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10/2013 &

in Stadt & Land

Potizen & Käferbohnen

P. b. b., GZ10Z038662M, Verlagspostamt 1110 Wien

späte beeren  & haselnuss &  naturapotheke: beinwell  & rumford-Suppe &  glundner Kas  &  osttiroler Speck

Rezepte aus der Südsteiermark

2

E i nfac h

.

Gut .

Leben

Wunder der Heimat

Erntedank in Altenmarkt

2

Oktober 10/2013

EUR 4,50 chf 7,00

Ausflug ins Glück Geschichten vom Geniessen

Die Wurzelfrau vom Glockner

&

Das Geheimnis der Apfelmänner

&

Die Welt der Moose

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30

66

90

Oktober

Natur & Garten 12 Geheimnisvolle Moose

Sie sind die ältesten Landpflanzen der Erde. Spaziergang durch eine faszinierende Miniaturwelt.

20 Oktober im Farbenrausch

In Birgit Deutschs Hanggarten in Deutsch Kaltenbrunn im Burgenland ist der Herbst ein echter Höhepunkt.

30 Kinderleichter Laubritter Mit einem selbst gebauten Holzrechen ist Gartenhilfe eine Gaudi.

106

Küche 44 Die Nuss der Nüsse

Haselnüsse sind vor allem aus Süßspeisen kaum wegzudenken, und sie sind voll von Vitaminen und Ölen.

50 Wo der Klapotetz zu Tisch ruft

Maroni knistern im Feuer, und der Sturm weht im Glas. Zu Gast in der herbstlichen Südsteiermark.

58 Aus Omas Kochbuch Die Wiener Rumford-Suppe.

Wohnen 74 Das Erbe der Mesner-Tanten

Familie Enzlmüller hat ein altes Gemäuer mit besonderem Haussegen in Oberösterreich wiederbelebt.

82 Fundstück

Schmückende Liliput-Blumenvasen aus Weinstoppeln.

84 In Schönheit baden

Mit Fundstücken und Neuem im Bad eine Oase der Ruhe schaffen.

34 Späte, wilde Früchte

60 Glundner Kas

88 Starke Spitze

144 Der Igel macht winterdicht

66 Guten Morgen!

90 Von Ufos und Plutzern

Sie verlängern die Erntezeit im Herbst bis zum ersten Frost.

Jetzt ist der Nachtwandler auf Herbergssuche und futtert sich Fett an.

4 Servus

So kann man die würzige Kärntner Spezialität selbst machen.

Frühstücken mit feinen Flocken, frischer Milch und knusprigen Körnern.

Aus Omas handgemachten Deckerln lassen sich zarte Schüsserl formen.

Wie man aus schönen Kürbissen Dekoratives für daheim zaubert.

Zusatzfotos cover: eisenhut&mayer, marco rossi

Inhalt 2013


150 144

132

Standards 50

Land & Leute fotos inhalt: katharina gossow, eisenhut&mayer, alexander maria lohmann, marco rossi, juniors bildarchiv, harald eisenberger

96 Im Reich der Perlen

Roswitha Gruber erzeugt in ihrem Atelier in Mattsee strahlende Schmuckstücke aus buntem Glas.

106 Immer wieder sonntags

Der Brauch der Armbrustschützen von Bad Goisern und ihre Spezialwaffe, der Goiserer Rehrlstahel.

116 Die Wurzelfrau vom Glockner

Die Kärntnerin Erika Pichler stellt Blütenessenzen mit Enzian, Edelweiß und anderen Wildblumen her.

122 Kacheln für Kaiser & König

In Klein-Pöchlarn stellte man einst Keramik und Öfen für höchste Kreise her. Auch heute wird eifrig produziert.

132 Das Geheimnis der

Apfelmänner

Im oststeirischen Puch wird im Herbst ein besonderer Schnaps gebrannt: der Abakus.

138 Aufgeblättert & fein verflochten

Christine Felber stellt im burgen- ländischen Tschurndorf Sessel aus Maisblättern her.

