohrinseln oder alltäglichen internistischen Notfälle auf Fährschiffen. Rettungsdienst Journal 02-2012 1 ­7


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Medizinische Ausstattung -

„Erstangriffsrucksack“ mit Ausstattung für die Erstversorgung incl. Airwaymanagement und Medikamenten „Zweitangriffsrucksack“ mit erweiterter Ausstattung, wie weiterem Schienungsmaterial Erste Hilfe-Rucksack Kindernotfalltasche Verbrennungsset Tasche mit Schienungsmaterial, u.a. mit KED, Beckengurt und Vakuumschienen Wärmetasche mit vorgewärmten Infusionen Philips HeartStart MRx Philips HeartStart FR2 AED Laerdal LSU Absaugpumpe Korbtrage, Spineboard, Vakuummatratze, Schaufeltrage, Bergesack div. Schienungsmaterial div. Rettungsmaterial

Statistik 2010 führten die 4 Coastguard-Hubschrauber 769 Einsätze durch Basis Shetland: pro Jahr ca. 120 Einsätze (Vergleich Stornoway: 200 Einsätze/Jahr) bis 31.05.2012 insgesamt 2345 Einsätze von der Basis Shetland bis 31.05.2012 48 Einsätze 2012 2012 bereits bis 31.05.2012 564 Flugstunden

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Verfasser: Tobias Weimann, Greifensee (Schweiz) Medical Services Weimann tobias.weimann@ms-w.net www.ms-w.net https://www.facebook.com/MedicalServicesWeimann https://twitter.com/MSWeimann


RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL Paramedic-Ausbildung Die modulare Ausbildung zum Paramedic dauert 3 Jahre und gliedert sich in vier Abschnitte: Level One: - Grundlagen des Rettungsdienstes - 3 Wochen Fahrerausbildung - 2 Wochen Rettungsdienstpraktikum unter Supervision - 6 Wochen praktische Ausbildung - weitere 150 Stunden Rettungsdienstpraktikum unter Supervision - Modul „erweiterte Patientenuntersuchung“ Level Two: - 12-monatige Tätigkeit im Rettungsdienst mit einem Mentor als Ansprechpartner - Erstellen eines Erfahrungs-Portfolios - weitere theoretische, praktische und Tätigkeitsbasierte Assessments Level Three: - weitere 12-monatige Tätigkeit im Rettungsdienst mit Anwendung aller bisher erlernten Massnahmen. Fortführung des Portfolios, Unterstützung durch einen Mentor. - Theoriemodule: Ethik und Recht, klinische Entscheidungen, klinische Qualitätssicherung und Forschung, Soziologie, Psychologie und Gesundheitsförderung Level Four: - 16-wöchiges Praktikum mit Anwendung aller für Paramedics üblichen Massnahmen, ausser Abgabe von BTMs - 4-wöchiges Praktikum und Vervollständigen des Portfolios - 1-wöchiger Kurs für die Arbeit als „single responder“ für die Arbeit auf einem fast response car. Ein grosser Teil der theoretischen Kenntnisse muss eigenständig erarbeitet werden. In den flexiblen Präsenzmodulen werden diese geprüft und praktisch vertieft.

Je nach Zustand des Patienten, sowie auch Landemöglichkeiten und Wetter wird das nächste für den Patienten geeignete Krankenhaus angeflogen. Qualitätssicherung Da der Hubschrauber in Shetland verhältnismässig wenige Einsätze hat, ist es schwierig, eine gewisse Routine zu erreichen und aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund werden fast täglich Trainingsflüge mit unterschiedlichen Aufgaben durchgeführt (z.B. Windenoperationen, spezielle Anflüge, Auβenlandungen). Die Paramedics nutzen die einsatzfreie Zeit, um sich fortzubilden und Skills zu üben. Aufgefallen ist mir die offene Kommunikation im Team. Jeder Einsatz wird nachbesprochen. Die Philosophie, dass jeder die Möglichkeit hat, aus Fehlern zu lernen und sich weiterentwickeln kann, hat sich in der Kultur verankert. Zusätzlich steht ein CIRS (Critical Incident Reporting System) zur Verfügung, das für die Meldung relevanter kritischer Zwischenfälle verwendet wird, von dem alle Coastguardmitarbeiter profitieren.

Weiterführende Links Offizielle Homepage der MCA: http://www.dft.gov.uk/mca/mcga07-home

Inoffizielle Homepage der Shetland http://www.shetlandcoastguard.co.uk

Coastguard:

Homepage mit Life-Anzeige der AIS-Infos: http://www.marinetraffic.com/ais/de/default.aspx

CHC Helicopter, der aktuelle Anbieter der Coastguard: www.chc.ca

Bristow, der Anbieter ab Juli 2013: http://www.bristowgroup.com

Im Artikel „HM Coastguard Shetland: Vier Jahreszeiten an einem Tag“ im ROTORBlatt 2/2008 werden einige Einsätze und der Alltag auf dem Hubschrauber beschrieben. Rettungsdienst Journal 02-2012 1 ­9


BERUFSPOLITIK Referentenentwurf der Bundesregierung Entwurf eines Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung des Hebammengesetzes A. Problem und Ziel Der Rettungsdienst ist im Rahmen der Gefahrenabwehr und der Gesundheitsvorsorge ein essentieller Bestandteil der staatlichen Daseinsvorsorge. Die Bürger der Bundesrepublik Deutschland haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine qualifizierte, bedarfsgerechte, hilfsfristorientierte und flächendeckende notfallmedizinische Hilfe auf dem aktuellen Stand von Wissen und Technik. Diesem Anspruch kann nur ein zukunftsorientiertes, leistungsgerechtes und an den Bedürfnissen der Hilfeersuchenden ausgerichtetes Rettungswesen gerecht werden. Im Rettungswesen arbeiten Ärzte und nichtärztliches Personal eng zusammen. Im nichtärztlichen Bereich sind sowohl Rettungshelfer, Rettungssanitäter wie auch Rettungsassistenten im Einsatz. Einzig die Ausbildung zum Rettungsassistenten ist dabei bundeseinheitlich im Rettungsassistentengesetz geregelt. Diese Berufsgruppe ist es auch, die neben den Notärztinnen und Notärzten die Hauptlast und die hauptsächliche Verantwortung im Rettungsdienst trägt. Ihre Qualifikation ist damit wesentliche Voraussetzung dafür, dass auch weiterhin eine fach- und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung durch den öffentlichen Rettungsdienst garantiert werden kann. Das derzeit geltende Rettungsassistentengesetz stammt aus dem Jahr 1989. Die darin geregelte Ausbildung ist den Anforderungen an einen modernen Rettungsdienst nicht mehr in ausreichendem Maße gewachsen. Die Novellierung der Ausbildung wird seit längerem für überfällig gehalten.

B. Lösung Der vorliegende Gesetzentwurf kommt der Forderung nach einer Neuregelung der Rettungsassistentenausbildung nach. Er greift umfänglich die vielfältigen Forderungen auf, die im Vorfeld an den Bundesgesetzgeber herangetragen worden sind. Das Ergebnis ist eine umfassend überarbeitete neue Ausbildung, die sich beginnend mit der Ausbildungsdauer, die von zwei auf drei Jahre verlängert wird, wesentlich von der bisherigen Ausbildung zum Beruf des Rettungsassistenten unterscheidet. Ein neu formuliertes Ausbildungsziel macht die moderne Aufgabenstellung des Berufs deutlich. Es konkretisiert das Tätigkeitsspektrum der Berufsangehörigen und entwickelt es anhand der Aufgaben, die auf den Rettungsdienst zukommen, weiter. Weitere Neuerungen betreffen die Berufsbezeichnung, die Vernetzung von theoretischem und praktischem Unterricht mit der praktischen Ausbildung sowie Einführung einer Ausbildungsvergütung. Im Übrigen entspricht der Gesetzentwurf den Strukturen anderer Ausbildungen im Bereich der Gesundheitsfachberufe.

