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DEUTSCHLAND NOVEMBER 2018, € 2,50

SHOOTINGSTAR DAVID KROSS

Was mir Kate Winslet und Steven Spielberg beibrachten

DIE MUTIGSTE POP-SÄNGERIN DER WELT Robyn bricht nach acht Jahren ihr Schweigen

JETZT GIBT’S AUF DIE OHREN 20 deutsche Podcasts, die dich packen

Der Franzose Guillaume Galvani, 2000 Meter über der Ägäis

DAS KANNST DU AUCH Extremsportler verraten, wie du in jeder Lage gelassen bleibst

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DEUTSCHLAND NOVEMBER 2018, € 2,50

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

EXTREMSPORT IM JOB-ALLTAG Top-Sportler geben Tipps gegen Stress SHOOTING STAR DAVID KROSS Was mir Kate Winslet beibrachte

Gegen

jede Regel PLUS 20 deutsche Podcasts, die dich packen

Warum Robyn der mutigste Popstar der Welt ist Für Abonnenten der


E DI TO R I A L

WILLKOMMEN

AM BECKENRAND MARK BAILEY

Adam Peaty, der Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler im Brustschwimmen, beeindruckte den britischen Autor (u. a. „Financial Times“, „The Daily Telegraph“) mit seiner Wandlungsfähigkeit: „Im Wasser wurde der ­entspannte 23-Jährige zum wilden Tier.“ Ab Seite 50

IN BESTER GESELLSCHAFT FOTO-HIGHLIGHTS

2017 schickten wir den Fotografen Jim Krantz für eine Story über Stier­ springer nach Madrid. Das „Communication Arts“Magazin würdigt Krantz’ ­Fotos nun neben Projekten der „New York Times“ (o.) oder des „Time“Magazins. Well done!

Sie lieben den freien Fall aus Flugzeugen, erklimmen Felsgiganten ohne Sicherung und kämpfen sich 3000 Kilometer durch Schnee und Eis in der Arktis: Die Extremsportler und Abenteurer unserer Coverstory wissen, was Stress ­bedeutet – und vor allem, was dagegen hilft. Ab Seite 20 erklären sie, warum ihre mentalen Strategien auch gelten, wenn du vor To-dos ­unterzugehen drohst oder sich die Vorstellung deiner Präsentation vor der neuen Geschäftsführung anfühlt wie ein Blick in eine Gletscherspalte. Viel Erfolg mit den Guides für die nächsten Abenteuer deines Lebens! Und natürlich auch sonst: Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion

HERHÖREN! MARC BAUMANN Große Podcast-Kunst können nur die Ameri­ kaner? Nicht doch: Autor und Podcast-Fan Marc Baumann (u. a. „SZ Magazin“) fand 20 deutsche Titel mit Sucht­potenzial. Ab Seite 60

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SATZ DES MONATS

„Trag Konflikte offen aus – dabei kann kreative Chaosenergie entstehen!“ Warum Schauspiel-Star David Kross zum Lernen Krach braucht, erfährst du ab Seite 34.

RECHERCHE IM GRÜNEN TOM GUISE

Auf der Suche nach der verlorenen Stadt Teyuna schlug sich unser britischer Redakteur durch den kolumbianischen Dschungel. Was er von den inidigenen Bewohnern vor Ort über ­unseren Planeten lernte, liest du ab Seite 78.

THE RED BULLETIN

TRISTAN SHU (COVER ACTION), HEJI SHIN (COVER ROBYN)

... HART AM LIMIT


Wenn aus Bewegung Punkte werden. Mit der TK App fĂźr unsere Versicherten. Fortschritt leben. Die Techniker

dietechniker.de


I N H A LT The Red Bulletin November 2018

ABENTEUER

20 EXTREM INSPIRIEREND

KARRIERE

32 WIE ZOË KRAVITZ AN GUTE ROLLEN KOMMT

Und wie du ihre Taktik auch in deinem Alltag nutzen kannst.

SHOOTING-STAR

34 D ER MANN, DER STEVEN SPIELBERG ÜBERZEUGTE

Schauspieler David Kross über die Arbeit mit dem Regie-Großmeister und seine neue Rolle als Torwart.

KARATE

38 D IE KLASSENKÄMPFERIN

Für Olympia zurück auf null: der Neustart von Welt- und Europameisterin Alisa Buchinger.

KÖRPERKUNST

40 E R HAT DIE HAARE HOCH

Wie Benny Harlem zum FrisurWeltrekordhalter (und Kämpfer für mehr Selbstakzeptanz) wurde. 8  GALLERY 14 ZAHLEN, BITTE! 16 FUNDSTÜCK

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18 LIFE HACKS 48 INNOVATOR

POP-COMEBACK

42 ROBYN, DIE REBELLIN

Nach acht Jahren ist die Schwedin zurück in einem Business, in dem sie mit jeder Konvention bricht.

CHAMPION

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STEILE STRECKEN So funktioniert Red Bull Rampage, der Everest der Freeride-Mountainbiker

50 GLADIATOR IM SCHWIMMBECKEN

DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL, RYAN SCHUDE/GUINNESS WORLD RECORDS, TRUNK ARCHIVE JOCHEN SCHIEVINK

Bergsteiger, Polarforscher, Sky­ diver: Bei uns verraten neun TopAthleten ihre Tipps gegen Angst, Stress und Leistungsdruck.

Olympiasieger, Weltmeister, Weltrekordhalter: im Becken mit Ausnahme-Schwimmer Adam Peaty.

PODCASTS

60 DAS MEDIUM DER STUNDE

Zum Boom der schlauen Audio­ formate: 20 Hörtipps für Karriere, Sport, Erfolg oder Sex.

RED BULL RAMPAGE

66 DER GUIDE ZUM WILDESTEN RAD- EVENT DER WELT Klapperschlangen, Spezialsand, gigantische Felsspalten: die Facts zum Freeride-Downhill-Klassiker. 96 IMPRESSUM 98 ACTION-HIGHLIGHT

40 HOHE HAARE Was hinter Benny Harlems 52-Zentimeter-Weltrekordfrisur steckt

THE RED BULLETIN


„Während du Routine erledigst, reitest du mit den Ohren die Wellen vor Hawaii.“ ÜBER DIE POWER VON PODCASTS, ab Seite 60

guide

DEIN PROGRAMM

78 REISEN Entdecke auf Indiana Jones’ Spuren die „Ver­ lorene Stadt“ Teyuna in Kolumbiens Dschungel. 82 ENTERTAINMENT Red Bull TV-Highlights, live und on demand. 83 FITNESS So trainiert die un­ gewöhnlichste BallettTänzerin der Welt. 84 ESSEN Warum du lila Wurzeln essen solltest und wie das perfekte Ei gelingt. 85 EVENTS Diese Termine solltest du dir im Kalender fett anstreichen.

60 SCHLAUE SENDUNG Die besten deutschen Podcasts für Sport, Karriere, Sex und Humor THE RED BULLETIN 

32 GUTE GENE Schauspielerin Zoë Kravitz über ihre berühmten Eltern und Waldorfschulen

88 UHREN Dreizehn Zeitmesser mit ganz besonderen Funktionen und sieben Fakten aus einer Welt der „Komplikationen“.

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WOLFGANG WIESER

GA L L E RY

Cliff Diving

ROMINA AMATO/RED BULL CONTENT POOL

KOPFÜBER INS GLÜCK

Gleich taucht die Kanadierin Lysanne Richard, 37, in das türkise Wasser des Schweizer Vierwaldstättersees ein. Es ist ein 21 Meter tiefer Sprung ins Glück – nach einem Jahr Verletzungspause schafft sie erstmals wieder Platz eins auf einem Stopp der Red Bull Cliff Diving World Series. Alle Stopps: cliffdiving.redbull.com

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THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 

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GA L L E RY

Grüne Kunst

WOLFGANG WIESER

NEU IM GARTEN: SAMUREIS

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GETTY IMAGES

Zwei Herren mit grimmigem Blick – es sind die Samurais Sanada Masayuki und Ishida Mitsunari (16. Jhdt.). Gewachsen aus Reis im japanischen Inakadate, schön bunt dank verschiedener Sorten. Seit 1993 sprießen aus dem Boden der Agrarstadt überlebensgroße Kunstwerke. Im Auge ­eines Kriegers hätte ein Kleinwagen Platz. Reise-Infos: en-aomori.com

THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 

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GA L L E RY

Skate-History

POOLPARTY

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DAN KRAUSS

WOLFGANG WIESER

Dass der junge Mann seinen Trick (einen „Frontside 5-0 Grind“) halbnackt zelebriert, werten wir als Zeichen der Würdigung dieser Location. Denn die „Nude Bowl“, einst ein ­Nudisten-Pool in der Wüste Südkaliforniens, ist so beliebt, dass Skater sie freischaufelten, nachdem Polizisten sie zugeschüttet hatten. Ob Fotograf Dan Krauss während des Shootings Kleidung trug, wissen wir leider nicht. Mehr Bilder: dankraussphoto.com

THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 

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ZAHL E N, B I TT E !

Halloween

DAS 9-MILLIARDENDOLLAR-FEST Am 31. Oktober ziehen kostümierte Kids auf der Jagd nach Süßigkeiten von Haus zu Haus (und besorgte Nachbarn verrammeln ihre Türen). Die schaurig-schönsten Zahlen zur Gruselnacht: vom schnellsten Kürbisschnitzer bis zum schrillsten Schrei.

1745

wurde der Begriff Hallowe’en als Kurzform von All Hallows’ Eve (Abend vor Allerheiligen) erstmals im Schottischen verwendet.

2006

16,47

drehte die Hälfte der britischen Haushalte zu Halloween das Licht ab, um klingelnde Kinder zu täuschen.

Sekunden braucht der Weltrekord­ schnitzer Stephen Clarke, um einem Kürbis ein Gesicht zu verpassen.

16

21

Drehtage und 320.000 Dollar benötigte Regisseur John Carpenter 1978 für seinen Kult-Schocker „Halloween“.

Prozent der Amerikaner verkleiden ihr Haustier an Halloween. Populärstes Kostüm: ein Kürbis.

230

1920

fand die erste US-HalloweenParade in Anoka, Minnesota, der „Halloween-Hauptstadt der Welt“, statt.

n. Chr. beschrieb der griechische Historiker Athenaios erstmals Kinder, die in Kostümen von Haus zu Haus zogen und singend um Gaben baten.

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Dezibel (Presslufthammer-Pegel) maß das lauteste Gebrüll eines HalloweenSchrei-Wettbewerbs. Rekordhalterin: eine 66-jährige Lehrerin aus England.

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9.100.000.000

0

Kinder sind nachweislich je von Fremden mit HalloweenSüßigkeiten vergiftet worden. Trotzdem hält sich diese urbane Legende hartnäckig.

Dollar gaben die Amerikaner letztes Jahr an Halloween aus. Mehr Geld an einem Festtag wird nur zu Weihnachten umgesetzt. THE RED BULLETIN

CLAUDIA MEITERT

Kilogramm wog der schwerste Kürbis der Welt, 2016 vom Belgier Mathias Willemijns geerntet.

Prozent der US-Eltern stibitzen Süßigkeiten aus dem Beutesack ihrer Kinder.

GETTY IMAGES

1190,49

90


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F U ND ST Ü CK

Weltraumsport

DER ERSTE GOLFER AUF DEM MOND Der erste Ball landete in einem K ­ rater. Doch der zweite flog „­ miles and miles and miles“, wie der Commander des Apollo-14-­Mond­flugs, Alan Shepard, am 6. Februar 1971 on air behauptet. Tatsächlich waren es bloß 200 Meter. Das Sechser-Eisen für die Golf-Premiere auf dem Mond hatte er als Werkzeug g ­ etarnt in seinem Anzug in das Raumschiff geschmuggelt, die Bälle in einer Socke. Den GolfRekord im All hält jedoch Michail Tjurin. Der Russe schlug 2006 von der Raumstation ISS ab. Der Ball umkreiste 48-mal die Erde.

All-Eisen: Alan Shepards Golfschläger (mit abschraubbarem Griff), den der US-Astronaut 1971 auf den Mond schmuggelte

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THE RED BULLETIN

HENRY LEUTWYLER, NASA

CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO

Cooler geht nicht: Video-Standbild des Astronauten Alan Shepard 1971 beim Abschlag auf dem Mond


L IF E HACKS

Selber machen

TRICKS FÜR DEINE TREKKING-TOUR Pfiffige Lösungen für konkrete Probleme. Dieses Mal: Wandern in der Wildnis. Wir packen faltenlos, entfachen Feuer und finden zurück nach Hause – auch wenn Google Maps spinnt.

ERSATZKLEIDUNG PACKEN

Rollen statt stopfen Freilich: Du kannst Ersatz-T-Shirt, -Shorts und -Socken wie bisher in deinen Rucksack quetschen. Wenn du aber Platz sparen (und Falten vermeiden) willst, machst du es besser so:

FEUER MACHEN

Her mit den Snacks! Kein Grillanzünder? Nimm Chips mit hohem Pflanzenöl- und Fettanteil.

 1 Shorts falten, mittig auf den Brustbereich des Shirts legen, Ärmel einklappen.

OHNE KOMPASS NAVIGIEREN

Nutze das Erdmagnetfeld Nadelspitze 50-mal an deinen Haaren reiben (magnetisieren). Dann zeigt sie im Wasserbad nach Norden.

2 Socken über den Kragen des Shirts legen und nach unten einrollen.

Die beiden Sockenenden über das T-Shirt stülpen.

LAGER AUSLEUCHTEN

Verstärke deine Lampe Befestige eine Stirnlampe um einen Wasserkanister. Jetzt siehst du mehr.

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SASCHA BIERL

Voilà! Eine knitterfreie Kleiderrolle.

ANDREAS ROTTENSCHLAGER

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THE RED BULLETIN


NATÜRLICH KÖNNTEST DU AM WOCHENENDE AUCH EIN GUTES BUCH LESEN … FÜR DEINE LEIDENSCHAFT GEBEN WIR ALLES

Neu in unserem

Brandstore.

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TRISTAN SHU

Experte für Nerven­ stärke: der französische Skydiver Guillaume Galvani im freien Fall über der türkischen Mittelmeerküste


EXTREM INSPIRIEREND

Dein Chef sitzt dir im Nacken? Deine Arbeit treibt dich in den Wahnsinn? Wir haben neun Extremsportler gefragt, wie sie mit Ängsten, Stress und Leistungsdruck umgehen. Sie sagen: Unsere Tricks aus der Gefahrenzone kann jeder Mensch im Alltag nutzen. Text MARK BAILEY



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EXT REM INSPIRI EREN D

GUILLAUME GALVANI BEWERTE RISIKEN WIE EIN SKYDIVER

„Wer allen Risiken aus dem Weg geht, entwickelt sich nicht weiter – weder per­ sönlich noch beruflich“, sagt der Fran­ zose Guillaume Galvani, der sich für das dezent pulsbeschleunigende Bild auf der vorherigen Seite 2000 Meter oberhalb der türkischen Ägäis aus einem Para­ gleiter ausgeklinkt hat. Seine gute Nach­ richt: Jeder kann Risiken bewältigen. Und dafür umgehend belohnt werden – z. B. mit einer Beförderung oder mit der Finisher-Medaille eines Marathonlaufs. „Ich bin kein Superman“, sagt er, „sondern bloß ein Normalo, der seinen Traum lebt, wie ein Vogel zu fliegen.“ Galvanis Meinung nach lässt sich jedes Risiko auf ein Minimum beschränken, wenn man die nötige Zeit und Mühe in­ vestiert. „Luftsport ist gefährlich. Aber Gefahren kann man abwägen, bewerten, beseitigen oder vermeiden. Zuerst musst du geduldig an den Fertigkeiten arbeiten, die deine mentalen und körper­ lichen Voraussetzungen erlauben. Dabei wirst du die Ideen, Einsichten und Erfah­ rungen entwickeln, die dir helfen, Risiken ein- und Grenzen abzuschätzen. Jetzt kannst du wie ich von Felswänden sprin­ gen – oder eben nicht, weil du weißt, wann es zu gefährlich ist.“ Sobald man Risiken auf ein bewältig­ bares Maß zusammenstutzen kann, ­erntet man umgehend die Früchte.

„Wer allen Risiken im Leben aus dem Weg geht, entwickelt sich nicht weiter.“ 22  

ALEX MEGOS LOTE GRENZEN AUS WIE EIN KLETTER-PROFI Die erste Präsentation vor der ­Geschäftsführung; die Organisation ­eines wichtigen Kunden-Events; der berufliche Aufstieg in eine höhere ­Position mit gänzlich neuen Heraus­ forderungen: Wir alle kennen Aufgaben, bei denen wir uns fragen: „Ist das eine Nummer zu groß für mich?“ Oder: „Wie sehr sollte ich mich dafür verausgaben?“ Alexander Megos ist Experte für schwierige Projekte. Der 25-jährige ­Erlanger zählt zu den besten ExtremKletterern der Welt. Sein bisher spektakulärstes Hindernis überwand er 2013 in Katalonien. Dort bezwang er als ­erster Mensch die legendäre „Estado critico“-Route „on sight“ (also ohne Vorbereitung in einem Versuch) – ein steinernes Ungetüm mit wenigen Millimeter schmalen Griffmöglichkeiten und zehn Metern Überhang. Um solche schier übermenschlichen Aufgaben zu meistern, empfiehlt Megos zwei ­Regeln. Erstens: Schöpfe deine Grenzen voll aus. Zweitens: Hab keine Angst vor Rückschlägen. Megos weiß, dass auch seine Kraft irgendwann zu Ende ist. Genau in diesen Momenten macht er sich bewusst, dass er nicht mehr lange durchhält. „Aber ‚nicht mehr lange‘ bedeutet ja auch, dass ich noch für einen Moment mein Bestes geben kann“, sagt er. „Und wenn es nur zehn Sekunden sind.“ Zehn Sekunden, zehn Millimeter,

die ausreichen können, um etwas zu schaffen, was einem niemand zu­ getraut hat. Übersetzt in den Alltag, ­bedeutet das nach Megos: „Lerne durch Erfahrung, frühe Warnsignale deines Körpers zu lesen. Setz dir dann klare Limits und gib bis dahin Vollgas.“ Weil Erwartungsdruck die Leistung mindert, empfiehlt er außerdem, sich von der Angst vor dem Scheitern zu befreien. „Es gibt einen Unterschied zwischen Scheitern und keinen Erfolg haben“, sagt er. Man könne jedes Fallen als Scheitern ansehen – oder es als Fortschritt wertschätzen. „Nur wer im Kopf mit einem Projekt abschließt und es aufgibt, ist wirklich gescheitert.“

„Setz dir ein klares Limit und gib bis dahin Vollgas.“


THOMAS BALLENBERGER/RED BULL CONTENT POOL, KEN ETZEL/RED BULL CONTENT POOL, GUILLAUME GALVANI

Schön schräg: Der Kletterer Alexander Megos gilt als Spezialist für Überhänge.


