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EDITORIAL Der Olympiastützpunkt Rheinland hat ein neues Konzept entwickelt, um die Sportart Rugby weiter nach vorne zu bringen. So trainiert die Frauen-Nationalmannschaft in Köln intensiv unter professionellsten Bedingungen. Ziel: Olympia 2016!

Der Olympiastützpunkt Rheinland (OSP) ist der regionale Vertreter Olympias im Rheinland und steuert aus der Zentrale in Köln-Müngersdorf die Betreuung der Spitzensportler (auch im Behinderten- und Nachwuchsbereich) auf ihrem Weg zu nationalen und internationalen Erfolgen. Die Konkurrenzfähigkeit unserer Athleten sichern wir durch eine kontinuierliche persönliche Betreuung in den Bereichen Gesundheitsmanagement (Sportmedizin, Physiotherapie, Konditions- und Rehabilitations-Training), Leistungsoptimierung (Physiologische, Biomechanische und visuelle Leistungsdiagnostik, Sporternährung, Sportpsychologie) und Duale Karriereplanung (Leistungssport kombiniert mit schulischer, universitärer, beruflicher Ausbildung). Bei den Olympischen Spielen und Paralympics von Peking 2008 und London 2012 sind wir zum erfolgreichsten der 19 deutschen Olympiastützpunkte avanciert. Aber eines sollten wir uns alle vor Augen halten: Olympischer und paralympischer Spitzensport ist mehr als „nur“ Medaillen. Es ist der persönliche und verantwortungsbewusste Umgang mit jungen Menschen, die ihr Leben dem Spitzensport verschrieben haben. Wir freuen uns, dass wir einen Teil der Leistungen, die wir im Hintergrund für Athleten und Trainer verrichten, über unseren Medien-Partner Köln.Sport darstellen können.

Alle Infos gibt es auf www.osp-rheinland.de – wir freuen uns auf Ihren Besuch!

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m Dezember 2012 startete am Olympiastützpunkt Rheinland ein ehrgeiziges Projekt: Olympia-Qualifikation Rio 2016 der 7er-RugbyNationalmannschaft der Frauen. Hintergrund ist die Aufnahme der rassigen Sportart durch das IOC in das Programm der Olympischen Spiele von Rio de Janeiro. In den letzten Monaten hatte Michael Scharf, der Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland, mit Vertretern des Deutschen Rugby-Verbandes DRV, des NRW-Landesverbandes sowie den zugehörigen Institutionen des Landes NRW zusammengesessen, um ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, dessen Kernstück die Installation des einzigen nationalen RugbyBundesstützpunktes am Standort Köln ist. Michael Scharf: „Ziel war vor allem, einen möglichst großen Teil des Nationalkaders an einem Ort zusammenzuziehen, um so möglichst viele und intensive gemeinsame Trainingseinheiten realisieren zu können. In Köln gibt es über den Olympiastützpunkt und die funktionierende Rugby-Struktur rund um den ASV Köln hochgradig professionelle Rahmenbedingungen, die es ermöglichen können, künftig im Konzert der anderen Nationen mitzuspielen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Sportamt der Stadt Köln sowie dem Deutschen Hockey Bund bezüglich der gemeinsamen Nutzung der Sportanlagen ist hervorragend.“

Professionelle Bedingungen Bei Bundestrainerin Susanne Wiedemann, für die eigens eine Landestrainerstelle aus Mitteln des DRV, des OSP und der Sportstiftung NRW

Fotos: OSP (2), Agentur SportsWork (1)

Michael Scharf Leiter Olympiastützpunkt Rheinland

Michael Scharf Leiter Olympiastützpunkt Rheinland

Gesundheitsmanagement, Laufbahnberatung, Athletik-Training sowie Leistungsdiagnostik gehören zu den Schwerpunkten der OSP-Beratung

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KÖLN.SPORT | MAI 2013


KÖLN.SPORT.OLYMPIA RUGBY-NATIONALMANNSCHAFT DER FRAUEN

Vision Rio 2016

geschaffen wurde, laufen alle Fäden zusammen. Hilfreich innerhalb des Konzeptes waren für sie vor allem der Umzug einiger Spielerinnen der Bundeswehr-Sportfördergruppe zum Standort Köln sowie die Möglichkeit der Aufnahme der erst 17-jährigen Mette Zimmat in das Sportinternat Köln. Susanne Wiedemann: „Professionellere Bedingungen als hier in Köln mit unseren Partnern OSP Rheinland, ASV Köln und unserem Landesverband NRW können wir uns nicht wünschen. Mit dieser großartigen Unterstützung wollen wir den Abstand zur europäischen Spitze minimieren und uns für die Women’s Sevens World Series des Weltverbandes (International Rugby Board (IRB)) qualifizieren. Als nächster Schritt ist die WM-Qualifikation im Jahr 2015 geplant. Und unsere Vision, für die wir mit viel Engagement und Zielstrebigkeit arbeiten, heißt: Rio 2016!“ Die Schwerpunkte in der OSP-Betreuung liegen in den Bereichen Gesundheitsmanagement, Laufbahnberatung, Athletik-Training und Leistungsdiagnostik. Die beiden letzteren Bereiche betreut OSP-Mitarbeiter Dr. Oliver Bloch, der damit direkt an der Entwicklung des Teams beteiligt ist: „Die körperlichen Anforderungen für das 7er-Rugby sind sehr hoch. Die Bereiche allgemeine und spezifische Ausdauer,

Kraft sowie Sprint/Schnelligkeit liegen in dieser Reihenfolge im besonderen Fokus. Auf Grundlage unserer Ergebnisse aus regelmäßig durchgeführten biomechanischen und physiologischen Leistungsdiagnostiken werden die Intensitäten der Einheiten so gesteuert, dass den Spielerinnen zu den jeweiligen Jahreshöhepunkten ein Optimum ihrer Leistungsfähigkeit möglich ist.“

Und davon profitiert auch die Sportart im Ganzen. Dieses Konzept hat in Großbritannien als „talent transfer program“ in einigen olympischen Sportarten sehr gute Früchte getragen. Entsprechend werden wir Maßnahmen einleiten, um unseren Sport vielleicht auch Quereinsteigerinnen aus anderen Sportarten schmackhaft zu machen.“

Extrem hohe Dynamik

Rugby ist ein schnelles Spiel, das Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit erfordert. Entsprechend werden die Trainingseinheiten gesteuert

Die Bundestrainerin hofft auch darauf, dass in einer „zweiten Welle“ weitere Nachwuchsspielerinnen sowie Athletinnen aus anderen Sportarten an das Team herangeführt werden können. „Je mehr Spielerinnen wir haben, die sich auf höchstem Niveau entwickeln wollen, umso besser wird dieses Projekt funktionieren.