C. Alternativen Keine.

D. Haushaltsausgaben ohne Erfüllungsaufwand E. Erfüllungsaufwand E.1 Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger werden im Rahmen der Abstimmung des Referentenentwurfs ermittelt

E.2 Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft werden im Rahmen der Abstimmung des Referentenentwurfs ermittelt

E.3 Erfüllungsaufwand der Verwaltung werden im Rahmen der Abstimmung des Referentenentwurfs ermittelt

F. Weitere Kosten werden im Rahmen der Abstimmung des Referentenentwurfs ermittelt

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BERUFSPOLITIK Referentenentwurf der Bundesregierung Entwurf eines Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung des Hebammengesetzes Vom ... Der Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrates das folgende Gesetz beschlossen: Artikel 1 Gesetz über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters*) (Notfallsanitätergesetz – NotSanG) Abschnitt1 Erlaubnis zumFühren der Berufsbezeichnung §1 Führen der Berufsbezeichnung (1) Wer die Berufsbezeichnung Notfallsanitäterin oder Notfallsanitäter führen will, bedarf der Erlaubnis. (2) Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, die Staatsangehörige eines Vertragsstaates des Europäischen Wirtschaftsraumes sind, führen die Berufsbezeichnung nachAbsatz 1 im Geltungsbereich dieses Gesetzes ohne Erlaubnis, sofern sie ihre Berufstätigkeit als vorübergehende und gelegentliche Dienstleistung im Sinne des Artikels 50 des EG-Vertrages im Geltungsbereich dieses Gesetzes ausüben. Sie unterliegen jedoch der Meldepflicht und Nachprüfung nach diesem Gesetz. Gleiches gilt für Drittstaaten und Drittstaatsangehörige, soweit sich hinsichtlich der Anerkennung von Ausbildungsnachweisen nach dem Recht der Europäischen Gemeinschaften eine Gleichstellung ergibt. §2 Voraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis (1) Eine Erlaubnis nach § 1 Absatz 1 ist auf Antrag zu erteilen, wenn die Antragstellerin oder der Antragsteller 1. die durch dieses Gesetz vorgeschriebene Ausbildungszeit abgeleistet und die staatliche Prüfung bestanden hat, 2. sich nicht eines Verhaltens schuldig gemacht hat, aus dem sich die Unzuverlässigkeit zur Ausübung des Berufs ergibt, 3. in gesundheitlicher Hinsicht zur Ausübung des Berufs geeignet ist und 4. über die für die Ausübung der Berufstätigkeit erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache verfügt. (

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Abschnitt2 Ausbildung §4 Ausbildungsziel (1) Die Ausbildung für Personen nach § 1 soll entsprechend dem allgemein anerkannten Stand rettungsdienstlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und teamorRettungsdienst Journal 02-2012 2 ­1


BERUFSPOLITIK ientierten Mitwirkung insbesondere bei der notfallmedizinischen Versorgung und dem Transport von Patientinnen und Patienten vermitteln. Dabei sind die unterschiedlichen situativen Einsatzbedingungen zu berücksichtigen. Auf die Lebenssituation, die jeweiligen Lebensphasen sowie die Selbständigkeit und Selbstbestimmung der Verletzten, Erkrankten und sonstigen Beteiligten ist zu achten. (2) Die Ausbildung nach Absatz 1 soll insbesondere dazu befähigen, 1. die folgende Aufgaben eigenverantwortlich auszuführen: a) Feststellen und Erfassen der Lage am Einsatzort und unverzügliche Einleitung notwendiger allgemeiner Gefahrenabwehrmaßnahmen, b) Beurteilen des Gesundheitszustandes, insbesondere Erkennen einer vitalen Bedrohung, bei verletzten und erkrankten Personen sowie Entscheiden über die Notwendigkeit der Nachforderung eines Notarztes, weiteren Personals, weiterer Rettungsmittel oder sonstiger ärztlicher Hilfe sowie Umsetzen der erforderlichenMaßnahmen, c) Durchführen angemessener medizinischer Maßnahmen der Erstversorgung bei Patientinnen und Patienten im Notfalleinsatz und dabei Anwenden von in der Ausbildung erlernten und beherrschten, auch invasiven Maßnahmen, um bei Vorliegen eines lebensgefährlichen Zustandes oder bei zu befürchtenden wesentlichen Folgeschäden einer Verschlechterung der Situation der Patientinnen und Patienten bis zum Eintreffen des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung vorzubeugen, d) angemessenes Umgehen mit Menschen in Notfall- und Krisensituationen, e) Herstellen und Sichern der Transportfähigkeit der Patientinnen und Patienten im Notfalleinsatz, f) Auswählen des geeigneten Transportzielortes und Überwachen des medizinischen Zustandes und seines Verlaufs bei den Patientinnen und Patienten während des Transports, g) sachgerechtes Übergeben der Patientinnen und Patienten in die ärztliche Weiterbehandlung einschließlich Beschreiben und Dokumentieren ihres medizinischen Zustandes und dessen Verlaufs, h) Kommunizieren mit am Einsatz beteiligten oder zu beteiligenden Personen, Institutionen oder Behörden, i) Durchführen von qualitätssichernden und organisatorischen Maßnahmen im Rettungsdienst sowie Dokumentieren der angewendeten notfallmedizinischen und einsatztaktischen Maßnahmen und j) Sicherstellen der Einsatz- und Betriebsfähigkeit der Rettungsmittel einschließlich Beachten der Hygienevorschriften und rechtlichen Arbeits- und Unfallschutzvorschriften, 2. die folgende Aufgaben im Rahmen der Mitwirkung auszuführen: a) Assistieren bei der ärztlichen Notfall- und Akutversorgung von Patientinnen und Patienten im Rettungseinsatz, b) eigenständiges Durchführen ärztlich veranlasster Maßnahmen bei Patientinnen und Patienten im Notfalleinsatz und c) eigenständiges Durchführen von heilkundlichen Maßnahmen, die vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst oder entsprechend verantwortlichen Ärztinnen oder Ärzten standardmäßig zu bestimmten notfallmedizinischen Zustandsbildern und – situationen vorgegeben, überprüft und verantwortet werden, 3. mit anderen Berufsgruppen und Menschen am Einsatzort, beim Transport und der Übergabe unter angemessener Berücksichtigung der Gesamtlage vom individualmedizinischen Einzelfall bis zum Großschadens- und Katastrophenfall patientenorientiert zusammenzuarbeiten.

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BERUFSPOLITIK §5 Dauer und Struktur der Ausbildung (1) Die Ausbildung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter schließt mit der staatlichen Prüfung ab; sie dauert unabhängig vom Zeitpunkt der staatlichen Prüfung in Vollzeitform drei Jahre, in Teilzeitform höchstens fünf Jahre. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht und einer praktischen Ausbildung. (2) Der Unterricht wird in staatlich anerkannten Schulen vermittelt. In den Ländern, in denen die Ausbildungen nach diesem Gesetz dem Schulrecht unterliegen, erfolgt die Genehmigung der Schulen nach dem Schulrecht der Länder und nach Maßgabe von Absatz 3. Die praktische Ausbildung wird an einer genehmigten Lehrrettungswache und an geeigneten Krankenhäusern durchgeführt. (3) Die staatliche Anerkennung der Schulen nach Absatz 2 Satz 1 und die Genehmigung von Lehrrettungswachen nach Absatz 2 Satz 3 erfolgt durch die zuständige Behörde. Schulen werden anerkannt, wenn sie folgende Mindestanforderungen erfüllen: 1. Hauptberufliche Leitung der Schule durch eine entsprechend qualifizierte Fachkraft mit einer abgeschlossenen Hochschulausbildung, 2. Nachweis einer im Verhältnis zur Zahl der Ausbildungsplätze ausreichenden Zahl fachlich und pädagogisch qualifizierter Lehrkräfte mit entsprechender, abgeschlossener Hochschulausbildung für den theoretischen und praktischen Unterricht, 3. Vorhaltung der für die Ausbildung erforderlichen Räume und Einrichtungen sowie ausreichender Lehr- und Lernmittel, 4. Sicherstellung der Durchführung der praktischen Ausbildung nach der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter durch Vereinbarungen mit Einrichtungen nach Absatz 2 Satz 3, die von der zuständigen Behörde für die Durchführung von Teilen der praktischen Ausbildung genehmigt (Lehrrettungswache) oder als geeignet beurteilt (Krankenhäuser) werden. Über Satz 2 hinausgehende, landesrechtliche Regelungen bleiben unberührt. Die Länder können durch Landesrecht das Nähere zu den Mindestanforderungen nach Satz 2 bestimmen. (4) Die Landesregierungen können durch Rechtsverordnung Regelungen zur Beschränkung der Hochschulausbildung nach Absatz 3 Satz 2 Nummer 1 und 2 auf bestimmte Hochschularten und Studiengänge treffen. (5) Die Gesamtverantwortung für die Organisation und Koordination des theoretischen und praktischen Unterrichts und der praktischen Ausbildung entsprechend dem Ausbildungsziel trägt die Schule. Die Schule unterstützt die praktische Ausbildung durch Praxisbegleitung. Die Praxisanleitung ist durch die Einrichtungen nach Absatz 2 Satz 3 sicherzustellen. (6) Zur Erprobung von Ausbildungsangeboten, die der Weiterentwicklung des Berufs des Notfallsanitäters im akademischen Bereich unter Berücksichtigung der berufsfeldspezifischen Anforderungen sowie moderner berufspädagogischer Erkenntnisse dienen sollen, können die Länder von Absatz 2 Satz 1 abweichen. Abweichungen von der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter sind nur zulässig, soweit sie den theoretischen und praktischen Unterricht in § 1 Absatz 1 Satz 1 sowie die Anlage 1 der Verordnung betreffen. Im Übrigen gilt die Verordnung unverändert mit der Maßgabe, dass an die Stelle der Schule die Hochschule tritt. Durch die Erprobungdarf das Erreichen des Ausbildungsziels nicht gefährdet werden. Die Vereinbarkeit der Ausbildung mit der Richtlinie 2005/36/EG ist zu gewährleisten. (7) Ziele, Dauer, Art und allgemeine Vorgaben zur Ausgestaltung der Modellvorhaben sowie die Bedingungen für die Teilnahme sind jeweils von den Ländern festzulegen. Die Länder stellen jeweils eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung der Modellvorhaben im Hinblick auf die Erreichung der Ziele sicher. Diese erfolgt auf der Grundlage von Richtlinien, die das Bundesministerium für Gesundheit am 19. November 2009 im Amtlichen Teil des Bundesanzeigers Rettungsdienst Journal 02-2012 2 ­3


