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SILENT RUNNING

2005

TARTUFFE Als ein höchst gefährliches Dokument, das beim Publikum PR EMIER E staats- und religionsumstürzlerische Gedanken provozie29. J U N I 201 7 ren und die Ordnung gefährden könnte, sahen Klerus und weltliche Macht Molières Stück „Tartuffe“, als es in der Hochzeit des Absolutismus 1664 uraufgeführt wurde. Ob der Autor den politischen Sprengstoff bewusst in seine VON MOLIÈRE Komödie eingebaut hat oder nicht: Die Kabale um Liebe R EGIE M ATEJA KOLEZNIK BÜ HNE R AIMUND ORFEO VOIGT und Religion entlarvt die zerstörerische Kraft, die jeder KOSTÜ ME ALAN HR ANITELJ religiösen Diktatur innewohnt. M USIK MITJA VRHOVNIK-SMREKAR Der wohlhabende Pariser Bürger Orgon verfällt einem demutsvollen Frömmler – dem Betrüger Tartuffe –, der ihm zum wahren Glauben verhelfen soll. Orgon nimmt den Habenichts in sein Haus auf, verspricht ihm sogar die Hand seiner Tochter, obwohl Mariane bereits glücklich verlobt ist. Tartuffe hingegen versucht, Orgons Frau zu verführen. Dessen Sohn belauscht das Betrugsmanöver und informiert seinen Vater. Der jedoch, verblendet von seinem religiösen Eifer, verflucht nicht den Eindringling, sondern seinen Sohn und überschreibt sein Vermögen dem scheinheiligen Tartuffe. Erst als der Hausherr selbst Zeuge der Hinterhältigkeit seines vermeintlichen Freundes wird, jagt er den Heuchler aus dem Haus. Aber der Verlierer Tartuffe, entschlossen, sich aus seiner Machtlosigkeit zu befreien, setzt Orgon und seine ganze Familie unter Druck, indem er Anspruch auf deren Besitz erhebt. Kein Wunder, dass „Tartuffe“ in der Zeit König Ludwigs XIV. sein Publikum entsetzte, galt doch unter der Regentschaft des absolutistischen Herrschers alle weltliche Macht als von Gott verliehen. Schon bei Molière versteckten sich hinter den

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Spielzeitheft 2016 2017  

Residenztheater München

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