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30. AUSGABE

REGJO Das Magazin f端r Wirtschaft und Kultur aus Mitteldeutschland

3/2012

3,90 EUR

ISSN 1614-2837 www.regjo-leipzighalle.de

MEHR RAUM


»Mehr Raum für mehr Werte« Erste deutsche Dampflokomotive „Saxonia“ Konstrukteur: Prof. Johann Andreas Schubert Deutschland, Wernesgrün (Vogtland), 1838

: eutschland ld e t it M in Ort e, Für Sie vor Erfurt, Hall , n e d s e r D z, in Chemnit deburg. g a M d n u Leipzig

IHR ZUHAUSE IN LEIPZIG Liebe Leserinnen, liebe Leser, ab 30 ist alles anders? In eigener Sache dürfen wir Sie auf das allerherzlichste mit der 30. REGJO-Hauptausgabe überraschen. Auf 150 Seiten portraitieren wir bildund wortreich die faszinierende und stets noch mit einem Pioniergeist umgebene Region Mitteldeutschland. Von einem innovativen Radiosender aus SachsenAnhalt und der Berührung der slawischen Seele, dem Netzwerk auf hoher See bis zur Anleitung zur Bürgerbeteiligung berichten wir in der Rubrik „Innovation & Tradition“. Unser Titelthema lädt ein zu einem Stadt- und Höfe-Spaziergang in architektonischer Schönheit und Genialität und unternimmt einen Ausflug in die neue Freiheit auf und an den Seen der Region. Hier liegt die Zukunft zum Greifen nah, für Bewohner und Touristen. Der Verbund der Seen wird definitiv eine eigene Seenplatte im mitteldeutschen Raum bilden. Kunst am Bau mit 1 Prozent? Wir zeigen, wie Kostüme um den bebauten Raum gelegt werden und warum das Völkerschlachtdenkmal schon damals das Denk-Mal war, das es heute ist. Den roten Faden spinnen wir im Kulturteil weiter und verbinden die Kunst mit der Architektur. Was haben Richard Wagner und Sebastian Speckmann gemeinsam? Beide sind Teil der Kultur in Vergangenheit und Gegenwart und finden Raum und Platz im 40-seitigen Kulturteil.

Mitten in der historischen Altstadt von Leipzig liegt das 4-Sterne Seaside Park Hotel. Hinter der denkmalgeschützten Fassade finden Sie 288 Zimmer im Art-Deko-Stil, einen Wellnessbereich, Tagungs- und Banketträume, das „Nikolai Bistro“ und den „Steaktrain“, das etwas andere Steakrestaurant. Park Hotel · Richard-Wagner-Str. 7· 04109 Leipzig Telefon: 0341 / 98 52-0 · Fax: 0341 / 98 52-750 info@parkhotelleipzig.de · www.seaside-hotels.de

Wir wünschen Ihnen echten Lesespaß; charmant, erklärend, wissend und mit einem Zwinkern. Denn Naivität ist die Kunst, noch berührt zu werden.

Antrieb. Made in Germany. Mit der regional verwurzelten Sachsen Bank. Die Dampflokomotive steht für Antriebskraft und Fortschritt. So wie die Sachsen Bank mit ihrem leistungsstarken und zukunftsweisenden Produkt- und Dienstleistungsangebot. Als ein Unternehmen der LBBW-Gruppe bietet sie Ihnen die umfassende Kompetenz

Ein Unternehmen der LBBW-Gruppe

eines erfahrenen, flexiblen Finanzdienstleisters und die besondere Kundennähe einer eigenständig agierenden Regionalbank. Weitere Informationen unter www.sachsenbank.de

Herzlichst, Ihr Claus-Peter Paulus Erleben Sie kulinarische Höhepunkte in stilvollem Ambiente Genießen Sie täglich von 18 bis 24 Uhr unsere Steaks aus US Rumpsteak oder vom Holstein Rind gegrillt auf einem 300 °C heißen Lavagrill und ergänzen Sie dazu diverse Saucen und frische Beilagen. Unsere Tatars vom Rind, Lachs oder Thunfisch sind ein ganz besonderes Geschmackserlebnis. Richard-Wagner-Str. 7 · 04109 Leipzig · Tel.: 03 41/98 52-0 · Fax: -750


REGJO

01 Editorial

55 Lebendige Erde

INHALT 3

Energie & Umwelt

Lehm als Baustoff

05 4 Köpfe – 4 Meinungen 56 Halle (Saale) City-Portrait

Innovation & Tradition 08 IHK zu Leipzig

Feinste Veränderungen spüren

58 RKW Architekten Kontinuierlich erfolgreich

98 Einsparpotenzial und steigende Preise 101 Kältespeicher Wie aus Kälte Wärme wird

Im Interesse der Wirtschaft

62 LWB Leipzig

EXKLUSIV FÜR REGJO LESER Leipzig „Sorglospaket“ zur Advents- und Weihnachtszeit · Zwei Übernachtungen für zwei Personen im Art-Deco-Doppelzimmer · inkl. Seaside Frühstücksbuffet · ein winterlicher Welcomedrink · ein Abendessen im Restaurant Weihnachtliches 3-Gang Menü, inkl. einem Getränk zum Essen · Kostenfreie Nutzung des Wellnessbereiches · Stadtrundfahrt mit dem Oldtimerbus · Eintrittskarten zum Besuch des Asisi Panometer Leipzig · Hin- und Rückfahrkarte mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Panometer

10 dimensio informatics Wir stellen das Start-up-Unternehmen vor, das sich Geschwindigkeit auf die Flagge geschrieben hat.

14 Interview „Die Kultur der Beteiligung lernen“

Buchbar unter Stichwort „Regjo Sorglospaket“ nach Verfügbarkeit im Zeitraum 16.-28.12.2012

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Kultur

68 Flughafen Leipzig/Halle (Saale) Einsteigen und Durchstarten

72 Michael Fischer-Art

106 Titelthema Wir haben uns unter dem Aspekt Bau-Kunst in Mitteldeutschland umgesehen.

Kunst im Großformat

112 Wagners Sachsen 16 Jahresringe Halle (Saale) Unternehmenserfolg mit 50plus

74 Völkerschlachtdenkmal

200. Geburtstag von Richard Wagner

Von der Idee zur Entstehung

115 Tanztheater Jena

Regionale Wirtschaft 21 Lila Kuh

Theater in Bewegung

Seensucht Mitteldeutschland

118 Direktor Andreas Schulz im Interview

40

über den Sponsor‘s Club des Gewandhauses

Veränderte Strukturen in der Bevölkerung und der Wirtschaft fordern die Stadt- und Regionalentwicklung heraus. Auch die Immobilienbranche muss die Raumentwicklung der Zukunft mit bedenken..

Kunsthofpassage in Dresden

78 Zwenkauer See 23 Hutmacherin

Ein Platz zum Anlanden

123 Neue Austellung „Dämmerung“ im Klinger Forum Leipzig

In Paris auf den Hut gekommen

82 Immobilien Geiseltalsee 24 Sachsen Sail 2012 Im Segelboot nach Riga

Grund für Ferienhäuser und gewerbliche Immobilien

128 Georg Brückmann Realität der Absurdität

130 Kultur-Talente 28 International Spirit Meets Slavic Soul

Pa k e t p r e i s f ü r R E G J O L e s e r 236,00 €

Wohnungsgesellschaft als Luftverbesserer

84 Zeit für Pläne

Wir stellen Künstler aus der Region vor

Teilfreigabe Geiseltalsee

132 Designers' Open 2012 30 Kinderbuch Gabriel and the Cheeky Monkeys

86 Baggerbiss Lindenauer Hafen

Innovative Konzepte und Produkte

Visionen werden Wirklichkeit

134 Bücherbox Mitteldeutschland

Titel: Immobilien & Architektur

92 Landkreis Leipziger Land Die Wasserwirtschaftsregion

European Media Artist

94 Leipziger Neuseenland Wassertourismus um 22 Seen

34 Interview mit Prof. U. Hausmann Städteplanung ohne Dogma

138 Werkleitz 2012

140 Kulturkalender Herbst 2012 Eine Auswahl sehenswerter Veranstaltungen

96 Belantis Interview mit Nikolas Job

144 Wussten Sie ...?

40 Stadt, Land, Frust Bauen & Wohnen Mitteldeutschland

50 Internationale Bauausstellung Das Unmögliche möglich machen

Johannapark – Fotograf: Andreas Schmidt

144 Impressum

106

Wir haben uns unter dem Aspekt Bau-Kunst in Mitteldeutschland umgesehen. Das Krochhochhaus, das architektonisch an den Torre dell’ Orologio in Venedig erinnert, und andere Gebäude in Jena, Magdeburg, Dessau und Erfurt sind uns aufgefallen.


REGJO

Christian Carius

Carmen Niebergal

Dr. Ulrich Koenitz

MEINUNG 5

Mark Aretz

4 Köpfe – 4 Meinungen Die individuelle Wohnqualität wird von den unterschiedlichsten Faktoren bestimmt. So spielen zum Beispiel die Identität der Wohnenden, ihre sozialen Bezüge zum Umfeld, Aspekte der Architektur sowie der Stadtteilstruktur eine wichtige Rolle. REGJO fragt nach: Wie wohnen Sie und warum haben Sie sich dafür entschieden?

Christian Carius, Thüringer Minister für Bau,

Landesentwicklung und Verkehr:

„Seit vielen Jahren lebe und wohne ich in der Kreisstadt Sömmerda, im Herzen Thüringens. Mit der Familie. Dabei spielt das Miteinander der Generationen eine tragende Rolle. Aber auch der Freundeskreis und die Nachbarschaft sorgen für Heimatverbundenheit und Lebensqualität. Der Bummel durch die schöne Altstadt mit ihrer historischen Stadtbefestigungsanlage fasziniert immer wieder unsere Besucher. Und zum geselligen Beisammensein im Zentrum der Stadt laden gemütliche Kneipen und Restaurants ein. Sömmerda ist mir ans Herz gewachsen. Ich komme immer wieder gern nach Hause.“ Carmen Niebergal, Landesgeschäftsführerin des Bundesverbands für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft Sachsen-Anhalt:

„Wir wohnen in einer schönen, mit alten Bäumen bestandenen Straße im Magdeburger Stadtteil Sudenburg. Eine Fabrikanten-

villa aus der Gründerzeit teilen sich heute fünf Mietparteien. Was uns an der Lage begeistert hat: im Grünen zu wohnen und zugleich mitten in der Stadt – ins Zentrum sind es nur wenige Minuten. Sudenburg ist noch ein bisschen wie ein Dorf. Beim Einkaufen hält man einen Schwatz mit der Fleischersfrau. Da ich als Selbständige zu Hause arbeite, genieße ich die großen hellen Räume des alten Hauses und besonders den Garten, den wir gemeinsam bepflanzen und hegen und der mir Kraft gibt für neue Ideen.“ Dr. Ulrich Koenitz, Bauingenieur in Dresden:

„Wohnen bedeutet in der heutigen Zeit mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Wir wohnen in einer Mietwohnung in ruhiger Lage, relativ zentrumsnah. Die gesellschaftliche Infrastruktur, Kulturangebote, Konsummöglichkeiten und die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sind für uns neben der Heimatverbundenheit wichtige Aspekte, weswegen wir in dieser schönen Stadt leben. Die aufgelockerte und abwechs-

Bildnachweis: Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, Carmen Niebergall, Dr. Ulrich Koenitz, fmp foto-media-print

lungsreich gestaltete Bebauung mit vielen begrünten Bereichen sowie die Nähe zu Freunden und Verwandten sind für uns wesentliche Argumente für das gewählte Stadtgebiet. Bei der Wohnungswahl achteten wir besonders auf einen ausgewogenen Grundriss, eine geräumige Küche, Balkon und Bezahlbarkeit.“ Mark Aretz, Architekt in Leipzig:

„Ich wohne in einer Altbauwohnung, im Jugendstil, im Mehrfamilienhaus, in der Innenstadt. Dies ist sicher kein Zufall. Hierin konzentriert sich als Essenz im Kleinen viel von der Identität Leipzigs im Ganzen und das, was die Qualitäten dieser Stadt ausmacht: Dichte und Urbanität, Selbstverständnis als Bürgerstadt, historisches Bewusstsein, hohe Ansprüche an die Qualität der Gestaltung der gebauten Umwelt, die Bewahrung des kulturellen Erbes als eine Brücke, die Werte, Lebensgefühl und Stil vergangener Epochen nicht nur museal, sondern im Alltag materiell erfahrbar lebendig hält.“


REGJO

Bildnachweis: Bernd Werner

Bildnachweis: Univations GmbH

6 INNOVATION & TRADITION

Das 4. INVESTFORUM – Eine positive Bilanz

Unternehmensvitalität

Auf der größten Matchingveranstaltung für Beteiligungskapital in Mitteldeutschland vernetzen sich einmal jährlich Startups mit potentiellen Investoren

Fachtagung des Metabalance Institutes – Vitalitätsindex auf dem Prüfstand

Der Takeoff gestaltet sich für junge Unternehmen oftmals schwierig. Die Umsetzung innovativer Ideen, auch wenn sie tragfähig sind, benötigt nachhaltige, manchmal alternative Finanzierungskonzepte und dafür passende Investoren. Entsprechende Partner zu finden ist allerdings keine leichte Aufgabe. In Sachsen-Anhalt bietet das INVESTFORUM hierfür optimale Möglichkeiten. Am 12. und 13. September vernetzten sich auf der diesjährig in Magdeburg stattfindenden größten Matchingveranstaltung für Beteiligungskapital Mitteldeutschlands zum 4. Mal junge Unternehmen mit potentiellen Investoren. Marco Tullner, Staatssekretär des Ministeriums für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen- Anhalt, eröffnete das Forum mit der Abendveranstaltung, auf der in Vorträgen und Podiumsdiskussionen Internationalisierung, Wagniskapital und die Bedeutung von Investitionen in SachsenAnhalt thematisiert wurden. Die aus 65 Bewerbern ausgewählten 18 Gründerteams stellten im Verlauf des nächsten Tages ihre Ideen im Rahmen 10-minütiger, gut moderierter Pitches potentiellen Investoren wie zum Beispiel Venture Capital Gebern, Business Angels, Banken oder Vertretern von Family Offices vor. Das breite

Ziel der Tagung am 28. November in Leipzig ist es, eine regionale Netzwerks- und Weiterbildungsplattform zum Thema Unternehmensvitalität und Betriebliches Gesundheitsmanagement zu etablieren, um Unternehmen regionale, umfassende und praxistaugliche Informationen und Lösungsangebote zu vermitteln. Der Vitalitäts-Check-up eines Unternehmens umfasst mehr als Gesundheitsfragen und Arbeitsplatzbegehung. Die neue DIN zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement und die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) 2013 stellen Herausforderungen für Unternehmen dar und zeigen Wege zu mehr Unternehmensvitalität auf. Zu leisten sind diese Anforderungen jedoch von den Unternehmen selbst, um Themen wie leistungsverträglichere Arbeitsorganisation, Umgang mit psychischen Belastungen, die Gestaltung des demografischen Wandels oder die Attraktivität als Arbeitgeber in Zeiten des Fachkräftemangels wettbewerbswirksam handhaben zu können. Das Metabalance Institut für Ganzheitliches Gesundheitsmanagement und Prävention versteht sich als Dienstleister rund um das Thema Unternehmensvitalität. CP

Weitere Informationen finden Sie unter: www.investforum.de

Spektrum aus den Bereichen Erneuerbare Energien und Rohstoffe, Clean Tech, Materialwissenschaften, Chemie, Pharma, Medizintechnik und Software bot Abwechslung und motivierte nicht nur die Investoren, sich im Nachfeld der Pitches auf der begleitenden Unternehmermesse mit den Startups zu vertiefenden Gesprächen zu finden. Dr. Ulf Marten Schmieder, Geschäftsführer der Univations GmbH Institut für Wissenschafts- und Technologietransfer, die das INVESTFORUM veranstaltet, zieht eine positive Bilanz. Von den 82 Unternehmen, die sich seit Bestehen des INVESTFORUM präsentierten, konnten 27 eine Finanzierung abschließen. Wichtige Zielsetzung, das betont Dr. Schmieder, ist die Entwicklung eines gesunden Mittelstandes in der Region. Prof. Dr. Birgitta Wolff, Ministerin für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt und Schirmherrin des INVESTFORUMS, unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit der Förderung junger wissensintensiver Unternehmen, „denn dies lässt hochwertige Arbeitsplätze entstehen, sorgt für steigende Einkommen und Wohlstand und sichert langfristig die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.“ Das 4. INVESTFORUM – eine gelungene Veranstaltung zu einem guten Konzept. DT

Weitere Informationen finden Sie unter: www.unternehmensvitalität.de

Kristjan Järvi

Der neue Chefdirigent des MDR SINFONIEORCHESTERS

0341.14 14 14

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8 INNOVATION & TRADITION REGJO

REGJO

150 Jahre im Interesse der Wirtschaft

STÄDTISCH

INNOVATION & TRADITION 9

ENGLISCH

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig begeht ihr 150. Gründungsjubiläum. Seitdem ist sie erste Ansprechpartnerin für Firmen – von der Gründung über Expansion bis zur Nachfolgeregelung.

Repros: IHK zu Leipzig

Große Aufgaben in großer Zeit Leipzig war zu dieser Zeit vor allem durch seine Verlage und die grafische Industrie bekannt. Auch im Maschinen- und Anlagenbau – eng verknüpft mit der polygrafischen Industrie – war Leipzig führend. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Textilfabriken, insbesondere die großen Kammgarnspinnereien. Auf die Kammern kamen große Aufgaben zu. Zum einen musste mit der Reichseinigung von 1871 die volle Freiheit des Waren- und Kapitalverkehrs hergestellt, Maße, Münzen und Gewichte angeglichen werden. Eine gemeinsame deutsche Handelspolitik verlangte auch die Entwicklung einer entsprechenden Infrastruktur, die bisher häufig durch die Kleinstaaterei im Reich verhindert wurde. Auch die Anfänge der staatlichen Sozialpolitik mussten mit den Interessen der Unternehmen in Einklang gebracht werden. Die Leipziger Kammer hatte sich zudem noch um die Messeangelegenheiten zu kümmern, eine Sache von überregionaler Bedeutung. Und sie engagierte sich sehr früh für das höhere Bildungswesen. Mit ihrer Hilfe konnte 1898 die Handelshochschule in Leipzig gegründet werden − die erste deutsche private Hochschule für Betriebswirtschaftslehre.

hallelife® – eine Stadt auf einen Klick Spielend lernen Aus Halle für Halle lautet die Devise. Eine Internetplattform setzt sich für ein positives Stadtimage ein.

Der Mortimer English Club bringt Kindern und Erwachsenen das Englische näher.

Heute vertritt die IHK zu Leipzig die Interessen von insgesamt mehr als 67.000 kammerzugehörigen Unternehmen und Gewerbetreibenden im IHK-Bezirk Leipzig, zu dem die Stadt Leipzig, der Landkreis Nordsachsen und der Landkreis Leipzig gehören. Sie ist erster Ansprechpartner für Firmen – von der Gründung über Expansion und Krisenbewältigung bis hin zur Nachfolgeregelung. Die IHK arbeitet als Interessenvertretung in Wirtschaftsfragen eng mit Politik und Verwaltung auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene zusammen. Ihr Präsident Wolfgang Topf bemerkte zum Jubiläum: „Die Gründungsväter der damaligen Handels- und Gewerbekammer um ihren 1. Vorsitzenden Heinrich Poppe wären stolz auf die heutige IHK. Denn zum einen hat das damals den Kammern zugrunde liegende Prinzip der unternehmerischen Selbstverwaltung nach wie vor seine Gültigkeit und wir können auch heute noch unabhängig unsere unternehmerischen Interessen mit Kompetenz und Sachverstand vertreten. Des Weiteren engagieren sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer der Region ehrenamtlich in der Vollversammlung sowie Ausschüssen der IHK.“ Das Jubiläum wird unter anderem von einer Wanderausstellung mit insgesamt 12 Schautafeln begleitet, die noch bis Ende des Jahres an verschiedenen Orten in der Region Leipzig zu sehen sein wird.

Halle an der Saale ist gemessen an seiner Größe eine sehr vielseitige, geschichtsträchtige und lebendige Stadt. Das zu zeigen, bietet das Internet viele Möglichkeiten und es kann ein Korrektiv sein zu der im Osten Deutschlands monopolisierten Zeitungslandschaft. hallelife® ist eine der umfangreichsten Plattformen, die genau da ansetzt und sich für ein positives HalleImage einsetzen will. Aus Halle für Halle lautet die Devise. In einem modernen Design und mit tagesaktuellen Informationen setzt hallelife® vor allem auf Nachrichten in Text und Bild, vom Geschehen in Halle und im Umland angefangen von Politik und Wirtschaft über Kultur und Sport bis hin zu Polizeimeldungen und Verbrauchertipps. Zahlreiche Bilder besonderer Ereignisse werden als „Fotostrecken“ serviert. Nutzer können außerdem in HallePanoramen spazieren gehen und sich in der Community mit ihren Meinungen zu Wort melden. Hinter den Kulissen von hallelife® wird am inhaltlichen und technischen Ausbau weiter gefeilt. So sind Informationen zu Sehenswürdigkeiten,

Der Mortimer English Club hat es sich zum Ziel gesetzt, Kindern und Erwachsenen ohne Leistungsdruck Englisch beizubringen. Die Schüler sollen sich auf spielerische Art und Weise in der Sprache ausprobieren und so möglichst viele positive Erfahrungen machen. Dies führt laut Mortimer zu schnellerem Lernerfolg. Des Weiteren bilden sogenannte Franchise-Master neue Lehrer im Mortimer-Konzept aus. Diese übernehmen das Mortimer-Konzept, haben aber ihre eigene Sprachschule und sind damit selbständige Unternehmer. Das Mortimer-Konzept bezieht dabei auch Nachhilfe- und Businessangebote mit ein. Ein Beispiel ist Axel Kinne, seit 2002 Inhaber einer Mortimer Sprachschule und seit 2007 Franchise-Master für die neuen Bundesländer, Teile Niedersachsens und Hessens. Zu den neuen Dozenten, die er bei sich in Bad Lauterberg ausgebildet hat, gehört Peggy Hommel. Das Mortimer-Konzept scheint aufzugehen: „Die Resonanz ist groß!”, freut sich Hommel, die nun Kurse im Raum Magdeburg anbietet. VS

Weitere Informationen rund um das IHK-Jubiläum unter: www.leipzig.ihk.de/150

Weitere Informationen finden Sie unter: www.hallelife.de

„Die Gründer wären stolz!“

Heinrich Poppe, 1. Vorsitzender der Handels- und Gewerbekammer

Bildnachweis: Mortimer English Club

Am 2. August 1862 wurde die Handels- und Gewerbekammer zu Leipzig begründet. Der Namensbestandteil „Industrie“ kam erst im 20. Jahrhundert hinzu. Ursprünglich agierten die Kammern als staatliche Hilfsbehörden, doch sie koppelten sich im Laufe der Jahre ab und wurden zu wichtigen Bindegliedern zwischen Staat und Wirtschaft, in denen die Eigeninteressen der Kammermitglieder gegenüber dem Staat immer mehr an Bedeutung gewannen. Als 1862 die Gründung der sächsischen Kammern vollzogen wurde, war das Königreich Sachsen bereits eine international bedeutende Wirtschaftsmacht. Insgesamt 29 Mitglieder hatte die Kammer – aufgeteilt in zwei Abteilungen: die Handelskammer für „Handel und Fabriken“ und die Gewerbekammer für die „nicht in diese Kategorie gehörenden Gewerbe“. Zum Vorsitzenden wurde der Stadtverordnete Heinrich Poppe gewählt, ein Kaufmann, Textilindustrieller und Inhaber eines Wechsel- und Kommissionsgeschäftes.

Bildnachweis: panoramapoint.de

Text: Bastian Salier

Kirchen und Denkmälern in Vorbereitung. In den nächsten Monaten soll das Informationsangebot schrittweise erweitert werden. „Wir haben monatlich über 110.000 verschiedene Leser. Die monatlich ausgelieferten Seiten gehen weit über eine Million“, sagt Seitenbetreiber Alexander Landgraf, der sich auch um die Finanzierung des Angebots über Online-Werbung kümmert. „Wir werden hallelife® als Pro-Halle-Plattform etablieren, die für alle offen ist und sich an einer breiten Leserschaft orientiert“ so Landgraf weiter. Hallenser sollen sich mit ihrer Stadt identifizieren und Auswärtige einen guten Eindruck bekommen. So gibt es unter der Rubrik „Mein Halle (Saale).“ ein Wörterbuch mit typisch halleschen Begriffe wie Bemme (Schnitte), boofen (schlafen) oder Quanden (Füße). Das 781-seitige Nachrichtenarchiv reicht bis in den Juni 2001 zurück. hallelife® ist der der Nachfolger vom halleforum und weiterhin auch unter der seit 2001 bestehenden Adresse erreichbar. Hallelife setzt auf populäre soziale Netzwerke wie z. B. facebook oder twitter. SM

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10 INNOVATION & TRADITION

REGJO

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INNOVATION & TRADITION 11

Geschwindigkeit durch Effektivität dimensio informatics ist ein junges Unternehmen das Softwarelösungen entwickelt und vertreibt, die die Auswertung und Pflege von Datenbanksystemen von 24 Stunden bis in den Sekundenbereich hinein beschleunigen können.

Text: Esther Niebel Fotos: Joscha Steffens

Im Prinzip sind es spezielle, oft passgenau an den Kundenbedürfnissen orientierte, Softwarelösungen und Lösungspakete, die dimensio informatics anbietet. Mitfirmengründer Prof. Benn ist sich aber sehr wohl darüber im klaren, dass er mit dem Stichwort „Softwarelösung“ heutzutage erst mal niemanden mehr begeistern kann. „Softwarelösungen“ gibt es für alles und jeden und wenn man sich selbst nicht gerade zu der Computer-Nerd-Gattung zählt, wird das Interesse nicht gerade geweckt. dimensio informatics „the spirit of speed“ Aus dieser Erkenntnis heraus hat Prof. Dr. Benn das Pferd kurzerhand von hinten aufgesattelt und statt das Produkt und seine für den Anwender sehr technischen Details in den Vordergrund zu stellen, sich in der Kommunikation auf die für den Kunden relevanten Resultate fokussiert. Dieser Ansatz weist dimensio informatics als Dienstleister aus, die ihren Kunden Probleme abnehmen wollen, ohne sie dazu zu zwingen in die Untiefen der Informatik zumindest gedanklich selbst mit einzusteigen. Dimensio informatics versteht sich als Schnittstelle zwischen Endverbrauchern, die sowohl den Mittelstand wie auch Großunternehmen umfassen, und bestehenden Datenbanksystemen. Die einzelnen Verknüpfungen, die Verarbeitung und die Auswertung von Unternehmensdaten soll durch Prozessoptimierung verbessert und damit auch beschleunigt werden. Oberstes Gebot bei dieser Schnittstellentätigkeit sei, so Prof. Dr. Benn, Diskretion und Zurückhaltung. „Der Endkunde muss die

Gewissheit haben, dass wir nicht an seine Firmendaten gehen. Genauso wie sich der Datenbankanbieter sicher sein kann, dass wir im Datenbanksystem keine Interventionen vornehmen. Unser Augenmerk liegt auf der Verknüpfung, auf dem Datenbankverkehr und dessen Optimierung.“ Dafür werden Applikationen eingesetzt, die zunächst die Datenbanken auf Probleme hin untersuchen. Wo gibt es Kompatibilitätsprobleme, die letztlich zu Zeitverzögerungen und damit zu Geschwindigkeitsverlust führen. „dimensio“ ist letztlich ein zwischengeschalteter Datenbankindex, der sämtliche vorhandenen Daten wie eine Art Inhaltsverzeichnis strukturiert und somit für die Weiterverarbeitung optimal aufbereitet. Dieser Index erneuert sich schließlich selbst und wächst mit den Dantenbanken mit, um eine erneute Stagnation im Datenfluss langfristig zu verhindern. Von der Geschäftsidee zum Spin-Off Die Idee zu einer Softwarelösung, die Datenbanken in Indexintervalle aufbereitet, um so den Rückgriff auf Daten zu vereinfachen, kam Pof. Dr. Benn bereits vor 22 Jahren. Das statische System von Datenbanken sollte mit Erkenntnissen der Künstlichen-IntelligenzForschung kombiniert werden. Ein sich selbst weiterentwickelndes, adaptives System sollte dabei die Aufbereitung und Strukturierung der Daten übernehmen und somit das handling für den Nutzer erleichtern. Die ersten Versuche diese Idee umzusetzen scheiterten und so verschwand das Projekt zunächst in der Schublade, um

schließich 1994 wieder hervorgeholt zu werden. Nach der Weiterentwicklung der Software im Rahmen von Uniseminaren kam es 2001 auf der Messe Cebit schließlich zu Industriekontakten, die in der darauf folgenden Kommunikation auch von der Nachfrageseite her klar machten, dass ein Bedarf an einer intelligenten Datenbanklösung bestand. 2005 wurde der erste Prototyp entwickelt. Nach der erfolgreichen Teilnahme an verschiedenen InnovationsWettbewerben kam das Team um Prof. Dr. Benn schließlich unter die ersten sechs Wettbewerber bei FutureSAX, einem branchenübergreifenden Buisness-Plan-Wettbewerb. Der Erfolg gab den Startschuss für die Firmengründung im Juli 2010. Mit ca. 12 Mitarbeitern, die bereits an der Universität eng mit dem Projekt vertraut waren, wurde der ursprüngliche Prototyp neu entwickelt, um das Produkt homogener, stringenter und somit anwenderfreundlicher zu gestalten. Bereits im September des gleichen Jahres beteiligte sich der Technologiegründerfonds Sachsen (www.tgsf.de) mit Startkapital und Know-How, um so das jungen

Unternehmen bei der schwierigen Startphase zu unterstützen. Erweiterung des Produktportfolios: das Schreibtool „scrivo“ und das Sicherheitstool „securido“ Ausgehend von dem Kernprodukt, dem Datenbankindex „dimensio“, der Datenbanken strukturiert und das Abrufen beziehungsweise das Lesen optimiert, kann „scrivo“ als Tool zu Eingabeoptimierung mit dem Index kombiniert werden. Die erhöhte Schreibleistung ergibt sich aus einem gepufferten, blockweisen Einfügen von Daten unter Zuhilfenahme einer intelligenten Verteilungskomponente der Daten auf die einzelnen Puffer. Zunächst als Nebenprodukt entstanden, ist „securido“ mittlerweile jedoch fester Bestandteil des Softwareangebots. Datenbanken gehören zu dem Bereich eines Unternehmens, der besonders geschützt werden muss. Gleichzeitig soll jedoch der reibungslose Rückgriff der Mitarbeiter auf die Unternehmensdaten gewährleistet wer-

den. Durch die komplette Trennung des externen, unsicheren (public cloud) und des internen, sicheren Netzwerkes (private cloud) im Hardwarebereich können unbefugte Zugriffe wirksam verhindert werden. Die Partner-Philosophie In Abstimmung mit Datenbankanbietern entwickelt dimensio informatics spezielle Performance-Apps für Kunden, deren Basis die soeben vorgestellten Produkte von dimensio informatics sind. Trotz der bisher kurzen Geschäftstätigkeit von dimensio informatics macht die starke Nachfrage deutlich, dass es einen großen Bedarf an verwaltungsoptimierenden Prozessen gibt. Die Zeiten, in denen es primär um die Beschaffung von Informationen ging, sind vorbei. Jetzt geht es darum, die Verwaltung dieser Daten zu verbessern, um sie so effektiv wie möglich nutzen zu können. Weitere Informationen finden Sie unter: www.dimensio-informatics.de, www.tgfs.de, www.cfh.de


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14 INNOVATION & TRADITION

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Die Kultur der Beteiligung lernen Die Kommunikations-Experten Jörg Müller und Jarno Wittig erklären, warum engagierte Betroffene keine Wutbürger sind und wie ein professioneller Beteiligungsprozess allen nützen kann.

Text: Katharina Hölker

Bilder: ddp images/dapd

Die Umsetzung von bedeutenden Investitionsprojekten wird mehr und mehr zu einer Herausforderung für alle Beteiligten. So stehen Infrastrukturvorhaben der Energie-, Verkehrs- und Immobilienwirtschaft zunehmend in der öffentlichen Kritik. Mit Blick auf den gewaltigen Netzausbau im Zuge der Energiewende ist das erst der Anfang. Insofern wird die Kommunikation mit den Beteiligten vor Ort zu einer elementaren Aufgabe für Unternehmen und öffentliche Verwaltung. Professionelle und ernst gemeinte Bürgerbeteiligung als Teil der Unternehmenskommunikation kann dabei zur akzeptierten Realisierung und zum Erhalt der Investitionsfähigkeit von Projekten führen. Herr Wittig, Sie kennen lokale und regionale Investitionen aus Ihren verschiedenen Aufgaben. Hat sich hier wirklich der Erklärungsbedarf erhöht und die Problematik der Akzeptanz zugespitzt? Jarno Wittig: In meiner Einschätzung schon. Neben der faktischen Zunahme von Konfliktpunkten ist parallel auch der mediale Niederschlag dazu angestiegen und der Umgang der Massenmedien mit solchen Themen hat sich gleichfalls professionalisiert. Man kann bestimmte wiederkehrende Strickmuster und Recherchestränge beobachten. Jörg Müller: Das stimmt. Doch die Zuspitzung zu quantifizieren, ist schwer und auch wenig untersucht. Vielmehr merken wir – jeder Einzelne in seinem Lebensumfeld –, dass sich die kritische Distanz zu Neuem verstärkt hat. Wenn der Mensch heute von einer Baumaßnahme unmittelbar betroffen oder nur tangiert ist, so muss sein Vertrauen für die Sache stärker als je zuvor gewonnen werden. In der Tat kann schon die Umgestaltung einer Grünanlage von Eingaben und Protesten begleitet werden. Woran liegt das? Wittig: Ich bezeichne das als Fragmentierung der Gesellschaft: Menschen individualisieren sich mehr als früher, schließen sich eher innerhalb ihrer Milieus in Interessengruppen zusammen als in großen Bewegungen, und Protest ist nicht mehr pauschal, sondern konkret. Und wir konstatieren, dass Legalität, also die grundsätz-

liche Durchsetzbarkeit z.B. eines Kraftwerk-Neubaus, die Akzeptanz nicht ersetzt. Investoren können also nicht wie früher davon ausgehen: Gebaut wird, weil genehmigt. Das ist eine durchaus neue Qualität, der sich Unternehmen wie Behörden stellen müssen. Seit der Hamburger Philharmonie oder Stuttgart 21 hören und lesen wir oft von milliardenschweren Investitionen, die Bürgerkritik auf sich ziehen. Aber wie gestaltet sich die Ist-Situation auf lokaler Ebene? Müller: Das kann ich aus eigener Tätigkeit sehr gut konkret belegen. Die Leipziger Verkehrsbetriebe wussten sehr wohl, dass die ab 2013 geplante Umgestaltung der Karl-Liebknecht-Straße, einer Hauptgeschäftsstraße in Leipzig, auf Mitgestaltungsinteresse der unmittelbaren Anlieger und Händler stößt und bei unterlassener oder nicht systematisch geführter Kommunikation scheitern kann. Insofern war es idealtypisch, dass IdeenQuartier von Beginn an für die Organisation einer aktiven Beteiligungsplattform einbezogen wurde. Voraussetzung für den siebenmonatigen dichten Beteiligungsprozess im „Interessenforum“ war dabei ganz besonders, dass »Die kritische Distanz zu Neuem hat sich verstärkt.« Jörg Müller sowohl LVB als auch die Stadt Leipzig hohes Interesse an einer ehrlichen Partizipation hatten. Und das bisherige Ergebnis, ein von zahlreichen sinnvollen Hinweisen der Bürgerschaft und Interessengruppen optimierter und vom Leipziger Stadtrat bewilligter Gestaltungsplan, bestätigt diese Herangehensweise und schafft „Verstehen“ und breite Akzeptanz für das Vorhaben. Wittig: Ich möchte mit diesem Beispiel betonen, dass es oft eine Frage der Haltung und Wertschätzung ist. Sobald interessierte Bürger merken, dass Unternehmen unehrlich oder unaufrichtig informieren, sinkt das Vertrauen und der Prozess beginnt zu holpern. Ein Beteiligungs- und Kommunikationsprozess ist eine Beziehung: Diese muss gepflegt und mit Respekt und Verantwortung geführt werden. Neben Projekten des öffentlichen Verkehrs oder der Stadtentwicklung wird dies zukünftig ganz besonders für Unternehmen

der Energiewirtschaft eine Herkulesaufgabe sein. Allein hier müssen in den kommenden Jahren 3.800 Kilometer Stromtrassen, vornehmlich Überlandleitungen, gebaut und 4.000 bereits bestehende Trassen aufgerüstet werden. Der Informations- und Erklärungsbedarf ist entsprechend enorm, »Versprechen sind zu halten.« Jarno Wittig doch viele Unternehmen müssen die Kultur der Bürgerbeteiligung erst noch lernen. Ganz abgesehen davon, dass diese Prozesse von Branchenvertretern mit einem mittleren einstelligen Prozentsatz der Investitionssumme für Beteiligungskommunikation bewertet werden. Sie haben es bis jetzt beide vermieden, das Wort „Wutbürger“ zu verwenden, das in derartigen Kontexten sehr oft fällt. Warum? Müller: Weil es an der Wahrheit vorbeigeht. Es gibt sicher eine ganz kleine Zahl von „Profiprotestlern“, also Menschen, die durchs Land touren und ihre „Dienste“ anbieten. Doch in Bürgerinitiativen sind fast ausschließlich Menschen, die ein eigenes persönliches Interesse haben. Das hat nichts mit Wut zu tun, sondern mit konkreter Betroffenheit, und wenn man so will, auch mit Verantwortungsübernahme, was doch Verwaltung und Politik seit Jahren von den Bürgerinnen und Bürgern fordern. Wittig: Ich denke auch, dass die mediale Begriffsschöpfung am Kern vorbeigeht. Bei-

spielsweise habe ich mich neulich mit einem Aktivisten ausgetauscht, der gegen eine 380-KV-Freileitung vorgeht und erst beim Wort „Wutbürger“ wütend wurde. Der Mann will ganz einfach ernst genommen werden und will, dass Versprechen an ihn und andere – beispielsweise auf die Zusendung eines Protokolls – eingehalten werden. Das hat also nichts mit Wut, sondern mit Verlässlichkeit zu tun: Versprechen sind zu halten. Vielen Dank für das Gespräch!

Jörg Müller Jörg Müller entwickelt Projekte dort, wo Kultur, Kommunikation und Organisation gefragt sind – zwischen Leipzig, Dresden, Berlin und Stuttgart. Mit der Leipziger Messe für junge Kunst legte der studierte Kulturmanager 1999 den Grundstein für seine erste Agentur, spezialisiert auf partizipative Kommunikation sowie Tagungen und Messen für Ministerien und NGOs. 2007 gründete er IdeenQuartier – CSR und Kommunikation GmbH, ein Büro für Projektentwicklung im Bereich Kommunikation, Kulturmanagement und Corporate Social Responsibility. Jörg Müller ist Mitglied im United Nations Global Compact.

Jarno Wittig M. A. studierte nach Berufseinstieg bei der Deutschen Postbank AG Erwachsenenpädagogik sowie Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Universität Leipzig. Als Pressesprecher und Leiter Unternehmenskommunikation verantwortete er über fünf Jahre die Kommunikations- und Marketingaktivitäten der KWL – Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH. Er besuchte Management-Seminare in Leipzig und St. Gallen und arbeitete als Lehrbeauftragter für Public Relations an der Universität Leipzig. Zuletzt war er Geschäftsführer der Kommunikations- und Politik-Agentur wbpr in Potsdam. Im IdeenQuartier verantworten Jörg Müller und Jarno Wittig zusammen mit der Politikwissenschaftlerin Gudula Kienemund Kommunikationsprojekte im Kontext von Bürgerbeteiligung und teilen ihr Know-how als Referenten auf Workshops und Tagungen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.ideenquartier.org


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INNOVATION & TRADITION 17

Onlinehändler Martin Menz setzt für sein Unternehmen auf eine gute Zusammenarbeit zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitern.

Mit der Generation 50plus zum Unternehmenserfolg Der Beschäftigungspakt Jahresringe bringt ältere Langzeitarbeitslose auf den ersten Arbeitsmarkt zurück.

Text: Bastian Salier

Mut fassen und Wagnisse eingehen Beim Recruiting seiner Mitarbeiter arbeitet der Jungunternehmer seit Jahren sehr eng mit dem Beschäftigungspakt Jahresringe zusammen. „Zu Beginn ging es uns vor allem darum, Arbeitgeber für die Zielgruppe 50plus zu sensibilisieren“, erklärt Sylvia Tempel, Geschäftsführerin des Jobcenters Halle (Saale). „Hauptaufgabe unserer Arbeit ist, die älteren langzeitarbeitslosen Frauen und Männer wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen.“ Zahlreiche regionale Unternehmen, Verbände, Vereine sowie kommunale Institutionen unterstützen diese wichtige Arbeit. „Entscheidend aber ist“, betont Sylvia Tempel, „dass die Zielgruppe der ab 50-jährigen Langzeitarbeitslosen wieder Mut fasst, sich auf Neues einlässt, Wagnisse eingeht und sich qualifiziert.“ An dieser Stelle sei in den vergangenen Jahren unheimlich viel geschehen: „Anhand von vielen positiven

„... singing oldies, goldies / Be-Bop-A-Lula“: Mit den Dire Straights ging Radio SAW vor 20 Jahren an den Start.

Text: Conny Hoffmann Fotografie: Radio SAW

Fotografie: Relaxdays GmbH Halle (Saale)

Ältere Menschen haben es in Deutschland immer noch schwer auf dem Arbeitsmarkt. Mittlerweile haben aber viele Unternehmer erkannt, wie wertvoll das Potenzial der Generation ab 50 ist. Große fachliche und soziale Kompetenz erwirbt man eben häufig erst mit einer langen Berufs- und Lebenserfahrung. Das hat auch der junge Unternehmer Martin Menz für seine Firma erkannt. Der 27-Jährige ist Geschäftsführer des Internethandels Relaxdays GmbH, der von seinen älteren Mitarbeitern profitiert. „Die älteren Mitarbeiter bringen ihre Erfahrungen ein, während die jüngeren vielleicht fitter im Umgang mit dem Medium Internet sind“, sagt Martin Menz. „Diese unterschiedlichen Erfahrungshorizonte gilt es zu nutzen und zusammenzuführen.“

On Air, vor Ort

Erfolgsgeschichten können wir zeigen, dass wir mit unserer Arbeit sehr viel bewegen konnten und können.“ Mit Leidenschaft am Werk Da ist zum Beispiel Klaus Grohmann, der bei relaxdays.de unter anderem für die Produktbeschreibungen zuständig ist. Mit seinen 60 Jahren hat er große Erfahrungen im technischen Bereich und kann Zusammenhänge oft viel besser darstellen als ein jüngerer Mitarbeiter, sagt sein Chef Martin Menz. Der IT-Experte war 16 Jahre lang arbeitslos, bevor er 2008 bei der Relaxdays GmbH wieder Arbeit fand. Für beide Seiten ein großer Gewinn. Ebenso sind im Backoffice erfahrene Mitarbeiter häufig die entscheidende Stütze. Sie wissen, mit welchen Strukturen welche Aufgaben am besten erledigt werden können und welche Fehler man wie vermeidet. Obwohl Martin Menz selbst ein junger Unternehmer ist, der engagiert anpackt, weiß er aus Erfahrung, dass Ehrgeiz und Motivation eher die Stärken der Älteren sind. „Die Zusammenarbeit mit Jahresringe hat für uns nur gute Seiten“, lobt Martin Menz auch die herausragende Betreuung durch kompetente und engagierte Mitarbeiter von Jahresringe. Vor allem eines sei ihm nämlich wichtig: „Mit Leidenschaft am Werk zu sein und Hürden abzubauen, wo es nur geht!“

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.jahresringe-halle.de

„Walk of life“ hieß der Hit, mit dem Radio SAW als erster Privatsender Sachsen-Anhalts den Äther enterte. Am 8. September 1992 erklang Punkt 7 Uhr die Begrüßung: „Dienstag, 8. September 1992. Hier ist Radio SAW – die Sachsen-Anhalt Welle.“ So unprätentiös startete die Geschichte vom Sender SAW, der zunächst in einer ehemaligen Tapetenfabrik in Magdeburg seine Heimat fand. Auch viele Hörer wurden beim Sender sofort heimisch. Wie ein Lesebrief beweist, leben die nicht nur in Sachsen-Anhalt. Moderner Heimatsender So gratuliert Uta aus Braunschweig ihrem Heimatsender fast schon mit Insider-Wissen: „Ich habe vor 20 Jahren in Sachsen Anhalt für SAW Promotion gemacht. ‚SAW, der neue Radiosender von Anhaltinern für Anhaltiner’ war der Slogan. Das war eine tolle Zeit. Wenn man bedenkt, wie ihr angefangen habt. Super. Ich habe in den letzten 20 Jahren an jedem Wohnort mein SAW gehört. Inzwischen wohnen wir in Braunschweig und sind sesshaft geworden. Meine Tochter kann seit 4 Jahren die Hotlinenummern auswendig (sie ist jetzt 6). Mein Sohn (ist jetzt 3) lernt es auch gerade. Irgendwie bin ich euch immer treu geblieben. Macht weiter so und auf die nächsten 20!“ Meistgehörter Sender Das hat sich SAW besonders dadurch erarbeitet, dass seine Reporter immer dicht dran an den Menschen und ihren Wünschen wie Sorgen waren. Zum Beispiel wurde schon vier Wochen nach Senderstart das Ladensstudio Halle gegründet. Stendal, Dessau und Hal-

berstadt folgten wenige Monate später. So erspielte sich SAW rasch den Status, der meistgehörte Sender Sachsen-Anhalts zu sein. Im Jahr 1995 errichtete Radio SAW eines der modernsten Funkhäuser in Europa und seitdem schon ist der Sound volldigital. Das Geheimnis des Erfolgs sei eben kein Geheimnis, so Geschäftsführer und Programmdirektor Mario A. Liese. Jeder könne es hören: „Wir spielen nicht nur die Superhits, sondern holen auch die Superstars ins Sendegebiet. Von AC/DC bis Genesis, von Simply Red bis Elton John. Radio SAW ist in der Musikwelt zu einem Begriff geworden.“ Auch über die Region hinaus braucht SAW den Vergleich nicht zu scheuen: Mit 294.000 Hörern in der Durchschnittsstunde ist Radio SAW der reichweitenstärkste private Hörfunksender im Osten – Berlin inklusive. Damit gehört er zu den Top 5 der privaten Radiosender in ganz Deutschland. Vor Ort Rund 400 Veranstaltungen sind es im Jahr, mit denen der Sender auch direkt vor Ort für seine Hörer da ist. Dort können sie ihre Moderatoren im persönlichen Gespräch kennenlernen und Radio zum Anfassen erleben. Auch Entdeckungen können gemacht werden. Denn dass SAW nicht nur Abspielstation von Bekanntem ist, zeigt etwa die Band Niemann: Radio SAW war von den Jungs aus Sangerhausen sofort überzeugt, unterstützte sie und machte sie und ihren Song „Im Osten“ über Nacht berühmt. Weitere Informationen unter: www.radiosaw.de


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Erfolg im Ausland Immer mehr deutsche Unternehmen erweitern ihren internationalen Wirkungskreis. Unsere Serie „Erfolg im Ausland“ soll deshalb wesentliche Aspekte der Internationalisierung beleuchten und wertvolle Tipps geben. Autor ist der renommierte Unternehmens- und Personalberater Sergey Frank. Mit seiner International Management Consulting in Leipzig und zuvor als Direktor International für die Kienbaum Executive Consultants GmbH hat er in über 15 Jahren viele internationale Projekte erfolgreich realisiert. Seine regelmäßigen Publikationen in verschiedenen Sprachen weisen Frank als Kenner der globalen Märkte aus.

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Teil 3: Vertrieb international – Der Weg zum Kunden im Ausland Um die Internationalisierung Ihres Unternehmens erfolgreich umzusetzen, ist – neben der Implementierung – vor allem auch die Vorarbeit wesentlich: Nachdem eine Marktstudie bereits angefertigt, der Markt sondiert und für erfolgsträchtig befunden wurde – denn das ist überhaupt die Voraussetzung für jeden Eintritt in den Markt –, folgt der Aufbau des Vertriebs. Zunächst sollten Prospekte und eine Homepage in der Landessprache entwickelt werden. Nehmen Sie an lokalen Messen teil und bauen Sie so Ihr Netzwerk vor Ort aus. Neben diesen Marketingmaßnahmen ist es wichtig, die richtige Struktur des Vertriebs vor Ort zu wählen. Dies kann mit Hilfe einer eigenen Tochtergesellschaft im Ausland oder durch die Hilfe Dritter – also vornehmlich durch lokale Distributoren, weniger durch Handelsvertreter – geschehen. Der „Königsweg“ ist der eigene Vertrieb vor Ort. Vor- und Nachteile des eigenen Vertriebs Die Gründung einer eigenen Rechtsperson bedingt oft einen großen administrativen Aufwand, zumal das Gesellschaftsrecht in Mittel- und Osteuropa dezidierte Regeln zum Führen von Tochtergesellschaften vorsieht. Ein weiterer Umstand sind die häufig relativ hohen Kosten und Risiken, die man im Zuge der Gründung einer Tochtergesellschaft eingeht. Insbesondere geht es hier darum, Personal einzustellen, das die Vertriebs- und Administrationstätigkeit im betreffenden Land abwickelt. Aber in der Folge benötigt man oft auch noch einen Kundendienst, insbesondere bei der Ver-

breitung von technischen Produkten oder Investitionsgütern, die allesamt ein flächendeckendes Netzwerk für Vertrieb und Service benötigen. Der Beginn einer Auslandstätigkeit mit Hilfe einer Tochtergesellschaft hat jedoch auch viele Vorteile wie z.B. die Selbstständigkeit und das eigene Ermessen, wie man Marketing und Vertrieb strukturieren möchte. Zudem sendet man Kunden und Öffentlichkeit so auch ein deutliches Zeichen, dass man mit viel Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit in das Land investiert. Die Rolle des „Kümmerers“ vor Ort Häufig machen westeuropäische Unternehmen den Fehler, Managementkonzepte, die im Heimatland oder in benachbarten und ähnlichen Märkten gut funktioniert haben, in dem „exotischen“, weit entfernten Vertriebsland genauso einsetzen zu wollen. So planen sie z. B., den bereits bestehenden klassischen Regionalvertrieb durch ein Key Account Management zu ändern, ohne dass diese Änderung von den Vertriebsleuten verstanden und diese vor Ort „gecoacht“ werden. Daraus resultieren Unstimmigkeiten, Frustration, unnötige Absorption von Managementressourcen und insbesondere Zeitverlust auf beiden Seiten. Ein Manager mit Fachwissen, einem „Händchen“ für das betreffende Land und der Bereitschaft, für eine bestimmte Zeit dorthin zu gehen, kann in einem solchen Fall vor Ort vieles bewirken. Diese Person, die häufig den Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg Ihrer Tochtergesellschaft im Ausland darstellt, kümmert sich um den reibungslosen Ablauf, um die Leute vor Ort und ins-

besondere deren Schulung sowie um die Nachhaltigkeit der Prozesse. Vertrieb und Beratung durch Dritte – ein wichtiges Feld In Anbetracht der finanziellen Risiken einer Ausgründung überrascht es nicht, dass viele Unternehmen den ersten Schritt ins Ausland häufig zunächst über den Vertrieb durch Dritte wie etwa Distributoren organisieren. Es kommt hier sehr stark auf die richtige Auswahl Ihres lokalen Geschäftspartners an. In der Regel entstehen Kontakte entweder über das eigene Netzwerk, über Fachmessen oder über die Handelskammer. Ganz unabhängig davon, ob Sie eine Tochtergesellschaft gründen oder auf lokale Handelspartner zurückgreifen, werden Sie bei Ihrem Markteintritt immer Dritte um Rat fragen müssen. Die Leistungen reichen im Allgemeinen von Rechtsanwälten über Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bis hin zu Personalberatern, Politikberatern, Marktforschungsunternehmen, Strategieberatern und zahlreichen anderen Beratungsgesellschaften. Darüber hinaus ist eines immer wichtig zu verstehen: Im Ausland kommt meist alles sehr viel anders als geplant. Haben Sie Geduld und seien Sie flexibel! Oft scheitert die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern an Mentalitätsunterschieden. Wenn Sie all diese Faktoren berücksichtigen, haben Sie den Weg geebnet, erfolgreich im Ausland zu agieren. Weitere Informationen unter: www.sergey-frank.com


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„Hört Ihr Leut ...“ euregia 2012

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Rundgang durch Leipzig mit dem Nachtwächter.

