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K 8337 F - ISSN 0178-2193 – 30. Jahrgang 04-2011

Journal Rettungsdienst

M i t g l i e d e r o r g a n d e s B e r u f s v e r b a n d e s f ü r d e n R e t t u n g s d i e n s t e. V.

Postvertriebsstück K 8337 F, Gebühr bezahlt, Berufsverband für den Rettungsdienst e.V., Gießener Straße 42, 35423 Lich

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Rechtliche Grundlagen der Schweigepflicht - Teil 2 Expertenrunde „Novellierung RettAssG“ beim BMG aufgelöst Neue Gerichtsentscheidung zur Vergütung von RettAssPraktikanten


Änderungen zum Versicherungsschutz für Mitglieder des BVRD Seit 01.07.2010 gilt:

Vereinshaftpflicht Versichert ist die gesetzliche Haftpflicht des Vereins und deren Mitglieder aus der Betätigung im Interesse und für die Zwecke des versicherten Vereins. Deckungssummen: 2.000.000 Euro für Personenschäden • 500.000 Euro für Sachschäden • 100.000 Euro für Vermögensschäden (bis max. das 3-fache pro Versicherungsjahr) Im Rahmen der Vereinshaftpflicht gelten auch Ausstellungen / Messen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind mitversichert.

Rechtsschutz a) Universal-Straf-Rechtsschutz: Mitversichert sind Ordnungswidrigkeiten, fahrlässig und vorsätzlich begehbare Straftaten bezüglich der beruflichen Tätigkeit. z.B. Abwehr einer Anzeige wegen dem Vorwurf der "Unterlassenen Hilfeleistung" oder "Körperverletzung". b) Arbeitnehmerrechtsschutz: Versichert sind Verbandsmitglieder als natürliche Personen, also Rettungssanitäter /- assistenten in ihrer Funktion als Arbeitnehmer. - Schadenersatzrechtsschutz NEU - Arbeitsrechtsschutz (SB 500 Euro) (z.B. für arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen mit Arbeitgebern) - Sozialgerichtsrechtsschutz (für alle gerichtlichen Streitigkeiten mit gesetzlichen Sozialversicherungsträgern (BG, KV, Rentenvers.) c) Fahrer-Rechtsschutz: Versichert sind Verbandsmitglieder als Führer eines Motorfahrzeuges im Einsatz als Rettungssanitäter / -assistent. - Schadenersatz-Rechtsschutz (z.B. für die Geltendmachung von erlittenem Schaden nach einem Verkehrsunfall im Rettungseinsatz {Schmerzensgeld}) - Verwaltungs-Rechtsschutz in Verkehrssachen (z.B. Wiedererlangung der Fahrerlaubnis) - Straf-Rechtsschutz (z.B. Körperverletzung, nach einem Verkehrsunfall im Rettungseinsatz) Ordnungswidrigkeiten-Rechtsschutz Deckungssummen: Verfahrenskosten bis 250.000 Euro • Strafkaution bis 100.000 Euro

Diensthaftpflicht für das Rettungspersonal Umfang der Dienst-Haftpflichtversicherung Die Dienst-HV schützt die Mitglieder vor Rückgriffs- und Haftungsansprüchen des Dienstherrn bei Schäden in Ausübung ihrer Tätigkeit als Rettungssanitäter und Rettungsassistent. Deckungssummen pro Versicherungsfall: 2 Mio. für Personenschäden, 1 Mio. bei Sach- und Vermögensschäden. Mitversichert ist: - Geräte- und Geräte-Regress-HV: d.h. schützt vor Haftpflicht- u. Regressansprüchen aus Schäden durch den dienstlichen Umgang mit Geräten des Dienstherrn (an und durch diese Geräte) bis max. 10.000 Euro. - Dienstfahrzeug-Regress-HV d.h. schützt vor Haftpflicht- u. Regressansprüchen des Dienstherrn bei Schäden an und durch Kfz, Wasser- oder Schienenfahrzeugen des Dienstherrn bei Dienstfahrten. (bis max. 100.000 Euro) - Abhandenkommen von persönlichen Ausrüstungsgegenständen (bis 500 Euro) - Schüsselschäden (außer Tresor- u. Möbelschlüsseln) bis 50.000 Euro. - Auslandsschäden bei dienstlichen Reisen bis 1 Jahr Generell gilt eine Selbstbeteiligung von 200 Euro pro Schadenfall für Sach- und Vermögensschäden. Eine Unfallversicherung existiert seit 2005 nicht mehr. Text: Versicherungsbüro Eberlein, Frensdorf

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EDITORIAL

Editorial... Liebe Leserinnen und Leser, ein Jahreswechsel gibt immer Anlass sich Gedanken zum ausklingenden Jahr sowie zur Zukunft zu machen. Auch im Vorstand des BVRD haben wir dies getan. Auf dem diesjährigen Rettungsdienstsymposium in Hohenroda (Hessen) formulierte der Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema Berufspolitik: „Rettungsdienst muss in der Gesellschaft als sexy betrachtet werden, um genügend Berufsnachwuchs zu bekommen!“ Sind denn die Berufe des Rettungsassistenten und des Rettungssanitäters wirklich so unattraktiv? Die Probleme rund um den Rettungsdienst sind vielfältig und Lösungen kommen nur schleppend voran. Da ist zum einen das Rettungsassistentengesetz (RettAssG), welches seit Jahren vor der zwingend notwendigen Novellierung steht. Die Expertengruppe hat ihre Arbeit abgeschlossen und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) will im Frühjahr 2012 einen Referentenentwurf vorlegen. Allerdings ist u.a. die zentrale Frage der Finanzierung einer dreijährigen Ausbildung bisher nicht geklärt. Es bleibt abzuwarten, wie der Entwurf aussehen wird. Ebenso gab es in diesem Jahr wieder eine Initiative den Rettungsdienst als „eigenständige Position“ in das Sozialgesetzbuch zu schreiben. Diesmal traf die Initiatve auf deutlich mehr Resonanz als in den Vorjahren. Leider erteilte, trotz breiter Rückendeckung vieler Gewichtiger, der Bundesgesundheitsminister im November der Initiaive eine sehr deutliche Absage: „Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass eine Trennung von Rettung und Transport ausgabentreibende Effekte in diesem – ohnehin von überproportionalen Zuwächsen geprägten – Ausgabensegment haben dürfte. Zu erwarten wäre ein erheblicher zusätzlicher Bürokratieaufwand durch gesonderte Regelungen, Verträge, Abrechnungen und Vorhaltekosten. Gegen die gesonderte Verankerung einer neuen Leistung „Notfallrettung“ im Fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) spricht daher auch, dass der Rettungsdienst als Teil der Daseinsfürsorge von den Ländern zu regeln und zu finanzieren ist.“ Ein weiteres Thema des ausklingenden Jahres sind Ausschreibungen und Rekommunalisierung. Wenn man die einschlägigen Foren im Internet durchsieht, trifft man dort auf vielfältige Meinungen und Betrachtungen aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln. Neben Pro und Contra lässt sich jedoch eines mit Sicherheit feststellen: Die Rettungsdienstlandschaft ist in Bewegung! Ein Wandel? Aber wohin geht die Reise? Derzeit stellt man einen deutlichen Bedarf an Fachpersonal im Rettungsdienst fest. Andererseits ist eine „Abwanderung“ von Rettungsfachpersonal in die nicht originären Bereiche, nämlich u.a. in Kliniken, zu beobachten. Mit lukrativen Angeboten wird um Rettungsassistenten für eine Tätigkeit in interdisziplinären Notaufnahmen und OPs geworben. Nachwuchssorgen bei Leistungserbringern im Rettungsdienst machen sich breit und in manchen Teilen der Republik ist ein Mangel an Notärzten erkennbar. Dies führt uns zu unserer Eingangsfrage zurück: Sind denn die Berufe des Rettungsassistenten und des Rettungssanitäters wirklich so unattraktiv? "Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer." [Antoine de Saint-Exupery] Ist es nicht das, was uns als Rettungsfachpersonal einst zu diesem „Beruf“ gebracht hat? Die Basis unseres Tun und Handeln? Der innere Antrieb mit der Motivation anderen Menschen in Not zu helfen und Gutes zu tun? Vielfältigkeit der Aufgaben und Hilfeleistungen prägen diese Tätigkeiten und machen sie zu dem was unser tagtägliches Handeln ist und in der Öffentlichkeit Wahrnehmung findet. Das stetige Bemühungen das Beste zu geben und gleichzeitig auf dem neusten Stand der Medizin zu sein sind das Fundament unserer täglichen Arbeit am und für den Patienten. Eine Tätigkeit, die zweifelsohne nicht immer die Annerkennung und das Lob erhält, welche sie verdient. Der BVRD wird weiter daran arbeiten, dass die Berufe im Rettungsdienst und die Berufsangehörigen das Ansehen bekommen, das sie verdienen. Der Vorstand des BVRD wünscht Ihnen einen guten Start in das Jahr 2012!

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INHALTSVERZEICHNIS RDJ 04-2011 Journal Editorial Inhalt Aufnahmeantrag / Abo-Formular Impressum / Termine

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BVRD Intern Änderung des Versicherungsschutzes für Mitglieder

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Berufspolitik Arbeit der „Expertengruppe RettAssG-Novellierung“ beim Bundesgesundheitsministerium beendet

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RettAssG-Novelierung und Hintergründe im Überblick

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Arbeit der „Expertengruppe RettAssG-Novellierung“ beim Bundesgesundheitsministerium beendet Seite 6

Recht Thomas Hochstein: Rechtliche Grundlagen der Schweigepflicht - Teil 2

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Neue Gerichtsentscheidung zur Vergütung von RettAss-Praktikanten

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Wissenschaft Ausbildung und Tätigkeit von Einsatzkräften des Rettungsdienstes und der Feuerwehr im Fokus der Erziehungs- und Sozialwissenschaften

Rechtliche Grundlagen der Schweigepflicht - Teil 2

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Seite 9

Luftrettung DRF-Luftrettung entscheidet sich für Eurocopter 145 T2

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Rettungsdienst International Neues Rettungsfahrzeug im Rettungsdienst Spital Bülach

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Einsatzfahrzeuge aus Dänemark und Schweden

28 Neuer RTW im Rettungsdienst Spital Bülach SEITE 23

Produktinfo Neues NEF bei Mittelstädt

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Sanitätsschule Nord trainiert mit MEDUMAT Transport

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Neuerscheinung Bücher: Straßenverkehrsrecht für Feuerwehr und THW von G. Nadler

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Buchvorstellungen Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin Band 4: Berufskunde und Einsatztaktik Handbuch für Organisatorische Leiter Pschyrembel – Klinisches Wörterbuch 2012 Medizinisches Wörterbuch für Rettungsdienst, Notfallmedizin und Flugambulanz Taktische Notfallmedizin Kompetenz und Kooperation im Gesundheits- und Sozialbereich Entstehung und Entwicklung von Notarztdiensten in Nordrhein-Westfalen Der DRK-Krankentransport 1943 – 1945 Das Titelfoto stammt von Arno Bachert (pixelio.de)

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Einsatzfahrzeuge aus Dänemark und Schweden SEITE 28


AUFNAHMEANTRAG

Aufnahmeantrag Hiermit beantrage ich die Mitgliedschaft im Berufsverband für den Rettungsdienst e.V.

Name: Vorname: Straße: PLZ + Ort:

für ordentliche Mitglieder 65 Euro Jahresbeitrag (einschließlich RDJ-Bezug)

Bundesland:

für ZDL, Azubis, Studenten, Ruheständler etc. 40 Euro Jahresbeitrag (einschließlich RDJ-Bezug)

Geb.-Datum:

für informierte Mitglieder 25 Euro Jahresbeitrag (keine Versicherungsleistungen, aber RDJ-Bezug)

Tel.+ Fax.Nr.:

Bankverbind.: BLZ:

Der Aufnahmeantrag gilt gleichzeitig als Bankeinzugsermächtigung laut Delegiertenbeschluß!

Bitte kopieren und senden an:

Konto-Nr.: Datum / Unterschrift:

FAX 0 64 04 - 95 00 66

Berufsverband für den Rettungsdienst e.V. Gießener Straße 42 D - 35423 Lich

Im Rettungsdienst tätig: hauptamt. RH

nebenamtl.

RettSan

ehrenamtl.

RettAss

Arzt

nicht aktiv ZDL 04-2011

Adress / Namensänderung - Kontowechsel Sie sind umgezogen ? Haben Ihre Bank gewechselt ? Haben aber vergessen uns zu beachrichtigen ? Wir benötigen Ihre neuen Daten, damit Sie Ihr RDJ bekommen und auch versichert bleiben!

Adresse / Bank ALT

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Geb.-Datum:

Straße:

Straße:

PLZ + Ort:

PLZ + Ort:

Bundesland:

Bundesland:

Tel.+ Fax.Nr.:

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Bankverbind.:

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BLZ:

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Konto-Nr.:

Datum / Unterschrift:

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BERUFSPOLITIK

Arbeit der „Expertengruppe RettAssG-Novellierung“ beim Bundesgesundheitsministerium beendet Die „Expertengruppe RettAssG-Novellierung“ beim Bundesgesundheitsministerium, die von

Januar 2008 an Vorarbeiten für eine Novellierung des RettAssG leisten sollte, wurde nach Erledigung des Arbeitsauftrages vor kurzem aufgelöst. In diesem Beitrag sollen Einblicke in die Arbeit dieses Gremiums gegeben werden.

