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40 Jahre Jubiläumsedition Landesverband Steiermark & Kärnten GE R E RIC V H H T S S AC


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(V. l. n. r.) Renate Gobiet und Helga Schiller el rt Teusch

I Heribe rbaurat D

Obe

Blitzlichter der Mitgliederversammlung

(V. l. n. r.) Mag. Ire ne Kresc Prof.DI D hisc r. Matthia s Rant (im hnig, Vorderg rund)

(V. l. n. r.) DI Georg Topf (Gemeinderat) mit KR Heinz Musker

eter ks) Ing. P

(V. l. n. r.) DI Petronella Johs-Krasser, Mag. Dieter Johs, Dr. Peter Kolar

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k (lin lemenja K n n a h Mag. Jo rger Pleschbe

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Blitzlichter der Mitgliederversammlung

Seite 7

Präsidium und Vorstand

Seiten 10 und 11

VORWORT Präsident HR i.R. DI Dr. Wolfgang Gobiet

Seiten 12 und 13

Prof.DI Dr. Matthias Rant

Seiten 14 und 15

BR h.c. DI Franz Josef Kollitsch

Seiten 16 bis 21

Präs.Dr. Manfred Scaria

Seite 21

HISTORIE HAUPTVERBAND

Inhalt Mag. Gertraud König

Seiten 22 bis 29

GESCHICHTE LANDESVERBAND Mag. Eva Baumgartner

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Seiten 30 bis 35

FOTOS: KK FOTO SCHILLER: SISSY FURGLER

GELEITWORTE

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FOTOS: KK FOTO SCHILLER: SISSY FURGLER

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LIEGENSCHAFTSBEWERTUNGSAKADEMIE GRAZ GF Prof.Dr. Jürgen Schiller

Seiten 36 bis 38

Nutzungsdauerkatalog

Seite 39

FESTAKT IN DER ALTEN UNIVERSTITÄT GRAZ Ehrengäste

Seiten 40 bis 43

FESTVORTRAG Univ.Prof.Dr. Bernd Schilcher

Seiten 44 bis 61

VERANSTALTUNGSKALENDER

Seiten 62 und 63

SACHVERSTÄNDIGE UND RICHTER

Seiten 64 bis 69

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IMPRESSUM: Medieninhaber und Herausgeber: Hauptverband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen Österreichs, Landesverband Steiermark und Kärnten, Griesgasse 10, 8020 Graz. Tel. +43 (0)316 711018-0. office@sachverstaendige.at, www.sv.co.at. Präsident: HR i.R. DI Dr. Wolfgang Gobiet. Projektleitung: Mag. Eva Baumgartner, Mag. Michaela Petulnig. Magazinmanagement und Verleger: CONUNICATION GmbH, Mag. Helmut Schoaß, Friaulweg 4, 8042 Graz, office@conunication.com, www.conunication.com. Druck: Styria Printshop Druck GmbH, Am Hartboden 33, 8101 Gratkorn. Vertrieb: Österreichische Post AG. Fotos: Robert Frankl, falls nicht anders angegeben.

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Präsidium

Vorstand & Fachgruppen

Präsident

Apotheker

HR i.R. DI Dr. Wolfgang Gobiet

Fachgruppenobmann: Mag. Dr. Gerhard Kobinger Stellvertreter: Mag. Dr. Antonius Dominik Schantl

1. Vizepräsident DI Gerhard Hirm

Bauwesen Fachgruppenobmann: BM Ing. Josef Greiner

2. Vizepräsident

Stellvertreter: DI Heinrich Oberressl

HR DI Friedrich Bauer

Brandschutz

Präsidiumsmitglieder 

Fachgruppenobmann: OBR Franz Karl Planinsic Stellvertreter: Alfred Janesch

Kommerzialrat Alois Edelsbrunner Mag. Dr. Peter Hadl

EDV

Dipl.-HTL-Ing. Andreas Krassnig-Plass

Fachgruppenobmann: DI Dr. Franz Fotr

Dr. Enrik Mandl

Stellvertreter: Dr. Markus Pistauer

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Vorstand 11

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Elektrotechnik 

Rechnungswesen

Fachgruppenobmann: Dipl.-HTL-Ing. Karl Tiran

Fachgruppenobmann: Mag. Dr. Franziska Aigner

Stellvertreter: Dipl.-HTL-Ing. Andreas Krassnig-Plass

Stellvertreter: Mag. Dr. Sabine Barbara Kanduth-Kristen

Fahrzeugtechnik und Maschinenbau 

Teppiche und Orientteppiche

Fachgruppenobmann: Prof. DI Peter Holl

Stellvertreter: Hermann Ploc

Fachgruppenobmann: Helmut Reinisch

Stellvertreter: Justin Köck

Tiere und tierische Produkte Haustechnik

Fachgruppenobmann: Ing. Karl Fraißler

Fachgruppenobmann: DI Michael Skreiner

Stellvertreter: Univ.Doz. Dr. Armin Deutz

Stellvertreter: Ing. Heinz Karl Uhr

Versicherungen Holz und Holzverarbeitung 

Fachgruppenobmann: Egon Oppelt

Fachgruppenobmann: Friedrich Hössl

Stellvertreter: Akad. Vers. Kfm. Egon Ratheiser

Stellvertreter: Johannes Pauer

Immobilien  Fachgruppenobmann: Mag. Harald Ganster Stellvertreter: Ing. Peter Pleschberger

m

Land und Forstwirtschaft Fachgruppenobmann: Dr. Alois Bernhart Stellvertreter: DI Werner Schratt

Medizin

HAUPTVERBAND DER ALLGEMEIN BEEIDETEN UND GERICHTLICH ZERTIFIZIERTEN SACHVERSTÄNDIGEN ÖSTERREICHS

Fachgruppenobmann: Dr. Engelbert Wallenböck Stellvertreter: aO. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Grechenig

Landesverband Steiermark und Kärnten Griesgasse 10, 8020 Graz, Tel.: +43 (0) 316 / 71 10 18

Raumplanung

Fax: +43 (0) 316 / 71 10 18 / 20

Fachgruppenobmann: DI Richard Germ

E-Mail: office@sachverstaendige.at,

Stellvertreter: Univ.Prof. DI Dr. Franz Heigl

Homepage: http://www.sv.co.at, ZVR-Zahl: 013329758

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HR i. R. DI Dr. Wolfgang Gobiet Präsident

VORWORT

D

er „Hauptverband der ständig beeide-

ten beigetragen haben. Unser Dank gilt auch Prof. Dr.

ten gerichtlichen Sachverständigen

Jürgen Schiller, der über mehr als 3 Jahrzehnte, so auch

und Schätzmeister Österreichs“, der

in der Zeit als damals listenführender Präsident des Lan-

im Jahr 2012 sein 100-jähriges Beste-

desgerichts für Zivilrechtssachen Graz, die Entwicklung

hen feiern kann, war es, der die Anre-

unseres Landesverbandes stets gefördert hat, und der

gung gab, eine Landesstelle für Steiermark und Kärnten

heute noch, neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer

zu gründen. Wir freuen uns über die ersten 40 Jahre, die

der Liegenschaftsbewertungsakademie, an welcher der

wir am 8. Mai 2010 in der Aula der Alten Universität auch

Landesverband beteiligt ist, dem Verband für rechtliche

festlich begangen und an jene erinnerten, die unseren

Angelegenheiten zur Verfügung steht.

Landesverband von kleinen Anfängen zur heutigen Be-

Hervorheben möchte ich auch noch die gute Zusam-

deutung und Stellung in der Gesellschaft gebracht ha-

menarbeit mit dem Hauptverband, den anderen Landes-

ben.

verbänden und den Landesgerichten in Graz, Klagenfurt und Leoben sowie den Staatsanwaltschaften.

Ein paar Dankesworte seien mir daher auch an dieser

Vorwort Stelle gestattet: Allen voran etwa an DI Josef Satzinger,

Über 2600 freiwillige Mitglieder in 16 Fachgruppen zählt

der die damaligen Verhandlungen maßgeblich geführt

unser Landesverband derzeit, die Anzahl blieb trotz der

und auch zur ersten Generalversammlung am 15. April

Rezertifizierungswelle in den vergangenen Jahren nahe-

1972 eingeladen hatte. Er leitete als erster Präsident und

zu gleich. Ein starker Verband ist angesichts der Heraus-

Gründer die Geschicke des Landesverbandes mit viel

forderungen der Zukunft auch wichtig. Denn nur gemein-

Engagement und Umsicht bis zu seinem Tode im Jahr

sam können wir uns rüsten, um den hohen Ansprüchen

1995. Ihm folgten Ehrenpräsident Technischer Rat BM Ing.

an uns und unsere Tätigkeiten in unserer schnelllebigen

Anton Voit von 1995 bis 2002 und DI Gerald Moskon von

Zeit gerecht zu werden.

2002 bis 2004. Ihnen gilt unser Dank und unsere Anerken-

Ein Schwerpunkt in den Aufgaben des Verbandes liegt

nung für ihr verdienstvolles Wirken, aber auch allen Mit-

in der Fortbildung, die auch von den Fachgruppen in Rah-

gliedern, Funktionären und Angestellten, welche in den

men ihrer Treffen im fachlichen Dialog gepflegt wird. Die

vergangenen 40 Jahren mit viel Sorgfalt und Einsatz zur

Sachverhalte werden immer komplexer, die rechtlichen

Entwicklung des Landesverbandes Steiermark und Kärn-

Gegebenheiten ebenfalls, die Qualität unserer Gutach-

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Faszinierender Schauplatz des Jubiläums – Alte Universität Graz

ten ist also für die Qualität der Rechtsprechung von immenser Bedeutung – zum Wohle der Rechtsuchenden. Ich möchte dieses Vorwort nicht schließen, ohne dem Präsidium und dem Vorstand für die Zusammenarbeit seit dem Jahr 2004 und den Mitarbeiterinnen in der Administration, Frau Mag. Eva Baumgartner und Frau Mag. Michaela Petulnig, für ihr großes Engagement, auch bei der Arbeit für diese besondere Edition zu danken. Diese Edition soll allen Interessierten einen kleinen Einblick in die Entwicklung unseres Landesverbandes und unsere Tätigkeiten geben. So wünsche ich dem Landesverband Steiermark und Kärnten für die Zukunft viel Erfolg. Erfolg, der nur mit zufriedenen Mitgliedern gelingen kann.

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Bestens gelaunt: DI Georg Topf, HR DI Friedrich Bauer, KR Alois Edelsbrunner, Mag. Eva Baumgartner

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Matthias Rant bedankt sich für die hervorragende Zusammenarbeit der Landesverbände.

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Prof. DI Dr. Matthias Rant Präsident des Hauptverbandes der Gerichtssachverständigen

GELEITWORT

„Gemeinsam Geschaffenes bringt großes Maß an zukünftiger Verantwortung.“

M

it großer Freude darf ich dem

Aktivitäten des Jubilars sei nur beispielhaft unterstrichen,

Landesverband Steiermark und

dass im Landesverband Steiermark und Kärnten, der

Kärnten, der nun bereits seit annä-

stetigen Verbesserung der Qualität der Arbeit der Sach-

hernd 40 Jahren gemeinsam mit

verständigen besonderes Augenmerk geschenkt wird.

den drei weiteren Landesverbän-

Die Liegenschaftsbewertungsakademie, die sich der

den und dem Hauptverband als Dachorganisation den

Aus- und Weiterbildung von Sachverständigen auf allen

Bestand und die Fortentwicklung des Sachverständigen-

Gebieten der Liegenschaftsbewertung widmet, hat hier

wesens in Österreich sichert, zu seinem Jubiläum gratu-

ihren Ursprung.

lieren.

Das gemeinsam Geschaffene birgt natürlich ein großes

Gemeinsam mit dem Hauptverband ist es den vier

Maß an Verantwortung für die Zukunft. In Zeiten steigen-

Landesverbänden in den letzten Jahrzehnten gelungen,

der Prozessfreudigkeit und schwindender Bereitschaft zur

das Sachverständigenwesen in Österreich auf ein im In-

Akzeptanz von gerichtlichen Entscheidungen und damit

und Ausland als Vorbild geltendes Niveau zu bringen

auch von Sachverständigengutachten, sind die Landes-

(das Sachverständigenwesen in Österreich auf ein der-

verbände und ihre Mitglieder stärker denn je gefordert.

art hohes Niveau zu bringen, so dass es im In- und im

Ich bin mir aber sicher, dass es uns gemeinsam gelin-

Ausland als Vorbild dient). Solches kann selbstredend nur

gen wird, die Herausforderungen der Zukunft sowohl im

gelingen, wenn die Zusammenarbeit auf allen Ebenen

Bereich der Koordinierung der Verbände untereinander,

– Mitglieder, Präsidien, Vorstände und Sekretariate – funk-

als auch in der Zusammenarbeit mit den einzelnen Sach-

tioniert, alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel vor Augen

verständigen und vor allem in unserem Kernbereich –

haben und an einem Strang ziehen. Dies ist in einer fö-

der Zusammenarbeit mit den Gerichten – erfolgreich zu

deralistisch gegliederten Organisation keine Selbstver-

meistern.

Vorwort ständlichkeit. Ich möchte daher die Gelegenheit nützen,

Ich darf dem Landesverband Steiermark und Kärnten

an dieser Stelle die über die Jahre gewachsene, hervor-

namens des Hauptverbandes der Gerichtssachverständi-

ragende und konstruktive Zusammenarbeit mit allen Lan-

gen die besten Glückwünsche zu seinem Jubiläum aus-

desverbänden hervorzuheben und dafür meinen aufrich-

sprechen und freue mich auf eine weitere fruchtbringen-

tigen Dank aussprechen. Von den vielen verdienstvollen

de und erfolgreiche Zusammenarbeit.

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BR h.c. DI Franz Josef Kollitsch Baumeister, Zivilingenieur für Bauwesen

GELEITWORT „Ich wollte schon immer Sachverständiger werden.“

J

ubiläen bilden einen geeigneten Anlass, um

digen und Schätzmeister Österreichs, Landesstelle

Rückschau zu halten. Denn um zu wissen,

Steiermark und Kärnten“ binnen Wochenfrist ange-

wohin wir gehen, müssen wir wissen, woher

nommen. Durch die Mitgliedschaft im Verband und

wir kommen. Und so bin ich dem Wunsche

den Besuch der vom Verband ausgeschriebenen

gerne nachgekommen, meine persönlichen

Veranstaltungen kam ich auch mit SV-Kollegen in

Erinnerungen, die mich mit dem Landesverband als

Kontakt, an die ich mich noch gerne zurückerinnere.

Mitglied und Funktionsträger verbinden, niederzuschreiben.

Denn als Junger ist man immer dankbar, wenn Er-

Als Bauingenieur war ich schon von meiner frühes-

fahrene in kollegialer Freundschaft einem hilfreich zur

ten Jugend an beseelt von dem Wunsch, Sachver-

Seite stehen. Ich denke gerne noch an die Zeit zurück,

ständiger zu werden. Ich wollte als „technischer No-

wo ein p.t. Sepp Satzinger, Fritz Schöck, Erich Tsche-

tar“ Problemfälle lösen helfen und erachtete daher

ließnig, Franz Kainz, um nur einige dieser „Urgesteine

die Sachverständigentätigkeit als eine dazu geeig-

der frühen Stunde“ zu nennen, mit mir gefachsimpelt

nete Grundlage. Im Jahre 1969 war es dann so weit,

haben.

Geleit dass ich beim Landesgericht Klagenfurt mit Bescheid zum „ständig beeideten Sachverständigen für das Bauwesen und für Schätzungen“ bestellt wurde.

So blieb es nicht aus, dass man mich auch zur Mit-

arbeit im Verband bat: zuerst Rechnungsprüfer, dann stellvertretender Fachgruppenobmann für das Bau-

Als Neuling und im Kollegenkreis noch unbekannt,

hat wohl jeder, wie auch ich, eine „Durststrecke“

wesen und letztlich auch Vizepräsident des Landesverbandes.

durchzustehen. Ich interessierte mich, neben meiner

beruflichen Tätigkeit als Bauunternehmer, für Fachli-

Wiederum zurückblickend ist mir noch gut in Erin-

teratur, entsprechende Veranstaltungen und so kam

nerung, wie wir unsere Sitzungen im SV-Büro in Graz in

es, dass ich im Jahre 1975 auf den Sachverständigen-

der Hanuschgasse 6 abhielten. Wer unsere schönen

verband aufmerksam wurde und gleich einen Auf-

derzeitigen Büroräumlichkeiten kennt, wird es nicht

nahmeantrag gestellt habe. Diesen Antrag hat der

für möglich halten, aus welchen Anfängen unser Lan-

„Hauptverband der ständig beeideten Sachverstän-

desverband gekommen ist. Aber so ist es eben

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Sitz des Landesverbands Steiermark und Kärnten: Griesgasse 10, Graz.

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OLG-Präsident Dr. Heinz Wietrzyk und LG-Präsident Dr. Manfred Scaria beim Fachsimpeln.

bei jedem aufstrebenden Unternehmen: spar-

einen Treffpunkt, nämlich in Klagenfurt, anbieten und

sam wirtschaften und mit sinnvollem Konzept sich

dazu nicht nur die Bau-Sachverständigen, sondern

entwickeln und investieren. Und so war es auch bei

alle Sachverständigen zusammen einladen.

uns. Als ich die Funktion des Fachgruppenobmannes in

Dieser SV-Stammtisch entwickelte sich seit seiner 1.

Kärnten von meinem Vorgänger Hermann Schmidho-

Zusammenkunft am 28.10.1986 sehr gut, die Frequenz

fer übernommen habe, gab es Regionalzusammen-

stieg auf durchschnittlich 15 bis 20 Kollegen, wobei

künfte der Sachverständigen in Klagenfurt, Villach

– wenn es interessante Vorträge gab – manchmal

und Spittal an der Drau. Bei meinen Besuchen habe

bis zu 40 Kollegen anwesend waren. Wenn es keinen

ich feststellen müssen, dass diese Treffen oft nur von

Vortrag gab, dann gab es einen kollegialen Erfah-

zwei Kollegen (manchmal sogar nur vom Regional-

rungsaustausch. Je nach Wunsch wurde entweder im

beauftragten alleine) besucht waren. Ich habe daher

ganzen Kollegenkreis offen ein Problem erörtert oder

vorgeschlagen und mit Zustimmung des Landesver-

man konnte auch privatim – sozusagen im Beicht-

bandes es auch umgesetzt, dass wir in Kärnten nur

stuhl – unter vier Augen eine Sache besprechen.

