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K 8337 F - ISSN 0178-2193 – 30. Jahrgang 02+03-2011

Journal Rettungsdienst

M i t g l i e d e r o r g a n d e s B e r u f s v e r b a n d e s f ü r d e n R e t t u n g s d i e n s t e. V.

Postvertriebsstück K 8337 F, Gebühr bezahlt, Berufsverband für den Rettungsdienst e.V., Gießener Straße 42, 35423 Lich

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Rechtliche Grundlagen der Schweigepflicht - Teil 1 Behinderung von Einsatzkräften künftig strafbar Rückblicke: RETTmobil 2011 + Schweizer Notfallsymposium


Änderungen zum Versicherungsschutz für Mitglieder des BVRD Seit 01.07.2010 gilt:

Vereinshaftpflicht Versichert ist die gesetzliche Haftpflicht des Vereins und deren Mitglieder aus der Betätigung im Interesse und für die Zwecke des versicherten Vereins. Deckungssummen: 2.000.000 Euro für Personenschäden • 500.000 Euro für Sachschäden • 100.000 Euro für Vermögensschäden (bis max. das 3-fache pro Versicherungsjahr) Im Rahmen der Vereinshaftpflicht gelten auch Ausstellungen / Messen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind mitversichert.

Rechtsschutz a) Universal-Straf-Rechtsschutz: Mitversichert sind Ordnungswidrigkeiten, fahrlässig und vorsätzlich begehbare Straftaten bezüglich der beruflichen Tätigkeit. z.B. Abwehr einer Anzeige wegen dem Vorwurf der "Unterlassenen Hilfeleistung" oder "Körperverletzung". b) Arbeitnehmerrechtsschutz: Versichert sind Verbandsmitglieder als natürliche Personen, also Rettungssanitäter /- assistenten in ihrer Funktion als Arbeitnehmer. - Schadenersatzrechtsschutz NEU - Arbeitsrechtsschutz (SB 500 Euro) (z.B. für arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen mit Arbeitgebern) - Sozialgerichtsrechtsschutz (für alle gerichtlichen Streitigkeiten mit gesetzlichen Sozialversicherungsträgern (BG, KV, Rentenvers.) c) Fahrer-Rechtsschutz: Versichert sind Verbandsmitglieder als Führer eines Motorfahrzeuges im Einsatz als Rettungssanitäter / -assistent. - Schadenersatz-Rechtsschutz (z.B. für die Geltendmachung von erlittenem Schaden nach einem Verkehrsunfall im Rettungseinsatz {Schmerzensgeld}) - Verwaltungs-Rechtsschutz in Verkehrssachen (z.B. Wiedererlangung der Fahrerlaubnis) - Straf-Rechtsschutz (z.B. Körperverletzung, nach einem Verkehrsunfall im Rettungseinsatz) Ordnungswidrigkeiten-Rechtsschutz Deckungssummen: Verfahrenskosten bis 250.000 Euro • Strafkaution bis 100.000 Euro

Diensthaftpflicht für das Rettungspersonal Umfang der Dienst-Haftpflichtversicherung Die Dienst-HV schützt die Mitglieder vor Rückgriffs- und Haftungsansprüchen des Dienstherrn bei Schäden in Ausübung ihrer Tätigkeit als Rettungssanitäter und Rettungsassistent. Deckungssummen pro Versicherungsfall: 2 Mio. für Personenschäden, 1 Mio. bei Sach- und Vermögensschäden. Mitversichert ist: - Geräte- und Geräte-Regress-HV: d.h. schützt vor Haftpflicht- u. Regressansprüchen aus Schäden durch den dienstlichen Umgang mit Geräten des Dienstherrn (an und durch diese Geräte) bis max. 10.000 Euro. - Dienstfahrzeug-Regress-HV d.h. schützt vor Haftpflicht- u. Regressansprüchen des Dienstherrn bei Schäden an und durch Kfz, Wasser- oder Schienenfahrzeugen des Dienstherrn bei Dienstfahrten. (bis max. 100.000 Euro) - Abhandenkommen von persönlichen Ausrüstungsgegenständen (bis 500 Euro) - Schüsselschäden (außer Tresor- u. Möbelschlüsseln) bis 50.000 Euro. - Auslandsschäden bei dienstlichen Reisen bis 1 Jahr Generell gilt eine Selbstbeteiligung von 200 Euro pro Schadenfall für Sach- und Vermögensschäden. Eine Unfallversicherung existiert seit 2005 nicht mehr. Text: Versicherungsbüro Eberlein, Frensdorf

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EDITORIAL

Editorial... Alles was Recht ist... ...bereitet so manchem Kollegen weniger Kopfzerbrechen, als es vielleicht manchmal geboten wäre, sind die Berührungspunkte unseres Berufsfeldes mit dem der Jurisdiktion doch ebenso vielfältig wie beachtenswert. Nicht wenige haben es entweder noch nie richtig gelernt, oder im Laufe ihrer beruflichen Karriere aus den Augen verloren, wie wichtig eine - zumindest im Rahmen des für einen Laien Möglichen - einigermaßen profunde Kenntnis der gesetzlichen Regelungen ist, welche für unsere tägliche Verrichtung von Belang sein können. Und das sind einige. Unter diesem Aspekt sind gleich mehrere Artikel im vorliegenden Heft von Interesse, auf welche ich hiermit im Besonderen hinweisen möchte. Zum einen ein Aufsatz von Dr. Michael Neupert, welcher auf den Umstand aufmerksam macht, dass hinsichtlich einer Behinderung von Einsatzkräften das Personal von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdiensten nunmehr den Polizei- und Vollzugsbeamten gleichgestellt ist. Eine Tatsache, die im Zusammenhang mit der immer mehr zunehmenden Gewalt gegen Rettungsfachpersonal in alltäglichen Einsatzsituationen massiv an Bedeutung gewinnt. Eben diese Problematik scheint in den letzten zwei bis drei Jahren eine deutliche Dynamik entwickelt zu haben und auch wenn man - übrigens auch hier im Heft - von vielen lokalen Lösungsansätzen liest, welche von der "Aufrüstung" des Rettungsfachpersonals bis zur Ausbildung wahlweise in Selbstverteidigung oder Deeskalation reichen, so scheint doch niemand ein Konzept zu haben, welches das Problem in seiner Gesamtheit anzugehen oder gar zu entschärfen vermag. Eine neue Dimension sozialer Konflikte, die uns noch viel Kopfzerbrechen bereiten wird. Ein weiterer Artikel, welchen ich den Lesern wärmstens ans Herz legen möchte ist jener zum Thema Schweigepflicht von Thomas Hochstein, der noch einmal eindrücklich erklärt, wie viel Sensibilität im Umgang mit den persönlichen Daten unserer Patienten von Nöten ist und wie leicht einem hier folgenschwere Fehler unterlaufen können. Wenn man bedenkt, wie heikel wir sein können, wenn es um Informationen uns selbst betreffend geht, wäre es doch nur folgerichtig, die selbe Sorgfalt auch im Bezug auf anderer Leute persönliche Daten walten zu lassen, doch hier sehe anscheinend nicht nur ich teilweise erhebliche Defizite. Darum ist man gut beraten, sich diesbezüglich nochmals ausführlich zu informieren. Doch das sind nur zwei Schwerpunkte unter vielen Informationen, welche sich im Heft finden. Unter anderem gibt es auch noch eine Nachlese zur RETTmobil, so dass Lesestoff für einen hoffentlich etwas ruhigeren und besinnlichen Herbst bleibt, den ich allen Kolleginnen und Kollegen hiermit von Herzen wünschen möchte. In diesem Sinne mit kollegialen Grüßen Andreas Zimmermann

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INHALTSVERZEICHNIS RDJ 02+03-2011 Journal Editorial Inhalt Aufnahmeantrag / Abo-Formular Impressum / Termine

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Recht Dr. Michael Neupert: Behinderung von Einsatzkräften künftig strafbar

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Dipl.-Päd. Philipp Klein: „Hau ab, Du ...“ oder Gewalt gegen Einsatzkräfte

8

Thomas Hochstein: Rechtliche Grundlagen der Schweigepflicht - Teil 1

9

Fortbildung Neueste Technik bei Atemwegsmanagement an incetivmed-Schule

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Rettungsassistenten gehen als Pflegekräfte in Kliniken

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Behinderung von Einsatzkräften künftig strafbar Seite 6

RETTmobil RETTmobil 2011: Internationaler geht’s fast nicht!

16

BVRD Intern Änderung des Versicherungsschutzes für Mitglieder

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BVRD und retter.tv informieren

15

„Hau ab, Du ...“ oder Gewalt gegen Einsatzkräfte Seite 8

News KTQ: Qualität beginnt bei der Erstversorgung

14

Rheinland-Pfalz und Sachsen schließen Ausbildungskooperation im Katastrophenschutz

25

Deutsche Notärzte mit neuem Vorstand

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Rettungsdienst Falck hat erste operative Basis in Deutschland Neuer Notarztindikationskatalog für Rheinland-Pfalz

13

Rechtliche Grundlagen der Schweigepflicht - Teil 1 SEITE 9

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Luftrettung 20 Jahre DRF Luftrettung in Halle

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Rettungsdienst International Schweizer Notfallsymposium in Bern

26 Rückblick: RETTmobil 2011

Produktinfo Neuer Miet-RTW bei Mittelstädt

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Loseblattwerk „Krankentransport und Rettungsdienst“ im Erich Schmidt Verlag

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Titelbild: Der „Amarok“ (Inuit für Wolf) als geländegängiger KTW in Fulda

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Foto: Andreas Bachsleitner


AUFNAHMEANTRAG

Aufnahmeantrag Hiermit beantrage ich die Mitgliedschaft im Berufsverband für den Rettungsdienst e.V.

Name: Vorname: Straße: PLZ + Ort:

für ordentliche Mitglieder 65 Euro Jahresbeitrag (einschließlich RDJ-Bezug)

Bundesland:

für ZDL, Azubis, Studenten, Ruheständler etc. 40 Euro Jahresbeitrag (einschließlich RDJ-Bezug)

Geb.-Datum:

für informierte Mitglieder 25 Euro Jahresbeitrag (keine Versicherungsleistungen, aber RDJ-Bezug)

Tel.+ Fax.Nr.:

Bankverbind.: BLZ:

Der Aufnahmeantrag gilt gleichzeitig als Bankeinzugsermächtigung laut Delegiertenbeschluß!

Bitte kopieren und senden an:

Konto-Nr.: Datum / Unterschrift:

FAX 0 64 04 - 95 00 66

Berufsverband für den Rettungsdienst e.V. Gießener Straße 42 D - 35423 Lich

Im Rettungsdienst tätig: hauptamt. RH

nebenamtl.

RettSan

ehrenamtl.

RettAss

Arzt

nicht aktiv ZDL 02+03-2011

Adress / Namensänderung - Kontowechsel Sie sind umgezogen ? Haben Ihre Bank gewechselt ? Haben aber vergessen uns zu beachrichtigen ? Wir benötigen Ihre neuen Daten, damit Sie Ihr RDJ bekommen und auch versichert bleiben!

Adresse / Bank ALT

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RECHT

Behinderung von Einsatzkräften künftig strafbar Von Dr. Michael Neupert Gewalt gegen Kräfte des Rettungsdienstes wurde in den letzten Jahren mehr und mehr als Problem wahrgenommen. Nun hat der Gesetzgeber mit einer Änderung des Strafgesetzbuches (StGB) reagiert. Der folgende Beitrag soll das Rettungsfachpersonal über diese Gesetzesänderung informieren sowie Hintergründe und Zusammenhänge aufzeigen. Der Gesetzgeber hat im Sommer „Rettungsdienst“ und „Katastrophenschutz“ in die strafrechtliche Vorschrift über "Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte", den § 113 StGB, aufgenommen. Der neue § 114 Abs. 3 StGB erweitert dessen Geltungsbereich: „Nach § 113 wird auch bestraft, wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfeleistende der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes mit Gewalt behindert oder sie dabei tätlich angreift.“ Das Strafmaß richtet sich nach § 113 StGB, der gleichzeitig verschärft worden ist. Gewalttäter können demnach mit Geldstrafe oder mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren – früher bis zu zwei Jahren – bestraft werden. In besonders schweren Fällen scheidet Geldstrafe grundsätzlich aus, und die Freiheitsstrafe beträgt sechs Monate bis fünf Jahre. Ein besonders schwerer Fall liegt – so die neue Fassung von § 113 Abs. 2 StGB – in der Regel unter anderem dann vor, wenn der Täter eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt, um diese oder dieses bei der Tat zu verwenden. Mit der Rechtsänderung wollte der Gesetzgeber auf Berichte über zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte reagieren, die – im Gegensatz zu Polizeibeamten – keine Zwangsmaßnahmen treffen und notfalls durchsetzen, sondern ausschließlich Hilfe leisten. Obwohl Feuerwehr und Rettungsdienst keine Staatsgewalt in diesem engeren Sinn ausüben, werden sie von enthemmten und gewaltbereiten Personen immer öfter angegriffen. Dies geschieht nicht nur bei manchen Demonstrationen, wenn gezielte Attacken auf Sanitäts- und Rettungseinheiten stattfinden, sondern droht mittlerweile auch bei alltäglichen Einsätzen. Einsatzkräfte sehen sich nicht selten einer grundsätzlichen Feindschaft gegen den Staat gegenüber, sei es durch bestimmte ethnische Gruppierungen, aus politischer Überzeugung heraus oder schlichtweg aufgrund schlechter Erziehung und übermäßigem Alkoholkonsum.