Im Rahmen der Vorarbeiten für eine Novellierung des Rettungsassistentengesetzes hatte das Bundesministerium für Gesundheit zum Januar 2008 eine Expertengruppe einberufen, die Vorarbeiten für einen Referentenentwurf leisten sollte. Konkreter Arbeitsauftrag war die Erarbeitung einer Ausbildungszielbeschreibung, die Klärung möglicher Kompetenzen, die Erarbeitung künftiger Ausbildungsinhalte sowie die Klärung von Fragen zur Finanzierung einer dreijährigen Ausbildung. Im März 2009 wurde die von einer Arbeitsgruppe erarbeitete Ausbildungszielbeschreibung vom Plenum angenommen. Im November 2010 wurde die anschließend erarbeitete Vorlage für eine neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung verabschiedet. Vor kurzem wurde nun eine Aufstellung der Kosten für eine dreijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten vorgelegt. Der Expertengruppe gehörten neben Beamten des Bundesgesundheitsministeriums und Ministerialbeamten aus den Bundesländern unter anderem Vertreter der Berufsverbände der Rettungsassistenten sowie der ärztlichen Seite an. Vom Berufsverband für den Rettungsdienst e.V. (BVRD) wurde Dr. Gerhard Nadler aus München in die Expertengruppe berufen. Für den Deutschen Berufsverband Rettungsdienst e.V (DBRD) wechselten sich dort Ingo Kolmorgen (Kiel) und Marco König (Hamburg) ab. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Notärzte in Deutschland e.V. (BAND) war in diesem Gremium bis Frühjahr 2009 durch den im Herbst 2010 verstorbenen Dr. Detlef Blumenberg und ab Juli 2009 durch Prof. Peter Sefrin aus Würzburg vertreten. Die spezifischen Belange der Feuerwehr wurden zunächst durch Ingo Sobania und ab Juli 2009 durch Claus-Dieter Plog (Feuerwehr Hamburg), ferner durch Prof. Alex Lechleuth-

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ner (ÄLRD Köln), eingebracht. Die wesentliche Arbeit wurde in Arbeitsgruppen geleistet, denen jeweils eine Auswahl von Personen aus der Expertengruppe angehörte. Mit Erfüllung des letzten Arbeitsauftrages im Oktober wurde die Expertengruppe vom Bundesgesundheitsministerium offiziell zum 31. Oktober 2011 aufgelöst. Nun ist das Ministerium am Zug auf Grundlage der Vorarbeiten der Expertengruppe einen sog. Referentenentwurf für ein neues Rettungsassistentengesetz zu erarbeiten. Im folgenden sollen Einblicke in die Arbeit dieser Expertengruppe gegeben und zwei Ergebnisse dargestellt werden. Auf der Sitzung vom 31. März 2009 konnte sich die Expertengruppe auf eine Formulierung zur Ausbildungszielbeschreibung für ein neues Rettungsassistentengesetz einigen. Diese Formulierung war vor allem zwischen den Vertretern der Rettungsassistenten, also den Berufsverbänden, sowie den Vertretern der Hilfsorganisationen einerseits und den VertreDas Bonner Dienstgebäude des BMG: Hier tagten die Expertengruppe und die Arbeitsgruppen


BERUFSPOLITIK tern der Ärzteschaft andererseits längere Zeit der „Streitpunkt“. Dagegen war man sich über die notwendigen Fähigkeiten, die der künftige Rettungsassistent in der Ausbildung vermittelt bekommen soll, im großen und ganzen längst einig. Die Formulierung dieses Paragraphen war deshalb ein Streitpunkt, weil er in rechtlicher Hinsicht durchaus Bedeutung für die Kompetenz des Rettungsassistenten hat. Zu den seit Jahren diskutierten „Kompetenzen“ enthält die Ausbildungszielbeschreibung – im wesentlichen und allgemein formuliert – folgende Regelungen: – Die vom ÄLRD dem RettAss übertragenen notfallmedizinischen Maßnahmen, dazu soll auch die Applikation von Medikamenten gehören, können vom RettAss eigenständig durchgeführt werden. – Abgesehen davon kann der RettAss bis zum Eintreffen des Notarztes alle Maßnahmen durchführen, die er erlernt hat und die er beherrscht, sofern sie notwendig sind um Lebensgefahr oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden. Eine Einigung auf diese Ausbildungszielbeschreibung wurde durch die gemeinsame Haltung von BVRD, DBRD, ASB, DRK, JUH MHD, ver.di sowie den Vertretern aus den Länderministerien möglich; die Vertreter der Ärzteschaft stimmten schließlich, wenn auch „zähneknirschend“, zu. Der Arbeitsgruppe, die die ganz überwiegende Arbeit geleistet hatte, gehörten Dr. Detlef Blumenberg (BAND), Prof. Alex Lechleuthner (ÄLRD) und Dr. Gerhard Nadler (BVRD) sowie zwei Beamte aus dem Bundesgesundheitsministerium an. Am 8. Juli 2009 trat die Expertengruppe, nun in etwas veränderter Zusammensetzung, im Bonner Dienstgebäude des Bundesgesundheitsministeriums wieder zusammen, um sich dem nächsten Aspekt zuzuwenden. Gegenstand dieser „zweiten Runde“ war die Erarbeitung und Abstimmung von Ausbildungsstrukturen und Ausbildungsinhalten einer neuen RettAssAusbildung. Im Rahmen dieser Sitzung konnte man sich bereits auf das Verhältnis von Ausbildung an der Berufsfachschule und praktische Ausbildung verständigen. Zur konkreten Erarbeitung von Ausbildungsinhalten wurde aus dem Kreis der Mitglieder der

Expertengruppe eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich am 8. September im Ministerium zu ihrer ersten Arbeitssitzung traf. Mitglieder dieser Arbeitsgruppe, deren Bezug zur beruflichen Bildung ist in Klammern angegeben, waren: I. Kolmorgen (Schulleiter / AgRD), R. Kuhnke (Bereichsleiter RD-Ausbildung JUH Akademie Münster), Prof. A. Lechleuthner (ÄLRD Köln), St. Leibinger (Schulleiter ASB-Schulen Bayern), Dr. G. Nadler (RettAss und Erziehungs- u. Sozialwissenschaftler), C. Plog (Fachbereichsleiter RettAss-Ausbildung Feuerwehr Hamburg), Dr. G. Scherer (ÄLRD Rheinhessen), Prof. P. Sefrin (Notfallmediziner und Vorstandsmitglied BAND) und M. Schwab (Schulleiter DRKLandesschule Baden-Württemberg). Die Leitung dieser Arbeitsgruppe oblag zwei Beamtinnen des Bundesgesundheitsministeriums. Bereits kurze Zeit nach Aufnahme der Arbeit zeigte sich, daß man in der Arbeitsgruppe sehr unterschiedliche Vorstellungen hatte. Die Vorgabe von Seite des Ministeriums war eine Ausbildungsordnung analog der „Anlage 1 zur Ausbildungs- und Prüfungsverordnung Krankenpflege von 2003“ zu erarbeiten. Dieser Ansatz wurde vor allem von ärztlicher Seite positiv aufgenommen. Die Vorstellung war anfangs die „Ausbildungsordnung Krankenpflege“ als Vorlage zu nehmen und nur „umzuschreiben“. Von Seite der Schulleiter der RettAss-Schulen der Hilfsorganisationen wurde zunächst versucht eine Ausbildungsordnung, die den „lernfeldorientierten Ansatz“ abbildet, durchzusetzen. Dieser Ansatz wurde aber vor allem vom BVRD-Experten „für die Ausbildung von Gesundheitsfachpersonal, das selbständig Patienten versorgen muß“, als für nicht geeignet gehalten. Die Arbeitsgruppenmitglieder von AgRD und BVRD sowie der DBRD sprachen sich mehrfach für einen „kompetenzorientierten Ansatz“ aus, brachten ihre Bedenken im April 2010 nochmals in einem offiziellen Schreiben zum Ausdruck, boten aber gleichzeitig ein weiteres konstruktives Mitwirken hinsichtlich dem vom Ministerium vorgegebenen „themenkomplexorientierten Ansatz“ an. Die im November 2011 verabschiedete Vorlage entspricht dem vom Ministerium favorisierten Ansatz. Text: RDJ-Redaktion Rettungsdienst Journal 04-2011

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BERUFSPOLITIK

RettAssG-Novelierung und Hintergründe im Überblick Erste fundierte Kritik am RettAssG Eine erste fundierte Kritik am RettAssG von 1989 sowie erste konkrete Forderungen bezüglich der Notwendigkeit einer Novellierung des Gesetzes war auf den folgenden Fachtagungen zu vernehmen: •

Symposium „RettAssG – Bilanz und Ausblicke“ des BVRD vom 3. bis 4. November 1995 in Baunatal

Interdisziplinärer Workshop „Rettungsdienstpersonal 2000“ des ANR am 1. Dezember 1995 in München

Workshop „7 Jahre Rettungsassistentengesetz – Kritische Bestandsaufnahme“ vom 17. bis 20. Oktober 1996 auf Schloß Reisensburg bei Günzburg

Die Ursachen der Probleme Bei der öffentlichen Anhörung des federführenden Parlamentsausschusses zum Gesetzesentwurf vom März 1987 wurden von zahlreichen Sachverständigen erhebliche Bedenken zu diversen Regelungen im Gesetzesentwurf geäußert. Trotzdem blieb es bei diesen Regelungen, da die Hilfsorganisationen und auch die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände (Deutscher Städtetag u.a.) die ansonsten wahrscheinlichen Strukturveränderungen im Rettungsdienst nicht hinnehmen wollten. Die Funktionäre der Hilfsorganisationen wollten damals ein Gesetz, das auch dem engagierten Ehrenamtlichen die Ausbildung zum Rettungsassistenten ermöglicht.

Initiativen zur Novellierung Die ersten offiziellen Sondierungsgespräche im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zwischen Vertretern von Bund und Ländern sowie den Hilfsorganisationen und anderen beteiligten Verbänden fanden schließlich am 2. und 3. März 2004 in Bonn statt. Der BVRD war bei diesen Gesprächen durch den Autor dieses Textes vertreten. Das BMG bekundete im Anschluß an die Gespräche, man werde baldmöglichst mit den Arbeiten an einem Referentenentwurf für ein neues RettAssG beginnen. Am 30. November teilte das BMG dem BVRD auf Anfrage folgendes mit: „Das BMG ist der Auffassung, daß das RettAssG einer Novellierung bedarf. Die Erarbeitung eines Referentenentwurfes mußte aber aufgrund einer anderen Prioritätensetzung zurückgestellt werden.“ Um dem Ministerium und der Politik aufzuzeigen, inwieweit unter den beteiligten Verbänden hinsichtlich einer Novellierung des RettAssG (politische) Einigkeit besteht, wurde von einer ad hoc – Arbeitsgruppe der Ständigen Konferenz für den Rettungsdienst beim DRK-Generalsekretariat, unter Beteiligung des BVRD, von Juli 2004 bis Januar 2005 das sog. „Eckpunktepapier“ zur RettAssG-Novellierung erarbeitet und dem BMG vorgelegt. Trotzdem wurde das BMG in dieser Angelegenheit bis Herbst 2007 nicht aktiv. Die Arbeiten im BMG für ein neues RettAssG wurden schließlich durch zwei Bundestagsbeschlüsse im Herbst 2007 angestoßen (vgl. RDJ 2 / 2007, S. 28 - 34 sowie RDJ 3-4 / 2007, S. 11 - 13). Daß sich der Deutsche Bundestag im Laufe des Jahres 2007 überhaupt mit dem RettAssG befaßte, war das Ergebnis der diesbezüglichen parlamentarischen Aktivitäten des Bundestagsabgeordneten Jens Ackermann, der selbst Rettungsassistent ist. Text: Dr. Gerhard Nadler

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RECHT

Rechtliche Grundlagen der Schweigepflicht Von Thomas Hochstein Teil 2 Dies ist der zweite Teil des in der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift begonnenen Beitrags zu den (straf-) rechtlichen Grundlagen der medizinischen Schweigepflicht. Nachdem sich der erste Teil mit dem der Kreis der Schweigepflichtigen und dem (grundsätzlich weitreichenden) Umfang der Schweigepflicht beschäftigte, werden nunmehr die Ausnahmen von der Schweigepflicht behandelt, also die Fälle, in denen auf Wunsch oder im Interesse des Patienten, aber auch gegen seinen Willen Auskünfte an Dritte gegeben werden dürfen oder sogar müssen. Wann darf man trotz Schweigepflicht Auskunft geben? Es gibt denkbare Fälle, in denen man trotz bestehender Schweigepflicht dennoch Auskunft über bestimmte Sachverhalte, die dieser Schweigepflicht unterliegen, geben darf oder gar geben muss. Diese kann man grob in zwei Gruppen einteilen: einmal solche, in denen diese Auskunft im - mutmaßlichen - Interesse des Patienten liegt (der Helfer also durch den ungeschriebenen Rechtfertigungsgrund der - mutmaßlichen - Einwilligung gerechtfertigt ist und nicht rechtswidrig handelt; hierbei handelt es sich streng genommen nicht um einen "Bruch" der Schweigepflicht, sondern eher um einen Verzicht, eine Entbindung seitens des Patienten), und zum anderen solche Fälle, bei denen die Schweigepflicht und mit ihr der dahinterstehende Anspruch des Patienten auf Schutz der Privat- und Intimsphäre hinter anderen, höherwertigen Rechtsgütern zurückstehen muss (der Helfer also durch § 34 StGB, den rechtfertigenden Notstand, gerechtfertigt ist). Entbindung von der Schweigepflicht Einfach gelagert ist der Fall, wenn der Patient den Helfer ausdrücklich von der Schweigepflicht entbindet; dann (und soweit wie diese Entbindung reicht) besteht kein Anlass mehr, Auskünfte zu unterlassen. Zugleich entfällt das Zeugnisverweigerungsrecht im Strafprozess. Dabei ist der berufsmäßige Helfer des Arztes von einer Entbindung des Arztes von der Schweigepflicht mitbetroffen, da seine eigene Verpflichtung zur Verschwiegenheit sich von der des Arztes ableitet. Wenn sich also - wie häufig - im Zivil- oder Strafprozess der Patient als Geschädigter (oder vielleicht auch einmal als Angeklagter) von der Aussage des behandelnden Personals Vorteile erhofft, wird er sie von ihrer Schweigepflicht entbinden, damit sie diese Aussage machen können. Eine solche Entbindung muss nicht ausdrücklich oder in einer bestimmten Form geschehen, sondern kann auch konkludent, das heißt durch schlüssiges Handeln (sozusagen stillschweigend)

vorgenommen werden, wenn beispielsweise der Patient darum bittet, Angehörige von seiner Einlieferung ins Krankenhaus zu verständigen, oder wenn er durch sein Verhalten deutlich macht, dass er an einer Information seiner Angehörigen über seinen Gesundheitszustand, das Transportziel etc. interessiert ist (also die übliche Sachlage beim Eintritt eines Notfalls im häuslichen Bereich: um den Patienten bemühen sich Angehörige, die natürlich über die vermutliche Art der Erkrankung, deren Gefährlichkeit, notwendige Maßnahmen und über das Zielkrankenhaus informiert werden möchten, was - ohne dass über diesen Sachverhalt groß gesprochen würde auch dem Wunsch des Patienten selbst entspricht). Auch wenn es um die Voranmeldung in der Klinik und um die Übergabe des Patienten an weiterbehandelndes Personal geht (bspw. seitens des Rettungsdienstpersonals an den Notarzt oder durch diesen an den aufnehmenden Arzt des Krankenhauses), wird man davon ausgehen können, dass der Patient hinsichtlich der für seine weitere Behandlung relevanten Informationen bereits durch die Verständigung des Rettungsdienstes und durch seinen Willen, sich behandeln zu lassen und dazu auch gegebenenfalls in die Obhut eines Krankenhauses zu begeben, dieser Informationsweitergabe zugestimmt hat. (Diese Zustimmung wird sich dabei aber nicht auf Kenntnisse beziehen, die das Rettungsdienstpersonal im Rahmen des Einsatzes gewonnen hat, die aber für die Weiterbehandlung nicht relevant sind, bspw. über die Lebensumstände des Patienten oder die Tatsache, dass er gemeinsam mit seiner Geliebten in der ehelichen Wohnung angetroffen wurde.) Hinsichtlich des Straftatbestandes der "Verletzung von Privatgeheimnissen" wirkt die Entbindung von der Schweigepflicht als rechtfertigende Einwilligung, die das (eigentlich tatbestandsmäßige) Handeln rechtmäßig macht und eine Strafbarkeit ausschließt. Rettungsdienst Journal 04-2011