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Es begab sich Ende der 80er Jahre, dass Pavel

Kellers unseres Nachbarlandes. So besuchten wir un-

Okorn, ein Sachverständiger aus Škofja Loka (Bischofs-

ter anderem die ehemalige Titoresidenz in Brdo, das

lack) in Slowenien, sich bei mir gemeldet hat und um

Quecksilberbergwerk in Idrija, das Kriegsmuseum

Angaben und Hinweise für Sachverständigenliteratur

in Boveč, das erste Draukraftwerk der Monarchie in

angefragt hat. Aus dieser ersten Begegnung ist eine

Fala bei Marburg, die Škocianska jame (St. Kanzianer

kollegiale Freundschaft entstanden, die zu weiteren

Grotten), Celje (Cilli) mit Burg und Museumsbesichti-

Kontakten mit slowenischen SV-Kollegen geführt hat.

gung, die Dreifaltigkeitskirche in Hrastovlje. Über alle

Im Laufe dieser amikalen Entwicklung kam es dann

diese Reisen wurde eine mit Lichtbildern ausgestatte-

zum ersten Kontakttreffen mit slowenischen SV-Kol-

te Dokumentation verfasst, die den Reiseteilnehmern

legen und seit 1997 veranstalten wir einmal jährlich

zugegangen ist.

einen Tagesausflug nach Slowenien und neben dem Aufsuchen technischer, kulturhistorischer und land-

Ein weiteres Anliegen war mir, die Berufsgruppen

schaftlicher Schönheiten informierten wir uns auch

der Richter und Rechtsanwälte mit uns Sachverstän-

über ausgesuchte Spezialitäten der Küche und des

digen zusammen zu führen, um Probleme, die

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uns alle berühren, darzulegen und nach Lösun-

bei einem Kontakttreffen am 11. April 2002 im LG Graz

gen zu suchen. Ich habe bei den Präsidenten des LG

gegeben und auch angeboten, wie mit den sloweni-

Klagenfurt und der Rechtsanwaltskammer, Dr. Her-

schen Kollegen, ein engeres Kontaktverhältnis aufzu-

bert Pfanzelt und Dr. Anton Gradischnig, ein offenes

bauen. Dies ist aber bis heute nicht gelungen. Wenn

Ohr gefunden und am 28. Feber 1997 fand in

auch wir unsere Bereitschaft offeriert haben, bedarf

den

Räumlichkeiten der Rechtsanwaltskammer für Kärn-

es doch Zweier, mit gleicher Interessenslage, für eine

ten dieses erste interdisziplinäre Treffen statt, dem

Partnerschaft.

ich den Arbeitstitel „Wo der Schuh drückt“ gab. Diese Veranstaltung fand allgemeinen Anklang und wird

Durch die in meinem persönlichen Umfeld einge-

seither jährlich wiederholt. Auch aus Ungarn hat sich

tretenen Änderungen war es aus zeitlichen Gründen

ein Sachverständigenkollege, Dr. Ing. Zoltán Lovász,

vorhersehbar, dass ich meine Funktionen im Landes-

für die Organisation unseres Verbandes interessiert.

verband nicht mehr mit der erforderlichen Sorgfalt

Wir haben ihm die entsprechenden Informationen

werde wahrnehmen können. Ich habe daher ersucht,

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Dr. Manfred Scaria Präsident mich von meinen Funktionen als 1. Vizepräsident, Obmann der Fachgruppe Bauwesen sowie Mitglied der Liegenschaftsbewertungsakademie bei der Mitgliederversammlung 2004 zu entbinden. Wenn ich diesem Rückblick noch eine Vorschau für die Zukunft anhängen darf, so möchte ich sagen, dass mein Nachfolger Vizepräsident DI Gerhard Hirm

GELEITWORT „Danke.“

die Kontakte über unsere Landesgrenzen hinaus weiter pflegt und auch die Zusammenkünfte mit Richtern, Rechtsanwälten und Sachverständigen mit viel Engagement fortsetzt. Zu diesem Bericht möchte ich aber ausdrücklich darauf verweisen, dass alle anderen Kollegen, die sich in den Dienst des Landesverbandes gestellt haben, ebenfalls ihr Bestes eingebracht haben. Über diese Tätigkeiten wird aber an anderer Stelle berichtet. In einer Gesellschaft, die in allen Bereichen des Lebens zunehmend verfeinerter, geregelter, vernetzter, komplizierter und letztlich für den Einzelnen in der

D

ie Erforschung und Beurteilung äußerst komplexer Sachverhalte aus allen Lebensbereichen stellen Gerichte und Staatsanwaltschaften täglich vor neue Herausforderun-

Gesamtheit immer unübersichtlicher wird und damit

gen. Dieser Aufgabe können die Organe der Recht-

auch unverständlicher, ist die Heranbildung und das

sprechung vielfach nur durch Einholung von Sachver-

„Zur-Verfügung-Stellen“ von Experten eine gesell-

ständigengutachten gerecht werden. Die Einrichtung

schaftliche Aufgabe. Unser Landesverband, dessen

der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten

Mitgliedschaft auf freiwilliger Basis beruht und der

Sachverständigen stellt sicher, dass besonders versier-

trotzdem eine fast unglaubliche Mitgliedsdichte (eine

te, unabhängige und persönlich integre Expertinnen

immens hohe Mitglieder-Anzahl) aufweist, hat sich

und Experten aus den unterschiedlichsten Fachge-

diese Aufgabe zum Ziele gesetzt und kommt durch

bieten ihre Sachkunde in den Dienst der Wahrheitsfin-

seine sach- und fachbezogenen Aktivitäten dieser

dung stellen. Durch sein stetes Bemühen um Schaffung

Anforderung nach.

und Ausbau von Qualitätsstandards und (sowie) um Sicherstellung eines breiten Weiterbildungsangebots,

Der Landesverband hat dadurch eine Akzeptanz

ist der Hauptverband der Gerichtssachverständigen

bei Richtern und Rechtsanwälten, bei Notaren und öf-

Garant einer (steten) anhaltenden Fortentwicklung.

fentlichen Dienststellen und somit letztlich in unserer

Dem Landesverband Steiermark und Kärnten und sei-

Gesellschaft erhalten, die den Weg für eine erfolgrei-

nem Präsidium gratuliere ich sehr herzlich zu seinem

che Zukunft freigibt.

Jubiläum. Er ist der Justizverwaltung seit nunmehr vier Jahrzehnten ein überaus kompetenter Partner in allen

Wenn wir nun in das 5. Jahrzehnt eintreten, so

Belangen der Zertifizierung und Rezertifizierung von

möchte ich zu diesem Festtag des Landesverbandes

Sachverständigen. Ich bedanke mich für diese exzel-

für Steiermark und Kärnten als Gratulant den Wunsch

lente Zusammenarbeit im Interesse der rechtsuchen-

aussprechen.

den Bevölkerung.

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Mag. Gertraud König Kulturwissenschaftlerin

HISTORIE

Nach Kriegsende entstand die Idee zur Gründung von Landesverbänden

Die frühen Jahre des Hauptverbandes in Wien

A

m 30. März 1912 teilte die „Vereinigung

zeichnete August Ritter von Löhr, k.k. Hofrat, behördlich

der ständig beeideten Sachverstän-

autorisierter Maschinenbau-Ingenieur, als erster Vize-

digen und Schätzmeister in Wien“ mit

Präsident Arthur Ehrenfest-Egger, k.k. Kommerzialrat und

dem Sitz in Wien I, Eschenbachgasse

behördlich autorisierter Zivilingenieur sowie als zweiter Vi-

11 der löblichen k.k. Polizeidirektion

zepräsident Rudolf Stummer Ritter von Traunfels, k.k. Bau-

Wien pflichtgemäß mit, dass in der Generalversammlung

rat und behördlich autorisierter Zivilingenieur. Ihnen zur

vom 20. März 1912 satzungsgemäß der Vorstand gewählt

Seite standen statutengemäß zwanzig Vorstandsmitglie-

und am 27. März 1912 die Konstituierung vorgenommen

der inklusive zweier Schriftführer und eines Kassiers. Die

worden wäre. Gründungsurkunde Hauptverband – siehe

Funktionsperiode des Vorstandes erstreckte sich auf zwei

rechte Seite.

Jahre. Er wurde von der Generalversammlung mit abso-

Historie 1

Bereits am 7. Jänner 1912 hatte ein Proponentenkomi-

luter Mehrheit gewählt, wobei eine Wiederwahl zulässig

tee die Satzung der Vereinigung beschlossen, deren Ziele

war. Im Oktober jeden Jahres war eine ordentliche Gene-

in § 1 wie folgt festgehalten wurden: „Zweck dieser unpo-

ralversammlung abzuhalten, bei der jeweils ein Vizepräsi-

litischen Vereinigung ist die Wahrung und Förderung der

dent, ein Schriftführer und zehn Vorstandsmitglieder neu

Interessen der ständig beeideten gerichtlichen Sachver-

zu wählen waren. Die Wahl des Präsidenten war jedes

ständigen und Schätzmeister mit allen hierzu irgendwie

zweite Jahr durchzuführen. Aus dem Protokoll der Gene-

geeigneten gesetzlich zulässigen Mitteln.“ Als Präsident

ralversammlung vom 7. Dezember 1912 geht hervor,

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hre 1912

m Ja s Hauptverbands aus de

Gründungsurkunde de

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dass insgesamt 68 Sachverständige unterschiedlichster Profession daran teilnahmen: Firmeninhaber und Direktoren, Architekten und Zivilingenieure, Kommerzial- und Regierungsräte, honorige Vertreter unterschiedlichster Gewerbe-, Handels und Dienstleistungsbetriebe,

Ein Haus zum Feiern! Hochzeiten, Feste, Seminare, Events jeder Art

darunter Bau- und Zimmermeister, Optiker, Weber, Pferdehändler und Fleischselcher, Buch- und Steindrucker, Spediteure, Versicherer, Chemiker, Weinhändler sowie ein Automobil- und ein Schreibmaschinenhändler. Alle drei Präsidenten entstammten der Wiener Oberschicht und konnten in ihren Fachgebieten auf beachtliche Leistungen verweisen. Der Präsident August Carl Ritter von Löhr2 (1847 – 1917) hatte sich als Maschinenbau-Ingenieur und Leiter der Direktionsabteilung der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn für Rechnungs- und Kontrollwesen einen Namen gemacht. Neben seiner beruflichen Tätigkeit galt er als Experte in Edelsteinfragen und Förderer der Wiener Medailleurkunst, engagierte sich in wissenschaftlichen Vereinigungen und legte eine umfangreiche Sammlung von Eisenbahnmedaillen und Eisenbahngeld an. Als anerkannter Sammler und Fachmann war er 1901 Proponent der Wiener Mineralogischen Gesellschaft, deren Vorstand er bis zu seinem Tod im Jahr 1917 angehörte und welche er als Präsident von 1903 bis 1904 führte. Bereits sein Vater Moritz von Löhr war von Kaiser Franz Joseph 1865 wegen seiner Verdienste um den Bau der k.k. Kaiserin-Elisabeth-Westbahn zwischen Wien und Seitenstetten in den Adelsstand erhoben worden. Der erste Vizepräsident, Ing. Arthur Ehrenfest-Egger, behördlich autorisierter Zivilingenieur, wurde vom Kaiserhaus mit dem Titel „k.k. Kommerzialrat“ ausgezeichnet und saß im Vorstand der 1891 von den Brüdern Mendel gegründeten Wiener Brot- und Gebäckfabrik, der späteren Anker-Brot AG. Rudolf Stummer Ritter von Traunfels, ebenfalls behördlich autorisierter Zivilingenieur, profilierte sich als Eisenbahn-Techniker, unter anderem mit dem Bau der heute noch bestehenden Pinzgauer Lokalbahn von Zell am See nach Krimml (1897 – 1898), der Planung der Alt-Tiroler Lokalbahn Rovereto-Mori-Arco-Riva und der

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Auswirkungen des 1. Weltkriegs

des Reichsamtsleiters nach der „Wiedervereinigung Ös-

Bald schon wirkten sich die Ereignisse des 1. Weltkriegs

terreichs mit dem Deutschen Reich“ gelöscht und das

auf die Tätigkeiten des Vereins aus: In einem Schreiben

Vereinsvermögen in den NS-Rechtswahrerbund (NSRB),

vom 3. Dezember 1914 an die k.k. niederösterreichische

Reichsfachschaft für das Sachverständigenwesen in Ber-

Statthalterei Wien wird mit „Rücksicht auf die gegenwär-

lin, eingewiesen. Diese Vereinigung stand bis 1942 unter

tigen Verhältnisse“ – viele Mitglieder standen im Feld

der Leitung von Hans Frank, bis 1945 von Otto Thierack,

und konnten ihre Stimmrechte nicht ausüben - um eine

und umfasste seit 1936 als Organisation „alle im Recht

Verlängerung der Mandatsdauer des Vorstandes „auf

verwurzelten, berufstätigen deutschen Menschen“ (Rich-

längstens ein Jahr“ angesucht. Zu den Aktivitäten des

ter, Rechtsanwälte, Notare, Wirtschafts- und Verwaltungs-

Verbandes während des Krieges bis Anfang der 1930er

rechtler), wozu auch die Sachverständigen gezählt wur-

Jahre finden sich keine Unterlagen. Am 15. Dezember

den.

1933 erfolgte die Umbenennung in „Hauptverband der ständig beeideten gerichtlichen Sachverständigen und

Nach dem 2. Weltkrieg

Schätzmeister in Österreich“. Dieser Hauptverband wur-

Aus Punkt 1 des Protokolls der ersten Hauptversammlung

de am 6. Juli 1938 auf Anordnung des Gauleiters sowie

nach Beendigung des 2. Weltkrieges vom 13. Oktober

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Baurat h.c. Dipl.-Ing. Leo Splett Präsident des Hauptverbandes von 1969 bis 1981

1947, welche in den Räumen des Österreichischen

vom 15. Februar 1946 die Tätigkeit in derselben Weise, wie

Ingenieur- und Architektenvereins in Wien I, Eschenbach-

sie vor dem „Anschluss“ betrieben wurde, und gestatte-

gasse 9, abgehalten wurde, geht hervor, unter welchen

te die Bestellung eines provisorischen Vorstands nach §

Bedingungen der Hauptverband seine Tätigkeiten wie-

11 des wieder geltenden Vereinsgesetzes vom 15.11.1867.

der aufnahm: Die Geschäftsräume des Hauptverbandes

Diesem provisorischen Vorstand gehörten Kommerzial-

in der Rotenturmstraße im 1. Wiener Gemeindebezirk wa-

rat Carl Brunner (Juwelier), Architekt Emil Dietrich (Tech-

ren durch Bombentreffer so schwer beschädigt, dass der

nischer Rat, Zivilingenieur für Hochbau und Baumeister),

Verband als Untermieter in die Doblhoffgasse 3 übersie-

Dr. August Röttinger (Chemiker), sowie Rudolf Hartl (Tech-

delte und dort seine Tätigkeit wieder aufnahm. Das Büro

nischer Rat, Zivilingenieur für Hochbau und Baumeister)

des Landesverbandes Wien, Niederösterreich und Bur-

an. Architekt Dietrich wurde mit der Geschäftsführung

genland sowie das des Hauptverbandes befinden sich

und Baumeister Hartl mit der Kassenverwaltung betraut.

noch heute an dieser Adresse in unmittelbarer Nähe zum

Seit Kriegsende hatte vorerst ein Proponentenkomitee

Parlament.

von 18 Sachverständigen aus verschiedenen Berufsgrup-

Als erste große Aufgabe mussten alle 1.800 Angehöri-

pen die Geschäfte des Hauptverbandes besorgt. Nach

gen der Reichsfachschaft für das Sachverständigenwe-

Punkt 2 (Genehmigung der geänderten Satzung) und

sen aus der „Ostmark“ gemäß dem Nationalsozialisten-

Punkt 3 (Vermögensbericht, Stellungnahme des Kassen-

gesetz einer Überprüfung unterzogen werden. Trotz der

prüfers und Entlastung des Kassiers) wurde das Präsidium

Kriegswirren hatten sich die Dokumente der Bestellungen

einstimmig gewählt: zum Präsidenten Architekt Dietrich,

während der NS-Zeit erhalten. Nach zahlreichen Erhe-

zum ersten Vizepräsidenten Dr. Röttinger, zum zweiten Vi-

bungen und einem ausgedehnten Schriftverkehr wurden

zepräsidenten Kommerzialrat Brunner, zum Kassaverwal-

1.327 Personen teils suspendiert und teils gänzlich ausge-

ter Baumeister Hartl, sowie zwei Schriftführer, zwei Rech-

schlossen.

nungsprüfer, fünf Ehrenräte und drei Ersatzleute.

Mit den verbliebenen 473 Sachverständigen und 373 neu bestellten Experten betrug der Mitgliederstand im Oktober 1947 nunmehr 846 Personen.

Bereits zu jenem Zeitpunkt befasste sich der Vorstand mit dem Ausbau des Verbandes und setzte sich die Errichtung von Zweigstellen in allen Bundesländern am Sitz

GRÜNES LICHT VOM BUNDESMINISTERIUM

eines Landesgerichtes zum Ziel. Dieses Vorhaben stieß

Das Bundesministerium für Inneres und öffentliche Sicher-

bei den ständig beeideten gerichtlichen Sachverständi-

heit genehmigte dem Hauptverband in einem Bescheid

gen in den Bundesländern auf breite Resonanz und sollte

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ehest umgesetzt werden. Es dauerte jedoch noch 23 Jah-

gen war die Errichtung von Berufsgruppen für Elektro- und

re, bis dieses Ziel annähernd verwirklicht war. Ein weite-

Maschinenwesen, Medizin, Buchwesen, Textilwesen und

res Anliegen bestand in der dringlichen Anfrage bei der

Automobilwesen vorgesehen.