Expertentreff für KommunalRegionalentwicklung

und

Bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts war der Beruf des Nachtwächters für die Menschen in der Stadt sehr wichtig. Der Mann mit Laterne, Hellebarde und Horn ging nachts durch die Straßen und Gassen, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen, Feinde und Diebe abzuwehren, die Uhrzeit anzusagen und zu melden, wenn ein Feuer ausbrach. Heute ist der Nachtwächter vor allem eine touristische Attraktion. In Leipzig beispielsweise führt er bei seinen nächtlichen Rundgängen Besucher zu den Sehenswürdigkeiten der Altstadt und erzählt – im historischen Gewand – spannende und kuriose Geschichten von damals. Insgesamt treten zur Zeit in Leipzig drei ausgebildete Stadtführer als Nachtwächter ihren späten Dienst an. Unter dem Namen „Rundgang mit Nachtwächter Bremme“ lassen sie sich beim „Treffpunkt Leipzig“ auch für individuelle Führungen ganz nach Wunsch buchen. Und als besondere Attraktion lockt der „Nachtwächter Bremme Schmaus“ mit einer Einkehr in eine traditionelle Leipziger Gaststube. IER

Mit einem umfangreichen Kongressprogramm bildet die euregia, Fachmesse und Kongress für Kommunal- und Regionalentwicklung in Europa, vom 22. bis 24. Oktober 2012 im Congress Center Leipzig zum achten Mal die ideale Plattform für den europaweiten Wissenstransfer. Kommunen, Regionen und transnationale Netzwerke diskutieren Lösungsansätze zu den Herausforderungen der Zukunft. Im Mittelpunkt der euregia stehen die drei Schwerpunktthemen: ‚Klima und Energie: Anpassungsstrategien in der Umsetzung’, ‚Europa: Grenzüberschreitend innovativ und gestaltend’ sowie als integriertes europäisches Fachforum im Rahmen der euregia das Thema: ‚newmobility: Konzepte für die Mobilität von morgen’. „Mit Unterstützung zahlreicher Partner haben wir ein Kongressprogramm aufgestellt, das einen einzigartigen Überblick über aktuelle Projekte, Netzwerke, Initiativen und Best-Practice-Lösungen gibt“, verspricht Ulrike Lange, Projektdirektorin der euregia. CP

Manche Jubiläen gehen leise vorüber: 2011 feierte die Europalette ihren 50. Geburtstag. Ihre böse Schwester, die Einwegpalette, kommt nun bei werk4 groß raus. Das junge Unternehmen hat sich die Reststoffveredlung auf die Fahnen geschrieben und verwandelt Paletten in Bänke, Schubladensysteme und Pflanzgefäße. Upcycling nennt sich das Konzept, dass hinter dem 2011 gegründeten ZweiMann-Unternehmen steckt. Es kombiniert das Verwenden von Abfall mit exquisiter Verarbeitung – und einer sozialen Idee. Jugendliche, die Gefängnisstrafen verbüßt haben, können bei werk4 einen ganzen Produktionszyklus durchlaufen und von der Ideenfindung neuer Produkte über die Fertigung bis zum Vertrieb kennenlernen. Das fördert die Integration in den ersten Arbeitsmarkt, bietet aber auch einen Schonraum zur Bewältigung individueller Problemlagen. Eine gleich doppelt gute Idee – und es ist erstaunlich, welche Haptik Palettenholz nach Politur und Firnis als edles Möbelstück hat. TP

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Paletten zu Sitzmöbeln: werk4 wertet Reste zu exquisiten Wohndesigns auf – und unterstützt junge Straffällige.

Die lila Kuh in Dresdens Neustadt Die Kunsthofpassage wird dank der New York Times bei Amerikanern immer beliebter.

Text: Peter Krischunas Fotografie: Peter Krischunas

Was hat die Lila Soße in der New York Times zu suchen? Und warum interessieren sich die Journalisten der Travel-Guide-Abteilung der New York Times ausgerechnet für das Geschäft Weinkult? Beide befinden sich in der Kunsthofpassage in der Dresdener Neustadt, die nicht nur für Amerikaner mittlerweile Kult ist. Die Lila Soße ist ein legeres Lokal, das für junge, deutsche Küche steht. Dahinter steckt der Hamburger Boris Kögel, der vor zweieinhalb Jahren über Umwege von München und Berlin nach Dresden kam. Grundlage seines kulinarischen Angebotes sind traditionelle deutsche Tellerhelden wie Rindfleisch, Kopfsalat oder Forelle. Zischender Wasabi, feuriges Chili oder fröhliche Limetten modernisieren die klassische deutsche Küche. Den ungewöhnlichen Namen wählte Kögel, weil der genauso bemerkenswert ist wie der Kunsthof, der zwischen Alaunstraße und Görlitzer Straße liegt. „Die Wahrscheinlichkeit, eine lila Soße zu kosten, ist weitaus geringer als die, einer lila Kuh über den Weg zu laufen“, scherzt der gelernte Koch und Hotelmanager. Damit hat er nur zum Teil Recht. Denn die Mischung aus spanischem Stier und einer Kuh, die vor dem Eingang des Kunsthofes steht, ist zumindest nicht lilafarben, dafür aber altrosa. Ein Markenzeichen seit 1997, seitdem die großen Hinterhöfe nach und nach von gleichgesinnten Künstlern, Lebenskünstlern und Handwerkern kunstvoll gestaltet worden sind. Ein denkmalgeschütztes Haus sollte damals saniert werden. Es stellte sich zwangsläufig die Frage, was mit dem Hinterhof geschieht. Etwas Besonderes musste her, etwas Einmaliges. Wer nun hier einkehrt, gerät in ein Labyrinth von mehreren Höfen, die Namen wie

Metamorphosen, Tiere, Elemente oder Licht tragen, Kunst, wohin das Auge blickt. Kögels Lokal mit Freisitz liegt im Hof der Fabelwesen. Bereits in den Jahren zuvor haben Journalisten einige der insgesamt fünfzehn Boutiquen, Kunsthandlungen und Lokale im Travel Guide der New York Times verewigt. Massenbedarf wird in der Passage nicht abgedeckt. Dafür ist vom japanischen Papier bis zum feinsten sächsischen Wein so ziemlich alles zu haben, was schmackhaft, nicht alltäglich oder hipp ist. Ateliers und Boutiquen reihen sich mit Bildern, Trödel, Kitsch und Kleinkunst nebeneinander. Buchlesungen sind an der Tagesordnung. Seit dem Artikel über Kögel und dessen Restaurant kehren immer mehr Amerikaner hier ein. „Bei uns lernen sie abseits von Semperoper und Frauenkirche das richtige Leben der Stadt kennen“, meint der 34-Jährige selbstsicher. Das mögen aber nicht nur Amerikaner, sondern auch Italiener, Franzosen und Tschechen. „Von denen kaufen auch einige bei mir ein“, sagt Jens Dusil, dessen Vinothek Weinkult ebenfalls im Reiseführer der New York Times erwähnt wird. „Wir sind alle irgendwie Lebenskünstler“, meint der Dresdener. Es gibt nämlich auch Monate, die schlecht laufen. „Dann ist Durchhaltevermögen gefragt“, so Dusil. Deshalb wechseln die Inhaber der Geschäfte auch ab und an. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.lilasosse.de www.weinkult-dresden.de


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»In Paris bin ich auf den Hut gekommen« EU-FÖRDERUNG

AUFSTIEG

Die Kostüm- und Bühnenbildnerin Jacqueline Peevski liebt die Goldenen Zwanziger.

Text: Peter Krischunas Fotografie: Peter Krischunas

Europa fördert seine Bürger

Erste Klasse

Eine Tagung der EU Service-Agentur Sachsen-Anhalt informierte über europäische Aktionsprogramme für Bildung, Kultur und bürgerschaftliches Engagement.

Rugby Club Leipzig e.V. hat den Sprung in die Bundesliga geschafft.

Beim Thema EU-Förderung stehen oft große Infrastrukturvorhaben und Unternehmensansiedlungen im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei hält die Europäische Union ebenfalls zahlreiche Förderangebote für Projekte in den Bereichen Bildung, Kultur und bürgerschaftliches Engagement bereit. Diese standen im Mittelpunkt der Tagung „Bildung – Bürger – Kultur“, die am 27. September in Magdeburg stattfand. „Mit der Veranstaltung wollten wir dazu beitragen, diese Fördermöglichkeiten im Land noch bekannter zu machen und die Teilnahme von Kommunen und Bürgern an europäischen Kooperationsprojekten weiter zu erhöhen“, erklärt Claudia Zott, Leiterin der EU-Service-Agentur. Auf der Konferenz informierten nationale Experten die rund 100 Teilnehmer in Vorträgen rund um die Förderprogramme LEONARDO DA VINCI, GRUNDTVIG, Europa für Bürgerinnen und Bürger (EFBB) und KULTUR. In anschließenden Workshops wurden erfolgreiche Projekte aus SachsenAnhalt präsentiert. So stellte Karen Stone, Generalintendantin des Theaters Magdeburg

Mitteldeutschland hat mit dem Rugby Club Leipzig einen weiteren Bundesligisten: Der RCL hat nach dem sportlichen Aufstieg aus der Regionalliga Nordost in die 2. Bundesliga dank einer Strukturreform sogar den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse geschafft. Für die Spieler von Trainer Falk Müller eine große Herausforderung, wie bereits die ersten Saisonspiele zeigten: „In der Vorrunde der Bundesliga Ost ist unser Erfahrungsschatz deutlich gewachsen.“ Gewinnen konnte man in den vier Spielen der Vorrunde zwar nicht – die gewonnenen Eindrücke will das Team aber nutzen, um in den kommenden Wochen bei den Spielen gegen gleichwertige Gegner im so genannten DRV-Pokal wieder Siege zu erspielen. Der RCL hat sich ambitionierte Ziele gesteckt und ist dabei, die Randsportart Rugby in Leipzig und Mitteldeutschland populärer zu machen. Neben dem Engagement mit den Mannschaften in den verschiedenen Ligen und bei Turnieren sollen in Zukunft auch größere Events nach Leipzig geholt werden.

das Projekt „Wagner 200 – Der fliegende Holländer“ vor, mit dem ihr Haus gemeinsam mit Opernhäusern aus Italien und Frankreich das Werk des Opernkomponisten dem jungen Publikum näher bringt. Einen weiteren Schwerpunkt der Konferenz bildete die Information zur neuen EUFörderperiode ab 2014. „Derzeit wird vor allem über die geringeren Mittel aus den EUStrukturförderfonds diskutiert. Gleichzeitig wird aber die Bedeutung der direkten Fördermittelvergabe im Rahmen der EU-Aktionsprogramme steigen. Wir unterstützen öffentliche Einrichtungen dabei, sich jetzt schon auf die neue Förderlandschaft vorzubereiten“, erklärt dazu Claudia Zott. Die EU Service-Agentur im Haus der Investitionsbank Sachsen-Anhalt berät und informiert zu Förderprogrammen zu den Themen Bildung, Regionalentwicklung, Umwelt, Kultur, und bürgerschaftliches Engagement. Das Angebot richtet sich insbesondere an Städte, Gemeinden, Landkreise sowie öffentliche Träger und regionale Akteure, die ihre Projektideen in einem internationalen Kontext bearbeiten und diskutieren möchten. KP

Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter: www.eu-serviceagentur.de

Die prächtigen Hüte von Jacqueline Peevski sind weit über Dresdens Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Kostüm- und Bühnenbildnerin betreibt seit 15 Jahren das Atelier „Japée Hutkunst“ in der Bautzner Straße.

Außergewöhnliche Hüte passen zur Dresdner Neustadt wie die Altbaufassaden, hinter denen sanierte, unbezahlbare Lofts stecken, mit dem kleinen Unterschied, dass die kunstvollen Kopfbedeckungen von Jacqueline Peevski erschwinglich sind. Die Kostüm- und Bühnenbildnerin betreibt seit 15 Jahren das Atelier „Japée Hutkunst“ in der Bautzner Straße. Zu ihrer Kundschaft gehören junge Mädchen, alte Damen, Studenten, Professoren, Rechtsanwälte und viele, viele Touristen. „Mein Geschäft steht auch in Reiseführern wie Baedeker und Marco Polo“, sagt die Hutmacherin. Als Autodidaktin eröffnete Peevski ihr eigenes Geschäft „In Paris bin ich auf den Hut gekommen.“ 1993 erhielt Jacqueline Peevski ein Theaterstipendium in Straßburg und Paris. In den beiden französischen Städten sah sie tagtäglich auf den Straßen, in Cafés und im Theater Menschen mit tollen Kopfbekleidungen. „Da hat es mich gepackt“, erinnert sich die 51-Jährige, die daraufhin als Autodidaktin anfing, neben ihrer Arbeit eigene Hüte zu kreieren. 1997 eröffnete sie ihr eigenes Geschäft. Außergewöhnlich, aber

auch praktisch müssen die kunstvollen Kopfbedeckungen für Peevski sein. Im Sommer sollen sie vor der Sonne und im Winter vor Kälte schützen. Und schön müssen sie sein. Vor allem schön. Handwerk und Kunst gehören für die Hutkünstlerin zusammen. „Es ist eine spannende Entwicklung, wenn ich für einen Kunden einen Hut herstelle“, so die Dresdnerin. Aus Filz und Stroh etwas meisterlich zu schneidern – für sie gibt es nichts Spannenderes. Sie sieht die Physiognomie eines Menschen und schon sprudeln aus ihr die Ideen für Form und Farbe der Kopfbedeckung. Natürlich spielt auch der Anlass eine Rolle, zu dem der Hut getragen werden soll: Handelt es sich um eine Hochzeit, ist der Hut für den Alltag oder für den Besuch der Galopprennbahn gedacht? Ihre Hutkollektionen stellte sie bereits in namhaften Galerien aus „Ohne Hut ist ein Mensch nicht angezogen. So sehe ich die Welt“, meint Jacqueline Peevski. Auch ältere Damen sehen das so. Vor allem die, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg mit Hüten aufgewachsen sind. Heute entdecken sie die schöne, alte

Welt wieder. Und das ist keine Frage des Geldes. „Ein oder zwei Mal den Frisörbesuch sparen und schon kann man sich einen Hut leisten.“ Wer einen Hut trägt, der braucht schließlich auch keine tolle Frisur. Ein praktischer Aspekt, der in den Goldenen 20er Jahren, und die liebt Peevski über alles, gang und gäbe war. Studiert hat die Kostüm- und Bühnenbildnerin an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste. Zahlreiche Theaterausstattungen in Dresden, Leipzig, Potsdam, Heidelberg und Bautzen gehörten in den Jahren danach zu ihrer Arbeit, bevor sie Hutmacherin wurde. „Ich habe die Menschen schon immer von Kopf bis Fuß betrachtet“ sagt Peevski, die bereits verschiedene Hutkollektionen in namhaften Galerien ausstellte. Dazu gehören unter anderem das Kunstgewerbemuseum der staatlichen Kunstsammlung Dresden, Schloss Proschwitz bei Meißen, die Designermesse Bochum, das Sindelfinger Kabinett und die Deutschen Werkstätten Hellerau. Weitere Informationen finden Sie unter: www.hutkunst-japee.de


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Die Thalassa am Beginn der Reise in Rostock Warnemünde. Sie ist mit 50 Metern Länge und 8 Metern Breite die größte segeltüchtige Barketine der Niederlande.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Wenn Unternehmer übers Meer reisen: Die Sachsen Sail steuerte 2012 Riga im Baltikum an. Leinen los für einen Selbstversuch auf hoher See. Text: Giorgos Kalaitzis Fotografie: Giorgos Kalaitzis, Claudia Koslowski

Können wir das überhaupt noch – reisen? Mit unserer modernen Mobilität erreichen wir heute jedes Ziel. Unerreichbare Orte gibt es kaum mehr, und doch: Reisen rührt an alte Sehnsüchte. Erst recht, wenn die Reise archetypisch auf einem Segelschiff stattfindet und Meer, Wind und Segel die einzige Umgebung bilden, keine Möwe mehr zu hören ist und Mobilfunk und Internetbrowser aussetzen. Reisen fordert uns auf, uns auf das Fremde und auf die Art und Weise, wie andere Menschen denken, leben und arbeiten, einzustellen. Gelingt es uns, ihre Praxis als Bereicherung für das eigene Tun wahrzunehmen? Nicht zuletzt erfordert Reisen eines: Zuhören. Im besten Fall entsteht daraus ein Erkenntnisgewinn. Die Sachsen Sail, veranstaltet vom Sachsen Sail Club Leipzig e.V., bietet ihren Teilneh-

mern jährlich eine Segelreise zu besonderen Zielen: in diesem Jahr in die Stadt Riga. Das Schiff trug den Namen Thalassa – griechisch „Meer“ – und hat eine sagenhaft anmutende Vergangenheit. Es sank, lag viele Jahre am Meeresgrund, bevor es als Segelschiff wieder die Meere bereiste. Unternehmer segeln Segeln ist wohl eine der teuersten Arten, eine Zeit lang unbequem zu leben – und dennoch gilt die Überquerung des Meeres per Schiff als Mutprobe und versprüht den Nimbus von Freiheit und Abenteuerlust. Die Unannehmlichkeiten erscheinen klein gegenüber dem

Erfahrungsgewinn an Bord. Wenn Unternehmer gemeinsam reisen, treffen unterschiedlichste Typen aufeinander. Der Blick schweift den Horizont entlang in die Weite. „Auf der Sachsen Sail kann ich Unternehmer auf zweierlei Weise kennenlernen“, erklärt Jens Uwe Zäumer, ein Neuling der Tour: „Als Charakter und Mensch und viel genauer in fachlichen Präferenzen. Ich kann völlig neue Blickwinkel erfahren auf Themen. Dieser Prozess des Kennenlernens benötigt allerdings Zeit, deswegen ist die Sachsen Sail als Reiseformat das Richtige.“ Die Sachsen Sail ist eine langjährige Institution. Sie fungiert als eine Brücke in neue Märkte, jedoch geschieht dies persönlich, individuell und im Kleinformat für bis zu 50 Teilnehmer. Die Mischung an Deck ist ein repräsentativer Querschnitt der Wirtschaftregion Sachsen und Mitteldeutschlands. Die Sachsen Sail macht die Region über die Landesgrenzen hinaus bekannt: Unter den Seglern mischen sich auch die Generationen. Das schafft Spannung, Neugier und Austausch. Die Sachsen Sailer segeln gemeinsam zu jährlich wechselnden Zielorten: Aus Geschäftleuten werden Partner und am Ende sogar Freunde. Das Konzept der Unternehmerreise auf hoher See gründete, so der Vielsegler und Vorstand des Vereins Hartmut Bunsen, auf dem Bedürfnis, „Verantwortung für die Region“ zu übernehmen. Es bestand Nachholbedarf, Netzwerke für Unternehmer in den neuen Bundesländern einzurichten: „So entstand die Idee, sich auf einem Schiff zu treffen. Die Idee ist in drei Punkten erklärt: A: Austausch und Kontakte herstellen, B: am jeweiligen Zielort neue Verbindungen zu Unternehmern knüpfen und C: überregionale und internationale Projekte und Geschäfte anbahnen.“ Das könnten Unternehmer auch auf anderen Wegen – wie Messen und BusinessMeetings – erreichen. Hans-Jürgen Zetzsche, der Präsident des Sachsen Sail Club Leipzig e.V., ist sich jedoch sicher: „Offensichtlich vermögen Flair und Abenteuer einer Seereise, Kontakte und Freundschaften zu schaffen, die mit den uns allen bekannten Mitteln nicht erzielt werden können.“ Die Mischung der Teilnehmer ist erfrischend, zumal dann, wenn alle gemeinsam miteinander dem Schiffskapitän assistieren und Kommandos entgegen nehmen.

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An Bord der Thalassa in Richtung Riga: Für die Einhaltung des Kurses ist das Zupacken durch die Teilnehmer unerläßlich und eine willkommene Abwechslung.


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Unternehmerbilder

Riga und Leipzig

Hand aufs Herz: zu welchem Unternehmertyp würden Sie ihre Chefin, ihren Chef zählen? Businessman, Mountain Climber, Playful Child, Idealist, Globalist oder Survivor? Jeder dieser Typen erzeugt ein ganz eigenes Bild. Welcher Aspekt ist der wichtigste? „Ein Unternehmer braucht Ausdauer, Geduld, langen Atem, bis es ein Feedback gibt und er Erfolg hat. Eine Voraussetzung dafür ist sicher auch eine gute Ausbildung“, sagt Kai Uwe Döhler, der in einem neuen Geschäftsfeld des Arbeitstourismus tätig ist. Für den Erfolg eines Unternehmens werden viele Eigenschaften gebraucht: Verantwortungsbewusstsein, Teamgeist, Risikofreude, Selbstkenntnis, Ideenreichtum und Gelassenheit. Martin Walker, langjähriger Geschäftsführer eines Unternehmens für Lichtwerbung, verrät noch Überraschendes dazu: „Als Unternehmer ist es wichtig, unbekümmert zu sein und gut einschlafen zu können.“ Unternehmer sind keine Alleskönner, ganz im Gegenteil. Viele sind ausgewiesene Experten auf ihrem hoch spezialisierten Fachgebiet. Jungunternehmer Danny Wehnert hatte den Wunsch „etwas ganz eigenes hinzustellen“. Nach Studien der Elektrotechnik, Wirtschaftswissenschaften und Theologie wollte er in der Region bleiben und gründete sein Unternehmen vor Ort. Ein Unternehmer sollte „die Kompetenzen, die er am besten beherrscht, umsetzen und die eigenen Stärken und Schwächen genau erkennen. Mut, an sich selber zu glauben, spielt sicher eine große Rolle und außerdem sollte er in der Lage sein zu erkennen, wo er Partner braucht.“ Klaus Frank, der mit seinem Unternehmen jahrelang in der Logistikbranche aktiv ist, räumt mit dem Klischee des kühlen, rationalen Managers auf: „Unternehmer brauchen die richtige Nase für ihr Geschäft und die Firmenpolitik“. Dazu gehören „die richtigen Entscheidungen, einen offenen Blick für den Markt. Unternehmer“, sagt er im Gespräch während des Wirtschaftsempfangs in Riga, „entscheiden dabei jedoch auch aus dem Bauch heraus – es gibt keine Unternehmer, die alles richtig machen.“

Nach fünf Tagen auf der Ostsee mit Wind bis Stärke sieben läuft die Thalassa in Riga ein. In der 700.000-Einwohnermetropole laden die IHK, die Stadtverwaltung Leipzig und die Stadt Riga alle Unternehmer zu einem Wirtschaftstag ein. Leipzig und Riga – ein ungleiches Städtepärchen, das dennoch gemeinsame Bezüge hat. Richard Wagner etwa kam mit 24 Jahren als Kapellmeister im Jahre 1837 in die Stadt Riga und wirkte dort am städtischen Deutschen Theater. Leipzig verweist auch, ebenso wie Riga, auf die besondere Lage zwischen Ost und West im Herzen Europas. Die Rahmenbedingungen für Riga und Leipzig klaffen stark auseinander. Riga ist die von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 stark gebeutelte Stadt, die ihr Wachstum zukünftig in drei strategischen Zukunftsbranchen generieren möchte: Bio-, Chemie- und pharmazeutische Industrie, IT und Electronical Engineering. Die englische Sprache prägt die Rundgänge durch die Jugendstilstadt. Riga versteht sich als internationales Parkett zwischen Westeuropa, Russland und Skandinavien. Die deutsch-baltische Handelskammer weist auf die Chancen für Unternehmer hin, die den Markteintritt jetzt wagen. Riga steht am Beginn einer neuen Wachstumsphase, verfügt über eine gute geopolitische Lage und ist sehr aufgeschlossen gegenüber deutschen Geschäftspartnern.

Wirtschaftstag in Riga am 7.9.2012: v. l. n. r.: Torsten Bonew (Bürgermeister f. Finanzen der Stadt Leipzig), Dr. Matthias Reuschel (Präsident Gemeinsam für Leipzig), Jänis Prüsis (Head of Investment, Riga City Development Department), Maren Diale-Schellschmidt (Deutsche-Baltische Handelskammer, Geschäftsführender Vorstand), Hartmut Bunsen (Präsident Unternehmerverband Sachsen e. V.), Dr. Thomas Hoffmann (Hauptgeschäftsführer der IHK Leipzig) und Martin Buhl-Wagner (Geschäftsführung Leipziger Messe GmbH)

Die Stadt Leipzig hingegen präsentiert sich als solide gewachsene und traditionsreiche Wirtschaftsregion mit all ihren Highlights aus Kultur, Wissenschaft, Stadtentwicklung und Wirtschaft. Für die Region Leipzig benennt die IHK fünf potente Zukunftsbranchen, die eine wirtschaftliche Vernetzung weiter vorantreiben: Automobilindustrie, Energie- und Umwelttechnologie, Gesundheitswirtschaft, Medien- und Kreativwirtschaft und die wachsende Logistikbranche. Die Chancen für Unternehmer aus Sachsen und Mitteldeutschland, gewinnbringende Geschäftsbeziehungen mit Partnern aus dem Baltikum einzugehen, stehen gut. Die unterschiedlichen Profile und wirtschaftlichen Potenzen beider Regionen tragen dazu bei. Der langjährige Erfahrungsschatz hiesiger Unternehmer kann hier in neue Geschäftsmodelle einfließen und man kann gemeinsam entwickelte Geschäftsfelder vom Anker lassen und Produktentwicklungen perspektivisch anstoßen. Neue Horizonte

Bild links: Die 800 Quadratmeter Segelfläche der Thalassa entwickeln eine Dominanz, des man sich nicht entziehen kann. Bild rechts: Immer wieder unterstützen kleine Gruppen der Sachsen Sailer in wechselnder Zusammensetzung den Kapitän und die Crew, um am Wind zu bleiben.

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Das Erleben des Meeres ist eine Routinen verlangsamende Abwechslung. Der Vernetzungsansatz der Sachsen Sail schafft, getragen von den Persönlichkeiten, auf dem begrenzten Raum des Schiffs eine Annäherung an andere Regionen und Märkte. Die Unternehmer brauchen zweierlei, um Verbindungen herzustellen: die festen Strukturen der Ver-

bände und der Stadtverwaltung – und die freien und assoziativen Formen während des Segelns, Entdeckens und Austauschens. Lebens- und Arbeitszeit ist für jeden von uns ein besonders wertvolles Gut. Unternehmer kaufen sich auf der Sachsen Sail etwas davon. Sie erwerben Zeit, um Strategien neu oder stärker in die Zukunft zu denken, Zeit, um in Gesprächen mit anderen eine Selbstbestimmung vorzunehmen. Das ist nachhaltig. Zukünftig, sagt Dieter Kaiser, der mit persönlichem Risiko die Geschäftstelle eines Logistikkonzerns leitet, „könnte die Außenwirkung der Sachsen Sail noch stärker sein durch größere Schnittmengen zu den Oberzentren der Region.“ 2012 aus dem Baltikum kommend, steuert die Sachsen Sail 2013 gen Westen nach Schottland, ins Mutterland des Unternehmertums. Es entsteht etwas Einzigartiges, wenn ein Schiff sich weit vom Festland entfernt hat. Diese Situation beflügelt die Mitsegler, über den Horizont hinaus zu sehen und sich an neue Visionen heranzuwagen. Um diesen Effekt zu verstehen, lohnt es sich, an den Kosmopoliten Kurt Tucholsky zu erinnern: „Wer die Enge seiner Heimat begreifen will, der reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.“ Leinen los und Ahoi. Weitere Informationen finden Sie unter: www.sachsensail.de


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International Spirit Meeting the Slavic Soul Internationale Gäste feierten mit dem renommierten Management Consultant Sergey Frank seinen Umzug in die neuen Leipziger Büroräume – nicht nur daselbst.

Text: Dr. Zita Ágota Pataki

Impressionen aus dem Leipziger Stadtbad: li. Sergey Frank und der Laudator des Abends, Bob Montague; re. Andrej Kurkov liest aus „Die letzte Liebe des Präsidenten“

Fotografie: Ronny Anders

International Spirit Meeting the Slavic Soul – unter diesem Motto stand die Neueröffnung der Büroräume von Sergey Frank International am 21. und 22. September. Neben der weltweiten Rekrutierung und der Erarbeitung von Vertriebsstrategien für das Ausland ist die Schulung und Bildung internationaler Kompetenzen eine der Aufgaben, der sich der ehemalige Partner von Kienbaum Executive Consultants mit seinem 2010 gegründeten Unternehmen verschrieben hat. International Spirit in Lipsk Die eigene Multikulturalität steht dabei im Vordergrund und ist zugleich Unternehmensgeist. Ob komplexe Verhandlungsstrategien oder scheinbar beiläufige Kommunikation – der Autor vieler erfolgreicher Beiträge und mehrerer Bücher, zuletzt „Weltspitze - ErfolgsKnowhow für internationale Geschäfte“, weiß wie man international erfolgreich und nachhaltig agiert. Doch der wahre Erfolg liegt immer im Menschen selbst – und in Sergey Frank liegt die slawische Seele. Diese wollte er bei seinem Firmenjubiläum in den Vordergrund stellen.

Seinen internationalen Gästen wollte Sergey Frank seine Wahlheimat, deren Name auf das slawische Wort Lipsk rekurriert, nicht vorenthalten: Die Diplom-Ingenieure und Architekten Wolfgang Kunz (ehemaliger Leiter des Stadtplanungsamtes der Stadt Leipzig) und Norbert Hippler (RKW Rhode Kellermann Wawrowsky Architektur + Städtebau) führten mit ihrer Fachkompetenz durch die Leipziger Innenstadt. Dabei erfuhren auch die einheimischen Gäste Neues über Bauplätze, Baulücken, Mittel und Möglichkeiten der Stadt- und Bauplanung sowie über NeuGestaltung im Öffentlichen Raum und bekamen einen Einblick in die oft nicht einfache Aufgabe, Eigentümerinteressen und -vorhaben mit städtebaulichen und denkmalpflegerischen Ansprüchen zu verbinden. Oriental Spirit Meets International Guests Der feierliche Teil der Veranstaltung wurde nicht in den Büroräumen von Sergey Frank International, sondern im historischen Stadtbad gefeiert – eine Würdigung der dem Verfall preisgegebenen

Räume, der durch Leipziger Bürgerengagement aufgehalten wird. Das orientalisierende Interieur bot dabei noblen Cigarren eine würdige Kulisse. Die international agierende Firma DANNEMANN richtete eine Lounge ein, in der die Gäste nicht nur mit den Raffinessen der fertigen Produktpalette des traditionsreichen Unternehmens vertraut wurden, sondern auch eine Ahnung von der Manufakturierung, der händischen Verarbeitung des Tabaks erfuhren: unter Anleitung der brasilianischen Cigarrenrollerin Rosemary Oliveira konnten Cigarren selbst gerollt werden. So wurde das Raucherlebnis durch ein intensives haptisches gesteigert – ein Mehrwert des Genusses.

Slavic Soul Goes International

Slavic Soul Inspires International Spirit

Höhepunkt des Abends war neben einer Führung durch das Stadtbad die Lesung des russischen, in Kiew lebenden Schriftstellers Andrej Kurkov. Für welches Land das slawische Herz schlägt, ist für Kurkov klar: für beide. Erfahrbar wird dies in der Beschreibung der fiktiven Personen wie dem russischen und dem ukrainischen Präsidenten in „Die letzte Liebe des Präsidenten“. Mittels märchenhaft-absurder Kulissen, in denen sich die Protagonisten bewegen und die gleichermaßen politische Landschaften, aber auch Seelenlandschaften sind, kreiert der Autor die Grundlage zum Verständnis für das Verhalten der Personen und schafft Flächen, entlang derer er die politische und seelische Autopsie vornimmt.

Politische Dimensionen bei Geschäften in Osteuropa, Russland, China und Lateinamerika – das ist ein Feld, auf dem sich Sergey Frank auskennt, doch er weiß es noch besser: bei Geschäften zählt immer auch das menschliche Gegenüber – wer die Seele des anderen versteht, dem kann auch der Erfolg beschieden sein. Weitere Informationen finden Sie unter: Sergey Frank International www.sergey-frank.com DANNEMANN El noble cigarro www.DANNEMANN.com

Impressionen der Dannemann-Lounge: Nicht nur Genießer lernten die Welt des DANNEMANN-Tabaks kennen. Die Gäste gaben mit Hilfe der Torcedora Rosemary Oliveira ihrer Zigarre eine eigene Prägung, indem sie das Deckblatt selbst rollten sowie Mundstück und Kopf modellierten.


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REGJO

»Als Kind hätte ich so ein Buch auch gern gehabt«

Zwischen Dienstleistung und Journalismus

In eigener Sache: Der Magazinverlag Mitteldeutschland schenkt sich zur 30. REGJO-Ausgabe ein zweisprachiges Kinderbuch.

Ein Gespräch mit Herausgeber Claus-Peter Paulus anlässlich der 30. Ausgabe des Magazins REGJO über Unabhängigkeit, sich verschiebende Gewichtungen und ostdeutsche Direktheit.

Text: Tobias Prüwer Illustration: Anja Tittel

Text: Steffen Georgi

„Gabriel und die frechen Affen – Gabriel and the cheeky monkeys“ heißt das zweisprachige Kinderbuch, das der Magazinverlag Mitteldeutschland GmbH pünktlich zur 30. REGJO-Ausgabe veröffentlicht. Ein Kinderbuch aus dem Verlag einer vorrangig der Wirtschaft gewidmeten Zeitschrift? „Ich fand das Thema reizvoll“, erklärt REGJO-Macher Claus Peter Paulus. „Es hat mich auch gereizt, weil es mal etwas ganz anderes ist als das, was wir sonst machen. Nach zig 1.000 gedruckten Seiten, die sich alle Daten und Zahlen, Analysen und Statistiken widmeten, war es schön, mal so etwas Sinnliches wie das Abenteuer eines kleinen Jungen zu verlegen.“ Die sechs Abenteuer auf Deutsch und Englisch entstammen der Feder von James Parsons, dem Direktor des Leipziger ICCSprachinstituts. Und der Gabriel im Buch ist echt, er ist nämlich Parsons Sohn. „Gabriel ist seit unserem ersten Besuch im Gondwanaland von den Affen begeistert und wollte immer neue Geschichten hören. Ich habe immer neue erfunden, aber dann wollte Gabriel, dass ich eine bestimmte Geschichte wiederhole. Aber die hatte ich vergessen.“ Also schrieb er die lustigen Storys vom stibitzten Mittagessen und rechnenden Äffchen auf, und weil in Kinderbücher Bilder gehören, fragte er bei der Illustratorin Anja Tittel an. Auf die Dresdnerin war er über ein Portal für Unternehmen aufmerksam geworden. Sie fand das Manuskript gut. „Schon während des Lesens hatte ich die ersten Bildideen im Kopf und fing sogleich mit den Zeichnungen an“, erzählt sie. Für das zweisprachige Buch für Kinder ab vier Jahren wurden zunächst Gelder per

Crowdfunding eingeworben; über 2.600 Euro kamen so zusammen. Das ist mehr als ursprünglich geplant und weil das Buch ein soziales Projekt ist, bekommen hundert Kitas und Schulen ein Freiexemplar. Dann konnte der REGJO-Verlag als Partner gefunden werden. Die Finanzierungsmethode Crowdfunding hält Paulus gerade im kulturellen Sektor für eine gute Ergänzung. „Hier kann man testen, ob man vom Publikum, vom Markt überhaupt angenommen wird. Das funktioniert wie ein Barometer.“ Das Buch mit seiner regionalen Vernetzung und dem Thema Zoo Leipzig habe einfach zum Verlag gepasst. Auch Anja Tittel ist stolz auf das regionale Projekt. „Solche Zusammenarbeit bedeutet mir viel. Dadurch entstehen gemeinsame Strukturen und Kooperationen. Diese stärken meiner Meinung nach die heimische Wirtschaft und ermöglichen ein effektives Arbeiten.“ Und das Wichtigste ist auch erfüllt: Gabriel mag das Buch. „Er findet es lustig“, freut sich James Parsons, „und bekommt die Geschichten gern vorgelesen.“ Auch Claus Peter Paulus mag das Buch, obwohl er aus dem passenden Alter dafür schon länger heraus sei, wie er lachend meint. „Als Kind hätte ich so ein Buch auch gern gehabt – unsere Englisch-Fibel war nicht gerade lustig.“ Erworben werden kann „Gabriel und die frechen Affen – Gabriel and the cheeky monkeys“ im ICC Sprachinstitut und beim REGJO-Verlag. Weitere Erwerbsmöglichkeiten unter www.facebook.com/gabrielunddiefrechenaffen

Fotografie: REGJO

Man könnte die Geschichte des Magazins REGJO auch als bloße Erfolgsstory kredenzen. Wäre legitim – aber auch nicht frei von Langeweile. Langweilen ist journalistische Todsünde. Claus-Peter Paulus weiß das und wenn er anlässlich der 30. REGJO-Ausgabe ein kleines Resümee für angemessen hält, changiert das Gespräch immer wieder zwischen Stolz, Begeisterung und kühler Reflektion. Ähnlich den Polen, die REGJO definieren – als Magazin der Verlagsdienstleistung und des freien Journalismus. Als Printmedium, das PR-Service mit redaktioneller Unabhängigkeit verbindet. Zukunftskonzept Osten 2004 nahm das seinen Anfang. Als ein Ostableger des niedersächsischen REGJO entwickelt sich das Heft unter Paulus´ Ägide dabei sehr schnell zum eigenständigen Label. Aus Göttingen zum Studium des Buchhandel- und Verlagswesens nach Leipzig gekommen und zuvor in der alten Hei-

mat schon maßgeblich an der Etablierung des REGJO beteiligt, vermengten sich bei Paulus Know-how mit der Lust auf etwas Neues. Paulus: „Da war die Frage, wie und worüber definiert sich eine Identität des Ostens, speziell dieser mitteldeutschen Region, als Zukunftskonzept? Und wie bereitet man das publizistisch auf?“ Unvoreingenommenheit dürfte einer der Gründe dafür sein, die Paulus für sein Vorhaben schnell Unterstützung finden ließ: „Die Menschen hier erschienen mir immer zugänglicher als im Westen. Die Kommunikation ist entspannter, gleichzeitig auch direkter.“ Darüber hinaus überzeugte das REGJO-Konzept: „Bildstrecken und Texte, Form und Inhalt prägnant in Beziehung gesetzt. Was National Geographic mit der Natur schafft, machen wir mit Wirtschaft und Kultur.“

Nach Wirtschaft, Forschung, Politik. Das sollte sich bald ändern und REGJO sich zum „Magazin für Wirtschaft und Kultur“ wandeln. Diese Verschiebung der inhaltlichen Gewichtung installierte dabei nicht nur ein markantes REGJO-Alleinstellungsmerkmal, sondern ist vielleicht auch wegweisend ob der Selbstverständlichkeit, wie hier die einschlägige Wahrnehmung von Kultur „als das, was kostet“ umbewertet wird hin zu Kultur als Investition in die Zukunft. Paulus sagt: „Wir denken Wirtschaft und Kultur eben nicht als Gegensätze. Und auch das macht den Vorwurf, wir seien das ‚Printorgan für ambitionierte PR-Heinis‘ ziemlich absurd.“ Kultur kostet – Journalismus auch. Unabhängigkeit ist immer ein Balanceakt. Dem wird REGJO auch in Zukunft treu bleiben.

Alleinstellungsmerkmale und Balanceakte Kultur nun rangierte in der REGJO-Prioritätenliste anfänglich noch an letzter Stelle.

Mehr Informationen finden Sie unter: www.regjo-leipzighalle.de


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Immobilien & Architektur in Mitteldeutschland:

Die EnergieCity Leipzig GmbH errichtet eine Erlebniswelt und eine Marketingplattform für Energie- und Umwelttechnik und für nachhaltiges, energieeffizientes Bauen und Sanieren. Es entsteht ein Ausstellungs- und Demonstrationszentrum sowie eine Bildungsstätte und ein Eventtreffpunkt unter dem Oberbegriff „Fit für den Klimawandel“. Das Projekt wird sowohl real als auch virtuell aufgebaut und strahlt überregional aus. Der Vorstand der Berliner GASAG, Andreas Prohl sagte beim

Eine Endeckungsreise

Ostdeutschen Energieforum in Leipzig: „Wir müssen die Bürger auf dem langen Weg bis 2050 mitnehmen, die Bürger kennen die Konsequenzen der Energiewende noch nicht. Wir müssen sie ihnen kommunizieren.“ Die Kommunikation der Energiewende sollte durch das EnergieEvent Center, den Leuchtturm für Energieeffizienz – Erneuerbare Energien – Nachhaltiges Sanieren in Leipzig am Hauptbahnhof durch die EnergieCity Leipzig erfolgen.

Kontaktdaten: EnergieCity Leipzig GmbH Georgiring 1-3 04103 Leipzig Geschäftsführer: Prof. Dr. Hans-Jochen Schneider und André Jaschke Telefon: 03 41 / 35 59 16 27 Fax: 03 41 / 35 59 16 29 E-Mail: ecl@energiecity-leipzig.de Internet: www.energiecity-leipzig.de

Die EnergieCity Leipzig bedankt sich bei Ihren Kooperationspartnern:

Spiel mit Wind – Norddeutschland (2012) Michael Fischer - Art


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REGJO

Städteplanung ohne Dogma Die Immobilienwirtschaft steht gerade im Osten Deutschlands vor großen Herausforderungen, die vor 20 Jahren so noch nicht abzusehen waren: Einerseits hat sie mit prosperierenden Leuchttürmen zu tun, andererseits mit Regionen, die überdurchschnittlich von Abwanderung und Überalterung betroffen sind. Welche Entwicklungschancen bieten sich und welche Instrumente sind nötig? Ulrike Hausmann, Professorin für Immobilienmanagement an der Hochschule Anhalt, im Gespräch mit dem REGJO-Magazin.

Interview: Bastian Salier

Fotografie: Swen Reichhold

In den vergangenen 20 Jahren hat sich in den ostdeutschen Ländern viel getan im Immobilien- und Bausektor. Dementsprechend sind auch große Mengen an Fördermitteln aus den verschiedensten Töpfen geflossen. Wie viel davon war wirklich sinnvoll und notwendig – hat sich diese Förderpraxis bewährt? Der Einsatz von Förderprogrammen durch Bund, Länder und Kommunen ist vom Grundsatz her richtig und hat sich bewährt. Ob die Schwerpunkte in ihrer finanziellen Ausstattung und Ausprägung immer richtig gesetzt waren und sind, ist grundsätzlich nicht so eindeutig zu beantworten. In den 90er Jahren wurden Fördermittel gerne einfach auch mal „spekulativ“ mitgenommen, ohne dass sich das eigentliche Interesse des Investors deutlich darin widerspiegelte. Es galt damals Immobilien zu sichern, Fördermittel zu sichern – und erst im zweiten Schritt wurde darüber nachgedacht, was eigentlich genau passieren soll. Und dann ist teilweise nichts geschehen, was für die Kommunen oft zur Belastung wurde. Aber das sind inzwischen Ausnahmen. Vom Grundsatz her sind Förderprogramme auch in Zukunft unbedingt erforderlich. Sie sind ein wichtiges Steuerinstrument, und nur so können bestimmte Anreize geschaffen werden. Was häufig beklagt wird, ist allerdings das umständliche Prozedere der Antragstellung. Das schreckt mitunter insbesondere private Investoren von einer Antragstellung ab. In den 90er Jahren wurden viele Bauvorhaben zu groß bemessen, weil kommunale oder auch private Investoren beispielsweise den demografischen Faktor oder die zukünftige Abwanderung nicht berücksichtigt haben. Worauf muss heute vor allem geachtet werden? Der demografische Faktor wird so häufig ins Feld geführt, dass damit inzwischen auch unbegründete Ängste erzeugt werden. Für den privaten Bauherren steht vor allem das Nutzungskonzept sowie die nachhaltige Rendite im Vordergrund. Wenn es auch noch mit

der Förderung klappt, dann ist das eine gute Sache. Ich würde einem privaten Bauherren empfehlen, sich die Region und die Kommune genau anzusehen: Es wird Regionen geben, die prosperieren, und es wird auch solche Regionen geben, die in Zukunft stärker verlieren. Das sind vor allem ländliche Regionen und bestimmte Klein- und Mittelstädte. Wäre es für die ländlichen Regionen ratsam, mit den prosperierenden Städten zusammenzuarbeiten und wie könnte so eine Zusammenarbeit funktionieren? Die Kommunen versuchen natürlich schon, sich in der eigenen Region Beistand zu holen. Es werden schon sehr viele gemeinsame Entwicklungskonzepte mit konkreten Schwerpunktsetzungen ausgearbeitet. Beide Seiten können voneinander profitieren: Beispielsweise, indem die Kommunen im Speckgürtel den überfüllten Großstädten helfen, Bauland zur Verfügung zu stellen. Oft können auch nur durch gemeinsame Planungen gezielt Fördermittel in Anspruch genommen werden, für eine gemeinsame Infrastruktur, für den Wohnungsbau. Eine besondere Schwierigkeit liegt anscheinend in der Erhaltung der Infrastruktur in Regionen, in denen die Abwanderung sehr groß ist: Vor allem die soziale, medizinische und sonstige Daseinsvorsorge steht dort oft auf der Kippe. Ist das für die private Immobilienwirtschaft kein lohnendes Feld? Das ist durchaus ein interessantes Feld, es gibt sehr viele gute Beispiele. Und zwar dann, wenn die Zusammenarbeit zwischen der kommunalen Politik und der privaten Bauwirtschaft stimmt. Dann kann es sein, dass private Wohnungsbauträger sich auch beispielsweise um das Feld „Betreutes Wohnen“ kümmern, was ja nicht originär ihre Aufgabe ist. Aber viele haben erkannt, dass es sich lohnt,

wenn das gesamte Umfeld in die Planungen mit einbezogen wird, wenn Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden, die medizinische Versorgung erhalten bleibt. Nur durch eine entsprechende Daseinsvorsorge lassen sich die Mieter in sonst strukturschwachen Gegenden halten. Die Menschen gehen natürlich vor allem in Städte, wo Leben zu verzeichnen ist. Meine Studenten sind alle der Meinung, sie müssten in Leipzig wohnen. Warum? Sie sagen: Hier herrscht ein städtisches Leben – in kultureller und sozialer Hinsicht. Und es gibt einen gewissen aufstrebenden Arbeitsmarkt, zumindest für diese Klientel. Bürgerbeteiligung und auch Bürgerproteste haben in den vergangenen Jahren sehr stark zugenommen, wenn es um Baumaßnahmen geht. „Stuttgart 21“ ist nur das bekannteste Beispiel. In Mitteldeutschland stehen verschiedene geplante Energietrassen im Blickpunkt der Kritik. Auch innerstädtischer Umbau ist häufig ein Anlass zur Sorge bei den Bürgern. Ist diese „Einmischung“ eher hinderlich für die Entwicklung der Regionen und Städte? Nein, sie ist ein wichtiges Element unserer Demokratie, auf das wir nicht verzichten sollten. Die Bürgerinitiativen haben sich in der Gesellschaft etabliert. Und ich meine auch, dass die Bürger ein Mitspracherecht an den Dingen haben, die sie später nutzen sollen und wollen. Wir werden dieses Mitspracherecht der Öffentlichkeit nicht zurückdrehen. Planer und Bauträger sind gut beraten, wenn sie sich beizeiten an die Öffentlichkeit wenden und sich geeignete Gesprächspartner heraussuchen, von denen die Projekte dann auch kritisch begleitet werden können. Die Immobilien- und Bauwirtschaft ist hierzulande sehr kleinteilig. Viel Geld für Forschung und Entwicklung ist nicht vorhanden. Allerdings werden Bauherren und Mieter offenbar immer anspruchsvoller, was die ökologische Bilanz angeht. Ist die Immobilienwirtschaft in den neuen Ländern darauf genügend vorbereitet? Auf dem Mietmarkt sind wir inzwischen ja so weit, dass Mieter vor der Unterschrift unter den Mietvertrag nach einer Aufschlüsselung der Betriebskosten der letzten zehn Jahre fragen. Die Baubranche selbst steht unter einem enormen Finanzierungsdruck. Es ist eine Frage, ob und wie wir diese ökologische Bauweise kostenmäßig in den Griff bekommen. Natürlich ist diese Art des Bauens sinnvoll, weil sie auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.


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MODERNE TRIFFT AUF ZEITLOSE ELEGANZ. Aber solange sie deutlich teurer als die herkömmliche Bauweise ist, sehe ich Probleme. Das ist im Augenblick noch eher etwas für den privaten Bauherren von Einzeleigentum, der das entsprechende Geld dafür ausgeben möchte. An dieser Stelle soll aber auch ganz deutlich auf die umfänglichen Leistungen der unternehmerischen Wohnungswirtschaft als Beitrag zur Energieeffizienz in den letzten Jahren aufmerksam gemacht werden. In diesem Bereich ist aber auch die Förderpraxis sehr hilfreich. Eine Chance hat ökologisches Bauen vor allem dann, wenn sich die höheren Kosten, z. B. durch die Energieeffizienz, wieder amortisieren. Allerdings gibt es das Problem, dass sich das nicht immer so genau nachweisen lässt, weil es kaum Langzeiterfahrungen gibt. Entscheidend ist, dass sich die Bauund Immobilienwirtschaft in den nächsten Jahren auch auf weitere politische Schritte in dieser Richtung einstellen muss. Wir haben ja in Deutschland den Hang, solche Dinge sehr gerne politisch zu forcieren und vielleicht auch an manchen Stellen zu übertreiben.