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RECHT Letztlich genauso liegt der Fall, wenn der Patient nicht in der Lage ist, seine Einwilligung zu äußern, weil er bspw. bewusstlos ist. Hier kommt es darauf an, ob nach Berücksichtigung aller Umstände, die durch das Rettungsteam erkannt wurden und erkennbar waren, davon auszugehen ist, dass der Patient eingewilligt (also die Helfer von der Schweigepflicht entbunden) hätte, wenn er denn nur könnte. Dabei lässt sich in der Regel auf allgemeine Überlegungen, was ein vernünftiger Mensch in der Situation des Betroffenen wollen würde, zurückgreifen, es sei denn, es gibt Grund zu der Annahme, dass der Patient insoweit anders entschieden hätte, wenn man ihn fragen könnte. So wird man bspw. bei der Einlieferung eines Bewusstlosen ins Krankenhaus davon ausgehen können, dass ihm an einer Verständigung seiner Angehörigen und erforderlichenfalls auch an einer Verständigung der Polizei zur Ermittlung dieser gelegen wäre, und dass er auch gegen eine qualifizierte Übergabe an das Personal der Notaufnahme keine Einwände hat. Gleiches gilt auch für Opfer von Straftaten, die in der Regel die Verständigung der Polizei wünschen werden; ganz im Gegenteil natürlich zum mutmaßlichen Täter, wenn es dieser ist, der medizinischer Hilfe bedurfte. Schließlich wird man auch bei einer hilflosen Person, die sich in einer für sie gefährlichen Lage befindet, aber - derzeit - keiner medizinischen Hilfe bedarf, davon ausgehen dürfen, dass sie mit einer Verständigung geeigneter anderer Hilfskräfte einverstanden ist: so beim sich selbst gefährdenden Betrunkenen mit der Verständigung Angehöriger oder der Polizei zur Ingewahrsamnahme. In Zweifelsfällen sollte das nichtärztliche Personal die Entscheidung darüber, ob von einer Einwilligung des Patienten, also einer Entbindung von der Schweigepflicht, auszugehen ist, dem Arzt überlassen, da ihn die originäre Verpflichtung zur Verschwiegenheit trifft und die Schweigepflicht des Assistenzpersonal nur eine abgeleitete ist. Bild: Sascha Sebastian_pixelio.de

„Bruch“ der Schweigepflicht Ein Bruch der Schweigepflicht, also die Erteilung einer Auskunft über einen der Schweigepflicht unterliegenden Sachverhalt gegen den (mutmaßlichen) Willen des Patienten, kommt nur dann in Betracht, wenn der Schweigepflicht andere, vorrangige Pflichten gegenüberstehen, weil bei ihrer Einhaltung höherrangige Rechtsgüter wie bspw. Gesundheit oder Leben Dritter in Gefahr sind, und wenn gerade der Bruch der Schweigepflicht ein geeignetes Mittel zur Abwendung dieser Gefahr darstellt. Erforderlich ist hier das Bestehen einer gegenwärtigen, anders nicht abwendbaren Gefahr für Leben, Gesundheit oder Eigentum eines anderen Menschen (Notstandslage, § 34 StGB). Das bloße Strafverfolgungsinteresse des Staates überwiegt hingegen den Anspruch des Patienten auf Schutz der Privat- und Intimsphäre nicht. Das ergibt sich auch schon daraus, dass in der Strafprozessordnung Regelungen über ein Zeugnisverweigerungsrecht des Arztes und seiner berufsmäßigen Helfer vorhanden sind (siehe dazu den ersten Teil des Beitrags im RDJ 2+3/2011); hätte die Strafverfolgung Vorrang vor den Interessen des Patienten, so gäbe es diese Vorschriften gar nicht, oder es wären Ausnahmeregelungen für besonders schwere Straftaten vorgesehen. Das bedeutet: ein Bruch der Schweigepflicht bspw. durch die Verständigung der Polizei oder Aussagen gegenüber den Ermittlungsbehörden (ohne eine Entbindung von der Schweigepflicht durch den Patienten!) kommt nur in Betracht, um zukünftige (schwere) Straftaten zu verhindern, nicht aber, um den Täter bereits begangener Straftaten zu überführen. Anders liegt der Fall nur dann, wenn entweder die Tat noch fortwirkt, also zusätzliche Schädigungen zu befürchten sind, oder wenn sich aus der begangenen Tat Anhaltspunkte für eine Wiederholungsgefahr ergeben. Dies ist sowohl bei schweren Straftaten aus dem Bereich der Gewalt- und Sexualdelikte der Fall, aus denen sich Hinweise auf ein hohes Aggressionspotential des Täters oder triebhaftes Verhalten ergeben, wie auch bei typischerweise wiederholt begangenen Delikten wie Kindesmisshandlung oder -missbrauch. Auch und gerade hier sollte aber die Entscheidung über einen Bruch der Schweigepflicht wiederum dem Arzt überlassen werden; die berufsmäßigen Helfer des Arztes sind hier an seine Entscheidung gebunden. Für den Fall einer Aussage im gerichtlichen Verfahren ist das ausdrücklich in den entsprechenden Regelungen der jeweiligen Prozessordnung festgehalten. Soweit Zweifel verbleiben, ob bspw. eine Anzeige zu

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RECHT Lasten des Patienten gerechtfertigt ist, ist es ggf. empfehlenswert, zuvor rechtlichen Rat einzuholen. Der Vollständigkeit halber sei noch angeführt, dass auch zur Wahrung eigener Interessen des Rettungsdienstpersonals ein Bruch der Schweigepflicht gerechtfertigt sein kann, wenn bspw. gegen strafrechtliche Verfolgung oder (Schadensersatz-)Ansprüche des Patienten keine andere Gegenwehr möglich ist. Denn um sich gegen unberechtigte Vorwürfe bspw. hinsichtlich einer Fehlbehandlung verteidigen zu können, wird es in der Regel unumgänglich sein, den wahren Sachverhalt zu schildern und ggf. auch unter Zuhilfenahme von Dokumentationsunterlagen zu belegen, was auch Auskunft über von der Schweigepflicht umfasste Sachverhalte umfassen wird. Soweit im übrigen Auskunftspflichten gesetzlich geregelt sind (bspw. Meldepflichten hinsichtlich gefährlicher Erkrankungen an die Gesundheitsbehörden, hinsichtlich Geburten oder bzgl. Todesfällen etc. pp.) besteht nicht nur ein Recht des medizinischen Personals, diese Auskunft trotz Schweigepflicht zu erteilen, sondern eine Verpflichtung. Dazu gehört nach herrschender Ansicht auch die prozessuale Aussagepflicht vor Gericht, soweit der Schweigepflichtige ausnahmsweise kein Zeugnisverweigerungsrecht hat.

Auskünfte an die Strafverfolgungsbehörden bei Tätern, soweit Wiederholungsgefahr zu befürchten ist und die Gefahr nicht anders abgewendet werden kann

Auskünfte zum Schutz eigener Rechte (gegen Strafverfolgung oder vom Patienten geltend gemachte zivilrechtliche Ansprüche)

Auskünfte in Erfüllung gesetzlicher Meldepflichten

Diese Aufzählung ist nicht erschöpfend, sollte aber die wichtigsten Anwendungsfälle zusammenfassen. (Landes-)gesetzliche Regelungen Teilweise haben die oben angeführten Sachverhalte auch in den Rettungsdienstgesetzen der Länder eine Regelung gefunden. So sieht § 32 des Rettungsdienstgesetzes (RDG) für BadenWürttemberg folgende Regelung vor: § 32: Erhebung, Veränderung, Speicherung, Nutzung und Übermittlung personenbezogener Daten (1) [...]

Fallgruppen

(2) [...]

Zusammenfassend lassen sich also folgende häufig vorkommende Fallgruppen unterscheiden, bei denen entweder von einer ausdrücklichen, konkludenten (stillschweigenden) oder mutmaßlichen Einwilligung des Patienten auszugehen ist oder der Bruch der Schweigepflicht zum Schutz höherrangiger Rechtsgüter gerechtfertigt ist:

(3) Personenbezogene Daten dürfen an Personen und Stellen außerhalb des Betriebs übermit telt werden, soweit dies erforderlich ist 1. zur Erfüllung der in Absatz 1 und Absatz 2 Nr. 1 genannten Zwecke, 2. im Versorgungsinteresse der Patienten

• Auskünfte an Angehörige über Zustand und Verbleib des Patienten (jedenfalls solange sich dieser nicht anderweitig geäußert hat) • Auskünfte an weiterbehandelndes Personal, soweit zur Weiterversorgung des Patienten notwendig • Auskünfte an Angehörige oder Polizei, soweit beim hilflosen Patienten zu dessen Schutz erforderlich • Auskünfte an die Strafverfolgungsbehörden bei Opfern von Straftaten (jedenfalls auf deren Wunsch oder wenn beim bewusstlosen Patienten ein solcher zu vermuten ist)

a) durch Unterrichtung der Einrichtung, die Ziel des Beförderungsvorganges ist, b) durch Unterrichtung von Angehörigen und sonstigen Bezugspersonen, 3. zu einer Rechnungsprüfung, Organisationsoder Wirtschaftlichkeitsprüfung, 4. zur Abwehr von Ansprüchen, die gegen den Unternehmer oder seine Mitarbeiter gerichtet sind, oder zur Verteidigung im Falle einer Verfolgung des Unternehmers oder seiner Mitarbeiter wegen Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten, Rettungsdienst Journal 04-2011 1 ­1


RECHT 5. zur Abwehr einer Gefahr für Leben, Gesundheit oder persönliche Freiheit des Patienten oder eines Dritten, wenn die Gefährdung dieser Rechtsgüter das Geheimhaltungsinteresse des Betroffenen überwiegt und die Gefahr in vertretbarer Weise nicht anders beseitigt werden kann. Personenbezogene Daten, die der Geheimhaltungspflicht im Sinne von § 203 des Strafgesetzbuches in der jeweils gelten den Fassung unterliegen, dürfen auch dann übermittelt werden, wenn das Patientengeheimnis nach dieser Vorschrift nicht unbefugt offenbart würde. (4) Der Unternehmer und seine Mitarbeiter sind berechtigt, Angehörigen und anderen Bezugspersonen des Betroffenen dessen Aufenthaltsort mitzuteilen, sofern nicht im Einzelfall schutzwürdige Interessen des Betroffenen dem entgegenstehen. Dies gilt nicht, soweit der Betroffene ausdrücklich einer Auskunftserteilung widersprochen hat. (5) Werden personenbezogene Daten unter den Voraussetzungen der Absätze 1 bis 4 weiter gegeben, so handelt derjenige, der sie weitergibt, auch insoweit nicht unbefugt, als er zur Wahrung gesetzlicher Geheimhaltungsvorschriften verpflichtet ist. Absatz 3 Satz 2 bleibt unberührt. Produktinfo

Neues NEF bei Mittelstädt Die Firma Mittelstädt Special Car Rent GmbH, seit Jahrzehnten bekannt als Premiumvermieter von Sonderfahrzeugen, stellt wieder ein neues NEF in Betrieb. Die Sonderausstattung ist umfangreich – typisch für Mittelstädt-Fahrzeuge. Bis hin zur kompletten Medizintechnischen Beladung ist wieder alles lieferbar. Dadurch ist das Fahrzeug für jeden Rettungsdienst und für alle Einsatzzwecke perfekt ausstattbar. Den Ausbau übernahm übrigens Ambulanzmobile aus Schönebeck. Die Anmietung kann bei Mittelstädt rund um die Uhr erfolgen. Der Vermieter liefert prompt und zuverlässig in das gesamte Bundesgebiet. Die 24-Stunden-Hotline ist erreichbar unter 07234-912-200. Für Kundenwünsche ist bestens vorgesorgt. www.s-c-c.de · info@s-c-c.de

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Wie man sieht, sind damit die wichtigsten zuvor erörterten Fälle, in denen eine Auskunftserteilung trotz bestehender Schweigepflicht von Interesse ist, gesetzlich geregelt. § 32 Abs. 5 RDG Baden-Württemberg wird man insofern aus strafrechtlicher Sicht als Rechtfertigungsgrund auch hinsichtlich eines eventuellen Bruchs der Schweigepflicht (also eines Verstoßes gegen § 203 StGB) zu verstehen haben. Verwandte Vorschriften Zu beachten sind neben der ärztlichen Schweigepflicht, die abgeleitet auch für die berufsmäßigen Helfer des Arztes und originär auch bspw. für den Rettungsassistenten gilt, auch andere Vorschriften, aus denen sich Pflichten zur Verschwiegenheit ergeben können, zu denen hier aus Platzgründen keine weiteren Ausführungen gemacht werden sollen. Dazu gehören Regelungen über den Datenschutz im Bundes- oder Landesdatenschutzgesetz und/oder den Rettungsdienst- und Krankenhausgesetzen der Länder, dazu gehört die Pflicht zur Dienstverschwiegenheit des im Rettungsdienst eingesetzten Beamten, und dazu zählen Vorschriften über die Geheimhaltung des Funkverkehrs der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

Autor: Th. Hochstein, Ass. jur., Mag. rer. publ., Neustadt/Wstr., Email: thh@inter.net


PRODUKTINFO / NEWS Sanitätsschule Nord trainiert Rettungsassistenten jetzt auf intensiv-medizinischem Niveau - mit MEDUMAT Transport von Weinmann (Hamburg) – Weinmann, der weltweit anerkannte Hersteller von Beatmungstechnologie für Profis, konnte die Sanitätsschule in Hutzfeld fur das Transportbeatmungsgerät MEDUMAT Transport gewinnen. Die Ausbildung mit MEDUMAT Transport intensiviert die Wissensbildung in der Beatmung von Notfallpatienten. MEDUMAT Transport bietet Transportbeatmung von Patienten auf intensiv-medizinischem Niveau. Durch sein breites Spektrum an anwendbaren Druckbeatmungstechnologien, können Schüler sehr viel über die omplexitat der menschlichen Atmung und ihrer Sicherung in den zahlreichen Situationen erlernen. Dank der verschiedenen Beatmungsformen – drei druckkontrollierte und drei volumenkontrollierte Modi – sowie PRVC und der Zuschaltung von nicht-invasiver Beatmung in allen Modi, bietet MEDUMAT Transport ein hohes Maß an Einsatzflexibilitat. Schüler der Sanitätsschule Nord konnen jetzt noch besser lernen, welche Beatmungsform situationsgerecht anzuwenden ist. Auf diesem Wege intensiviert gerade die Ausbildung mit MEDUMAT Transport die Wissensbildung in der Beatmung von Notfallpatienten.