EXT REM INSPIRI EREN D

richtig Spaß.‘ Dann schaltete das Hirn den Alarmmodus ab, der mich zum Anhalten zwingen sollte.“ Ging ihre Motivation den Bach runter, stachelte sie sich mit Kritik an: „Ich sagte mir: ,Komm schon, du Penner, jetzt mach aber mal.‘“ In kritischen Situationen weckte sie den Feldwebel in ihr: „Dann schimpfte ich: ,Los jetzt! Ist das wirklich alles, was du zu bieten hast?‘“ Und manchmal half es, über sich selbst zu lachen: „Dann kam so etwas wie: ,Dummes Mädchen, was ist dir da wieder passiert?‘ Wenn man dar­über lacht, fühlt sich ein Problem nicht mehr so schwer an.“ Ein Arsenal von Motivationssprüchen hilft auch an lustlosen Tagen im Fitnessstudio oder beim Umgang mit schlechten Neuigkeiten. Und belohnt einen mit tollen Erfolgserlebnissen: „Manchmal fühlte ich mich müde oder krank. Wenn ich es dann aber schaffte, diese Momente zu übertauchen, war ich voller Euphorie. Ich fühlte, wie viel noch in mir steckt. Und jetzt weiß ich: Ich kann alles durchstehen, was ich will.“

„Mein Trick: Ich führe Selbst­ gespräche. Mit Kritik und Humor kannst du dein Gehirn überlisten.“ Juliana Buhring beim Trans Am Bike Race (2014). Im Jahr 2012 umrundete sie als bisher schnellste Frau die Welt in 152 Tagen.

EDDY CLARK, DAMIANO LEVATI

JULIANA BUHRING DURCHHALTEN WIE EINE WELT­ UMRADLERIN

Manchmal rauben uns schlechte Erfahrungen, Rückschläge oder Stimmungsschwankungen Energie und Motivation. Die Ultra-Endurance-Radsportlerin ­Juliana Buhring weiß, wie man sich in harten Zeiten durchbeißt – spätestens seit sie im Jahr 2012 als schnellste Frau der Geschichte die Welt auf dem Fahrrad umrundet hat. Auf ihrer 152 Tage und 29.060 Kilometer langen Odyssee überstand sie eine Unterkühlung in Neuseeland, einen Zyklon in Indien und die At­ tacken wilder Hunderudel in der Türkei. „Jeder schlimme Moment geht vorbei“, sagt die heute 37-Jährige. In schwierigen Momenten bewahrte sie mithilfe von Selbstgesprächen ihre mentale Stärke – eine psychologische Technik, in der bestimmte Wörter oder Phrasen die Stimmung beeinflussen. ­Davon hatte sie eine ganze Werkzeug­ kiste für unterschiedliche Situationen gepackt. Gegen Schmerzen und Langeweile half Aufmunterung: „Ich über­ listete mein Gehirn und sagte so etwas wie: ‚So eine geniale Tour! Das macht ja


JEZ BRAGG FINDE INNEREN FRIEDEN WIE EIN ULTRARUNNER In der Hektik unserer vernetzten Welt könnte uns manchmal fast der Schädel explodieren. Innerer Friede? Im Gegenteil! Umso wichtiger ist es, unser Gehirn mit achtsamem Denken zu beruhigen, sagt Ultraläufer Jez Bragg – im Büro genauso wie bei einem 160-KilometerLauf. „Konzentrier dich auf das Jetzt“, rät Bragg, der 2013 auf dem 3000 Kilometer langen Te Araroa Trail Neuseeland durchquerte und dabei zwölf Paar Schuhe verbrauchte. „Achte auf den Ausblick, auf das Wetter, auf die Empfindungen deines Körpers, auf alles, was du gerade erlebst. Das erdet.“ Wer fokussiert im Jetzt lebt, verliert sich nicht in Katastrophen­szenarien – und hat bessere Erfolgsaussichten für seine Ziele. Denn mit dieser Technik lässt sich nicht nur der 170 Kilometer lange Ultra-Trail du Mont Blanc bewältigen (den Bragg 2010 gewonnen hat), sondern auch jeder stressige Arbeitstag. „Wenn du nur an die nächsten paar Schritte denkst und nicht an das Ziel, hat das einen unheimlich beruhigenden Effekt“, sagt der 37-Jährige. Beim ­Fokussieren hilft es, sich auf die Wahrnehmung möglichst vieler Sinnes­ eindrücke zu konzentrieren, vom Geruch bis zum Luftzug – eine Methode, die man gut in den Mittagsspaziergang oder die Pause nach einem ­aufwühlenden Streit einbauen kann. Wer dies regelmäßig übt, hält negative Gedanken wirksam in Schach. „Beim ­Laufen checke ich mich regelmäßig selbst durch“, sagt Bragg, „so kann ich schnell den Grund für ein Tief herausfinden und es lösen.“ Seine Methode kommt Bragg auch in seinem Brotberuf als Bauprojekt­ manager zugute. „Mein Verstand wird dadurch so klar“, sagt er, „dass mir beim Tagträumen ganz von selbst die Lösungen für Probleme oder Job­ aufgaben einfallen.“

„Gerüche, Schritte, Atmung: Achtsamkeit hilft dir, immer bei Verstand zu bleiben.“ Ultrarunner Bragg am 3000 Kilometer langen Te Araroa Trail in Neuseeland. Bis ins Ziel verbrauchte er zwölf Paar Schuhe.

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EXT REM INSPIRI EREN D

BEN SAUNDERS ORGANISIERE DAS CHAOS WIE EIN POLARFORSCHER

„Verschwende keine Energie an Dinge, die du nicht beeinflussen kannst.“ Der Brite Ben Saunders legte 2013/14 auf seiner Antarktis-Wanderung 2913 Kilo­meter zurück – und nahm dabei 22 Kilo ab.

Manchmal fühlen wir uns angesichts voller Posteingänge, knapper Deadlines und später Überstunden, als hätten wir die Kontrolle über unser Leben verloren. Der Polarforscher Ben Saunders kämpft gegen Naturgewalten grundsätzlicherer Art. „Im Polargebiet bist du dermaßen auf dich allein gestellt, dass es dich manchmal förmlich überwältigt“, sagt Saunders, der gemeinsam mit Tarka L’Herpiniere 2013/14 in der Antarktis 2913 Kilometer zurücklegte, die längste Polarreise aller Zeiten. „Die Antarktis ist der kälteste, trockenste und windigste Ort der Welt. Man fühlt sich wie ein ­Astronaut im Weltall. Rund um dich ist Todeszone.“ In diesem Chaos der Elemente ent­ wickelte der Vierzigjährige psycho­ logische Tricks, mit denen er während seiner 105-tägigen Antarktis-Expedition Ordnung ins Chaos brachte. An erster Stelle: präzise Tages- und Stundenpläne.

Sie reduzieren den Stress und ver­ mitteln Kontrolle – im Kampf gegen den Erfrierungstod genauso wie an ver­ rückten Montagen im Büro. „In der Antarktis legte ich großen Wert auf strikte Tagesabläufe“, erklärt Saunders. „Aufwachen, Ofen anheizen, Wasser schmelzen, den Schlitten nach einem speziellen System packen. Den übrigen Tag unterteilte ich in Zeitblöcke von 90 Minuten, nach denen ich aß und wichtige Tagesaufgaben ausführte.“ Für zusätzliche Ordnung sorgten farb­ codierte Taschen: blau für Lebensmittel, rot für Schutzbrille und Fäustlinge. Was neurotisch klingt, war lebensnotwendig: „In der Antarktis kannst du wegen eines verlorenen Fäustlings sterben“, sagt er. Klare Strukturen bringen dich auch dann durch einen harten Tag, wenn du müde bist, gestresst oder nicht im Voll­ besitz deiner körperlichen oder geistigen Kräfte. „Du kannst einfach auf Autopilot


ANDY WARD, MARTIN HARTLEY

schalten“, weiß Saunders, der bei seiner Antarktis-Expedition 22 Kilo Körper­ gewicht verloren hat. Seine Methode ergibt auch im Alltag Sinn: „Ich bin schon in der Planungsphase einer Expedition ein eingefleischter Listenschreiber“, lacht er. „Mein ganzes Leben ist in einer App namens Things organisiert, damit ich den Überblick über Training, Sponsoren, Essen und Ausrüstung behalte. Ich stelle mir dann immer vor, ich wäre der CEO meines eigenen Lebens – nur logisch, dass ich über jedes Detail ­informiert sein will.“ Wenn die Steuererklärung oder der Arbeitsbericht fertig werden muss, setzt uns der Zeitdruck oft unter zusätzlichen Stress. Das kennt auch Saunders: „2014 hätte uns jeder Tag, den wir zu spät angekommen wären, jeweils 30- bis 40.000 Dollar für die Räumung der Start- und Landebahn gekostet.“ Die Lösung: unterschied­liche Schubladen.

„Farbsysteme, Apps, Listen: Klare Strukturen bringen dich durch harte Tage.“

„Ich verschwende keine Energie an ­Dinge wie Sicht-, Wind- und Schnee­ verhältnisse, die ich nicht ändern kann“, sagt er. „Und konzentriere mich auf das, worauf ich Einfluss habe: schlau navi­ gieren, effizient vorankommen, nichts verlieren. Der Rest wird sich fügen.“ Außerdem sollten wir alle regelmäßig neue Herausforderungen annehmen, um unsere Sinne zu schärfen, empfiehlt Saunders. Es muss ja nicht gleich eine Polarexpedition sein: „Wer zum Beispiel einmal einen Marathon gelaufen ist, kann sich bei der nächsten Anstrengung sagen: ‚Ich habe schon Schlimmeres durchgestanden, also werde ich auch das schaffen.‘“

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EXT REM INSPIRI EREN D

CORINNA SCHWIEGERSHAUSEN ÜBERWINDE DEINE ANGST WIE EINE DRACHENFLIEGERIN

Enge Räume, Massenaufläufe, Flug­ reisen: Manche Menschen fürchten be­ stimmte Szenarien derart, dass sie sie um jeden Preis vermeiden und so ihr Leben einschränken. Drachenfliegerin Corinna Schwiegershausen beweist, dass wir diese Schwächen besiegen und sogar in Stärken verwandeln können. Die Bremerin leidet unter Höhenangst und ist Weltmeisterin im Drachen­ fliegen. Zuletzt flog sie weiter als je eine Frau zuvor, 407,8 Kilometer legte sie über Brasiliens Urwäldern zurück. Wer über längere Zeiten unter einer Phobie leidet, sollte sich ärztlichen Rat suchen. Bei milderen Formen solcher Ängste rät Schwiegershausen: „Rou­ tinen geben Sicherheit und können dir helfen, dich ganz auf die Gegenwart zu konzentrieren.“ So legt sie ihre Aus­ rüstung stets in derselben Reihenfolge an, und mit jedem Klicken und Surren der Gurte vergrößert sich ihre innere Ruhe – durch den gelernten Ablauf und weil sie genau wahrnimmt, wie sie sich in eine Konstruktion begibt, die sie kennt und auf die sie sich hundert­ prozentig verlassen kann.

Der entscheidende Teil aber kommt beim Start: Wenn Corinna Schwiegers­ hausen zum Abheben den Hang hinun­ terläuft, schlägt ihr Herz etwas höher. „Aber sobald ich ein paar Meter in der Luft bin und mich in die Liegeposition begeben habe, spüre ich bewusst mit dem ganzen Körper, dass meine Flügel mich tragen, und es stellt sich eine Freude am Fliegen ein.“ Mit anderen Worten: Indem Schwiegershausen ihre Aufmerksamkeit gezielt darauf richtet, was sie in der Höhe schützt, baut sie Vertrauen auf und kann die gefürchtete Situation sogar genießen. Eine Strate­ gie, die auch im Alltag helfen kann: Wenn dich die Angst packt, nimm be­ wusst wahr, was dich schützt.

„Routinen können dir helfen, dich ganz auf den Moment zu konzentrieren.“ Corinna Schwiegershausen, zwölffache Weltmeisterin im Drachenfliegen


„Ich verwandle schlechte Gedanken in Autos, die davonfahren.“

MARCELO MARAGNI/RED BULL CONTENT POOL, SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL, DISCOVERY

2013 machte Abenteurer Stafford bei der Fernsehserie „Naked and Marooned“ mit. Zuvor war er bereits den Amazonas in ­dessen ganzer Länge entlanggewandert.

ED STAFFORD BLENDE NEGATIVE GEDANKEN AUS WIE EIN ABENTEURER Geldsorgen, Angst um den Arbeitsplatz oder die Mühen eines Umzugs können dich richtig runterziehen. Der Aben­ teurer Ed Stafford, der im Oktober 2008 als erster Mensch den Amazonas in ­dessen ganzer Länge abwanderte, kennt noch ein paar andere Probleme: Bei s­ einem 860-Tage-Marsch machte er ­Bekanntschaft mit Drogenschmugglern, Giftschlangen und den Pfeilen der Ein­ geborenen. Ein Mann von übermensch­ licher Gelassenheit? „Ich schwankte dauernd zwischen Paranoia- und Angst­ zuständen“, erklärt der 42-Jährige. THE RED BULLETIN 

Zur Vorbereitung auf die sechzig­ tägige TV-Show „Naked and Marooned“, für die Stafford auf einer einsamen Insel aus­gesetzt wurde, las er sich in Psycho­ logie ein. Auf der Insel konzentrierte er sich auf zwei Techniken. Erstens: täg­ liches Meditieren. „Zu Hause benutze ich eine App namens Headspace, die zwanzigminütige Meditationssitzungen anbietet und dich ermutigt, negative Ge­ danken loszulassen“, sagt er. „Ich stelle mir zum Beispiel vor, an der Autobahn zu sitzen und meine negativen Gedanken in Autos zu verwandeln. Der Trick ist, ­ihnen weder vor die Motorhaube zu springen noch einzusteigen – sondern sie einfach davonfahren zu lassen.“ Wenn dieser Trick bei Stafford funktio­ niert hat, der im Fernsehen aus Hunger und Müdigkeit unter anderem an den Knochen einer toten Maus genagt hat, wird er auch bei dir klappen.

Seine zweite Taktik hat er von aus­ tralischen Aborigines abgeschaut. „Sie glauben, dass wir drei Gehirne haben“, sagt er. „Das größte ist für dein Bauch­ gefühl und deinen Instinkt; das mittlere für deine Emotionen, das kleinste für logisches Denken. Sie nennen es ‚ngan ­duppurru‘, was auch ‚ein Fischernetz, das nicht mehr repariert werden kann‘, bedeutet. Sehr passend.“ Staffords ­Meinung nach sollten gerade wir Westler, die hauptsächlich mit dem kleinsten der drei Hirne denken, unsere Prioritäten neu ordnen. „Das Logikhirn kann gegen Ängste nichts ausrichten. Folge besser deinem Bauchgefühl und benütze die zwei anderen nur als Kontrollinstanz, bevor du handelst.“ Für Stafford ist die Aborigines-Philosophie der Schlüssel zu emotionaler Balance. Und die ist es­ senziell: „Unser Kopf ist das wichtigste Über­lebensinstrument, das es gibt.“   29


RAFA ORTIZ FINDE DEINEN FLOW WIE EIN EXTREMKAJAKFAHRER

Für die persönliche Bestzeit auf der Hausstrecke oder für die Verhandlung mit dem schwierigen Kunden braucht es diesen gewissen Flow – ein Gefühl totaler Konzentration, das dich alle Ablenkungen ausblenden und alle Herausforderungen instinktiv meistern lässt. Wenn sich der mexikanische ExtremKajakfahrer Rafa Ortiz potenziell ­halsbrecherische Wasserfälle hinunterstürzt, ist diese Konzentration über­ lebensnotwendig. Schon ein winziger Moment der Unaufmerksamkeit könnte ihn das Leben kosten. „Du musst hoch konzentriert und völlig entspannt zur selben Zeit sein“, sagt der 31-Jährige, der es 2012 mit den 57 Meter hohen Palouse Falls in Washington, USA, aufnahm und im ­Fallen 130 bis 150 km/h erreichte. „Dann können dir Ablenkungen nichts mehr anhaben. Die größten Fehler ­passieren, wenn man abgelenkt ist.“ Unglücklicherweise leben wir heute im Zeitalter permanenter Ablenkung. „Früher hattest du ,Snake‘ am Handy, jetzt wollen über tausend Apps und Benachrichtigungen deine Aufmerksamkeit. Das moderne Leben zerstört die Konzentration, die du für den Erfolg brauchst. Aber mit dem richtigen Fokus kannst du alles erreichen.“ Im Jahr 2013 bot Ortiz seinen Fokus für das steilste schiffbare Wildwasser der Welt auf – eine Abfolge von Drops im Rio Santo Domingo, Südmexiko, manche von ihnen bis zu 27 Meter tief.

Für die optimale Konzentration benützt er eine Technik, die im Wildwasserfall ebenso gut anwendbar ist wie im Auto auf dem Weg zur Arbeit: „Ich stelle mir genau vor, was ich vorhabe, aufgeteilt in tausend Einzelbilder“, erklärt Ortiz. „Ich denke an die Strecke, die ich fahren werde, an meine Bewegungen, an jede kleine Welle und an jeden kleinen Stein, dem ich auf dem Weg begegnen könnte. Es ist ein bisschen wie VirtualReality-Training, so als würde man im Kopf ein Video abspielen.“ In der realen

Umsetzung kann man sich dann völlig auf die Sache konzentrieren, weil es sich anfühlt, als hätte man jedes ­Detail schon einmal erlebt – der ­perfekte Flow. „Wenn du die Herausforderung ­visualisierst“, erklärt Ortiz, „verbindest du Konzentration und Entspannung. Du kommst in einen intensiven Geisteszustand, der dein Bewusstsein schärft und Ablenkungen ausblendet, damit du in dem Moment dein Bestes geben kannst.“


E X T R EM I N S PI R I ER EN D

GREG MIONSKE/RED BULL CONTENT POOL, MICHAEL CLARK/RED BULL CONTENT POOL, KRYSTLE WRIGHT

Sarah Marquis allein in Australien. Ihr Abendessen: selbst gesammelte Früchte und Körner

SARAH MARQUIS MEISTERE HARTE ZEITEN WIE EINE ­EINZELKÄMPFERIN

„Ich stelle mir vor, was ich vorhabe, in tausend Einzelbilder aufgeteilt.“ Mann für alle Fälle: Kajak-Profi Ortiz 2017 auf den Spirit Falls, Bundesstaat Washington, USA

Sarah Marquis ist Expertin im Verlassen der eigenen Komfortzone, und das ist durchaus auch geografisch gemeint. Die „National Geographic“-Abenteurerin des Jahres 2014 bereiste die ganze Welt zu Fuß, durchwanderte tausende und abertausende Kilometer des amerikanischen und des australischen Kontinents, durchquerte Asien auf dem Fußweg von Sibirien nach Südaustralien. Und sie geht grundsätzlich immer allein. „Ein Extremabenteuer“, sagt die 46-jährige Westschweizerin, „beginnt schon Wochen vor dem eigentlichen Start. Mit einer gezielten Vorbereitung, körperlich wie psychisch.“ Körperlich? Man denkt an beinhartes Training, ­knochenharte Kraft- und Ausdauer­ einheiten. Weit gefehlt: In Sarahs Fall ­bedeutet das viel essen und wenig Be­ wegung. Jede Menge Kohlenhydrate, jede Menge Fett, und nur ja kein Schritt zu viel. „Bevor ich aufbreche, nehme ich 15 Kilo zu. Meine Fettdepots sind meine Treibstofftanks. Mit zu geringen Reserven

habe ich keine Chance.“ Und psychisch? Wie sieht da die Vorbereitung aus? „Du stellst dich gedanklich auf die Strapazen ein: Du stellst dir vor, wie du leiden wirst. Immer wieder. Dann stellst du dir vor, wie du kämpfen wirst. Und wie irgendwann der Augenblick kommt, in dem du den Flow-Zustand erreichst, in dem der Körper keine Schmerzen mehr spürt und du ewig weitergehen könntest.“ „In der Wildnis selbst geht es darum, eins zu werden mit der Natur. Ich esse den Fisch, den ich fange, die Insekten, die mir über den Weg laufen. Wilden ­Honig, wilde Früchte, Pflanzen, alles, was mir die Natur bietet. Du wirst zum Jäger deiner Tagesration.“ Das ist hart. Denn: „Meistens gehst du hungrig schlafen … Aber das macht dich demütig. ­Demut ist gut. Denn wer demütig ist, ­unterschätzt nichts.“ Irgendwann ist er dann da: dieser ­Moment. Wenn der Geist – nach all den Strapazen – frei wird, wenn der Körper plötzlich unermüdlich zu sein scheint. Und alles von allein geht.