7er-Rugby ist eine Spielvariante des Spiels mit 15 Feldspielern, wobei der größte Unterschied darin besteht, dass lediglich sieben Spielerinnen pro Team auf dem Feld stehen, das genauso groß ist wie beim 15er-Rugby. Aufgrund des großen Spielfeldes gibt es viel Raum für Angriff und Verteidigung. Die Dynamik ist extrem hoch, das Spiel geprägt von vielen Sprints, weiten Pässen und spektakulären Tackles. Entsprechend hohe Anforderungen stellt die Sportart an ihre Protagonistinnen. Leistungssportlerinnen aus anderen Sportarten, wie zum Beispiel aus Leichtathletik oder Handball, die neugierig auf dieses interessante Projekt geworden sind, können sich mit Bundestrainerin Susanne Wiedemann (wiedemann@osprheinland.de) in Verbindung setzen, um weitere Infos zu den geplanten „offenen“ Lehrgängen oder Castings zu erfahren. ●

MAI 2013 | KÖLN.SPORT

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KÖLN.SPORT.OLYMPIA

DynamicEye-Inhaberin Sabine Nebendahl (l.) arbeitet an den visuellen Fähigkeiten der Athleten am OSP.

SPORTVISION-TRAINING

Erfolg durch Innovation Der Olympiastützpunkt Rheinland setzt für maximalen Erfolg auf innovative Trainingsansätze. So wird in Kooperation mit dem Sportsvision-Institut DynamicEye auch intensiv an der visuellen Leistungsfähigkeit gearbeitet.

Am Olympiastützpunkt Rheinland versucht man, über innovative Ansätze auch die letzten Leistungspotenziale auszuschöpfen. So gehört nun auch die intensive Schulung der visuellen Fähigkeiten zu den Schwerpunkten der Beratung.

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er Olympiastützpunkt Rheinland (OSP) bietet Spitzensportlern und deren Trainern umfassende Betreuung und Beratung auf höchstem Niveau. Kernaufgaben sind das Gesundheitsmanagement, die Laufbahnberatung für eine Duale Karriere Beruf/Spitzensport sowie die Leistungsoptimierung zur optimalen Planung und Durchführung des Trainings. Bei den Olympischen und Paralympischen Spielen 2008 und 2012 avancierte der OSP Rheinland zum erfolgreichsten deutschen Stützpunkt. Ein Erfolgsfaktor ist dabei das kontinuierliche Streben, über innovative Ansätze auch die letzten Leistungspotenziale auszuschöpfen. Bestes Beispiel hierfür ist die Kooperation mit dem Sportsvision-Institut DynamicEye, deren Inhaberinnen

Stefanie Hennigfeld und Sabine Nebendahl die OSP-Athleten bei der Verbesserung der visuellen Leistungsfähigkeit erfolgreich unterstützen.

Erfolgsfaktor schnelleres Sehen Stützpunktleiter Michael Scharf erklärt: „Der OSP Rheinland ist ständig bemüht, das Leistungsspektrum für die betreuten Sportler der Nationalmannschaften zu verbessern. Mit Sportsvision haben wir ein innovatives Modul, um Leistungsdiagnostik und begleitende Trainingsprogramme zur Optimierung der visuellen Leistungsfähigkeit anbieten zu können. Wo Hundertstel-Sekunden über Sieg und Niederlage entscheiden, ist besseres und schnelleres Sehen ein Garant für größeren Erfolg.“

Fotos: OSP (2), Agentur SportsWork (1)

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Das Auge sieht, das Hirn verarbeitet – der Körper folgt. Fragt man Trainer aus dem Spitzensport, welcher der fünf Sinne der wichtigste für einen Athleten ist, wird überwiegend das visuelle System genannt. „Spitzensportler werden zwar augenärztlich und augenoptisch versorgt, aber leistungsfähiges Sehen bedeutet weit mehr als eine Sehschärfe von 100 Prozent“, sagt Stefanie Hennigfeld. „Es geht um die Sehverarbeitung und die schnelle Entscheidungsfindung. Denn nahezu jeder Fehler im Leistungssport kann auf eine visuelle Fehlinformation zurückgeführt werden.“ Für Leistungssportler sind verschiedene visuelle Fähigkeiten wichtig. In Ballsportarten wie Fußball, Hockey oder Beachvolleyball ist Fuß-Augebzw. Hand-Auge-Koordination entscheidend. Im Kampfsport wie Boxen oder Fechten dominieren Antizipation, Timing, Reaktionsfähigkeit und Distanzeinschätzung, bei Rückschlagspielen wie Tischtennis oder Badminton hängt viel von der präzisen Fixierung des Balles in der Bewegung ab. In der neuen olympischen Sportart Golf sind visuelle Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit gefragt.