Die Sanitätsschule in Hutzfeld bildet jährlich etwa 100 Rettungsassistenten an der Schule aus. Das Transportbeatmungsgerät MEDUMAT Transport ist seit Ende November 2011 an der Schule im Lehreinsatz. Weitere Infos: www.weinmann.de

NEWS

First Responder nun auch in Lauterhofen Erste First Responder-Gruppe im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz (Bayern) Neue Wege gehen zukünftig die Freiwillige Feuerwehr Lauterhofen und der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes Neumarkt i. d. OPf.! Zur Überbrückung des sogenannten therapiefreien Intervalls wurden von den beiden Organisationen eine First Responder-Einheit im nördlichen Landkreis gegründet. Den 18 freiwilligen Helfern wurde durch den BRK-Kreisverband das ehemalige Einsatzleiterfahrzeug zur Verfügung gestellt. In dem BMW 318 touring (Baujahr 2005, bei der Übergabe ca. 105 tkm), der eine neue Beklebung der örtlichen Firma Witt.mann und eine Sondersignalanlage von Pintsch Bamag erhielt, ist mit einem AED Lifepack 1000 (Spende Bürgerstiftung Neumarkt), einer Accuvac-Absaugpumpe, Notfallrucksack, Sauerstofftasche, Kindernotfalltasche (Spende von Sternschnuppe e. V.), Feuerlöscher, Verkehrsabsicherungsgerät, Handscheinwerfer, Navigationsgerät sowie einem 4-Meter-Funkgerät (AEG Teledux 9) ausgestattet.

mit dem Einsatzfahrzeug zum Einsatzort begeben. Unter der Woche befindet sich das ehemalige BRKEinsatzleiterfahrzeug im Gerätehaus der Feuerwehr Lauterhofen, von wo im Alarmierungsfall zu dieser Zeit ausgerückt wird. Seit September 2011 werden die Einsatzkräfte über die Integrierte Leitstelle in Regensburg zu Einsätze gerufen. In den ersten 2 Monaten rückten die Hilfskräfte bereits 30x aus. Einige Helfer sowie Führungskräfte von BRK, Feuerwehr und Förderverein der First Responder-Gruppe und den 1. u. 2. Bürgermeister aus Lauterhofen bei der Fahrzeugübergabe (gefertigt durch Hans Braun)

An Wochenenden sowie an Feiertagen sind immer zwei Helfer eingeteilt, die sich gleich von Zuhause Rettungsdienst Journal 04-2011 1 ­3


RECHT

Neue Gerichtsentscheidung zur Vergütung von RettAss-Praktikanten Mit Urteil vom 30. September 2005 (Aktenzeichen: 3 Sa 542/04) hatte das Sächsische Landesarbeitsgericht einem Rettungsassistenten, ebenso wie in erster Instanz das Arbeitsgericht Dresden, für das Praktikum im zweiten Jahr der RettAss-Ausbildung eine angemessene Vergütung zugesprochen. Die Hilfsorganisation bei der er das Praktikum ableistete, mußte dem Ex-Praktikanten – obwohl schriftlich die Unentgeltlichkeit vereinbart worden war – für das Praktische Jahr knapp 10.000 Euro Vergütung nachzahlen. Rechtsgrundlage, so die Richter beider Gerichte in Sachsen, wären §§ 26 und 17 Berufsbildungsgesetz. Mit Urteil vom 24. Juni 2011 (Aktenzeichen: 6 Sa 444/11 und 456/11) entschied das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg nun, daß ein Rettungssanitäter, der eine „Fortbildung zum Rettungsassistenten“ absolviert, keine Vergütungsansprüche aus §§ 26 und 17 Berufsbildungsgesetz hat. Ein „Rettungssanitäter in Fortbildung zum Rettungsassistenten“ kann aber – für die Zeit, die er bei Einsätzen als Zweitkraft eingesetzt war – eine Vergütung nach § 612 Bürgerliches Gesetzbuch fordern; auch wenn für die Tätigkeit als Praktikant die Unentgeltlichkeit vereinbart war. Im konkreten Fall war der ehemaligen Rettungssanitäterin eine Vergütung von 405,20 Euro für jedes Monat als Praktikantin zuerkannt worden. Grundlage der Berechnung war einerseits die tarifliche Vergütung eines Rettungssanitäters und andererseits der zeitliche Umfang des Einsatzes als Zweitkraft auf dem Rettungswagen, der im konkreten Fall bei etwa 25 % der Schichtzeit lag. Wären an dieser Wache weniger Einsätze angefallen, wäre der Anspruch nach Ansicht der Richter in Berlin geringer gewesen; wären mehr Einsätze angefallen, wäre er höher gewesen. Diese Rechtsauffassung „öffnet“ aus unserer Sicht einer unguten, problematischen Entwicklung „Tür und Tor“. Die Gerichtsentscheidung ist nachfolgend im Wortlaut abgedruckt. Lesen Sie zunächst den Sachverhalt, dann den Urteilstenor und dann die Entscheidungsgründe. Der Urteilstenor

Der Sachverhalt

1. Die Berufung der Klägerin gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Senftenberg vom 26.08.2010 – 4 Ca 143/10 wird zurückgewiesen.

Die als Rettungssanitäterin ausgebildete Klägerin trat gemäß „Praktikantenvertrag-Lehrrettungswache“ vom 27. November 2008 (Abl. Bl. 6 GA) zwecks Fortbildung zur Rettungsassistentin in ein Rechtsverhältnis zum Beklagten, das von Dezember 2008 bis November 2009 bestand. Die Zahlung einer Vergütung wurde ausdrücklich ausgeschlossen. Unter demselben Datum unterzeichnete die Klägerin eine Erklärung, wonach sie auf alle ihr möglicherweise nach dem Berufsbildungsgesetz oder anderen Vorschriften zustehenden finanziellen Ansprüche aus dem Praktikantenvertrag verzichtete (Abl. Bl. 84 GA). Für ihre Beschäftigung als Rettungssanitäterin im Mai 2009 erhielt die Klägerin aufgrund einer gesonderten Vereinbarung eine Vergütung von 1.620,80 € brutto.

2. Auf die Berufung des Beklagten wird das Urteil des Arbeitsgerichts Senftenberg vom 26.08.2010 – 4 Ca 143/10 – im Kostenausspruch und insoweit geändert, wie der Beklagte zur Zahlung von mehr als 4.052,- € brutto nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz auf jeweils 405,20 € seit dem 03.02., 03.03., 02.04., 05.05., 03.06., 02.07., 04.08., 02.09., 02.10., 03.11. und 02.12.2009 verurteilt worden ist, und die Klage auch insoweit abgewiesen. 3. Die weitergehende Berufung des Beklagten wird zurückgewiesen. 4. Die Kosten des Rechtsstreits haben die Klägerin zu 47,72 % und der Beklagte zu 52,28 % zu tragen. 5. Die Revision wird nicht zugelassen.

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Die Klägerin ist der Ansicht, ihr stehe gemäß § 2 der Anlage 5 zum D.-Tarifvertrag Land Brandenburg in der Fassung vom 1. Januar 2009 (D.-TV) als Praktikantin für den Beruf des Rettungsassistenten eine monatliche Vergütung von 613,- € zu. Darüber hinaus könne sie aufgrund ihrer Be-


RECHT schäftigung als Rettungssanitäterin gemäß dem D.-TV in Entgeltgruppe D Stufe 1 sogar eine Vergütung von monatlich 1.620,80 € beanspruchen, die sie allerdings zunächst nur für November 2009 geltend mache. Sie sei lediglich im Dezember 2008 als dritte Kraft auf einem Rettungswagen mitgefahren, während sie ab Januar 2009 allein mit einem Lehrrettungsassistenten eingesetzt worden sei. Das Arbeitsgericht Senftenberg hat den Beklagten verurteilt, an die Klägerin für elf Monate 6.743,- € nebst Verzugszinsen zu zahlen. Zur Begründung hat es im Wesentlichen ausgeführt, auf das Praktikantenverhältnis der Parteien finde der D.-TV Anwendung, weil sich dessen Geltungsbereich gemäß seinem § 1 Abs. 1 auf alle Mitarbeiter des D. im D.-Landesverband Brandenburg e.V., dessen Verbänden, deren Untergliederungen, Einrichtungen und Gesellschaften aller Art erstrecke, sofern diese Mitglied der Landestarifgemeinschaft des D. seien. Die Vereinbarung, wonach die Klägerin während ihres Praktikums keinen Vergütungsanspruch habe, verstoße ebenso wie die Verzichtserklärung gegen § 4 Abs. 3 TVG. Für November 2009 stehe der Klägerin keine Vergütungsdifferenz zu, weil sie nicht konkret vorgetragen habe, zu mehr als der Hälfte als Rettungsassistentin tätig gewesen zu sein. Gegen dieses ihr am 27. Januar 2011 zugestellte Urteil richtet sich die am 26. Februar 2011 eingelegte und am 11. April 2011 nach entsprechender Verlängerung der Begründungsfrist begründete Berufung der Klägerin. Sie vertieft ihren Vortrag zu ihrer Beschäftigung und verweist auf die Vorschriften über die Besetzung von Rettungswagen und auf die entsprechende Abrechnung des Beklagten gegenüber seinen Auftraggebern. Die Klägerin räumt ein, dass sich die Einsätze auf rund 25 % der Schichtzeiten beschränkt hätten. Während der übrigen Zeiten habe sie aber auch vor- und nachbereitende Tätigkeiten verrichtet. Ausbildungsmaßnahmen durch den Lehrrettungsassistenten seien ebenfalls erfolgt. Die Klägerin beantragt, den Beklagten unter teilweiser Änderung des angefochtenen Urteils zu verurteilen, an sie weitere 1.007,80 € zu zahlen. Der Beklagte, der gegen das ihm am 26. Januar 2011 zugestellte Urteil ebenfalls am 25. Februar 2011 Berufung eingelegt und diese am 25. März 2011 begründet hat, beantragt, die Berufung der Klägerin zurückzuweisen und die Klage unter teilweiser Änderung des angefochtenen Urteils insgesamt abzuweisen.

Er hält die Klage bereits mangels Bestimmtheit für unzulässig und meint, das Arbeitsgericht habe die auf einen Teil der Vergütung als Rettungssanitäterin gerichtete Klage nicht auf die Praktikantenvergütung beziehen dürfen. Aus dem D.-TV könne die Klägerin nichts herleiten, weil der Deutsche Handels- und IndustrieangestelltenVerband als vertragsschließende Partei keine Gewerkschaft sei und die Klägerin auch nicht dessen Mitglied gewesen sei. Aus einem Verstoß gegen die Besetzungsvorschriften ergebe sich nicht, dass die Klägerin als Rettungssanitäterin beschäftigt worden sei. Wegen der weiteren Einzelheiten des Parteivorbringens wird auf den Tatbestand des angefochtenen Urteils und die in der Berufungsinstanz gewechselten Schriftsätze Bezug genommen. Die Entscheidungsgründe 1. Beide Berufungen sind zulässig. Sie sind gemäß § 64 Abs. 2 lit. b ArbGG statthaft sowie formgerecht und fristgemäß eingelegt und begründet worden. Dass die Klägerin in ihrer Berufungsschrift die überholte Bezeichnung des Beklagten verwendet hat, war angesichts dessen feststehender Identität und der Beifügung des erstinstanzlichen Urteils mit der aktuellen Bezeichnung des Beklagten unschädlich. 2. Während die Berufung der Klägerin unbegründet ist, hat die Berufung des Beklagten teilweise Erfolg. 2.1 Die Klage ist zulässig. Sie enthält neben einem bestimmten Antrag auch die bestimmte Angabe von Gegenstand und Grund der erhobenen Ansprüche (§§ 253 Abs. 2 Nr. 2, 495 ZPO, § 46 Abs. 2 Satz 1 ArbGG). Wie die Beklagte zutreffend erkannt hat, handelte es sich angesichts des Lebenssachverhalts, aus dem die Klägerin die begehrte Rechtsfolge hergeleitet hat, für die Monate Dezember 2008 bis April 2009 und Juni bis Oktober 2009 zunächst um eine Teilklage auf Zahlung der Vergütung für die Tätigkeit als Rettungssanitäterin in Höhe der Vergütung für einen Praktikanten zum Rettungsassistenten. Darüber hinaus hat die Klägerin unter Verteidigung des angefochtenen Urteils im Verhandlungstermin der Berufungsinstanz klargestellt, sich insoweit zumindest auch auf ihre gleichzeitige Beschäftigung als Praktikantin stützen zu wollen. Damit hat sie sich auf einen Hilfsklagegrund gestützt, was zulässig ist und keine unzulässige alternative Klagehäufung (dazu BGH, Beschluss vom 24.03.2011 – I ZR 108/09 – GRUR 2011, 521 R 9) darstellt. Rettungsdienst Journal 04-2011 1 ­5


RECHT 2.2 Die Klage ist nur zum Teil begründet. 2.2.1 Die Klägerin hat entsprechend § 612 BGB Anspruch auf Vergütung für ihre Beschäftigung als Rettungssanitäterin in Januar bis April und Juni bis November 2009 in Höhe von monatlich 405,20 € brutto. 2.2.1.1 Es war davon auszugehen, dass die Klägerin bei den rund 25 % der Schichtzeiten ausmachenden Einsätze ab Januar 2009 entsprechend ihrer Ausbildung als Rettungssanitäterin beschäftigt worden ist. Dem entsprechenden Vortrag aus der Klageschrift ist die Beklagte erstinstanzlich lediglich mit einem Hinweis auf die Vertragssituation entgegengetreten. Auch in der Berufungsinstanz hat sich die Beklagte auf pauschales Bestreiten beschränkt. Ihr Hinweis, dass eine von den Vorgaben in § 10 Abs. 1 der Verordnung über den Landesrettungsdienstplan des Landes Brandenburg vom 24. Februar 1997 (GVBl. II/97 S. 106) abweichende Besetzung nicht automatisch zum Aufrücken eines Praktikanten in die Position eines Rettungssanitäters führt, trifft denkgesetzlich durchaus zu. Wie diese Einsätze ohne Heranziehung der Klägerin über Hilfstätigkeiten eines Praktikanten hinaus hätten durchgeführt werden können, ist für den Beklagten jedoch trotz ausdrücklicher Erörterung dieses Aspekts nicht dargelegt worden. Dementsprechend hat die Klägerin auch unwidersprochen vortragen können, dass ihre Einsätze den Auftraggebern gegenüber als solche eines Rettungssanitäters abgerechnet worden seien. 2.2.1.2 Die Verzichtserklärung der Klägerin vom 27.11.2008 stand einem Anspruch auf Vergütung der Tätigkeit einer Rettungssanitäterin schon deshalb nicht entgegen, weil sie sich lediglich auf Ansprüche aus dem Praktikantenvertrag mit dem Beklagten bezog. 2.2.1.3 Gemäß § 612 Abs. 1 BGB gilt eine Vergütung als stillschweigend vereinbart, wenn eine Dienstleistung den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist. Dies gilt entsprechend, wenn Dienste erbracht werden, die über das vertraglich vereinbarte Maß hinausgehen (BAG, Urteil vom 16.02.1978 – 3 AZR 723/76 – AP BGB § 612 Nr. 31 zu I 1 a der Gründe). Dies ist der Fall bei der Beschäftigung eines Praktikanten mit Tätigkeiten, die nicht seiner Fortbildung dienen, sondern ganz überwiegend im betrieblichen Interesse liegen (LAG Sachsen-Anhalt – Urteil vom 18.05.2009 – 6 Sa 432/08 – juris zu A I 1 der Gründe). So verhielt es sich im vorliegenden Fall, wo die Klägerin während der Einsätze nicht bloß als Praktikantin, sondern als Rettungssanitäterin beschäftigt worden ist. Deshalb konnte auch die

