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2003 (ALLE K U NST W ER K E VON A NDY HOPE 1930)

EPIC IMPERI AL, THE LONG TOMORROW

Herrscht das Unrecht? Befinden wir uns im Krieg? Wer trifft die Entscheidungen und wie weit reichen die Befugnisse? Wer ist von wem wozu legitimiert? Dass es derzeit offensichtlich schwer fällt, auf solch grundlegende Fragen allgemeine und einhellige Antworten zu finden, ist natürlich nicht so beunruhigend, wie es ein Leben unter der Herrschaft des Unrechts oder im Kriegszustand wäre. So gut ging es uns noch nie. Trotzdem wird das Politische leichterhand infrage gestellt und mit inneren und äußeren Bedrohungen spekuliert. Wohlige Schauer scheint die Vorstellung hervorzurufen, demokratische Verfahren aushebeln und wenigstens zeitweise durch autoritäre Akte der eigenen Gruppe oder Klientel ersetzen zu können. Souveränität und Handlungsmacht sollen sich daran erweisen, wer (über) den Ausnahmezustand verfügt, wer ihn also ausrufen kann und damit beherrscht. Erstaunlich, wie viele Akteure innerhalb und außerhalb von Regierungsparteien, Fernsehrunden und Internetforen sich im Augenblick um diesen Posten bewerben. Ein guter Zeitpunkt, den Blick auf die Katastrophenerfahrungen zu richten, die in der Dramatik vergangener Jahrhunderte gespeichert sind.    Die Gemälde, Zeichnungen und Collagen, die der aus München stammende und in Berlin lebende Künstler Andy Hope 1930 für dieses Heft zusammengestellt hat, sind Spukgeschichten aus dem Fundus der Moderne „mit allen Tönen der Geschichte gefärbt, mit Schrecken und Helden, Tod und Rettung, mit Macht und Zerbrechlichkeit, Angst und Würde, mit Unbeherrschtem und Unvorstellbarem“ (Roberto Ohrt). In diesem Sinne.

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Residenztheater München

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