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2004

In Franz Moor tritt der moderne Mensch als PR EMIER E 2 3. SEP T E M BER 2016 Schöpfer seiner selbst auf. „Es ist kein Gott!“ ist sein Trinkspruch und wer es wagt, sich VON FRIEDRICH SCHILLER ohne Vorbehalte seiR EGIE ULRICH RASCHE nes Verstandes zu beBÜ HNE SABINE MÄDER + ULRICH R ASCHE dienen, der bestimmt KOSTÜ ME HEIDI H ACK L die Grenzen seiner M USIK ARI BENJAMIN MEY ERS Entwicklungsmöglichkeiten selbst. In Karl Moor begegnen wir dem modernen Menschen als dem Hüter universaler Rechte. Dass die Welt nicht so eingerichtet ist, wie er sich das vorstellt, rechtfertigt ihren Untergang. Die beiden ungleichen Brüder, die um das Erbe ihres Vaters und die Liebe einer Frau konkurrieren, scheitern letztlich am Einspruch der Realität. In dem Augenblick, in dem für den Räuber Karl der Widerspruch zwischen seinem harmonischen Ideal von Ich und Welt einerseits und den blutigen Taten auf dem Weg zu dessen Verwirklichung andererseits unerträglich wird, geraten bei Franz, dem neuen Grafen Moor, die Träume außer Kontrolle und er fällt dem Wahnsinn anheim. Als Friedrich Schiller im Jahr 1781 sein erstes Stück am Mannheimer Nationaltheater einreichte, hatte der damalige Intendant einen guten Tipp für den unbekannten Jungautor. Er schlug ihm vor, sein Gegenwartsstück zu historisieren, zeitlich zurückzuversetzen, und zwar in das ausgehende 15. Jahrhundert. Es sei ein solch doppelter Fall von absoluter Gesetzlosigkeit in der Jetztzeit nur schwer vor- und darstellbar. (Außerdem mag Herr Dalberg im Mannheimer Intendanzbüro sich wohl daran erinnert haben, dass wenige Jahre zuvor ein anderer vielversprechender Autor mit einem Stoff aus dieser Zeit großen Erfolg gehabt hatte: Johann Wolfgang Goethe hatte in „Götz von Berlichingen“ den Übergang zur bürgerlichen Gesellschaft der Neuzeit als Hintergrund für sein Drama gewählt und seinen Helden wirkungsvoll an den modernen Verhältnissen scheitern lassen.) Schiller wies das Ansinnen des Theaterleiters zurück: „Zu aufgeklärt“ redeten seine Figuren bereits, das historische Kostüm sei ihnen nachträglich nicht mehr anzupassen. Und tatsächlich sind „Die Räuber“ eine Auseinandersetzung mit den zwei radikalsten Formen der Moderne gleichzeitig: einerseits mit

RIO BR AVO

NEW GODS

2003

DIE RAUBER

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Spielzeitheft 2016 2017  

Residenztheater München

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