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vereinbarte Unentgeltlichkeit ihrer Beschäftigung als Praktikantin der Annahme einer stillschweigenden Vergütungsabrede hinsichtlich des davon abweichenden Einsatzes als Rettungssanitäterin nicht entgegenstehen. 2.2.1.4 Dass die Klägerin bei ihren Einsätzen von dem daran ebenfalls beteiligten Lehrrettungsassistenten auch ihrer Fortbildung dienende Anleitungen erfahren hat, stand einer vollen Vergütungspflicht für diese Zeit nicht entgegen, zumal die Klägerin dem Beklagten für diese Einsätze ja auch neben ihrer Fortbildung abrufbereit zur Verfügung gestanden hatte. Andererseits war nicht erkennbar, dass und in welchem Umfang die Klägerin auch in dieser Zeit bei vorund nachbereitenden Arbeiten über das Maß eines qualifizierten Praktikanten hinaus wie ein Rettungssanitäter beschäftigt worden ist, was angesichts ihrer unstreitig erfolgten Fortbildung auch keinesfalls durchgängig so gewesen sein kann. 2.2.1.5 Als i.S.d. § 612 Abs. 2 BGB übliche Vergütung für die Dienste eines Rettungssanitäters konnte das im D.-TV vorgesehene Entgelt von monatlich 1.620,80 € zu Grunde gelegt werden. Auf die Frage, ob es sich dabei um einen wirksamen Tarifvertrag gehandelt hat, kam es nicht an, weil die Beklagte selbst in der Vereinbarung eines Entgelts für die unstreitige Beschäftigung der Klägerin als Rettungssanitäterin im Mai 2009 genau diesen Betrag übernommen hatte. 2.2.1.6 Bei monatlich (1.620,80 x 25 % =) 405,20 € ergab sich für zehn Monate ein Gesamtbetrag von (405,20 x 10 =) 4.052,- € brutto. 2.2.2 Ein Anspruch auf eine weitergehende Vergütung für ihre Beschäftigung als Praktikantin für den Beruf des Rettungsassistenten bis zu einem Betrag von monatlich 613,- € brutto steht der Klägerin nicht zu. 2.2.2.1 § 2 Satz 1 der Anlage 5 zum D.-TV hatte als Anspruchsgrundlage schon deshalb auszuscheiden, weil die Rechtsnormen eines Tarifvertrags, die den Inhalt von Arbeitsverhältnissen regeln, gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG unmittelbar und zwingend nur zwischen den beiderseits Tarifgebundenen gelten. Mangels Mitgliedschaft der Klägerin in der Tarifvertrag schließenden Vereinigung war sie jedoch nicht tarifgebunden (§ 3 Abs. 1 TVG). Auf den persönlichen Geltungsbereich des D.-TV kam es deshalb nicht an. 2.2.2.2 Ein Anspruch auf angemessene Vergütung gemäß §§ 17 Abs. 1 Satz 1, 26 BBiG scheiterte daran, dass diese Vorschriften in Kapitel 1


RECHT von Teil 2 des Berufsbildungsgesetzes die Berufsbildung regeln, während für die berufliche Fortbildung in Kapitel 2 keine entsprechende Regelung getroffen worden ist und deshalb § 17 Abs. 1 BBiG auch keine entsprechende Anwendung finden kann (vgl. LAG Hamburg, Urteil vom 13.12.2010 – 7 Sa 13/10 – juris zu II der Gründe). Dies ist in dem von der Klägerin herangezogenen Urteil des Sächsischen LAG vom 30.09.2005 (3 Sa 542/04 – LAGE BBiG § 10 Nr. 4 zu II der Gründe) übersehen worden. 2.2.2.3 Ein Vergütungsanspruch konnte sich schließlich auch nicht gemäß § 612 BGB ergeben. 2.2.2.3.1 Zum einen war die Vereinbarung einer unentgeltlichen Beschäftigung der Klägerin als Praktikantin nicht etwa gemäß § 138 Abs. 2 BGB nichtig. Vielmehr diente sie der Ableistung der in § 7 Abs. 1 Rettungsassistentengesetz vorgeschriebenen praktischen Tätigkeit, und entspricht es der gesetzgeberischen Konzeption im Berufsbildungsgesetz, für die Fortbildung wie auch für die berufliche Umschulung in Kapitel 3 von Teil 2 dieses Gesetzes keine Vergütungspflicht des Ausbildenden vorzuschreiben. Dementsprechend mussten bereits 2004 für sog. Aufbaukurse zum Rettungsassistenten von viereinhalb Monaten

Dauer sogar Gebühren von mehr als 2.500,- € entrichtetet werden (vgl. VG Düsseldorf, Urteil vom 04.08.2005 – 11 K 5196/04 – juris). Erst wenn in einem längeren Praktikantenverhältnis nicht der Ausbildungszweck im Vordergrund steht, sondern eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation erfolgt, kann von Lohnwucher die Rede sein (ArbG Kiel, Urteil vom 19.11.2008 - ö.D. 4 Ca 1187d/08 - EzB BBiG § 26 Nr. 28). 2.2.2.3.2 Zum anderen steht im Rahmen eines der Fortbildung dienenden Praktikums nicht die Erbringung einer Dienstleistung im Vordergrund, sondern die Verschaffung der Möglichkeit, im eigenen Interesse zusätzliche berufliche Kompetenzen für eine qualifizierte und dementsprechend besser entgoltene Tätigkeit zu erwerben. 2.2.3 Verzugszinsen stehen der Klägerin gemäß §§ 193, 286 Abs. 2 Nr. 1, 288 Abs. 1, 614 Satz 2 BGB ab dem Tag nach dem ersten Werktag des jeweiligen Folgemonats zu (vgl. BAG, Urteil vom 15.05.2001 – 1 AZR 672/00 – BAGE 98, 1 = AP § 242 BGB Gleichbehandlung Nr. 176 zu II der Gründe). 3. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 92 Abs. 1 Satz 1, 97 Abs. 1 ZPO.

Neuerscheinung Gerhard Nadler Straßenverkehrsrecht für Feuerwehr und THW In der Praxis der Feuerwehr und des THW werden regelmäßig Sonderrechte (§ 35 StVO) und Wegerecht (§ 38 StVO) in Anspruch genommen. § 35 StVO befreit die Feuerwehr und das THW unter bestimmten Voraussetzungen von der Beachtung der Vorschriften der StVO, legt anderen Verkehrsteilnehmern aber keine Pflichten auf. Anders § 38 StVO, er ordnet den übrigen Verkehrsteilnehmern bei gleichzeitigem Einsatz von blauem Blinklicht und Einsatzhorn an, sofort freie Bahn zu schaffen. Obwohl Feuerwehrangehörige und THW-Helfer regelmäßig, viele Feuerwehrleute sogar täglich, damit konfrontiert sind, bestehen erfahrungsgemäß Unklarheiten zu diesen beiden Rechten. Diese Broschüre möchte den für die Einsatzpraxis notwendigen Einblick geben. Der Inhalt im Überblick: – Sonderrechte und Wegerecht in aller Ausführlichkeit – Alleinige Benutzung von blauem Blinklicht / Kolonnenvorrecht – Inanspruchnahme von Sonderrechten mit dem Privatfahrzeug – Frequently Asked Questions (FAQ) zum Thema – Feuerwehrleute vor Gericht: Zwei für Feuerwehrleute relevante Urteile – Tabellarische Gegenüberstellung von Sonder- und Wegerechten Die Publikation enthält ferner einen fünfseitigen Beitrag zum Thema „Mehr Sicherheit bei Einsatzfahrten durch professionelle Aus- und Fortbildung“ von Prof. Dr. Dieter Müller, einem renommierten Experten auf diesem Gebiet. Das Werk ist im Dezember 2011 erschienen bei: ecomed SICHERHEIT – Verlagsgruppe Hüthig-Jehle-Rehm, Heidelberg

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WISSENSCHAFT Ausbildung und Tätigkeit von Einsatzkräften des Rettungsdienstes und der Feuerwehr im Fokus der Erziehungs- und Sozialwissenschaften In diesem Beitrag werden zehn Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Erziehungswissenschaft sowie der Sozialwissenschaften, die in den letzten zehn Jahren publiziert wurden und einen konkreten Bezug zur Ausbildung und Tätigkeit von Einsatzkräften des Rettungsdienstes und der Feuerwehr haben, vorgestellt. Damit soll dem Leser zum einen ein Überblick über die diesbezügliche Forschung gegeben werden, zum anderen sollen Einblicke in die einzelnen Forschungsprojekte vermittelt werden. Bei acht dieser Publikationen stehen die berufliche Tätigkeit und Ausbildung der Einsatzkräfte im Fokus, zwei Arbeiten haben die psychische Erste Hilfe und die Krisenintervention zum Gegenstand.

Jürg Zimmermann Untersuchung der Rettungsassistentenausbildung hinsichtlich der aktuellen Berufsanforderungen Bei diesem Werk handelt es sich um eine Diplomarbeit aus dem Studiengang „Medizinpädagogik“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Wahl dieses Themas war durch die berufliche Biographie des Verfassers bedingt. Während seiner eigenen Ausbildung zum Rettungsassistenten und der anschließenden Tätigkeit im Rettungsdienst, die dem Studium vorangingen, wurde Jürg Zimmermann immer wieder direkt oder indirekt mit den mannigfaltigen Problemen der gegenwärtigen Ausbildung zum RettAss konfrontiert. Gegenstand dieser Untersuchung war die Verifikation folgender drei Hypothesen: Das berufliche Anforderungsprofil des RettAss ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen; die RettAss werden durch die aktuelle Ausbildung nur unzureichend auf die beruflichen Anforderungen vorbereitet; die gegenwärtigen Ausbildungsstrukturen sind in Bezug auf die beruflichen Anforderungen obsolet. Für diese Studie wurden im Jahr 2001 an über 900 Lehrende an RDSchulen, Ausbilder an Lehrrettungswachen, Rettungsassistenten und Notärzte, die zuvor in einem Stichprobenverfahren ausgewählt wurden, Fragebögen verschickt; knapp ein Drittel der Fragebögen kam auswertbar zurück. Abgesehen vom konkreten Ergebnis der Arbeit, ist sie schon wegen der Befunde, nämlich Problemen, die im Kontext der Novellierung des RettAssG seit Jahren kontrovers diskutiert werden, sehr aufschlußreich. Hochschulschrift: Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg, 2001 Format: DIN A 4, Umfang: 98 Seiten Bezug der elektronischen Version: juergzimmermann@freenet.de (Der Versand der elektronischen Version per Email erfolgt kostenlos)

Gerhard Nadler Berufspädagogische und juristische Aspekte zur beruflichen Bildung und Tätigkeit von Rettungsassistent und Rettungssanitäter Diese Forschungsarbeit, die Inauguraldissertation des Verfassers, ist das Ergebnis eines dreijährigen Forschungsprojektes zu dieser Problematik. Gerhard Nadler wählte für diese Untersuchung einen interdisziplinären Ansatz. An diese Problematik wird zum einen aus der juristischen Perspektive und zum anderen aus der berufspädagogischen Perspektive herangegangen. Nach einer Einführung in das Problemfeld wird untersucht, welche Staatspflichten bezüglich der Gewährleistung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung sich aus dem Grundgesetz und dem EU-Recht ergeben. Zum IST-Stand der beruflichen Bildung und Tätigkeit des Rettungsfachpersonals werden - nun aus der berufspädagogischen Perspektive - u.a. die Ergebnisse einer Analyse der Fachliteratur dargelegt. Diese Untersuchung sollte Schwächen und Defizite des Status Quo, aber auch Möglichkeiten aufzudecken. Anschließend werden die „de lege lata“ (gegenwärtige Rechtslage) hinsichtlich der Möglichkeiten und Grenzen

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WISSENSCHAFT einer selbständigen Erstversorgung von Notfall- und Akutpatienten durch (nichtärztliches) Rettungsfachpersonal untersucht und dann Überlegungen zum SOLL-Stand dargelegt bzw. Vorschläge zur „de lege ferenda“ (Rechtslage, die noch zu schaffen ist) gemacht. Auf der Basis einer empirischen Untersuchung zum Anforderungs- und Qualifikationsprofil - nun wieder aus der berufspädagogischen Perspektive - wurden Überlegungen und weitere Untersuchungen dazu angestellt, ob und inwieweit die Rechtsvorschriften zur beruflichen Bildung des Rettungsfachpersonals novelliert werden sollten und auch Vorschläge hinsichtlich einer Novellierung gemacht. Erschienen 2004 im Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main, Europäische Hochschulschriften: Reihe 2 – Band 3987, Umfang: 373 Seiten, ISBN 3-631-52262-2, Euro 56,50