Vor Trainingsbeginn wird in einem speziellen Screening ein auf den Athleten und seine Sportart bezogenes visuelles Leistungsprofil und darauf ein individuelles Trainingsprogramm erstellt. Das Training erfolgt dann im „VisuLab“, dem visuellen Fitness-Studio am OSP, kann aber auch ins Koordinationstraining im sportspezifischen Umfeld eingebettet werden. Um den Athleten auch ein Training zu Hause oder unterwegs zu ermöglichen, stehen diverse Leih-Trainingsgeräte zur Verfügung sowie ein Computerprogramm mit Online-Monitoring, mit dem die Fortschritte von den DynamicEye-Trainern überwacht werden können. „Die Dauer des Sportsvision-Programms liegt bei 15 bis 20 Einheiten innerhalb von sechs Wochen“, erklärt Sabine Nebendahl. „Es kann sehr gut auch in der Offseason durchgeführt werden, so dass die zeitliche Belastung für dieses Training so gering wie möglich ausfällt.“ Ein modernes HightechGerät, das für fast alle Sportarten völlig neue OSP-Athletiktrainer Falk Schade ist vom Erfolg des visuellen Trainings überzeugt.

Trainings- und Analysemöglichkeiten bietet, stellt „fitLight“ dar – ein kabelloses Trainingsgerät mit acht LED-Leuchtsensoren und einem zentralen PDA-Controller. Die Sensoren werden vom Athleten je nach Trainingsgestaltung aktiviert oder deaktiviert. Die Reaktionszeiten werden gespeichert und geben Sportler und Trainer ein Realtime-Feedback zur Leistung. Das Training kann im Sitzen, Stehen, Laufen, mit Gewichten, im Sand, auf Matten und mit Sportgeräten wie Tennisschlägern oder etwa einem Degen ausgeführt werden. „Das System hat sich etwa im Athletiktraining der Hockey-Olympiasieger während der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London als innovatives, effektives und motivierendes Trainingsmittel bewährt“, führt Falk Schade, OSPLeistungsdiagnostiker und -Athletiktrainer, aus. „Aufgrund seiner hohen Flexibilität kann das System nicht nur im Schnelligkeits-, sondern auch im Reaktions- und Entscheidungsverhaltenstraining optimal eingesetzt werden. Ein besonderes Highlight des fitLight-gestützten Schnelligkeitstrainings sind Trainingsformen, in denen Spieler oder Teams gegeneinander antreten, um in möglichst kurzer Zeit ein Maximum an Treffern zu erzielen.“ Alle Infos zu Sportsvision und „fitLight“ gibt es auf www.dynamic-eye.de.

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JUNI 2013 | KÖLN.SPORT

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KÖLN.SPORT.OLYMPIA

Allround-Talent Mieke Kröger: Junioren-Weltmeisterin in der Einerverfolgung auf der Bahn 2011, Silber bei der U23-Straßenweltmeisterschaft 2012 und nun Deutsche Bergfahr-Meisterin 2013

LEISTUNGSOPTIMIERUNG AM OSP

RHEINLAND

Hochleistungssport im Grenzbereich D

ie 19-Jährige nutzt zusammen mit ihrem Trainer Robert Pawlowsky, der als NRWLandestrainer für Mieke und viele andere TopRadsportler in NRW verantwortlich ist, regelmäßig die Möglichkeiten des Olympiastützpunktes Rheinland zur Optimierung des Trainings und zur Verbesserung der Wettkampfleistung. Hierbei liegt zunächst der Schwerpunkt in der Erhebung der physiologischen Parameter: Mieke unterzieht sich den nicht immer angenehmen Prozeduren der Leistungsdiagnostik. Wenn sie die komplette Testbatterie hinter sich gebracht hat, kann sie in ihrem Trainingstagebuch fast eine vollständige Trainingseinheit eintragen: Neben der Messung der anaeroben Leistungsfähigkeit in einem zwar kurzem, aber maximalen Test werden auch ihre aeroben Fähigkeiten überprüft. Hier findet ein Check der Stoffwechselleistungen während der Belastung statt. Neben Leistungs-, Laktat- und Herzfrequenz-

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KÖLN.SPORT | Juli 2013

messungen werden auch die Atemgasparameter gemessen: Wie viel Sauerstoff nimmt Mieke auf, wie viel Kohlendioxid atmet sie wieder ab? Neben der reinen gemessenen Luftmenge, die

MIEKE KRÖGER - RADSPORT STECKBRiEF GEBOREN: 18.07.1993 GEBURTSORT: Bielefeld VEREIN: RV Teutoburg Brackwede TEAM 2013: Team Futurumshop DISZIPLINEN: Straßenrennen, Bahnradsport TRAINER: Robert Pawlowsky AUSBILDUNGSSTATUS: Abitur 2012 / Studium ab SS 2013 GRÖSSTE ERFOLGE: • Deutsche Meisterin Bergfahren 2013; • EM-Silber im Zeitfahren auf der Straße 2012; • Deutsche Meisterin in der Einzelverfolgung 2012; • WM-Gold in der Einzelverfolgung / Bahn-WM 2011; • WM-Bronze 2011 im Einzelzeitfahren / Straßen-WM 2011

ihre Lungen zirkulieren lassen, bekommen die Diagnostiker und Trainer aktuelle Infos über die Stoffwechselvorgänge in Miekes Muskulatur während definierter Belastungsbedingungen. Der „VO2-Max“-Test in Form eines Rampentests ist Krögers Lieblingstest: Hier kann sie sich richtig auspowern und neue persönliche Rekorde bei den Messparametern erreichen. Neben diesen physiologischen Parametern werden zusätzlich biomechanische Aspekte wie Trittanalyse (Drehmoment) und Rahmengeometrie (Sitzposition, Kurbellänge) betrachtet und optimiert. Aber: Wem nützt es, wenn Mieke auf dem Radergometer Weltspitze ist? „Hier setzt die praxisrelevante Arbeit der wissenschaftlichen Messmethoden an. Die Werte müssen übertragen werden auf das tägliche Training – der entscheidende Schritt jeder Diagnostik“, erklärt der OSPLeistungsdiagnostiker Dr. Oliver Heine. „Dies ist einer der Betreuungsschwerpunkte am Olympias-

Fotos: OSP (2), Agentur SportsWork (1)

Mieke Kröger gehört zu den Top-Radsportlerinnen Deutschlands. Aktuell ist sie sogar die beste in einer speziellen Disziplin des Straßenradsports, die es wahrlich in sich hat: dem Bergfahren. Anfang des Monats krönte Mieke ihre Laufbahn dort mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft! Wie schafft diese junge Frau das? Mit Training, Training und nochmals Training – dieses muss aber in allen Details speziell auf Miekes Voraussetzungen abgestimmt sein.


