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REGJO TITELTHEMA 61

„Pflege Angehöriger kann teilweise zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses führen“ Ulrike Pietrzyk, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Dresden, im Gespräch über das Projekt „Gesund und leistungsfähig – Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeverantwortung“. Dr. Ulrike Pietrzyk studierte Psychologie und promovierte an der TU Dresden. Seit 2007 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe Wissen-Denken-Handeln, mit dem aktuellen Arbeitsschwerpunkt: Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeverantwortung.

Interview: Anja Bonitz Fotografie: SZENESHOOTING.DE Inhaber Tobias Ebert

Die Gesellschaft befindet sich in einem demografischen Wandel. Was bedeutet die bevorstehende Verdopplung der Pflegebedürftigen und die verringerte Zahl der Erwerbstätigen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber? Einen unmittelbaren Niederschlag findet diese Entwicklung im Pflegesektor, in dem bereits heute ein Fachkräftemangel zu verzeichnen ist. Aus diesem Grund müssen zukünftig auch Angehörige in die Pflege mit einbezogen werden. Für Unternehmen bedeutet es, dass immer mehr Beschäftigte neben dem Beruf Pflegeaufgaben übernehmen. Die Doppelbelastung durch Pflege und Beruf kann bei fehlenden Unterstützungsmöglichkeiten zur Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit, einem erhöhten Krankenstand und teilweise sogar zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses führen.

Wie konnte es zu dem vorliegenden Fachkräftemangel im Pflegebereich kommen? Der entstehende auch altersbedingte Ersatzbedarf an Fachkräften trifft auf die erhöhte Nachfrage, die nicht bedient werden kann, da sich nur eine geringe Anzahl von Schulabgängern für diesen Beruf entscheidet. Gründe werden unter anderem im mangelnden Ansehen des Berufes, den geringen Aufstiegschancen und den eingeschränkten Verdienstmöglichkeiten gesehen. Die Mehrfachbelastung durch Beruf und Pflege plus eventuelle Kinderbetreuung ist sehr schwer zu organisieren. Welche Möglichkeiten gibt es, dies zu händeln? Zunächst sieht der Gesetzgeber verschiedene Möglichkeiten vor. Entsprechend dem Pflegezeitgesetz kann sich jeder pflegende Angehörige bis zu zehn Tage unbezahlt pro

Kalenderjahr freistellen lassen. Eine Freistellung von bis zu sechs Monaten muss beantragt werden. Seit dem 1. Januar 2012 ist zudem das Gesetz über die „Familienpflegezeit“ in Kraft getreten. Auch der Arbeitgeber kann etwas leisten. Um pflegende Mitarbeiter im Unternehmen zu halten, ist Offenheit und Transparenz bezüglich des Themas erforderlich. Vereinbarkeitslösungen können z.B. durch arbeitsorganisatorische Maßnahmen, wie etwa flexible Arbeitszeiten, zur Entlastung der Mitarbeiter beitragen. Sie bieten praxisnahe Unterstützung für Unternehmen. Wie funktioniert das bzw. wie ist Ihr Projekt aufgebaut? Der Arbeitgeber erhält anhand eines Kurztests erste Informationen zum aktuellen und zukünftigen Vereinbarkeitsbedarf. Interessierte Unternehmen werden im Rahmen der Projektlaufzeit bei der Entwicklung von passenden Lösungen kostenneutral begleitet. Als neutrale Institution kommen wir hier mit Beschäftigten ins Gespräch und stecken gemeinsam betriebliche Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege mit ab. Nach Abschluss des Projektes erhalten die Unternehmen die entwickelten und erprobten Lösungsansätze in einer Art Baukastensystem mit kommentierten Fallbeispielen. www.beruf-pflege.org

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Regjo 04/2013  

Das Magazin für Wirtschaft und Kultur aus Mitteldeutschland

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