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2013

MODERN LOVERS

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2014

NEED EXPERIENCE FOR JOB/ NEED JOB FOR EXPERIENCE

Vorstrafe erfahren hat, trennt er sich und überlässt Elisabeth ihrem Schicksal. 1932, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, als eine Arbeitslosenquote von knapp 30 Prozent die Selbstmordrate in Deutschland in die Höhe schießen lässt und sich eine desillusionierte Bevölkerung zusehends politisch radikalisiert, erfährt Ödön von Horváth über den Gerichtsreporter Lukas Kristl vom Fall der 29-jährigen Miederwarenvertreterin Klara Gramm, die wegen Betrugs zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Ihre Geschichte dient Horváth, wie er selbst beschreibt, als Material, um „den gigantischen Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft zeigen zu können, dieses ewige Schlachten, bei dem es zu keinem Frieden kommen soll – höchstens, dass mal ein Individuum für einige Momente die Illusion des Waffenstillstandes genießt“. Kein Kapitalverbrechen, sondern ein Fehltritt im bürokratischen Minenfeld der „kleinen Paragraphen“ hat die junge Frau beinahe um ihre Existenz gebracht. Das „beinahe“ gönnt Horváth seiner Protagonistin nicht – und doch gleicht es einer Erlösung, als Elisabeth endlich sterben darf. Horváths „kleiner Totentanz in fünf Bildern“, dessen Uraufführung die Nationalsozialisten 1933 kurz nach der Machtergreifung Hitlers verbieten, seziert eine rücksichtslose Gesellschaft, deren Verhalten von Selbstsucht, kleinbürgerlicher Beschränktheit sowie einem unerschütterlichen Glauben an die Integrität der Instanzen geprägt ist, und die an ihrer eigenen, allzu bequemen Passivität erstickt. Vor dem Hintergrund aktueller rechtspopulistischer Strömungen, in deren Fahrwasser ein wachsender Teil der Bevölkerung um seine Arbeitsplätze und den materiellen Wohlstand bangt, seine Empathiefähigkeit zugunsten aggressiver Intoleranz wegrationalisiert zu haben scheint und sich rigoros der Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen entzieht, bittet Regisseur David Bösch Horváths lebendige Tote zu einem makabren Tanz.

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Spielzeitheft 2016 2017  

Residenztheater München

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