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Was sind heutzutage eigentlich Toplagen für die private Immobilienwirtschaft? Das ist sehr schwierig zu beantworten. Warum: Weil es von den Bedürfnissen der Nachfrager abhängt. Natürlich sind innerstädtische Lagen, möglichst mit Anschluss an grüne Parks, immer gefragt. Da wird es auch in Zukunft keinen Rückgang geben. Aber es gibt auch eine große Nachfrage im so genannten Speckgürtel. Wenn eine Kommune dann noch punkten kann mit Flussläufen, wie in Leipzig etwa, und einer Seenlandschaft im Süden und Norden, ist das für Interessenten äußerst attraktiv. Es hängt auch von der Bausubstanz ab: Der eine liebt den Gründerzeitbau, der andere eher den Neubau. Am Beispiel Leipzig stellt sich über lange Zeiträume heraus, dass die guten Wohnlagen mit wenigen Ausnahmen immer dieselben geblieben sind. Da gibt es eine gewisse historische Kontinuität, die auch ein bestimmtes Image zur Folge hat. Für Leipzig scheint es also Hoffnung zu geben. Aber für welche Städte wird die Zukunft eher schwierig? Wirklich prosperierende Städte mit angebundenen Regionen gibt es in den neuen

Bundesländern leider sehr wenige: Weimar, Erfurt, Jena, Leipzig, Dresden, Magdeburg haben hier sicherlich gute Chancen. Abhängig ist das Ganze vor allem auch vom Arbeitsmarkt. Landschaftliche Vorteile sind kaum von so großer Bedeutung. Die Menschen ziehen auch aus sehr schönen Gegenden weg, wenn es dort keine Arbeit gibt – blicken Sie nach Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Es gibt durchaus einige Mittelstädte in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, die abseits der großen Autobahn-Trassen liegen, die akut gefährdet sind. Ist Rückbau dann die richtige Lösung? Selbstverständlich wird ein gewisser Stadtumbau auch unter dem demografischen Aspekt stattfinden müssen. Dabei ist in der Stadtentwicklungsplanung auch der Rückbau eine sinnvolle Angelegenheit, die man betreiben soll und muss, wenn man in der Immobilienwirtschaft keine größeren Verluste erleiden will. Es ist wichtig, in einer Stadt auch Konzepte dafür zu entwickeln. Es muss nicht immer nur der Plattenbau an den Rändern sein, der abgerissen wird. Wir können auch versuchen, einzelne Quartiere innerhalb der Stadt herausnehmen, um Licht und Luft hereinzulassen. Das muss man sich von der Bausubstanz her genau ansehen und von Fall zu Fall entscheiden. Es gibt ja beispielsweise auch Gründerzeitviertel, die zusehends verfallen und deren bauliche und historische Substanz nur einen sehr geringen Wert aufweist. Mit Dogmatismus kommen wir hier nicht weiter. Hat die Platte eine Zukunft? So geschmäht und stigmatisiert sie auch ist: Ja, unbedingt! Wenn wir uns die soziale Entwicklung im Osten Deutschlands ansehen, birgt der Plattenbau die größten Chancen, um in Zukunft überhaupt preiswerten Wohnraum anzubieten. Denn die Sanierung von Plattenbauten ist um einiges kostengünstiger als die Sanierung von Altbauten. An der A4 in Thüringen z.B. gibt es zurzeit einen großen Zuwachs an Firmen aus der Logistikbranche. Kann das ein dauerhafter Erfolg werden oder ist das nur eine momentane Entwicklung? Man kann nicht sagen, wohin diese Reise gehen wird. Natürlich ist die zentrale Lage innerhalb Deutschlands ein gewisser Stand-

ortvorteil. Wie sehr sich das in Zukunft auswirken wird, muss man abwarten. Auch Halle und Leipzig im Verbund sind hier ein starker Kandidat. Hier siedeln sich ebenfalls Unternehmen an, die sehr stark mit logistischen Fragen beschäftigt sind. Nicht nur Speditionen selbst, sondern beispielsweise auch Automobilunternehmen, die mit ihren Just-in-time-Konzepten sehr stark auf funktionierende Infrastrukturen angewiesen sind. Standorte wie Dresden müssen aufgrund ihrer Lage weitaus größere Anstrengungen vornehmen. Vielen Dank für das Gespräch!

Prof. Dr. Ulrike Hausmann - Studium der Betriebswirtschaft in Leipzig - Wissenschaftliche Assistentin/Oberassistentin an der Technischen Hochschule Leipzig Bereich Bauproduktion, 1981–1992 - Promotion an der Technischen Hochschule Leipzig, 1986 - Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig am Lehrstuhl Bauproduktion 1992–1993 sowie am Stiftungslehrstuhl Grundstücks- und Wohnungswirtschaft 1994–1997 - Berufung an die Hochschule Anhalt im Studiengang Immobilienwirtschaft, Fachbereich Wirtschaft für Immobilienmanagement seit 1997


REGJO MITTELDEUTSCHLAND EXPO REAL 2011 39

Wirtschaftsförderer in Mitteldeutschland Landeshauptstädte Sitz der Wirtschaftsförderer Autobahn Diese Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Sie den REGJO-Lesern Ihre Kommune oder Institution auf der REGJO-Karte der mitteldeutschen Wirtschaftsförderer präsentieren möchten, nennen wir Ihnen gern die Konditionen für die kostenpflichtigen Einträge. Unsere Kontaktdaten finden Sie im Impressum dieser Ausgabe oder unter www.regjo-leipzig.de.

Stadt Schönebeck (Elbe) Amt für Wirtschaftsförderung und Tourismus Ansprechpartner Herr Ellert Markt 1, 39218 Schönebeck (Elbe) Tel.: 03928 / 710504 wifoe@schoenebeck-elbe.de www.schoenebeck.de

Stadtverwaltung Bautzen Wirtschaftsförderungsamt Amtsleiter Herr Alexander Scharfenberg Fleischmarkt 1, 02625 Bautzen Tel.: 03591 / 534-592, Fax: 03591 / 534-599 wirtschaftsfoerderung@bautzen.de www.bautzen.de

Stadtverwaltung Markkleeberg Wirtschaftsförderung Ansprechpartner Frau Kerstin Kaiser Rathausplatz 1, 04416 Markkleeberg Telefon: 0341 / 3533235, Telefax: 0341 / 3533148 kaiser@markkleeberg.de www.markkleeberg.de

Stadt Leipzig Wirtschaftsförderung Ansprechpartner Herr Dr. Michael Schimansky Martin-Luther-Ring 4-6, 04109 Leipzig Tel.: 0341 / 1235810, Fax: 0341 / 1235825 wirtschaft@leipzig.de www.leipzig.de

Stadt Halle (Saale) Wirtschaftsförderung Ansprechpartner Herr Dr. Heinz Friedrich Franke Marktplatz 1, 06108 Halle (Saale) Tel.: 0345 / 2214760, Fax.: 0345 / 2214776 wirtschaftsfoerderung@halle.de www.wifoe.halle.de

Wirtschaftförderungsgesellschaft Jena mbH Geschäftsführer Herr Wilfried Röpke Markt 16, 07743 Jena Tel.: 03641 / 8730032, Fax: 03641 / 8730059 jenawirtschaft@jena.de www.jenawirtschaft.de

Regionalmanagement Region Leipzig-Westsachsen Regionalmanagerin Frau Anja Terpitz Haus der Wirtschaft im Landkreis Leipzig Schulstraße 67, 04668 Grimma Tel.: 03437 / 760807, Fax: 03437 / 760801 anja.terpitz@region-leipzig-westsachsen.de www.regio-westsachsen.de

Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Anhalt-Bitterfeld mbH Ansprechpartner Herr Armin Schenk Andresenstraße 1 a 06766 Bitterfeld-Wolfen, OT Wolfen Tel.: 03494 / 638366, Fax: 03494 / 638358 info@ewg-anhalt-bitterfeld.de Niederlassung in Zerbst

Metropolregion Mitteldeutschland Schillerstraße 5, 04109 Leipzig Tel.: 0341 / 600-1620, Fax: 0341 / 600-1613 metropolregion@leipzig.de www.region-mitteldeutschland.com

IMG Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH Am Alten Theater 6, 039104 Magdeburg Tel.: 0391 / 568990, Fax: 0391 / 5689950 welcome@img-sachsen-anhalt.de www.investieren-in-sachsen-anhalt.de

Stadt Plauen Wirtschaftsförderung Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Ansprechpartner Herr Eckhard Sorger Unterer Graben 1, 08523 Plauen Tel.: 03741 / 2911800, Fax: 03741 / 29131800 eckhard.sorger@plauen.de www.plauen.de

Stadt Magdeburg Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit Beigeordneter Herr Rainer Nitsche Julius-Bremer-Straße 10, 39090 Magdeburg Tel.: 0391 / 5402543, Fax: 0391 / 5402619 rainer.nitsche@ob.magdeburg.de www.ottostadt.de

Landkreis Leipzig Kreisentwicklungsamt Amtsleiterin Frau Gesine Sommer Stauffenbergstraße 4, 04552 Borna Tel.: 03433 / 2411050, Fax: 03437 / 984991050 gesine.sommer@lk-l.de www.landkreisleipzig.de


Toma Babovic/Thringer Tourismus gmbH (TTg), unten: Ingo Bracke/Bachhaus eisenach ggmbH

oben links: weimar gmbH, Mitte links: Congress Centrum Suhl/TTg, unten: Barbara Neumann/TTg, oben rechts: Wolfgang Benkert/TTg


oben: Michael Bader/IMg Sachsen-Anhalt, unten: Schco International Kg

oben links: Hermes Fulfilment gmbH,Mitte links: U.D./Tourismus Marketing gesellschaft Sachsen (TMgS), unten links: IMg Sachsen-Anhalt, oben rechts: SWM Magdeburg, unten rechts: Andreas Bartsch


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REGJO

Stadt, Land, Frust

Weiter Himmel, herrliche Aussicht. Wo viel Platz ist, sind womöglich die Grundstückspreise niedrig, dafür könnte es dort aber auch an Infrastruktur fehlen.

Leuchtturmpolitik und Flächenmaßnahmen: Die Entwicklung der Städte und Regionen Mitteldeutschlands wird durch veränderte Strukturen herausgefordert. Dies tangiert nicht nur die Politik, sondern auch die Immobilienbranche. Beide müssen sich den Fragen stellen, ob Städte derzeit Motoren sind und wie sich die Raumentwicklung in Zukunft gestaltet.

Text: Tobias Prüwer und Franziska Reif

Fotografie: EUROGLAS, ©emicristea, Flexmedia, stocker1970 - Fotolia.com, Thüringer Tourismus GmbH (TTG)

„Stadtluft macht frei“ hieß das seligmachende Versprechen im Mittelalter. Städte gelten als Brutstätte der Moderne. Auch angesichts des sozialen Wandels in der postindustriellen Gesellschaft halten Kommunen und Ministerien am Primat Stadt bei der Regionalentwicklung fest. Ende September fand mit der Jahrestagung der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) eine Veranstaltung in Leipzig statt, die sich diesem Thema widmete. Unter dem Titel „Neue Polarisierungen von Stadt und Land“ diskutierten Fachleuten der Ahnung folgend, dass die Siedlungsstruktur Deutschlands vor grundsätzlichen Veränderungen mit weit reichenden Auswirkungen auf die Gesellschaft steht. Erörtert wurden Fragen wie „Brauchen wir eine veränderte Lesart und Haltung zum Verhältnis von Stadt und Land und damit auch zur künftigen Aufgabenverteilung zwischen ‚Kern’- und ‚Rest’- Räumen?“ Ein Diskussions-Panel zu Mitteldeutschland hieß „Stadt ist Region – über räumliche Vernetzung, Kooperation und neue Aktionsräume“. Inwieweit also sind Städte Motoren der mitteldeutschen Raumentwicklung, wie gestaltet sich der Status quo und welche Zukunftsszenarien werden erwartet? Motoren der Entwicklung: Stadt oder Land? „In Sachsen-Anhalt ist mit einem Bevölkerungsrückgang von 370.000 Bürgern bis 2025 zu rechnen“, beginnt der Direktor des Verbands der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt, Jost Riecke, seine Antwort auf die Frage nach den urbanen Motoren. „Schon

jetzt ist erkennbar, dass Magdeburg und Halle gegenüber den sonstigen Städten und Gemeinden den geringsten Bevölkerungsverlust haben werden. Damit ist weitestgehend vorgegeben, dass die großen Städte die Motoren der weiteren Entwicklung sein werden, wobei natürlich nicht auszuschließen ist, dass besondere Standorte in ländlichen Räumen sich gegen den allgemeinen Trend besser entwickeln.“ Die Rolle der Wohnungsunternehmen hält er dabei für wichtig, schon „weil sie einen immobilen Wohnungsbestand haben und deshalb Antworten haben wollen auf die Frage, welcher Personenkreis wo, wie, mit welchem Einkommen und welchen Wünschen in den nächsten Jahren noch Mieter- beziehungsweise Nachfrager von Wohnraum sein wird.“ Da die regionalen Wohnungsteilmärkte unterschiedlich ausfielen, könne man Entwicklungen seiner Meinung nach nur mit örtlichen Demografiekonzepten steuern. Gemeinsames Handeln sei hier notwendig: „Es hat keinen Sinn, eine einseitige Lösung bei Schulen und Kindergärten und der Feuerwehr zu finden, dabei aber die Gesundheits-, Abwasser-, Trinkwasser- oder Wohnungsversorgung außer Acht zu lassen.“ Trotz Bevölkerungsrückgang gibt es Riecke zufolge Standorte, „an denen auch Wohnungsneubau – allerdings vornehmlich im oberen Preissegment – stattfinden wird und auch soll. Dabei ist das Thema Bauen am Wasser, wie mit dem Magdeburger Elbbahnhof, auch für die Entwicklung einer Stadt ein richtiger Schritt.“ Entscheidend bei der Immobilienentwicklung ist es, die Lage zu beachten. Denn dieser ordnen sich die weiteren individuellen Ansprüche an eine Immobilie unter. Dabei kann sich hinter dem kleinen Wört-

chen „Lage“ vieles verbergen, weiß Matthias Kredt, Vorsitzender des Leipziger Gutachterausschusses: „Die Ziele, die mit einem Grundstück verfolgt werden, spielen freilich mit der Lage zusammen. Beim Wohnen bedeutet das, dass die Ansprüche sich unterscheiden, je nach dem, ob es um individuelles Eigentum geht, um Mehrfamilienhäuser oder um Eigentumswohnungen. Immer eine Rolle spielt die Infrastruktur. Schließlich gibt es noch die individuelle Komponente: Mancher will ruhig und grün wohnen, andere bevorzugen ein bestimmtes Milieu.“ Während potentielle Immobilieneigner ihre Vorstellungen gemäß geplanter Nutzung formulieren, agiert auch die Immobilienwirtschaft selbst am Markt mit Zielen und Wünschen. Ein nicht unerheblicher Teil des Marktes befindet sich in den Städten. Tendenz steigend – das stellt Kommunen und Länder vor Herausforderungen. Inge Klaan, Staatssekretärin im Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, spricht in dem Zusammenhang von Ankerstädten.

Damit meint sie auch in Bezug auf das ländlich geprägte Thüringen vor allem die Mittelzentren, Orte also, die neben der Grundversorgung weitere Bedürfnisse abdecken können, weil sie über Fachärzte, Kaufhäuser, weiterführende Schulen und kulturelle Angebote verfügen. Herausforderung Bevölkerungsverlust Der Bevölkerungsverlust vollzieht sich also regional sehr unterschiedlich. So wird Sachsen einer Prognose zufolge bis 2025 etwa ein Zehntel an Einwohnern verlieren, davon in weiten Teilen zwischen 7,5 und 17,5 Prozent. Lediglich in Leipzig und Dresden wird ein leichter Zuwachs erwartet. Wie eingangs erwähnt, trifft das in SachsenAnhalt auf Halle und Magdeburg zu. Deshalb müssen zentralörtliche Gliederungssysteme und Versorgungsstrukturen stärker ausdifferenziert sein, was Inge Klaan zufolge nicht heißt, Stadt und Land gegeneinander auszuspielen. Vielmehr bedingen sie sich gegenseitig: „Je leistungsfähiger die Ankerstädte sind, desto stabiler wird auch

das Umland sein, und zwar in Hinblick auf die demographische Entwicklung, aber auch bei Wirtschaft und Kultur.“ Andererseits hängt die Standortsicherheit der Städte auch von der Stabilität des Versorgungsraums Umland ab. Die Konsequenzen, die aus dem demographischen Wandel für die Bereiche Bauen, Wohnen, Vermieten erwachsen, sind beachtlich. Die Wohnungs-, Immobilien- und Gutachterverbände begreifen den notwendigen Umbau der Städte als „permanenten Anpassungs- und Begleitprozess an strukturellen Wandel“ und forderten im Februar auf dem mitteldeutschen Immobilienkongress „die Städtebauförderung als Instrument des Stadtumbaus wieder auf ein bedarfsgerechtes Niveau zu heben und vor allem planungssicher weiterzuführen“. Die Verbände erwarten also mehr Geld aus der öffentlichen Hand. Die tatsächlichen Einflussmöglichkeiten der Politik sind allerdings begrenzt, da sie nicht die Fäden zu allen Faktoren in der Hand hat. So nennt Klaan die Städte Suhl und Nordhausen, die trotz nahezu identischer räumlicher Aus-


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gangsbedingungen eine unterschiedliche Entwicklung genommen haben: Obwohl die gleichen Förderinstrumente zum Einsatz kamen, kann Nordhausen inzwischen als demografisch stabil betrachtet werden, während Suhl starke Bevölkerungsverluste hinnehmen musste – ein anhaltender Trend. Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt

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Laut Immobilienpreisspiegel des Immobilienverbands Mitte-Ost (IVD) sind die Preise in allen Segmenten (Baugrundstück, Neubau, fertige Immobilie, Mieten) gestiegen, vor allem in Großstädten und attraktiven Mittelzentren wie Bautzen. Der derzeitige Preisanstieg deutet nicht nur auf Veränderungen in der Immobilienlandschaft hin, er zieht auch Investoren-Aufmerksamkeit auf sich. Zwei Faktoren begünstigen die Marktbelebung: Die Inflation macht die Anlage in Sachwerte interessant und aufgrund niedriger Zinsen werden Kredite lukrativer. Der dadurch erhöhte Verkauf von Baugrundstücken führt zu Preissteigerungen, was auch in den sehr guten Lagen kleinerer Städte wie Plauen, Wernigerode und Wittenberg deutlich wird. Für einen Quadratmeter Baugrundstück in Leipziger Spitzenlage muss man 320 Euro hinlegen, in Dresden 280 Euro, im Umland sind die Preise deutlich zweistellig. Im Bereich Neubau investieren zunehmend Selbstnutzer, in Leipzig liegt ihr Anteil bei über 50 Prozent. Auch hier muss räumlich differenziert werden: Während eine sehr gut ausgestattete Neubauwohnung in Leipzig 2.800 Euro pro Quadratmeter kosten kann, bildet das andere sächsische Extrem Torgau mit 750 Euro. Auch die Mietpreise verteuern sich: Spitzenpreise liegen in Magdeburg und Leipzig bei 11,5 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt ist die Preisentwicklung allerdings immer noch vergleichsweise niedrig. In Halle liegen die Höchstpreise bei 9,50, in Dresden bei 9, in Chemnitz bei 7,50 Euro und in Salzwedel lediglich bei 5,50 Euro. Es gibt also noch Wohnraum für den kleinen Geldbeutel. In diesem Sinne verkündete der Dresdner Wohnungsgenossenschaften e. V. in Antwort auf eine Pressemeldung über Geringverdiener belastende Mieten, dass durchschnittlich hohe Steigerungen von 11 Prozent auf ihre Wohnungen nicht zuträfen. Allerdings würden erschwingliche Flächen in Dresden immer seltener. Auch der Verband der Wohnungs-

Stadtluft macht frei: Manchmal kann es aber direkt eng werden zwischen all den Neubauten. Durch Inflation und günstige Kredite wird der Markt derzeit belebt.

Eine Frage des Milieus: Der eine will die Kneipenmeile in der Nähe, der andere einen Park.


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und Immobilienwirtschaft e. V. verwehrt sich gegen die Feststellung, der sächsische Wohnungsmarkt halte kaum Wohnungen für sozial Schwache vor: Das Hannoveraner Eduard-Pestell-Institut hatte genau dies jüngst bemängelt. Gutachter Kredt räumt ein, dass die kommunalen Einflussmöglichkeiten auf die Preise eher gering sind. „Die Wohnungsgenossenschaften müssen auch wirtschaftlich arbeiten und bestimmte Quadratmeterpreise sind nicht mehr wirtschaftlich.“ Maximal könne die Stadt Überzeugungsarbeit dahingehend leisten, eine Sanierung in abgespeckter Form durchzuführen, um die Umlage auf die Miete gering zu halten. Metropolen präsentieren sich Die Kommunen arbeiten auf verschiedene Weise und auf unterschiedlichen Ebenen zusammen. So stellen sich auf der Messe für Gewerbsimmobilien Expo Real neben Bautzen, Jena, Erfurt und Weimar die Städte Halle und Leipzig als Metropolverband vor – seit Jahren. An ihrem Gemeinschaftsstand mit 22 Ausstellern wollen die Städte mit Faktoren wie Familienfreundlichkeit punkten. Ein anderer Schwerpunkt ist der Wissenschaftsstandort, den beide Städte mit Universitäten, Hochschulen und zahlreichen Instituten belegen. „Der Weinberg-Campus ist der zweitgrößte deutsche Wissenschaftspark“, erklärt Heinz Friedrich Franke, Leiter der Wirtschaftsförderung Halle. Zur Verfügung stehende Labore, Büro- und Technikräume bringen Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Auch den 2011 erschlossenen Star Park A14 mit Autobahnnähe zählt Franke auf. Hier residiert ein Werk von ITS Solar Innotech; der norwegische Photovoltaik-Recycler zog den Standort vor 25 Konkurrenten vor. Das Thema Wohnen am Wasser wird auch bedient. „Wir kennen das in Leipzig und Halle schon seit Jahrhunderten“, lacht Franke. Als Impulsgeber für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wurde die Metropolregion Mitteldeutschland ausgerufen. Die länderübergreifende Kooperation besteht seit 2010 aus elf Städten und erörtert in fünf Arbeitsgruppen die Aufgabenfelder Wirtschaft und Wissenschaft, Kultur und Tourismus, Verkehr und Mobilität, Familienfreundlichkeit und überregionale Kooperation. In kleineren Räumen haben sich Initiativen wie das Städtenetz Demografie

Idyllisches Gewinkel, Farbgebung Geschmackssache: Wohnbedürfnisse fallen individuell aus.

Hettstedt-Eisleben-Sangerhausen zusammengeschlossen. Auch das Städtedreieck Am Saalebogen Rudolstadt-Saalfeld-Bad Blankenburg stimmt sich bei der Stadt- und Regionalentwicklung ab, kooperiert etwa bei der Brachflächenentwicklung und fördert die touristische Entwicklung unter einer Dachmarke. Der Gangs aufs Land Eher skeptisch sieht Andreas Willisch die Fokussierung auf die Städte. Der Soziologe vom Thünen-Institut für Regionalentwicklung meint, dass die ländlichen Räume bei den Planern zu kurz kämen. Die Ingenieursperspektive habe die Leuchttürme im Blick. Das beruhe auf einer Fehlwahrnehmung. „Der Fokus auf die Motoren, die die Probleme des demografischen Wandels richten sollen, ist falsch. Viele kleinere Städte sehen sich nicht als Teil ländlicher Räume, sondern als urban. Die Probleme werden als Dorf-Probleme abgekanzelt.“ Dabei haben gerade kleinere und mittlere Städte mit dem Umbruchsfolgen zu kämpfen. „Sie sind häufig ihres Selbstverständnisses beraubt“, so Willisch. Migration, Überalterung und Erwerbslosigkeit bauen hier viel massiveren Druck auf. „Als die Industrie als Basis wegbrach, haben diese Akteure nicht erkannt, dass eine Rückbesinnung vielleicht die bessere Antwort auf die Krise wäre.“ So genannte Raumpioniere sind dabei, dörfliche Strukturen zu vitalisieren – als Akteure der Regionalentwicklung werden sie selten wahrgenommen. Sie machen nicht nur die Häuser wieder hübsch, sondern bringen laut Willisch auch eigene Ansprüche mit. Sie hätten eine bürgerliche Kultur mit Bildungsfokus und Kunstaffinität im Gepäck. Das Zusammenleben verlaufe gerade zu Beginn nicht immer reibungslos, etwa wenn diese Pioniere mit anderen Zugezogenen ins Gehege kommen, die als Pendler ein ruhiges Schlafdorf vorfinden möchten. Als so ein Projekt ist das Ökodorf Sieben Linden in der Altmark zu nennen. Das 1997 initiierte Gemeinschaftsprojekt zielt auf in eigenen Worten „ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige Lebensstile“, achtet beim Bauen etwa auf möglichst geschlossene Energie- und Materialkreisläufe und regional verfügbare Rohstoffe. Auf dem einer hierfür gegründeten Genossenschaft gehörenden Gelände leben Menschen aller Altersgruppen. Willisch warnt vor einer „Kannibalisierung der Region“, wenn allein auf die Städte gesetzt wird. „Ich kenne kein ausgestorbenes Dorf, aber viele Städte“, fasst er überspitzt zusammen. Stadt und Land hätten die gleichen Probleme. Darüber müsse man gemeinsam intensiv reden. Wohl auch daher wurde der Soziologe zur DASL-Tagung nach Leipzig eingeladen.

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Das Unmögliche möglich machen Thüringen wagt es. Ein ganzes Land wird zur Internationalen Bauausstellung (IBA) und will damit in der über 100-jährigen Geschichte dieses Städtebau-Instruments flächendeckende Impulse mit „nachhaltiger Strahlkraft“ setzen.

Text: Bastian Salier

Den Wissenstransfer fördern

Fotografie: Tobias Adam, Tobias Haag

„Horizonte erweitern“. Mit diesem Anspruch wirbt der Freistaat Thüringen im aktuellen Imagefilm. Idyllische Landschaften, als Weltnatur- und Weltkulturerbe prämierte Kleinode, aber auch pulsierende Metropolen zeugen von der Lebensqualität, die Thüringen bietet. „Es ist gerade die Vielfalt der Kulturlandschaften, die den Freistaat so attraktiv macht, die aber durch den demografischen, sozio-kulturellen, energetischen und finanziellen Wandel tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt ist“, sagt Prof. Dr. Marion EichBorn, Staatssekretärin a.D. und Geschäftsführerin der IBA Thüringen GmbH, im Gespräch mit dem REGJO-Magazin. Schon die Bevölkerungsentwicklung stellt Thüringen vor Herausforderungen. 1989 lebten hier noch über 2,7 Millionen Menschen, heute sind es nur noch 2,2 Millionen. In 18 Jahren werden nurmehr 1,8 Millionen Einwohner prognostiziert. Zudem wird dann jeder dritte Thüringer im Rentenalter sein. Mit dem demografischen Wandel verbunden sind auch Fragen der Daseinsvorsorge, der Auslastung und Funktionsfähigkeit der technischen und sozialen Infrastrukturen. Schon heute gibt es in Städten und Gemeinden Leerstände und Brachflächen. „Aber immer dort, wo der Strukturwandel Spuren hinterließ, haben internationale Bauausstellungen geholfen, neue, lebenswerte Kulturlandschaften zu schaffen“, so Eich-Born. „Wandel wird Kulturlandschaft“ Internationale Bauausstellungen sind „Ausnahmezustände auf Zeit“. Meist erwachen ausgewählte Landschaftsräume oder Stadtviertel unter dem Label „IBA“ innerhalb von zwölf Jahren zu

erneuerbarer Energien von besonderer Bedeutung sein und dies wiederum ist auch ein Themenbereich, dem sich die IBA Thüringen in den nächsten zwölf Jahren widmen wird. „Allerdings ist die Geschäftsstelle in Weimar nur ein vorläufiger Standort“, so Marion Eich-Born. Dem Anspruch einer IBA in ganz Thüringen werde man durch vier dezentrale Werkstätten im Land Rechnung tragen.

neuem Leben. Als 1899 mit der Mathildenhöhe in Darmstadt die erste Internationale Bauausstellung eröffnete, wurde sie zum Meilenstein des Jugendstils in Deutschland. Bis heute sind Internationale Bauausstellungen ein auf hohe Qualität ausgerichtetes Instrument der Städte- und Landschaftsplanung. Das soll in Thüringen genauso sein, auch wenn sich hier von Anfang an ein Novum herauskristallisiert. „IBA Thüringen – ein ganzes Land ist IBA!“, so heißt es in der Machbarkeitsstudie des Thüringer Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Verkehr. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, wobei man vor dem Hintergrund der Finanzlage daraus keine falschen Schlüsse ziehen darf. „Dieser Satz versteht sich im Sinne des potenziellen Handlungsraums für Projekte“, erklärt die Geschäftsführerin. „Die tatsächlichen Interventionsräume müssen über eine sorgfältige, vorgeschaltete Analyse erst identifiziert werden.“ Neben der geografischen Größe des möglichen Handlungsraums ist mit dem Titel der IBA Thüringen „Wandel wird Kulturlandschaft“ auch das inhaltliche Spannungsfeld bei der Vielfalt von Kulturlandschaften sehr breit gefächert. Aus diesem Grunde ist die IBA Thüringen dezentral organisiert, mit übers Land verteilten Werkstätten. Die gewollte Dezentralität erfordert als Gegenpol eine zentrale IBA-Geschäftsstelle, die mit ihrem Umfeld ebenso wie das Gebäude selbst für das inhaltliche Programm der IBA Thüringen steht. Die Wahl des momentanen Standorts ist folglich kein Zufallstreffer. Vielmehr zog die Geschäftsstelle in das Gebäude der MaxZöllner-Stiftung. Dieses Weimarer Altstadtviertel wird – durch den Bund gefördert – in den kommenden Jahren energieeffizient, nachhaltig und behindertengerecht saniert. Dabei soll die Nutzung

Die Werkstätten sollen an die Hochschulstandorte Thüringens andocken, um von dem dortigen Know-how profitieren zu können. Dabei entscheidend sei, so Marion Eich-Born, den Wissenstransfer zwischen den Hochschulen und den Thüringer Firmen, die im Baugewerbe angesiedelt sind, zu verstärken: „Das Problem ist, dass 95 Prozent der Thüringer Firmen weniger als 50 Beschäftigte haben, die Finanzausstattung ist dadurch bei fast allen so gering, dass eigene Forschungsabteilungen nicht bezahlbar sind. Selbst die Anbindung an zentrale Forschungsprojekte und -einrichtungen stellt oft ein großes organisatorisches Problem dar.“ Die in den IBA-Werkstätten tätigen Mitarbeiter werden die IBA-Projekte in der Konzeptphase unterstützen, um die Projektqualität zu sichern. In Weimar ist die erste Werkstatt bereits bezogen, demnächst kommt eine zweite in Nordhausen dazu. Das Unmögliche denken Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für jede IBA unabdingbar. Bereits die Machbarkeitsstudie zur IBA Thüringen entstand als

Gemeinschaftswerk von Ministerium, Bauhaus-Universität Weimar, zentralen Thüringer Akteuren aus Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft sowie mittels eines interdisziplinär besetzten Expertenworkshops. „Dieses Prinzip werden wir konsequent verfolgen“, sagt Eich-Born und stimmt damit Karl Ganser, dem einstigen Geschäftsführer der IBA Emscher Park im Ruhrgebiet, zu. Er resümierte: „IBA ist das, was eigentlich nicht geht.“ Die Thüringer wollen noch weiter gehen: „Zunächst suchen wir den Dialog mit regionalen Verantwortungsträgern, die uns ihre Region mit ihren Begabungen und Defiziten, ihrer Vernetzung vorstellen sollen.“ Wenn das ganze Land zum Handlungsraum wird, müssen alle Regionen eine Chance der IBA-Beteiligung bis 2023 bekommen. Es wird Wettbewerbe geben. Noch in diesem Herbst kommen die ersten Projektaufrufe. Zudem fließen die Erfahrungen anderer Internationaler Bauausstellungen und Regionalen in den Prozess ein. „Die IBA Thüringen will nicht auf Leuchttürme setzen, sondern den ‚weichen’ Standortfaktor Lebensqualität eher noch weiter ausdifferenzieren“, bekräftigt Marion Eich-Born und weist auf die Laufzeit der IBA hin: „Nichts geht von jetzt auf gleich. Die Machbarkeitsstudie sieht eine mehrjährige Konzeptphase (bis 2015) im IBA-Prozess vor.“ In diesem Zeitraum werden Synergieeffekte mit bestimmten Großereignissen, wie den Landesgartenschauen in Schmalkalden 2015 und Apolda 2017, dem Lutherjahr 2017 sowie der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt genutzt. Im Jahr 2019 reihen sich gleich mehrere Jubiläen aneinander, in deren Zusammenhang die IBA Thüringen eine Rolle spielen wird: 100 Jahre Bauhaus, 100 Jahre Weimarer Verfas-

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sung und 30 Jahre Wiedervereinigung. Ihren Höhepunkt findet die IBA Thüringen dann im Jahr 2023, dem Jahr des 100. Geburtstags der ersten großen BauhausAusstellung. Die Projekte sollen untereinander verbunden mit einer IBA-Route durch den Freistaat führen: Eine Ausstellung mit innovativen und bemerkenswerten Objekten, die über Thüringen hinaus Strahlkraft entwickeln. Die Erwartungen an die IBA Thüringen sind hoch. Aus baukulturellem Blickwinkel erscheinen zwölf Jahre lediglich als Momentaufnahme. Für die daran Beteiligten ist es ein ganzer Lebensabschnitt, in dem Neues entsteht. Die IBA Thüringen ist eine einmalige Chance. Sie kann ein ReDesign eines ganzen Landes bewirken und nachhaltige Anreize zur Diskussion schaffen. Es geht hier um die Herausstellung gestalteter Zukunft.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.iba-thueringen.de


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Experimentierfeld green:house Neues Denken und Grenzen überschreitendes Handeln – das sollen Internationale Bauausstellungen bewirken. Inspirierende Wirkungsräume können dies nur befördern und schon deshalb ist der Arbeitsort der ersten IBA-Werkstatt in Weimar ein wahrer Glücksfall.

Text: Bastian Salier Fotografie: Katja Fischer, Tobias Haag

getrennten Gewerken war im green:house groß. Manche Details und Lösungen erschließen sich erst auf den zweiten Blick. Andere fallen sofort auf. Die Stromversorgung wird zum Beispiel den flexiblen Nutzungsmöglichkeiten der einzelnen Räume und Arbeitsplätze gerecht. Stromverteilende Bauteile wurden konzentriert angelegt. Lediglich die zentralen Raumschichten dienen über Steckdosengesimse im Deckenbereich als Verteiler und ein an der Decke entlang verlegtes Leitungssystem führt zu den einzelnen Stromverbrauchern. Lehre auf der Baustelle

Das green:house auf dem Campus der Bauhaus Universität Weimar.

Markant sticht der Experimentalbau green:house auf dem Campus der Bauhaus Universität Weimar hervor. Der Standort allein setzt Maßstäbe. Schließlich gingen vom Weimarer Bauhaus einst die wichtigsten Impulse für den Wohnungs- und Städtebau in Deutschland aus. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Bebauung jenes bislang ungenutzten Campus-Areals, zu dem das green:house gehört. Das dreistöckige Gebäude ist Teil eines so genannten Pavillonkonzeptes mit insgesamt 13 Solitärhäusern. Architekturprofessor Walter Stamm-Teske entwickelte den Experimentalbau im Zuge der Bauhaus-EXPO-09-Initiative mit dem Anspruch, neue Wege zu beschreiten, die zukunftsfähige Alternativen für das Bauen im 21. Jahrhundert darstellen.

Mit dem green:house glückte auch ein Musterbeispiel des Wissenstransfers: zwischen den einzelnen beteiligten Hochschulpartnern der Bauhaus Universität Weimar und der Bauwirtschaft. Sämtliche Bauabschnitte wurden von Lehrveranstaltungen begleitet und insgesamt haben mehr als 50 Bachelor- und Masterstudierende der Fakultät Architektur an der Planung und Umsetzung mitgewirkt. Auch nach der Fertigstellung verpflichtet der Name green:house. Inzwischen mit dem Thüringer Umweltpreis 2011 ausgezeichnet, durchläuft das Gebäude seit einem Jahr den Praxistest. Über 50 Arbeitsplätze für Studierende und Mitarbeiter der Fakultät Architektur sind hier in vier Ateliers angesiedelt. Das Büro der Professur Entwerfen und Wohnungsbau liegt im zweiten Obergeschoss und damit Tür an Tür mit der ersten Werkstatt der Internationalen Bauausstellung Thüringen. Die räumliche Nähe dürfte den Innovationstransfer zwischen Hochschule, IBA und den künftigen Projektpartnern beschleunigen. Erklärtes Ziel der IBA Thüringen ist es, einen „Ausnahmezustand auf Zeit“ zu etablieren. Die Werkstatt im green:house wird ihren Teil dazu leisten. So stellt auch Katja Fischer, Mitarbeiterin der IBA-Werkstatt in Weimar, fest: „Hier zu arbeiten, ist schon etwas ganz Besonderes.“

Holzspäne als Konkurrenz Gemeinsam mit über 20 Industriepartnern, Firmen und Fachplanern nimmt das green:house seit Herbst 2010 Gestalt an. Hier wurde nicht einfach ein Haus gebaut, hier kamen Forschungsergebnisse prototypisch zum Einsatz. So kann der neuartige Baustoff „Holzbeton“, aus Holzhäckseln und Bindemittel-Zement hergestellt, durchaus eine Zukunftsalternative innerhalb des Fertigteilbaus werden. Seine bauphysikalischen Eigenschaften können jedenfalls mit Massivbaukonstruktionen konkurrieren. Sämtliche Öffnungen des Gebäudes wurden als Dreifachverglasung ausgeführt. Ein kontrolliertes Be- und Entlüftungssystem inklusive des für Solarmodule geeigneten Flachdaches ermöglichen den Passivhaus- bzw. Nullenergiehaus-Standard. Das Experimentierfeld für neue Produkte, Bauteildetails, Standards und Kombinationen von üblicherweise im Bauprozess streng

Neuartiger Baustoff im Praxistest: Holzbeton.

»Schwächen beseitigen, Stärken hervorheben« Interview mit Professor Marion Eich-Born, Geschäftsführerin der Internationalen Bauausstellung Thüringen GmbH

Interview: Bastian Salier Fotografie: Bastian Salier

Internationale Bauausstellungen sind seit mehr als 100 Jahren fester Bestandteil der Stadtentwicklung in Deutschland. Was ist an der IBA Thüringen anders? Dass ein gesamtes Bundesland in die Planung einbezogen wird. Aber keineswegs wahllos, sondern möglichst so, dass die Schwächen einzelner Regionen beseitigt, jedoch die Stärken hervorgehoben werden können. Bildlich gesprochen, müssen wir die richtigen Akupunkturpunkte finden und diese so stimulieren, dass die Lebensenergien vor Ort wieder kräftig fließen können. Thüringen ist eines der am wenigsten dicht besiedelten Bundesländer. Dieser ländlichen Gliederung müssen und wollen wir Rechnung tragen. Wir sind sehr gespannt darauf, welche Projekte an uns herangetragen werden. Je besser sie strukturiert und zielgenauer sie formuliert sind, desto größer die Erfolgschancen. Denn qualitätsvolles, innovatives Bauen und Planen muss gut durchdacht und vorbereitet sein. Die demografische Entwicklung malt ein düsteres Bild: Die neuen Bundesländer bluten weiter aus. Was kann die IBA Thüringen dagegen tun? Sie reagiert darauf. Auch wenn es sicherlich in einigen Regionen nicht gelingen wird, den demografischen Wandel zu stoppen oder gar umzukehren, kann aber doch für die verbliebenen Menschen der Lebensstandard erhöht werden. Etwa indem man die Teilnahme am kulturellen und wirtschaftlichen Leben stärker ermöglicht, aber auch die Zugänge etwa zu medizinischer Versorgung verbessert. Vor allem die Städtekette an der Autobahntrasse A 4 ist gegenüber dem ländlichen

Raum grundsätzlich im Vorteil. Hier wirkt sich der demografische Faktor weniger stark aus und die Wirtschaft wächst. Steht zu befürchten, dass die IBA diese Leuchttürme bevorzugt? Nein. Unser Ziel ist es, das Land Thüringen als eine Gesamtheit zu begreifen, andererseits aber auf die räumlichen Besonderheiten einzugehen. Besonders wichtig sind uns dabei die Probleme der Schrumpfungsregionen: Wie lassen sich exemplarisch innovative Lösungen für die Sicherung der Daseinsvorsorge realisieren, z.B. in den Feldern Energie, Wasser/Abwasser, Telekommunikation, ÖPNV, Gesundheitsdienst, Altenpflege usw. Wir können noch nicht sagen, wie sich die Projekte genau verteilen, aber spätestens, wenn die IBA-Route 2025 alle Projekte miteinander verbindet, soll sich keine Gegend benachteiligt fühlen. Die Projektphase ist bis 2019 angelegt, der Export bis 2023. Man kann eigentlich nur hoffen, dass für eine so großräumige Projektarbeit und umfangreiche Bautätigkeit überhaupt genügend Zeit bleibt. Die Ziele müssen realistisch bleiben. Aber insgesamt ist es viel entscheidender, dass wir eine gewisse Nachhaltigkeit erreichen. Nicht nur beim Bauen oder bei der Anwendung neuer Technologien und Entwicklungen selbst, sondern auch bei der Vernetzung der Akteure. Dies ist ja unsere wichtigste Aufgabe. Die IBA selbst kann Impulse geben, auch eigene Projekte anschieben, aber nichts selber bauen, sondern nur für den entsprechenden Wissens- und finanziellen Transfer sorgen. Ein umfassender Strukturwandel erfordert ausreichende Finanzmittel, die jedoch mit dem Auslaufen der Solidarpaktmittel, den sich erheblich verringernden EU-

Prof. Dr. Marion Eich-Born

Mitteln, den demografisch bedingten Einnahmeverlusten im bundesstaatlichen Finanzausgleich nicht zur Verfügung stehen. Insofern ist es auch erforderlich, im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung grundsätzliche Überlegungen über neue, modellhafte Finanzierungsstrategien in Verbindung mit modellhaften bis experimentellen Lösungen für Zukunftsfragen des Planens und Bauens anzustellen. Insofern sehen wir uns vor allem als eine Schnittstelle zwischen den Hochschulen im Freistaat, der Wirtschaft und der Politik mit ihren entsprechenden Förderungen. Vielen Dank für das Gespräch!


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Wolfram Walther verputzt das alte Pfarrhaus mit Lehm. Der Baustoff wurde in Deutschland jahrhundertelang vor allem bei Fachwerkhäusern angewendet.

Lehm ist derzeit auf Baustellen gefragt wie noch nie. Wolfram Walther vermischt ihn mit bloßen Händen. Das Schmatzen des Baustoffes ist deutlich zu hören. Danach schmiert er die Masse in kleinen Mengen zwischen die Fachwerkbalken des einhundert Jahre alten Pfarrhauses in Frankenhain. Der Lehmbauer setzt seit vielen Jahren auf das älteste Baumaterial und ist bundesweit ein gefragter Mann. Privat zieht er sich nach Beucha zurück, ein Dorf 30 Kilometer südlich von Leipzig, und versucht, im Einklang mit der Natur zu leben. Damit geht er für hiesige Verhältnisse ungewöhnliche Wege. „Sich dem hektischen Alltag in der Baubranche zu entziehen, ist eine Gratwanderung“, meint der 42-Jährige. Oft muss zwischen den parallel laufenden Baustellen enorm viel koordiniert werden: Zunehmend mehr Häuslebauer und Architekten entdecken den Baustoff Lehm, weil dieser nicht nur für ein gesundes Raumklima sorgt, sondern mit seinen vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten auch hohen ästhetischen Anforderungen genügt.

lierende Eigenschaft von Lehm hält die relative Raumluftfeuchtigkeitskonstante bei durchschnittlich fünfzig Prozent und wird stärker, je dicker die Lehmschicht ist: „Putzstärken von fünf Millimetern bringen bereits einen positiven Effekt“. Selbst kleine Lehmflächen verbessern schon das Raumklima. Um einen optimalen Effekt zu erzielen, sollten alle Wände, im besten Fall auch die Decke, mit Lehm verputzt werden. Seit 1997 beschäftigt sich der Fachmann mit Lehm. In den ersten Jahren kamen seine Auftraggeber fast ausschließlich aus den alten Bundesländern. Heute hat er viele Kunden aus Sachsen, unter anderem auch die Kirchgemeinde in Frankenhain, deren Pfarrhaus er zurzeit saniert. Zumeist handelt es sich um Menschen, die bewusst mit ihrem Leben umgehen und damit auf der gleichen Wellenlänge wie er liegen. „Das macht die Zusammenarbeit angenehmer“, sagt der Familienvater, der dieses Lebensgefühl auch an seine drei Kinder weitergibt.

Im Einklang

Ausbildung mit Lehm erhöht Chancen auf dem Arbeitsmarkt

„Lebendige Erde“ steht auf dem Werbeschild seines Hofes am Beuchaer Mühlteich. Natürlich wurden hier alle Sanierungsarbeiten mit Lehm durchgeführt. „In Deutschland wurde der Baustoff jahrhundertelang beim Bau von Fachwerkhäusern verwendet“, so Walther. Das baubiologisch sanierte Auszugshaus, das gen Süden zeigt, nutzt Ehefrau Isa Pfefferle-Walther für ihre Praxis „IM EINKLANG“ für Entspannung, Klang und Heilungsbegleitung. Die übrigen Räume des Fachwerkhauses dienen Gästen als Feriendomizil. „Somit haben sie die Möglichkeit, das hervorragende Raumklima der Lehmbauten zu spüren“, erklärt Wolfram Walther. Ganzheitlich leben – darauf legte er schon großen Wert, als er noch in Leipzig als Maurer Altbauten auf Vordermann brachte. Die neuen, synthetischen Baustoffe, die er dort verwenden musste, gingen ihm gegen den Strich. „Die Häuser werden heute einfach nur dicht gemacht“, so der Lehmbauprofi. Darunter leidet das Raumklima, die Schimmelbildung wird gefördert. Wände aus Lehm dagegen sorgen für eine konstante und gesunde Luftfeuchtigkeit in Innenräumen. Das schont die Schleimhäute und reduziert das Risiko für Erkältungskrankheiten. „Oft entscheiden sich Menschen erst für das Bauen mit Lehm, wenn sie bereits Beschwerden oder Allergien haben“, so Walther. Lehm besitzt die Fähigkeit, Rauch, Ausdünstungen und Schadstoffe zu absorbieren und kommt ohne künstliche Zusatzstoffe aus. Heute gibt es bereits fertige Lehmsteine und Lehmputz im Handel zu kaufen. „Natürlich ist der Ausbau oder Neubau mit Lehm etwas aufwendiger und damit auch teurer“, gibt Walther zu. Das liege daran, dass die Baustoffe (noch) nicht in solch großen Mengen wie herkömmliche Baustoffe hergestellt werden. Die regu-

Seit 2007 beteiligt sich das Berufsschulzentrum Leipziger Land (BSZ) am Europäischen Lehmbauprojekt. Initiator im BSZ ist Dietmar Schäfer. Laut dem Berufsschuler ist das Thema Lehm ein Zusatzangebot an der Schule in der dualen Ausbildung, aber nicht im Lehrplan enthalten. „Damit erhöhen sich aber die Chancen der Schüler auf dem Arbeitsmarkt“, so Schäfer. Die Bildungseinrichtung in Böhlen ist eine von zwei staatlichen Schulen in Deutschland, die das Zertifikat dieses Projekts an ihre Auszubildenden erteilen dürfen. Die zweite Einrichtung ist die Knobelsdorff-Schule in Berlin. Im Jahr 2007 steckte das Konzept noch in den Kinderschuhen. Damals wurde das Handbuch zum Lehm-Projekt erarbeitet. Schwerpunkt bis heute ist die Evaluierung der Ergebnisse dieses Handbuches. Innerhalb der Partnerschaft soll das Projekt Lehmbau die transnationale europäische Mobilität von Lernenden ermöglichen. Beteiligt waren seit 2007 etwa 50 Lehrlinge aus dem BSZ Leipziger Land. Zurzeit bildet Schäfer in der dualen Ausbildung Lehrlinge in drei Klassen auf der Grundlage des Handbuches aus. Dazu gehören Maler- und Bautechniker-Azubis, Ziel aller ist das europäische Zertifikat. Die Lehrlinge waren natürlich in Europa unterwegs. Kürzlich nahm der Berufsschullehrer in Senec (Slowakei) an einem Treffen aller europäischen Partner des Lehmbauprojekts teil. Es ging um die Zukunft des Projekts – die sei nun gesichert. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.lehmbau-walther.de


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Selbst feinste Veränderungen spüren Die hallesche City befindet sich nach 2 Jahrzehnten Wiederaufbau an einer neuen Entwicklungsschwelle.

Text: Claus-Peter Paulus

Fotografie: Stadt Halle (Saale)

Das ist sie – mit 134 Hektar Fläche und somit etwa 30 Prozent größer als die Leipziger Innenstadt, mit den aufstrebenden Wahrzeichen der fünf Türme auf dem Marktplatz ausgestattet und vom Krieg nahezu unzerstört: die hallesche City. Dennoch ist sie vom Lauf der Zeit nicht unberührt geblieben. Über den historischen Marktplatz, der das Zentrum der mehr als 1200 Jahre alten Stadt bildet, hat der ehemalige Intendant der halleschen Kulturinsel und Tatortkommissar Peter Sodann vor 20 Jahren einmal treffend gesagt: „Und wenn die Wiedervereinigung nicht gekommen wäre, dann hätten wir im Jahr 2000 rings um den Marktplatz herum in Zelten wohnen müssen …“. Der Grund sind Jahrzehnte städtebaulichen Stillstands, mangelnde Sanierung und die Stadtstrukturen störende Fehlentwicklungen, die die wertvolle historische und bauliche Substanz im Herzen der Großstadt massiv angegriffen haben. Die hallesche Innenstadt war über Jahrzehnte „dem schleichenden Tod auf Raten“ ausgesetzt und Neubaublocks bahnten sich nach flächenhaften Abrissen schon teilweise von ihrer Peripherie den Weg heran bis an das Herz der Stadt, den Marktplatz. Aber dann kam tatsächlich die Wiedervereinigung und auch die Innenstadt sprang im wahrsten Sinne des Wortes „dem Tod von der Schippe“. Seitdem halten sich zwei sich diametral gegenüberstehende Meinungsbilder über Halles Innenstadt die Waage. Das erste ist das Alt-Image des an allen Enden und Ecken bröselnden Oberzentrums der Chemieregion Halle, an dem man sich zu DDR-Zeiten lieber sehr schnell auf Straßen und Schienen vorbeibewegte, weil die Luft infolge industrieller Emissionen und des braunkohlebelasteten Hausbrandes verpestet war, auf der Saale die weißen Schaumkronen der Chemieabwässer wie Eisberge ihren Weg zogen und der allgemeine Verfall allerorten förmlich zu greifen war. Dieser Anblick hat sich manchem Betrachter vor und kurz nach der Wende wohl unvergesslich eingeprägt. Das andere Meinungsbild wird bestimmt durch die, die in den letzten 20 Jahren den Veränderungsprozess tagtäglich wahrgenommen haben oder die freien Blickes in die Stadt gekommen sind und sie in ihrer heutigen Verfasstheit sehen.