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Was der Gesetzgeber genau unter „mit Gewalt behindern“ versteht, geht aus der Begründung des Gesetzentwurfs nicht hervor. Diese wiederholt nur, was im Gesetzestext steht – dass Einsatzkräfte vor gewalttätigen Behinderungen und tätlichen Angriffen geschützt werden sollen. Eine gewisse Verständnishilfe kann man aus den Erfahrungen mit § 113 StGB nehmen, auch wenn dort nicht von gewaltsamer Behinderung die Rede ist, sondern von gewaltsamem Widerstand. Widerstand leisten bedeutet in diesem Zusammenhang, durch eine aktive Tätigkeit eine Diensthandlung zu erschweren, also zum Beispiel, sich von innen gegen eine Tür zu stemmen, damit diese von außen nicht zu öffnen ist. Ein anderer Beispielsfall könnte das Loslassen eines Hundes von der Leine sein. Andererseits genügt rein passives Verhalten nicht, wie etwa eine verschlossene Tür nicht zu öffnen oder schlicht im Weg zu stehen. Einfacher zu verstehen ist die zweite Tatbestandsalternative: Ein tätlicher Angriff geht über das Behindern hinaus. Es handelt sich um eine unmittelbare feindselige Einwirkung auf den Körper, egal, ob es zu einer Verletzung kommt (falls ja, liegt eine Körperverletzung vor). Besonders schwere Fälle von Behinderungen im Sinne der gesetzlichen Neuregelungen durch Gebrauchen eines gefährlichen Werkzeugs könnten etwa das Werfen mit Steinen oder Feuerwerkskörpern sein. Im Gesetzgebungsverfahren war die Änderung trotz ihres auf den ersten Blick richtigen Ziels umstritten: Auch ohne sie waren Rettungskräfte schon strafrechtlich geschützt, nämlich durch die Körperverletzungsdelikte und durch den

Foto: Arno Bachert_pixelio.de


RECHT Nötigungsparagraphen, der Widerstandshandlungen schon jetzt mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bedroht, in besonders schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Auch in Zukunft richtet sich eine Bestrafung für gewalttätige Angriffe auf Einsatzpersonal nach den §§ 223 ff. StGB, wenn es zu Verletzungen kommt. Die Neuregelung betrifft ausschließlich das Vorfeld tatsächlicher Personenschäden, sozusagen die Einsatzsituation als solche. Ein weiteres Gegenargument betrifft die Höhe der Strafdrohung. Das früher geringere Strafmaß für Widerstandshandlungen – zwei Jahre statt drei Jahre nach dem Nötigungsparagraphen – erklärt sich daraus, dass der Gesetzgeber ehemals der häufig aufgeheizten Stimmung Rechnung tragen wollte, die bei Polizeieinsätzen leicht entsteht – nicht, weil Vollzugsbeamte es darauf anlegen, sondern weil sie meist erst dann gerufen werden, wenn die Situation ohnehin schon angespannt ist. In einer solchen Lage ist es menschlich, laut zu werden oder den Weg nicht sofort freizugeben. Zum Schutz des staatlichen Gewaltmonopols und der Polizeibeamten müssen natürlich auch solche Taten bestraft werden. Sie erscheinen aber im Vergleich zu einer überlegt geplanten Nötigung weniger strafbedürftig, was das obere Ende des Strafrahmens angeht. Auf Rettungskräfte trifft dieses Argument kaum zu, denn sie treten in einer anderen Rolle auf als Vollstreckungsbeamte. Deshalb lässt sich mit Fug und Recht fragen, ob die Neuregelung

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Foto: DON

ihrer Bedrohung gerecht wird oder ob das Einsatzpersonal dadurch erst in die Nähe der Staatsgewalt gerückt und zur Zielscheibe gemacht wird, wobei dann auch noch ein geringerer Strafrahmen anzuwenden ist als bei § 240 StGB (Nötigung). Dementsprechend ist dem Gesetzentwurf entgegnet worden, es handle sich um Symbolpolitik. Wichtiger als eine Anhebung des Strafrahmens sei eine konsequente Verfolgung und Bestrafung auf Grundlage der bereits existierenden Gesetze. Inwieweit man – zumeist alkoholisierten und emotional aufgeheizten – Tätern mit einer höheren Strafdrohung wirksam entgegentreten kann, erscheint davon abgesehen auch deshalb fraglich, weil solche Personen in der akuten Situation meist nicht zu einer rationalen Abwägung in der Lage sind. Die Antwort des Gesetzgebers hat aus Sicht des Rettungspersonals unbestreitbar etwas für sich: Genau darum geht es – um ein ausdrückliches Zeichen, dass Gewalt gegen Rettungskräfte nicht toleriert wird, dass der Staat hinter ihnen steht. Ob der theoretische Strafrahmen dabei drei oder fünf Jahre umfasst, fällt letzten Endes kaum ins Gewicht, weil die meisten Taten ihn sowieso nicht ausschöpfen werden. Schwere Gewalttaten werden meistens leider zu Verletzungen führen, und dann steht die Widerstandshandlung ohnehin im Schatten des Körperverletzungsdelikts. Und auch die theoretische Unterscheidung zwischen Vollstreckungsbeamten wie Polizisten und Rettungskräften funktioniert in den betreffenden Fällen nicht: Die Gewalttäter betrachten die Einsatzkräfte als eine Gemeinschaft und unterscheiden gerade nicht zwischen der Staatsgewalt im engeren Sinn und den neutralen Helfern. Autor: Dr. M. Neupert, Rechtsanwalt, Essen EMAIL: michael.neupert@kuemmerlein.de Rettungsdienst Journal 02+03-2011

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RECHT

„Hau ab, Du …“ oder

Gewalt gegen Einsatzkräfte Kurzfassung des Vortrages von Brandoberrat Dipl.-Päd. Philipp Klein, Feuerwehrschule der Berliner Feuerwehr, gehalten auf der RettCon 2010 in Leipzig

Ein ungeschriebener „Vertrag“ zwischen Retter und Gesellschaft wird gebrochen, sobald die Helfer selbst Opfer von Gewalt werden. Dass Patienten, Angehörige oder Umstehende gegen Einsatzkräfte gewalttätig werden kann dabei verschiedene Ursachen haben. Zunächst sind Notfälle für alle Beteiligten Extremereignisse, die eine besondere Stresssituation hervorrufen. Kommen zu dieser psychischen Ausnahmesituation Faktoren wie Alkohol, Drogen, psychische Vorerkrankungen oder ein kriminelles Umfeld, so kann die Lage in Einzelfällen bis zur Gewalt gegen Einsatzkräfte eskalieren. Leider scheint es in den vergangenen Jahren gerade in Großstädten - einen Anstieg der Übergriffe gegen Einsatzkräfte zu geben. Während in Berlin früher Angriffe auf Feuerwehr und Rettungsdienst hauptsächlich im Umfeld von Großereignissen, z.B. bei der jährlichen 1.MaiDemonstration, für Schlagzeilen gesorgt haben, sind es heute die alltäglichen Übergriffe gegen Einsatzkräfte, die den Helfern Sorgen bereiten. Bereits im Notrufgespräch erfahren Leitstellenmitarbeiter regelmäßig verbale Attacken bis hin zur Bedrohung. Im Einsatz kann eine mögliche aggressive Grundstimmung meist durch deeskalierendes Auftreten der Helfer behoben werden,

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ohne jemals aktenkundig zu werden. Allerdings treffen auch hier tätliche Angriffe die Einsatzkräfte meist unvorbereitet. Besonderes Gefahrenpotential liegt hier scheinbar in Rettungsdiensteinsätzen. Die Berliner Feuerwehr bereitet ihre Mitarbeiter mit einem dreitägigen „Einsatztraining Eigensicherung“ gezielt auf diese Gefährdungssituationen vor. Dabei steht mit zahlreichen Rollenspielen das praktische Üben im Vordergrund. Erfolgreiche Konfliktvermeidung durch verbale Deeskalation sind das oberste Ziel aller Maßnahmen. Zunächst werden die Retter für Gefahrenmomente sensibilisiert. Sie lernen Einsatzlagen auch gezielt nach aggressivem Potential zu erkunden. Häufig können bereits einfache Maßnahmen und bewusste Kommunikationsstrategien Übergriffe verhindern. Ist ein Angriff unabwendbar, kommen einfache Techniken des Eigenschutzes zur Anwendung.

Fotos: Frank Kante, Berliner Feuerwehr

Feuerwehrleute und Rettungsdienstmitarbeiter kommen um zu helfen. Sie leisten ihre Hilfe überparteilich und neutral. In unserem gesellschaftlichen Selbstverständnis steht allen Menschen in Notlagen das gleiche Recht auf Rettung und medizinische Hilfe zu. Dies setzen die Retter selbstverständlich jeden Tag um. Sie helfen unabhängig von sozialer Herkunft, Religion, Rasse oder Alter. Ein Lohn für diese Arbeit am Nächsten ist die Anerkennung und der besondere Schutz durch die Gesellschaft.


RECHT

Rechtliche Grundlagen der Schweigepflicht Von Thomas Hochstein Teil 1 Jede (notfall-)medizinische Behandlung erfordert möglichst umfassende Kenntnisse über den Zustand des Patienten und seine Vorgeschichte, die dieser im Vertrauen auf die Verschwiegenheit des Arztes, des Krankenpflege- oder Rettungsdienstpersonals erteilt. Die Schweigepflicht ist daher eine der wichtigsten Berufspflichten für den im medizinischen Bereich Tätigen; nicht immer aber sind ihr Umfang und ihre Grenzen ausreichend genau bekannt. Dieser (zweiteilige) Beitrag soll einen ersten Überblick über die grundsätzlichen (straf-)rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der medizinischen Schweigepflicht insbesondere im notfallmedizinischen Bereich bieten. Rechtliche Grundlagen der Schweigepflicht Die Schweigepflicht ergibt sich aus dem Anspruch des Patienten auf Schutz seines privaten Lebensbereichs und seiner Intimsphäre, also Rechtsgütern von Verfassungsrang (allg. Persönlichkeitsrecht, Art. 1, 2 GG). Sie ist für den Arzt eine Standes- und für das nichtärztliche Personal jedenfalls Berufspflicht, die in der Regel in Dienstanweisungen oder Arbeitsverträgen, teilweise auch in Rettungsdienstgesetzen (und für beamtete RD-Mitarbeiter, bspw. bei den Feuerwehren, auch im Beamtengesetz) ihren Ausdruck gefunden hat. Neben zivil- und arbeitsrechtlichen kann eine Verletzung der Schweigepflicht aber auch strafrechtliche Konsequenzen haben, denn in § 203 StGB ist die "Verletzung von Privatgeheimnissen" mit Strafe bedroht: § 203 StGB (1) Wer unbefugt ein fremdes Geheimnis, namentlich ein zum persönlichen Lebensbereich gehörendes Geheimnis oder ein Betriebsoder Geschäftsgeheimnis, offenbart, das ihm als 1. Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker oder Angehörigen eines anderen Heilberufs, der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert, [...] anvertraut worden oder sonst bekanntgeworden ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. (2) [...] (3) Einem in Absatz 1 Nr. 3 genannten Rechtsanwalt stehen andere Mitglieder einer Rechtsanwaltskammer gleich. Den in Absatz 1 und Satz 1 Genannten stehen ihre berufsmäßig tätigen

Gehilfen und die Personen gleich, die bei ihnen zur Vorbereitung auf den Beruf tätig sind. Den in Absatz 1 und den in Satz 1 und 2 Genannten steht nach dem Tod des zur Wahrung des Geheimnisses Verpflichteten ferner gleich, wer das Geheimnis von dem Verstorbenen oder aus dessen Nachlaß erlangt hat. (4) Die Absätze 1 bis 3 sind auch anzuwenden, wenn der Täter das fremde Geheimnis nach dem Tod des Betroffenen unbefugt offenbart. (5) Handelt der Täter gegen Entgelt oder in der Absicht, sich oder einen anderen zu bereichern oder einen anderen zu schädigen, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Abgesehen von der rechtlichen Seite sollte allein schon der Respekt vor der Privat- und Intimsphäre einer anvertrauten Person hinreichender Grund sein, nicht über diese zu "tratschen". Dies kommt nicht zuletzt auch dem Ansehen der entsprechenden Berufsgruppe in der Öffentlichkeit und dem Vertrauensverhältnis zwischen Helfer und potentiellen Patienten zugute. Wer unterliegt der Schweigepflicht? In der Regel betrifft die medizinische Schweigepflicht jeden, der im medizinischen Bereich tätig ist, gleichviel ob im Sanitätsdienst, (Wasser-, BergLuft- oder Land-)Rettungsdienst, im Katastrophenschutz, in Krankenhäusern oder in Arztpraxen, und egal wie häufig, bei welcher Organisation und in welchem Arbeitsverhältnis, denn in allen diesen Fällen besteht eine - zumeist auch ausdrücklich, bspw. durch den Arbeitgeber - normierte Berufspflicht. Allerdings trifft die strafrechtliche Verpflichtung zur Wahrung von Privatgeheimnissen nur diejenigen Personen, die in § 203 StGB ausdrücklich genannt sind. § 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB betrifft neben etlichen anderen Berufständen ausdrücklich den Arzt und Rettungsdienst Journal 02+03-2011

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den Rettungsassistenten (letzterer wird als Heilberuf, bei dem die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert, erfasst). Nach Abs. 3 Satz 2 dieser Vorschrift sind den vorgenannten aber auch ihre "berufsmäßig tätigen Gehilfen" gleichgestellt. Diese Regelung wird weit ausgelegt und erfasst jeden, der den Arzt - oder den Rettungsassistenten - bei dessen zu seinem Beruf gehörenden Tätigkeiten unterstützt, unabhängig davon, in welchem Arbeitsverhältnis oder wie regelmäßig diese Tätigkeit ausgeübt wird. Zweck der Norm ist nämlich der umfassende Schutz des Patienten davor, dass Einzelheiten aus seinem Privat- und Intimbereich an die Öffentlichkeit bzw. Dritten zur Kenntnis gelangen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob dem Arzt werktags von seiner hauptamtlichen Sprechstundenhilfe oder im Wochenenddienst vielleicht von seiner Ehefrau oder einer Bekannten assistiert wird; genausowenig wie es darauf ankommt, ob der Krankentransport- oder Rettungswagen, in dem der Arzt seinen Patienten begleitet, mit haupt- oder ehrenamtlichem Personal besetzt ist. Der gesamte Bereich der Assistenztätigkeit in der ärztlichen Praxis, im (organisierten) ärztlichen Notfalldienst oder in der Klinik ist mithin durch die Gehilfenregelung abgedeckt; das gilt ebenso ohne Zweifel für den Bereich der rettungsdienstlichen Tätigkeit, soweit dem Notarzt - auf einem Notarztwagen (NAW) oder bei einem gemeinsamen Einsatz mit dem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) - oder dem Rettungssassistenten assistiert wird.

berufsmäßig tätigen Gehilfen zählt. Endgültig zu verneinen wird dies sein, soweit der Rettungsdienst einen Patienten nur ins Krankenhaus transportiert (weil der Rettungsdienst nicht organisatorisch in die Strukturen des Krankenhauses eingebunden ist und daher seine Mitarbeiter auch nicht zu den Gehilfen des Krankenhausarztes zählen), oder wenn der Rettungsdienst den Patienten gar nur versorgt oder zu einem Fehleinsatz gerufen wird. Allenfalls könnte man die Mitarbeiter des Rettungsdienstes noch als Gehilfen des Ärztlichen Leiters Rettungsdienst auffassen, wo ein solcher installiert worden ist. Gänzlich versagt diese Konstruktion jedoch bei Wasserund Bergrettung oder im Veranstaltungssanitätsdienst, bei dem Hilfsorganisationen oder gar gewerbliche Anbieter selbständig tätig werden, ohne dass die eingesetzten Mitarbeiter oder ehrenamtlichen Kräfte Mitarbeiter irgendeines Arztes wären (es sei denn, sie arbeiten auf einem größeren Einsatz einem Arzt zu). In diesen Fällen begründet sich eine Schweigepflicht dann - nur aus der beamtenrechtlichen Pflicht zur Dienstverschwiegenheit (soweit bspw. eine Feuerwehr tätig wird) oder aus vergleichbaren Vorschriften für den öffentlichen Dienst, aus Vorgaben des Rettungsdienstgesetzes, arbeitsrechtlichen Anweisungen des Arbeitgebers oder vereinsrechtlichen Vorgaben der (als Verein organisierten) Hilfsorganisation; strafbar im Sinne des § 203 StGB ist eine Verletzung der Schweigepflicht dann zumeist nicht, sie zieht "nur" disziplinar-, arbeits- oder vereinsrechtliche Konsequenzen nach sich.

