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limonistollen

48°  17’ 54.12” N 14°  16’ 54.34” O


abschlussarbeit für die prager fotoschule österreich dietmar stupka, februar 2013 bis jänner 2014 dietmar@reinform.at jahrgang 35 danke an casimir paltinger für die führung durch den stollen kurt hörbst für das wertvolle feedback rina und sepp puchner für den betrieb der prager fotoschule alle vortragenden der pfs für die vermittlung der basics quellen: wikipedia, casimir paltinger fotografie, text, satz, layout: dietmar stupka druck: blurb auflage: 5 stück


48°  17’ 54.12” N 14°  16’ 54.34” O

limonistollen


draußen ist es einer der heissesten tage des jahres, drinnen hat es konstante zehn grad celsius – aufgrund des temperaturunterschiedes ist die luft feucht und nebelig, seinen eigenen atem sieht man wie an kalten wintertagen. wegen dieser konstant niedrigen temperaturen wird der limonistollen ursprünglich gegraben, er dient vor allem der herstellung und lagerung von bier. im zweiten weltkrieg wird die stollenanlage von den nationalsozialisten für die verwendung als luftschutzbunker weiter ausgebaut. der linzer bauernberg besteht aus sand und bietet somit ausreichend schutz vor den bomben der alliierten. aufgrund des zunehmenden mangel an arbeitskräften werden häftlinge der umliegenden konzentrationslager eingesetzt. die bauleitung untersteht der waffen-ss, mit der durchführung der arbeiten sind private firmen beauftragt. die arbeit im stollen ist hart und gefährlich, es wird im schichtbetrieb zu je zwölf stunden gearbeitet.

die häftlinge sind direkt in dem stollen untergebracht und werden von etwa 50 ss-männern bewacht. wird ein häftling zu schwach für die harte arbeit, droht der rück- transport ins lager und damit der sichere tod. gebaut wird mit unterschiedlichen materialien, neben rötlichen ziegeln wird in den feuchten regionen der stollen mit beton ausgekleidet. um für den ausfall der elektrischen beleuchtung gerüstet zu sein werden an den wänden leuchtstreifen und pfeile mit phosphoreszierender farbe aufgetragen. während im benachbarten märzenkeller eine maschine für den bau des stollens zur verfügung steht, wird im limonistollen alles von hand gegraben. das aushubmaterial besteht großteils aus sand und findet verwendung in den linzer hitler-bauten die zu dieser zeit entstehen. der stollen kann lediglich schutz vor konventionellen angriffen bieten, aufgrund fehlender gasdichter türen ist kein schutz vor chemischen oder biologischen

angriffen gegeben – die aber zum glück auch nicht stattfinden. vor dem eingang in den stollen wird eine massive mauer errichtet, sie soll die druckwelle abhalten sollte eine bombe direkt vor dem eingang detonieren. der limonistollen soll mehr als 1.500 personen schutz bieten, die ausstattung ist für längere aufenthalte vorgesehen – so gibt es elektrisches licht, sanitäre einrichtungen sowie ein notspital. in anderen bereichen der stollenanlage sind befehlsstellen für die gauleitung, die partei und polizei eingerichtet. mit beginn der ersten großen angriffswellen werden die bautätigkeiten eingestellt. im falle eines bombenangriffs sind alle personen aufgerufen sich mit persönlichem gepäck zu dem nächstgelegenen stollen zu begeben, die alarmierung erfolgte mittels dem “kuckuck” im radio unmittelbar nach der sichtung der bomber, dann blieben etwa noch zwanzig minuten zeit um sich in sicherheit zu bringen – ältere, kranke

und schwache personen hätten das vermutlich nicht geschafft. in der nacht erfolgt keine alarmierung. häftlingen aus den umliegenden lagern die in den linzer hermann göring werken zu arbeiten hatten war der zugang jedenfalls nicht gestattet. das bombardement der alliierten auf österreich beginnt im august 1943, der anflug der bomber erfolgt aus dem süden gleichermaßen für ziele in wien, salzburg, krems und linz – so ist das eigentliche ziel des bombardements zum zeitpunkt der alarmierung nicht absehbar. die ersten angriffe gelten überwiegend zielen in der gegend rund um wien, entsprechend hoch ist die anzahl der fehlalarme in linz. die bevölkerung gewöhnt sich zunehmend an die falschen alarme und beginnt sie zu ignorieren, der erste große bombenangriff auf linz fordert somit die meisten todesopfer unter der zivilbevölkerung. die angriffe auf linz gelten zwar ausschließlich der waffenindustrie und der infrastruktur – und sind nicht