Die Reihen der Fans sind hier fest geschlossen, denn ob als Student der Martin-Luther-Universität, Besucher eines Kongresses, Tourist auf dem Weg zur Himmelsscheibe oder als Bürger, man erkennt die Stadt nicht wieder, die noch vor 20 Jahren so am Boden lag. Die Sanierung der Stadt ist weit vorangeschritten, das historische Stadtbild gerettet, an „Der Saale hellem Strande …“ ist Baden wieder möglich und die Stadt ist mit 15,9 Prozent Flächenanteil die grünste Großstadt Deutschlands. Wer hätte das vor 20 Jahren gedacht? Flair und einzigartige Lebensqualität Das ist aber nicht nur eine Sache der Optik oder Wahrnehmung, auch realwirtschaftlich hat sich die Situation in den letzten Jahren deutlich verbessert. Etwa ein Drittel des innerstädtischen Einzelhandels werden flächenmäßig in der City abgewickelt, es haben sich wichtige Servicezonen herausgebildet, die ihr eigenes Flair für die Besucher entfalten und, wie z.B. in der Kleinen Ulrichstraße, in unbekümmerter Form eine Lebensqualität vermitteln, die mit dem Wort „einzigartig“ durchaus treffend charakterisiert werden kann. Genau an diesen Stellen kann man dann die Entdeckungsreise fortsetzen und größere, kleinere oder gar feinste Veränderungen in der City aufspüren. In ihrem nordöstlichen Teil herrscht von jeher die jüngste Burg an den Ufern der Saale, die Moritzburg, über das harmonische Zusammenspiel zwischen Stadtgebiet und Saale- und Auenlandschaft. Die Gerlinger Sammlung im hochmodernen Ausstellungsraum des altehrwürdigen Westflügels der Moritzburg befindet sich vis-à-vis des neuen „weisen und weißen Hauses“ der Stadt Halle, dem Hauptgebäude der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Den südlichen Kontrapunkt an der Grenze zur Innenstadt bilden die Franckeschen Stiftungen, die vor mehr als 300 Jahren gegründet und als erster Ort der europäischen Aufklärung des Pietismus mit über 150 Millionen Euro wieder in den Zustand versetzt wurden, den sie verdienen – gewissermaßen so etwas wie eine

hallesche Parallele zur Dresdner Frauenkirche. In einer Baulücke dort wurde gerade der Rohbau der Bundeskulturstiftung fertiggestellt, die in Halle seit 10 Jahren ihren Sitz hat. In der nordwestlichen City begegnen sich der geisteswissenschaftliche Campus der Martin-Luther-Universität und die Kulturinsel des Neuen Theaters, vermittelt durch den wohl schönsten Universitätsplatz Deutschlands, der durch die verglasten Scheiben des neuen Hörsaalgebäudes komplett gespiegelt wird. Und im östlichen Bereich der City wird das Bauloch der Bebauung weichen, für die sich nun langsam Lösungen abzeichnen. Designkaufhaus und Gourmetangebot Aber es sind eben nicht nur die großen, unübersehbaren Projekte, sondern auch manch kleine, aber sehr feine Veränderung, die Einzug in die City hält und zu ihrer Aufwertung beiträgt. Im November dieses Jahres wird in der Großen Ulrichstraße das jetzt schon äußerlich in voller Schönheit wieder erstrahlende Intecta als DesignKaufhaus seine Pforten eröffnen. Eine davon, die mit der Überschrift „Feinst“, ist jedoch bereits eröffnet. Die Familie Drahokoupil aus Schkeuditz, die die dortigen Schillerstuben betreibt, hat sich entschlossen, in der Saalestadt mit einem Gourmetangebot auch die Sinne verwöhnter Hallenser anzu-

sprechen. Im Umfeld befindet sich nicht nur in der Kleinen Ulrichstraße ein charmanter Mix an inhabergeführten Geschäften, die allesamt von ihren Eigentümern mit Liebe hergerichtet wurden und betrieben werden. Auch gegenüber hat ein altes Handwerk einen neuen Platz gefunden und erzeugt mit Wissen und viel Liebe feinstes Backwerk. „Kornliebchen“ heißt der Laden, in dem traditionelle Backkunst und Liebe zum Produkt geradezu zelebriert werden. Dies ist ein schönes Beispiel für die Entwicklung des inhabergeführten Einzelhandels in der City von Halle, der mit schönen Läden, interessanten Angeboten und Service gegenüber seinen Kunden aufwartet. Ein Flyer „Kaufrausch nach Plan“ gibt seit jüngstem Auskunft über diese Form des Einzelhandels, der weit mehr als bloß als Lokalkolorit in der heutigen Zeit als Qualitätsmerkmal der Innenstadt zu überzeugen weiß. Regionale Qualität Solche Entdeckungen kann man in der Innenstadt in letzter Zeit vermehrt machen, wie die Restaurants Immergrün gegenüber des Händelhauses unweit des halleschen Marktplatzes und Mahns Chateau am Fuße der Blauen Türme der Marktkirche und mit Blick auf den Hallmarkt beweisen. Zu so viel regionaler Qualität passt dann auch ein Gerry-Weber-Laden gar nicht schlecht, der

vor wenigen Monaten in der Haupteinkaufslage der Stadt, der Leipziger Straße, eröffnet hat – vielleicht auch als ein Vorbote für das ehemalige Woolworth-Haus, was nun durch einen Investor erworben, abgerissen und neu errichtet wird und dazu beitragen kann, die „feinen Seiten“ der halleschen City weiter zu polieren. Die Spuren unserer kleinen Entdeckungsreise auf dem Wege der Veränderungen haben uns von großen Standorten auch hin zu Dingen geführt, die einer kleinen, aber eben auch feinen Veränderung gleichkommen, jedoch in der Summe eines deutlich machen. Nämlich, dass in dieser teilweise noch immer so verkannten Stadt Halle mit der City ein kräftiges Herz schlägt, dessen einzelne Bereiche Chancen für Veränderungen und Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Dies gilt für Projektentwickler, Investoren und all die, die in einer noch unfertigen Situation und in manchmal noch bestehenden Vorurteilen Potenzial sehen, für Veränderung zu sorgen: die hallesche City sehen, entdecken und verändern. Lassen Sie sich auf feine Art durch Ihre Phantasie und Ihren Realitätssinn gleichsam von einem Ort verführen, den näher zu betrachten sich stets lohnen wird. Weitere Informationen finden Sie unter: www.lehmbau-walther.de


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Orientiert am integrativen Stadtbild: Die Förderschule Adolph-Diesterweg in Leipzig. Gut geleitet: Gelungenes Farbkonzept in der Adolph-Diesterweg-Schule.

Kontinuierlich erfolgreich Vom Leipziger Specks Hof zum Danziger Bernsteinstadion: RKW Rhode Kellermann Wawrowsky Architektur + Städtebau verbindet seit 20 Jahren auch in der Leipziger Dependance zeitgenössische Architekturtheorie mit lebensweltlicher Praxis.

Text: Tobias Prüwer

Fotos: RKW

Danzig, 14. Juni 2012. Als die spanische Nationalmannschaft das glücklose Team Irlands in der EM-Vorrunde mit 4:0 bezwang, geschah das vor einer außergewöhnlichen Kulisse. Millionen Menschen schauten via Fernseher in ein Stadionrund mit atemberaubendem Design. Die transparente Polycarbonat-Hülle erinnert in ihrer Bernsteinfärbung an das Gold der Ostseeküste, die abgeschliffene Form an das Spiel der Gezeiten. Mit dem Stadion hat nicht nur Danzig ein sportliches, weltweit bekanntes Aushängeschild erhalten, sondern auch seine Erbauer: RKW Rhode Kellermann Wawrowsky Architektur + Städtebau. Lob und Preise Am Beispiel des spanischen Europameisters lässt sich ablesen, dass Beständigkeit ein wesentliches Merkmal für Erfolg ist. Kontinuität ist auch ein Schlüsselbegriff, auf den RKW setzen. Seit zehn Jahren engagiert sich das Unternehmen in Osteuropa und die Danziger Arena bildet das bisherige Filetstück. „Wie man ein Stadion baut?“, lacht Wojtek Grabianowski: „Wenn ich das nur wüsste!“ Kein Bau sei wie der andere, erklärt der verantwortliche Architekt, so ein

Bauwerk sei aber noch einmal besonders. „Das schwierigste war natürlich, zunächst den Wettbewerb zu gewinnen. Dann mussten wir die polnische Bauordnung und die UEFA-Normen zusammenbringen, was Geduld und Fingerspitzengefühl erforderte.“ „Die positiven Reaktionen auf das Stadion-Design aus aller Welt haben uns schon stolz gemacht“, ergänzt RKW-Mitgründer und Gesellschafter Friedel Kellermann. Das in Düsseldorf beheimatete Unternehmen ist 1971 aus der Architektengemeinschaft Rhode, Kellermann, Wawrowsky hervorgegangen. Vor 20 Jahren begann es, auch im Osten Deutschlands Architekturprojekte zu realisieren. Darauf angesprochen, mit welchen Gefühlen er auf die Entwicklung der Leipziger Dependance zurückschaut, hat Kellermann eine klare Antwort: „Wenn man Specks Hof gebaut hat und die Leopoldina, um nur zwei von vielen erstaunlichen Objekten zu nennen, dann muss ich sagen: Wir sind zufrieden.“ Er nennt die Entscheidung absolut richtig, damals in die Messestadt an der Pleiße gegangen zu sein. Lobend hebt er das Zentrenkonzept Leipzigs hervor. „Nicht jede Stadt hat das erkannt.“ Die oft offene Eigentümerfrage allerdings habe die unerwünschte Entwicklung mit sich gebracht, dass Einkaufzentren und Wohnraum vor den Toren der Stadt entstanden sind.

Es war die allgemeine Aufbruchstimmung der damaligen Zeit, die RKW bewog, sich nach Mitteldeutschland zu orientieren. Da der spätere Stadien-Entwerfer Grabianowski den Auftrag für den Leipziger Specks Hof, ein innerstädtisches Passagengebäude in 1A-Lage, errang, schuf man in der Stadt zunächst ein Baubüro. „Ich komme aus Polen und daher hatten die RKW-Partner mich für das Projekt ausgewählt, weil ich eine ähnliche Mentalität mitbringe“, sagt Grabianowski. Das sei auch gut gewesen, weil damals verschiedenes Denken über den Städtebau aufeinandergetroffen sei. Dass die Revitalisierung des historischen Messehofes mit dem Special MIPIM Jury Award ausgezeichnet wurde, machte den Einstieg in der Stadt perfekt. Kontinuierlich wurde das Baubüro zur Dependance erweitert. Kellermann hebt die interessante

Stadtstruktur hervor, die das Bleiben erleichtert habe: „Leipzig spricht uns als Architekten immer wieder an. Diese Lebendigkeit der gewachsenen Innenstadt mit der Universität, dem Handel und Tourismus findet man selten.“ Mit dem Bau von Karstadt und Breuninger an zentralen Orten der Innenstadt habe man zudem aktiv mitgestalten können. Als sein persönliches Lieblingsobjekt nennt er den Anger 1 in Erfurt. Das zweiteilige Projekt aus Renaturierung und Neubau hinter einer Jugendstilfassade, direkt in der Einkaufsmeile der Thüringer Hauptstadt gelegen, sei eine besondere Herausforderung gewesen. Norbert Hippler, assoziierter Partner und RKW-Geschäftsführer in Leipzig, hat einen anderen Favoriten: die 2012 abgeschlossene Revitalisierung der Leopoldina in Halle. Mit dem neuen Hauptsitz für die

Nationale Akademie der Wissenschaft hat RKW ein beispielgebendes Projekt realisiert, bei dem die verschiedenen Baustile am ursprünglich klassizistischen Gebäude gut erkennbar nebeneinander erhalten und sichtbar blieben. Neben dem behutsamen Bauen im Bestand entwirft und errichtet RKW selbstverständlich auch Neubauten. Möbelhaus und Kanupark So sieht Leipzig-Chef Norbert Hippler in der Gestaltung und Belebung von Innenstädten, im Neudenken von Lebens- und Arbeitswelten den reizvollsten Aspekt seiner Arbeit. „Das gilt vom Wohnhaus angefangen bis zu raumgreifenden Großprojekten“, konstatiert Hippler. Das breite Tätigkeitsfeld beim Neubau lässt sich gut an vergangenen Projekten ablesen. Mit dem


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Bildnachweis: Andreas Schmidt

DIE HÖFE AM BRÜHL WURDEN AM 25.09.2012 ERÖFFNET

Klare Formensprache und Struktur im Gründerzeitquartier: Konsumfiliale in Leipzig-Gohlis.

Kanupark Markkleeberg entstand im Süden von Leipzig eine der modernsten künstlichen Wildwasseranlagen Europas. Die Trainings- und Wettkampfstätte fügt sich in die rekultivierte Landschaft ein, in der heute Seen Braunkohletagebaue ersetzen. Ein Neubau mit Bestand in der Nachbarschaft stellt das Möbelhaus Porta dar, für dessen Filiale auf der Leipziger Alten Messe RKW den Fassadenwettbewerb gewann. Hier bestand die Herausforderung darin, den Entwurf in Einklang mit dem denkmalgeschützten Umfeld zu bringen. An der Dresdner Centrum-Galerie, im Herzen der Stadt zwischen Hauptbahnhof und barocker Altstadt gelegen, hat RKW die Fassade analog zu einem Barcode gestaltet. Diese Natursteinstruktur verleiht dem Baukörper eine ganz eigene Optik, die dennoch mit der futuristischen Wabenfassade des alten Centrum-Warenhauses korrespondiert. Auch zukünftig zuversichtlich Das Gesamtkonzept wie Nutzer-Bedürfnisse und Umfeld bestimmen bei RKW den optimalen Lösungsansatz. „Was nutzt ein Gebäude, das schön aussieht, aber nicht funktioniert?“, bringt es Norbert Hippler auf den Punkt. Die Rolle des Architekten sieht er als die eines Moderators zwischen Stadt, Denkmalschutz und Bauherrn. Die Orientierung liegt auf dem integrativen Stadtbild, wie das 2011 umgesetzte Projekt Adolf-Diesterweg-Förderschule in Leipzig zeigt. Nach Sanierung und zusätzlicher Baulückenschließung mit Sporthalle läuft hier wieder der Schulbetrieb. Das alternative Konzept der Konsumgenossenschaft Leipzig wurde im Stadtteil Gohlis auch baulich ausgedrückt. Auf einer Flurbrache zeigt sich der Neubau mit klarer Formensprache und Struktur im Gründerzeitquartier, während die helle Holzfassade das Farbkonzept im Inneren aufnimmt.

Und wie sieht sich RKW für die nächsten Jahrzehnte aufgestellt? Der demografische Wandel, so Hippler, führt zu Strukturveränderungen in den Quartieren und auch in der Art der Gebäudenutzung. Darauf muss man architektonische Antworten finden. Auch hier hält er Kontinuität, das ausdauernde Nachdenken über die Lösungen, für angemessen. Friedel Kellermann zeigt sich gelassen zuversichtlich: „Das Büro wird dann hoffentlich mindestens genauso erfolgreich sein wie heute.“ Derzeit ist RKW dabei, Aufträge in Russland und Algerien zu akquirieren. Und das nächste Meilensteinprojekt ist schon in Sicht: Das Klausurgebäude in der legendären Landesschule Pforta – Nietzsche und Fichte lernten hier – wird 2013 von RKW saniert.

Licht auch im Detail: Eingangsbereich des Konsum.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.rkw-as.de

Vielfältig wie die Stadt Leipzig Die Höfe am Brühl öffnen in der Leipziger Innenstadt ihre Türen. Das unverwechselbare Raumkonzept beschert der Halbmillionenmetropole weitere Anziehungskraft. Die Innenstädte wandeln sich und erleben eine wahre Renaissance als Handelsplätze. Sie sind zu den Aufsteigern des Strukturwandels avanciert. Dieser Trend hilft auch der Stadt Leipzig neues Wachstum zu generieren. Wenn dafür historisch aufgeladene Flächen neu bebaut werden, verschieben sich Gewichte und Konstellationen im Stadtraum. Die Höfe am Brühl sind längst Stadtgespräch. Das Immobilienprojekt der mfi AG aus Essen wurde am Montag, 25. September 2012 von Oberbürgermeister Burkhard Jung und Matthias Böning, dem Vorstandsvorsitzenden der mfi AG, eröffnet. Der Bauherr war sich der Bedeutung des Ortes bewusst und integrierte im Gebäude ein kunsthistorisches Konzept. An neun Treppenaufgängen können die Leipziger und ihre Gäste auf Schautafeln die Geschichte des Areals in Wort und Bild entdecken. Dem beauftragten Berliner Büro Grüntuch Ernst Architekten war es wichtig, „das Neubauvolumen passend zum Maßstab

der historischen Stadtstruktur zu gliedern und die Erschließungswege in das Netz der Stadt einzubinden.“ Ein ganzes Viertel wird mit neuen Sichtachsen und einladenden Blickwinkeln durchzogen. Die historische Aluminiumfassade von Harry Müller ist nun wieder an ursprünglicher Stelle in der bekannten Geometrie zu sehen. Das neue städtebauliche Ensemble mit seinen Passagen, Höfen und Deckenhöhen von bis zu 28 Metern verbindet sich mit dem Leipziger Stadtraum. Dominiert an der Fassade das Silber der „Blechbüchse“, so verstärkt der Einsatz vornehmlich dunkler Oberflächen in den vier Höfen überraschend die Wirkung des Lichts als Inszenierungsmittel für Markenräume und Innenarchitektur. Mit der Eröffnung wird eine Initialzündung für mehr Wachstum und für die Aufwertung der City Leipzig als Einkaufsstadt gelegt. Sehen, Schauen, Stauen und Überraschtsein – diese Interaktionen gelten für die neuen Höfe am Brühl wie für die Stadt Leipzig. GK


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Wohnungsgesellschaft als Luftverbesserer Weniger Stickoxide durch photokatalytischen Putz – die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB) und Leipziger Forscher suchen gemeinsam neue Wege.

Text: Steffen Reichert

Fotografie: Steffen Reichert, LWB

Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB) hat zusammen mit der Gesellschaft für Materialforschung und Prüfanstalt für das Bauwesen Leipzig mbH (MFPA) und weiteren Partnern im Spätsommer ein deutschlandweit beachtetes Pilotprojekt an einem ihrer Häuser gestartet. Bestimmte Stoffe im Außenputz des Gebäudes könnten für eine bessere Reinigung der Umgebungsluft sorgen. Wohnungsgesellschaft und Forscher sind optimistisch, dass von Leipzig aus völlig neue Perspektiven für die Luftreinhaltung ausgehen könnten. Auf den ersten Blick ist die Karl-Liebknecht-Straße 77 im Leipziger Süden ein unscheinbares Reihenhaus. Vom Eigentümer LWB außen frisch verputzt, innen saniert – wie so viele Häuser in der sächsischen Metropole. Erst auf den zweiten Blick fällt eine Apparatur auf, die in etwa sechs Meter Höhe beginnt, vertikal nach oben führt und kurz unter dem Dach endet. Links und rechts der Konstruktion ragen jeweils zwei Querstreben heraus. Dieses Metallgerippe ist Teil eines Pilotprojekts, das neue Dimensionen der Luftreinhaltung in dicht befahrenen Straßen eröffnen könnte. Denn in ihm steckt jede Menge Elektronik, mit der der Anteil von Stickoxiden in unmittelbarer Nähe zum Gebäude gemessen wird. An dessen Vorderseite wurde ein photokatalytischer Fassadenputz angebracht, von dem sich die Wissenschaftler erhoffen, dass er Stickoxide signifikant verringern und damit zur besseren Luftreinhaltung in dicht befahrenen Straßen beitragen kann.

verstärkten Sanierungen in unseren Beständen wollen wir den photokatalytischen Fassadenputz zunächst im Kreuzstraßenviertel anwenden, das derzeit energetisch saniert wird“, so die für die Wohnungswirtschaft zuständige LWB-Geschäftsführerin. Wunderstoff Titandioxid Dem Putz beigegeben ist Titandioxid (TiO2), ein Weißpigment, das unter anderem als Farbstoff eingesetzt wird und gleich mehrere nützliche Eigenschaften in sich trägt: Die ungiftige Substanz wirkt schmutzauflösend und neutralisiert Giftstoffe in Luft und Wasser.

LWB offen für Innovationen Für die LWB ist die Schaffung und Erhaltung eines lebenswerten und gesunden Wohnumfelds und -komforts durch saubere Luft ein Standortvorteil. „Wir sind immer offen für Innovationen, die die Lebensqualität unserer Mieter und aller Bürger der Stadt verbessern“, erklärt LWB-Geschäftsführerin Dr. Gabriele Haase. Dabei suche und festige das Wohnungsunternehmen die Zusammenarbeit mit Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Sollte, wie von allen Projektbeteiligten erwartet, die Versuchsreihe an dem 1963 erbauten Mehrfamilienhaus in der Leipziger Südvorstadt erfolgreich verlaufen, wird das kommunale Unternehmen diese Technologie in weiteren Projekten aufgreifen: „Im Zuge der

Das Wohnhaus der LWB in der Karl-Liebknecht-Straße 77

Mit der Apparatur messen die Wissenschaftler den Stickoxidgehalt in unmittelbarer Nähe der Hauswand, die mit photokatalytischem Putz versehen wurde.

Vorreiter bei der Nutzung der TitandioxidEigenschaften ist Japan. Dort haben inzwischen viele mit der Verbindung versehene Fenster oder Glasfassaden einen geringeren Reinigungsaufwand. Das neue Modell des Hochgeschwindigkeitszuges Shinkansen fährt bereits zwischen Tokio und Osaka mit titandioxid-beschichteten Fenstern. Über die photokatalytische Wirksamkeit beim Abbau von Schadstoffen wie Stickoxiden wird in der Forschung seit etwa zehn Jahren wieder verstärkt diskutiert, obwohl der Stoff selbst bereits 1908 in Norwegen entdeckt und Ende der 1960er Jahre auch seine so hervorstechende Eigenschaft bekannt wurde: Titandioxid kann mit Hilfe von Lichtenergie organische Verbindungen (als Verursacher von unangenehmen Gerüchen oder Verschmutzungen) und Biofilme (Algen, Pilze, Bakterien) zu unschädlichen Verbindungen abbauen.

mit entsprechenden Zusatzstoffen in Fahrbahnbelägen laufen bereits in verschiedenen europäischen Ländern. Neu ist der Leipziger Ansatz, nun auch Häuserwände für diese Technologie zu nutzen. So entstand vor gut zwei Jahren bei Gesprächen zwischen der LWB und der MFPA die Idee, eine Hausfassade mit photokatalytischem Putz zu versehen und mit einem Versuch dessen Wirksamkeit beim Stickoxidabbau zu testen. Zusammen mit weiteren Partnern der Universität Leipzig und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wurde deshalb ein Jahr lang das Stickoxid-Vorkommen an der KarlLiebknecht-Straße 77 ohne den neuen Putz gemessen. Seit dem Spätsommer werden die gleichen Versuchsreihen nun mit dem photokatalytischen Putz durchgeführt.

Leipziger Ansatz wird zwei Jahre gestestet

Kommunale Wohnungsgesellschaft, Wissenschaftler und die Saint-Gobain Weber GmbH Düsseldorf als Hersteller des Putzes sind optimistisch, dass die Messungen posi-

Und es kann eben Luftschadstoffe wie etwa Stickoxide abbauen. Erste Testreihen

Positive Labortests erlauben Optimismus

tive Ergebnisse bringen werden. „Unsere bisherigen Wirksamkeitstests unter Laborbedingungen und als Feldversuch im Kleinmaßstab haben einen sehr effizienten Abbau von Stickoxid erbracht“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Frank Dehn, Geschäftsführer der MFPA und gleichzeitig Stiftungsprofessor für Multifunktionale Konstruktionswerkstoffe an der Universität Leipzig. „Wir sind froh, unsere sehr positiven Ergebnisse nun mit maßgeblicher Unterstützung der LWB unter realen Bedingungen überprüfen zu können.“ Auch der Putz-Hersteller Saint-Gobain Weber rechnet mit einem positiven Verlauf der Messungen. „Wir haben den Nachweis hoher photokatalytischer Aktivität unter Laborbedingungen“, so Dr. Wolfram Maier von Saint-Gobain Weber. Der Oberputz habe in Versuchen 2,3 mg Stickoxid pro Stunde je Quadratmeter abgebaut. Beim Pilotprojekt an dem Leipziger Wohnhaus handelt es sich um einen mineralischen, dekorativen Dünnschichtputz, der wie herkömmlicher Putz verarbeitet wird. Dabei wird auf den Einsatz von Nano-Technologie verzichtet.


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Wissenschaftler und Hersteller im Gespräch mit Journalisten.

Unsere Kühldecken sind so gut, weil sie einen Raum einfach besser aussehen lassen. Raumklimatisierung mit Heiz- & Kühldecken Projektpartner: Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB) Gesellschaft für Materialforschung und Prüfanstalt für das Bauwesen Leipzig mbH (MFPA) Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT) Leipzig Institut für Mineralogie, Kristallographie und Materialwissenschaft der Universität Leipzig Institut für Technische Chemie der Universität Leipzig Saint-Gobain Weber GmbH Düsseldorf

ICS INTEGRALE CLIMASYSTEME GmbH www.integrale-climasysteme.de

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Denis O’Reagan, David Bowie, World-Tour, 1983, Museum Folkwang, Fotografische Sammlung, Essen © Denis O’Reagan

Fotografie und Rock seit Elvi Elvis mit Werken aus dem Museum Folkwang, Essen

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Aus Stickoxiden werden unschädliche Nitrate

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An der Karl-Liebknecht-Straße 77 wird bis Mitte 2013 die Wirksamkeit bzw. Effektivität von photokatalytisch-aktiven Baustoffoberflächen unter klimatischen und geometrischen Realbedingungen getestet. Dabei geht es um Temperatur, Feuchtigkeit, Windrichtung und -intensität, Strahlungsintensität, Verdünnungseffekte und andere Parameter. An der freibewitterten Fassade lassen sich so Abbautendenzen und -raten von Stickoxiden testen bzw. erfassen. Den Wissenschaftlern geht es nicht zuletzt auch um die Auswirkungen auf die mechanischen, physikalischen und chemisch-mineralogischen Eigenschaften der Baustoffoberflächen. Es wird erwartet, dass die Farbe des Putzes länger ihre ursprüngliche Strahlkraft behält. Die photokatalytisch-aktiven Metalloxide (im konkreten Fall Titandioxid der Anatas-Modifikation) wandeln im Fassadenputz von Saint-Gobain Weber Stickoxide aus der Luft oxidativ chemisch um und überführen diese in festes Nitrat. Dieses wird dann durch den Niederschlag von der Fassade abgewaschen und über die Kanalisation abgeführt. Solche Lösungsansätze sind mehr denn je gefragt, denn die Belastung der Luft mit Schadstoffen aus Industrie, privaten

Haushalten und vor allem dem Verkehr nimmt trotz verschärfter nationaler und internationaler Vorschriften und Gesetze zu. Zwei der Ursachen sind die Zunahme des Anteils an Pkw mit Dieselmotor, die mehr Stickstoffdioxid emittieren als Autos mit Benzinmotoren, und höhere Fahrleistungen. 75 Prozent der Stickoxid-Belastung in Städten gehen allein auf den Straßenverkehr zurück.

bzw. gesucht. Vermeidung geschieht zum Beispiel durch verbesserte technische Ausrüstung von Fahrzeugen für einen geringeren Stickoxidausstoß und durch die Einrichtung von Umweltzonen. Für eine Verringerung der Luftbelastung in urbanen Räumen könnte das Leipziger Projekt einen weiteren Weg aufzeigen.

Ergänzung zu besserer Dieseltechnik und Umweltzonen

Die Fassade des Hauses in der Karl-Liebknecht-Straße sorgt nicht nur wegen des innovativen Putzes für Aufsehen: Gleichzeitig wurde ein für die Leipziger Region völlig neues Dämmsystem aufgebracht: Das Vakuum-Dämmsystem Weber.therm LockPlate ist gut ein Drittel effizienter als bisherige Vakuum-Isolationssysteme. Wärmebrücken kann mittels einer patentierten Verlegetechnik wirkungsvoll entgegengewirkt werden. Ein weiterer Vorteil, der vor allem optischer Natur ist: Weber.therm LockPlate ist nur etwa halb so dick wie bisherige Systeme. Besonders für die Bewohner ist dies von Vorteil, denn bei einer geringeren Fassadentiefe haben sie eine bessere Sicht aus ihren Fenstern.

In zu hoher Konzentration wirken sich Stickoxide negativ auf die Gesundheit aus. Prof. Dr. Hartmut Herrmann vom Projektpartner Leibniz-Institut für Troposphärenforschung Leipzig: „Stickoxide verursachen Entzündungen in den Atemwegen und verstärken die Reizwirkung von Allergenen. Nimmt die Stickstoffdioxid-Belastung der Außenluft zu, leiden mehr Menschen an Atemwegserkrankungen und es treten mehr Herzrhythmusstörungen auf. Längerfristig häufen sich Infektionskrankheiten der Atemwege, und die Lungenfunktion wird schlechter.“ Der Experte verweist zudem darauf, dass Stickoxide auch Vorläufersubstanzen der photochemischen Ozonbildung und der Entstehung von Feinstaubmasse sind. Deshalb werden sowohl Vermeidungsals auch Verringerungskonzepte verfolgt

Neuartiges Dämmsystem viel effizienter

Mehr Informationen finden Sie unter: www.lwb.de


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Produktionshalle der Mansfelder Kupfer und Messing GmbH (MKM) in Hettstedt – einer der größten Arbeitgeber im Landkreis

Aufstrebender Wirtschaftsstandort mit vielen Facetten

Eine „famose“ Software verwaltet Immobilien intelligent

Ideale Standortbedingungen für potentielle Investoren — der Landkreis Mansfeld-Südharz bietet die ganze Bandbreite an Standortfaktoren für sämtliche Branchen.

Aufeinander abgestimmtes Immobilien- und Facility-Management erfordert zunehmend prozessorientierte und flexible IT-Lösungen mit einem ganzheitlichen Ansatz. Namhafte Kunden vertrauen deshalb seit 15 Jahren auf die Leipziger Keßler Real Estate Solutions GmbH.

Text: Landkreis Mansfeld-Südharz

Fotografie: Landkreis Mansfeld-Südharz

Der Landkreis Mansfeld-Südharz befindet sich im Südwesten des Bundeslandes Sachsen-Anhalt – im Herzen Deutschlands. Aufgrund seiner geografischen Lage ist der Landkreis Mansfeld-Südharz sowohl in die Harzregion als auch in die Region Halle involviert. Mansfeld-Südharz ist ein interessanter Wirtschaftsstandort für Industrie und Gewerbe. Zahlreiche Unternehmen aus verschiedenen Branchen zeigen, dass in dieser Region ideale Standortbedingungen herrschen: Die ausgezeichnete Lage und infrastrukturelle Anbindung an die BAB 38 und das sich im Bau befindliche Autobahndreieck Sangerhausen der BAB 71/BAB 38 sind ein Zeichen dafür. Mit dem Eisenbahnknotenpunkt Sangerhausen werden die Strecken Magdeburg–Erfurt sowie Halle–Kassel verbunden. In Allstedt befindet sich ein Sonderlandeplatz, der ca. 8.000 Flugbewegungen im Jahr vorweisen kann. Nach einer ca. einstündigen Fahrt erreicht man den internationalen Flughafen Leipzig/Halle, wo sich das größte in Europa befindliche Luftfrachtdrehkreuz des Tochterunternehmens der Deutschen Post DHL befindet. Effektive Anbindung für alle Branchen Eine effektive Verkehrsanbindung schafft optimale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung mittelständischer Unternehmen. Die historisch gewachsene industrielle Infrastruktur mit einer breiten Palette von Industrie und Dienstleistungsunternehmen sorgt für ein Umfeld, in dem sich jedes Unternehmen sofort wohlfühlen kann. Ein großes Potenzial an hervorragend qualifizierten, erfahrenen Fachkräften bietet optimale Voraussetzungen für einen Start in anspruchsvolle wirtschaftliche Aktivitäten. Hauptwirtschaftszweige sind heute die Metallverarbeitung (Fahrräder, Zulieferungen für PKW-Produktionen, Maschinen- und Apparatebau), Elektrotechnik (Starkstromanlagen), Nahrungs- und Genussmittel (Gebäcke, Pilze, Spirituosen, Säfte), Baustoffe, Land- und Forstwirtschaft und Tourismus. Die Region bietet in einer abwechslungs-

Text: Bastian Salier Fotografie: Schmitz Werke

reichen, landschaftlich reizvollen Umgebung eine Vielzahl von Anziehungspunkten und geschichtlichen Sehenswürdigkeiten. Neu geschaffene Gewerbeparks und sanierte industrielle Altstandorte mit einem Branchenmix der verschiedensten wirtschaftlichen Aktivitäten bieten noch ausreichend freie Flächen. Der Industriepark Mitteldeutschland in Sangerhausen verfügt beispielsweise über freie Gewerbe- und Industrieflächen von insgesamt 260 Hektar direkt am Autobahnkreuz BAB 38/BAB 71. Netzwerk Standortmarketing Die Branchenvielfalt der Unternehmen im Landkreis MansfeldSüdharz reicht von klassischen Industriebetrieben wie dem MifaFahrradwerk Sangerhausen oder der Mansfelder Kupfer und Messing GmbH (MKM) in Hettstedt bis hin zum Backwarengroßbetrieb Klemme AG in der Lutherstadt Eisleben. Der Landkreis bietet Investoren, Existenzgründern und bestehenden Unternehmen ein Netzwerk professioneller Wirtschaftsförderer. Die Partnerschaft von Wirtschaft und Politik, schnelle Kontaktmöglichkeiten und einfache Verwaltungswege sorgen dafür, dass sich Firmen in unserem Landkreis wohlfühlen. Die kommunale Standortmarketing MansfeldSüdharz GmbH unterstützt sie dabei. Für Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft bieten sich die im Umfeld etablierten Universitäten in Halle, Leipzig, Erfurt oder Magdeburg an. Der Landkreis Mansfeld-Südharz liegt zentral im Forschungsdreieck Magdeburg, Halle/Leipzig, Erfurt. Die Region Halle/Leipzig zählt zu den forschungsintensivsten Regionen der gesamten Europäischen Union. Weitere Wissenschaftsstandorte wie Merseburg, Köthen und Wernigerode befinden sich in unmittelbarer Nähe. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.mansfeldsuedharz.de

Die gesetzlichen und funktionalen Anforderungen an Immobilien und deren Verwaltung, sei es im privaten, öffentlichen und industriellen Bereich, steigen stetig. Wo es früher einzelne Objektverantwortliche gab, die alle Schlüssel in der Hand hielten und als persönliche Ansprechpartner zur Verfügung standen, sind viele technische und administrative Abläufe heute weitaus komplexer organisiert. Gebäude und Anlagen haben einen Standard erreicht, der zur Gewährleistung eines rechtskonformen und wirtschaftlichen Betriebs zwingend ganzheitliche Lösungen erfordert. Bereits seit 1997 steht die Leipziger Keßler Real Estate Solution GmbH genau dafür. „Wir geben unseren Kunden maßgeschneiderte Lösungen für ein optimales Management aller infrastrukturellen, technischen und kaufmännischen Prozesse“, sagt André Keßler, Firmengründer und Geschäftsführer. Module für die weitere Entwicklung Was dies im Einzelnen bedeutet und welche Vorteile es bringt, nicht nur alleinstehende Softwarelösungen zu nutzen, sondern auf ein vernetztes Datenmanagement und eine kompetente Beratung zu setzen, weiß Norbert Gerling, Technischer Leiter der Schmitz- Werke GmbH + Co. KG in Emsdetten im Münsterland. Das mittelständi-

sche Familienunternehmen aus der Textilbranche mit seinen 800 Mitarbeitern und neun Tochtergesellschaften im Ausland hat sich 2001 für die CAFM-Softwarelösung FAMOS (Facility Management Operating System) von Keßler entschieden. „Den größten Nutzen des Einsatzes in unserem Haus sehen wir darin, dass durch den modularen Aufbau der Software kontinuierlich weitere Unternehmensprozesse in das Gesamtsystem integriert werden können.“ Bereits jetzt unterstützt und optimiert das System einen Großteil der technischen Abläufe der Schmitz-Werke. „Made in Leipzig“ auch international erfolgreich Die Grundlagen der Keßler Real Estate Solutions GmbH wurden schon 1990 in einem Ingenieurbüro gelegt, das zahlreiche Aufträge für Großunternehmen wie Quelle, die Neue Messe Leipzig und den Flughafen Leipzig-Halle betreute. „Bereits zu dieser Zeit haben wir erkannt, dass es im Facility und Corporate Real Estate Management langfristig nicht ohne innovatives technisches Know-how gehen wird“, so André Keßler. Heute hält das Unternehmen effiziente und ganzheitliche Lösungen für die Planung, Verwaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen bereit. Neben der Entwicklung und Implementierung von Software für das kaufmän-

nische, technische und infrastrukturelle Management werden weitere Leistungen wie individuelle Beratung in den Bereichen Prozessorganisation, Facility Management und rechnergestütztes Gebäudemanagement (CAFM) angeboten. Kunden können hier ihre Bestandsdaten erfassen, strukturieren und bewerten lassen. Dieses ganzheitliche Leistungsangebot ist auf dem Facility-Management-Markt heute einzigartig und wird von Partnern aus Industrie, Forschung und Lehre, Handel und Finanzen sowie Bund, Ländern und Gemeinden gleichermaßen genutzt. Darunter befinden sich so namhafte Kunden wie das Bundesumweltministerium, die Allianz Deutschland AG, die Lufthansa AG, die Stadt Leipzig, aber auch klein- und mittelständische Unternehmen wie die KHW Konzmann GmbH oder die FM4U GmbH. Die CAFM-Software FAMOS stellt inzwischen auch auf dem internationalen Markt eine konkurrenzfähige Größe dar. Vor allem in Österreich und der Schweiz sei Keßler aktiv, so der Geschäftsführer. Mittelfristig möchte er die Internationalisierung vorantreiben und weitere Märkte für Lösungen „Made in Leipzig“ erschließen. Weitere Informationen unter: www.kesslersolutions.de www.schmitz-werke.com


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Standort mit Zukunft

Bis 2014 soll ein neues Luftfrachtzentrum am Flughafen Leipzig/Halle entstehen (Bild links). Bereits heute gehört der Airport als europäisches DHL-Drehkreuz und Heimatflughafen mehrerer LuftfrachtAirlines zu den wichtigsten Logistkstandorten in Deutschland und Europa.

Einsteigen und durchstarten Als Logistik- und Gewerbeimmobilienstandort bietet der Flughafen Leipzig/Halle einzigartige Wachstumspotenziale für Investoren und Projektentwickler. Der zweitgrößte deutsche Luftfracht-Airport präsentiert sein Portfolio auf der EXPO REAL.

Text: Kai Bieler Fotos: Dietz AG, Flughafen Leipzig/Halle GmbH

Im Mai dieses Jahres verkündete die Dietz AG die Übernahme eines 60 Hektar großen Grundstückes am Frachtbereich Süd des Flughafens Leipzig/Halle. Bis 2014 will der Immobilienentwickler dort für 40 Millionen Euro ein modernes Luftfrachtzentrum mit direktem Vorfeldzugang bauen. In einem zweiten Bauabschnitt soll dessen Fläche dann von 23.000 auf 38.000 Quadratmeter erweitert werden. Das Engagement des Unternehmens ist kein Einzelfall. 2011 erreichte der Leipziger Logistikimmobilienmarkt mit einem Flächenumsatz von 320.000 Quadratmetern einen historischen Rekordwert. Entscheidenden Anteil daran hatte die Nachfrage nach Flächen am und rund um den Airport, wo sich mit Amazon, DB Schenker, Kühne + Nagel und Future Electronics bereits eine Reihe global agierender Logistikunternehmen angesiedelt haben. Aktuelle Studien bestätigen: Der Flughafen Leipzig/Halle gehört zu den Top-Logistikstandorten in Deutschland und Europa. „Der Standort bietet als europäisches DHL-Drehkreuz und zweitgrößter Luftfrachtumschlagplatz Deutschlands Kunden aus der Immobilien- und Luftfrachtbranche einzigartige Rahmenbedingungen sowie langfristige Planungs- und Investitionssicherheit“, erklärt Peter Bergmann, Leiter des Bereiches Non-Aviation/Real Estate des Flughafens Leipzig/Halle, der für die Flächenvermarktung am Airport verantwortlich ist. Zu den Vorzügen des Airports gehörten die zentrale Lage in Europa und die Nähe zu den Wachstumsmärkten der neuen EU-Mitgliedsstaaten, die 24-StundenBetriebserlaubnis für Frachtflüge sowie die leistungsfähige Infra-

struktur am Airport. „Diese garantiert durch die direkte Anbindung an das europäische Autobahnnetz und das Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn eine exzellente Erreichbarkeit für Kunden, Mitarbeiter und Partner“, so Peter Bergmann weiter. Zu einer ähnlich positiven Einschätzung kommt ein aktuelles Standortgutachten der Fraunhofer Arbeitsgruppe für Supply Chain Services (SCS), das die Potenziale der Logistikregion Leipzig/Halle im Vergleich zu zwölf anderen Logistikstandorten in Deutschland und Europa untersucht. Sowohl die hier vorhandene Kombination von logistikrelevanten Standortfaktoren als auch die bereits vor Ort existierenden Logistikansiedlungen sind im innerdeutschen Vergleich überdurchschnittlich gut ausgeprägt. Im Ergebnis gehöre der Standort Leipzig-Halle rund um den Airport zu den Top-Logistik-Regionen in Deutschland und biete sehr günstige Voraussetzungen als EuropaGateway und zentraler Standort für Distribution und Importe. Entsprechend präsentiert der Flughafen Leipzig/Halle auf der diesjährigen EXPO REAL ein vielfältiges Angebot für die unterschiedlichsten Nutzergruppen. Insgesamt gehören rund 100 Hektar freie Flächen sowie über 32.000 Quadratmeter vermietbare Gewerberaumflächen zum Portfolio des Airports. Zu dessen Highlights gehört der Frachtbereich Süd, wo im Umfeld der Ansiedlungen von DHL, Lufthansa Cargo, Ruslan Salis, AeroLogic und des World Cargo Centers besonders luftverkehrsaffine Unternehmen optimale Bedingungen vorfinden. Das Areal verfügt als leistungsfähiges Verteilzentrum für internationale Waren- und Güterströme – neben einem direkten Vorfeldzugang – über einen eigenen Gleisanschluss und Anbindungen an eine vierspurige Bundesstraße sowie an das Autobahnnetz. Dank fle-

xibler Größen und Zuschnitte der Grundstücke können die individuellen Anforderungen von Nutzern berücksichtigt werden. Der Airport präsentiert auf der EXPO REAL vielfältige Flächen und Gewerbeimmobilien. Zu den repräsentativsten Grundstücken am Flughafen Leipzig/Halle gehört das 25.000 Quadratmeter große und voll erschlossene Areal des „Zentralbereichs“ in unmittelbarerer Nähe zum Zentralterminal inklusive Airport-Bahnhof. „Dank der exponierten Lage und der direkten Anbindung an die Verkehrsträger Straße, Schiene und Luft ist der Zentralbereich der ideale Bürostandort für Unternehmen aller Art – vom Start-Up bis zum Back Office, von der regionalen Niederlassung bis zum internationalen Verwaltungssitz“, so die Einschätzung von Peter Bergmann. Neben diesem Potenzialstandort stehen am Airport bereits heute 12.000 Quadratmeter Büroflächen zur Verfügung. So ist das Bürogebäude Süd für die besonderen Bedürfnisse von Unternehmen aus luftfahrtaffinen Branchen wie Speditions- und Transportunternehmen konzi-

piert und gebaut worden. Investoren, Projektentwickler und Nutzer können bei der Realisierung ihres Investments auf die Serviceleistungen des Airport-Immobilienmanagements zurückgreifen. Diese reichen von der Grundstücks-erschließung über die Erarbeitung individueller Flächenangebote bis zur Entwicklung von Nutzungskonzepten unter Berücksichtigung aktueller Marktentwicklungen. Die Wachstumsprognosen für Unternehmen am Airport sind exzellent. Auch über diese Dienstleistungsangebote will der Airport auf der weltgrößten Gewerbeimmobilienmesse informieren: „Der Flughafen Leipzig/Halle präsentiert auf der EXPO REAL nicht nur moderne Gewerbeimmobilien und attraktive Flächen für die unterschiedlichsten Nutzungsanforderungen. Wir bieten Unternehmen die einmalige Chance, jetzt an der anhaltend positiven Entwicklung eines prosperierenden Wirtschafts- und Logistikstandortes im Herzen Europas teilzuhaben“, bekräftigt Peter Bergmann mit Blick auf die Entwicklung

des Airports. Seit Jahren steigt der Luftfrachtumsatz und die Zahl der am Flughafen angesiedelten Unternehmen kontinuierlich. Aktuell sind am Standort 134 Firmen, Dienstleister und Behörden mit mehr als 5.700 Beschäftigten vertreten. Im Jahr 2011 wurden am Flughafen Leipzig/ Halle rund 760.300 Tonnen Luftfracht abgefertigt, 14,7 Prozent mehr als 2010. Auch der Blick in die Zukunft verheißt ein weiteres Wachstum am Standort. Von Januar bis Ende August wurden bereits über 560.000 Tonnen Luftfracht am Flughafen Leipzig/Halle umgeschlagen. Das sind – im Gegensatz zum bundesweiten NegativTrend – 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Beste Wachstumsaussichten also für Logistik- und Gewerbeimmobilienunternehmen am Leipzig/Halle Airport. Kontakt: Peter Bergmann Leiter Non-Aviation / Real Estate Flughafen Leipzig / Halle GmbH Tel.: + 49 (0) 341 224 -1421 E-Mail: peter.bergman@leipzig-halle-airport.de Web: www.leipzig-halle-airport.de


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Michael Creutzer, Geschäftsführer teilAuto GmbH

0,87 W/m2K Eine Weltneuheit der Wipro System GmbH & Co. KG aus Mitteldeutschland setzt im Wohnungsbau weltweit mit einem beeindruckenden Wärmequotienten im Wintergartenbau neue Maßstäbe.

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Wenn im Mittelstand jahrelange Entwicklungsarbeit in innovative Produkte mündet, so ist eine stolze Inszenierung durchaus angemessen. Die Wintergartenmanufaktur Wipro aus SachsenAnhalt setzte bei der Präsentation ihrer neuen Produktreihe ganz auf Theatralik. Ein einfaches schwarzes Tuch verhüllte zunächst den Star des Abends, als mit „Eye of the Tiger“ von Survivor der Höhepunkt des Partnerevents in einem Restaurant direkt am Bitterfelder Yachthafen eingeläutet wurde. Wallender Nebel und Lichteffekte steigerten die Spannung, bis Vertriebsleiter Dirk Braune endlich das Geheimnis lüftete und mit „Eleganza“, das weltweit erste Wintergartensystem mit Passivhausstandard enthüllte. Bereits bei der Buffeteröffnung stimmte der Geschäftsführer Axel Frömert die mehr als sechzig aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz angereisten Gäste auf eine Weltneuheit ein und dankte in erster Linie seinem Team und den

Partnern für die teils jahrelange und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Emotionaler Höhepunkt der Dramaturgie war ein gegen 22 Uhr farbenfroh entzündetes Feuerwerk, das Urlaubsstimmung aufkommen ließ. Zahlreiche Gäste überzeugten sich am Folgetag bei einer Werksführung von der hohen handwerklichen Kompetenz der Brehnaer Manufaktur. Die Serie „Eleganza“ weist erstmals einen zertifizierten Uf -Wert auf. Dass dieser Koeffizient mit 0,87 W/m 2K den Passivhausstandard erreicht, unterstreicht aufs Neue, wie aus dem Know how des Mittelstands technologische Highlights hervorgehen. Die Produktserie „Eleganza“ ist damit auch für Bauherren von Niedrigenergie- und Passivhäusern auf der Tagesordnung. Die ersten Bestellungen für das neue System, die nach Ende des Events eingingen, zeigen, dass der integrative Ansatz Entwicklung, Fertigung und Transport aus einer Hand zu organisieren, zu Erfolgen führt. GK

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Kunst im Großformat Michael Fischer-Art macht graue Wände lebendig. Text: Petra Rauch

„Fischer-Art-Kunst darf in Freiberg bleiben“ lautete das mediale Aufatmen Ende September. Das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB) verzichtet darauf, ein Kunstwerk von Michael Fischer-Art zu zensieren. Was war geschehen? Der Leipziger, dessen großflächige und äußerst farbenfrohe Werke mehr als 70 Fassaden rund um den Globus zieren, war beauftragt worden, die Bibliothek der Freiberger Bergakademie zu bemalen. Das tat der Künstler, der seinen einfach strukturierten Comicstil halb-ironisch „Marktwirtschaftlichen Realismus“ nennt,

denn auch. Doch prangten zum Entsetzen des SIB auch die Losungen „Mehr Geld für Bildung“ und „Neubau der Uni-Bibliothek jetzt!?“ am Gebäude. Man sah die politische Neutralität verletzt und verlangte zunächst die Entfernung der betreffenden Stellen. Fischer-Art beharrte auf seiner Freiheit als Künstler und schließlich gab das SIB bei. Bekannt geworden ist der Absolvent der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst durch seine Arbeiten im öffentlichen Raum. 1998 gestaltete er das neue Hörsaalgebäude der TU Dresden mit einem 2.400 Qua-

dratmeter großen Wandgemälde, FischerArt-Häuser stehen in Sebnitz und Leipzig, eine Kita in Stuttgart zeigt seine Handschrift. Fischer-Art pflegte gute Kontakte zu Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness. Das Cicero-Titelbild zeigte im August 2005 sein Porträt des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige Präsident Michail Gorbatschow standen ihm Modell. Aktuelle Werke, darunter so genannte „Staatsbankrott-Zertifikate“, sind in seiner Leipziger Galerie am Brühl zu besichtigen.