BERUFSPOLITIK (Bundesanzeiger 02111_1 Seite 1) bekannt gemacht hat. Die Länder übermitteln dem Bundesministerium für Gesundheit die Ergebnisse der Auswertung. §6 Voraussetzungen für den Zugang zur Ausbildung Voraussetzung für den Zugang zu einer Ausbildung nach diesem Gesetz ist, 1. dass die Bewerberin oder der Bewerber in gesundheitlicher Hinsicht zur Ausübung des Berufs nach § 2 Absatz 1 Nummer 3 geeignet ist und, 2. im Falle einer Ausbildung nach § 5 Absatz 1, der Realschulabschluss oder eine andere gleichwertige, abgeschlossene Schulbildung oder eine nach Hauptschulabschluss oder einer gleichwertigen Schulbildung erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zweijähriger Dauer, im Falle einer Ausbildung nach § 5 Absatz 6 der Nachweis der Hochschulzugangsberechtigung.

.....)

(

Abschnitt3 Ausbildungsverhältnis § 10 Ausbildungsvertrag (1) Zwischen dem Träger der Ausbildung und der Schülerin oder dem Schüler ist ein schriftlicher Ausbildungsvertrag nach Maßgabe der Vorschriften dieses Abschnitts zu schließen. (2) Der Ausbildungsvertrag muss mindestens enthalten 1. die Bezeichnung des Berufs, zu dem nach den Vorschriften dieses Gesetzes ausgebildet wird, 2. den Beginn und die Dauer der Ausbildung, 3. Angaben über die der Ausbildung zugrunde liegende Ausbildungs- und Prüfungsverordnung sowie über die inhaltliche und zeitliche Gliederung der praktischen Ausbildung, 4. die Dauer der regelmäßigen täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit, 5. die Dauer der Probezeit, 6. Angaben über Zahlung und Höhe der Ausbildungsvergütung, 7. die Dauer des Urlaubs und 8. die Voraussetzungen, unter denen der Ausbildungsvertrag gekündigt werden kann. (3) Der Ausbildungsvertrag ist von einer Person, die zur Vertretung des Trägers der Ausbildung berechtigt ist, und der Schülerin oder dem Schüler, bei Minderjährigen auch von deren gesetzlichen Vertretern zu unterzeichnen. Eine Ausfertigung des unterzeichneten Ausbildungsvertrages ist der Schülerin oder dem Schüler und deren gesetzlichen Vertretern auszuhändigen. (4) Änderungen des Ausbildungsvertrages bedürfen der Schriftform.

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BERUFSPOLITIK § 11 Pflichten des Trägers der Ausbildung (1) Der Träger der Ausbildung hat 1. die Ausbildung in einer durch ihren Zweck gebotenen Form planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel (§ 4) in der vorgesehenen Zeit erreicht werden kann und 2. der Schülerin und dem Schüler kostenlos die Ausbildungsmittel einschließlich der Fachbücher, Instrumente und Apparate zur Verfügung zu stellen, die zur Ausbildung und zum Ablegen der staatlichen Prüfung erforderlich sind. (2) Den Schülerinnen und Schülern dürfen nur Verrichtungen übertragen werden, die dem Ausbildungszweck und dem Ausbildungsstand entsprechen; sie sollen ihren physischen und psychischen Kräften angemessen sein. § 12 Pflichten der Schülerin und des Schülers Die Schülerin und der Schüler haben sich zu bemühen, die in § 4 genannten Kompetenzen zu erwerben, die erforderlich sind, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Sie sind insbesondere verpflichtet, 1. an den vorgeschriebenen Ausbildungsveranstaltungen teilzunehmen, 2. die ihnen im Rahmen der Ausbildung übertragenen Aufgaben und Verrichtungen sorgfältig auszuführen und 3. die für Beschäftige in Einrichtungen nach § 5 Absatz 2 Satz 3 geltenden Bestimmungen über die Schweigepflicht einzuhalten und über Betriebsgeheimnisse Stillschweigen zu wahren. § 13 Ausbildungsvergütung (1) Der Träger der Ausbildung hat der Schülerin und dem Schüler eine angemessene Ausbildungsvergütung zu gewähren. (2) Sachbezüge können in der Höhe der durch Rechtsverordnung nach § 17 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch bestimmten Werte angerechnet werden, jedoch nicht über 75 Prozent der Bruttovergütung hinaus. Können die Schülerin und der Schüler während der Zeit, für welche die Ausbildungsvergütung fortzuzahlen ist, aus berechtigtem Grund Sachbezüge nicht abnehmen, so sind diese nach den Sachbezugswerten abzugelten. (3) Eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung ist nur ausnahmsweise zulässig und besonders zu vergüten. § 14 Probezeit Das Ausbildungsverhältnis beginnt mit der Probezeit. Die Probezeit beträgt sechs Monate. § 15 Ende des Ausbildungsverhältnisses (1) Das Ausbildungsverhältnis endet mit Ablauf der Ausbildungszeit. (2) Besteht die Schülerin oder der Schüler die staatliche Prüfung nicht oder kann sie oder er Rettungsdienst Journal 02-2012 2 ­5


BERUFSPOLITIK ohne eigenes Verschulden die staatliche Prüfung vor Ablauf der Ausbildungszeit nicht ablegen, so verlängert sich das Ausbildungsverhältnis auf ihren oder seinen schriftlichen Antrag bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, höchstens jedoch um ein Jahr.

.....)

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Bußgeldvorschriften § 24 Ordnungswidrigkeiten (1) Ordnungswidrig handelt, wer 1. ohne Erlaubnis nach § 1 die Berufsbezeichnung „Notfallsanitäterin“ oder „Notfallsanitäter“ oder 2. entgegen § 26 die Berufsbezeichnung „Rettungsassistentin“ oder „Rettungsassistent“ führt. (2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu dreitausend Euro geahndet werden. Abschnitt3 Anwendungs-undÜbergangsvorschriften § 25 Nichtanwendung des Berufsbildungsgesetzes Für die Ausbildung zu dem in diesem Gesetz geregelten Beruf findet das Berufsbildungsgesetz keine Anwendung. § 26 Weitergelten der Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung „Rettungsassistentinnen“ und „Rettungsassistenten“, die eine Erlaubnis nach dem Rettungsassistentengesetz vom 10. Juli 1989 (BGBl. I S. 1384), das zuletzt durch Artikel 19 des Gesetzes vom 2. Dezember 2007 (BGBl. I S. 2686) geändert worden ist, besitzen, dürfen die Berufsbezeichnung weiterführen. Die Berufsbezeichnung „Rettungsassistentin“ oder „Rettungsassistent“ darf nur unter den Voraussetzungen des Satzes 1 geführt werden. § 27 Weitergeltung staatlicher Anerkennungen von Schulen (1) Schulen entsprechend § 5 Absatz 2 Satz 1, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes auf Grund des Rettungsassistentengesetzes vom 10. Juli 1989 (BGBl. I S. 1384), das zuletzt durch Artikel 19 des Gesetzes vom 2. Dezember 2007 (BGBl. I S. 2686) geändert worden ist, die staatliche Anerkennung erhalten haben, gelten weiterhin als staatlich anerkannt nach § 5 Absatz 2 und 3, sofern die Anerkennung nicht zurückgenommen wird. Die Anerkennung ist zurückzunehmen, falls das Vorliegen der Voraussetzungen nach § 5 Absatz 3 Satz 2 Nummer 1 und 2 nicht innerhalb von fünf Jahren nach dem Inkrafttreten des Gesetzes nachgewiesen wird. Sie ist ferner zurückzunehmen, wenn zum Zeitpunkt des Startes des ersten nach Inkrafttreten dieses Gesetzes startenden Ausbildungsjahres die Voraussetzung nach § 5 Absatz 3 Satz 2 Nummer 4 nicht sichergestellt ist. (2) Die Voraussetzungen des § 5 Absatz 3 Satz 2 Nummer 1 und 2 gelten als erfüllt, wenn als Schulleitung oder Lehrkräfte Personen eingesetzt werden, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes eine Schule leiten oder als Lehrkräfte an einer Schule unterrichten oder an einer entsprechenden Weiterbildung teilnehmen und diese innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten dieses Gesetzes abschließen.

