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INNOVATOR BY THE RED BULLETIN 03/2019

Start me up

Die Kunst der smarten Pause

Spiel mit deiner Angst

9 Ideen aus Österreich, die die Welt verändern

Diese Gadgets wissen besser als du, was dein Körper braucht

Wie Cornelia Geppert aus ihren Dämonen ein cooles Game machte

03/19

AUSGABE ÖSTERREICH EURO 3,50

TAXI

IDEAS FOR A BETTER FUTURE

WIR TESTEN DIE ERSTE AUTONOME DROHNE

BETTER FUTURE EDITION

130  K M / H S CHNE L L 75 K IL OME T E R RE ICH W E I T E & E T WA S T E URE R A L S E IN TA X I


KABELLOSER PRO SOUND MIT NOISE-CANCELLING

JBL.COM




EDITORIAL CONTRIBUTORS

Felix Diewald Der Journalist und Radiomann (FM4) ist für uns nach Guangzhou gereist und hat sich von einer Drohne durch die Gegend fliegen lassen. Ganz schön mutig für einen, dem nach eigener Aussage „am Schulwandertag schon der Flying Fox zu steil war“. S EIT E 30

Alex Lisetz übernahm in dieser Ausgabe eine Doppelrolle als Autor und Test­ objekt: Der ambitionierte Hobby­ sportler testete für uns die aller­ neuesten Regenerations-Tools. Was uns schlaue Ringe und Gehirn­ strom-Bänder über unser Wohl­ befinden verraten: ab SEITE 5 4 .

I N N O V AT O R

Wir testen die Zukunft Es klingt wie eine Science-Fiction-Vision aus dem vorigen Jahrhundert: Drohnen, die zwischen 50 und 200 Meter Höhe ohne Pilot durch die Luft schwirren, um Menschen von A nach B zu be­fördern. Doch nun ist diese Zukunft praktisch schon ums Eck. Das chinesische Unternehmen Ehang hat (mit oberösterreichischer Hilfe) bereits praxistaugliche autonome Taxi-Drohnen im Hangar und eine klare Vorstellung, wie der Transport damit in den nächsten Jahren funktionieren soll. Wir haben die Fluggeräte als erstes Medium getestet. „Ready for Takeoff“ ab Seite 30. Auch das Auto wird schon bald nicht mehr ­wiederzuerkennen sein, davon ist zumindest der schwedische Hersteller Volvo überzeugt. Und hat uns einen Blick in seine Entwicklungslabors gewährt. Zum Beispiel auf ein Bett, dessen Decke wie ein Sicherheitsgurt wirkt. „Wenn Träume liegen ­lernen“ ab Seite 76.

GREGOR KUNTSCHER (COVER)

Falls jemand nach so viel Aufregung Erholung braucht: Ab Seite 54 gibt’s die passenden Gadgets. Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion INNOVATOR 

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INHALT BULLEVARD 8 14 16 10 18 12 20 13 Der Sauber-Segler

Gegen den Durst

Der riesige Quadrimaran „Manta“ soll die Meere von Plastikmüll befreien.

Bald startbereit: die Anlage, die Wasser aus Luftfeuchtigkeit gewinnt

Made in Austria

Kabel? Nicht doch

Ein Forscherteam aus Tulln will Kunststoffe binnen Tagen zersetzen.

Wie du dein E-Auto bald noch bequemer lädst

Extra stark, bitte! Schwere Lasten leichter heben – mit diesem ­Roboter zum Anziehen

Nachhaltig lecker Warum zwei Wiener in ihrem Keller Speisepilze auf Kaffeesatz züchten

GUIDE 88

90 93 4 

T EC H - H I G H L I G H T

Wunder-Brille Magic Leap: das Augmented-Reality-Gadget der nächsten Generation S AV E T H E DAT E

Tech-Highlights Professor Peter Granigs Event-Empfehlungen

Dach-Kraftwerk Diese Mini-Windräder senken deine Strom­ rechnung.

48 FE ATURE

Sie spielt mit deiner Angst Cornelia Geppert machte aus ihren inneren Dämonen das Computerspiel „Sea of Solitude“.

Markt modern Wie eine Steirerin den klassischen Bauernmarkt digitalisiert

96

Freundliches Monster

98

Runde Sache

KO L U M N E

Innovationsguru Andi Gall über den neuen Datenstandard 5G DESIGN-HIGHLIGHT

Ein innovativer Ansatz im Kampf gegen Landminen

WETTBEWERB

Campus-Revolution Die Mission der Red Bull Basement Uni­versity

INNOVATOR


I N N O V AT O R

FEATURES

OLAF BLECKER

30 22 42 54 60 66 68 76 INNOVATOR 

C OV ERS TO RY

Hier fliegt die Zukunft Exklusiv: Wir testen Ehangs auto­ nome Passagier-Drohne in China.

I N T ERV I E W

Bilanz eines Top-Bankers Andreas Treichl, scheidender ErsteChef, über Wohlstand, Populismus und Steve Jobs’ alternative Karriere

H OW TO …

Werde Weltverbesserer! Social-Start-up-Gründer Helmut ­ rubers elf Tipps, mit denen du deine G Umwelt positiv verändern kannst

T EC H N I K

Regenerieren für Profis Gehirnstrom-Stirnband und weise Sohlen: Diese Gadgets wissen besser als du, was dein Körper braucht.

S EL B S T V ERSU C H

Dein Zuhause denkt mit Unser Autor rüstete seine Wohnung eine Woche lang mit 15 Smart-HomeProdukten aus. Was lernt man dabei?

M EI N S TA R T- U P- M O M EN T

„Genieße deine Reise“ Shazam-Mitgründer Dhiraj Mukherjee über den Erfolgsfaktor Spaß

S TA R T- U P-S EC T I O N

Österreich denkt weiter Neun heimische Jung-Unternehmen, die unseren Alltag prägen könnten

M O B I LITÄT

Ein Auto wie ein Segelboot Verblüffende Zukunftsprognosen aus Volvos Design-Center in Göteborg

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NUR FRUCHT + EISEN




I N N O V AT O R

BULLEVARD

JOHANNES LANG

IDEEN FÜR EINE BESSERE WELT

INNOVATOR 

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B U L L E VA R D 

Y VA N BOURGNON W E LT­ UMSEGLER U N D   U M W E LT­ SCHÜTZER

Ansicht aus der Vogelperspektive: Gut zu erkennen sind die ­Sonnenkollektoren – ins­gesamt 2000 Quadrat­ meter liefern Energie.

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INNOVATOR

JOHANNES LANG

Der Schweizer Weltumsegler Yvan Bourgnon will mit einem 35 Millionen Euro teuren Superboot die Ozeane vom Plastikmüll befreien.

Yvan Bourgnon beschloss, zu handeln. Er gründete die „SeaCleaners“. Ihre Mission: die Weltmeere vom Plastik zu befreien. Erreichen will er das mit dem 35 Millionen Euro teuren Quadrimaran „Manta“ (ein Boot mit vier Rümpfen): 70 Meter lang, 49 Meter breit, 61 Meter hoch, 2500 Quadratmeter Segelfläche. Noch in diesem Jahr wird die Produktionswerft ausgewählt, 2023 soll die „Manta“ für erste Sammeleinsätze in See stechen. Bis zu 10.000 Tonnen Plastikmüll will Bourgnon jährlich einsammeln. Teile davon werden gleich an Bord wiederverwertet – per Verbrennung, um Energie für den Quadrimaran zu gewinnen. Was übrig bleibt, wird zu 1-Kubikmeter-Paketen gepresst, an Land gebracht und dort recycelt. Finanziert wird das Boot von „modernem Mäzenatentum“, wie es Bourgnon nennt. Wie wichtig jede Aktivität ist, zeigen aktuelle Zahlen: Jährlich werden acht Millionen Tonnen Plastik „entsorgt“. Deshalb geht es beim Einsatz der „Manta“ um mehr als b ­ loßes Meer-Müll-Schlucken: Es geht auch darum, den Müll zu ­analysieren, die Verursacher zu identifizieren und die ­Menschen wachzurütteln. theseacleaners.org

WOLFGANG WIESER

MEER-MÜLL SCHLUCKEN

THE SEACLEANERS

U M W E LT S C H U T Z

Yvan Bourgnon hatte 230 Tage auf See verbracht, als er am 23. Juni 2015 in Ouistreham in der Normandie an Land ging. Und er hatte eine Wette gewonnen: Als erstem Menschen war es ihm gelungen, die Welt auf einem Katamaran ohne Kajüte und ohne GPS zu umsegeln. Natürlich war er glücklich, wieder daheim zu sein. Doch den 48-Jährigen bewegte, was er in diesen 230 Tagen gesehen hatte: verdreckte Meere, Plastikmüll bis zum Horizont. In wenigen Jahrzehnten hatten sich die Ozeane radikal ver­ ändert. Als er Anfang der 1980er-Jahre als Kind mit ­seinen Eltern und Bruder Laurent vier Jahre lang um die Welt segelte, war Plastikmüll im Meer noch die Ausnahme.

Der Schweizer Skipper, 48, gründete nach seiner spekta­ kulären Welt­ umseglung die SeaCleaners.


I N N O V AT O R

„ICH WAR SCHOCKIERT, ALS ICH SAH, WIE STARK DIE OZEANE DURCH PLASTIKMÜLL VERUNREINIGT SIND.“

Vier Automatiksegel, zwei Windturbinen: Das Schiff namens „Manta“ soll 2023 vom Stapel laufen.

INNOVATOR 

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B U L L E VA R D 

„WIR KÖNNEN NICHT WARTEN, BIS DIE NATUR MIT PLASTIK KLARKOMMT.“

Chemikerin Doris Ribitsch beschleunigt die Natur. In der ­Petrischale: plastikzersetzende Enzyme

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INNOVATOR


I N N O V AT O R

U M W E LT

ANTIPLASTIKTURBO JOHANNES LANG

Bald können Kunststoffe binnen Tagen zersetzt werden. Ein Tullner Forschungsteam arbeitet an der Beschleunigung der Natur.

KLAUS PICHLER

MARLENE GROIHOFER

Ein paar Jahrtausende noch. Dann wäre die ­Natur so weit, ziemlich sicher. Sie könnte zügig selbst ab­ bauen, was der Mensch künstlich erzeugt hat: Plastik in all seinen Facetten. „Aber darauf können wir nicht warten“, sagt Doris Ribitsch. Für das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) forscht die Chemikerin im nieder­ österreichischen Tulln an

INNOVATOR 

s­ peziellen Enzymen – Eiweißmolekülen, die biochemische Reaktionen ausführen, wie eben in diesem Fall Plastik zersetzen. Ihre Arbeit wird die Zukunft des Recyclings mitbestimmen. Derzeit braucht die Natur 400 bis 500 Jahre, bis sie Kunststoff erfolgreich zerlegt hat. Die Moleküle aus Tulln schaffen das Gleiche in wenigen Tagen. „Unter den speziellen Bedingungen im ­Labor konnten wir den Prozess massiv beschleunigen. Mittler­ weile sind in 24 Stunden bereits etwa 20 Prozent des Plastiks abgebaut“, sagt Ribitsch. Die Forscher testen den Vorgang zum Beispiel an Polyester. Die passenden Enzyme sind an sich in der Natur zu finden. Den Kompost im Garten zersetzen sie genauso ­fleißig wie die Nahrung im Bauch. Dabei kann jenes Enzym, das eine Apfelschale zersetzt, tatsächlich auch Plastik auflösen – a ­ llerdings in e­ inem Tempo, das nicht der Rede wert ist. Um die Natur zu beschleunigen, spielt das Tullner Forschungsteam im Labor Evolution: „Wir müssen natürliche Enzyme weiterentwickeln und modifizieren, damit sie Kunststoff besser und schneller zersetzen.“ Erst binden sich die Enzyme an Polymere, sprich das Plastik, dann zerschneiden

20 Prozent des Plastiks können von den Enzymen bereits an nur einem Tag abgebaut werden.

sie sie wie mit einer Schere in Einzelteile. Aus diesen Bausteinen wiederum kann Neues entstehen: So funktioniert ­Recycling. Weltweit teilen zu diesem Thema nicht mehr als eine Handvoll Forschungsgruppen die Erfahrung und Expertise der Tullner Wissenschaftler. Abfallwirtschaft, Textil- und Autoindustrie sowie Plastikhersteller profitieren schon von ihrem Know-how: „Es geht auch darum, für die ­Zukunft besser abbaubare Kunststoffe zu designen“, ­erklärt Ribitsch. Trotz der Mühe, die das Plastik rund ums Recycling bereitet, und der Sorge, die es uns in den Ozeanen macht, will Ribitsch das Material ­jedoch keinesfalls prinzipiell ver­dammen: „Plastik ist und bleibt ein toller Werkstoff. Es ist sinnvoll, ihn zu ver­ wenden. Wichtig ist aber ein sorgsamer Umgang damit.“ acib.at

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I N N O V AT O R

B U L L E VA R D 

Wer im Alltag schwer zu schleppen hat, ­bekommt durch den Rucksack-Roboter

Er heißt Cray X. Und er könnte unser neuer bester Freund werden. Denn er weiß, wann wir etwas heben müssen.

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„Wenn ich den Roboter anlege, merke ich augenblicklich, dass ich mir etwas Gutes tue.“

INNOVATOR

JOHANNES LANG

ARMIN G. SCHMIDT CEO UND CO-FOUNDER VO N G E R M A N BIONIC

WOLFGANG WIESER

ROBOTER ZUM ANZIEHEN

Sechs Jahre dauert die Entwicklung des „intelligenten Kraftanzuges“, wie Cray X auch genannt wird. Seit 2018 ist das Wunderding nun auf dem Markt. „Mit dem Exoskelett ist es möglich, Schwachpunkte auszugleichen oder bestimmte Tätigkeiten länger auszu­ führen“, beschreibt Schmidt dessen Vorzüge. Kurz gesagt: ­schwere Arbeit „menschlicher, nachhaltiger und einfacher“ zu machen, wie der Porsche-­ Vorstandsvorsitzende Oliver Blume bei der Verleihung des Deutschen Gründerpreises an German Bionic ausführte. Ab 4990 Euro plus monat­ licher Nutzungspauschale für sechs oder zwölf Monate kann man Cray X nutzen. Das ist nur auf den ersten Blick viel: Traditionelle Hebehilfen wie Hubstapler sind deutlich teurer – werden uns aber nie verstehen. germanbionic.com

GERMAN BIONIC

GESUNDHEIT

Cray X sieht vielleicht nicht aus wie ein Roboter, trotzdem ist er einer – und zwar einer aus der Kategorie der Exoskelette. „Man zieht ihn an wie einen Rucksack. Nach ein paar Minuten fühlt sich das ganz normal an“, sagt German-Bionic-CEO Armin G. Schmidt. Dank zahlreicher Sensoren erkennt der knapp über sieben Kilo schwere, mit zwei Motoren ausgestattete Cray X, wenn es ans Zupacken geht. Und greift seinem Träger beim Heben von bis zu 25 Kilo unter die Arme: „Er entlastet den ­unteren Rücken. Es ist, als würde er dich hochziehen.“ Cray X lernt „seinen“ User ­jeden Tag besser kennen: Er erkennt, wie jener sich bewegt; er versteht, wie er arbeitet, und er passt sich in seinem Verhalten dessen Körper an. Denn natürlich ist es nicht egal, ob er es mit einem 1,90-MeterHünen oder mit einem zier­ lichen Jungspund zu tun hat.


I N N O V AT O R

B U L L E VA R D 

R ECYC L I N G

KAFFEESUD MIT ZUKUNFT Warum zwei Oberösterreicher in einem Wiener Keller Pilze aus Kaffeesatz wachsen lassen.

Die Austernpilze wachsen aus Löchern in Säcken, die mit Kaffeesud gefüllt sind.

Wien und Kaffee gehören einfach zusammen. Doch wer denkt beim Trinken einer Melange an die 44 Tonnen ­Kaffeesatz, die täglich im Mist­ kübel landen? Und wer ahnt, was für eine wertvolle Res­ source dadurch verlorengeht? Kaffeesatz ist nämlich ein optimaler Nährboden für Pilze. Diese Erkenntnis faszinierte Manuel Bornbaum und Florian Hofer (beide 31) derart, dass sie beschlossen, daraus ein Ge­ schäftsmodell zu entwickeln. „Auch dass Pilze einen extrem kleinen CO²-Fußabdruck und kaum Wasserbedarf haben, be­ geisterte uns“, sagt Bornbaum. „In unserer Anfangseuphorie dachten wir: Wahnsinn, mit Pilzen kann man die Welt ­retten! Heute wissen wir, dass wir zumindest einen Beitrag dazu leisten können.“

Hier geht’s rein: Florian Hofer (li.) und Manuel Bornbaum vor dem Eingang ihrer Pilzzucht in Wien

Auf 400 Quadratmetern in einem klimatisch günstigen Keller in Wien züchten die zwei Oberösterreicher nun 300 Kilo Austernpilze pro Wo­ che. Dafür holen sie rund zwei Tonnen Kaffeesatz von Hotels, Restaurants oder Pensionisten­ heimen und mischen diesen mit Pilzmyzel (der Saat) und Kalk. Dieses sogenannte Pilz­ substrat wird in Säcke gefüllt, aus denen dann nach ein paar Wochen die Pilze sprießen.

JOHANNES LANG

„WIR DACHTEN: WAHNSINN! MIT PILZEN KANN MAN DIE WELT RETTEN!“

KARIN HACKL PHOTOGRAPHY

EMILY WALTON

Die Ernte von Hut und Stiel findet sich inzwischen auf den Speisekarten renommierter Restaurants und in den Rega­ len ausgewählter Supermärkte. Die Gründer bieten ihre Pilze mittlerweile auch in verarbei­ teter Form als Pesto oder Sugo an – sowie Anbausets und Workshops für alle, die da­ heim Pilze züchten wollen. hutundstiel.at

INNOVATOR 

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B U L L E VA R D 

WA LT E R KREISEL C E O VO N W& K R E I S E L

Neben sauberer Energie will der umtriebige Unternehmer nun jedem ­Menschen auch Wasser zugänglich machen.

GRUNDVERSORGUNG

SO WIRD AUS LUFT WASSER

Unternehmer Walter Kreisel baut eine Maschine, die das Problem der Wasserknappheit lösen kann – dank einer prickelnden Idee. 2017: Walter Kreisel trinkt im Urlaub ein Glas eiskal­ tes Mineralwasser. Die Sonne brennt, von der Flasche perlt ein Tropfen. Da kommt dem CEO von W&Kreisel, Hersteller nachhaltiger Energiegewin­ nungs- und Steuerungssyste­ me, eine Vision: „So kann man Wasserknappheit bekämpfen.“ Zurück in Oberösterreich, holt er Manfred Ledermüller ins Team und beauftragt ihn mit der Entwicklung einer Maschi­ ne, die Wasser aus Luft extra­ hieren soll – ähnlich wie auf der Flasche im Urlaub.

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Zwei Jahre später ist die ­ ision Realität. W&Kreisel V präsentiert „Phantor“, e­ inen gigantischen Wasser­generator. Das Prinzip kurz erklärt: Von sauberem Strom gespeist und intuitiver Software gesteuert, saugt die containergroße ­Anlage Luft an. Diese trifft im ­Inneren in mehrstufigen Pro­ zessen auf künstlich erzeugte kalte Luft und extrahiert so Wasser. Das kann dann ent­ weder direkt zum Bewässern in der Landwirtschaft, als Bei­ mengung für Baustoffe oder nach Filterung und Minera­ lisierung in der Maschine als Trinkwasser genutzt werden. „Unsere Anlage ist modular und kann auf individuelle ­Bedürfnisse eingehen“, sagt Kreisel, der aus erster Hand erfahren hat, wie Leben unter Wasserknappheit aussieht. Seine Frau engagiert sich seit Jahren für den in Kenia und Indien aktiven Bildungsförde­ rungsverein Karibu World. „Sauberes Trinkwasser ist der Ausgangspunkt für jegliche Entwicklung“, sagt Kreisel, „und zwei Milliarden Men­ schen haben aktuell keinen ausreichenden Zugang dazu.“ Um diesen unerfreulichen ­Zustand zu ändern, kann Phantor bis zu 10.000 Liter Wasser täglich erzeugen und

„ SAUBERES TRINKWASSER IST DER AUSGANGSPUNKT FÜR JEGLICHE ENTWICKLUNG.“ zusätzlich 36.000 Liter aus ver­ unreinigten Brunnen filtern. Die erste der großteils ­wartungsfreien Maschinen geht mit Jahreswechsel in Be­ trieb. Ob Kreisel darauf mit Wasser anstoßen wird, bleibt abzuwarten. wkreisel.com

INNOVATOR


I N N O V AT O R

CHRISTIAN EBERLE

JOHANNES LANG

Vision wird Realität: In jeder Anlage kann aus Luftfeuchtigkeit Wasser gewonnen und sogar zu Trinkwasser aufbereitet werden.

W&KREISEL GROUP

Über die Entlüftungsventilatoren tritt die trockene Luft aus. Solar-Panels samt Batteriespeicher ­sichern die Energie­ versorgung der Einheit bei Stromausfall. INNOVATOR 

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I N N O V AT O R

B U L L E VA R D 

Das Lade-Pad ist auf dem Boden­ montiert, das ­Elektroauto wird beim Parken

Kabelsalat, ade: Das Grazer Unternehmen Easelink hat ein revolutionäres Ladesystem für Elektroautos entwickelt.

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Suchte nach einer einfachen Lösung für das Laden von E-Autos.

JOHANNES LANG

SUPER EINFACH LADEN

HERMANN ­S T O C K I N G E R , INGENIEUR UND FOUNDER VO N E A S E L I N K

das Fahrzeug über die Platte, erkennt er sie automatisch, stellt mit einer Art Rüssel eine Verbindung her und beginnt den Ladevorgang. Serienreif ist das Matrix Charging derzeit noch nicht, erste Tests verliefen allerdings äußerst vielversprechend. Die ­Kosten sollen ähnlich wie jene ­einer herkömmlichen Auflade­ station an der Wand sein (von 600 bis 2200 Euro). Gespräche mit der Auto­ branche sind im Gange. Schon 2021 könnten die ersten Mat­­rix-Charging-Systeme am Markt erhältlich sein. easelink.com

Der im Boden des Autos montierte Connector fährt auf die benötigte Länge aus, der Ladevorgang beginnt.