Justizbehörde, die reichsdeutsche Gebührenordnung für

Einblick in die Ernährungslage des Jahres 1947 erlaubt

Sachverständige aufzuheben und eine zeitgemäße so-

der Vorschlag eines Mitgliedes, der Präsident möge beim

wie den Berufen entsprechende Gebührenordnung für

Wirtschaftsamt beantragen, dass die Sachverständigen

Sachverständige und Schätzmeister zu erlassen.

in den Genuss der „Zusatzkarte für Schwerstarbeiter“ kom-

Auch sollten alle ständig beeideten gerichtlichen

men, da sie neben ihrer beruflichen Arbeit oft bis zu 60

Sachverständigen und Schätzmeister Österreichs in ge-

Wochenstunden für Gutachten aufzuwenden hätten und

druckten Verzeichnissen erfasst werden. Zudem sollte die

daher geistige und körperliche Schwerstarbeit leisteten.

Gliederung der Sachverständigen in Berufsgruppen wei-

Dieser Vorschlag fand breite Unterstützung.

ter vorangetrieben werden; zu den bereits bestehenden Fachgruppen der Bau- sowie Lebensmittelsachverständi-

Der Vorsitzende erklärte sich bereit, diesbezügliche Schritte zu unternehmen.3

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Architekt Baurat h.c. Dipl.-Ing. Friedrich Rollwagen Präsident des Hauptverbandes von 1981 bis 1993

DER HAUPTVERBAND IN WIEN UM 1970 UND DANACH

Czerweny diesen Auftrag durch. Der Landesverband Wien, Niederösterreich und Burgenland unter der Leitung

Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Hauptver-

von Dipl.-Ing. Leo Splett – dieser bekleidete zugleich die

bandes in Wien blickte sein langjähriger Präsident (1969

Funktion des Präsidenten des Hauptverbandes - musste

– 1981) Baurat h.c. Dipl.-Ing. Leo Splett († 1993) in der Ver-

ebenfalls erst gegründet werden. Erst mit der Gründung

bandszeitschrift „Der Sachverständige“ auf die Neuord-

der vier Landesverbände war die Bezeichnung „Haupt-

nung des Verbandes seit 1970 zurück: Dieser umfasste

verband“ für den Dachverband endgültig gerechtfertigt.

im Jahr 1970 ungefähr 1.500 Mitglieder hauptsächlich

Dipl.-Ing. Splett stand dem Verband zwölf Jahre von

aus dem Raum Wien, Niederösterreich und Burgenland,

1969 bis 1981 vor. Ihm folgte Dipl.-Ing. Friedrich Rollwagen

neun davon stammten aus dem Bundesland Tirol, zwei

wiederum zwölf Jahre lang, von 1981 bis 1993. Sein Nach-

aus Vorarlberg.

folger Dipl.-Ing. Dr. Matthias Rant übt diese Funktion bis

In Oberösterreich und Salzburg bestand seit 1961 eine

heute aus.

4

lose Vereinigung von Sachverständigen aus dem Bereich des Kraftfahrzeugwesens. Die erfolgreichen Seminare am

Architekt Baurat h.c. Dipl.-Ing. Friedrich Rollwagen

Tulbinger Kogel gaben seit Beginn der 1960er-Jahre dem

(† 2005) leitete den Hauptverband umsichtig und souve-

Verband neue Impulse und wirkten sich positiv auf die

rän. Für ihn hatten die Gesamtinteressen des Dachver-

Anzahl der Mitglieder aus den Bundesländern aus. Da-

bandes Vorrang vor Einzel- und Gruppeninteressen.

her wurde die bereits nach Kriegsende entstandene Idee

Seinem Engagement und seiner Beharrlichkeit ist es zu-

zur Gründung von Landesverbänden am Sitz der Landes-

zuschreiben, dass das Liegenschaftsbewertungsgesetz

gerichte unter einem Wiener Dachverband modifiziert

Ende 1991 das Stadium parlamentarischer Beratung er-

wieder aufgegriffen und mit dieser Aufgabe bewährte

reichte. Dieses Gesetz ist ohne Novellierung noch heute

Kollegen betraut. Letztlich beschränkte man sich auf vier

gültig. Aber auch die Kollegialität der Sachverständigen

Landesverbände am jeweiligen Sitz der Oberlandesge-

zu fördern und das Ansehen dieses Berufsstandes im In-

richte. Für Salzburg und Oberösterreich konnte Ing. Josef

und Ausland zu mehren, waren für Rollwagen echte An-

Hudisch gewonnen werden, für Steiermark und Kärnten

liegen. Seit 1985 war er Vizepräsident der internationalen

übernahm Dipl.-Ing. Josef Satzinger diese Aufgabe, und

Dachorganisation CIDADEC. Er engagierte sich mit gro-

im Bereich Tirol und Vorarlberg führte Ing. Wolfgang

ßem Elan für die Integrierung der Sachverständigen in

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die Wirtschaftsstruktur der Europäischen Gemeinschaft.

Im Juni 1999 trat der Hauptverband der im Mai 1998

Als Repräsentant des Hauptverbandes hielt Rollwagen

gegründeten, EU-weit tätigen Vereinigung EuroExpert7 als

nützliche Kontakte zu maßgeblichen Regierungsstellen

Vollmitglied bei. Rant war als Präsident der EuroExpert

und einschlägigen Interessenvertretungen. Unter Rollwa-

von September 2006 bis August 2008 mit großem Einsatz

gens Präsidentschaft wuchs der Hauptverband auf mehr

tätig und förderte das Ansehen der österreichischen Ge-

als 5.000 Mitglieder an.

richtssachverständigen europaweit.

5

Zuletzt konnte in seiner Ära eine tiefgreifende NovelZu Rollwagens Nachfolger wurde im Jahr 1993 Professor Dipl.-Ing. Dr. Matthias Rant gewählt, welcher den

lierung des Gebührenanspruchsgesetzes im Sinne der Sachverständigen erreicht werden.

Hauptverband bis heute mit besten Kontakten zum Justizministerium auf souveräne Art leitet. In ausgewogener Weise bündelt er die Einzelinteressen der vier Landesverbände, die dadurch gemeinsam an Gewicht gewinnen.

QUELLEN

Ein wichtiges Anliegen Rants ist die stetige Verbesserung der Qualität aller Sachverständigen. Seinen unentwegten Einsatz zur Erreichung dieses Zieles kann Rant mit Erfolg krönen. Im Jahr 1998 wird die Novelle des Sachverständigen- und Dolmetschergesetzes beschlossen, in welcher die gerichtliche Zertifizierung6 als Personenzertifizierung der Gerichtssachverständigen eingeführt wird. Dadurch ändert sich ab 1. Januar 1999 auch die Bezeichnung der Gerichtssachverständigen. Sie heißen fortan „allgemein beeidete und gerichtlich zertifzierte Sachverständige“. Von jedem Sachverständigen wird gesetzlich der Nachweis einer Haftpflichtversicherung gefordert, und alle Gerichtssachverständigen sind verpflichtet, bei der Unterfertigung schriftlicher Gutachten - unabhängig, ob es sich um ein von einem Gericht in Auftrag gegebenes

1 Das Palais Eschenbach beherbergte damals wie heute den Österreichischen Ingenieur- und Architektenverein, der bis heute Eigentümer dieser Liegenschaft ist. 2 Auf seinen Dienstreisen im Ausland und in seinen privaten Veröffentlichungen zu Edelsteinfragen, Eisenbahnmedaillen und Eisenbahngeld schrieb er sich stets „Loehr“. 3 Aus: 80 Jahre – und immer weise. Begebenheiten im Laufe der Verbandsgeschichte. Beitrag von Dipl.-Ing. Rudolf Schlauer, Zivilingenieur für Gas- und Feuerungstechnik. In: Der Sachverständige, Heft 1/1992, 6 – 10. 4 Baurat h.c., Zivilingenieur für Hochbau, Ehrenpräsident der CIDADEC und des Hauptverbandes Dipl.-Ing. Leo Splett: Wohin gehen wir? In: Der Sachverständige, 4/1986, Seite 2 ff. Mit Ergänzungen der Autorin.

Gutachten oder um ein Privatgutachten handelt - das Rundsiegel zu verwenden. Rant gelingt es, im März 1999 für diese gesetzlich gefor-

5 Aus: Baurat h.c. Architekt Dipl.-Ing. Friedrich Rollwagen wird 70! Wir gratulieren! Beitrag von Dr. Walter Melnizky, Syndikus des Hauptverbandes. In: Der Sachverständige, Heft 1/1992, 3.

derte Haftpflichtversicherung einen Rahmenvertrag mit günstigen Prämien für alle Mitglieder auszuhandeln. Der Rahmenvertrag wird zwischen dem Hauptverband der Gerichtssachverständigen und der Bundesländerversi-

6 Siehe Zertifizierung auf Seite 72 und Rezertifizierung auf Seite 67. 7 Siehe EuroExpert auf Seite 51.

cherung AG (heute UNIQA) sowie der Grazer Wechselseitigen Versicherung Aktiengesellschaft abgeschlossen.

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Gründung und Entwicklung des Landesverbandes Steiermark und Kärnten

D

ie

Intentionen

zur

mark und Kärnten dauerte es allerdings

Gründung eines Landesverbandes

noch bis ins Jahr 1972.

Stei-

Am 02.03.1972 wurde DI Josef Satzin-

ermark und Kärnten

ger gebeten, die Landesstelle Steier-

gehen bereits auf

mark und Kärnten zu leiten. Er hat seine

das Jahr 1970 zurück. In einem ersten

Aufgabe als Obmann bis zu seinem Tod

Gespräch zwischen dem Präsident des

1995 wahrgenommen.

Hauptverbandes, DI Leo Splett, und DI Josef Satzinger, Ziviltechniker für Bauwesen, wurde der Gründungswille am „Tulbingerkogel“ in Niederösterreich bekundet.

DI Josef Satzinger Präsident des Landesverbandes von 1972 bis 1995

Die Gründung der Landesverbände Tirol/Vorarlberg

und

Ursprünglich befand sich der Bürositz des Landesverbandes in der Hugo-WolfGasse in Graz. 1982 übersiedelte der Landesverband in die Kepplerstraße und anschließend 1986 in die Hanuschgasse. Mit dem Kauf der Büroräumlich-

Oberösterreich/

keiten in der Hanuschgasse konnte der

Historie Salzburg war bereits vollzogen, es fehlte jedoch noch

Landesverband erstmals Eigentum erwerben. Seit 2003

eine entsprechende Interessensvertretung in den Bun-

hat der Landesverband Steiermark und Kärnten seinen

desländern Steiermark und Kärnten.

Bürositz in der Griesgasse 10. Die alte Bausubstanz wurde

Im November 1970 erfolgte die Kontaktierung der zu-

nach modernsten Gesichtspunkten umgebaut. Die insge-

ständigen Sicherheitsdirektion in Graz für die Zulassung

samt 240 m² Bürofläche teilt sich der Landesverband mit

der Landesstelle Steiermark und Kärnten. Für die Anmel-

der Liegenschaftsbewertungsakademie. Die feierliche

dung bei der Sicherheitsdirektion in Graz wurden die

Eröffnung des neuen Büros erfolgte im Oktober 2003 mit

Satzungen des „Hauptverbandes der ständig beeideten

einer Ausstellung der Exponate des Künstlers Bernhard

gerichtlichen Sachverständigen und Schätzmeister Öster-

Eisendle.

reichs“, sowie ein Nachweis über den rechtlichen Bestand

Die erste Generalversammlung der Landesstelle Stei-

des Hauptverbandes durch das Bundesministerium für

ermark und Kärnten wurde am 15.04.1972 im Restaurant

Inneres eingereicht. Von der Einreichung der Unterlagen

„Wilder Mann“, Jakoministraße in Graz einberufen, mit

bis hin zur Vereinsgründung des Landesverbandes Steier-

dem Ziel des gemeinsamen Gedankenaustausches. Die

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Mag. Eva Baumgartner Administration

„Jeder hat ein Recht darauf, täglich gescheiter zu werden!“ (Günther Nenning)

Tagesordnungspunkte wurden kurz und

Sachverständigen und Schätzmeister

bündig gehalten. Neben dem Tätig-

Österreichs“ in der Funktion des gegen-

keitsbericht des Obmanns DI Satzinger,

seitigen Gedanken- und Erfahrungs-

erfolgte die Wahl des Vorstandes und

austausches, um das Fachwissen aller

der Funktionäre. Anwesend waren die

Mitglieder zu fördern. Mit dieser bereits

Sachverständigen der ersten Stunde wie

damals bemerkenswerten Einstellung

die Herren Althaller, Gilli, Müller, Schöck,

zur Weiterbildung und damit zur Unter-

Satzinger, um nur einige zu nennen. Als Gäste vermerkte man im Protokoll den Präsidenten des Hauptverbandes, DI Splett. Die Mitgliederversammlung wurde

DI Leo Splett Präsident des Hauptverbandes von 1969 bis 1981

mauerung der Funktion des Sachverständigenverbandes, wurden gedanklich die ersten Weichen im Bereich der Qualitätssicherung von Experten gestellt.

mit dem Referat des Präsidenten DI

Aus heutiger Sichte könnte man seine

Leo Splett eröffnet und mit einleitenden

Betrachtungen auch als Vorreiterrolle

Worten über die Sachverständigentätigkeit, die nicht

für die entsprechende Richtlinie zum Fortbildungspass für

nur laut ABGB den Sachverständigen hinsichtlich seiner

Sachverständige einstufen.

Kunstkenntnisse oder seines nicht gewöhnlichen Fleißes definiere, sondern weit über diese Vorstellung hinaus-

1972 befand sich DI Splett in intensiven Verhandlungen

gehe, eröffnet. Spezialwissen und Verantwortungsgefühl

mit der Regierung hinsichtlich des „Sachverständigenge-

des Sachverständigen bei Gericht seien für die Urteilsfin-

setzes“ und vor allem des „Gebührenanspruchsgesetzes“.

dung ausschlaggebend. Der Sachverständige hätte in

Die schwierigen Verhandlungen und die Widerstände

den sogenannten „Sachverständigenprozessen“ (wie es

der Regierung in Bezug auf eine einheitliche Gebühren-

wörtlich im Protokoll hieß) eine Verantwortung zu tragen,

regelung sind evident. Während ehemals die Sachver-

die nur völlig „unparteiischen, fachlich und charakterlich

ständigentätigkeit als ehrenamtlich und nebenberuflich

nur hochstehenden Menschen zuzumuten sei“, führte DI

gesehen wurde, gab es schon zu dieser Zeit Diskussionen

Splett in seinem Vortrag aus. Splett sah die Aufgabe des

über eine vernünftige Entlohnung des Sachverständigen

„Hauptverbandes der ständig beeideten gerichtlichen

für seine außerordentlich verantwortliche Tätigkeit.

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(V. l. n. r.) Dr. Peter Hadl, KR Alois Edelsbrunner, Dr. Enrik Mandl, DI-HTL Andreas Krassnig-Plass, DI Gerhard Hirm, Mag. Eva Baumgartner, Mag. Michaela Petulnig, Ehrenpräsident TR Bmst. Ing. Anton Voit, HR i. R. DI Dr. Wolfgang Gobiet, HR DI Friedrich Bauer

So wurde damals die Sichtweise vertreten, dass jemand nur ausnahmsweise als Sachverständiger, also

Zusätzlich gab es zum Vorstand auch noch einen „ehrenrätlichen Ausschuss“ bestehend aus den Herren:

nebenberuflich tätig werde und es daher eine Ehre sei, überhaupt bestellt zu werden. Eine entsprechende Entlohnung wurde der ehrenhaften Tätigkeit nachgereiht. Viele Sachverständige haben auch schon 1972 ihre Tätigkeit hauptberuflich ausgeübt und es musste daher eine entsprechende gesetzliche Basis geschaffen werden, um eine vernünftige Entgeltregelung von Sachverständi-

FUNKTIONÄRE Obmann: DI Josef Satzinger Vizeobmann: Ing. Fritz Schöck

genleistungen zu garantieren. Einmal mehr waren die

Vizeobmann: Prof. DI Dr. Ernst Heinrich

deutschen Kollegen an einer für die ganze EWG gültigen

Kassaverwalter: Dr. Wolfgang Müller

Lösung interessiert, der sich auch Österreich anzuschlie-

Schriftführer: Prof.DI Dr. Ernst Heinrich

ßen gedachte. Besonderes Interesse in dieser Gene-

Schriftführer: Prof.DI Helmut Gilli

ralversammlung galt der Wahl der Funktionäre und des

Rechnungsprüfer: Prof.DI Helmut Gilli

Vorstandes. Da die gewählten Herren die Geschicke des

Rechnungspürfer: Ing. Max Cerncic

Verbandes über Jahrzehnte geprägt haben, werden sie namentlich und in ihrer Funktion angeführt.

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EHRENRÄTLICHER AUSSCHUSS:

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Insgesamt hatte die Landesstelle Steiermark und Kärnten nur 3 Fachgrup-

Ing. Johann Gastegger

pen, die durch fachkun-

Forstverwalter Carl Klotz

dige

Ing. Adolf Enzi

waren. Heute hat der

Ing. Karl Martinz

Landesverband 16 Fach-

Ing. Josef Schwinger

gruppen, die die Wei-

Ing. Josef Stangl

terbildung von Sachver-

Ing. Heinz Reimitz und Ing. Wilhelm Althaller

ständigen sichern.