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BERUFSPOLITIK § 28 Übergangsvorschriften (1) Eine Ausbildung zur Rettungsassistentin oder zum Rettungsassistenten, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes nach dem Rettungsassistentengesetzes vom 10. Juli 1989 (BGBl. I S. 1384), das zuletzt durch Artikel 19 des Gesetzes vom 2. Dezember 2007 (BGBl. I S. 2686) geändert worden ist, begonnen worden ist, wird nach den bisher geltenden Vorschriften abgeschlossen. Nach Abschluss der Ausbildung erhält der Antragsteller, wenn die Voraussetzungen des § 2 Absatz 1 Nummer 2 und 3 vorliegen, die Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung „Rettungsassistentin“ oder „Rettungsassistent“. (2) Wer bei Inkrafttreten dieses Gesetzes eine mindestens fünfjährige Tätigkeit im Beruf des Rettungsassistenten nachweist, erhält bei Vorliegen der Voraussetzungen des § 2 Absatz 1 Nummer 2 und 3 die Erlaubnis nach § 1, wenn er innerhalb von fünf Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes die staatliche Ergänzungsprüfung erfolgreich ablegt. Satz 1 gilt entsprechend für Personen, die bei Inkrafttreten des Gesetzes 1. eine mindestens dreijährige Tätigkeit im Beruf des Rettungsassistenten nachweisen und die zur Vorbereitung auf die Ergänzungsprüfung an einer weiteren Ausbildung von drei Monaten Dauer teilgenommen haben oder 2. eine geringere als eine dreijährigen Tätigkeit im Beruf des Rettungsassistenten nachweisen und zur Vorbereitung auf die Ergänzungsprüfung an einer weiteren Ausbildung von sechs Monaten Dauer teilgenommen haben. Personen nach Satz 2 Nummer 1 oder 2, die sich keiner weiteren Ausbildung unterziehen, erhalten bei Vorliegen der Voraussetzungen des § 2 Absatz 1 Nummer 2 und 3 die Erlaubnis nach § 1, wenn sie innerhalb von fünf Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes die staatliche Prüfung erfolgreich ablegen.

Begründung B. Besonderer Teil Zu § 4 Die Vorschrift beschreibt das Ausbildungsziel und damit den staatlichen Ausbildungsauftrag an die Notfallsanitäterschulen und die Einrichtungen der praktischen Ausbildung. Der Ausbildungsauftrag besteht kraft Gesetzes und ist damit Gegenstand eines jeden Vertrages, der zwischen den Schülerinnen und Schülern auf der einen Seite und den Trägern der Ausbildung auf der anderen Seite geschlossen wird. Letztere sind verpflichtet, den Ausbildungsauftrag nach den Vorgaben des Gesetzes und der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung nach § 9 zu erfüllen. Die Konkretisierung und Weiterentwicklung des Ausbildungsziels im Vergleich zum bisher geltenden Rettungsassistentengesetz entspricht den aus den veränderten Rahmenbedingungen im Rettungsdienst resultierenden neuen Anforderungen an den Beruf. Sie erfüllt zudem im Rahmen der Gesetzgebungskompetenz des Bundes nach Artikel 74 Absatz 1 Nummer 19 GG die Forderungen des im Rettungsdienst tätigen Personals nach mehr Rechtssicherheit vor allem in kritischen Einsätzen. Absatz 1 Satz 1 beschreibt dazu den maßgeblichen Tätigkeitsbereich des Berufs im Sinne des Gesetzes sowie die in der Ausbildung zu entwickelnden Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler am Ende der Ausbildung in die Lage versetzen, diese Aufgaben sicher zu übernehmen. Die Ausbildung hat zudem entsprechend dem allgemeinen Stand rettungsdienstlicher und medizinischer Erkenntnisse sowie den in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung nach § 9 näher konkretisierten bezugswissenschaftlichen Erkenntnissen zu erfolgen. Rettungsdienst Journal 02-2012 2 ­7


BERUFSPOLITIK Die Sätze 2 und 3 machen deutlich, dass die auf die angemessene Versorgung der Patientinnen und Patienten ausgerichtete rettungsdienstliche Tätigkeit einen umfassenden Ansatz verfolgt, bei dem auch die situativen Rahmenbedingungen des jeweiligen Einsatzes und das persönliche Umfeld des Betroffenen und der in sonstiger Weise Beteiligten zu berücksichtigen sind. In Absatz 2 werden die Aufgaben näher beschrieben, die für den Beruf des Notfallsanitäters charakteristisch sind. Die Ausbildung soll daher insbesondere dazu befähigen, am Ende der Ausbildung diese Tätigkeiten durchführen zu können. Die Aufzählung ist nicht abschließend. Unter Nummer 1 werden die Aufgaben benannt, die den Kernbereich der rettungsdienstlichen Tätigkeiten darstellen und die die Notfallsanitäterin oder der Notfallsanitäter eigenständig, das heißt ohne Beteiligung anderer Berufsgruppen wie zum Beispiel auch Ärzten, ausführt. Dabei sind insbesondere die Buchstaben b und c von grundlegender Bedeutung. Sie beschreiben die Aufgaben, die von der Notfallsanitäterin oder vom Notfallsanitäter im Einsatz bei der Versorgung der Patientinnen und Patienten eigenständig durchgeführt werden müssen und bilden damit eine inzidente Rechtsgrundlage für deren Tätigkeit. Dies soll insbesondere zu mehr Rechtssicherheit bei der Übernahme heilkundlicher Aufgaben beitragen, die bisher unter den Voraussetzungen der Notkompetenz diskutiert werden. Dabei ist Buchstabe b als Grundvorschrift anzusehen. Im Regelfall ist die Notfallsanitäterin oder der Notfallsanitäter als Erster am Einsatzort und hat dort den Gesundheitszustand der betroffenen Personen im Sinne einer Ersteinschätzung zu beurteilen. Dabei muss sie oder er insbesondere in der Lage sein, eine vitale Bedrohung erkennen zu können. Deswegen wird hierauf in der Formulierung besonders hingewiesen. Auf Grund seiner Einschätzung hat sie oder er dann zu entscheiden, welche weiteren Maßnahmen zu ergreifen sind. Hierzu gehört insbesondere das Nachfordern des Notarztes, wenn dieser nicht bereits anhand des Kriterienkatalogs für den Notarzteinsatz, den die Rettungsleitstelle bei der Annahme und Bearbeitung der Meldung eines Notfalls zu prüfen hat, mit alarmiert wurde. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Notfallsanitäterin oder der Notfallsanitäter, der an einen Einsatzort geschickt wird, die Information über die erfolgte oder nicht erfolgte Alarmierung des Notarztes mit seiner Einsatzinformation erhält. Die Frage der Nachforderung stellt sich daher nur, wenn die Leitstelle auf Grund der ihr vorliegenden Informationen die Erforderlichkeit der Anwesenheit eines Notarztes nicht zutreffend beurteilt hat. Die entsprechenden Überlegungen gelten für die Frage der Notwendigkeit weiteren Personals, weiterer Rettungsmittel oder sonstiger ärztlicher Hilfe wie zum Beispiel eines Bereitschaftsarztes oder Hausarztes. Umgekehrt kann es auch erforderlich sind, den Notarzt oder andere Hilfen wieder abzubestellen. Die Notfallsanitäterin oder den Notfallsanitäter mit den genannten Aufgaben eigenständig zu betrauen, ist nicht nur wegen ihrer oder seiner beruflichen Qualifikation und den entsprechenden Kompetenzen gerechtfertigt, zu deren Übernahme die Ausbildung befähigt. Die Übernahme der dargestellten Verantwortung ist auch Bestandteil eines modernen Berufsbildes mit umfassendem Verständnis einer verantwortungsbewussten Berufsausübung. Sie dient außerdem dazu, den Rettungsdienst ressourcenschonend einzusetzen und gegebenenfalls unnötige Kosten zu vermeiden. In Buchstabe c werden dann die Maßnahmen geregelt, die die Notfallsanitäterin oder der Notfallsanitäter auf Grund ihrer oder seiner Ersteinschätzung, die im Sinne einer Arbeitsdiagnose zu verstehen ist, durchzuführen hat. Mit seiner Arbeitsdiagnose ersetzt sie oder er dabei nicht die auch weiterhin erforderliche und wesentlich umfangreichere ärztliche Diagnose. Die Arbeitsdiagnose soll die Notfallsanitäterin oder den Notfallsanitäter lediglich in die Lage versetzen, über die zunächst angemessenen und unverzichtbaren medizinischen Maßnahmen der Erstversorgung zu entscheiden und diese anzuwenden. In besonderen Fällen, deren Voraussetzungen ebenfalls in Buchstabe c beschrieben sind, werden die Anforderungen an den Umfang der Tätigkeiten, die die Notfallsanitäterin oder der Notfallsanitäter üblicherweise im Rahmen der Erstversorgung durchführt, erweitert. Dann wird von ihr oder ihm erwartet, dass sie oder er die invasiven Maßnahmen anwendet, die sie oder er in der Ausbildung erlernt hat und entsprechend beherrscht. Dabei handelt es sich in der Regel um heilkundliche Tätigkeiten, die eigentlich vom Arzt selbst erbracht oder veranlasst werden müssten. In Fällen, in denen der Arzt aber nicht rechtzeitig anwesend ist und einer der beschriebenen Notfälle vorliegt, übernimmt die Notfall-