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Das Völkerschlachtdenkmal – vom Schlachtfeld zur Entstehung „... über einen Ort, der einst über eine romantische Idee entstand, über eine Bürgerinitiative zum pathetischen Völkerschlachtdenkmal erwuchs und heute als Wahrzeichen ein unverwechselbares Stück Leipzig ist.“ (Dr. Volker Rodekamp, Leiter Stadtgesch. Museum Leipzig) Fotos von links nach rechts: Völkerschlachtdenkmal, Barbarossakopf von Ch. Behrens; Schlusssteinlegung; Bauphase; Krypta, Schicksalsmaske und Wächterfiguren von F. MEtzner; Völkerschlachtdenkmal 2012 Text: Esther Niebel Fotos: Joscha Steffens, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Am Leipziger Völkerschlachtdenkmal scheiden sich die Geister. Dem einen ist es großartige, erhabene Architektur und ein Mahnmal für den europäischen Völkerfrieden, dem anderen ein protziges, monumental-übersteigertes, völkisches Mausoleum, das nach wie vor nationalistische Herzen höher schlagen lässt. Im Oktober 2013 jährt sich die Leipziger Völkerschlacht zum 200. Mal, das Völkerschlachtdenkmal wird 100 Jahre alt. Das kommende Jubiläumsjahr ist Grund genug, sich näher mit diesem Leipziger Wahrzeichen zu beschäftigen und dem weit verbreiteten emotionalen Zugang einige baugeschichtliche und allgemeine historische Hintergründe hinzuzufügen. Eine fast 100-jährige Planungs- und Baugeschichte Bereits wenige Monate nach der Völkerschlacht versuchte der deutsche Schriftsteller Ernst Moritz Arndt mit Hilfe von Flugschriften den Bau eines Denkmals für „dieses epochale Ereignis“ anzuregen. Die zahlreichen Entwürfe, die auf den Aufruf hin eingingen, lassen sich in zwei unterschiedliche ideologische und architektonische Ansätze gliedern. Dem einen Ansatz war es angelegen, das spezifisch Deutsche zu betonen. Zu dieser Kategorie lässt sich der Entwurf einer gotischen Denkmalskirche von K. F. Schinkel zählen. Mit der gotischen Architektur, die damals national interpretiert wurde, sollte der deutsche Sieg betont werden. Der andere Ansatz, dem der Entwurf von Leo von Klenz zugeordnet werden kann, verflolgte die Vorstellung eines klassizistischen Tempels, der in seiner Anlehnung an die gemeinsame europäische Antike ein paneuropä-

isches Mahnmal der Völkerverständigung setzen wollte. Die weitere politische Entwicklung, die schwierige Lage Deutschlands nach den Befreiungskriegen und die Situation nach den Wiener Kongressen, verhinderte jedoch zunächst die Realisierung eines Völkerschlachtdenkmals. Erst Ende der 1880er Jahre, als sich der bürgerliche Unmut über die politischen Zustände der wilhelminischen Ära zuspitze, formierte sich das Bedürfnis nach einem einigenden nationalen Bewusstsein, das schließlich zur umsetzenden Kraft für die Errichtung des Völkerschlachtdenkmals wurde. Zur Verwirklichung dieses Ziels gründete der Architekt und Freimaurer Clemens Thieme am 26. April 1894 den Deutschen Patriotenbund „... zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals in Leipzig.“ Das Völkerschlachtdenkmal sollte, so der Patriotenbund, an keinen bestehenden europäischen Baustil erinnern. Unter Rückgriff auf außereuropäische, vorantike Architektur sollte ein eigener germanisch-völkischer Stil entwickelt werden. Der architektonische Ansatz Schinkels hatte sich damit, von der Anerkennung zumindest einer gemeinsamen europäischen Basis zugunsten einer völligen Entkopplung des Deutschtums, radikalisiert. Den eigenen germanischen Stil sah Clemens Thieme in dem von einer Jury zum 1. Platz gekürten Entwurf „Walküre“ von Wilhelm Kreis jedoch nicht verwirklicht. Schließlich wurde Bruno Schmitz, Urheber des Kyffhäuserdenkmals und damals bekanntester Denkmalsarchitekt, mit der Ausarbeitung eines eigenen Entwurfs betraut. Grundidee des Entwurfs war es, einen kuppelförmig abschließenden Zentralbau auf einem breitgezogenen Sockel zu

errichten. Als Architekt legte Clemens Thieme an Schmitz´ Entwurf schließlich selbst Hand an, um den „energetischen Verlauf des massigen Gebäudes mit dem Erdboden zu gewährleisten.“ Die Grundsteinlegung am 18. Oktober 1898 Der mehrmals überarbeitete Entwurf wurde 1898 auf der Großen Berliner Kunstaustellung der Öffentlichkeit präsentiert und vom Kaiser mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Nachdem die Stadt Leipzig bereits zwei Jahre zuvor mit der zur Verfügungstellung eines 42.000 qm großen Geländes das Bauvorhaben unterstützt hatte, stand nun der Realisierung nichts mehr im Wege. Nachdem zunächst ein 30 Meter hoher Berg aufgeschüttet worden war, um das Völkerschlachtdenkmal deutlich aus seiner Umgebung heraus zu heben, erfolgte 1898 die Grundsteinlegung. Finanziert wurde das Großprojekt durch die Stadt Leipzig, private Geldspenden und durch eine eigens dafür gegründeten Lotterie. Die tatsächlichen Baukosten betrugen letztendlich 6 Millionen

statt der ursprünglich veranschlagten 800.000 Reichsmark. Die Verschalungen des Völkerschlachtdenkmals bestehen aus Beuchaer Granitporphyr, wohingegen der nicht sichtbare Kern des Bauwerks zu 90 Prozent aus Beton gegossen wurde. Mit einer Höhe von 91 Metern sollte das Völkerschlachtdenkmal die 1886 eingeweihte Freiheitsstatue um einen Meter überragen. In der 15-jährigen Bauzeit kamen noch weitere architektonische Veränderungen hinzu. So wurden zum Beispiel auf Anregung von Franz Metzner 1908 die 12 Wächterfiguren, die in ihrer Ausführung eine starke Parallele zu Hugo Lederers Hamburger Bismarckstatue (1901-06) aufweisen, an der Außenseite der Kuppel in den Denkmalsentwurf eingearbeitet. 1912 wurden die ursprünglich offenen vier großen Eingangsbögen geschlossen, um den in der Ruhmeshalle als störend empfundenen Luftzug zu unterbinden. Die Kuppel wurde im Innenraum nicht wie ursprünglich geplant ausgemalt, sondern mit einem Relief aus 324 in Formen gegossenen Reitern verziert. Von Anfang an Bestandteil des Planungsentwurfs

waren hingegen die von dem Bildhauer Behrens geschaffenen Barbarossaköpfe und das große Schlachtenrelief im Außenbereich des Denkmals. Allerdings wurde statt dem ursprünglich im Inneren geplanten Museum letzlich eine Krypta gebaut. Die Pfeiler der Krypta bestehen nicht wie üblich aus Basis, Schaft und Kapitell, sondern werden aus monolithischen Schicksalsmasken gebildet, die die enge Synthese von Architektur und Skulptur an diesem Gebäude deutlich machen. Franz Metzner schuf die kolossalen Tugendfiguren für die Krypta. Die Tugenden Tapferkeit, Opferbereitschaft, Glaubensstärke und Volkskraft sind als Sitzstatuen allegorisch dargestellt. Nach der Schlußsteinlegung am 12. März 1912 erfolgte am 18. Oktober 1913 in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. die offizielle Einweihung. Weitere Informationen zum Völkerschlachtdenkmal finden Sie unter: www.voelkerschlachtdenkmal.de oder unter www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de.


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1, 2 & 3: Beispiel einer 3-D-Galerie, Galerie Sylke Schumann 4: Beispiel einer 3-D-Galerie, Galerie Queen Anne, Leipzig

Virtuelles Durch-die-Flure-Wandeln − Kunst-Jet-Set war gestern Kunst online erlebbar machen? Mit den Echtzeit-3D-Anwendungen von Graphtwerk können Ausstellungen virtualisiert werden, um Besuchern, die nicht vor Ort sein können, Kunsterleben möglich zu machen.

Text: Sarah Vannini

Fotos: Graphtwerk

Die Leipziger Agentur Graphtwerk programmiert und gestaltet Echtzeit-3D-Visualisierungen und Anwendungen zum Einsatz auf PCs und Desktops sowie auf sämtlichen mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablet-PCs. Die Programmierung ist für Windows und Mac OS Betriebssysteme gleichermaßen anwendbar. Gegründet wurde Graphtwerk von René Mattis und Hendrik Peltzer, die beide bereits seit über zehn Jahren im Bereich Webentwicklung und Webdesign tätig sind. 3D-Visualisierung ist eine Technologie, die vor allem durch die Gaming-Branche bekannt und weiterentwickelt wurde. Das Prinzip, Räume virtuell nachzubauen und somit unabhängig vom Standort des Nutzers und von Öffnungszeiten zu machen, überträgt die Agentur Graphtwerk auf den Kunstbetrieb. Jederzeit und

von überall auf der Welt können Ausstellungen „besucht“ werden − egal ob Galerie, Museum oder Messe: Eine individuell entwickelte, online begehbare Ausstellungsarchitektur ist das Ziel. Dabei berücksichtigt die Echtzeit-3D-Galerie die realen Größenverhältnisse. Der Besucher ist unabhängig und kann selbst bestimmen, welchen Weg er durch die Ausstellung nimmt und wo und wie lange er an den einzelnen Exponaten verweilt. Er kann sich jederzeit für Zusatzinformationen entscheiden, die an verschiedenen Orten der Echtzeit-3D-Galerie abgelegt sind. Bilddaten können per Mausklick über das Bild abgerufen werden. An virtuellen Infotheken können Zusatzangebote wie Künstlerbiografien, Interviews, Kataloge, Preislisten oder Verlinkungen zu Partnerprojekten abgelegt werden. Auch Videos, Texte oder Audioguides bis hin zu

Bezahlfunktionen können so zum Einsatz kommen. Der Zugang zu diesem weiterreichenden Angebot kann individuell reglementiert werden. Einfache Inhaltspflege dank Drag & Drop im Content Management System Sobald ein Raum oder auch ein ganzes Gebäude als Echtzeit-3D-Galerie gestaltet ist, kann der Anwender per Drag & Drop selbst neue Inhalte oder Ergänzungen über ein Content Management System

einstellen. Bestehende Online-Datenbanken können mit der Anwendung problemlos synchronisiert werden. Dabei bleiben die Bilder dank zugangsgesicherten Bereichen vor willkürlichem Kopieren und Herunterladen geschützt. Durch nachhaltige Archivierung wird das Abrufen der Präsentationen zu jeder Zeit gewährleistet, so dass vergangene Ausstellungen nicht verloren gehen. Auch das Besucherverhalten kann mit einem integrierten Trackingsystem jederzeit und unter verschiedenen Informationsgewinnungs-

aspekten ausgewertet werden. Eintrittsgelder – gerade beim Einsatz der Technologie bei Echtzeit-3D-Museen – lassen sich problemlos für Online-Ausstellungen über virtuelle Counter einrichten. Zudem können passwortgeschützte Kundenbereiche eingerichtet werden, die zusätzliche Servicefunktionen vor allem sensibler Bereiche ermöglichen. Weitere Informationen im Internet unter: www.3dstellwerk.com


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Seit 2008 sticht die MS Santa Barbara in den Zwenkauer See und hat mittlerweile weit über 50.000 Fahrgästen einen Einblick in Geschichte und Zukunft des Sees gegeben.

Ein Platz zum Anlanden! Wann waren Sie das letzte Mal am Zwenkauer See? Schon länger nicht mehr? Dann wären sie erstaunt, wie dynamisch die Entwicklungen am zukünftig größten See rund um Leipzig vorangehen. Grund genug, um mal wieder einen Blick auf den Stand der Dinge zu werfen.

Am Westufer des Sees errichtet die LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft) zur Zeit ein Einlaufbauwerk, welches Bestandteil des Hochwasserschutzes entlang der Weißen Elster ist. Im Hochwasserfall können so rund 15 Mio. m“ in den Zwenkauer See geleitet werden.

Text: Benedikt Kahlstadt Fotos/Bildquelle: Sächsisches Seebad Zwenkau GmbH & Co. KG, Fotografie: Michael Bader

Während an Cospudener, Markkleeberger, und Hainer See bereits fleißig gebadet, gesegelt und gepaddelt werden kann, wartet der Zwenkauer See noch auf seinen endgültigen Wasserstand. Dazu fehlen ihm noch rund 10 m, um genau zu sein sogar noch 16 Zentimeter mehr. Dank Grundwasser, Flutungsleitung und bald auch Zuleitung aus der Weißen Elster, wird er seinen Endpegelstand 2014 erreicht haben. Bis dahin schläft er aber nicht etwa einen Dornröschen Schlaf. Ganz im Gegenteil. Sowohl auf dem Wasser, insbesondere aber rund um das Wasser, wurde er, um bei den Gebrüdern Grimm zu bleiben, längst wachgeküsst und setzt schon heute Zeichen.

Dank Grundwasser, Flutungsleitung und bald auch Zuleitung aus der Weißen Elster, wird er seinen Endpegelstand 2014 erreicht haben. Seit vier Jahren sticht die Santa Barbara, das größte Fahrgastschiff des Leipziger Neuseenlandes, mit regelmäßigen Rund- und Charterfahrten in den See und ist der ideale Ort, um sich einen Eindruck von den Entwicklungen am See zu verschaffen. Ganz gleich, ob dabei die erstaunliche Vielfalt der Avifauna, die beeindruckenden Wasserbauwerke oder die modernen und ansprechenden Gebäude am Kap Zwenkau im Mittelpunkt des persönlichen Interesses stehen.

Einen Vorgeschmack was zukünftig sonst noch auf dem See möglich sein wird gab im Mai das Hafenfest am Kap Zwenkau. Direkt vor dem neu entstandenen Hafen sorgten Dutzende von Paddlern, Seglern und Sportbootkapitänen für einen Blick in die nahe Zukunft. Premiere im Leipziger Neuseenland feierten dabei auch die Starts und Landungen von Wasserflugzeugen und Flugbooten. Wassersport auf dem Zwenkauer


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Zum diesjährigen Hafenfest gab es eine Premiere. Zum ersten Mal starteten und landeten amphibische Fluggeräte auf einem der Seen des Leipziger Neuseenlands – dem Zwenkauer See, darunter auch eine Sikorski S-38.

See – in diesem Jahr noch eine Besonderheit aber schon bald tägliches Vergnügen für alle Anwohner Unternehmer und Gäste am Zwenkauer See. Premiere im Leipziger Neuseenland feierten dabei auch die Starts und Landungen von Wasserflugzeugen und Flugbooten. Die Grundlagen dafür wurden bereits geschaffen. Ende 2011 wurde der Großteil der Erschließung am Kap Zwenkau, der Adresse am Südufer des Sees, fertig gestellt damit private und gewerbliche Bauherren mit ihren Bauvorhaben loslegen konnten. Während die Vermarktung der nur noch wenigen verfügbaren Grundstücke rund um den Yachthafen auf Hochtouren läuft, sind

die ersten Familien schon am Kap Zwenkau zu Hause. So können sie hautnah mitverfolgen, wie die neuen Geschäftsadressen direkt am Hafen entstehen. Auch für das nächste Jahr stehen schon zahlreiche Bauherren in den Startlöchern um ihre Bauvorhaben vom Einfamilienhaus über Ferienwohnungen, Geschäftshäuser bis hin zur Bootswerft zu realisieren, selbstverständlich ganz im Zeichen des, für das Kap Zwenkau typischen, städtebaulichen und architektonischen Gesamtbildes. Während die Vermarktung der nur noch wenigen verfügbaren Grundstücke rund um den Yachthafen auf Hochtouren läuft, sind die ersten Familien schon am Kap Zwenkau zu Hause.

Auch die Standortentwickler der Sächsisches Seebad Zwenkau GmbH und Co. KG werden im nächsten Jahr fleißig bauen, unter und über der Erde. An der Westmole des Hafens errichtet der Projektentwickler ab Mai ein Ferienwohnensemble mit 16 Ferienwohnungen die selbstverständlich über Seeblick und eigenen Bootsanleger verfügen. Auch auf der östlichen Hafenmole werden 2013 die Bagger rollen. Dort entsteht die Infrastruktur des technischen Hafens mit Krananlage, Bootswaschplatz, Landliegeplätzen und Hafenvorfeld. Das ist auch nötig, schließlich sind schon mehr als drei Viertel der Liegeplätze an den Stegen im Hafen reserviert. Umso besser, dass im Südosten des Kap Zwenkau gleich parallel die Erschließung der neuen Quartiere Harthblick, Hangquartier am See und Dünenquartier startet und die Grundstücke dort über eigene Bootstege und Zugang zum See verfügen werden. Das ist auch nötig, schließlich sind schon rund drei Viertel der Liegeplätze an den Stegen im Hafen reserviert. Vor dem Bauen steht aber bekanntermaßen das Planen und auch da ist bei den Akteuren am Zwenkauer See einiges in Bewegung. Seerundweg, Harthkanal, Sport-Freizeit und Erholung am Nordufer, Hafenmeisterei, Strandwache …

Am Südufer des Sees entsteht zur Zeit das Kap Zwenkau mit modernen Wohn- und Geschäftshäusern.

Was genau geplant ist und ob auch Sie mit Ihrer Vorstellung von einem Wohn- oder Geschäftshaus, Hotel oder Freizeitanlage am Zwenkauer See anlanden können, das erfahren Sie bei den Ansprechpartnern vor Ort oder unter www.zwenkauer-see.com.


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Viel Ufer, viel Wasser, viel Natur: Platz für Baugrundstücke, Liegeplätze und Erholung

Strand und mehr An den Ufern des Geiseltalsees sind noch Grundstücke für Ferienhäuser zu haben. Mit der Teilfreigabe des Sees wächst auch das Interesse an gewerblichen Investitionen. Text: Katja Schmal

Fotografie: Robert Karge

Wohnen am Wasser kann als der Immobilien-Trend der letzten Jahre betrachtet werden. Während andere auf Beton schauen, wenn sie ihren Balkon betreten, macht sich am Wasser das Gefühl von Freiheit breit, das mancher nur aus dem Urlaub kennt: die Weite des Wasserspiegels und eine stetige kleine Brise, die um die Nase weht. Die landschaftlichen Veränderungen in Mitteldeutschland in den vergangenen 20 Jahren haben attraktive Ufer auch in Gegenden geschaffen, über die man früher die Nase rümpfte: Dort war es beim besten Willen nicht vorstellbar, Geld in Immobilien anzulegen. Der mit fast 19 Quadratkilometern größte künstliche See Deutschlands, der Geiseltalsee, gehört zu diesen Ecken, die nunmehr fast wie aus dem Ei gepellt daherkommen, vor 1993 dagegen noch einer Mondlandschaft glichen. Vielfältige Freizeitangebote, Naturschutzgebiete und grüne Grundstücke waren da noch graue Theorie. Inzwischen gibt es um den See herum statt Abraumhalden Wald- und Erholungsflächen, die sich auf 800 Hektar belaufen, und im Norden des Sees wird auf 30 Hektar Wein angebaut. Dies lässt sich bei Ausflügen erkunden und genießen, möglich ist es aber auch, den Lebensmittelpunkt gänzlich oder zumindest für bestimmte Zeiten im Jahr an den Geiseltalsee zu verlegen, indem man sich dort ein Ferienhaus baut. Für den Bau von Ferienhäusern gibt es ausgewiesene Baugebiete, nämlich im Bereich der Marina Mücheln am oberen Ende des Geiseltalsees. Dieser Hafen ist

bereits seit mehreren Jahren fertig. Im Bereich der Marina Braunsbedra – Braunsbedra liegt im unteren Geiseltal – kann man dagegen erst 2014 beginnen, Ferienhäuser zu bauen. Außerhalb dieser Gebiete wird man keine Baugenehmigungen erhalten. „Das ist auch so gewollt“, sagt Roland Karge von der Geiseltaler Entwicklungs- und Touristikgesellschaft GET. „Es soll ja nicht wild am See gebaut werden.“ Bei der Planung der Grundstücke steht außerdem im Vordergrund, dass der See überall öffentlich zugänglich gehalten wird, also weder Privatgrundstücke noch -wege dem Publikumsverkehr entgegenstehen: Der See ist schließlich für alle da und das soll auch so bleiben. In den Bereichen der Marinas gibt es ausgewiesene Flächen für Ferienhäuser Im Bereich der Marina Mücheln ist der erste Teilabschnitt an Grundstücken bereits fast vollständig verkauft, weitere Grundstücke warten auf Käufer, benötigen aber noch eine Erschließung in Form von Gas, Wasser und Strom. Alle weiteren sich daran anschließenden Schritte werden recht schnell gehen: „Es gibt eine Verpflichtung, innerhalb von zweieinhalb Jahren nach Erwerb des Grundstücks mit dem Bau fertig zu sein“, so Karge. Damit sollen Spekulationen bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden. Die

Besitzer der Ferienhäuser sind übrigens nicht an die Ferien- oder Urlaubszeit gebunden. Zwar sind die Siedlungen als Ferienhaussiedlungen konzipiert, die Hausbesitzer haben aber ein Ganzjahreswohnrecht. Das hat nicht nur den Hintergrund, dass jeder selbst festlegen kann, wie er Ferien definiert, sondern hängt auch mit noch laufenden Fördermittelzahlungen zusammen. In Zukunft wird also ebenfalls die Möglichkeit bestehen, den Erstwohnsitz an den Geiseltalsee zu verlegen. Eine Zweitadresse tut es bis dahin aber sicher auch. Neben Wohnhäusern gibt es auch Grundstücke und Gebäude, die für die gewerbliche Nutzung gedacht sind. Diese Ansiedlungen können derzeit noch keinen so großen Zulauf verzeichnen wie die für die Privathäuser, weil lange offen war, wann die Nutzung des Sees freigegeben wird und auf welche Bereiche sich die Freigabe erstreckt. Seit die Teilfreigabe im

August erfolgt ist, kann aber ein gestiegenes Interesse an Liegeplätzen im Bereich der Marina Mücheln verzeichnet werden. Derzeit liegen dort 60 Boote. Geplant sind neben etwa 100 Ferien- und Bootshäusern cirka 150 Land- und 200 Landliegeplätze. Auch der Ausbau bereits vorhandener touristischer Einrichtungen und gastronomische Pläne können nun endlich angegangen werden. Ein kleineres Problem gibt es in dem Zusammenhang auch schon: Im Bereich des Müchelner Hafens, direkt am Wasser, sucht man händeringend nach einem Investor für eine gehobene Gastronomie, berichtet Karge.

tigstellung des Hafens Braunsbedra 2013/14 nicht erschöpft sind. Hochinteressant ist auch die Halbinsel Stöbnitz, die zu Mücheln gehört und genau in der Mitte zwischen beiden Seehälften liegt, etwa für Gastronomie oder Hotellerie. Außerdem ist mit der Teilfreigabe sicher nicht das letzte Wort über den Geiseltalsee gesprochen, weitere Freigaben werden folgen und die Möglichkeiten baulicher Investitionen – seien sie privater oder gewerblicher Natur – erweitern.

Händeringend gesucht: Investor für gehobene Gastronomie Sowohl die Stadt Mücheln als auch die Stadt Braunsbedra haben weitere Pläne zur Erschließung des Geländes, die mit der Fer-

Weitere Informationen finden Sie unter: www.geiseltalsee.de www.get-geiseltal.de


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Die extra angereiste Politprominenz segelt auf dem sozusagen noch jungfräulichen See.

Bergmannstradition: Ohne den 100 Jahre währenden Abbau der Braunkohle gäbe es heute weder die Industrie in Leuna und Schkopau noch den Geiseltalsee.

Nachdem ein vermeintliches Krokodil im See das Sommerloch beherrscht hat, erlaubt sich Landrat Bannert den Scherz, dem Braunsbedraer Bürgermeister Steffen Schmitz ein Reptil zu schenken.

Zeit für Pläne Mit der Teilfreigabe des Geiseltalsees im August 2012 ist es möglich geworden, langgehegte Pläne umzusetzen. Vor allem können nun aber auch neue, zukunftsweisende Pläne geschmiedet werden.

Text: Katja Schmal Fotografie: Thomas Schrinner

Mit wie viel Ungeduld das Ereignis erwartet wurde, zeigt das Geunke und Geraune der Medien in den Monaten davor: Immer wieder wurde spekuliert, dass der Geiseltalsee nun endlich freigegeben wird, so dass nicht mehr nur sein Seeufer ein Freizeitziel bietet, sondern auch das Wasser selbst zum Baden, Bootfahren und Wassersport genutzt werden kann. Die erlösende Nachricht ist erst während des Sommers gekommen: Seit dem 11. August ist ein Teil des Sees beplansch- und befahrbar. Dies war freilich für diese Saison recht spät. „Ausschlaggebend dafür, dass man mit der Teilfreigabe so lange gewartet hat, war auf jeden Fall Vorsicht“, sagt Margit Rietz vom Landkreis Saalekreis, dem Landkreis, in dem der Geiseltalsee liegt. Das Unglück von Nachterstedt, bei dem im Sommer 2009 ein etwa 350 Meter breiter Streifen Lands in den Concordiasee im Norden SachsenAnhalts stürzte, drei Menschen verschüttet und einige Häuser unbewohnbar wurden, habe in Erinnerung gerufen, dass es besser ist, sich in Hinblick auf Freigaben in Geduld zu üben, um eine Wiederholung dieser Katastrophe möglichst ausschließen zu können. Politprominenz und Gäste feiern die Teilfreigabe bei schönstem Sommerwetter Auch wenn die Sommersaison am Geiseltalsee fast vorbei ist, steigt am 1. September die große Feier dieser frohen Kunde unter Beisein von Politprominenz: Die Wirtschaftsministerin von Sachsen-Anhalt, Birgitta Wolf, ist gekommen, die Landräte von Saalekreis und Bur-

genlandkreis, Frank Bannert und Harri Reiche, lassen sich dieses Ereignis ebenso wenig entgehen wie die Oberbürgermeisterin von Halle, die Bürgermeister der Anrainerstädte Querfurt, Bad Lauchstädt, Braunsbedra und Mücheln und eine Vertreterin der LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbaudings), und auch Abgeordnete aus Landtag und Bundestag haben neben hunderten weiteren Besuchern den Weg hierher gefunden, um die Teilfreigabe zu feiern. Zunächst dürfen die geladenen Gäste ein Segelschiff besteigen und eine Runde über das Viertel des Sees drehen, auf dem dies nun erlaubt ist. Nachdem das Steigerlied den Festakt eröffnet hat, sorgt das Bergmannsblasorchester Geiseltaler Musikanten für Stimmung und Schlagersternchen Franziska aus Mücheln gibt ihren aktuellen Hit. Landrat Bannert spendiert Getränke, darunter Sekt vom Weinberg Steiger, deren Reben am Seeufer in nur 70 Metern Höhe unter der Sonne wachsen – unter der echten und über der vom See reflektierten. In den sich anschließenden Festreden wird immer wieder deutlich, mit welch hartnäckiger Beharrlichkeit man am Landschaftswandel gearbeitet hat, ohne dabei die Identität als Bergbauregion gänzlich zu verlieren. Dem Kapitel Bergbau folgt ein neues Kapitel Der Bergbau in der Region hat eine lange Tradition, schon 1698 wurde die hiesige Braunkohle urkundlich erwähnt. Die Phase der

intensiven Förderung hat Ende des 19. Jahrhunderts begonnen. Die Braunkohlevorkommen haben für die Ansiedlung der chemischen Industrie 1917 in Leuna und 1936 in Schkopau gesorgt. Seit 1993 findet kein Kohleabbau mehr statt, die 1,6 Milliarden Tonnen Braunkohle, die sich im Geiseltal befanden, sind erschöpft. Die zwischen 50 und 100 Meter dicken Flöze haben ein riesiges Loch hinterlassen. Es wird seit 2003 geflutet, 2007 ist die Landschaft fast vollständig rekultiviert. Noch einmal fünf Jahre sollen vergehen, bevor es mit dem Wassertourismus richtig losgehen werden kann. Grüne Landschaft Nachdem das Kapitel Braunkohle vorbei ist, folgt also nun ein anderes, dem man mit Optimismus entgegen sieht: Bei schönstem Sommerwetter wird deutlich, wie grün das Gelände um den Geiseltal ist, wie sich die Natur per Vegetation die Landschaft erobert. Dies gibt auch einen Vorgeschmack auf das Potenzial, das dem Projekt Geisel-

talsee innewohnt. Es ist vor allem ein touristisches Potenzial, das nun, mit der erfolgten Teilfreigabe, über das entsprechende Marketing beherzt angegangen werden kann. Der Traum von der vollständigen Freigabe Grit Uhlig von der LMBV etwa freut sich ebenso wie die anderen Festredner darüber, dass der See nun zum Teil genutzt werden kann und betont, dass man mit Hochdruck daran arbeite, weitere Freigaben und eventuell sogar eine vollständige Freigabe zu erreichen. Hier ist sie wieder, die gebotene Vorsicht, die zur Geduld mahnt. Dennoch erlauben sich die Redner Ausflüge in die Zukunft, unterbreiten Visionen, die nur umgesetzt werden können, wenn mehr See freigegeben ist. So wünscht sich etwa der Braunsbedraer Bürgermeister Steffen Schmitz, dass der dortige Hafen bald fertiggebaut werden kann, inklusive der damit verbundenen Infrastruktur, und die Bad Lauchstädter Bürgermeisterin Ilse Niewia-

doma hat vor allem die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Arbeitsplätze im Sinn, die der Tourismus verspricht. Passend zum Anlass tauft Müchelns Bürgermeister Andreas Marggraf noch das erste Boot, die Segeljacht „Brisa del Mar“ von Familie Schütze aus Naumburg. Die Schützes sind schon auf der Müritz und im Stettiner Haff gesegelt und freuen sich nun, dem Sport sozusagen vor der Haustür nachgehen zu können. Auch Margit Rietz hofft auf weitere Freigaben vor allem in Hinblick auf Braunsbedra und den dortigen Hafen. „Es ist wichtig, die Entwicklung jetzt weiter zu forcieren.“ Teil dieser Entwicklung seien der weitere Ausbau der Freizeit- und Wellnessangebote, ein Fahrgastschiff, das in der nächsten Saison über den See fährt, oder die Belebung des Campingplatzes auf der Halbinsel Stöbnitz. Weitere Informationen finden Sie unter: www.geiseltalsee.de www.get-geiseltal.de


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Visionen werden Wirklichkeit

Der Anschluss Leipzigs an die Weltmeere ist noch nicht vollzogen. Mit dem ersten Baggerbiss zur Verbindung zwischen Lindenauer Hafen und Karl-Heine-Kanal ist aber ein wichtiger Schritt für die touristische Wassernutzung der Stadt und darüber hinaus getan.

Text: Angela Zábojník, Franziska Reif Fotografie: Amt für Stadtgrün und Gewässer

Wenn sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, Halles Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados und ihr Nachfolger Bernd Wiegand, der sächsische Innenminister Markus Ulbig und Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal nach einer Paddeltour zum gemeinsamen Baggerbiss am Lindenauer Hafen treffen, müssen Vorgänge von regional übergreifender Bedeutung im Gange sein. Tatsächlich: Als sich am 12. September 2012, 12 Uhr, am Lindenauer Hafen in Leipzig ein Menschenauflauf um einen Bagger bildete, ging es um den nächsten Schritt auf dem Weg zur Fertigstellung einer alten Idee. Mit über 800 Jahren ist diese Idee älter, als man bislang wusste: Wie die Leipziger Verwaltung in den Archiven herausgefunden hat, war schon Otto der Reiche von dem Gedanken begeistert, die Stadt Leipzig mit einer Anbindung an die Saale zu versehen. Otto der Reiche war in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts Markgraf zu Meißen und derjenige, der Leipzig 1165 das Stadtrecht verlieh. Laut Überlieferung war der nächste, der öffentlich davon sprach, dass Leipzig ans überregionale Wassernetz angebunden sein sollte, der sächsische Kurfürst Johann Georg III. Das war erst Anfang des 18. Jahrhunderts. Auch die Kurfürsten Friedrich August I. (1670–1733) und Friedrich August III. (1763–1827) träumten von einer Verbindung zur Saale oder gar zur Unstrut. Carl Heine begann den Kanal Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts ging man dazu über, Visionen nicht nur zu formulieren, sondern auch auf ihre Machbarkeit hin

Leipzigs OBM Jung beim symbolischen Baggerbiss: Der nächste Schritt auf dem Weg zum Anschluss an die Weltmeere wird begonnen.

zu untersuchen. So wurden einige Pläne geprüft, mit denen Leipzig endlich Anschluss an das Netz von Binnenwasserstraßen hätte finden können: Leipzig sollte bei Strehla an die Elbe angebunden werden, an die Oberelbe und dort auch an den damals geplanten ElbeSpree-Kanal, an Dessau-Wallwitzhafen und an die Elbe bei Aken. All diese Bauüberlegungen erwiesen sich allerdings als nicht durchführbar, weil viel zu teuer. Lediglich die Idee, Leipzig bei Kreypau, heute ein Ortsteil der Stadt Leuna, an die Saale anzubinden, schien umsetzbar. Dieser Gedanke stammte vom Wasserbauinspektor Georgi, Carl Heine nahm ihn auf und entwickelte ihn weiter. Was die Kurfürsten und Markgraf Otto mit dem für Stadtväter und -mütter sicher sympathischen Beinamen nicht schafften, ging der Leipziger Industriepionier ab 1856 an, gut 2,5 Kilometer Kanal entstanden unter seiner Federführung und aus seinen privaten Mitteln. Dennoch konnte das Gewässer, das später seinen Namen tragen sollte, nicht fertig gestellt werden.

Politprominenz aus Sachsen und SachsenAnhalt paddelt durch den Lindenauer Hafen

Entwicklung des damaligen Dorfs Plagwitz Es war Heine ein Anliegen, den Westen der Stadt zu entwickeln und das damalige Dorf Plagwitz mit Industrie und Wohnvierteln aufzuwerten. In diesem Zusammenhang ist auch das von ihm vorangetriebene und finanzierte Kanalprojekt zu sehen, weil es eine notwendige Verkehrsanbindung darstellte. Außerdem konnten die ausgehobenen Sande und Kiese auch dafür verwendet werden, Teile von Plagwitz und des Waldstraßenviertels trockenzulegen. Auf den trockenen Grundstücken wiederum konnte gesiedelt werden.

1893 wurde der Kanalbau eingestellt, weil die finanziellen Mittel zur Neige gegangen waren, Heine selbst war bereits 1888 verstorben. Auch als 1933 begonnen wurde, den SaaleElster-Kanal zu bauen, wurde das Projekt nicht vollendet – die Arbeitskräfte wurden alsbald in der Rüstungsindustrie gebraucht. Der Bau des Lindenauer Hafens, der als solcher nie genutzt worden ist, begann 1937 und wurde 1943 eingestellt. Das Hafenbecken hat eine Länge von einem Kilometer, seine Breite schwankt zwischen 80 und 100 Metern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Idee des Kanals zwar immer wieder aufgegriffen, jedoch nie tatsächlich in Angriff genommen. Nach der Wende fanden sich verschiedene Akteure aus der Bürgerschaft wie der städtischen Verwaltung, die diese Idee nicht fallenließen, Pläne für eine Gewässerverbindung zwischen Karl-Heine-Kanal und Lindenauer Hafen wurden erneut ab 1998 geschmiedet.

Tourismus statt Güterfrachtverkehr Es wurde begutachtet, ob die Nachfrage nach dem Güterfrachtverkehr einen weiteren Ausbau von Saale-Elster-Kanal und Lindenauer Hafen rechtfertigen würde. Im Ergebnis stellte sich eine Nutzung für den Güterfrachtverkehr als nicht wirtschaftlich heraus, statt dessen konzentrierte man sich auf eine städtebauliche und touristische Nutzung. Mit dem zwischen 2005 und 2007 erarbeiteten wassertouristischen Nutzungskonzept Leipziger Neuseenland wurde das tourismuswirtschaftliche Potenzial herausgestellt, das die Verbindung von Karl-Heine-

Kanal und Lindenauer Hafen und die Anbindung an den Saale-Elster-Kanal und Saale in sich bergen. In Auswertung von Gutachterverfahren in der Zeit 2008/09 kristallisierte sich heraus, dass sich um den Lindenauer Hafen ein Stadtquartier mit Wohnund Gewerbegebieten entwickeln lässt und der nördliche Teil des Hafens zur notwendigen, technisch und touristisch geprägten Marina Leipzig-Lindenau umgebaut werden kann. Somit werden Visionen langsam Wirklichkeit. Die erste Bootsfahrt von der Innenstadt über den Karl-Heine-Kanal zum Lindenauer Hafen oder von dort zu den Seen im Süden wird 2015 möglich sein, dann sollen an der neuen Strecke die letzten Pflanzarbeiten abgeschlossen sein. Bis zur Anbindung an den Saale-Elster-Kanal und zur geschlossenen Gewässerregion Leipzig/Halle mit der Möglichkeit, bis an die Nordsee zu paddeln, wird es hoffentlich nicht noch einmal so lange dauern wie von den Bauanfängen des Karl-Heine-Kanals bis heute.


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Die Promenaden entlang des Hafenbeckens und der zukünftigen Kanalverbindung werden vollständig vom Fahrverkehr freigehalten. Der Lindenauer Hafen soll so zu einem attraktiven städtischen Raum für die dort lebenden Menschen und für Freizeitnutzungen werden.

Raum für individuelle Bauvorhaben Das Westufer des Lindenauer Hafens bleibt naturnah und wird stärker noch als heute Teil der umgebenden Landschaft. Die dichte Vegetation entlang der Hänge nach Lindenau und das Wasser geben dem neuen Viertel einen natürlichen Rahmen. Zudem wird die Zugänglichkeit zu diesem Gebiet verbessert.

Fast 15 Jahre lang gab es in Leipzig kaum Wohnungsneubau. Nach Jahren mit steigenden Einwohnerzahlen und neuen Wirtschaftsansiedlungen soll sich dies nun ändern. Dazu wird derzeit die innenstadtnahe Brachfläche „Lindenauer Hafen“ erschlossen.

Text: Andreas Stötzner

Fotografie: LESG

Eigentlich sollte der Hafen den Endpunkt des 1932 begonnenen Leipzig-Saale-Kanals bilden, durch den Leipzig über Saale und Elbe eine Wasserverbindung mit der Nord- und Ostsee erhalten hätte. In den Jahren 1938 bis 1943 wurden deshalb im Lindenauer Hafen die östliche Kaimauer und drei große Getreidespeicher errichtet. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg konnte weder der Hafen noch der Durchstich zum nahen Karl-Heine-Kanal vollendet werden. Nun sieht die Stadt Leipzig vor, im Norden des Hafenbeckens einen technischen Hafen mit 200 Bootsliegeplätzen anzulegen – die künftige MARINA Leipzig-Lindenau. Die historischen Speichergebäude sollen dieser Marina eine unverwechselbare Prägung geben. Entlang der zukünftigen Verbindung zum Karl-Heine-Kanal ist ein Stadtquartier geplant, das in seinen Bau- und Raumstrukturen an den Stadtteil Lindenau angebunden wird. In den nächsten zwei Jahren will die Stadt Leipzig dort attraktive Promenaden und Plätze

sowie abwechslungsreiche Wege und Aussichtspunkte schaffen. Durch private Investoren sollen sowohl attraktive Eigentumswohnungen und Selbstnutzerprojekte als auch Mietwohnungen und Gewerberäume in unterschiedlichen Preissegmenten entstehen. Für die Erschließung des Gebiets sowie die Anbindung des Hafens an das Leipziger Gewässernetz hat der Leipziger Stadtrat Mitte 2012 knapp 14 Millionen Euro bestätigt.Bis zum Jahr 2016 soll so ein vitales, multifunktionales Quartier wachsen, in dem Arbeiten, Wohnen und Freizeit ein harmonisches Nebeneinander finden. Eine Vielzahl von lokalen bis hin zu internationalen Investoren der Wohnungswirtschaft hat für dieses Konzept bereits starkes Interesse bekundet. Derzeit sucht die Stadt Leipzig gezielt nach Investoren, Projektentwicklern, Selbstnutzern und Baugemeinschaften mit innovativen Ideen und Visionen. Dabei werden die Grundstücke grund-

sätzlich in offenen, freien Auswahlverfahren deutschlandweit ausgeschrieben. Selbstnutzer als organisierte Baugruppen oder Baugemeinschaften sollen im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung berücksichtigt werden. Der Bebauungsplan gliedert den Kernbereich des Hafengeländes in drei verschiedene Nutzungsarten: Die Flächen im unmittelbaren Anschluss an die Speicher im Norden sind als Gewerbegebiet ausgewiesen. Daran grenzt ein Mischgebiet an. Die Flächen südlich der Erschließungsstraße sind vollständig für ein allgemeines Wohngebiet vorgesehen. Diese Abgrenzung soll die Einhaltung aller emissionsschutzrechtlichen Anforderungen an die gewerblichen Nutzer in den Speichergebäuden ermöglichen. Platz für individuelles Wohnen

Der Lindenauer Hafen liegt ca. 4,5 km westlich des Stadtzentrums. Er verbindet das gründerzeitliche Leipzig mit dem Stadtteil Grünau, der sein heutiges Gesicht wesentlich in der DDR-Zeit erhielt. Ursprünglich war der Hafen als Teil des Karl-Heine-Kanals und des Leipzig-Saale-Kanals geplant, doch der letztere wurde nie fertig gestellt.

Das Bebauungskonzept sieht eine Abfolge von sieben rechteckigen Baufeldern entlang der Wasserkante vor. Drei Felder mit fünfgeschossigen Blockstrukturen bilden das städtebauliche Grundgerüst. Hier werden Gewerbenutzungen in den Erdgeschosszonen, zum Beispiel Gastronomie und Dienstleister des täglichen Bedarfs, das Quartier beleben und aufwerten. Auf zwei Baufeldern sollen freistehende drei- bis fünfgeschossige Mehrparteienhäuser, sogenannte „Stadtvillen“ oder offen bebaute Blöcke entstehen. Als dritter Bautyp sind auf zwei weiteren Baufeldern drei- bis fünfgeschossige Leipziger Stadthäuser in variablen städte-

Der Karl-Heine-Kanal ist heute eine wichtige Grnachse und Wasserverbindung in Leipzig. Entlang seines Laufs fhren attraktive Rad- und Fuwege ins Zentrum. Der Lindenauer Hafen wird mit der neuen Gewsserverbindung sein stdtischer Endpunkt.


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baulichen Ensembles vorgesehen. Im Sinne einer architektonisch und gestalterisch einheitlichen Bebauung sollen diese blockweise als Bauträgermodell aus einer Hand realisiert werden. Stadthausprojekte im Randbereich Zum sogenannten Hangkantenpark sind weitere kleinere Baufelder geplant. Parallel zur Hangkante stehen Bauherren oder kleineren Baugruppen Einzelgrundstücke für individuelle Stadthausprojekte zur Verfügung. Die entstehenden Häuser sollen dabei nicht mehr als drei Geschosse haben. Auch am südlichen Ende des ersten Vermarktungsabschnitts ist ein Teilbereich für individuelle Baugemeinschaften vorgesehen. Grundlage der Grundstücksvergabe werden baufeldbezogene Realisierungswettbewerbe sein. Die Ausschreibung der Grundstücke wird in drei Abschnitten erfolgen. Dabei ist vorgesehen, die Grundstücke nicht im Block, sondern in einzelnen Losen auszuschreiben.

Vorläufer der Hafen-Pläne: Gartenbau und Olympia Vor den jetzigen Bebauungsplänen stand das Areal des Lindenauer Hafens bereits zweimal im Blickfeld der Öffentlichkeit: Das erste Mal in den Jahren 1998/99, als sich Leipzig für die Internationale Gartenbauausstellung bewarb. Der innenstadtnahe Hafen bot dafür ein ideales Gelände. Einige der damaligen Planungen wurden auch ohne die Ausstellung umgesetzt, vor allem im Stadtteil Grünau. Konkreter wurden die Pläne um die Belebung des Hafengeländes mit der Olympia-Bewerbung für 2012. Der Lindenauer Hafen war als Standort für das olympische Dorf vorgesehen. Im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs entwickelten 50 Architekturbüros Entwürfe für neues, urbanes Wohnen am Wasser. Auch wenn Olympia 2012 nicht in Leipzig stattfand – der Impuls für die Entwicklung des Lindenauer Hafens ist geblieben.

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Die sich daraus ergebende Mischung aus unterschiedlichen Bauherren und Interessengruppen – Investoren, Projektentwickler, Lokale Wohnungsunternehmen, Selbstnutzer und Architekten – soll ein hohes Maß an städtebaulicher und architektonischer Vielfalt ermöglichen. Zudem wurden für jedes Baufeld Steckbriefe erarbeitet, die detailliert Anforderungen und Kriterien im Rahmen der Grundstücksausschreibung benennen. Hierzu zählen unter anderem die Bauweise und die Nutzung der künftigen Gebäude. Nachhaltige Wärme- und Energieversorgung Um das neu entstehende Viertel optimal mit Wärme und Energie zu versorgen, hat sich als die ökologisch, energetisch und wirtschaftlich beste Lösung die Versorgung mit Fernwärme herausgestellt. Darüber hinaus sollen auch im Rahmen der einzelnen Bebauungskonzepte Chancen genutzt werden, die den Ressourceneinsatz und den Energieverbrauch verringern. Vorrangiges Ziel des Projektträgers LESG (Gesellschaft der Stadt Leipzig zur Erschließung, Entwicklung und Sanierung von Baugebieten mbH) ist es, mit allen vorhandenen Möglichkeiten ein ökologisch nachhaltiges Stadtquartier zu entwickeln. Die Ausschreibung erster Grundstücke ist für Ende 2012 geplant. Die Realisierungswettbewerbe sollen im ersten Quartal 2013 ausgewertet, erste Kaufverträge ab dem zweiten Quartal 2013 abgeschlossen werden. Allerdings müssen Käufer eine Realisierungsverpflichtung unterschreiben. Damit will die Stadt Leipzig sicherstellen, dass das Gesamtareal innerhalb eines überschaubaren Zeitrahmens bebaut wird. Ansprechpartner für Interessenten ist die Treuhänderische Sanierungsträgerin LESG (Gesellschaft der Stadt Leipzig zur Erschließung, Entwicklung und Sanierung von Baugebieten mbH) Weitere Informationen finden Sie unter: www.lesg.de, www.leipzig.de/Lindenauer Hafen

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Die Wildwasseranlage liegt direkt am Markkleeberger See. Das Wasser wird über Pumpen in die Wasserkanäle befördert. Die Wettkampfstrecke ist 270 m lang, die Trainingsstrecke 130 m. Zwischen beiden steht das Funktionsgebäude des Kanuparks mit den Umkleide- und Sanitäranlagen, Büro-, Lager- und Technikräumen sowie dem Restaurant KANU Wildwasser-Terrasse.

Perfekte Event-Location: Der Kanupark Deutschlands einzigartige Attraktion für Wildwassersport befindet sich im Leipziger Neuseenland: der Kanupark Markkleeberg. Die Anlage ist technisch vergleichbar mit den Olympiastrecken in Sydney, Athen, Peking und London. Neben den Leistungssportlern besuchen jährlich über 20.000 Freizeitsportler den Kanupark.

Text: Anett Commichau

Fotografie: Kanupark/Matthias Wuttig

Mit seinem außergewöhnlichen Angebot und der ganz besonderen Atmosphäre ist der Kanupark Markkleeberg die ideale Location für Firmen-Events. Ob für Kunden, Mitarbeiter oder Geschäftspartner – die Stunden am Markkleeberger See werden unvergesslich: Auf Spaß und Action beim Wildwasser-Rafting folgen Erfahrungsaustausch und Entspannung im Restaurant der KANU Wildwasser-Terrasse.

Der Kanupark Markkleeberg wurde 2007 als modernste Wildwasseranlage Europas eröffnet und bereichert seitdem die aufstrebende Tourismusregion südlich von Leipzig mit verschiedenen Wildwasserangeboten. Wildwasser-Rafting ist ein aufregendes Gruppenerlebnis, weckt Begeisterung, motiviert nachhaltig und stärkt den Teamgeist. Der Kanupark kann zu attraktiven Konditionen auch exklusiv angemietet

werden. Business-Pakete sind zu jeder Zeit – auch außerhalb der Saison und der öffentlichen Raftingzeiten – buchbar und können weitere Rafting-Specials beinhalten.

Firmen-Event mal anders: Für Unternehmen gibt es exklusive Angebote.

Alle in einem Boot: Beim Wildwasser-Rafting wird der Teamgeist gestärkt.

Gemeinsam die Fluten bezwingen: Der Kanupark bietet Action und Spaß zugleich.

Kontakt für Anfragen: +49 (0)34297 141299 und business@kanupark-markkleeberg.com Weitere Informationen: www.kanupark-markkleeberg.com


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Nicht nur der Strukturwandel, sondern auch das einkommensschwache und nicht gekorene Unternehmertum lassen die Region noch schwächeln.

Die Wasserwirtschaftsmetropolregion Mitteldeutschlands Wie Wirtschaft und Wasser unter hoheitlicher Steuerung erfolgreich zusammenfließen wollen – oder: ein kleines wirtschaftspolitisches Essay

Die Seenlandschaft und der zukünftige Gewässerverbund gehören zu den Bindegliedern der Region für Freizeit und Tourismus und sind zugleich Soft Skill zur Ansiedlung neuer Unternehmen.

Text: Anette Ehlers

Das mitteldeutsche Kohlerevier, Tagebauauf- und -abbruch, Zentrum der Regionen um den Ballungsraum Leipzig/Halle, liegt im Herzen Deutschlands, begrenzt durch Dresden im Südwesten, Erfurt im Südosten und Magdeburg im Norden. Die hier entstehende neue Metropolregion Mitteldeutschland ist hervorgegangen aus der Metropolregion Sachsendreieck der sächsischen Mitglieder, die zusammen die stärkste Wirtschaftskraft Ostdeutschlands hatten und haben. Dresden und Leipzig gehören mittlerweile, auch am tatsächlich erreichten Inlandsprodukt gemessen, zu den 20 wichtigsten Städten in Deutschland. Das errechnete Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Sachsendreieck liegt mit geschätzten 19.000 Euro ein wenig über dem der Sachsen gesamt. Die weiteren Mitglieder, die Thüringer mit Weimar, Jena und Gera, die Sachsen-Anhaltiner mit DessauRoßlau und Halle und schließlich die Sachsen mit Chemnitz und Zwickau bringen es zusammen auf cirka 2,4 Millionen Einwohner auf 2.000 Quadratkilometern. Wären alle Landkreise, Städte und wohlmöglich Bundesländer dabei, würde die stattliche MitgliederEinwohnerzahl von rund 7 Millionen Menschen erreicht. Der Beitrag der Metropolregion zum gesamtdeutschen BIP liegt bei etwa 61 Milliarden Euro. Auf den 2.000 km² in Vorwendezeiten geschundenem Land sind aus dem Bergbau und den chemieverseuchten Silberseen rund 150 km² Seenlandschaft entstanden. Das als „Leipziger Neuseenland“ getaufte geflutete Gebiet umrahmt in konzentrischen Kreisen den Ballungsraum Leipzig/

Halle. Flussläufe ziehen sich durch Auelandschaften als ergänzendes Angebot zu den Auen der Elbe in den beiden barocken sächsischen und sachsen-anhaltinischen Landeshauptstädten. Aus einer vom Bergbau geprägten Region und aus Städten und Gemeinden, die von der kohleveredelnden Industrie lebten, entsteht eine neue reizvolle Wasser- und urbane Landschaft mit einer hohen Aufenthaltsqualität. Einzigartige, blau schimmernde Seen sind und werden mit den natürlichen, von wertvollen Auen begleiteten Fließgewässern zu einem Netz von Wasserwegen verbunden. Oder sie bilden einzeln in der Landschaft präsente, unverwechselbare Orte. Diese attraktiven Räume bergen in Abwechslung mit den lebendigen Siedlungsbereichen und den Kulturstädten vielfältige Potenziale in sich, die es sensibel und zukunftsorientiert weiter zu entwickeln gilt. Unbestreitbar sind die in die Neugestaltung der Landschaft zum Wohlfühlen und Leben geflossenen Gelder ein Rahmen für eine Ansiedlung, bringen jedoch – mit Ausnahme des Tourismus – alleine keine wirtschaftliche, unternehmerische, durchgehende Quantität gepaart mit der innovationserforderlichen Qualität. Neben der Ansiedlungspolitik gilt es, die Möglichkeiten der Unterstützung der vorhandenen Unternehmen zu beantworten. Nicht zu verleugnen sind die nach dem abrupten Wandel 1990 entstandenen extremen Verschiebungen in den Bereichen Bildung, Ausbildung, Qualifikation, Arbeitsqualität und -möglichkeiten sowie in der unternehmerischen Entwicklung, dazu im Rahmen der Globalisierung. Dies führte – vor allem in der ländlichen Region – zum einen zum Aderlass an jungen Kreativen und dynamischen sowie gut ausgebildeten Menschen. Die „Middle Agers“ fehlen heute in

Vermögensbildung und Arbeitskraft und vor allem als Arbeitsplatzanbieter nicht nur an die neue Generation. Zum anderen war der Werdegang der meisten hier gebliebenen Unternehmer nach der deutschen Einheit ein Neuanfang mit staatlich sehr hoch subventionierter – unbestritten teils notwendiger – Begleitung. Damit einher geht allerdings die Kehrseite der Medaille in der Reglementierung der unternehmerischen Kreativität durch den Anspruch der Fördermittelkompatibilität. Wagniskapital und damit verbunden unternehmerischer Mut werden mitreglementiert und trotz hoher Innovationskraft und Ideenreichtums wird nicht expandiert, sondern Erreichtes gehalten und geschützt. Dies führt dazu, dass die Unternehmen lieber bewahren, was sie erreicht haben, als die Gefahr des Verlustes des neuen Ungewissen einzugehen. Das Unternehmertum ist aus allen diesen Gründen noch vergleichsweise zurückhaltend, was sich konkret an wenigen Patentanmeldungen festmacht – auch mangels des durch die Nachkriegsgeneration angesammelten Eigenkapitals. Folge dessen ist die immer noch hohe Arbeitslosigkeit mit zu wenig Kaufkraft. In der Region wurden zwar von den „Leuchttürmen“ Milliardensummen in zweistelliger Höhe investiert, aber die Hauptsitze sind nicht verlagert worden, was sich in den für Oberzentren nur überschaubaren Gewerbesteuern ausdrückt. Die Kapitalbasis der mit Hauptsitz ansässigen und privaten Unternehmen bleibt damit zusammen gering. Zugleich kann der Wirtschaftsförderer nicht mehr in dem Umfang unterstützen wie gehabt. Durch die Herabstufung in der Strukturförderung der Europäischen Union verliert die Region gerade den

Status des Ziel-1-Gebiets, besitzt also aktuell um 75 Prozent des Bruttonationaleinkommens des Gemeinschaftsdurchschnittes der EU. Grund genug für die Stadt Leipzig und die beiden Landkreise Leipzig und Nordsachsen, fortan in einer gemeinsamen Wirtschaftsförderungsgesellschaft – neben der territorialen Vermarktungseinbindung –, ein wirtschaftsförderndes Instrumentarium der übergreifenden Metropolregion mit den Unternehmen der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland zu schaffen. Diese kann die Strukturprobleme alleine nicht lösen, aber gezielt und gebündelt, mit fachlich herausragenden, mit Erfahrung und Kontakten ausgestatteten Persönlichkeiten über die Grenzen der Region und Deutschlands hinaus einen Rahmen schaffen, der die nachhaltige qualitative Eigenentwicklung schafft und mit entsprechenden Ansiedlungen paart. Zu hoffen ist nur, dass in dem zurzeit bestehenden Gemisch aus politischen und regionalen Interessen, Steuerungsgruppen, Arbeitskreisen und sich anbietenden Versorgungsposten die gemeinsame Arbeit zielführend geleistet werden kann. Die Grundlagen sind mit der notwendigen Infrastruktur von Asphalt- und Wasserstraße, von Rollfeld und gewandelter Landschaft mit den gemeinsamen Instrumentarien geschaffen!