„All in one“-Paket: Spitzensportler wie die deutsche Bergfahr-Meisterin Mieke Kröger erfahren im Olympiastützpunkt Rheinland perfekte Rundum-Betreuung

tützpunkt Rheinland und funktioniert nur in enger Abstimmung mit dem Trainer des Sportlers.“ Zusammen mit Robert Pawlowsky werden die Daten analysiert, besprochen und dann mit Hilfe von Hightech in die Praxis umgesetzt. Wie viele Radsportler vertraut Mieke Kröger auf das Know-how der Firma SRM. Dieses Jülicher Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, die Leistung an der Kurbel der Fahrräder zu messen und auf eine Art Tacho zu senden. Die Athletin kann also während ihrer Trainingsfahrten immer genau ablesen, wie viel Watt sie gerade fährt.

Hier schließt sich der Kreis für ein individualisiertes Training, denn die Vorgaben für die Intensitäten haben ihren Ursprung in der oben beschriebenen komplexen Leistungsdiagnostik am Olympiastützpunkt Rheinland.

Nichts konnte sie stoppen Das „All in one“-Paket des OSP umfasst neben der komplexen Leistungsdiagnostik auch die Bereiche der Sportpsychologie, der Ernährungsberatung, der Laufbahnberatung, der Sportmedizin und der Physiotherapie.

Hochleistungssport im Grenzbereich heißt aber auch, mit Erkrankungen und Verletzungen zurechtzukommen: Mitte des Monats brach sich Mieke Kröger erneut ihr Schlüsselbein, dasselbe Malheur passierte ihr bereits im letzten Jahr beim Weltcup von Glasgow. Ohne Verzögerung finden die notwendigen medizinischen Schritte statt, und die 19-Jährige wird nach überstandener Rehabilitation wieder angreifen: Weil sie es will, weil sie eine Hochleistungssportlerin ist … und weil sie stärker als je zuvor die nächsten Rennen absolvieren wird. ● Anzeige

Juli 2013 | KÖLN.SPORT

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KÖLN.SPORT.INFRASTRUKTUR MICHAEL SCHARF:

„Ein Blick in andere Städte lohnt“ Der Leiter des Olympiastützpunkts Rheinland spricht in Köln.Sport über die aktuelle Situation der Sportstadt Köln

Wie beurteilen Sie als Leiter des Olympiastützpunktes die aktuelle Situation der Sportstadt Köln? Auch wenn es meine Aufgabe ist, mich um den leistungsorientierten Sport zu kümmern, möchte ich betonen, dass Leistungs- und Breitensport unmittelbar zusammengehören. Nur wenn man viele Vereine hat, die an der Basis Kinder an den Leistungssport heranführen, bekommt man die Möglichkeiten, sich über „Local Heros“, die den Weg in die Weltspitze gefunden haben, zu freuen. Für den Leistungssport gesprochen ist es schön, dass wir viele Eishockey-Nationalspieler haben und die Haie in der Liga oben mitspielen. Da die Junghaie wieder erstklassig sind, suchen jetzt viele Talente den Weg nach Köln. Im Sommersport ist zuallererst wieder Rot-Weiß Köln mit seinen Aktivitäten im Hockey, wo seit Jahrzehnten Top-Akteure fürs Nationalteam gestellt werden, zu nennen. Ich erinnere an die Olympiasiege der Kölner Spieler 2008 und 2012 und an den der Frauen 2004, an dem vier Kölnerinnen maßgeblichen Anteil hatten.

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KÖLN.SPORT | AUGUST 2013

DynamicEye-Inhaberin Sabine Nebendahl (l.) arbeitet an den visuellen Fähigkeiten der Athleten am OSP.

Michael Scharf leitet seit Juni 2004 den OSP Rheinland in Köln

Und es gibt noch mehr Kölner Olympioniken! Köln ist im Judo der stärkste Bundesstützpunkt, die Judoka sind seit Jahren Garanten für Medaillen und Titel. Der Erfolg der Beachvolleyballer Jonas Reckermann und Julius Brink war ein Highlight der Spiele in London. Und während das Turnteam Toyota an Leistungsstärke verloren hat, haben wir mit dem Sportstudenten Fabian Hambüchen seit 2012 den deutschen Top-Turner in Köln. Die Leichtathletik hat sich prächtig entwickelt. Hier startet nicht nur der Olympiazweite Björn Otto seit diesem Jahr für den ASV, sondern die exzellente Nachwuchsarbeit des Teams der DSHS Köln zeigt sich jetzt in Erfolgen auf höchster Ebene. Gleiches gilt für die Boxer des SC Colonia. Wir wären enttäuscht, wenn sich nicht mindestens ein Kölner Boxer für Rio 2016 qualifiziert. Interessant ist auch die Entwicklung in der neuen olympischen Sportart Rugby. Wir haben seit diesem Jahr das komplette Nationalteam der Frauen hier. Ziel ist die Olympia-Quali, was im Rugby schwer genug ist. Aber wir sind hoffnungsfroh, mit dem Konzept, alle Damen hier zu konzentrieren, den richtigen Ansatz gefunden haben, um mittelfristig das Ziel zu erreichen. Nicht zu vergessen ist auch der Paralympische Sport mit Holger Nikelis (Rollstuhl-