150 Komm, lass uns hier Rast machen

In Altenmarkt im Pongau machten schon die Römer gern Station. Hier werden Traditionen gepflegt wie jene der Goaßlschnalzer zum Erntedank.

3 Vorwort 6 Leserbriefe, Ortsnamen 8 Mundart 10 Servus daheim 28 Schönes für draußen 32 Der Garten-Philosoph 38 Natur-Apotheke: Beinwell 40 Unser Garten, Mondkalender 62 Gutes von daheim: Feiner Speck

aus dem Osttiroler Pustertal

72 Schönes für die Küche 94 Schönes für drinnen 112 Michael Köhlmeier:

Der Schatz im Gasteiner Tal

162 Heinrich Steinfest: Nackte Beine 166 ServusTV: Sehenswertes im Oktober 170 Feste, Märkte, Veranstaltungen 172 Leben in alten Zeiten 178 Impressum, Ausblick Titelfoto: Philip Platzer

Servus  5


natur erleben

Geheimnisvolle

Welt der Moose Sie sind die ältesten Landpflanzen der Erde und der Stoff, aus dem Märchenwelten gebaut sind. Ein Spaziergang durch die ­faszinierende Vielfalt der Moose. Text: johannes käfer

12 Servus


foto: Martin Kreil

Obwohl Moose keine Wurzeln haben, können sie sich überall festhalten, sogar am felsigen, feuchten Bachufer wie hier in der oberösterreichischen Ysperklamm.

Servus  13


Bryologie, Fantasie und Aberglaube

Moose bewegten durch die Jahrhunderte auch schon die Fantasie der Bryologen, so heißen die Moosforscher, die bei der ­Namensgebung fast poetisch wurden. Die ­Namen beschreiben in erster Linie das Aus­ sehen der schier unzähligen Moosarten. Ein Beispiel: Rhytidiadelphus squarrosus, zu Deutsch Sparriger Runzelpeter. Das ­grie­chische rhytides (Runzeln) beschreibt die Blattstruktur; adelphus heißt Bruder; squarrosus kann man mit sparrig, also ­seitwärts abstehend, übersetzen, was die ­Blattstellung andeutet. Aus dem Bruder wurde im Lauf der Zeit Peter und das Moos damit zum Sparrigen Runzelpeter. ➻

fotos: Getty images, Prisma, Imago

Oben: Moose überstehen ­Extreme. Im Hochgebirge etwa leben sie auf kahlen Felsen, im Sommer bei bis zu 70 Grad, im Winter bei minus 20 Grad. Und so manchem Bankerl im Wald verleihen sie eine ganz besondere Patina.

äh erhebt sich grauer Nebel aus dem dicht bemoosten Waldboden, der volle Mond taucht ihn in helles Silber. Zwi­ schen den grün bewachsenen Baumriesen kehrt langsam Leben ein, denn … So oder so ähnlich beginnen Geister­ geschichten, Krimis und Märchen. Das Bild von Nebel, Vollmond und feuchtem Moos – welch wunderbare Inspiration für eine schö­ ne Gänsehaut. Nur wenige Pflanzen sind so eng mit märchenhaften Visionen verbunden wie das Moos. Und kaum eine andere Pflan­ ze regt in diesem Zusammenhang unsere Fantasie so an, weil niemand weiß, was sich unter dem dichten grünen Teppich der so milde und sanft wirkenden Moospflanzen tatsächlich verbirgt. Vielleicht ist es auch die rätselhafte Le­ bensweise der Moose, die unsere Fantasie beflügelt. Das fängt bei ihrer Vermehrung an: Sie bilden keine Blüten und keine Sa­ men, trotzdem kann man sie fast überall finden – Moose kommen auf der ganzen Welt vor. Bewundernswert auch ihre Um­ triebigkeit: Moose haben keine Wurzeln und können sich trotzdem überall festhal­ ten, an Felsen, Baumstämmen, feuchten Bachufern und sonnenerhitzten Mauern – kein Lebensraum bleibt ihnen verschlossen. Und: Moose haben kaum Feinde, die sie fressen oder befallen.