INNOVATOR

WOLFGANG WIESER

E - M O B I L I TÄT

Am Anfang war das ­Chaos: umständliches Herumwurschteln mit Lade­ kabeln, um die Batterie eines Elektroautos aufzuladen. Auch die Idee, diesen Vorgang Robotern zu überlassen, schien Easelink-Gründer Hermann Stockinger wenig realistisch. Die Begründung formuliert Marketing-Manager Sebastian Demuth: „Stell dir ein Park­ haus mit 400 Stellplätzen vor, und an jedem werkt ein Robo­ ter. Schrecklich! Uns war klar, dass das nicht die Zukunft sein kann, also haben wir eine Alternative gesucht.“ Eine ­Lösung, die Platz spart, robust und kostengünstig ist, einfach zu installieren und überfahr­ bar. Kurz gesagt: einfach revo­ lutionär. Jetzt haben sie die ge­ funden. Matrix ­Charging heißt sie und besteht aus zwei Komponenten: einem Pad und einem Connector. Das Pad ist eine 50 mal 58 Zentimeter große, an das Stromnetz an­ geschlossene äußerst robuste Ladestation. Der Connector wird in der Bodenplatte des Elektroautos verbaut. Fährt


#GLAUBANDICH

THE FUTURE IS YOURS. erstebank.at sparkasse.at


B U L L E VA R D 

Die erste Turbine, die ausgeliefert wurde, steht im steirischen Feldbach. Unsicht­ bares Detail: Unter der Turbine nisten Vögel.

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INNOVATOR


I N N O V AT O R

ENERGIE

FANG DEN WIND

HANNAH & RENE

WOLFGANG WIESER

JOHANNES LANG

Jeder Luftzug ein Energieschub für dein Heim: Mit Mini-Wind­ rädern made in Austria gewinnst du deinen eigenen Strom.

Die Turbine ist 1,8 Meter lang, wiegt 175 Kilo und lässt sich von jedem montieren, der es schafft, acht Schrauben anzuziehen. Ein weißer Kunststoffmantel umgibt den Rotor. Die fünf glasfaserverstärkten Spritzgussblätter fangen den Wind und befeuern damit den Generator. Mit 45 Zentimeter Länge messen sie nicht e­ inmal ein Hundertstel der Riesenflügel ihrer großen B ­ rüder in den Windparks. Auch sonst unterscheiden sie sich deutlich: Lärm? „Wie ein kaum hörbares Säuseln im Nadelwald“, sagt Herbert Gösweiner, CEO des Startups Blue Power, das die MiniWindräder namens BlueOne entwickelt hat, „weil 99 Prozent des Schalls durch die Einhausung geschluckt werden“. Weiters werfen die Rotoren keine störenden Schatten. Und natürlich trotzen sie ­heftigen Stürmen. Selbst o ­ rkanartige Böen mit rund 140 km/h bereiten den kleinen Turbinen keine Probleme. Erste Anlagen stehen bereits: Nr. 1 in Feldbach in der Steiermark, weitere im Windpark Lichtenegg in Nieder­ österreich, fünf sollen auf ein neues Hotel in Wien kommen. Behördliche Genehmigungen sind für das Aufstellen nicht

„ JE NACH STANDORT RECHNET SICH DIE ANLAGE IN SIEBEN BIS DREIZEHN JAHREN.“

nötig, es besteht allerdings eine „Anzeigepflicht“. Die Kosten für das MiniWindrad samt Steuerung und Einspeiseelektronik: knapp 5300 Franken, plus ein paar Hunderter für Montage und Einbindung ins Haussystem. „In einem Zeitraum von sieben bis dreizehn Jahren rechnet sich die Anlage“, sagt Gös­ weiner. Tatsächlich ist das ­abhängig vom Standort und den herrschenden Winden: „In ­einer günstigen Lage lassen sich mit einem Windrad bis zu 75 Prozent des Energiebedarfs eines durchschnitt­ lichen Haushalts decken.“ Die Bestandteile der MiniWindräder kommen übrigens aus Österreich, zusammen­ gebaut werden sie derzeit in einer rund 150 Quadratmeter großen Halle im oberöster­ reichischen Spital am Pyhrn. Knapp ein Jahrzehnt hat Blue Power an der Entwicklung ­gearbeitet. Jetzt geht diese Saat auf: Erst Mitte Juli wurde ein Vertrag mit einem Vertriebspartner für Jordanien und Israel abgeschlossen. Das ­Verkaufsziel nach den ersten verlustreichen Jahren? ­„Tausend Turbinen jährlich.“ bluepower.at

In einer Halle in Oberösterreich werden die Einzelteile zusammengebaut. INNOVATOR 

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I N N O V AT O R

B U L L E VA R D

ERNÄHRUNG

WO ONLINE NACH LAND SCHMECKT

Mit dem digitalen Bauernmarkt wollen Theresa Imre (5. v. re.) und ihr Team bewusstes Genießen fördern: „Jedes Produkt erzählt eine Geschichte.“

„Für viele regionale Betriebe ist es unmöglich, auf die Konditionen des Handels einzugehen“, sagt Imre, die vor der markta-Gründung einen Food-Blog über Lebensmittel und deren Herkunft schrieb. „Unser Ziel ist es, den Kunden Alternativen zur Massenware im Supermarkt zu bieten.“

„WIR WOLLEN ALTERNATIVEN ZUR MASSENWARE IM SUPERMARKT BIETEN.“ Dabei haben Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein Priorität. So testet man derzeit etwa eine isolierende Verpackung aus Schafwolle, auch eine Auslieferung per Lastenrad ist geplant. Imre will ihr Konzept bald auf ganz Österreich – und später Europa – ausweiten: „Ich möchte das gesamte System Lebensmittelhandel verändern und die Welt ein Stück fairer machen.“ markta.at

JENN AND THE CAMERA

EMILY WALTON

JOHANNES LANG

Theresa Imre will das Einkaufen von Lebensmitteln nachhaltiger gestalten – und hat dafür den Bauernmarkt digitalisiert.

Theresa Imre wuchs im steirischen Stainz auf, mit zwei Großmüttern, die für ihr Leben gern kochten, Obst und Gemüse aus dem Garten vorm Haus einlegten und die Nudeln selbst machten. Wer so eine Kindheit hatte, gewöhnt sich wohl nie an das Angebot weitgehend anonymer Lebensmittel im Supermarkt, oft industriell hergestellt und von weither angeliefert. Ein Defizit, das die 28-Jährige auf eine Idee brachte: Wie wäre es mit einer Online-Plattform, die regionale Produzenten hochwertiger Lebensmittel und anspruchsvolle Konsumenten in der Stadt zusammenbrächte? Gedacht, getan: Seit zwei Jahren ist der digitale Bauernmarkt „markta“ geöffnet – heute kann man unter immerhin 3000 Produkten von 400 Herstellern gustieren. Den Einkauf liefert markta dann an eine von vier zentralen Abholstellen in Wien oder direkt vor die Haustür.

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INNOVATOR


INTERVIEW

TREICHLS BILANZ Text:

Fotos:

STEFAN WAGNER

GIAN PAUL LOZZA

Allen Wohlstan d bringen , sich genial fühlen un d brutal dafür b estraf t ­w erden , doch lieb er nicht Dirigent geworden sein , Steve J obs als ­P ostb eamten sehen , gegen Pop ulismus kämpfen , den eigenen S ­ öhnen nichts vererb en wollen , im Großraumb üro arb eiten: der scheiden de Erste - Group - CEO A N D R E A S T R E I C H L mit 1 3 Ge danken üb er mehr als vier Jahrzehnte einer einzigar tigen Banker- Karriere .


4 2 JAHRE E R FA H R U N G 22 Jahre davon sitzt Andreas Treichl nun schon auf dem Chefsessel der Erste Group. Für eine ­börsennotierte Bank ist das Weltrekord.

INNOVATOR

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LERNEN IN DER KRISE Klar, eine Krise ist hart, sie läutert aber auch: „Man kriegt alle ­Fehler, die man vorher ­gemacht hat, brutal um die Ohren gehaut.“


I

„ ICH HAB GEGLAUBT, ICH BIN ZIEMLICH GENIAL. DAS HAT SICH COOL ANGEFÜHLT“ innovator: Herr Treichl, Sie sind seit 1977 Banker, seit 1997 CEO der Erste Group und damit längstdienender CEO einer ­börsennotierten Bank weltweit. Im Rückblick auf 42 Jahre: Welche ­Phase einer Karriere ist die schönste? andreas treichl: Am schwierigsten und unangenehmsten war die Finanzkrise ab 2008. Am schönsten war, da wieder rauszukommen, das Unternehmen wieder auf gute Beine zu stellen, Ende 2014. Das war eindeutig das beste Gefühl in meiner ganzen Karriere. Abgesehen von äußeren Ereignissen oder von Misserfolgen und Erfolgen: Macht Karriere mehr Spaß, wenn man jung ist? Oder im Alter? Bis vierzig war bei mir alles locker und einfach, Fehler sind halt passiert, egal. Dann hatte ich eine Phase – relativ lang, mehr als zehn Jahre –, in denen wir in Summe zwölf Banken in Zentral- und Osteuropa ­gekauft haben und ich geglaubt hab, ich bin ziemlich genial. Das hat sich cool angefühlt, aber natürlich nur, bis mich die Realität vom Gegenteil überzeugt hat. Wenn dann so eine Krise

kommt, kriegt man alle Fehler, die man vorher gemacht hat, brutal um die Ohren gehaut, mit Zins und Zinseszins. Dann wird mit einem Schlag alles wahnsinnig ernst. Man kämpft, kämpft, kämpft, glaubt immer wieder, dass man es geschafft hat, und zack, kriegt man die nächste auf den Deckel. Das ist sieben Jahre so gegangen. Aber seither, seit Ende ’14, geht es extrem gut. Besser denn je. Und in der Zielgeraden mit mehr Spaß denn je? Mit ziemlich viel Spaß, ja. Es ist gut, dass ich Ende des Jahres meinen Job wechsle. Sonst gerate ich unter Umständen wieder in den Irrglauben, dass ich genial bin.

„ DENKEN SIE DAS MAL KONSEQUENT WEITER, WAS DAS HEISST“ Ich zitiere Andreas Treichl: „Die Blockchain als Technologie könnte die Welt noch mehr verändern, als das Internet es getan hat.“ Wie meinen Sie das, bitte? Das Internet war ein dramatischer Fortschritt für die Kommunikation mit zum Teil dramatischen gesellschaftlichen ­Folgen, mit Einfluss auf die Sprache, auf die Politik, auf die Art und Weise, wie Menschen miteinander leben. Blockchain hat aber eine noch tiefere Wirkung, in sich selber, weil Blockchain im Endeffekt Zwischenhändler ausschaltet. Wenn Blockchain wirklich funktioniert, geht alles vom Produzenten direkt zum Konsumenten. Das hat was extrem Gesellschafts­politisches. Dann verdient der Komponist an seinem Kunstwerk und keiner dazwischen – denken Sie das mal konsequent weiter, was das heißt. Das bringt extreme Veränderungen, in allen Bereichen. Also wenn’s wirklich kommt, was wir ja noch nicht wissen.

WENN BLOCKCHAIN WIRKLICH FUNK TIONIERT, GEHT ALLES VOM PRODUZENTEN DIREKT Z U M KO N S U M E N TE N , DAS H AT WAS E X TR E M GESELLSCHAFTSPOLITISCHES.

INNOVATOR

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IN EUROPA WÄRE STEVE JOBS WAHR­ SCHEINLICH POSTBEAMTER GEWORDEN, M A R K Z U CK E R B E RG R E S TAU R A N TB E SIT Z E R UND JEFF BEZOS JUSTIZBEAMTER.

Das klingt, als würden Sie auch Krypto­ währungen positiv sehen. Das über­ rascht bei einem 67-jährigen Banker. Die Idee dahinter kann extrem positiv sein. Aber wie sie derzeit aufgebaut sind, sind Kryptowährungen eine Fehlentwicklung. Weil sie als Zahlungs­ verkehrs­instrument verkauft werden, als ­Währung. Das sind sie nicht. Sondern ein sehr spekulatives Investitionsobjekt für Leute, die sich damit auskennen … relativ oft zu Lasten derer, die sich damit nicht auskennen.

„ FREUDE AN RISIKO, FREUDE AN LEISTUNG, FREUDE AN ERFOLG, STOLZ AUF ERFOLG“ Sie haben sich immer recht gern recht kritisch über den Innovations- und Wirtschaftsstandort Europa geäußert. Was wäre aus Steve Jobs, Sergey Brin, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg oder Bill Gates als Europäer geworden? Wahrscheinlich wäre Jobs Postbeamter geworden, Zuckerberg Restaurantbesitzer und Bezos Justizbeamter. Wären die alle vorher mit ihren unter­ nehmerischen Ideen gescheitert, oder hätten sie es erst gar nicht versucht? Schon der Versuch wäre wesentlich schwieriger gewesen als in den USA. Das hat damit zu tun, dass es in Europa­ keinen einheitlichen Markt gibt für 350 Millionen Menschen so wie in Amerika. Dass in Europa der Kapitalmarkt als ein Instrument für Kapitalisten und Reiche angesehen wird, nicht als Finanzierungsinstrument für Unternehmer. Dass das Unternehmerwerden in Europa­ nicht so populär ist wie in Amerika. Dass Erfolg zu haben und ihn zu zeigen nicht so leicht ist wie in Amerika. Ich sage jetzt nicht, dass wir Amerikaner werden sollen, aber ein bisschen mehr Unter­ nehmertum ­würde unserem Kontinent sehr guttun. Freude an Risiko, Freude an Leistung, Freude an Erfolg, Stolz auf Erfolg. Damit hat das zu tun.

„ . . .  ICH MIT MEINEM ZWUTSCHGERL, NULL KOMMA IRGENDWAS PROZENT“ Sie haben Ihr gesamtes privates Ver­ mögen in Erste-Group-Aktien gesteckt. Das hatte, wie Sie sagen, vor allem den Vorteil, dass Sie sich immer als Unter­ nehmer gefühlt haben. Ich hab mein Finanzvermögen in ErsteGroup-Aktien gesteckt, ja, und ich bin, glaub ich, auch der größte private Investor. Aber mit meinem Zwutschgerl, null Komma irgendwas Prozent, ist es eigentlich eine Frechheit, wenn ich mich als Unternehmer betrachte. Dennoch: Ich hänge vom Erfolg meines Unternehmens ab, das stimmt, und das finde ich auch richtig so. Gehört sich für einen Manager, finde ich.

„ ICH ZWINGE JA NIEMANDEN DAZU, ERSTE-GROUP-AKTIEN ZU KAUFEN“ Sie haben in der Erste Group mit dem ­Financial Life Park ein ziemlich auf­ wendiges Projekt ins Leben gerufen, mit dem Sie Schulklassen über Geld und Geldwesen aufklären. Als Aktionär gefragt: Wie e ­ rgibt so etwas unter­ nehmerisch Sinn? Weil wir profitable Bankgeschäfte nur mit Menschen machen können, die in der Lage sind, unsere Produkte wirklich zu kaufen. Und weil wir Wert darauf legen, dass die Menschen nur Produkte von uns kaufen, die sie auch verstehen. Ich verstehe aber auch nicht, wie mein Auto funktioniert oder mein Handy. Wir sind kein Produktverkäufer, sondern kümmern uns um das finanzielle Wohlergehen, um die finanzielle Gesundheit unserer Kunden. Und das ist meiner Meinung nach die zweitwichtigste Sache auf der Welt – nach der körperlichen ­Gesundheit. Ich verstehe auch nicht alle Therapien, die mir mein Arzt verordnet.


Sollten Sie aber. Und Gesundheits­ bewusstsein wird auch immer mehr zu einem Lifestyle. Sehr gut ist das! Je ­kompetenter die Leute sind, desto besser. In allen Bereichen. Sie schicken jeden Tag fünf Schul­ klassen durch diesen Financial Life Park. Bis diese Schulklassen in einem Alter sind, in dem sie als Kunden ­überhaupt infrage kommen, vergehen mindestens zehn Jahre. Das heißt, Sie investieren jetzt relativ viel in ­etwas, das sich frühestens in zehn ­Jahren bezahlt macht. Als Aktionär, Herr Treichl, bin ich jetzt besorgt. Brauchen Sie nicht zu sein. In erster Linie geht es uns darum, unseren Auftrag als Sparkasse zu erfüllen. Nämlich Menschen­ finanzielle Bildung zu vermitteln. Wir machen halt Sachen, die langfristig ge­ dacht sind. Bleiben Sie 30 Jahre Aktionär, dann profitieren Sie von den Dingen, die wir langfristig planen.

Sie sagen, Sie wollen Ihren Söhnen nichts vererben. Wirklich? Was sagen denn Ihre Söhne dazu? Nein, aber in erster Linie geht’s mir ums geistige und körperliche Wohlergehen und um den Charakter meiner Söhne. Das Glück, in eine Umgebung hinein­ geboren zu sein, die einem ein gutes ­Leben er­möglicht, ohne etwas zu leisten, ist ja eigentlich kein Glück. Oder erst dann, wenn Sie die Erfahrung gemacht haben, dass Sie auch ohne Erbe das Leben führen können, das Sie wollen. Menschen, die sich von Kindheit darauf einstellen, dass sie nix tun müssen, weil sie von ihren g’stopften Eltern Geld kriegen, werden meistens ziemlich ungute Typen.

„ WOLLEN SIE ZWANZIGJÄHRIGEN HOCH­ RISKANTE SPEKULATIONEN EMPFEHLEN?“

In 30 Jahren bin ich 80, Herr Treichl. Sie werden sich darauf einstellen müssen, dass im Finanzleben alles extrem lang­ fristig werden wird. Sorry. Ich zwinge ja keinen, Erste-Group-Aktien zu kaufen.

Sie sagen: „Ich bin ein Kapitalist. ­Leider.“ Wieso leider? Sie sind e ­ iner der erfolgreichsten Banker in ­Österreichs Geschichte. Hab ich „leider“ gesagt? Wirklich?

Es geht Ihnen aber auch um Bildung als Wert an sich, haben Sie einmal gesagt. Weil nichts gegen Populismus besser hilft als Bildung. Und dann kommt gleich Wohlstand, gefühlter Wohlstand, um genau zu sein. Eine Kombination aus Bildung und wahrgenommenem finan­ ziellem Wohlergehen ist das einzige ­langfristige Mittel gegen Populismus. ­Davon bin ich überzeugt.

Ja. In Ihrem Statement ging es um ­Steuern und gesellschaftliche Gerechtig­ keit. Und darum, dass Sie für alle mög­ lichen Steuern sind, auf Erbschaften, auf Vermögen, auf  Spekulationen. Also grundsätzlich bin ich mal gegen Steuern. Aber noch mehr bin ich da­gegen, dass wir zwischen zwei politischen Rich­ tungen leben: Die eine möchte er­worbenes Vermögen umverteilen und damit soziale Gerechtigkeit erzeugen, die andere möchte erworbenes Vermögen erhalten. Beide Richtungen sind okay. Aber es fehlt eine dritte, eine, die sich darauf konzentriert, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, Vermögen zu erwirtschaften. Und dieses Thema wird immer größer werden. Weil das zentrale Vermögenszuwachs­ instrument, nämlich Zinsen, über einen langen Zeitraum wegfallen wird. Und wollen Sie Zwanzigjährigen, die auf eine Eigentums­wohnung sparen, hochriskante Spekulationen empfehlen? Eben. Es ist also logisch, wenn ich einem Zwanzig­ jährigen im Jahr 2019 und einem Zwan­ zigjährigen im Jahr 2079 die gleichen Chancen geben will wie einem Zwanzig­ jährigen von 1979, dann muss ich halt auch auf der steuerlichen Seite was tun.

WIR KÜMMERN UNS UM DAS FINANZIELLE WOHLERGEHEN, UM DIE FINANZIELLE GESUNDHEIT UNSERER KUNDEN. DAS IST DIE ZWEITWICHTIGSTE SACHE DER W E LT, N AC H D E R KÖ R P E R L I C H E N GESUNDHEIT.

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„ . . .  MEIST ZIEMLICH UNGUTE TYPEN“

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Also denen was wegnehmen, die was haben. Sie sind ja nicht nur Leider-Kapitalist, sondern Sozialist, Herr Treichl! Nein. Keine Angst. (Lacht.) Was die Poli­ tik in Europa tun sollte, wäre, zunächst einmal nicht durch Einsparen die Staats­ kassen füllen zu wollen, weil das nicht geht, sondern durch Anregung des Kon­ sums. Und das passiert halt so gut wie gar nicht. Dann müssen Sie das Unternehmer­ tum fördern. Und dann mit Steuern len­ ken, wo es notwendig und möglich ist. Die Vermögenssteuer etwa ist in der Theorie richtig, in der Praxis problematisch. Das Horten von Vermögen, das keinem sozia­ len oder gesellschaftlichen Zweck dient, gehört besteuert. Aber wie identifizieren Sie das? Schwierig. Die Erbschaftssteuer wäre leichter umzusetzen. Und eine Steu­ er, die der demografischen Entwicklung in Europa entgegenkommt: Wir werden immer weniger und immer älter. Und die Alten haben in unserer Gesellschaft das meiste Geld. Das werden sie aber nicht freiwillig hergeben. Ich will, dass junge Menschen die Chance haben, sich ein Vermögen aufzubauen. Ein eigenes Vermögen. Egal aus welcher Gesellschaftsschicht sie kommen. Dafür müssen wir Voraussetzungen schaffen. In unserem Wirtschaftssystem, in unserem Steuersystem, in unserem gesellschaft­ lichen Denken, in einem neuen Denken.

„ NEUES DENKEN IST NÖTIG“ Im Internet findet man Ihre Interpretation von Paolo Contes „Via con me“. Sie können ja richtig gut singen! Sie haben überhaupt Spaß an öffentlichen Auftritten, können mit Medien gut um­ gehen. Wie sehr muss ein moderner Manager auch ein Showtalent haben? Gar nicht. Wenn man’s hat, kann man’s einsetzen. Das ist aber keine Voraus­ setzung. Es gibt viele sehr gute Manager von Unternehmen, die nicht einmal frohe Weihnachten wünschen können, ohne es von einem Zettel abzulesen.

„ VÖLLIG WURSCHT, WEIL ES UNSERE AUFGABE IST“ Wissen Sie, was das überhaupt ­Wichtigste in der Erste Group ist? Ich hoffe doch.

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„Dass wir unserem Gründungszweck treu bleiben: dass wir für alle da sind und allen Wohlstand bringen.“ ­Zitat Andreas Treichl. Da hat er auch recht. Aber ist es wirklich das Wichtigste, allen Wohlstand zu bringen? Wichtiger ist ja wohl, als Unternehmen wirtschaftlich gesund zu sein. Und was ­halten Aktionäre davon, wenn man ­„allen“ Wohlstand bringen möchte statt den „Shareholdern“? Ich sehe da kein Spannungsfeld – über­ haupt keines. Der Satz steht in unserer Gründungsurkunde, das ist unser Auf­ trag, unsere Aufgabe, immer schon gewesen, und darüber wissen unsere Aktionäre auch Bescheid. Sich mit den ärmeren Schichten der Gesellschaft ­auseinanderzusetzen ist vielleicht nicht das profitabelste Geschäft, aber das ist völlig wurscht, weil es unsere Aufgabe ist. Es ist unsere Identität. Punkt.