Michael Cordes Sozialkompetenzen im Rettungswesen Eine Berufsfeldanalyse im Hinblick auf Notwendigkeit und Vermittelbarkeit sozialer Fähigkeiten Gegenstand dieser wissenschaftlichen Arbeit, einer Inaugural-Dissertation, die an der Universität Regensburg vorgelegt wurde, ist die Bedeutung sowie die Vermittlung von sozialen Kompetenzen im Beschäftigungsbereich des Rettungsdienstes. Der Umstand, daß in der modernen Arbeitswelt allein die fachliche Qualifikation zur Bewältigung beruflicher Aufgaben kaum mehr ausreicht, ist seit langer Zeit anerkannt. Ein Berufsfeld in dem die Bedeutung sozialen Kompetenzen bisher kaum beachtet wird, ist das Berufsfeld von Rettungsassistent und Rettungssanitäter, der Rettungsdienst. Während die Aspekte „Opferbetreuung und Angehörigenbetreuung“ unter den Begriffen Krisenintervention und Notfallseelsorge ausgiebig diskutiert werden, findet der Aspekt „Teamfähigkeit“, wie die auch meisten anderen Komponenten der sozialen Kompetenz, kaum Beachtung. In der vorliegenden Arbeit wird diesbezüglich folgende zentrale Frage gestellt: Welche Eckpfeiler lassen sich ausmachen, um soziale Kompetenz im Rettungswesen im Rahmen der gängigen Aus- und Fortbildungspraxis und der gegebenen Arbeitsverhältnisse zu fördern, welche Prämissen müssen zu diesem Zweck formuliert werden? Das Ziel dieser Arbeit war demnach, ausgehend von einer Berufsfeldanalyse, Möglichkeiten und Grenzen des Erwerbs solcher Kompetenzen mittels organisierter Lernprozesse zu analysieren und basale Anhaltspunkte zu identifizieren, die dazu beitragen, konzeptionelle Schulungsmodelle bezüglich sozialer und teamorientierter Verhaltensmuster zu entwickeln. Erschienen 2003 im Verlag Dr. Kovac, Hamburg, Umfang: 304 Seiten, ISBN: 3-8300-1096-6, Euro 89,00

Gerhard Nadler Berufszufriedenheit von Rettungsassistenten Eine Untersuchung aus arbeits- und berufssoziologischer Perspektive Im Rahmen dieser Studie wurde die Berufszufriedenheit von Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten, d.h. die Zufriedenheit mit den „Rahmenbedingungen des Berufs, die durch Staat und Gesellschaft gesetzt wurden“, untersucht. Insbesondere die Zufriedenheit mit den Rechtsvorschriften, die die Berufsausübung reglementieren, sollte eruiert werden. Die sozialwissenschaftliche Arbeit ist klassisch aufgebaut: In der Einleitung werden u.a. der Untersuchungsgegenstand und die Untersuchungsperspektive dargelegt, im folgenden werden dann die Bedeutung von Arbeit und Beruf in der gegenwärtigen Gesellschaft thematisiert sowie die Begriffe im Kontext mit Berufszufriedenheit geklärt. Anschließend werden die Hintergründe des Zustandekommens des Rettungsassistentengesetzes beleuchtet und die Kräfte, die auf die berufliche Tätigkeit des Rettungsassistenten wirken, identifiziert. Eines der zentralen Kapitel der Studie ist sicher das darauf folgende, in dem die empirische Rettungsdienst Journal 04-2011 1 ­9


WISSENSCHAFT Untersuchung zur Berufszufriedenheit von Rettungsassistenten, die im Frühjahr 2007 durchgeführt wurde, ausführlich dargelegt wird. Mehrere hundert Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten wurden mittels Fragebogen dazu befragt, um ein aktuelles Bild von der Berufszufriedenheit zu erhalten. Die Ergebnisse aus der Befragung lassen auf eine erhebliche Berufs-Unzufriedenheit schließen. Abschließend werden soziologische Überlegungen zur Berufsunzufriedenheit der Rettungsassistenten angestellt, genauer zu den Ursachen, den Folgen und den (notwendigen) Konsequenzen. Erschienen 2008 im Verlag FAERIE’S INKPOT, Mannheim, Umfang: 72 Seiten im Format DIN A 4, ISBN: 3-939036-09-9, Euro 9,90

Hansjürgen Gebhardt / André Klußmann Sicherheit und Gesundheit im Rettungsdienst Das Personal im Rettungsdienst gilt als besonders exponierte Gruppe für physische und psychische Belastungen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sollte diese Tätigkeit im Rettungsdienst aus arbeitswissenschaftlicher Perspektive analysiert und die Belastungs- und Beanspruchungssituationen des Rettungsdienstpersonals erfaßt und beschrieben werden. Im Rahmen dieser Studie, bei der die Bundesanstalt für Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin die Federführung hatte, wurden auf 22 Rettungswachen an vier Orten an insgesamt 382 Rettungsdienstmitarbeiter des DRK standardisierte Fragebogens ausgegeben; 202 kamen auswertbar zurück. Die Untersuchung und deren Ergebnisse sind in diesem Forschungsbericht dargelegt. Den Ergebnissen lassen sich unter anderem häufige Beschwerden im „muskolo-skelettalen Bereich“, aber auch eine hohe „Arbeitszufriedenheit“ der DRKMitarbeiter entnehmen. Allerdings ist bezüglich der Zufriedenheit eine differenzierte Betrachtung notwendig: In dieser Studie wurde die Zufriedenheit mit Arbeitszeiten und Tätigkeitsumfang sowie psycho-soziale und körperliche Belastungen eines Kollektivs von 202 beruflichen und ehrenamtlichen Rettungsdienstmitarbeitern verschiedener Qualifikationsstufen an den 22 Rettungswachen untersucht – letztlich also die Arbeitsplatzzufriedenheit. Die Zufriedenheit der Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten mit den Rahmenbedingungen ihrer beruflichen Tätigkeit, die wichtiger Teil der Gesamt-Zufriedenheit dieser Berufsgruppe mit ihrer Arbeit ist, wurde jedoch nicht untersucht. Erschienen 2006 im NW-Verlag, Bremerhaven, Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin – Fb 1068, Umfang: 114 Seiten, ISBN 3-86509-480-5, Euro 5,00

Gorißen Bettina Psychische Belastungen im Wachalltag von Berufsfeuerwehrleuten Ein arbeitspsychologischer Vergleich von Wachalltag und Einsatz Bei diesem Werk handelt es sich um die Inaugural-Dissertation von Bettina Gorißen. Die Psychologin ist in Feuerwehrkreisen keine Unbekannte. Seit 1999 bildet sie „Feuerwehrinterne Teams für Psychosoziale Unterstützung“ aus, zudem ist sie Lehrbeauftragte am Institut der Feuerwehr in NRW. In dieser Forschungsarbeit wurde erstmals der Einfluß von psychischen Belastungen von männlichen Berufsfeuerwehrleuten im Wachalltag sowie im Einsatz auf das psychische Befinden im Längsschnitt mittels zweier Erhebungswellen untersucht. Im Hinblick auf Befindlichkeitsbeeinträchtigungen fanden sich in der Literatur bisher ausschließlich Angaben zu Belastungen im Einsatz. Die Einsatzkräfte der Berufs‚feuerwehren verbringen ihre Dienstzeit aber nur zu 20% im Einsatz und zu 80% im Wachalltag. Ausgehend von der Hypothese, daß aus dem Wachalltag zusätzliche Beeinträchtigungen resultieren, war das Ziel der Studie ein Erkenntnisgewinn über den Einfluß von psychischen Belastungen im Wachalltag, also außerhalb der Zeit eines Einsatzes, im Vergleich mit psychischen Belastungen in der Einsatzzeit auf das psychische Befinden und damit auf die Gesundheit von Berufsfeuerwehrleuten. Mit dieser Studie konnte Gorißen nachweisen, daß aus dem Wachalltag zusätzliche Belastungen für

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WISSENSCHAFT Berufsfeuerwehrleute resultieren, die neben den Belastungen des Einsatzes berücksichtigt werden müssen. Diese Forschungsarbeit ist soweit ersichtlich bis heute die einzige vergleichende Untersuchung die den gesamten Arbeitsbereich von Berufsfeuerwehrleuten berücksichtigt. Im übrigen enthält das Werk verschiedene Anregungen hinsichtlich der Durchführung weiterer Untersuchungen. Erschienen 2003 im Verlag Dr. Kovac, Hamburg, Studien zur Streßforschung – Band 16 Umfang: 240 Seiten, ISBN: 3-8300-1101-6, Euro 84,00

Gorißen Bettina Stressbericht: Gesundheitliche Folgen der Arbeitsbedingungen im Wachalltag von Berufsfeuerwehrleuten Der Streßbericht gibt - ebenso wie die bereits vorgestellte Inauguraldissertation - einen Einblick in die Streßforschung und das besondere Arbeitsfeld von Berufsfeuerwehrleuten. Diese Publikation basiert auf den im Rahmen des oben umrissenen Dissertations-Forschungsprojektes erhobenen Daten. In diesem Forschungsprojekt wurden die Arbeitsbereiche „Wachalltag“ und „Einsatz“ bei sieben großen deutschen Berufsfeuerwehren auf die Dauer von zwei Jahren untersucht. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung lautet: Auch verschiedene Arbeitsbedingungen im Wachalltag wirken sich negativ auf das psychische Wohlbefinden aus! Während sich die oben vorgestellte Dissertation an den arbeitspsychologisch oder ganz allgemein sozialwissenschaftlich Interessierten richtet und zwei Forschungsfragen folgt, wendet sich der Stressbericht an die Berufsfeuerwehrleute selbst und beleuchtet zudem weitere Aspekte. Diesbezüglich sind soziales Miteinander, gegenseitiges Vertrauen, Zuverlässigkeit, Zumutbarkeit und soziale Stressoren zu nennen. In dieser Publikation werden 25 Aspekte in diesem Kontext auf jeweils ein, zwei oder drei DIN A 4 – Seiten dargelegt; zu einigen Problemen werden bereits hier Lösungen angerissen. Von besonderer Relevanz für die Praxis dürften die zwei letzten Kapitel, nämlich die Gegenüberstellung von „Belastungen und Lösungen“ sowie das Thema „Qualitätszirkel“, sein. Herausgeber: ver.di – Fachgruppe Feuerwehr, Berlin, 2003 Format: DIN A 4, Umfang: 89 Seiten Bestellung der Publikation: fachgruppe-feuerwehr@verdi.de (für ver.di-Mitglieder kostenlos, ansonsten ggf. Schutzgebühr)

Tanja Roth Psychosoziale Belastungen im Rettungsdienst Die Arbeit im Rettungsdienst stellt eine komplexe Tätigkeit dar, die verschiedene Belastungsfaktoren enthält. Neben Arbeitsbelastungen wie unregelmäßigen Dienstzeiten spielen psychologische Anforderungen, zum Beispiel die Verantwortung für Leben und Gesundheit der Patienten wie auch die Konfrontation mit Ausnahmesituationen, eine wichtige Rolle. Im Rahmen dieser Forschungsarbeit wurden zum einen die Belastungsfaktoren dargestellt, die bezüglich der Tätigkeit im Rettungsdienst als relevant nachgewiesen wurden oder aus Studien zu anderen Berufen als relevant anzunehmen sind. Zum anderen wurde versucht vorhandene Befindens- und Gesundheitsbeeinträchtigungen zu erfassen, um zu überprüfen, ob die Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst „schädigungsfrei“ sind. Zur Beantwortung der fünf Forschungsfragen wurde im Bereich Rettungsdienst des Badischen Roten Kreuzes eine Fragebogenstudie durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden sehr differenziert auf 74 Seiten dargelegt; auf weiteren 36 Seiten erfolgen die Diskussion der Ergebnisse und Schlußfolgerungen für die Praxis sowie Anregungen und Hinweise für weitere Forschungen. Die Forschungsarbeit wurde im Jahre 2009 von der Universität Freiburg im Breisgau als InauguralDissertation angenommen. Ein interessantes Ergebnis aus der Arbeit ist, daß von den Mitarbeitern des Rettungsdienstes eine Unterforderung im Sinne einer Fehlbeanspruchung, bei der Fähigkeiten und

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WISSENSCHAFT Fertigkeiten nicht eingesetzt werden können, wahrgenommen wird. Dies kann sich letztlich auf Arbeitsmoral und Arbeitszufriedenheit negativ auswirken. Erschienen 2009 im Verlag Dr. Kovac, Hamburg, Studien zur Streßforschung – Band 28 Umfang: 308 Seiten, ISBN: 3-8300-4532-8, Euro 88,00

Harald Karutz Psychische Erste Hilfe bei unverletzt-betroffenen Kindern in Notfallsituationen Bei diesem Werk handelt es sich um eine Inaugural-Dissertation aus dem Bereich Psychologie, die im Jahre 2003 an der Universität Dortmund vorgelegt wurde. Zunächst wird der Forschungs- und Arbeitsstand zur gegenständlichen Thematik ausführlich dargestellt und kritisch reflektiert. Diese erste Untersuchung ergibt, daß zur dieser Thematik bisher weder empirische Untersuchungen durchgeführt wurden und auch keine geeigneten Konzepte für die Praxis existieren. Vor diesem Hintergrund wird die Planung, Durchführung und Auswertung einer explorativen Studie beschrieben, in der insgesamt 96 Kinder, die verschiedene Notfallsituationen körperlich unverletzt miterlebt hatten, befragt worden sind. Die Befragung erfolgte anhand eines strukturierten Interviewleitfadens zum Ablauf des Notfallgeschehens, zu Gedanken und Gefühlen, zu Wünschen und Bedürfnissen, zum Verhalten anderer und zum eigenen Verhalten. Von den Aussagen dieser Kinder ausgehend werden anschließend konkrete Hinweise für die psychische Erste Hilfe bei unverletzt betroffenen Kindern in Notfallsituationen formuliert und in einem Regelwerk zusammengefaßt. Erschienen 2004 im LIT-Verlag, Münster, Reihe: Ethik in der Praxis / Studien – Band 19, Umfang: 208 Seiten, ISBN 3-8258-8207-1, Euro 19,90

Sebastian Roth Krisen-Bildung Aus- und Weiterbildung von KriseninterventionshelferInnen Die Forschungsarbeit orientiert sich an der Sichtweise, „die Teilnahme an einer Ausbildung zum / zur KriseninterventionshelferIn sowie die spätere Tätigkeit in der Krisenintervention sei (auch) eine Hinwendung zum Konzept des Lebenslangen Lernens“. Im ersten Teil der Arbeit erfolgt eine theoretische Auseinandersetzung mit „Krisen“, „Krisentheorien“, dem Konzept „Lebenslanges Lernen“ sowie „Komplementären Formen und Modellen der Krisenhilfe“. Im zweiten Teil wird die Praxis der Krisenintervention, genauer die Krisenintervention im Rettungsdienst sowie die Ausbildung zum / zur KriseninterventionshelferIn, untersucht. Im dritten Teil der Arbeit, dem empirischen Teil, wird die „Internationale Online-Befragung von ehrenamtlichen KriseninterventionshelferInnen“, die der Verfasser im Frühjahr 2007 durchführte, dargelegt. Die Ergebnisse der Befragung sollen der Klärung der zentralen Forschungsfrage „Welche Kompetenzen benötigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für eine Tätigkeit in gemeindenahen Kriseninterventionsteams“ dienen. Diese Forschungsarbeit wurde im Jahre 2007 von der Universität Klagenfurt (Österreich) als Inaugural-Dissertation angenommen. Zur Erkenntnisgewinnung und Beantwortung der Forschungsfragen werden erwachsenendidaktische, sozialisationstheoretische, existenzphilosophische und entwicklungspsychologische Aspekte herangezogen. Erschienen 2008 im Verlag Dr. Kovac, Hamburg, Umfang: 463 Seiten, ISBN: 3-8300-3537-4, Euro 98,00 Verfasser: Thomas Braun und Dr. Gerhard Nadler IBSR – Institut Rettungswesen, Neubiberg www.institut-rettungswesen.org

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RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL

Neues Rettungsfahrzeug im Rettungsdienst Spital Bülach

Fünf Fahrzeuge an zwei Standorten Am Spital Bülach sind zwei Rettungswagen, ein Reserve-Rettungswagen sowie ein Krankentransport-Fahrzeug stationiert. Ein weiterer Rettungswagen steht im Stützpunkt Niederhasli in Bereitschaft. Damit gewährleistet der Rettungsdienst Spital Bülach im Zürcher Unterland eine optimale Verfügbarkeit und höchste Patientensicherheit.