Moose überziehen wie ein grüner Teppich den Waldboden. Die Evolution scheint ein bisschen auf sie vergessen zu haben. Und bei genauerer Betrachtung sind sie unheimlich nützliche Freunde des Menschen.

Servus  15


Lebenskünstler mit besonderen Talenten

Gewöhnliches Brunnenlebermoos

Dach-Drehzahnmoos

Goldenes Frauenhaarmoos

Marchantia polymorpha Standort: Dauerfeuchte, nährstoffreiche Böden. Flachland bis Mittelgebirge – im Pitztal auf 2.300 m gesichtet. Wissenswert: Zeigerpflanze für hohen Stickstoffgehalt im Boden, früher Heilmittel gegen Leberleiden.

Syntrichia ruralis Standort: Auf trockenem Kalkgestein, Hausdächern und Trockenrasen. Flachland bis Hochgebirge – in den Hohen Tauern auf über 3.000 m gesichtet. Wissenswert: ­sensibel gegen Luftverunreinigung, darum eher rückgängig.

Polytrichum commune Standort: Dauerfeuchte, nasse Böden, kalkfreie Sumpfwiesen. Weit ­verbreitet bis in mittlere Gebirgslagen. Wissenswert: das größte heimische Moos mit bis zu 75 cm Höhe.

KurzbüchsenMoos

Polster-Kissenmoos

Runzelpeter

Grimmia pulvinata Standort: Sonnige, trockene, kalkreiche Stellen, auf Steinund Betonmauern. Weit verbreitet bis in mittlere Höhenlagen. Wissenswert: Verträgt völlige Austrocknung, kann bei 30 % Luftfeuchte noch Wasser aus der Luft aufnehmen.

Rhytidiadelphus squarrosus Standort: Dauerfeuchte, sonnige oder halbschattige Stellen, eher kalkmeidend. Von der Ebene bis zur Baumgrenze. Wissenswert: Kann ganze Mahdwiesen verfilzen, bis 10 cm hoch, im Garten oft gefürchtet, andererseits gern als Dekormoos verwendet.

Brachythecium rutabulum Standort: Kurz gemähte, gedüngte Rasenflächen, morsches Holz, Gestein. Von der Ebene bis ins Gebirge, in Tirol bis auf 2.500 m. Teppichbildend. Wissenswert: resistent gegen Luftverschmutzung, wächst praktisch überall.

Silber-Birnmoos

Torfmoos

WeiSSmoos

Bryum argenteum Standort: Häufigstes Stadtmoos, auf trockenen und feuchten Steinen, salzresistent. Bis auf 3.000 m Höhe. Wissenswert: Oft in Fugen von Pflastersteinen, wächst auch auf stark belasteten landwirtschaftlichen Flächen, schützt diese vor Erosion.

Sphagnum Standort: Sonnig bis schattig, dauerfeuchte, sehr nährstoffarme Torfböden, in Sumpfwiesen und vernässten Wäldern. Von der Ebene bis zur Baumgrenze. Wissenswert: Alle Sphagnum-Moose sind streng geschützt.

Leucobryum glaucum Standort: Nicht kalkverträglich, in lichten feuchten Fichtenwäldern. Von der Ebene bis ins Mittelgebirge. In Bayern und Tirol auch über 2.000 m. Wissenswert: Bildet schöne feste Kissen, wird oft in der Floristik und als Deko für Krippen verwendet.

16 Servus

Neben dem Runzelpeter gibt es eine bei­ nah unendliche Liste fantastischer Moos­ namen: Wimperntragendes Sternlebermoos, Urnentragendes Filzmützenmoos, Lockiges Gabelzahnperlmoos, Haartragendes Frauen­ haar, Mannweibiges Streifensternmoos … Die märchenhaften Namen beschreiben dabei aber nicht immer nur das Aussehen der Moose, sondern häufig auch ihre Wir­ kung, und diese Herleitungen sind geprägt von Geisterangst und Aberglaube. Frauen­ haarmoos etwa wird auch als „Widerton“ bezeichnet und sollte einst gegen böse Geis­ ter helfen: Wider das böse Tun, heißt es. Bemerkenswert ist auch das Bach- oder Brunnenmoos. Es lebt als Wasserpflanze, an Steinen haftend, in Bergbächen. Diese


fotos: getty images, Mauritius images, imago

Blick auf die alte Wassermühle am Pieslingbach bei Windischgarsten in Oberösterreich. Das Bachufer ist dicht von Moosen besiedelt – ein echter ­Lieblingsplatz für die seltsamen Pflanzen.