Vertreter

besetzt

Dr. Wolfgang Müller

Im Laufe der Jahre

FACHGRUPPENOBMÄNNER:

wurden 2 Fachgruppen, nämlich

Bauwesen: DI Josef Satzinger Kraftfahrwesen und Maschinen: Prof.DI Helmut Gilli Allgemeine Fachgruppe: Dr. Wolfgang Müller

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„Allgemein“

und „Automaten“ aufgelöst, weil einerseits für die Fachgruppe „Allgemein“ als sogenannter „Sammeltopf“ für all jene Sachverständige, die keiner spezifischen Fachgruppe zugeord-

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net werden konnten, kein Bedarf

für die Außenwirkung des Verbandes

mehr bestand und andererseits die

bis zum heutigen Tag verantwortlich

Fachgruppe „Automaten“ zu klein war,

zeichnet. Durch seine behutsame

um wirkungsvoll arbeiten zu können.

und verbindende Führung lässt er viel

Außerdem hat der Gesetzgeber durch

Raum für neue Gestaltungsmöglich-

die Feststellung, dass Spielautomaten

keiten im Verband.

bevorzugt von Sachverständigen, die auch im Fachgebiet EDV eingetragen sein sollten, den übrigen Experten ihre Existenz genommen. In den letzten

Besonderes Augenmerk hat der

TR Ing. Fritz Schöck

Landesverband Steiermark und Kärnten auf die Weiterbildung von Sach-

Jahre kam zu den bisher etablierten

verständigen gelegt. Seit 1977 gibt es

Fachgruppen wie Bauwesen, KFZ, Im-

die Grundlagenseminare im Schloss

mobilien, Land- und Forstwirtschaft,

Seggau, mit den Themenschwerpunk-

Brandschutz, Elektrotechnik, Medizin,

ten Gerichts- und Privatgutachten,

Holz, um nur einige zu nennen, eine

Haftung des Sachverständigen, Ge-

Fachgruppe für Apotheker dazu.

bührenanspruch etc. Einer der Vortragenden der ersten Stunde war und ist Prof.Dr. Jürgen Schiller. Ihm ist es zu

Die

Landesstelle Steiermark und Kärnten

hatte zu

verdanken, dass aus einem vormals eineinhalbtägigen

Gründungsbeginn nur 51 Mitglieder. Verglichen mit der

Liegenschaftsbewertungsseminar seit 1999 eine Liegen-

heutigen Mitgliederzahl, die sich auf ca. 2600 Personen

schaftsbewertungsakademie geworden ist, die sich öster-

erweitert hat, war der Verband in seinen Anfängen wirk-

reichweit etabliert hat und als Basisausbildung mit ho-

lich überschaubar.

hem Praxisbezug wertgeschätzt wird.

Nach dem Tod von DI Satzinger hat Herr TR Ing. Fritz

Aus einem kleinen Verband mit einer überschaubaren

Schöck interimistisch den Landesverband Steiermark und

Mitgliederzahl hat sich mittlerweile eine Organisation

Kärnten geführt, bis TR Bmst.Ing. Anton Voit den Verband

entwickelt, die die Interessen der Sachverständigen auch

Ende 1995 als Vorsitzender übernommen und geleitet

entsprechend wahrnehmen und mit dem Hauptverband

hat. Als Ehrenpräsident des Landesver-

der

bandes Steiermark und Kärnten ist Ing.

meinsam die Weiterentwicklung des

Voit nach wie vor in das Verbandsleben

Sachverständigenwesens

eingebunden. In seiner Amtsperiode

kann.

Gerichtssachverständigen

ge-

verfolgen

wurden zahlreiche Arbeitskreise gebil-

Wesentlichen Anteil am Erfolg und

det, wie „Nutzungsdauerkatalog“, „Her-

an der Umsetzung des Gesamtkon-

stellungskosten“ und „Liegenschaftsbe-

zeptes des Landesverbandes tragen

wertung“. 2002 hat TR Ing. Voit sein Amt

die Fachgruppen. So kann letztend-

als Präsident des Landesverbandes

lich eine äußerst positive Bilanz zum

zurückgelegt und als Nachfolger wurde DI Gerald Moskon in der Mitgliederversammlung gewählt. Nach nur 2 jäh-

TR Bmst. Ing. Anton Voit Ehrenpräsident

40jährigen Bestehen des Verbandes gezogen werden. Alle jenen, die unermüdlich das gemeinsame Interesse

riger Funktionsperiode folgte HR i.R.DI

verfolgen, sei an dieser Stelle beson-

Dr. Wolfgang Gobiet, der als Präsident

derer Dank ausgesprochen.

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QUELLEN 1 Das Palais Eschenbach beherbergte damals wie heute den Österreichischen Ingenieur- und Architektenverein, der bis heute Eigentümer dieser Liegenschaft ist. 2 Auf seinen Dienstreisen im Ausland und in seinen privaten Veröffentlichungen zu Edelsteinfragen, Eisenbahnmedaillen und Eisenbahngeld schrieb er sich stets „Loehr“. 3 Aus: 80 Jahre – und immer weise. Begebenheiten im Laufe der Verbandsgeschichte. Beitrag von Dipl.-Ing. Rudolf Schlauer, Zivilingenieur für Gas- und Feuerungstechnik. In: Der Sachverständige, Heft 1/1992, 6 – 10. 4 Baurat h.c., Zivilingenieur für Hochbau, Ehrenpräsident der CIDADEC und des Hauptverbandes Dipl.-Ing. Leo Splett: Wohin gehen wir? In: Der Sachverständige, 4/1986, Seite 2 ff. Mit Ergänzungen der Autorin. 5 Aus: Baurat h.c. Architekt Dipl.-Ing. Friedrich Rollwagen wird 70! Wir gratulieren! Beitrag von Dr. Walter Melnizky, Syndikus des Hauptverbandes. In: Der Sachverständige, Heft 1/1992, 3. 6 Siehe Zertifizierung auf Seite 72 und Rezertifizierung auf Seite 67. 7 Siehe EuroExpert auf Seite 51.

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Die Liegenschaftsbewertungsakademie Graz – eine Erfolgsgeschichte

E

ines der vorrangigsten Ziele des Haupt-

der Bundesrepublik Deutschland schon längere Zeit gel-

verbandes

Gerichtssachverstän-

tenden Bewertungsnormen – völlig neue Wege. Da das

digen Österreichs und seiner vier Lan-

Gesetz den Sachverständigen in weiten Bereichen bisher

desverbände ist seit Gründung dieser

nicht gekannte Freiheiten einräumte, entstand teilwei-

freiwilligen

die

se geradezu ein „Wissensvakuum“. Deshalb galt es ver-

Förderung seiner Mitglieder in den verschiedensten Be-

stärkt, eine Wissensvermittlung, nicht nur für bereits in den

langen. Die Aus- und Fortbildung von Sachverständigen

Gerichtslisten eingetragene Sachverständige, sondern

für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit und die laufende

auch für Interessenten an dieser Tätigkeit und Auftragge-

Unterstützung in ihrem Bemühen um qualitativ hochste-

ber für Gutachten dieser Art anzubieten. Dazu kam, dass

hende Leistungen zählen dabei zu den wichtigsten An-

auf Grund des ständig steigenden Interesses des Kapital-

liegen der Verbände. Deshalb werden nicht nur laufend

marktes an Immobilien auch ein ständig steigendes Inte-

Seminare zur Festigung forensischer Kenntnisse angebo-

resse an der Tätigkeit eines Sachverständigen für die Be-

ten, sondern auch die verschiedensten fachspezifischen

wertung von Immobilien im außergerichtlichen Bereich

Themen bearbeitet.

zu verzeichnen war, wobei die Interessenten aus den ver-

der

Interessenvertretung

Liegensc schiedensten Berufszweigen kamen und nicht nur auf die

So wie in anderen Landesverbänden fanden deshalb

auch im Landesverband Steiermark und Kärnten schon

klassischen „Grundberufe“ etwa des Baubereiches und der Immobilienvermittlung beschränkt blieben.

seit den 70er-Jahren regelmäßig Seminare zur Ausbil-

dung auf dem Gebiet der Immobilienbewertung statt. Als

Diesem gestiegenen Bedarf an Ausbildung stand auf

im Jahr 1992 das Liegenschaftsbewertungsgesetz (LBG)

der anderen Seite kein adäquates Aus- und Fortbildungs-

die bereits in die Jahre gekommene Realschätzungsord-

angebot gegenüber, zumal es auch kein spezielles aka-

nung aus dem Jahr 1896 ablöste, stieg der Bedarf nach

demisches Studium oder zumindest einen schulischen

einer Wissensvermittlung auf diesem Gebiet sprunghaft

Abschluss an einer höheren technischen Lehranstalt oder

an. Das für die Bewertung von Immobilienvermögen im

einer Fachhochschule gab.

gerichtlichen Verfahren geschaffene Gesetz erlangte in

Im Landesverband Steiermark und Kärnten reifte daher

kürzester Zeit große Bedeutung auch im außergericht-

der Gedanke einer Strukturierung und Ausweitung der

lichen Bereich, ging es doch – in Anlehnung an die in

bisher angebotenen ein- bis zweitägigen Seminare für

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Prof.Dr. Jürgen Schiller Geschäftsführer LBA Graz

AKADEMIE LBA – das Kompetenzzentrum für Liegenschaftsbewertung

Liegenschaftsbewertung. Initiiert von den Herren Techni-

Ing. Gerald Moskon gehörten ihm die Herren Hofrat Dipl.-

scher Rat Ing. Franz Kainz, Baurat h.c. Dipl.Ing. Franz Josef

Ing. Friedrich Bauer, Techn. Rat Ing. Franz Kainz, Dr. Her-

Seiser und Ehrenpräsident TR Bmst. Ing. Anton Voit wurde

mann Pucher, Baurat h.c. Dipl.-Ing. Franz Josef Seiser und

der Gedanke der Gründung einer „Liegenschaftsbewer-

Prof. Dr. Jürgen Schiller an. Dieser Arbeitskreis bereitete in

tungsakademie“ geboren.

mehreren Sitzungen die Gründung einer GesmbH vor.

Im Herbst 1999 startete der erste Lehrgang. Diese zu-

Die Grundsatzentscheidung dazu fiel bei einem Treffen

nächst im Schoß des Landesverbandes operierende

mit dem Präsidenten des Hauptverbandes vis Prof. Dipl.-

Akademie mit einem 120-stündigen Vortragsprogramm

Ing. Dr. Matthias Rant am 23.7.2002. Danach sollte der

trug schon die Grundstruktur der heutigen LBA. Als Vor-

Landesverband für Steiermark und Kärnten die Gründung

tragende konnten neben den beiden genannten Herren

der Gesellschaft zunächst als alleiniger Gesellschafter

mehrere namhafte Sachverständige gewonnen werden,

vornehmen, der Hauptverband und die anderen Landes-

wie etwa die Herren Hofrat Dipl.-Ing. Friedrich Bauer, Bau-

verbände sollten in der Folge als weitere Gesellschafter

rat h.c. Dipl.-Ing. Franz Josef Kollitsch, Dipl.-Ing. Rudolf

hinzukommen. Außerdem sollten im Umfang von 46%

Kulterer, Prof. Techn. Rat Ing. Herbert Majcenovic, Direktor

weitere Gesellschafter aus interessierten Kreisen gewon-

Dagobert Pantschier, Dr. Hermann Pucher, Arch. Dipl.-Ing.

nen werden, um dem Gedanken von Präs. Rant, die LBA

Wilfried Stummer, Mag. Karl Steinberger.

als „Kompetenzzentrum“ für Liegenschaftsbewertung auf-

schaft Schon dieser erste Lehrgang war ein voller Erfolg und

zubauen, Rechnung zu tragen. Damals war auch noch

stieß auf ein äußerst positives Echo. Es folgten drei weite-

daran gedacht, die LBA als Zertifizierungsstelle gemäß

re Lehrgänge, die die Anfangserfolge eindrucksvoll be-

der EN 45013 (heute ISO 17024) akkreditieren zu lassen,

stätigten.

ein Gedanke, der später auf Grund des Widerstandes in einigen Gremien der Sachverständigenverbände fallen

Dadurch ermutigt folgte als nächster Schritt die Grün-

gelassen wurde.

dung eines Arbeitskreises im Sinne der Satzungen des

Landesverbandes, der die Grundlagen für eine „Liegen-

Nach einem diskussions- und arbeitsintensiven Jahr

schaftsbewertungsakademie - Neu“ schaffen sollte. Unter

konnte schließlich Ende 2002 ein von Herrn Dr. Hermann

der Leitung des Präsidenten des Landesverbandes Dipl.-

Pucher maßgeblich gestalteter Gesellschaftsvertrag

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Sehr zufrieden mit der Entwicklung der LBA Graz: Wolfgang Gobiet (li.) und Jürgen Schiller

unterfertigt und die Eintragung der „Liegenschaftbe-

Seit dem Jahr 2003 finden auch laufend Lehrgänge

wertungsakademie - Center of Valuation and Certifica-

in Wien statt, die sich regen Zuspruchs erfreuen, weiters

tion GmbH“ Graz ( kurz „LBA Graz“) im Firmenbuch des

wurden auch Lehrgänge in Kufstein und Salzburg abge-

Landesgerichtes für ZRS Graz vorgenommen werden. Zu

halten.

ihrem ersten Geschäftsführer wurde Dr. Hermann Pucher bestellt, der diese Funktion bis 30.11.2006 ausübte. Seit

Im Jahr 2009 konnte ein Kooperationsabkommen mit

1.12.2006 ist Prof. Dr. Jürgen Schiller Geschäftsführer. In

der Donau-Universität Krems abgeschlossen werden. Die-

der Folge konnten neben dem Hauptverband noch als

se bekannte Ausbildungsstätte bietet ein berufsbeglei-

Gesellschafter gewonnen werden: Die Landesverbände

tendes Studium zur Erlangung der akademischen Grade

Wien, Niederösterreich und Burgenland, sowie Tirol und

„Akademischer Experte für Immobilienbewertung“ und

Vorarlberg (die Bemühungen, den Landesverband Ober-

„Master of Science in International Real Estate Valua-

österreich und Salzburg zu gewinnen, sind bedauerlicher

tion“ an, das in Österreich in dieser Form einzigartig ist.

Weise bisher fehlgeschlagen), die Raiffeisenlandesbank

Im Rahmen der Kooperation bestreitet die LBA Graz mit

Steiermark, die HYPO-Wohnbaubank, die Immobilienra-

ihren bewährten Lehrgängen das erste Semester dieses

ting GmbH Wien, der Fachverband der Immobilien- und

viersemestrigen Studiums. Daneben laufen die bewähr-

Vermögenstreuhänder in der WKÖ, sowie die HYPZert Ber-

ten Lehrgänge wie bisher weiter. Ein am jeweiligen Bedarf

lin (welche später nach der Entscheidung, keine Zertifizie-

orientiertes Vortrags- und Schulungsprogramm ergänzt

rungsstelle zu etablieren, ihre Anteile wieder dem Landes-

das Angebot.

verband Steiermark und Kärnten abgetreten hat). Nach Auflösung des Arbeitskreises „LBA-Neu“ konsti-

Seit ihrer Gründung ist die LBA Graz stets bemüht, ihr

tuierte sich unter der Leitung von Dr. Schiller ein wissen-

Lehrprogramm den Wünschen der Interessenten anzu-

schaftlicher Beirat, der die fachliche Weiterentwicklung

passen und zu verfeinern sowie für ihre anspruchsvollen

der LBA forcierte. Ihm gehörten neben den oben ge-

Inhalte auch die entsprechenden Vortragenden zu ge-

nannten Mitgliedern des Arbeitskreises in wechselnder

winnen. So verfügt sie heute über einen hochqualifizier-

Zusammensetzung auch die Herren Dipl.-Ing. Werner

ten Lehrkörper und genießt auch deshalb Österreichweit

Böhm, Baurat h.c. Arch. Dipl.-Ing. Rainer König, und nicht

einen ausgezeichneten Ruf.

zuletzt Dipl.-Ing. Martin Roth an.

Mehr Infos finden Sie unter www.lba-cvc.at

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Nutzungsdauerkatalog

D

ie von einem Arbeitskreis des Haupt-

Der Katalog will als Sammlung von Erfahrungswerten ver-

verbandes der allgemein beeideten

standen werden und soll helfen, in Fragen der Bewertung

und gerichtlich zertifizierten Sachver-

baulicher Anlagen eine nachvollziehbare und schlüssige

ständigen

Landesver-

Einschätzung der voraussehbaren Zeitspanne wirtschaft-

band Steiermark und Kärnten heraus-

lich vertretbarer Nutzung von Anlagegütern sowie der

gegebenen Auflagen eines Nutzungsdauerkataloges

Gesamtnutzungsdauer von baulichen Anlagen zu er-

baulicher Anlagegüter konnten sich eines großen Zu-

möglichen.

Österreichs,

spruchs erfreuen und waren jeweils in relativ kurzer Zeit vergriffen. Mit der nun vorliegenden 3. Auflage wurde der Nutzungsdauerkatalog neuerlich überarbeitet und wesentlich erweitert. Neu eingefügt wurden neben dem Teil II Holzbau, im Teil IV der Abschnitt 5 Personen- und Güterbeförderung

Mehrfarbendruck, Preis: 

und der Abschnitt 6 Brandschutz sowie der Teil V Gesamt-

EUR 45,00 + 10% USt. und Versandkosten

nutzungsdauer baulicher Anlagen (Gebäude).

Bestellung per E-Mail: office@sachverstaendige.at

Nutzung 36-39 liegenschaft-mitgliederversammlung•.indd 39

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DI Ing Georg Topf Gemeinderat Stadt Graz

DAS JUBILÄUM

40 Jahre Landesverband Steiermark und Kärnten

Der Festakt in der Alten Universität Graz

D

er Landesverband Steiermark und

EHRENGÄSTE

Kärnten konnte am 08. Mai 2010 in den Räumlichkeiten der „Alten

Zahlreiche Ehrengäste haben der Einladung des Lan-

Universität Graz“, Hofgasse 14, sein

desverbandes Steiermark und Kärnten Folge geleistet

40-jähriges Jubiläum im festlichen

und wurden vom neu, zuvor in der Mitgliederversamm-

Rahmen begehen. 40 Jahre sind ein ausgezeichneter

lung, gewählten Präsidenten, HR i.R.DI Dr. Wolfgang

Anlass um in diesen historischen Gebäuden zu feiern.

Gobiet, recht herzlich begrüßt.