NOBLE AUFGABE „Sich mit den ärmeren Schichten der Gesellschaft auseinanderzusetzen ist vielleicht nicht das ­profitabelste Geschäft, aber es ist unsere Aufgabe.“

Sind Sie erfolgreich, weil Sie sich daran halten oder obwohl Sie sich ­daran halten? Früher vielleicht obwohl, aber jetzt in zu­ nehmendem Ausmaß weil. Da gibt’s vor allem eine sehr erfreuliche Entwicklung bei den jungen Leuten, Generation Z und drüber. Die sehen einen hohen Wert in dem gesellschaftlichen Ziel und Zweck des Unternehmens, für das sie arbeiten. Für uns heißt das zum Beispiel, dass wir Mitarbeiter bekommen können, richtig gute Leute, die sonst nicht für eine Bank arbeiten würden. Unser Gründungs­ auftrag der sozialen Integrität wird immer schneller zu einem immer wichtigeren Konkurrenzvorteil werden, auf allen Ebe­ nen. Davon bin ich überzeugt. Man steht ja dem Zusammenspiel von finanziellem Gewinn und gesellschaftlichem Gewinn viel konsequenter und viel intelligenter gegenüber als früher. Das ist eine sehr, sehr positive Entwicklung in unserer Gesell­ schaft – und die geht von den Jungen aus.

„ IN IDEEN INVESTIEREN, IN VISIONEN, NICHT IN SICHERHEITEN“ Wie viel Gestaltungsspielraum haben Sie eigentlich noch, gesellschaftlich gesehen? Banken dürfen zum Beispiel jungen Unter­nehmen kaum noch ­Kredite geben.

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wesentlich besser, ein mittelmäßiger Banker zu sein als ein mittelmäßiger Dirigent.“ Wäre es nicht vielleicht doch schöner und spannender gewesen, es als Dirigent zu probieren? Kann ich ja noch machen. Mit 67 bin ich ja noch ein Nachwuchstalent. Aber ich sag Ihnen: Ich glaube nicht, dass Dirigenten ein spannenderes Leben haben als ich. Ich kenne ein paar echte Superstars. Was die so erzählen … fünfmal in der Woche nach irgendeinem Konzert um zehn am Abend essen gehen mit irgendwelchen Sponso­ ren, die man eigentlich nicht sehen will? Das würde mich verrückt machen.

„ NACH HAUSE KOMMEN KÖNNEN!“

Und das ist schrecklich. Der Job einer Bank ist es auch, Risiken einzugehen, in Start-ups zu investieren, in Ideen, in Visionen, in Persönlichkeiten. Nicht in ­Sicherheiten. Solange wir in Europa ­keinen Kapitalmarkt entwickelt haben, der so breit ist und so stark, dass eben auch junge, kleine Unternehmer mit ­guten Ideen Geld bekommen, muss man Finanzinstitutionen die Möglichkeit geben, Start-ups zu finanzieren. Sonst kriegen wir in Europa keine Bezos’ und Jobs’ – und zwar nie. Weil für einen Steve Jobs brauchen wir drei Millionen neue Unternehmen, von denen zwei Millionen nach ein paar Jahren verschwunden sind. Aus den restlichen 999.000 werden dann vielleicht noch fünf relativ erfolgreich sein – und einer wird ein Steve Jobs.

„ ICH BIN JA EIN NACHWUCHSTALENT“ Eigentlich wollten Sie ja Dirigent werden. Sie wurden Banker, weil Leonard Bernstein zu Ihnen gesagt hatte: „Es ist

ICH WILL, DASS JUNGE MENSCHEN DIE CHANCE HABEN, SICH EIN VERMÖGEN AUFZUBAUEN.

Sie haben gesagt, Sie hätten die Krisenjahre 2008 bis 2014 körperlich nicht durchgestanden ohne Ihre Familie. Körperlich? Echt? Nicht unmittelbar, aber mittelbar schon. Die Psyche hat ja einen irrsinnigen Ein­ fluss auf die Physis, und dieses Nach­ hausekommenkönnen war irre wichtig für mich. Es war eine extrem angespannte Zeit. Es ging ja auch um viel. Um das Vertrauen der Kunden zuallererst und natürlich auch um das der Investoren. Denen mussten wir vermitteln, dass wir ein gesundes Geschäftsmodell haben. Natürlich haben auch wir Fehler gemacht, aber diese einzugestehen und Lösungen zu präsentieren hat sehr geholfen. Und in dieser Zeit einen Ort zu haben, der dieses Nachhausekommen vermittelt, war ex­trem wichtig für mich.

„ GESCHÄFTLICH SOLLTE MAN EH KEINE GEHEIMNISSE HABEN“ Es heißt, Sie haben kein eigenes Büro. Das stimmt aber nicht, oder? Doch, doch. Ich arbeite in einem Groß­ raumbüro zusammen mit meinen Vor­ standskollegen. Wir sind zu zwölft im Büro. Und bei einem wichtigen Telefonat? Geht man halt raus, in ein Sitzungs­ zimmer, auf den Gang oder aufs Klo. Aber ­geschäftlich sollte man vor seinen Kolle­gen eh keine Geheimnisse haben. Und private Sachen sollte man so und so nicht in der Arbeitszeit besprechen. Ich mag mein Großraumbüro.


READY FOR

TAKEOFF WIR TESTEN DIE AUTONOME TAXI - DROHNE

Schon bald sollen Drohnen eine Möglichkeit sein, bequem von A nach B zu kommen. Zumindest in der Theorie. Aber wie realistisch ist das wirklich? Unser Reporter hat in China exklusiv einen Probeflug gemacht. FOTOS Gregor Kuntscher

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TEXT Felix Diewald

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Alles einsteigen! In der Drohne des chinesischen Herstellers Ehang gibt es keinen ­Piloten. Sie fliegt die Passagiere selbständig.

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F

Ganz schön abgehoben. 50 Meter über der Stadt Guangzhou fühlt man sich im ­Taxi-Drohnen-Cockpit ziemlich einsam.

„FLIEGE ICH WIRKLICH ALLEIN?“, rufe ich dem chinesischen Techniker auf der Startund Landeplattform zu, während er die Flugfunktionen der Drohne überprüft. „Keine ­Sorge, das ist ganz sicher“, sagt er grinsend und schlägt die Tür zu. Ich schaue mich im Cockpit um: nüchterne Umgebung, keine Knöpfe, keine Schalter. Ein Bildschirm zeigt die Flugroute an. Plötzlich ertönt eine verspielte elektronische Melodie. Draußen ­beginnen die Rotorblätter zu wirbeln. Meine Handflächen passen sich der lokalen Luftfeuchtigkeit von 78 Prozent an, dann hebe ich ab. Zügig steigt das Fahrzeug auf, ich s­ püre den Luftzug der Propeller durch die Tür, alles vibriert. In 15 Meter Höhe bleibt die Drohne wie angeschraubt stehen. Hübsche Aussicht auf die Skyline von Guangzhou, einer Stadt im Südosten Chinas, die früher Kanton hieß. Es bleibt kaum Zeit, sich zu fürchten, da sinke ich auch schon wieder zu Boden. Der letzte halbe Meter vor dem Aufsetzen gerät etwas unsanft, aber dann ist mein erster Flug mit ­einer autonomen Drohne unfallfrei über­ standen. Gar nicht so schlimm, denke ich.

 DAS VERSPRECHEN

Drohnen wie diese – da sind sich fast alle Studien zum Thema urbane Mobilität einig – werden die Zukunft der Fortbewegung in Ballungsräumen sein. Denn am Boden, also mit Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln,­ stößt sie schon heute an ihre Grenzen. Was bleibt, ist ein Ausweichen in die dritte Dimension: in den bis jetzt kaum genutzten­ Luftraum zwischen 50 und 200 Meter Höhe. Autonome Flugtaxis, so die Ansicht der meisten Börsenanalysten, sind in absehbarer

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Reine Vertrauenssache. Die größte Hürde beim Flug mit einer autonomen Drohne befindet sich im Kopf: Schließlich gilt es, einem Algorithmus zu vertrauen.

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Hallo? Ist da jemand? Über Funk ist der Passagier mit der Flugkontrolle ver­ bunden. Im Notfall kann sie die Steuerung übernehmen.

Zeit eine fantastische Möglichkeit, Geld zu verdienen. Viel Geld. Das Rennen zu dieser Quelle des Reichtums hat längst begonnen. Weltweit bemühen sich viele Unter­ nehmen, Drohnen zur Personen­ beförderung und ein dazu passendes Geschäftsmodell zu entwickeln. In China beschäftigt sich die Firma Ehang intensiv mit dem Thema, sie zählt zu den zehn erfolgreichsten Start-ups des Landes. Warum ich ausgerechnet dieses Unternehmen besuche, liegt auf der Hand: Ehang hat als einer der wenigen Mitbe­ werber bereits ein flugfertiges Vor­ serienmodell zu bieten. Und das verspricht einen großen Schritt von der Science-Fiction in die Realität.

 DIE OFFENEN FRAGEN

Das Konzept selbst leuchtet ja ein, es bleibt dennoch eine Reihe von Fragen:­ Zum Beispiel, wie diese Drohnen INNOVATOR

ohne Pilot fliegen können; ob eine Software wirklich dafür sorgen kann, dass sich tausende Drohnen über einem dicht bewohnten Gebiet ohne Crash bewegen; oder wie viel so eine Drohne und die nötige Infra­ struktur mit Start- und Landeplätzen kostet; und überhaupt: wann Flug­ taxis tatsächlich bei uns zugelassen werden. Aber die wichtigste Frage von allen lautet: Wie fühlt es sich an, in einer führerlosen Drohne zu sitzen? Werden wir einem solchen System je vorbehaltlos vertrauen? Antworten darauf soll ich im sogenannten Command Center von Ehang bekommen. Es befindet sich in einem Nachbau der Pariser Oper im World Park von Guangzhou, e­ inem Areal von der Größe des Wiener Praters. Vor einigen Jahrzehnten baute ein reicher Geschäftsmann hier die großen Sehenswürdigkeiten­ dieser Welt nach. Mittlerweile fliegen die Chinesen lieber zu den  33


Originalen, und der World Park ist Geschichte. Deshalb findet jetzt in der Pariser Oper die Zukunft statt. Jialong Chen ist ein quirliger Inge­ nieur mit Brille und freundlichem Gesicht. Er leitet die Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Ehang. Chen macht mich mit Ehang 216, dem Vorserienmodell, bekannt. „Wir haben sechzehn Rotoren an acht Armen angebracht, theoretisch können bis zu sieben auf einmal ausfallen, ohne den Flug zu gefährden.“

 SICHER IST SICHER IST SICHER

Chens Team besteht aus den besten­ Uni-Absolventen Chinas. Sie fangen­ direkt nach dem Studium bei Start-­ ups wie Ehang an und basteln in Sneakers und kurzen Hosen an den Drohnen und vor allem an der Software. Die Ingenieure haben das Prinzip der Redundanz, also dass alle wichtigen Funktionen in vielfacher Ausführung vorhanden sind, bei jedem Aspekt der Drohne verfolgt.

„BIS ZU SIEBEN ROTOREN KÖNNEN GLEICHZEITIG AUSFALLEN, OHNE DEN FLUG ZU GEFÄHRDEN.“ Die Batterien sind zum Beispiel in acht unabhängig voneinander an­ gebrachten Einheiten verbaut. Und auch die Software, das Kernstück der Ehang-Drohne, ist mehrmals abgesichert: Drei Bordcomputer, aus­ gestattet mit jeweils zwei Sensoren, die Position und Geschwindigkeit er­ mitteln, befinden sich in der Konsole. Schön und gut – aber was passiert, wenn alles schiefgeht? „Im Notfall können wir vom Command Center

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aus den Autopiloten übernehmen und die Drohne manuell steuern.“ Die Aufladung der Batterie dauert eine Stunde. Mit einer Schnelllade­ funktion können auch 80 Prozent ­Batterie in nur 15 Minuten geladen werden. Der Strom einer vollen Batte­ rie reicht für rund eine halbe Stunde Flug, in der die Drohne mit einer Ge­ schwindigkeit von bis zu 130 km/h 50 bis 75 Kilometer zurücklegt. Was ist die größte Herausforde­ rung bei der Entwicklung? „Sicher, dass das Programm auch bei schwieri­ gen Flugbedingungen funktionieren muss. Aber vor allem macht uns das Gewicht zu schaffen. Die Drohne ist immer noch zu schwer.“ An dieser Stelle kommt die öster­ reichische Firma FACC ins Spiel. Das Unternehmen aus Ried im Innkreis ist einer der Weltmarktführer, wenn es um die Fertigung leichter Flugzeug­ teile geht. Seit zwei Jahren kooperiert man mit Ehang. Während Idee und Software von den Chinesen stammen, bringt FACC sein Know-how ein, wenn es um Hightech-Materialien geht, die Gewicht und in der Folge Energie sparen. Die aktuelle Version der Ehang 216 wiegt noch 360 Kilo. Ende 2019, wenn die reguläre Pro­ duktion anläuft, soll die Drohne um bis zu 25 Prozent leichter sein.

 DIE EHANG-STORY

All das wäre ohne Hu Huazhi nicht möglich gewesen. Der Gründer von Ehang hat Anfang des neuen Jahrtau­ sends an der renommierten TsinghuaUniversität in Peking Informatik ­studiert. Wenig später beginnt er er­ folgreich, Software für Cloud-Dienste, ­Videosteuerung und intelligente Stadtplanung zu entwickeln. Neben­ bei macht der junge Programmierer den Pilotenschein und wird zum be­ geisterten Flieger. Er bemerkt, dass es außer ihm kaum jemanden in der Luftfahrt gibt, der sich auch für Themen wie künst­ liche Intelligenz oder Software inter­ essiert. Als 2012 schließlich zwei sei­ ner Freunde bei Helikopter-Abstürzen ums Leben kommen, beschließt ­Huazhi, seine Expertise im IT-Bereich mit dem Fliegen zu verbinden.

Probeflug ins Büro Ehang-Gründer Hu Huazhi fliegt täglich per Drohne zur Arbeit. Unser Reporter Felix Diewald darf als erster Journalist die gleiche Route nehmen.

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Probeflug ins Büro Ehang-Gründer Hu Huazhi fliegt täglich per Drohne zur Arbeit. Unser Reporter Felix Diewald darf als erster Journalist die gleiche Route nehmen.

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Schöne Aussicht. Keine Knöpfe, keine Schalter: Im Cockpit herrscht eine nüchterne Atmosphäre. Zwei Bildschirme zeigen die geplante Flugstrecke – das war’s.

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Command Center. Von hier aus werden alle Flüge programmiert und überwacht. Theoretisch kann so ein Kontroll­ zentrum bis zu tausend Drohnen gleich­ zeitig unfallfrei in der Luft halten.

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„DIE LEUTE ERKLÄRTEN MICH FÜR VERRÜCKT“

Huazhi, ein kettenrauchender Vifzack, wirkt auf mich eher wie ein ­genialer Erfinder als wie ein smarter Geschäftsmann. Er arbeitet am liebsten nachts, erzählen Kollegen. Ein Meeting morgens ansetzen? Kannst du mit ihm vergessen. Im Gespräch erinnert sich Huazhi an die Anfänge zurück: „Eine Drohne, die von selbst fliegt? Die Leute erklärten mich für verrückt, niemand glaubte, dass das funktionieren könnte.“ Nachdem Hu Huazhi, damals 35, Ehang gegründet hat, setzt er sich zu Hause an seinen kleinen 11-Zoll-Microsoft-Laptop und „lebt“, wie er sagt, einen ganzen Monat, Tag und Nacht, im Code der Software. „Keine Ahnung, wie ich in dieser Zeit überlebt habe“, sagt er. „Ich habe nicht mal vom Bildschirm auf­geschaut, wenn es Essen gab. ­Meine Frau erzählt, es war, als ob sie einen Hund gefüttert hätte.“ Er lacht schallend. Jeden Abend nimmt Hu Huazhi Frau und Sohn zu einem ­nahegelegenen Brachland, um seine spielzeuggroße Drohne zu testen. Doch sie macht vorerst nicht das, was er programmiert hat, sondern fliegt wild durch die Gegend, bevor sie abstürzt. „Mein Sohn hat gejubelt, ich war wütend und frustriert.“ Doch mit jedem Mal lernen Huazhi und die Drohne dazu. Und dann, im Herbst 2013, fliegt sie endlich genau so, wie er will – automatisch, ganz ohne Fernsteuerung und Pilot. Huazhi: „Genau diese Code-Zeilen von damals sind immer noch der Kern unserer Software.“ Wenig später startet Ehang die erfolgreichste CrowdfundingKampagne Asiens. In der Zentrale von Ehang, einem sechsstöckigen ­Gebäude im Business-Viertel von ­Guangzhou, ar­beiten heute rund 300 Menschen. Und immer wieder gibt es Gerüchte, dass Ehang bald in den USA an die Börse gehen wird.

 WIE DIE FLUGTAXI-ZUKUNFT AUSSEHEN WIRD

„Flugtaxis“, sagt Hu Huazhi, „werden den klassischen Nahverkehr mit ­U-Bahnen und Autos nicht ersetzen, aber ergänzen.“

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„TAXI-DROHNEN WERDEN DEN KLASSISCHEN NAHVERKEHR MIT U-BAHNEN UND AUTOS NICHT ERSETZEN, ABER ERGÄNZEN.“ In der Praxis soll der FlugdrohnenVerkehr über eine App funktionieren, in der man den gewünschten Zielort eingibt. Dann sucht man einen so­ genannten Vertiport auf – eine der Start- und Landeplattformen, die strategisch über die ganze Stadt verteilt sind. In der Folge fliegt die Drohne vollautomatisch, obgleich überwacht von einer Flugleitzentrale, zum Ziel. Viele Studien sagen voraus, dass sich Flugtaxis in den ersten Jahren vor ­allem für die Strecke zwischen Flughafen und Stadtzentrum bezahlt ­machen werden. Werden die ersten Ehangs also von Schwechat in die ­Innenstadt fliegen? Hu Huazhi schüttelt den Kopf. „Wir müssen beim Thema Urban Air Mobility die breite Bevölkerung ins Boot holen“, sagt er. „Das schaffe ich nicht mit Lösungen für Touristen und Geschäftsleute.“ Huazhi denkt vielmehr an die Zielgruppe der Pendler. „Wenn sich Menschen beim Arbeitsweg Zeit ersparen, dann leisten wir etwas sehr Wichtiges. Drohnen dürfen nicht nur ein Spielzeug für Reiche sein.“ Gutes Stichwort. Was wird der Spaß denn kosten? Am Anfang wird eine Ehang-Drohne auf etwa 300.000 Euro pro Stück kommen, erklärt der Gründer, aber Privatleute werden sie sowieso nicht kaufen können – schon aus regulatorischen Gründen.

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Next Big Thing. Ehang hat schon tausende Vor­ bestellungen für die Drohne. Dabei startet die Serien­ produktion erst Ende des Jahres.

Backstage Der Hangar, in dem die Drohnen gewartet und aufgeladen ­werden.

Traumjob für Nerds. Chinas beste Uni-­ Absolventen basteln in Sneakers und T-Shirt an den Drohnen und vor ­allem an der Software.

Leichte Verschubmasse. Es dauert nur eine halbe Minute, bis eine Drohne aus dem Hangar zum Vertiport geschoben und startklar ist. INNOVATOR

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Jedes Gramm zählt. Trotz acht Armen und acht Batterien wiegt die Drohne nur 360 Kilo. Bis zum Serien­ start soll sie noch um 90 Kilo leichter werden.

Mastermind Hu Huazhi, Grün­ der von Ehang: Den ersten Code für den Auto­ piloten program­ mierte er allein im Schlafzimmer. 40  

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ABER WIRST DU EINSTEIGEN?

Was den Preis pro Flug angeht, so rechnet Ehang damit, dass er bloß eine Spur höher liegen wird als eine normale Taxifahrt. INFO

 WANN STEIGST DU EIN?

Doch wann stehen Flugtaxis tatsächlich für jedermann zur Verfügung? Die Antwort auf diese Frage sollte Y ­ elena Zhang kennen, sie ist bei Ehang die Verantwortliche für behördliche ­Vorgaben. Yelena war früher bei der ­chinesischen Luftfahrtbehörde tätig und kennt die Bestimmungen für Flugtaxis genau. Was deren Zulassung ­betrifft, besteht das Problem darin, dass kein rechtlicher Rahmen für sie existiert. Bis jetzt betreibt Ehang in China bloß ein paar Teststrecken. Und bemüht sich um Sondergenehmigungen, um in chinesischen Städten Sightseeing-Flüge anzubieten. Und was ist mit fliegenden Taxis? „Auch hier wird Asien sehr schnell sein“, sagt Zhang. Sie geht davon aus, dass der Betrieb in China in den nächsten ein bis zwei Jahren starten wird. Hier wird das Thema laut Zhang mit einer anderen Ernsthaftigkeit ­behandelt. „Im chinesischen Verkehrs­ ministerium arbeiten hunderte Beamte ausschließlich an diesem Thema. Das sind andere Ressourcen als in ­Europa oder den USA.“ Und ab wann ist mit Taxi-Drohnen in Österreich zu rechnen? Europa wird wohl Mitte der Zwanzigerjahre hinzukommen, sagt Zhang. Trotz des Hypes und einer Industrie, die mit langen Zähnen auf Zulassungen wartet, macht die Expertin klar, wie wichtig offizielle Standards sind: „Regulierung schafft Sicherheit.“ Dabei gehe es nicht nur um die Drohnen selbst (die seien, sagt Zhang, schon sicher genug), sondern auch um die gesamte Infrastruktur – von den Abflugstationen bis zur Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern. „Sollte einmal ein Unglück passieren, ist nicht nur das jeweilige Unternehmen, sondern die gesamte Passagier-Drohnen-Industrie tot“, beschreibt Yelena Zhang den Albtraum der Branche. „Wir dürfen Sicherheit nicht der ­Geschwindigkeit opfern – auch wenn die Freigabe dann erst ein oder zwei Jahre später kommt.“ INNOVATOR

FLUGTAXIS DER COUNTDOWN Derzeit gibt es noch keinen rechtlichen Rahmen für die Flugdrohnen, deshalb bewegen sie sich nur auf Teststrecken. Bei Ehang geht man davon aus, dass der reguläre Flugbetrieb in China in den nächsten zwei Jahre starten kann. Europa soll Mitte der Zwanzigerjahre folgen, gegen Ende des nächsten Jahrzehnts soll der Service weltweit ausgerollt sein und dann nicht viel mehr als eine normale Taxifahrt kosten. Ehang geht mit seiner TaxiDrohne jedenfalls Ende 2019 in Serienproduktion.