Lebensweise machte glauben, es helfe gegen Feuersbrunst, und darum hat man es im Mittelalter kurzerhand an Häusern und Scheunen befestigt, um Brandkatastrophen abzuwehren. Dieser Aberglaube findet sich selbst im wissenschaftlichen Namen wieder: Fonti­ nalis antipyretica, frei übersetzt in etwa ­Quelle (lat. fons) gegen (griech. anti) Feuer (griech. pyros). Es war freilich nicht nur der Aberglaube, der Moose für den Menschen interessant machte. Medizinmänner bemerkten, dass viele Moose mehr konnten, als Geister und Feuer abzuwehren. Moose haben antiseptische Wirkung und wurden deshalb zur Wundbehandlung ein-

gesetzt, auch als Verbandsstoff hat man sie verwendet. Und weil getrocknetes Moos ­besonders saugfähig ist, stopfte man es in Windeln. Matratzen und Polster wurden mit Moos gefüllt, ja sogar ganze Holzhäuser damit abgedichtet. Zu diesem Zweck wurde hauptsächlich Frauenhaarmoos und Torfmoos verwendet. Letztere Moosgattung erschuf in Jahrtausenden riesige Moorlandschaften, bestehend aus meterdicken Torfschichten. Und da sind sie wieder, die fabelhaften Geschichten, die das Moos uns in den Sinn zaubert: In den Moorlandschaften tauchen Irrlichter auf, Geister, Feen und Elfen. Da­bei ist das Moor weniger Lebensraum für ­Fabelwesen als vielmehr für eine einzig­

artige Fauna und Flora, die in dieser Form nirgendwo sonst anzutreffen ist. Auf der ganzen Welt gibt es mehr als 15.000 Moosarten; etwa 800 wachsen bei uns, und davon sind rund 100 Arten exklu­ sive Bewohner Zentraleuropas. Das Ungleichzweigige Wechselzweigmoos (Heterocladium heteropterum var. flac­ cidum) etwa kommt weltweit ausschließ­lich im europäischen Raum vor. Man findet das flach wachsende Moos vor allem auf Steinen an Bachläufen, wo es stetigem Spritz­wasser ausgesetzt ist. Wer nach dem Ursprung der Moose sucht, wird unweigerlich auf die Spuren der ersten Landpflanzen unseres Planeten stoßen. Vor über 400 Millionen Jahren ➻

Servus  17


Frühstück ist fertig

Guten Morgen!

Wenn die Sonnenstrahlen zart in der Nase kitzeln, ist es Zeit, das kuschelige Bett zu verlassen. Und den Tag mit feinen Flocken, frischer Milch und knusprigen Körnern zu begrüßen. Redaktion: Klaus Kamolz & Alexander Rieder Fotos: Eisenhut & Mayer

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Safran-Milchreis mit Schwarzbeeren und Schokolade Zutaten für 4 Personen Zeitaufwand: 45 Minuten 140 g Rundkornreis 500 ml Milch 60 g Zucker 1 Prise Salz 1 Msp. Safranfäden 100 g Schwarzbeeren (Heidelbeeren) 40 g dunkle Schokolade (70 % Kakao)

Zubereitung 1. Reis mit Milch, Zucker und Salz in einen Topf geben und 25 Minuten köcheln ­lassen. Dabei immer wieder umrühren. 2. Safranfäden und Schwarzbeeren einmischen und den Milchreis zugedeckt 7 Minuten ziehen lassen. 3. Den Milchreis in Schälchen verteilen, Schokolade drüberraspeln und warm servieren.

