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2017 JAHRESBERICHT

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2017 war das Jahr des Reformationsjubiläums. 1517 hat Martin Luther in Wittenberg mit seinen 95 Thesen gegen den Ablass eine kirchliche Reformbewegung ausgelöst, die sich in kurzer Zeit über Europa und weite Teile der Welt ausbreitete. Die reformierten Schweizer Kirchen haben dieses Jubiläum mit vielen gemeinsamen Anlässen und mit der Betonung auf ökumenischer Freundschaft und Versöhnung gefeiert. So widmet sich auch der Jahresbericht 2017 der Reformierten Landeskirche Aargau dem Reformationsjubiläum. Er stellt die Botschaft und die Anliegen der Reformation sowie ihre Bedeutung für die heutige Gesellschaft in den Mittelpunkt. Die nach wie vor aktuelle Bedeutung für den einzelnen Menschen und für die Reformierten Titelbild: Der Jodlergottesdienst am 10. September 2017 in der Stadtkirche Zofingen war die Uraufführung der volksmusikalischen Aargauer Jubiläumsliturgie und wurde vom Fernsehen SRF übertragen. In der Bildmitte: Pfr. Lukas Stuck. Foto: Mark Wyss

haben die Schweizer Kirchen in dem Slogan «Quer denken – frei handeln – neu glauben» zusammengefasst. Die Reformation hat sich in allen Lebensbereichen, im Denken, im Leben und im Glauben ausgewirkt und den Kirchen ein neues Selbstverständnis gegeben. Reformation hört nie auf, und sie setzt sich zu jeder Zeit mit den wesentlichen Herausforderungen und Chancen des Kirche-Seins auseinander. Der vorliegende Jahresbericht wirft ein Schlaglicht auf das Leben und die Aktivitäten der Reformierten Landeskirche Aargau im Jubiläumsjahr. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Christoph Weber-Berg, Präsident des Kirchenrats


INHALT EINLEITUNG

PÄDAGOGISCHES HANDELN

4 Die Reformation vor 500 Jahren und heute 

20 Den Glauben verantwortungsvoll vermitteln

JUBILÄUM 500 JAHRE REFORMATION

22 Konvent der Katechetinnen und Katecheten gegründet

7 Auf den Spuren der Reformation im Aargau

22 PACE – Schritt für Schritt Jugendliche für Leitungsaufgaben ausbilden

8 Vier Fernsehgottesdienste mit den Aargauer Jubiläumsliturgien

23 «ReformAction» - Jugendfestival zum Reformationsjubiläum in Genf

9 Das Motto des Reformationsjubiläums in Bildern

DIAKONIE 11 Kontroverse Diskussion und fröhliche Begegnungen 13 Wohn- und Arbeitsplätze für Frauen mit besonderen Betreuungsbedürfnissen 14 Wegbegleitung: Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenssituationen 14 Weitere soziale Institutionen

SYNODE 24 Unsere Vision für eine lebendige Kirche 26 Zusammenfassung der Beschlüsse und Geschäfte 27 Gottvertrauen oder Organisationsentwicklung?

KIRCHENRAT UND LANDESKIRCHLICHE DIENSTE 28 Zusammen wirken – gemeinsam auftreten 30 Gerechtere Verteilung der Mittel

SEELSORGE 15 Seelsorge für beeindruckende Menschen 18 Ein Rekordjahr für Palliative Care und Begleitung 19 Die überregionale reformierte Seelsorge im Aargau

KIRCHGEMEINDEN 31 Strategien für starke und vitale Kirchgemeinden 32 Die neue Online-Hilfe für Kirchgemeinden

STATISTIKEN UND ZAHLEN 33 Ein- und Austritte 2017 34 Kirchliche Handlungen 2017 34 Organigramm Landeskirchliche Dienste 35 Mitarbeitende in ordinierten Diensten

Impressum  Herausgeber: Kirchenrat der Reformierten Landeskirche Aargau | Konzeption und Redaktion: Frank Worbs, Leiter Kommunikation | Gestaltung und Layout: interpunkt.ag suhr | Wo nichts anderes vermerkt ist, sind die Fotos zur Verfügung gestellt worden | Druck: Kasimir Meyer AG, Wohlen


EINFÜHRUNG

DIE REFORMATION VOR 500 JAHREN UND HEUTE »

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Fakten

  166 555 Mitglieder Zusammen mit der Römisch-katholischen Kirche die mitgliederstärkste Organisation im Kanton Aargau

  75 Kirchgemeinden mit über 200 ordinierten und ca. 500 weiteren Angestellten sowie über 400 ehrenamtlich tätigen Personen

3000 Freiwillige

engagieren sich punktuell oder regelmässig in den Kirchgemeinden

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Abschlussgottesdienst des Jugendfestivals ReformAction am 5. November in der Kathedrale St. Pierre in Genf, an dem auch über 300 Jugendliche aus dem Aargau teilgenommen haben.

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EINFÜHRUNG

Festgottesdienst zum Reformationssonntag am 5. November in der Stadtkirche Aarau.

Kirchenratspräsidium Das Jahr 2017 stand auch für die Reformierte Landeskirche Aargau wesentlich unter dem Zeichen des international gefeierten Reformationsjubiläums. Festlicher Höhepunkt vieler dezentraler Jubiläumsanlässe und -projekte war der Gottesdienst zum Reformationssonntag am 5. November 2017 in der Stadtkirche Aarau. Unter den Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmern waren zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus den Schwesterkirchen, aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Regierungsrat war durch Landstatthalter Alex Hürzeler vertreten. Das Jubiläum wurde in der Schweiz und international im ökumenischen Geist gefeiert. So sollte es auch sein, denn die Feier der Reformation sollte keinesfalls als konfessionelle Nabelschau missverstanden werden. Vielmehr wurde die Erinnerung an den kirchlichen Aufbruch vor 500 Jahren als Einladung verstanden, sich mit dem Kirche-Sein heute auseinanderzusetzen und sich zu fragen, was es bedeutet, in der Sprache der heutigen Menschen zu beten und zu feiern und die Kirche stets aus dem Geist des Evangeliums heraus zu erneuern. In diesem Sinn ist die Feier der Reformation nach 2017 alles andere als abgeschlossen. Im Gegenteil: Eine lebendige reformierte Kirche ist von ihrem Wesen her auf Reformen angelegt – inhaltlich und strukturell.

Botschaft und Struktur Inhalt und Struktur der Kirche lassen sich nie vollständig trennen. Die Kirche ist ein lebendiges geistliches Geschehen, das natürlich auch eine von aussen sichtbare Form annimmt und sich damit als von Menschen gestaltete Organisation zeigt. Dennoch ist es wichtig, diese beiden Aspekte des Kirche-Seins immer wieder differenziert in den Blick zu nehmen und nicht der Illusion zu verfallen, eine strukturell und finanziell gut aufgestellte Kirche sei auch gleichzeitig eine lebendige Kirche im Geist des Evangeliums von Jesus Christus. Umgekehrt ermöglichen die Organisation und die Finanzen von Kirchgemeinden und Landeskirche einen Grossteil der inhaltlichen Arbeit. Die inhaltliche Reformation der Kirche strebt danach, die evangelische Botschaft in unserer Zeit glaubwürdig, berührend und bewegend zu bezeugen. Das ist in einer sich rasch verändernden Zeit und Gesellschaft eine nicht geringe Herausforderung, weil die Geschichte von der Versöhnung der Menschen mit Gott, den Mitmenschen und mit sich selbst eigentlich eine unglaubliche Geschichte ist: Die Realität der Welt legt es uns scheinbar viel näher, dass Gott entweder mit der Welt unversöhnt oder gar abwesend, inexistent ist. Sie legt es scheinbar viel näher, dass unter den Menschen nichts als Konkurrenz und Wettbewerb herrschen und dass letztlich jede und jeder selbst schauen muss, wie er oder sie im Leben zurechtkommt.

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SEK

EINFÜHRUNG

Projektion im Berner Münster zum Auftakt des Gottesdienstes und Festakts zum Reformationsjubiläum am 18. Juni.

Die Licht- und Tonshow «Rendez-vous Bundesplatz» brachte im Oktober und November 2017 Ereignisse und Anliegen der Reformation unter dem Titel «Reset» auf die Fassade des Bundeshauses in Bern. 440‘000 Menschen haben das Spektakel verfolgt.