Ehrengäs Die spätbarocke Aula stellt den Atem der Geschichte in

eindrucksvollerweise dar. Das 400 Jahre alte Gebäude

Unter den zahlreichen Ehrengästen konnten der Prä-

bildet als Ensemble die Stadtkrone von Graz, gemein-

sident des Oberlandesgerichtes Graz, Dr. Heinz Wie-

sam mit dem Freiheitsplatz und dem Dom der Stadt.

trzyk , der Präsident des Landesgerichtes für Zivilrechts-

sachen Graz, Dr. Manfred Scaria, der Präsident des

Gegründet als Jesuitenuniversität, später als Universi-

Hauptverbandes der Gerichtssachverständigen,

tätsbibliothek und Landesarchiv genutzt, dient es heu-

Prof.DI Dr. Matthias Rant, weiters die Präsidenten der

te als revitalisiertes Veranstaltungs- und Kommunika-

Landesverbände, Prof.Dr. Kurt Judmann (Landesver-

tionszentrum des Landes Steiermark und ist somit als

band Wien/Niederösterreich/Burgenland), BR h.c.DI

„Blütezeit“, eingebettet zwischen dem Heute und dem

Rainer König (Landesverband Tirol/Vorarlberg), TR Bmst.

Morgen zu verstehen.

Ing. Anton Voit, (Ehrenpräsident des Landesverbandes

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Networking über die Grenzen: Wolfgang Gobiet (links) und Dipl. Ing. Albrecht Mast (Bayern)

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Internationale Tischgespräche: Dipl. Ing. Gerhard Hirm und Dr. Dejan Zlajpa (Slowenien)

OLG-Präsident Dr. Heinz Wietrzyk überbringt die Grüße der Justiz

Steiermark und Kärnten), in weiterer Folge, DI Albrecht Mast, in Vertretung des Präsidenten des Verbandes öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger Bayerns, Dr. Dejan Zlajpa, als Ehrengast aus Slowenien,

äste

Prof. Dr. Jürgen Schiller (Präsident des Landesgerich-

tes für Zivilrechtssachen i.R, nunmehrigen Geschäftsführer

der

Liegenschaftsbewertungsakademie

in

Graz), KR Dr. Wolfgang Müller (Gründungsmitglied des Landesverbandes Steiermark und Kärnten) sowie die Präsidenten der Kammern, DI Gerald Fuxjäger (Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten), Dr. Walter Kobinger (Kammer der Apotheker, nunmehriger Fachgruppenobmann der Fachgruppe Apotheker im Landesverband Steiermark und Kärnten) und Susanne Grilz (Geschäftsführerin der Bauinnung) durch den Präsidenten des Landesverbandes Steiermark und Kärnten begrüßt werden.

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Zu Gast in Graz: Hausherr Wolfgang Gobiet empfängt Prof. Dr. Kurt Judmann mit Gattin aus Wien

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mmlung sa er v er ed li g it M . 0 4 er d l ei T Festlicher z ra G 0 1 0 8 , 4 1 e ss a g of H , z“ ra G „Alte Universität ald/Beier“ sw “O tt te ar qu ch ei tr S s da h Eröffnung durc to KV 136, W. A. Mozart, Divertimen 1. Satz Allegro nten des Landesverde si rä P n de h rc du te äs G r Begrüßungen de nten bandes Steiermark und Kär ität Graz in Form rs ve ni U en lt A r de ng lu el st Historische Dar eines Kurzfilmes Musikdarbietung Satz Andante 2. 6, 13 V K to en m ti er iv D W. A. Mozart, Grußworte der Ehrengäste r. Bernd S D f. ro P v. ni U rn er H s de ag Festvortr

chilcher

Musikdarbietung er; Scott Joplin, The Entertain ke Antonin Dvorak, Humores n Räumlichkeiten de in en ss ge ta it M es am ns ei Gem mit musier dl E h oc nk be au H m vo et it der Alten Universität bere kalischer Begleitung Graz, 8. Mai 2010

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Musikalische und kulinarische Ergüsse Eine Abrundung des festlichen Rahmens konnte durch die musikalische Vielfalt des Streichquartetts Oswald/ Beier erreicht werden. So hat nicht nur die Eröffnung mit einem „Divertimento“ begonnen, sondern diese Stimmung konnte die gesamte Festveranstaltung begleiten. Zum Abschluss gab es noch Kuliniarisches des Haubenkochs Wolfgang Edler und damit einen vollendeten Genuss für unsere Mitglieder.

DAS JUWEL IM HERZEN DER ALTSTADT Der 400 Jahre alte vollkommen restaurierte spätbarocke Saal (die Aula) bietet Platz für externe Veranstaltungen und Repräsentationszwecke des Landes. Sowohl die technische Infrastruktur einschließlich Klimatisierung und neuester Lichttechnik als auch die aufwändige Medienausstattung sind auf dem letzten Stand der Technik und für den Gast beinahe unsichtbar in der wertvollen Freskenmalerei integriert. Zusätzlich zur Aula kann auch die Bar im Erdgeschoß für kleinere oder unkonventionelle Veranstaltungen gebucht werden.

ALTE UNIVERSITÄT GRAZ T +43/664/822 70 50 F +43/316/822 689 office@alte-universitaet.at www.alte-universitaet.at Hofgasse 14, 8010 Graz Kontakt: Wolfgang Otter

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Univ.Prof. Dr. Bernd Schilcher

FESTVORTRAG „Ohne Sachverständige und Experten geht heute gar nichts mehr.“

D

as ist ein wunderbarer Ort mit einem

weisung der Schüler und Studenten. Tatsächlich war die

erstaunlichen genius loci. Hier war

protestantische Schule schon damals eine Art Gesamt-

das geistliche und geistige Zentrum

schule: Sie verband Hauptschule, Oberstufengymnasium

von Innerösterreich. Karl II hat hier das

und Teile des Bacchalaureats der Universität. Das späte-

Jesuitenkollegium eingerichtet, das

re akademische Gymnasium hingegen war Gymnasium

erste katholische Gymnasium und kurz danach die erst

und nur Gymnasium. Ein wichtiges Ziel beider Schulen

steirische Universität. Und zwar durch eine persönliche,

war die Heranbildung von Predikanten gegen die Katho-

landesfürstliche Stiftung aus dem Jahr 1572, also etliche

lische Lehre bzw. von Predigern gegen den Protestantis-

Zeit vor der Stiftung des heutigen Landeshauptmanns.

mus. Bildung als ideologische Waffe – auch heute noch nicht ganz aus der Mode.

Offenbar gibt es mit landesfürstlichen Stiftungen immer gewisse Probleme. Karl II hatte sie nicht so sehr mit

Georg Scherer, ein Absolvent eines Jesuitengymnasi-

der Presse und er Opposition – aber mit den Klöstern,

ums brachte es zum Hofprediger in Graz, Wien und Linz. Er

die zahlen sollten. Nur aus Millstatt kamen zu Georgi und

war ein rhetorischer Bihänder gegen alles Evangelische

Martini die versprochenen landwirtschaftlichen Leistun-

und – sein zweites Fachgebiet, in dem er anerkannter Ex-

gen für das Kollegium und das Gymnasium. Auch die

perte und Sachverständiger war - gegen Hexen. Im Ver-

versprochenen 40 Fuder Salz aus Aussee trafen meist

hältnis zu seinem späteren Nachfolger , dem eleganten

pünktlich ein – aber das war kein Wunder, weil der Salz-

und ironischen Abraham a Santa Clara war er grob und

abbau ein landesfürstliches Privileg war. Und was sollten

fundamentalistisch.

Vorbeme die Jesuiten, die Schüler und Studenten mit so viel Salz? (Ca. 70.000 Liter ; 1 Fuder = 1.700 l)

Sein Name ziert daher auch keine Grazer Gasse. Der

Überlieferung nach ist Scherer 1605 mitten in einer hasser-

Damals wurden auch die ideologischen Graben-

füllten Predigt gegen Hexen im Allgemeinen und gegen

kämpfe um das Schulwesen begonnen. Die Lehrer an

Linzer Hexen im Besonderen einem Herzschlag in der

der protestantischen Stiftsschule im heutigen Paradeishof

oberösterreichischen Landeshauptstadt erlegen.

und die Jesuiten in der Bürgergasse lieferten sich sogar

natürlich kein typisches Schicksal für Sachverständige

Faustkämpfe zu Fragen der richtigen Lehre und der Unter-

darstellt. Womit wir beim Thema wären.

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Sachverständige und andere Experten

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s ist ein ganz normaler Wochentag. Ich

wag, ob Hypo Alpe Adria oder Hypo Leasing, überall

lese zum Frühstück meine zwei Tageszei-

gutachtet der Herr Kleiner.“ Man wird ihn nicht los. Jetzt

tungen. Gleich zu Beginn meldet das

hat er auch noch den Inhaber der Auer von Welsbach-

steirische Blatt, dass sich einer der be-

Gruppe hinter Schloss und Riegel gebracht.

kanntesten österreichischen Wirtschafts-

Eine Seite weiter: Ein 18-jähriger Gymnasiast stürzt beim

experten eine Budgetsanierung ohne jede Steuererhö-

Clubbing im Dom im Berg 5 Meter in die Tiefe und bleibt

hung vorstellen kann. Na, bitte, denk ich mir, da wird es

schwer verletzt liegen. Den Unfallhergang müssen gleich

nicht nur Zustimmung geben. Nächste Seite: Bericht aus

mehrere SV untersuchen.

New York: ein Sprengstoffsachverständiger hat eine primitive Autobombe am Times Square entschärft.

Im „Unternehmer –Portrait“ geht es um eine europaweit

„Jetzt sind die Gutachter am Wort“, lautet die Über-

bekannte Firma, die schon eines der besten Straßen-

schrift auf der gegenüber liegenden Seite. Ein Toxikologe

Mautsysteme entwickelt hat. Jetzt will sie dem täglichen

soll den Gesundheitszustand des 84-jährigen Opfers ei-

Verkehrschaos mit Mikro-Wellen-Spezialisten, Infrarot- und

nes Polizisten feststellen, der ihn erschossen hat. Ein Waf-

Satelliten-Experten zu Leibe rücken. Ein großer Bericht

fensachverständiger wird die Pistolenattrappe des Pensi-

über ein ambitioniertes Spezialunternehmen, das viel

onisten auf ihre Schrecktauglichkeit untersuchen, dazu

Geld in die Forschung und in Experten steckt.

merkung kommen noch ballistische Gutachten.

Danach plädiert der bekannte Medien- und Kommuni-

kationsexperte Filzmaier für Optimismus und positives

Nach dem tödlichen Unfall eines 18-jährigen Lenkers

Denken anstelle der üblichen österreichischen Raunzerei

auf der Autobahn müssen auch gleich mehrere SV den

auf hohem Niveau. Vermutlich ein vergebliches Unter-

Unfallhergang überprüfen. War es ein Sekundenschlaf,

nehmen.

war Alkohol im Spiel? Wie stand es um die Fahrkünste des

Dann kommen die zahlreichen Sport-SV. Für Fußball,

jungen Mannes, wie schnell war er unterwegs? Was hat

Golf, Eishockey, Motorsport und Handball. Am Eis, am Ra-

der Beifahrer gemacht?

sen und in der Zeitung – ja, und zuletzt die Kulturexperten:

„Dem Fritz Kleiner entgeht keiner“, reimt ein Hobby-

Neuinszenierungen von Lulu und Schwanensee, eine ge-

Dichter in der Überschrift darunter. Der Anwalt der Ex-Ma-

lungene Aufführung im Rahmen der „Philharmonischen

nager der HYPO-Leasing ärgert sich öffentlich: „Ob Ba-

Klänge“ in der Steiermark und die letzte Vorentschei-

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dung im großen steirischen Band-Wettbewerb. Eine

der österreichischen Stiftungen gewettert hatte. Und

großformatige Qualitätszeitung aus Wien, meine zweite

schließlich stellt eine Bildungsexpertin des Wiener Stadt-

Informations- und Meinungsquelle am Morgen, legt noch

schulrates den mehr als 150 Schulversuchen im Bereich

nach. Behinderten-Experten schlagen Alarm: An der Wie-

der Pflichtschulen ein überwiegend positives Zeugnis

ner Uni studieren gerade einmal 530 Behinderte – von

aus. Ergebnis dieser völlig zufälligen Blattlese an einem

86.000, also 6 Promille. An den amerikanischen oder nor-

einzigen Wochentag in lediglich zwei Zeitungen: Ohne

dischen Unis sind es über 15%, also mehr als das Zwan-

Sachverständige und Experten geht gar nix mehr. Sie

zigfache.

sind es, die heute auf nahezu allen Gebieten des Lebens

Unübersehbar ist die Anzahl wie auch die Art der Exper-

sicherstellen, dass der technische, wirtschaftliche, aber

ten, die an der Rettungsaktion von IWF, Europäischer Zen-

auch soziale und politische Betrieb der modernen Staa-

tralbank und griechischer Regierung teilnehmen. Nicht

ten funktioniert.

zu reden von den Legionen von weiteren Experten in den werkt haben. Beide Zeitungen räumen dem Milliarden-

Ein Wort zu den unterschiedlichen Bezeichnungen

deal breiten Raum ein.

Den waschechten Sachverständigen wird aufgefallen

restlichen Mitgliedsländern der EU, die da im Vorfeld ge-

sein, dass die beiden Zeitungen nicht zwischen Experten, In diesen Zusammenhang gehört auch die Meldung,

Gutachtern und Sachverständigen unterschieden haben.

dass ein Innsbrucker Experte für Europarecht die Ansicht

Diese Dreiteilung gibt es auch nur in Österreich und

vertritt, dass die Art der Hilfeleistung für Griechenland ge-

Deutschland. Vielleicht noch in der Ostschweiz und in

rade noch als EU-rechtskonform bezeichnet werden kann.

den Niederlanden. Dort heißen die SV „Deskundige“. Alle

Schon eine echte Garantie der 26 Geber-Staaten würde

anderen Länder begnügen sich mit den Bezeichnungen

die Grenze zur Rechtswidrigkeit überschreiten. Mindes-

„Experte“ und „Gutachter“. Letztere heißen weltweit Asse-

tens so unübersehbar dürfte bald auch die Heerschar

soren – assessor, assesseur, asssesore. Das kommt aus

der Experten für die Ölpest-Katastrophe vor den Küsten

dem Lateinischen „Assidere“ – beisitzen, beistehen, hel-

der US-amerikanischen Staaten Luisiana, Alabama und

fen. Die ersten Gutachten im heutigen Sinne kamen

Mississippi werden. Zuerst die Naturwissenschafter und

schon von den römischen Respondierjuristen. Ihr respon-

Techniker, dann die Juristen.

sum war eine Auslegung des geltenden Rechts im Einzel-

Festvortr Im Rechtspanorama plädiert ein Konkursexperte für

fall. Mit der Rezeption des römischen Rechts in den deut-

die Entwicklung eines internationalen Insolvenzverfah-

schen Landen und in Österreich zwischen dem 13. und

rens, das den deutlichen Globalisierungstendenzen in

17. Jhdt. kamen die berühmten Fakultätsgutachten auf.

Wirtschaft und Recht Rechnung tragen könnte. Kurz da-

Jedenfalls in den größeren Prozessen.

nach geraten sich zwei Strafrechtsexperten über die Frage in die Haare, ob eine künftige Teilung des Strafverfah-

Nicht selten hatten sie zunächst einmal die Frage zu

rens in eine Untersuchung der Strafbarkeit an sich und

klären, welches Recht überhaupt anzuwenden sei - das

erst dann über die Höhe der Strafe im konkreten Fall sinn-

neue römische = gemeine, oder das Volksrecht. Nach

voll wäre.

diesem Vorbild der Juristen-Gutachten kamen am Ende

Ein bekannter Finanzrechtsexperte der Uni muss sich

des 18. Jahrhunderts und des ganzen 19. die übrigen

eine Seite später von einem nicht minder bekannten Wirt-

Sachverständigen. Sie wurden ausdrücklich in die öster-

schaftstreuhänder die Leviten lesen lassen, weil er eine

reichischen und deutschen Prozessgesetze als besonders

Woche zuvor gegen die angeblichen Steuerprivilegien

wichtige Beweismittel aufgenommen. Natürlich gibt es

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sie auch im angloamerikanischen Prozess. Sie heißen

rüber, nach welchem Recht überhaupt auszuschreiben

dort „Expert Witnesses“. Wie überhaupt der „Experte“ au-

ist). Nichtsdestoweniger kannte jedoch schon das späte-

ßerhalb von Österreich und Deutschland der dominieren-

re Altertum eine ganze Reihe von Experten. So z. B. den

de Begriff ist. Er kommt aus dem Lateinischen, nämlich

expertus insulae, den Fachmann für den Bau mehrge-

von perire und experire, etwas versuchen, unternehmen.

schoßiger Häuser im alten Rom, der dann auch bei Hauseinstürzen zu Rate gezogen wurde; oder den expertus

Wer immer wieder etwas unternimmt, bekommt mit der

quadrigae, der sich bei Unfällen mit den berühmten Vier-

Zeit Erfahrung. Darum ist der expertus oder der peritus

gespannen auskannte und Prozessgutachten abgab.

auch der Erfahrene, der Erprobte. Mit seiner Erfahrung

Besonders wichtig war das Gutachten oder „Responsum“

macht er auch Experimente, die mit periculum (perire)

der so genannten Respondier-Juristen in konkreten Fäl-

zu tun haben, mit Gefahr. Der Experte ist daher auch der,

len, ohne die weder das römische, noch das jüdische

der mit gefährlichen Versuchen umgehen kann, d. h.