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BERUFSPOLITIK sanitäterin oder der Notfallsanitäter die Aufgabe das zu tun, was notwendig ist, um das Leben des Patienten zu retten oder wesentlichen Folgeschäden vorzubeugen, die durch Verzögerungen von Hilfeleistungen drohen. Diese Befugnisse, die der Übernahme heilkundlicher Aufgaben entsprechen, sind zeitlich befristet. Sie bestehen nur bis zum Eintreffen einer notärztlichen oder sonstigen ärztlichen Versorgung. Voraussetzung für die Übernahme der heilkundlichen Tätigkeiten ist, dass sich die Patientin oder der Patient in einem lebensgefährlichen Zustand befindet oder dass wesentliche Folgeschäden zu befürchten sind, wenn keine unmittelbare Versorgung erfolgt. Zeitlich heißt das, dass die Patientin oder der Patient in einem solch bedrohlichen Zustand ist, dass ihm die Wartezeit bis zum Eintreffen ärztlicher Hilfe nicht zugemutet werden kann und auch eine telefonische oder sonstige kurzfristig erreichbare Rückkopplung mit einem Arzt nicht möglich ist. Der Gesetzgeber kommt mit der Regelung der Forderung der rettungsdienstlichen Praxis nach mehr Rechtssicherheit für die Notfallsanitäterin oder den Notfallsanitäter insbesondere im Fall des rechtfertigenden Notstandes nach. Die für den dargestellten schmalen zeitlichen Rahmen vorgesehene Substitution ärztlicher Tätigkeiten durch Notfallsanitäterinnen oder Notfallsanitäter ist aber auch auf Grund einer Güterabwägung zwischen den Interessen der Patientinnen und Patienten an der schnellstmöglichem und gegebenenfalls lebensrettenden Versorgung und dem Interesse, den Heilkundevorbehalt des Arztes zu genügen, gerechtfertigt. Außerhalb der für die vom Gesetzgeber genannten Notfälle werden Notfallsanitäterinnen oder Notfallsanitäter bei der Durchführung heilkundlicher Tätigkeiten wie üblich nur auf Veranlassung eines Arztes tätig. Die Ausbildungszielbeschreibung umfasst in allen Fällen der Nummer 1 nur die Mindestanforderungen an die Ausbildung und hebt dabei die Kernbereiche der beruflichen Aufgaben hervor, um sicherzustellen, dass die zu ihrer Ausübung erforderlichen Kompetenzen in der Ausbildung vermittelt werden. Sie schließt daher nicht aus, dass Kenntnisse und Fähigkeiten in Bereichen zum Gegenstand der Ausbildung werden, die die Tätigkeit im Rettungsdienst mit umfasst, ohne dass sie besondere Erwähnung finden. Hierzu zählen zum Beispiel auch Tätigkeiten im Krankentransport. Nummer 2 bezieht sich auf diejenigen Aufgaben, bei denen im Rahmen der Mitwirkung an der ärztlichen Versorgung heilkundliche Tätigkeiten durch die Notfallsanitäterin oder den Notfallsanitäter ausgeübt werden sollen. Hierbei werden die unterschiedlichen Situationen am Einsatzort berücksichtigt. Buchstabe a regelt das Assistieren bei ärztlicher Anwesenheit, Buchstabe b das eigenständige Durchführen von Maßnahmen bei ärztlicher Anwesenheit und Buchstabe c berücksichtigt die Vorgaben, die der Ärztliche Leiter Rettungsdienst oder ein in vergleichbarer Verantwortung stehender Arzt die Notfallsanitäterin oder den Notfallsanitätern, für die er verantwortlich ist, für den Einsatz mit der Maßgabe erstellt hat, diese entsprechend anzuwenden. Durch die Aufgabenbeschreibung in Nummer 3 wird die zunehmende Bedeutung der Zusammenarbeit in multiprofessionellen Gesundheitsteams mit anderen Gesundheitsfachberufen und weiteren Berufsgruppen aber auch sonstigen Beteiligten betont.

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Den kompletten Entwurf des Notfallsanitätergesetzes (NotSanG) finden Sie auf unserer website: www.bvrd.org - Downloads, dort unter Gesetze / Gesetzestexte - Entwurf eines Notfallsanitätergesetzes: Anlage 2 - Unterricht + Anlage 3 - Lehrrettungswache + Anlage 4 Klinik + Anlage 5 - allgemeine Anforderungen + Anlage 6 - Auszug VO Anerkennungsverfahren + NotSanGE - Stand 24-05-12. Ferner finden Sie dort die Stellungnahme des BVRD. ­9 Rettungsdienst Journal 02-2012 2


BERUFSPOLITIK Stellungnahme des BVRD zum Referentenentwurf der Bundesregierung vom 25. Mai 2012 für ein Gesetz über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters Zunächst möchten wir betonen, dass wir, der älteste und größte Berufsverband des nicht-ärztlichen Rettungsfachpersonals, den Referentenentwurf, der am 25. Mai vorgelegt wurde, begrüßen. Insgesamt betrachtet kann der Referentenentwurf – aus unserer Perspektive betrachtet – nur als gelungen bezeichnet werden. Insbesondere das Ausbildungsziel (§ 4), die Dauer und die Struktur der Ausbildung (§ 5 I – V), die Modellklausel (§ 5 VI, VII) sowie die für den Zugang zur Ausbildung festgeschriebene Allgemeinbildung, der Realschulabschluss, (§ 6 Nr. 2) sind geeignet, um die Ausbildung wesentlich zu verbessern. Zur Regelung in § 4 II 1 c, die von verschiedenen ärztlichen Interessenverbänden abgelehnt wird, möchten wir folgendes anmerken: Diese Regelung umreißt lediglich das, was ein Rettungssanitäter, ein Rettungsassistent und künftig ein Notfallsanitäter – das Greifen von §§ 1 und 5 Heilpraktikergesetz, das hinsichtlich einer Tätigkeit im Rettungsdienst ohnehin umstritten ist, angenommen – aufgrund von Vorschriften im Strafgesetzbuch ohnehin DARF (§ 34 StGB) bzw. MUSS (§ 13 StGB i.V. Landesrettungsdienstgesetz). Gegenüber der sehr abstrakten Rege-lung im Strafgesetzbuch, die für Nicht-Juristen kaum verständlich ist, ist die Formulierung in § 4 II 1 c im Entwurf wesentlich konkreter und schafft deshalb auch mehr Rechtssicherheit. Wer diese Regelung ablehnt, der verkennt die Realität im Rettungsdienst und die Rechtslage in der Bundesrepublik. Verschiedene Passagen in der Begründung (Seite 20 ff.) bzw. deren Formulierung dagegen sind für uns nicht annehmbar: Seite 22, Abs. 5, Satz 2 ff. (Bisher können Rettungsassistentinnen ...): Das BMG übersah bei der Formulierung offenbar, dass die im Entwurf niedergeschriebene Auffassung lediglich eine Auffassung unter mehreren ist, die inzwischen zur „Mindermeinung“ geworden ist. Nicht nur Abhandlungen und wissenschaftliche Arbeiten von Juristen, auch Entscheidungen von Gerichten haben einen anderen Tenor. Einen Überblick über das Meinungsspektrum dazu gibt der Aufsatz von NADLER in: BrandSchutz 2009, 487 – 491. Richtiger wäre es in der Begründung an dieser Stelle die Rechtsunsicherheit aufgrund der unterschiedlichen Auffassungen und die daraus resultierenden Verzögerungen bei der Versorgung von Notfallpatienten zu betonen. Die gegenwärtige Formulierung kommt einem „Verdrehen der Rechtslage“ gleich. Seite 22, Abs. 5, Satz 6 (Der Anspruch ... Hinzuziehung einer Notärztin oder eines Notarztes zwingend): Aus der Rechtslage ergib sich bisher kein genereller Anspruch auf notärztliche Versorgung, auch wenn dies durch verschiedene Autoren, wohl durch eine Fehlinterpretation einer BGH-Entscheidung aus dem Jahr 1993 bedingt, in den letzten Jahren immer wieder so publiziert wurde. Vielmehr kann sich im Einzelfall eine Verpflichtung zur Hinzuziehung einer Notärztin oder eines Notarztes aus dem Strafgesetzbuch ergeben. An einem „notarztfreien Rettungsdienst“ hat, um Missverständnissen vorzubeugen, auch der BVRD gegenwärtig kein Interesse. Die Formulierung des zweiten Halbsatzes ist aber geeignet um nach Inkrafttreten des Gesetzes mit dieser Begründung diverse weitere Probleme zu schaffen. Zudem ist diese Formulierung verfassungsrechtlich bedenklich, da dem Bund als Gesetzgeber bezüglich der Organisation des Rettungswesens und der Berufsausübung der Gesundheitsfachberufe die Kompetenz zur Gesetzgebung fehlt. Insofern sollte Satz 6 komplett gestrichen werden. Als Alternative könnten wir uns vorstellen – und das ist wohl auch der tiefere Sinn – zu betonen, dass durch diese Regelung der Notfallsanitäterin und dem Notfallsanitäter die „eigenverantwortliche Ausübung er Heilkunde nicht gestattet“ wird. Abschließend möchten wir anmerken, daß aus unserer Sicht der Auszubildende, spätestens dann, wenn er im Rettungsdienst zum Einsatz kommt, das 18. Lebensjahr vollendet haben muss. Zur Begründung möchten wir die allgemeine Reife und den Schutz von Minderjährigen vor zu starken psychischen Belastungen anführen. Wir geben zu bedenken, daß sich die Situation im Rettungsdienst wesentlich von der in Kliniken und Pflegeheimen unterscheidet, insbesondere kann beispielsweise bei einem Rettungsdiensteinsatz auf der Autobahn der Auszubildende nicht einfach aus dem Zimmer geschickt werden, wenn ihn die Situation zu stark belastet. Eine anderweitige Regelung würde nach unserer Auffassung gegen EU-Recht bzw. der EU-Richtlinie über den Jugendarbeitsschutz verstoßen. Lich, 20.06.2012 Der Vorstand