Mit seinem Leben und den Anderen versöhnt Die christliche Botschaft steht diesem Realismus entgegen. Glaubende erleben, was es heisst, von Gott angenommen zu sein. Sie erleben, was es heisst, mit anderen Menschen echte Gemeinschaft zu erfahren, und sie erleben, was es heisst, sich mit sich und seinem Leben zu versöhnen. Das macht die christliche Botschaft glaubwürdig. Genau deshalb berührt sie und bewegt sie Menschen dazu, miteinander Kirche zu sein. Die inhaltliche Reformation der Kirche kann nie stehen bleiben, sonst nimmt der so genannte Realismus überhand, und die unglaubliche Geschichte von Gott und den Menschen wirkt unglaubwürdig. Dann gelingt es nicht mehr, Kirche zu sein. Damit dies nicht geschieht, muss die Kirche auf der Ebene der Kirchgemeinden wie auch auf der Ebene der Landeskirche gut organisiert sein. Deshalb sind immer auch strukturelle Reformationen der Kirche nötig. Sonst reiben sich Menschen, die

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mit viel gutem Willen in die berufliche oder ehrenamtliche Arbeit in der Kirche einsteigen, in unpassenden und trägen Strukturen auf und geraten miteinander in kaum mehr lösbare Konflikte. Die strukturellen Reformationen der Kirche sollen Räume – im wörtlichen und im übertragenen Sinn –schaffen, in denen das Kirche-Sein inhaltlich erlebt werden kann. Christoph Weber-Berg, Präsident des Kirchenrats

Glaubende erleben, was es heisst, von Gott angenommen zu sein, mit anderen Menschen echte Gemeinschaft zu erfahren und sich mit sich und seinem Leben zu versöhnen.


JUBILÄUM 500 JAHRE REFORMATION

AUF DEN SPUREN DER REFORMATION »

Mark Wyss

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Fernsehgottesdienst in der Stadtkirche Zofingen am 10. September mit der Aargauer Jodelliturgie, aufgeführt vom Jodlerklub Edelweiss Zofingen unter Leitung von Anita Steiner-Aregger und dem Wäberchörli Bern unter Leitung von Peter Künzi, dem Komponisten des Werkes.

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JUBILÄUM 500 JAHRE REFORMATION

Vier Fernsehgottesdienste mit den Aargauer Jubiläumsliturgien Im Januar 2017 sind unter dem Titel «Aargauer Jubiläumsliturgie» zu drei neu vertonten Abendmahlsliturgien (Jodel-Gottesdienst, Pop-Gottesdienst, klassischer Gottesdienst) und einem Weihnachtsspiel Texthefte und Partituren im Theologischen Verlag Zürich erschienen. Die vertonte Liturgie ist ein Geschenk der Aargauer Landeskirche an die reformierten Kirchen der Schweiz zum Jubiläum 500 Jahre Reformation. Die Liturgien können in allen Kirchgemeinden frei eingesetzt und von verschiedenen Chören begleitet werden. Das Schweizer Fernsehen hat 2017 vier Gottesdienste mit den drei verschiedenen Verto-

nungen der Aargauer Jubiläumsliturgie und dem Weihnachtsspiel ausgestrahlt: am 22. Januar den Gottesdienst mit Popularmusik aus St. Gallen, am Ostersonntag, 16. April, die klassische Liturgie aus der Stadtkirche Zofingen, am 10. September den Jodlergottesdienst ebenfalls aus Zofingen und am 24. Dezember das Krippenspiel von Andrew Bond aus der Stadtkirche Aarau. Am selben Abend wurde im Fernsehen auch die Christnachtfeier mit der Predigt von Kirchenratspräsident Pfr.  Christoph Weber-Berg aus der Stadtkirche Aarau übertragen.

«Weg der Reformation im Aargau» und Dokumentation der 90 reformierten Kirchen erwachsen ist. Die von fünf kunsthistorisch versierten Autorinnen und Autoren erarbeitete Dokumentation von 90 Kirchen auf der Website www.ref-kirchen-ag.ch wurde Ende 2017 nach vier Jahren Arbeit abgeschlossen.

interpunkt

Am 19. September wurde im Rahmen des Reformationsjubiläums in Reinach, der ersten rein reformierten Kirche im Aargau, der «Weg der Reformation im Aargau» mit einem Referat von Prof. Emidio Campi feierlich eröffnet. Der thematische Weg wurde zusammen mit dem Historiker Markus Widmer-Dean entwickelt und führt zu acht Kirchen, die für die Entwicklung der Reformation im Aargau eine besondere Bedeutung haben. Die Kirchen sollen die Ereignisse und wichtige Fragen der Reformationszeit erlebbar und anschaulich machen. Der Weg führt von Reinach über Beispiele der neuen reformierten Kirchenarchitektur in Erlinsbach und Gränichen zu ehemals katholischen Kirchen und Wirkungsorten wichtiger Persönlichkeiten in Aarau, Suhr und Zofingen. Er führt aber auch zu den Spuren des reformierten Bildersturms in kulturell wertvollen Kirchen wie Unterkulm und Windisch. Der «Weg der Reformation im Aargau» ist bereits das dritte Wegprojekt (neben dem «Hugenottenweg» 2013 und dem «Felix Hoffmann-Weg» 2014), das aus der Online-Dokumentation «Reformierte Kirchen im Aargau»

8 Die acht Kirchen auf dem «Weg der Reformation im Aargau»: Aarau, Erlinsbach, Gränichen, Kulm, Reinach, Suhr, Windisch, Zofingen.(Illustration: Christoph Zimmermann)


Frank Worbs

links: Vorbereitungen zur Reformationskampagne am «Haus der Reformierten» in Aarau.    rechts: Das Sujet der Öffentlichkeitskampagne zum Thema «neu glauben».

Quer denken – frei handeln – neu glauben: Öffentlichkeitskampagne zum Motto des Reformationsjubiläums

Vier verschiedene Plakatsujets zu den drei Teilen des Mottos und zur Taufe wurden im Aargau auf kommerziellen Plakatstellen und von den Kirchgemeinden aufgehängt. Neben den Plakaten wurden Postkarten, Taschen, Tischsets und Streichhölzer eingesetzt. Einige Kirchgemeinden haben zusätzlich spezielle Materialien wie Beachflags, Fassadenbanner, Schreiber und

Leuchtstreifen bestellt. Am 31. Oktober, dem eigentlichen Reformationstag, fand eine Verteilaktion im morgendlichen Pendlerverkehr an zwölf Bahnhöfen im Aargau statt. Verteilt wurde das Social Media-Icon «I-like-it» in Gestalt einer Guetzli-Ausstechform zusammen mit einer Postkarte, die diese Aktion erklärt.

Simon Wälchli

Über das Jubiläum 500 Jahre Reformation haben die reformierten Kirchen der Schweiz ein zentrales Motto gestellt, das den Ursprung und das Wesen der Reformierten in wenige Worte fasst: quer denken – frei handeln – neu glauben. Im Oktober und November 2017 haben sie zu diesem Motto eine mehrsprachige nationale Öffentlichkeitskampagne durchgeführt, die das Jubiläum einer breiteren Bevölkerung bekannt machen und auch distanzierten Kirchenmitgliedern erklären sollte.

Verteilaktion zum Reformationsjubiläum am 31. Oktober in Gebenstorf.

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JUBILÄUM 500 JAHRE REFORMATION

«Schlaflos brennen die Wörter» Schriftstellerinnen und Schriftsteller schreiben über die Reformation Auf der Grundlage von historischen Quellen und 24 historischen Geschichten aus dem Aargau des 16. Jahrhunderts haben 14 namhafte Autorinnen und Autoren auf Anfrage der Landeskirche 2017 eigene Texte über die Ereignisse der Reformation im Aargau und ihre Wirkungen bis in die heutige Zeit verfasst: Sibylle Ciarloni, Martin R. Dean, Max Dohner, Urs Faes, Markus Kirchhofer, Ulrich Knellwolf, Jörg Meier, Klaus Merz, Michel Mettler, Hansjörg Schertenleib, Barbara Schibli, Margrit Schriber, Bettina Spoerri und Claudia Storz. Sie haben Menschen und Schicksale im von der Reformation aufgewühlten Aargau in eigenen Texten und unterschiedlichen literarischen Stilen verarbeitet. Ihre Geschichten und Gedichte sind fiktiv oder historisch belegt, spielen in der Vergangen-

heit oder Gegenwart oder sogar in der Zukunft. Sie zeichnen sensibel und treffsicher die grossen Fragen nach dem neuen Gott in den kleinen Leuten und die Nachwirkungen bis in die heutige Zeit nach. Das Buch erscheint in Zusammenarbeit mit dem Aargauer Literaturhaus unter dem Titel «Schlaflos brennen die Wörter» im April 2018 im Theologischen Verlag Zürich.

der zweifel pendelt zwischen labor und leben wo sucht die kirche ihr heil? (Markus Kirchhofer)

Reformationsgottesdienst in Aarau: Versöhnt mit dem Grundwert der Freiheit

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der Aufklärung und der Demokratie wieder Einzug gehalten. «Heute stehen die Landeskirchen zu den freiheitlichen Grundwerten der Aufklärung und der Demokratie, die der Schweiz seit über 150 Jahren Glaubensfreiheit und religiösen Frieden sichern», betonte Weber-Berg. Das bestätigten auch Alex Hürzeler und Luc Humbel in ihren Grussworten im Liturgieheft des Gottesdienstes. Festgottesdienst zum Reformationssonntag am 5. November in der Stadtkirche Aarau. Frank Worbs

Am 5. November, dem Reformationssonntag, hat die Aargauer Landeskirche die Reformation vor 500 Jahren im ökumenischen Geist und mit Gästen aus Politik und Gesellschaft, aus den Schwesterkirchen und aus anderen Religionen gefeiert. Neben den über 80 Gottesdiensten in den Aargauer Kirchgemeinden fand in der vollbesetzten Stadtkirche Aarau ein kantonaler Gottesdienst mit geladenen Gästen statt, darunter Regierungsrat Alex Hürzeler und der römisch-katholische Kirchenratspräsident Luc Humbel. Der reformierte Kirchenratspräsident Christoph Weber -Berg ging in seiner Predigt auf den christlichen und reformatorischen Grundwert der Freiheit des Menschen durch den befreienden Glauben ein. Allerdings habe der christliche Grundwert der Freiheit in einer Kirche, die die Menschen in den letzten Jahrhunderten oft in Abhängigkeit gehalten habe, erst durch die Versöhnung mit den Werten


DIAKONIE

KONTROVERSE DISKUSSION UND FRÖHLICHE BEGEGNUNGEN  »

Werner Rolli

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Einer der vielen Stände vor der Stadtkirche Zofingen am kantonalen Flüchtlingstag am 17.  Juni.