• Taxi-Drohne: bald Alltag?

Neben technischen und gesetzlichen Hürden gibt es noch eine dritte: die psychologische. Experten machen sie sogar als größte Barriere aus, die es noch zu überwinden gilt. Manche Analysten gehen davon aus, dass anfangs Flugbegleiter mitkommen werden, um Konsumenten an die neue Transportmethode zu gewöhnen. Ehang geht einen anderen Weg, wie Zhang erklärt. „Es bringt nichts, jemanden zu haben, der dir die Hand hält. Die Skeptiker wirst du sowieso nicht überzeugen können. Auf die zielen wir nicht ab. Wir zählen auf die Enthusiasten, die laut Studien über 50 Prozent ausmachen.“ Zur Beruhigung wird sich bei Ehang bei jeder Fahrt zumindest eine menschliche Stimme von der Flugkontrolle im Cockpit melden.

 TESTFLUG NUMMER ZWEI

Ehang-Gründer Hu Huazhi fliegt mit einer Sondergenehmigung täglich mit der Drohne von daheim zur Arbeit – und erspart sich so die Autofahrt ins Büro. Und ich darf, als erster Journalist überhaupt, einmal diese Route fliegen. Als die Techniker meinen Flug vorbereiten, zeichnet sich am Horizont bereits der nächste sub­ tropische Regenguss ab. Wir ­starten besser gleich, heißt es. Diesmal steigt die Drohne deutlich höher, bei gut 50 Meter Höhe bleibt sie stehen. Dann begibt sich die Drohne in Schräglage und fliegt eine Kurve. Ich muss an den Kletterpark-Ausflug in der fünften Klasse denken, den ich abbrechen musste, weil mir der ­Flying Fox zu steil war. Ich fühle mich plötzlich sehr, sehr allein da oben. Aber schon nach wenigen Sekunden flotten Fluges taucht auch schon das Command Center hinter den Baumwipfeln auf. Wenig später steige ich aus. So arg, wie ich mir das vor­ gestellt hatte, war es gar nicht. Mir ist nicht einmal schlecht geworden. Also ich könnte mich dran gewöhnen.

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INN OVATOR WIS SEN

HOW  TO  CHANGE  THE  WORLD EINE ANLEITUNG SCHRIT TEN

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Die Welt ein Stückchen besser machen? Etwas bewegen, während andere nur reden? Helmut Gruber vom Social Start-up PATRON4change erklärt, wie du so was am besten angehst. Und Aufgezeichnet von Waltraud Hable

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woher du Zeit und Geld dafür nimmst.

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Wenn du die Welt verändern willst, fang bei dir selbst an Bevor du ein Social Start-up gründest oder darangehst, die Welt zu verändern, steht kritische Selbstanalyse an: Sind die Handlungen, die du setzt, kurzfristig für dich gut, oder dienen sie auch lang­ fristig dem Gemeinwohl? Generell gilt: Machst du etwas, aus dem die Allgemeinheit einen Vorteil zieht, profitierst letztlich auch du. Das ist kein idealistisches Gewäsch, das ist natürliche Logik: Denn so individuell wir auch sein wollen, so abhängig sind wir auch vonein­ ander. Und: Du hast mehr Kraft, wenn du für etwas kämpfst als ­gegen etwas. Such dir etwas, was du leidenschaftlich verbessern willst.

Besitzt dein Besitz dich? Das kennt wohl jeder: Man will sich engagieren – aber es fehlt an Zeit und an Geld. Und so passiert am Ende oft nichts. Mir hat die ehrliche Auseinandersetzung mit der Frage „Besitzt mein Besitz mich?“ geholfen. Man erkennt schnell, dass man weniger braucht, als man hat. Und wer

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„Generell gilt: Machst du ­e twas, aus dem die Allgemein­ heit einen Vor­ teil zieht, profi­ tierst letztlich auch du. Das ist kein idealisti­ sches Gewäsch, das ist natür­ liche Logik.“

weniger Geld braucht, kann es sich in der Folge leisten, bezahlte Arbeitsstunden zu reduzieren. Das ist ein wichtiger Schritt, denn mit einer 40-oder-mehr-StundenWoche lassen sich Engagement und Alltag langfristig kaum unter einen Hut bringen. Ich selbst ­arbeite 20 Stunden in einem Büro und fahre zwei Nächte pro Woche Taxi. Letzteres verschafft mir Tages­freizeit, die ich in zivilgesellschaftliche Projekte stecke. Klar, ideal ist das nicht, aber solange Umwelt- und Sozialengagement­ in unserer Gesellschaft nicht denselben Stellenwert wie „normale“ Arbeit haben, ist es für viele der einzig mögliche Weg.

Sei selbstbewusst, mach dich groß … Wenn die schwedische Schülerin Greta Thunberg mit ihren sech­ zehn Jahren weltweit Menschen motivieren kann, für den Klimaschutz zu protestieren, warum solltest du nicht Ähnliches be­ wegen können? Nur Mut! Wir sind so mächtig wie nie zuvor: Auch ohne Ingenieursdiplom oder Quantenphysik-Studium sind wir bestens ausgebildet. Viele unserer Skills liegen aber brach, weil im Job bloß ein Bruchteil davon zum Einsatz kommt. Zusätzlich bietet das Internet ein riesiges Vernetzungspotenzial, das Social Impact – sozialen Einfluss – auf ein neues Level hebt.

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Gleich und Gleich erhellt sich gern

Du musst nicht gleich eine Lösung gegen die Erderwärmung aus dem Ärmel zaubern. In deinem Umfeld gibt es genug zu tun. Eine Freundin von mir liebt zum Beispiel Schach und organisiert Schach-Events in Flüchtlingsheimen. Das Spiel funktioniert nonverbal, Einheimische und Asylwerber können sich so langsam annähern. Ich selbst sammle während meiner Jogging­ runden in Wien Plastikmüll auf, der in der Natur herumliegt. Das mag wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken, aber wenn ich mich bücke, tun andere es auch. Es geht um die Vorbildwirkung. Und: Nachdem ich bis jetzt keinen weltverändernden Geistesblitz hatte, versuche ich mit PATRON4change zumindest, Leute mit tollen Ideen sichtbar zu machen und zu unterstützen.

HELMUT GRUBER 44, Social Entrepreneur

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„Ich selbst sammle wäh­ rend meiner Joggingrunden in Wien Plastik­ müll auf, der in der Natur ­h erumliegt. Das mag wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken, aber wenn ich mich bücke, tun andere es auch.“

Vernetzung ist eine der wichtigsten Strategien für Social Impact. Wenn jeder nur seine eigenen, kleinen Brötchen bäckt, kommt langfristig kein großer Wurf dabei raus. Schau genau: Wer verfolgt ähnliche Ideen? Was kannst du von diesen Menschen lernen? Die Recherche im Internet hat mir etwa gezeigt, dass ich als müllsammelnder Jogger nicht allein bin. Der Trend kommt aus Schweden, nennt sich „Plogging“, und die Umweltschutzorganisation Green Heroes Austria organisiert in Österreich mittlerweile sogar große Plogging-Laufrunden.

Denke einen Schritt weiter … Klar kannst du im Zero-WasteSupermarkt einkaufen und so Verpackungsmaterial und Plastik einsparen. Das ist ein guter Anfang und besser als nichts. Aber was ist mit den langen Transport-

Ex-Werber, studierter Sozialarbeiter, Vorstand bei opt2o.org, einer Organisation zur Stärkung der Zivilgesellschaft, und Netzwerker: Seit März 2018 ist Helmut Grubers Social Start-up PATRON4 change online, eine Plattform, die ­ökologisches und soziales Engagement fördern­ will. „Mein Leitspruch lautet: ‚Was hast du getan, als die Welt noch zu retten war?‘“, sagt der gebürtige Wiener.

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FRANZ OSS

… aber fang erst einmal klein an


Du kannst nicht alles allein machen. Musst du auch nicht. Deshalb gibt es nützliche Websites, auf denen du Unterstützung findest.

patron4change.org

pioneersofchange.com

projecttogether.org

Vernetzungsplattform für alle, die was bewegen wollen: Projekt vorstellen und Gleichgesinnte oder Unter­stützer finden – für Fach­ wissen, Kontakte, Räumlichkeiten.

Bildungsangebote zu Nachhaltig­ keit, Klimaschutz, Unternehmens­ gründung, Projektfinanzierung und persönlicher Weiterentwicklung. Tipp: E-Book „Wege in die Zukunft“.

Social Start-ups oder soziale Initia­ tiven auf die Beine zu stellen bringt viele Fragen mit sich. Diese Platt­ form stellt Coaches zur Verfügung, die dich begleiten und vernetzen.

wegen der Waren? Wie könntest du helfen, diese zu vermeiden? Oder was ist mit unserer Erwartung stets prall gefüllter Supermarkt­ regale, die dazu führt, dass am Ende viel weg­ geschmissen wird? Fordere dein Hirn heraus!

… und denke die Dinge auch zu Ende Das gilt vor allem, wenn du ein bereits be­ stehendes Geschäftsmodell auf „grün“ oder „sozial verträglich“ umstellen willst. Hier ist die Kette vom Hersteller bis zum Konsumenten zu analysieren, um Nach­ haltigkeit herzustellen. Bleiben wir beim Supermarkt-Beispiel: Würde man etwa verstärkt mit heimischen Landwirtschafts­ genossenschaften zusammenarbeiten, wäre das eine Win-win-Situation für alle. Für Käu­ fer, Konsumenten und die Umwelt. Käufer haben Zugriff auf frische, saisonale Waren ohne lange Transportwege, und den Bauern kann Umsatz garantiert werden, wodurch sie ihren Anbau besser planen können. Also muss am Ende weniger Obst, Gemüse, Getreide oder Fleisch entsorgt werden.

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Realitycheck, eins, zwo Wird die Leistung, die du anbieten willst, tat­ sächlich gebraucht und auch angenommen? Auf dem Papier mag vieles vernünftig er­ scheinen, aber kennst du die Umstände der Betroffenen bis ins Detail? Halte dich an die Grundsätze der Sozialarbeit: 1. Begib dich an den Ort des Geschehens. 2. Höre zu. 3. Lerne so viel wie möglich über die jeweilige Lebenswelt der Betroffenen 4. Sprich diesen Menschen die Eigenverantwortung nicht ab, auch wenn sie sich vielleicht destruktiv verhalten. 5. Wenn eine mögliche Lösung aus der Sicht der Betroffenen nicht der eigenen Vorstellung entspricht, lass es besser sein, sonst geht die Motivation am Helfen verloren.

Richtiges Helfen kann man lernen Niemand fällt allwissend vom Himmel – das Weltverändern kann man auch professionell angehen. Die Akademie der Zivilgesellschaft

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(www.zivilgesellschaft.wien) bietet etwa Lehrgänge für Gründer im ehrenamtlichen Bereich. Man lernt, wie man auf mögliche Kooperationspartner zugeht, eine nachhaltige Projektstruktur aufbaut und Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Weiterer guter Tipp: Der durch EU-Mittel geförderte Playpark Vienna (www.rce-vienna. at/playpark-ceriecon/de), umgesetzt vom Nachhaltigkeitszentrum der Wiener Wirtschaftsuni, unterstützt pro Semester zehn Start-ups mit Mentoring und Wissensaustausch. (Mehr Adressen: siehe Kasten auf Seite 45.)

Dein erster Investor bist du selbst Du willst, dass andere dein Projekt finanziell unterstützen? Frage: Wie viel Zeit und Geld hast du bereits selbst investiert?

Wenn du nicht einmal selbst an deine Idee glaubst, warum sollte­ es jemand anderer es tun?

„Du willst, dass jemand dein Projekt finanziell unterstützt? Frage: Wie viel hast du bereits selbst investiert? Wenn du nicht einmal selbst an deine Idee glaubst, warum sollten es andere tun?“

Dein Team wartet schon da draußen Du musst nicht alles allein ­machen. Du brauchst gute ­Fotos für dein Social Project? Ein Logo? Flyer? Auf youvo.org bieten sozial engagierte Kreative­ – Grafik-Designer, Schreiber, Fotografen, Videomacher – ihre Dienste an. Großes Potenzial steckt auch in frisch gebackenen Pensionisten: Ihre Skills waren eben noch am Arbeitsmarkt gefragt, und plötzlich liegen sie brach. Warum nicht versuchen, diese Menschen einzubinden?

Wer erfolgreich gründen will, muss vor allem: machen, machen, machen. Zuvor hilft aber auch: lesen, lesen, lesen.

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„Frag immer erst: Warum?“

„Jetzt!“

„Wir sind das Klima!“

Es geht nicht darum, was du tust, son­ dern warum du es tust. Erst wenn das im Zentrum deines Wirkens steht, wirst du Erfolg haben, weiß Simon Sinek.

Will man die Welt verändern, kommt man an der eigenen Persönlichkeits­ entwicklung nicht vorbei. Ein spiri­ tueller Leitfaden von Eckhart Tolle.

Manche lässt der Klimawandel kalt, weil er ihnen zu abstrakt ist. Jonathan Safran Foer bringt einfache Beispiele, wie wir die Erde „retten“ können.

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e n o r Y K T I L I B O S M Y AL RING E D L Y U B A D P L.-29.09.2019 RE 28

JETZT

IC S S T E TICK

M O C . G LBER

E I P S OJEKT

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: R E T N ERN U


In den düstersten Stunden ihres Lebens entwickelte Cornelia Geppert die Idee zu „Sea of Solitude“. Nun e ­ rscheint das Computerspiel bei einem der größten P ­ ublisher weltweit. Die Geschichte b ­ eweist: Wenn du deine ­Dämonen umarmst, machen sie dich stärker als je zuvor.

ANGST Fotos O laf Ble cke r Tex t M a ximilian Gaub

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ENDGEGNER EINSAMKEIT Mit ihrem Spiel will Geppert Menschen helfen, das Monster der Einsamkeit zu besiegen. INNOVATOR 

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Gepperts Strategie gegen die Angst: Blick ihr in die ­Augen, geh mutig auf sie zu, über­ winde sie – und ver­giss nicht aufs Lachen.

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W

er Cornelia Geppert an diesem Vormittag erlebt, mag nicht glauben, dass sie noch vor kurzem ein Schattenwesen war. Sie lacht viel, schneidet auf Wunsch des Fotografen Grimassen, sprudelt über vor Energie. Wir befinden uns beim Fotoshooting für The Red Bulletin in einem Hinterhofgebäude in Berlin-Schöneberg – und Computerspielentwicklerin Geppert hat allen Grund zur Euphorie. Im Sommer dieses Jahres kam „Sea of Solitude“ für die Konsolen PlayStation und Xbox auf den Markt, ein Spiel, das sie hier in diesen Räumen entwickelt hat und das für ihr Label Jo-Mei Games den Durchbruch bedeuten könnte. Vor allem aber ist es ein Spiel, das Geppert aus der bisher düstersten Phase ihres Lebens rettete. Im Trailer gleitet ein zerzaustes Schattenwesen mit einem kleinen Holz­boot durch eine überschwemmte Geisterstadt. Seine Augen leuchten fiebrig rot, genau wie jene der Monster, die plötzlich vor ihm auftauchen. Eine Riesin mit dolch­artigen Zähnen, ein gigantischer Greif­vogel, ein gefiedertes Seeungeheuer: Willkommen in der Welt von Kay, der Heldin dieser Reise. Das Besondere: Beim Schatten­wesen Kay handelt es sich um eine ge­peinig­te Version von Cornelia Gep­perts Ich. Und die Monster sind nicht irgend­welche Monster, ­sondern die vir­tu­ellen Inkarnationen von Gep­perts tiefsten Ängsten. Die Geschichte hinter „Sea of Solitude“ beginnt mit ein paar Skizzen, die Geppert

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in einer tiefen Lebenskrise zeichnete, und sie findet ihren vorläufigen Höhepunkt mit dem Release des Spiels bei Electronic Arts (EA), einem der weltweit größten Gaming-­Konzerne. Vor allem aber hält diese Geschichte zwei Lektionen bereit: 1. Games können dir helfen, dich selbst besser kennenzulernen – und sogar ­Krisen zu überwinden. 2. Wenn du deine ­Dämonen umarmst, kommst du weiter, als du je zu träumen gewagt hast. Hier kommt Cornelia Gepperts ­Geschichte in fünf Kapiteln:

DIE KRISE Raus aus dem Schatten Kay, allein in der Geister­stadt: In „Sea of Solitude“ sucht Hauptfigur Kay einen Ausweg aus der gefluteten City. Dafür muss sie sich mit Monstern ver­ bünden, die sich als ihre ­eigenen Ängste entpuppen.

Es ist das Jahr 2014, als Cornelia Gepperts Leben in sich zusammenstürzt. Bisher ist sie von größeren Rückschlägen verschont geblieben. Über Deutschlands Wieder­ vereinigung freut sie sich nach ihrer Achtziger­jahre-Kindheit in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern vor allem aus einem Grund: weil sie nun endlich den langersehnten Amiga-Computer bekommt. Sie zeichnet Comics, besucht eine Akademie für Game-Entwickler und gründet in einem Hinterhof in Berlin-Schöneberg Jo-Mei Games, ihr eigenes Computerspiellabel, das beliebte Browser-Games wie „Koyotl“ und „Deep Space Banana“ herausbringt. Es ist ihr langjähriger Freund – „die Liebe meines Lebens“, wie Geppert sagt –, der ihr Leben ins Wanken bringt. Er leidet an einer seelischen Krankheit, von der auch ihre Beziehung nicht verschont bleibt: Einmal bekundet er wortreich ­seine Liebe, dann wieder verschwindet er tage­lang ohne Erklärung. „Ich war verwirrt, verzweifelt, verletzt und verdammt w ­ ütend – warum ist der von mir geliebte Mann, wie er ist?“, erzählt Geppert. Sie zieht sich selbst immer mehr zurück, versinkt in düsteren Gedanken.

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Vier wahre Heldinnen

DIE IDEE

Diese Frauen erobern ebenfalls die Gaming-Welt:

Cornelia Geppert wälzt Psychologie­ bücher, begibt sich sogar selbst in eine Psychoanalyse. Sie will verstehen, was ­ihrem Freund widerfährt – vor allem aber, wie ihre eigenen Ängste so groß werden konnten, dass diese unbeherrsch­ bar erscheinen und sie von ihren Freun­ den, von der Außenwelt abschneiden. Be­ sonders bedrohlich macht ihre Ängste, dass sie nicht greifbar sind. In ­ihrer Verzweiflung besinnt sich ­Gep­pert irgendwann auf das, was sie am besten kann: Fantasy-Welten entwerfen. Intuitiv beginnt sie, Skizzen der ver­ ängstigten Ver­sion ihres eigenen Ichs zu scribbeln. Es ist die Geburtsstunde von Kay, ihrer Schattenschwester. Gep­pert ahnt: Mit Kays Hilfe könnte sie schaffen, woran sie im wahren Leben scheitert – ihren Ängs­ ten in die Augen zu sehen. Sie zeichnet tierhafte Monster, entwirft die Kulisse ­einer untergegangenen Stadt – und lädt ­einen ersten animierten Prototyp auf Twitter hoch. Der erste Slogan ihres Spiels: „Wenn Menschen zu einsam wer­ den, v­ erwandeln sie sich in Monster.“

Brenda Romero DIE VERMITTLERIN Sagen, wie’s geht: Darin ist die Ent­ wicklerin (u. a. „Wizardry“) besonders gut und verschafft so immer neuen Menschen Zugang zum Gaming – ob mit ihren Vorträgen über spie­ lerisches Lernen oder mit ihrem Ratgeber­buch „Breaking into the Game Industry“.

DIE REAKTION

Sonja Hawranke, Katharina Kühn Welt der Metaphern Im Laufe des Spiels be­ ginnt sich die düs­tere, stürmische Umgebung der Protago­nistin Kay zu ver­ändern. Wenn der Wasserspiegel fällt, gibt er neue Stadtgebiete frei.

DIE MÄRCHEN-KÖNIGINNEN Alte Geschichten zu neuem L ­ eben zu erwecken – das ist das Marken­ zeichen der Gründerinnen des Start‑ups Golden Orb. Unter diesem Namen veröffentlichten sie bereits die inter­aktiven ­Märchen „Sieben­ streich“ und „Aschenputtel“.

Philomena Schwab DIE STRATEGIN Komplexe Abenteuer sind die S ­ pe­ zialität der Zürcherin: In „ ­ Niche“ hilfst du einer Fantasie-Tierart, auf unse­rem Planeten zu überleben. In „Nimbatus“ musst du aus hun­ derten Teilen ein Raumschiff kon­ struieren und fortan Missionen im All bestehen.

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DAN CERMAK, CHRIS LUEHRMANN, REUTERS

Was in den Tagen nach ihren ersten Posts geschieht, wird Cornelia Geppert nie ­vergessen. Ihre vage Idee, ein Spiel über Ängste und Einsamkeit zu entwickeln, löst einen Tsunami an positiven Reaktionen aus. Aus der ganzen Welt greifen Men­ schen ihre ersten Bilder auf und zeich­ nen eigene Entwürfe. Die ein­gesandte Fan-­Kunst bedeckt heute in den Jo‑MeiStudios eine komplette Wand. Außerdem schicken die User zahllose Direktnach­ richten an Geppert. Der Tenor ist immer


der gleiche: Danke, dass du Themen wie Angst und Einsamkeit in der Welt der Computerspiele aufgreifen willst. Geppert hatte offensichtlich einen bloßliegenden Nerv unserer Zeit ge­ troffen. Während uns Instagram und ­Facebook einen globalen Dorfplatz vor­ gaukeln, auf dem wir alle immer näher zusammenrücken, tut sich hinter dieser digitalen Kulisse ein seelischer Abgrund auf, in dem die Einsamkeit regiert. Das überwältigende Feedback verleiht Gep­pert neuen Mut – im Umgang mit ih­ ren Ängsten und in der Absicht, die aus der Not geborene Kay zur Heldin eines wirk­lichen Spiels zu machen.

ENDGEGNER EINSAMKEIT Mit ihrem Spiel will Geppert Menschen helfen, das Monster der Einsamkeit zu besiegen.