Servus  67


KnusperMüsli im Apfel Zutaten für 4 Personen Zeitaufwand: 40 Minuten 50 g Dörrmarillen 50 g getrocknete Apfelscheiben 120 g Mandeln 60 g Kürbiskerne 20 g Sonnenblumenkerne 200 g feine Haferflocken 100 g Sojaflocken 120 g Honig 4 große Äpfel 200 g Naturjoghurt

68 Servus

Zubereitung 1. Das Backrohr auf 180 °C Umluft vorheizen. 2. Dörrmarillen und Apfelscheiben würfeln. Mandeln und Kürbiskerne grob hacken. Alles mit Sonnenblumenkernen, Flocken und Honig vermischen. Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech streichen. Im Backrohr unter öfterem Wenden 20 Minuten knusprig rösten. Herausnehmen und abkühlen lassen. 3. Äpfel waschen und einen Deckel abschneiden. Dann aushöhlen, sodass ein mindestens 1 cm dicker Rand bleibt. Das ausgehöhlte Fruchtfleisch mit Joghurt pürieren und in die Äpfel füllen. Mit Knuspermüsli bestreuen.


Dinkel-Hirse-brei Zutaten für 4 Personen Zeitaufwand: 15 Minuten 200 g grobe Dinkelflocken 100 g Hirseflocken 800 ml Wasser 2 EL Honig 1 Prise Salz 1 TL geriebener Ingwer 1 Prise Zimt 1 Prise Kardamom 100 g getrocknete Beeren und Rosinen 2 EL gehackte Mandeln 1 TL Flohsamen Zubereitung 1. Dinkel- und Hirseflocken mit Wasser in einen Topf geben und 5 Minuten köcheln lassen. 2. Honig, Salz, Ingwer, Zimt und Kardamom einrühren­und etwa 3 Minuten zugedeckt ziehen lassen. 3. Die getrockneten Beeren und Rosinen ein­ mischen und in Schüsseln verteilen. Mit Mandeln und Flohsamen bestreut servieren.

Servus  69


Hausgemachte MüsliRiegel Zutaten für 10 Riegel Zeitaufwand: 20 Minuten plus 3 Stunden zum Trocknen 30 g Butter 60 g Rohrzucker 100 g Honig 1 TL Zitronensaft 200 g 6-Korn-Mischung 100 g getrocknete Früchte, gewürfelt 120 g grob gehackte Mandeln 60 g grob gehackte Haselnüsse 20 g Sesamsamen Backoblaten

70 Servus

Zubereitung 1. In einem Topf Zucker mit Butter, Honig und Zitronensaft leicht ­karamellisieren. Dann mit einem Holzlöffel die restlichen Zutaten rasch untermischen. 2. Die Masse 2 cm dick auf die ­Oblaten streichen und mit einem Holzbrett beschweren. 3 Stunden trocknen lassen, dann in recht­ eckige Riegel schneiden. Am besten in Butterbrotpapier wickeln und in einer Metalldose aufbewahren.


Kürbis-Mandel-Kuchen Zutaten für 1 Kastenform Zeitaufwand: 2 Stunden 300 g Muskatkürbis K TL abgeriebene Orangenschale Saft von 1 Orange Butter für die Form 4 Eier 50 g Honig 80 g Feinkristallzucker 1 Prise Salz 100 g gemahlene Mandeln 140 g glattes Mehl 40 g Maisstärke 60 g Staubzucker K Eiklar 20 g feine Dinkelflocken K EL Leinsamen

Zubereitung 1. Das Kürbisfleisch grob raspeln, mit ­Orangenschale und -saft vermischen. 2. Das Backrohr auf 170 °C Ober- und ­Unterhitze vorheizen. Die Kastenform mit Butter ausstreichen. 3. Eier trennen und Eidotter mit Honig ­ver­rühren. Eiklar mit Zucker und Salz zu Schnee schlagen. Mandeln, Mehl und Stärke mischen, dann mit Dottermasse, ­Kürbisraspeln und Eischnee luftig ver­mengen. 4. Den Teig in die Form füllen und im Ofen 50 Minuten backen. Herausnehmen, auf ein Kuchengitter stürzen und auskühlen lassen. 5. Staubzucker mit Eiklar glatt rühren und den Kuchen damit überziehen. Mit Dinkelflocken und Leinsamen bestreuen und f­ est werden lassen.