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DIAKONIE

Kantonaler Anlass zum Flüchtlingstag in Zofingen

Layla Ibrahim, die syrisches Essen auf dem Platz vor der Kirche anbot, brachte den Sinn der Veranstaltungen auf den Punkt: «An den Flüchtlingstagen geht es darum, Kultur zu teilen: Essen, Musik, Wissen, Fähigkeiten. Jedes Volk hat etwas Besonderes zu bieten. Der gegenseitige Austausch bringt eine lebendige Gesellschaft.»

An den Flüchtlingstagen geht es darum, Kultur zu teilen. Jedes Volk hat etwas Besonderes zu bieten.

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App «I-Need» neu auch im Aargau In Zofingen wurde die neue App «I-need», speziell für Flüchtlinge in der Schweiz, vorgestellt. Mithilfe der App, die in vielen verschiedenen Sprachen verfügbar ist, oder auf der Website www.i-need.ch können Geflüchtete, Bedürftige und Personen, die sie betreuen, auf einfache Weise wichtige Informationen erhalten. Die Inhalte und Angebote werden von Institutionen wie Anlaufstelle Integration Aargau, HEKS und Caritas, Kirchgemeinden und Pfarreien eingegeben. Viel Musik und fröhliche Stimmung Die Musikgruppe «Claudia Masika und Band» sowie der Chor «Njoy2sing» verbreiteten auf dem Kirchplatz gute Stimmung. Viele liessen sich von den afrikanischen Klängen und Rhythmen anlocken, und einige trauten sich mitzutanzen. Kulinarisches aus Tibet, Eritrea, Südamerika und Syrien wurde mit Genuss verzehrt.

Die Musikgruppe «Claudia Masika und Band» bringt das Publikum auf dem Kirchplatz in Zofingen in Stimmung.

Werner Rolli

Am 17. Juni 2017 erfreute sich der kantonale Anlass zum nationalen Flüchtlingstag in der Stadtkirche und im Stadtzentrum von Zofingen eines grossen Publikumsinteresses. An der Podiumsdiskussion in der Stadtkirche über politische und praktische Fragen der Integration von Flüchtlingen mit Personen aus lokaler und nationaler Politik, aus den Kirchen und Hilfswerken und einer Flüchtlingsfrau wurden unterschiedliche Meinungen zur Integration deutlich. Auf den Plätzen und Strassen von Zofingen, an den Ständen mit kulinarischen und Informationsangeboten dominierte hingegen eine herzliche und fröhliche Stimmung. Die verschiedenen Anlässe unter dem Motto «Miteinander» wurden von lokalen Kirchgemeinden und Vereinen und der Stadtbibliothek und der Ludothek Zofingen in Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau, den Aargauer Landeskirchen, den Hilfswerken Caritas Aargau und HEKS Aargau-Solothurn und dem Netzwerk Asyl Aargau organisiert.


Das Fussballspiel am Samstagnachmittag zwischen Zofingen United und dem FC Grossrat Aargau, verstärkt durch Spieler aus der Region, endete nach einem schnellen, kampfbetonten Match mit 6:4 zu Gunsten des Zofinger Clubs mit jungen Männern aus vielen verschiedenen Nationen. «Fussball ist die grösste Integrationsmaschine weltweit», sagte André Rotzetter, der für den Grossrat spielte.

Heimleiterin Barbara Vontobel im neuen «ChinderRych», einer Abteilung des «WärchRych» in der Altstadt von Brugg, das vom Heimgarten Brugg betrieben wird.

Heimgärten in Aarau und Brugg: Wohn- und Arbeitsplätze für Frauen mit besonderen Betreuungsbedürfnissen Die beiden Heimgärten in Aarau und in Brugg stellen die Leuchttürme der praktischen diakonischen Arbeit der Reformierten Landeskirche Aargau dar. Seit mehreren Jahrzehnten stellt die Landeskirche für rund 60 Frauen mit besonderen Betreuungsbedürfnissen Wohn- und Arbeitsplätze zur Verfügung. Die Verkaufslokale Wärchrych in Brugg und Schickeria in Aarau erfreuen sich sowohl bei der Kundschaft als auch bei den Bewohnerinnen grosser Beliebtheit. Selbst hergestellte Produkte und Secondhand-Artikel werden hier mit viel Liebe und Leidenschaft angeboten. 2017 haben viele traditionelle, aber auch neue Aktivitäten – von der Kinderkleiderbörse in Brugg bis zum exklusiven Modeapéro in Aarau – das Leben der Bewohnerinnen spannend und abwechslungsreich gestaltet. Beide Häuser waren praktisch während des ganzen Jahres voll ausgelastet. Die jährlich durch externe Fachleute durchgeführten Qualitäts-Audits bestätigten den beiden Häusern eine vorzügliche Führung und eine zweckmässige Aufbau- und Ablauforganisation. Die Liegenschaften der beiden Heimgärten sind Eigentum der Landeskirche. Schrittweise werden die beiden Liegenschaften renoviert und erneuert. In den kommenden Jahren müssen die beiden Küchen saniert werden. zVg

An einem Stand mit Backwaren fanden liebevoll dekorierte Köstlichkeiten und der nach einer eritreischen Zeremonie frisch gebraute Kaffee guten Absatz, während Interessierte sich an den Ständen der Hilfswerke und beim Kanton über deren Angebote informieren konnten. Eine Ausstellung von Caritas Aargau veranschaulichte mit Hilfe von Weizenkörnern den Anteil von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen an der gesamten aargauischen Wohnbevölkerung.

Annegret Ruoff

DIAKONIE

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DIAKONIE

Wegbegleitung: Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenssituationen Im ökumenischen Projekt Wegbegleitung bieten Aargauer Kirchgemeinden und Pfarreien Menschen in schwierigen Lebenssituationen kostenlos Hilfe zur Selbsthilfe an. Ca. 140 ausgebildete Freiwillige unterstützten 2017 in elf Kirchgemeinden und katholischen Pfarreien 186 Menschen. Wegbegleitung strebt die Selbständigkeit der begleiteten Person an. Das Ziel wird gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten erarbeitet und in einer Einsatzvereinbarung festgehalten. In den folgenden Themenfeldern wurden Menschen begleitet: Administration und Ämter (Armut/Schulden): 35 Personen, Arbeit: 18, Einsamkeit: 27, Gesundheit: 30, Sprachförderung: 7, Wohnen: 41, anderes: 28. Alle Begleitungen wurden kostenlos angeboten. 96 der 186 Begleitungen betrafen Schweizerinnen und Schweizer. 126 Frauen und 60 Männer nahmen Wegbegleitung in Anspruch. Wohnen ist das wichtigste Thema 41 Begleitungen gab es zum Thema Wohnen. Dabei werden Menschen mehrheitlich bei der Wohnungssuche unterstützt: ein Suchabonnement einrichten, Inserate prüfen und Wohnungen besichtigen. Nicht alle Anfragenden wissen zum Beispiel, dass man sich in der Schweiz für eine Wohnung

Fakten zur Begleitung

41 Personen Thema Wohnen

  35 Personen Armut/Schulden   27 Personen Einsamkeit  18 Personen Arbeit bewerben muss. Die kürzeste Begleitung fand während einer Woche statt und benötigte gerade einmal eine Stunde freiwilliges Engagement. Die längste dauerte 73 Wochen, in denen 24 Stunden Unterstützung erforderlich waren. Am arbeitsintensivsten war eine Begleitung, die während 32 Wochen 132 Arbeitsstunden erforderte. Sorgfältige Ausbildung und Betreuung Wegbegleiterinnen und -begleiter werden in einem dreiteiligen Einführungskurs auf ihre Tätigkeit vorbereitet und jährlich zu Weiterbildungen und Erfahrungsaustausch eingeladen. Während der Begleitung werden sie durch die Vermittlungsstellen unterstützt. Die Vermittlungsstellen nehmen eingehende Anfragen entgegen und koordinieren die Begleitungen oder leiten die Anfragen an andere geeignete Stellen weiter.