Weitere Informationen finden Sie unter: www.charta-leipziger-neuseenland.de www.investoren-neuseenland.de


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Vielfältige Möglichkeiten aktiv zu sein, aber auch einfach die Seele baumeln zu lassen: Das Leipziger Neuseenland bietet Naturerlebnis am, auf und im kühlen Nass. Ganz nebenbei lässt sich so die gewandelte Landschaft um die 22 Seen des Gebiets genießen.

Wasser marsch, Sport frei „Land in Bewegung“: Im Leipziger Neuseenland wird Sport am, auf und im Wasser groß geschrieben.

Text: Christina Hauser

Fotografie: Tourismusverein Leipziger Neuseenland e.V., Christian Hüller, Stephan Flad

Für Aktivurlaub mit exotischen Trendsportarten muss niemand in die Ferne schweifen oder gar einen Flieger besteigen. Im sogenannten Leipziger Neuseenland ist das Angebot an Freizeitaktivitäten wie Wildwasserrafting, Wakeboarden, Kitesurfen, Stand-up-Paddeling, Beachsoccer, Wasser- oder Rollerski fast schon eine Selbstverständlichkeit. Freilich kann man auch ganz traditionell Golf oder Tennis spielen, Segeln oder Rad fahren oder tauchend Fische beobachten. Für die Erkundung der Uferwege von Seen und Flüssen empfiehlt es sich, auch mal vom Rad abzusteigen und zur Abwechslung bei einer geführten Tour auf ein Quad oder ein Segway umzusatteln. Ein Wasserwegenetz mit acht verschiedenen Kursen von 200 Kilometern Gesamtlänge Wie der Name schon verrät, hat das Neuseenland eine Vielzahl von Seen zu bieten. Im Anschluss an die Förderung der Braunkohle bis

zu Anfand der Neunziger wurde die Landschaft rekultiviert und renaturiert, so dass insgesamt 22 neue Seen entstehen, die zusammen auf eine Wasserfläche von beinahe 70 Quadratkilometern kommen. Somit ergibt sich ein Wasserwegenetz, das die Seen und die Fließgewässer der Stadt Leipzig verbindet und sich auf acht verschiedenen Kursen mit einer Gesamtlänge von 200 Kilometern rudernd, paddelnd oder entlang der Uferwege erkunden lässt. Die verschiedenen Kurse führen etwa durch die Industriearchitektur Leipzigs, durch den Auenwald nach Halle oder nach Süden Richtung Cospudener See. Die Erkundungswilligen haben die Wahl, ob sie die Touren zu Fuß, per Rad oder per Boot absolvieren; Karten leiten über die Strecken und Infobroschüren erklären, was rechts und links des Weges zu sehen ist. Diese Vielfalt der Fortbewegungsmöglichkeiten wird in den verschiedenen, im Kalender der Region längst etablierten Veranstaltungen im Neuseenland deutlich: etwa die Neuseenland-Classics, das größte Radsportevent im Osten mit Strecken in verschiedenen

Schwierigkeitsstufen, oder die Sieben-SeenWanderung, die im Frühjahr 2012 knapp 5.000 Teilnehmer anzog. Im Angebot waren 18 Strecken, die Maikäfertour war mit vier Kilometern die kürzeste, die Strecke Neuseenland XXL mit 100 Kilometern mehr die längste. Schon 13 Mal hat das Drachenbootfestival für Spektakel am Cospudener See gesorgt. Geführte Touren machen es auch jenseits dessen möglich, das Fahrgefühl in solch einem Boot zu erfahren. Diese Touren starten im Kanupark Markkleeberg im gleichnamigen See. Der See mit seiner Wildwasseranlage ist auch Schauplatz internationaler Kanuwettkämpfe. Wer da ist, sollte unbedingt am Südhang nach dort grasenden Bisons Ausschau halten.

Entspannung im Grünen geht natürlich auch ohne Sport Freilich kommen auch die nicht zu kurz, die sich in ihrer Freizeit keinen Aktivurlaub wünschen oder die sich wenigstens im Urlaub mal nicht mit anderen messen wollen. Das Neuseenland erlaubt es nämlich ebenfalls, einen Gang zurückzuschalten und die Seele baumeln zu lassen. Die feinen Sandstrände laden dazu ein, gemütlich in der Sonne zu liegen, in stillen Buchten kann man sogar der Einsamkeit frönen. Deshalb ist das Neuseenland auch ein geeignetes Ziel für Familien, in Form von Wasserspielplätzen oder Naturlehrpfaden ist die Zerstreuung für die Kinder an die Land-

schaft angepasst. Natürlich bietet sich auch ein Besuch des Leipziger Zoos oder des Freizeitparks Belantis zwischen Cospudener und Zwenkauer See an. Trotz der nunmehr schönen Landschaft will niemand die Geschichte der Region verleugnen und damit verschweigen, weshalb sie das Gesicht hat, mit dem sie sich präsentiert. Der Bergbau-TechnikPark am Störmthaler See erlaubt einen Blick auf die technische Seite der regionalen Bergbaugeschichte und im Kraftwerk Lippendorf wird erklärt, wie die Energie der Braunkohle nutzbar gemacht wird. Weitere Informationen finden Sie unter: www.leipzigerneuseenland.de


96 IMMOBILIEN UND ARCHITEKTUR

REGJO

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Ein kleiner Ausschnitt einer großen Vision:

Schon jetzt zeigt das Bild mit dem Freizeitpark BELANTIS, dem Cospudener See und der unmittelbaren Anbindung an die attraktive Großstadt Leipzig die herausragenden Potenziale des Leipziger Neuseenlandes.

HURACAN, Herbst und Halloween

Quo vadis, Leipziger Neuseenland? BELANTIS-Chef Nikolaus Job fordert die Konzentration auf die große Chance, das Leipziger Neuseenland zu einer touristischen Destination mit nationaler Ausstrahlungskraft zu entwickeln und damit Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft zu schaffen.

Text: Felix Maier

Fotos: Bertram Kober/PUNCTUM (gr.), Dieter Grundmann (kl.)

ren zu begeistern. Die Mischung aus Ferien, Freizeit, Fun und der unmittelbaren Anbindung an die attraktive Großstadt Leipzig sei ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, so Job.

sen. Nur mit einer zukunftsweisenden Leitidee und dem gemeinsamem Willen können wir unsere Potenziale nutzen.“

Unterstützung erhält der BELANTIS-Chef unter anderem vom Präsidenten der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig (IHK). „Das Leipziger Neuseenland ist das Pfund, mit dem wir wuchern können und um das uns andere Regionen beneiden“, sagt Wolfgang Topf. Der IHK-Präsident betont: „Tourismus ist Wirtschaftsfaktor und Multiprodukt – eine hohe Attraktivität an Freizeiteinrichtungen und touristischen Highlights stellt einen wichtigen Standortfaktor dar. Deshalb sollten wir uns zur touristischen Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes bekennen – ohne Wenn und Aber.“

Wie könnte das aussehen? „Wir haben die Riesenchance, eine attraktive, vielfältige Tourismusregion mit den Metropolangeboten der Stadt Leipzig zu kombinieren. Die Mischung aus Wassersport, Strand, Vergnügung, Erholung, der unmittelbaren Nähe zur Großstadt Leipzig und der Autobahnanbindung ist ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem wir bundesweit punkten können. Kurzurlaube oder Wochenend-Trips liegen insbesondere bei Familien stark im Trend. Dafür müssen wir familiengerechte Leuchtturmprojekte und maßgeschneiderte Angebote schaffen, die die Übernachtungszahlen in Größenordnungen erhöhen. Das gelingt freilich nur über private Investoren, die von den großen Potenzialen des Leipziger Neuseenlandes überzeugt sind.“

Im nachfolgenden Interview gibt Nikolaus Job weitere Antworten auf die Frage „Quo vadis, Leipziger Neuseenland?“. Macher und Motor: BELANTIS-Chef Nikolaus Job forciert die Ausrichtung des Leipziger Neuseenlandes zur touristischen Destination mit nationaler Ausstrahlungskraft.

In einem Aufsehen erregenden Interview in der „Leipziger Volkszeitung“ erläuterte Nikolaus Job die aktuelle Problematik. Aus Sicht des Freizeitpark-Chefs bedarf es dringend eines scharfen Profils für das „Seen-Kleeblatt“ aus Cospudener, Zwenkauer, Markkleeberger und Störmthaler See, um mit einer gemeinsamen Leitidee eines bundesweit relevanten Urlaubsziels finanzkräftige Großinvesto-

Herr Job, man könnte meinen, im Leipziger Neuseenland sei doch bereits sehr viel passiert. Warum sehen Sie trotzdem die Gefahr, dass hier eine große Chance vertan wird? „Sicher wurde in den letzten Jahren eine Menge erreicht – es wurden Grundlagen geschaffen. Aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen, jetzt geht es darum, auf einem guten Fundament sozusagen das Gebäude zu errichten, wenn es um die langfristige strategische Entwicklung zu einer wettbewerbsfähigen nationalen Urlaubsdestination geht. Es braucht also mehr als Radwege um die Seen herum, denn ansonsten können wir die Zukunftschance Tourismus verges-

Kritiker sehen die Naherholung in Gefahr … „Touristische Relevanz und Naherholung schließen sich nicht aus. Im Gegenteil, sie bedingen sich, die Naherholung ist per se vor-

handen. Zudem geht es nicht darum, hässliche Bettenburgen à la Costa Brava zu bauen, sondern um thematisierte Ferienhausdörfer, attraktive Hotelclubanlagen und vor allem weitere, auch ganzjährig zu betreibende Freizeitangebote. Wir stehen vor der Wahl: Wollen wir ein monothematisches Naherholungsgebiet ohne Alleinstellungsmerkmale? Oder wollen wir ein attraktives Urlaubsziel mit nationaler Ausstrahlung realisieren, das Arbeitsplätze schafft und neue Wirtschaftskraft für die Region bringt und damit den uns folgenden Generationen eine Perspektive eröffnet?“ Wie lautet Ihre Vision? „Die Vision kann nur heißen, das Leipziger Neuseenland zu einer Urlaubsregion zu entwickeln, die national an der Spitze liegt und in einem Atemzug mit der Mecklenburgischen Seenplatte genannt wird. Wenn wir unsere Chancen gemeinsam nutzen, sind eine Million Touristen pro Jahr machbar und im Wettbewerb der touristischen Regionen Deutschlands zählen wir zu den Siegern.“ Herr Job, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Als einer der zehn größten von bundesweit insgesamt 75 Freizeitparks zählt BELANTIS zu den Top-Ausflugszielen für Familien: Mehr als eine halbe Million Gäste zieht es jedes Jahr in den Freizeitpark im Süden von Leipzig direkt an der Autobahn A 38. Damit ist BELANTIS die Nummer eins in den neuen Bundesländern. Mehr als 60 Attraktionen in acht Themenwelten, die sich um zwei malerische Seen gruppieren, garantieren Familien und Freunden einen spannenden Tag voller Spaß und Fantasie. Noch bis zum 7. Oktober feiert der Freizeitpark BELANTIS zusammen mit seinen Gästen das traditionelle Oktoberfest – u. a. mit dem großen „Wies'n Fünfkampf“ in der Themenwelt „Land der Grafen“. Vom 10. bis 28. Oktober ist Ostdeutschlands größter Freizeitpark zum „BELANTIS Herbstzauber“ in der goldenen Jahreszeit zu erleben. Zum Finale der Jubiläums-Saison bietet BELANTIS ein besonderes Highlight: das HalloweenSpektakel vom 29. Oktober bis 4. November. Der Freizeitpark verwandelt sich in eine gespenstische Kulisse und alle Attraktionen haben bis 20 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.belantis.de www.facebook.com/freizeitparkbelantis


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ENERGIEWENDE

Bildnachweis: Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Bildnachweis: Clean Tech Media Award, Ulf Büschleb

Bildnachweis: Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V.

N A C H H A LT I G B A U E N U N D S A N I E R E N

ENERGIE & UMWELT 99

Bildnachweis: Michael Staudinger / pixelio.de

U M W E LT

N A C H H A LT I G K E I T

Bildnachweis: Bausparkasse Schwäbisch Hall

98 ENERGIE & UMWELT

Doppelte Chance

Mit Entwicklungspotenzial

Mit Einsparpotenzial

Steigende Preise

Die Stadt Leipzig ist in zwei Kategorien für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.

Landwirt, Ingenieur und promovierter Philosoph aus Bayern gewinnt mit kleinen Wasserkraftwerken für Entwicklungsländer den Clean Tech Media Award 2012 in der Kategorie Energie.

Moderne Fenster ersetzen die Wärmebrücke Stahl durch Scheibenverklebung und verbessern die Energie-Bilanz von Gebäuden erheblich. Ein Hersteller aus Sachsen-Anhalt etabliert sich als Technologie-Pionier.

EEG-Umlage ist nicht alleiniger Grund für Preisanstieg.

Ende des Jahres wird in Düsseldorf unter der Schirmherrschaft Wolfgang Schäubles der Deutsche Nachhaltigkeitspreis verliehen. Neben der Auszeichnung nachhaltiger Unternehmen haben erstmalig die Großstädte Augsburg, Freiburg und Leipzig die Chance, „Deutschlands nachhaltigste Großstadt“ zu werden. Für Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung ist bereits die Nominierung Motivation, „ökologische, ökonomische und soziale Aspekte zu einem strategischen Ziel zu vereinen.“ Doch Leipzig zählt nicht nur in die Großstadt-Kategorie „Top 3“ in Deutschland: Vielmehr ist die Stadt auch bei „Lebensqualität & Stadtstruktur“ aussichtsreich im Rennen. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist eine Auszeichnung der Initiative Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, dem Rat für Nachhaltige Entwicklung, kommunalen Spitzenverbänden, Wirtschaftsvertretern, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Forschungseinrichtungen. MJ

Karl Kolmsee ist kein typischer Unternehmer, kein Betriebswirt oder Kaufmann. Aber der gelernte Landwirt und DiplomAgraringenieur mit Doktortitel in Philosophie hat eine ausgezeichnete Vision Realität werden lassen: Er konzipierte Kleinst-Wasserkraftwerke, die in den entlegensten Gebieten von Australien bis Chile, von Norwegen bis Afrika für saubere Stromversorgung sorgen. In diesen Regionen ersetzen viele Kraftwerke von Smart Hydro Power – das Unternehmen hat seinen Sitz am Starnberger See – in Zukunft dreckige Dieselgeneratoren. Damit adressiert Kolmsee speziell den Markt für ökologische, dezentrale Energieversorgung, insbesondere in stark wachsenden Entwicklungsländern. Die Anlagen zeichnen sich besonders durch ihren robusten Aufbau, die Wartungsarmut und die einfache Installation aus. Dabei ist der Betrieb ohne bauliche Eingriffe in die sensiblen Öko-Systeme von Flüssen möglich. Die Turbinen erzeugen eine Leistung von bis zu 5 kW und dienen

Die Fenster von Ein- und Mehrfamilienhäusern sind auch heute noch viel zu oft die Schwachstelle in der Energiebilanz entsprechender Gebäude – die möglichen Einsparpotenziale durch den Austausch aller Fenster, die bis ca. 1995 eingebaut worden sind, sind gigantisch. Nur zwei Prozent der 257 Millionen Fenstereinheiten in Deutschland gelten dank dreifachem Wärmedämmglas und UW-Werten von weniger als 1,1 wirklich als zeitgemäß. Allerdings sind 75 Prozent aller Gebäude bereits vor 1978 erbaut worden. Und 54 Prozent verfügen nicht einmal über zweifach verglaste Fenster. Würden diese ausgetauscht, könnten pro Jahr 17,6 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Die Fenster-Technologie hat in den vergangenen Jahren einen großen Sprung gemacht. Dies zeigt auch die Entwicklung bei der SÖBA Fenster und Türen GmbH. Das Unternehmen aus Bad Schmiedeberg produziert Energie-Effizienz-Fenster, die ohne wärmeleitende Stahl-Teile auskommen und einen sehr guten UW-Wert von 0,75 aufweisen. Dabei setzt SÖBA bei der Marke SÖBA

EcoSafe u.a. auf Scheibenverklebungen, wie sie aus der Automobilindustrie bekannt sind, und macht die Wärmebrücke Stahl überflüssig. Die guten Werte sprechen sich bei den Kunden im Markt herum: Ende September nahm der Fenster-Hersteller seine um rund 1.000 Quadratmeter erweiterte Fertigung in Betrieb und verdoppelte seine Produktionskapazität. „Pro Schicht können wir nun 250 Fenster der neuesten Generation herstellen“, berichtet Geschäftsführer Roland Czerwonatis, der in die 1. Ausbaustufe der Erweiterung rund 1,7 Millionen Euro investierte. Für Hausbesitzer gilt: Wer einmal einen klaren Durchblick zum energetischen Zustand seiner Fenster bekommen möchte, kann auch den kostenlosen Energie-Check der Klimaschutz- und Beratungskampagne „Haus sanieren – profitieren“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) durchführen lassen. In 20 Minuten erhält der Hauseigentümer einen groben Überblick, wie fit sein Haus für die Energiewende ist. MJ

Die erneuerbaren Energien werden zu Unrecht für den Anstieg der EEG-Umlage verantwortlich gemacht. „Damit die Strompreise gemäßigter steigen, müssten die stromintensiven Industrien wieder EEG-Umlage und Netzentgelte zahlen“, findet Energieexperte Martin Maslaton. Derzeit werde die Umlage fälschlicherweise mit den Kosten der Energiewende gleichgesetzt. Die zunehmende Einspeisung von Wind- und Solarstrom sorgt für die niedrigsten Börsenstrompreise Europas. Maslaton: „Die EEG-Umlage macht nur einen Anteil am Strompreis von 16 Prozent aus.“ Ohne die Ausnahmeregelungen bei EEG-Umlage und Netzentgelten läge die EEG-Umlage nach Einschätzung Maslatons 20 Cent niedriger. Derzeit zahlen die Strom-Verbraucher eine EEG-Umlage von 3,59 Cent je Kilowattstunde. Im Oktober legen die Übertragungsnetzbetreiber den Aufschlag für das kommende Jahr fest. Es wird erwartet, dass die Umlage dann auf 5 Cent je Kilowattstunde steigen wird. MJ

Weitere Infos unter: www.nachhaltigkeitspreis.de

Weitere Infos unter: www.cleantech-award.de

zur Stromversorgung von Wohngebäuden, Werkstätten oder Krankenstationen. Die Technologie ist derartig überzeugend, dass Smart Hydro Power kürzlich in Berlin den „Clean Tech Media Award“ in der heiß begehrten Kategorie Energie gewann – und damit immerhin eine Daimler-Idee und eine Lösung von Greenpeace Energy ausstach. Dabei honorierten Boris Schucht, Mitglied der Geschäftsführung des ostdeutschen Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz Transmission, und die Medienunternehmerin Sabine Christiansen in ihrer Laudatio insbesondere die einzigartige Verbindung von Nachhaltigkeit und Entwicklungshilfe, die Smart Hydro Power mit seiner innovativen Idee ermögliche. Ziel von Kolmsee und Smart Hydro Power ist es, mit seinen acht Mitarbeitern noch in diesem Jahr 120 Turbinen zu verkaufen, künftig sollen es dann 10 bis 15 pro Monat sein. Das Entwicklungspotenzial dieser sauberen Technologie aus Deutschland wird also nicht nur beim Clean Tech Media Award 2012 sichtbar. MJ

Weitere Infos unter: www.soeba.de


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ENERGIE & UMWELT 101

Die Zukunft im Blick Die TOTAL Raffinerie am Chemiestandort Leuna stellt sich den Herausforderungen der Zeit und setzt bei der Herstellung ihrer Produkte auf Sicherheit, Umweltschutz und Energieeffizienz – eine gute Investition in die Zukunft.

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Wie aus Wärme Kälte wird Die Versorgung mit Kälte ist im medizinischen Bereich ein kostbares Gut. In Chemnitz gewinnt ein Krankenhaus die Kälte mithilfe umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung. Ein Kältespeicher sorgt für kontinuierliche Verfügbarkeit. kunstmuseum des landes sachsen-anhalt Text: Martin Jendrischik Fotografie: Eins Energie in Sachsen GmbH & Co. KG

Eine Filminstallation von Harald Bergmann

Für die Operationssäle, die Intensivstationen und die IT-Anlage des Klinikums Chemnitz ist eine konstant (niedrige) Umgebungstemperatur enorm bedeutsam. „Kälte ist in der Medizin ein kostbares Gut“, sagt Jürgen Klingelhöfer, Medizinischer Geschäftsführer der Klinikum Chemnitz gGmbH. Da das Klinikum eine neue, zentrale Notaufnahme in Betrieb genommen hat, sei der Bedarf an Kälte deutlich gestiegen, so Klingelhöfer. Eine neue, innovative, aber ebenfalls umweltfreundliche Lösung musste her. Die Lösung: KWKK Die Lösung hatte der Energieversorger Eins Energie in Sachsen: Eins erzeugt Fernkälte aus der Fernwärme des Heizkraftwerkes Chemnitz mittels Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung (KWKK). Über Fernwärmerohre gelangt heißes Wasser in die Kälteanlage. Hier nutzt die Absorptionskältemaschine die Energie der Fernwärme, um Wasser auf 6 Grad Celsius abzukühlen. Das gekühlte Wasser fließt über ein gut isoliertes Rohrnetz zu den Lüftungsanlagen, wo es die Kälte abgibt und die Wärme aus den Räumen aufnimmt. Das aufgewärmte Wasser (12 Grad Celsius) wird zurück in die Kälteanlage transportiert, wieder abgekühlt und der Kreislauf beginnt von vorn. Kältespeicher als Notreserve

21.10.2012–6.1.2013 www.kunstmuseum-moritzburg.de

gefördert durch die

Neben dem Ausbau der Kälteanlage am Klinikum wurde auch ein 16 Meter hoher Kältespeicher mit einem Durchmesser von 10 Metern als Herzstück des Kältesystems errichtet und dadurch die Leistung der Kälteerzeugungsanlage auf 2.000 Kilowatt gesteigert.

Ist der Bedarf im Klinikum besonders hoch, wird Kälte zusätzlich aus dem Kältespeicher entnommen. Das Wasser im Kältespeicher hat im unteren Bereich eine Temperatur zwischen 6 (unten) und 12 Grad Celsius. Das oben einfließende, warme Wasser kühlt sich langsam nach unten hin ab und kann gekühlt wieder entnommen werden. Im Kältesystem an der Georgstraße ist das System Kältespeicher seit 2007 erfolgreich im Einsatz. Bereits seit dem Jahr 1973 wird die Chemnitzer Innenstadt mit Kaltwasser versorgt. Das Chemnitzer Fernkältenetz ist knapp fünf Kilometer lang. Die Lösung mit KWKK und Kältespeicher gibt pro Jahr etwa 600 Tonnen Kohlendioxid weniger an die Umwelt ab. 2,3 Millionen investiert Gemeinsam mit dem Klinikum Chemnitz und der TU Chemnitz hat der Energieversorger die Erweiterung der Kälteversorgung im Krankenhaus konzipiert. Das Klinikum setzt bereits seit 1998 auf Kälte, die aus umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kopplung stammt. Die KWKK-Technologie in Verbindung mit dem Kältespeicher vermindert den Kohlendioxid-Ausstoß in Chemnitz jährlich um mehr als 4000 Tonnen. Eins hat 2,3 Millionen Euro in die Weiterentwicklung und den Bau der Kälteversorgung investiert und kümmert sich nun um den sicheren Betrieb der Anlage. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.eins-energie.de www.klinikumchemnitz.de


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2009

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Quelle: Ämter für Statistik der jeweiligen Länder

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Kultur 6. enviaM-ENERGIEKONVENT „15 MONATE ENERGIEWENDE – WIE WEITER?“ Vor über einem Jahr wurde in Deutschland die Energiewende eingeleitet. Seitdem hat sich viel verändert – oder doch nicht? Prominente Teilnehmer diskutieren beim 6. enviaM-Energiekonvent den derzeitigen Stand beim Umbau der Energieversorgung in der Bundesrepublik. Unsere Gäste sind unter anderem Prof. Dr. Klaus Töpfer (Umweltminister a. D. und Vorsitzender der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung), Wolfgang Neldner (ehemaliger Geschäftsführer der 50Hertz Transmission GmbH), Manfred Erlacher (Leiter des BMW-Werkes Leipzig). Wir laden Sie herzlich ein, mit unserem Vorstandsvorsitzenden Carl-Ernst Giesting und unseren Gästen am 8. Oktober in Leipzig zu diskutieren. Gern senden wir Ihnen Ihre persönliche Einladung zu. Sprechen Sie uns an – telefonisch unter 0371 482-2973 oder per E-Mail unter energiekonvent@enviaM.de. Wir freuen uns auf Sie!

„Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau“ heißt es im Gründungsmanifest des Bauhauses Weimar aus dem Jahre 1919. Allgemeinhin wird Architektur jedoch eher irgendwo zwischen Kunst, Design und Ingenieursleistung eingeordnet. Auf den folgenden Seiten zeigen wir Ihnen Gebäude aus Mitteldeutschland, bei denen der künstlerische Anteil an der Architektur besonders hoch ist oder die uns aus anderen Gründen aufgefallen sind. Georg Brückmann, Atlas Industriegebäude, Fotomontage, 2012. Mehr über Georg Brückmann erfahren Sie auf Seite 128/129


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Bau − Kunst

Architektur kann sehr unterschiedliche historische, gesellschaftliche und künstlerische Aufgaben erfüllen. Im städtischen Kontext bedingt sie sowohl den öffentlichen wie auch den privaten Raum und wird somit Schnittstelle zwischen privater, gesellschaftlicher und politischer Sphäre. Text: Esther Niebel

Bau 15 in Jena – das älteste Hochhaus Deutschlands Hinter der etwas nüchternen Bezeichnung Bau 15, steckt ein nicht zu verachtender Superlativ: Das älteste Hochhaus Deutschlands. Bau 15 leitet sich von dem Baujahr 1915 ab. So heißt ein 1936 ebenfalls in Jena errichtetes Hochhaus konsequenter Weise Bau 36. In der Rangliste der ältesten deutschen Hochhäuser erreicht dieser Bau mit seinen 66 Metern allerdings lediglich Platz 21. Der Bau 15 klettert mit 11 Etagen auf eine Höhe von 42 Metern. Der Architekt Friedrich Pützner, der als Professor für Stadtplanung ab 1902 einen Lehrstuhl in Darmstadt inne hatte, setzte mit diesem Gebäude ein Zeichen. Er orientierte sich mit dem versetzt-rechteckigen Bau, der sich stufenförmig nach oben hin verjüngt, an amerikanischen Vorbildern. So war zum Beispiel das 1890/91 in St. Louis, Missouri, entstandene Wainwright Building ein Vorbild für die moderne

ung , t r o tw Veran rschaft, e Partn he Nä Bau 15, Jena, Foto: Andreas Praefcke, wikipedia.org

Hochhausarchitektur, da es nicht nur streng geometrisch aufgebaut war, sondern auch weitgehend auf Ornamente verzichtete. „form follows function“ waren die Schlagworte, die damals von der Architekturschule von Chicago über den großen Teich schwappten. Die Firma Carl Zeiss, die als kleiner Familienbetrieb gegründet worden war, wuchs vor allem durch die Kriegsproduktion ab 1914 zu einem großen Konzern mit erheblichem Platzbedarf an. Daher ließ die Carl Zeiss AG zur Vergrößerung ihres Produktionsstandortes in der Jenaer Innenstadt den Bau 15 als Fabrik bauen. So wurde das Bauen in die Höhe damals einer Standortverlagerung vorgezogen. Heute allerdings sind in dem Gebäude, das während des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigt wurde, Wohnungen und Büros untergebracht.

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REGJO

KULTUR 109

Kroch-Hochhaus, Leipzig 2011, Foto: Appaloosa, wikipedia.org

„Omnia Vincit Labor“ – Das Krochhochhaus in Leipzig Das Krochhochhaus erreicht immerhin Platz 10 auf der Liste der ältesten Hochhäuser Deutschlands. Auf dieser historischen Rangliste befinden sich generell viele ostdeutsche Städte auf den vorderen Plätzen, neben Leipzig natürlich Jena, Chemnitz, Gera oder Dresden. Vergleicht man diese historische Gliederung mit einer aktuellen Rangliste deutscher Hochhäuser, so fallen zwei Dinge auf: Heute zählt zum einen hauptsächlich die Höhe, die den Rang letztlich festlegt, und nicht das Baujahr. Zum anderen fällt auf, dass auch nach über 20 Jahren Wiedervereinigung die ostdeutschen Städte relativ weit abgeschlagen sind. Das Leipziger City Hochhaus schafft es nach vorrangig Frankfurter Gebäuden der Superlative gerade mal auf Platz 18. Der nachfolgende Jenatower landet nur auf Platz 26. Das Schöne daran ist natürlich, dass man es sich im Osten der Republik noch leisten kann, auf dem Boden zu bleiben, da hier das Luxusgut Platz scheinbar noch zur Verfügung steht. „Omnia Vincit Labor – Arbeit überwindet alles“ – unter diesem Motto schallt es vom Krochhochhaus über Leipzig und es kommt die Gewissheit auf, dass die Stadt dieses Versprechen auch wieder einlöst. Die Zahlen sprechen für sich und man kann schon fast von einem Boom sprechen, der sich langsam ausbreitet. Ganz anders stellte sich natürlich die Situation 1928 dar, als das Hochhaus als Firmensitz des Bankhauses Kroch eröffnete. Der Glockenturm, der mit seinen 3,3 Meter großen Glockenmännern zu seiner Zeit als das größte Glockenschlagwerk der Welt galt, gibt nicht nur dem Bankhaus ein Gesicht. Vielmehr kann man ihn als eines der Wahrzeichen des Augustusplatzes bezeichnen, das im Gegensatz zu manch anderem Gebäude des Platzes das Glück hatte, erhalten zu bleiben. Dem Architekten des Turmes, German Bestelmeyer, wurde, statt der in den Bauplänen vorgesehen 43 Meter, zunächst von behördlicher Seite lediglich eine Bauhöhe von 39,5 Metern genehmigt. Um die Harmonie seiner Entwürfe nicht zu stören und sich dennoch den Vorgaben zu beugen, ersetzte er die fehlenden vier Etagen mit Attrappen. Vermutlich überzeugte das Gebäude am Ende doch in seiner vollen Länge, denn schließlich durfte er das Krochhochhaus nach seinen Vorstellungen fertig stellen.

Die Grüne Zitadelle, Magdeburg; Foto: Karl-Heinz Gottschalk (goka), pixelio.de

Hundertwassers letztes Projekt – Die Grüne Zitadelle in Magdeburg Man kann sie mögen oder nicht – gedacht hat sich der Künstler und Architekt Friedensreich Hundertwasser jedoch ziemlich viel bei einem seiner letzen Bauprojekte, das er auf Grund seines Todes im Jahr 2000 nicht mehr bei seiner Realisierung begleiten konnte. Nicht ohne Wiederstände wurde der Bau der grünen Zitadelle im Herzen der Stadt Magdeburg durchgesetzt. Die architektonische Umgebung des HundertwasserProjektes, das vom Plattenbau über klassizistische, gotische und romanische Bauten fast einen Querschnitt deutscher Architekturgeschichte widerspiegelt, sei, so die Kritiker, nicht geeignet für ein derart „kunterbuntes Gebäude“. Letztlich setzten sich die Befürworter doch durch und die Grüne Zitadelle wurde von 2003 bis zur Einweihung am 3. Oktober 2005 erbaut. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Hundertwasser, der die Grüne Zitadelle als seinen „größten und schönsten Bau“ bezeichnet, sein letztes

Lebenswerk an einem Ort wie Magdeburg realisiert hat. Für den gebürtigen Österreicher musste Magdeburg fast schon eine Art terra incognita dargestellt haben, die sich seinen idealistischen Ideen als optimaler Umsetzungsort darbot. „Natur, Kunst, Schöpfung sind eine Einheit. Wir haben sie nur auseinandergebracht. (…) Nur die Natur kann uns Schöpfung, kann uns Kreativität lehren. Unser wahres Analphabetentum ist die Unfähigkeit, schöpferisch tätig zu sein“, so Hundertwasser. Ursprünglich sollte Hundertwasser DDR-Plattenbauten, die an der Stelle der heutigen grünen Zitadelle standen, nach seinem Lebens- und Architekturkonzept umgestalten. Schließlich kam jedoch alles anders: Die Plattenbauten wurden abgerissen und es entstand Baufläche für diesen neuartigen Wohnblock, der sich zum Ziel setzte, Wohnen und Leben unter einem Dach zu vereinigen. Hundertwasser wollte

der existierenden „rationellen Architektur mit tödlichem sterilen Eifer“ etwas „Romantik“ entgegensetzen, so der Architekt und Künstler. Seine Hauptprinzipien waren Fensterrecht und Baumpflicht. Die Baumpflicht sieht vor, dass Bäume Bewohner der grünen Zitadelle wie andere Mieter auch sind. Die Bäume, die auf dem Dach und an der Fassade wachsen, finden wiederum in einem menschlichen Mieter des Hauses eine Art Paten, der sich um sie kümmert. Das Fensterrecht hingegen sollte sämtlichen Mietern des Wohnkomplexes erlauben, dass sie ihre Fenster und deren Umgebung, soweit sie mit Arm und Pinsel gelangen konnten, bemalen dürfen. Allerdings wurde dieses Recht noch nie von Mietern in Anspruch genommen, da hierfür keine Genehmigungen erteilt wurden. Von Amts wegen scheint man Boys’ Credo, dass jeder ein Künstler sei, nicht zu teilen.


110 KULTUR REGJO

REGJO

Mausoleum, Dessau, Foto: Sulamith Sallmann, Berlin

Fischmarkt, Erfurt, Foto: Ingrid Kranz, pixelio.de

Nicht nur Bauhaus – Das Mausoleum zu Dessau

Erfurt liegt am Meer – Der Erfurter Fischmarkt

Im Gegensatz zum Bauhaus Dessau, das zu den sogenannten zwanzig kulturellen Leuchttürmen in Ostdeutschland zählt und nach der Wende komplett restauriert wurde, reichen die Gelder für das Mausoleum zu Dessau lediglich, um den größten Schäden entgegenzuwirken. Aber auch architektonisch und symbolisch könnten die Unterschiede nicht größer sein. Das Bauhaus, das ungefähr zur selben Zeit wie der Bau 15 in Jena geplant wurde, folgte wie dieser funktionalen Prinzipien, die letztlich auch die ornamentlose Ästhetik der Gebäude vorgaben. Das Mausoleum zu Dessau hingegen ist mit seinen 43 Metern Höhe mit dem Krochhochhaus in Leipzig auf Augenhöhe und somit selbst eine Art Grabhochhaus. Leopold III. Friedrich Franz, dem die Stadt auch das Dessau-Wörlitzer Gartenreich und zahlreiche klassizistische Bauten zu verdanken hat, ließ das Mausoleum von 1894 bis 1898 vom Berliner Architekten Franz Heinrich Schwechten als Familiengruft der Askanier (Herzöge von Sach-

sen-Anhalt) errichten. Der Grundriss der quadratischen Halle umfasst eine Länge von 46 und eine Breite von 38 Metern, der Durchmesser der Kuppel misst im Innenraum 14 Meter. Das Mausoleum ist heute Dessaus letzter erhaltener Kuppelbau. Architektonisch ist der oberirdische Teil des Gebäudes mit seinem dem dorischen Stil nachempfundenen Kuppelbau und den Säulen, der Hochrenaissance nachempfunden. Die Gruft der Herzöge hingegen ahmt eine romanische Krypta nach, was den Gesamtbau architektonisch bricht. Starb im 19. Jahrhundert ein Herzog des Landes, so läuteten zwei Wochen lang, jeweils von 12 bis 13 Uhr, die Glocken der Stadt bis sie als Höhepunkt der verordneten Staatstrauer in der Gruft beigesetzt wurde. Seit 1958 sind die zuvor mehrfach aufgebrochenen Prunksarkophage jedoch leer. In einer Nacht und Nebelaktion wurden die Gebeine der sachsen-anhaltinischen Herzöge aus dem Mausoleum auf den Ziebigker Friedhof in Dessau gebracht.

Die Metropolis Thuringiae wurde 742 von Papst Bonifatius zum Bistumssitz erklärt, im 13. Jahrhundert erlangte Erfurt reichsstadtähnliche Autonomie. 1293 wird der foro piscium iuxta hospitale – Fischmarkt erstmalig urkundlich erwähnt. Der Fischmarkt entwickelte sich damals zum Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens und Handels. Zu dieser Zeit führte eine Handelsstraße durch Erfurt, die die Stadt wirtschaftlich und kulturell aufblühen ließ. Haupthandelsware war das Blaufärbemittel Waid (deutscher Indigo), der vor allem in Thüringen angebaut wurde. Aber natürlich wurden auf dem Markt auch Fisch und andere Nahrungsmittel gehandelt. 1379

erhielt Erfurt als erste Stadt der heutigen Bundesrepublik das Universitätsprivileg, deren bekanntester Student später Martin Luther wurde. 1275 wurde an der Westseite des Fischmarktes ein erstes Rathaus errichtet, das 1875 an selber Stelle im neugotischen Stil wieder errichtet und in den 1930er Jahren erheblich erweitert wurde. Prunkvolle Patrizierhäuser aus der Renaissance legen Zeugnis von Erfurts Reichtum in der Frühneuzeit ab und verleihen dem Platz einen eigenen Charakter. So zum Beispiel das 1562 von dem Weinhändler Jakob Naffzer errichtete Haus „Zum Roten Ochsen“, in dem heute eine Kunstgalerie untergebracht ist. Ein weiteres Wahrzei-

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chen des Platzes ist der Römer (auch Roland genannt). Bei dem Römer handelt es sich um die Statue eines bewaffneten Kriegers aus dem Jahre 1591, die gegenüber dem Rathaus auf einer Säule errichtet wurde. Mit dem Krieger sollte vor allem der geistlichen Obrigkeit signalisiert werden, dass die Bürger der Stadt jederzeit bereit seien, ihre reichsstädtische Freiheit, notfalls auch mit Waffengewalt.


Das imposante Wagner-Denkmal im Liebethaler Grund

Das Schloss in Ermlitz

Das Lohengrin-Haus in Graupa

Das Jagdschloss in Graupa

Oktober den „Tannhäuser“ und im November „Tristan und Isolde“ auf den Spielplan. Auch museal wird Wagner inszeniert. In der Nikolaischule in Leipzig eröffnet am 21. Mai 2013 dauerhaft eine kleine WagnerAusstellung. Die Kuratoren des Museums der bildenden Künste Leipzig fokussieren in einer temporären Schau den Pathos bzw. die Arbeit an selbigem bei Richard Wagner, Max Klinger und Karl May. Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig versucht die Kluft zwischen Wagnerlust und Wagnerlast zu überwinden. Mit der Schau „Musikinstrumente für Richard Wagner“ blickt das Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig tief in den Bayreuther Orchestergraben und nimmt besonders die seinerzeit neu aufgekommenen Ventilinstrumente in den Blick. In Dresden erkundet das Stadtgeschichtliche Museum in einer Ausstellung authentische Orte Wagners und beschäftigt sich mit seiner Rezeption in Deutschland. In Graupa rüstet man sich nicht nur im Lohengrin-Haus zum Jubiliäum. Die bislang einzige museale Wagner-Stätte am Ort – hier logierte Wagner einst, um auszuspannen, und hier reifte in ihm auf Wanderungen im Liebethaler Grund die Idee zum „Lohengrin“ – bekommt Verstärkung: Im ehemaligen Jagdhaus wird Graupa 2013 mit einer neuen Wagner-Ausstellung aufwarten. Kurator Michael Hurshel präsentiert hier eine Dauerausstellung, die thematisch und

inhaltlich das Schaffen Wagners in Sachsen ausleuchtet und seine hiesige Lebensphase als Grundgerüst für sein Lebenswerk wertet. Es werden Quellen und Beispiele aus Dichtung, Komposition, Theater- und Bühnenaufführung und Orchester miteinander verzahnt, um Wagners Schaffen als Gesamtkunstwerk verstehen zu können. Chemnitz bereitet sich mit der Wiederaufnahme des „Tannhäuser“ und von „Tristan und Isolde“ sowie mit einer Premiere des „Parsifal“ ebenfalls auf seine Zuhörerschaft vor und auch Zwickau und Bad Elster reihen sich in den Ring der Veranstaltungen zu Wagners Ehren ein.

Bildnachweis: Richard-Wagner-Verband Leipzig#

Bildnachweis: Richard-Wagner-Verband Leipzig

Bildnachweis: Dresden Marketing GmbH

Die Semperoper in Dresden

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Bildnachweis: Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH

REGJO

Bildnachweis: Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH

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Bildnachweis: Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH

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Die Pfarrkirche von Müglenz

Wagners Sachsen Der Freistaat begeht den 200. Geburtstag seines Sprösslings, der ein Drittel seiner Lebenszeit hier verbrachte und hier entscheidende Impulse für sein Werk erhielt – an zahlreichen, zum Teil unbekannten Originalschauplätzen.

Text: Dr. Zita Ágota Pataki

von Leipzig ... Ein authentischer Wagnerort in Sachsen ist Leipzig, erblickte Richard hier doch 1813 das Licht der Welt. Das einstige Geburtshaus am Brühl ist 1886 abgerissen worden, heute erinnert eine Folieninstallation in der Glasfensterfront eines jüngst erbauten Geschäftshauses wieder an diesen Ort. Wagner verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Dresden, doch führte ihn sein Lebensweg wieder nach Leipzig zurück. In der Alten Nikolaischule erinnert man an einen eher schlechten Schüler, der ohne Abschluss auszog, um Musiker zu werden. Neben dem Studium an der Leipziger Universität übte er sich im Komponieren bei Thomaskantor Christian Theodor Weinlig sowie bei Gewandhausmusikern und feierte mit seinen ersten Sonaten kleine Erfolge, ohne jedoch die Anerkennung zu erlangen, die er sich erhofft hatte. Seine erste Oper „Die Feen“ nahm das Leipziger Theater nicht an. nach Dresden ... Wagners Oper „Rienzi“ öffnete ihm die Tür zur Hofoper in Dresden, wo er seinen lang ersehnten Erfolg feierte und 1843 zum Hofkapellmeister ernannt wurde. In der Frauenkirche brillierte Wagner als Leiter der Dresdener Liedertafel mit seinem Oratorium „Das Liebesmahl der Apostel“, aufgeführt im Rahmen des Allgemeinen Dresdner Männergesangsfestes. Im Dresdner Milieu setzte er seine Ideen für den „Tannhäuser“ um, der 1845, zwei Jahre nach dem „Fliegenden Holländer“, uraufgeführt wurde. Hier begannen auch die

Arbeiten zum „Lohengrin“, der 1850 in Weimar zur Uraufführung gelangte. Die Mairevolution beendete schließlich Wagners Karriere am königlichen Hof. Der Meister nahm endgültig Abschied von Sachsen, um in der Schweiz und später in Bayreuth zu dem zu werden, als der er von der Welt heute verehrt wird. Wagner hören und sehen ... 2013 bieten sich zahlreiche Veranstaltungen und Möglichkeiten, um Wagners Sachsen zu entdecken, zu erleben und natürlich zu hören. Die Leipziger Oper beginnt das Wagnerjahr 2013 im Januar mit den „Meistersingern von Nürnberg“. Im Anschluss daran wird ab Februar „Parsifal“, im März „Rienzi“ und im Mai „Das Rheingold“ gegeben. Ebenfalls Premiere feiert das nicht ins Repertoire aufgenommene Frühwerk „Die Feen“ in Koproduktion mit den Bayreuther Festspielen. Für Kinder wird es eine eigene Inszenierung des „Rings“ geben. Mario Schröder choreographiert für das Leipziger Ballett den „Liebestraum“. Das Wagnerfestival vom 16.– 26. Mai wird den fulminanten Höhepunkt des Jahres bilden, bei dem an mehreren Spielstätten unter anderem auch konzertante Aufführungen stattfinden werden. Der Wagner-Verband organisiert ein Benefizkonzert für krebskranke Kinder im Gewandhaus und ist Veranstalter des Internationalen Wagner-Kongresses vom 18.–22. Mai. Die Landesbühne Sachsen in Radebeul inszeniert noch in diesem Jahr – ab 8. Dezember – das „Liebesverbot“ und die Dresdener Oper startet unter der Leitung von Christian Thielemann im Januar mit „Lohengrin“ und bringt ab Juni den „Fliegenden Holländer“, im

... und selbst entdecken Wer in aller Stille auf Wagners Spuren wandeln möchte, dem sei in jedem Fall ein Rundweg um das Jagdschloss Graupa und eine Wanderung zum 1911/12 modellierten und 1928 in Bronze gegossenen RichardWagner- Denkmal im Liebethaler Grund empfohlen. Neben Graupa wird man echten Wagnerianern auf einem Ausflug nach Müglenz zu den Ahnen Richard Wagners begegnen oder in Ermlitz, dem Schloss des Jugendfreundes Guido Theodor Apel, in dem Wagner gern gastierte. Zum leiblichen Wohl, begleitend zum Musikgenuss, werden zahlreiche Gaststuben in Sachsen beitragen, in denen 2013 Menüs zu Ehren des Komponisten angeboten werden.

Weitere Informationen finden Sie bei: TMG Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH www.sachsen-tourismus.de Dresden Tourismus GmbH www.dresden.travel LTM Leipziger Tourismus und Marketing GmbH www.leipzig.travel Richard-Wagner-Verband Leipzig www.wagner-verband-leipzig.de


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Bildnachweis: Dieter Gruner

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Bildnachweis: Ida Zenna

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Alte Töne, erhabene Klänge

Notenrad

Zum Wittenberger Renaissance-Musikfestival spielen hochkarätige Ensembles auf.

Planungen beginnen 2013

Lieber Töne statt große Worte sprechen lassen: Mit dieser Einladung begrüßt der künstlerische Leiter des Wittenberger Renaissance-Musikfestivals Thomas Höhne die Gäste. Zum siebten Mal ziehen spätmittelalterliche und Renaissance-Harmonien in die verschiedenen historischen Gebäuden der Lutherstadt zwischen Rathaus und Schlosskirche ein. Es sind gerade diese authentischen Aufführungsorte, die das Festival so besonders machen. Denn im Kernland der Reformation liegen die Wirkungsstätten berühmter Kirchenmusiker so dicht beieinander wie sonst nirgends. Passend zum Themenjahr Reformation und Musik steht „Der Lutherchoral von J. Walter bis J. S. Bach“ im Zentrum des Festivals. Die Annahme der Lutherischen Reformation bewirkte in den Städten und Herrschaftsbereichen der Fürsten einen tiefgreifenden Wandel. Strukturen und Institutionen waren von starken Umformungen betroffen – insbesondere soziale Einrichtungen wie Kirche und

Das Leipziger Notenrad, eines der beiden Folgeprojekte der Leipziger Notenspur, nimmt Fahrt auf. OBM Burkhard Jung gab inzwischen bekannt, dass Mittel für die Planung im Haushalt 2013 eingestellt werden. Ziel ist es, die „musikalische“ Radroute bis zum Stadtjubiläum 2015 fertigzustellen. Die Verbindung von Kultur und Stadt – ihrer Architektur und Landschaft, ihrer Geschichte und ihren Bürgern – ist ein Markenzeichen des Notenspur-Projektes und wird zum 1000jährigen Stadtjubiläum gefeiert. Im September hatte Oberbürgermeister Burkhardt Jung auf Vorschlag des ADFC Leipzig zu einer Radpartie eingeladen, um einen Teil der musikalischen Stadterkundungsroute Leipziger Notenrad per Fahrrad zu erkunden. Mehr als einhundert Leipzigerinnen und Leipziger überzeugten sich bei schönstem Spätsommerwetter und musikalischer Umrahmung von den Vorzügen des Projektes. „Die ungewöhnliche Verbindung von Musik und naturnaher Erholung schafft eine eigene Erlebniswelt“. TP

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Jena tanzt „Theater in Bewegung“: Im November 2012 findet in Jena erneut das Festival für zeitgenössisches Tanztheater statt.

