Page 16

Nichts geht ohne Gummistiefel! In diesem mediterranen Winter, bei dem man sich eigentlich an früheren Erdkundeunterricht hätte erinnern sollen mit den Informationen, dass es rund ums Mittelmeer von Oktober bis April regnen kann, also in diesem ersten Jahr ruinierte ich mir leider zwei Paar teure, extra aus Texas importierte Leder-Westernstiefel!

Autorin Dr. Gabriele Hefele

E

s war einmal eine Auswanderin, die kam kurz vor Weihnachten im Jahre 2000 mit Sack und Pack und Göttergatte und zwei Pferden nach Andalusien. Und dachte: Hurra, Sonne und mildes Klima! (Ein Hauptauswanderungsgrund übrigens). Und ließ ihre grünen Gummistiefel in Deutschland zurück. Sehr leichtsinnig. Denn vier Tage nach Ankunft ergossen sich vierzehn Tage lang sintflutartige Regenfälle über den neuen Wohnsitz. Die Flüche der Auswanderin in Gestalt meiner Person, wie die Leser längst errieten, kann man sich vorstellen! Rundherum in den Schuhgeschäften und den Baumärkten waren Gummistiefel längst ausverkauft.

Erst im Herbst desselben Jahres kam ich wieder nach Deutschland zu Besuch, sparsamerweise nur mit Ryanair und Handgepäck und packte als erstes die Gummistiefel ein, die ich bei Muttern zwischengelagert hatte. Mama gab mir außerdem etliche Kilo der köstlichen süßen Birnen aus ihrem Garten mit, auf die unsere Pferde immer so scharf waren. Es kam wie es kommen musste: Mein Handgepäck wurde beim Rückflug rayanairmäßig streng abgewogen - und hatte zwei Kilo Übergewicht! Also ran an die Seite und blutenden Herzens die köstlichen Birnen eine nach der anderen in den bereit stehenden Papierkorb entsorgt, nur damit die Gummistiefel mit konnten! Den Pferden habe ich nichts davon erzählt und dafür mein schlechtes Gewissen

mit einer Extraportion Möhren für sie beruhigt - aber die Gummistiefel, die mussten sein! Wenn man die Regengötter erzürnt Doch oje - womit habe ich die Götter gestern erzürnt? Und wer ist eigentlich der zuständige Gott für Gummistiefel? Neptun? Tatsache ist, ich Schussel hatte meine Stiefel am Abend nicht genau unter das Dach auf der Terrasse gestellt. Folge: heute früh war einer voll Wasser gelaufen - ungelogen! Zum Glück habe ich noch so hochmodische, durchsichtige mit Pferdemotiven darauf und konnte diese anziehen. Aber da hatte ich den Verdacht,

dass der rechte Schuh an der Schweißnaht nicht ganz dicht sei. Göttergatte und Ingenieur dozierte daraufhin, dass die ja aus Kunststoff wären und nicht so lange haltbar wie die aus Gummi, besonders wenn man jene auch noch dem UV-Licht aussetzte. Wieder was gelernt. Und die grünen aus Gummi, die ich mir alle zwei Jahre aus Deutschland importiere, denn nur dort finde ich immer im Raiffeisen-Baumarkt diese praktischen halbhohen, schnell einschlupfbaren Stiefel, werden halt jetzt dick mit Zeitungspapier ausgestopft. Sie werden hoffentlich morgen wieder einsetzbar sein.

Gabriele Hefele

Página 16

Residentenkurier

Der 27. Residentenkurier  

Die 27. Ausgabe unseres Residentenkuriers