DER WEG Noch handelt es sich bei Kay und den Monstern um lose Ideen. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Boris Munser ­beschließt Geppert, auf dieser Basis ein Spiel zu entwickeln, das die Nutzer da­ zu bewegt, sich mit sich selbst und den ­eigenen Ängsten auseinanderzusetzen. Weiterhin teilt sie neue Prototypen in den sozialen Medien – und ihr unglaubliches Abenteuer erreicht das nächste Level. Mit ihrem Spiel über Einsamkeit hatte sich Geppert höchstens Chancen bei ­einem kleinen Independent-Label aus­ gerechnet. Doch als die positiven Re­ aktionen auf die neuen Entwürfe nicht abreißen, werden plötzlich die Global Player der Gaming-Welt auf sie auf­ merksam. ­Milliardenschwere Publisher wie Square Enix, Ubisoft und Microsoft mel­ den sich bei Jo-Mei Games. „Plötzlich werde ich in die ganze Welt eingeladen, um meine Prototypen zu präsentieren.“ Sie zeigt ihre Idee in San Francisco, in New York, in London und schließlich in Stockholm bei EA Originals, einem Zweig des M ­ utterkonzerns EA, der un­ ter anderem die weltweit erfolgreiche Fußball­simulationsserie „FIFA“ vertreibt. Als Geppert in Schweden erklärt, dass sie selbst hinter Kay steckt, sagt EA-Chef ­Patrick Söderlund nur einen Satz: „I need to have this game.“ Damit steht fest: Kay könnte nicht nur Geppert aus der Finster­ nis führen, sondern ihrem Studio Jo-Mei Games zu dessen erstem globalen Hit verhelfen.

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DAS ERGEBNIS Zu viel will Geppert über die genaue Funktionsweise des Spiels nicht preis­ geben. „In ‚Sea of Solitude‘ zeigen wir, wie Menschen verschiedene Arten von Einsamkeit er­leben.“ Genau wie es ­Gep­pert selbst half, ihre eigenen Ängste in der Geschichte von Kay und den Mons­ tern zu verarbeiten, sollen sich darin auch die Spieler wiederfinden können. „Um­ arme deine destruk­tive Art genauso wie deine hoffnungs­volle: Euphorie, Selbst­ zweifel, Angst, Zorn – in unserem Spiel geht es um einen gesunden Umgang mit unseren Emotionen“, sagt Geppert. Ziel wird es sein, dem Schattenwesen Kay da­ bei zu helfen, wieder ein Mensch zu wer­ den. Und, so viel sei ver­raten: Die Monster sind nicht Kays eigentliche Gegner.

Wieder ganz bei sich Auch dank der Ent­ wicklung von „Sea of Solitude“ hat Cornelia Geppert ihre Lebens­ krise heute end­gültig überwunden.

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DIE KUNST Regenerieren für Fortgeschrittene: Diese Gadgets wissen besser als du, was dein Körper braucht. Und helfen dir, deine Akkus effektiv aufzuladen.

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Meditation boomt. Laut einer Umfrage meditiert etwa in Deutschland fast die Hälfte der Bevölkerung, fast jede(r) Zehnte sogar täglich. Doch wie wirkungsvoll? Das verrät das federleichte EEG-Messgerät Muse anhand der Aktivität der Gehirnströme während der Meditation. Kommt der Geist nicht zur Ruhe oder schweifen die Gedanken ab, gibt es sanftes akustisches Feedback über die Kopfhörer. Nach der Einheit wird der Erfolg der

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DIESES HIGHTECH-STIRNBAND MISST DIE AKTIVITÄT DEINER GEHIRNSTRÖME.

­Meditation auf dem ­Bluetooth-gekoppelten Smartphone dargestellt, über die App kann man auch Challenges be­ stehen und Bonuspunkte sammeln. Noch detaillierteres Feedback liefert Muse 2: Das EEG-Stirnband mit den sieben

Sensoren an der Stirn und hinter dem Ohr wird in diesem Modell noch durch einen Herz- und Atemfrequenz­m esser ergänzt.

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Spitzensportler und Bildschirm-Arbeiter ­haben eines gemeinsam: Am Ende eines harten Tages tut beiden eine Massage gut, die Verspannungen beseitigt, die Faszien lockert und die Muskeln beim Abbau von Schadstoffen unter-

Das Wichtigste am ­Training ist die Regeneration. Wer sie auslässt, riskiert Übertraining und Leistungsabfall – wie der Trauner Zehnkämpfer Martin Konrad, der Gründer von VIITA Watches, erklärt. Seine intelligente Smartwatch kann alles, was herkömmliche Sportuhren können (GPS-Tracking, Herz­frequenz- und ­Tempomessung etc.), fördert aber auch aktiv die effektive Erholung. Zu diesem Zweck misst

sie Bewegungsmuster, Schlafdauer und -qualität, Stressverlauf und Regenerationsstatus. Und plant mit Hilfe der gesammelten Daten die Trainingsintensität, animiert zu Stress­ abbau oder Pausen und errechnet dazu den ­aktuellen Flüssigkeitsbedarf. Nettes AntiStress-Extra für Zerstreute: der eingebaute Smartphone-Finder.

stützt. Der Masseur, den Hyperice zur Verfügung stellt, ist dafür ideal: ­allzeit bereit, angenehm verschwiegen und so kompakt, dass er in jede Sport- oder Handtasche passt. Das handliche, rund ein Kilo schwere Massagegerät vibriert in drei Geschwindigkeitsstufen. Der Akku hält etwa zwei Stunden, der Hyperice-Hype schon sieben Jahre: Seit 2012 konnte Hyperice-­ Gründer und Ex-Basketballtrainer Anthony Katz neben NBA- und NFLSpielern auch SkiSuper­s tar Lindsey Vonn für seine Produkte begeistern.

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Der erste Powermeter für Läufer hat einen entscheidenden Nachteil: Er führt uns auf pein­ liche Weise vor Augen, wie vorsintflutlich und fehleranfällig wir bisher unsere Laufleistung ­gemessen haben. Der sieben Gramm leichte Footpod, der wie ein

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AUF WEISEN SOHLEN Was macht ein Elektromechaniker, der sich beim Kraftsport den ­Rücken verreißt? Er gründet gemeinsam mit seiner Frau ein Start-up, das verspannte Muskeln

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lockert. Die clevere Idee von Martin und Sonja Masching: ein PowerChip im Gel-Pad, das – auf die Innensohle des Schuhs geklebt – über eine induzierte Trägerfrequenz das vegetative Nervensystem beeinflusst. Diese sogenannte Powerinsole regt die Durchblutung der Beine an und löst Verspannungen im ganzen Körper. Neben Masching selbst profitierten davon bisher 17.000 User, darunter Tennisprofis und inter-

Zeitmessungs-Chip am Schuh montiert wird, kümmert sich nicht mehr um Pace oder ­Distanz. Stattdessen analysieren komplexe Sensoren Laufperformance und -technik, Muskelspannung und Umwelteinflüsse. Als Richtwert für jede Belastung dient der individuelle „Running Stress Score“: Er zeigt an, wie stark eine Trainings­ einheit Muskeln, Kreislauf und Gelenke be­ lastet hat. Und wie viel Er­h olung der Körper nach der Trainingseinheit be­n ötigt. Vorteil: Du vermeidest Übertraining und regenerierst entsprechend effizienter.

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nationale Fußball-Erst­ ligisten. Die meisten Käufer sind aber Nichtsportler: Die Power­ insole senkt nämlich auch Stresslevel und Herzfrequenz.

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Der „Himmel für die ­Hosentasche“ ist eine zwölf Gramm leichte Blaulicht-Brille, die ­unseren natürlichen Biorhythmus reguliert. Das Prinzip stammt direkt aus der Natur: Der Blauanteil im Sonnenlicht hält uns tagsüber wach

und aktiv. Wenn jedoch künstliches Bürolicht, unregelmäßiger Schichtdienst oder wechselnde Zeitzonen diesen Rhythmus durchbrechen, springt die ultraleichte Lichttherapie-Brille ein. Sie setzt den Körper ­sozusagen zurück auf

DIE BRILLE IMITIERT NATÜRLICHES SONNENLICHT FÜR MEHR ENERGIE.

Werkseinstellung und macht wach, wenn man wach sein will. Um­ gekehrt schläft nachts wie ein Baby, wer nach der aktiven Phase künst­ liches Blaulicht gezielt vermeidet. Daher: Brille nur am Anfang der ­aktiven Phase tragen und zwei Stunden vor dem Schlafengehen den Ausknopf von Handy und Computer drücken!

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UMFASSENDES SCHLAFTRACKING OHNE UNPASSENDE SCHLAFTRACKER

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Wer eine Aufgabe ohne Mühe bewältigt, erledigt sie „im Schlaf“. Doch die Redewendung hat ­einen Schönheitsfehler: Es fällt uns nämlich ­immer schwerer, richtig zu schlafen. Mit der Withings-Schlafsensormatte kannst du zumindest den Ursachen dafür

auf die Schliche kommen. Der 64 mal 19 Zenti­ meter kleine Schlafwächter unter dem Leintuch überwacht die Schlafphasen, trackt die Herzfrequenz und erkennt Atmungsstörungen bis zur Schlafapnoe, ­unter der fünf Prozent der Bevölkerung leidet.

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PREIS 99,95 EURO WITHINGS.COM

Die Daten werden direkt ans Smartphone weiter­ geleitet und können ­jeden Morgen abgerufen werden, ohne dass man im Schlaf ein lästiges Tracker-Armband tragen muss. Und wer möchte, kann seinen Schlaf ­zusätzlich per App ­coachen lassen oder die Withings Sleep als Steuereinheit für Licht, Raumthermostat und Rollos einsetzen.

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SCHLAUER SCHMUCK Schauspieler Will Smith trägt ihn. Basketball-­ Legende Shaquille O’Neal auch. Und beide sind so von den Vorzügen des Oura-Rings überzeugt, dass sie und andere ­Investoren 17,5 Millionen Euro in das finnische Start-up Oura gesteckt haben. Inzwischen wird der stylische Sleep-­ Hacker schon in mehr

DER RING FÜR BIOHACKER VERRÄT, WAS DU IN DER NACHT SO TREIBST.

als fünfzig Länder verkauft und lässt damit nicht nur seine Inves­ toren gut schlafen. Der Oura-Ring misst im Schlaf Puls, Herz­ frequenzvariabilität, Körpertemperatur, Schlafrhythmus und Schlafdauer. Und analysiert über den „Readiness Score“ Schlaf­ qualität, Lebensbalance und Gesundheits­ zustand. Der geniale

Kniff: Wer erkennt, was ihn besser und erhol­ samer schlafen lässt, kann seine Ruhezeit ­optimieren und wird tagsüber leistungsfähiger. Na dann: Gute Nacht!

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F O T O S N o r m a n

T E X T K o n r a d

M a r c

B a u m a n n

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SMARTE GADGETS

kamen in der Wohnung zum Eins atz .

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W O C H E lang reizte unser Autor die Technik aus .

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WILLKOMMEN @HOME

UNSERE WOHNUNGEN OPTIMIEREN. ABER VERBESSERN SIE UNSER LEBEN? UNSER AUTOR WAGTE DEN VERSUCH UND KREMPELTE SEIN ZUHAUSE AUF ZUKUNFT UM.


W Wer eine Überwachungskamera ­installiert, sollte eine Hose anhaben. Das weiß ich, seit mein Smartphone das Video eines verdächtigen Mannes in Boxershorts zeigte, der sich gerade in meinem Wohnzimmer rumtrieb. Die mir enorm ähnlich sehende Person schaute dabei prüfend und nicht sehr geistreich in die Linse der NetatmoSmart-Innenkamera. Zu meiner Entschuldigung: Es war ein heißer Sommerabend (darum keine Hose) und kurz vor dem Schlafengehen (darum die Boxershorts). Ich wollte nur schnell noch die Kamera ausprobieren – ohne dran zu denken, dass deren Bewegungsmelder sofort anspringt.

WEIBLICHE NAMEN DER PRODUKTE SOLLEN VERTRAUEN WECKEN

Ich versuchte noch, meine Freundin zu warnen, da kam sie ins Bild ge­ laufen, ebenfalls halbnackt. Sie sah die blinkende Kamera und rief: „Filmt das Ding mich? Spinnst du? Lösch das!“ Dann bog auch noch unser Kind im Nachthemd um die Ecke: „Papa, was mach…“ – „Raus! Schnell!“, rief ich. So begann der Selbstversuch „Meine Wohnung wird ein Smart Home“: die Freundin verstimmt, das Kind verschreckt, ich unbekleidet gespeichert in der Cloud der Firma Netatmo. ­Bislang ist unser Zuhause recht alt­ modisch: Es gibt WLAN, Laptops, Tab-

lets, Handys, aber „Smart Home“ war für mich nur eine vage Vorstellung. Ist bestimmt kompliziert einzurichten, dachte ich; und man gibt zu viele Daten preis, hörte ich. Aber jetzt war es ja ein Arbeitsauftrag: Mitte Juli sollten Alexa, Hue, Eve, Nuki und Lily bei uns einziehen. Smart-Home-Hersteller taufen ihre Produkte gerne auf weiblich klingende Namen, das soll sie wohl zu vertrauenswürdigen Mitbewohnern machen. Denn wer ein Smart Home will, muss Google, Amazon, Apple und anderen berüchtigten Datensammlern die Haustür nicht nur aufschließen, sondern sie sperrangelweit offen lassen. Hacker haben gezeigt, dass sie sich in Smart-Home-­

Vor dem Testen kommt das Auspacken . Autor Marc balancier t seine smar ten Gadgets in die Wohnung. Seine Freun din ist skeptisch , sein Kin d euphorisch .

S TA P E LWA R E

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ICH VERSUCHTE NOCH, MEINE FREUNDIN ZU WARNEN, DA K AM SIE HALBNACKT INS BILD GEL AUFEN. „FILMT DAS DING MICH? SPINNST DU? LÖSCH DAS!“, RIEF SIE .

Systeme einschleichen und die Kon­ trolle über fremde Wohnungen über­ nehmen können.

DIE WETTERSTATION MEINT, WIR SOLLTEN DRINGEND LÜFTEN

Das Kind fand den Selbstversuch da­ gegen toll. Wenn ich von der Arbeit heimkam, waren schon alle neu ge­ lieferten Pakete aufgerissen. Die zweite Erkenntnis in dieser Smart-Home-Test­ woche – nach der Sache mit der Hose – ist, wie selbstverständlich Kinder mit den Produkten umgehen. Diese Generation wird in 20, 30 Jahren mal in sehr, sehr smarten Häusern leben. „Alexa, räum mein Zimmer auf!“, ruft das Kind einmal im Spaß. Sucht man im Jahr 2019 in großen Elektromärkten, findet man unter „Smart Home“ vor allem: smarte Steck­ dosen, smarte Glühbirnen, smarte Heizkörperregler. Nicht gerade der Stoff, aus dem Science-Fiction-Romane sind. Es gibt noch keine Drohne, die meinen Kühlschrank beliefert. Die wirren Fahrtwege des StaubsaugerRoboters können nur unsere Katze beeindrucken.

­ ieferung: Eine smarte Lichterkette – die kleinen Leucht­ L dioden können die Farbe wechseln. Ich lege sie unters Sofa, das jetzt von unten erleuchtet ist. Das macht einen Tag lang Spaß, dann vergessen wir, sie noch einmal an­ zustellen. Die smarte Wetterstation, die wir anschließen, zeigt, dass wir lüften sollten (die Luftfeuchtigkeit ist ­etwas hoch), die Raumluftqualität aber vorbildlich ist (CO²-Gehalt nicht zu hoch). Erfreulich. Aber da muss noch mehr gehen. Der erste echte Höhepunkt ist ein kleiner, flacher, ­runder, grauer und irgendwie niedlicher Lautsprecher: Google Home Mini. Ein Smart Speaker, also ein Sprach­ assistenzsystem, das man mit „Hey Google“ aktiviert. Erster Test: „Hey Google, wie wird das Wetter heute?“ Eine Frauenstimme warnt vor Gewittern, draußen sind erste dunkle Wolken, passt. Dann will das Kind mal: „Hey Google, erzähl einen Witz.“ Die Stimme fragt, was grün ist und im Sarg liegt. „Eine Sterbse.“ Also sterben plus Erbse. Das Kind ist begeistert. Weil sich Google Home mit drei smarten Glühbirnen von Philips Hue connecten lässt, ­gelingt die erste echte Smart-Home-Demonstration: Wir lassen die Rollläden runter, stehen im Dunklen und sagen: „Hey Google, schalte das Licht im Wohnzimmer ein.“

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rkenntnis Nummer drei: Smart Home steckt noch in den Kinder­ schuhen. Aber: Es gibt sie, die smarten Produkte, die eine Vorahnung geben, wie es einmal sein wird. Etwa das smarte Türschloss von Nuki. Da­ mit soll es möglich sein, dem Paket­ boten vom Büro aus die Wohnung zu öffnen. Wird bestellt. Dazu 15 weitere Produkte. Also los: Als Erstes checke ich smarte Steckdosen. Die sehen aus wie: Steckdosen. Da hätten die Desi­gner von Eve etwas gewagter ent­ werfen können. Den Stromverbrauch auf dem Handy überwachen und ­analysieren zu können ist aber prak­ tisch und spart Geld. Die nächste

Noch sehen die smar ten Gadgets aus , wie , nun ja , Gadgets eb en . Auf den rollen den Science - ­F ic tion Kochrob otor müssen wir vorerst noch war ten .

TRAUM FÜR TECHIES

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Und es wurde Licht. Dann etwas kom­ plizierter: „Hey Google, schalte die Wohnzimmerlichter auf Sonnenunter­ gang“ – eines von zahlreichen vorein­ gestellten Lichtprogramm der Hue.

DER FÜNFJÄHRIGE EINER BEK ANNTEN BESTELLTE MIT ALEXA EINE PL AYSTATION. 1a. SMARTE AUSSENK AMERA 8 . N U K I K E Y P A D Er weiterung V O N N E T A T M O € 2 9 9 für elek tronisches Tür­ 1 b . R E G E N S C H U T Z F Ü R A U S S E N ­ schloss , € 7 9 K A M E R A nicht smar t 9 . H E A LT H Y H O M E C O A C H V O N 2 . E V E A Q U A smar te Bewässe ­ N E T A T M O smar ter Raumluf t­

ERNST GEMEINTE FRAGE: WIRD MAN DICKER IM SMART HOME?

Zwei Lampen wechseln auf Dunkel­ rosa und eine auf Orange, klappt. Das Kind will Musik – aber das gewünschte Lied will Google Home nur abspielen, wenn wir YouTube Premium haben. Lektion 4: Das ist Smart Home also auch geschäftstüchtig. Als Nächstes verbinden wir noch unseren internetfähigen Fernseher mit Google Home, das Kind springt aufs Sofa, befiehlt: „Hey Google, zeig

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5. LOGITECH HARMONY HUB

Innenkamera , € 19 9,9 9

Haussteuerung mit tels Hub un d App, € 1 2 9 6 . E V E E N E R G Y smar te Steckdose mit Verbrauchs­ messung, € 49,9 5

13. GOOGLE HOME MINI

sprachgesteuer ter L aut­ sprecher, € 59 1 4 . E V E L I G H T S T R I P smar ter LED - Lichtstreifen , € 7 9,9 5

7. A P P L E i P H O N E M I T H O M EA P P z . B. iPhone 7 ab € 5 19

1 5 . S M A R T- H O M E - F U N K R A U C H ­ M E L D E R V O N i H A U S € 9 9

3. 1 b.

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10a .

B O D E N D E R T A T S A C H E N 1 5 verschie dene Pro duk te erprobte unser Autor zu Hause – die meisten ließ en sich üb er das Smar tphone o der p er Spracherkennung steuern .

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mir Netflix …“ und hat schlagartig vergessen, dass wir eigentlich schwimmen gehen wollten.

E

rnst gemeinte Frage: Wird man ­dicker im Smart Home? Wenn man sich nicht mehr bewegen muss, um das Licht einzuschalten oder die Fernbedienungen zu suchen? Alexa, das zweite große Sprachassistenzsystem, das wir ausprobieren, bestellt per Zuruf über den aktivierten „Lieferando Skill“ das Abendessen vor die Haustür. Wer sich mit Amazon verknüpft und kein Problem mit langen Alexa-Diskussionen hat (es dauert, bis man herausfindet, was Sprachassistenten ver­ stehen), kann nahezu alles nach Hause bestellen. Der Sohn einer Bekannten hat sich mit fünf Jahren eine Play­ Station bestellt, wofür es eine Woche Haus­arrest gab. Auch wir verlassen die Wohnung seltener, und aufstehen muss man im Smart Home kaum noch, nur mal die Füße anheben, weil der Saugroboter drunter durchfährt. Für gebrechliche Neunzigjährige wäre das Smart Home jedenfalls super hilfreich.

AUCH DIE KATZE BEKOMMT EIN PROFIL FÜR DIE KAMERA

Wir merken (Lektion Nummer 5), wie die Smart-Home-Idee in unser Denken eindringt. Als ich mich zum Spaß auf die Waage stelle, um nachzusehen, ob ich zunehme, denke ich, dass man eine smarte Waage bräuchte, die bei Zunahme Termine zum Joggen in den Kalender einträgt. Ich bin mit meiner Idee zu spät dran: Es gibt sie längst, etwa eine „Nokia Body-WLANKörperwaage mit BMI-Funktion“, die Daten analysiert und Tipps zur ­Ernährung gibt. Wäre das nun nett oder unhöflich von smarten Geräten, darauf hinzuweisen, dass man früher dünner war und einem etwas Be­ wegung guttäte? Die Frage, wer da wen steuert, stellt sich endgültig im Bereich der Smart Home Security: In der Wohnung steht die chic designte Kamera von Net­atmo, die Gesichtserkennung hat und prompt Alarm schlägt, als der Berliner Fotograf des Artikels zur Tür reinkommt. Vater, Mutter, Kind, Fotograf, Oma,

Opa und Katze bekommen im Lauf der Woche ­Profile, damit die Kamera uns nicht immer für Einbrecher hält. Neben Bewegungen zeichnet die Kamera aber auch Geräusche und Gespräche auf. Als meine Freundin und ich einmal über ein Bankgeschäft reden, fällt unser Blick auf die eingeschaltete Kamera, wir reden im Bad bei ­geschlossener Tür weiter.

