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ALLTAG

25.7.2019, Nr. 7

Elsbeth Haslinger studiert vor einem Lauf genau die OL-Karten. (sg)

Ohne Laufen geht es nicht Elsbeth Haslinger betreibt Orientierungslauf von Susanne Gutknecht Die Brüttenerin Elsbeth Haslinger braucht den Orientierungslauf wie andere Menschen die Luft zum Atmen. Mit 77 Jahren nimmt sie noch regelmässig an Orientierungsläufen und Weltmeisterschaften teil. «Ich bin nicht süchtig nach Orientierungsläufen», erklärt Elsbeth Haslinger lachend, «es ist einfach ein grosses Vergnügen für mich.» Die 77-jährige Brüttenerin fröhnt ihrem Hobby an rund 50 Läufen pro Jahr – also fast jedes Wochenende einer. «Mir gefällt es einfach, mich in der freien Natur zu bewegen. Zudem lerne ich so sehr viele Gebiete in der Schweiz und überall auf der Welt kennen, die ich sonst nie besuchen würde», erklärt die zierliche Frau. Wären es immer dieselben Läufe, ginge sie mit Sicherheit nicht hin. Gerade zurück von einem OLMeisterschaftsrennen Ende April in Litauen, zeigt Haslinger mit Begeisterung die verschiedensten Kartenausschnitte von ihren OL-Läufen. «Ich habe von 64 Jahren Orientierungslauf natürlich bereits sehr viele Karten gesammelt. Da gibt es grosse

Unterschiede, einige Karten sind sehr detailliert, andere wiederum zeigen die Sperrgebiete zu wenig, so dass man sich im Gelände orientieren muss und entscheiden, welchen Weg man zum nächsten Posten wählt.» Elsbeth Haslinger ist vor allem in der Stadt eine starke Läuferin: «Meine Gegnerinnen sagen immer wieder, dass ich sehr schnell die Richtung erkenne nach einem Posten und bereits wieder weg sei, bis sie sich orientiert hätten.» Regelmässiges Training Wichtig sei natürlich, dass man Karten lesen könne. Genauso wichtig sei jedoch auch die Lauftechnik. Daher trainiert Elsbeth Haslinger auch nach so vielen Jahren regelmässig und auf Zeit. «Ich habe eine fixe Runde in Brütten, die ich jeweils fünfmal renne und die Zeit messe. Dann sehe ich, wo ich in etwa stehe.» Daneben geht Haslinger ins Fitnesstraining für den Muskelaufbau und joggt mit der Weste im Wasser, im Sommer im Freibad, im Winter im Hallenbad. Einmal pro Woche gönnt sie sich eine Pause, allerdings: «Für mich ist der wöchentliche Einkauf von Lebensmitteln anstrengender als der Sport, der eine Herzensangelegenheit ist.»

Dank ihrer Passion für den Orientierungslauf, die ihr Lebenspartner teilt, kommen sie in der Welt herum: Schweden, Finnland, Littauen, Tasmanien… die Liste ist mittlerweile lang und die Karten und Medaillen stapeln sich im Keller. «Je nach Anreisezeit, hängen wir jeweils noch eine Woche Ferien dran oder gehen früh genug, um uns zu akklimatisieren. Als Rentner haben wir die Zeit dazu.» Bei Rennen ausserhalb der Schweiz kann Elsbeth Haslinger auch in anderen Kategorien starten – in der Schweiz gibt es ab 75 Jahren nurmehr eine Kategorie. Zudem kennen sich die Teilnehmer mittlerweile untereinander, vor allem diejenigen aus der Schweiz, so dass sie auch Freunde über den Sport gefunden haben. Verschiedene Terrains fordern In anderen Ländern sind die Läufe jeweils alle ein wenig anders: «In Schweden gibt es fast keine Wege in den Wäldern, wie wir sie kennen. Das Terrain ist flacher, wo in Finnland viel mehr Sümpfe zu finden sind. Wir waren auch schon in Litauen in Dünen – das war sehr anstrengend. Solche Bedingungen müsste man mehr trainieren können.» Ihr Lieblingsland ist Finnland. Vor Wettkämpfen könne

man zwar das Gelände erkunden und dürfe sich auf nahen OL-Strecken auch mit den Eigenheiten vertraut machen, jedoch: «Das Gebiet, in dem der OL stattfindet, ist gesperrt vor Läufen und ebenso ist es verboten, sich mit einer Karte dort aufzuhalten.» Das sei ein Ehrenkodex, den niemand in der Szene breche. Eiserner Wille Den OL in Dänemark wird Elsbeth Haslinger kaum je vergessen, hatte sie doch während des Laufes einen Herzinfarkt. Ihrem Willen und ihrer Konstitution verdankt sie es, dass sie bereits sieben Wochen später wieder an einem Lauf teilgenommen hat. Auch eine künstliche Hüfte oder ein Kniegelenk sind kein Grund, keine Rennen mehr zu laufen. «Mit dem nötigen Aufbau und einem massvollen und zielgerichteten Training kann ich das gut kontrollieren», sagt die Läuferin. Zudem ernähre sie sich gesund. Ein grosses Ziel wäre, mit 80 Jahren an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Man weiss zwar noch nicht, wo die WM stattfinden wird in drei Jahren, aber Haslinger hofft, gesundheitlich noch fit zu sein. Ziele hat sie bereits: nicht nur dabeisein – sondern auch gewinnen! ■

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dorfblitz Juli 2019  

Unabhängige Monatszeitung für die Gemeinden Bassersdorf, Brütten und Nürensdorf.

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