Weitergehende Fragen stellen sich nur dann, wenn der Rettungsdienst eigenständig, d.h. ohne (Not-)Arzt, tätig wird, oder soweit Mitarbeiter anderer Hilfsdienste, bspw. des Katastrophenschutzes, der Wasser- und Bergrettung oder des oft von Hilfsorganisationen erbrachten Veranstaltungssanitätsdienstes betroffen sind. Es erscheint bereits zweifelhaft, ob Personal des Rettungsdienstes, das einen Patienten zwar auf ärztliche Anordnung (Einweisung, Transportschein) hin, aber ohne jeden direkten Kontakt mit dem einweisenden Arzt transportiert, noch zu dessen (!)

In Zweifelsfällen ist jeweils darauf abzustellen, ob die Person, um deren (potentielle) Schweigepflicht es geht, einem bestimmten Arzt oder einer Gruppe von Ärzten als berufsmäßiger Helfer zuzuordnen ist, sie also in einen ärztlich geleiteten Betrieb - wie eine Arztpraxis, ein Krankenhaus o.ä. - organisatorisch eingebunden ist, oder ob sie organisatorisch selbständig einem solchen Betrieb zuarbeitet. Es genügt jedenfalls nicht zur Begründung einer Gehilfenstellung im Sinne des § 203 Abs. 2 S. 2 StGB - und damit zu einer auch strafrechtlich begründeten Schweigepflicht -, dass jemand einmalig oder auch regelmäßig Einblicke in die medizinische Versorgung bekommt. So gehören Feuerwehrleute, die im Rahmen der technischen Rettung auch Einzelheiten der medizinischen Versorgung mitbekommen, selbst aber nicht in diese eingebunden sind, zweifelsohne nicht zum Kreis der Schweigepflichtigen; gleiches gilt, wenn "berufsmäßige Gehilfen" außerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit agieren, bspw. Sanitäter oder auch Rettungssanitäter außerhalb der Dienstzeit. Dies unterscheidet sie von den originär Schweigepflichtigen selbst, die - wie Arzt oder Rettungsassistent - auch außerhalb der Dienstzeit

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RECHT immer dann, wenn sie im Rahmen ihrer Tätigkeit in Anspruch genommen werden, auch von der strafrechtlich normierten Schweigepflicht getroffen werden. Anders sieht das für sie bei einer privaten Hilfeleistung nur dann aus, wenn der Patient gar keine Kenntnis davon hat, dass ein Arzt - oder Rettungsassistent - seine Behandlung übernommen hat, denn dann offenbart er sich seinem Helfer ja nicht deshalb, weil dieser ihm gegenüber als Arzt oder Rettungsassistent tätig wird.

er unter dem Eindruck der Todesangst zur Erleichterung seines Gewissens auf der Fahrt im Notarztwagen den Betreuern anvertraut.

Umfang der Schweigepflicht

Wenn also bereits der Zeitung zu entnehmen ist, dass es einen spektakulären Autobahnunfall gab oder dass das Haus Sowiesostraße XY abgebrannt ist, sind diese Fakten keine Geheimnisse mehr und unterliegen nicht der Schweigepflicht. Sehr wohl von der Schweigepflicht erfasst sind aber noch Einzelheiten des Unfalls oder Brandes und der dabei erlittenen Verletzungen oder die Namen der Beteiligten, weil diese eben noch nicht bekannt sind. - Andersherum ist es für den Helfer problemlos möglich, in gemütlicher Runde Anekdoten aus seiner bewegten Tätigkeit im Blaulichtmilieu zum Besten zu geben, soweit sich daraus nicht (auch nicht indirekt!) auf den oder die Betroffenen zurückschließen lässt. Ein Bericht der Art "Ich hatte mal einen Patienten, der hat sich das Bein abgesägt und das in den ersten Minuten gar nicht bemerkt" stellt einschließlich der näheren Einzelheiten dieses bizarren Falles in der Regel keine Verletzung der Schweigepflicht dar, weil eben niemand weiß oder erfahren kann, wer der Unglücksselige war. Anders sieht das natürlich aus, wenn ein "grausiger Arbeitsunfall in den XYZ-Werken" derzeit gerade das große Stammtischthema im Ort oder die Schlagzeile in der Lokalpresse darstellt.

Die Schweigepflicht gilt umfassend und gegenüber jedermann; sie betrifft all das, was dem Arzt oder nichtärztlichen Helfer aufgrund seiner Stellung und Funktion und des zwischen ihm und dem Patienten bestehenden Vertrauensverhältnisses von diesem mitgeteilt wird wie auch das, was er ohne besondere Mitteilung des Patienten selbst feststellt oder erfährt. Die von der Schweigepflicht erfassten Themenbereiche Dazu gehören zum einen alle medizinischen, krankheitsbezogenen Fakten und Erkenntnisse, beginnend damit, dass der Patient überhaupt der Hilfe bedurfte, und weitergehend über die Art seiner Verletzung oder Erkrankung, wie es dazu kam, die Symptome und andere Ergebnisse der Anamnese, die Diagnostik und (Verdachts-) Diagnose, durchgeführte Maßnahmen und Gefahren bis hin zum Transportziel oder der geplanten Weiterbehandlung. Damit aber nicht genug; zum anderen gehören auch alle nur denkbaren übrigen Fakten und Bewertungen dazu, zu denen der Helfer nur aufgrund oder anlässlich der Behandlung gelangt ist oder die ihm in diesem Zusammenhang anvertraut wurden, bspw. Feststellungen zur Wohn- und Lebenssituation, zu einer Suchtproblematik oder besonderen Vorlieben und Interessen (aus dem sexuellen Bereich und anderweitig), zur Vermögenslage, zur körperlichen Hygiene etc. pp. Der Helfer hat also Schweigen darüber zu bewahren, dass Herr X überhaupt von ihm behandelt wurde (oder dass er zu einem Notfall in der Sowiesostraße XY gerufen wurde); was Herr X hat; in welches Krankenaus er eingeliefert wird; dass Herr X offenbar Alkoholiker ist und (trotz vorhandener Ehefrau) mit seiner jungen Geliebten im Bett angetroffen wurde; dass er Lack- und LederFetischist ist; dass sich in seiner Wohnung erlesene Kunstschätze befinden; und auch darüber, dass Herr X sich seinen Doktortitel seinerzeit durch eine gefälschte Dissertation erschlichen hat, was

Nicht von der Schweigepflicht erfasst sind öffentlich bereits bekannte Tatsachen; wohl aber weitere, nicht öffentlich bekannte Einzelheiten. Auch greift die Schweigepflicht nur, soweit sich Äußerungen des Helfers irgendwie einer bestimmten oder bestimmbaren Person zuordnen lassen, also nicht anonymisiert sind.

Zu beachten ist daher auch, dass bei Veröffentlichungen von Einsatzberichten in Medien (sei es dem Internet, seien es Fachzeitschriften) nicht versehentlich gegen die Vorgaben der Schweigepflicht verstoßen wird. Die Darstellung von Einsätzen ist immer unproblematisch, wenn sich nicht erkennen lässt, wer betroffen ist; wenn aber bspw. Namen und Orte genannt werden, sollte darauf geachtet werden, keine medizinischen oder sonstigen der Öffentlichkeit bis dahin nicht bekannten Details zu veröffentlichen.

Die Personen, denen gegenüber die Schweigepflicht gilt Auch der Personenkreis, dem gegenüber die Schweigepflicht zu beachten ist, ist schnell umrissen: jedermann. Die Pflicht zur Verschwiegenheit gilt auch gegenüber Angehörigen des Patienten Rettungsdienst Journal 02+03-2011 1 ­1


RECHT (insbesondere auch bei Kindern gegenüber den Eltern!), gegenüber weiterbehandelndem Personal, gegenüber den eigenen Kollegen, Freunden und Familienangehörigen, gegenüber Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht (jedenfalls soweit ein Zeugnisverweigerungsrecht besteht) und natürlich gegenüber der Presse. Diesbezüglich sind allerdings einige Ausnahmen zu beachten, die insbesondere Angaben gegenüber Angehörigen, gegenüber weiterbehandelndem Personal und gegenüber Strafverfolgungsbehörden betreffen und im zweiten Teil dieses Beitrags behandelt werden. Besonders hinzuweisen ist an dieser Stelle auch darauf, dass die Schweigepflicht ebenfalls gegenüber Personen gilt, die ihrerseits der Schweigepflicht unterliegen. Es ist also nicht zulässig, im Kollegenkreis zu erzählen, was sich "Opa Meyer" heute wieder tolles geleistet hat; denn Einzelheiten über dessen Leiden oder sein vielleicht bizarres Verhalten sollen eben nicht nur nicht öffentlich bekannt werden, sondern auch nicht innerhalb eines kleinen (oder vielleicht auch nicht so kleinen) Kreises. Zeugnisverweigerungsrechte als Spiegelbild der Schweigepflicht Im Strafverfahren wird die Schweigepflicht im übrigen meistens durch ein Zeugnisverweigerungsrecht der Betreffenden ergänzt, denn wer sich durch seine Angaben wegen eines Bruches der Schweigepflicht (also durch "Verletzung von Privatgeheimnissen") strafbar machen würde, der muss berechtigt sein, diese Angaben verweigern zu dürfen. Eine entsprechende Regelung findet sich in § 53 Abs. 1 Nr. 3 StPO für den Arzt und in § 53a Abs. 1 StPO für seine berufsmäßigen Gehilfen: § 53 StPO (1) Zur Verweigerung des Zeugnisses sind ferner berechtigt [...] 3. Rechtsanwälte, Patentanwälte, Notare, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer, Steuerberater und Steuerbevollmächtigte, Ärzte, Zahnärzte, Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Apotheker und Hebammen über das, was ihnen in dieser Eigenschaft anvertraut worden oder bekanntgeworden ist, Rechtsanwälten stehen dabei sonstige Mitglieder einer Rechtsanwaltskammer gleich; [...]

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(2) Die in Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 bis 3b Genannten dürfen das Zeugnis nicht verweigern, wenn sie von der Verpflichtung zur Verschwiegenheit entbunden sind. [...] § 53 a StPO (1) Den in § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 4 Genannten stehen ihre Gehilfen und die Personen gleich, die zur Vorbereitung auf den Beruf an der berufsmäßigen Tätigkeit teilnehmen. Über die Ausübung des Rechtes dieser Hilfspersonen, das Zeugnis zu verweigern, entscheiden die in § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 4 Genannten, es sei denn, dass diese Entscheidung in absehbarer Zeit nicht herbeigeführt werden kann. (2) Die Entbindung von der Verpflichtung zur Verschwiegenheit (§ 53 Abs. 2 Satz 1) gilt auch für die Hilfspersonen. Dieses Zeugnisverweigerungsrecht gilt allerdings nicht mehr, wenn der Patient den Arzt von seiner Schweigepflicht entbunden hat; dann ist der Arzt verpflichtet, Angaben zu machen. Die "berufsmäßig tätigen Gehilfen" können über die Ausübung des Zeugnisverweigerungsrechts nicht selbst entscheiden, sondern müssen sich an die Entscheidung desjenigen halten, dessen Gehilfen sie sind, von dem sich also ihre Schweigepflicht ableitet. Wenn einem Schweigeverpflichteten kein Zeugnisverweigerungsrecht zukommt (wie bspw. den "Angehörigen eines anderen Heilberufs, der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert", sprich u.a. Rettungsassistenten), geht dann allerdings die Aussageverpflichtung der Schweigepflicht vor. Im Gegensatz zu Ärzten sind also Rettungsassistenten, jedenfalls soweit sie nicht als Gehilfe des Arztes, sondern selbständig tätig wurden, im Strafprozess zur Aussage verpflichtet. Mehr dazu im zweiten Teil des Beitrags. Im Zivilprozess und anderen Prozessordnungen (die auf die Zivilprozessordnung verweisen, bspw. im Verwaltungsgerichtsverfahren, vgl. § 98 VwGO) bestehen für die Schweigeverpflichteten ähnliche, noch weitergehende Zeugnisverweigerungsrechte (vgl. § 383 Abs. 1 Nr. 6, Abs. 3), soweit keine Schweigepflichtsentbindung erteilt wurde; nach einer solchen Entbindung besteht wiederum kein Zeugnisverweigerungsrecht mehr (§ 385 Abs. 2 ZPO). Der Beitrag wird fortgesetzt im RDJ 4-2011

Autor: Th. Hochstein, Ass. jur., Mag. rer. publ., Neustadt/Wstr., Email: thh@inter.net


RETTUNGSDIENST

Falck hat erste operative Basis in Deutschland Falck übernahm Krankentransport Herzig GmbH in Hamm Die Falck Rettungsdienst GmbH hat die Krankentransport Herzig GmbH in Hamm (Nordrhein-Westfalen) mit Wirkung vom 28.09.2011 vollständig übernommen. Erstmals wird Falck damit operativ im deutschen Rettungsdienst tätig. Das Unternehmen setzt künftig knapp 100 Mitarbeiter und mehr als 20 Fahrzeuge ein. Erklärtes Ziel von Falck sei, dem Rettungsfachpersonal zukunftsfähige Arbeitsplätze zu bieten und sich des Weiteren im Katastrophenschutz zu engagieren. Mit der Übernahme der Krankentransport Herzig GmbH wird die Falck Rettungsdienst GmbH erstmals im deutschen Rettungsdienst operativ tätig. Man habe sich bewusst zur Übernahme des im Jahr 1949 gegründeten und seither familiengeführten Unternehmens entschieden, so Falck-Geschäftsführer Prof. Dr. Klaus Runggaldier. Die Krankentransport Herzig GmbH und der Inhaber Dieter Herzig hätten einen hervorragenden Ruf in der Branche. Das Rettungsfachpersonal sei sehr gut ausgebildet und hochmotiviert. Pro Jahr wickelt das Unternehmen im Durchschnitt über 30.000 Fahrten ab. Der bisherige Geschäftsführer und Firmeninhaber, Dieter Herzig, konnte von Falck für die weitere Mitarbeit im Unternehmen gewonnen werden.

Der Leitende Branddirektor der Stadt Hamm, Dipl.Ing. Wilhelm Tigges, sieht in der Übernahme durch Falck den großen Vorteil, dass ein äußerst erfahrener und wirtschaftlich starker Konzern die wichtige Aufgabe des Rettungsdienstes nun gemeinsam mit der Feuerwehr der Stadt Hamm in Zukunft sicherstellen wird. Die Stadt Hamm, die Bürgerinnen und Bürger sowie die neuen Falck-Mitarbeiter würden hiervon deutlich profitieren. Die Aufnahme der operativen Tätigkeit im deutschen Rettungsdienst innerhalb eines Zeitraumes von nur eineinhalb Jahren nach Beginn der allgemeinen Geschäftstätigkeit stellt für Geschäftsführer Klaus Runggaldier einen sehr großen Erfolg dar. Die Beteiligung an Ausschreibungen stehe für die kommenden Jahre an oberster Stelle auf der Falck-Agenda. Auch weitere Übernahmen von Unternehmen seien nicht ausgeschlossen. Bild: Die neuen Partner mit Mitarbeitern: (von links) Christian Arlinghaus, Hamms Branddirektor Wilhelm Tigges, Klaus Runggaldier, Dieter Herzig und Silvia Arlinghaus. Foto: Falck

„Wir möchten allen Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung sowie den Bürgerinnen und Bürgern nachhaltig demonstrieren, dass Falck für hohe Qualität und moderne Arbeitsplätze im Rettungsdienst steht“, so Klaus Runggaldier. Knapp 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden künftig den Falken auf ihrer Dienstkleidung tragen und Bestandteil der insgesamt 23.000 Mitarbeiter starken Falck-Gruppe sein, deren Hauptsitz in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen beheimatet ist. Insbesondere bei der Personalentwicklung wolle man neue Wege gehen, so Klaus Runggaldier. Hier komme der Vorteil eines international tätigen Unternehmens zum Tragen, das spezielle Austauschund Fortbildungsprogramme in aller Welt anbieten könne. Aktuell ist Falck weltweit in 31 Ländern vertreten – Tendenz stark steigend. Die zum Unternehmen Herzig gehörende Rettungsdienstschule werde bei der Aus- und Fortbildung wichtige Synergieefekte erschließen, betonte Runggaldier. Ein weiteres Betätigungsfeld werde der Katastrophenschutz darstellen. Geschäftsführer Klaus Runggaldier: „Als modernes Unternehmen sind wir uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Dies schließt auch die Mitwirkung im Katastrophenschutz sowie bei größeren Unfällen ein“. Man werde in den nächsten Wochen das Gespräch mit verschiedenen Stellen suchen und zusätzlich prüfen, einen gemeinnützigen Verein für Ehrenamtliche zu gründen und entsprechend zu unterstützen.