Weitere soziale Institutionen Neben den beiden Heimgärten wurden von der Reformierten Landeskirche Aargau verschiedene soziale Institutionen gegründet oder mitgegründet, die heute selbstständig sind: Stiftung SATIS Wohnheim und Werkstätten (www.satis-seon.ch) Stiftung Schürmatt für Menschen mit Behinderungen (www.schuermatt.ch)

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Kinderheim Brugg (ehemals «Reformiertes Kinderheim») (www.kinderheimbrugg.ch) Klinik für Suchtkranke im Hasel (www.klinikimhasel.ch) Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn (www.stiftung-frauenhaus-ag-so.ch) Schuldenberatung Aargau-Solothurn (www.ag-so.schulden.ch)


SEELSORGE

SEELSORGE FÜR BEEINDRUCKENDE MENSCHEN  »

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Der traditionelle Pfingstgottesdienst für Menschen mit und ohne Behinderungen findet seit 30 Jahren statt, hier am 22. Juni 2017 in der Kirche Königsfelden.

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SEELSORGE

Anna Behr fragt ihren Klienten Linus, ob er gerne malt. Er bejaht grundsätzlich, möchte aber, dass heute die Seelsorgerin zu Papier und Stift greift. Anna Behr zeichnet einen Heissluftballon, setzt einen Mann in den daran hängenden Korb und sagt zu Linus, dass sie diesen Mann im Korb kenne. Linus erkennt in ihm sich selbst. Denn er war schon einmal im Heissluftballon unterwegs. Höher und höher steigt sein Ballon auf der Zeichnung, Linus jauchzt, kommt selber richtig in Fahrt, ist begeistert vom Bild. Schliesslich erhält er es von Anna Behr geschenkt und zeigt es freudestrahlend der Wohngruppe. «Seelsorge bei Menschen mit einer kognitiven Behinderung geht oft alternative Wege. Sie ist gestalterisch, kreativ im Austausch, vielseitig in der Kommunikation», erklärt Pfarrerin Anna Behr. «Das Malgespräch ist nur eine Möglichkeit.» Heikle Themen Die Theologin Anna Behr und die heilpädagogische Katechetin und Sozialpädagogin Sarah Bütler teilen sich die 80 Stellenprozente der Fachstelle für Menschen mit Behinderung der Reformierten Landeskirche Aargau. Das Aufgaben­ spektrum ist breit. Schwerpunkt im Konzept der Fachstelle bildet die aufsuchende Seelsorge und Begegnung. Die Präsenz in den im Aargau ansässigen Institutionen ist unter den römisch-katholischen und reformierten Beauftragten aufgeteilt. Sarah Bütler wirkt in der Stiftung Schloss Biberstein und in der Integra Wohlen, Anna Behr in der arwo Wettingen, Integra Wohlen und in der Stiftung azb Strengelbach. Beide sind zudem in der Schürmatt in Zetzwil tätig. «Einige unserer Klienten haben kaum Bezugspersonen ausserhalb der Institution», stellt Sarah Bütler fest. «Darum sind wir ein wesentlicher Kontakt zur Aussenwelt und wichtiger Bestandteil im Alltagsgeschehen. Entsprechend erfahren wir von Seiten der Institutionen grosse Offenheit und Wertschätzung.» Anna Behr: «Dank dem Seel-

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Carmen Frei

Ein Gespräch mit den beiden Beauftragten für Seelsorge für Menschen mit Behinderungen

Anna Behr (li.) und Sarah Bütler begleiten in der Reformierten Landeskirche Aargau Menschen mit Behinderung z.B. in Gottesdiensten oder im Konfirmationsunterricht.

sorgegeheimnis werden uns auch schwierige Themen anvertraut.» Sarah Bütler: «Zum Beispiel fällt es den Klientinnen und Klienten schwer, Veränderungswünsche auszusprechen. So kann es vorkommen, dass ich jemanden bei einem Austausch mit der Wohngruppenleitung begleite im Sinne von: Du sprichst und ich sitze neben dir, bin einfach da.» Anna Behr: «Für mich war der Besuch des von der Landeskirche angebotenen Kurses ‹Prävention sexueller Ausbeutung› sehr wertvoll, weil wir mit Menschen zu tun haben, die vielen Risikofaktoren für Missbrauch ausgesetzt sind wie Abhängigkeit, Machtgefälle oder Eins-zu eins-Betreuung.» Grosse Erfüllung Anna Behr ist seit Sommer 2016 auf der Fachstelle tätig. «Bei meiner Arbeit treffe ich Menschen, die sehr in der Gegenwart leben. In diesem Punkt kann ich viel lernen», so die 49-Jährige. Die 34-jährige Sarah Bütler ist seit 2012 Beauftragte für Menschen mit Behinde-


SEELSORGE

Der traditionelle Pfingstgottesdienst für Menschen mit und ohne Behinderungen findet seit 30 Jahren statt, hier am 22. Juni 2017 in der Kirche Königsfelden.

rungen. «Ich gebe so viel – ich bekomme enorm viel zurück. Nach jedem Einsatz kehre ich mit erfülltem Herzen heim und freue mich auf die nächste Begegnung.» Gefragte Integrationsbegleitungen Eine Spezialität von Sarah Bütler ist die Integration von Teenagern mit einer Behinderung im kirchlichen Unterricht. Rückblickend auf ein intensives Jahr der Konfirmations-Integrationsbegleitungen mit Engagements in Rupperswil, Möriken, Birr und Fislisbach sagt sie: «Für mich war es spannend, die jungen Menschen auf dem Weg zum kirchlichen Erwachsenwerden zu unterstützen.» Mehr Feiern Zum festen Bestandteil im Jahresprogramm gehören für Sarah Bütler und Anna Behr die gottesdienstlichen Feiern. Sei es bei den kantonalen Anlässen in der Kirche Königsfelden an Pfingsten und am Bettag, sei es bei den

Frühlings- und Herbstfeiern in den Institutionen oder den Adventsfeiern zusammen mit deren Ortskirchgemeinden. Für die Zukunft wünschen sich beide, regelmässiger Feiern in den Institutionen anbieten zu können, denn für viele Betreute ist der Besuch eines Gemeindegottesdienstes zwar ein Bedürfnis, aus Mobilitätsgründen jedoch oft nicht möglich.

Seelsorge bei Menschen mit einer kognitiven Behinderung geht oft alternative Wege. Sie ist gestalterisch, kreativ im Austausch, vielseitig in der Kommunikation.

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SEELSORGE

Ein Rekordjahr für Palliative Care und Begleitung 2017 war für die Aargauer Landeskirchen ein äusserst erfolgreiches Jahr im Bereich Palliative Care und Begleitung. Noch nie gab es so viele Absolventinnen und Absolventen der verschiedenen Aus- und Weiterbildungen. 108 Personen erhielten an der Abschlussfeier im November 2017 im Kultur –v und Kongresshaus Aarau ihr Zertifikat. 2016 waren es 80, im Jahr davor 46. Von den diesjährigen 108 Zertifizierten haben 51 den Basiskurs A2 in Palliative Care absolviert und 52 den darauf aufbauenden Vertiefungskurs B1. Im Einsatz für schwerkranke und sterbende Menschen Inzwischen stehen rund 200 ausgebildete Personen für Einsätze bereit. Das ist ein neuer Höchststand (plus 50). 565 Begleitungen während 7769 Stunden wurden von ihnen geleistet, etwas weniger als vor einem Jahr. Die Nachfrage bleibt aber auf einem hohen Niveau, denn immer mehr Menschen möchten zuhause sterben und benötigen die entsprechende Begleitung. Der Palliative Care-Begleitdienst der Aargauer

Landeskirchen arbeitet seit Jahren eng mit dem «Hospiz Aargau ambulant» und dem «Regionalen Besuchsdienst Reinach» zusammen. Ebenso bestehen gute Kontakte zur PalliativeSpitex Aargau und deren Regionen. Fünffache Premiere In diesem Jahr gab es erstmals fünf Absolventinnen, die den Ausbildungslehrgang B2 erfolgreich abgeschlossen haben. Dies ist das höchste Zertifikat, das im Rahmen der Lehrgänge von Palliative Care und Begleitung erworben werden kann. Es entspricht einem Zertifikatsstudiengang CAS an einer Fachhochschule und wird in Kooperation mit Careum Weiterbildung in Aarau und der Kalaidos Fachhochschule Zürich angeboten. Dieses neue Angebot auf CAS-Niveau zeigt die allgemein hohe Qualität der Ausbildung.

Fakten zu Palliative Care

  565 Begleitungen wurden von der kirchlichen Koordinationsstelle vermittelt 108 Personen erhalten am 29. November im Kultur- und Kongresshaus ihr Zertifikat für die Ausbildung in Palliative Care

Fabio Baranzini

und Begleitung.