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Und es geht noch größer...

12. RETTmobil 2012

Nun ist das diesjährige Großereignis die 12. RETTmobil auch schon wieder vorbei. Vom 09.-11. Mai 2012 trafen sich auf der dreitägigen Leitmesse für Rettung und Mobilität auf dem Gelände der Galerie Fulda 23.320 Fachbesucher. Auch dieses Jahr stieg die Besucherzahl wieder um fast 1.500 zum Vorjahr. Der größte Ansturm wurde mit 8.420 Besuchern am Donnerstag verzeichnet. Für die Veranstalter und Aussteller war es sehr erfreulich zu sehen dass die Messe in den letzten Jahren so an Interesse und Internationalität zugenommen hat. So kamen dieses Jahr erstmalig auch Besucher aus Japan nach Fulda. Fast 75 Prozent der Aussteller reservierten oder buchten bereits jetzt für die nächste RETTmobil. Anziehungspunkte neben den Ausstellern der 17 Hallen waren der gut besuchte Offroad Bereich mit diversen geländegängigen Fahrzeugen, Realcrashs mit Stuntmen in präparierten Autos, Vorführungen verschiedener Einsatzszenarien der Feuerwehr und Fortbildungsveranstaltungen sowie Workshops, die erneut sehr gut besucht und zum Teil ausgebucht waren.

und Rheinmetall umgesetzt. Für den medizinischen Ausbau der San Ausführung wurde die Firma Binz/Illmenau beauftragt die das Fahrzeug mit drei Behandlungsplätzen sowie dem dazugehörenden med. Equipment ausstattete. Der “GTK Boxer“ als Grundfahrzeug wurde mit drei verschiedenen Aufbauvarianten so genannten Missionsmodulen konzipiert und verfügt über eine Heckrampe. Bereits seit 2011 ist der Boxer mit “Infanterie“ Modul in Afghanistan im Einsatz. Des Weiteren wurde das “Führungsmodul“ sowie das hier gezeigte “San“ Modul mit 1,80 m Innenstehhöhe entwickelt. Sieben Fahrzeuge der “San“ Version befinden sich gerade im Bau bzw. sind zur Einweisung/Ausbildung der Fahrer, Fahrzeugkommandanten sowie der med. Besatzung in Feldkirchen. Das Fahrzeug hat einen Wendekreis von lediglich 21 Metern (Radseitenlenkbremse) und ist rund um das Fahrzeug mit einem Kamera/Monitor Sichtsystem ausgestattet das vom Fahrzeugkommandanten (RA) bedient wird.

Die Bundeswehr vom 2.Sanitätslehrregiment Feldkirchen (Bayern) stellte den Besuchern das neuste und schwer gepanzerte SanKfz “Boxer“ vor. Das äußerst geländegängige 8 Rad Kfz mit einer Höchstgeschwindigkeit von 103km/h und 720PS ist zur Rettung Verwundeter aus dem Gefecht mit hoher Intensität entwickelt worden. Als Nachfolger für den Kettenpanzer M113 SanKrKW wurde das 35 Tonnen schwere Fahrzeug von der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit den Rüstungsunternehmen Krauss Maffei Wegmann Rettungsdienst Journal 02-2012 3 ­1


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Auffällig und international präsentierte sich dieses Jahr die Firma AMZ Kutno aus Polen. Schon am Aufbautag sorgte ein Ford FT300M mit beklebtem Fußball EM 2012 Design als Blickfang. Der KTW ist aber kein offizielles Einsatzfahrzeug bzw. ein Kundenfahrzeug für die EM in Polen und der Ukraine. Dennoch bekam AMZ speziell für zur Fußball EM den Auftrag für den Ausbau von insgesamt 600 MB Sprinter 319 Kasten- und Fensterbussen als MZF (7-Sitzer) mit Klapptisch und Schranksystem für die Polizei. Für den schwedischen Markt fertigte AMZ einen MB Sprinter 319 mit Al-Ko Chassis und RKB Koffer. Der RTW auf 3,5 Tonnen Basis ist für den zwischenzeitlich städtischen Rettungsdienst in Göteborg im Einsatz und verfügt über eine Heckklappe sowie eine umfangreiche Signalanlage von Standby Trollhättan. An Rettungsdienste der Stadt Göteborg und Umland werden von AMZ in den nächsten Monaten noch knapp 60 Fahrzeuge auf MB Sprinter Kasten Flachdach, MB Vito und VW T5 Basis ausgeliefert. Ebenfalls neu bei AMZ ist die Schweizer Vertretung, die seit 2011 in Winterthur ansässig ist und einen MB Sprinter 418 mit Kofferaufbau und Alpen-Design auf dem Stand vorstellte.

Profile Vehicles Finnland baute für das Roskilde Brandvaesen (Feuerwehr) in Dänemark ein ungewöhnliches NEF auf BMW X6 aus. Das Fahrzeug wurde im Heck mit u.a. Sortimo Schranksystem, Notfallrucksack, Lifepak 15, Accuvac Absaugung ausgestattet. Neben zwei Vorführfahrzeugen zeigte Profile im Eingangsbereich einen MB Sprinter 319 Fensterbus mit Flachdach für den städtischen Rettungsdienst Oslo Akershus (Norwegen). Der RTW wurde mit neugestalteter Trennwand und Inneneinrichtung ausgebaut wobei für den behandelnden Arzt oder RA ein komplett überarbeiteter Arbeitsplatz konzipiert wurde von dem aus alle wichtigen Bedienelemente wie Funk, Beleuchtung, Sauerstoffzufuhr, Injektion und patientenbezogene Dokumentation durchgeführt werden können.

Neuer ITW in Regensburg Fahrtec Systeme baute für das BRK KV Regensburg einen MB Atego 822L mit 8,6t und einer um 180mm verlängerten Kabine zum Intensivtransportwagen aus. Anders als bei den bisher gebauten Atego ITW`s in Bayern wurde bei diesem Fahrzeug eine Ladebordwand mit 1500kg statt 1000kg Belastbarkeit verbaut. Außerdem wurden die Anordnung der Betreuersitze und Armarturen geändert. Als Neuentwicklung bekommt dieser ITW ein neues motorisiertes Tragensystem, das bis 300kg belastbar sein soll und gerade noch in Zusammenarbeit mit dem BRK Regensburg, Ärzte-und Pflegepersonal Regensburger Krankenhäuser und Uni Klinikum

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RETTMOBIL se blau blinkend oder weiß als Tagfahrlicht), sowie einer Kontrollanzeige zur Umschaltung der Sauerstoffflaschen. Die neuen LED Segmente der Signalanlage an den Ecken des Kofferaufbaus stammen von der schwedischen Firma Standby und beinhalten Umfeldbeleuchtung, Blinker, sowie drei längliche blaue LED Blitzer. Des Weiteren wurden im Kühlergrill und dem Stoßfänger die Kleinsten auf dem Markt befindlichen blauen LED Leuchten Typ BL88 mit einem Durchmesser von nur 29mm verbaut. Hinter dem Kennzeichen am Heck befindet sich ein Fach mit Auffahrschienen für den Tragestuhl. sowie der Ausbaufirma ausgearbeitet wird. Es soll eine Lösung zwischen Krankenhausbett und Intensivtrage ergeben um auch z.B. beim Thema “Transporttrauma“ unnötiges Abnehmen von Monitoring, herumhängende Kabel usw. zu vermeiden. Zum Herbst/Winter 2012 soll die Trage fertig sein und auch zum Einsatz kommen. Fortsetzung folgt...!