Der Falck Konzern Der Falck Konzern mit Zentrale in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen ist mit seinen rund 23.000 Mitarbeitern weltweit das größte Rettungsdienstunternehmen und das größte private Feuerwehrunternehmen. Neben Rettungsdienst und Feuerwehr, der Pannenhilfe sowie der Gesundheitsfürsorge ist Falck der weltweit führende Anbieter von Notfall- und Sicherheitskursen, insbesondere für den Offshore- und Marinebereich. Auf fünf Kontinenten werden insgesamt 27 Ausbildungszentren betrieben – auch in Deutschland. Falck verfügt über ein Spezial-Trainingscenter für Windkraftanlagensicherheit in Bremerhaven. Der Gesamtumsatz lag im zurückliegenden Geschäftsjahr 2010 bei rund 1,4 Milliarden Euro. In den vergangenen Jahren expandierte das Unternehmen stark und ist heute mit seinen Dienstleistungen in 31 Ländern vertreten. Haupteigentümer sind die beiden Stiftungen Lundbeck (57%) und Kirkbi (20%). Bei Lundbeck handelt es sich um eine gemeinnützige Stiftung, die medizinische Forschung unterstützt. Kirkbi ist bekannt als Stiftung der Besitzer der Spielzeugfirma LEGO und der LEGO-Parks. Text: Falck Rettungsdienst GmbH (Köln) Rettungsdienst Journal 02+03-2011 1 ­3


NEWS Qualität beginnt bei der Erstversorgung KTQ® stellt neuen Katalog zur Zertifizierung von Rettungsdiensten vor Die Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen - KTQ® - präsentierte auf dem 11. KTQ-Forum am 23. September in Berlin das neue Verfahren zur Zertifizierung von Rettungsdiensteinrichtungen. Die an der Entwicklung beteiligten Experten stellten in Vorträgen und Workshops die Grundlagen zur Bewertung des Qualitatsmanagements bei Rettungsdiensten vor. Ab sofort wird das Zertifikat besonders bei Ausschreibungen von Rettungsdienstträgern ein bedeutendes Auswahlkriterium sein. „Mit der Entwicklung des KTQ-Verfahrens für Rettungsdienste schließen wir eine Lücke an der Schnittstelle zwischen Notfallrettung, qualifiziertem Krankentransport und stationärer Versorgung“, so Dr. Bernd Metzinger, Vorsitzender des KTQ- Gesellschafterausschusses und Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Damit schafft die KTQ® eine Grundlage für eine geschlossene Qualitätskette, von der Erstversorgung bis zur Rehabilitation – dies sei in dieser Konsequenz und Tiefe einmalig, so Metzinger weiter. Mit weit über 1.500 Zertifikaten für Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen hat sich die KTQ® in den vergangenen zehn Jahren als bedeutende Instanz im Gesundheitsmarkt etabliert. Mehr als 500 Krankenhäuser, Arztpraxen, Medizinische Versorgungszentren, Rehabilitationskliniken, stationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste sowie Hospize erfullen bereits die hohen Qualitatsanforderungen der KTQ- Zertifizierung. Mehr Anerkennung fur Notfallversorgung Metzinger wies auf den aktuellen Beschluss der Bundesgesundheitsministerkonferenz hin, wonach der Rettungsdienst zukünftig als eigenständiger Bereich innerhalb des SGB V etabliert werden soll. Bisher wurde der Rettungsdienst lediglich als Krankentransport geführt. Die in der Praxis bereits etablierte, qualifizierte Erstversorgung von Notfällen soll nun ebenfalls berücksichtigt werden. „Der Beschluss bestätigt unsere Entscheidung, das KTQVerfahren für den Rettungsdienst auf den Weg zu bringen“, erklärte Metzinger. Das Zertifikat wird bei Ausschreibungen der Rettungsdienstträger zukünftig ein relevantes Auswahlkriterium sein und letztendlich den Patienten zugute kommen: „Eine ständige Verbesserung bei der Struktur-, Prozess-, und Ergebnisqualität ist fur die zehn Millionen Patienten, die jedes Jahr von deutschen Rettungsdiensten versorgt werden, besonders wichtig“, machte Marie-Luise Müller, Vorsitzende der KTQ- Gesellschafterversammlung und Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerates, deutlich. Zudem sorge ein einheitliches Qualitätsmanagementsystem gerade an akutmedizinischen Versorgungsschnittstellen für mehr Sicherheit und erleichtere die Verständigungsprozesse, so Müller.

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Qualitätskriterien aus erster Hand Namhafte Experten der KTQ-Arbeitsgruppe Rettungsdienst haben das neue Verfahren zur Zertifizierung von Rettungsdiensten erarbeitet. Es wurde auf dem 11. KTQ-Forum im September 2011 in Berlin erstmals präsentiert. „Bei der Entwicklung des Kriterienkataloges für den Rettungsdienst sind wir unserem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“ treu geblieben“, so Gesine Dannenmaier, Geschäftsführerin der KTQ-GmbH. Jetzt gelte es, das Verfahren zugig bei den deutschen Rettungsdiensten zu etablieren. Über die KTQ® Die Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen (KTQ®) bietet Einrichtungen des Gesundheitswesens spezifische Zertifizierungsverfahren für interne Qualitätsmanagementsysteme – von Krankenhausern und Arztpraxen über Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen bis hin zu Hospizen. Dadurch werden die Leistungen der einzelnen Einrichtungen transparent und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar. Gesellschafter der KTQ® sind die Verbände der Kranken- und Pflegekassen auf Bundesebene, die Bundesärztekammer (BAK), die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG), der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) und der Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands (HB). Ein Ziel des KTQ-Verfahrens ist es, Geschaftsführung und Mitarbeiter der Einrichtungen im Gesundheitswesen zu motivieren, ein internes Qualitätsmanagement im Sinne der Patientenorientierung zu implementieren und dieses kontinuierlich zu verbessern. Im Mittelpunkt steht die Betrachtung der Prozessabläufe bei der Behandlung und Pflege der Patienten. Die Unterscheidung zu den anderen etablierten Verfahren liegt bei der KTQ-Zertifizierung in deren Besonderheit interdisziplinar, berufsgruppen- und hierarchieübergreifend die jeweilige Einrichtung in ihrer Gesamtheit zu überprüfen. Die KTQ® wurde 2001 mit dem Ziel gegründet, ein fur die Krankenhauser freiwilliges Zertifizierungsverfahren zur Verfügung zu stellen, um damit die kontinuierliche Verbesserung des internen Qualitätsmanagements zu fordern. Im Oktober 2004 erfolgte eine Erweiterung des Zertifizierungsverfahrens für Praxen und Medizinische Versorgungszentren. Seit Mai 2005 ist für Rehabilitationskliniken die Zertifizierung des internen Qualitätsmanagements nach KTQ® möglich. Das KTQ-Verfahren für Pflegeeinrichtungen, Pflegedienste, Hospize und alternative Wohnformen steht seit Ende 2006 zur Verfügung. Weitere Informationen zum KTQ-Forum erhalten Sie unter www.ktq.de.


BVRD + RETTER.TV

Die Plattform für Helfer und Retter Internetportal: Eine einzigartige interaktive Plattform vernetzt Hilfsorganisationen und Öffentlichkeit Helfer und Retter leisten als „Helden des Alltags“ mit großem Engagement und häufig ehrenamtlich einen unverzichtbaren Dienst für unsere Gesellschaft, der alles andere als selbstverständlich ist. Umso bedauerlicher, dass sich so viele Bürger als erstaunlich uninformiert erweisen, wenn es um die Details ihrer Arbeit geht. „Wir haben festgestellt, dass viele Menschen keine klare Vorstellung davon haben, wofür die eine oder andere Hilfsorganisation überhaupt steht und was deren Aufgaben sind. Dementsprechend fehlt auch vielen der Bezug zu den täglichen Arbeiten und Herausforderungen einer Hilfs- und Rettungsorganisation. retter.tv setzt genau an dieser Stelle an und leistet Aufklärungsarbeit für die breite Masse, um somit die Öffentlichkeit für das oftmals freiwillige und auch ehrenamtliche Engagement zu sensibilisieren.“ So beschreibt Martin Leopold, als Portalmanager einer der „Macher“ des Portals retter.tv, den Motivationshintergrund zur Entstehung der bemerkenswerten Plattform. retter.tv bietet allen Hel-fern und Rettern die Möglichkeit, sich und ihre Arbeit, ihre Aufgaben und ihre Ziele einem breiten Publikum zu präsentieren. Die angemeldeten Mitglieder des Portals schaffen durch ihre eigenständig produzierten Beiträge auf retter.tv ein öffentliches Bewusstsein für ihre wertvolle Tätigkeit und regen Interessierte zum Mitmachen an. Berichten – Vernetzen – Erfahrungen austauschen retter.tv vernetzt darüber hinaus die Rettungsorganisationen und -personen untereinander und mit den Bürgern, für die sie sich einsetzen. Mithilfe modernster interaktiver Web 2.0-Technologie begegnen sich die auf der Plattform registrierten Partner im Internet – einerseits zum dringend nötigen Erfahrungsaustausch oder zur Koordination, andererseits, um sich über Ereignisse, Einsätze und neue Technologien oder Strategien zu informieren. Eigenständig produzierte Text-, Bild- und Videobeiträge vermitteln dabei authentische Einblicke in die tägliche Arbeit der Hilfsund Rettungsprofis.

Erfahrung dieser Verbände tragen maßgeblich zu einer qualitätvollen Berichterstattung bei. retter.tv freut sich daher sehr, dass der BVRD als weiterer, renommierter Verband ab jetzt die Möglichkeit der retter.tv-Partnerseite nutzt, um sowohl seine Mitglieder als auch viele andere Interessierte über seine Arbeit und seine Anliegen zu informieren und sie auf dem neusten Stand zu halten. Die retter.tv-Partnerseite des BVRD finden Sie unter www.retter.tv/bvrd.html. Ergänzend dazu ist retter.tv als offizieller Medienpartner auf allen wichtigen Messen und großen Veranstaltungen der Branche präsent und berichtet mit eigenen retter.tv-Reportern und Videoteams live vor Ort. So ist retter.tv unter anderem Medienpartner der akut in Bremen, dem Deutschen Forum für Notfallmedizin und Rettung und des Hannoverschen Notfallsymposiums, dem jährlich stattfindenden Fachkongress in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), veranstaltet vom JUH-Landesverband Niedersachsen/ Bremen. Seit der Gründung 2009 hat sich das Portal so als Informationskanal etabliert und wächst stetig weiter. Auf retter.tv berichten bereits über 6.000 Ehrenamtliche und Experten aus ihren Organisationen über Einsätze, Übungen, Veranstaltungen und neue Techniken und Trends in Form von Berichten, Bildern und Videos. Zudem verfolgen auch bei Facebook bereits über 28.000 retter.tvFans die aktuellen Neuigkeiten und Berichte aus der Welt der Helfer und Retter. Wer also an der Darstellung seiner Erfahrungen bei Einsätzen, Übungen, Festen oder Messen interessiert ist und dieses einzigartige Medium zum Austausch und zur Kontaktaufnahme mit Gleichgesinnten nutzen möchte, kann sich direkt auf der Plattform www.retter.tv registrieren und loslegen!

Aber auch die enge Zusammenarbeit mit Fachund Berufsverbänden aus dem Hilfs- und Rettungswesen ist retter.tv ein wichtiges Anliegen. Sowohl die Kompetenz als auch die jahrelange Rettungsdienst Journal 02+03-2011 1 ­5


RETTMOBIL

RETTmobil 2011 Internationaler geht’s fast nicht

Von Andreas Bachsleitner Die Messe Galerie Fulda war auch dieses Jahr vom 11.05. bis zum 13.05. wieder Gastgeber für Europas größte Leitmesse für Rettung und Mobilität. Die ebenfalls wieder gestiegene Ausstellerzahl machte es dieses Jahr einmal mehr nötig, den vorhandenen Raum um drei Zelte auf nun 16 Hallen zu erweitern, um die insgesamt knapp 450 Firmen aus mittlerweile 17 Nationen unterbringen zu können. Als Wermutstropfen ist zu vermerken, dass auf Grund des anhaltenden Erfolges der RETTmobil die Parksituation in und am Gelände mittlerweile etwas problematisch geworden ist. Insgesamt gesehen war es für die 21.850 Besucher, Aussteller und Veranstalter jedoch einmal mehr eine erfolgreiche Veranstaltung, zudem das Wetter von Mittwoch bis Freitag gute Laune aufkommen ließ. Lediglich am Dienstag zum Hauptaufbautag war es wie bei so großen Veranstaltungen kaum anders zu erleben ein wenig hektisch, unübersichtlich und das Organisationspersonal kam doch etwas ins Schwitzen. Aber letztlich kam jeder auf sein Plätzchen und konnte seinen Stand rechtzeitig zur Eröffnung ganz nach Geschmack mal einfach aber auch spektakulär gestalten. Bei den medizinischen Produkten gab es diesmal keine weltbewegenden Neuheiten. Dafür wurden die Angebote der Ausbauhersteller von Einsatz- und Sonderfahrzeugen internationaler, interessanter und was Signalanlagen und Aufbauten betrifft auch ausgefallener. Insgesamt war zu beobachten, dass es einen Zuwachs vor allem von Firmen aus den osteuropäischen Nachbarländern und Skandinavien gab. So waren unter anderem Firmen wie Nilsson aus Laholm Schweden, Silwi (Estland), Profile (Finnland/Estland) und Medicop aus Slowenien vertreten. Die Bundeswehr vom 6.Lehrregiment Feldkirchen kam mit einem Exoten oder vielleicht auch mit dem zukünftigen SanKfz für den Sanitätsdienst in Krisen- und Kriegsgebieten. Das Fahrzeug vom Typ “Eagle IV BAT“ ist ein leichtgeschütztes und äußerst geländegängiges SanKfz zur Rettung eines Verwundeten aus einem Gebiet leichter bis mittlerer Intensität. Es dient zur sanitätsdienstlichen Unterstützung der eingesetzten Kampftruppe durch mobile Erstversorgung sowie als qualifizierter Verwundetentransporter. Der “Eagle“ wird benutzt, den qualifizierten Primär-

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RETTMOBIL transport von Verwundeten aller Schweregrade vom Ort der Verwundung zu einer Sanitätseinrichtung der Behandlungsebene 1 oder 2 unter rettungsmedizinischer Überwachung und Sicherstellung der Vitalfunktionen unter Schutz durchzuführen. Das Fahrzeug verfügt über Signalanlage, Klimaanlage, Rückfahrkamera, Bergewerkzeug, Notfallrucksack, EKG, Accuvac Absaugung, Weinmann Beatmungseinheit, Sauerstoff, Schaufeltrage, und ein Casidian Tragensystem in Aluminiumleichtbauweise. Derzeit befinden sich schon vier Fahrzeuge dieses Typs im Einsatz in Afghanistan rund um Kunduz. Zwei weitere wie auch das auf der Messe ausgestellte Fahrzeug nutzt die Bundeswehr gerade zur Ausbildung. Aus- bzw. aufgebaut wurden die Fahrzeuge von General Dynamics-Mowag am Standort Kreuzlingen (Schweiz). Eagle IV BAT Technische Daten: Antrieb: 4x4 Motor: 6 Zylinder Diesel Leistung: 184 kw/250 PS Gewicht: 9,5 Tonnen Toyota Gelände-Rettungswagen Die polnische Firma Autoform setzte zusammen mit dem Aufbauhersteller Team Concept die GEstaltung ein neuen geländegängigen Fahrzeuges um. Als Basisfahrzeug für den RTW entschied man sich für einen Toyota Hilux 2.5 D-4D 4x4 mit 168 PS und Einzelkabine. Den Kofferaufbau in Aluminium Sandwichbauweise mit einem Gewicht von ca. 400kg (ohne Ausstattung) und einer Stehhöhe im Innenraum von 1,72m fertigte der Aufbauhersteller Team Concept. Das Gesamtgewicht mit Ausbau beträgt 2,4 Tonnen. Zur Ausstattung gehört u.a. Umfeldbeleuchtung, Luftfederung und Tragetisch von STEM Italy.