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  200 ausgebildete Freiwillige sind in Palliative Care-Begleitungen im unbezahlten Einsatz Stunden Begleitung

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SEELSORGE

Die überregionale reformierte Seelsorge im Aargau In folgenden Einrichtungen leisten die Reformierte Landeskirche und regionale kirchliche Trägerschaften – zusätzlich zur lokalen Tätigkeit der Kirchgemeinden – Seelsorge: in kantonalen Spitälern: Kantonsspitäler Aarau und Baden, Psychiatrische Dienste Königsfelden, Klinik Barmelweid, Hirslanden Klinik Aarau in regionalen Kliniken, Kranken- und Pflegeheimen und sozialen Institutionen: z. B. Krankenheim Lindenfeld in Suhr, Regionales Pflegezentrum Baden, Pflegeheim am Süssbach in Brugg, Zentren für Pflege und Betreuung in Muri und «Reusspark» in Niederwil, Arbeits- und Wohngemeinschaft für behinderte Menschen «Borna» in Rothrist in den REHA-Kliniken in Rheinfelden, Schinznach-Bad, Zurzach und Bellikon

in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg durch eine vom Kanton finanzierte ökumenische Seelsorgestelle, in den Bezirksgefängnissen durch ökumenische Seelsorgestellen, die von den Landeskirchen getragen werden in kommunalen und regionalen Pflegeheimen und sozialen Einrichtungen sind Pfarrerinnen und Pfarrer der Kirchgemeinden tätig. In folgenden Arbeitsfeldern ist die Reformierte Landeskirche mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern präsent bzw. beteiligt: Gemeinsames reformiertes Gehörlosenpfarramt der Nordwestschweiz Seelsorge für Menschen mit Behinderungen Ökumenische Gastroseelsorge

in Institutionen für Suchtprävention und Integration: Klinik für Suchtkranke im Hasel in Gontenschwil, Werk- und Wohnheim Murimoos in Muri

Care-Team Aargau, im Kantonalen Katastrophen­ einsatzelement (KKE), ursprünglich als Notfallseelsorge von den Aargauer Landeskirchen gegründet Ökumenische Polizeiseelsorge Suizid-Netz Aargau

Fabio Baranzini

Armeeseelsorge (mit Pfarrern von Aargauer Kirchgemeinden)

Ausbildungsleiterin Karin Tschanz überreicht eine Rose zum Abschluss der Palliative-Care-Ausbildung.

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PÄDAGOGISCHES HANDELN

DEN GLAUBEN VERANTWORTUNGSVOLL VERMITTELN  »

Carmen Frei

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95 Katechetinnen und Katecheten wurden zu ihrem Dienst neu beauftragt Am 22. Januar in Aarau und am 21. Mai in Brugg feierte die Reformierte Landeskirche Aargau in zwei Gottesdiensten erstmals die offizielle Beauftragung von Katechetinnen und

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Katecheten für den Dienst in den Kirchgemeinden. Die Synode hatte im November 2015 diese Beauftragung im Rahmen der Aufwertung des katechetischen Dienstes, zu dem vor allem der


Mirjam Stutz

PÄDAGOGISCHES HANDELN

Fakten Katechese Die Katechetinnen nach den beiden Beauftragungsfeiern am

  115 Katechetinnen

22. Januar in Aarau (links) / am 21. Mai in Brugg (oben).

sind in den Kirchgemeinden im Einsatz

  100 Ordinierte (Pfarrerinnen, Sozialdiakone) geben Unterricht Jugendliche haben mit der Konfirmation den Unterricht abgeschlossen

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kirchliche Religionsunterricht gehört, und der Stärkung der Berufsgruppe der Katechetinnen und Katecheten beschlossen. Die Beauftragung bringt zum Ausdruck, wie wichtig der Dienst von Katechetinnen und Katecheten für Kirche und Gesellschaft ist und mit welcher Professionalität gerechnet werden darf. Ausserdem wurden zur Aufwertung des katechetischen Dienstes ein neues Leitbild Katechese, ein Berufsbild Katechetin bzw. Katechet sowie ein Rahmenlehrplan für den kirchlichen Unterricht erarbeitet, zusammengefasst in der Broschüre «Starke Katechese».

an feierlichen Ordinationen zu ihrem Dienst beauftragt werden. Da zusätzlich zu den Katechetinnen und Katecheten, die jetzt ihre mehrjährige Ausbildung für den Religionsunterricht abgeschlossen haben, auch die bereits in den Gemeinden Tätigen nachträglich beauftragt werden, sind insgesamt 95 Personen an zwei feierlichen Gottesdiensten in Aarau und Brugg von Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg und Kirchenrätin Regula Wegmann und ihren Ausbildern, Monika Thut und Stephan Degen, beauftragt worden.

Mit der Beauftragung wird die Stellung der Katechetinnen und Katecheten der Stellung der Pfarrerinnen und Sozialdiakone angenähert, die

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PÄDAGOGISCHES HANDELN

Konvent der Katechetinnen und Katecheten gegründet gottesdienstlichen Feier gingen unter anderem der Bildung des Konvents voraus. Mit diesen neuen Instrumenten können die Katechetinnen im Konvent eine gestärkte Berufsidentität herausbilden. Der Konvent ist parallel zum Pfarr- und Diakonatskapitel ein in der Kirchenordnung verankertes, offizielles Gefäss und damit in der schweizerischen Kirchenlandschaft einzigartig.

Monika Thut (li.) von der Landeskirche beglückwünscht an der Gründungsversammlung in Aarau die neu gewählten Vorstandsmitglieder.

Mirjam Stutz

Rund 70 reformierte Katechetinnen und Katecheten kamen am 8. November 2017 zur ersten Konventsversammlung nach Aarau. Monika Thut von der Fachstelle Kirchlicher Religionsunterricht führte im Namen der Reformierten Landeskirche die Wahlen der fünf ersten Vorstandsmitglieder durch. Einstimmig gewählt wurden Karin Rätzer, Angela Weber, Susanne Ammann, Susanne Metzger und Brigitta Sturzenegger. Die frischgewählte Präsidentin Karin Rätzer führte souverän durch die weiteren Geschäfte: die Wahl der Revisorinnen, die neue Geschäftsordnung, das erste Budget und das Festsetzen des Mitgliederbeitrags. Das Grusswort von Kirchenrätin Regula Wegmann betonte die historische Bedeutung dieser Versammlung. Die Bildung eines Konvents der Katechetinnen und Katecheten ist das letzte Teilstück im grossen Legislaturprojekt «Stärkung der Berufsgruppe der Katechetinnen und Katecheten». Eine Überarbeitung des Dienst- und Lohnreglements und die landeskirchliche Beauftragung in einer

PACE – Schritt für Schritt Jugendliche für Leitungsaufgaben ausbilden Schritt für Schritt wurden auch im Jahr 2017 Jugendliche und junge Erwachsene aus Kirchgemeinden und Ortsgruppen des Blauen Kreuzes für Leitungsaufgaben in der Jugendarbeit ausgebildet, in Schnupperkursen der Kirchgemeinden und im Einführungskurs «PACE ready to go» in einem Camp auf der Beguttenalp. Dort lernen die Jugendlichen die Gestaltung von Geschichten und Andachten, die Leitung von Spielen, Erste Hilfe, die Prävention sexueller Übergriffe, das Singen mit Kids und Teens, Medienpädagogik und das Planen von Programmen.

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Die Inhalte werden praxisnah umgesetzt: zum Beispiel auf dem Feuer ein Dreigang-Menü kochen, verschiedene Andachtsformen ausprobieren oder vor einer Gruppe stehen und sie leiten. Ein Teilnehmer beschreibt sein schönstes Erlebnis: «Als ich am Qualifikationswochenende merkte, dass mein selbständig erarbeiteter ‹Spieleblock› wirklich funktioniert.» Andere Teilnehmende sagen: «Für mich war es ein ganz besonderer Moment, als ich merkte, dass wir im Kurs zu einem Team wurden», und: «Im PACE habe ich eine freundliche und friedliche Atmosphäre erlebt. Die Leitenden sind cool.»


Nach dem Einführungskurs und ersten praktischen Erfahrungen ist es Zeit, die Kinderschuhe auszuziehen und weitere Schritte in neuen Schuhen zu wagen. Daher der Titel des Aufbaukurses «PACE in new shoes». Dieser Kurs wurde 2017 erstmals in Balsthal durchgeführt. Die Teilnehmenden werden im Kurs, der in drei Phasen gegliedert ist, zu mehr Leitungskompetenz und Verantwortungsübernahme befähigt. So sind die jungen Erwachsenen in der Lage, die Rolle als Jungleitende zu verlassen und in der Treffund Ortsgruppenarbeit, in Ferien- und Konfirmandenlagern die Rolle als Leitende oder gar Hauptleitende zu übernehmen. In der Überzeugung, dass Jugendliche und junge Erwachsene aktiv und kreativ in der Kirche mitgestalten und ernst genommen werden möchten, setzen die Kirchen auf die Ausbildung und Schu-

Mischa Kraus

PÄDAGOGISCHES HANDELN

PACE-Kurs auf der Beguttenalp im April.

lung junger Leiterinnen und Leiter. Im Aargau besteht seit 2014 Jahr ein Ausbildungsmodell, das in den letzten drei Jahren erweitert wurde und nun ein breites Feld mit Angeboten für 11- bis 25-jährige Jugendliche abdeckt und sich in das Konzept des Pädagogischen Handelns der einzelnen Kirchgemeinden integrieren lässt.