tischtennis) und Marina Mohnen (Rollstuhlbasketball) als Medaillengaranten. Kurzum, wir haben in Köln ein sehr hohes Niveau an leistungssportlicher Entwicklung über verschiedene Sportarten und ich hoffe, dass wir das in Zukunft weiterhin aktiv so gestalten können. Wo sehen Sie die Grenzen der Entwicklungen? Wichtig ist, nicht zu meinen, dass Kölner sich in jeder Sportart bis in die internationale Spitze präsentieren müssen. Man muss sich auf verschiedene konzentrieren, um mitzuhalten. Dabei gilt die bekannte Devise: Um erfolgreich Sport machen zu können, brauche ich entsprechende Trainings- und Umfeldbedingungen, Experten im Trainer- und Managementbereich der Vereine. Und ich brauche natürlich entsprechende Sportler. Sprich: die Basis muss mitgenommen werden, um erfolgreich zu sein. Und wie sind die Rahmenbedingungen in Köln? Hier war der OSP-Laufbahnberater, Horst Schlüter, in den letzten Jahren sehr aktiv. Das Sportinternat, das unter der Führung des 1. FC Köln in einem schönen Neubau betrieben wird, hat sich in

Fotos: OSP (1), Privat (1)

Herr Scharf, was bedeutet für Sie der Ausdruck „Sportstadt Köln“? Er ist für mich Sammelbegriff für unterschiedliche Facetten des Sports in Köln. Er umfasst zum einen den Eventbereich mit herausragenden Veranstaltungen wie dem Köln-Marathon. Zum anderen sind da die Erfolge im Profisport mit großartigen Mannschaften, die Situation der Schwimmbäder mit ihrer Auswirkung für die Bevölkerung im Breiten- und Gesundheitssport. Darüber hinaus gibt es herausragende Institutionen wie die Deutsche Sporthochschule, den Olympiastützpunkt Rheinland, die Sportstiftung NRW, die Führungsakademie des DOSB oder die IAKS. Dazu kommen die vielfältigen Aktivitäten kleinerer, mittlerer und großer Vereine, kommerzielle Angebote, um Menschen an den Sport heranzuführen und last but not least auch die privat organisierten sportlichen Aktivitäten. Kurzum: Eine große Palette verschiedener Angebote, die letztendlich das Profil einer Sportstadt ausmachen.


herausragender Weise bewährt. Dies ist sicherlich ein Juwel und Leuchtturmprojekt des Kölner Nachwuchssportes, das mehr gewürdigt werden müsste. Derzeit ist das Internat mit 40 Top-Sportlern im Fußball, Eishockey, Judo, Turnen, Rugby, Hockey, Tennis und Boxen komplett belegt. Darüber hinaus ist die Entwicklung des Kölner Schulsystems sehr erfreulich, die Bewerbung um die NRW-Sportschule war die logische Schlussfolgerung. Sie scheint positiv aufgenommen zu werden, sodass wir die Brücke zwischen Schul- und Leistungssportsystem mit einer zukünftigen NRW-Sportschule sehr gut gestalten können. Zumal es neben der Schule in Köln ein großes Netz an Universitäten und Hochschulen gibt. Dazu bemühen wir uns, mit der Industrie- und Handelskammer sportaffine Unternehmen und Sportler zusammenzuführen, um eine erfolgreiche sportliche Laufbahn und eine gute berufliche Ausbildung zu ermöglichen. Reicht das, um eine große Sportstadt zu sein? Ich habe den Vorteil, den Blick von außen zu richten. Die Wertschätzung für den Sport, die sich nicht zuletzt in den finanziellen Rahmenbedingungen ausdrückt, hat noch viele Optimierungspotenziale. Ich habe den Eindruck, dass Prozesse wie die Initiative „Sportstadt Köln“ oder das „NRW-Leistungs-

sportzentrum Köln“ aktuell nicht aktiv genug fortgeführt werden. Ein Blick in andere Städte lohnt, um zu prüfen, wie wir Kräfte im Kölner Sport am besten bündeln können. Aber auch der Sport hat noch Hausaufgaben! Stichwort: Positionierung des Stadtsportbundes und Zusammenspiel mit Vereinen. Ich bin der Letzte, der kluge Ratschläge geben möchte. Ich kann aber auf eigene Erfahrungen in Bonn zurückgreifen, wo der Sport fast kaputtgespart wurde und das Verhältnis von Kultur- zu Sportförderung auf 6,5 zu 1 zugunsten der Kultur auseinanderging. Da sind die Vereine buchstäblich auf die Straße gegangen. Es wurde das Selbstverständnis des Stadtsportbundes hinterfragt, denn ein SSB ist nur stark, wenn er seine Vereine hinter sich hat. In Bonn haben wir einen Schulterschluss zwischen SSB und Vereinen geschafft. Dadurch hat sich vieles entwickelt. Ich glaube, dass ist auch in Köln möglich. Das wäre ein wichtiger Schritt zu besserer Reputation und Wirksamkeit des Kölner Sports. Nichtsdestotrotz gilt es, auch die finanzielle Ausstattung des Sports zu überprüfen, auch in Köln muss diese Diskussion geführt werden. Wie sehr wird der Sport im Verhältnis zu anderen Bereichen gefördert? Welche Themen sind für die Zukunft

dieser Stadt wichtig? Welche Rolle soll der Sport spielen? Was wären denn Wünsche, die Sie an die Sportstadt Köln richten? Oh, da fallen mir einige ein, ich beschränke mich auf vier leistungssportliche Aspekte: 1. Eine Sportstiftung der Sparkasse oder Volksund Raiffeisenbank, wie in Bonn oder im RheinSieg-Kreis, um die Förderung der Vereinsaktivitäten im Leistungssport zu lancieren . 2. Wintertrainingshallen für die Beachvolleyballer. Die Playa ist toll, aber was passiert im Winter? 3. Investoren, die in absehbarer Zeit Kölner Sportvereinen den Bau einer Halle für etwa 5.000 Zuschauern ermöglichen. 4. Einen Ausbau der über das Internat initiierten Kooperation des olympischen Sports und des 1. FC Köln. Es wäre toll, wenn jeder Profi-Fußballer eine Patenschaft für einen olympischen Sportler übernehmen würde. Wie in der Familie Przybylko, wo Kacper auf dem Weg ist, ein guter Fußballprofi zu werden, Mateusz ein erfolgreicher Hochspringer. ●