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Geschwindigkeit: 100 km/h Wendekreis: 15 Meter


RETTMOBIL AMZ Kutno Ein neues Demo Fahrzeug für den schwedischen Markt stellte die Firma AMZ vor. Der Notfall KTW Typ B auf Basis eines VW T5 Hochdach wurde mit diversen Front- und Umfeldblitzern in blau und gelb, sowie zwei LED SOS9000 Signalbalken aus dem Standby Sortiment bestückt. Besonderheit sind die von der Firma Standby verbauten LED Frontblitzer im Spiegel die über eine ECE R65 (E5) Zulassung mit 4 High Power LEDs verfügen und damit wahrscheinlich die kleinsten typgeprüften LED-Blitzer der Welt sind. Der BL88 benötigt nur eine Bohrung im Spiegel oder sonstigen Flächen von 29mm (Größe eines € 2 Stücks!). Im Innenraum befindet sich ein neugestalteter Arbeitsplatz für den behandelten RA bzw. Notarzt. Dieser ist mit allen wichtigen Systemen wie PCAnschluß, Regelung der Sauerstoffzufuhr, Funkverbindung, Heizung, Beleuchtung, Ablage- und Staufächern für Ampullen, Klemmbrett usw. ausgestattet. Für den privaten Krankentransport KBH in Hannover fertigte AMZ einen Fiat Ducato Serie 3 Typ250 mit RKB Kofferaufbau, Luftfederung, 230 Volt Wechselrichter, Schwerlasttrage und auffälligem Design. Der RTW der sogar Fliegen durfte... Die Firma Silwi aus Tallinn Estland war das erste mal zu Gast in Fulda. Der ausgestellte RTW auf Mercedes Sprinter 319 CDI Basis wurde auf Grund der Strecke von Tallinn nach Frankfurt geflogen, und dann von den Silwi Mitarbeitern nach Fulda gefahren. Silwi wurde 1996 gegründet und produziert auf Basis von Mercedes Sprinter Fahrzeugen Touristen-, Linien- und Schulbusse, sowie Rettungswagen und leichte Militärfahrzeuge. Außerdem werden Liefer- bzw. Kühlwägen und Aufbauten für LKW und Anhänger gefertigt.

Die 40 Mitarbeiter fertigen monatlich 4 Rettungswagen, die überwiegend zu Kunden nach Rußland, Finnland, Ukraine, Norwegen und Skandinavien geliefert werden. Silwi setzt beim Ausbau der Einsatzfahrzeuge auf ausreichende Ausleuchtung außerhalb und innerhalb des Fahrzeugs, robuste Schränke mit Rollsystem bzw. Schubsystem und abgerundeten Ecken sowie Eigenentwicklungen von Innenausstattungen, Schaufeltrage und Touch Panel Systemen. Katsana Tragensysteme Praktische Helfer für den täglichen Einsatz und schonend für Rücken und Gelenke sind die neuen Fahrtragen, Trageaufnahmen- und tische von der Firma Katsana aus Eislingen. Nach der manuellen Fahrtrage “Jupiter“ mit Gasdruckdämpfern ist dieses Jahr die “Jupiter“ und “Power Brava“ mit automatischer Hebe- bzw. Absenkfunktion neu im Programm. Für den Kranken- und Schwerlasttransport, aber auch als Inkubator- oder Intensivtrage gedacht und ohne jeglichen Kraftaufwand zu betätigen, wurden diese Tragen mit einem Eigengewicht von 70 kg entwickelt. Sie werden mit zwei unabhängigen Akkus für je ca. 30 Ladezyklen (hoch/runter/Beleuchtung) betrieben und sind bis maximal 300 kg belastbar. Durch komfortables und leichtes Handling der Bedienelemente durch Sensor Touch Tasten müssen keine schwergängigen Knöpfe mehr gedrückt, oder Hebel gezogen werden. Lediglich ein Notknopf (bei Stromausfall) für stufenlose manuelle Absenkung bzw. Anhebung ist vorhanden. Die “Power Brava“ verfügt u.a. über zusätzliche Sicherheitseinrichtungen wie Warnbeleuchtung in Form von vier Warnblinkleuchten (nähe der Haltegriffe), gute Wendigkeit durch 4 drehbare LaufRettungsdienst Journal 02+03-2011 1 ­9


RETTMOBIL räder und 7 einstellbare Höhen mit automatischer Rasterfunktion oder stufenlosen Höhenverstellung. Für die Tragen speziell wurden die Tragetische “Bravo“ entwickelt. Diese sind in den folgenden Varianten verfügbar: Bravo 1 Standard Bravo 2 Parallel verstellbar Bravo 3 Kopf tief Bravo 4 mit hydraulischem Antrieb und Verbreiterung für den Schwerlasttransport (lt. Hersteller noch nicht lieferbar) Die Beladung in den KTW/RTW erfolgt ohne Kraftaufwand, da die Trage eben von dem Schienensystem des Tisches aufgenommen wird und das Unterteil dann automatisch hochgezogen wird. Das Aufladen der Akkus erfolgt über die am Tragetisch angebrachte Ladestation. Neuer RTW Kofferaufbau für das slowenische Rote Kreuz Ljubiana Die Firma Medicop stellte auf der RETTmobil ihren neuen KTW Typ B mit dem GFK Kofferaufbau “LifeSaver“ vor. Dieser ist auf einem Volkswagen T5 Fahrgestell aufgebaut, mit Automatikgetriebe 2.0/ 4Motion und 180 PS ausgestattet und nach den strikten Sicherheitsstandards nach EN1789-2007 hergestellt und ausgerüstet. Das Fahrzeug verfügt über eine Innenstehhöhe von 1,92m, Luftfederung von Goldschmitt und einigen Eigenentwicklungen wie z.B. dem Touch Panel für Fahrgast- und Patientenraum. Dieses kann beliebig nach Kundenwunsch programmiert werden. Über das Display in der Fahrgastkabine können z.B. Signalanlage, Umfeldbeleuchtung, Reifendruck und Beleuchtung gesteuert werden. Das im Patientenraum verbaute Panel ist bei dem hier gezeigten Modell mit verschiedensten Anzeigen wie dem Inhalt und der Umschaltung der Sauerstoffflaschen, Regulierung von Heizung und Klimaanlage sowie der Kommunikationsanlage programmiert. Informationen zu Medicop: Die Fertigung der jährlich etwa 100-150 Fahrzeuge liegt in Slowenien nur etwa 10 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Seit knapp 30 Jahren wird hier schon Medizintechnik überwiegend für den slowenischen Markt produziert. 90% der Fahrzeuge und Medizintechnik werden daher hauptsächlich ins Inland geliefert. Zu den Kunden im angrenzenden Ausland gehören zwischenzeitlich das Grüne Kreuz und die Malteser Graz. Spezialisiert hat sich Medicop hauptsächlich auf den Bau von Fahrzeugen auf VW T5 Basis da es hierfür in Slowenien zahlreiche Servicepartner bzw. Werkstätten und Ersatzteile gibt.

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RETTMOBIL Spielen Sie noch Golf oder retten Sie schon? Aufgrund jahrelanger Erfahrung im Rettungsdienst und der Feuerwehr hat Daniel Koczyba sich entschlossen, eine Ideallösung für besondere Einsatzgebiete zu schaffen. Sein Hobby - das Golfspiel - hat ihm bei der Umsetzung geholfen. Grundfahrzeug und Idee waren vorhanden und nun musste beides zusammengefügt werden. Dabei wurde Fachpersonal aus Rettungsdienst und Feuerwehr hinzugezogen um auf die verschiedenen Anforderungen und Ausstattungen aufmerksam zu machen. Auf der RETTmobil wurde das “RescuEcar“ dann exklusiv präsentiert. Dazu kamen noch einige Stunden wegen verschiedener Auflagen des TÜV zum Um- bzw. Anbau von u. a. Fahrer-/ Beifahrersitzen, Frontscheibe mit Scheibenwischer, Lichtanlage/ Blinker und vier Rad Bremssystem. Die gezeigte Ausführung ist mit zwei Sitzplätzen, DIN Tragen Vorbereitung bzw. Stryker Trage, Materialschrank, Beleuchtung, Ladegerät, Dach vom 6-Sitzer Golfcar, Windschutzscheibe, Spineboard, Feuerlöscher und Signalanlage ausgestattet. Eingesetzt und getestet wurde das RescuEcar bereits von mehreren Organisationen. Bei der großen Silvesterparty 2010/2011 in Berlin wurde es in Zusammenarbeit mit dem DRK Berlin das erste Mal auf der Straße des 17.Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule sowie auf dem Bremer Weg eingesetzt. Desweiteren kam es beim DFB Pokalspiel Alemania Aachen gegen Bayern München am Tivoli im Außenbereich und den danebenliegenden Parkhäusern und dem internationalen Springreitturnier in Aachen zum Einsatz. Das “RescuEcar“ wird von einem 5,5 PS Elektromotor (Batterien 48V/6x8V Trojan) angetrieben und hat bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h eine Reichweite von etwa 50 Kilometern.

NEF von FAHRTEC-Systeme Seit Juni setzt das BRK KV München ein neues Fahrzeug als NEF bzw. Kommandowagen ein. Die Firma Fahrtec Systeme Neubrandenburg baute den ersten VW T5 2,0 BiTDI Caravelle Comfortline mit 180 PS und langem Radstand nach den Vorstellungen des BRK aus. Weitere Fahrzeuge dieses Typs werden nach einer Erprobungsphase des BRK evtl. folgen bzw. wenn nötig in Ausstattung verbessert oder geändert. Das Fahrzeug verfügt über Wechselrichter (230 Volt), Zusatzbatterie mit verstärktem Generator, Klimaanlage mit zwei Verdampfern, Wasserzusatzheizung, Reifenkontrollanzeige und abnehmbarer Anhängerkupplung. Im Fahrgastraum befindet sich auf normkonformen Befestigungen der Schnierle AluSystemboden mit ELW Ausbau, Funktisch und zwei Arbeitsplätzen (Sitzbank und drehbare Einzelsitze). Hier sind die Kommunikationsausstattung, (2x 2m BOS/ 2x 4m BOS/ BOS Digital) Telefon und Faxgerät untergebracht. Im Heckbereich befindet sich ein Schranksystem zur Unterbringung von Medizintechnik, Werkzeug und Warnausrüstung.

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RETTUNGSDIENST Egal wo der Einsatzort liegt... Volkswagen und Wietmarscher bringen Sie mit der VW Amarok 4x4 “All Terrain Ambulance“ hin. Für großes Interesse und neugierige Blicke sorgte schon am Dienstag vor Messebeginn die Anlieferung des 163 PS starken Amarok (Trendline) Einsatzfahrzeugs. Das Grundfahrzeug als 3,04t Variante wurde von Volkswagen mit Doppelkabine an Wietmarscher ohne dem Pritschenaufbau geliefert, und dann mit Aluminiumrahmen und GFK aufgebaut. An der Federung wurden keine Veränderungen vorgenommen, da der Amarok werksseitig schon mit Blattfedern extra für den Einsatz in unwegsamen Gelände ausgestattet ist. Der Aufbau ist in zwei Abschnitte unterteilt. Den Front- und Heckpart, die getrennt voneinander dynamisch beweglich sind um Erschütterungen und Unebenheiten auszugleichen. Im Alkoven über der Kabine ist die Signalanlage und Klimaanlage verbaut. Nach dem Einbau der Trennwand in der Kabine wurde unter der rechten Sitzbank im Patientenraum Vakuummatratze/Schaufeltrage, an der linken Wand auf Trageschienen EKG, Absaugung und Spritzenpumpe untergebracht. Des weiteren wurden ein Betreuersitz, 230V Versorgung, Sauerstoffversorgung, Beatmungseinheit, Tragetisch, Rettungsbrett, Arbeitsscheinwerfer und mehrere Staufächer in dem Aufbau integriert. Der Amarok kann z.B. auch für Bergwachten, Wasserwacht oder für Strände in Urlaubsgebieten interessant sein, wo man mit normalen KTW/RTW wegen Größe und Gewicht nicht mehr hinkommt. Auch bei Volkswagen wird der Kletterkünstler noch auf diversen Ausstellungen und Messen zu sehen sein und da es schon einige Anfragen aus der Schweiz, Österreich und dem arabischen Raum gibt, werden wir ihn vielleicht bald des Öfteren auf unseren Straßen sehen können.