A

uf der Terrasse steht eine Outdoor-Kamera, die nachts einen Fuchs filmt, was alle begeistert. Vor ­allem mich begeistert, was noch so alles an Sicherheitsprodukten zu bestellen ist: ein smarter Feuermelder, aber auch smarte Haustür- und Fenstersensoren, die ­einen Einbruch melden sollen. Als ich einen smarten Wasseralarm bestellen will, der Rohrbrüche und Überschwemmungen erkennt und ans Smartphone meldet, fragt meine Freundin, ob ich es nicht langsam übertreibe. Dass mein erhoffter Smart-Home-Höhepunkt, das digi­ tale Türschloss von Nuki, nicht auf unseren etwas älteren Zylinder passt, findet sie gut. Dann hätten wir bereits drei Überwachungskameras in der Wohnung: Indoor, Outdoor, Eingangstür. Meine Freundin vermisst ihr „NotSo-Smart Home“ von früher. Die letzte Lehre aus dem Smart-Home-Test. Als sie mit dem Kind zur Oma fährt, begrüße ich sie beim Heimkommen per übertragener Sprachnachricht aus dem Google Home Mini und einer Disco-Lightshow der smarten Glühbirnen. Sie geht zur Kamera, von der aus ich im Büro zusehe, winkt – und deaktiviert sie. Abends finde ich alle Smart-Home-Produkte in einer großen Kiste in ihren Verpackungen.

W A C H S A M E S A U G E Die Üb er wachungskamera von Netatmo schläg t Alarm , sobald jeman d das Haus b etrit t , den sie nicht erkennt – et wa den Fotografen dieser Stor y. INNOVATOR

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„WIR SASSEN IMMER WIEDER IN MEETINGS UND FRAGTEN UNS: SIND WIR ­P LEITE?“ Dhiraj Mukherjee, 50, hat mit Shazam am Ende das große Los gezogen. 2018 wurde die Firma für kolportierte 400 Millionen Dollar an Apple verkauft.

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MEIN S TA RT-UP-MOMENT



„GENIESSE AUCH DIE REISE ZUM ZIEL“ Dhiraj Mukherjee, im Jahr 2000 einer der Gründer des Musik­erkennungsdienstes Shazam und heute Business Angel, erzählt vom frühen Erfolg, dem ­Platzen der Dotcom-Blase, dem Kampf ums Über­ leben und der Bedeutung von Spaß bei der Arbeit.

innovator: Was sagt dir die Zahl 2580? dhiraj mukherjee: Das ist die wichtigste Zahl meines Lebens. Sie steht für ein großes Abenteuer, das ich erleben durfte. Unter dieser Nummer konnte man Shazam in England anrufen, bevor Smartphones auf den Markt kamen. Das ging so: Man musste das Handy 15 Sekunden vor die Musikquelle halten. Unser System hat dann versucht, die Information mit einem Song aus der Datenbank zu verknüpfen. Dann bekam man eine SMS mit dem Künstler und dem Songnamen geschickt. Das hat 60 Pence gekostet. Und das hat funktioniert? Erstaunlich gut. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir damals nur etwa eine Million Songs in der Datenbank hatten. Der Algorithmus hat sich seit dem Jahr 2000 natürlich stark verbessert. Aber ich glaube, einer der Schlüssel zu unserem frühen Erfolg war, dass es meistens funktioniert hat.

SHAZAM

Ihr habt Shazam gegründet, ­ungefähr einen Monat bevor die Dotcom-Blase platzte. War das rückblickend eine Bürde oder auch eine Chance? Beides. Aber wir wussten auch nicht, was passieren würde. Wir haben im Sommer 2000 (umgerechnet)

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eine Million Dollar an Kapital ein­ gesammelt, ein Jahr später noch mal 8,5 Millionen Dollar. Irgendwann sind die Start-ups um uns herum reihenweise bankrottgegangen. Es war klar, dass die Party vorbei ist. Aber das hat uns irgendwie nur noch fokussierter gemacht, wir haben noch härter ge­ arbeitet, waren noch sparsamer. Und es waren viele talentierte Leute auf dem Markt. Wie habt ihr überlebt? Wir hatten Glück, waren aber auch kreativ und clever. Wir sind Partner­ schaften eingegangen, die uns Geld gespart haben. Wir haben einen Teil unserer Technologie verkauft und später, als es uns besser ging, wieder zurückgekauft. Wir saßen oft in Vorstandsmeetings und fragten uns: „Sind wir pleite?“ Aber am Ende ­haben wir immer genug getan, um ­einen weiteren Tag zu überleben. Was war der wichtigste Moment in der Geschichte von Shazam? Das iPhone und vor allem der App Store, in dem wir eine der ersten Apps waren, waren die Game Changer. Ab da war es angenehm, unseren Service zu benutzen. Wir waren nicht mehr gezwungen, ein funktionales, aber eher klobiges Interface zu bewerben. Wer hatte eigentlich die Idee zu Shazam? Mein Gründungspartner Chris Barton.­ Seine ursprüngliche Idee war es, alle Radiostationen zu vernetzen, um in einer Datenbank nachschauen

zu können, was wann gespielt wurde. In seinem Business-Strategie-Kurs auf der Universität hatte ihm jedoch sein Professor eingetrichtert: „Frag dich immer, was deine Idee überflüssig machen könnte.“ Und in diesem Fall war das die Möglichkeit, mit dem Handy sofort jede Musik erkennen zu können. Normal würde ich jetzt „Das war eine gute Idee“ sagen. Ich hab aber gelesen, dass du diesen Satz hasst. Ja, weil es immer so klingt, als würde eine gute Idee schon genügen. Die viele harte Arbeit dahinter bleibt dabei unsichtbar. Was ist in deinen Augen eine „gute Idee“? Eine gute Idee löst ein Problem, das der Konsument zwar fühlt, aber noch nicht benennen kann. Wenn man ihm dann die Lösung bietet, wird er sagen: „Fantastisch, ich hätte euch nicht mal sagen können, dass ich das brauche.“ Gibt es etwas, das du deinem zwanzig Jahre jüngeren Ich raten würdest? Das ist eine exzellente Frage, auf die ich leider keine gute Antwort habe. Ich glaube, ich würde sagen: „Konzentriere dich nicht so sehr auf das Ziel, dass du die Reise aus den Augen verlierst. Solange es Spaß macht, mach weiter.“ Im Rückblick sagt sich so etwas natürlich leicht, es war aber auch schon in der Zeit der Gründung von Shazam unsere Philosophie. Macht die Reise immer noch Spaß? Und wie! Aber ich bin auch privilegiert. Ich hatte Erfolg und eine super Story, die ich gerne mit anderen teile. Aber man muss sich auch immer sagen, dass es nur ein Job ist. Es gibt wichtigere Dinge im Leben. Das versuche ich allen jungen Entrepreneurs, mit denen ich arbeite, mitzugeben. Dhiraj Mukherjee wurde als Sohn eines Airline-Managers in Indien geboren und studierte in Stanford, Kalifornien. 2000 gründete er mit drei Partnern in London den Musikerkennungsdienst Shazam, 2016 erreichte die App eine Milliarde Downloads. SHAZAM.COM

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START ME UP SIE MACHEN CHIRURGEN ZU CYBORGS, GAMER ZU GÄRTNERN U N D D I C H Z U M N Ä C H S T E N K O N Z E R T V E R A N S TA LT E R : N E U N

J U N G -U N T E R N E H M E N A U S Ö S T E R R E I C H Z E I G E N V O R , W I E M A N M I T E T W A S K R E AT I V I TÄT D E N A L LTA G V E R Ä N D E R N K A N N .

Das Headset: Durch Kopfbewegungen steuert der Chirurg den Roboterarm und verändert so das Display-Bild.

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BHS TECHNOLOGIES

T E X T: K AT H A R I N A K R O P S H O F E R & C H R I S T I A N E B E R L E -A B A S O L O


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BHS TECHNOLOGIE S AUGEN - UP GR A DE FÜR CHIRURGEN

Markus Hütter, Gregor Burger und Michael Santek verbinden Expertisen aus Robotik, 3DKameratechnik und Chirurgie. INNOVATOR

Nur einen etwas größeren Parkplatz benötigen die drei Gründer von BHS Techno­ logies. Dann stellen sie ihr mobiles Operationslabor vor den Krankenhäusern des Lan­ des auf und laden das Personal ein, das RoboticScope darin zu testen. Ab 2020 soll dieses dann auch in OP-Sälen zu fin­ den sein und dort Chirurgen zu neuer Freiheit verhelfen. An einem Roboterarm sind Mikroskope und 3D-Kameras angebracht, die kleinste ana­ tomische Strukturen zeigen können. Der Operateur steu­ ert den Arm über das Headset und bekommt die Kamera­ bilder auf den Screen vor seinen Augen. Die Maschine erkennt, wohin er blickt, und bewegt den Arm in Richtung des anvisierten Ziels. „Damit erweitern wir die Sinne der Chirurgen“, betont CEO Mar­ kus Hütter. Die Vorteile liegen buch­ stäblich auf der Hand: Der Chirurg muss nicht wie bis­ her zuerst die Instrumente absetzen und das Mikroskop einstellen, sondern kann einfach weiteroperieren. Für die Zukunft arbeiten die drei Innsbrucker an Möglichkeiten, zusätzliche Elemente vor den Augen des Chirurgen einzu­ blenden oder etwa Tumore farblich hervorzuheben. bhs-technologies.com  69


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Mit der Tasche aus Bio-Baumwolle vermeidest du Plastik und unterstützt ­zugleich die Wiederaufforstung.

Die Idee kam Christoph Hantschk und Todor Lazov schon während des Studiums: Theorien aus der Verhaltens­ ökonomie hatten ihnen gezeigt, dass indirekte Mecha­ nismen Menschen zu Umwelt­ schutz bewegen können. Ihre praktische Umsetzung ist die goodbag, eine Mehrweg­tasche aus Bio-Baumwolle, die jeden Einkäufer – und die Umwelt – belohnt. Möglich macht das ein in der Tasche eingearbeiteter NFC-Chip, der in PartnerGeschäften per SmartphoneApp kontaktlos gescannt wird. Der goodbag-Träger erhält pro Scan einen Coupon und unter­ stützt damit Projekte, die Bäu­ me pflanzen bzw. Plastikmüll aus dem Meer sammeln, oder sichert sich selbst Rabatte. Mehr als 130 Geschäfte in Österreich, Portugal und den Niederlanden (sowie ab Herbst 800 in der Schweiz) sind bereits dabei. 70.000 Bäume wurden schon gepflanzt. Wer mitmachen möchte, muss nicht tief in die Tasche greifen – goodbags gibt es online um 9,90 Euro, die App ist gratis. goodbag.io

Beim Scannen des Chips werden Spenden oder Rabatte aktiviert.

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CHRISTOPH HANTSCHK & TODOR LAZOV/GOODBAG, JONATHAN WEIDENBRUCH, SIMYLIFE GAMIFICATION

GOODB AG DIE SE TAS CHE PFL A NZ T B ÄUME


Reggae-Musiker Mike Love auf einer Wiener Dachterrasse: Freilich Open Arts macht dich zum Förderer auf­ strebender Künstler.

4 Eine ruhige Kugel schieben: Sensoren im SimyBall messen das Stresslevel des Users.

3 SIM Y B A LL SPIELERIS CH GEGEN S TRE S S

Der Antistressball: ein kleiner Helfer im Alltagstrubel. Ein beliebtes Werbegeschenk. Und nicht mehr zeitgemäß – fand Andreas Chabicovsky und hat der Knautschkugel ein ordentliches Upgrade verpasst. Sein SimyBall ist bei unveränderter Größe Gesundheits-Tool und Gamecontroller in einem. 

Thomas Chabicovsky, staatlich geprüfter Trainer und CEO von SimyLife, bringt Spiel in die Ruhe.

Sensoren messen über die Handflächen auf Basis von Puls, Hauttemperatur und Hautleitwert (Schweiß) den Stresslevel des Nutzers, der dieses am Leuchten des Balls ablesen kann: von Blau für „sehr entspannt“ bis Rot für „sehr gestresst“. Zum Stressabbau gibt es dann sogenannte SimyGames, zehnminütige Computerspiele, die langfristig auch Leistungsund Konzentrationsfähigkeit erhöhen. Gesteuert wird beim Bogenschießen, Golfen oder Jump  ’n’  Run-Abenteuer direkt über den SimyBall. Chabicovsky: „Der Ball ist Mittel zum Zweck, um seinen Körper besser wahrzunehmen und die Produktivität zu steigern.“ Auch wenn er mit 189 Euro wohl zu teuer für ein Werbegeschenk ist. simyball.com

FREILICH OPEN ARTS DEINE B UDE W IRD ZUR B ÜHNE Ein lauer Abend. Vor dir junge Musiker, neben dir tanzende Menschen, in deiner Hand dein Lieblingsgetränk. Und hinter dir: dein Schlafzimmer. Denn das Konzert findet nicht etwa in einer Bar oder Halle statt, sondern in deiner WG. Das ist das Konzept von Freilich Open Arts. Das von Judith Kuneth und Frank Schulleri gegründete Start-up verbindet Künstler mit Kunstliebhabern. „Neben direkten Kontakten ermöglichen wir Künstlern auch, neue Konzepte zu testen“, so Kuneth, Gast­ geberin des ersten Konzerts. Mittlerweile fanden über 100 Events statt, von Jam-Sessions über Filmvorführungen bis zu Lesungen. Das System ist immer gleich: Registrierte­ Künstler und registrierte Hosts vereinbaren via Plattform den Zeitpunkt und die Hausregeln. Das Event wird erstellt. User melden sich an, bringen Getränke und eine Spende für die Künstler. freilichopenarts.com  71


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IMPACTORY SO EINFACH GEHT GU T E S GE W IS SEN

Impactory-CoFounderin Elke Pichler will Fundraising digital und einfach machen.

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DREIK A NT W ENN DER HOL ZW EG RICHTIG IS T „Früher haben wir Unfug gebaut, heute Holztische“, lacht Matthias Lienbacher. Gemeinsam mit seinen Freunden Mario Siller und Stefan Rehrl begann er 2016 in einer Garage in Salzburg zu basteln. Mit dem ersten Couchtisch wurde dem Trio klar: Das ist, was sie beruflich machen wollen. „Selbst bestimmen, wohin die Reise geht.“ Kurz darauf gründeten sie Dreikant. Klingt eher nach Handwerksbetrieb als nach Startup? Falsch. Erstens sind die drei keine klassischen Tischler (sondern HTL-Absolventen), und zweitens haben sie mit ihrem Möbelkonfigurator ein Tool entwickelt, das die Skalierung von Handarbeit leicht macht. Alle Holzplatten im Lager sind digital ersichtlich. Der Kunde kann Material, Design, Längen wählen und den Tisch dank AugmentedReality-Technologie gleich bei sich aufstellen – ein Novum in der Branche.  dreikant.at

Von einer vagen Idee zu massivem Eichenholz: der „Salzburger Tisch“ im Schauraum in der Salzburger Getreidegasse

„DIE LEUTE ­H A B E N S I C H I M M E R G E F R A G T: ‚ W A S MACHEN DIE DREI DEPPEN JETZT WIEDER?‘ HEUTE SEHEN SIE UNSERE TISCHE ALS AUGMENTED REALITY VOR SICH UND S I N D B A F F. “

WORTMEYER, CHRISTOPH KOBALD, TAPKEY, VICTORIA ZWIEAUER

Eine Betätigung mit gesellschaftlichem Mehrwert zu finden war immer das Ziel von Emanuel Riccabona und Elke Pichler. Als sie erkannten, wie kompliziert viele Spenden­ foren sind, entwickelten sie eine einfache, digitale Lösung: impactory. Auf der Plattform können Privatpersonen und Unternehmen auf drei Arten Gutes tun: indem sie erstens direkt spenden – mit nur einem Klick –, zweitens Familie und Freunde per Online-Spendenaufruf für ein Projekt gewinnen oder drittens Gutscheine versenden, die dem Beschenkten ermöglichen, selbst zu entscheiden, wen oder was er unterstützen will. Das bietet sich vor allem für Firmengeschenke an Mitarbeiter oder Kunden an. Nettes Gamification-Extra: Alle Spender können ihrem sozialen Fußabdruck digital beim Wachsen zusehen und diesen via Social Media teilen. impactory.org

Bekannt durch Dreikant: das Gründertrio Matthias Lienbacher, Mario Siller und Stefan Rehrl


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TA PKE Y S CHLÜS SELROLL E FÜRS SM A RTPHONE

Smart Lock: Per Knopfdruck in der App wird ein Signal gesendet – das Schloss öffnet sich.

Türschlösser mit IT zu ver­ binden – das ist die Grundidee von Tapkey. Konkret heißt das: Der Nutzer installiert sich Hardware wie das Smart Lock und lädt eine App herunter. Nach Anmeldung mit seiner digitalen Identität kann er Smartphone Keys vergeben. Die Berechtigten öffnen dann dank Bluetooth oder NFC mit nur einem Knopfdruck das gewünschte Schloss. Seit einem Jahr gibt es das an Eingangs- und Möbeltüren erprobte System auch für Autos, schließlich sieht sich das Wiener Start-up als „vir­ tueller Schlüsselbund für alle Zugangssysteme“, wie CEO Gilbert Hödl betont. In Ko­ operation mit der deutschen Firma WITTE hat Tapkey eine Box entwickelt, in die der Autoschlüssel gelegt und per Smartphone aktiviert wird – ideal für Car Sharing, Firmenautos und vergessliche Menschen. Denn auch wer oft Schlüssel verlegt, hat das Smartphone meist dabei. tapkey.com

Der Autoschlüssel kommt in die Lade der Box, die Box selbst ins Auto – fertig ist das smarte Zutrittssystem. 

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M YACKER DEIN GA R T EN IN DER HOSENTAS CHE

Der kleinste Lautsprecher der Welt ist klein wie ein Reiskorn. Seine Techno­ logie wird mit 150 Patenten geschützt.

Zwei, die dir die Gartenarbeit abnehmen: Patrick Kleinfercher und Christoph Raunig von myAcker

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U S OUND MINIM A LE GRÖS SE , M A X IM A LER KL A NG

U-Sound-Technik steckt in Kopfhörern, Smartphones, VR-Brillen.

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Bei wenig Platz sind auch die Möglichkeiten eingeschränkt? Diesen Glauben widerlegt das Grazer Start-up U Sound, das den kleinsten Mikrolautsprecher der Welt herstellt. Dabei setzt das Team um CEO Ferruccio Bottoni auf MEMS-Technologie. Diese funktioniert so: Ein Träger aus Silizium dient als Halbleiter und bewegt einen Kolben je nach elektronischer Ladung nach unten oder oben. Eine dar­auf liegende Mikromem­ bran leitet die Signale weiter. Das hat viele Vorteile: geringeren Stromverbrauch, nur ein Zehntel des Gewichts, eine einfachere Integration der übrigen Elektronik und letztlich eine kostengünstigere Produktion. Das überzeugte Investoren so sehr, dass 2018 bereits die zweite Finanzierungsrunde in zweistelliger Millionenhöhe gesichert wurde. Für noch größere Möglichkeiten. usound.com

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MY ACKER, U SOUND

„Farmorama“, „Farmville“ und so weiter. Online-Games, bei denen User virtuell Land bestellen, gibt es viele. Aber mit myAcker nur eines, bei dem du Kräuter und Gemüse auch real anbaust und dir sogar nach Hause schicken kannst. „Die Spiele kannte ich gar nicht. Ich wollte nur, dass die Leute Lebensmittel schätzen und verstehen, wie viel Arbeit dahintersteckt“, so Christoph Raunig. Gemeinsam mit CoFounder Patrick Kleinfercher bietet er in Kärnten 2,5 Hektar Anbaufläche an. Die mittlerweile 1700 User säen, gießen, ernten virtuell, Experten vor Ort führen die Aufgaben auf den realen Parzellen aus. Die Ernte kann unter Usern getauscht, das Versandpaket um regionale Schmankerl erweitert werden. Und „regional“ rückt bald näher. Für 2020 planen die Kärntner neue ­Felder im Franchise-System. myacker.com


5 Gründe, warum Sie heuer den Innovationskongress nicht versäumen sollten... aller Welt, in Summe weit über 70 Vortragende an 3 Tagen.

Die Digitalisierung verändert Wirtschaft und Gesellschaft radikal. Die damit verbundenen Herausforderungen gilt es anzunehmen und in Chancen zu verwandeln. Wie dies gelingt, erfahren Sie am 9. Innovationskongress in Villach von 12. bis 14. November 2019. Es warten Best Practice-Beispiele, Tipps und Erfolgsstorys aus dem Silicon Valley, von Unternehmen wie Audi, Google, Kapsch, Hyve oder 3M, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus Harvard und Stanford, Vertiefungsveranstaltungen uvm.

Einzigartige Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft Neueste Erkenntnisse von Top-Universitäten und int. Erfolgsbeispiele aus der Wirtschaft. Von den besten Innovatoren lernen und sich inspirieren lassen Perfekter Mix aus erfahrenen Führungskräften und dynamischen Start-up-Pionieren. Künftige Trends und Geschäftsmodelle schon jetzt erleben Welche Branchen/Unternehmen werden boomen, wo tun sich tausende neue Jobs auf?

Erfolgsmenschen von Weltrang live erleben Spannende Persönlichkeiten aus

Zugang zur Netzwerkplattform mit über 800 Innovationsinteressierten Networking leicht gemacht. Vor Ort und dank Teilnehmerliste in interaktiver Kongress-App. Nähere Infos & Anmeldung unter www.innovationskongress.com

ACH

TUN

G

TE I E R Z A H L! T I LIM HMER NE I TE L

... und viele weitere Top-SprecherInnen! Richard David Precht

Mariya Gabriel

Anders Indset

Rahaf Harfoush

Christian Seelos

Leuphana Universität, Honorarprofessor, Philosoph, Publizist, Autor

EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft und Gesellschaft

Wirtschaftsphilosoph und einer von den Top 30 Wirtschaftsdenkern weltweit

Mitglied des Digital Media-Teams von Barack Obama

Stanford University Director, Global Innovation for Impact Lab

AC DEMIES

SPE KERS’ DINNER

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INNOV TIONS

KONGRESS

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Partner des Innovationskongresses

12.–14. November 2019 | Villach

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In Göteborg wurde schon mal zu Ende gedacht, was doch gerade erst beginnt: Wie werden autonome Autos unser Reiseverhalten ändern? Von einem B ­ esuch im Volvo Design Center sind wir mit fünf Thesen zurückgekehrt. 76  

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VOLVO CARS

TEXT — DOMINIK SCHÜTTE

WENN TRÄUME LIEGEN LERNEN


FÜNF METER ZUKUNFT Der Volvo 360c bietet viel Platz – umso mehr, als sein Innenraum ohne Lenkrad auskommt.

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Volvo, Sicherheitspionier und Erfinder des Dreipunktgurts, möchte für die Zukunft des autonomen Fahrens Standards setzen. Sonst machen das nämlich die Regierungen – mit der Chance, dass das Ergebnis niemandem so richtig gefällt.