Recht arbeitsfähig gewesen wären. (Siehe auch die Fat-

auch, dass er mit seinen Kenntnissen und mit seiner Erfah-

wa, das islamische Gutachten).

rung andere vor Gefahren beschützt. Miles expertus belli – Der Soldat ist ein Experte für den

Fachleute und Experten tummelten sich damals auch

Krieg. Damit schützt der die Zivilbevölkerung. Femina ex-

und vor allem auf dem wichtigen Feld der Wahrsagerei.

perta fecunditatis, die Frau ist die Expertin für alle Fragen

Da war der expertus augurii, der aus dem Vogelflug die

der Fruchtbarkeit – und schützt damit das Volk vor dem

Zukunft vorhersagen konnte. Oder der expertus haruspi-

Aussterben. Es ist daher falsch, wenn immer wieder be-

cinae, der sich bei den Eingeweiden der Tiere auskannte

hauptet wird, dass es den sachverständigen Experten

und aus ihrer Konsistenz und Lage auf die Zukunft schlie-

erst seit dem 19. Jhdt. gibt – also seit der Zeit der Anwen-

ßen konnte.

dung der Naturwissenschaft und der Technik im tägli-

Bei den zahllosen apodiktischen Behauptungen rund

chen Leben. Einige meinen sogar, er würde seine Existenz

um die griechische Krise, nach denen wir Euro-Länder

der zunehmenden Vielfalt und Komplexität der Lebens-

demnächst wahlweise in die größte Rezession oder die

verhältnisse im 20. Jhdt. verdanken, die nur noch von

schlimmste Inflation hineinschlittern werden, habe ich

hochspezialisierten Fachleuten durchschaut werden kön-

den Eindruck einer massiven Rückkehr der Auguren und

nen.

der Eingeweide-Experten. Denn viel mehr als Kaffeesud-

trag

An dieser Ansicht stimmt natürlich, dass die soziale, kul-

turelle und religiöse Pluralität besonders in den letzten

Deuterei ist es wohl nicht. Bekanntlich hat die Zukunft für alle Voraussagen einen eindeutigen Nachteil: Man erkennt sie erst richtig, wenn sie schon vorbei ist.

Jahrzehnten ganz erheblich zugenommen hat. Gleich-

Aber auch das Mittelalter war voller Experten. Das be-

zeitig haben die alten Stände, Klassen und Ideologien

gann wieder bei Gericht. Da im mittelalterlichen Prozess

massiv an Bedeutung verloren und sind auch in Öster-

das Geständnis der wichtigste Beweis für die Schuld des

reich einer demokratischen Struktur gewichen. Dazu

Angeklagten war, spielte damals auch die Folter eine

kommt die Internationalisierung und Globalisierung aller

große Rolle. Der expertus tormenti, der Folterexperte, hat-

gesellschaftlichen Verhältnisse, die eine weitere Explosi-

te daher in bestimmten Zeiten nicht nur sehr viel zu tun, er

on an Wissenszuwachs und Komplexität zur Folge hatte.

war auch wegen seines gesicherten Einkommens durch-

Das alles hat die Notwendigkeit von Expertenwissen und

aus angesehen. (Inquisition, Hexenprozesse).

speziellem Sachverstand drastisch erhöht. (Bei Ausschreibung des KAGes-Vorstands 2003 gab es 3 Gutachten da-

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Daneben entwickelten sich zahlreiche Experten für die verschiedenen Gottesurteile. Der eine organisierte

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Bernd Schilcher und Wolfgang Gobiet diskutieren über Experten, Gutachter und Sachverständige

das Gehen über glühende Pflugscharen, der ande-

Plan 4 zur Lebensqualität, zuvor am Salzburger Programm

re das Eintauchen einer Hand in siedendes Wasser, der

und am Modell Steiermark. Dazu 7 Jahre LSR-Präsident,

dritte die Kaltwasserprobe oder das Tragen glühender Ei-

42 Jahre akademische Lehre an der Uni.

sen. Auch ich bin vor drei Jahren in den Genuss der Er-

Daraufhin von Lehrern: Wer nicht selber viele Jahre in

nennung zu einem Experten gekommen: Schul – und Bil-

Schulklassen unterrichtet, kann nicht bei einer Reform

dungsexperte der Frau Ministerin Schmied. Als ich für die

mitreden. Nur wer selber erlebt hat, ist in der Lage, darü-

Ganztagsschule eingetreten bin: 112 E-mails. 2 Vorwürfe:

ber vernünftig zu reden und vernünftige Vorschläge zur

Ich hätte nicht Erziehungswissenschaften studiert, könnte

Veränderung zu machen. Das hieße, dass nur Lehrer

daher kein Experte für Schulfragen sein. Er kam von Erzie-

neue Schulgesetze vorbereiten dürfen, nur Ärzte Gesund-

hungswissenschaftern, die nicht in die Kommission beru-

heitsreformen und nur Beamte Verwaltungsreformen. Tat-

fen worden waren.

sächlich sehen viele Gesetze in der Republik so aus: Von

Meine Antwort, ein Experte ist kein wissenschaftlicher

Interessenvertretern für ihre Klientel gemacht und nicht

Theoretiker, sondern nach „experire“ einer, der in der Fra-

etwa für ihre Kunden, also die Schüler, die Patienten und

ge der Bildungspolitik schon viel unternommen hat und

die Bürger und schon gar nicht für das Gemeinwohl. Da-

daher Erfahrung gewonnen hat. 1962 an ersten Bildungs-

mit lässt sich für Österreich und Deutschland festhalten:

programmen in der Steiermark teilgenommen. 1975 am

Experte scheint in Österreich und Deutschland der Ober-

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begriff zu sein. Er/Sie ist jemand mit überdurchschnittli-

Dazu kommen eine mindestens 10-jährige einschlägige,

chem Wissen auf bestimmten Gebieten, speziellen Fähig-

möglichst berufliche Tätigkeit, die sich nach einem Hoch-

keiten und Fertigkeiten, so wie einer ausgeprägten

schulstudium auf 5 Jahre verringern kann. Entscheidend

Problemlösungskapazität. Dazu kommt, dass er/sie Wis-

sind weiters persönliche Vertrauenswürdigkeit, geordne-

sen in Handeln umsetzen kann. Zu diesem Zweck müs-

te wirtschaftliche Verhältnisse, die für die Befunderhe-

sen er/sie keinen speziellen Beruf ausüben, können,

bung notwendige Ausrüstung, so wie der Abschluss einer

aber müssen keine besondere Ausbildung genossen ha-

entsprechend hohen Haftpflichtversicherung. Das klingt

ben. Ausgewiesen ist der Experte meist durch seine mög-

schon sehr viel österreichischer. Man hört im Hintergrund

lichst lange, erfolgreiche Tätigkeit in seinem Metier. Das

deutlich den Amtsschimmel wiehern.

ist eine sehr pragmatische, fast schon angloamerikanische Sicht.

Licht und Schatten

Anders der bzw. die Sachverständige. Wie das SDG vor-

Die zentrale Rolle, die Experten und Sachverständige für

sieht , muss er die Verfahrensvorschriften und das Sach-

den reibungslosen Betrieb der Republik und insbesonde-

verständigenwesen kennen sowie den Aufbau eines

re der Gerichte und Behörden spielt, führt natürlich auch

schlüssigen Gutachtens beherrschen.

zu Problemen. Helmut Schelsky hat sie im Begriff der

Zweifelsohne Top-Experten: RA Dr. Günther Fohrenbacher (links) mit Festredner Bernd Schilcher

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Bernd Schilcher kritisch: „Die Expertise wird zum Selbstläufer eines kleinen Kreises von Auserwählten.“

Expertokratie zusammengefasst. Immer wieder ge-

wichtigste Adresse und für Meinungsforschung teilen sich

fragte, in der Regel eloquente Fachleute erlangen bald

immerhin Bachmaier, Plasser und die Familie Karmasin

so etwas wie eine regionale bis österreichweite Deutungs-

den Markt. Andere Meinungen haben so gut wie keine

hoheit auf ihrem Gebiet. Daran haben vor allem die Me-

Chance. Das konzentriert und verzerrt das Meinungsspek-

dien großen Anteil. Denen fallen nämlich immer wieder

trum. Die Expertise wird zum Selbstläufer, zur self fulfilling

dieselben ein. Die haben sie sozusagen dauereingespei-

profecy eines kleinen Kreises von Auserwählten. Das

chert in ihren Handys. Geht es um Verfassungsprobleme,

spricht, wie gesagt, nicht gegen die Auserwählten, wohl

taucht Dekan Mayer auf. Selten gesellt sich noch Herr

aber gegen die Einfallslosigkeit der auswählenden Jour-

Funk dazu. Der teilt sich die Auftritte für Menschenrechts-

nalisten. Denn dadurch entwickelt sich eine „herrschen-

fragen mit Herrn Novak.

de Meinung“, die immer die Meinung der Herrschenden war. (In der Wissenschaft entsteht eine solche h. M. weni-

Bei EU-Rechtsproblemen wird Herr Humer in Innsbruck

ger durch Handyspeicherung als vielmehr durch Zitier -

angerufen, geht es um finanz- und steuerrechtliche Fra-

Kartelle: Zitierst du mich, zitier ich dich). Eine ähnliche Situ-

gen, bittet man Herrn Kleiner vor den Vorhang, braucht

ation findet sich bei den gerichtlichen Sachverständigen.

man einen Politikwissenschafter, erscheint Toni Pelinka

Hier gibt es zunächst einmal Richter, die regelmäßig auf

auf der Bühne, in Medienfragen ist Herr Filzmaier die

ihre Lieblinge zurückgreifen. Das ist aber harmlos, weil es

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meist schon dadurch zu einem Ausgleich kommt, weil es

Das alles vermittelt die Vorstellung von einem exakten

doch eine stattliche Zahl von Richtern und Richterinnen

und sicheren Wissen, das es in dieser Form nicht gibt. Hüt-

gibt, mit jeweils immer anderen Lieblingen.

ter und Perger aus Innsbruck haben in einer vom FWF geförderten Studie den Vorschlag gemacht, SV-Wissen zu-

Ein weiteres Problem sind die Fragestellungen der Jour-

mindest auch in Form von Mediationen einzubringen,

nalisten: Sie verlangen in der Regel „die“ Antwort, näm-

weil dadurch wenigstens Dialogsituationen entstehen.

lich die einzig richtige. Das verführt auch gute Experten

Wir haben an der Juridischen Fakultät zu Beginn des neu-

nicht selten zu Hüftschüssen. Sie geben Antworten, die so

en Jahrtausends angefangen „Team-Gutachten“ zu er-

apodiktisch sind wie die Fragen – und damit höchst pro-

stellen. Weil rechtliche Probleme immer eine Reihe von

blematisch. Nicht minder schlimm ist auch ein gewisser

Aspekten – strafrechtliche, zivilrechtliche, arbeitsrechtli-

Hang zur Bequemlichkeit. Ich habe Baumeistergutachten

che, verfassungsrechtliche, EU-rechtliche usw. – aufwei-

gesehen, die mit den Worten geendet haben: „Dem Zah-

sen. Mit einem einzigen Aspekt, z. B. dem zivilrechtlichen,

lungsbegehren des NN soll man daher nicht entspre-

ist in der Regel niemandem gedient.

chen.“ Oder bei einem SV für das Verkehrswesen: „Der Beklagte war zweifellos zu schnell unterwegs.“ Manche

Das geht freilich nur, wenn die Gutachter „miteinander

ärztlichen Gutachter stellen nicht nur die Dauer und die

können“. Das heißt, auch hier kommt es zunehmend auf

Intensität der Schmerzen eines Unfallopfers fest, sondern

„soziale Kompetenzen“ an. Dazu kommt, dass alle die Tu-

führen gleich auch die Multiplikation mit dem tabellari-

gend der Pünktlichkeit beherrschen. Weil es sonst zu ge-

schen Schmerzengeldwert durch. Das sieht alles zunächst

waltigen Verzögerungen kommt. Insgesamt haben wir

einmal nach durchaus lässlichen Sünden aus. Nur: Las-

heute (und schon längst) ein grundsätzliches Problem,

sen die Richter derartiges aus Bequemlichkeit oder sons-

das der Altmeister des österreichischen Prozessrechts,

tigen Gründen durchgehen, fragt sich nicht nur, wer jetzt

Hans Fasching, so umschreibt: „Das Gericht wird im zu-

eigentlich das Urteil macht, sondern auch, wie sich sol-

nehmenden Maße auf den Sachverständigen angewie-

che Sünden auf das Gemüt und die Haltung des Sach-

sen und ihm ausgeliefert. Es ist immer weniger in der

verständigen auswirken.

Lage, den Sachverständigen wirkungsvoll überprüfen zu

Sie werden vermutlich zunehmend zu „Richtern ohne

können, es sei denn mittelbar durch mehrere weitere

Robe.“ Ein weiteres Problem sind jene Gutachten, die eine

Sachverständige, was den Prozess aber außerordentlich

expertenhafte Exaktheit signalisieren, die den Richter den

verzögert und verteuert.“ (Klingt allerdings nach dem

letzten Nipf an Selbstbewußtsein kosten kann. Ich habe

Chor in der griechischen Tragödie – ich meine nicht die

da meine Erfahrungen vor allem bei Unfällen gemacht.

jetzige, sondern die von Euripides, Sophokles und Aischy-

Da heißt es dann: Der Beklagte fuhr anstelle der erlaub-

los). Dazu kommt, dass auch die Instanz häufig noch

ten 50 km/h, 57 km/h (ZVR 1987/22). Wie, wann, wodurch

mehr Gutachten verlangt, nicht selten auch zu solchen

war das feststellbar? Oder: Ein LKW-Halter beruft sich auf

Fragen, deren Antworten man früher als gerichtsnoto-

ein „unabwendbares Ereignis“, als er das sechsjährige

risch angesehen hat (z. B. ob bei einer regennassen Stra-

Mädchen überfuhr, weil ihm nur eine Reaktionsverzöge-

ße der Bremsweg länger wird; oder ob im Jänner mit Eis-

rung von 0,09 Sekunden angelastet werden konnte (ZVR

bildung beim Ausstieg aus einer Gondel in 18oo m

1981/195).

Seehöhe gerechnet werden muss). Dadurch pas-

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siert es immer häufiger, dass die Prozesskosten ein

boldtschen Schulreform. Die war in erster Linie auf die

Vielfaches der Streitsumme ausmachen und nur noch

Vermittlung von Wissen ausgerichtet, also auf die Anrei-

Leute mit entsprechendem finanziellen Hintergrund und/

cherung der intellektuell kognitiven Fähigkeiten der Schü-

oder ausreichender Rechtsschutzversicherung das Risiko

ler. Zunächst im geisteswissenschaftlichen Sinne, also

eines Gerichtsverfahrens auf sich nehmen können. Der

durch das Erlernen alter Sprachen, vor allem der griechi-

noch in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhun-

schen, durch die Geschichte vorwiegend des klassischen

derts besonders problematisierte „Zugang zum Recht“

Altertums, durch Kunstgeschichte, Archäologie und Philo-

feiert damit neuerlich Urständ. Allerdings keine fröhlichen.

sophie. Erst später kamen die Naturwissenschaften dazu:

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch auf ein weiteres,

Physik, Chemie, Biologie – aber auch Mathematik, Geo-

allgemeines Problem der grassierenden Expertokratie

metrisches Zeichnen und Technische Konstruktion: Anla-

hinweisen. Die Landesregierung der Steiermark hat 10.000

gen- und Maschinenbau, Antriebstechnik und Motoren,

Beamte zur Verfügung. Dennoch gibt sie über 14 Mio.

Architektur und Raumgestaltung.

Euro für Expertengutachten pro Jahr aus (Das Unterrichts-

Auf allen diesen Gebieten gab es schon bald ein breit

ministerium hat 988 Beamte – alle größeren Verände-

entwickeltes Sachverständigenwesen. Dazu kamen noch

rungsvorschläge kommen durch Experten von außen.

die handwerklich-gewerblichen Fachgebiete und ihre

Eben so Sozialministerium, Wirtschaftsministerium, Ge-

Vertreter.

sundheitsministerium usw.)

Dagegen fehlten Sachverständige lange Zeit im Kunstund Kulturbereich. Für Musik, Tanz, Poetik und Literatur, für

Es gibt natürlich Gründe für diese Entwicklung

Malerei und Plastik existierten keine entsprechenden

Da ist einmal das Misstrauen der Minister gegenüber ih-

Sport- und Spielarten. Natürlich gab es Sportler – aber

ren Beamten, denen sie als Experten gleichfalls ausgelie-

keine Sportwissenschaften, es gab Geiger und Trompe-

fert sind; dann das Misstrauen der öffentlichen Meinung

ter, aber keine Musiktheorie; Maler und Literaten, aber

gegenüber Ressortgutachten von weisungsgebundenen

keine Literaturwissenschaft.

schulischen Ausbildungen; ebenso wenig wie für alle

Beamten; und schließlich ein allgemeines Misstrauen,

Völlig unterbelichtet war und ist die Wirtschaft in der

was die Fähigkeiten von Beamten betrifft. Frage, wozu

schulischen Ausbildung. Betriebswirte, Volkswirte, Mana-

man dann rund 330.000 öffentlich Bedienstete braucht,

ger, Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder oder gar

noch dazu mit einem Anteil an Maturanten und Akade-

Banker und Finanzmarktexperten gibt es erst seit der

mikern von über 50%, wenn sie im entscheidenden Mo-

zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den Sekundar-

ment regelmäßig durch Experten von außen ersetzt wer-

schulen und Gymnasien finden sich auch heute noch

den?

nicht einmal Ansätze zu einer solchen Ausbildung oder auch nur zur Ausbildungsvorbereitung.