Erster RTW von Amstra für Rotterdam Die Firma Amstra lieferte an den kommunalen Rettungsdienst der Stadt Rotterdam (Niederlande) den ersten RTW mit 3,8t, Miesen Ausbau auf Mercedes Sprinter 319 aus. Das Fahrzeug ist in Eurogelb lackiert und mit dem niederländischen Design und der Ortsbezeichnung bzw. Funknamen 17-143 beklebt. Der RTW verfügt über einen PC mit Windows XP, über den u.a. Navigation, Verkehr, Patientendaten, Übermittlung von Zielkliniken usw. gesteuert werden können. Auf der GFK Konsole am Heck wurden Signaleinrichtung, Scheinwerfer, Rückfahrkamera und die grüne RKL zur Kennzeichnung der

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RETTUNGSDIENST Einsatzleitung integriert. Die Besonderheit an diesem Fahrzeug ist der Ausbau des Innenraums der nach Kundenwunsch gefertigt wurde. Der Trennwandschrank verfügt über ein ausziehbares Ablageelement, dass zur Montage von Defibrillator gedacht ist. Darunter sind zwei Notfallkoffer untergebracht, die durch zwei Schubauszüge entnommen werden oder zur Versorgung aus dem Koffer aufgeklappt werden können. Hinter dem Schrank ist die Schaufeltrage, bzw. darunter das Fach für einen Tragestuhl untergebracht. Im Staufach hinter der linken Schiebetür befinden sich Werkzeuge, Helme und zwei 10 Liter Sauerstoffflaschen. Die Schweden baten auf der RETTmobil zum “Elchtest“... Die Firma Nilsson ist in Schweden bekannt als die “Autobauer von Laholm“. Auf der RETTmobil waren sie dieses Jahr zum ersten Mal vertreten. Ein hoch/lang auf Volvo...? hörte ich Besucher der Messe mit aber erstaunten Blicken sagen. Ja, das bietet sich als schwedisches Unternehmen natürlich an und der Erfolg gibt den Autobauern recht. In Schweden sind solche Fahrzeuge bei längeren Überlandfahrten und meist nur geraden Strecken gefragt und erfüllen dank ihres Komforts und der guten Straßenlage ihren Zweck vorbildlich, so der Geschäftsführer Per Dahlstrom. Gegründet wurde die Firma im Jahr 1945 unter dem Namen “Yngve Nilssons Karosseriefabrik“. Heute heißt das Unternehmen Nilsson Special Vehicles und beliefert hauptsächlich den skandinavischen Markt. Nilsson entwickelt, fertigt und vertreibt Ambulanzfahrzeuge, Limousinen und Bestattungsfahrzeuge auf Basis der Volvomodelle V70 und S80. Begonnen hat man mit der Fertigung von Bussen und Transportern, bevor um 1960 mit dem Bau der ersten Volvo Ambulanzfahrzeuge begannen wurde. 60 Mitarbeiter bauen jährlich etwa 150200 Ambulanz- und Bestattungsfahrzeuge sowie Limousinen in verschiedenen Verlängerungen aus. Das aktuelle hoch/lang Modell ist auf dem Volvo V70 aufgebaut, wird um 100cm verlängert und mit der Patientenkabine aus G F K / K o h l e n s t o fff a s e r n aufbzw. ausgebaut. Außerdem setzt man bei Nilsson auf umfangreiche Warnbeleuchtung rund um das Fahrzeug. In Zusammenarbeit mit der Firma Standby aus Trollhättan (Schweden) wurde der V70 mit Warnlichtbal-

ken vom Typ SOS9000, mehreren Konsolen an Seiten- und Heck mit blauen/gelben Signalleuchten Typ BL76, sowie LED Arbeitsscheinwerfern und blauen Kennzeichen LED Leuchten bestückt. Als neues Produkt von Stand-by sind bei diesem V70 unter den Seitenspiegeln die LED Blitzleuchten Typ “Intersector“ BL93 verbaut. Diese sind leicht anzubringen und haben eine Ausleuchtung um fast 180°. Sie sind in blau (BL93) oder gelb (GU93) erhältlich und haben die Maße von 73,1 x 47,7 x 74,4mm. Ein weiteres neues Produkt von Standby ist der Signalbalken “WorldBar“ W1 (übersetzt Weltbalken) in LED Technik. Er besticht durch seine Aerodynamik und seine flache Bauweise (Höhe 47 bzw. 65mm). Er kann an Front- und Heck mit mehreren Feldern in blau, gelb oder weiß und seitlich mit je 2 LED Feldern und Arbeitsscheinwerfern bestückt werden. Die Kombination wie auch hier bildlich gezeigt aus Arbeitsscheinwerfer an Frontund Seite bildet zusammen eine Ausleuchtung von 90 bzw. 180°. Bei den Längen ist der “WorldBar“ in 880, 1050, 1210, 1380, 1550, 1720 und 1890mm mit blauen oder klaren Hauben lieferbar.

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RETTMOBIL Neues Design beim Rettungsdienst Prag Die Firma KOV aus Velim (CZ) stellte einen im Außen- und Innenbereich neu gestalteten Kofferaufbau vor. Fünf dieser Fahrzeuge wurden zwischenzeitlich schon an den Rettungsdienst der Stadt Prag geliefert und weitere sind im Bau. Der MB Sprinter 519 CDI ist mit einem Kofferaufbau in Aluminium Sandwichbauweise aufgebaut und mit dem neuen auffälligem und reflektierenden “Prager“ Design beklebt. Die in hellem Mintgrün gehaltene Inneneinrichtung wurde auf Kundenwunsch in dieser Anordnung gestaltet und besteht u.a. aus Aluminium Schranksystemen-/Halterungen und Arbeitsflächen, STEM Tragetisch Italy, Stryker Trage und zwei klappbaren Betreuersitzen an der linken Seite. Die Innenmaße des RTW betragen 3,8 x 1,9 x 1,85m. Fotos und Text: Andreas Bachsleitner, Redaktionell überarbeitet von Andreas Zimmermann

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NEWS Katastrophenschutz

Rheinland-Pfalz und Sachsen schließen Ausbildungskooperation im Katastrophenschutz Der­ Sächsische­ Staatsminister­ des­ Innern Markus­Ulbig­und­der­Minister­des­Innern,­für Sport­und­Infrastruktur­des­Landes­Rheinland Pfalz,­ Roger­ Lewentz,­ unterzeichneten­ am Rande­ der­ Innenministerkonferenz­ in­ Frankfurt­ eine­ Vereinbarung­ zur­ Nutzung­ des SAFER-Simulationssystems­ bei­ der­ Durchführung­ von­ Katastrophenschutzübungen­ im Freistaat­Sachsen. Auch­ die­ Katastrophenschutzkräfte­ des­ Freistaates­ Sachsen­ sind­ gefordert,­ die­ Abläufe im­ Katastrophenfall­ immer­ wieder­ zu­ üben. Wie­notwendig­die­Sicherstellung­eines­funktionierenden­ Katastrophenschutzes­ auf hohem­Niveau­ist,­hat­sich­gerade­erst­wieder bei­ der­ Bewältigung­ des­ Sommerhochwassers­ 2010­ gezeigt.­ „Wir­ freuen­ uns­ auf­ die Kooperation­mit­Sachsen­in­diesem­wichtigen Feld­der­Inneren­Sicherheit.­Das­Ausbildungssystem­SAFER­ist­hochmodern­und­in­dieser Form­ bundesweit­ einzigartig.­ Durch­ die Partnerschaft­ wird­ es­ möglich­ sein,­ gemeinsam­das­System­weiterzuentwickeln.­SAFER wird­künftig­auch­durch­die­„sächsische­Brille“ betrachtet­ –­ Potenzial­ für­ neue­ Ideen­ dürfte garantiert­sein“,­sagte­Innenminister­Lewentz. „Mit­ Abschluss­ der­ Vereinbarung­ stellen­ wir unseren­ Landkreisen­ eine­ moderne­ Übungsmöglichkeit­zur­Verfügung, die die­ bereits­ bestehenden­ Übungsverpflichtungen­ um­ eine weitere­ Komponente­ ergänzt. Es­ ist­ mir­ wichtig,­ dass­ unsere Landkreise­ gut­ auf­ ihre­ Aufgaben­ im­ Katastrophenschutz vorbereitet­sind“,­so­Staatsminister­ Ulbig.­ Vorgesehen­ ist­ zunächst­eine­Erprobung­des­Systems­in­Sachsen.­Dabei­werden die­ Übungsinhalte­ in­ Abstimmung mit­ der­ Landesfeuerwehrschule­ Sachsen­ und­ den Katastrophenschutzbehö r den

auf­ die­ jeweiligen­Anforderungen­ zugeschnitten.­ SAFER­ ist­ ein­ computergestütztes Simula-tionssystem­ für­ die­ Ausbildung­ von Einsatzkräften­ im­ Katastrophenschutz,­ das von­der­Landesfeuerwehr-­und­Katastrophenschutzschule­ des­ Landes­ Rheinland-Pfalz­ in Kooperation­ mit­ der­ Universitätsmedizin­ der Johannes­ Gutenberg-Universität­ Mainz­ und dem­Bundeswehrzentralkrankenhaus­Koblenz entwickelt­ und­ dort­ für­ Ausbildungs-­ und Übungszwecke­eingesetzt­wird.­ Das­ System­ bietet­ die­ Möglichkeit,­ verschiedene­ Szenarien,­ wie­ beispielsweise­ Hochwasser,­Zugunglücke­oder­Chemieunfälle­realitätsnah­ zu­ üben.­ Die­ Übungsteilnehmer können­ sich­ in­ der­ 3-D-Simulation­ frei­ im Szenario­ bewegen.­ Insbesondere­ auf­ das­ im Katastrophenfall­ erforderliche­ enge­ Zusammenwirken­aller­am­Einsatz­beteiligten­Kräfte der­Feuerwehren,­des­Rettungsdienstes,­des Katastrophenschutzes­ und­ der­ Polizei­ wird besonderes­Augenmerk­gelegt. Quelle:­ Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur Rheinland-Pfalz

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RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL

Schweizer Notfallsymposium 2011

Bereits zum 16. Mal fand das Schweizer Notfallsymposium des VRS (Vereinigung Rettungssanitäter Schweiz) und der SGNOR (Schweizer Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin) statt. Alle zwei Jahre wird diese Veranstaltung von Notärzten, Notfallpflegepersonal sowie Mitarbeitern von Rettungsdiensten und Feuerwehren bzw. First Responder Einheiten zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch genutzt. Außerdem wird hier eine Industrieausstellung, sowie ein breites Fortbildungsspektrum angeboten. Vom 27. - 28.Mai 2011 fand die Messe dieses Jahr in der Landeshauptstatt Bern statt. Das BEA Bern Expo Gelände bot hierfür den mittlerweile 50 Ausstellern, sowie knapp 500 Besuchern und Teilnehmern der Fortbildungen bzw. der Workshops aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland, Italien, und Österreich eine geeignete Location. Die Messe ist von der Größe her mit der deutschen Veranstaltung “RETTmobil“ nicht zu vergleichen, aber dennoch für die Einsatzkräfte dieser Regionen ein gute Alternative um Neuerungen über Fahrzeug- und Medizintechnik, sowie Vorträgen und Änderungen zu Erfahren. Das Programm erstreckte sich an den zwei Veranstaltungstagen ganztägig über verschiedene Einsatzszenarien und Vorkommnisse wie z.B.

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Verbrennungen, Elektrounfälle, Organspende, aktuelle Therapiestrategien zur Behandlung des akuten Koronarsyndroms, Schlangenbisse und Großschadensereignisse. Hierzu wurden mehrere namhafte Professoren, Ärzte und Referenten u.a. des BW Krankenhauses Ulm, Schutz & Rettung Zürich, Sanitätspolizei Bern, Kantonsspital Winterthur sowie der REGA (Luftrettung) eingeladen. In der Industrieausstellung waren diverse Aussteller bzw. Lieferanten von Rettungsfahrzeugen und Medizintechnik wie ACT-Specialcar, Ambu-Tech AG, Mahler GmbH, MedLife S.A., Willy Bertolaso AG, Ariva Hauser, Orion (Italy) sowie Dräger, Ferno, Schiller und ZOLL vertreten.


RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL MedLife S.A. Genf Die Firma ist seit einigen Jahren Lieferant von Einsatzfahrzeugen und Medizintechnik hauptsächlich in der südlichen bzw. französisch sprechenden Schweiz. Spezialisiert hat man sich hierbei auf den Vertrieb von Rettungswagen auf Ford E-350 bzw. GMC-4500 Basis mit Kofferaufbau und Typ II Vans der canadischen Firma Crestline Coach. Mitte 2010 wurde ein Kofferaufbau erstmals auf ein Iveco Fahrgestell gesetzt bzw. aufgebaut. Auf der Messe in Bern stand das dritte RTW Kundenfahrzeug auf Iveco Daily 50 C17 Diesel (Euro 5 Norm) und einem Verbrauch von ca. sechs Litern. Das Basisfahrzeug ist werksseitig mit Luftfederung und 176 PS Automatikgetriebe (wahlweise sechs GangSchaltung) ausgestattet, und verfügt über ein Leiterrahmen Chassis (U-Chassis). Der in Bern gezeigte Iveco Typ III Kofferaufbau ist wegen des Kundenwunsches das “kleine“ Crestline Modul mit einer Innenstehhöhe von 1,70m. Der komplett in Aluminiumbauweise und pulverbeschichtete Koffer verfügt über eine Wandstärke von fünf Zentimetern mit spezieller Isolierung. Im Innenraum finden sich qualitativ hochwärtige Staufächer, Ablagen und Amaturen, die an verletzungsgefährdeten Stellen mit Polstermaterial versehen sind. Des weiteren gibt es einige Besonderheiten wie den Betreuersitz mit integriertem Kinder Rückhaltesystem, getrennte Wärme- und Kühlbox, eine aus hygienischen Gründen am Deckenrand verbaute Heizung bzw. Klimaanlage, sowie einer Luftabsaugung aus dem Patientenraum und den Frischtlufteinlass bzw. Zuluft. Der Kofferaufbau verfügt weiterhin über eine eigene Stromzufuhr mit zwei Batterien, die bei Ausfall der Autobatterie im Found das Fahrzeugs mit Strom Versorgen können. Der RTW verfügt außerdem über mehrere Staufächer, die seitlich bzw. an den Ecken am Heck zu finden sind. Hier können Spineboard, Rettungsstuhl, bzw. EKG, Notfallrucksäcke usw. verstaut werden. Der Kofferaufbau wird in Canada umfangreichen Crashtests und Prüfungen wie auch z.B. Stürtzen und Überschlägen unterzogen. Auch darum wird von Crestline eine Garantie bis zum ersten Kofferwechsel gewährt.

Die Firma ACT-Specialcar ist die Schweizer Vertretung der in Deutschland ansäßigen Firmen Wietmarscher, BAUS und Miesen. Es ist durchaus bekannt, dass Schweizer Einsatzfahrzeuge oft sehr aufwendig und bunt beklebt

sind. Mit einer etwas außergewöhnlichen Farbgebung fiel allerdings auf dem ACT Stand gleich ein sehr aufwändig beklebter Mercedes VF-212 Bonna (E-250) Miesen hoch/lang ins Auge. Das Fahrzeug ist zwar auch wegen der umfangreichen Ausstattung bei Schweizer Rettungsdiensten im Krankentransport selten, aber bei diversen privaten Anbietern und Rückholdiensten wegen der komfortablen Fahreigenschaften gern gesehen. Rettungsdienst Journal 02+03-2011 2 ­7


RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL BAUS Rettungswagen für SIS Neuchatel Für den SIS (Service d`Incendie Et De Secours = Feuerwehr & Rettungsdienst) der Region Neuchatel baute Baus bereits den dritten Rettungswagen auf Basis des Mercedes Sprinter Kasten 519 CDI (190PS) als 4x4 Version aus. Der Ausbau erinnert hierbei an die amerikanische Ausstattung der vergangenen neuchateller Fahrzeuge die auf Ford E-350 TypII, und Chevy Typ I 4x4 Basis aufgebaut waren. So verfügen die jetzigen RTW über eine seitliche Sitzbank, und einige wie Regalböden wirkende Ablagefächer, auf denen EKG, Notfallrucksäcke und Absaugpumpe untergebracht sind. Das Fahrzeug hat die Mercedes eigene Luftfederung und keinen Tragetisch. Bei der Signalanlage handelt es sich um zwei LED Balken Typ “Blade“ sowie Frontblitzer und Lautsprecher der Firma Tomar. www.baus.at

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RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL

Rettung Grenchen wählte FAHRTEC Wunderschön am Jura Südfuß im “Lebern“ Gebiet gelegen liegt Grenchen (Kanton Solothurn). Der hier ansäßige Rettungsdienst betreut die 16.500 Einwohner der Stadt Grenchen, 14 umliegende Gemeinden sowie den Regionalflughafen Grenchen und ist in dem etwa 20 Kilometer umfassenden Einsatzgebiet für Notfallrettung und Krankentransport zuständig. Desweiteren umfassen die Leistungen z.B. Intensiv- und Organtransporte, Hintergrundund Notarztdienst, sowie Sanitätsdienste bei Veranstaltungen.