Text: Petra Rauch Fotografie: Theater in Bewegung

Schule. Daher entwickelte sich der Choral zum Vermittlungsmedium und Träger der neuen Glaubensinhalte. So engagierte sich Luther selbst in der musikalischen Arbeit und schrieb Choräle wie „Ein feste Burg ist unser Gott“. Das Festivalspektrum umfasst Konzerte, Workshops, Meisterkurse und eine Ausstellung zu alten Noten und Instrumenten. Natürlich liegt der öffentliche Fokus auf den musikalischen Darbietungen. Die Eröffnung gestaltet das renommierte Vokal- und Instrumentalensemble L’Arpeggiata mit einem barocken Feuerwerk. Die Jugendmusiziergruppe Michael Praetorius wird ebenso zu erleben sein wie das weibliche Blockflöten-Quartett Flautando Köln. Und gleich drei Spitzenensembles trumpfen zum Festival-Höhepunkt, dem Renaissancetanzball „Kurfürst Friedrich der Weise lädt zum Ball“ auf. Wer einmal in eine Renaissance-Haut aus Samt und Seide schlüpfen möchte, der kann sich ein authentisches Kostüm ausleihen – um ganz bei der Musik zu sein. PR

21.–31. Oktober, Wittenberg Weitere Informationen finden Sie unter www.wittenberger-renaissancemusik.de

Weitere Informationen unter: www.notenspur-leipzig.de

„Körper lügen nicht“ – Mit diesem Satz des französischen Regisseurs und Theatertheoretikers Antonin Artaud leitet das Festival sein Programm ein. Körper in Bewegung lügen noch viel weniger, weshalb Tanz künstlerische Wahrheit ist. Und diese soll auf dem Tanzfestival zelebriert werden. Bewegung nach drei Pausenjahren Seit 1999 findet das Festival „Theater in Bewegung“ alle zwei Jahre in Jena statt. Es ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Theaterhaus Jena und dem städtischen Kulturund Marketingunternehmen JenaKultur. Aufgrund von Baumaßnahmen im Theaterhaus musste die Pause dieses Mal allerdings ausnahmsweise auf drei Jahre ausgedehnt werden, weshalb nach 2009 erst in diesem Herbst die nächste, siebte Festival-Ausgabe lockt. Dann darf man sich in Jena bereits 2013 wieder auf das Tanzspektakel freuen. Immer am Puls der Zeit ... Das dem Festival zugrunde liegende Konzept will Tanz am Puls der Zeit präsentieren. Aktuelle, brisante Themen sollen aufgegriffen und im zeitgenössischen tänzerischen Format prä-

sentiert werden. So werden biennal Eigenproduktionen in Auftrag gegeben und nationale wie internationale Gastspiele nach Jena eingeladen. Beim Festival 2009 standen insgesamt fünf Tanzproduktionen, ein Tanzfilm sowie ein Theaterhaus-Koproduktionsstück auf dem Spielplan. Bekannte Namen der vergangenen Ausgaben waren Susanne Linke, Ismael Ivo, Joachim Schlömer oder Helena Waldmann, aber auch jüngere Choreographen wie Samir Akika oder Jochen Roller kamen auf die Bühne des Theaterhauses. ... auch 2012 An diese Tradition wird 2012 angeknüpft. Renommierte und noch junge Choreografen und Tänzer werden zusammenkommen. Das konkrete Programm wird erst Ende September und damit nach REGJO-Redaktionsschluss offiziell bekannt gegeben. Die Veranstalter versprechen aber eine Horizonterweiterung „über die nationale Wahrnehmungsgrenze hinaus“, gleichzeitig soll das Festival eng an Jena gebunden werden. Neue Wege geht das Festival bei der Tanzpädagogik: „Im Rahmen des Projekts DANZCHURAL bringen wir Jenaer Schüler mit französischen Tänzern zusammen. Gemeinsam mit der Jenaplan-

schule, der Stadt Aubervilliers, dem französischen Büro der Staatskanzlei und dem Kulturagenten-Programm der Kulturstiftung des Bundes laden wir die französische Tanzkompagnie Ensemble A. nach Jena ein. Die Ergebnisse der gemeinsamen Work-ShopArbeit werden schließlich im Volksbad aufgeführt.“ Kein Stillstand – Das körperbetonte Theaterspiel wird also auch in der Neuauflage nicht beim Erreichten stehen bleiben, sondern nach Weiterentwicklung streben. Verschiedene Bildsprachen werden besondere Erfahrungsräume öffnen, wie es sie nur das Medium Tanz, eben der Körper in Bewegung, vermag. Wie hielt doch Antonin Artaud fest: „Wenn es in unserem Leben an echter Magie mangelt, dann weil wir uns entschlossen haben alles, was wir tun, zu überwachen.“ Es gilt aber, sich „von ihrer Kraft antreiben zu lassen.“ „Theater in Bewegung“ 15.–24.11.2012, Theaterhaus Jena

Weitere Informationen finden Sie unter: www.theaterhaus-jena.de


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Heimatkunde und radikalkreative Karambolagen

Sichtweisen erweitern, Perspektiven vertiefen

„eLBe – Über(n)FlussGesellschaft“ heißt eine von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Koproduktion der Landesbühnen Sachsen mit der Bonner Company Bodytalk – ein Projekt, das Heimatkunde der sehr speziellen Art versucht.

Off-Europa widmete sich immer schon gern der Peripherie des Kontinents. Jetzt rückt mit „Türkei urban“ sogar ein Land in den Fokus, das nach herkömmlicher Meinung nicht mal zu Europa gehört.

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Text: Steffen Georgi Fotografie: Bodytalk

Wandern als Theater, Heimat als Kunstprojekt: Sechs Performer mit sechs Stühlen brechen auf zu sieben Wandertagen. Kulisse: das Elbtal von Torgau über Riesa bis Radebeul. Und natürlich die Elbe selbst: „Im mäandernden Flusslauf spiegeln sich die Lebensläufe der Leute hier. Das Interesse an diesen Lebensläufen war Ausgangspunkt für dieses Projekt“, sagt einer der Initiatoren des selbigen. Rolf Baumgart heißt der und ist gemeinsam mit der japanischen Choreografin und Tänzerin Yoshiko Waki Gründer des PerformanceEnsembles Bodytalk. Die Company mit Bonner Heimatbasis agiert deutschlandweit und bringt jetzt gemeinsam mit den Landesbühnen Sachsen ein Theaterprojekt auf die Bühne und in die Landschaft, das sich als Trilogie bis ins Jahr 2014 erstrecken wird. Den ersten Teil bildet eine September-Elbtal-Exkursion. „Wandern mit Andern“ ist die überschrieben und die Idee dahinter bestechend einfach: mit Publikum gemeinsam ein Stück Weges gehen und auch performativ interagierend „Lebensläufe und Relikte dieser Lebensläufe“ einsammeln. „Relikte“ ist dabei wörtlich zu nehmen. Das Publikum ist aufgefordert, persönliche Gegenstände, wie lapidar oder absurd auch immer, zu den Wanderungen mitzubringen und den Künstlern zu überlassen. Was sich dabei ansammelt, an Geschichten wie Objekten, wird in Folgeinszenierungen integriert, die Artefakte, ideelle und materielle, werden zu Impulsgebern für Neuschöpfungen. Konfrontationskunst Tanztheater Wer Bodytalk kennt, ahnt, was das in der Umsetzung bedeuten mag. Die Programmatik des Ensembles, manifest in der Frage „Was passiert, wenn Kunst, wenn Tanz und Realität zusammenstoßen?“, verursacht nicht selten radikalkreative Karambolagen. Inszenierungen wie „Zig Leiber/Oi Division“ (ausgezeichnet mit dem Leipziger

Bewegungskunstpreis 2011) oder „Forever young“ zeigen eindrücklich Theater und Tanz als Konfrontations-Kunst. Auch in „eLBe – Über(n)FlussGesellschaft“ wird das immanent sein. Schließlich, so Baumgart, kann auch „der Fluss von der Lebensader dammbruchschnell zur Bedrohung werden.“ Reliktedämme und Geschichtenflut Besser also, man stellt sich dem. Spielerisch. Geht ins, gar übers Wasser. Sitzt darin auf Stühlen, tanzt mit diesen hindurch. Und sammelt Material. Für Dämme aus Relikten, umbrandet von einer Flut von Geschichten. Im dritten ProjektTeil im Frühsommer 2014 sollen die zum finalen Bühnenleben im Radebeuler Landestheater erweckt werden. „Wurzeln aus Stahl“ soll die Inszenierung heißen. Der Weg dorthin wird nicht zuletzt ein latentes Work-in-Progress diversester Aufführungen und Performances sein. Markierungen einer künstlerischen Wanderung. Spannend genug für Theaterbesuche in Radebeul. Fonds Doppelpass „Fond Doppelpass“ fördert die Fusion für Projekte zwischen subventionierten Theatern und freien Gruppen finanziell. Beiden soll der nötige Freiraum eröffnet werden, „um ihre Strukturen und Arbeitsweisen künstlerisch produktiv zu verbinden.“

Weitere Informationen finden Sie unter: www.bodytalkonline.de www.kulturstiftung-des-bundes.de Programm Landesbühnen Sachsen/Radebeul: www.dresden-theater.de

Text: Steffen Georgi Fotografie: Jennifer Zumbusch

Gerade dort, wo etwa Politik bevorzugt statisch funktioniert, ist Kunst beweglich, neugierig, aufgeschlossen: „Istanbul ist zweifellos eine der schönsten Städte Europas“, heißt es da ganz selbstverständlich auf der Webseite des Büros für Off-Theater. Unter dessen Ägide wurde auch dieses Jahr wieder das Festivalprogramm geschmiedet. Und das wie gehabt von Knut Geißler, seit Anbeginn Kurator und Initiator des OffEuropa und als solcher angetrieben von der Lust auf Theater jenseits des deutschen Tellerrandes, von der Neugier auf andere Sichtweisen und Perspektiven. Was gerade dieses Festival dabei immer wieder bewies: Europa ist mehr, als die Litanei einschlägiger Politik- und Wirtschaftsinteressen gemeinhin suggeriert. Denn falls es so etwas wie eine „europäische Identität“ tatsächlich geben sollte, definiert diese sich eben nicht über Ökonomie, sondern Kultur, nicht über Vereinheitlichung, sondern Vielfalt. Zwischen Aufbruch und Tradition Geißler bringt das prägnant auf den Punkt: „Es gibt kein homogenes Europa.“ Und genau deshalb gehöre zu diesem auch die Türkei. Vornehmlich aus Istanbul nun rekrutiert sich, was zum Festival eingeladen wurde. Die Stadt am Bosporus ist eine des ständigen Wandels und rasanten Wachstums. Und nicht nur eine der schönsten, sondern mit 16 Millionen Einwohnern auch die größte Metropole Europas. Was das an Problemen und Konflikten mit sich bringt, spiegelt sich in den zu sehenden Theaterproduktionen. Sechs davon kommen aus der Türkei, weitere Arbeiten liefern türkischstämmige Künstler aus Amsterdam, Hamburg oder Berlin. Erkundet wird das Spannungsfeld zwischen Auf-

bruchswillen und Verortungsbedürfnis, Emanzipation und Tradition. Türkischeuropäische Identität wird als das nicht seltene gegenseitige Wahrnehmen in kulturellen Missverständnissen reflektiert. Darüber wird auch die Stellung der Frau in einer Um- und Aufbruchsgesellschaft befragt, die bei aller Modernisierung zugleich verstärkt Rückversicherung in der Religion sucht. Ein politisches Festival also? Geißler: „Mich interessiert zuerst der Blick auf die Menschen, die Kunst, das Theater – wenn darüber die Politik hinzukommt, ist es okay.“ Ein Statement, das vor allem eines erwarten lässt: Spannendes Theater – Sichtweisen erweiternd, Perspektiven vertiefend.

Infos Off-Europa ist eine Veranstaltung des Büros für Off-Theater in Kooperation mit dem Lofft Leipzig und dem Societätstheater Dresden, unterstützt von den Kulturämtern der Städte Leipzig und Dresden, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und dem Goethe Institut.

Weitere Informationen und das Programm finden Sie unter: www.bfot.de

Szenenfotos aus den Festivalbeiträgen von TEZAT (Foto unten) und Dans etmek ya da (Foto oben)


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Was ewig währt wird endlich gut Sechzehn Leipziger Bürger gründeten 1743 den Konzertverein „Großes Concert“. Durch den Umzug in das Messehaus der Tuchhändler bekam der Verein den Namen, unter dem er heute auf der ganzen Welt bekannt ist: Gewandhausorchester. 2005 gründet das Gewandhaus seinen Sponsor’s Club. Das Regjo Magazin stellt Gewandhausdirektor Prof. Andreas Schulz Fragen zum Thema Kultursponsoring und die sich daraus ergebenden Änderungen für das Gewandhaus und sein Programm.

Text/Interview: Esther Niebel Fotografie: Gewandhaus / Jungnickel, Gert Mothes

Vom Paten zum Sponsor Ganz am Anfang der bewegten Geschichte des Gewandhauses und des Gewandhausorchesters stehen sechzehn musikinteressierte Leipziger Bürger und Adlige. In einer Stadt, in der der bereits 1212 gegründete Thomanerchor beheimatet ist und in der der gerade zu Gründungszeit des Gewandhausorchesters als Thomaskantor wirkende Bach lebte, muss es wohl fast schon in der Luft gelegen haben, sich für Musik und ihre Realisierung zu engagieren. Dass den sechzehn Gründervätern des Gewandhausorchsters anfänglich genau sechzehn Konzertmusiker gegenüberstanden ist kein Zufall. Die Gleichzahl ist sowohl Spiegel der interpersonellen Beziehung zwischen Mäzen und Musiker als auch der finanziellen Bindung. Je ein Bürger bezahlte einen Musiker. Im Gegenzug mischten die Mäzenen in der Programmgestaltung mit und nahmen regen Anteil an der Spiel- und Aufführungspraxis des kleinen Orchesters.

262 Jahre nachdem diese Leipziger Bürger das Gewandhaus und das Gewandhausorchster begründet haben, iniziiert das Konzerthaus seinerseits 2005 den Sponsor’s Club. In Erinnerung seiner eigenen Gründung greift das Gewandhaus einige Ideen und Prinzipien von damals auf, um seine historische Kontinuität zu wahren und vor allem um an die enge gegenseitige Bindung und gewollte Einflussnahme anzuknüpfen. Der Sponsor’s Club des Gewandhauses gliedert sich in drei Segmente: die Classic-Mitgliedschaft mit einem Jahresbeitrag von ab 5.000 Euro und einer maximalen Mitgliederzahl von 30, die Premium-Mitgliedschaft mit einer Beitragssumme von ab 50.000 Euro, deren sechzehn Mitglieder für die sechzehn Initiatoren des Gewandhauses stehen und einer Global-Mitgliedschaft, die höchstens drei Mitglieder zulässt und eine Mindestfördersumme von 350.000 Euro vorsieht.

Was im Sport schon lange Gang und Gäbe ist, greift in der Kultur immer mehr um sich: Finanzierung durch Sponsoring: Können sie sich vorstellen, dass ihr Haus eines Tages „Porsche Gewandhaus heißt?“ Andreas Schulz: Diese Frage möchte ich verneinen. Zwischen Kulturund Sportsponsoring gibt es enorme Unterschiede sowohl hinsichtlich der angesprochenen Zielgruppen als auch was die Summen und Leistungen, die eingebracht werden, angeht. Gerade im Bereich Kultur, die schließlich staatlich erwünscht ist, wäre

es nicht richtig, wenn sich Sponsoren derart in den Vordergrund spielen würden, dass die Kultureinrichtung unter dem Namen des Sponsors agiert. Eine andere Sache ist es da schon einzelne Säle eines Hauses nach Sponsoren zu benennen. Auf diese Weise würden sich die Förderer auf sensiblerer Weise einem Hause nähern und sich der Kultur gegenüber unterordnen. Deutschland liegt ja das Prinzip der Personalität, Solidarität und Subsidiarität zu Grunde. Das Gewandhaus wirbt jährlich eine Summe von 2 Mio. Euro an Drittmitteln

über den Sponsor’s Club ein. Eine Summe, die im Kulturbereich Seinesgleichen sucht: Werden dem Gewandhaus, das ja ein städtischer Eigenbetrieb ist, nun Gelder gestrichen, um sie in andere kulturellen Projekten einfließen zu lassen? Andreas Schulz: Die städtischen Zuschüsse sind unabhängig von den vom Gewandhaus generierten Einnahmen. Ich denke, dass es der absolut falsche Schritt wäre, sich aufgrund privatwirtschaftlichen Engagements von städtischer Seite vom kulturellen Auftrag zurückzuziehen. Unsere Sponsoren


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Christian Fanghänel Leiter Marketing

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Prof. Andreas Schulz Gewandhausdirektor

Wahre Freude und ernsthaftes Engagement für klassische Musik haben in Leipzig Tradition. Im Gewandhaus Sponsor´s Club wird diese Tradition mit 34 Partnern gelebt. Prof. Andreas Schulz und Christian Fanghänel sorgen für die Entwicklung und Qualität dieses erlesenen Kreises. Global-Partner

Premium-Partner

Classic-Partner BEV – Ihr Immobilien-Partner GmbH • Bosch Sicherheitssysteme GmbH • BRAUNE & TAUCHE Steuerberater Partnerschaft • E. Breuninger GmbH & Co. CLIMATECH Firmengruppe • CMS Hasche Sigle Rechtsanwälte Steuerberater • DE VACTO Führungs- und Veränderungsakademie • Dr. med. Peter Dietel Dow Olefinverbund GmbH • Fischer Analysen Instrumente GmbH • Gabert Industriebeteiligungen GmbH • Hitschfeld, Büro für strategische Beratung GmbH immoplus – Gebäude-Service GmbH • Konsumgenossenschaft Leipzig eG • KPMG • Krostitzer Brauerei • Leipziger Stadtbau AG • Leipziger Verlagsanstalt GmbH • Margon Brunnen GmbH • Martens & Prahl Versicherungskontor GmbH • Messedruck Leipzig GmbH • Dr. Arend Oetker • Ostrei Dienstleistungen und Umwelttechnik GmbH • PricewaterhouseCoopers AG • Reinwald Entsorgungs GmbH • Siemens AG • S&P Ingenieure + Architekten

Kontakt: Prof. Andreas Schulz | Telefon 0341.1270-331 | andreas.schulz@gewandhaus.de Christian Fanghänel | Telefon 0341.1270-440 | christian.fanghaenel@gewandhaus.de

engagieren sich vor allem, um dem Gewandhaus ein Mehr an Leistungen zu ermöglichen. Top-Dirigenten und Top-Solisten wie den Pianist Lang Lang könnte sich das Haus ohne das Engagement unserer Förderer nicht leisten. Ein weiteres Beispiel sind die Freiluftkonzerte im Leipziger Rosental. Die Konzertreihe, bei der das Publikum mit Picknickkorb im Park saß, musste aus Geldmangel 2011 eingestellt werden. Dank dem Engagement der Porsche AG, die wir 2011 nach intensiven Gesprächen als Global-Partner gewinnen konnten, wird es ab 2014 wieder Freiluftkonzerte geben. Letztlich haben auf diese Weise alle etwas davon: wir als Gewandhaus können mehr, außergewöhnlicheres und qualitativ hochwertigere Programmpunkte bieten, der Konzertbesucher, der diese Veranstaltungen in Anspruch nehmen kann und natürlich der Sponsor selbst. Dieser kann sich nicht nur vordergründig mit seinem Engagement schmücken indem er zum Beispiel in sämtlichen unserer Publikationen mit seinem Logo abgedruckt wird, unsere Monatsvorschau hat immerhin eine Auflagenstärke von 30.000. Übrigens steckt hinter diesem Schmücken in der Regel eine tatsächliche, oft sehr persönliche Anteilnahme, die über die Jahre der Zusammenarbeit durch das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen wächst. Unsere Sponsoren haben überdies

die Möglichkeit an Generalproben teilzunehmen oder das Orchester auch auf Tourneen exklusiv zu begleiten. Zu Konzerten im Ausland haben unsere Global-Partner dann die Möglichkeit ihrerseits wieder ihre Geschäftspartner vor Ort einzuladen. So werden Kontakte auf sehr angenehme und wie gesagt auch sehr persönliche Art gepflegt und intensiviert.

klare Definition hilft uns natürlich auch bei der Kommunikation mit unseren Sponsoren. Jeder weiß, wer sein gegenüber ist und was er von ihm erwarten kann.

Das Gewandhaus steht für ein Orchester und für ein Haus. Man kann schon sagen, dass das Gewandhaus Merkmale einer Marke besitzt. Woran machen sie diese Merkmale fest und wie nutzen sie diese?

Andreas Schulz: Die Porsche AG ist auch bei dieser Veranstaltung Hauptsponsor und wird auf der Barlachebene des Gewandhauses eine Lounge haben, in die der Sponsor Mitarbeiter und Kunden einladen kann. Im Anschluss an das Große Concert, das natürlich das Gewandhaus ausrichtet, wird es elektronische Musik geben. Am Eingang hatten wir bei der Veranstaltung im letzten Jahr eine Sounddusche eingerichtet, bei der das Publikum mit dem Motorengeräusch eines Porschemotors beschallt wurde. Wir waren etwas skeptisch, wie das Publikum regieren würde. Aber schon weil dieses Erlebnis überraschend und originell war, haben wir ein sehr gutes Feedback bekommen. Oft sind es die Kleinigkeiten, die eine solche Veranstaltung schließlich ausmachen.

Andreas Schulz: Tatsächlich wurde das Gewandhaus vor 2 Jahren zur Marke des Jahrhunderts gewählt. Bei der Verleihung der Auszeichnung fand ich mich als Leiter einer Kulturinstitution allein auf weiter Flur unter Vorständen von großen Wirtschaftsunternehmen wieder. Durch die Preisverleihung ist noch einmal ganz deutlich geworden, dass es dem Gewandhaus, und damit meine ich in diesem Fall das Orchester und das Gebäude an sich, besonders gut gelingt, sich nach außen hin zu positionieren und zu identifizieren, was schließlich die Qualität einer Marke ausmacht. Unser Publikum weiß, was es bekommt, wenn es ein Ticket oder eine CD vom Gewandhaus kauft. Diese

Ende November findet wieder die AudioInvasion statt. Können sie anhand dieser Veranstaltung die Zusammenarbeit von Gewandhaus und Sponsoren schildern?

Weitere Informationen finden Sie unter: www.gewandhaus.de


Ausstellung 3. Oktober 2012 – 17. März 2013 Di – Fr 9 – 18 Uhr Sa/So 10 – 18 Uhr Eintritt frei Grimmaische Straße 6, 04109 Leipzig, www.hdg.de


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Der Übergang zwischen Tag und Nacht „Dämmerung“ heißt die aktuelle Ausstellung des Klinger-Forums, die am 15. September eröffnet wurde. Linolschnitte von Sebastian Speckmann, Fotografien von Stephanie Kloss und ein Video von Christoph Brech widmen sich diesem fließendem Umbruch.

Seite 123: Stephanie Kloss, o.T. (Eldorado II.), Farbfotografie, 2007, copyright VG Bildkunst Bonn, 2012; Seite 124/125: von links nach rechts: Ausstellungsansicht Dämmerung, Klinger Forum, Leipzig; Christoph Brech, Break, Videostill, 2004 courtesy Galerie Feldbuschwiesner, Berlin; Klinger Villa, Sitz des Klinger Forums, Außentreppe

Text: Esther Niebel

Ein Erbe zu erhalten beinhaltet zweierlei. Auf der einen Seite bekommt man etwas, auf der anderen Seite muss man sich auch um etwas bemühen. In Bezug auf die Klinger Villa, die Firmensitz der Bauträgergesellschaft KSW und zugleich Sitz des Klinger Forums e.V. ist, bedeute dies, so Jörg Zochert vom Klinger Forum: „Nachdem man etwas bekommen hat, möchte man auch wieder etwas zurückgeben. Man möchte eine Spur hinterlassen, die sich von Generation zu Generation weiterträgt, ohne dabei zu verknöchern. Insofern ist es für uns unerlässlich verschiedene Meinungen zuzulassen, um durch den offenen Dialog dieses vielschichtige Erbe würdig weiterzuführen.“ Das Leben und Wirken Max Klingers in Leipzig sei an vielen Orten dieser Stadt zu spüren und nachzuvollziehen. Seine ganz persönliche Beziehung zu Klinger entwickelte Zochert durch den Besuch der Erweiterten Oberschule Max Klinger. Einmal im Bewusstsein, begegnete ihm dieser Name auch an anderen Ecken Leipzigs, wie z.B. am Klingerhain oder an der Klingerbrücke. Die früh angestoßene Beschäftigung mit dieser herausragenden Künstlerpersönlichkeit kumulierte im Kauf der Klinger Villa, deren Sanierung und schließlich der Nutzung als Firmen- und Vereinssitz sowie der Öffnung der Villa gegenüber Besuchern. Salon und Ausstellungsraum: Die Klinger Villa Zunächst galt es eine Strategie zu entwickeln, wie genau die Einbindung der Öffentlichkeit und die Bewahrung des Andenkens an Max Klinger aussehen könnten. Die Villa sollte schließlich nicht als Heimatmuseum konserviert werden, sondern sich als Ort des Dialogs

weiterentwickeln. Schnell stand die Idee eines Salons im Raum, der durch verschiedene kulturelle Veranstaltungen Leipziger Bürger zum Genuss und zum Austausch zusammenbringen würde. Regelmäßige Austellungen, denen das Erdgeschoss mit 260 qm vorbehalten ist, spielen dabei eine Schlüsselrolle. Auch in den Ausstellungen soll sich der Brückenschlag zwischen der Architektur des Hauses, dem romantisch angelegten Garten und zeitgenössischer lokaler, nationaler und auch internationaler Kunst widerspiegeln. Nach zwei erfolgreichen Ausstellungen beschreibt Jörg Zochert die Situation so: „Langfristig begeistern können wir unsere Besucher sowieso nur wenn die Ausstellungen, die wir zeigen, jenseits eines roten Fadens liegen. Das heißt natürlich nicht, dass wir auf einen Zusammenhang oder Stringenz bezüglich dieses Hauses verzichten. Der Ausstellungsbesucher soll vielmehr jedes Mal von neuem gespannt sein und nicht durch bereits Erwartetes enttäuscht werden.“ Dämmerung: Die Ausstellung Fast schon ein bisschen pathetisch mutet der Titel der aktuellen Ausstellung an. Dämmerung, ja der Bezug zur Romantik entsteht, diese Assoziation funktioniert. Als nächstes stellt sich allerdings die Frage, wie sich moderne Künstler zu diesem aufgeladenen Begriff in Beziehung setzen lassen. Wir sind gespannt und betreten die Ausstellung. Der erste Ausstellungsraum ist Fotoarbeiten von Stefanie Kloss in Kombination mit Linolschnitten des Leipziger Künstlers Sebastian Speckmann vorbehalten. Reduziert, lediglich mit Schwarz-WeißKontrasten spielend, entkräftet Speckmann mit seinen Papierar-

beiten sofort den Kitsch-Verdacht. Auf ganz andere Weise, nämlich indem er menschliche Behausung und Schutzbedürfnis übermächtiger Naturgewalt gegenüberstellt und damit den Menschen und seinen Willen, die Natur zu kontrollieren, an die Begrenztheit seiner Macht gemahnt, knüpft er an die romantische Naturauffassung an. Seine drastische, scharfkantige Ästhetik und auch seine Fokussierung auf das vom Kunstmarkt her gesehen sperrige Medium des Linolschnitts weisen ihn jedoch als hiesigen zeitgenössischen Künstler aus. Fast schwarz-weiß, bei näherem Hinsehen jedoch in zarten Blau- oder MagentaAbstufungen, präsentieren sich die Fotos der Berliner Künstlerin Kloss. In ihren Arbeiten widmet sie sich Naturphänomenen, die lange Zeit vom Menschen unberührt blieben. Auf ihren Aufnahmen vom eisigen Jungfrauenjoch entdeckt man jedoch einen kleinen Karabinerhaken, der trotz seiner Unscheinbarkeit die erhabene Ästhetik des Gletschers, und wenn man sich überlegt was alles zivilisatorisch an diesem Haken hängt, sogar den Gletscher an sich, bedroht.

Unter dem Aspekt der Dämmerung als Übergang zwischen Tag und Nacht kommt man schließlich angesichts der reduzierten Farbigkeit der gezeigten Arbeiten auf physikalisch-optische Phänomene und befindet sich somit sofort inmitten einer sehr aktuellen kunstgeschichtlichen Debatte: Wo hört Kunst auf und wo fängt Wissenschaft an? Und sind wir als Kunstrezipienten noch in der Lage uns auf die von einem Kunstwerk ausgelösten Emotionen einzulassen, wenn wir uns der sich dahinter liegenden wissenschaftlichen Ursachen bewusst sind? „Stäbchen ... sind die Fotorezeptoren in der Netzhaut des Auges, die dem Sehen bei geringer Helligkeit ... Nachtsehen oder Dämmerungssehen, dienen. (...) Stäbchen erlauben monochromatisches Sehen (Schwarz-Weiß-Sehen).“ Durch diese Betrachtung wird den Linolschnitten zusätzlich eine Tageszeit zugeordnet, die den ohnehin schon bedrohlichen Bildinhalt noch steigert. „Die Streuung von Lichtstrahlen verursacht die Ausprägung typischer Dämmerungsfarben. Es kommt zu Phänomenen wie der Blauen Stunde.“ Blaue Stunde lautet auch der Titel Stefanie Kloss‘ Fotoserie der Schweizer Alpen. Schönheit

liegt jedoch sowohl physikalisch als auch ästhetisch im Auge des Betrachters, egal wer oder was Urheber der Schönheit ist. Der hinterste Raum der Ausstellung ist der Videoarbeit „Break“ von Christoph Brecht gewidmet. Nach vielen Jahren des technischen Fortschritts lautet bei ihm die Formel nicht mehr „Der Mönch am Meer“ wie bei C. D. Friedrich sondern immerhin der Eisbrecher auf dem Meer. Die Aussage jedoch bleibt die gleiche: Der Mensch streift mit seinem kurzen Leben lediglich die Natur, „die ihre vorgeschriebne Reise vollendet (...) mit Donnergang.“

DÄMMERUNG Christoph Brech, München (Video), Stefanie Kloss, Berlin (Fotografie), Sebastian Speckmann, Leipzig (Linolschnitt) 16.09. – 09.12.2012 Klinger Villa, Karl-Heine-Str. 2, 04229 Leipzig Fr 14 –18 Uhr, Sa u. So 10–18 Uhr www.klingerforum-leipzig.de


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TIERISCH

ANSICHTSSACHE

Bildnachweis: Thomas Hoepker

Stars wie der Pop-Künstler Roy Lichtenstein prägten und begeisterten eine ganze Generation.

Pop! Stars wie Andy Warhol oder Elvis Presley stehen für den kulturellen und gesellschaftlichen Umbruch der 50er und 60er Jahre. Die Inszenierung der eigenen Person in der Kunst- und Musikszene zeigen die beiden neuen Ausstellungen des Museums der bildenden Künste Leipzig.

Text: Carolin Modes Grafik: Roy Lichtenstein, CRAK, 1964, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen; © VG-Bildkunst Bonn 2012

„Leben mit Pop!“ und „A Star Is Born“ heißen die beiden Ausstellungen, die sich dem Aufbruch des kulturellen und in der Folge auch gesellschaftlichen Selbstverständnisses der Nachkriegszeit widmen. Pop und Rock haben das Lebensgefühl einer ganzen Generation bestimmt. „Leben mit Pop!“ vermittelt anhand von Druckgrafiken der 1960er Jahre aus der Sammlung Heinz Beck einen Einblick in diese Zeit des künstlerischen Umbruchs um 1960. Die Ausstellung ist nach drei Nationen gegliedert – USA, Großbritannien und Deutschland. Da die Pop Art in erster Linie als ein amerikanisches Phänomen wahrgenommen wurde, beginnt die Ausstellung hier, obwohl der Begriff zuerst in England aufkam. Viele Pop-Künstler der Kerngruppe in New York wie Claes Oldenburg, Roy Lichtenstein, Andy Warhol, James Rosenquist, Tom Wesselmann und Robert Indiana waren gelernte Gebrauchsgrafiker oder Reklametafelmaler, die die Wirkungsmechanismen der Werbebilder und die Ökonomie der Aufmerksamkeit kannten. Vor allem Ed Ruscha und Mel Ramos prägten einen eigenen Westküstenstil der Pop Art und bildeten in Los Angeles neben New York das zweite Zentrum der amerikanischen Pop Art. Pop – Populär. Musik und bildende Kunst waren Teil des kulturellen sowie gesellschaftlichen Umbruchs und trugen wesentlich zur Durchsetzung der Pop-Kultur bei.

In London schlossen sich Künstler, Architekten, Designer, Fotografen und Kritiker von 1952 bis 1955 zur Independent Group zusammen und diskutierten die Auswirkungen der vor allem aus den USA kommenden Massenmedien. Auch erwogen sie den Einfluss von neuem Design, Technik, Moden, Musik oder Werbung auf das Leben in der Großstadt und setzten diese Themen in Ausstellungen um. Aus diesen Debatten heraus formulierten sie Ansprüche an eine neue Kultur und Kunst und schufen damit Grundlagen der späteren Pop Art. Ende der 1950er Jahre kam mit Peter Blake, Richard Smith oder Joe Tilson eine neue Generation englischer Künstler hinzu, die im Umgang mit den neuen Impulsen aus den USA eigene Wege einschlugen. Leben mit Pop! Kunst der 60er Jahre von Andy Warhol bis Gerhard Richter 30. September 2012 bis 13. Januar 2013 A Star Is Born Fotografie und Rock seit Elvis 30. September 2012 bis 13. Januar 2013

Weitere Informationen finden Sie unter: www.mdbk.de

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„Dem Betrachter bleibt es selbst überlassen, Schlüsse zu ziehen“ Die Ausstellung „Zeitsprung“ zeigt Fotoarbeiten Thomas Hoepkers, die die DDRGeschichte dokumentieren. Ein Gespräch mit Judith Koppetsch, als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Haus der Geschichte Bonn verantwortlich für die nun auch in Leipzig gastierende Ausstellung. Interview: Tobias Prüwer

Fotografie: xxx

Eigentlich schreiben wir die Angaben ja bei Zweispaltern nicht oben hin, sondern bringen unten das Autorenkürzel und den Bildnachweis direkt ans Bild. Bei einem Interview sieht es aber vielleicht komisch aus, wenn da nur unten TP steht, oder? Was macht Thomas Hoepker als Fotografen besonders? Ihm gelingt es sehr eindrucksvoll, verschiedene Lebensaspekte des Lebens in der DDR und Ostdeutschland widerzuspiegeln. Sie zeigen den Alltag zwar deutlich, aber sind auch eine sehr liebevolle und kritische Analyse des Lebens dort. Man merkt, dass er als Stern-Fotograf selbst in der DDR gelebt und sich mit dem Alltag auseinandergesetzt hat, Menschliches und Menschen verbindet. Den großen Zeigefinger findet man nicht? Nein, im Gegenteil. Er überlässt es dem Betrachter, Feinheiten zu entdecken und selbst Schlüsse zu ziehen. Hoepker verbindet oft Privates mit einer höher geordneten Ebene. Die Menschen sind auf der einen

Seite eingebunden in Parteien oder Organisationen, aber man sieht eben auch den normalen Alltag, wo das ausgeblendet wird. Wonach wählten Sie die 60 Bilder aus? Wir haben besonders aussagekräftige Bilder ausgesucht. Uns war zudem wichtig, eine Zeitspanne abzudecken, diese beginnt Ende der 1950er und reicht bis 1991. Inhaltlich haben wir einen Rundumschlag versucht, also das Leben von der Kindheit bis zum Alter und die damit verbundenen Stationen abzubilden. Aber auch den Alltag, also Menschen in Kaffeerunden oder den Soldaten, der sein Kind spazieren fährt. Welches Motiv beeindruckt Sie besonders? Beeindruckend ist ein Motiv Anfang der 60er Jahre, nach dem Mauerbau. Kinder spielen in der Nähe der Mauer, man sieht den Stacheldraht, und sie werfen einen Fußball in der Luft. Hier das unbekümmerte Spiel der Kinder und dort die Realität der Mauer, diese Gleichzeitigkeit im Foto finde ich spannend.

„Zeitsprung. Fotografien von Thomas Hoepker“, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, 3.10.2012–17.3.2013

Greifen-Kreisen Der Zoo Magdeburg lässt in der Flugschau des Falkners Thomas Wamser wieder die Greifen kreisen. Kopf runter, die Greifvögel kommen: In den Herbstferien wird’s im Vogelgesangpark des Zoo Magdeburg wieder gefiedert bunt. Die Eventfalknerei des bekannten Falkners Thomas Wamser aus Walsrode ist erneut im Tiergarten zu Gast und lässt die majestätischen Raubtiere über die Besucher hinweg gleiten. Wamser ist ausgebildeter Falkner und mit seinen Tieren bei vielen Shows und auch bei Fernsehproduktionen vertreten, wenn mal wieder ein Vogel benötigt wird. Bei den beiden täglichen Vorführungen gibt es viel über das Leben und die Jagdweisen der Vögel zu erfahren. Dazwischen steht der Falkner für Fragen und Gespräche bereit, informiert über die Ausbildung sowie das Training und lässt die Besucher auf Tuchfühlung an seine wendigen Tiere – Falke, Wüstenbussard und Weißkopfseeadler – herankommen. Und mit etwas Glück ist man jener Auserwählte, der sich als Hobby-Falkner selbst den Lederhandschuh überstreifen darf. TP Termine: Greifvogel-Flugschau im Vogelgesangpark, 30.10.–4.11., Zoo Magdeburg


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Georg Brückmann, Erika, Fotografie, 2012

Georg Brückmann, Forschungsstation, Fotografie, 2012

Die Realität der Absurdität oder die Absurdität der Realität Seine ganz individuelle Weltsicht, Bezugspunkte, Erfahrungen und Themen bildet Georg Brückmann in seiner Zeitung und Ausstellung „Panhorama“ ab. Dort versammelt er Geschichten und Fotografien von fiktiven Städten und Ländern, Menschen und Ereignissen.

Text: Carolin Modes Grafik: Georg Brückmann

Das intensive Lesen der kompletten Ausgabe einer bekannten Wochenzeitung, von Anfang bis Ende unter Beachtung jedes Details, machte Georg Brückmann aufmerksam. Die einzelnen Elemente der Zeitung verdichteten sich immer mehr zu einem vollständigen Bild. Artikel, Werbeanzeigen und Zeitungsfotos ergänzten oder widersprachen sich gegenseitig und erzeugten so interessante Kompositionen. Die einzelnen Artikel, die Fotos oder die Werbungen formten dabei schließlich ein Ganzes – eine Art Abbildung der Gesellschaft. Der Fotograf beschloss, sich zum Abschluss seines Meisterschülerstudiums bei Prof. Tina Bara an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig mittels des Mediums Zeitung sein eigenes Abbild zu schaffen. Das Ergebnis ist ein zeitungsähnliches Druckprodukt, die „Panhorama“, sowie eine gleichnamige Ausstellung mit rund 45 Fotografien, die in der „Zeitung“ ebenfalls als Bilder auftauchen. Georg Brückmann, der von 2001 bis 2003 Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Fotografie an der Universität GHS Essen und von 2003 bis 2009 Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte, schoss nicht nur die Fotos, er erfand auch Nachrichten, Anzeigen und Grafiken. Zwischen den Texten der Zeitschrift und ihren ergänzenden Fotos sowie den Anzeigen entstehen unterschiedliche, aber konsistente Zusammenhalte, die sich entgegen dem Eindruck der Kontextverschiebung innerhalb der Ausstellungsbilder aber wiederholen und widerspiegeln. „Ich fand es spannend, diese Verknüpfungen, Entsprechungen, aber auch Gegensätze gezielt, wenn auch fiktiv, zu erzeugen und als Ergebnis dann ein eigenes „Meinungs-Medium“ herauszubringen, das als metaphorisches Abbild der Gesellschaft funktioniert“, fasst Brückmann sein Vorhaben zusammen.

„Beim Erdichten von Unfassbarem, wie auch Absurdem, zeigt sich, dass die Realität nicht sehr weit von der Fiktion entfernt ist. Vielleicht geht das auch dem Leser so, das wäre zumindest ein Anfang von Veränderung.“

Ergebnis dann ein eigenes „MeinungsMedium“ herauszubringen, das als metaphorisches Abbild der Gesellschaft funktioniert“

Die genannten Autoren und Fotografen sowie die beschriebenen Ereignisse, Interviewpartner oder vereinzelt ganze Länder sind ebenfalls in der Mehrheit fiktiv. Der Leser begegnet neuen Sportarten wie Ruinenklettern oder Tiergattungen wie dem Kuschelschwein. Hinter diesen Phantasmen versteckt sich meist jedoch eine durch humoristische Leichtigkeit getarnte, aber sehr ernst gemeinte Thematik: „Gerüchten zufolge wird vielerorts mittlerweile schon der Abbruch subventioniert, um dem Kletterspaß ein Ende zu bereiten. Die Angst scheint groß, dass dieses Zeitgeistphänomen die Rückeroberungsbewegung des urbanen, sprich öffentlichen Raumes befeuern könnte“, heißt es im Artikel über den Ruinenkletterer namens Flex. Der Künstler kommuniziert mit dem Leser und Betrachter ganz persönlich über Ansichten und Dinge, die ihm wichtig sind, ihn geprägt haben, ihn beschäftigen. Die Ausstellung wird im Anschluss an seine Meisterschülerprüfung vom 26. Oktober bis 25. November in der Galerie Queen Anne auf der Leipziger Baumwollspinnerei zu sehen sein. „Die Gesamtheit der Ausstellung behandelt Gesellschaft, Leben, Kultur, Liebe und Macht aus meiner ganz individuellen und subjektiven Sicht“, so Georg Brückmann.

Inhaltlich hat Brückmann die Gliederung der „Panhorama“ wie eine Lebensspanne angelegt. Auf der ersten Seite findet sich beispielsweise der Artikel „Eine Partei wird geboren“, welcher von der Gründung der Spioniere-Partei berichtet. Ein anderes Beispiel folgt im mittleren Teil der „Panhorama“, in dem Brückmann ironisch die Absurditäten der realen politischen Debatten kommentiert und sein Ministerium folgenden Gesetzesentwurf vorschlagen lässt: „Nach einem Entwurf des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) soll es künftig deutlich gesteigerte finanzielle Vergünstigungen und Zusatzbezüge für junge Familien geben. Familienministerin Niederkunft gab in der gestrigen Parlamentsdebatte über Kinderund Elterngeld zu bedenken, dass auch die Wirtschaft ein langfristiges Interesse daran haben müsse, sich an der Elternunterstützung zu beteiligen. Niederkunft betonte außerdem die Wichtigkeit einer rückwir-

„Ich fand es spannend diese Verknüpfungen, Entsprechungen, aber auch Gegensätze gezielt, wenn auch fiktiv, zu erzeugen und als

kenden Vergütung bis einschließlich 1997. Der Leistungsanspruch solle dabei für alle Elternteile gelten und je nach Alter und Anzahl der Kinder gestaffelt werden. Die Fiskalbelastung der Wirtschaft müsse allerdings über Umwege stattfinden, um sich nicht unmittelbar konjunkturbremsend auszuwirken. Ein probates Mittel hierfür sieht Niederkunft in einer ebenfalls rückwirkenden Steuerbelastung deutscher Unternehmen, die mit der Umweltsteuer zu koppeln sei und je nach Ambientalverhalten gestundet oder reduziert werden könne, verbunden mit der Einführung einer Reichensteuer.“ Auf den hinteren Seiten findet der Leser ernste Gedanken zu Erinnerung und Verlust, die im Interview mit Frau Gesellschaft erörtert werden. Sogar die Rede für die Kommission am Tag seiner Meisterschülerprüfung hat Georg Brückmann in seine

Zeitung aufgenommen. Sie macht noch einmal deutlich, wie viel er mit diesem sehr persönlichen Werk von sich und seiner Weltsicht zeigt: „Das Konvolut aller verfassten Beiträge in Bild und Text formt das Panorama eines Lebens, einer Zeit, von Lebenszeit. So wie in der Bezeichnung „Panorama“ das Alles-Sehen liegt, so liegt in dem Panorama das Alles-zu-Sehende, zumindest für den Betrachter.“

„Panhorama“ Georg Brückmann Ausstellung: 26. Oktober–25. November 2012. Vernissage: Fr, 26.10.2012 18 Uhr

Weitere Informationen finden Sie unter: www.queen-anne.de


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SARA MÖBIUS, ARCHE (AUSSCHNITT), 2011

O L I V E R C Z A R N E T TA , S P E K T R U M x I , 2 0 1 2

H E N R I D E PA R A D E , M A R S yA S I I . , 2 0 1 2

A. STILLER, MOVING WORDS HEADLINES 2011

ULRIKE THEUSNER, CHOOSE ONE, 2012

Was bleibt

Tagebuch

Mythen

Alles nur Show

Hortus conclusus Versatzstücke

„Im Mittelpunkt steht die Konfrontation mit etwas sofort Assoziationsträchtigem.“

An jedem einzelnen Tag grüßt das Murmeltier auf eine andere Weise.

„... andererseits lagern sich in Mitten dieser entstehenden Bilder Treibgüter der Kultur ab.“

Massenmediale Phänomene im Spiel von Differenz und Wiederholung.

In diesem Garten spielen nicht Maria mit dem Kind oder Nachbars Kinder.

Herrlich unaufgeregte, dafür aber bitterböse Bilder scheuen keine Zurückhaltung.

Was ist es eigentlich, was einen Wald, dieses deutsche Kulturgut, am treffendsten charakterisiert? Ist es eine Farbe? Ein Geruch? Eine Form? Bestimmte Tier- und Pflanzenarten? Ein Gefühl? Sara Möbius nähert sich in ihren großformatigen Zeichnungen dem Thema mit Kohle. Ihr Wald besteht aus Kontrasten, aus Luft und Materie, aus organischer Substanz. Diese entsteht und wächst, um schließlich an der gleichen Stelle zu verrotten. Dieser Prozess wird dem Betrachter so plastisch vor Augen geführt, dass er die dazugehörigen Gerüche, die begleitenden Geräusche, schließlich selbst imaginiert. Der Wald, verschont von jedem zivilisatorischen Eingriff, wird zum intakten Biotop. Die Natur als Tröster der Menschheit. Der Mythos Wald lebt in Sara Möbius‘ Zeichnungen weiter, reduziert und ein bisschen unheimlich, so dass wir uns noch stärker angezogen fühlen. Sara Möbius, geboren 1985 in Halle, 2006–2012 Studium der Malerei und Grafik an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bei Prof. Rug, seit 2012 lebt und arbeitet in Halle. EN

„Die menschliche Persönlichkeit scheint mir wie eine Zwiebel in Schichten aufgebaut, vom ewig Teilbaren zum ewig Ausgedehnten, in beide Richtungen ohne definiertes Ende. Das ‚Ich‘ als vermeintlich statischer Kern entpuppt sich als Illusion, als weiterer Mikrokosmos in einem weiteren Makrokosmos.“ Harzschicht für Harzschicht gießt Oliver Czarnetta seine Köpfe aus. Die Latexabformung eines Gesichtes wird in das Harz eingebracht, um nach der Trocknung wieder entfernt zu werden. Was schließlich von dem Antlitz bleibt, ist die Erinnerung, die sich in Form von kleinen Bläschen, die sich zwischen den Harzschichten gebildet haben, manifestiert. Was außerdem in den Kopf hineingelegt, eingeschrieben oder gezeichnet wird, entscheidet Czarnetta intuitiv und tagesformabhängig jeden Tag neu. Oliver Czarnetta, geboren 1966 in Düren, 1993–2004 Studium der Kunstgeschichte und Philosophie, anschließende Promotion über neogotische Steinskulpturen am Aachener Dom, lebt seit 2009 freischaffend in Aachen, seit 2011 in Aachen und Leipzig. EN

Der Mensch als Gefangener nicht nur seines Schicksals, sondern als verwoben in seiner eigenen Geschichte und seinen Mythen. Als Träger seines kulturellen Erbes und seiner Instinkte ist er determiniert, wohingegen er als im Hier und Heute Lebender die Freiheit hat, seine eigenen Lebensentscheidungen zu treffen. Henri Deparade versucht diese Vielschichtigkeit, die Zerrissenheit des Menschen, in seinen Bildern malerisch darzustellen. Seine Figuren überlagern sich nicht nur als Ausdruck ihrer Bewegtheit, sondern ebenso als Andeutung auf ihre ständige Verwandlung und ihre multiplen Möglichkeiten der Existenz. Raum und Personen überlagern sich so, dass Existenz und mögliche Existenz letztlich auf das selbe hinauslaufen, als Teil eines Prozesses von Werden und Vergehen. Henri Deparde, 1972–77 Studium Malerei/Grafik an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, 1983–85 Meisterschülerstudium bei Prof. Willi Sitte an der Akademie der Künste, seit 1992 Professur an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, seit 1995 freischaffend in Dresden tätig. EN

Anke Stiller arbeitet als Foto-, Performanceund Videokünstlerin. In ihren fotografischen und grafischen Werkgruppen untersucht sie ebenso wie in ihren performativen Videoarbeiten massenmediale Phänomene im Spannungsverhältnis von Differenz und Wiederholung, Fülle und Leere. Sie benutzt und zitiert Werbesprüche, Songtexte, Schlagzeilen, um sie in neue Kontexte oder stringente Vergleichsreihen zu setzen. Ziel ist dabei die Visualisierung der utopischen und ideologischen Dimensionen der Erzeugnisse der Mediengesellschaft und die Frage nach der Verortung des Individuums in dieser Gesellschaft. Die Wandinstallation „MOVING WORDS HEADLINES 2011“ besteht aus 307 Laserdrucken. Stiller abonnierte für 12 Monate die Bild-Zeitung, um ihre Schlagzeilen täglich im Originalformat und in der Originaltypographie nachzubauen. Anke Stiller, geboren 1980 in Rudolstadt, 01-06 Studium der Freien Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar. Seit 2006 Lehraufträge und künstlerische Mitarbeiterin ebenda. CM

Spielfiguren, Monster, Tänzerinnen, Clowns und mystische Wesen tummeln sich auf den äußerst dynamischen Zeichnungen und in der Malerei von Ulrike Theusner. Ihre Handschrift ist markant und unverkennbar. Der Zyklus NITROCIRCUS von 2012 besteht aus mehrfarbigen Pastellzeichnungen auf bläulichem Papier. Doch sind die Farben noch so bunt, herrscht stets eine morbide, infernale Stimmung. Die Gesichter sind zu Fratzen verzogen, aus den Augen leuchtet der Wahnsinn und selbst Kinderspielzeugfiguren wirken bedrohlich. Das Ende der Welt oder eine letzte Zirkusshow wird wie in einem psychedelischen Traum gefeiert. Und Ulrike Theusner stellt uns all ihre Teilnehmer vom Dompteur und seinen Löwen bis zum Pausenclown auf einzelnen Blättern vor. Ulrike Theusner, geboren 1982 in Frankfurt/Oder. 2002-08 Studium der Freien Kunst an der Bauhaus Universität Weimar bei Prof. Liz Bachhuber, Peter Heckwolf und Prof. Norbert Hinterberger. Lebt und arbeitet in Weimar. CM

„Ratte im Froschpelz“ oder „Kakteen im Sturm“ heißen Arbeiten von Dominik Meyer und zeigen eben jene. Prometheus bietet auf gleichnamigen Werk ein Tablett mit Kaffee und Kuchen an und grinst aus grotesken Gesichtszügen. Auf der Leinwand „in charge“ ist ein grimmiger Mann zu sehen mit zwei Holzbeinen, zwei Hakenarmen und zwei Augenklappen. Die Bilder machen richtig Spaß und laden ein, sich heimlich mit dem Maler zu verbünden und sich gemeinsam an seinem herrlich bösen Humor zu erfreuen. Meist tobt sich Meyer dabei konzentriert auf kleinen bis mittleren Formate und mit leuchtenden Farben aus. Nichts und niemand ist vor ihm sicher. Noch dazu ist Meyer eine sehr guter Zeichner, was er in zahlreichen Grafiken unter Beweis stellt. Dominik Meyer, geboren 1979 in Köln, 2002-08 Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Prof. Peter Bömmels, 06-08 Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, 08-10 Meisterschüler bei Prof. Ralf Kerbach in Dresden, seit 2010 lebt und arbeitet in Leipzig. CM

Weitere Informationen über Sara Möbius finden Sie im Internet unter www.sara-moebius.de.