besser wohnen

In Schönheit baden

Das Badezimmer ist unser liebster Rückzugsort. Aus Fundstücken und Neuem haben wir unsere persönliche Oase der Ruhe geschaffen. Redaktion: Alice Fernau Mitarbeit: Michaela Gabler, Laura Winkler Fotos: Katharina Gossow

84 Servus


Blaue wunder Linke Seite: Nachdem die Wand himmelblau gestrichen wurde, haben wir aus einer alten ­Leiter und Brettern ein Regal mit Stauraum für Badutensilien gebaut. Für den Wannenvorleger nimmt man Rundhölzer aus Buche, schneidet sie auf 50 cm ab und durchbohrt sie an beiden Enden. Dann zieht man durch die Löcher ein langes Lederband, wobei zwischen den Rundhölzern Abstandsknoten gemacht werden. Fotos oben: Die bunten Buchstabenseifen auf der Etagere sind von Servas Gschäft in Wien (zirka 10 Euro/Set). Das Segelboot ist ein schönes Spielzeug und beweist außerdem SeifenschalenQualitäten; von Grimm’s in Hochdorf/BadenWürttemberg. Davor liegt die Gärtnerseife von Helga Trost Seifenmanufaktur (7,50 Euro) im bayerischen Laberweinting/Straubing.

Servus  85


Helle Freude Fotos oben und rechts: Die Strickhandtücher haben wir von Auzinger Textiles im oberösterreichischen Rohrbach (ab 28,20 Euro). Auf dem ­Altholz-Eisen-Regal von Tischler Daniel Schäfer (Preis auf Anfrage) ist viel Platz für unsere ­Badezimmer-Requisiten. Die Langhaarbürste haben wir von Biber in Dornbirn (19,95 Euro). Die Vorratsdosen von Ella Ferguson in Bernstein im Burgenland (3er-Set für 58 Euro) sind die ­optimalen Behälter für unsere Schätze. Fotos unten: Auf den handgemachten Tellern aus dem Keramikatelier Marianne Seiz in Wien (ab 16 Euro) liegt ein Rasierpinsel mit passender Rasierseife von der Benediktiner Seifenmanufaktur in St. Wolfgang im Salzkammergut (3 Euro bzw. 9,50 Euro). Die gelbe Tischleuchte „Mini Sophie“ ist von frauMaier in Esslingen/BadenWürttemberg (105 Euro).

86 Servus


Heilige ruhe Fotos oben: Den schönen Lavendelkorb aus dem oststeirischen Hügelland von Walter Friedl & Irene Friedl-Gschiel (35 Euro) gibt es im Onlineshop Servus Marktplatz. Am Spiegel hängt eine Kappe aus Wiener Geflecht von Mühlbauer in Wien (75 Euro). Fotos links und unten: Für den Badezimmer­ vorhang haben wir einen weißen Duschvorhang mit Leinen vernäht, Ösen durch beide Textilien geschlagen und Punkte aus Stoffresten mit Bügelvlies auf der Vorderseite fixiert. Dann mussten wir nur noch ein 8 mm starkes Seil durch die Ösen schlingen und das dekorative Stück auf die Stange hängen. Diese haben wir übrigens an ­einer Seite fix an die Wand montiert, auf der ­anderen Seite liegt sie einfach auf der obersten Sprosse der Leiter auf. Hinter der Armatur liegen Leinenhandtücher von Simon & Jakober (27,10 Euro pro Stück). 3

Servus  87


handwerk

Im Reich der Perlen In ihrem Atelier in Mattsee zaubert die Salzburgerin Roswitha ツュGruber aus bunten Glasstテ、ben schimmernde Perlen und strahlende Schmuckstテシcke. Text: Gerhard Hafner窶ェotos: Marco Rossi


