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To Whom It May Concern, sucker87: Eine persรถnliche Rache aus Weimar. Der Besitzer eines von mir benutzten Druckers startete einen Gegenangriff, mit Email-Spam und Post.

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To Whom It May Concern, Ein Versuch auf die Eigenheiten einer vernetzten Dingwelt hinzuweisen.

sucker87 Eine persönliche Rache aus Weimar. Der Besitzer eines von mir benutzten Druckers startete einen Gegenangriff, mit Email-Spam und Post.

Praktischer Teil der Diplomarbeit von Daniel Dalfovo Titel: To Whom It May Conern, Universität der Künste Berlin Fakultät Gestaltung, Visuelle Kommunikation Prüfungskommission: Prof. Joachim Sauter Prof. Jussi Ängeslevä Prof. Kora Kimpel Dr. Stephan Humer LKWL Stefan Schwabe


141.54.159.21

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A Diese Ink Flower erreichte einen Drucker in der Bauhaus-Universität Weimar, mit einer Gegeninitiative des Besitzers zur Folge.

sucker87, Zu Beginn des Projektes war mir sofort klar, dass die Reaktionen auf meine Aktionen unterschiedlich ausfallen werden. Ich war mir sicher, dass Involvierte meine Aktionen auch als Missbrauch verstehen, und sich persönlich angegriffen fühlen. Dieser Nebeneffekt war mir klar, wenn nicht sogar geplant und gewollt, denn je mehr Betroffenheit provoziert wird, umso intensiver ist die Beschäftigung mit dem Thema. In Deutschland konnte ich circa 13.000 Drucker finden, die mit dem Internet verbunden waren, zum Großteil völlig ungeschützt und offen für jeglichen externen Zugriff. Über zwei Tage schickte ich so viele Ink Flowers wie möglich an offene Drucker in Deutschland. Wie bei jedem andere Druck gab ich mich zu erkennen, und verlinkte auf die Webseite towhomitmayconcern.net um das Projekt in seinen Rahmen zu präsentieren. Die Webseite verfügt über einen offenen Diskussionsteil, in welchen Besucher Kommentare hinterlassen können, Fragen stellen oder wie in manchen Fällen, ihre Wut auslassen.

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Im Verlauf der Aktion erreichte mich die Nachricht eines neuen Kommentars. Ein gewisser asdfghjkl wollten an der Diskussion teilnehmen, er schrieb folgendes: Ihr hässlichen Freaks! Hört auf, anderer Leute Druckertinte zu verschwenden! Ja, wir wissen, dass der Drucker ungeschützt ist, und ja, unsere IT-Abteilung tut nicht viel dagegen. Und dennoch gibt euch das nicht das Recht, wild herumzuspammen. Ich starte an dieser Stelle mal den Aufruf, selbst mal Spam an den Besitzer dieser Domain zurückzuschicken. Entweder per E-Mail an d.dalfovo@gmail.com oder per Post an: Daniel Dalfovo Baruther Strasse 1 10961 Berlin GERMANY (For English speaking people: Send spam to the address posted above or via e-mail to d.dalfovo@gmail.com) Wie vorhin erwähnt variieren die Reaktionen stark.Von dankbaren und lieben Grüßen bis hin zu diesem Beispiel, ehrlicher Wut und Tatendrang. Die für das kommentieren auf der Seite notwendige Email-Adresse, entpuppte sich bei asdfghjkl als Guerilla-Mailadresse. Der anonyme Post benutzte die Webseite drdrb.net, ein Webservice, der 10 Minuten Emails anbietet, keinerlei Namen oder sonstige Informationen müssen hinterlassen werden. Die IP-Adresse konnte die Person jedoch nicht verheimlichen, ich sah in meiner Druckerliste nach und verglich die IP-Adresse des Posts mit den IP-Adressen meiner Drucker. Schnell fand ich eine Übereinstimmung, die Bauhaus-Universität Weimar. Der Drucker, den ich benutzte um meine Ink Flower zu verschicken, stand irgendwo in den Fluren Henry van de Veldes Meisterwerks. Ich entschied mich dafür, das Kommentar nicht zu erlauben. Jegliche Kritik ist willkommen und auch notwendig, aber das publizieren meiner tatsächlichen, physischen Adresse mit einer hetzerischen Aufforderung passen nicht in dieses Projekt.

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A Pending for approval. Mit diesem Kommentar begann die Spamflut.


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A Das Hauptgeb채ude der Bauhaus Universit채t Weimar, laut eigener Webseite ein Ort der Offenheit. In diesen R채umen befand sich der von mir benutzte Drucker.

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Am selben Abend der Aktion, bekam ich die erste von vielen weiteren noch folgenden Spam-Mails. Der Verantwortliche des Druckers entschied sich, mich in so vielen Newslettern und Werbepostsendungen wie mĂśglich einzutragen.

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A Wie per Gesetz festgeschrieben, ist eine Bestätigungsemail bei Newslettern Pflicht.


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Eine kleine Auswahl der Newsletter von Taste of Home.


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Dr. Joseph Mercola.

Eine kleine Auswahl der Newsletter von Dr.Mercola.

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A Das Abbestellen des Newsletters bei Casino City Times funktionierte nur mit gültigem Passwort.

Die Anzahl an Emails, die mich Tag für Tag erreichten, waren schon nach kurzer Zeit nicht mehr ertragbar. Ich wollte dennoch den Großteil der Newsletter weiterhin erhalten, da ich sie für das Projekt wichtig hielt. Einen der Newsletter, Casino City Times, musste ich jedoch abbestellen, da er teilweise jede 10 Minuten eine Email an mich schickte. Ich suchte in einen der SpamMails den ‘unsubscribe’-Link und folgte ihm zum Abmeldedialog auf deren Webseite. Das Formular verlangte für eine Abmeldung ein Passwort, asdfghjkl hatte für mich ein Benutzerprofil angelegt. Das Passwort nicht kennend, ließ ich mir die Passworthilfe anzeigen lassen: sucker87 Der verärgerte Druckerbesitzer hinterließ mir eine Nachricht. Selbst die lästige Aufgabe eine Passworthilfe einzurichten, erfüllte er schnell mit seinem ersten Gedanken. Ich probierte das Passwort direkt so aus und es funktionierte.

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Das Rachespiel aus Weimar wurde später auch physischer, in Form von Post. Es deutete sich an, als ich eine Email der Sekte Scientology bekam. Sie bedankten sich für mein Interesse an dem Scientology Booklet und versicherten mir es innerhalb des nächsten Monats zuzuschicken. Im Verlaufe der nächsten Wochen bekam ich viel Post zu mir nach Hause geschickt, alles nur denkbare von Politik, Freizeit, Gesundheit, Aufklärung etc.

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A Ein handgeschriebener, an mich persönlich adressierter Brief. Die Sekte Scientology bedankt sich für mein Interesse.


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Weiteres Material zu Scientology.

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Zugeschicktes Infomaterial der rechtspopulistischen Partei NPD.


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Aufkl채rungshefte zum Thema Aids.

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B

A Spendenaufruf der Life Forestry Group B Aufkl채rungsbrosch체re 체ber sexuelle Orientierung. C Informationsheft zu Pilzen als Heilungsmittel.


C


Yours truly, Daniel Dalfovo


To Whom It May Concern, - sucker87