Die 13. RETTmobil findet vom 15. bis 17. Mai 2013 auf der Messe Galerie Fulda statt. Text und Fotos: Andreas Bachsleitner Fotograf von Einsatz-und Sonderfahrzeugen aus Nürnberg www.Bachsleitner.com

Für das DRK OV Windeck (Rhein Sieg Kreis) baute die Firma Miesen einen Rettungswagen mit neuem Kofferaufbau, Al-Ko Tiefbettrahmen und 4,2 Tonnen Gesamtgewicht aus. Der MB Sprinter 316 verfügt über mehrere Neuentwicklungen wie das elektrische Türschließsystem, neuer Dachhutze mit integrierter LED Beleuchtung (wahlwei-

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RETTMOBIL Baby Notarztwagen Felix im “schwebenden Verfahren“

Das Unternehmen Seewald & Seewald Fahrzeugtechnik aus Griesheim ist bereits seit mehreren Jahren moderner Dienstleister rund um Einsatzfahrzeuge. Bereits auf der RETTmobil 2007 wurde ein selbst umgebaut- und restauriertes Vespacar (Bj.1993) vorgestellt auf das nach einer Rahmenverlängerung um 478mm ein Wietmarscher Koffer aufgebaut wurde. Zwischenzeitlich ist Seewald ein zuverlässiger Partner für Medizintechnik und Spezialfahrzeuge. Zu den Leistungen gehören u.a. Entwicklungen und Bau von Sonderlösungen, Unfallinstandsetzung, Schadenmanagement, Stryker Hubtischprüfung sowie Vertrieb und Einbau diverser Medizintechnik. Seewald zeigte auf der RETTmobil ein für enges und unwegsames Gelände konzipiertes Einsatzfahrzeug. Der S.A.M Polaris “Ranger Crew 800EFI“ wurde für das DRK Frankfurt/Main gebaut und kann z.B. bei Sportveranstaltungen, Konzerten, Motocrossrennen und Reitturnieren eingesetzt werden. Beim ursprünglichen 6-Sitzer-Fahrzeug wurden die hintere Sitzbank sowie der Anbau entfernt und dafür eine komplette Wechselpritsche aufgebaut. Der Stahlrahmen des Aufbaus wurde mit Aluminiumblechen, Fenster, Heckklappe und Seitentür verkleidet und ein Cargoboden mit Schienen und Betreuersitz von Schnierle verbaut. Des weiteren stattete Seewald das 1,6t schwere Fahrzeug mit einer Zusatzbatterie, Schranksystem, DIN Tragen Halterung, Signalanlage, Funk sowie Innenraum-, Umfeld- und Heckwarnbeleuchtung aus. Um die Geländetauglichkeit des Polaris zu demonstrieren, konnte man am Offroadgelände ein Fahrzeug des DRK Ahrweiler begutachten.

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Das neue Fahrzeug der Björn Steiger Stiftung im DRF Design sorgt gerade für viel Gesprächsstoff. Schon die offizielle Einweihung am 15.März 2012 über die von uns bereits ausführlich berichtet wurde, lies erahnen, dass sich dahinter ein größeres Projekt verbirgt. Ich habe mir den MB Sprinter 316 Strobel Koffer für die Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln auf der Messe genauer angesehen. Der Kofferaufbau verfügt, um nur kurz darauf einzugehen, über ein gut durchdachtes erschütterungsfreies pneumatisches Be-und Entladesystem, ein vom Unterfahrgestell abgekoppeltes Dämpfungssystem und den Dräger Transportinkubator. Durch den Quertransport konnten im Patientenraum ein Arbeitsplatz mit Schranksystem, Ablage sowie drei Sitze mit Sitzheizung untergebracht werden. Zur Geräuschdämmung wurde Schallschutzmatten und schallschutzdämmend ausgeschäumte Wände/ Decken im Patientenraum verbaut. Außerdem wurde eine Lärmpegelanzeige in Form eines Akustikohrs installiert. Diese leuchtet bei Werten unter 60dB im Inkubator grün. Bei größeren Erschütterungen machen sich gelbe und rote LED`s bemerkbar. Am Heck des Fahrzeugs wurde ein LED Lauflichtanzeige angebracht, auf der „Baby an Bord – Langsame Fahrt“ durchläuft und bei eventuell akuter Behandlung im Fahrzeug den nachfolgenden Verkehr auf eine langsame Fahrt hinweisen soll. Sicherlich sind bei dem Fahrzeug die hohen Entwicklungskosten von über fünf Millionen Euro verständlich. “Felix“ heißt aus dem Lateinischen übersetzt „der Glückliche“. Es ist lediglich fraglich, ob dies in ein paar Monaten für die eventuellen Träger der deutschlandweit geplanten 60 Fahrzeuge, die Übernahme der Kosten und die Wahl der Standorte noch gelten wird. Eine Positionierung eines neuen Fahrzeugs an bereits schon vorhandenen Baby NAW Standorten gestaltet sich bisher schwierig und stößt bei den Organisationen nicht unbedingt auf Verständnis.


RETTMOBIL Wietmarscher mit mehr Übersicht Mit drei verschiedenen Baureihen Econ+, Selection und Solution möchte die Firma Wietmarscher ihre Produktpalette und Ausstattungs-varianten dem Kunden verständlicher und übersichtlicher präsentieren. In den vergangenen Jahren gestalteten sich Verkaufsgespräche für manchmal schwierig da die Ausstattungswünsche und Budgets oft nicht zusammen zu bringen waren. Seit vergangenem Jahr möchten es die Fahrzeugbauer aus Wiet-marschen den Institutionen leichter und verständlicher machen. Sie haben hierzu dieses Jahr drei getrennte Baureihen vorgestellt, die einen leichteren Überblick über das Ausbauangebot geben sollen.

Fahrzeuge der “ECON +“ Reihe wie z.B. der MB Sprinter 316 mit 3,8t. Gesamtgewicht oder das Ford S-Max NEF sind für Kommunale Rettungsdienste und Behörden gedacht die sich seit zwei Jahren Budget-Regelungen gegenüber sehen. Die drei Ausbauvarianten der ECON+ Reihe sind so definiert, dass der Kunde entsprechend seinem Budget entscheiden kann und keinerlei Abstriche bei der Qualität machen muss. Beim Kofferaufbau konnte man durch struktive Maßnahmen das Gesamtgewicht bei gleicher Stabilität erheblich reduzieren.

WAS “Solution“ - Sonderfahrzeuge für ganz spezielle Einsätze. Hiermit sind Fahrzeugtypen für Polizei, Sicherheitsbehörden, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Hilfsorganisationen gedacht. Extrem zuverlässige und flexible Fahrzeuge für besondere Einsatzzwecke werden hier individuell auf Wunsch der Auftraggeber konzipiert und umgesetzt. Das Fahrzeugspektrum erstreckt sich hierbei von Einsatzleitwagen und schwerlast ITW, bis hin zu Überwachungsfahrzeugen, Gruppentransportern, GW-San und auch Sonderkonstruktionen für andere Einsatzzwecke.

Für die Schweiz Einen neuen Rettungswagen beschaffte der Rettungsdienst des Kantonsspitals St. Gallen (Schweiz). Das Fahrzeug wurde von der Firma Ambulanz Mobile Schönebeck auf einem MB Sprinter 419 CDI 4x4 (192 PS) mit Automatikgetriebe und Dülmer Kofferaufbau aufgebaut. Zusätzlich zur umfangreichen medizinischen Ausstattung wurde der “TIGIS“ u.a. mit Hildebrand Rotationsketten, neuem Schließsystem von Dülmer Fahrzeugbau, LED Frontblitzern Typ Standby BL88 sowie gelben GU88 zur Heckabsicherung bei geöffneten Türen ausgestattet. Des Weiteren wurde der RTW von Zolg Systemtechnik vollständig beklebt und mit einem PC mit neun Zoll Touch Display bestückt. Dieser kann individuell je nach Fahrzeug programmiert werden. Bei dem St. Galler TIGIS werden über das Display Beleuchtung und Signalanlage mit Tag/Nacht Erkennung sowie Navigation, Kamerasystem im Patientenraum und am Heck, Internet, Einsatzrechner und Tragetisch gesteuert.