direkt gegen die zivilbevölkeund damit eine wesentlich im stollen zur verfügung rung gerichtet. aufgrund der größere spur der verwüstung stehen herrschen keinesfalls reichweite der fliegerabwehr hinterlässt als die amerikaner besonders gute hygienische auch einige spitzel unter die der deutschen wehrmacht in linz – mit splitterbomben bedingungen, es stehen im schutzsuchenden mischen. von ca. 10.000 metern höhe werden beispielsweise in köln gesamten limonistollen le- in den letzten kriegsmonaten erfolgt der bombenabwurf zuerst die dächer zerstört, in diglich fünfzehn toiletten zur herrscht daueralarm in linz, es aus noch größeren höhen einer zweiten angriffswelle verfügung. ein aufenthalt ist ist jederzeit mit einem angriff was zu einer entsprechenwerden phosphorbomben lediglich in den abgetrenn- aus der luft zu rechnen. viele denungenauigkeit führt. oft abgeworfen und die gebäuten räumen – die sich als menschen übersiedeln mit werden auch umliegende de gehen in flammen auf. seitenstollen beiderseits der ihrem verbleibenden besitz städte wie puchenau fälsch- mit diesen gezielt gegen die hauptwege befinden – ge- in die stollen und verbringen licherweise für linz gehalten zivilbevölkerung gerichteten stattet, die gänge haben für die zeit bis zum ende des und angegriffen. im raum angriffen soll die deutsche den transport frei zubleiben. krieges vollständig untertags eferding wird eine scheinmoral ruiniert und eine für eine ausreichende versorohne sonnenlicht mit demstadt mit rauchenden schornkapitulation deutschlands gung mit frischluft werden entsprechenden kämpfen steinen und vielen lichtern erzwungen werden. für mehrere lüftungsmaschinen um die freien plätze und errichtet und bei anflug des diejenigen die es in linz rechteingesetzt, die luft von der ein bisschen privatsphäre. feindes in betrieb genommen zeitig in den stollen schaffen oberfläche ansaugen und nach dem ende des zweiten um die angreifer zu täuschen beginnt mit dem ende des im stollen über ein schachtweltkriegs ist der stollen und von linz fernzuhalten. angriffs eine zeit des wartens. system verteilen. da die luft lange zeit offen geblieben nachts herrscht in den städdie bomben sind teils mit ungefiltert angesaugt wird und wurde somit vielseitig ten beleuchtungsverbot um chemisch-mechanischen gelangen aber auch brandga- genutzt. verwertbare gegenden angreifern kein erkennlangzeitzündern ausgestatse in den stollen. zum ende stände wie waschbecken und bares ziel zu bieten. während tet welche die explosion des krieges hin wird die ver- klomuscheln sind vermutlich österreich fast ausschließlich verzögern und hierdurch zweiflung der nationalsoziaunmittelbar nach kriegsenvon den amerikanern bom- berge- und aufräumarbeiten listen zunehmend sichtbarer, de entfernt und woanders bardiert wird erfolgt das behindern sollen. zur entso wird beispielsweise wie weiterverwendet worden. flächendeckende bombarschärfung dieser bomben in der antike urin in großen der limonistollen ist keinesdement deutscher städte und blindgänger werden behältern gesammelt und in falls der einzige dieser art in durch die britische luftwaffe, unmittelbar nach ende des den nahen stickstoffwerken linz, auch der märzen- oder die als gegenreaktion auf die eigentlichen angriffes die zu ammoniak weiterveraraktienkeller werden ähnlich verheerenden angriffe auf häftlinge aus den konzentra- beitet. kritik an der reichsfühverwendet, unter dem rölondon durch die wehrmacht tionslagern eingesetzt. auch rung ist im stollen generell merberg finden sich ebenfalls auch brandbomben einsetzt wenn sanitäre einrichtungen unangebracht da sich immer umfangreiche stollenanlagen.


f端r die opfer des zweiten weltkrieges


stollen


bierfass abdruck


werkzeugspuren


sanit채rraum


wasserrohr


abflussrohre


urinsammelbeh채lter


gangbeschriftung


zeitung


stollen


unvollendeter seitenstollen


werkzeugspuren


stromverteilerkasten


motor


lampenfassung


lampe


typenschild


l端ftungsmaschine


schimmel


l端ftungsschacht


phosphoreszierender pfeil


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