„Demut ist wichtig. Wer demütig ist, unterschätzt nichts.“   31


Zoë Kravitz

DIE MAGIE DER WURSCHTIGKEIT Der Spross einer der schillerndsten Showbusiness-Familien über Ruhm, Blockbuster, Waldorfschulen – samt einem Tipp fürs nächste Bewerbungsgespräch.

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enn es einen Showbiz-Adel gibt, dann ist Zoë Kravitz von blauestem Geblüt. Ihr Vater Lenny ist eine Poplegende, ihre Mutter Lisa Bonet und ihr Stief­ vater Jason Momoa sind Stars in den größten TV-Shows der vergangenen Jahrzehnte. Nun erobert die 29-jährige Zoë ein Hollywood-Franchise nach dem anderen – nach „X-Men“ und „Mad Max“ jetzt „Phantastische Tierwesen 2“ aus der Feder von „Harry Potter“-­ Autorin Joanne K. Rowling. the red bulletin: Sie ­treten in einem Kinohit nach dem anderen auf. Haben Sie einen Rat für Leute, an so begehrte Jobs zu kommen? zoë kravitz: Man sollte sie nicht wollen. Denn wenn du sie willst, kriegst du sie nicht. Das müssen Sie erklären. Diese Jobs waren Rollen, die für mich außer Reichweite schienen. Ich wollte für „Mad Max“ nicht mal vorsprechen. Mein Agent hat mich dazu gezwungen. Bei „Phantastische Tierwesen“ rechnete ich mir keine großen Chancen aus. Aber wenn du glaubst, dass es eigentlich egal ist, bist du im Kopf freier. Konnten Sie diese Freiheit im Kopf bei Ihrer Berufswahl

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Zoës Hollywood-Familie

Ihr Vater: LENNY KRAVITZ 23 Millionen verkaufte Alben, 4 Grammys, „The Hunger Games“-Rolle

Ihre Mutter: LISA BONET Ex-Kinderstar in der „Bill Cosby Show“, Calvin-Klein-Model

Ihr Stiefvater: JASON MOMOA spielte in „Baywatch“, „Game of Thrones“ und „Aquaman“

immer ausleben? Immerhin ist Ihre gesamte Familie im Showbusiness erfolgreich. Ich hatte nie Druck. Schon als Kind habe ich Shows für meine Großeltern veranstaltet und sie zahlen lassen, damit ich Songs aus „Grease“ vor­ singe. In der Highschool war ich ein Theater-Freak. Ich wollte nie Buchhalterin werden. Kurz gesagt: Alles hat sich natürlich entwickelt. Ich meinte die Frage eigent­ lich anders: Ihre Eltern hät­ ten Sie von der Berufswahl abbringen können, schließ­ lich kennen sie die Fall­ stricke des Showbusiness. Mein Vater war schon sehr skeptisch. Meine Mutter ebenso. Sie war sehr schnell und sehr jung berühmt geworden. Sie wollte sich einfach mit Werbespots etwas dazuver­ dienen, dann erhielt sie plötzlich die Rolle in der „Bill Cosby Show“. Ich hatte aber auch großes Glück, weil ich auf eine Waldorfschule ging. Womit wir bei Ihrem Film wären. Schulische Erziehung spielt auch in den Büchern von Joanne K. Rowling eine Schlüsselrolle. Wie wichtig war die Waldorfschule für Sie? Jeder Schüler bekam viel Aufmerksamkeit. Man behandelte dich wie eine Person mit Verstand. Das hatte großen Einfluss darauf, wie ich mich als Mensch entwickelt habe. Und wie entwickeln Sie sich heute weiter? Ich mag es, zu Fuß zu gehen, auf Treppenabsätzen zu sitzen und öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Was ich für mich brauche, ist die Interaktion mit Menschen. Und die kannst du jeden Tag haben. „Phantastische Tierwesen 2“, ein Fantasy-Epos der HarryPotter-Erfinderin Joanne K. Rowling, läuft ab 15. November im Kino.

Fährt lieber Öffis als Limousine: Zoë Kravitz, 29, Schauspielerin und Model

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TRUNK ARCHIVE, GETTY IMAGES (3)

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David Kross

„KRITIK MUSS DICH AUFWÜHLEN“

Er schmiss die Schule, drehte einen Oscar-prämierten Film mit Kate Winslet und musste für Steven Spielberg Stunt-Pferde reiten: Schauspieler David Kross, 28, über die Lehrmeister seines Lebens – und woran man einen guten Mentor erkennt. „Für den Film ‚Gefährten‘, den ich 2011 unter der Regie von Steven Spielberg drehte, musste ich Pferde reiten. Und ich bin auf dem Gebiet gewiss nicht besonders talentiert. Also engagierte ich einen Trainer. Als der Dreh dann losging – erster Take, fünf Uhr morgens –, drückte man mir die Zügel eines der Stunt-Pferde in die Hand. Ich stieg auf, und es ging so krass mit mir durch, dass ich es nicht mehr stoppen konnte. Nach der Szene stand ich zitternd am Set und dachte: Das mache ich nicht noch mal. Dann kam Spielberg und sagte: ,Super, aber das war nur die Probe. Wir drehen das gleich wieder.‘ Aber ich bekam ein anderes Pferd für den Take.“ „Ein guter Lehrer unterrichtet auf Augenhöhe. Im besten Fall entwickelt sich ein Prozess, und du hast das Gefühl, beide profitieren von dem Austausch. Ein guter Lehrer ver­ mittelt dir das Gefühl, dass er selbst noch nicht ausgelernt hat. Wenn er spricht, nudelt er das Thema nicht bloß runter – weil er selbst immer neu

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­ arüber nachdenkt und dabei d ständig neue Erkenntnisse gewinnt.“ „Bis zur 8. Klasse ging ich gern zur Schule. Dann hat es mir ­gereicht. Ich dachte, ich hätte alles verstanden. Ab dem Zeitpunkt war Schule nur mehr lästige Pflicht. Und ich bin dauernd zu spät gekommen. Das war meine Revolte. Ich kam hunderte Male zu spät. Irgendwann fragten die Lehrer

nicht einmal mehr nach dem Grund.“ „Ich habe die ganze Ober­ stufenzeit nicht mitgemacht. In dieser Zeit lernt man normalerweise viel über Gemeinschaft, weil man schon ein bisschen erwachsener ist und die gleichen Probleme durchmacht. Diese Zeit habe ich verpasst. Aber weil ich kein Abitur habe, weiß ich auch, dass ich immer weiterlernen muss.

Kate Winslet über David Kross:

„Ein ernsthafter Mensch, unglaublich professionell und sensibel. Er ist bereit, Dinge auszuprobieren, und will sich ständig weiterentwickeln.“


PHILIPPE VOGELENZANG, GETTY IMAGES

RÜDIGER STURM

Intensiv-Täter: Kross’ Rollen gehen unter die Haut, auch weil er sich detailversessen wie kaum ein Zweiter auf sie vorbereitet.


Steven Spielberg über David Kross:

„Kate Winslet habe ich 2008 am Set von ‚Der Vorleser‘ ken­ nengelernt. Man denkt sich zuerst: ‚Klar. Schauspielstar. Sitzt im Wohnwagen und kommt nur für ihre Szenen raus.‘ Genau das Gegenteil war der Fall. Kate hat sich ­unter die Leute gemischt, war immer präsent und hat den Dreh als Teamsport gesehen. Sich selbst bei der Arbeit nicht wichtiger nehmen als die ­Mannschaft – selbst als

LETZTER MANN Der Film „Trautmann“ erzählt die erstaunliche Geschichte eines Ausnahme-Torwarts. Nach einer wahren Begebenheit: David Kross spielt den deutschen Soldaten Bert Trautmann, der 1945 in britische Gefangenschaft geriet, nach dem Krieg als Fußballtorwart in England blieb und trotz seiner Herkunft zum Publikumsliebling aufstieg. Trautmann galt als einer der welt­besten Torhüter seiner Zeit und wurde 1956 zur Legende, als er das FA-CupFinale für Manchester City bis zum 3:1-Sieg zu Ende spielte, obwohl ihm ein Gegenspieler in der 75. Minute das Genick gebrochen hatte (Auswechslungen waren noch nicht erlaubt). „Trautmann“ startet am 8. November in den Kinos.

Textilfreie Zone: Zu Bert Trautmanns Zeiten spielten die Torhüter noch ohne Handschuhe.

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­vermeintlicher Star einer Pro­ duktion – das habe ich von ihr gelernt.“ „Die Geschwindigkeit, mit der kleine Kinder lernen, ist un­ fassbar. Man kann mit bloßem Auge erkennen, wie sie Fort­ schritte machen. Leider nimmt dieses Talent mit dem Alter ab. Also musst du dich zum Lernen zwingen. Begib dich in ­Situationen, in denen du ganz von vorne anfangen musst. Ich musste für meine aktuelle Rolle genau lernen, wie ein Fußballtorwart in den 1950erJahren einen Ball fing.“ „Als ich für die ‚Trautmann‘Rolle zusagte (Kross spielt den deutschen Torhüter Bert Trautmann, der in den 1950er-Jahren bei Manchester City spielte, siehe Kasten), war ich nicht topfit. Ich musste beim Trai­ ning wieder bei null anfangen. Es ging damit los, wie ein Torwart überhaupt steht. Seine Grundhaltung. Dass es so aussieht, als hätte ich das mein ganzes Leben lang gemacht. Oder den Ball so zu fangen, dass er nicht zwischen den Händen durchflutscht. Oder wie man nach einer Parade ab­ rollt. Eine Bewegung, die du 5000-mal machen müsstest, um sie perfekt zu beherrschen. Immer und immer wieder.“

immer mit dem Kopf voran ins Getümmel und griff sich den Ball. Das wurde ihm im FA-Cup-Finale 1956 zum Ver­ hängnis – da hat er sich das Genick gebrochen, trotzdem weitergespielt und noch 3:1 gewonnen.“ „Ich war mal bei einer Theater­ probe dabei, wo ich dachte: ‚Wow, krass!‘ Der Schauspieler hat geschrien, der Regisseur hat geschrien, und dann hat sich das hochgepusht. Dabei ist kreative Chaosenergie ent­ standen, so würde ich das nennen. Energie ist grundsätzlich gut, wenn du in irgendwas besser werden willst – insofern kann es sich lohnen, Konflikte offen auszutragen.“ „Meine Regel im Umgang mit Kritik lautet: Sie ist ein Problem, wenn sie rein auf die persönliche Ebene zielt und es ­eigentlich um Statusspielchen geht. Wenn dich jemand sachlich kritisiert, ist Kritik gut und wichtig. Dann muss sie dich auch ein wenig aufwühlen. Aus dieser ersten Verunsicherung oder gar Wut entsteht dann der Wille, es beim nächsten Mal besser zu machen.“ „Was ich jetzt gerade lerne? Momentan den Aufschlag beim Tennis.“

„Schwieriger war die geistige Ebene der Figur. Den historischen Trautmann machte seine Furchtlosigkeit aus. Er sprang THE RED BULLETIN

PICTUREDESK.COM, GETTY IMAGES

Dass man nicht nach einer be­ stimmten Zeit einen Schein be­ kommt und aufhört. Manchmal denke ich, dieses Wissen hilft mir fast mehr als ein Abitur.“

„Sie (David und sein Film­ charakter; Anm.) scheinen der Welt gegenüber offen zu sein – vom Herzen her. Ich sah in beiden diesen melancholischen Optimismus.“


Weil die Reaktionszeit bei jedem anders ist. Der neue Ford Focus

Mit Pre-Collision-Assist.

Die menschliche Reaktionszeit hängt von vielen Faktoren ab. Der Pre-Collision-Assist des neuen Ford Focus reagiert immer gleich: rasend schnell. Er erkennt potenzielle Kollisionen mit Fahrzeugen, Fußgängern und Fahrradfahrern und hilft Ihnen aktiv dabei, einen Unfall zu vermeiden oder die Unfallschwere zu verringern.


Alisa Buchinger

L ASS DICH ÜBERRASCHEN

Für ihre nächste Karrierephase musste die Karate-Weltmeisterin erst etwas loswerden: ihre bis­herige Erfolgsmethode. Jetzt startet sie bei null. Und findet das super.

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regel. Was über Jahre Buchingers Stärke war, muss sie nun an den Rivalinnen fürchten: „Sie sind unglaublich flink, das macht es so schwierig.“ Bei ihrem ersten Turnier in der neuen Klasse reichte es nur für Platz fünf. Doch Buchinger besinnt sich ihrer Stärken: „Jetzt habe ich die größere Reichweite. Und meine Gegnerinnen kennen mich nicht. Ich kann sie überraschen.“ Vier Turniere später hält Buchinger bei zwei Siegen und ­einem zweiten Rang. Zweifel beseitigt. „Wenn man etwas ändert, ist es immer schwierig, in die neue Situa­ tion hineinzufinden und ­erfolgreich zu sein. Dass es so schnell gut läuft, war gar nicht geplant“, sagt Buchinger. „Aber es zeigt: So schwierig eine Umstellung sein mag, Durchhaltevermögen zahlt sich aus.“ Vor allem gegenüber

Kritikern: „Viele haben gesagt, dass ich in der neuen Gewichtsklasse nicht weit kommen werde. Umso schöner ist es, ihnen zu beweisen, dass mein Weg stimmt.“ Alle Kämpfe: alisa-buchinger.at

KLEINE KARATE-HISTORY

1422 DIE WAFFEN NIEDER!

Auf Japans I­ nsel Okinawa tritt ein Waffenverbot in Kraft – um sich trotzdem zu verteidigen, ent­ wickelt die Bevölkerung eine Kampftechnik namens ­Okinawate, eine Vorstufe des heutigen Karate.

1945 EXPORT. 1984 KARATE KID. 2020 OLYMPIA.

Im Gefolge der US-Besatzung J­ apans findet Karate seinen Weg vom Ursprungsland in die USA und weiter nach Europa.

Der Film über KarateSchüler Daniel LaRusso und -Lehrer Mister Miyagi sorgt für einen weltweiten Boom. Karate wird in Tokio als dritte asiatische Kampfsportart nach Judo und Taekwondo ins Programm aufgenommen.

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CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO

„Meine Gegnerinnen sind jetzt flinker. Aber sie kennen mich nicht.“

Österreichische Sport-Heldin: Alisa Buchinger, 25, KarateWeltmeisterin 2016, OlympiamedaillenHoffnung 2020

CHRISTOPKER KELEMEN

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uropameisterin 2015, Weltmeisterin 2016, ­Europameisterin 2017. Alisa Buchinger weiß, wie man gewinnt. Die 25-jährige Salzburgerin war eine dominierende Figur im Damen-­Karate der vergangenen Jahre. Ihre Laufbahn: ein Erfolgsweg. Zeit, ihn zu verlassen. 2020 in Tokio ist Karate erstmals olympisch – nicht aber Buchingers Gewichtsklasse bis 68 Kilo­gramm. Um nicht mit den größten und schwersten Karatekas um Startplätze kämpfen zu müssen, wechselt Buchinger in die Klasse bis 61 Kilogramm – nur vermeintlich die leichtere Option. „Ich beginne wieder bei null“, sagt sie. Null heißt: plötzlich nicht mehr Favoritin, neue, für sie unbekannte Gegnerinnen auf der Matte, Learning by Fighting statt Routine. Je leichter eine Kämpferin, desto schneller – so die Faust-


Weil sich nicht jeder Stau umfahren lässt. Der neue Ford Focus

Mit Stau-Assistent inklusive Stop & Go Funktion. Der neue Ford Focus bietet Ihnen mehr Komfort als jemals zuvor. So bremst zum Beispiel der Stau-Assistent mit Stop & Go Funktion bei Bedarf bis zum Stillstand ab – und fährt automatisch wieder an, sobald sich das vorausfahrende Fahrzeug in Bewegung setzt.


Benny Harlem

52 ZENTIMETER SELBSTLIEBE

Der US-Künstler trägt laut Guinness-Buch der Rekorde das welthöchste Haar. Dabei geht’s längst nicht mehr um sein Haupt. Die Sache ist zu etwas Größerem gewachsen.

Hairliche Gene: Instagram-Sensation Benny Harlem mit Tochter Jaxyn

Die besten Instagram-Bilder unter: @bennyharlem

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GUINNESS WORLD RECORDS

„Ich trage eine Krone. Warum sollte ich eine Krone abrasieren?“

WALTRAUD HABLE

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eit gut 15 Jahren lässt Benny Harlem sein Haupthaar sprießen – und er pflegt es ­akribisch mit Rizinusöl, Kokosfett und ­„spirituellen“ Kopfmassagen. 52 Zentimeter ­stehen ihm die Haare zu Berge, für Nachahmer hat der 28-Jährige eine 300-Dollar-Pflegelinie ent­wickelt. So weit, so geschäftstüchtig. Womit ­Harlem allerdings nicht gerechnet hat: dass er plötzlich zum inter­nationalen Inbegriff für Selbstliebe geworden ist. Denn für den Künstler ist u ­ ngezähmter Wildwuchs gleichbedeutend mit Selbstakzeptanz. „Haare brauchen – wie der ­Körper und die Seele – Liebe und das Beste aus der Natur, um zu gedeihen.“ Diese Einstellung hat er auch gleich ­seiner Tochter Jaxyn, 9, ein­geimpft, die ihm in Sachen Super-Afro und Selbstbewusstsein in nichts nachsteht. Die Krönung: das Vater-­ Tochter-Duo hat eine halbe Million Instagram-­ Follower. Tendenz: wachsend.