Hierfür stehen den 25 Mitarbeitern/innen drei Rettungswagen, ein Notfallkrankenwagen und ein Notarztfahrzeug zur Verfügung. Zwei Teams sind hier im 24h Dienst im Einsatz. Mitte 2010 durften sich die Mitarbeiter der Rettung Grenchen über zwei neue RTW auf Mercedes Sprinter 519 4x4 mit FAHRTEC Kofferausbau freuen. Die beiden baugleichen Fahrzeuge wurden u.a. mit Lifepak12 EKG Telemetrie, Accuvac Absaugung, Notfallrucksack, Kindernotfallrucksack, Spineboard, Bergewerkzeug, und Absperrmaterial ausgestattet. Das EKG und die Absaugpumpe können zusätzlich durch ein Aussenfach am Kofferaufbau vom Fahrer an der Einsatzstelle schnell entnommen werden. Außerdem bieten diese RTWs einen hohen Standard an Sicherheiteinrichtungen. Durch die umfangreiche Reflexbeklebung rund um das Fahrzeug, Heckwarnlichtleiste, Wheelen Signalbalken sowie gelben LED Blitzleuchten in den Türen wird eine optimale Warnwirkung und Sichtbarkeit gewährleistet. www.fahrtec-systeme.de

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RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL

Neues Alarmierungssystem am Vierwaldstättersee Vor 60 Jahren wurde der erste Rettungswagen am Kantonsspital Nidwalden (NW) in Dienst gestellt. Als “dringliches Bedürfnis“ bezeichnet am 27. Februar 1950 der Regierungsrat von Nidwalden die Anschaffung eines eigenen Krankenwagens für das Kantonsspital. Seit Ende 2010 rückt nun der Rettungsdienst mit dem Neuen auffällig lackierten RTW auf Mercedes Sprinter 519 CDI 4x4 aus. Desweiteren läuft mit diesem von Dlouhy (Österreich) ausgebauten Fahrzeug gerade ein Pilotprojekt. Als erstes Rettungsfahrzeug in der Zentralschweiz ist die neue Ambulanz mit einem Bordrechner ausgestattet. Dieser arbeitet auf der Basis eines normalen PCs und verfügt über ein elektronisches Einsatzleitsystem. Hierbei ist es möglich, z.B. sämtliche aktuellen Einsatz- und Gebäudepläne im Einsatzgebiet, sowie unter der Rubrik “Point of Interest“ z.B. Kartendarstellungen wie Landepunkte von Gleitschirmfliegern zu hinterlegen. Die Testphase soll etwa 12 Monate dauern und dann evtl. auch bei Fahrzeugen in Obwalden, Uri, Schwyz und Luzern zum Einsatz kommen. Die dazugehörende Software wurde von der Firma “XOR“ in Zürich entwickelt. Ausgestattet ist der RTW u.a. mit STEM Tragetisch, Lifepak 15 Telemetrie, Accuvac Absaugung, Notfallrucksack und Stryker Raupentragestuhlund Trage. Beim Rettungsdienst in Stans sind derzeit 15 Mitarbeiter/innen sowie bei Bedarf

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zusätzliches Anästhesiepflegepersonal beschäftigt und bewältigt jährlich etwa 1.700 Einsätze. Das Einsatzgebiet umfasst den Kanton Nidwalden und Engelberg (Kanton Obwalden) mit rund 45.000 Einwohnern. Das zweite ebenfalls sehr auffällig lackierte Fahrzeug in Stans ist eine Einsatzambulanz (KTW) auf VW T5 mit BAUS Ausbau. Im Design wird hier durch den Schlüssel ein Teil des Kantonswappens wiedergegeben.

Text und Fotos: Andi Bachsleitner Fotograf von Einsatz-und Sonderfahrzeugen www.Bachsleitner.com


WEITERBILDUNG

Neueste Technik zum Atemwegsmanagement für die incentiveMED Rettungsdienstschule Für­ ihre­ internationalen­ Schulungsprojekte erhielt­ die­ incentiveMED­ Rettungsdienstschule­ in­ Erbach/Odenwald­ und­ die­ Paramedic­ Akademie­ in­ der­ Bundeshauptstadt Berlin­nun­die­kooperative­Unterstützung­des Weltmarktführers­für­Endoskopische­Medizintechnik­Karl­Stortz­aus­Tuttlingen.­Da­an­den beiden­ Schulungsstandorten­ in­ Deutschland auch­ Fachpersonal­ aus­ Südamerika,­ Osteuropa­ und­ dem­ Nahen­ Osten­ ausgebildet wird­ und­ die­ Schule­ daher­ ein­ wichtiger­ Botschafter­ für­ die­ Qualität­ „Made­ in­ Germany“ ist,­ war­ es­ für­ den­ Hersteller­ von­ endoskopischer­ Medizintechnik­ ­ wichtig­ und­ selbstverständlich­die­Zusammenarbeit­mit­der­innovativen­Gesellschaft­zu­suchen.­ Die­incentiveMED­Gesellschaft­zur­Förderung der­präklinischen­Notfallmedizin­erhielt­daher im­Juni­2011­eine­komplette­Ausstattung­eines Karl­ Stortz­ C-Mac­ Video­ Laryngoskopsystems.­ Teilnehmer­ der­ Weiterbildung­ zum Europa-Paramedic,­ die­ mittlerweile­ in­ 24 Ländern­der­Erde­und­durch­die­UN­anerkannt ist,­sowie­Gäste­und­Studenten­aus­aller­Welt, können­ somit­ in­ den­ modernsten­ Techniken des­Atemwegmanagements­und­der­Behandlung­ schwieriger­ Atemwegkomplikationen geschult­werden.­ 2012­ wird­ die­ Gesellschaft­ zwei­ Mobile Simulationszentren­ in­ Deutschland und­ in­ Lima/Peru­ in­ Betrieb­ nehmen. Derzeit­ befinden­ sich­ bei­ incentiveMED­ peruanische­ Studenten­ in­ Ausbildung.­ Diese­ Fachkräfte­ werden künftig­ die­ hohe­ Qualität­ der­ Ausbildung­ zum­ Europa-Paramedic­ auch­ in die­ Andenstaaten­ tragen­ und­ dort­ als Multiplikatoren­für­eine­qualitative­und vor­ allem­ personelle­ Optimierung­ des Rettungsdienstes­ Sorge­ tragen.­ Die gemeinnützige­ Gesellschaft­ incentiveMED­ feiert­ 2011­ ihr­ 15jähriges­ Jubi-

läum­ und­ 2012­ das­ 15jährige­ Bestehen­ der Rettungsdienstschule­im­Odenwald.­Dies­soll im­ Rahmen­ eines­ einwöchigen­ Schulungsevents­vom­4.-10.­Juni­2012­gebührend­gefeiert­ werden.­ Dann­ können­ Besucher­ aus Deutschland­und­Festgäste­aus­aller­Welt­die zahlreichen­ Innovationen­ bestaunen,­ die incentiveMED­ in­ der­ Schulung­ von­ rettungsdienstlichem­Fachpersonal­einsetzt. Weitere Informationen: www.incentiveMed.com incentiveMED Gesellschaft zur Förderung der präklinischen Notfallmedizin gGmbH staatlich anerkannte Fachschule für den Rettungsdienst Elsa Brändströmstrasse 13 64711 Erbach

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FORTBILDUNG

Rettungsassistenten gehen als Pflegekräfte in die Klinik Ein neues Weiterbildungskonzept für Rettungsassistenten soll dem Pflege-Fachkräftemangel entgegenwirken Von Nina Giaramita Weiterbildung für Rettungsaisstenten: Das Deutsche Herzzentrum in München bildet sie zu Intensivpflegeassistenten aus. Nach Hochrechnungen des Statistischen Bundesamts werden in Krankenhäusern, ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen im Jahr 2025 voraussichtlich etwa 112.000 Pflegevollkräfte fehlen. Der wachsende Fachkräftemangel stellt viele Krankenhäuser bereits jetzt vor eine große Herausforderung. Um den Personalnotstand in den Kliniken abzumildern, hat der Personaldienstleister Trenkwalder Medical Care aus München nun eine viermonatige Fachweiterbildung für Rettungsassistenten zu "Pflegeassistenten für Funktionsbereiche" entwickelt. Neue berufliche Perspektiven "Damit können wir einerseits die Personalsituation an den Kliniken entzerren und andererseits für die Berufsgruppe der Rettungsassistenten ganz neue berufliche Perspektiven schaffen", sagt Alexander Heimerl, Prokurist bei der Trenkwalder Medical Care. Der Weiterbildung liegt der Gedanke zugrunde, dass Rettungsassistenten über eine Ausbildung verfügen, die bereits zahlreiche Aspekte der Pflegeausbildung umfasst. Darüber hinaus weise der Arbeitsalltag eines Rettungsassistenten viele Analogien zu der Arbeit in einer Notaufnahme oder auf einer Intensivstation auf, sagt Heimerl. Innerhalb eines 480 Theorie- und 160 Praxisstunden umfassenden Vollzeitlehrgangs werden interessierte Rettungsassistenten sattelfest für ihren Einsatz in der Klinik gemacht. "Pflegeassistenten für Funktionsbereiche" Der Unterricht umfasst Themen wie zum Beispiel Pharmakologie, Anästhesieverfahren, präoperatives Management und Grundpflege. Die theoretische Ausbildung erfolgt bei der "medakademie", einem staatlich anerkannten Bildungsträger. Den Praxisteil können die künftigen "Pflegeassistenten für Funktionsbereiche" in ausgewählten Krankenhäusern absolvieren. Dabei werden die Inhalte der Fachweiterbildung an die betreffende Klinik und die Erfordernisse der Stationen, auf denen die Teilnehmer arbeiten wer-

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den, angepasst. Die Kliniken übernehmen die Lohnund Lehrgangskosten - im Gegenzug verpflichten sich die Absolventen, dem betreffenden Krankenhaus nach dem Lehrgang für mindestens zwei Jahre als Fachkraft zur Verfügung zu stehen. Ein im vergangenen Jahr gestartetes Pilotprojekt am Deutschen Herzzentrum in München hat gezeigt, dass das in Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Rettungsdienstschulen entwickelte Konzept aufzugehen scheint: Die Rettungsassistenten wurden als Intensivpflegeassistenten in zwei herzchirurgischen Intensivstationen fortgebildet und eingesetzt. Sämtliche Absolventen wurden zum Abschluss der Ausbildung von ihrer jeweiligen Klinik übernommen. Die erste reguläre Fachweiterbildung hat nun im Mai 2011 in Frankfurt am Main begonnen. Die rund 40 Absolventen sollen später an der dortigen Universitätsklinik zum Einsatz kommen. Interesse der Krankenhäuser an den neuen Fachkräften ist sehr groß Nach Angaben von Alexander Heimerl ist das Interesse der Krankenhäuser an den neuen Fachkräften sehr groß. "Vor allem im Bereich der Anästhesie und der Intensivmedizin wird dringend Personal gebraucht", konstatiert Heimerl im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Für die Rettungsassistenten liegen seiner Einschätzung nach die Vorteile auf der Hand: "Ihren neuen Arbeitsalltag in den Krankenhäusern können sie mit dem Privatleben besser abstimmen. Dort haben die Assitenten eine deutlich geringere Bruttoarbeitszeit, und das bei annähernd gleichem Verdienst." Attraktiv sei die Weiterbildung darüber hinaus für angehende Medizinstudenten, die ihre Wartesemester sinnvoll nutzen wollen. "Sie können sich erst einmal zum Rettungsassistenten ausbilden lassen und mit einer solchen Weiterbildung schon einmal den Klinikalltag kennen lernen", verdeutlicht Heimerl. Potenzielle Teilnehmer der Fachfortbildung müssen sich einem ausführlichen Eignungsfeststellungstest unterziehen. Weitere Voraussetzung: Die Bewerber müssen bereits zwei Jahre im Rettungsdienst tätig gewesen sein. Erstpublikation: “Ärzte-Zeitung“ am 22.08.2011 www.aerztezeitung.de


NEWS Deutsche Notärzte mit neuem Vorstand

Dr. med. Michael Burgkhardt Vorsitzender der BAND

Die „Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften Notärzte Deutschlands (BAND) e.V.“ hat auf ihrer Mitgliederversammlung am 18. März 2011 in Berlin einen neuen Vorstand gewählt. Die Länderarbeitsgemeinschaften, welche die insgesamt 10.000 organisierten Notärztinnen und Notärzte vertreten, wählten den Leipziger Allgemeinmediziner Dr. med. Michael Burgkhardt einstimmig zum neuen Vorsitzenden. Burgkhardt gründete die Sächsische Arbeitsgemeinschaft (AGSN) im Jahre 1990 und vertritt seitdem diese Organisation in der Mitgliederversammlung. Er ist insbesondere durch seine berufspolitischen Aktivitäten und die Leitung zahlreicher Fortbildungskurse bekannt. Zu seinen Stellvertretern wurden gewählt: Prof. Dr. med. Peter Sefrin aus Würzburg und der Anästhesist Frank H. Riebandt aus Siegburg. Schatzmeister wurde erneut Dr. med. Frank Heinrich aus Rathenow/Brandenburg; als neuer Schriftführer wurde Dr. med. Hartwig Marung aus Hamburg gewählt. Die BAND engagiert sich nicht nur für die Belange der deutschen Notärztinnen und Notärzte, sondern beteiligt sich unter anderem auch an der Überarbeitung des Rettungsassistentengesetzes. Der neue Vorstand setzt sich als wesentliches Ziel für seine Wahlperiode, die Zusammenarbeit der Länderarbeitsgemeinschaften zu optimieren und die Folgegeneration eines neuen Vorstandes für die künftigen Jahre aufzubauen.