Experten und das Bildungssystem

Dasselbe gilt für das Recht und die Gerechtigkeit. Auch

Sobald solche Experten vorwiegend bei Gericht auftra-

darüber erfährt man in Österreich – mit Ausnahme an

ten und ab dem Beginn des 19. Jhdts. vor allem das feh-

den Handelsakademien und den Lehranstalten für wirt-

lende Sachwissen des Richters in schwierigeren Fällen

schaftliche Berufe – bis zum Studium nichts.

ersetzten, sprach man vom speziellen Sachverstand dieser Leute und nannte sie daher Sachverständige. Das

Das hat mehrere Günde: Der Erste

entsprach nicht zuletzt dem Zug der Zeit, also dem da-

Für das Bildungs-und Besitzbürgertum, das im 19. Jahr-

mals vorherrschenden klassizistischen Ideal der Hum-

hundert die Themenführerschaft in allen Bildungsfra-

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gen übernommen hat, war die Schule nur eine Er-

Nationale Kämpfe und die Vorherrschaft zwischen Frank-

gänzung zur primären Familienerziehung. Kunst, Kultur

reich, England, Russland und Deutschland. Vor allem

und alles das, was man „adelige Exerzitien“ nannte, war

Kaiser Wilhelm wollte die Welt am deutschen Wesen ge-

in privater Verantwortung. (Reiten, Fechten, Schwimmen,

nesen lassen. Dazu der Kult der Reinrassigkeit. „Jagdhund

Sport, Musik, Literatur bis hin zum chemischen und physi-

mit Stammbaum“; die Vorstellung,

kalischen Experimentieren: Am Nachmittag zu Hause).

doppelt so lange wie Mulatten, Mestizen oder Zambos.

Daher auch der „Deal“ mit Otto Glöckel 1919. (Ende der

Heterozygoten, Homozygoten.

Reinrassige leben

Ganztagsschulen nach 145 Jahren). Wirtschaft und Recht gehörten nach der Humboldtschen Vorstellung nicht zur

Idee der homogenen Gruppen. Sonderschulen für die

Bildung, sondern „nur“ zur Ausbildung. Die war tief ange-

Schwachen und Sonderschulen für Schwerstbegabte.

siedelt: in den Berufschulen. (Das folgt dem ständischen

Seit dem Beginn der zweiten Völkerwanderung 1960 (200

Denken: Standesordnung 1671!) Nur Österreich und

Millionen Menschen wandern jährlich von arm zu reich),

Deutschland kennen die Trennung von Bildung und Aus-

kulturell-religiöse Vielfalt zu sozialen und Leistungsmäßi-

bildung.

gen dazu. Wo bleibt die soziale Kohäsion. (Über bürgerliche Familie, Stände, Klassen, Ideologien) Daher: Ge-

Alles, was man heute unter „sozialer Kompetenz“ versteht,

meinsame Schulen, um gemeinsam leben und arbeiten

wurde den Kindern der Bürgerlichen gleichfalls von zu

lernen, solidarisch durch peer-Lernen zu werden. Das ist

Hause mitgegeben: Vernetzung, Benehmen, sekundäre

staatspolitisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell notwen-

Tugenden, wie Disziplin, Pünktlichkeit, Höflichkeit und Em-

dig. Und für die Chancen des Einzelnen. Integration und

pathie. Daher hat bei uns die höhere Berufsbildung bis in

Inklusion.

die 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts gebraucht, bis sie die Führung übernommen hat. Daher

Der dritte Grund

wurden auch Schule und Leben nach Humboldt total

Die jederzeitige Erreichbarkeit von Verfügungswissen

getrennt.

macht das Schulziel Wissensvermittlung unbedeutender. In den Vordergrund tritt das Pobleme lösen. (Popper) „Wir

Der zweite Grund

haben jetzt 8 Jahre lang Antworten auf Fragen bekom-

Der bürgerliche Rassismus des 18. Jhdts, nationale Strö-

men, die keiner von uns gestellt hat.“ Dazu kommt das

mungen und der Kult der Reinrassigkeit. Kant’s Physische

Bildungsziel des Erfahrungslernens. Erfahrung spielt heute

Geografie: „Die Menschheit ist in ihrer höchsten Vollen-

kaum mehr eine Rolle.

dung ausschließlich in der Rasse der Weißen. Schon die

Schließlich muss es zu einer radikalen Individualsie-

gelben Indianer haben ein viel geringeres Talent, noch

rung des Unterrichts kommen. „Jedes Kind kann irgendet-

tiefer stehen die Neger, aber am tiefsten manche ameri-

was besonders gut – fördern bis zur Leistungsgrenze. Kein

kanischen Völker.“

Kind zurücklassen.“

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Weil das alles nicht eingehalten wird: 25% der15-Jährigen

muss vom heutigen Standpunkt aus eine offenkundige

kann nicht lesen, 10.000 Kinder ohne Abschluss, zweite

Chance auf Bewährung der Entscheidung geben. Mehr

Generation der Migranten schlechter als erste, jeder Drit-

nicht, aber auch nicht weniger. Die drei Bedeutungen

te wechselt ab 15 mindesten einmal die Schule (180 Mio.),

der Wahrheit im Gerichtsleben. (Wahrheit ist entweder

40.000 Sitzenbleiber (280 Mio.), 140 Mio. für Nachhilfe. Seit

ideologisch, banal oder problematisch).

5 Jahren findet ein Kreativitäts- und Innovationsranking

Die erste Bedeutung ist ideologisch. Im Namen dieser

im Rahmen der OECD statt. Wir sind von 17 Industrie-

Wahrheit sind Millionen von Menschen umgebracht wor-

nationen am 14. Platz. Hauptgrund dafür: Unser schlech-

den. Auch der Volksgerichtshof des Herrn Freisler hat im

tes Schulsystem, das zu früh trennt, daher seine Bega-

Namen einer solchen ideologischen Wahrheit geurteilt.

bungsreserven

Die zweite Bedeutung ist banal.

nicht

ausnützt,

keine

Individuelle

Förderung von Talenten kennt und viel Geld verbrennt (Siehe oben).

Welche Bedeutung hat dieser Paradigmenwechsel in der Schule für die Ausbildung von Sachverständigen?

„Zweimal zwei gleich vier ist Wahrheit. Schade, dass sie leicht und leer ist, denn ich wollte lieber Klarheit über das, was voll und schwer ist.“

• Talente-Suche und Talenteförderung möglichst früh und bei jedem einzelnen Kind

Wilhelm Busch (Schein und Sein 1909)

• Zusammenhänge erkennbar machen • Probleme lösen lernen (Induktion) • Teamarbeit

Beispiele von banalen Wahrheiten: Zeuge, sagen sie mir

• Erfahrungsprojekte

die volle Wahrheit: Hat es zur Tatzeit geregnet? Oder: Trug

• Weit mehr Angebote Werkstätten, Musik, Sport, Kultur,

der Täter einen Hut? War das Opfer sofort bewusstlos?

Naturwissenschaftliche Experimente , Sprachen. • Soziale Kompetenzen, sekundäre Tugenden.

Tarskis einfache Korrespondenztheorie der Wahrheit: notwendig – aber höchst banal.

Das Problem der Wahrheit im Gerichtsverfahren

ist“, bleibt immer problematisch. Das heißt, sie ist mit ein-

Gerichtliche Entscheidungen müssen nicht wahr oder

fachen Mitteln nicht zu bewältigen. Sie stellt selbst ein

richtig sein. Es genügt, dass sie vertretbar sind. Das heißt,

Problem dar, das gelöst werden muss. Beispiel der Asphy-

dass sie hic et nunc gesellschaftlich akzeptiert werden

xie-Geburt mit schwersten Folgen. Gutachten: Der Sauer-

können u n d lege artis zustande gekommen sind. Es

stoffmangel ist zu 50% die Folge einer um den Hals

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Die dritte Bedeutung schließlich, die „voll und schwer

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Bernd Schilcher: „Recht ist das Ergebnis einer Abwägung von vernünftigen Gründen.“

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geschlungenen Nabelschnur, zu 50% die Folge ei-

Recht und Rechtssicherheit selbst. Recht ist nicht das Er-

ner von den Ärzten übersehenen Plazenta- Insuffizienz.

gebnis einer simplen Subsumtion, sondern das Ergebnis

Ergebnis: Schadensteilung, weil das entweder Alles oder

einer Abwägung von vernünftigen Gründen.

Nichts unangemessen und wegen der Verletzung des

Bisher: Wenn das Gesetz eine Geschwindigkeit von 50

Übermaßgebotes auch verfassungsrechtlich bedenklich

km/h erlaubt, dann handelt rechtswidrig, wer mit 51 km/h

ist. Dieses Ergebnis ist bei Lehre und Rechtsprechung al-

fährt. Nur: So einfach ist es nicht. Schon derjenige, der

lerdings noch nicht voll angekommen.

das Leben seines oder eines anderen Kindes nur retten kann, wenn er in wenigen Minuten ein Krankenhaus er-

Ein Wort zum Verhältnis von Gerechtigkeit und Rechtssicherheit

reicht, darf schneller fahren. Auch viel schneller. Wobei es

Gerechtigkeit und Rechtssicherheit hängen zusammen.

erschien die Verletzung im Augenblick der Fahrt, wie sah

Einmal negativ: So gibt es totale Rechtssicherheit, wenn

die Verkehrslage aus, welche Witterungs- und Sichtver-

die Gerechtigkeit Null ist. Z.B. Österreich zahlt niemandem

hältnisse haben geherrscht, wie gut fährt der Retter, wie

mehr eine Sozialleistung. Oder in Österreich bleibt jeder

war sein Fahrzeug beschaffen, wie gefährlich wurde sei-

auf seinem Schaden sitzen. Die Umkehrung dieses Satzes

ne Fahrt für Dritte? Alles das sind keine freien Erfindungen

gilt dagegen nicht. Was auch nur einigermaßen gerecht

– das steht ausdrücklich im Gesetz, nämlich in § 20 der

erscheint, ist in der Regel wiederholbar und somit einiger-

Straßenverkehrsordnung.

maßen rechtssicher.

um eine Reihe von Abwägungen geht. Wie bedrohlich

Und es gilt dort auch für den umgekehrten Fall, nämlich dass der KfZ-Lenker zu langsam fährt und damit Staus

Der Grund dafür liegt in der Überlegung, dass Entschei-

auslöst. Die berühmte Subsumtionsgewissheit des „Entwe-

dungen, die möglichst vielen einleuchten, zumindest ei-

der-Oder“, also rechtswidrig oder nicht, ist in den meisten

nigermaßen gerecht und damit auch einigermaßen

Fällen eine Chimäre. Auch in der Praxis, nicht nur in der

rechtssicher sein müssen. Diese Gleichsetzung ist die Fol-

Theorie. So wägt der OGH bei der Bemessung eines ver-

ge einer doppelten Sichtveränderung. Nicht die Sicht der

tretbaren Seitenabstandes beim Überholen eines Motor-

Produzenten der Entscheidung, also des Gesetzgebers,

rades durch einen PKW gleichfalls eine Reihe von Kriteri-

des Richter und der Lehre gilt primär, sondern die Sicht

en ab. Er sagt ausdrücklich:

der Konsumenten – der unmittelbar Betroffenen wie auch

„Je höher die Fahrgeschwindigkeit des überholenden

aller potenziell zukünftigen Klienten. Sie sind es ja, welche

Fahrzeugs und je labiler das zu überholende Fahrzeug ist,

die Entscheidung in erster Linie akzeptieren müssen.

umso größer muss der seitliche Abstand sein. Bei nasser, durch Schneewände verengter Fahrbahn ist für das Über-

Daher müssen die Argumente einfach und verständ-

holen eines einspurigen Fahrzeugs mit einer Geschwin-

lich sein. „Letztlich muss alles ein Volkslied werden.“ (Wil-

digkeit von etwa 70km/h ein Seitenabstand von mindes-

burg). Die zweite Änderung betrifft die Vorstellung von

tens 1,50 m zu fordern, da dieses Fahrzeug leicht

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„Alle machen Fehler, auch Sachverständige.“

größeren Schwankungen ausgesetzt und in der

Herrn Angelo Izzo haften lassen, die einen Doppelmord

Möglichkeit des Ausweichens nach der Seite behindert

im Zuge eines Freigangs Izzos zur Folge hatten (EGMR

ist.“ (OGH ZVR 1965/99) Diese Überlegungen scheinen

Maiorano gegen Italien, 15.12.2009, Kammer II, 28.634/06).

vernünftig und vertretbar zu sein. Das ist aber auch das

Auch familiensoziologische und psychiatrische Gutach-

Geheimnis der Rechtssicherheit: Das Gericht weicht in

ten in Obsorge-Streitigkeiten gehen bisweilen empfind-

seiner Argumentation nicht von der Alltagsvernunft ab. So

lich daneben.

wie der OGH würden ganz „normale“ Menschen auch

Zahlreiche Prozesse gibt es auch wegen fehlerhafter

entscheiden. Und zwar vermutlich immer wieder. Wichtig

Gutachten am Bau (von der Statik bis zur Estrich-Verle-

für die Rechtssicherheit ist nur, dass man bei den Kriterien

gung) und im Zuge von nationalen und internationalen

und ihrer Bewertung bleibt: Es dürfen nicht immer andere

Ausschreibungen.

oder zusätzliche Kriterien gewählt werden. Dann ist es na-

Seit der „Lichtreklame-Entscheidung“ lässt der OGH in

türlich aus mit der Vorhersehbarkeit der Entscheidung

solchen Fällen den Sachverständigen selbst und alleine

und somit auch mit der Rechtssicherheit.

haften. Der Gerichtshof begründet das damit, dass er keine „Hilfsperson des Richters“ sei, sondern nur ein Beweis-

Bleibt noch ein Wort zur Haftung der Sachverständigen

mittel. Das ist natürlich nicht richtig. So sieht schon die

Alle machen Fehler, auch Sachverständige. So kommt es

gen haben muss, weiters Parteien und Dritte befragen

immer wieder vor, dass sich Schätzgutachten als unrea-

und Augenscheinsgegenstände besichtigen darf. Zu-

listisch erweisen, oder sogar schon beim Befund auf fal-

dem kann er wie ein Richter abgelehnt werden.

ZPO vor, dass der Sachverständige Einsicht in die Unterla-

schen Maßen aufbauen (SZ 16/143; OGH 13.6.2000, 1Ob 79/00z). Im Fall „Lichtreklame“, mit dem die heutige Haf-

Darüberhinaus bezeichnet ihn der OGH selbst in meh-

tungsstruktur für Sachverständige begründet wurde, hat-

reren Entscheidungen ausdrücklich als Hilfsperson des

te der Gutachter schwere Mängel einer solchen Anlage

Richters, an dessen Tätigkeit „ein erhebliches öffentliches

übersehen (SZ 11/225); im „Edelsteinefall“ vergaß er bei

Interesse“ bestehe. Denn nicht zuletzt sei das „sachge-

der Schätzung zweier Weißgoldschrauben, den ermittel-

rechte Funktionieren der Rechtspflege“ von der Tätigkeit

ten Wert zu verdoppeln (JBl 1993,518).

gerichtlicher Sachverständiger abhängig (SZ 56/44; JBl

Relativ häufig erweisen sich psychiatrische Gutachten

1993,518). Nicht richtig ist auch die Behauptung des OGH

als falsch. In der bekannten „Wiegand-Affäre“ wurde der

in seiner Judikatur zur direkten Haftung des Sachverstän-

Kläger durch ein solches Gutachten monatelang fälsch-

digen, dass ihm mit der Verpflichtung zur Begutachtung

licherweise in einer psychiatrischen Klinik festgehalten.

„keine hoheitlichen Aufgaben“ übertragen seien. Also

(JZ 1974,548). Umgekehrt hat der EGMR erst unlängst den

könne es niemals zu einer Amtshaftung kommen.

italienischen Staat für mehrere fehlerhafte psychiatrische

Diese Behauptung widerspricht eindeutig der langjäh-

Gutachten über eine Resozialisierungsprognose des

rigen Rechtsprechung des OGH zur Beleihung privater

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Personen mit öffentlichen Aufgaben. So übernehmen pri-

Die Ablehnung einer Bundeshaftung für gerichtliche

vate Automobilclubs wie der ARBÖ oder der ÖAMTC au-

Sachverständige widerspricht aber vor allem auch allen

tomatisch hoheitliche Funktionen, wenn sie das bekann-

internationalen und europäischen Tendenzen. So stehen

te „Pickerl“-Prüfungsverfahren durchführen.

in den meisten Rechtsordnungen Unternehmen und Betriebe primär für schädigende Handlungen ihrer Ange-

Dasselbe gilt für den Rauchfangkehrer, wenn er ein

stellten und Gehilfen ein. Und wie die jüngste Staatshaf-

Gutachten über die Rauchgasemissionen von Heizanla-

tungsentscheidung des EGMR zeigt, lässt dieser Staaten

gen abgibt. Wer als Privater Strafgefangene im „gelo-

für falsche psychiatrische Gutachten (und weitere ein-

ckerten Strafvollzug“ beschäftigt, wird genauso zum ho-

schlägige Behördenfehler) ohne weiteres haften. Der

heitlichen Organ wie eine private Kesselprüfstelle oder

alte Vorrang der individuellen Haftung vor der kollektiven

ein Schuldirektor, der eine schadhafte Waschmuschel im

nach den §§ 1299,1300 ABGB ist heute überholt. Der Haf-

Duschraum liegen lässt, an der sich ein Schüler verletzt. In

tende muss auch eine gute Adresse für eine effiziente

allen diesen Fällen haften nicht die unmittelbaren Täter,

Haftung sein. Eine, die etwas hergibt. Das ist internationa-

sondern der Bund im Wege der Amtshaftung.

ler Standard.