«ReformAction» – Jugendfestival zum Reformationsjubiläum in Genf Vom 3. bis 5. November 2017 fand in Genf der dreitägige Grossanlass «ReformAction» mit über 4700 Jugendlichen ab 13 Jahren statt. Aus dem Aargau waren 326 Jugendliche aus 15 Kirchgemeinden dabei. Das Jugendfestival wurde vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) in Zusammenarbeit mit kirchlichen Jugendorganisationen und freikirchlichen Verbänden im Rahmen der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum durchgeführt. Die Jugendlichen sollten sich während den drei Tagen gemeinsam mit den wichtigsten Prinzipien der Reformation und deren tiefgreifenden Auswirkungen auseinandersetzen. Nach der «Nacht der Lichter» am Freitagabend mit Frère Alois und einigen Brüdern aus Taizé wurde beim

Konzert der Band Switchfoot am Jugendfestival ReformAction Anfang November in der Arena Genf.

multimedial inszenierten Reformationsdenkmal gefeiert. Am Samstag gab es am Vormittag ein breites Angebot von über 40 Workshops und am Nachmittag in der Arena Genf die Hauptveranstaltung mit Rednern und Konzerten. Nach einer «Nacht der Begegnungen» mit 13 attraktiven Angeboten bildete am Sonntagmorgen der SRF-Fernsehfestgottesdienst aus der Kathedrale St. Peter den Abschluss.

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SYNODE

UNSERE VISION FÜR EINE LEBENDIGE KIRCHE »

« 

Fakten zur Synode

80 Synodale sind Frauen 33  Synodale sind Pfarrerinnen und Pfarrer

5 Synodale sind aus dem Sozial-

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Roger Wehrli

diakonischen Dienst

Roger Wehrli

183 Sitze

Die Synode versammelt sich am 7. Juni in der Mehrzweckhalle in Bözberg. Das Synodebüro teilt Wahlzettel aus.


Die Synodesitzung vom 7. Juni 2017 fand auf dem Bözberg statt. Nach einigen Jahren Unterbruch stellte sich wieder eine Kirchgemeinde als Gastgeberin der Synode zur Verfügung. Auch wenn manchmal logistische Kompromisse unumgänglich sind, ist es für die Synodalen ein besonderes Erlebnis, in einer Kirchgemeinde zu tagen. Neben den jährlichen Traktanden wie Jahresbericht des Kirchenrates und Abnahme der Jahresrechnung wurden die Revision des Personalrechts und der Organisation der Landeskirchlichen Dienste und das neue Reglement für den Finanzausgleich beschlossen. Von der «Wintersynode» vom 15.  November 2017 in Aarau ist die Behandlung der Motion «Anstellungs- und Entlassungsverfahren von ordinierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern» besonders erwähnenswert. Die Vorlage beschreibt ein Verfahren, wie bei Konfliktsituationen zwischen Ordinierten und ehrenamtlichen Kirchenpflegern künftig vorzugehen ist. Der Vorschlag wurde in einem längeren Prozess sorgfältig und breit abgestützt erarbeitet. Weiter durfte der Synodepräsident als besonderen Gast Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, begrüssen. In seinem Grusswort betonte er den kirchlichen Auftrag, das Evangelium in Wort und Tat zu verkünden: «Wenn wir als Kirche überzeugen wol-

Roger Wehrli

Bericht des Synodepräsidiums

Synodepräsident Roland Frauchiger leitet die Versammlung am 7. Juni in Bözberg.

len mit der Verkündigung und der Nachfolge Jesu Christi dann müssen wir auch die Tat erbringen.» Zwischen den beiden ordentlichen Synoden trafen sich die Synodalen im September zu einer Gesprächssynode. Nachdem an der letzten Gesprächssynode 2016 über Glaubensthesen nachgedacht wurde, wurde nun über die Visionen unserer Kirche diskutiert. Nach einem Referat zum Thema «Kirche 2030» berichteten zwei Verantwortliche aus ausserkantonalen Kirchgemeinden über ihre aktuellen Erfahrungen in der Gemeindeentwicklung. Anschliessend beschäftigten sich die Synodalen mit den Fragen «Was macht unsere Kirchgemeinde aus?» und «Was ist unsere Vision für eine lebendige Kirche?» Das Resultat einer Gruppe war: «Basierend auf dem Evangelium sollen wir eine offene, engagierte, mutige und ermutigende Gemeinschaft sein, die alle Altersgruppen anspricht.» Roland Frauchiger, Synodepräsident

Die Synode – das Parlament der Kirche Das Parlament der Reformierten Landeskirche Aargau, die Synode, hat in der Amtsperiode 2015 – 2018 183 Sitze. Im Dezember 2017 gehörten der Synode 80 Frauen und 94 Männer an. Von den 174 Synodalen sind 33 aus dem Pfarramt und 5 aus dem sozialdiakonischen Dienst. Der Anteil der ordinierten Mitglieder in der Synode beträgt 20,76%. Von den 183 Sitzen sind 9 Sitze vakant. Die Synodalen werden alle vier Jahre von den Mitgliedern der Kirchgemeinden an der Urne gewählt.

75 Kirchgemeinden 6 Dekanate Rekursgericht (Judikative)

Synode (Legislative)

Heimgärten Aarau, Brugg Betriebskommission

Kirchenrat (Exekutive)

Zeitung «reformiert.» Herausgeberkommission

Landeskirchliche Dienste

Organisation der Reformierten Landeskirche Aargau

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SYNODE

Zusammenfassung der Beschlüsse und Geschäfte Synode vom 7. Juni 2017 in Bözberg

Synode vom 15. November 2017 in Aarau:

Wahlen: Silvia Kistler-Wuffli, Brugg, als Ersatzmitglied der Schlichtungskommission.

Wahlen: Urs Jost, Rheinfelden, in die Fondsverwaltung des Ökofonds.

Beschlüsse: Genehmigung des Jahresberichts 2016 Genehmigung der Jahresrechnungen 2016 der Zentralkasse der Landeskirche mit einem Ertragsüberschuss von 87 227 Franken, des Tagungshauses Rügel, der Heimgärten Aarau und Brugg, des Dienstleistungszentrums Finanzen und der Zeitung «reformiert.» Aargau Der Besoldungsindex für das Jahr 2018 für die Minimalbesoldungen der Mitarbeitenden der reformierten Kirchgemeinden des Kantons Aargau wird unverändert bei 110.5 Punkten belassen (Basis: Index Mai 2000 = 100 Punkte). Genehmigung der Gesamtrevision Personalrecht und der Teilrevision «Organisation der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Aargau» Genehmigung der Teilrevision des «Reglements Finanzausgleich» (SRLA 653.100). Ratifizierung der totalrevidierten «Übereinkunft sozial-diakonische Dienste» (SRLA 960.100)

Beschlüsse: Genehmigung des Budgets 2018 der Zentralkasse in Höhe von 11 392 440Franken mit einem geplanten Aufwandüberschuss von 237  359 Franken. Der Kirchenrat wird ermächtigt, für das Jahr 2018 von den Kirchgemeinden einen Zentralkassenbeitrag von 2.3% des 100-prozentigen Steuersolls zu beziehen. Genehmigung der Gesamtrevision des Reglements über Wahlen und Abstimmungen in den Kirchgemeinden (RWA, SRLA 211.300) Einführung eines gemeinsamen Erscheinungsbilds der Aargauer Kirchgemeinden und der Landeskirche sowie Genehmigung der dazu notwendigen Rechtsgrundlagen in der Kirchenordnung (KO, SRLA 151.100) Änderungen der Kirchenordnung (SRLA 151.100) betreffend Wahlfähigkeit von Pfarrerinnen und Pfarrern und Wählbarkeit von Pfarrerinnen und Pfarrern, Sozialdiakoninnen und Sozialdiakonen Änderungen der Kirchenordnung betreffend Abwahlverfahren von gewählten Ordinierten und Ehrenamtlichen

Die Gesprächssynode diskutiert am 13. September in Lenzburg Visionen

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Mirjam Stutz

für die Kirche.


SYNODE

Gottvertrauen oder Organisationsentwicklung? Die Gesprächssynode Am 13. September 2017 fand die zweite ganztägige Gesprächssynode in der laufenden Amtsperiode mit dem Thema «Unsere Vision für eine lebendige Kirche» im Kirchgemeindehaus Lenzburg statt. 106 Synodale und 22 Gäste diskutierten über ihre Gedanken zur Zukunft der Kirche. Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg verwies auf das Fundament der Kirche: Jesus Christus. Er sprach Stärken und Schwächen der Kirche an und zeigte auf, wie aus theologischer Sicht aus Schwächen Stärken werden können, weil die Kirche sich ihren Auftrag nicht selbst gegeben habe. Synodepräsident Roland Frauchiger betonte, dass das Mitdenken der Synodalen bei inhaltlichen Fragen im Rahmen der Gesprächssynode eine wichtige strategische Aufgabe des Kirchenparlaments sei.

F. Worbs

In zwölf Gruppen formulierten die Synodalen ihre Vision einer lebendigen Kirche. Dabei entstanden Sätze wie: «Eine lebendige Kirche fördert ein aktives Glaubensleben für alle Altersgruppen.» «Wir fühlen uns getragen in einer offenen, weltweiten Kirche, die über unser Leben hinausgeht.» «Ich bin begeistert und motiviere.» Die Synodalen betonten auf der einen Seite eine gelebte Spiritualität und die Botschaft des Evangeliums als Basis einer offenen und mutigen Gemeinschaft, sahen die Kirche aber auch als «kundenorientierte Dienstleisterin», in der «Organisations- und Umstrukturierungsprozesse» sorgfältig angegangen werden müssen. Gegenseitige Wertschätzung, Toleranz und gegenseitige Ermutigung seien wichtig auf dem gemeinsamen Weg.