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RETTUNGSDIENST Neuer Indikationskatalog für den Notarzteinsatz in Rheinland-Pfalz Der seit 1999 in Rheinland-Pfalz eingeführte Indikationskatalog für den Notarzteinsatz (Notarztindikationskatalog (NAIK)) hat sich zu einer wesentlichen Orientierungshilfe für alle am Rettungsdienst Beteiligten und insbesondere für die Leitstellen zu einer bewahrten Leitlinie zur Entsendung des Notarztes entwickelt. Bundesweit war der NAIK der erste für alle Leitstellen verbindlich eingeführte Katalog für den Notarzteinsatz. Nach der ursprünglichen Entwicklung und nochmaligen Überarbeitung durch das RudolfFrey-Forum fur Notfallmedizin e.V. (RFFN) im Jahr 2007 ist der NAIK erneut inhaltlich überarbeitet und dem aktuellen wissenschaftlichen Standard angepasst worden. „Der neue Katalog ist auf der Höhe der Zeit, es ist wichtig dass er sich an die rasant entwickelnden Herausforderungen der notfallmedizinischen Versorgung der Bevölkerung angepasst wurde“ sagte Innenstaatssekretärin Heike Raab. Der NAIK solle in erster Linie den Disponentinnen und Disponenten in Integrierten Leitstellen und Rettungsleitstellen als Leitlinie für die Entsendung eines notarztbesetzten Rettungsmittels dienen. Darüber hinaus stelle er aber auch für alle anderen Beteiligten im Rettungsdienst eine Orientierungshilfe dar, was auch die die Nachforderung notarztbesetzter Rettungsmittel am Einsatzort einbezieht, so die Staatssekretärin. Den Integrierten Leitstellen und Rettungsleitstellen kommt für die Entsendung notarztbesetzter Rettungsmittel die zentrale koordinierende Rolle zu. Die Disponenten müssen am Telefon entscheiden, ob ein unmittelbarer oder zu erwartender lebensbedrohlicher Zustand besteht oder schwere gesundheitliche Schäden drohen. Durch die Nachforderung eines Notarztes erst durch den am Einsatzort eingetroffenen Rettungswagen kann bei vielen Erkrankungen oder Verletzungen wertvolle Zeit verloren gehen. Gleichzeitig muss allerdings auch vermieden werden, dass der Notarzt nicht zu Situationen entsendet wird, in denen er gar nicht notwendig ist und dann für andere Notfälle nicht mehr zur Verfügung steht. Bereits in der ersten Version des NAIK wurden hierzu zwischen patientenbezogenen und notfallbezogenen Indikationen unterschieden. Zur Ermittlung des Zustandes des Patienten am Telefon besteht die Notwendigkeit der Erfassung von tatsächlichen oder potentiellen Störungen von lebenswichtigen Körperfunktionen (Vitalfunktionen: Bewusstsein, Atmung, Herz-Kreislauf, Schmerz) anhand einer strukturierten Abfrage. Mit der Novellierung des NAIK werden auf die hieraus

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ergebenden „Patientezustandsbezogenen Indikationen“ ein besonderer Schwerpunkt gelegt und beispielhaft am Telefon zu stellende Fragen dargestellt. Zusätzlich werden Situationen angeführt, die zwar häufig zu Hilfeersuchen in einer Leitstelle führen, die aber von tatsächlichen Vitalfunktionsstörungen anhand der strukturierten Abfrage unterschieden werden müssen und keine Notarztindikation darstellen. Damit werden häufig angeführte Interpretationslücken geschlossen. Neben der Erfassung des Patientenzustandes existieren Notfallsituationen, bei deren Vorliegen per se bereits von der akuten Vitalgefährdung eines oder mehrerer Patienten auszugehen ist. Dazu gehören beispielsweise Verkehrsunfälle mit hoher Geschwindigkeit. Auch die Liste dieser notfallbezogenen Indikationen wurde überarbeitet und es werden zusätzlich Situationen aufgeführt, die tatsächlich primär keine Entsendung eines Notarztes bedürfen, sondern auch durch andere Rettungsmittel oder Versorgungsangebote abgedeckt werden können. Die Beispiel im Abschnitte „Patientenbezogenen Indikationen“ als auch die aufgeführten „Notfallbezogenen Inidikationen“ werden in den in Rheinland-Pfalz eingeführten landeseinheitlichen Einsatzcodes der Leitstellen abgebildet. Ihre strukturierte Ermittlung auf der Basis einheitlicher Kriterien für den Einsatz notarzt- und nicht notarztbesetzter Rettungsmittel stellt die Grundlage für ein umfassendes rettungsdienstliches Qualitätsmanagement dar. Der Notarztindikationskatalog ist damit Grundvoraussetzung für ein notfallmedizinisch effektives, wirtschaftlich effizientes und damit zukunftsfähiges Arbeiten des Rettungsdienstes in Rheinland-Pfalz. Quelle: Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur Rheinland-Pfalz


RETTUNGSDIENST

Foto links: Ärztlicher Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) Kaiserslautern, Dr. med. Marc Kumpch, Staatssekretärin Heike Raab und Ministerialdirigent Peter Grüßner bei der Übergabe des NAIK 2011. Rettungsdienst Journal 02+03-2011 3 ­5


LUFTRETTUNG

20 Jahre Luftrettung an der Station Halle Seit 20 Jahren wird die Hallenser Station am Flugplatz Halle/Oppin von der HSD Luftrettung gemeinnützige GmbH betrieben. Anlässlich dieses Jubiläums veranstaltete die HSD Luftrettung heute unter der Schirmherrschaft des Ministeriums des Innern des Landes Sachsen-Anhalt eine Feierstunde. Rund 80 geladene Gäste, unter Ihnen Kooperationspartner aus Politik, Rettungsdienst und Medizin, folgten der Einladung. Dr. Hans Jörg Eyrich, Vorstand der DRF Luftrettung, eröffnete den Festakt mit den Worten: "Im Juni 1991 hat die HSD Luftrettung hier am Flugplatz Halle/Oppin die Luftrettungsstation gegründet. 20 Jahre später leisten „Christoph Sachsen-Anhalt“ und „Christoph Halle“ rund 1.350 Einsätze im Jahr. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres war Halle mit 976 Einsätzen die bundesweit einsatzstärkste Station der DRF Luftrettung. Auch zukünftig wünschen wir uns eine erfolgreiche Fortführung unserer lebenswichtigen Arbeit in Halle. Derzeit schreibt das Ministerium des Innern alle Luftrettungsstationen in SachsenAnhalt neu aus. Alles, was wir an unserer Hallenser Station in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufgebaut haben, wird durch diese Ausschreibung keinesfalls in Frage gestellt. Wir werden uns dieser Herausforderung stellen und wünschen uns, unsere Arbeit am Flugplatz Oppin auch zukünftig weiterführen zu können." Im Anschluss an Vorstand Dr. Hans Jörg Eyrich würdigten mehrere Grußredner die erfolgreiche Arbeit der Hallenser Luftretter. Staatssekretär Dr. Ulf Gundlach, Ministerium des Innern des Landes Sachsen-Anhalt, betonte: "Die HSD Luftrettung war uns in den vergangenen 20 Jahren stets ein verlässlicher Partner und hat ihre Leistungsfähigkeit bewiesen. Luftrettung wird oft als selbstverständlich angesehen. Ich selbst musste jedoch erfahren, wie wichtig schnelle Hilfe aus der Luft ist, als ein Kollege während der Arbeit plötzlich zusammenbrach." Landrat Frank Bannert und Uwe Stäglin, Beigeordneter der Stadt Halle, gingen anschließend auf die Bedeutung der Luftrettung für die Menschen in der Region ein. Dirk

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Rettungsdienst Journal 02+03-2011

Von Links: Dr. Steffen Edner, Ärztlicher Leiter der Station Halle, Ernst Peleikis, Leiter Luftrettung, Dr. Hendrik Liedtke, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin und Schmerztherapie am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara, Uwe Stäglin, Beigeordneter der Stadt Halle, Norbert Ebbighausen, Stationsleiter und Pilot in Halle, Dirk Dunkelberg, Niederlassungsleiter der AOK Sachsen-Anhalt, Landrat Frank Bannert, Staatssekretär Dr. Gundlach, Dr. Hans Jörg Eyrich, Vorstand der DRF Luftrettung, und Steffen Lutz, Vorstand der DRF Luftrettung

Dunkelberg, Niederlassungsleiter der AOK Sachsen-Anhalt, schloss sich seinen Vorrednern an und sprach der HSD Luftrettung im Namen aller Versicherten seinen Dank für ihr Engagement aus. Anschließend betonte Felix Ludwig Peter, Referatsleiter Ambulante Versorgung des Verbandes der Ersatzkassen e.V. der Landesvertretung Sachsen-Anhalt: "Unsere Versicherten sind bei Ihnen in den besten in Händen. Ich bedanke mich für die gute Zusammenarbeit und freue mich auf weitere Jahre mit Ihnen." Dr. Ralph Stuttmann, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin und Schmerztherapie der Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannstrost, Dr. Hendrik Liedtke, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin und Schmerztherapie am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara sowie Dr. Steffen Edner, Ärztlicher Leiter der Station Halle, reflektierten abschließend in ihren Reden die 20-jährige Geschichte der Luftrettungsstation Halle und betonten die Bedeutung der Hubschrauber im Flächenland Sachsen-Anhalt. Quelle: DRF Luftrettung


PRODUKTINFO Gerdelmann / Korbmann / Kutter (Hrsg.)

Krankentransport und Rettungsdienst Loseblattwerk mit regelmäßigen Ergänzungslieferungen, Stand 08/2011 Bei diesem Handbuch für die Praxis handelt es sich um ein Loseblattwerk in drei Ordnern, das zirka fünf mal pro Jahr durch Ergänzungslieferungen aktualisiert wird. Das Werk enthält wichtige Gesetze, Rechtsverordnungen, Erlasse und Regelungen des Bundes, der Länder und sogar der Kommunen zum Krankentransport und Rettungsdienst. Ferner enthält es grundlegende einschlägige (Gerichts-)Entscheidungen zum Verfassungsrecht, Verwaltungsrecht, Zivilrecht, Arbeitsrecht und Sozialrecht. Das Werk richtet sich primär an alle, die bei Hilfsorganisationen und privaten Unternehmen mit der Organisation und dem Betrieb von Krankentransport und Rettungsdienst zu tun haben.

Erich Schmidt Verlag, Berlin Umfang: ca. 5.400 Seiten ISBN: 978-3-503-01549.8

Euro: 148,00 (zzgl. Versandkosten)

Neuer Miet-RTW bei Mittelstädt in Dienst gestellt Den Kunden der Firma Mittelstädt SCR GmbH steht ab sofort ein neuer RTW auf Basis eines MercedesBenz Sprinter 516 CDI zur Verfügung. Mit einem hochwertigen Kofferaufbau der Produktionsreihe TIGIS Ergo der Firma AmbulanzMobile bietet er allen Komfort auf dem neuesten Stand der Technik. Kompromisslos wird auf Sicherheit, Qualität und Funktionalität gesetzt. Modernste Medizintechnik sorgt im Notfall für optimale Hilfeleistung am Patienten. Unter anderem stehen ein Zoll-Defi der MSerie (CCT), ein WM Medumat CapnoVol, eine WM Accuvac sowie eine Stollenwerk Fahrtrage zur Verfügung. Auf Wunsch können weitere Medizintechnik oder auch Kundengeräte verbaut werden. Zusätzlich ist der RTW mit einer Vier-Balg-Komfortluftfeder mit Volumennachdämpfung ausgestattet. Diese Eigenentwicklung aus dem Hause Mittelstadt ist fur den absolut schonenden Patiententransport optimiert. Seit über 20 Jahren steht der Name Mittelstadt im Bereich Sonderfahrzeuge fur Qualität und Zuverlässigkeit. Von Fuhrparkservice, Schadenmanagement, und Hygiene bis hin zu diversen Seminarangeboten und Workshops. Weitere Informationen unter www.s-c-c.de Tel.: 07134 – 912 200

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TERMINE/IMPRESSUM DRK-Bildungszentrum Düsseldorf:

DRK Rettungsschule Goslar

“Narkose und Analgesie im Rettungsdienst” 06.Nov. 2011

European Paediatric Life Support (EPLS) nach den Leitlinien PBLS + PALS des ERC 09. - 12. Dez 2011

„Praxisanleitung im Rettungsdienst“ (Weiterbildung - Bildungsurlaub) 07.-11.Nov. 2011 „Klinische Beatmungsverfahren im Rettungsdienst“ 20.Nov. 2011 Tel: 0211 - 2299 2199 www.bildungszentrum-duesseldorf.de 13. Nov. 2011 Notfalltag Leverkusen 2011 BayKomm in Leverkusen Die Veranstaltung möchte notfallmedizinisch Tätige aus Präklinik, Klinik und Praxis - ärztliche sowie nicht-ärztliche Mitarbeiter - zur gemeinsamen Diskussion notfallmedizinischer Themen zusammenführen. www.feuerwehr-leverkusen.de Die Teilnahme ist kostenfrei

Fortbildung für Lehr-Rettungsassistenten Inhalt: Berufspolitik,PraxisanleitungLehraussagen, Traumamanagement,Arbeit mit Officeprogrammen u.v.m 07.-11. Nov 2011 w w w .rettungschule.de service@rettungsschule.de 10. - 11. Nov. 2011 11. Rettungsdienstsymposium des DRK-Landesverbandes Hessen 36284 Hohenroda Der Rettungsdienst Spiegelbild seiner Zeit www.drk-rettungsdienstsymposium.de MEDICA Düsseldorf: 16. - 19. November 2011 www.medica.de

www.bvrd.org Im pressum Rettungsdienst Journal:Mitgliederorgan des Berufsverbandes für den Rettungsdienst e.V. (BVRD) 30. Jahrgang = 2011 Verantwortlich für fachlichen Inhalt: Martin Ritter (1. Vorsitzender) H erausgeber und Vertrieb: Berufsverband für den Rettungsdienst e. V., Bundesgeschäftsstelle, Gießener Straße 42, 35423 Lich, Tel.: (0 64 04) 95 00 65, Fax: (0 64 04) 95 00 66 e-mail: BVRDLich@aol.com www.bvrd.org Redaktion: Redaktionsmitglieder: H.-J. Bielke, Wilfried Brömme, Andi Bachsleitner, Urs Spörri, Tobias Weimann, Andreas Zimmermann, Redaktionsadresse wie Herausgeberaddresse A nzeigenverkauf und -verw altung: Wilfried Brömme, Gießener Str. 42, 35423 Lich, Tel.: (0 64 04) 95 00 65, Fax: (0 6404) 95 00 66 e-mail: BVRDRDJ@aol.com Gültig ist die Anzeigenpreisliste Nr.13 vom 01.01.2008. Erscheinungsw eise:Regulär alle drei Monate zum Quartalsende. G esam therstellung :BVRD Lich D ruck: Köllen Druck und Verlag GmbH, Bonn www.koellen.de A lle Rechte vorbehalten Bezugspreis: Im BVRD-Mitgliedsbeitrag enthalten. Für informierte Mitglieder im Inlandsjahresbezug für 25 Euro; im Auslandsjahresbezug für 30 Euro (Preise inkl. Porto). Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Giessen. Hinweis: Diejenigen Bezeichnungen, die zugleich eingetragene Warenzeichen sind, werden nicht immer besonders kenntlich gemacht. Es kann also aus der Bezeichnung einer Ware nicht geschlossen werden, daß die Bezeichnung ein freier Warenname ist; ebenso ist nicht zu entnehmen, ob Patente oder Gebrauchsmuster vorliegen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

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Rettungsdienst Journal Ausgabe 2+3/2011  

Der Berufsverband für den Rettungsdienst e.V. (BVRD) ist die größte und älteste Interessen- vertretung der Rettungsassistent(inn)en und Rett...

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