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AbschlieSSende Bemerkungen

zur heutigen Form. Das gilt auch für die Wandlung des

Wir haben – angeregt durch diesen schönen Saal – mit

Begriffes der Wahrheit und der Richtigkeit eines Urteils

Geschichte angefangen und enden jetzt mit Hinweisen,

und der Rechtssicherheit. Wandlungen bedeuten häufig,

dass wir uns in vielen Fällen von den Lasten der Geschich-

dass einiges heute nicht mehr zutrifft – auch wenn wir uns

te befreien müssen. Also, was gilt da, die gute Geschich-

daran gewöhnt haben. So empfinden wir absolute Ideo-

te, oder die böse?

logien als Belastungen, ebenso unverrückbare Stand-

Beides – so wie meistens.

punkte oder Wahrheiten, in deren Namen Millionen von

Historia docet: Geschichte ist nützlich, um zu erfahren,

Menschen getötet wurden. Auch sollten wir Abschied

wie und warum sich etwas so und nicht anders entwickelt

nehmen vom herkömmlichen „Entweder – Oder“ und der

hat. Dann kann man auch den Wert dieser Angelegen-

immerwährenden „binären Codierung“ von richtig –

heit hier und heute leichter bestimmen.

falsch, wahr – unwahr, gut – böse. Das meiste im Leben

Das gilt von Stiftungen, ideologischen Schuldebatten,

ereignet sich nämlich dazwischen.

der Bildung als Waffe, der Entwicklung des heutigen

Das ist kein Abschied von Werten und Prinzipien. Im Ge-

Sachverständigen vom Respondierjuristen der Römer an-

genteil. Die brauchen wir dringend. Freilich nicht theore-

gefangen über die Sachverständigen im Mittelalter bis

tisch gekünstelte, sondern einfache, für jedermann ver-

www.kunstgalerie-holasek.at

Zum 40jährigen Bestehen wünscht die Kunst Galerie

Holasek alles Gute! An- und Verkauf, Geschenksartikel, Schmuck historisch und modern, historisches Silber, moderne Silbermanufaktur, Möbel von Barock bis Art Déco/Jugendstil, moderne Malerei, historische Gemälde, Planung von Einrichtungen, Gutachtenerstellung zu den einschlägigen Fachgebieten des Kunsthistorikers, Diamantgutachters und Gemmologen FGG, Restaurierungen und Reparaturen

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ständliche. Verständliche Urteile sind nachvollziehbar

standesriesen mit Zwergen-Emotionen. Da müssen wir

und daher zugleich als sachlich vertretbar und rechtssi-

wieder zu einer besseren Verteilung kommen.“ Vor lauter

cher anzusehen.

Geldverdienen ist uns da und dort tatsächlich die emoti-

Wir haben auch gesehen, dass reine Wissensvermittlung heute nirgendwo mehr genügt. Auch nicht für Exper-

onale Intelligenz abhanden gekommen. Es ist Zeit, sie wieder zu finden.

ten und SV. Soziale Empathie ist nötig, die Fähigkeit auf einander zuzugehen, miteinander zu können. Dazu kom-

Verehrte Damen und Herren

men Pünktlichkeit, Genauigkeit und Disziplin. Das lernt

Ich gratuliere ihnen am Ende meiner Ausführungen ganz

man heute nicht mehr in der Familie – das gehört in die

herzlich zu 40 Jahren Verbandsjubiläum. Mit ihrem heuti-

Schule. So wie auch die Erziehung zur Solidarität anstelle

gen Fest sind Sie in bester Gesellschaft. Wir feiern in die-

des Konkurrenzverhaltens. Daher muss auch die Ganz-

sem Jahr immerhin den 840. Geburtstag von Walther von

tagsschule die Normalform werden.

der Vogelweide; den 240. Geburtstag von Hölderlin und

Frank Schirrmacher, der Mitherausgeber der FAZ und

das 40. Jubiläum der ZDF-Hitparade. Da liegen sie mit ih-

Autor vieler Bücher, sagte gestern bei einer Diskussion:

rer Feier gerade richtig.

„Wir entwickeln uns durch immer mehr Bildung zu Ver-

Dankeschön.

Wir gratulieren zum 40jährigen Bestehen der Sektion Steiermark, des Hauptverbandes der gerichtlich beeideten und zertifizierten Sachverständigen- wir feiern mit! Sachverständigen-Netzwerk = 21 gerichtlich beeidete und zertifizierte Gutachter, die auch Mitglieder des Hauptverbandes der gerichtlich beeideten und zertifizierten Sachverständigen Steiermark sind. Ihr SV-Netzwerk Ihr Partner für Alles zwischen Dach und Kunst! Wir geben Sicherheit durch eine zuverlässige, fächerübergreifende und effiziente Gutachtenabwicklung.

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Termine & Veranstaltungen

Dienstag, den 25. Januar 2011 um 09:00 Uhr

Seminar

Bautechnik – Basis der Befundaufnahme bei der

Fachgruppe: Allgemeine Fortbildungen

Immobilienbewertung Seminar der LiegenschaftsBewertungsAkademie GmbH

Dienstag, den 15. Februar 2011 um 19:00 Uhr

Fachgruppe: Veranstaltungen anderer Institutionen

Bauschäden – Abdichtungen Fachgruppentreffen

Dienstag, den 25. Januar 2011 um 9:00 Uhr

Fachgruppe: Bauwesen

Bautechnik – Basis der Befundaufnahme bei der Immobilienbewertung

Samstag, den 19. März 2011 um 9:00 Uhr

Seminar der LiegenschaftsBewertungsAkademie GmbH

Grundlagenseminar für Sachverständige 2011

Fachgruppe: Immobilien

Seminar Fachgruppe: Allgemeine Fortbildungen

Termine Dienstag, den 25. Januar 2011 um 19:00 Uhr Leckageortung an Dichtsystemen

Dienstag, den 22. März 2011 um 19:00 Uhr

Fachgruppentreffen

Standardisierte Ausschreibungen (LB-H)

Fachgruppe: Bauwesen

Fachgruppentreffen

Fachgruppe: Bauwesen

Sichtbeton

Dienstag, den 12. April 2011 um 19:00 Uhr

2-Tages-Intensivseminar

Bauschäden in Folge mangelhafter Luftdichtheit

Diese Veranstaltung kann nicht online gebucht werden.

Fachgruppentreffen

Fachgruppe: Veranstaltungen anderer Institutionen

Fachgruppe: Bauwesen

Samstag, den 12. Februar 2011 um 9:00 Uhr

Samstag, den 7. Mai 2011 um 9:00 Uhr

Grundlagenseminar für Sachverständige 2011

Grundlagenseminar für Sachverständige 2011

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FOTOS: KK

Donnerstag, den 27. Januar 2011 um 8:00 Uhr

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www.sv.co.at/kalender

Seminar

VERANSTALTUNGEN

Fachgruppe: Allgemeine Fortbildungen Zeitraum: 16. Jänner 2011 bis 21. Jänner 2011  Dienstag, den 24. Mai 2011 um 19:00 Uhr

33. Fachseminar „Bauwesen“

Änderung Stmk. Bauvorschriften 2011

für Sachverständige und Juristen

Fachgruppentreffen

16. bis 21. Jänner 2011 

Fachgruppe: Bauwesen

Ort: Kongresszentrum Bad Hofgastein Tauernplatz 1

Dienstag, den 21. Juni 2011 um 19:00 Uhr

5630 Bad Hofgastein 

Weiterentwicklung des Passiv- bzw. Klimaaktivhauses

e

FOTOS: KK

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„Das Reo-Domizil“

Zeitraum: 16. Jänner 2011 bis 20. Jänner 2011 

Fachgruppentreffen

8. Fachseminar „Spezielles aus Recht und Praxis im

Fachgruppe: Bauwesen

Sachverständigenwesen“ für Sachverständige und Juristen

Samstag, den 17. September 2011 um 9:00 Uhr

16. bis 20. Jänner 2011 

Grundlagenseminar für Sachverständige 2011

Ort: Kongresszentrum Bad Hofgastein

Seminar

Tauernplatz 1 , 5630 Bad Hofgastein 

Fachgruppe: Allgemeine Fortbildungen Zeitraum: 23. Jänner 2011 bis 28. Jänner 2011  Samstag, den 22. Oktober 2011 um 9:00 Uhr

34. Fachseminar „Straßenverkehrsunfall

Grundlagenseminar für Sachverständige 2011

und Fahrzeugschaden“

Seminar

für Sachverständige und Juristen

Fachgruppe: Allgemeine Fortbildungen

23. bis 28. Jänner 2011 

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Ort: Kursaal Bad Hofgastein Hamplplatz 1, 5630 Bad Hofgastein 

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Der Einfluss des Sachverständigen auf gerichtliche Entscheidungen

S

owohl in der juristischen Lehre, als auch in

terworfenen“ Betroffenen ein gewisses Unbehagen. Es

der Öffentlichkeit , in der Richterschaft und

soll daher versucht werden einige sachliche Gedanken

auch bei den Sachverständigen werden

darzustellen, welche von der Aufgabenteilung zwischen

immer häufiger Bedenken geäußert, dass

Richtern als Experten für das Rechtliche und Sachverstän-

in vielen Prozessen mit Beteiligung von

dige als Experten für das Tatsächliche ausgehen.

Entschei würdigung durch den Richter sei, da das Gericht in der

tatsachen, erfahrungs- und rechtssätze

Praxis nicht in der Lage sei, die Darlegungen des SV zu

Zum Inhalt der dem Richter und dem Sachverständigen

überprüfen. Der Richter lasse sich die Entscheidung vom

von den Prozessgesetzen zugeschriebenen Rollen ist

Sachverständigen abnehmen, er werde zum Erfüllungs-

dazu festzuhalten: Der Prozessstoff, den das Gericht zur

gehilfen des Sachverständigen. Die Sachverständigen

Entscheidung über einen Sachantrag benötigt, setzt sich

ihrerseits haben das Gefühl, ihnen werde die Verantwor-

aus Tatsachen, Erfahrungssätzen und Rechtssätzen zu-

tung für die Entscheidung übertragen. Mediale Kritik ver-

sammen.

steigt sich bis zur Feststellung, bei der Sachverständigen-

Tatsachen sind „konkrete, nach Raum und Zeit be-

tätigkeit handle es sich um „unkontrollierbare Parajustiz“

stimmte vergangene oder gegenwärtige Ereignisse oder

(profil vom 18.09.1989). Betrachtet man all diese Stand-

Zustände“. Erfahrungssätze beruhen entweder auf all-

punkte zusammenfassend, beschleicht den „normun-

gemeinen Lebenserfahrungen (z. B .ein Zeuge, der sich

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FOTOS: SISSY FURGLER

Sachverständigen nicht mehr viel Raum für eine Beweis-

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Prof.Dr. Jürgen Schiller über das Verhältnis Richter und Sachverständige in der Praxis

häufig widerspricht, ist unglaubwürdig) oder sind Erkennt-

Um dies dem Richter zu ermöglichen, muss der Sach-

nisse aus sachkundiger Tätigkeit in Wissenschaft, Kunst,

verständige die Tatsachen, die seine gutachtliche Über-

Handel, Gewerbe etc. Die Ermittlung von Tatsachen und

zeugung begründbar machen und die von ihm dazu

– im eingeschränkten Maß von Erfahrungssätzen – kann

verwendeten Erfahrungssätze so angeben, dass die Ver-

nach dem Gesagten nur die Aufgabe des Sachverstän-

fahrensbeteiligten, aber auch der Richter, die Vollstän-

digen sein: So sehen dies schließlich auch die Verfah-

digkeit, Richtigkeit und Überzeugungskraft des Gutach-

rensgesetze vor.

tens nachprüfen können.

FOTOS: SISSY FURGLER

eidungen Für die Rechtssätze gilt – von Ausnahmen abgese-

Erkennt man dabei aber, dass der Sachverständige

hen – der Grundsatz „iura novit curia“, sie können daher

notgedrungen kraft seines Fachwissens dem Richter

nicht Gegenstand eines Beweises welcher Art immer sein.

fachlich überlegen ist (ja sein muss, sonst wäre seine Tä-

Wenn nun diese Rollenverteilung in der Theorie so klar er-

tigkeit im Prozess wohl überflüssig), so wird ein gewisses

scheint, worin liegt dann in der Praxis das Problem?

Unbehagen aufkommen, wenn es darum geht darzule-

Einfach ist es zunächst für den Sachverständigen, sich

rechtlicher Wertungen zu enthalten. Gar nicht so einfach

gen, warum sich der Richter vom Gutachten überzeugt fühlt.

ist es hingegen für den Richter: Das Sachverständigen-

Vielleicht meldet sich hier das Gefühl des Richters, dass

gutachten ist schließlich ein Beweismittel wie andere

er sich deshalb dem Ergebnis des Sachverständigen an-

auch und ist daher vom Richter zu werten, zu würdigen.

schließt, weil es keinen zwingenden Anhaltspunkt

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Richter vertrauen auf die fachliche Qualität der Sachverständigen

gibt, es nicht zu tun., ohne dass rational nachvollzogen werden könnte, ob das Gutachten in der Sache zum richtigen Ergebnis geführt hat !

„ERFÜLLUNGSGEHILFE“ RICHTER? Im günstigsten Fall (wohl ein Idealfall!) kann dem Richter durch das Gutachten die vorher fehlende Beurteilungsund Begründungsfähigkeit vermittelt werden, sodass er, eventuell durch ergänzende Erfahrung mit gleichgelagerten Prozessen das Gutachten nachvollziehen und würdigen kann. In den meisten Fällen wird dies aber wegen der Komplexität und Kompliziertheit der Materie nicht möglich sein. Der Richter wird daher auf die Überprüfung der Einhaltung formaler Kriterien beschränkt sein und auf die fachliche Autorität des Sachverständigen vertrauen. Es tritt also an die Stelle der „Souveränität des bewertenden Urteils“ die „Souveränität des Fachwissens“. Beschränkt sich die Beweiswürdigung aber darauf, fällt der Aspekt der inhaltlichen Überprüfung des Gutachtens weg und es erhöht sich die Bindung des Richters an das Gutachten.

SÄKULARISIERTER GOTTESBEWEIS Wie kann das Gericht einer „Abdankung des Richters zu Gunsten des Sachverständigen“ und dem Vorwurf, das Sachverständigengutachten sei eine Art „säkularisierter Gottesbeweis“ oder eine „Expertokratie“, entgehen? Ist die Vorstellung einer sauberen Arbeitsteilung zwischen Gericht und Sachverständigem nur ein frommer Selbstbetrug auf Seiten der Richter? Realistischerweise müssen wir erkennen, dass sich sowohl das Gericht, als auch die Parteien und deren Vertreter in letzter Konsequenz bewusst sein müssen,

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STRATEGIE KOMMUNIKATION KOMMUNIKATION STRATEGIE STRATEGIE KOMMUNIKATION KOMMUNIKATION STRATEGIE STRATEGIE KOMMUNIKATION KOMMUNIKATION STRATEGIE STRATEGIE KOMMUNIKATION KOMMUNIKATION STRATEGIE KOMMUNIKATION STRATEGIE STRATEGIE KOMMUNIKATION KOMMUNIKATION STRATEGIE STRATEGIE KOMMUNIKATION KOMMUNIKATION STRATEGIE KOMMUNIKATION STRATEGIE Mag. Helmut Schoaß STRATEGIE KOMMUNIKATION Geschäftsführer KOMMUNIKATION STRATEGIE STRATEGIE KOMMUNIKATION KOMMUNIKATION STRATEGIE KOMMUNIKATION STRATEGIE KOMMUNIKATION STRATEGIE

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Sach

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Prof. Schiller: „Der Auswahl der Person müssen wir hohe Aufmerksamkeit und große Sorgfalt widmen.“

dass an die Stelle unmittelbarer persönlicher Über-

Die Auswahl des richtigen Sachverständigen hat aber

zeugung von der Richtigkeit eines Gutachtens nur die Er-

eine weitere Facette: Es muss mit Nachdruck auch von

kenntnis und die Überzeugung davon treten kann, dass

den Sachverständigen gefordert werden, sich ihrer fach-

der Sachverständige richtig gehandelt hat.

lichen Grenzen bewusst zu sein und im Zweifelsfall auch

Wie kann man sich aber dessen sicher sein?

einen Auftrag abzulehnen. sonst besteht die ernste Ge-

Dazu ist von allen an der Rechtsprechung Beteiligten die

fahr, eine fachlich falsche Entscheidung zu treffen, die im

Mitwirkung in folgenden Bereichen gefordert:

schlimmsten Fall gar nicht auffällt. Das gilt sowohl für die

> Bei der Auswahl der Sachverständigen

Fälle, in denen der Sachverständige seine Kompetenz un-

> Bei der Auftragserteilung

bewusst überschätzt, als auch für die, in denen er sich be-

> Durch eine Mitwirkung aller „vom Geschehen

wusst über die Grenzen seiner Fähigkeiten hinwegsetzt.

Betroffenen“ > Durch wirksame Inhaltskontrolle

Eines der wesentlichsten Instrumente zur Kontrolle des Sachverständigen im gerichtlichen Verfahren ist eine inhaltliche Kontrolle des Gutachtens durch dessen Erör-

auswahl des sachverständigen

terung mit den Parteien, erforderlichenfalls unter Zuhil-

Zunächst sollte der Auswahl der Person des Sachverstän-

fenahme eines Privatgutachtens. Letzteres zwingt den

digen sowohl bei der Eintragung in die Liste der allgemein

Sachverständigen zur Stellungnahme auf fachlicher Ebe-

beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen

ne und trägt so am besten zu einer sachbezogenen Erör-

als auch bei der Bestellung im einzelnen Verfahren hohe

terung des Gerichtsgutachtens bei.

Aufmerksamkeit und große Sorgfalt gewidmet werden.

Ein Zusammenwirken all dieser Maßnahmen garantiert

Die regelmäßige Rezertifizierung bewährt sich als weitere

letztlich, dass das Gericht nicht etwas feststellt, ohne dass

Qualität sichernde Maßnahme.

etwas bewiesen wäre.

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Sachverständiger2010_04_OK:PVInfo_1-06.qxd

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Seite 1

SACHVERSTÄNDIGE

Offizielles Organ des Hauptverbandes der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen Österreichs

Heft

4 2010

Aus dem Inhalt: DI Michael A. Plank, MEng Geschwindigkeitsrückrechnung bei ABS-geregelter Kurvenbremsung Mag. Franz Strafella, CIS ImmoZert Mietzinsbildung im Rahmen des Wohnhauswiederaufbaugesetzes und der Wohnbauförderungsgesetze Dipl.-Ing. Heinz Lukaschek Lichttechnik (LED, Xenon) im Straßenverkehr EurIng Dipl.-Ing. Franz Zankel Die „Elektrotechnikverordnung 2010“ vom 12. Juli 2010 Komm.-Rat Franz R. Steinbacher Beurteilung und Bewertung von historischen Fahrzeugen (Oldtimerbewertung)

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Hauptverband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen Österreichs Landesverband Steiermark und Kärnten, Griesgasse 10, 8020 Graz, Tel. +43 (0)316 711018-0 www.sv.co.at


SV Gerichtssachverstaendige