Bei der “Selection“ Reihe handelt es sich z.B. um Fahrzeuge auf Basis Sprinter/Crafter Kastenwagen oder Kofferaufbau oder MB Vito NEF`s individuell nach Kundenwunsch. Hier kann man frei nach technischer Ausstattung, Design und Basisfahrzeug wählen. Fahrzeug dieser Reihe sind z.B. auch der RTW Typ “Bayern“ auf MB Sprinter mit Kofferaufbau. Rettungsdienst Journal 02-2012 3 ­5


NEWS

Rettungsschwimmer hilft Ertrinkendem - und wird gefeuert Ein Rettungsschwimmer im US-Bundesstaat Florida hat einem Mann in Lebensgefahr geholfen. Weil er dafür aber seinen Zuständigkeitsbereich verließ, verlor der 21-Jährige seinen Job. Nun ist die Empörung groß. Weißer Sandstrand, türkisblaues Wasser - die Stadt Hallandale Beach bei Miami hat alles, was Badegäste suchen. Leider aber auch tückische Wellen. Darum sind dort auf großen Teilen der Strände Rettungsschwimmer im Einsatz. Einer von ihnen war Tomas Lopez, 21, ein zierlicher junger Mann mit Zahnspange, der seinen Job so ernst nahm, dass er gefeuert wurde. Lopez eilte einem Mann zu Hilfe, der in Gefahr schwebte - allerdings außerhalb des von Rettungsschwimmern betreuten Strandabschnitts. Weil sich Lopez dafür aus seinem Zuständigkeitsbereich entfernte, verlor der 21-Jährige seinen Job. Ein öffentlicher Aufschrei brach los, andere Rettungsschwimmer kündigten aus Protest - nun wird die Entscheidung geprüft. Der Zwischenfall, um den es geht, ereignete sich am Montag. Lopez befand sich auf seinem Posten am Strand, als ein Besucher zu ihm kam und ihn auf den Ertrinkenden aufmerksam machte. Lopez zögerte nicht lange: "Ich rannte in die Richtung", sagte der junge Mann nun dem TV-Sender NBC6 Miami über seinen Einsatz. Mehrere hundert Meter musste er dafür gen Süden laufen. Auch vorbei an einer grünen Flagge und einem Schild, die den Übergang vom bewachten zum unbewachten Strandabschnitt markieren - und damit das Ende von Lopez' Zuständigkeitsbereich. "Es war ein langer Weg, aber jemand brauchte meine Hilfe, also sagte ich nicht nein", berichtete Lopez der Zeitung "South Florida Sun-Sentinel". Über Funk informierte er Kollegen über seinen Einsatz - ein Vorgesetzter untersagte ihm, seinen Strandabschnitt zu verlassen und ordnete an, er solle den Notruf wählen.

jähriger Este, wurde in ein Krankenhaus gebracht und kam auf die Intensivstation - Lopez wurde gefeuert. Sein Arbeitgeber begründete die Suspendierung damit, die Rettungsschwimmer seien an Firmenregeln gebunden und dürften sich nicht aus ihrem Zuständigkeitsbereich entfernen. Seit der Kündigung wird über den Vorfall und den Umgang des Arbeitgebers damit berichtet, Kollegen von Lopez haben gekündigt. "Wir sind keine Feuerwehr" Mitlerweile will der Arbeitgeber die Sache noch einmal überdenken. Jeff Ellis, der Manager des Unternehmens, das seit 2003 für Hallandale Beach die Rettungsschwimmer stellt, erklärte am Mittwoch, den Vorfall zu prüfen. Es werde mit den Mitarbeitern und Verantwortlichen, die mit dem Einsatz zu tun hatten, gesprochen. "Wenn wir feststellen, dass unsere Aktion auf Führungsebene nicht angebracht war, werden wir die Untersuchungsergebnisse entsprechend revidieren", sagte Ellis laut "South Florida Sun-Sentinel". Ellis erklärte, Lopez habe sicherlich "in guter Absicht" gehandelt. "Aber wir sind keine Feuerwehr", so der Manager. "Wir sind nur Rettungsschwimmer und beschränken unsere Arbeit auf die bewachten Bereiche, für die wir einen Auftrag haben." Stadtdirektorin Renee Crichton vertritt einen anderen Standpunkt: "Uns ist die Sicherheit aller Badegäste sehr wichtig - egal ob sie in einem bewachten oder in einem unbewachten Bereich baden." Die Stadt wolle nun die Ergebnisse der Prüfung abwarten. Diese soll laut Ellis bis Freitag abgeschlossen sein. Der Mann aus Estland hat sich gut erholt. Er konnte das Krankenhaus inzwischen verlassen. © SPIEGEL ONLINE am 05.07.2012

Einen Tag später berichtet SPIEGEL ONLINE weiter: "Meine Moral über meinen Job gestellt" Doch Lopez rannte weiter - obwohl ihm klar war, dass ihn das seinen Job kosten könnte. "Ich habe eben meine Moral über meinen Job gestellt", sagte der 21-Jährige NBC6. Insgesamt musste sich der Rettungsschwimmer rund 500 Meter aus seinem Zuständigkeitsbereich entfernen, um den Mann in Not zu erreichen. Als er dort ankam, war es einigen Badegästen bereits gelungen, den Ertrinkenden aus dem Wasser zu ziehen. "Ich legte ihn sofort in die stabile Seitenlage - so, wie wir es im Training gelernt haben", sagte Lopez, der dabei von einer Krankenschwester, die privat am Strand war, unterstützt wurde. Der Mann, ein 21-

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Gefeuerter Rettungsschwimmer will Job nicht zurück Tomas Lopez könnte wieder als Rettungsschwimmer arbeiten. Das Unternehmen, das für die Bewachung am Strand von Hallendale Beach in Florida zuständig ist und ihn gefeuert hatte, will den 21-Jährigen weiter beschäftigen. Der oberste Boss der Firma hat das Gespräch mit dem jungen Mann gesucht und ihm den Job wieder angeboten. Firmen-Chef Jeff Ellis sagte, er habe erst zwei Tage nach der Kündigung über einen Regionalmanager davon erfahren und billige das Vorgehen gegen


NEWS Lopez nicht. "Ganz sicher hätte er für den Vorfall nicht entlassen werden dürfen", sagte Ellis in der Sendung "Erin Burnett OutFront" am Donnerstagabend. Er kenne jetzt alle Details und wisse, dass Lopez versucht habe, das Richtige zu tun. Unmittelbar nach dem Vorfall wurde ihm - noch am Strand - von Vorgesetzen gekündigt. "Sie haben ihn noch an Ort und Stelle entlassen", sagte Lopez' Kollege Szilard Janko CNN. Er habe den Zuständigkeitsbereich von Lopez übernommen, während dieser für den Rettungseinsatz unterwegs war. Lopez' Strandabschnitt war also nicht unbewacht, der Ertrinkende konnte gerettet werden und hat sich nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt inzwischen gut erholt. Die Kündigung sorgte für viel Wirbel. Drei Kollegen kündigten aus Loyalität, zwei weitere Rettungsschwimmer wurden entlassen, weil sie sagten, sie würden in einem solchen Fall genauso handeln.

"Abgeschlossenes Kapitel meines Lebens" Lopez will den Job, für den er 8,25 Dollar pro Stunde bekam und den er vier Monate lang ausübte, jedoch nicht wiederhaben. "Das Kapitel meines Lebens habe ich abgeschlossen. Ich werde meine Ausbildung fortsetzen und meine Karriere verfolgen", sagte der junge Mann, der laut CNN ab Herbst studieren will. Er wisse das Angebot von Ellis zu schätzen, aber die Hauspolitik sei nicht die seine: "Der Grund für meine Entlassung war einfach lächerlich. Was hätte ich tun sollen: den Mann ertrinken lassen?" "Die Zuständigen vor Ort haben etwas übereilt gehandelt, "sagte Alexander Lwey von der Stadtverwaltung Hallendale Beach. Darum kümmere sich nun der Chef des Unternehmens persönlich um das Thema. Eine Vorgesetzte in Hallendale Beach hatte die Entlassung damit begründet, dass Lopez die Firmenleitlinien und damit seine Verantwortung verletzt habe. Auch die anderen gekündigten Rettungsschwimmer können ihren Job wieder haben, sagte Ellis laut CNN. Doch auch sie lehnten das Angebot ab. Laut CNN trainierte das Unternehmen am Donnerstag bereits neue Rettungsschwimmer am Strand von Hallendale Beach. © SPIEGEL ONLINE am 06.07.2012

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