Der neue Ford Focus.

Das Beste, das wir je gebaut haben.

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Ob Pre-Collision-Assist, Fahrspur-Pilot oder Stau-Assistent – der Ford Co-Pilot360™ vernetzt eine Vielzahl innovativer Technologien und bietet Ihnen hierdurch mehr Sicherheit und Komfort denn je. Nur einer von vielen Gründen, warum wir auf den neuen Ford Focus besonders stolz sind.


FreiGEIST

Sie ist der Albtraum jedes Musikmanagers. Sie ist das Idol von Katy Perry. Und sie ist nach acht Jahren Sabbatical zurück auf der Bühne: Popstar ROBYN über die Lust am Unabhängigsein und Entschleunigung als Lebenselixier.  Text FLORIAN OBKIRCHER  Fotos HEJI SHIN 42  


Robyn, künstlerische Alleingängerin: „Es war mir wichtig, in einen Zustand zu kommen, in dem ich die Dinge ganz instinktiv passieren lassen kann.“


„Die Angst vor der Stagnation war größer als die Angst vorm Scheitern.“

Robyn als 80er-Madonna, für das Cover ihres neuen Albums inszeniert von der Fotografin Heji Shin in Zusammen­arbeit mit Red Bull Music

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V

or 25 Jahren begann Robyn ihre Karriere als Teenie-Popstar. Dann zog sie die Reißleine. Und schwor sich selbst: „Ab jetzt arbeite ich nur noch nach meinen eigenen Regeln.“ Ihre Sehnsucht nach Unabhängigkeit und künstlerischer Weiterentwicklung führte zu spannenden Kollaborationen – mit Hitproduzent Max ­Martin oder mit RapIkone Snoop Dogg. Und die Glitzerwelt des Mainstream hielt sie nunmehr auf Abstand. In den brutal ehrlichen Texten ihrer Elektropop-Tracks rund um Trennungsschmerz und verlorene Liebe tröstet kein Happy End. Und in ihren Musikvideos zeigt sie statt nackter Haut fantasievolle Choreografien, tanzt etwa im dicken Wollpulli zur Single „Call Your Girlfriend“, die 2010 die „Billboard“-Dance-Club-Charts anführte, durch einen Turnsaal. Robyn ist ein Popstar 2.0: nicht un­ nahbar und perfekt, sondern real, eine von uns. Das machte sie zum Idol und Vorbild einer neuen Generation starker Künstlerinnen. Lorde und Charli XCX verehren Robyn ebenso wie Katy Perry, für die ­Robyn „der Inbegriff naturgegebener Coolness“ ist. Auch die Zeitspannen zwischen ihren Veröffentlichungen widersprechen sämtlichen Gesetzen des modernen Musikbusiness. Robyns letztes Album „Body Talk“ erschien vor acht Jahren. Für den durchschnittlichen Künstleragenten ein No-Go: Schließlich muss man seine Fans unermüdlich mit News in den sozialen Medien und Veröffentlichungen auf den Streamingdiensten bei der Stange halten. Robyn erzeugt auf andere Weise Aufmerksamkeit: Ihr neuer Song „Honey“ ­feierte seine Premiere auf besonderen Wunsch von Lena Dunham in der finalen Staffel der US-Serie „Girls“. Die Veröffentlichung ihres neuen, achten Albums, das ebenfalls „Honey“ heißen wird, gab sie beim Red Bull Music Festival in New York bekannt. Dort verriet sie uns auch, warum Unabhängigsein die Grundlage jeder Erfolgskarriere ist – und warum es uns

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manchmal weiterbringt, einen Gang zurückzuschalten. the red bulletin: Du bist bekannt ­dafür, mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammenzuarbeiten. ­Warum bist du diesmal ganz allein ins Studio gegangen? robyn: Normalerweise kommen die Song­ideen von mir, während ich die ­Tüftelei an der Produktion anderen überlasse. Aber diesmal hatte ich diese fixe Vorstellung, wie mein Album klingen soll. Die wollte ich ganz allein umsetzen, ohne Einflüsse durch andere. Was fällt leichter, wenn sich Robyn nur mit Robyn einig werden muss? Es war mir wichtig, in einen Zustand zu kommen, in dem ich die Dinge ganz in­ stinktiv passieren lassen kann. Also nahm ich mir viel Zeit für mich selbst, verzichtete auf jede Ablenkung. Manchmal fühlte ich mich ganz schön einsam dabei. Ich brauchte erst einen Lernprozess, bis ich die Zeit allein genießen konnte. Ich streberte mir neue Software an, übte im Tanzstudio. Ich fühlte mich wieder wie eine Schülerin, die ganz am Anfang steht. Nehmen wir uns in unserer techni­ sierten Welt zu wenig Zeit für uns selbst und die Fähigkeiten, die in uns schlummern? Auf jeden Fall. Wenn du mit anderen Menschen zusammenarbeitest, kann so viel Spannendes passieren. Aber wenn du dir Zeit für dich selbst nimmst, entdeckst du noch einmal eine ganz andere Qualität. Manchmal findest du die Schätze nicht draußen in der Welt, sondern musst tief in dir selbst graben und deine eigene Energie in etwas Wertvolles verwandeln. Aber heute hat doch niemand Zeit dafür, sich Zeit zu nehmen. Jeder ­Musikexperte wird dir raten, jeden Monat einen neuen Song zu veröffent­ lichen, damit die Leute deinen Namen nicht vergessen. Kann sein. Aber als ich eine Trennung durchmachte und einen engen Freund an Krebs verlor (Christian Falk, mit dem sie lang zusammenarbeitete, Anm.), ­fühlte sich eine Auszeit richtig an. Ich begann mit einer Therapie, die sehr tief ging.   45


­ iesen Prozess wollte ich nicht durch D ­andere Dinge unterbrechen. Welche Art von Therapie? Psychoanalyse, drei-, viermal die Woche, fünf Jahre lang. Grundsätzlich geht es darum, eine Beziehung zum Thera­peuten aufzubauen und mit ihm aufzu­arbeiten, was man bis dahin zur Seite geschoben hat. Der Therapeut begleitet dich durch die Phasen, durch die du gehen musst – die tollen und die frustrierenden. Man lernt, den Dingen die Zeit zu geben, die sie brauchen. Es ist ein Heilungsprozess. Wie hat sich das auf deinen Alltag ­ausgewirkt? Ich schaltete einen Gang zurück. Ich fühlte in meinem Leben noch nie so eine 46  



4 Karriere-Momente, die Robyn zum

1997

2005

Mit nur 18 Jahren veröffentlicht ­Robyn den Song „Show Me Love“, der in den Top 10 der US- und UK­Single-Charts landet. Sie darf als eine von wenigen nicht schwarzen Künstlerinnen in der US-Musik-TVShow „Soul Train“ auftreten und erhält Lob von Tina Turner, für die sie in Schweden als Vorgruppe auftritt.

Weil ihre Plattenfirma nichts mit dem neuen Songmaterial anfangen kann, gründet Robyn ihr eigenes ­Label Konichiwa Records, um sich künstlerisch zu befreien. Die Richtung, in die sie geht, begeistert alle Kritiker, ihr Elektropop-Album „­Robyn“ erhält eine GrammyNominierung. THE RED BULLETIN


„Durch die Psycho­analyse lernte ich, das Sein an sich wertzuschätzen.“

Ruhe, weil ich sehr wenig getan habe. Auf einmal steckte in allem, was ich tat, viel mehr Information. Das musst du uns näher erklären. Wenn du viel arbeitest, fährst du ständig auf der Überholspur, hetzt von einer Sache zur nächsten, presst alles in deinen engen Zeitplan, aber du bist nie wirklich präsent. Durch die Psychoanalyse lernte ich, das Sein an sich wertzuschätzen. Sobald du so denkst, kannst du die Dinge nicht mehr durchdrücken, und Hektik fühlt sich falsch an. Ich bekam das Bedürfnis, wirk­ lich im Augenblick zu leben. Jetzt bist du mit deinem neuen Album zurück im Rampenlicht. Wie bewahrst du dennoch deine innere Ruhe? Seit sich die Welt rund um mich wieder schneller dreht, habe ich das Meditieren als perfektes Werkzeug entdeckt. Es hilft dir, deine Mitte zu finden und deine Ge­ fühle wahrzunehmen. Ich führe auch vir­ tuelle Gespräche mit meiner Therapeutin und stelle mir vor, was sie worauf antwor­ ten würde. Eigentlich ist ja jede Therapie nichts anderes als eine Diskussion, die du mit dir selbst über deine Gefühle führst. Das kann man auch tun, wenn man nicht mehr in Therapie ist. Hauptsache, du schaffst Platz für deine Gefühle – setz dich einfach in den nächsten Park und nimm dir Zeit für dich selbst. Vor 13 Jahren bist du aus einem ­goldenen Käfig ausgebrochen. Du hast die Kontakte zu deinem Major-Label ab­gebrochen und das Album „Robyn“ auf eigene Faust herausgebracht. Jetzt feierst du nach acht schwierigen Jahren

coolsten Popstar der Welt machten

2010

2013

Allen Regeln der Musikindus­trie zum Trotz veröffentlicht Robyn drei Alben statt einem. Zu viele gute ­Lieder, sagt sie. Der „Rolling Stone“ ernennt die Trilogie namens „Body Talk“ zum „besten Dance-Pop-­ Release des Jahres“. Das schwedische Magazin „Fokus“ wählt sie zur Schwedin des Jahres.

Sie erhält den Großen Preis des KTH Royal Institute of Technology in Stockholm für „Künstlerische ­Anwendung von Technologie“. Mit dem Preisgeld gründet sie das Tekla-­ Festival, eine Veranstaltung zur ­Verbesserung des Zugangs zu Technologie und technischen Be­ru­fen für junge Mädchen in Schweden.

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ein Comeback. Fühlen sich die beiden Situationen ähnlich an? Heute ruhe ich viel mehr in mir selbst. Ich habe genau das Album gemacht, das ich machen wollte. Das habe ich zwar auch 2005 getan, aber damals wusste ich noch nicht so viel über mich selbst. Wie hat sich das damals angefühlt, als du aus dem Sicherheitsnetz der ­großen Plattenfirma gesprungen bist? Ich hatte richtig Angst und viele schlaf­ lose Nächte. Damals war ein Künstler ohne Plattenfirma unvorstellbar. Es war ganz schön riskant, aber mir kam vor, ich hätte nichts zu verlieren. Nicht einmal deine Karriere? Die war eine Einbahnstraße. Ich kannte in der Branche niemanden, für den Musik das gleiche bedeutete wie für mich – zu­ mindest nicht in meiner Sparte. Ich hatte also keine große Wahl. Andererseits lag die Alternative auch nicht wirklich auf der Hand. Es war ein Sprung ins Unge­wisse. Aber genau so etwas gefällt mir. Das Risiko lohnte sich, weil „Robyn“ ein großer Erfolg war. Die meisten anderen hätten wohl die sichere Variante bevorzugt. Wie hast du der Versuchung widerstanden, die einfache Lösung zu wählen? In meinem Fall war die Angst vor der Stagnation größer als die Angst vor dem Scheitern. Beim Musikmachen musst du riskieren, was dir wichtig ist: Integrität, Stolz, deine Zeit, deine Sicherheit oder deinen Ruf – denn wenn du es nicht tust, hört man das der Musik an. Hast du Tipps, wie man seine Komfortzone überwindet und einen Neuanfang hinbekommt? Wichtig sind geregelte Abläufe. Wenn du dein Leben komplett veränderst, geben dir ein paar vertraute Angewohnheiten und Prozesse Sicherheit. Erlaube dir selbst genug Zeit und Raum für deine ­Veränderungen, statt dich Hals über Kopf in etwas zu stürzen. Rede mit Leuten, ­denen du vertraust. Spiel ihnen deine Musik vor, oder lass sie etwas lesen, was du geschrieben hast, egal was es ist. Und finde die richtige Balance zwischen Rück­ zug und Kontakt mit anderen Menschen. Bei der Arbeit an meinem Album war für mich beides gleich wichtig. Robyns Vortrag ansehen auf redbullmusicacademy.com/lectures/robyn; robyn.com

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I NNOVATO R

 Grüne Kunst

D   ieses Haus lebt Der Brite Jason deCaires Taylor hat auf den Malediven einen Würfel gebaut, in dem Korallen mit Statuen verschmelzen.

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Drei Meter unter Wasser: eine der vierzehn Figuren des Coralariums

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ie Taucherin im weißen Bikini stößt durch ihren Schnorchel staunend Blubberblasen ins sonnendurchflutete Wasser des Malediven-Resorts Sirru Fen Fushi. Vor ihr steht mit verschränkten Armen eine von 14 Skulpturen, die der britische Künstler Jason deCaires Taylor, 44, in einem sechs mal sechs Meter großen Edelstahlwürfel auf den Grund der Lagune verbannt hat. Die Figuren in rund drei Metern Tiefe sind faszinierende Hybride­

– Menschen verschmelzen mit Banyan-Bäumen und Schneckenkiefern, Pilz- oder Hirschhorn-Korallen finden auf ihnen ein neues Zuhause. Auf dem Dach des Kunstwerks sechs schwarze Figuren – sie starren auf die Wellen, suchen den Horizont ab. Die Botschaft des Künstlers? „Wir sollten den Ozean wie ein Museum behandeln“, sagt Taylor im Interview, „wie einen wertvollen und heiligen Raum, den es zu schützen gilt.“ Wer in das Coralarium eintaucht,

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JASON DECAIRES TAYLOR, WISEFOOD, SERAINA ERB PHOTOGRAPHY, BILLITII, KITTY HAWK

WOLFGANG WIESER

E, PIONIER S, P START-U E L & SOZIA N IDEE


IN ALLER KÜRZE DREI GRÜNDER, DIE DIE WELT BESSER MACHEN Luftfahrt

KONSTANTIN NEUMANN Mit Wisefood stellt er seit 2017 Trinkhalme aus Apfelfasern her. Das schmeckt uns, weil die Erfindung essbar ist und so Plastikmüll (allein in Deutschland 40 Milliarden Halme jährlich!) reduziert wird. wisefood.de

Das Coralarium auf den Malediven. Die Gezeiten bestimmen, wie viel wir davon sehen.

versteht, was er meint: „Es ist, als würden wir einen Zoo besuchen. Aber einen, in dem wir von den Meeresbewohnern betrachtet werden.“ Das Coralarium soll also unsere Art zu sehen verändern – im besten Fall auch unsere Art zu denken: „Wissenschaftler sagen voraus, dass in 50 Jahren nur noch 10 Prozent der Korallenriffe übrig sein werden. Wir Menschen müssen unseren Umgang mit dem Meer völlig neu gestalten.“ underwatersculpture.com

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LINDA GRIEDER 2016 gründete sie ­RethinkResource in ­Zürich. Ziel: Upcycling, Wiederverwertung auf hohem Niveau. Als Vermittlerin sorgt sie dafür, dass etwa aus alten Reifen neue Schuhsohlen werden. rethink-resource.com

HORST ECKSTEIN Menschen mit Be­ hinderung sollen die Chance haben, „alles zu er­leben“. Der Öster­ reicher vermittelt mit dem Start-up BiLLiTii Experten und erzählt per Blog inspirierende ­Erfolgsgeschichten. billitii.com

Alle einsteigen: So wirst du Pilot in 90 Minuten Zehn Propeller, zwei Steuerknüppel, ein paar Computer: Mit dem Kitty Hawk Flyer will ein Pionier den Traum vom Fliegen demokratisieren.

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r entwickelte ein Flugzeug, das den Flügelschlag von Vögeln imitiert und das allein durch Muskelkraft abhebt – genau wie sein Hubschrauber, mit dem er sich den mit 250.000 Dollar dotierten SikorskyPreis holte, 33 Jahre nachdem ihn die American Helicopter Society für den ersten nur von Menschen angetriebenen Heli­ kopter gestiftet hatte. Todd Reicherts Flugobjekt Nr. 3 ist der „Flyer“. Entwickelt hat ihn der kanadische Aero-Ingenieur in Zusammenarbeit mit Kitty Hawk, einem Hersteller elek­trischer Flugzeuge. Dort ist heute Google-X-Gründer

Sebastian Thrun als CEO am Ruder. Er war übrigens unter den Ersten, die den Flyer ­pi­lotieren. Beflügelt wird das Mini-Flugzug (Spannweite: 3,96 Meter) von zehn elek­ trisch betriebenen Propellern. Gesteuert wird mit zwei Knüppeln. „In 90 Minuten kann jeder fliegen“, ist Todd Reichert überzeugt – zumindest in den USA ohne Lizenz, weil der ­Flyer nur drei Meter über dem Boden und mit maximal 32 km/h (20 Meilen/Stunde) fliegt. Die Energie reicht für rund 20 Minuten. Vorbestellungen sind bereits möglich, der Preis ist noch unbekannt. Infos: kittyhawk.aero

Jedermann-Flieger: Zehn Propeller halten den „Flyer“ in der Luft.

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Text MARK BAILEY Fotos RICK GUEST

Der WasserGladiator


Sein Körper ist eine Waffe, sein Stil ist pure Aggression, sein Wille hat die Power eines Presslufthammers: ADAM PEATY ist mit übermenschlichem Abstand der beste Brustschwimmer der Welt. Weil er sich ausnahmslos auf seine Stärken konzentriert und absolut jede Entscheidung in seinem Leben auf die eine Frage reduziert: Macht mich das langsamer – oder schneller? 

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enn Adam Peaty in seinem Privatbecken in Londons Canary Wharf wie ein Torpedo durchs Wasser schießt, hat das mit herkömmlichem Brustschwimmen wenig zu tun. Wie Propeller wirbeln seine elastischen Beine und die Füße der Größe 46. Mit der brutalen Gewalt einer Maschine zerteilen 38 Zentimeter Bizeps und 117 Zentimeter Brustkorb das Wasser. Dieser Körper ist eine Waffe, der Schwimmstil pure Aggression. Noch stärker als Peatys physische Power ist nur sein Wille. Er fordert: Finde deine wahren Stärken und ­perfektioniere sie, immer weiter, immer weiter. Die martialischen Tätowierungen am linken Arm – ein brül­ lender Löwe und der griechische Meeresgott Poseidon – sorgen dafür, dass er seine Lebenseinstellung stets vor Augen hat. Peaty ist der Usain Bolt der Schwimmwelt – ein übermenschliches Talent, das die Grenzen des Menschen­ möglichen neu definiert. Er gewann fünfmal WM- und einmal Olympia-Gold über 100 Meter Brust. Er brach schon viermal den Weltrekord über dieselbe Distanz – zuletzt bei der Europameisterschaft im August im schottischen Glasgow mit wahnwitzigen 57,10 Sekunden. Er verbesserte sich in den letzten drei Jahren so massiv, dass andere Schwimmer in ihrer Entwicklung stillzustehen schienen. Und er siegt stets mit großem Vorsprung – prozentuell gesehen sind seine Abstände zum Zweitplatzierten mehr als doppelt so groß wie bei Usain Bolts Rekordläufen (siehe Seite 59). Noch nicht genug gestaunt? Der 23-Jährige schwamm die zwölf schnellsten 100-Meter-Zeiten der Ge­ schichte und verlor in den letzten vier Jahren kein einziges Rennen. Mittlerweile brach er neben seiner

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THE RED BULLETIN


„Zum Schwimmen kam ich, weil ich in nichts anderem gut war.“ Adam Peaty, Weltmeister und Olympiasieger, brach viermal den Weltrekord in 100 Meter Brust.