D

ie Herbstsonne steht tief und wirft ein paar Lichtstrahlen durch das Fenster des kleinen Ateliers. Wohin man schaut, bricht sich der Sonnenschein in Tausenden von Glasperlen, die je nach Lichteinfall einmal heller, einmal dunkler schimmern. In allen Formen und Farben häufen sie sich in geflochtenen Strohkörbchen oder finden sich im leuchtenden Reigen wunderbarer Schmuckkreationen wieder. In ihrer nur knapp zehn Quadratmeter großen Werkstatt, es ist der ehemalige Ausstellungsraum eines Ofensetzers, pflegt ­Roswitha Gruber die hohe Kunst des Glas­perlendrehens. „Dafür sind handwerkliches Geschick und motorisches Feingefühl nötig“, sagt die 43-Jährige, während sie den Zweigasbrenner anwirft, aus dem eine konzentrierte Flamme hervorzischt. „Außerdem brauchst du den Blick für Proportionen und – das ist das Wichtigste – Geduld. Man muss ein G’spür für die Arbeit an der Flamme bekommen, und das erreicht man nur durch ganz viel Übung.“ Feinste Präzisionsarbeit

Auf dem schweren alten Holztisch, den ihr der Vorbesitzer überlassen hat, hält sie nun bunte Glasstäbe in die 1.000 Grad heiße Flamme und formt daraus verspielte Glaskreationen. In feinster Präzisionsarbeit entstehen hier Perlen mit Punkten, Rillen oder Blumenmuster und ganz besondere Stücke wie etwa Erdbeeren, Seesterne, Blumen­ elfen oder sinnliche Venusfiguren. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, schwärmt die Künstlerin. „Man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Wart, ich zeig’s dir.“ Schon hat Roswitha die Schutzbrille ­aufgesetzt und greift behände zu ihren ­Arbeitsutensilien. Mit der linken Hand schnappt sie sich einen Edelstahlstab, den sogenannten Dorn, dessen Ende in ein Trennmittel getaucht wird, damit sich das erkaltete Glas später davon abschieben lässt. Mit der Rechten langt sie nach einem weißen Muranoglasstab. ➻

In Roswitha Grubers ­Atelier (linke Seite) schimmert und funkelt es, wohin man schaut. Glasstäbe in allen Farben (ganz oben) sind das Ausgangsmaterial, aus dem die Künstlerin zauberhafte Glasperlen kreiert. Dazu verwendet sie einen Zweigasbrenner, dessen 1.000 Grad heiße Flamme das amorphe Material zum Schmelzen bringt (oben). Solange das Glas erhitzt wird, kann man es nach Lust und Laune formen und bearbeiten (links).

Servus  97


Nach nur wenigen Minuten hat sich rund um den ­Edelmetalldorn eine Perle ­gewickelt. Nun beginnt die eigentliche Kunst: die ­Verzierung. Man kann die Grundperle in Glasfritten wälzen, mit Mosaiksteinen belegen, in Messing­ formen (unten) pressen oder wie hier rechts mit andersfarbigen ­Glaspunkten besetzen.

Diesen erhitzt die Künstlerin so lange über der Flamme, bis sich ein zähflüssiger, honigartiger Faden loslöst. Gleichzeitig wird unter der Flamme der Dorn gedreht, um den sich nun, einem Lavastrom en ­miniature gleich, das geschmolzene Glas wickelt. Nach ein paar Sekunden nimmt die Masse Form an, und eine Perle entsteht. „Man muss locker sitzen und darf nicht ­verkrampft sein“, erklärt Roswitha, als die schneeweiße Perle die gewünschte Größe erreicht hat. Ist die Grundperle fertig, beginnt die eigentliche Kunst. Denn jetzt wird sie veredelt. Möglichkeiten gibt es sonder Zahl. Die Perle kann in bunten Glasfritten gewälzt oder in einer der vorgefertigten Messing­formen gepresst werden. Sie kann mit anders­farbigen Glasfäden oder mit aufgeschmol­zenen Mosaiksteinen verziert werden. Wie immer es Roswitha beliebt. Verarbeitung und Formgebung machen jede aus Glas gefertigte Komposition zu ­einem Unikat, das die persönliche Handschrift des jeweiligen Handwerkers trägt. „Ist die Perle dann fertig, muss sie langsam abkühlen, damit das Glas nicht reißt“, erklärt die Expertin und öffnet einen kleinen Ofen, der am Tisch steht. „Würde die Glasperle zu schnell oder gar durch Wasserschock gekühlt werden, wäre die ganze ­Arbeit umsonst gewesen, da sie zerspringt. Daher lege ich die fertigen Objekte über Nacht in einen sogenannten Temperofen, wo sie über Stunden langsam abkühlen.“ Anschließend werden die farbenprächtigen Kunstwerke vom Dorn gezogen, geputzt und zu Schmuckstücken verarbeitet. Ketten, Armbänder, Ohrringe, Ringe, Anhänger … Das Angebot der Glasperlenkünstlerin kann sich sehen lassen. Inspirationsquelle Natur