Gottesdienst der Synode im Juni in der Kirche Bözberg.

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KIRCHENRAT UND LANDESKIRCHLICHE DIENSTE

ZUSAMMEN WIRKEN – GEMEINSAM AUFTRETEN »

SEK

« 

Synodepräsident Roland Frauchiger (li.) und Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg (re.) beim Einzug zum Gottesdienst und Festakt zum Reformationsjubiläum am 18. Juni im Berner Münster.

Die Arbeit des Kirchenrats Die Arbeit des Kirchenrats wird vom Ziel der inhaltlichen und strukturellen Reform der Kirche geleitet. Geschäfte wie die Neugestaltung des Finanzausgleichs oder die Einführung eines gemeinsamen Erscheinungsbilds, die im Jahr 2017 von der Synode gutgeheissen wurden, mögen aktuell den Druck auf die Kirchgemeinden etwas erhöhen, strukturell und organisational Veränderungen

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vorzunehmen. Mittel- und langfristig werden aber die verstärkte Zusammenarbeit der Kirchgemeinden – und dadurch erzielte Kosteneinsparungen – sowie eine visuell besser sichtbare Gemeinschaft untereinander und als Landeskirche die Bestrebungen unterstützen, glaubwürdig und mit gesundem Selbstbewusstsein Kirche bzw. Christin, Christ in unserer Zeit zu sein.


KIRCHENRAT UND LANDESKIRCHLICHE DIENSTE

Auch das ist eine Inspiration des Reformationsjubiläumsjahres: Reformen gelingen nicht, weil jemand die aktuellen Probleme und ihre Ursachen in der Vergangenheit noch detaillierter beschreiben kann, sondern weil jemand den Funken der Begeisterung weiterreichen kann: weil jemand mit der Botschaft des Evangeliums und mit Berichten von dem, was diese Botschaft bewirken kann, andere Menschen berührt und bewegt. In diesem Sinn nahm der Kirchenrat die Impulse der Gesprächssynode im September entgegen und auch Anregungen wie die «Thesentür», die im Dekanat Brugg aus Anlass des Reformationsjubiläums gestaltet, zu Fuss nach Aarau transportiert und dem Kirchenrat überreicht wurde.

Reformationsjubiläum und Ökumene Vor allem auf schweizerischer Ebene war das kirchliche Leben 2017 durch das Reformationsjubiläum geprägt. Höhepunkte waren dabei die Jubiläumsfeier im Berner Münster am 18. Juni und das Jugendfestival ReformAction am Reformationssonntag Anfang November in Genf. Ein deutliches Zeichen der ökumenischen Versöhnung im Jubiläumsjahr setzten Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, und Felix Gmür, Bischof des römisch-katholischen Bistums Basel, am Gedenkgottesdienst 600 Jahre Bruder Klaus am 1. April in Zug, indem sie einander im Namen ihrer Kirchen gegenseitig für jahrhundertelange Ausgrenzung, Ablehnung oder gar Gewalt um Vergebung baten und zur Versöhnung aufriefen. Christoph Weber-Berg, Präsident des Kirchenrats

Der Kirchenrat Der Kirchenrat besteht aus einem vollamtlichen Präsidenten und sechs ehrenamtlichen Mitgliedern, die mehrheitlich nicht ordiniert sind: v. l. n. r.: Pfr. Martin Keller, Sozial­ diakon Beat Maurer, Catherine Berger-Meier, Pfr. Christoph Weber-Berg (Präsident), Regula Wegmann (Vize­ präsidentin), Hans Rösch, Daniel Hehl

Der Kirchenrat im Januar 2015 vor dem Haus der Reformierten in Aarau.

Markus Hässig

Im Rahmen seiner Retraite hat der Kirchenrat 2017 schon einen Ausblick in die Amtsperiode 2019 – 2022 gewagt und erste Ideen für Programme und Schwerpunkte gesammelt. Ganz im Sinne des Bestrebens, die inhaltliche Reformation der Kirche vom Leben der Kirchgemeinden her zu gestalten, wurden Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchgemeinden zur Retraite eingeladen, die in diesem Rahmen einmal nicht von den Schwierigkeiten berichteten, sondern von dem, was gelingt, lebt und wächst.

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KIRCHENRAT UND LANDESKIRCHLICHE DIENSTE

Gerechtere Verteilung der Mittel Finanzen Die gute wirtschaftliche Lage in der Schweiz hat sich 2017 weiter verbessert. Auch für die Jahre 2018 und 2019 sind die ökonomischen Prognosen auf breiter Front positiv. Deshalb ist nicht damit zu rechnen, dass sich, wie teilweise befürchtet, die Steuereinnahmen der Kirchgemeinden wesentlich reduzieren. Es dürfte jedoch weise sein, die Ausgaben unter konsequenter Kontrolle zu halten und Reserven für finanziell schwierigere Zeiten anzulegen. Die Rechnung der Landeskirche ist dank hohem Kostenbewusstsein deutlich besser ausgefallen als budgetiert. Der Aufwandüberschuss von rund 23 000 Franken kann problemlos der Rückstellung «Ausgleich Zentralkassenbeitrag» entnommen werden. Neues System für den Finanzausgleich 2017 wurde das Reglement über den Finanzausgleich überarbeitet und von der Synode verabschiedet. Ab dem Jahr 2019 gelten neue Grundlagen für den Bezug von Beiträgen aus dem Finanzausgleich, die der finanziellen Kraft der einzelnen Kirchgemeinden besser Rechnung tragen. Die Baubeiträge wurden ausgeklammert und werden im Jahre 2018 Gegenstand einer Neubeurteilung sein. Grosse Sorgen bereitet vielen Kirchgemeinden die mittel- und langfristige Zukunft ihrer Infrastrukturen. Sie können nicht mit Baubeiträgen der Landeskirche gelöst werden. Es braucht neue Ideen und Modelle für sakrale Räume und ihre Nutzung. Die reformierte Kirche wird sich Kirchen und andere Gebäulichkeiten, die bis zu 90 Prozent der Zeit leer stehen, nicht mehr leisten können. Gedanken über mögliche Umnutzungen oder zusätzliche Nutzungen sind unumgänglich. Die Möglichkeiten der «Sharing Economy» werden deshalb auch in der Kirchenwelt ausgelotet werden müssen.

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Dienstleistungszentrum Finanzen (DLZ) Nach einer mehrjährigen Projektphase wurde das DLZ am 1. Januar 2017 in eine unselbstständige kirchliche Anstalt mit eigener Organisation umgewandelt. Die zuständige Betriebskommission hat ihre Arbeit als strategisches Führungsorgan zielstrebig aufgenommen. Das DLZ war während des ganzen Jahres sehr stark ausgelastet. Durch die periodisch anfallenden Arbeiten wie Jahresabschlüsse und Budgets entstehen gelegentlich Arbeitsengpässe, die hohe Anforderungen an die Flexibilität der Mitarbeitenden stellen. Das DLZ betreut neben verschiedenen der Kirche nahestehenden Organisationen 27 der 75 Aargauer Kirchgemeinden. Im Berichtsjahr hat das DLZ erstmals für die betreuten Kirchgemeinden einen Erfahrungsaustausch durchgeführt. Das Interesse war gross und die Veranstaltung war eine gute Gelegenheit, um die Zusammenarbeit zu optimieren und praktische Erfahrungen auszutauschen.

Rechnung 2017 der Zentralkasse der Landeskirche

+ 10 979 090 Fr. Ertrag (v.a. aus Beiträgen der Kirch­ gemeinden)

–  10 972 188 Fr. Aufwand

– 23 097 Fr. Aufwandüberschuss


KIRCHGEMEINDEN

STRATEGIEN FÜR STARKE UND VITALE KIRCHGEMEINDEN »

« 

Die Kirchgemeinde Rheinfelden feiert das Reformationsjubiläum mit der Uraufführung des Theaterstücks «Wibrandis Rosenblatt – die Frau der Reformatoren» von Pfr. Peter Senn.

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KIRCHGEMEINDEN

Gemeindeberatung und Gemeindeentwicklung Im Rahmen des Programmschwerpunkts «Gemeindeentwicklung» des Arbeitsprogramms 2015 – 2018 des Kirchenrats sollen die Kirchgemeinden in ihrer finanziellen und strukturellen Entwicklung unterstützt werden. Dazu wurden 2016 in den Landeskirchlichen Diensten die Fachstellen für Gemeindeentwicklung und Gemeindeberatung geschaffen und 2017 von der Synode bestätigt. Letztere unterstützt die Kirchgemeinden in vielfältigen Fragen und Aufgaben wie Administration oder Personalführung. Der Kirchenrat stellt mit Genugtuung fest, dass die Dienstleistungen der Gemeindeberatung und der Gemeindeentwicklung von vielen Kirchenpflegemitgliedern und Mitarbeitenden der Kirchgemeinden nachgefragt und sehr geschätzt werden. Gemeindeentwicklung geschieht vor Ort Gemeindeentwicklung ist eine Daueraufgabe für Kirchenpflegen, in Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Ordinierten. Das bedeutet auch, dass Gemeindeentwicklung vor Ort geschehen muss. Die Landeskirchlichen Dienste können Entwicklungsprozesse unterstützten, die aber von den Kirchenpflegen selbst vorangetrieben und verantwortet werden.