Als Kind hatte Peaty sogar Angst vor der Badewanne – seine Brüder hatten ihm erzählt, dass im Abfluss Haie lauern.

„Das Adrenalin trägt dich 50 Meter weit, aber dann 54  



THE RED BULLETIN


100-Meter-Dominanz auch viermal den Weltrekord über 50 Meter Brust (jetzt 25,95 Sekunden). „Bis zur Halbzeit fühlt man sich, als ob man fliegen würde“, schildert Peaty, als er wieder aus dem Wasser ist. „Die Qual beginnt, sobald der Adrenalinschub nachlässt. Bei der WM fühlten sich meine ­Beine nach 50 Metern an, als würden sie zermalmt, während jemand mit der Brechstange Bizeps, Trizeps und die Unterarme bearbeitet. Ein normaler Mensch wäre dabei wahrscheinlich draufgegangen. Sein ­Körper hätte das viele Laktat gar nicht mehr ab­ bauen können.“

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überrollt dich der Schmerz.“ THE RED BULLETIN 

ür sein Umfeld kam Peatys Erfolg gelinde gesagt überraschend. In seiner Kindheit in Staffordshire war er als jüngstes von vier Geschwistern nämlich wasserscheu. „Meine Brüder machten mir weis, dass Haie durch den Abfluss schwimmen können, darum wollte ich nicht einmal in die Bade­wanne“, erinnert er sich. „Und im Schwimmbecken hatte ich Angst zu ertrinken. Mit der Zeit kam dann doch der Spaß, mit meinen Freunden im Wasser herumzualbern.“ Bevor er als Schwimmer erfolgreich wurde, musste Peaty jedoch seinen großen Kindheitstraum auf­geben. „Ich wollte Kampfpilot werden“, sagt er. „Mich fas­ zinierte die Geschwindigkeit – und die Geschichte, ich wusste alles über die Luftkämpfe des Zweiten Weltkriegs. Aber mit 1,90 Metern war ich zu groß für diesen Job.“ Seine militärischen Ambitionen lebte er stattdessen im Sport aus. „Es gibt erstaunliche Ähnlichkeiten: In beiden Fällen geht es um Speed, Diszi­plin, die Arbeit an sich selbst – und um die Möglichkeit, jeden Tag seine Limits zu pushen.“ Die nächste Hürde: Peaty war alles andere als ein Sporttalent. „Zum Schwimmen kam ich, weil ich in nichts anderem gut war“, lacht er. Laufen – das hätte ihm vielleicht auch noch Spaß gemacht. „Aber ich war nicht besonders schnell. Darum sah ich keinen Sinn darin. Ich will alles oder nichts, sogar beim Monopoly-­Spielen. Wenn ich verliere, wische ich das ganze Spielbrett vom Tisch. Darum dachte ich mir: Ich muss etwas finden, in dem ich richtig gut bin, damit ich diese Energie positiv nützen kann.“ Also Schwimmen. Doch auch das klappte nicht auf Anhieb – denn seine Schwimmlehrerin Melanie Marshall hätte das Probetraining im City of Derby Swimming Club beinahe abgebrochen, „weil meine Freistiltechnik so miserabel war“. Zum Glück ließ ihn Marshall auch noch im Bruststil vorschwimmen – und reagierte spontan mit „Bloody Hell, ist dieser Junge gut!“. Für Peaty war das ein Erweckungserlebnis. Er erkannte, dass man an seinen Stärken arbeiten muss, statt leeren Träumen nachzujagen. „Du musst deine Optionen abwägen und dich für den richtigen Weg entscheiden. Ich weiß, dass ich in anderen Stilen keine Weltklasseleistungen bringe. Also stecke ich alles, was ich habe, in meine Stärke, ins Brustschwimmen.“   55


Um ein Haar wäre Peaty beim Casting durch­gefallen. Doch dann schwamm er Brust, und die Trainerin rief: „Bloody Hell, ist dieser Junge gut!“

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Adam Peaty in Startposition. Dieser Mann hat den unbedingten Willen zum Sieg. THE RED BULLETIN 

eaty begann, jeden Tag mit Marshall in Derby zu trainieren, einmal vor und einmal nach der Schule. Für ihn hieß das, täglich um vier aufzustehen, für seine Mutter, unzählige 40-Minuten-Auto­ fahrten zu absolvieren. Mit siebzehn sah er, wie sein Sportkollege Craig Benson, ein britischer Brustschwimmer wie er, bei den Olympischen Spielen 2012 im eigenen Land das Halbfinale erreichte. „Ich dagegen hatte in der Nacht davor mit Freunden Party gemacht und fragte mich selbst: Was mache ich eigentlich mit meinem Leben? Es war Zeit, mich richtig reinzuknien.“ Peaty begann, härter zu trainieren, gesünder zu essen, strategischer zu planen. „Willst du der Beste werden, egal in was? Dann musst du ständig daran arbeiten, dich zu verbessern“, sagt er. „Ich stelle mir permanent die Frage: Macht mich diese Mahlzeit, dieses Training, diese Entscheidung schneller oder langsamer? Und ich wähle dann immer die ­Option, die mich schneller macht.“ Peatys neue Entschlossenheit trug rasch Früchte. 2014 schaffte er seinen Durchbruch, als er den süd­ afrikanischen Olympiasieger Cameron van der Burgh bei den Commonwealth Games in 100 Metern Brust schlug. Im selben Jahr gewann er bei der EM viermal Gold und stellte seinen ersten Rekord über 50 Meter auf. Im April 2015 folgte sein erster Weltrekord über 100 Meter, bei der darauffolgenden WM gewann er drei Goldmedaillen. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio zementierte Peaty seinen Legendenstatus. Nachdem er bereits über 100 Meter Brust Gold geholt hatte, wuchs er beim Staffelwettbewerb über 4× 100 Meter Lagen über sich selbst hinaus: Das britische Team lag mit zwei Sekunden Rückstand an letzter Position, als Peaty übernahm; der aber machte nun eine halbe ­Sekunde gut und verschaffte den Briten noch die Silber­medaille. Der 23fache Olympiasieger Michael Phelps stellte ihm nach dem Rennen die einzig an­ gebrachte Frage: „Was zur Hölle war das, Mann?“ Der frischgebackene Superstar ruhte sich danach keineswegs auf seinen Lorbeeren aus. Im Gegenteil, Peaty trainierte sogar noch härter. „Mein neues Ziel hieß nicht mehr, zu gewinnen, sondern konstant an der Spitze zu bleiben“, sagt Peaty. Das gelang ihm auf spektakuläre Weise. Bei der WM 2017 gewann der Brite die 100 Meter mit 1,32 Sekunden und die

50 Meter mit 0,53 Sekunden Vorsprung. Nur so zur Orientierung: In dieser Sportart entscheiden üblicher­ weise einzelne Hundertstel­sekunden über Sieg oder Niederlage.

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enn man ihn persönlich kennenlernt, ist Peaty alles andere als der roboterähnliche Übermensch, den viele zu treffen erwarten. Sein Selbstvertrauen kippt niemals in Arroganz, er ist höflich, freundlich, lacht herzhaft und witzelt selbstironisch dar­ über, dass seine Oma Mavis berühmter ist als er selbst – ihre Tweets während der Olympischen Spiele in Rio 2016 hatten sie damals zum Social-Media-Star gemacht. Bei der Kurzbahn-EM 2017 in Kopenhagen schenkte er seine Goldmedaille spontan einem jugend­ lichen Fan. „Wer weiß, wozu die Medaille dieses Mädchen inspirieren wird … Auf jeden Fall besser, als sie verstaubt bei mir im Regal.“ Peaty bezeichnet sich zwar selbst als „besessen“, er genießt aber auch seine Auszeiten: mit TV-Serien (wie „Ballers“, „Billions“, „Silicon Valley“ oder „Modern Fa­mily“) und Musik (Grime, Hip-Hop, House und Rock von Jaykae, Tory Lanez und Post Malone bis Metal­lica und Architects) – und mit seiner Leidenschaft für Autos. Derzeit fährt er einen MercedesAMG C 63 S, sein imaginäres Traumauto wechselt aber im Monatsrhythmus. „Eine Zeitlang wünschte ich mir einen Ferrari 488 GTB, aber jetzt tendiere ich mehr zu einem Lamborghini Aventador.“ Wenn die Erfolgssträhne anhält, dürfte es nicht beim Wunschtraum bleiben. In diesem Jahr gewann er bereits vier EM-Goldmedaillen, im Dezember steht die WM in China an. „Die WM findet auf der Kurzbahn statt (das Becken ist nur 25 Meter lang; Anm.). Die ist nicht ganz so prestigeträchtig, aber ich werde trotzdem versuchen zu gewinnen. Wenn im Januar die Langbahn-Saison beginnt, geht es für mich wieder richtig los. Mein Ziel ist Tokio 2020.“ Um sein Erfolgsgeheimnis noch vor den Olympischen Spielen zu lüften, lassen seine Rivalen jeden von Peatys Wettkämpfen filmen – „sogar im Becken, mit Unterwasserspiegeln und -kameras“, sagt Peaty lachend. „Die Chinesen tun es, die Japaner ebenso, sogar die Amerikaner. Ich schätze, ich sollte das als Kompliment sehen.“   57


„Wenn ich nicht der Beste werden kann, interessiert es mich nicht.“


Dominanz-Check Adam Peatys Weltrekord: Niemand hängt die Konkurrenz deutlicher ab als er. 100 Meter Brust Cameron van der Burgh: 58,46 s

Adam Peaty: 57,10 s (Weltrekord)

2,35 % Marathon Mary Jepkosgei Keitany: 2:17:01

Paula Radcliffe: 2:15:25 (WR)

1,29 % 100 Meter Sprint

NEIL WEBB @ DEBUT ART. MAKE-UP BY LINDA JOHANSSON @ ONE REPRESENTS, USING WELEDA

Tyson Gay: 9,69 s

Usain Bolt: 9,58 s (WR)

1,14 % Weitsprung Carl Lewis: 8,91 m

Mike Powell: 8,95 m (WR)

0,45 % 100 Meter Butterfly Caeleb Dressel: 49,86 s

Michael Phelps: 49,82 s (WR)

0,08 %

Die schlechte Nachricht für die Konkurrenz: Peaty scheint über physische Vorteile zu verfügen, die man sich nicht einfach abschauen kann. Dazu gehört die Hypermobilität seiner Knie, die ihm bei jedem Tempo mehr Rückstoß verleiht. „Hypermobilität heißt, dass ich meine Kniegelenke stärker überstrecken kann als andere“, erklärt er. „Deshalb kann ich die Oberschenkel­ dichter zusammenhalten. Derart vermindere ich den Strömungswiderstand und kann zugleich mehr Kraft generieren.“ Während sich andere Brustschwimmer wie Frösche bewegen, erinnern Peatys Tempi an Knie­ beugen. Die Folge: Peaty schafft pro Minute 58 bis 60 Tempi, seine Rivalen nur 55. „Die meisten meiner Gegner setzen auf langsame, weit ausholende Be­ wegungen, ich bewege mich schnell und auf engem Raum“, sagt er. „Das schaffen nur wenige, aber das bedeutet nichts. Ich würde das andererseits beim ­Rückenschwimmen oder im Freistil nicht können. Deine Talente sind nutzlos, wenn du sie nicht für die richtige Sache einsetzt.“

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nter Marshalls Anleitung trainiert er 35 Stunden pro Woche, schwimmt mehr als elf Kilometer täglich (nur sonntags ist frei). Im Fitnesscenter schleudert er Trak­ tor­reifen, beim Squat stemmt er 150 Kilo­ gramm, beim Bankdrücken 130. Pro Tag verbrennt er so 6000 Kilokalorien – mehr als das Dop­ pelte eines durchschnittlich sportlichen Mannes. Das Luxusproblem: Peatys einziger ernst zu neh­ mender Gegner ist Peaty. Darum müssen immer ehr­ geizigere Ziele her, um die Motivation aufrechtzu­ erhalten. „Er ist ein Löwe“, sagt Marshall, „du musst ihm Fleisch vor die Nase halten, damit er jagen geht.“ Während sich die Konkurrenz an einer 58er-Zeit über die 100 Meter die Zähne ausbeißt, hat Peaty das „Project 56“ in Angriff genommen – seine persön­ liche Mis­sion, die 57-Sekunden-Marke zu sprengen. „Irgendwann werden wir den Punkt erreichen, an dem es nicht mehr schneller geht. Ich will so nahe wie möglich an diesen Punkt heran.“ Er trainiert jetzt regelmäßig mit Veteranen der britischen Spezialeinheit SAS, um seine neuen Ziele zu erreichen. „Manche Athleten sagen, es geht nur um die Leistung, die man am Stichtag bringt“, sagt er, „aber das ist falsch. Es geht darum, diesen hohen Level zur täglichen Routine zu machen.“ Peaty hätte ein Royal Marine werden können, doch jetzt ist das Schwimmbecken sein Schlachtfeld. „Im Becken schalte ich auf Kriegsmodus“, sagt er. „Draußen geht man respektvoll miteinander um, aber im Wasser habe ich keine Freunde. Ich ver­ wandle mich in einen Gladiator – ein geniales Ge­ fühl. Ich will ein Vermächtnis aufbauen, einer der ganz Großen werden. Alles, was ich dafür tun muss, ist, so viel wie möglich zu gewinnen und so viele ­Rekorde wie möglich zu brechen.“ Klingt eigentlich ganz einfach. Instagram: @adam_peaty

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JETZT GIBT’S AUF DIE OHREN!

Nie erschienen mehr (und bessere) deutsche Podcasts als heute. Wir nennen dir FÜNF GRÜNDE, warum das Medium gerade explodiert – und welche Sendungen dich garantiert nicht mehr loslassen. Spoiler: Es geht um Affenarmeen, wilderen Sex und Kant zum Einschlafen. TEXT Marc Baumann ILLUSTRATION Jochen Schievink


1 SIE LENKEN VON LANGWEILIGEN AUFGABEN AB Endlich Fenster putzen, Fahrrad pflegen, Keller aufräumen: Podcasts verwandeln öde Jobs in Abenteuer. Während Augen und Hände die Routine erledigen, reitest du mit den Ohren Wellen vor Hawaii (etwa bei einem Talk mit einem Surf-Profi).

SCHNELLE SPRÜCHE, GUTE GAGS: Diese Podcasts bringen dich zum Lachen über …

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… den Alltag

… Weltstars

… Sex

… Filmklassiker

Von „Warum wir Schimmel aus Tassen als VeganerPelzmäntel verkaufen“ bis „Warum der Bauchnabel der Gaza-Streifen des Körpers ist“. Ariana Baborie und Laura Larsson, zwei junge Medienschaffende aus Berlin, quatschen sich in ihrer Sendung Herren­ gedeck seit 2016 souverän quer durch das Leben. Wöchentlich, 30 – 90 Minuten, u. a. via Soundcloud

Aus dem skurrilen Leben der Promis mixen Elena Gruschka und Max Richard in Klatsch & Tratsch einen Cocktail aus Spott, Neid und Kopfschütteln. „Wird Bushido Heimatminister?“, fragen sie. Oder: „Hat ­Angelina Jolie Heroin an Johnny Depp verkauft?“ Und das wüsste man doch wirklich gern. Wöchentlich,  40 – 50 Minuten, u. a. via Soundcloud

Überraschung! Sex funk­ tioniert als Podcast-Thema. Mit Titeln wie „Warum ­gehen Frauen fremd“ die Charts anzuführen ist leicht. Aber die eher sexlos darbende Ines Anioli und die promiskuitiv lebende Leila Lowfire schaffen es in Besser als Sex, über zu kleine Penisse und zu große Brüste zu lachen, ohne zu verletzen. Wöchentlich, 40 Minuten, u. a. via Spotify

Ein Podcast kann wie ein Abend mit Freunden auf dem Balkon sein. Diesen angenehmen Ratsch-Flow kriegen Nilz Bokelberg, ­alias „der von Viva“, und Maria Lorenz in Wieder­ sehen macht Freude hin. Mit einem Gast reden sie über Klassiker von James Bond über Lindenstraße bis Fast & Furious. 1. Staffel, 23 Folgen à 90 Minuten, u. a. via Podtail

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2 SIE SIND DAS PERSÖNLICHSTE MEDIUM. Ein Forscher, ein Abenteurer oder ein Künstler sitzt an deinem Küchentisch und erzählt dir, was ihn gerade bewegt – dieses Erlebnis ­ermöglichen Podcasts, zumindest gefühlt. Wir kommen faszinierenden Menschen nah wie nie, weil ihre Stimme direkt in ­unser Ohr geht.