Der Rettungsdienst des Spitals Bülach hat einen neuen Rettungswagen in Dienst gestellt. Die Ambulanz vom Typ Mercedes Sprinter löst eine Leasing-Ambulanz ab, die im Piloteinsatz stand. Damit besteht die Rettungsfahrzeug-Flotte aus vier fixen Rettungswagen und einem Krankentransport-Fahrzeug. Modernste notfallmedizinische Ausstattung auf der Strasse Der neue Rettungswagen ist baugleich mit den bereits im Einsatz befindlichen Fahrzeugen und ausgerüstet mit modernster notfallmedizinischer Ausstattung. Hierzu zählen eine Intensivüberwachungs-Einheit, EKG-Fernübertragung ans Spital, Defibrillator, Beatmungsgerät, ein luftgefederter Patienten-Tragetisch, Notfallmedikamente sowie ein umfangreiches medizinisches Equipment zur Bergung und Erstversorgung. Diese Ausrüstung ermöglicht eine optimale medizinische Betreuung des Patienten auf der Unfallstelle und höchstmögliche Sicherheit beim Transport in die Notfallstation des Spitals.

Im Notfall 144 wählen Der Rettungsdienst des Spitals Bülach ist an die Notrufzentrale 144 angeschlossen und an 365 Tagen während 24 Stunden einsatzbereit. Der Rettungsdienst des Spitals Bülach ist IVR-zertifiziert und erfüllt die Qualitätsanforderungen an Schweizer Rettungsdienste (IVR: Interverband für Rettungswesen). Der Rettungsdienst des Spitals Bülach leistet jährlich ca. 3.000 Einsätze. Dies entspricht 85.000 km oder gut zwei Erdumrundungen mit fahrender medizinischer Intensivbetreuung. Über das Spital Bülach Im Zürcher Unterland, einer der am stärksten wachsenden Regionen des Kantons Zürich, stellt das Spital Bülach mit den Bereichen Chirurgie, Orthopädie, Urologie, Medizin, Frauenklinik, Radiologie und Anästhesie und mit über 200 Betten sowie rund 900 Mitarbeitenden eine hochstehende medizinische Versorgung für 160 000 Menschen sicher. E-Mail: andreas.frey@spitalbuelach.ch www.spitalbuelach.ch

EKG-Fernübertragung bei Herzinfarkt Bei einem Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt wird die EKG-Kurve (Herzstromkurve) mittels Funkübertragung ans Spital übermittelt. In dieser kritischen Situation sind rasche Entscheide und schnelle Behandlung wichtig. Ein Kardiologe im Spital beurteilt die EKG-Kurve. Er erkennt die erforderliche Behandlung und weist das Rettungsteam an, den Patienten in die entsprechende Klinik zu fahren. Rettungsdienst Journal 04-2011 2 ­3


LUFTRETTUNG Eine starke Allianz von Anfang an:

Die DRF Luftrettung entscheidet sich mit 25 Hubschraubern vom Typ EC145 T2 erneut für Eurocopter Eurocopter und die DRF Luftrettung haben Mitte November einen Kaufvertrag über 25 Hubschrauber der neuesten Generation – der EC145 T2 – unterzeichnet. Damit ist die deutsche Luftrettungsorganisation größter Kunde dieses Helikoptertyps in Europa. Mit dem Kauf der Maschinen wird die DRF Luftrettung innerhalb ihrer rotweißen Hubschrauberflotte sukzessive ihre bestehende BK117 austauschen. In dem Zeitfenster von Dezember 2013 bis Ende 2015 werden die ersten fünf Maschinen durch die DRF Luftrettung zum Einsatz im 24h-Luftrettungsdienst in Betrieb genommen. Die bei Eurocopter in Deutschland entwickelten und produzierten Hubschrauber umfassen ein Auftragsvolumen von nahezu 200 Millionen Euro. Die 20 weiteren Hubschrauber des Auftrags sollen gestaffelt bis ins Jahr 2022 ausgeliefert werden. Alle von der DRF Luftrettung bestellten Hubschrauber des Typs EC145 T2 werden in Deutschland, Donauwörth, produziert und nach der Endmontage von dort aus an den Kunden ausgeliefert. Die DRF Luftrettung mit Sitz in Filderstadt betreibt in Deutschland, Österreich und Dänemark insgesamt 31 Hubschrauberstationen, davon acht im 24h-Betrieb. Die mit modernster Medizintechnik ausgestatteten Maschinen werden zur schnellen Notfallrettung und zum Transport intensivpflichtiger Patienten zwischen Kliniken eingesetzt. An Bord befinden sich erfahrene Piloten, Notärzte und Rettungsassistenten der DRF Luftrettung. Dr. Wolfgang Schoder, Mitglied des Vorstandes und zuständig für alle Helikopterprogramme, erklärte anlässlich der Unterzeichnung: „Der Abschluss dieses wegweisenden Vertrags mit der DRF Luftrettung ist für uns ein besonderer Anlass zur Freude, belegt er doch einmal mehr unsere Position als weltweit führender Hubschrauber-

Das Foto zeigt von links nach rechts: Thomas Hein, Vertriebsleiter Europa Eurocopter, Wolfgang Buchner, Vertriebsleiter Zentraleuropa Eurocopter, Steffen Lutz, Vorstand DRF Luftrettung, Dr. Wolfgang Schoder, Mitglied des Vorstands Eurocopter und Dr. Hans Jörg Eyrich, Vorstand DRF Luftrettung, bei der Vertragsunterzeichnung am 14. November 2011 in Filderstadt

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anbieter in dem Segment der Luftrettung. Ebenso begrüßen wir außerordentlich die Tatsache, dass damit eine lang bestehende und für beide Seiten erfolgreiche Partnerschaft mit der DRF Luftrettung fortgesetzt wird.“ DRF Luftrettung und Eurocopter – eine Partnerschaft von Anfang an Bei der Rettung von Menschenleben zählt jede Minute. Die Erfolgsfaktoren sind die richtige medizinische Versorgung in kürzester Zeit vor Ort. Seit 1973 hat sich die DRF Luftrettung mit ihrer Hubschrauberflotte einen internationalen Namen gemacht. Und von Beginn an war Eurocopter mit dabei – angefangen mit der Alouette III und der BO105 über die BK117 und EC135 bis hin zur EC145. Insgesamt fliegen aktuell 46 EurocopterHubschrauber im Dienst der DRF Luftrettung. Allein in 2010 leistete die gemeinnützig tätige Organisation 36.900 Rettungseinsätze. „Um die eigenen hohen Qualitätsansprüche zu erfüllen, setzt die DRF Luftrettung seit vielen Jahren Maßstäbe in den Bereichen Flugbetrieb, Technik und Medizin. Dabei stehen Sicherheit und Effizienz an oberster Stelle, so dass die fortwährende Weiterentwicklung der von uns eingesetzten Hubschrauber unumgänglich ist,“ erklärte Dr. Hans Jörg Eyrich, Vorstand der DRF Luftrettung, bei Vertragsabschluss. „Die EC145 T2 ist durch ihre Leistungsstärke und den Fenestron für den Einsatz in der Luftrettung hervorragend geeignet.


LUFTRETTUNG Gerade bei nächtlichen Rettungseinsätzen bietet der ummantelte Heckrotor einen zusätzlichen Sicherheitsaspekt. Schon durch die Einführung von Nachtsichtbrillen als bundesweit einzige Luftrettungsorganisation haben wir 2008 einen wichtigen Schritt zur Weiterentwicklung der Luftrettung bei Nacht geleistet. Nach München und Regensburg werden wir in Kürze auch von der Bundeshauptstadt Berlin aus mit Night Vision Goggles zu nächtlichen Notfalleinsätzen fliegen. Mit dem Einsatz der EC145 T2 werden wir uns in unserem 24-Stunden-Flugbetrieb auf einen Hubschrauber verlassen können, der für die vielseitigen Anforderungen der modernen Luftrettung optimal geeignet ist“, so der Vorstand der DRF Luftrettung.

gestützte Navigation entlasten den Piloten und gewährleisten somit deutlich mehr Flugsicherheit an Bord. Neben Einsätzen für die Luftrettung ist das Multitalent für eine Vielzahl von Missionen gemacht; im Fokus stehen die Marktsegmente Polizei- und Behörden, Geschäftsflüge, Öl & Gas sowie Windfarmen-Wartung.

Die neue Helikoptergeneration „Made in Germany“: die EC145 T2

Über Eurocopter Eurocopter, gegründet 1992, ist heute ein deutsch-französisch-spanischer Konzern und ein Geschäftsbereich der EADS, eines weltweit führenden Unternehmens in der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen. Die EurocopterGruppe beschäftigt rund 17.500 Mitarbeiter. 2010 festigte Eurocopter seine Position als weltweite Nummer Eins am zivilen und halbstaatlichen Hubschraubermarkt mit einem Umsatz von 4,8 Milliarden Euro, Aufträgen über 346 neue Hubschrauber und einem Anteil von 49 Prozent am zivilen und halbstaatlichen Markt.

Das Fluggerät kombiniert das technologische Know-how der bewährten BK117 sowie der EC145 mit neuen und innovativen Entwicklungen. Eine Neuerung der EC145 T2, die sofort ins Auge fällt, ist der gesamte Heckausleger mit Fenestron; ein deutliches und gleichzeitig bekanntes Erkennungsmerkmal der Eurocopter-Hubschrauber; er bietet erhöhte Sicherheit für Passagiere und Piloten am Boden und in der Luft. Weitere entscheidende Merkmale sind die deutlich gesteigerte Leistungsfähigkeit, speziell im einmotorigen Betrieb, sowie ein geringerer Geräuschpegel der Maschine, der den Hubschrauber zum leisesten seiner Klasse macht. Ein neu entwickeltes AvionikSystem mit 4-Axen-Autopilot und eine satelliten-

Mit der größten Flotte an Hubschraubern im weltweiten Luftrettungseinsatz ist Eurocopter die Nummer eins in diesem Segment. Über Jahrzehnte hinweg konnten durch eine enge Kundenkooperation praktische Einsatzerfahrungen gesammelt werden, die unmittelbar in neue Technologien einflossen und weltweit neue Maßstäbe gesetzt haben.

Weitere Infos: www.eurocopter.com www.drf-luftrettung.de

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BUCHVORSTELLUNGEN K. Enke, A. Flemming, H.P. Hündorf, P. Knacke, R. Lipp, P. Rupp (Hrsg.) Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin – Band 4: Berufskunde und Einsatztaktik Im LPN4 werden alle relevanten Aspekte der Berufskunde für RettAss und der Einsatztaktik im Rettungsdienst sowie viele wichtige rechtliche Aspekte einer Tätigkeit im Rettungsdienst angesprochen. Das Themenspektrum zu „Organisation und Einsatztaktik“ erstreckt sich von Rettungsdienstorganisation über Kommunikationstechnik und Gefahren an der Einsatzstelle bis hin zu Massenanfall von Verletzten und Erkrankten (MANV) und Führungsaufgaben im Rettungsdienst. Das Werk ist nicht nur als Lehrbuch für RettAss in Ausbildung geeignet, sondern kann als Standardwerk betrachtet werden, das auch vom Berufserfahrenen immer wieder mit Gewinn zur Hand genommen werden kann. Zur Zeit ist zu dieser Thematik wohl kein besseres Werk auf dem Markt. 4. Auflage, Stumpf+Kossendey-Verlag, Edewecht, 2011 Umfang: 596 Seiten ISBN: 978-3-938179-71-0 Euro 35,00

Udo B. Crespin und Hanno Peter (Hrsg.) Handbuch für Organisatorische Leiter Der Organisatorische Leiter (OrgL) hat sich im Rettungsdienst mittlerweile etabliert. Seine logistisch-organisatorischen Kenntnisse sind beim Massenanfall von Verletzten und Erkrankten (MANV) wie auch bei der Absicherung von Großveranstaltungen unverzichtbar. Dieses Handbuch vermittelt umfassend und anwendungsbezogen die erforderlichen Grundlagen für diese Tätigkeit, nämlich Wissen über Logistik und Rechtsvorschriften, zur Zusammenarbeit mit anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie zur Führungslehre. Bei diesem Werk handelt es sich um „Spezialliteratur“, die einerseits für die Ausbildung zum OrgL bestens geeignet ist, aber andererseits auch als Lektüre zur Thematik „Einsatzleitung“ und „Einsatztaktik“ allen Interessierten empfohlen werden kann. 3. Auflage, Stumpf+Kossendey-Verlag, Edewecht, 2007 Umfang: 472 Seiten ISBN: 978-3-938179-37-6 Euro 34,90

Pschyrembel – Klinisches Wörterbuch 2012 Der Pschyrembel ist der Klassiker unter den medizinischen Wörterbüchern. 120 Jahre nach der ersten Auflage liegt nun im Winter 2011 / 12 die überarbeitete und deutlich erweiterte 263. Auflage vor. Seinen Namen hat das Wörterbuch von seinem langjährigen Herausgeber „Willibald Pschyrembel“, der das Werk von 1932 bis 1990 herausgab. Der Pschyrembel orientiert sich an den Bedürfnisses der Fachwelt – von den Gesundheitsfachberufen und den Medizinstudenten bis hin zum Chefarzt. Die Überarbeitung erfolgte durch 220 renommierte Autoren aus Wissenschaft und Praxis und durch das Team der Redaktion. Die Neuauflage bietet: einen auf über 2.300 Seiten erweiterter Umfang, 7.500 aktualisierte Stichwörter, viele neue Abbildungen, 1.000 neue Fachbegriffe und noch viel mehr. Die „neue Generation des Pschyrembel“ gibt es als Buch, online oder als APP. Näheres unter: www.pschyrembel.de 263. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin, 2011 Umfang: 2.350 Seiten ISBN: 978-3-11-025166-1 (Buch) Euro 49,95