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AUGUST 2013 | KÖLN.SPORT

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KÖLN.SPORT.OSP RHEINLAND SOMMERFEST 2013

Olympia-Flair auf Kölsch Beim großen Sommerfest des Olympiastützpunktes Rheinland kamen auch in diesem Jahr wieder viele Sportler, Freunde und Förderer zusammen und genossen gemeinsam einen unbeschwerten Abend in der Kölner Zentrale

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itte September feierte die Olympische Familie des Rheinlands am Olympiastützpunkt in Köln in familiärer Atmosphäre ihr jährliches Sommerfest. Trotz Platzregens zu Beginn begrüßte OSP-Leiter Michael Scharf rund 250 Athleten, Trainer, Mitarbeiter, Partner, Freunde und Förderer des Olympiastützpunktes Rheinland. Ein launiger Moderator Tom Bartels, Vorsitzender des OSP-Fördervereins, führte durch eine kurzweilige Talkrunde, an der stellvertretend für die vielen auch in diesem Jahr äußerst erfolgreichen OSP-Sportler Max Hoff (amtierender Weltmeister Kanurennsport), Markus Rehm (amtierender Weltmeister paralympischer Weitsprung) sowie die WMDritten Mimi Roper (Judo) und Björn Otto (Stabhochsprung) teilnahmen. Und auch der Oberbürgermeister der Stadt Köln, Jürgen Roters, genoss den Abend im Kreise der Top-Sportler und des gesamten Netzwerkes sichtlich und hob noch einmal die Bedeutung des Olympiastützpunktes für Köln (auch als Partnerstadt von Rio de Janeiro) und das Rheinland hervor.

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2 (1) In der Zentrale des OSP Rheinland wurde unter den Gästen angeregt über aktuelle Themen des Sports diskutiert oder sich einfach nur ausgetauscht

6 5 (5) Sven Ressel (Sportdirektor Deutscher Fechter-Bund), Vilmos Szabo (Bundestrainer Herren-Säbel), Michael Scharf und Sientje Maecker (medicoreha)

(2) Oberbürgermeister Jürgen Roters (l.) und OSP-Leiter Michael Scharf (2.v.r.) posieren mit den sportlichen Aushängeschildern Björn Otto, Max Hoff, Miryam Roper-Yearwood und Markus Rehm (v.l.)

(6) Moderator Tom Bartels (r.) bat OB Jürgen Roters zum Gespräch

(3) Stabhochspringer Björn Otto (l.) und OSP-Leiter Michael Scharf grinsen um die Wette

(7) Jürgen Brüggemann, Geschäftsführer Sportstiftung NRW und Anne Wingchen, Geschäftsführerin TSV Bayer 04 Leverkusen

(4) Paralympics-Sieger Markus Rehm mit seiner Trainerin, der Ex-Speerwerferin Steffi Nerius

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KÖLN.SPORT | OKTOBER 2013

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(8) OSP-Radtrainer Robert Pawlowsky genießt charmante Gesellschaft (9) Anne Wingchen und die TSV-Paralympics-Abteilung (v.l.): Michael Overhage (Trainer Sitzvolleyball), Jörg Frischmann (Geschäftsführer) und Marion Haas-Faller (Schwimm-Trainerin) (10) Björn Beinhauer (GIP), ARD-Moderatorin Valeska Homburg und Arne Greskowiak (Inhaber ago sport) genießen den Abend (11) Michael Scharf begrüßte als Leiter des Olympiastützpunktes seine zahlreichen Gäste und hielt die Eröffnungsrede

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OKTOBER 2013 | KÖLN.SPORT

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KÖLN.SPORT.OLYMPIA

Hochsprung-Talent Alexandra Plaza profitiert bereits vom Schulmodell

NRW-SPORTSCHULE KÖLN

Rückenwind für Talente In jungen Jahren die sportlichen Ambitionen und die Schullaufbahn unter einen Hut zu bekommen, daran scheitern viele hoffnungsvolle Karrieren. Deshalb geht ab dem Schuljahr 2014/2015 die NRW-Sportschule Köln an den Start. Sie soll jungen Talenten den Spagat zwischen Leistung und Lernen erleichtern

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ie kontinuierliche Verbesserung der Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport – dieses Ziel hat sich nicht nur der Olympiastützpunkt (OSP) Rheinland auf seine Fahnen geschrieben. Sein Partner-Netzwerk verbessert für talentierte Sportlerinnen und Sportler stetig die Bedingungen, um eine optimale duale Karriere – in der Schule und im Leistungssport – zu ermöglichen. Vorbildlich gelingt dies dem „Verbund sportbetonter Schulen Köln“, der sich mit Beginn des nächsten Schuljahres zu einer offiziellen NRW-Sportschule weiterentwickelt. Der Verbund besteht aus den Partnern Apostelgymnasium, Elsa-Brändström-Realschule, Hildegard-von-Bingen-Gymnasium, AlfredMüller-Armack-Berufskolleg, dem Sportinternat Köln sowie dem Olympiastützpunkt Rheinland, dessen Laufbahnberater Horst Schlüter eng in diesen Prozess eingebunden ist: „Die duale Karriere im Zusammenspiel von Leistungssport und schulisch-universitärer und beruflicher Ausbildung ist der Weg, den

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KÖLN.SPORT | NOVEMBER 2013

der deutsche Leistungssport fordert und fördert. Wir sind es unseren Sportlerinnen und Sportlern schuldig, dass sie sowohl im Leistungssport als auch im beruflichen Werdegang ihre hohen Ziele verwirklichen können. Dafür brauchen wir Schulen, wie die NRWSportschulen, die ein Miteinander von Schule und Leistungssport ermöglichen.“

schule sind motorische Tests in den Jahrgangsstufen 4 und 7, verbindliche fünf Stunden Sportunterricht in der Woche in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 sowie eine gezielte, durch Übungsleiter und Trainer unterstützte sportmotorische Grundausbildung. Im Kölner Verbund stehen dabei die Sportarten Hockey, Basketball, Fußball, Judo, Leichtathletik, Turnen und Eishockey im Fokus.

