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IN EINEM JAHR MIT 13 MONDEN „Ich kam gerade aus Casablanca zurück,“ sagt Elvira, „da trieb mich einer ins Nichts, der nichts zu tun brauchte, als ein Lächeln einmal zuviel gelächelt zu haben. Aus Zufall, und das ist die Wahrheit, mag sie auch immer klingen wie Lüge, wurde mein Leben gerettet, wurde mein Ich gezwungen mich DR EHBUCH VON ertragen zu lernen im ganz und gar Unerträglichen.“ Elvira R AINER W ERNER FASSBINDER R EGIE CILLI DREXEL hieß früher einmal Erwin. Erwin Weishaupt. Das war vor BÜ HNE CHRISTINA MROSEK Casablanca. Damals hat Erwin vielleicht ein ganz normales KOSTÜ ME JANINE W ERTHM ANN Leben geführt, zumindest versucht hat er es, als Kind bei den Nonnen im Waisenhaus oder später mit Irene, die er in der Metzgerlehre kennengelernt hat, und der gemeinsamen Tochter. Doch dann hat er sich in Anton verliebt, und für ihn ist Erwin nach Casablanca gereist. In einem neuen Körper, der genauso wenig wie der alte passt und bei Anton nur Gelächter hervorruft, steuert Elvira seit ihrer Rückkehr auf den Absturz zu. Den Job verliert sie und den Mann, den sie nie hatte, die Beziehung zu ihrer Familie ist beinahe ruiniert, und Elvira mehr denn je allein. Jetzt kann sie ihren eigenen Anblick nicht mehr ertragen, versucht, mit Alkohol und Tabletten gegen die Scham und die Angst vor ihrer „eigenen zerstörten Fresse“ anzukommen und die Einsamkeit bei Männern loszuwerden, die nicht einmal gegen Geld bereit sind, sich mit ihr einzulassen. Elvira möchte geliebt werden, möchte gefallen, mehr als alles andere und um jeden Preis. Denn in der ökonomisierten Gesellschaft gibt es nichts umsonst, und so ist sie sogar bereit, um der scheinbaren Begehrlichkeiten ihrer großen Liebe willen eine neue Sexualität zu konstruieren. Bis sie selbst nicht mehr genau weiß, wer sie eigentlich ist, geschweige denn wer sie sein möchte, und an ihrer schmerzhaften Sehnsucht und der ungelösten Identität zugrunde geht. „Was ist das, glücklich? Natürlich bin ich nicht glücklich, weil das gibt´s ja nicht, das Glück, das ist doch – auf der Suche danach – der Vorgang, was spannend ist.“ Doch in diesem Vorgang wird Erwin genauso wie Elvira wie Dreck behandelt, immer wieder, vor Casablanca und danach, weil er und sie anders ist, sensibel, weil ihm und ihr die Kraft fehlt, sich zu wehren. PR EMIER E

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2007

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Residenztheater München

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