Ihre Ideen findet Roswitha Gruber meist in der Natur. „Erst vor kurzem ist es mir bei ­einem Spaziergang um den Mattsee wieder so ergangen“, sagt sie. „Einige Boote sind übers Wasser geglitten, und in den Wellen hat das bunte Herbstlaub farbenprächtig ­getanzt. Solche Bilder versuche ich dann im Glas festzuhalten. Von der Idee bis zum fertigen Stück ist es aber ein langer Weg, ➻

98 Servus


und oft ändere ich Dinge komplett oder ­verwerfe sie. Ich arbeite ja ohne Skizzen. Das hat aber den Vorteil, dass ich während der Glasbearbeitung flexibel bin und spontan reagieren kann.“ Apropos reagieren: Das tun auch Körper und Geist der Handwerkerin. „Mit keiner Tätigkeit zuvor gelang es mir, so zur Ruhe zu kommen und abzuschalten“, sagt sie. Es begann mit Kristallsteinen

Ob Blumenelfen oder ein Venuskörper – aus Glas lassen sich viele schöne Schmuckstücke machen. Beim Arbeiten muss eine Schutzbrille getragen werden. Diese Spezialbrille aus Didymiumglas filtert einen Großteil der UVStrahlen weg und steigert die Farbsättigung im ­blauen, grünen und roten ­Bereich. Zudem schützt sie vor Glassplittern.

Seit knapp zehn Jahren ist die gebürtige Tamswegerin der Faszination des Perlendrehens erlegen. „Mein Mann hat mich dazu gebracht“, erzählt sie. „Kreativität war immer schon meine Stärke. Irgendwann hat er mir einen Sack Kristall­steine geschenkt. Daraus habe ich dann Schmuck ­gefädelt, mir nach einer Zeit allerdings gedacht, dass es doch viel aufregender wäre, das ­Material selbst herzustellen. So habe ich die Kunst des Perlendrehens für mich entdeckt.“ Was als Freizeitbeschäftigung begann, hat sich heute zu einem kleinen Unter­nehmen entwickelt. Die Mutter zweier Töchter verkauft ihre Schmuckstücke nicht nur in ihrem Studio am Mattseer Marktplatz, sondern auch übers Internet und ­natürlich auf Handwerksmärkten. An bis zu fünfzehn Wochenenden im Jahr ist die Salzburgerin in ganz Österreich unterwegs, um ihre Kleinodien auf Kunstmeilen feilzubieten. Treu an ihrer Seite ist dabei immer Ehemann Wolfgang, der quasi als „Bub für alles“ den Fahrer, Stand-Errichter und Verkäufer gibt. „Er unterstützt mich, wo es geht. Und ohne ihn wäre ich nie auf Glas gekommen – dieses Material mit seiner Formbarkeit und Transparenz ist einfach faszinierend“, sagt Roswitha. Mit einem Schmunzeln fügt sie noch hinzu: „Mein Mann und das Glas haben ja auch was gemeinsam: Sie haben mich vom ersten Moment an in ihren Bann ge­zogen. Und beide haben mich bis heute nicht mehr losgelassen.“ 3

Roswitha Gruber: Glasperlen und Allerlei, Marktplatz 8, Stroblpassage, 5163 Mattsee www.stardustbeads.at

100 Servus


Foto: Philip Platzer

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