Der Kirchenrat hat auch im vergangenen Jahr mit Freude festgestellt, wie viel Erfahrung und Fachwissen in Gemeindeentwicklung in den Kirchgemeinden unserer Landeskirche vorhanden sind. Er sieht es als Aufgabe der Landeskirchlichen Dienste an, hilfreiche Erfahrungen einzelner Gemeinden auch für andere zugänglich zu machen. Zu seiner Jahresretraite hat er deshalb Vertreterinnen und Vertreter aus zwei Kirchgemeinden eingeladen, die aktiv und vital unterwegs sind. Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse fliessen in die Entwicklung des Legislaturprogramms der nächsten Amtsperiode, 2019 – 2022, ein. Wesentlich ist die erneut bekräftigte Erkenntnis, dass kirchliche Strategieentwicklung im Zentrum des Kirche-Seins anfängt: bei der Frage nach dem Glauben und dem Zusammenleben von Christinnen und Christen als Kirche. Angebots-, Personal-, Finanz- und Immobilienstrategien sind Ausfluss und Ergebnis der Frage, wie Menschen miteinander Kirche sein wollen und wie sie sich als Kirche in ihrem Dorf, in ihrer Stadt, in ihrer Region entwickeln wollen.

Die neue Online-Hilfe für Kirchgemeinden Kirchenpflegen und Sekretariate suchten bisher ihre Informationen im «Handbuch zur Gemeindeleitung» oder auf der Website der Aargauer Landeskirche. Seit September des vergangenen Jahres sind diese Informationen nun zentral auf WikiRef zu finden. Diese Onlinehilfe enthält unter anderem Erläuterungen, Hilfsmittel, Hinweise auf Rechtsgrundlagen sowie Musterbeispiele von Kirchgemeinden.

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Die Dokumente sind untereinander verlinkt und so schnell zu finden. Die Gemeindeberatung baut die Angebote laufend aus und ist dankbar für Anregungen aus den Kirchgemeinden.

WikiRef: Wer sucht, der findet.


STATISTIKEN UND ZAHLEN

STATISTIKEN UND ZAHLEN »

« 

Ein- und Austritte 2017 2017 sind fast gleich viele Personen aus der Reformierten Landeskirche Aargau ausgetreten und eingetreten wie 2016. Es waren 2 765 Austritte (2016: 2 745 Austritte) und 276 Eintritte (2016: 289 Eintritte) zu verzeichnen. Der Anteil der Austritte lag damit unverändert bei 1,6 Prozent der Mitglieder. Nur 291 Austrittserklärungen, ca. zehn Prozent, enthielten eine Begründung, die sich meistens auf eine längere Phase der Distanzierung von der Kirche bezieht.

Mitglieder (Vorjahr: 168  720). Die Gesamtzahl der Mitglieder ist im vergangenen Jahr um 2 165 zurückgegangen. Die Mitgliederzahl ist also aufgrund von Wanderungsgewinnen etwas weniger zurückgegangen als dies aufgrund der Aus- und Eintritte erwartet werden müsste.

Die 276 Eintritte kompensierten zehn Prozent der Austritte. Die Bilanz der Aus- und Eintritte ergibt ein Minus von 2 489 Mitgliedern. Die Aargauer Kirchgemeinden hatten Ende 2017 166 555

  276 Eintritte   2765 Austritte   166 555 Mitglieder – 3073

3100 – 2652 – 2383

2480 – 2258

– 2928 – 2745

– 2746

– 2765

– 2521

1860

1240

620 + 352

+ 264 0

2009

+ 274

2010

+ 290

+ 259 2011

2012

+ 241

2013

2014

+ 289

+ 272

2015

2016

2017

Die Entwicklung der letzten Jahre im Aargau

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STATISTIKEN UND ZAHLEN

Zahlen

 984 Taufen  201 Trauungen  1339 Konfirmationen  1856 Abdankungen

Brautpaar auf dem Weg zur kirchlichen Trauung auf dem Kirchberg

Kirchliche Handlungen 2017 Im vergangenen Jahr haben die 159 Pfarrerinnen und Pfarrer der Reformierten Landeskirche Aargau 984 Kinder getauft (Vorjahr: 985), 1 339 junge Erwachsene konfirmiert (Vorjahr: 1 437), 201 Paare (Vorjahr: 231) kirchlich getraut und 1 856 Abdankungen gefeiert (Vorjahr: 1 958). 14 Kinder wurden eingesegnet. Die Zahl der Taufen ist fast gleich geblieben, während die Zahlen der Trauungen (minus 30 oder 13%), der Konfirmationen (minus 98 oder 6,8%) und der Abdankungen (minus 102 oder 5,2%) zu-

rückgegangen sind. Die Gründe für die Rückgänge der Amtshandlungen sind unterschiedlich. Zum Teil liegt es an der Altersstruktur der reformierten Kirchenmitglieder, zum Teil an veränderten Gewohnheiten. 91 Abdankungen wurden 2017 für Personen aus einer anderen Kirche oder Religion gefeiert, 79 für konfessionslose Personen. Bei 87 der 201 Traupaare kamen Braut oder Bräutigam aus einer anderen Kirche. Bei 26 bzw. 13% der Brautpaare war ein Partner konfessionslos. Diese Anteile sind weitgehend gleich geblieben.

Organigramm der Landeskirchlichen Dienste Kirchenratspräsidium / Vorsitzender der GL

Kanzlei

GESCHÄFTSLEITUNG Gemeindedienste Gemeindeleitung Diakonie Palliative Care Gemeindeberatung Gottesdienst und Musik

Seelsorge & kant. Dienste

Gesamtkirchliche Dienste

Zentrale Dienste

Spezialseelsorge

Theologie und Kirche

Finanzen

. Gefängnis . Polizei . Gastronomie . Gehörlose . Menschen mit Behinderungen

Weltweite Kirche

Spitäler & Kliniken

Bildung

Kantonale Schulen

Personalentwicklung

Personal

Rechtsdienst

Empfang

Kommunikation

Informatik

Frauen, Männer, Gender

Liegenschaften

Pädagogisches Handeln Erwachsenenbildung

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Stand Dezember 2017


STATISTIKEN UND ZAHLEN

Mitarbeitende in ordinierten Diensten Pfarrstellen Das Stellenvolumen der 159 Pfarrerinnen und Pfarrer (Vorjahr: 156) inklusive 3 vakante Pfarrämter entspricht 124.9 Vollzeitstellen (Vorjahr: 125).

159

Sozialdiakonische Stellen 2 Stellen sind von nicht ordinierten Mitarbeitenden besetzt. 7 Stellen sind mit Personen in berufsbegleitender Ausbildung besetzt. Zusätzlich zu dieser Statistik gibt es 9 Stellen, die mit Jugendoder Sozialarbeitenden besetzt sind.

Teilzeitstellen unter 80%

56

Vollzeitstellen ab 80% 156

106

Teilzeitstellen unter 80%

24 117 53

103

32

75

78

Männer

39

Vollzeitstellen ab 80%

32

28

0

Angestellte

Frauen

23 16 4

0

Stellen

Stand: 31. Dezember 2017

Frauen

9 12

1 5

Männer

vakant

Stand: 31. Dezember 2017

Werner Rolli

Ordinationen Einmal im Jahr ordiniert die Reformierte Landeskirche Aargau in einem gemeinsamen Gottesdienst ihre neuen Pfarrerinnen und Pfarrer zusammen mit den Sozialdiakoninnen und Sozialdiakonen. Am 20. August 2017 wurden in der reformierten Kirche Seengen von den Kirchenratsmitgliedern Christoph Weber-Berg und Beat Maurer zwei Pfarrer und eine Sozialdiakonin zum Dienst in der Aargauer Kirche ordiniert. Der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds, Gottfried Locher, gab den neu Ordinierten gute Wünsche auf ihren Weg mit. Vordere Reihe (v. re.): Die Ordinierten Raffael Sommerhalder, Mathias Burri und Karin Hoffmann, die Ausbildungspfarrer Emanuel Memminger und Christoph Monsch. Hintere Reihe: Andreas Hunziker (Ausbildungspfarrer), Kirchenrat Beat Maurer, Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg, Gottfried Locher (Ratspräsident SEK)

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Reformierte Landeskirche Aargau Stritengässli 10 Postfach 5001 Aarau Tel

062 838 00 10

Fax

062 838 00 29

E-Mail ag@ref.ch Twitter @RefKircheAargau Web www.ref-ag.ch

Jahresbericht 2016  

Jahresbericht 2016 der Reformierten Landeskirche Aargau

Jahresbericht 2016  

Jahresbericht 2016 der Reformierten Landeskirche Aargau