Exzellente Rahmenbedingungen

Die verantwortlichen NRW-Sport- und Schulministerien stellen für die Umsetzung des Konzepts zusätzliche Lehrerstellen sowie Honorargelder für Trainer und Übungsleiter zu Verfügung. Wesentliche Elemente der künftigen NRW-Sport-

In den älteren Jahrgängen profitieren die Nachwuchssportler unter anderem von Freistellungen für Training und Wettkämpfe sowie der damit verbundenen Möglichkeit, verpasste Klausuren oder Unterrichtsinhalte nachzuarbeiten. Weitere Kernelemente sind eine mögliche Schulzeitstreckung sowie ein erleichterter Schulformwechsel innerhalb des Verbundes. Ein hoffnungsvolles Talent, das bereits in den Genuss dieser Vorteile kam, ist die 19-jährige Hochspringerin Alexandra Plaza (Leichtathletik-Team DSHS Köln), die in diesem Jahr erfolgreich ihr Abitur am Apostelgymnasium


Laufbahnberater Horst Schlüter (Foto links) ist Ansprechpartner für die Athleten. Auch der OSP-Leiter Michael Scharf (Foto rechts, l. ) hält viel von Alexandra Plaza

absolvierte und sich parallel dazu im letzten Jahr mit ihrem vierten Platz bei der U20-WM in der internationalen Spitze etablierte. Mittlerweile als Mitglied im PerspektivTeam des Olympiastützpunktes für die Olympischen Spiele in Rio 2016 aufgenommen, ist sie sehr dankbar für die Unterstützung ihrer Schule: „Mir wurden am Apostelgymnasium

wirklich tolle Rahmenbedingungen geboten, um parallel auch meine sportliche Entwicklung voranzutreiben. So waren z. B. Freistellungen für Trainings oder Wettkämpfe eine Selbstverständlichkeit. Diese Unterstützung war für mich zugleich eine Anerkennung meines enormen Aufwandes durch die Schulleitung und das Lehrerkollegium – ein schönes Gefühl!“

OSP-Leiter Michael Scharf ergänzt: „Leistungssport erfordert bereits im Schulalter einen wöchentlichen Aufwand von etwa 25 Trainingsstunden. Dieser Aufwand ist nur dann zu leisten, wenn Schule und Leistungssport optimal aufeinander abgestimmt sind. Dies versuchen wir an den Standorten der NRWSportschulen wie hier in Köln zu ermöglichen.“

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NOVEMBER 2013 | KÖLN.SPORT

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KÖLN.SPORT.OSP RHEINLAND

Auch Stabhochspringer Björn Otto vertraut den Experten des OSP Rheinland

LEISTUNGSDIAGNOSTIK

Optimales Training Fotos: IMAGO (1), OSP Rheinland (3)

Individuelle Förderung je nach Bedarf – in Sachen Trainings- und Wettkampfsteuerung vertrauen deutsche Spitzenathleten den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Olympiastützpunktes Rheinland

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ie wissenschaftlichen Mitarbeiter des Olympiastützpunktes Rheinland, Dr. Argiris Vassiliadis und Dr. Oliver Heine, haben in ihrer langen Laufbahn bereits viele Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften „angezapft“. Als physiologische Leistungsdiagnostiker sind sie Spezialisten für eine optimale Trainings- und Wettkampfsteuerung unserer Top-Athleten. Probates Mit-

KÖLN.SPORT | DEZEMBER 2013

tel der OSP-Spezialisten: die Entnahme von kleinsten Blutmengen aus dem Ohrläppchen der zu testenden Athleten bei verschiedenen Belastungsstufen, z. B. auf dem Laufband, und deren anschließende Analyse. „Zeiten sind messbar und Bewegungsabläufe sind sichtbar, aber eine erfolgreiche Trainingssteuerung setzt mehr Informationen voraus“, sagt Dr. Argiris Vassiliadis. „Wenn ein Athlet

Spitzenleistungen erbringt, dann laufen im Körper komplexe Stoffwechselprozesse ab, um Energie zur Verfügung zu stellen. Diese Prozesse sind maßgebliche leistungsbestimmende Faktoren, die wir aus physiologischer Sicht mit unterschiedlichen Untersuchungsverfahren beobachten und analysieren, um das Training in Abstimmung mit Trainer und Athlet so zu gestalten, dass der gewünschte Effekt erzielt wird.“


Leistungsdiagnostik mit den Athletinnen der 400-Meter-Staffel des DLV: Dr. Argiris Vassiliadis (Bild r., l.)nimmt den Läuferinnen Blut ab, Trainer Tobias Kofferschläger (r.)kontrolliert den Puls

Gerade zu Beginn eines Trainingszyklus nutzen vor allem auch die jeweiligen Bundestrainer der unterschiedlichen Sportarten die Serviceleistung des erfolgreichsten deutschen Olympiastützpunktes, um sich ein Bild vom Ist-Zustand ihrer Top-Kaderathleten zu machen. Während der Saison dienen die Tests vor allem der Überprüfung der Wirksamkeit des Trainings, durch eine maßgeschneiderte Belastungsdosierung kann beispielsweise eine Überlastung des Spitzensportlers vermieden werden.

Deutsche Spitzenathleten zu Gast Und so gaben sich in den letzten Wochen Spitzensportler aus unterschiedlichsten Sportarten und Disziplinen im Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der DSHS Köln, dem federführenden Medizinpartner des OSP Rheinland, die Türklinke in die Hand. Sie alle eint das Ziel, auf der Basis der Untersuchungen die richtigen Folgerungen zum Leistungsaufbau für die kommende Saison zu ziehen. Mittendrin die Leichtathleten des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV), die nach einer langen Sommersaison und einer kurzen Erholungspause bereits wieder mit der Vorbereitung auf die neue Saison mit dem Highlight EM 2014 in Zürich begonnen haben.