KONTAKTAUFNAHME Fussgänger und autonome Autos werden einander begegnen. Der 360c kommuniziert über Licht und Schall.


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Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, hat der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt (in einem Interview mit dem „Spiegel“ 1980). Doch wie sich herausstellt, kann man dazu auch die Volvo-Kantine aufsuchen.

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TAXISERVICE Die Vision: Man wird abgeholt und vollautonom zum Ziel gebracht – und sei es in einer anderen Stadt.



LIEGEN IST DAS NEUE SITZEN

Dort ass Malin Ekholm gerade ihre Nachspeise, als zwei aufgeregte junge Mit­ arbeiter auf sie zustürzten. Ekholm ist es gewohnt, angesprochen zu werden. 140 Menschen arbeiten in ihrer direkten Berichtslinie, insgesamt ist sie Chefin von rund 1000 Leuten. Sie leitet das Sicherheitszentrum von Volvo, und weil Sicherheit für den Markenkern von Volvo der bei weitem wichtigste Faktor ist, kann man sich Ekholm als so etwas wie die schwe­ dische Sicherheitsministerin vorstellen. «Das lasse ich auf meine Karte drucken», sagt sie lachend. Aber damals in der Kantine war etwas anders als sonst, erinnert sie sich. Die zwei aufgeregten Mitarbeiter baten Malin mitzukommen. Sie fragte noch: «Was ist denn los, um Himmels willen?», aber da hatten die beiden sie schon hinausgezerrt in den Wind von Göteborg.

Volvo, schwedisches Urerbe, inzwischen in chinesischem Besitz, hat in der Stadt an der Westküste seinen Hauptsitz. Auf erstaunlich überschaubarer Fläche findet hier die Entwicklung statt – das Design, die Sicherheitstechnik und ein Grossteil der Produktion. Die beiden Mitarbeiter führten Ekholm in ihr Büro und zeigten ihr erste Zeichnungen. Von einem Auto, in dem jemand schläft, liegend, auf einem Bett. Ekholm wusste, das würde eine gewaltige Herausforderung werden. Hierfür müssten alle zusammenarbeiten. Ekholm wusste auch, das würde eine Herausforderung für die Kunden sein. Alle würden also offen sein müssen für Neues, sollte diese Vision tatsächlich umgesetzt werden. Die zwei Mitarbeiter fragten: «Und? Bist du dabei?»

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DECKEN SIND DIE NEUEN SICHERHEITSGURTE

Zwei Jahre später steht Tisha Johnson in einer zugigen Halle im Volvo Design Center. An diesem Hochsommertag hat es draussen absurde zwölf Grad, was die blonde Managerin aus Kalifornien wohl als Frechheit empfindet. Die beiden Mit­ arbeiter, die Malin Ekholm in der Kantine überfielen, stammten aus ihrem Team. Johnson ist Chefin für Interior Design. Nun steht sie gemeinsam mit Ekholm vor einem aufgeschnittenen Modell des Schlafautos: des 360c. «Dieses Konzept zieht komplexe Fragen nach sich, sowohl technologischer, infrastruktureller als auch rechtlicher Natur.» Und Malin ­Ekholm ergänzt: «Zum Glück sind wir ein verhältnismässig kleines Unternehmen und pflegen die schwedische Tradition der Zusammenarbeit. Es gibt hier keine Silos. Wir versammeln uns um Problemstellungen. Im Team.» Die grösste Herausforderung: «Eine ganze Weile wird es gemischten Verkehr geben, aus autonomen Fahrzeugen und solchen, die noch von einem Fahrer gelenkt werden.» Also: fehleranfällig sind. In einem Schlafauto könnte man nachts ohne eigenes Zutun in einen Unfall verwickelt werden. Wie aber schützt man Passagiere, die gerade gemütlich unter eine Decke schlummern? Sobald der Sitz des 360c zum Bett ausfährt, liegt darauf lose eine Decke. Diese wird im Falle einer Kollision vom Bett binnen Millisekunden

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eingezogen und schützend um den Passagier und seine Knochenstruktur gespannt – wie ein Kokon. «Sicherheitslösungen müssen immer einfach sein.» Sechzig ­Jahre nachdem der Volvo-Ingenieur Nils Bohlin den Dreipunktgurt entwickelte, schickt sich Malin Ekholm an, erneut ­einen Sicherheitsstandard zu etablieren. «Der Dreipunktgurt ist deshalb ein geniales Design, weil er so einfach anzulegen ist – mit einer Bewegung.» Eine Decke als Rückhaltesystem. Klingt mindestens genauso simpel.

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FARBEN UND SOUNDS SIND DIE NEUEN GESTEN

«Malin hat recht, es wird um Standards gehen», sagt der Designer Mikael Gordh ein paar Meter weiter. Er steht vor einem zweiten Modell des 360c, das aussieht, als könne es sofort losfahren: etwa fünf Meter lang, gewölbtes Glasdach, futuristisch. «Und wenn wir – also die Premiumhersteller – diese Standards nicht setzen, werden es die Regierungen tun – mit der grossen Chance, dass etwas dabei herauskommt, was keinem gefällt.» Als klar war, dass eine abteilungsübergreifende Initiative am 360c-Konzept arbeiten würde,

MALIN EKHOLM

MIKAEL GORDH

Head of Volvo Cars Safety Centre

Director Strategic User Experience Design


TISHA JOHNSON

MARTIN KRISTENSSON

Head of Volvo Cars Interior Design

Senior Director Autonomous Drive Strategy

sollte Gordh sich Gedanken machen, wie das Auto mit der Aussenwelt kommunizieren soll. Und zwar so, dass es ein Kind in Schanghai genauso versteht wie eine Rentnerin in London. Viele Möglichkeiten hatte er nicht: Bloss sind praktisch alle Primärfarben vergeben. Rot, Gelb, Grün für Ampeln, Blau für Einsatzfahrzeuge. An Farben, die im Tageslicht gut zu erkennen sind, blieben nur Magenta und Türkis übrig. Gordh und sein Team entschieden sich für Türkis. Rund um das Fahrzeug zieht sich ein LEDBand. Das Licht pulsiert, blinkt, leuchtet dauerhaft, iPhone-mässig in Türkis, je nachdem, was der Wagen vorhat. Es sitzt ja kein Fahrer darin, der Fussgängern ­Zeichen geben könnte. Weil der 360c für einen Einsatz als autonomes Taxi geplant ist, kann am Spoiler ausserdem eine ­Nummer eingeblendet werden, damit man seinen 360c-UBER sofort erkennt. Am Gesicht des Fahrers kann man es ja nicht mehr. 1. LICHTSIGNALE, LOGISCH.

FAHREN ERSTER KLASSE In der Schlafversion des 360c wird der Sitz zum Bett und die Decke zum Rückhaltesystem: Im Falle einer Kollision spannt sie sich schützend um den Passagier. INNOVATOR

Den Beteiligten war von Anfang an klar: Das wird eine gewaltige Herausforderung. Nicht nur für die Ingenieure, sondern auch für die Kunden. Alle werden offen sein müssen für Neues.

Der Wagen macht sonore Geräusche auf einer Frequenz, die in der Klang-Kakophonie unserer Städte wenig 2. SOUND.

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TRAUMAUTO

Volvochef Håkan Samuelsson gibt den Paradigmenwechsel vor: «Wir verkaufen unseren Kunden in Zukunft nicht bloss Autos, sondern Mobilität.»

Das Modell ist funk­ tionsfähig. Bis zur Serienreife des 360c braucht es aber noch ein wenig Geduld.


DATENTRÄGER Rund um den Wagen sind Sensoren an­ gebracht, welche die für ein sicheres auto­ nomes Fahren nötigen ­Informationen liefern.

man eines, wenn man es braucht.» Auto-­ Drohnen on demand. Vollautonom. Vollelektrisch und somit mutmasslich wesentlich preiswerter als ein Privatflug. Also nicht nur was für Superreiche. Autohersteller könnten zur Konkurrenz von Bahn- und Flugunternehmen werden, vor allem für Kurzstreckenflüge, etwa von Zürich nach Berlin. Statt gestresst am Check-in zu stehen, wird man zu Hause abgeholt, schaut auf dem Weg raus aus der Stadt noch eine Folge bei Netflix, isst das vorbereitete Dinner und verwandelt dann seinen Sitz in ein Bett. Und kommt morgens ausgeruht am Ziel an. In der Halle steht ausserdem ein viersitziges Modell, das als Büro oder PartyAuto genutzt werden kann. Die Scheiben werden zu grossen Bildschirmen, ein­ gebaut sind eine Bar, Haltesysteme für Champagnergläser und ein Waschbecken zum Frischmachen – kühn. Vizepräsident Mårten Levenstam sieht es pragmatisch: «Das autonome Fahren wird die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht verändern und einen grossen Einfluss darauf nehmen, wie die Menschen reisen. Wir betrachten das Konzept als den Anfang eines Gesprächs, das mit der Zeit weitere Ideen und Antworten bringt.»

5 vertreten ist. Ein bisschen wie Walgesänge. Das funktioniert recht intuitiv: Schwillt der Sound an, versteht man, dass der Wagen gleich losfahren wird. Tröpfeln die Töne aus, plant er anzuhalten. Auch im Innenraum sorgen Geräusche dafür, dass man nicht erschrickt, sobald der ­Wagen zum Beispiel die Spur wechselt. Die Zukunft klingt gut.

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AUTOFAHREN IST DAS NEUE KURZSTRECKENFLIEGEN

Der 360c stellt einen Paradigmenwechsel für Volvo dar. «Wir verkaufen unseren Kunden in Zukunft nicht bloss Autos, ­sondern Mobilität», gibt Volvo-Präsident Håkan Samuelsson eindeutig die Richtung vor. In eine Zukunft, in der das Be­ sitzen eines Autos an Bedeutung verlieren wird, stattdessen Car-Sharing-Angebote dominieren und die Menschen Autos gemeinsam nutzen werden. Tisha Johnson bringt es für die Schlafversion des 360c auf den Punkt: «Ich glaube, es wird vergleichbar sein mit heutigen Privatflug­ zeugen. Kaum einer besitzt eines, ausser den Superreichen, stattdessen bestellt

INNOVATOR

SPORTWAGEN SIND DIE NEUEN SEGELBOOTE

Martin Kristensson hat diese Zeit nicht. Er muss heute schon Antworten liefern, ist er doch der verantwortliche Stratege für autonomes Fahren bei Volvo. Passenderweise sieht er ein bisschen aus wie Elon Musk und spricht auch ähnlich wie der stets etwas entrückt, ja fast roboterhaft anmutende Tesla-Chef. Kristensson sitzt ganz in der Ecke der Halle und bewahrt so den Überblick. «Ich gebe keine Prognose ab, wann der 360c oder vergleichbare Fahrzeuge wirklich unterwegs sein werden. Ich sage nur, ich bin überzeugt, dass wir es noch erleben werden.» Was ihn da so sicher macht? «Die Technologie macht weiterhin gewaltige, exponentielle Sprünge. Auch die Datenlage.» Und weil Daten so entscheidend sein werden, hat sich Volvo mit Google zusammen­ getan. Es ist also keine Frage, ob, sondern nur wann autonome Fahrzeuge zwischen uns verkehren werden. Um den Fahrspass macht sich Kristensson übrigens keine Sorgen. «Sie können sich ja für den Sonntagsausflug ein Sportauto mieten. Ist es nicht ein bisschen wie mit dem Segelboot? Früher war es ein Transportmittel, heute ist es nur noch zum Spass da.»

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SILICON ALPS:

ZENTRUM DER INNOVATION Hightech-Standort für Technologie & Innovation mitten in Österreich. Der Cluster für Electronic Based Systems der Regionen Steiermark und Kärnten. Die Organisation Silicon Alps mit Sitz in Villach und Graz kann rund drei Jahre nach ihrer ­Gründung auf eine wahre Erfolgsstory zurückblicken. Der Technologie- und Innovations­ cluster wurde zur strategischen Standort­ entwicklung von österreichischen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand ins Leben gerufen. Mittlerweile sind über 130 Partner Teil des Silicon Alps Clusters – mit steigender Tendenz. Durch die strategische

­ llianz zahlreicher Kooperationspartner werden A die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsleistung, die regionale Wertschöpfung sowie die Sichtbarkeit des Standortes kontinuierlich erhöht. Zudem bietet dieses Silicon Valley Österreichs High Potentials eine Vielzahl an hoch qualifizierten Arbeitsplätzen, sehr gute Karrieremöglichkeiten, eine renommierte Ausbildungs- und Forschungslandschaft sowie eine hohe Lebensqualität.


INNOVATOR PROMOTION

Der Weg zum Innovationsführer führt aber unweigerlich über tiefgreifende innerbetriebliche Anpassungen betreffend Unternehmenskultur, Prozesse und Abläufe, Unternehmensorganisation und Hierarchie, Talentpool und vieles mehr. Motiviert von den offensichtlichen Früchten solch einer Führungsrolle und unterstützt von Legionen an Unternehmens­ beratern und Innovationsmanagern, investieren Unternehmen Unsummen, um möglichst innovativ zu ­werden – zumindest im direkten ­Vergleich mit ihrem Mitbewerb. Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Innovationskraft von Unternehmen zu großen Teilen nicht auf der erfolgreichen Definition und Umsetzung von Änderungsmaßnahmen beruht, sondern in ­kritischer Art und Weise vom vorhandenen Humankapital abhängig ist. Innovative Mitarbeiter sind das Um und Auf, um als Unternehmen erfolgreich innovativ zu sein.

„Es kann nicht sein, dass ein Kontinent zwischen dem innovativen Kalifornien im Westen und der produktiven Wertschöpf­ungskette im Osten zum Trittbrettfahrer reduziert wird.“

SILICON ALPS

Dr. Günther Lackner, Geschäftsführer Silicon Alps

Bildung als Schlüssel zur Innovation. Ein Kommentar von Dr. Günther Lackner Innovation – die Schaffung von etwas Neuem, die Erneuerung von etwas Bestehendem, die Reform von Althergebrachtem – lässt sich nicht einfach auf Wunsch und Knopfdruck erwirken, auch wenn Entscheidungs­träger im Allgemeinen gerne von oben betriebsweite Innovation in Auftrag geben.

Doch was macht innovative Mit­ arbeiter aus? Welche Eigenschaften sind die Grundlage, um den Innova­ tionstrieb hervorzubringen? Meiner Erfahrung nach sind dies Kreativität, Fachwissen, Neugierde, Wagemut und der ungebändigte Wunsch, ­etwas zu verändern. Vier dieser Grundlagen werden uns in leicht ­unterschiedlicher Mischung bereits in die Wiege gelegt. Um uns das notwendige Fachwissen anzueignen, besuchen wir an die 20 Jahre diverse Bildungseinrichtungen, vom Kindergarten bis zur Doctoral School. Im Allgemeinen wird uns dies sogar durch Zeugnisse und Diplome bescheinigt. Interessanterweise werden uns in diesen 20 Jahren aber die ­anderen so wichtigen Grundlagen für Innovationskraft Stück für Stück abgewöhnt – oder besser noch: ausgetrieben. Dem noch nicht genug – sind wir weiblichen Geschlechts, verlieren wir in den meisten Fällen auch noch jegliches Interesse an Technik, Mathematik und Natur­ wissenschaften. Als Überbleibsel aus der guten alten Zeit scheinen Konformität und Uniformität noch immer wichtige Eckpfeiler unseres Bildungssystems zu sein. Out-of-the-box-Thinking,

­Individualität und zuletzt auch Krea­ tivität fallen offensichtlich unseren Lehrplänen und Unterrichtsmethoden zum Opfer. Teilweise konnte ich dieses Phänomen auch schon bei meinen Kindern beobachten. An meine eigene Schulzeit zurückzudenken lässt mich heute noch erschaudern und mir mit Wehmut die wenigen Lehrer in Erinnerung rufen, die mich als Mentoren am Ende bis zur Matura geleitet haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass der langfristige Erfolg einer ­Region von der Innovationskraft der angesiedelten Unternehmen abhängt. Innovationskraft wiederum findet ihren Ursprung im Innovations­ trieb der verfügbaren Talente. Ein ­Bildungssystem, das die Grundlagen für den Innovationstrieb sukzessive abtrainiert, ist hier nicht gerade dienlich. Um dem Anspruch eines internationalen Top-Standorts gerecht zu werden, ist es unabdingbar, unser Bildungssystem von Grund auf umzukrempeln. silicon-alps.at

Gesellschafter & Partner von Silicon Alps •B  undesländer Kärnten und Steiermark • Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds (KWF) • Steirische Wirtschaftsförderungs­ gesellschaft (SFG) • Industriellenvereinigungen Kärnten und Steiermark • 130 Kooperationsunternehmen aus den Branchen Mikro­ elektronik, Elektronikfertigung, Assembling, Systemintegration & Prozesstechnik


Das Magazin für eine bessere Zukunft

Der INNOVATOR erzählt von innovativen Menschen und zukunftsträchtigen Ideen und inspiriert uns damit, die Welt von morgen mitzugestalten. Dein Abo mit 3 Ausgaben kostenfrei bestellen: theredbulletininnovator.com




GUIDE

I N N O V AT O R

Insider-Infos und Events:

Die Augmented - RealityBrille der nächsten Generation // Die TechFestival - Highlights der kommenden Wochen // Wie du das Leben an deiner Uni positiv verändern kannst // Kolumne: Der neue Datenstandard 5G // Plus: Eine wegweisende Idee im Kampf gegen Landminen

INNOVATOR 

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CHECK IT OUT 

BLICK IN DIE ZUKUNFT

Die neue Brille Magic Leap One beweist: So leicht kann Augmented Reality sein.

M

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CONTROLLER Die Menü-Navigation erfolgt über dieses Zusatzgerät. Viele Anwendungen lassen sich aber einfach per Hand steuern. LIGHTPACK So groß wie eine CD, so stark wie ein Computer. In diesem Teil befinden sich Grafik, Prozessor und die Batterie für drei Stunden Betrieb.

INNOVATOR

MICHAEL KRITZINGER

agic Leap. Wer diese Zauber­ worte spricht, sorgt unter Technikbegeisterten für spontane Aufregung. Das US-Start-up hat es verstan­ den, einen Mythos zu erschaffen: um die Firma, ihr Produkt, eine Augmented-Reality-Brille – und die Funding-Runde. Nach der Prä­ sentation in einem leeren weißen Raum sollen Investoren nur ge­ fragt haben, wie viele Millionen genau sie beisteuern können. Es wurden am Ende 2,3 Milliarden. Wie erklärt sich der Hype? „Die Magic Leap One ist der stärkste Konkurrent zur HoloLens von ­Microsoft“, sagt Andi Gall nach seinem Test im Innovationslabor Red Bull Media House Wingslab. „Mit klaren Vorteilen: Sie ist leich­ ter, ihr Field of View größer.“ Letz­ teres bezeichnet jenen Bereich im Sichtfeld, in dem man die künst­ lich eingeblendeten Elemente wahrnimmt. Je größer das Field of View, desto größer aber auch die benötigte Rechenleistung. Die ist bei Magic Leap aus­ gelagert – ins sogenannte Lightpack, das der Brillenträger einfach anklippen kann. Die Brille selbst wiegt so nur 345 Gramm. „Das macht sie auch für längere Expe­ riences komfortabel“, meint Gall. Diese Experiences reichen von Sportübertragungen mit Zusatz­ infos über interaktive Baustellen­ begehungen bis hin zu Lehrfilmen mit 3D-Modellen. Erdacht von Firmen, die sich dafür bei Magic Leap einkaufen. Noch ist die Brille mit 2300 Dollar zu teuer für die Masse. „Aber dank immer besserer und leichterer Technik bald ein Alltagsgegenstand“, so Gall.


TECH-HIGHLIGHT

AR-BRILLE Lichtsensoren und Kameras scannen die Umgebung. Der integrierte Projektor überträgt die Auf­ nahmen auf die Bril­ lengläser, wo sie mit virtuellen Bildern ­ergänzt werden.

RED BUL L ­M EDIA HOUSE WINGSL AB

„DIE MAGIC LEAP IST DER NÄCHSTE SCHRITT. BALD IST A R -T E C H N O L O G I E K O M PA K T GENUG FÜR EINE LESEBRILLE .“ INNOVATOR 

Andi Gall, Chief In­no­ vation Officer des Red Bull Media House, prüft mit seinem Team neue Gadgets und sucht gemeinsam mit den Entwicklern nach Einsatzmöglich­ keiten. Hier stellt er immer eines von ­ihnen genauer vor. Über die spannenden Auswirkungen von 5G liest du in Andi Galls Kolumne auf Seite 96.

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DO IT 

SAVE THE DATE

Vom Fach: Peter Granig, 49, ist Rek­ tor der FH Kärnten, Professor für Inno­ vationsmanagement und Initiator des Innovationskon­ gresses in Villach.

MIT PETER GRANIG

Events für alle, die über neue Technologien Bescheid wissen wollen. Hier findest du Termine, die du in den kommenden ­Wochen nicht verpassen soll­ test, sowie Tipps von einem Experten aus der Szene.

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrem Beruf? Damit, wie Innovationen entstehen und erfolgreich umgesetzt werden können. Ich begleite Unternehmen auch beim Aufbau von Innovations­ systemen. Je früher man das Potenzial einer Idee einschätzen kann, desto besser. Projekte mit Erfolgspotenzial rasch zu erkennen spart Zeit und Geld.

Innovation betrifft alle Lebensbereiche: von Abfall-­ vermeidung bis BlockchainTechnologie.

PETER GRANIG

Innovationskongress 2019: „Digital Inno­ vation – what’s next?“, 12. – 14. 11. 2019, ­Congress Center Villach (siehe Kasten re.)

Haben neue Ideen heute ­immer mit Hightech zu tun?

ALLE MAL HERHÖREN!

Peter Granig über drei Speaker, die du am Innovations­ kongress in Villach live erleben solltest. 90  

Ihr Innovationskongress ist seit 2009 Fixstarter ­unter den Tech-Events. Was zeichnet den Kongress aus? Wir wollen eine Wissens- und Techno­ logietankstelle für innovative Unter­ nehmen und Organisationen sein. ­Neueste wissenschaftliche Erkennt­ nisse bereiten wir so auf, dass die Teil­ nehmer einen konkreten Nutzen ziehen können. Außerdem bieten wir die Mög­ lichkeit, von den Besten zu lernen.

1.

Anders Indset

„,Was kommt nach der Digitalisie­ rung? Das Unerwartete erwarten‘: Der norwegische Philosoph ist ­bekannt für provokante Thesen.“

2.

