Servus Allgäu

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REGIONALAUSGABE

ALLGÄU ERNA, RESI UND DIE ZENZI Die Krimistars Klüpfel & Kobr über ihre Heimat

MIT ALLEN SINNEN

Fühlen Warum ein Sprung ins Heu glücklich macht Sehen Feines Handwerk für Individualisten Riechen Wie Fichtenschnaps entsteht Schmecken So knusprig ist die Seele Hören Wie gesund es ist, in der Stille des Waldes zu baden


Alles auf Grün. Kühe grasen entspannt am Forggensee, wo eine ehrenwerte Landwirtschaft gepflegt wird; im Hintergrund die Ammergauer Berge.

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Foto: ddp images

Ruhe auf der Weide


HERZLICH WILLKOMMEN

ALLGÄUER ANSICHTEN Wo die Musi auf dem Wasser spielt, Kühe friedlich auf ausgedehnten Weiden grasen und allerorts Bächlein fließen.

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Fein gereift. So köstlich sieht Bergkäse aus, wenn er von Thomas Breckle mit Hingabe bearbeitet wurde.

GESCHMACK BRAUCHT GEFÜHL

GANZ GROSSER KÄSE Er schmeckt unwiderstehlich gut, der Käse von Thomas Breckle aus dem Allgäu. Die Geschichte einer reifen Leistung. TEXT: Armin Zipzer

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an kann den Hildegardplatz in Kempten allein überqueren, das ­dauert vielleicht drei Minuten. Man kann ihn aber auch mit Thomas Breckle überqueren, das dauert eine gefühlte Ewigkeit. Alle paar Schritte ruft ihm jemand zu: „Hallo, Thomas, ha, da bist du ja!“ Thomas Breckle ist bekannt, er ist beliebt. Er war namhafter Skifahrer. Er ­gehörte zur Nationalmannschaft, Skilanglauf. Das ist allerdings zwei Jahrzehnte her. Heute ist er 54, seine kornblumenblauen Augen blitzen vor Tatendrang, sein wildes Haar liegt wie ein Roggenfeld nach dem Hagelschlag, in seinen Mundwinkeln tänzelt ein charmantes Schmunzeln. Heute geht es ihm nicht mehr um

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Sekunden und Zehntelsekunden, heute geht es ihm um Genuss und Langsamkeit. Thomas Breckle veredelt Käse, er ist Käse­ affineur. Auf den Wochenmärkten in Freiburg, Hamburg, Murnau und Münster und in seinem kleinen Laden in Kempten stehen die Kunden auch schon mal Schlange. Dabei weiß man gar nicht so genau, was Affineur Thomas Breckle eigentlich macht. Es ist nämlich so: Ein Affineur – in Deutschland gibt es gerade mal fünf – kauft fertigen, ja, fertigen Käse und verkauft ihn ­irgendwann weiter. Das ist alles. Wirklich alles? Ist es natürlich nicht. Alles beginnt mit der Grundlage, in seinem Fall mit dem Käse, ➤


Fotos: Florian Bachmeier, bayern.by/Gert Krautbauer

Streicheleinheiten. Mit einer Rosshaarbürste trägt Thomas Breckle ein Gemisch aus Salz und Wasser auf die Käselaibe auf.

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FRISCHE VOM BAUM

FEINER MIT FICHTE Er liebt den Genuss, die Allgäuer Berge, den Duft des Waldes. Das brachte Jörg Pöschl auf die Idee, das Aroma junger Fichtentriebe in einem Schnaps zu bannen und damit gleich auch noch einen Schweinsbraten zu würzen. TEXT: Tristan Berger FOTOS: Sebastian Gabriel

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Handarbeit. Auf dem Dietersberg, hoch über Oberstdorf, zupft Jörg Pöschl Triebe von der mächtigen Bergfichte und genießt bei dieser Arbeit den würzig-frischen Harzgeruch.

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RADFAHREN

GRÜSSE AUS DEM PARADIES Auf 700 Kilometern schlängeln sich die Naturbiken-Touren durch die Alpen – vom Allgäu bis nach Tirol. Die Routen sind so vielfältig, dass jeder Radler seine Lieblingsstrecke findet.

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as soll die Hölle sein? Tatsächlich sieht es aus wie im Paradies, und es fühlt sich auch so an: Frauenschuh und Enzian blühen links und rechts des Weges, Rauhhorn und Geißeck schicken stumme Grüße, vor der Bildkapelle liegen zwei Radfahrer im Gras und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Warum die alte Straße von Bad Hindelang ins Oberjoch auf unserer Karte den Beinamen „In der Hölle“ trägt, bleibt ein Rätsel. Nur damit alles klar ist: Wir strampeln mit unseren Mountainbikes nicht die Passstraße ­entlang, unsere Strecke verläuft abseits des Trubels, wir sind auf einer der Naturbiken-Touren Allgäu/Tirol unterwegs, deren Strecken sich auf 700 Kilometern durch die Alpen schlängeln. Der einzige Begleiter ist die Natur, ein Wett­

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rennen liefern wir uns allenfalls mit den Bienen, die um unsere Nasen schwirren. Alle Touren sind miteinander verbunden, mit einheitlichen Wegweisern versehen und ­verlaufen zum größten Teil auf Forst- und Alpwegen, Singletrails sind höchstens mittelschwer, zudem spärlich gesät. Es geht nicht darum, steile Rampen zu bewältigen und in Rekordzeit die Gipfel zu erstürmen. Im Wesentlichen wird hier in Höhenlagen ­zwischen 800 und 1.500 Metern geradelt. Viele der Etappen führen aber auch durch die saftig grünen Täler zu den Allgäuer Seen und Sehenswürdigkeiten. Kurzum: Die Allgäuer NaturbikenTouren erfreuen Sportler und Genießer. Ein ­weiterer Pluspunkt: Das Radvergnügen endet nicht dort, wo das Allgäu zu Ende ist. ➤

Foto: Allgäu GmbH/Martin Erd

TEXT: Christian Schreiber


Auf die Alm. Mit Schwung bergauf, vorbei an der Krinnenalpe. Im Hintergrund Gimpel und Rote Flüh.

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Foto: Allgäu GmbH/Marc Oeder

Über blühende Wiesen. Ein herrlich warmer Frühsommer­ tag – gut gelaunt geht es zügig bergauf. Im Hintergrund die Ammergauer Alpen mit Tegelberg und Säuling.

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WANDERN

9 WEGE ZUM GLÜCK Wunderbar ist es, das Allgäu zu Fuß zu erkunden. Die Wandertrilogie führt über drei jeweils hunderte Kilometer lange Routen kreuz und quer durchs ganze Land. Wir haben 3 mal 3 Etappen ausgewählt – jede ein Genuss. TEXT: Martin Fraas

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