Tassilo Schumacher Medizinisches Wörterbuch für Rettungsdienst, Notfallmedizin und Flugambulanz Englisch-Deutsch / Deutsch-Englisch Dieses handliche Wörterbuch ist ein wertvolles Nachschlagewerk für Rettungsassistenten, Rettungssanitäter und Ärzte sowie Pflegepersonal. Es ist immer dann hilfreich, wenn im Rettungsdienst oder in der Klinik mit englischsprachigen Patienten kommuniziert wird oder medizinische Dokumentationen in englischer Sprache gelesen werden müssen. Außerdem sollte es bei Einsätzen im Ausland, gleichgültig ob Flugambulanzeinsatz oder Einsatz im Katastrophengebiet, immer verfügbar sein. Die wesentlich erweiterte 2. Auflage umfaßt nun über 12.000 Stichwortkombinationen. Im Anhang sind viele weitere hilfreiche Informationen zu finden: Umrechungstabellen für Einheiten, Maße und Gewichte, die Zeitzonenübersicht, eine Tabelle mit Telefonvorwahlen aller Länder und einiges mehr. 2. Auflage, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 2010 Umfang: 280 Seiten ISBN: 978-3-17-019171-6 Euro 19,90

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BUCHVORSTELLUNGEN Arne Jansch Taktische Notfallmedizin Grundlagen, Bedeutung für den Rettungsdienst und die Anwendung bei Amoklagen Nach dem Amoklauf in Erfurt im Jahr 2002 begann vor allem auf polizeilicher Seite die Erarbeitung von Konzepten zum Umgang mit solchen Lagen. Im Gegensatz zu den bis dahin geltenden Anweisungen, das Eintreffen von Spezialkräften abzuwarten, sollen nun durch die ersteintreffenden Kräfte – unter Einbezug der ersteintreffenden Kräfte des Rettungsdienstes – „Kontaktteams und Rettungsteams“ gebildet werden, um sofort eingreifen zu können. Das zentrale Kapitel in diesem Werk hat die Zusammenarbeit von Polizei und Rettungsdienst zum Gegenstand. Kapitel zum „Phänomen Amok“, zur notfallmedizinischen Versorgung bei Amoklagen und weiteren wichtigen Aspekten runden die Ausführungen ab. Dem Autor ist mit diesem Werk eine wirklich gute Darstellung dieser komplexen Thematik gelungen. Nichts bleibt offen, nichts ist überflüssig. Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt a.M., 2010 Umfang: 268 Seiten ISBN: 978-3-86676-126-1 Euro 34,90 Kordula Marzinzik, Annette Nauerth, Ursula Walkenhorst (Hrsg.) Kompetenz und Kooperation im Gesundheits- und Sozialbereich Diese Publikation dokumentiert die Beiträge der zweiten „Fachtagung der Kompetenzplattform KomPASS“, einem Forschungsverbund der Fachbereiche „Wirtschaft und Gesundheit (Pflege und Gesundheit)“ sowie „Sozialwesen“ an der Fachhochschule Bielefeld. Diese Fachtagung widmete sich der interprofessionellen Kooperation in Arbeitsfeldern des Sozial- und Gesundheitswesens. Als Meta-These kann festgehalten werden: „Zur Gestaltung einer patientenorientierten Versorgung ist die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen aus Medizin, Pflege- und anderen Gesundheitsfachberufen sinnvoll und notwendig. Kooperation benötigt jedoch förderliche Rahmenbedingungen.“ Die Publikation diskutiert Perspektiven zukünftiger Kooperationen und Kompetenzentwicklungen in den Gesundheitsberufen. LIT-Verlag, Münster, 2010 Umfang: 172 Seiten ISBN: 978-3-643-10789-3

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14,90

Andrea Prauße-Stangl Entstehung und Entwicklung von Notarztdiensten in Nordrhein-Westfalen Bei diesem Werk handelt es sich um die überarbeitete Fassung der Inaugural-Dissertaion der Autorin, die im Jahre 2005 an der Universität Köln vorgelegt wurde. Zielsetzung war die empirische Erfassung und Analyse der Entwicklung des Notarztdienstes in Nordrhein-Westfalen. Methodisch handelt es sich um eine empirische Forschungsarbeit, die auf Methoden der quantitativen und qualitativen Sozialforschung zurückgreift; als Elemente der qualitativen Sozialforschung wurde die postalische Befragung anhand eines Fragebogens sowie Gespräche mit Zeitzeugen und Experten gewählt. Auf diese Art und Weise wird die Entwicklung des Notarztdienstes in diversen Städten und Kreisen in Nordrhein-Westfalen ausgeleuchtet. Das Buch enthält auch Schilderungen von Einsätzen und (historische) Fotografien. Verlag Dr. Kovac, Hamburg, 2007 Umfang: 340 Seiten ISBN: 978-3-8300-2799-7

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88,00

Clemens Hellenschmidt Der DRK-Krankentransport 1943 – 1945 Vorgeschichte, Entstehung, Organisation und Auswirkungen bis in die Gegenwart In diesem Werk, der Inaugural-Dissertation des Verfassers, wird der Frage nachgegangen in wie weit die Struktur des Deutschen Roten Kreuzes und die Dominanz im Rettungsdienst auf den Erlaß Hitlers, den „Erlaß des Führers über die Vereinheitlichung des Krankentransports“, vom 30. November 1942 zurückgeht. Dies wird, wie der Verfasser in der Einleitung ausführt, von Seite des BKS (Unternehmerverband privater Rettungsdienste) und auch von Seite der Berufsfeuerwehren immer wieder angeführt. Für die Forschungsarbeit wurde insbesondere auf Dokumente im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde sowie im ebenfalls dort befindlichen Archiv des DRK-Generalsekretariats zurückgegriffen. Diese Forschungsarbeit trägt dazu bei die Geschichte des Rettungsdienstes, die bisher nur wenig erforscht ist, zu erhellen. Verlag Dr. Kovac, Hamburg, 2010 Umfang: 128 Seiten ISBN: 978-3-8300-4988-3

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RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL

Blick nach Norden Neuheiten aus Dänemark und Schweden Neues System am Slagelse Hospital (Region Sjaelland) Ein neues Einsatzfahrzeug für Notärzte und Einsatzleitung rückt am Krankenhaus Slagelse zu Notfällen und Großschadensereignissen aus. Besetzt wird der in schwefelgelb und grün beklebte MB Viano 3.2 mit einem bzw. zwei RettAss der Vagtcentral (Rettungsleitstelle) und eventuell einem Notarzt des Hospitals Slagelse. Besetzt wird der Einsatzwagen abwechselnd mit Mitarbeitern von Falck und dem Roskilde Brandvaesen (Feuerwehr). Das Fahrzeug ist im Innenraum mit Standheizung, ausziehbarem Aluminium-Arbeitstisch, zwei PC-Arbeitsplätzen, Funk und Navigation ausgestattet. Über einen großen Flachbildschirm können zum Beispiel einsatzbezogene Daten, Statistiken aber auch das normale Fernsehprogramm (digital) empfangen werden. Im Heckbereich befindet sich ein Sortimo Schranksystem mit Ordnern (Gefahrenklassen, Einsatzunterlagen, usw.), desweiteren findet man dort Warnausrüstung, Erwachsenen-/Kinder-Notfallrucksack, Lifepak 15 mit GSM Modul, Sauerstoff, Feuerlöscher und sowie eine Wärmebox und eine seperate Kühlbox.

Læge = Arzt Zwei neue RTW für die Region Skaraborg (Schweden) An der Rettungswache in Skövde (Region Västra Götalands Lan) wurden zwei baugleiche Mercedes Sprinter 319 mit 4,2 t, Alco Chassis und speziell für diesen Rettungsdienst entwickelten RKB Koffer in Dienst gestellt. Mit an Bord sind sowohl ein MobiMed 300 EKG, 3 Sauerstoffflaschen à 10 Liter mit automatischer Umschaltung, Notfallrucksäcke, Stryker Rettungsstuhl, STEM Tragetisch und einiges mehr. Von der Ausbaufirma AMZ wurde außerdem im Found ein neuentwickeltes Touch Panel zur Bedienung von Stromversorgung, Beleuchtung, Signalanlage, Sauerstoffflaschenanzeige, Funk, Klimaanlage und Heizung in Kabine und Patientenraum integriert. Die Signalanlage stammt von der Firma Wheelen und besteht neben dem Lautsprecher, aus einem LED Warnlichtbalken sowie weiteren 24 LED Blitzleuchten in gelb und blau rund ums Fahrzeug. Zusätzlich befinden sich auf dem Dach zwei gelbe LEDRundumleuchten für bessere zusätzliche Warnwirkung an Einsatzstellen.

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RETTUNGSDIENST INTERNATIONAL Neuer Intensiv- und Bettentransporter Das Roskilde Brandvaesen (Feuerwehr) ist neben Falck und dem Kobenhavn Brandvaesen in der Region Sjaelland für den Rettungsdienst zuständig. Mitte 2010 wurde der Fuhrpark umstrukturiert und für Roskilde und die vier umliegenden Rettungswachen in Borup, Koge, Greve und Jyllinge neue Fahrzeuge beschafft. Von den bisherigen Rettungstransportern auf VW T4 Basis mit Hochdach werden an der Wache Roskilde noch 5 Fahrzeuge als Ersatz bzw. für den Krankentransport eingesetzt. Die übrigen wurden durch 14 neue Rettungswagen (Ambulance) auf MB Sprinter 318 Fahrgestell mit Profile Ausbau und Hochdach ersetzt. Zu dieser Zeit wurde in Dänemark auch über eine neue Grundfarbe bzw. Beschriftung für Rettungsdienstfahrzeuge diskutiert. Falck entwarf ein Fahrzeugdesign mit der Grundfarbe schwefelgelb und grünem Karostreifenmuster mit der dazugehörenden Beschriftung “112“ dem Falck Schriftzug und “Ambulance“. Die Designvorlagen der Mitarbeiter vom Roskilde Brandvaesen für die eigenen Fahrzeuge kam aber auch positiv an und wurde daraufhin für alle neubeschafften Rettungsdienstfahrzeugen (RTW/NEF) der Region Sjaelland übernommen. Außerhalb dieser Region fährt Falck mit dem selbstentworfenen obeb erwähnten Streifendesign. Der hier gezeigte Mercedes Sprinter 519 mit langem Radstand, und spezieller Ladebordwand und im neuen Design wurde von Profile Finnland ausgebaut. Das “Roskilde“ Design unterscheidet sich zu den Fahrzeugen von Falck lediglich durch die Beschriftung der Organisationlogos und die Signalanlage. Das Fahrzeug wird als “Specialambulance“ für den Bettentransport von Klinik zu Klinik, liegende Dialysepatienten und adipöse Patienten sowie als ITW eingesetzt. Des weiteren wurden bereits mehrere Interhospitaltransporte mit Hüftgelenksluxationen, verschiedenen komplizierten Becken- und Beinbrüchen durchgeführt, bei denen der Patient schonender transportiert werden kann, da er nicht von Bett auf Trage umgelagert werden muß. Zur Ausstattung gehören neben der in Skaninavien obligatorischen starken Standheizung, ein luftgefedertes

Fahrgestell, Lifepak 15 Defi, Accuvac Absaugung, Notfallrucksack und vier Sauerstoffflaschen a 10 Liter. Bei Intensivtransporten können zusätzliche Monitoringgeräte, weitere Perfusoren und einiges mehr im Fahrzeug untergebracht werden. Die Einsatzzahlen lagen monatlich durchschnittlich bei etwa 8-12 Transporten, Tendenz zunehmend. Besetzt wird das Fahrzeug von drei Rettungsfachkräften.

Text & Fotos: Andi Bachsleitner Fotograf von Einsatz- und Sonderfahrzeugen Weitere Skandinavische Fahrzeuge im RDJ 1/2012 Rettungsdienst Journal 04-2011 2 ­9


TERMINE/IMPRESSUM DRK-Bildungszentrum Düsseldorf:

11. Mittelhessisches Rettungsdienstsymposium 2012

„EKG-Basisseminar“ 12.02.12 „Medizinproduktegesetz für Anwender“ 18.02.12 „Original AHA ACLS Provider-Kurs“ 04.02. - 05.02.12 Tel: 0211 - 2299 2199 www.bildungszentrum-duesseldorf.de

20. und 21.01.2012 Auditorium UKGM Gießen und Marburg Standort Marburg Baldingerstraße D-35033 Marburg www.znotmed.die-narkose.de

22. Symposium Intensivmedizin + Intensivpflege Bremen 22. – 24. Februar 2012 Veranstaltungsort: Messe und Congress Centrum Bremen

12. RETTmobil Europäische Leitmesse für Rettung und Mobilität

www.intensivmed.de 9. - 11. Mai 2012 14. Hannoversches Notfallsymposium Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) 17.03.2012 Johanniter Akademie Bildungsinstitut Hannover

Messe Fulda Galerie www.rettmobil.org

www.johanniter.de

www.bvrd.org Impressum Rettungsdienst Journal: Mitgliederorgan des Berufsverbandes für den Rettungsdienst e.V. (BVRD) 30. Jahrgang = 2011 Verantwortlich für fachlichen Inhalt: Martin Ritter (1. Vorsitzender) Herausgeber und Vertrieb: Berufsverband für den Rettungsdienst e. V., Bundesgeschäftsstelle, Gießener Straße 42, 35423 Lich, Tel.: (0 64 04) 95 00 65, Fax: (0 64 04) 95 00 66 e-mail: rdj@bvrd.org www.bvrd.org Redaktion: Redaktionsmitglieder: H.-J. Bielke; Wilfried Brömme; Andi Bachsleitner; Urs Spörri; Tobias Weimann; Andreas Zimmermann; Redaktionsadresse wie Herausgeberaddresse Anzeigenverkauf und -verwaltung: Wilfried Brömme, Gießener Str. 42, 35423 Lich, Tel.: (0 64 04) 95 00 65, Fax: (0 6404) 95 00 66 e-mail: BVRDRDJ@aol.com Gültig ist die Anzeigenpreisliste Nr.14 vom 01.01.2010. Erscheinungsweise: Regulär alle drei Monate zum Quartalsende. Gesamtherstellung : BVRD Lich Druck: Köllen Druck und Verlag GmbH, Bonn www.koellen.de Alle Rechte vorbehalten Bezugspreis: Im BVRD-Mitgliedsbeitrag enthalten. Für informierte Mitglieder im Inlandsjahresbezug für 25 Euro; im Auslandsjahresbezug für 30 Euro (Preise inkl. Porto). Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Giessen. Hinweis: Diejenigen Bezeichnungen, die zugleich eingetragene Warenzeichen sind, werden nicht immer besonders kenntlich gemacht. Es kann also aus der Bezeichnung einer Ware nicht geschlossen werden, daß die Bezeichnung ein freier Warenname ist; ebenso ist nicht zu entnehmen, ob Patente oder Gebrauchsmuster vorliegen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

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Rettungsdienst Journal Ausgabe 04/2011  

Der Berufsverband für den Rettungsdienst e.V. (BVRD) ist die größte und älteste Interessen- vertretung der Rettungsassistent(inn)en und Rett...

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