Richard David Precht

„Wie sieht eine wünschenswerte Zukunft im digitalen Zeitalter aus?

Der deutsche Bestsellerautor zeigt, wo die Weichen liegen, die wir dafür stellen müssen.“

3. Nadya Zhexembayeva „Veränderungen annehmen und für das eigene Unternehmen als Chance nützen – dazu ermutigt die Wissenschaftlerin und Autorin.“

INNOVATOR

HELGEBAUER, WEIXELBRAUN, SEBASTIAN KREUZBERGER, CRAIG KOLESKY

Herr Granig, Sie sind Innovationsforscher. Was bedeutet „ Innovation“ für Sie? PETER GRANIG: Etwas Neues zu schaf­ fen, das auf dem Markt ankommt, ­indem es unternehmensintern oder von Kunden angenommen wird.

Nein, Innovation betrifft alle Lebens­ bereiche. Da geht es um die Reduktion von Abfall in Krankenhäusern ebenso wie um die Entwicklung neuer Anwen­ dungen der Blockchain-Technologie.

innovator :


S A V E T H E D AT E

1

Oktober Inspiration von den Besten Ex-Geheimagent Leo Martin spricht über Psycho-Hacks, Snowboard-­ Olympiasiegerin Julia Dujmovits über mentale Stärke und Extremsportler Michael Strasser (im Bild unten) über Ausdauer. Das sind nur drei der vielen interessanten Speaker bei den „Business Maniacs“, Österreichs größtem Gründer­event von Wirtschaftskammer und Wirtschaftsagentur. Das Ziel: ­Inspiration, Expertise, Networking. Die Zahl der begehrten Plätze ist auf 1500 begrenzt.

10

Oktober Versteckt im Rampenlicht Hidden Champions sind Unternehmen, die wenig Aufmerksamkeit bekommen, aber viel Potenzial besitzen oder gar Marktführer sind. 20 steirische Vertreter präsentieren sich bei „Meet Hidden Champions“ und bieten Praktika und Jobs. Plus: Start-up-Pitching-Session. Aula der TU Graz; uni-graz.at/de/forschen

5

Dezember Hier läuft alles nach Plan Das Finale von Österreichs größtem Businessplan-Wettbewerb. Bei der großen Gala werden die Sieger mit Preisen im Wert von 150.000 Euro ­ausgezeichnet. Aufgepasst: ­Interessierte Start-ups können ihre Pläne noch bis zum 1. Oktober einreichen. Wirtschaftskammer, Wien; i2b.at/wettbewerb

Beim Innovationskongress wird das Congress Center Villach zum Ideen-Hotspot.

Ottakringer Brauerei, Wien; businessmaniacs.at

Wir vermitteln Wissenschaft so, dass die Besucher einen konkreten ­Nutzen daraus ziehen können.

INITIATOR PETER GRANIG

INNOVATOR 

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bis 14. November Offen für Neues Was kommt nach der Digitalisierung? ­Chancen und Risiken, gewagte Ideen und provokante Thesen führt der Innovationskongress unter dem Titel „Digital Innova­tion – what’s next?“ zusammen. Das renommierteste Innovationsevent Europas vernetzt TopSpeaker mit internationalen Unternehmern. Congress Center, Villach; Programm: innovationskongress.at

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DO IT 

  S A V E T H E D AT E

In Spielberg steigt die Leistungsschau der E-Mobilität.

PETER GRANIG

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bis 14. März 2020 Idee im Schnee Pitches vor den Investoren am Sessellift, Vorträge auf der Bergstation und Networken beim gemeinsamen Einkehrschwung: Die „Skinnovation“ ist kein Event wie jedes andere. Kathrin Treutinger und ihr Team schaffen es Jahr für Jahr aufs Neue, Top-Speaker (im Bild: Max Zeumer von FlixBus bei seinem Talk im März) und vielversprechende Jungunternehmer in der Tiroler Bergwelt zusammenzubringen. Neu 2020: Topic Tables. Bei diesem Format verbinden Teilnehmer ihr Mittagessen auf der Skihütte mit Gesprächen zu Themen wie Mobilität oder Talent­ entwicklung. Ach ja: Zum Skifahren oder Snowboarden bleibt auch noch Zeit.

28.  – 29.  September Elektrisch fliegen

Innsbruck; skinnovation.io

Zehntausende Fans werden bei den E-Mobility-Days 2019 erwartet. Dabei können am Red Bull Ring E-Autos Probe gefahren und elektrisch betriebene Flugzeuge bewundert werden. Einer der Höhepunkte: die Präsentation des Flugtaxis Ehang 216. Red Bull Ring,

23 92  

und 24. Jänner 2020 Ab ins Regal! So wird deine Idee ein Erfolg Du hast deine Produktidee zum Prototypen ­entwickelt, bist aber noch nicht im Handel vertreten? Dann bist du bei der Start-up Academy der Sparkasse genau richtig. Hier durchleuchten Top-Experten dein Produkt, beraten bei ­Verpackung, Vertrieb und Vermarktung und ­erklären dir, wie der Handel tickt. Abgedeckt werden praktisch alle Bereiche – von Getränken über Lebensmittel und Kosmetik bis zu Fashion. Erste Campus, Wien; sparkasse.at/startup-academy

INNOVATOR

LUCAS PRIPFL/RED BULL CONTENT POOL, SKINNOVATION.IO

Spielberg; projekt-spielberg.at


JOIN IT 

WETTBEWERB

Drei Projekte, die 2018 ins Finale kamen

GUTE IDEE!

Gemeinsam schlau: Teilnehmer der Red Bull Basement University 2018 in Berlin

Red Bull Basement University

SO HACKST DU DEINEN CAMPUS

Ideen gesucht: Diese Plattform hilft dir, das Leben an deiner Uni zu verbessern.

D MICHAEL KROSNY/RED BULL CONTENT POOL

eine Lieblingsvorlesung ist ständig überlaufen, du findest keinen Platz zum Lernen, und von der legendären Party gestern hast du erst heute ­Vormittag erfahren? Es gibt Stu‑ dierende, die über Probleme ewig jammern. Und junge Visionäre, die versuchen, sie zu lösen. Letzteren verleiht die Red Bull Basement University Flügel – eine kollabora‑ tive Plattform, die Studierenden

Beim Global Meeting stellen Studenten ihre Ideen vor.

hilft, soziale und ökologische Uni‑Probleme mithilfe von Techno­ logie zu lösen. Mit einer App, die freie Sitzplätze anzeigt. Oder einem Programm, das Uni-Wahlen benutzerfreundlich abwickelt. Per Online-Voting und Jury-Urteil wählt die Red Bull Basement Uni‑ versity unter allen Einsendungen die 20 besten Ideen. Die Gewinner qualifizieren sich für ein sechs­ wöchiges Mentoring-Programm und treffen sich zum Global Mee‑ ting in Toronto, um den Projekten maximalen Impact zu verleihen. Lade einfach bis 28. Oktober ein 60‑­Sekunden-Video auf die Plattform, in dem du deine Idee erklärst. Große Projekte starten oft mit einem einzigen Klick.

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bis 28. Oktober Anmeldestart: Erkläre in 60 Sekunden, wie du das Leben an deiner Uni mit einer auf Technik basierenden Idee verbessern willst, und lade den Clip auf: redbullbasement.com/university

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„UNI VOTE“: SO EINFACH FUNKTIONIERT DEMOKRATIE Von wegen Wahlmuffel: Mit Mark Dinkels und Leonard Kraciks (re.) App „UniVote“ lassen sich Studentenund andere Wahlen bequem per Smartphone durchführen.

„VACANT“: FINDE DEINEN PLATZ ZUM LERNEN Die Gewinner 2018: Die Studenten Anna Pogossyan und Temirlan Toktabek erfanden eine App, die mithilfe von Sensoren in Echtzeit freie Tische in der Uni-Bibliothek Toronto anzeigt.

„MON MIAM RESPONSABLE“: GESUND ESSEN FÜR ALLE Das Smartphone-Programm der Französinnen Marion Obert (re.) und Marion Dillemann bringt Studenten mit schmaler Geld­ börse und Restaurants in Uni-Nähe zusammen.

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DER VOLLELEKTRISCHE

JAGUAR I-PACE Zeit für Veränderung. Zeit für einen Jaguar – gebaut in Österreich! Der erste Elektro-Jaguar besticht mit viel Platz, Sportwagen-Performance und aufsehenerregendem Design. Der I-PACE bietet dir genau den Fahrspaß, für den Jaguar bekannt ist – daran ändert auch der rein elektrische ­Antrieb nichts. Ganz im Gegenteil, dank der elektrischen Motoren und der nahezu perfekten Gewichtsverteilung fasziniert der Jaguar I-PACE durch ein sofort nutzbares Drehmoment von 696 Nm und die für einen Sportwagen typische Agilität. All diese Faktoren machen den I-PACE offiziell zum besten Auto der Welt! Der Beweis dafür? Der dreifache Sieg bei der 2019er-Wahl zum World Car of the Year, World Car Design of the Year und den World Green Car Awards.

Design der obersten Liga Fließende Übergänge, innere Ruhe und modernste ­Elemente machen den I-PACE zu einem Design-­ Meisterwerk. Seine elegante und außerordentlich aerodynamische Bauweise ermöglicht einen geringen Luft­ widerstand und sorgt so für maximale elektrische Reichweite und Stabilität. Doch nicht nur von außen macht der I-PACE aus jedem Blickwinkel eine gute Figur – auch der Innenraum überzeugt durch ein modernes, ja futuristisches Design. Nahtlos integrierte Technolo­gien und ein großzügiges Raumangebot erzeugen e ­ inen

ELEGANTE LINIENFÜHRUNG Die Dachlinie ist geschwungen,

INTERIEUR

um eine maximale Effizienz

Die edle Atmosphäre wird durch

zu erreichen.

handgefertigte Designelemente im Innenraum noch betont.

MOTOREN Der Jaguar I-PACE wird von zwei Elektromotoren angetrieben, die zusammen 400 PS (294 kW) leisten.

ELEKTRISCHE POWER Die Batterie des I‑PACE wurde auf Langlebigkeit und maximale Leistungsabgabe ausgelegt.


INNOVATOR PROMOTION

LADEN ­ ei Verwendung eines Gleich­ B strom-­(DC-)Schnellladegeräts mit 50 kW kann der I-PACE eine elek­ trische Reichweite bis zu 270 Kilo­ meter pro Stunde erreichen.²

auf­geräumten Eindruck und ermög­lichen höchsten Komfort. Ein Design-Highlight ist mit Garantie das Touch Pro Duo Infotainment-System, das die zentrale Bedienung aller Fahrzeugtechnologien denkbar einfach macht. Die Serienausstattung umfasst ­einen 4G Wi-Fi-Hotspot sowie eine Reihe an Konnektivitätsfunktionen.

Go-I-PACE App Um das Potenzial des I-PACE sofort zu er­ leben, empfehlen wir dir die kostenlose Go-­ I‑PACE App. Sie zeichnet deine Fahrten auto­ matisch auf und kann mit den ermittelten Daten die Batteriereichweite, den Verbrauch sowie die möglichen Kosteneinsparungen deiner zukünftigen Fahrten prognostizieren.

Emissionsfreie Power Der I-PACE ist ein vollelektrischer SUV, der während der Fahrt keine Emissionen ausstößt, puren Fahrspaß bietet und dabei weiterhin unverkennbar ein Jaguar ist. Dank seiner Hightech-Lithium-Ionen-Batterie mit einer Speicherkapazität von 90 kWh kommt der I-PACE auf eine elektrische Reichweite von bis zu 470 Kilometern.¹

Mit dem I-PACE profitierst du nicht nur von einer tollen Performance und einer nach­ haltigen Fahrweise, sondern auch von allen finanziellen Vorteilen. Dazu zählen auch ­diverse Programme und Fördermittel von Regierung, Behörden und Unternehmen, die den Wechsel zur Elektromobilität unterstützen. Der I-PACE ist ab € 79.710,– erhältlich. jaguar.at

ELEKTRISCHE REICHWEITE Mit einer einzigen Ladung kann eine Reichweite von bis zu 470 Kilometern erreicht werden.¹

PERFORMANCE Die Beschleunigung auf 100 km/h erfolgt in gerade einmal 4,8 Sekunden.

COCKPIT Das Herzstück im Cockpit: Das Touch Pro Duo Infotainment-System ist die zentrale Steuerung für alle ein­ gebauten Technologien im Jaguar I-PACE.

BATTERIE Die 90-kWh-Batterie des I-PACE besteht aus Lithium-IonenPouch-Zellen mit hoher Energiedichte.

HEIMATWERK Der I-PACE wird für die ganze Welt bei Magna Steyr in Graz gebaut, ist also ein Österreicher.

SAUBER & KOMFORTABEL Die Batterie des I‑PACE wird über den Plug-in-Ladeanschluss des Fahrzeugs geladen, der sich hinter dem vorderen Radlauf befindet.

JAGUAR

ABMESSUNGEN ¹ WLTP (weltweit harmonisiertes Prüfverfahren für leichte Nutzfahrzeuge) ist das neue europäische Prüfverfahren für Kraftstoff- und Energieverbrauch, Reichweite und Emissionen bei Pkw, das 2017 eingeführt wurde. Es dient dazu, realistischere Verbrauchswerte zu liefern. Die Fahrzeuge werden dabei mit Sonderausstattung und einem anspruchsvolleren Fahrprofil unter schwierigeren Testbedingungen geprüft. ² Die tatsächlichen Ladezeiten können je nach Umgebungsbedingungen und verfügbarer Ladestation variieren.

Der I-PACE zeichnet sich durch kompakte Außenmaße sowie ein außergewöhnlich geräumiges Interieur aus.


READ IT 

DAS FREUNDLICHE DATENMONSTER VON NEBENAN

I

ch liebe neue Technologien, und mittlerweile entkomme ich ihnen auch nicht mehr. Warum sollte ich das auch wollen? Ich ver­folge derzeit mit höchster Aufmerksamkeit und Neugier, was ­demnächst auf uns zukommt. Dauerbrenner im Telekommunikationsbereich ist derzeit 5G. Dieser neue Standard für mobiles Internet und Mobiltelefonie wird die Art und Weise, wie wir mit Technologien umgehen, nein, sogar wie Technologie miteinander interagiert, durcheinanderwirbeln.

Andreas Gall 55, spürt als Chief Innovation Officer im Red Bull Media House Neuerungen auf, die die Zukunft der Medien und der Consumer ­Technology gestalten.

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Tschüss, extra Internetanschluss!

Eine positive Vision von mir: Ich vertraue der Intelligenz, der hohen Sicherheit und der Geschwindigkeit dieses neuen Standards, streiche künftig Wi-Fi aus meinem Repertoire und manage alle Datenverbraucher und datengesteuerten Geräte meines Lebens über mein privates 5G„Cockpit“. Ich verzichte in Zukunft konsequent auf einen extra Internetanschluss.

Jedes Gerät, das Netzzugang benötigt, hat diesen bereits integriert. Und ich spreche da nicht nur von Handy und Fernseher, sondern von allen Geräten und Verbrauchern, also auch Strom-, Wasser- und Gaszähler, meinen Jalousien, der Markise, der Heizungssteuerung – alles, was sinnvollerweise mit mir oder untereinander kommunizieren kann, ist dazu befähigt. Warum ich das zulassen würde? Ich habe verstanden, dass 5G neben der globalen Vernetzung auch große Stärken hat, wenn es um lokale Datenverarbeitung geht. Es muss nicht jeder Datensatz um die ganze Welt geschickt und auf irgendeinem ­Server in Honolulu gespeichert werden. Die lokale Intelligenz des 5G-Netzwerkes sorgt auch dafür, dass „die Kirche im Dorf bleibt“. Daten mit ausschließlich lokaler Relevanz werden in Zukunft im lokalen Umfeld bleiben.

Kühlschrank reserviert beim Italiener

Das eröffnet andere Visionen: Damit wären ideale Bedingungen geschaffen, um Nachbarschaften bis hin zu Stadtvierteln noch besser miteinander zu vernetzen. Es könnten noch viel bessere Local-CommunityPlattformen entstehen. Wenn ich will, lass ich meinem Getränkelieferanten mithilfe eines 5G-„Internet of Things“-Geräts ­wissen, dass mein Mineralwasservorrat zu Ende ist. Der Lieferant bekommt auto­ matisch einen Auftrag und stellt mir den Nachschub in meine Garage, die sich ­einmalig für ihn öffnet, sobald er vor der Tür steht. Dank 5G und lokaler Plattform­ intelligenz läuft dieser Prozess sicher und reibungslos ab. Das böse, datenhungrige, allwissende Monster entpuppt sich plötz-

INNOVATOR

MICHAEL PRESCHL

Warum der neue Datenstandard 5G kein böses Ungeheuer ist. Sondern sich als netter Freund von nebenan entpuppen könnte.


KOLUMNE

IMPRESSUM 

INNOVATOR BY THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838

„DER NAHVERSORGER KÖNNTE AUF EINMAL IN DER LAGE SEIN, MIT WELTKONZERNEN ZU KONKURRIEREN.“

Chefredakteur The Red Bulletin Alexander Macheck Chefredakteur Innovator Arek Piatek Art Director Kasimir Reimann Photo Director Eva Kerschbaum Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann

Grafik Miriam Bloching, Martina de CarvalhoHutter, Kevin Goll, Carita Najewitz, Antonia Uhlig

Sales Operations & Development Stefanie Boruta (Ltg.), Anna Schönauer

Illustrationen Johannes Lang

Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg

Head of Commercial & Publishing Management Stefan Ebner Publishing Management Sara Varming (Ltg.), Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz, Mia Wienerberger

Bin ich neugierig? Mit Sicherheit! Bin ich naiv? Vielleicht sieht es für den un­ bedarften Beobachter so aus. Aber der Optimist in mir ist überzeugt: Jede erfolg­ reiche Technologie geht mit einer kriti­ schen Masse einher, die letztlich immer sicherstellt, dass Fehlentwicklungen sehr rasch korrigiert werden; und dass sich letztlich die Vorteile durchsetzen werden. Von daher: 5G kann kommen!

Sales Management The Red Bulletin Alfred Vrej Minassian (Ltg.), Thomas Hutterer, Stefanie Krallinger

Freie Mitarbeiter Marc Baumann, Waltraud Hable, Jakob Hübner, Reiner Kapeller, Johannes Kornacher, Alexander Lisetz, Stefan Wagner, Wolfgang Wieser

Global Project Management Melissa Stutz

Die Vorteile setzen sich durch

Publishing Management Bernhard Schmied

Media Sales Gerald Daum, Franz Fellner, Wolfgang Götz, Christopher Miesbauer, Nicole Okasek-Lang, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Kristina Krizmanic (Team Assistant) anzeigen@at.redbulletin.com

Managing Editor Ulrich Corazza

Fotoredaktion Marion Batty, Ellen Haas

lich als Freund von nebenan! Der Nah­ versorger könnte auf einmal in der Lage sein, mit vermeintlich übermächtigen ­Giganten und Weltkonzernen zu konkur­ rieren. Noch eine Vision gefällig? „Hey, Andi“, sagt der Kühlschrank, „ich fühl mich momentan recht leer! Soll ich bei Feinkost-Luigi ­nebenan ein bisschen Schinken und Käse bestellen? Oder soll ich für deine Ge­mahlin und dich im ‚Bell­ agio‘ einen Tisch r­ eservieren? Das ist neu übernommen worden, und die Bewer­ tungen sind s­ uper!“ Freilich – das ist eine ­Vision; und ja, wir müssen achtsam sein, dass sich die allgegenwärtige Vernetzung nicht gegen uns wendet. Aber neben vie­ len Möglichkeiten und manchen Gefahren verviel­fältigt der 5G-Mobilfunkstandard die Chancen der Globalisierung. Global vernetzen, aber gleichzeitig auch per­ fektes Managen der lokalen Bedürfnisse.

Länderredaktion Christian Eberle-Abasolo

Head of Creative Markus Kietreiber Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch, Simone Fischer, Martina Maier, Florian Solly Co- Publishing Susanne Degn-Pfleger, Elisabeth Staber (beide Ltg.), Mathias Blaha, Vanessa Elwitschger, Raffael Fritz, Marlene Hinterleitner, Valentina Pierer, ­Mariella Reithoffer, Verena Schörkhuber, Julia Zmek, Edith Zöchling-Marchart Anzeigendisposition Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Produktion Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek, ­ Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Sandra Maiko Krutz, Nenad Isailovic, Josef Mühlbacher

Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Informationen zum Medieninhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Web-Adresse auffindbar: www.redbulletin.at/impressum Redaktionsadresse Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0  Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com

INNOVATOR BY THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer Country Project Management Natascha Djodat Anzeigenverkauf Matej Anusic, matej.anusic@redbull.com Thomas Keihl, thomas.keihl@redbull.com

Herstellung Veronika Felder Operations Michael Thaler (MIT), Alexander Peham, Yvonne Tremmel (Office Management) Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus ­Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser ­( Vertrieb), ­Victoria Schwärzler, ­Yoldaş Yarar (Abo) General Manager und Publisher Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag und Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700

INNOVATOR BY THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Länderredaktion Arek Piatek, Nina Treml Country Project Management Melissa Stutz Anzeigenverkauf Marcel Bannwart, marcel.bannwart@redbull.com Abo- und Leserservice abo@ch.redbulletin.com

Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl INNOVATOR 

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DESIGN-HIGHLIGHT  Der übermannshohe Ball besteht aus einem Eisenkern, Bambus­ stangen und „Plastik­ füßen“, die die Minen detonieren lassen.

Massoud Hassani

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Was als Designprojekt begann, rettet heute Leben: 2011 wollte der gebürtige Afghane Massoud Hassani mit seinem von Kinderspielzeug inspirierten „Mine Kafon Ball“ Menschen in den Niederlanden für das Minen­problem seiner Heimat sensibilisieren – und mit der mobilen Skulptur gleich eine Lösung des Problems präsentieren. Denn der Ball kann, angetrieben vom Wind, über Landminen rollen und sie so zur Explosion bringen. Genial einfach und wirksam. Acht Jahre später ist Mine Kafon zu einem Hightech-Betrieb gereift, der Drohnen baut, die Minen aufspüren und mittels Robotik entschärfen. Der geniale Ball ist nach wie vor Firmenlogo.  minekafon.org

INNOVATOR

HASSANI DESIGN BV

„ ICH WOLLTE ETWAS KREIEREN, WAS DIE MENSCHEN SELBST NACHBAUEN KÖNNEN.“

Die Urform der Anti-Minen-Drohne


ALPHATAURI.COM


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Getarnter Prototyp.

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INNOVATOR by The Red Bulletin 2019 #3  

INNOVATOR by The Red Bulletin 2019 #3