HINTERGRÜNDE UND EINBLICKE: Diese Podcasts boosten dein Wissen über …

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… Politik

… Legenden

… Literatur

… die Welt

Als Durchschnittswähler hält man den Floskelhagel auf der Bundespresse­ konferenz kaum aus. Muss man auch nicht, denn da­ für gibt’s Tilo Jung und sei­ nen Podcast Jung & Naiv. Mit seiner „Was soll der Quatsch?“-Haltung stellt er schmerzhafte Fragen, die Politiker zuverlässig aus ihrer Routine zwingen. Alle 2–3 Tage, 20–120 Mi­ nuten, u. a. via iTunes

Züchtete Stalin eine Affen­ armee? Wird die Lügen­ presse nicht längst von Angela Merkel gesteuert? In einer Zeit, in der uns überall Verschwörungs­ theorien begegnen (und immer mehr Menschen an sie glauben), macht sich der Podcast Hoaxilla auf die Suche nach der Wahr­ heit und widerlegt Legen­ den. Monatlich, 60 Minu­ ten, u. a. via Podcast.de

Wir würde ja gern mehr ­lesen, aber meist fehlt die Zeit, oder das Handy ge­ winnt. Zum Glück gibt es Zehn Seiten: Darin lesen die Autoren zehn Seiten ­ihrer neuen Bücher vor. Das reicht, um zu merken, für welchen Roman oder welches Sachbuch man sein Smartphone wirklich mal ausmacht. Unregel­ mäßig, 10–20 Minuten, u. a. castbox.fm

„Ist Faulsein schön?“ „Röstet uns der Klima­ wandel?“ „Und warum liegt da Stroh?“ Es gibt Sätze, die bleiben im Gedächtnis. Christoph Schrag und Hendrik Schröder nehmen sich jede Woche einen Satz vor und sprechen eine halbe Stunde über ihn. Mal Weltpolitik, mal deutscher Pornofilm, aber immer erhellend. Wöchentlich, 30 Minuten, via Audible

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TIPPS UND ANEKDOTEN: Diese Podcasts bringen dich weiter beim …

… Leben

… Ideen-Finden

… Gründen

… Neu-Anfangen

Wie wurde Sophie Passmann zur It-Feministin? Wie Tim Raue zum It-Koch? Und was haben sie unter­ wegs gelernt? Darum geht’s in Alles gesagt von „ZeitMagazin“-Chefredakteur Christoph Amend und Zeit-online-Chefredakteur Jochen Wegner. Gimmick: Der Gast entscheidet per Codewort, wann Schluss ist. Monatlich, 120–240 Stunden, u. a. via Podbeam

In Berlin macht ja jeder „was Kreatives“, in Hotel Matze trifft Matze Hielscher die, bei denen der Satz stimmt – darunter Gründer, Designer, Schauspieler. Hielscher schafft es mit seiner ruhigen, angenehmen Art, Gespräche aufzuziehen, die weder Selbstbeweihräucherung noch Prahlerei sind. Zweiwöchentlich, 90 Minuten, u. a. via Soundcloud

In welchem magischen Moment wurde aus einer guten Idee eine Erfolgs­story? Im Podcast Red Bull Sparks bieten Unternehmer wie Kitchen-­ Stories-Gründerin Verena Hubertz neben Anekdoten aus den Anfangstagen auch hilfreiche Tipps für alle, die noch auf ihren Magic Moment warten. Monatlich, 45 Minuten, via redbull.com/sparks

Peter Proeve wächst in ­einem Dorf auf, reist gern, beginnt eine Tischlerlehre – und bekommt plötzlich die Diagnose einer baldigen Querschnittslähmung. Und jetzt? Ist er Reise­ journalist im Rollstuhl. Der Podcast 180 Grad von Lukas Klaschinski erzählt von Menschen, deren Leben sich radikal ändert. Wöchentlich, 30–60 Minuten, via Audible

3 SIE KOSTEN (MEISTENS) NICHTS. Für eine „Game of Thrones“-Folge zahlst du rund drei Euro. Für Podcasts in der Regel nichts (außer bei Abo-Modellen wie Audible). Ein Jahr jeden Tag Podcast statt TV-Serie, und du sparst mindestens 1000 Euro für die Erfüllung ­eines Traums.

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TRUE CRIME, GROSSE ERZÄHLUNGEN: Diese Podcasts fesseln dich mit Storys über …

4 ZUM SELBSTAKTIV-­ WERDEN ODER ZUM MITREDEN: Diese Podcasts machen dich fit fürs …

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SIE DECKEN SO GUT WIE JEDES THEMA AB. Sumoringen, Fliegenfischen, TV-Serien schreiben: Egal was dich interessiert, es gibt einen Podcast dazu (zumindest auf Englisch).

… Strafprozesse

… die RAF

„Spiegel“, „SZ“, „Zeit“ und viele andere Medienhäuser drängen in den PodcastMarkt. Im besten Fall wird etwas wie Zeit Verbrechen daraus: Eine preis­gekrönte Gerichtsrepor­terin, Sabine Rückert, erzählt von den Fällen ihres Lebens: einem Serien- und einem Säuremörder sowie einer Mutter, die ihr Kind tötete. Zweiwöchentlich, 40 Minuten, u. a. via iTunes

Die Anschläge der RAF prägten Deutschland in den 1970er- und 80erJahren. Die Terrorgruppe schien Geschichte – bis vor zwei Jahren die letzten drei RAF-Mitglieder mit Schnellfeuergewehren Banken überfielen. In Im Untergrund folgt Patrizia Schlosser deren Spuren – mit ihrem Vater, einem Polizisten in Rente. 6 Folgen, 50 Minuten, via Audible

… einen Mord

… eine Trennung

Wer hat Burak erschos­ sen?, fragt der gleich­ namige Podcast von Philip Meinhold. Im April 2012 wurde der Junge mit türkischen Wurzeln in BerlinNeukölln auf offener Straße erschossen. Von wem und warum, ist rätselhaft. War Ausländerhass das Motiv? Ein abgeschlossener Podcast, traurig-aktuell. 9 Folgen, 30–50 Minuten, u. a. via Kulturradio

Großes Drama, Hass und ein geheimes Doppel­ leben? Klingt nach Krimi, ist aber das Ende einer ­Liebe. Nach sechs Jahren Beziehung sind Luis und Lisa am Ende. Und der Pod­ cast Schluss von Bettina Conradi beginnt. Woran scheitert ein Paar? Warum fällt es so schwer, darüber zu reden? Und was bleibt? 5 Folgen, 30 Minuten, via Viertausendhertz

… Laufen

… Workout

… Fachsimpeln

… Einschlafen

Wer Marathon oder gar ­Ultramarathon läuft, vergisst manchmal, dass es auch Erdbussbutter gibt und dass Laufen nicht nur Selbstüberwindung ist, sondern ursprünglich mal Liebe zur Bewegung war. LaufenLiebeErdnuss­ butter schafft den Spagat zwischen Top-Fitness und Top-Lebensqualität. Zweiwöchentlich, 60 Minuten, u. a. via Podcast.de

Der Name Nackt gut aus­ sehen eignet sich bestens, um die Charts zu stürmen, erklärt allein aber nicht die guten Bewertungen. Es geht auch um Yoga, gut schlafen und schlechte Tage. Der Podcast wurde nach zwei Jahren beendet, vermutlich kommt man nicht mehr dazu, wenn man nackt zu gut aussieht. Wöchentlich, 30 Minuten, u. a. via Podomatic.com

Wenn ein Podcast immer so spannend ist wie seine Macher, ist man bei Berni Mayer gut aufgehoben: Der war MTV-Chefredakteur, hat Romane geschrieben und spielt in einer RetroMetal-Band. Und er produziert den Podcast Brenner­ pass, der etwas wilder und verrückter über Fußball berichtet als die Konkurrenz. Wöchentlich, 60 Minuten, u. a. via player.fm

Ohne ausreichenden Schlaf keine maximale Leistung, weder im Job noch beim Training. Damit wir schneller ins Reich der Träume finden, sendet ­Tobias Baier seinen Podcast Einschlafen, in dem er Monologe über Reisen hält oder aus Kant-Werken vorliest. Sein Ziel: Du sollst keine Folge zu Ende hören. Zweiwöchentlich, 60 Minuten, u. a. via Podlist.de

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5 SIE SIND DISKRET. Du bist Bankdirektor, willst mehr übers Stricken lernen, dabei aber nicht gesehen werden? Mit Podcasts kannst du dich sogar in der Bahn schlau machen – kein Text, kein Bild verrät dich.

LASS DIR HELFEN

DAS KANNST DU AUCH.

HELLA WITTENBERG

Anfänger-Tipps von Podcast-Star Matze Hielscher

„Eine gute Stimme ist wichtig, aber noch sehr viel wichtiger ist es, an ­seiner Stimme zu arbeiten.“ Bevor Matze Hielscher seinen eigenen Podcast („Hotel Matze“, Seite 63) startete, buchte er in Berlin ein Stimmtraining, um deutlicher zu sprechen. In Sachen Technik reicht zum Podcasten eigentlich schon ein Smartphone und eine Aufnahme-App wie „Anchor“, mit der du auch schneiden kann. Besser wird es, wenn du mit mehreren Tonspuren aufnimmst und dir Studiomikrofone leistest. Im Netz gibt es gute How-toPodcast-Anleitungen und eine riesige Auswahl an Programmen und Apps.

WERDE DEINE EIGENE MARKE Die Charts laufen über vor Podcasts über Sex, Selbstoptimierung oder Fußball. Nimm lieber eine Sendung übers Gleitschirmfliegen auf – sofern es das noch nicht gibt. Mit einem

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Nischenthema kann es leichter sein, Sponsoren und Zuhörer zu finden. Alles entscheidend ist, dass du für das Thema brennst: „Man sollte seine Leidenschaft zum Podcast-Inhalt machen, nur dann hält man durch und macht gute Sendungen.“

NIMM DIR ZEIT Einen Tag braucht Matze Hielscher für eine Folge „Hotel Matze“: „Die Vor­ bereitung, zwei Stunden fürs Interview, die doppelte Zeit für die Nachbearbeitung – also durchhören, schneiden, Intro einsprechen.“ Hobby-Podcaster, die wenig schneiden, kommen mit ein bisschen Übung mit einem halben Tag hin. Um Fans zu finden, sollte dein Pod­ cast außerdem regelmäßig erscheinen, mindestens alle zwei Wochen.

HALT DURCH Viel Arbeit, kaum Zuhörer und Sponsoren: Diese Durststrecke musste jeder

erfolgreiche Podcast aushalten. „Ich sagte mir, ich mache zehn Folgen, egal ob das jemand hört.“ Dann sollte man sich ehrlich fragen: Macht es mir Spaß, geht es leicht von der Hand, wie ist das Feedback? Spätestens nach einem halben Jahr bekommst du ein Gefühl, ob deine Sendung eine Zukunft hat. Ganz wichtig: Zuhörer um Feedback bitten und darauf reagieren.

SUCH DEINE HÖRER DORT, WO DU SELBST PODCASTS ENTDECKST Der erste Schritt ist, im Bekannten­ kreis und auf Social Media dafür zu werben. Wenn man einen SpecialInterest-Podcast hat, die Zielgruppe kontaktieren, über Foren oder auf Events. Oder Blogger anmailen, die über neue Podcasts berichten. Auch gut: andere Podcaster kontaktieren und eine gemeinsame Folge vorschlagen.

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Bei Red Bull Rampage bahnt sich jeder der 21 Mountainbiker seinen eigenen Weg von den Klippen des Zion National Park in Utah, USA. Vier Tage lang schlagen die Profis und jeweils zwei Helfer (die „Digger“, Bild) ihre Passagen in den Sandstein. Dann bewerten Juroren Stil, Speed und Kreativität, mit der jeder der 21 Auserwählten seine Strecke bewältigt. 66  

CHRISTIAN PONDELLA/RED BULL CONTENT POOL

DU SCHLÄGST DEINE STRECKE SELBST IN DEN STEIN


Hier entsteht ein Radweg Ein Canyon voller Klapperschlangen, Zaubersand und ein Sprung Ăźber eine Felsspalte, so breit wie eine vierspurige Autobahn: Bei RED BULL RAMPAGE im US-Bundesstaat Utah verschieben Mountainbike-Profis seit 2001 die Grenze des Machbaren. Hier ein Best-of zum wildesten Rad-Event der Welt. Text WERNER JESSNER


DER FREIE FALL IST DEIN STÄNDIGER BEGLEITER Nur Downhill-Bikes sind einerseits wendig genug, um die Landungen präzis zu t­ reffen, und gleichzeitig stabil genug, um haus­ hohe Drops wie diesen zu schlucken. Der zweifache Sieger Brandon Semenuk (hier im Bild) gilt als Mann der feinen ­Klinge in der Fall-Linie.


„Der Kick ist enorm. Aber dafür lebst du.“

CHRISTIAN PONDELLA/RED BULL CONTENT POOL, PARIS GORE, JENS STAUDT @ 4ZIG.NET

Hart im Nehmen: Conor Macfarlane, Rookie bei der Red Bull Rampage 2016, trägt die Andenken seiner ersten Teilnahme im Gesicht.

Humor ist, wenn man trotzdem tätowiert: Narbe eines RampageBesuchers, 2014 THE RED BULLETIN 

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„Du bestimmst selbst, wie hart die Red Bull Rampage für dich ist. Einfach wird sie nie.“ Cam McCaul, USA, Rampage-Urgestein

AUF DEM BERG GILT EIN EHRENKODEX Es gibt eine ungeschriebene Regel der ­Rider, nämlich auf den Strecken der anderen weder bergab noch am mühsamen Weg bergauf herumzutrampeln. Das gilt auch für die Digger-Crews, die hier die Bikes von Tyler McCaul (links), Remy Metailler (Mitte) und Co zum Start schleppen. 70  

CHRISTIAN PONDELLA/RED BULL CONTENT POOL

Schlangen-Alarm: Die Wetterbedingungen im Zion National Park (weit über 40 Grad im Sommer, irre Trockenheit) bringen extreme Lebensformen auch abseits von Mountainbikern hervor. Die gute Nachricht: Eigentlich sind Klapperschlangen nachtaktiv. Eigentlich.


SPEZIALSAND LÄSST DICH DIE BRUTALSTEN STÜRZE ÜBERLEBEN Nur hier in Virgin, Utah, ist der Sandstein hart genug, um darauf zu fahren, beim Aufprall aber zeigt er sich von seiner ­bröseligen, weichen Seite. Hier crasht der US-Amerikaner Nicholi Rogatkin bei seiner Rampage-Premiere 2014.


Ausruhen? Später. Das Red Bull Rampage ist immer der letzte große Mountainbike-Event des Jahres.

Dieses Foto gibt es eigentlich nicht. Nach einem der materialmordenden Stürze lassen die Crews jedes Wrack blitzartig verschwinden. Schrott ist angeblich schlecht fürs Image – selbst wenn das Bike nichts dafürkann.

JENS STAUDT @ 4ZIG.NET, PARIS GORE, GETTY IMAGES

TV, Livestream, hunderte Journalisten und Fotografen vor Ort, dazu Athleten mit einer Viertel­ million Social-Media-Followern und mehr: Das Red Bull Rampage ist der mit Abstand bedeutendste Mountainbike-Event der Welt.

„Ich konnte in den Nächten davor kein einziges Mal gut schlafen. Trotzdem kam ich jedes Mal wieder.“ Thomas Vanderham, kanadische Freeride-Legende und siebenfacher Red Bull Rampage-Starter

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DIESER SPRUNG MACHT DICH UNSTERBLICH Der „Canyon Gap“ ist so breit wie eine vier­ spurige Autobahn. Darunter: nichts außer ­Felsen, Klapperschlangen und Büschen. Dieser Sprung gehört zu den größten Mutproben, die es auf zwei Rädern gibt. Übrigens: Wer die Red Bull Rampage gewinnen will, muss seit 2015 zumindest mit einem Backflip drüber.


„‚Win, crash or go home‘: Du musst Spaß daran finden. Sonst hast du hier nichts verloren.“ Andreu Lacondeguy, Spanien, Red Bull Rampage-Sieger 2014

Der Moment, der dich definiert: Red Bull RampageSieger wie Andreu Lacondeguy haben alles geschafft, was man im Freeriden schaffen kann. Von dem Moment an bist du ein Superheld.

DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL, JENS STAUDT @ 4ZIG.NET, PARIS GORE

Lies meinen Blick: Selbst für Mountainbike-Profis ist das ganz weit vom Alltag, was sie hier machen. ­Lokalmatador Ethan Nell verabschiedet sich vor dem Weg zum Start von seiner Freundin.

RED BULL RAMPAGE 2018 Die 13. Auflage am 26. Oktober live in Utah und auf redbull.tv 21 Rider, darunter Vorjahressieger Kurt Sorge, ­Rekordmann Brandon Semenuk und das belgische ­Bewegungsgenie Thomas Genon sind wieder dabei, wenn es nach viertägigem Schaufeln und viertägigem Trainieren am Freitag ernst wird. Hartgesottene Rampage-Fans wissen: Das Wetter in der Wüste – vor ­allem der Wind – ist unberechenbar, daher hält man sich das Wochenende für eine Verschiebung frei.

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BEFLÜÜÜGELT DURCH DEN WINTER. MIT DEM GESCHMACK VON ZWETSCHGE-ZIMTNELKE.

R NUR FÜ IT ZE KURZE

BELEBT GEIST UND KÖRPER®.


guide Dein Programm

FIT WIE EINE BALLERINA

LECKER WIE DIE WUNDERWURZEL

PRÄZISE WIE EIN UHRWERK

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MATTHEW STERNE

Was du vom Training der Balletttänzerin Dusty Button lernen kannst.

Warum Kochen mit Ube dein Essen schöner und gesünder macht.

13 Zeitmesser mit genialen Funktionen für (fast) alle Lebenslagen.

ZU FUSS DURCH KOLUMBIEN

Wir suchen die verlorene DschungelStadt Teyuna. Seite 78

THE RED BULLETIN 

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Reisen

Unser Reporter Tom erkundet die Hochterrassen von Teyuna. Die Steinringe markieren die Grundrisse einstiger Gebäude wie Schulen, Häuser oder Versammlungshallen.

TREKKING EXTREM

INDIANA JONES LÄSST GRÜSSEN Kolumbiens Dschungel ist so dicht, dass Ureinwohner eine gigantische Stadt 1200 Jahre lang darin verstecken konnten. Unser Redakteur hackte sich den Weg nach Teyuna frei.

I

ch starte meine Expedition in einer Stadt namens Machete. Der Name passt. Denn zwei Tage später ist meine Klinge im Dauereinsatz, und ich hacke mich durch Sträucher, Bäume und dichtes Gewächs. Keine Ahnung, wo genau ich bin. Ich weiß nur:

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irgendwo tief im Dschungel der Sierra Nevada in Kolumbien. Es ist fünf Uhr morgens, und ich wate bereits durch den zweiten Fluss. Als ich meine Stiefel wieder anziehe – sie baumelten bei der Durchquerung an den Schuhbändern um meinen

Flussquerung am Weg zur Verlorenen Stadt. Einige Stellen sind so tief, dass man sich via Seil rüberhanteln muss.

THE RED BULLETIN


guide

KOLUMBIEN-KUNDE

SO FINDEST DU DIE VERLORENE STADT

Der Fünf-Tage-Treck startet in der Stadt ­Machete Pelao. Die Vorbereitungen triffst du in Santa Marta, zwei Autostunden entfernt. Santa Marta Ciudad Perdida

Medellín

Bei Regenfall verwandeln sich die Lehmwege binnen weniger Minuten in Schlammlawinen.

Die Trockenzeit dauert von Dezember bis März, die Regenzeit ist ­zwischen Oktober und November am intensivsten. Im September ist die Verlorene Stadt geschlossen.

Bogotá

Kolumbien

BEZAHLE

IMPFE

Kolumbianischer Peso (COP) € 1 = ca. 3500 COP 1 COP = 100 centavo

Typhus, Tetanus, Hepatitis A, Gelbfieber, Diphtherie, Tollwut

Versammlung der Wiwa-Stammesführer. In der Mitte sitzt Oberhaupt Ali José Miguel.