Weitere Informationen zu Oliver Czarnetta finden Sie im Internet unter www.queen-anne.de.

Weitere Informationen zu Henri Deparade finden Sie unter www. henri.deparade-art.de.

Weitere Informationen zu Anke Stiller finden Sie im Internet unter www.packofpatches.com..

Weitere Informationen zu Ulrike Theusner finden Sie unter www.ulrike-theusner.de.

Weitere Informationen zu Dominik Meyer finden Sie unter www.dominikmeyer.com

DOMINIK MEyER, OHNE TITEL, 2012


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Bei den Designers’ Open in Leipzig präsentiert die Kreativwirtschaft zum achten Mal neue Konzepte zur Nachhaltigkeit und Mobilität sowie neue Produkte aus Mode, Interior- und Produkt-Design.

Das innovative Elektrofahrzeug TILT mit Neigelenkung, aus umweltfreundlichen Materialien gefertigt.

Text: Ulrich Breuer Fotografie: Designers Open

Vom 25. bis zum 28. Oktober 2012 treffen sich wieder tausende Designfans mit dem Who´s who aus Kreativbranche, Architektur und Wirtschaft zum größten Designfestival Mitteldeutschlands. Auf dem Programm der Ausstellung, der kuratierten Sonderausstellung sowie der begleitenden Fachkonferenz stehen neben neuesten Trends und Entwicklungen Themen wie Nachhaltigkeit und Zukunftstechnologie. Mit innovativen Konzepten und Ausstellungsstücken verwandeln die Designers´ Open Leipzig im Oktober wieder in eine hochkarätige Designmetropole. Von der konkreten Produktgestaltung bis hin zur Entwicklung neuer Konzepte für die mobile Gesellschaft Gestalten, Formgeben, Entwerfen: Design bildet ein weites Gebiet ab und ist durch die Funktionsorientierung mit der Produkt- und Innovationsentwicklung eng verzahnt. Diesen verschiedenen Dimensionen von Design – von der konkreten Produktgestaltung bis hin zur Entwicklung neuer Konzepte für die mobile Gesellschaft oder alternativer Energiekonzepte – tragen die Designers´ Open auch 2012 wieder voll Rechnung: Im Rahmen

einer hochkarätigen Fachkonferenz, einer Ringvorlesung und der kuratierten Sonderausstellung mit zugehörigem Messebereich werden für die Fachwelt Themen beleuchtet, die die Zukunft der Branche bestimmen: Wie lassen sich Produkte nachhaltig gestalten und natürliche Ressourcen nutzbar machen? Wie viel Mobilität braucht der Mensch? Dies sind Fragen, die unter dem Leitmotiv »smart technology – new design« diskutiert werden. Antworten liefern u.a. vorgestellte Projekte wie das „Bionic Learning Network“ zur Mensch-Maschine-Interaktion oder das Null-Energiehaus „Algenhaus Hamburg“, die national und international schon für Aufsehen sorgen. Weitere Projekte sind auf dem B2B-Messebereich DO/ Industry ausgestellt, wo Dienstleister und Projektentwickler im Anschluss an die Konferenz direkte Kontakte zu Wirtschaftsunternehmen und Multiplikatoren knüpfen können. Genauso innovativ, aber konkreter auf Produkt und Endverbraucher bezogen, stellen „DO/Market“, „DO/Market-Fashion“ und „DO/Spots“ dem breiten Publikum neuentwickelte Produkte zum Anfassen vor. So wird Leipzig in den größten Umschlagplatz für aktuelles Design verwandelt. Exponate aus Mode, Interior- und Produkt-Design werden wieder tausende Besucher zu den Designers’ Open locken. Erstmals wird auch parallel der Sächsische Staatspreis für Design verliehen, der den hohen Stellenwert der Veranstaltung unterstreicht. Das Pedal von MOTOBicycles ist auf das absolut Wesentliche reduziert – funktionales Design pur!

Auch 100-jähriges Design kann mit brandneuen Entwicklungen mithalten. Dies beweist Petromax, einer der ältesten Hersteller von Gasdrucklampen aus Magdeburg. Petromax steht für nahezu unkaputtbares und nachhaltiges Design und wird mit seinen imposanten Gasdrucklampen den Ausstellungsbereich Market mit einer Licht-Installation in Szene setzen.

Designers’ Open, Festival für Design Leipzig 25.10.: DO / Conference „smart technology – new design“ / 9–18 Uhr 26.10.–28.10.: Messebetrieb / Fr u. Sa 11–20, So 11–19 Uhr Tagesticket: 10,-€ / 8,-€ ermäßigt DO / Conference (150 Plätze): 220 € / 80 € ermäßigt Sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig / Campusgelände, Jahnallee 59, 04109 Leipzig

Weitere Informationen unter: www.designersopen.de bzw. www.designersopen.de/konferenz

Bildnachweis: Iwan Panikarow

Innovative Konzepte und Produkte

KULTUR 133

Bildnachweis: Ausstellungsplakat WIN - WIN; Uwe Walter, Berlin

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In 350 Filmen um die Welt

Zwangsarbeit

Mit dem Schwerpunktthema Lateinamerika werden auf dem DOK Leipzig Dokumentarund Animationsfilme das Publikum wieder in andere Welten entführen.

Die Wanderausstellung „Memorial“ dokumentiert in Weimar die Schrecken des Gulags.

Das DOK Leipzig ist das älteste Dokumentarfilmfestival weltweit. Vom 29. Oktober bis 4. November präsentiert es in seinem 55. Jahr die besten neuen Produktionen aus aller Welt. Die Animations- und Dokumentarfilme kämpfen dabei in fünf Wettbewerben um die begehrten Goldenen Tauben. In diesem Jahr liegt ein Schwerpunkt auf neuen Dokumentarfilmen aus Lateinamerika. Filmemacher zwischen Argentinien und Mexiko eröffnen faszinierende Einblicke in Alltag, Kultur und politische Entwicklungen dieser Länder. Gerade in Lateinamerika diente das Genre des Dokumentarfilms oft als Mittel zur Aufklärung und zum Widerstand gegen Imperialisten und Diktatoren. Die Regisseure von damals sind heute wichtige Bezugsgrößen für eine neue Generation junger lateinamerikanischer Dokumentarfilmer. Ihnen widmet das DOK Leipzig in diesem Jahr ein Sonderprogramm bestehend aus acht Programmpunkten mit zehn Dokumentar- und drei kurzen Animationsfilmen. Die jungen Regisseure aus Argentinien, Chile, Ecuador,

Erstmalig sind in Deutschland Überreste des sowjetischen Gulag-Systems zu sehen, in dem etwa 20 Millionen Menschen Zwangsarbeit leisten mussten. Seit Ende der 1980er hat die Menschenrechtsorganisation „Memorial“ diese gesammelt. Neben den Artefakten ergänzen zeitgenössische Stimmen und Biografien ehemaliger Häftlinge den AusstellungsKontext. So wird der karge und harte Häftlingsalltag beispielsweise durch eine verrostete Axt und Gitterfenster dokumentiert, durch zerschlissene Schuhe, Häftlingszeichnungen und Schlittenreste. Der Ausstellungsfokus liegt auf dem Zeitraum von 1929 bis 1956 und skizziert die historische Entwicklung. Begleitet wird die Präsentation der Wanderausstellung von einer umfassenden Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Zeitzeugengesprächen, Filmvorführungen und einem Konzert. Bei freiem Eintritt bekommen alle Interessierten so die Möglichkeit, Einblick in ein schreckliches Kapitel des 20. Jahrhunderts zu nehmen. TP

Guatemala. Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Peru und Uruguay erzählen ihre Geschichten oft sehr persönlich und filmisch sehr individuell umgesetzt. Geschichtliche, politische oder gesellschaftliche Themen werden meist mit dem eigenen Umfeld in Beziehung gesetzt. So ist die Familie oft der Ausgangspunkt für die Untersuchung eines größeren Sujets, sie öffnet den Blick auf die Folgen von Flucht, Verfolgung und Diktatur. Auch die Verbindungen zwischen der DEFA und Lateinamerika werden in den Fokus gerückt. Wie kaum eine andere Region beschäftigte Lateinamerika die Dokumentarfilmregisseure der DEFA. Die Retrospektive würdigt das deutschrussische Filmstudio Meschrabpom, welches die internationale Filmgeschichte in den 1920er und 30er Jahren prägte. Darüber hinaus laufen Film-Schätze aus 100 Jahren polnischer Puppenanimation und die Regisseure Barbara Hammer (USA), Peter Nestler (Schweden) und Mariola Brillowska (Deutschland) werden in Hommagen geehrt. CM

55. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, 29. 10.–4. 11.2012 Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.dok-leipzig.de

„Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929–1956“, bis 21. Oktober, Schiller-Museum Weimar


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Vater und Sohn Text: Bastian Salier

Kalauernder Kolumnenkrösus Text: Tobias Prüwer Cover: Matthes & Seitz

André Kudernatsch schlägt erneut nassforsch zu: Er mag viele seiner Spitznamen und Verballhornungen nicht leiden, sagt Blitz!-Kolumnist Kudernatsch – nur, um selbst kräftig auszuteilen. Mir nichts, dir nichts erklärt er Gera zur Thüringer Unterwelt und geißelt Entlaubungsaktionen in Erfurts innerstädtischen Fußgängerzonen. Immerhin ist von der Großschnauze aus der Kleinstaaterei so lobend zu erfahren, warum die Domstadt viel attraktiver ist als Leipzig. Forsch fasst er den Weimeraner an die feuchte Nase und plaudert mit Dieter Althaus, der sich an seine Zeit als Christine Lieberknecht zurücksehnt, aus dem Nähkästchen. Mit ausgeprägtem Sprachgespür und herrlichem, zwischen derb und zart changierendem Wortwitz schmeißt Kudernatsch seine Kolumnen aufs Papier. Zu gewollt und erzwungen wirken seine humoristischen Häppchen nur selten. Fotos mit ironischen SchwarzWeiß-Motiven sind illustres Beiwerk, etwa, wenn Herr Natsch Überbleibsel eines Zaunkönigs in Form einer Latte präsentiert. Dieser Zug hält nicht in Weimar André Kudernatsch Salier Verlag, Hildburghausen 2012 135 Seiten Preis 12,90 €

Nachhaltiger als Tulpenzwiebeln Text: Tobias Prüwer Cover: Küthe Verlag

Logik ist nicht jedermanns Sache – leider. Gerade in der Geschäftswelt kann ein wenig Vernunft nicht schaden. Ein kurzweiliger, nicht trivialer Einblick ist jetzt in Comicform zu haben. Und wer mit der Logik schon am Ende ist, kann in der Reihe von InfoComics auch zu Ökonomie, Keynes oder Kapitalismus in Form von aufklärenden Bildgeschichten greifen. Umfangreich werden Entstehungsgeschichte und widerstreitende Theorien des jeweiligen Fachgebiets ausgebreitet. »Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen – und lies diese Comics«, könnte man mit Kant deklamieren. Immerhin wusste er, dass Begriffe ohne Anschauung leer bleiben. Und anschaulicher als am Ende des »Kapitalismus«-Titels einen Amsterdamer Bürger mit einer Tulpe winken zu lassen, kann man irrationale Geschäftspraktiken nicht illustrieren. Im Jahr 1637 platzte die Blase im niederländischen Tulpenrausch: Nach exorbitanten Preisen waren die Blumenzwiebeln plötzlich nichts mehr wert. Da ist der Mehrwert der Info-Comics dauerhafter.

Leidenschaft Kochen Text: Petra Rauch Cover: Matthaes Verlag

Es ist bereits das zweite Kochbuch, das Peter Maria Schnurr herausgibt. Der Chef de Cuisine im Leipziger Restaurant Falco stellt mit „Cuisine Passion Légère“ rund 150 seiner kulinarischen Kreationen vor. Die Gerichte sieben saisonaler Speisekarten aus dem GourmetTempel werden im Buch präsentiert. So wird Haute Cuisine nachvollzieh- und mit etwas Geschick auch nachkochbar. Doch auch einfach als appetitanregendes Coffee-Table-Book erfüllt das Buch des Zwei-Sterne-Kochs seinen Zweck. Ob Wildhase in Wacholderöl pochiert auf Kakao-Pilz-Erde, Baba in Zitrus-Dashi-Bouillon getränkt oder geschmorter Rhabarber an Honigsand und Blue Gin: Schon für den Betrachter der großartig fotografisch inszenierten Speisen (Fotos: Ralf Müller) sind sie ein wahrer Augenschmaus. Und die Lust, sich selbst an die ausgeklügelten Rezepte zu wagen, entfachen sie erst recht.

LOGIK Ein Sachcomic D. Cryan, S. Shatil, B. Mayblin Infocomics, September 2010 176 Seiten Preis 10,00 € Weitere Informationen: www.infocomics.de

Cover: Rowohlt Verlag

Es ist der Lebensroman seines Vaters, den Sergej Lochthofen aufgeschrieben hat. Doch das Buch will und kann mehr: „Schwarzes Eis“ beschreibt das 20. Jahrhundert, dessen Utopien ebenso stimulierend wie zerstörerisch wirkten. Das Leben von Lorenz Lochthofen war einerseits symptomatisch für die Zeit und geprägt von diesen Utopien, andererseits aber erstaunlich und dramatisch wie kaum ein anderes: 1907 bei Dortmund geboren, ging Lochthofen 1930 als engagierter Kommunist in die Sowjetunion, arbeitete und studierte dort, bis er sieben Jahre später Opfer der Stalinistischen Säuberungen wurde. Workuta wurde für ihn – wie für hunderttausend andere – zum eiskalten Gefängnis. Doch das Fanal seiner Utopie leuchtete ihm weiterhin: Nach seiner Entlassung 1947 lebte er noch zehn Jahre als Ingenieur in Workuta. Zwei Söhne kamen dort auf die Welt. Der eine – Sergej – gehört heute zu den herrausragendsten Journalisten des Landes, mit einer ebenfalls romanverdächtigen eigenen Lebensgeschichte. Er hat seinem Vater nicht nur ein literarisches Denkmal gesetzt, sondern die Dramatik der Zeitläufte untersucht, in der dieser zeitlebens mit unerschütterlichem Optimismus wie in einem Strudel gefangen blieb. Schließlich gelang ihm, was absolut einmalig für einen ehemaligen Gulag-Häftling ist: Er wird vollständig rehabilitiert, kehrt in die DDR zurück, steigt zum Wirtschaftsmächtigen auf, wird sogar ins Politbüro berufen. Sergej Lochthofen ging später vielfach nach Russland zurück, studierte Kunst auf der Krim und Journalistik in Leipzig. 19 Jahre lang war er Chefredakteur der „Thüringer Allgemeinen“. Ein empfehlenswertes Zeitdokument, wortgewaltig, voller Dramatik und intensiver Bilder – nichts für Zwischendurch.

Cuisine Passion Légère Peter Maria Schnurr Matthaes Verlag, Stuttgart 2011 648 Seiten Preis 139,00 €

Schwarzes Eis Sergej Lochthofen Rowohlt Verlag, Hamburg 2012 400 Seiten Preis 19,95 €

Weitere Informationen: www.matthaes.de

Weitere Informationen: www.rowohlt.de

Weitere Informationen: www.salier-verlag.de

Plaudereien an Luthers Tafel Manch Amüsantes und viel Nachdenkliches bieten Luthers »Tischreden«, in denen sich der berühmte Reformator in zwangloser Art und Weise und mit der ihm eigenen Klarheit zu Gott und der Welt äußert.

Martin Luther (Herausgegeben von Thomas Maess) Plaudereien an Luthers Tafel Köstliches und Nachdenkliches 120 Seiten | 13,5 x 19 cm Hardcover EUR 14,80 [D] ISBN 978-3-374-02804-7

Ideal auch als Geschenk! erhältlich im Buchhandel und unter: Tel. 0341-7114116 vertrieb@eva-leipzig.de

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136 KULTUR

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Bildnachweis: Stiftung Moritzburg – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt

PA S S I O N H Ö L D E R L I N

Piano-Virtuose Mit András Schiff spielt ein ungarischer Pianist von Weltrang in Zwickau auf – mit Werken von Schumann und Beethoven.

Text: Petra Rauch

Ein Pate für die Künstler-Wohnung Rechtsanwalt und Steuerberater Thomas Rößler ist Leipziger Kulturpate der Künstlerresidenz Blumen

Wenn András Schiff im Dezember in die Robert-Schumann-Stadt Zwickau kommt, dann wird er selbstverständlich auch auf das Werk des großen Romantikers zurückgreifen. Der in Budapest geborene Pianist hat an der dortigen Franz-Liszt-Akademie und in London studiert. Seine Klavierabende gestaltet er insbesondere mit zyklischen Aufführungen der Werke von Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin, Bartók und eben Schumann. Mit seinem 1999 gegründeten eigenen Kammerorchester, der Capella Andrea Barca, arbeitet er als Dirigent und Solist eng zusammen.

Der Künstler erhielt zahlreiche Auszeichnungen, ist Träger des Robert-Schumann-Preises der Stadt Zwickau des Jahres 2011 und wurde im Januar 2012 mit der goldenen Mozart-Medaille der Internationalen Stiftung Mozarteum geehrt. Im Zwickauer Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“ wird er Schumann und Ludwig van Beethoven zum Besten geben. Das Konzert ist Bestandteil seiner Welttournee mit nur drei deutschen Stationen.

Moritzburg

6.12., Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“, Zwickau

Multimediale Perspektiven in der Moritzburg in Halle (Saale)

Text: Petra Rauch Fotografie: Künstlerresidenz Blumen

„Das Programm wurde mir von einem Bekannten empfohlen. Da dachte ich, das schaust du dir doch einmal an.“ Bescheiden berichtet Thomas Rößler, wie er zum Teilnehmer am Projekt Leipziger Kulturpaten wurde. „Und dann habe ich mir das eben angeschaut.“ Bei der KulturpatenInitiative unterstützen engagierte Unternehmen kulturelle Einrichtungen und Projekte. In den ehrenamtlichen Patenschaften helfen sie der Kultur mit Coaching, Beratung, Anleitung beim Klären fachlicher Fragen, der Entwicklung von Strukturen und Konzeptionen, bei Planungen und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. 26 solcher Förderer sind auf solche Weise im Jahr 2012 aktiv. Know-how für die Kultur Rößler setzt sein Know-how für die Künstlerresidenz Blumen ein, die ihm von der Kulturpaten-Initiative vermittelt wurde. Dieser Ort künstlerischer Produktion fördert seinerseits die Arbeit junger und bisher wenig etablierter bildender Künstler mit seinem Artists-in-Residence-Pro-

gramm. Drei bis fünf Monate können internationale Künstler die zur Verfügung stehende Atelierwohnung nutzen, um dort schöpferisch zu wirken. Damit verbunden sind Ausstellungen und Werkpräsentationen beziehungsweise -gespräche. So können Künstler und Publikum in ein besonderes Verhältnis treten. Der Name der Atelierwohnung resultiert aus dem ehemaligen Nutzungszweck der Räumlichkeit im Zentrum der Stadt: Sie war einst ein Blumenladen. Kunst im Ex-Blumenladen „Ich kannte die Residenz vom Vorbeigehen“, so Rößler. „Man hat ja neben der Arbeit immer wenig Zeit.“ Nun ist der kunstinteressierte Leipziger froh, dass die Patenschaft ihn hineingeführt hat. „Er hat uns bei einer Vernissage besucht“, erzählt Andrea Büttner vom Verein Residenz Blumen. „Wir treffen uns regelmäßig, und überlegen, wie uns geholfen werden kann.“ Das betrifft in erster Linie den Bereich der Finanzen. Rößler hat dem Verein auch einen Notar vermittelt. „Dieser

hat uns sogar noch Geld gespendet“, freut sich die Kulturschaffende. Unternehmen und Kultur Büttner fährt fort: „Wir haben schon viel gelernt von Herrn Rößler. So kommen auf den ersten Blick unterschiedliche Welten zusammen.“ Doch natürlich würden die unternehmerisch Tätigen ein Interesse für Kunst und Kultur mitbringen, sonst würden sie sich gar nicht dafür gewinnen lassen, ihre freie Zeit ehrenamtlich für Kultur-Projekte einzusetzen. Und Rößler findet es spannend, einmal in einen kleinen Kulturbetrieb hineinschauen zu können. Diese Chance habe man ja auch nicht alle Tage, die Kulturpatenschaft biete eine solche. „Es ist hochinteressant zu sehen, wie ein Galerieort und wie Kunstproduktion funktioniert“, schätzt der Kulturpate für die Künstlerwohnung diese Möglichkeit. So habe er genauso etwas Neues gelernt. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.residence-blumen.de

Musikalische Zeitreise Die Stiftung Händel-Haus hat eine Ausstellung zur halleschen Musikgeschichte im Komponistenhaus eingerichtet.

Text: Petra Rauch

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten hat in Halle das Wilhelm-FriedemannBach-Haus wieder seine Pforten geöffnet. Die Stiftung Händel-Haus wird die bereits 2010 für kurze Zeit präsentierte Dauerausstellung im nur 300 Meter vom HändelHaus entfernten Wilhelm-FriedemannBach-Haus betreiben. Im Obergeschoss wird in einer chronologischen Zeitreise ein Überblick über die reiche hallesche Musikgeschichte vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit vermittelt. In acht Räumen ist neben Wissenswertem zum Leben und Schaffen von

Komponisten wie Samuel Scheidt, Robert Franz und natürlich Georg Friedrich Händel auch über die gesellschaftshistorischen Hintergründe ihrer jeweiligen Zeit zu erfahren. An Hörstationen sind Musikstücke der Komponisten zu hören, die im Zentrum des jeweiligen Ausstellungsraumes stehen. Ein kombiniertes Eintrittsticket für den Besuch des Händel-Hauses und des Wilhelm-Friedemann-BachHauses ist vorgesehen. Ausstellung Musikstadt Halle, WilhelmFriedemann-Bach-Haus, www.haendelhaus.de

H.I.N. – heroisch, ideal, naiv – steht für die poetische Verfassung eines der bedeutendsten Dichter deutscher Sprache, Friedrich Hölderlin. Der Filmemacher Harald Bergmann hat zwischen 1992 und 2003 vier Filme gedreht, die sich mit Leben und Werk Hölderlins auseinandersetzen und nun als Gesamtedition der internationalen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Scardanelli“, „Hölderlin Comics“, „Lyrische Suite“ und der Dokumentarfilm „Passion Hölderlin“ erzählen kein Leben im Sinne einer Historienverfilmung, sondern nähern sich aus verschiedenen multimedialen Perspektiven der Person und ihrem Werk. Interviews, Montagen, Collagen, Nachspielszenen, Lesungen und Musik kommen bei der Installation ebenso zum Einsatz wie animierte Schreibprozesse, gezeichnete Landschaften und eine szenische Kunstwelt. Am 20.Oktober erfolgt die Eröffnung der Ausstellung in der Moritzburg Halle (Saale), in der erstmals eine Edition der vier HölderlinFilme gezeigt wird, in die auch das Material Eingang findet, das dem Schnitt und den Endfassungen zum Opfer fiel. JS Weitere Information: www.stiftung-moritzburg.de


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Viva México! 13 internationale Medienkünstler präsentieren im Rahmen des Werkleitz-Festivals für Medienkunst unter dem Titel „move forward“ aktuelle Arbeiten. Der thematische Schwerpunkt liegt dieses Jahr auf Mexiko.

Text: Carolin Modes Fotografie: Jan-Peter E.R. Sonntag, Amanda Gutiérrez, Michal Šeba, Werkleitz, Falk Wenzel

Es ist das zweite Mal, dass das somit noch recht junge Festival für Medienkunst in Halle stattfindet. move forward zeigt auf einem 500 Meter langen Ausstellungsparcours am Steintor verschiedenste Arbeiten aus dem Bereich der Medienkunst. Zusätzlich rundet ein vielfältiges Programm mit mexikanischem Film, Musik, Performances sowie Präsentationen und Talks das engagierte Festival ab. Die Heterogenität der heutigen Medienkunst wird in den unterschiedlichen Formaten wie auch in den verhandelten Themen der künstlerischen Positionen des Werkleitz-Festivals deutlich. Die Stipendiaten und ausstellenden Künstler Maria Vedder, Jan-Peter E.R. Sonntag, Laura Balboa, Rubén Gutiérrez, Amanda Gutiérrez, Kathrin Kur, Rebecca Lennon, Rosa Menkman, Dina Ron evi , Tobias Rosenberger, Marissa Viani Serrano Ocampo, Nika Oblak & Primož Novak und Florian Tuercke stammen u.a. aus Kroatien, Deutschland, Slowenien, Großbritannien, den Niederlanden und Mexiko. Von der internationalen Jury des von Werkleitz initiierten European Media Art Networks (EMAN) wurden neun von ihnen für das Stipendium „European Media Artist in Residence Exchange in Mexiko“ ausgewählt, vier weitere Künstler für das Mexiko-Stipendien-Programm der letzten 3 Jahre. Das Stipendium beinhaltet einen zweimonatigen Aufenthalt bei einer der Partnerinstitutionen in Europa und Mexiko und die Ausstellung der entstandenen Werke im Rahmen des Festivals.

Fotos - Linke Seite von unten nach oben: Dei Arbeiten von Teilnehmern des Werkleitz-Festivals: Amanda Gutiérrez, Time Topographies. Liverpool. Jan-Peter E.R. Sonntag, SONNTAG IM PARK. Florian Tuercke, 4:33 for Mariachi; Rechte Seite: Das Festival „.move forward“ am Steintor in Halle und sein Team: Peter Zorn, Anita Müller, Sophia Gräfe, Juliane Victor, Daniel Herrmann (v.l.n.r.)

Die Themen sind vielfältig: Urbanität und Landschaft, Religion und Wissenschaft, Tradition und Moderne, Realität und Virtualität, Migration, Klimawandel, Netzpolitik oder die Vereinnahmung revolutionärer Ikonen. Die Videoinstallationen, Objektkunst, internetbasierten Arbeiten, Fotografien, ein interaktiver Automat und Filme verhandeln Themen wie Urbanität und Landschaft, Religion und Wissenschaft, Tradition und Moderne, Realität und Virtualität, Migration, Klimawandel, Netzpolitik oder die Vereinnahmung revolutionärer Ikonen. So arbeitet das Video-Tryptichon „Time Topographies“ der mexikanischen Künstlerin Amanda Gutiérrez, geboren 1978 in Mexiko, audiovisuell mit Erinnerungsorten dreier Migranten in Liverpool. Die interaktive Infographik internetis.tv der Mexikanerin Laura Balboa, geboren 1979 in Mexiko, hingegen ironisiert den Zusammenhang zwischen dem vom Versinken im Meer bedrohten pazifischen Inselstaat Tuvalu und der Internetökonomie der von Tuvalu vergebenen Lizenzen für die Top-Level-Domain

„.tv“. In „Sonntag im Park“ fasst Jan-Peter E. R. Sonntags seine Impressionen aus dem Alameda Park in Mexiko-Stadt zusammen, in dem das berühmte Revolutionsgemälde von Diego Rivera ausgestellt wird, und komponiert aus ihnen mit überdehnten Resonanzen im digitalen Raum das „Echo einer geronnenen Revolution“. Sonntags Werk erlebt wie der Großteil der anderen Arbeiten auf dem Werkleitz-Festival 2012 seine Premiere. Für das Eröffnungswochenende vom 5. bis 7. Oktober hat das Festival zudem internationale Kuratoren und Experten führender Institutionen im Bereich Medienkunst wie Omar Kholeif, Fact Liverpool, oder Kristoffer Gansing, Transmediale Berlin, eingeladen, die in einem öffentlichen Gespräch die Arbeiten der verschiedenen Künstler vorstellen und analysieren. move forward ist ein Projekt des Werkleitz-Zentrums in Kooperation mit EMAN. Das Werkleitz-Zentrum für Medienkunst ist ein gemeinnütziger Verein in Halle mit dem Ziel der Förderung und Realisierung von

Medienkunstprojekten sowie deren Präsentation und Distribution. In Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle betreibt der Verein beispielsweise „Videorama“ – einen Präsentationsort für Videokunst und mediale oder performative Installationen. Mittels zahlreicher Stipendien- und Förderprogramme fördert der Verein darüber hinaus Künstler aus dem Bereich Medienkunst und realisiert in Kooperation mit regionalen sowie nationalen und internationalen Partnern Ausstellungen, Konferenzen und Projekte wie das Werkleitz-Festival.

.move forward new mexican and european media art Werkleitz-Festival für Medienkunst 5. bis 21. Oktober Halle (Saale)

Weitere Informationen finden Sie unter: www.werkleitz.de/moveforward


Bildnachweis: Freist, Sker; Alexander Busch; Jörg Metzner

© Mathias Bothor / DG

(Wiederholung am 10. Juni 2013)

Projekt der Parnassus Arts Productions in Kooperation mit Decca Classics, Camerata Athen, Onassis Foundation und den Händel-Festspielen Halle

Telefon: + 49 (0) 345 500 90-0 Internet: www.haendelhaus.de

Musikalische Leitung: Andrea Marcon (Cembalo) Venice Baroque Orchestra

Magdalena Kožená (Mezzosopran)

Galakonzert mit Magdalena Kožená Musikalische Leitung: George Petrou Inszenierung: Lucinda Childs mit Max Emanuel Cencic, Vivica Genaux, Adriana Kučerová u. a.

Stiftung Händel-Haus Große Nikolaistraße 5 · 06108 Halle (Saale)

20. Dezember „Adventskonzert“ Unter Leitung von Prof. Jürgen Puschbeck gibt der Kammerchor der Hochchule für Musik ein Adventskonzert. Weimar, kath. Kirche Herz-Jesu www.hfm-weimar.de

Vollständiges Programm und Vorverkaufsstart für die Händel-Festspiele 2013: 2. November 2012

27. Oktober „Opernball Leipzig 2012“ Erleben Sie zum 18. Mal eine rauschende Ballnacht im festlich geschmückten Opernhaus. Leipzig, Opernhaus www. oper-leipzig.de

Andreas Spering

27. November bis 23. Dezember „Hallescher Weihnachtsmarkt“ Mit echten finnischen Rentieren, dem finnischen Dorf Artic Village und verschiedensten Adventshöhepunkten lockt der hallesche Weihnachtsmarkt in die Innenstadt. Halle, Marktplatz www.leipzig.de

© Decca / James McMillan

28. November „Wettbewerbsfaktor Unternehmensvitalität“ Die Metabalance veranstaltet die erste regionale Fachtagung im Fokus der Wechselwirkung zwischen Unternehmensvitalität und Unternehmenserfolg. Leipzig, Marriott Hotel www.unternehmensvitalität.de

01. Dezember „Benefizkonzert - Leipzig hilft Kindern“ Ein Benefizkonzert: Unter Leitung von Riccardo Chailly und mit Arcadi Volodos am Klavier erklingen Werke von Peter Tschaikowski und Otto Respighi. Leipzig, Gewandhaus - Großer Saal www.gewandhaus.de

(Wiederholung am 9. und 14. Juni 2013)

24. Oktober „Firmen-Kontaktmesse“ Studenten können sich über zukünftige Arbeitgeber und deren Angebote informieren und erste Kontaktgespräche führen. Magdeburg, Otto-von-Guericke-Universität www.messen.de

27. Oktober „Bella Figura“ Premiere Die Uraufführung des Ballets ist nicht nur einer der vielfältigsten Musiktheater, sondern hat auch eine große Affinität zum Tanz. Dresden, Semperoper www.semperoper.de

li ne Ti ck et -H ot 06 0345 565 27

14. bis 16. Dezember „Ice Age Live“ Zum ersten Mal verbindet eine Produktion Film, Eiskunstlauf, Luftakrobatik und Puppendesign. Erfurt, Messehalle www.stage-entertaintment.de

KALENDER 141

Koproduktion der Händel-Festspiele Halle mit der Oper Halle

27. bis 28 November „Wind.Energie“ Hier diskutieren Vertreter aus Politik, Industrie und Wirtschaft Potenziale und Chancen der Energiewende. Erfurt, Messe www.mitteldeutscher-windbranchentag.de

Tickets: 40, 35, 30, 25, 20 €

22. bis 24.Oktober „euregia“ Zum 8. Mal findet die Fachmesse für Kommunal- und Regionalentwicklung mit Kongressprogramm statt. Leipzig, Congress Center www.euregia-leipzig.de

Musikalische Leitung: Andreas Spering Inszenierung: Axel Köhler Händelfestspielorchester Halle

24. November „Kleider machen Leute“ Premiere Die Komödie von Alexander Zemlinsky hat die Doppelbödigkeit des Keller‘schen Spiels um Schein und Sein. Görlitz, Theater www.g-h-t.de

Andreas Scholl (Altus) Musikalische Leitung: Werner Ehrhardt L‘arte del mondo

11. bis 21. Oktober „22. Leipziger Lachmesse“ Zum 22. Male findet Deutschlands größtes int. Kabarettund Kleinkunstfestival, die Leipziger Lachmesse, statt. Leipzig, Eröffnung im „academixer“-Keller www.lachmesse.de

Oper von Georg Friedrich Händel

13. bis 14. November „Bauhaus.SOLAR“ Im Fokus steht der ästhetische Einfluss energiebezogener Elemente auf Architektur und Stadtplanung. Erfurt, Messe www.bauhaus-solar.de

Alessandro (Premiere)

23. November „Aloha HE! auf hoher See“ Premiere Eine Weihnachts-Dinner-Show mit Geräusche-Komiker Fabian Kachev und Seelöwe Roger mit Dompteur. Leipzig, Stadtbad www.aloha-he.com

12. bis 14. Oktober „SUHL 2012“ 8. Handwerker- und Immobilienmesse mit den Schwerpunkten Bauen, Wohnen, Energie. Suhl, Congress Centrum www.messe-suhl.de

03. November „43. Fockeberglauf“ Der Start des absoluten Kultlaufes der Läufer- und Triathlonszene ist am Fuße des 153m hohen ehemaligen Schuttberges „Fockeberg“. Leipzig, Fockeberg www.ltm-leipzig.de

07. Oktober „Männer und andere Irrtümer“ Eine Komödie von Michèle Bernier und Marie Pascale Osterrieth über das Ende einer Ehe. Plauen, Kleine Bühne www.theater-plauen-zwickau.de

Oper von Georg Friedrich Händel

29. Oktober bis 04. November „Halloween Spektakel“ Erlebe BELANTIS in einer einzigartig gespenstischen Atmosphäre, denn zum Saisonfinale wird‘s gruselig. Leipzig, Belantis www.belantis.de

Almira (Premiere)

09. bis 11. November „SaaleMesse 2012“ Die vorrangig an Endverbraucher gerichtete Verkaufsund Erlebnissmesse bietet ein breitgefächertes Spektrum aus allen Bereichen des Lebens. Halle, Messe www.saalemesse.de

03. November „Kommen und Gehen“ Ballettabend von Torsten Händler. Schritt für Schritt entwickeln sich Geschichten, Beiläufiges wird dramatisch, Zufälliges ist weniger zufällig als angenommen. Zwickau, Gewandhaus www.zwickau.de

Werke von Georg Friedrich Händel

08. bis 11. Oktober „SEMICON Europa 2012“ Bei der größten int. Messe für Halbleitertechnik werden die Schlüsselfaktoren für Entwicklung und Wachstum von Technologien und Innovationen vorgestellt. Dresden, Messe Dresden, Börse Dresden www.semiconeuropa.org

06. Oktober „Anatevka“ Premiere Es ist die spannende Mischung aus Tradition und Neuanfang, Existenzkampf und Lebenslust, jiddischem Humor und anrührender Tragik. Görlitz, Theater www.g-h-t.de

Galakonzert mit Andreas Scholl

21. Oktober „13. Dresden-Marathon“ Die Strecke führt durch die historische Altstadt, den Großen Garten und entlang der Elbwiesen. Dresden, Zentrum www.dresden-marathon.de

Samstag, 8. Juni 2013, 14.30 Uhr Goethe-Theater Bad Lauchstädt

26. bis 29. Oktober „SAx-IMMOBILIA & EIGENHEIM 2012“ Die Messe bietet eine breite Informationsplattform, die zahlreiche Bau-, Miet- und Kaufwillige erreicht. Dresden, Messe Dresden www.messeinfo.de

Freitag, 7. Juni 2013, 19 Uhr Oper Halle

05. bis 07. Oktober „modell-hobby-spiel“ Hier erfahren Sie alles über neue Produkte und neue Trends und erleben phantasievolle Attraktionen. Leipzig, Leipziger Messe www.modell-hobby-spiel.de

Freitag, 2. November 2012, 19.30 Uhr Georg-Friedrich-Händel HALLE

Musik, Theater & Tanz

HIGHLIGHTS

Freizeit & Sport

VORKONZERT

Messen, Kongresse & Tagungen

Werke von Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi und Francesco Geminiani

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Freitag, 14. Juni 2013, 19.30 Uhr Georg-Friedrich-Händel HALLE

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HÄNDEL-FESTSPIELE 2013

140 KALENDER


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KALENDER 143

Das musikalische Band durch Leipzig – Schritt für Schritt Musik 800 Jahre Musikgeschichte mit weltberühmten Komponisten weltweit größte Dichte von authentischen Stätten des musikalischen Welterbes Wege- und Audioleitsystem führt zu 23 Stationen mit sieben Museen

Erleben Sie hautnah die Atmosphäre schöpferischer Orte! Notenspur-Förderverein e. V. | c/o Universität Leipzig, ISB Grimmaische Str. 12 | 04109 Leipzig mail@notenspur-leipzig.de | www.notenspur-leipzig.de Tel.: 0341 / 97-33741

Creative City Leipzig ist das bessere Berlin, sagen die Medien. Großstadt – das muss nicht heißen: jeden Morgen Stau auf der Stadtautobahn oder eine Stunde U-Bahn bis zum Arbeitsplatz, sagen wir. Großstadt – das heißt: eine Stadt, in der Ideen groß werden können. Ideen zu wirtschaftlichen Erfolgen. Eine Stadt mit kurzen Wegen, vielen Möglichkeiten und einem besonders lebenswerten Umfeld. Egal ob Schriftsteller oder Journalist, Verlagsmitarbeiter oder Grafiker, Maler, Architekt, Designer, Filmschaffender oder Musiker – Sie sind nicht allein: Etwa 30.000 Leipziger arbeiten heute in der Kultur- und Kreativwirtschaft und machen die Branche damit zu einer der lebendigsten in der Stadt. Wir haben nicht nur Raum zum Leben und Arbeiten, wir haben auch die richtige Atmosphäre

dazu. Dass am Ende zum Beispiel der Preis der Leipziger Buchmesse steht oder wie für Neo Rauch eine Einzelausstellung im New Yorker Metropolitan Museum of Art, das können wir natürlich nicht versprechen. Aber dass Leipzig und seine einzigartige Lebensqualität Sie inspirieren werden, das können wir versprechen. Denn das ist Leipziger Freiheit.

10. und 11. November „Wir drehen am Rad“

bis 23. November „bartnig132“

ab 24. November „Kunsthandwerk aus Mitteldeutschland“

Am Wochenende der Graphik: die Technik der Kaltnadelradierung kennenlernen und an Körnigs Presse drucken. Dresden (www.koernigreich.org)

Werke von Horst Bartnig, einer der bedeutendsten Vertreter konkreter Kunst in Deutschland. Magdeburg (www.forum-gestaltung.de)

Sonderausstellung bis 10. Februar 2013, Kunsthandwerkermarkt am 8./9. Dezember 2012. Merseburg, Schloss (www.saalekreis.de)

05. Oktober bis 4. November „MIKADO. Zerstreutes aus der Zeichenwelt“ Thomas Rugs Zeichnungen entziehen sich ihrer Festlegung, wie etwas, das man nur im Augenwinkel sah. Strich und Punktierung verbinden sich zu Bildräumen. Halle (Saale), Neuwerk 11 www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de

bis 21. Oktober „Gulag. Spuren und Zeugnisse 1929–1956“ Die Wanderausstellung präsentiert erstmals in Deutschland Relikte und Dokumente zur Geschichte der sowjetischen Straf- und Zwangsarbeitslager. Weimar, Klassik-Stiftung Weimar www.ausstellung-gulag.org.

10. November „Schlösser und Städte“ Die Austellung wird 14 Uhr eröffnet und zeigt bis 2013 das Gothaer Land in alten Fotografien im Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde. Gotha, Museum für Volkskunde www.stiftung-friedenstein.de

bis 07. Oktober „Gudrun Kemsa: Urban Stage“ Ein besonderes Highlight bietet die Finissage am 7. Oktober um 16.30 Uhr im Kunstmuseum. Ahlen, Kunstmuseum www.kunstmuseum-ahlen.de

bis 28. Oktober „Schloss Friedenstein − Gotha erzählt“ Objekte der Sammlung des Schlosses und Fundstücke stehen hier in einem märchenhaften Zusammenhang. Gotha, Schloss Friedenstein www.stiftung-friedenstein.de

bis 11. November „Ernst Barlach, Käthe Kollwitz und Otto Pankok“ Die Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich die geistigen Positionen der drei Künstler sind. Halle (Saale), Kunstverein Talstrasse e.V. www.kunstverein-talstrasse.de

07. Oktober bis 20. Januar 2013 „Leben mit Pop“ Die Ausstellung präsentiert die unterschiedlichsten Entwicklungen in der Grafiken der 60er Jahre. Leipzig, Museum der bildenden Künste www.mdbk.de

26. bis 28. Oktober „Designers´Open“ Zu 8. Mal werden die neuesten Trends aus Mode-, Produkt- und Industriedesign präsentiert. Leipzig, Campusgelände Universität Leipzig www.designersopen.de

bis 25. November „Alexej von Jawlensky“ Mit seinem Stil durch Formen und der Farbigkeit bildete er bedeutende Grundlagen für die Kunst unserer Zeit. Jena, Kunstsammlung www.museen.jena.de

17. Oktober bis 27.Januar 2013 „Gangster, Gauner und Ganoven“ Die Ausstellung mit Tatortfotos belegt die Bedeutung der Fotografie bei der Dokumentation von Straftaten. Leipzig, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de

bis 27. Oktober „Phantasmagorien“ Eine Ausstellung anlässlich des 110. Geburtstages in Zusammenarbeit mit der Woldemar-Winkler-Stiftung. Dresden, Galerie Mitte www.galerie-mitte.de

bis 09. Dezember „Otto der Große und das Römische Reich“ Eine tausendjährige Geschichte des Kaisertums in Europa anhand von prachtvollen Kostbarkeiten. Magdeburg, Kulturhistorisches Museum www.khm-magdeburg.de

19. Oktober „Landschaftsbilder“ 19.30 Uhr beginnt die Finissage der Ausstellung begleitet von einem Konzert und einer Lesung. Pirna, Galerie am Plan www.galerie-am-plan.de

29. Oktober bis 04. November „DOK Leipzig “ Unter dem Motto ‚The HeArt of Documentary‘ startet das 55. Festival für Dokumentar- und Animationsfilm. Leipzig, diverse Veranstaltungsorte www.dok-leipzig.de

bis 09. Dezember „Traugott Leberecht Pochmann“ Eine Sonderausstellung zum 250. Geburtstag des Dresdner Malers Traugott Leberecht Pochmann. Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden www.skd.museum.de

Sie haben Lust auf Leipzig bekommen? Wir haben das Angebot: bunte Spinnerei, hohe Kultur, kleine Kunstbühnen, spannende Architektur, quirlige City. Leistungen: 2 Ü/F in einem 4-Sterne City-Hotel, „Leipzig kompakt“-Sightseeing Tour (2,5 h) ab 129,00 I p. P. im DZ · EZ-Zuschlag ab 35,00 F Gültigkeit: ganzjährig, vorbehaltlich der Verfügbarkeit Anmeldeschluss: vier Wochen vor Anreise

weitere Informationen: www.leipzig.travel

Bildende Kunst

D S  N Werner Tübkes Monumentalgemälde – 14 Meter hoch und 123 Meter im Umfang Ein Bilddom der Superlative.

© VG Bild-Kunst Bonn, 2012

Panorama Museum, Am Schlachtberg 9, 06567 Bad Frankenhausen, Tel: 034671/6190, www.panorama-museum.de, April bis Oktober 10 - 18 Uhr, ab November 10 - 17 Uhr (Di bis So) Bildnachweis: Koernigreich, Diasec; Forum Gestaltung; Stefan Passig


Wussten Sie, ... Über ein hohes Gebäude, erweiterte Mieterrechte in einer Wohnoase und englische Gartenkunst …

… dass Leipzig das höchste Rathaus Deutschlands besitzt? „MORS CERTA - HORA INCERTA“ – „Der Tod ist sicher, die Stunde ungewiss“ ist an der Uhr des Neuen Rathauses in Leipzig zu lesen. Imposante Worte für ein ebenso imposantes Bauwerk. 114,7 Meter Höhe misst der Turm des nach Plänen von Hugo Licht im Historismus gebauten und 1905 der Öffentlichkeit übergebenen Gebäudes. Lichts Entwurf gewann den damaligen landesweit ausgeschriebenen Wettbewerb und somit entstand das höchste Rathausgebäude Deutschlands. Mit 10.000 m² Nutzfläche zählt es sogar zu den größten Rathausbauten weltweit. Eine Vielzahl plastischer Details an der Fassade thematisiert Bezüge zur Stadt, und auch das Innere des Rathauses beinhaltet zahlreiche, nicht nur architektonische Besonderheiten. So ist beispielsweise immer noch ein Paternosteraufzug in Betrieb, dessen Nutzung allerdings nur dem Personal gestattet ist.

Impressum: 8. Jahrgang, Ausgabe 30. ISSN 1614-2837 Hauptredaktionsschluss: 24. September 2012 Anzeigenschluss: 26. September 2012 Erscheinungstermin: 5. Oktober 2012 Herausgeber: REGJO – Das Magazin Magazinverlag Mitteldeutschland GmbH Moschelesstraße 7, Steche-Haus, 04109 Leipzig Telefon: (03 41) 975 60 39, Telefax: (03 41) 974 72 58 REGJO ist eine eingetragene Marke (39867052) der REGJO – Magazin Verlag Mitteldeutschland GmbH www.regjo-leipzighalle.de, info@regjo-leipzighalle.de Redaktionsleitung: Franziska Reif, Tobias Prüwer Ressortleitung: Bastian Salier (Regionale Wirtschaft), Tobias Prüwer & Franziska Reif (Titelthema), Carolin Modes & Esther Niebel (Kultur), Martin Jendrischik (Energie/Umwelt) Autoren: Tobias Prüwer (TP), Dörthe Gromes (DG), Janet Schönfeld, Kai Bieler, Daniel Tieg, Katharina Hölker, Carolin Modes (CM), Esther Niebel (EN), Franziska Reif, Martin Jendrischik (MJ), Bastian Salier (IER), Peter Krischunas, Sergey Frank, Anett Commichau (AC), Katja Schmal, Prof. Anette Ehlers, Dr. Zita Ágota Pataki, Benedikt Kahlstadt, Claus-Peter Paulus, Giorgos Kalaitzis, Andreas Stötzner, Dr. Elke Leinhoß, Steffen Georgi Übersetzungen: Inter.Connect Sprachen (Leipzig, Eisenach), Sarah Sump Art Direction & Layout: Christine Friedrich-Leye Lektorat: Franziska Reif

… dass die „Grüne Zitadelle von Magdeburg“ Hundertwassers letztes fertig konzipiertes Bauwerk war? Zahlreiche Bäume wurzeln auf dem Dach des Mietshauses, einen Springbrunnen gibt es im Hof, goldene Kugeln ragen in den Himmel. 2005 wurde die „Grüne Zitadelle“ fertiggestellt. Hundertwasser, 1928 in Wien geboren, erlebte es nicht mehr – er starb 2000. Davor prognostizierte er jedoch: „Das wird mein schönster und bester Bau.“ Mit integrierter Landschaft in das Gebäude glaubte er, der Natur „geraubte Fläche“ zurückzugeben. Der Künstler lebte so extravagant wie es seine Arbeiten waren. Er verbrachte Jahre auf seinem Boot „Regentag“, sorgte mit den sogenannten „Nacktreden“ für Skandale und propagierte das „Fensterrecht“. Dieses gestattet einem Mieter, dass, wenn er sich aus dem Fenster lehnt, er alles was er mit Arm und Pinsel erreicht, individuell gestalten darf. In der „Grünen Zitadelle“ machte aber bisher noch niemand davon Gebrauch. … dass sich in Gotha einer der ältesten Englischen Gärten auf dem europäischen Festland befindet? Angeregt durch Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg entstand ab 1769 südlich von Schloss Friedenstein in Gotha einer der ersten Englischen Gärten außerhalb der britischen Insel. Dafür engagierte man einen Gartenkünstler aus England. Nordamerikanische Gehölze wurden verwendet, Stieleichen gepflanzt, ein dorischer Tempel zu Ehren Merkurs errichtet. Obwohl Englische Gärten meist in direktem Bezug zur umgebenden Landschaft stehen, war die Anlage in Gotha ursprünglich von einer Mauer umgeben, die erst im 19. Jh. beseitigt wurde. Die Begräbnisinsel im Großen Parkteich ist eine Besonderheit des Englischen Gartens in Gotha. Bis 1848 wurden hier Mitglieder des Hauses Sachsen-Gotha-Altenburg bestattet. Eigens zur Schaffung eines melancholischen Charakters pflanzte man dort Trauerweiden, Hängebirken, Tannen und Zypressen.

Bildnachweis: Rathaus: Andreas Schmidt / Grüne Zitadelle: Mea Maim Touristik Knobbe-Berlt & Berlt GbR. / Englischer Garten Gotha: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Fotografie: Norman Rembarz, Sebastian Willnow, Christian Hüller, Peggy Urbanczyk, Martin Claassen, Wolfgang Zeyen, Jost, Marco Warmuth, Joscha Steffens, Rony Anders Titelfoto: Bernd Nörig Layout- und Verlagsassistenz: Franziska Krüger Geschäftsleitung und Herausgeber: Claus-Peter Paulus (V.i.S.d.P.) Leitung Marketing: Giorgos Kalaitzis Distribution/Marketing: Daniel Tieg Verlagspraktikantin: Nicole Linares Ramon Erscheinungsweise: Quartalsweise Druck: LÖHNERT-DRUCK Handelsstraße 12, 04420 Markranstädt Geprüfte Auflagen und Verbreitung: Der Verlag unterliegt mit der Auflage und Verbreitung des REGJO Magazins (das Wirtschafts- und Kulturmagazin für Mitteldeutschland) der Kontrolle zur Feststellung von Werbeträgern. REGJO – Das Magazin für Mitteldeutschland ist Gewinner des Silber-Award im Wettbewerb um den BCP (Best of Corporate Publishing) 2010 in der Kategorie B2B Medien/ Entertainment/Kultur. Weitere Infos zum Award und den diesjährigen Preisträgern erhalten Sie unter: www.bcp-award.de Partner des Verlages:

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In Leipzig entstehen große Gefühle. Weil klassische Töne auf modernen Sound treffen. Als Global Partner des Gewandhausorchesters Leipzig freut sich Porsche auf die Gewandhaus-Saison 2012/13.

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km) innerorts 16,1–14,8 · außerorts 8,5–8,0 · kombiniert 10,9–10,7; CO2-Emissionen 256–251 g/km

REGJO 03/2012  

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