GETAWAY/MATTHEW STERNE

TOM GUISE

PROBIERE Hals –, zeigt Tour-Guide Juan ­Diego auf einen Busch, unter dem eine Steinstufe hervorlugt: der Eingang zur Ciudad Perdida, der Verlorenen Stadt. Die Verlorene Stadt ist keine Stadt im heutigen Sinn. Teyuna, so der einheimische Name, war eine Art Tempel. Ein Ort, an dem die spirituellen Führer – die Mamos – des Tairona-Stamms ihre Jünger ausbildeten. Um 800 n. Chr. erbaut, wurde die Kultstätte im 16. Jahrhundert nach Ankunft der Spanier aufgegeben. In Vergessenheit geriet sie aber nicht: Die Nachkommen der Tairona – die Stämme der Wiwa, Kogi, Kankuamo und Arhuaco – wussten von ihrer Existenz. Offi-

THE RED BULLETIN 

2003 wurde eine Reise­ gruppe im Dschungel von Rebellen entführt. Seither wacht hier auch das Militär. ziell „entdeckt“ wurde sie 1972 – von Plünderern. Das Gold, das in der Stadt gehortet wurde, ist heute verschwunden. Der Weg nach Teyuna ist hart, die Luft heiß und feucht. Wenn es regnet, verwandeln sich die steinigen Wege in Flüsse oder Schlammlawinen. Krebse krabbeln dir über die Füße. Hängt

AJIACO Deftige Hühnersuppe mit Franzosenkraut CEVICHE Roher Fisch, in Zitronensaft mariniert AREPAS Kleine runde Maisfladen, in Kolumbien ­traditionellerweise mit Käse gefüllt

BESUCHE MUSEO DEL ORO Goldmuseum mit präkolumbischen Fundstücken EL RODADERO BEACH Einer der schönsten weißen Sandstände des Landes mit vielen Bars und Clubs PARQUE DE LOS NOVIOS Belebter Park, Ausgangspunkt für eine authentische kolumbianische Partynacht

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Reisen

guide

STADT-STATISTIK

DER GUIDE ZUR DSCHUNGEL-CITY

Die Tairona erbauten Teyuna um 800 n. Chr. – und versteckten die Stadt erfolgreich mehr als 1000 Jahre lang vor Eindringlingen. Angesichts der riesigen Ausmaße der Anlage ist das besonders eindrucksvoll. TEYUNA IN ZAHLEN

VERLASSEN Ende des 16. Jahrhunderts

BEVÖLKERUNG ca. 3000 (1500 n. Chr.)

WIEDERENTDECKT 1972 (von Plünderern)

NÄCHSTE STADT Machete Pelao

STADTGRÖSSE 300.000 m²

MARSCHLÄNGE 2 ½ Tage pro Strecke

TERRASSEN mehr als 200

DISTANZ ca. 70 km

SEEHÖHE 1100 m

GESAMTANSTIEG 420 Stockwerke

DER BOSS Der Anführer der Wiwa ist der 77-jährige Ramón Gil ­Barro, der im Dschungeldorf Gotsezhy lebt. 1990 interviewte ihn Filmemacher Alan Ereira über die Zerstörung der natürlichen Welt für die Doku „From the Heart of the World: The Elder Brothers’ Warning“.

DIE LEUTE 1991 erlangte die indigene Bevölkerung Kolumbiens die Anerkennung als autonomer Staat. Allerdings ­gehört a­ lles, was 30 Meter unter der Erde vergraben ist – also Mineralien, Gold usw. – immer noch der ­kolumbianischen Regierung.

DAS NETZWERK In Teyuna befindet sich eine Karte aus Stein, die laut den Wiwa andere unentdeckte verlorene Städte zeigt. Nur die Mamos können die Karte noch lesen, das Wissen wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Expeditionsteilnehmer am Rand der Verlorenen Stadt, dem Zuhause des Kogi-Stamms

man ein verschwitztes T-Shirt abends auf, ist es am Morgen noch nasser. Die Steintreppe hinauf zur Verlorenen Stadt entpuppt sich als Herausforderung, die zwei Tage Trekking in Anspruch nimmt: 1200 sehr schmale Stufen – die Tairona waren keine Riesen, Skelette lassen auf eine Körpergröße von 1,50 Metern schließen. Am Ende der Treppe angekommen, betrete ich einen Steinkreis. In der Mitte sitzt José vom Stamm der Wiwa. Er ist der Wärter der Verlorenen Stadt. Seine linke Hand hebt er zum Gruß, in der anderen hält er ein Danburro – einen Kürbis, den er über Jahre hinweg mit gemahlenen Muscheln, Speichel und gekauten Kokablättern einreibt. Das Ding, das wie ein Käselaib aussieht, ist ein spirituelles Tagebuch: Ein Mamo kann dir anhand deines Danburros sagen, wer du bist. José bittet mich, meine negativen Gedanken abzulegen. Dann darf ich Teyuna betreten.

A Die Steinkarte von Teyuna. Selbst der einheimische Kogi-Guide kennt ihr Geheimnis nicht.

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uf den ersten Blick wirkt die Verlorene Stadt wie ein einfacher Garten. Erst auf einer erhöhten Lichtung wird ihre Pracht sichtbar – grasbedeckte Steinkreise, die sich in die Höhe schrauben.

In einem von ihnen treffe ich Edwin Rey. Seit 24 Jahren bringt der 57-Jährige Abenteurer zur Verlorenen Stadt. 2003 wurde eine seiner Gruppen von Rebellen entführt, erzählt er. Seitdem wird der Weg zur Verlorenen Stadt von Soldaten kontrolliert. Entführungen gab es keine mehr.

N

ach drei weiteren Tagen Dschungelwanderung erreiche ich die letzte Station meines Trips: das Dorf Gotsezhy, in dem der Wiwa-Stamm lebt. Der dortige Mamo ist Ali José Miguel. Spitzer Hut, nackte Füße, ein sehr großes Danburro. Er erklärt: Dank dem Geld, das sein Volk an den Touren verdient, kann es Wälder zurückkaufen, die von Drogendealern für den illegalen Anbau gestohlen wurden. „Als Indigene brauchen wir Land, um Mutter Natur Tribut zu zollen. Es ist uns nicht erlaubt, Bäume zu fällen oder Bodenschätze abzubauen. Das sind die Samen des Lebens.“ Wie wahr. Ich kam nach Kolumbien, um die Verlorene Stadt zu suchen. Aber gefunden habe ich viel mehr. The Red Bulletin reiste mit G Adventures nach Kolumbien. Das Reiseunternehmen kooperiert mit Wiwa Tours, einer indi­ genen Organisation zur Förderung der ­lokalen Kultur. Infos: gadventures.com

THE RED BULLETIN

TOM GUISE

TREPPE 1200 Stufen

MATTHEW STERNE

STADTBAU um 800 n. Chr.


EXPERIENCED DRIVER DEPICTED

WHAT AR E YOU BUILD ING FOR?

E N T S TA N D E N AU S E R FA H RU N G … GESCHAFFEN FÜR ECHTE ABENTEUER BFGO ODRICH.COM/KM3


Entertainment

Mountainbike-Free­ rider am Limit, BMXPros auf Weltreise und ein Action-Abenteurer im Winterwonderland: Hier sind die Red Bull TV-Highlights des Monats.

Ausgewählte Musik und ­inspi­rierende ­Interviews. Unsere aktuelle Empfehlung:

Titelverteidiger: Red Bull RampageVeteran Kurt Sorge bei einem Übungslauf 2017

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Oktober   LIVE 

RED BULL RAMPAGE

Utahs rote Felslandschaft bildet die Kulisse für die ultimative Mountainbike-Challenge. Bei Red Bull Rampage messen sich 21 der weltbesten Profis in den Wertungen Mut, Skills und Kreativität. Am Start stehen etwa Kurt Sorge (CAN) und Cam Zink (USA) sowie Lokalmatador Ethan Nell. Seine Mission: den dritten Platz aus dem Vorjahr toppen. Alle Tricks und Lines gibt es live auf redbull.tv

5

November   ON

DEMAND 

ETNIES: CHAPTERS

SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL

Red Bull TV ist deine g ­ lobale digitale Destination für Entertainment abseits des Alltäglichen, empfangbar rund um die Uhr an jedem Ort der Welt. Geh auf redbull.tv, hol dir die App oder connecte dich via Smart-TV. Alle Infos: redbull.tv

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Das Sportmode-Unternehmen Etnies präsentiert das dritte Full-Length-BMXVideo seiner preisgekrönten Serie. Drei Jahre dauerte der Dreh, im Fokus steht eines der Kult-Teams der Szene.

12

November   ON

DEMAND 

ROGUE ELEMENTS Schnee satt: Im Winter 2017 verwandelten sich Europa und Nordamerika in riesige Spielplätze für Freeski-Profis. Top-Fahrer wie Sammy Carlson oder Dane Tudor tobten sich aus.

TRUE LAURELS

17

Oktober  ON AIR 

Mit dieser neuen wöchentlichen Show (immer mittwochs um Mitternacht) will der renommierte Journalist und Verleger Lawrence Burney (Bild oben) den Diskurs in der Welt des Rap und Hip-Hop intensivieren. „True Laurels“ beschäftigt sich mit den grund­ legenden Fragen aktueller Rap-Kultur und spannt den Bogen von der neuesten HipHop-, Dancehall- und Afrowave-Musik zu den sozialen Problemen der Communitys, in denen sie entsteht. AUFDREHEN: REDBULLRADIO.COM

THE RED BULLETIN

GARTH MILAN/RED BULL CONTENT POOL, ORCHARD ENTERPRISES NY, INC (2), ELIOTT JEROME BROWNE JR

DER ROTE BERG RUFT

guide


Fitness

guide

Dusty Button, 29, ist Tänzerin und Choreografin.

SIDESTEP

MÖGE DIE KRAFT MIT DIR SEIN!

Drei geniale „Star Wars“-Fitnesstools:

DEATH STAR SLAM BALL Dieser 9 Kilo schwere Ball ist dem Todesstern, der legendären Raum­ station aus „Star Wars“, nachempfunden. Um ihn zu zerstören, bräuchtest du wie Luke Skywalker einen Torpedo. Denn hartes Aufprallen macht dem speziellen Gummi­ gemisch nichts aus.

DARTH VADER KETTLEBELL Kugelhanteln müssen nicht kugelförmig sein. Nimm stattdessen die­ sen Darth-Vader-Kopf aus massivem Eisen – Gewicht: 32 Kilogramm. Alternativen gibt es mit den Helmen von Boba Fett (22,5 kg) und einem Stormtrooper (27 kg).

DUSTY BUTTON

BALLERNDE BALLERINA

MITCHELL BUTTON/RED BULL CONTENT POOL, ONNIT

Fit wie eine Balletttänzerin: dank Fleisch, Sit-ups und einer Runde „Call of Duty“ zur Entspannung.

S

ie ist das schwarze Schaf des Balletts – sagt sie selbst. Und Dusty Button, 29, passt mit ihrem athletischen Tanzstil (am liebsten zu Punkrock und Hip-Hop) nicht wirklich in das ­Klischee magerer Tänzerinnen im Tutu. „Ich brauche Fleisch und nehme täglich bis zu 1800 Kalo­ rien zu mir“, sagt die einstige ­Primaballerina des Boston Ballet. Die Energiezufuhr hat sie bei ihrem Trainingsvolumen auch nötig: 45 Minuten Ausdauer,

THE RED BULLETIN 

45 Minuten Stretching und eine Stunde Krafttraining sechsmal pro Woche gehören zum Standard. „Du brauchst eine starke Körpermitte, um Tanzen einfach aus­ sehen zu lassen. Meine Lieblingsübung? Sit-ups! Ich mache drei Sets zu 100 bis 125 Wiederholungen normal und drei Sets zu 50 seitlich.“ Motivation holt sich Button mit Musik: Kanye West oder Skrillex. Nichts Klischee­ haftes, versteht sich. Instagram: @dusty_button

SO ENTSPANNT DER TANZ-PROFI: Relaxen bei Schaumbad und einem Glas Wein? Ganz falsch! „Nach einer Show gönne ich mir mit meinem Mann zu Hause ein paar Drinks – ich liebe Wodka Tonic“, sagt Button. „Danach spielen wir ein bisschen ‚Call of Duty‘ oder ‚Mario Kart‘. Es ist wichtig, Dinge zu tun, die mit Ballett oder der Arbeit absolut nichts zu tun haben.“

HAN-SOLOYOGAMATTE Die wohl coolste Yoga­ matte dieser Galaxie. War­um cool? Weil auf ihr der in Karbonit eingefro­ rene Han Solo alias Har­ rison Ford abgebildet ist. Seine Hände eignen sich ideal für Stütz­positionen. onnit.com/starwars

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Essen

guide

KNOW-HOW

FORMEL EI

Arg fürs Auge, gut für die Gesundheit: Die Yamswurzel Ube lässt jedes Essen sofort surreal aussehen.

Sekunden und Zahlen, die das Frühstück entscheiden.

Einfach war’s mit dem Ei nie: die Sache „Henne oder Ei“? Bis dato ungelöst. Auch die ideale Kochzeit treibt die kulinarische Physik in den Wahnsinn. Jeder Wissenschaftler schwört auf „seine“ Formel aus Wassertem­ peratur, Schalendicke, Kochzeit, Gewicht, Umfang sowie Seehöhe der Kochstelle. Ein paar Konstanten gibt es aber mittlerweile.

DIE UBE-DRÜBER-­ WUNDERWURZEL Hobbyköche färben mit der lila Yamswurzel Ube wild entschlossen alles ein, was sie im Kühlschrank finden. Warum Filipinos das verwundert und die Gesundheit sich freut.

E

ine Farbe so intensiv wie der Prince-Song „Purple Rain“? Check. Exotische Süße, die geschmacklich irgendwo zwischen Vanille und weißer Schokolade anzusiedeln ist? Check. Antioxidantien, Ballaststoffe, Vit­ amin C, niedriger Zuckergehalt, gute Fette? Fünffach-Check. Die Yamswurzel Ube wird auf Instagram wie die Entdeckung des heiligen Kulinarik-Grals gefeiert: Sie sei gesund, verdauungsfördernd und hochgradig fotogen. Immerhin lässt das süßkartoffelähnliche ­Gewächs sogar Sandwich-Toastbrot wie die Anders als Rote Beten hinterlässt die Yamswurzel Ube keine F­ lecken auf Fingern oder Kleidung.

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ausgefuchste Kreation eines Sternekochs ­aussehen. Einzig die Filipinos kann man damit nicht beeindrucken. Die sind ob des weltweiten Interesses ein wenig ver­ wundert – zählt Ube doch von jeher zu den Grundnahrungsmitteln des Inselstaats. Mit Kokosmilch, Kondensmilch, Zucker und Butter wird sie zu „Ube Halaya“, einem traditionellen Pudding, verarbeitet. Auch in Eiscreme findet man sie oft. Übrigens: Wer hierzulande unter #ube mitmischen will, muss meist auf die pulverisierte Form zurückgreifen, denn frisch gibt es Ube leider nur in Asien, Südamerika und dem Südosten der USA. Im allerbesten Fall wird man noch im Asia-Laden fündig.

4:30, 6:30 UND 9:00 MINUTEN Diese Zeitangaben stehen für weich, wachsweich und hart bei Eiern der Größe M, die direkt aus dem Kühlschrank kommen. Größe L braucht ca. 40 bis 60 Sekunden mehr. MINUS 60 SEKUNDEN Hat das Ei Zimmer­ temperatur, kann man 1 Minute Kochzeit abziehen.

Kickstart: 6 Minuten 30 Sekunden bei Größe M = wachs­ weiches Löffelei

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ROWENA SALANGA @RAGRINDS, @OHDOUGHNUTS, SHUTTERSTOCK, GETTY IMAGES

INSTAGRAM-TREND

WALTRAUD HABLE

65 GRAD CELSIUS Ab dieser Temperatur gerinnt Dotter, Eiklar stockt ab 62 °C.


Events

guide

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bis 16. November

RED BULL ESCAPE ROOM

Kreativität, Logik, räumliche Vorstellungskraft, Strategie: Nur wer dieses Können vereint, ist reif für die Red Bull Escape Room-WM. Dabei gilt es, sich durch das Lösen interaktiver Rätsel aus speziell konstruierten Räumen zu befreien. Nach einer Online-Runde starten in Tübingen die nationalen Qualifier. Universität, Tübingen; mindgamers.redbull.com Weitere Qualifier: 19. –  23. 11. Uni Mannheim, 26. –  29. 11. Karlsruher Institut für Technologie

PREDRAG VUCKOVIC/RED BULL CONTENT POOL, ADELA SZNAJDER/ESL

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Oktober bis 4. November Badminton: SaarLorLux Open Die internationale Badminton-Elite gibt sich beim SaarLorLux Open in Saar­ brücken die Ehre. Unter anderem am Start: Tai Tzu-Ying – die 24-jährige ­Taiwanesin war 67 Wochen Nummer 1 der Welt. Das mit 75.000 US-Dollar ­dotierte Turnier ist Nachfolger des Bitburger Open. Stars aus den deutschen Reihen sind die Doppelspezialisten Marvin Seidel und Mark Lamsfuß. Saarlandhalle, Saarbrücken; saarlorlux-open.de

THE RED BULLETIN 

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November Filmstart: „25 km/h“ Zwei Brüder (Lars Eidinger, Bjarne Mädel) treffen sich nach 30 Jahren auf der Beerdigung ihres Vaters. Erst geraten sie ­einander in die Haare, doch dann beschließen sie, eine einst geplante Mofa-Tour quer durch Deutschland nachzuholen – und niemals schneller als 25 km/h zu fahren. Dass sich die beiden bei diesem Tempo wieder näherkommen, ist klar.

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November Gaming: Red Bull ­Upgreat Tolle Chance für Gamer der Spiele „League of Legend“ und „Clash Royale“: Bei Red Bull Upgreat stehen ihnen SzeneStars zur Seite, um ihre Skills zu verbessern. Unterricht gibt es in neuen Strategien und ­Taktiken, außerdem werden die anschließenden Matches von Profis kommentiert. Factory, Berlin; redbull.com

bis 28. Oktober Gaming: ESL One Hamburg Drei Tage, zwölf Teams, 300.000 US-Dollar Preisgeld – zum zweiten Mal in Folge treffen in Hamburg Top-„DOTA 2“-Mannschaften aufeinander und messen vor tausenden Fans ihr Können in dem Multiplayer-OnlineBattle. Highlight abseits der Bildschirm-­ Action: Vertreter der Cosplay-Szene ­präsentieren ihre phantasievollen und ­detailverliebten Kostüme. Barclaycard Arena, Hamburg; esl-one.com

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Vier Antriebsmodi stehen zur Auswahl

Vollautomatisches Command-Trac®Allradsystem

Modernste Technologie, verbesserter Komfort

FÜR ALLE ABENTEURER

Ob im Großstadtdschungel oder auf unwegsamem Gelände: Mit dem ikonischen Jeep® Wrangler oder seinem „kleinen Bruder“, dem Jeep® Renegade, wird jede Fahrt zu einem besonderen Erlebnis.


THE RED BULLETIN PROMOTION

Hochwertige Ausstattung des Innenraumes

FOTOS: JEEP®

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er Jeep® Wrangler ist zweifellos der Gelände-Champion, wie die vierte Generation (JL) eindrucksvoll unter Beweis stellt. Let’s go anywhere, denn die zwei aktiven, vollautomatischen 4×4-Systeme machen es möglich: Command-Trac für die Jeep® Wrangler Versionen Sport und Sahara, und Rock-Trac für die Version Rubicon – das robusteste und fähigste Modell für Fahrten im Gelände. Der neue Wrangler kann aber auch anders und ist als duales Multitalent mit fortschrittlichen Technik-Funktionen ebenso für die City und die lange Reise gemacht. Das moderne Design im authentischen Jeep® -Look bleibt unverkennbar. Das

Zeitloses Markenstyling mit neuen Akzenten

neue Design des Jeep® Renegade – des „kleinen Bruders“ des Jeep® Wrangler – ist eine moderne Interpretation der ikonischen Jeep® -Formsprache und kann sich ebenfalls sehen lassen. Der neu gestaltete Innenraum überzeugt mit Qualität, mehr Funktionalität und einem höheren Maß an Komfort. Mit aufgefrischtem Design, dem neuen Uconnect™-Infotainment-System und einer völlig neu entwickelten Generation von Benzin-Turbomotoren bietet dir dieser SUV alles, was du auf deinen Abenteuern brauchst. Wohin deine Reise gehen mag – mit dem Jeep® Wrangler oder dem Jeep® Renegade hast du einen zuverlässigen Begleiter dafür.  www.jeep.de

Große, runde LED-Scheinwerfer für optimale Sicht

DER JEEP® WRANGLER BLEIBT DAS ORIGINAL DER GELÄNDEWAGEN, DEM ALLE FOLGEN. Markus Hauf, Jeep®-Pressesprecher


DIE SPEZIALISTEN 13 Uhren mit besonderen Fähigkeiten. Plus: 7 Fakten aus einer Welt, in der Komplikationen gefeiert werden. Text WOLFGANG WIESER

Nimm dir Zeit für eine Wende – bei der Jazzmaster laufen die Zeiger rückwärts.

WENDET SOUVERÄN HAMILTON JAZZMASTER FACE 2 FACE II AUTO CHRONO

Diese Uhr hat zwei Gesichter (nicht bloß Vorderund Rückseite). Eines für die Zeit, ganz so, wie wir es kennen – inklusive Datum und Chrono­ graphenfunktion. Eines für das Leben: Hier misst du deinen Herzschlag oder die Entfernung von deiner Liebsten. Dass der Sekundenzeiger rückwärtsläuft, ist eine Einladung für Müßiggänger – zum Nachdenken über die Zeit und darüber, wie schnell sich das Schicksal wenden lässt. 3795 Euro; hamiltonwatch.com

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THE RED BULLETIN


1 BLICKT ZURÜCK TUDOR BLACK BAY FIFTY-EIGHT

Ihrem Uhr-Ahn wie aus dem ­Gesicht geschnitten ist diese ­Tudor. Ebenso groß (39 mm), die Indizes nur einen Hauch heller, statt der Zeiger mit MercedesLogo die längst charakteristischen Snowflake-Hands – eine feine Verbeugung vor den TudorTaucheruhren der 1950er. Mit Edelstahl-, Leder- oder Textil­ armband. Wir raten zur Textil­ variante – in traditioneller Jacquardtechnik hergestellt, birgt sie ein zusätzliches DNA-Plus. 3060 Euro; tudorwatch.com

Was ist ein Chronometer?

15 Tage wird eine Uhr auf ihre Ganggenauigkeit getestet, bevor sie Chronometer genannt werden darf. Überprüft werden die Zeitmesser von der Schweizer Kontrollstelle für Chronometer (Contrôle officiel suisse des chronomètres/COSC) mit Sitzen in Biel, Genf und Le Locle. Etliche Nobelmarken wie Patek Philippe, Rolex oder Omega habe eigene, oft strengere Verfahren entwickelt. Nicht mit einem Chronographen verwechseln! Dieser verfügt über eine Stopp-Funktion.

2 Der „Anker“

verbindet Räderwerk und Unruh und hält die Uhr am Laufen.

FEDERT GEKONNT FORMEX AUTOMATIC CHRONOMETER

Dieser Chronometer ruht in sich. Denn er hat alles, was eine Uhr braucht: ein Gehäuse aus Edelstahl und Titan mit stattlichen 43 Millimetern Durchmesser, Wasserdichtigkeit bis 100 Meter und ein COSC-zertifiziertes Werk. Und dann ist da noch ­dieses interessante Mehr: Die Formex verfügt über eine patentierte Gehäusefederung, die das Werk vor starken Vibrationen und Schlägen schützt und den Tragekomfort erhöht. Preis auf Anfrage (ca. 580 Euro); formexwatch.com



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TICKT DANK SONNENENERGIE EDIFICE EFS-S540DB

Sieht tadellos aus, diese Uhr, nicht wahr? Entscheidend ist aber, was du nicht siehst. Und das sind die winzigen Solarzellen, die hinter dem Zifferblatt aus Karbon verborgen sind. Sie sorgen dafür, dass das Edifice-Modell aus dem Hause Casio stets geladen ist. Die Zellen reagieren dabei sogar auf Kunstlicht. Und wird zu viel Energie produziert, wird sie im Akku gespeichert. Das ­ergibt eine Dunkelgangreserve, also ein Funk­ tionieren in Finsternis, von bis zu 24 Monaten. 199 Euro; edifice.de

3

Wie viel Wasser hält meine Uhr aus?

Die Wasserdichtigkeit ist einer jener Begriffe in der Welt der Uhren, die besonders anfällig für Missverständnisse sind. ­Konkret bedeutet eine Wasserdichtigkeit von 30 Metern, dass die Uhr einem Druck von 3 bar standhält – d. h., sie verträgt Wasserspritzer, ab 5 bar (50 m) kannst du mit Uhr ­duschen, ab 10 bar (100 m) schwimmen. Erst ab 20 bar (200 m) ist tauchen erlaubt.

FEIERT FERRARI CHRISTOPHER WARD C7 ROSSO CORSA

Du liebst die Formel 1? Du liebst Ferrari? Dann weißt du, wofür „Rosso Corsa“ steht. Für alle ­anderen: Es ist das charakteristische Renn-Rot, das vor allem italienische Teams gern verwenden (für die, die’s genau wissen wollen, die Werte im CMYK-Farbmodus: 13/100/100/4). Irgendwie hat unsereiner das Gefühl, dass mit dieser Uhr am Hand­ gelenk die Zeit förmlich verfliegt – und wir das ausnahmsweise keineswegs bedauern. 1240 Euro; christopherward.eu

GEHT GERNE IN DEN WIDERSTAND CITIZEN PROMASTER TOUGH

Eine Uhr ohne Schnickschnack, reduziert auf das Wesentliche. Die Promaster Tough mit ihrem militärgrünen Armband und dem korrespondierenden Zifferblatt ist mit dem von Citizen in den 1990er-Jahren entwickelten EcoDrive ausgestattet, das heißt, sie bezieht ihren Strom über eine Solarzelle. Der Zeitmesser ist einem Monocoque-Gehäuse nachempfunden, was ihn widerstandsfähig gegen Schläge macht. 370 Euro; citizenwatch.eu

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4 Die „Gang­

reserve“ gibt jene Zeit an, die eine Uhr nach dem Aufziehen läuft, bis sie wieder aufge­zogen werden muss. THE RED BULLETIN


LÄSST DICH NIE ALLEIN PRO TREK WSD-F20A

Für Outdoor-Enthusiasten, die sich dort ­besonders wohlfühlen, wo sie der Natur nah und den Menschen fern sind. Damit sie in der Wildnis nicht verlorengehen, ist diese Smartwatch mit einem energiesparenden GPS ausgestattet, das eine Ortsbestimmung ermöglicht, ohne auf ein Smartphone angewiesen zu sein. Die Batterielaufzeit wurde übrigens deutlich verbessert, bei permanenter GPSAktivierung hält sie bis zu zwei Tage. 399 Euro; protrek.eu

TAUCHT MIT BOND OMEGA SEAMASTER DIVER 300 M

Diese Uhr ist legendär. Nicht zuletzt deshalb, weil sie seit vielen Jahren das Handgelenk einer Legende – Bond, James Bond – ziert. Dessen aktuelle Verkörperung ist Daniel Craig. Und er trägt das Modell, das du hier siehst. Falls du kein Taucher bist: Was du auf zehn Uhr siehst, ist keine zweite Krone, sondern das Helium­ auslassventil, das bei Tauch­ gängen verhindert, dass das ­Uhrglas vom Gehäuse abplatzt. 4400 Euro; omegawatches.com

Blaues Kautschukband, Wellen auf dem Zifferblatt. Diese Uhr ist fürs Wasser geschaffen. THE RED BULLETIN 

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WECKT ERINNERUNGEN ORIS CHRONORIS

Ach, wie herrlich war es in den 1970er-Jahren! Falls du sie nicht erlebt hast oder dich nicht ­daran erinnern kannst – so sahen damals die ­Uhren aus: Es waren schwungvolle Schön­heiten mit ausladenden Kurven. Die Chronoris war eine von ihnen – und sie kehrt jetzt in einer limitierten Neuauflage von nur 200 Stück zurück, perfekt ergänzt von einem Lederband in rusti­ kaler Vintage-Optik. Übrigens: Zur Uhr gibt es ein Etui, das ein Nato-Armband enthält und ­alles, was du brauchst, um es zu wechseln. 3300 Euro; oris.ch

Lederetui für Vintage-Freunde: ausgestattet mit einem Zweitband und Wechselwerkzeug.

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Warum zeigen Uhrenfotos meistens 8 nach 10 an?

Wer Bilder von Uhren betrachtet, dem fällt auf, dass in den meisten Fällen die Zeiger acht nach zehn anzeigen (kleinere Abweichungen sind unbeabsichtigt). Eingeführt hat diese Position angeblich Seiko in den 1960er-Jahren, um die Uhren „lächeln“ zu lassen. Zudem lässt sich so in der Regel der Markenname perfekt ablesen. Oris stellt seine Uhren auf sieben vor sieben – damit lächeln sie, wenn sie auf der Krone liegen.

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RETTET LEBEN VICTORINOX I.N.O.X. CARBON

Das Beste an dieser Uhr ist das Armband, es macht diesen Zeitmesser zu einem echten Survival-Tool – und das ist kein Witz. Denn wenn du die vier Plastiksiegel geknackt hast (geht mit dem mitgelieferten ­Taschenmesser ganz einfach), lässt es sich zu Schuhband, ­Angelschnur oder Nähfaden ­umfunktionieren. Was auch deshalb kein Problem ist, weil zum ­Lieferumfang ein zusätzliches Kautschukband gehört. 990 Euro; victorinox.com THE RED BULLETIN


BEWEIST SELBSTBEWUSSTSEIN SEVEN 24 LEADER

Mit jedem Detail signalisiert dieser Zeitmesser Selbstbewusstsein – das Edelstahlgehäuse hat einen Durchmesser von beachtlichen 46 Millimetern, das Band in Milanaise-Machart ver­ mittelt eine entspannte Lässigkeit. Besonders auffällig an diesem auf 255 Stück limitierten Modell ist die mattschwarze Brücke, die die 12 mit der 6 verbindet (oder umgekehrt). Bezeichnender Name für diese Uhr: Leader. 299 Euro; seven-24.watch

WIRKT IM QUADRAT TAG HEUER MONACO GULF SPECIAL EDITION

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Was ist eine Komplikation?

Hat eine mechanische Uhr eine Komplikation, ist das kein An­ lass zur Sorge. Vielmehr bedeu­ tet es, dass sie über Funktionen verfügt, die über das Anzeigen der Zeit hinausgehen, also z. B. Datumsanzeige, Jahreskalender oder Mondphasenanzeige. Weil jede dieser Funktionen hohe Fertigkeit der Uhrmacher­ meister verlangt, steigt der Wert einer Uhr mit der Anzahl und Art ihrer Komplikationen.

ERFREUT MIT IRONIE SWATCH DRAWING

Es gibt nur einen einzigen Grund, warum wir diese Swatch aus der an Modellen reichen Welt der Plastikuhren ausgewählt haben: Wir frönen damit unserem Hang zur Ironie. Schließlich ­dokumentiert kein Zeitmesser so eindeutig wie dieser die Bedeutung der Größe in der Welt der Uhren. Das Witzigste daran: 41 Millimeter ist so etwas wie Durchschnitt – nicht eben riesig, aber auch kein Winzling. Dass Swatch gerade diesen Wert würdigt, finden wir besonders raffiniert. 70 Euro; swatch.com THE RED BULLETIN 

Diese Uhr erinnert an eine ­Revolution. Als am 3. März 1969 die erste Heuer Monaco präsentiert wurde, war sie der erste quadratische, wasserdichte ­Automatik-Chronograph in der Geschichte der helvetischen ­Uhrenherstellung. Weltberühmt machte sie der legendäre Schauspieler und Rennfahrer Steve McQueen. Hier siehst du eine topaktuelle Interpretation – Ausdruck einer Kooperation mit Gulf Oil, wo auch die inter­ essante Farb­gebung herrührt. 5250 Euro; tagheuer.com

7 Die Referenz

­einer Uhr ist eine (Buchstaben-) Zahlen-Kombi-­ nation für ein bestimmtes Uhrenmodell.   93


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IMPRESSUM

THE RED BULLETIN WELTWEIT

Aktuell ­erscheint The Red Bulletin in sieben Ländern. Für die Coverstory unserer FrankreichAusgabe trafen wir Rapper Sofiane zum Kultur-Talk in Paris. Mehr Storys abseits des Alltäglichen gibt’s auf: redbulletin.com

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Chefredakteur Alexander Macheck Stv. Chefredakteure Waltraud Hable, Andreas Rottenschlager Creative Director Erik Turek Art Directors Kasimir Reimann (Stv. CD), Miles English Head of Photography Fritz Schuster Deputy Head of Photography Marion Batty Photo Director Rudi Übelhör Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Redaktion Arek Piatek, Stefan Wagner Freie Mitarbeiter Werner Jessner, Alex Lisetz Grafik Marion Bernert-Thomann, Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz Fotoredaktion Susie Forman, Ellen Haas, Eva Kerschbaum, Tahira Mirza Global Head of Media Sales Gerhard Riedler Head of Media Sales International Peter Strutz Head of Commercial & Publishing Management Stefan Ebner Publishing Management Sara Varming (Ltg.), Magdalena Bonecker, Manuela Gesslbauer, Kristina Hummel, Melissa Stutz, Stephanie Winkler Marketing & Communication Alexander Winheim Head of Creative Markus Kietreiber Creative Solutions Eva Locker (Ltg.), Verena Schörkhuber, Edith Zöchling-Marchart Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch, Simone Fischer, Martina Maier Anzeigendisposition Andrea Tamás-Loprais Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter O. Sádaba, Friedrich Indich, Michael Menitz (Digital) Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Maximilian Kment, Josef Mühlbacher Herstellung Veronika Felder Office Management Yvonne Tremmel (Ltg.), Alexander Peham IT Systems Engineer Michael Thaler Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb), Yoldaş Yarar (Abo) Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Web www.redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 General Manager & Publisher Andreas Kornhofer Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl

THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek Country Project Management Natascha Djodat Anzeigenverkauf Martin Olesch, martin.olesch@de.redbulletin.com Abo Abopreis: 21,90 EUR, 10 Ausgaben/Jahr, www.getredbulletin.com, abo@de.redbulletin.com Druck Prinovis GmbH & Co. KG, Betrieb Nürnberg, 90471 Nürnberg

THE RED BULLETIN France, ISSN 2225-4722 Länderredaktion Pierre-Henri Camy Country Coordinator Christine Vitel Country Project ­Management Alessandra Ballabeni, alessandra.ballabeni@redbull.com

THE RED BULLETIN Großbritannien, ISSN 2308-5894 Länderredaktion Ruth Morgan (Ltg.), Tom Guise, Florian Obkircher Lektorat Davydd Chong (Ltg.), Nick Mee Publishing Manager Ollie Stretton Anzeigenverkauf Mark Bishop, mark.bishop@redbull.com Thomas Ryan, thomas.ryan@redbull.com

THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Christian Eberle-Abasolo Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek Country Project Management Kristina Hummel Leitung Media Sales Alfred Vrej Minassian Sales Promotion & Project Management Stefanie Krallinger Digital Sales Bernhard Schmied Media Sales Franz Fellner, Thomas Hutterer anzeigen@at.redbulletin.com

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1 BLICK IN DIE ZUKUNFT!

adidas Sport eyewear zeigt mit der ­innovativen und brandneuen „evolver 3D_F“ – ihrer leichtesten Sportbrille ­aller Zeiten – die Zukunft. Die einzig­ artige Diamantraster-Struktur wird komplett mittels 3D-Druck hergestellt. Diese revolutionäre und stabile Bau­ weise schlägt sich in einem Rahmen­ gewicht von nur 10 Gramm nieder und bietet höchste Performance. adidassporteyewear.com

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− 2 HYDRO FLASK: UMWELT3 GARMIN FE NIX 5 PLUS Garmin fe−nix 5 Plus-Serie: Die ultima­ FREUNDLICHER TO-GO-BECHER tive Sport-Smartwatch ist dank zahl­ 2,8 Milliarden Einmalbecher landen jährlich in Deutschland nach nur 15 ­Minuten Trinkgenuss im Müll. Der vakuumisolierte Hydro Flip™ Coffee Flask aus hochwertigem Edelstahl hält Heißes bis zu 6 Stunden lang wahr­haftig heiß. Und für zu Hause hat ­Hydro Flask den vakuumisolierten Coffee Mug mit rutschfester Beschichtung entwickelt. hydroflask.com

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Action-Highlight

Wiesn-Überflieger

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PHIL PHAM

Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 13. November 2018

DAVID MAYER

Das Oktoberfest startet im September, klare Sache. Vorher jedoch stehen die Fest­ zelte wochenlang leer. Schade eigentlich, dachte sich BMX-Profi Paul Thölen und ­verwandelte das Hacker-Festzelt einen Abend lang in seinen Spielplatz. Das Video mit seinen besten Tricks findest du auf: redbull.com


Silhouette International Schmied AG / Austria, Made under licence from adidas AG © 2018 adidas AG. adidas, the Badge of Sport and the 3-Stripes mark are registered trademarks of the adidas Group. Silhouette International Schmied AG / Autriche, faite sous licence de adidas AG © 2018 adidas AG. adidas, l’insigne du sport et le logo 3-Barres sont des marques déposées du Groupe adidas.

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Folgt der Spur. Nicht der Masse.

ÜBERZEUGT. VON ANFANG AN. Der T-Roc mit dem Spurhalteassistenten „Lane Assist“. Der T-Roc geht seinen eigenen Weg – und von dem lässt er sich nicht so leicht abbringen. Unter anderem dank des serienmäßigen Spurhalteassistenten „Lane Assist“. Dieser unterstützt den Fahrer, falls er ein Abweichen von der Spur registriert, und kann so helfen, Unfälle zu vermeiden.¹⁾

Wir bringen die Zukunft in Serie. 1) Im Rahmen der Grenzen des Systems. Abbildung zeigt Sonderausstattungen gegen Mehrpreis. Stand 08/2018.

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The Red Bulletin November 2018 - DE  

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