So versammelten sich Anfang Oktober diejenigen DLV-Läuferinnen bei Dr. Vassiliadis, die unter Bundestrainer Tobias Kofferschläger in der kommenden Saison den Staffelpool über 400 Meter bilden sollen. Sie absolvierten einen 20-minütigen Stufentest auf dem Laufband, innerhalb dessen die OSP-Mitarbeiter regelmäßig am Ohrläppchen der Läuferin das für sie so aufschlussreiche Blut zur anschließenden Bestimmung der aktuellen Ausdauer-Leistungsfähigkeit entnahmen. Tobias Kofferschläger: „Wir befinden uns momentan am Anfang der Vorbereitung auf die Hallensaison, die Mitte Januar beginnt. Deshalb stellen für uns die Analyseergebnisse wichtige Parameter dar, um in den nächsten Wochen eine perfekte individuelle Steuerung der Trainingsinhalte der Athletinnen realisieren zu können.“ Nur wenig später sind es die Artisten unter den Leichtathleten, OSP-Stabhochspringer Björn Otto und seine Teamkollegen der deutschen Nationalmannschaft, die beim OSP Rheinland vorbeischauen. In ihrer Disziplin fasziniert vor allem das Zusammenspiel von Physik und Körperkontrolle, umso mehr würde man diese Athleten eher bei der biomechanischen Leistungsdiagnostik vermuten.

Leistungspotenziale erkennen KÖLN.SPORT.INFO: KERNLEISTUNGEN DER PHYSIOLOGISCHEN LEISTUNGSDIAGNOSTIK: → Diverse Labor-Ergometrieverfahren, z. B. Laufband, Ruder-, Fahrrad- und Drehkurbelergometer → Sportartspezifische Tests im Labor und im Feld (z. B. 400-Meter-Bahn) → Spiroergometrie im Labor und im Feld – Blutanalysen (Blutbild, Elektrolyte, Laktat …) → Trainings- und Wettkampfdatendokumentation → Beurteilung von Trainingsumfang bzw. Trainingsintensität (Übertraining) → Trainingssteuerung

Doch Björn Otto klärt auf: „ Selbstverständlich ist die Biomechanik bei OSP-Mitarbeiter Falk Schade eine Kerndisziplin unserer Trainingssteuerung, allerdings spielen auch die physiologischen Voraussetzungen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Sowohl bei den 400Meter-Läuferinnen wie auch bei uns Stabhochspringern wird hier am OSP u. a. die individuelle Regenerationsfähigkeit getestet, da von dieser abhängt, welche Belastungsumfänge im Training überhaupt kompensiert werden können. In unserer Disziplin spielt darüber hinaus die Bewe-

gungsschnelligkeit im Anlauf eine entscheidende Rolle. Also versuchen wir, über die Tests auch Rückschlüsse darüber zu erhalten, wie wir unser Schnelligkeitstraining optimal gestalten können.“ Jörn Elberding, Bundestrainer Stabhochsprung Männer, ergänzt: „Im absoluten Spitzenbereich ist eine optimale Trainings- und Wettkampfsteuerung unabdingbar. Natürlich nutzen wir hierfür die Experten des OSP Rheinland vor allem in der hochkomplexen Leistungsdiagnostik, um gemeinsam aus den erhobenen Daten Ansätze für Leistungspotenziale herauszuarbeiten und in die Trainingssteuerung zu integrieren.“ Die ausgezeichnete Arbeit der OSP-Mitarbeiter wie Dr. Argiris Vassiliadis und Dr. Oliver Heine nutzen mittlerweile viele Spitzenverbände auch, um den Experten die wissenschaftliche Leitung bei zentralen Lehrgangsmaßnahmen oder Trainingslagern zu übertragen. Und so erreichen die OSP-Zentrale in Köln-Müngersdorf nicht selten Grüße wie jene aus dem Höhentrainingslager der Taekwondo-Nationalmannschaft in Mexiko: „Mission accomplished – auch auf über 2.000 Meter Höhe leben wir die ‚Faszination Höchstleistung!‘“

DEZEMBER 2013 | KÖLN.SPORT

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KÖLN.SPORT.OSP RHEINLAND BIOMECHANISCHE LEISTUNGS-DIAGNOSTIK

Bewegungsabläufe unter der Lupe

Fotos: IMAGO (1), OSP Rheinland (3)

Der Erfolg der deutschen Stabhochspringer – gerade der aus dem Rheinland – ist kein Zufall, sondern vielmehr das Ergebnis harter Arbeit. In Leverkusen trainieren die Athleten unter Aufsicht von Dr. Falk Schade nach neuesten biomechanischen Kriterien. Nun soll hier einer der innovativsten Messplätze in ganz Deutschland entstehen

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KÖLN.SPORT | JANUAR 2014

Björn Otto erkämpfte sich bei Olympia 2012 die Silbermedaille – auch er hatte zur Vorbereitung die modernen Trainingsbedingungen am OSP Rheinland genutzt


O

lympic Stadium London, vorletzter Wettkampftag der Olympischen Spiele 2012: Björn Otto läuft an, rammt seinen 5,10 m langen Sprungstab in den Einstichkasten, katapultiert sich wie ein Artist in die Höhe, überquert ohne Berührung die Latte und lässt sich rückwärts in die Matte fallen. Im ersten Versuch meistert er 5,91 Meter und übernimmt die Führung. Auf dem Weg zu Olympia-Gold fängt ihn schlussendlich noch der Franzose Renaud Lavillenie mit seinem letzten Versuch über 5,97 m ab – Silber für Björn Otto, Bronze für Raphael Holzdeppe! In Köln sitzt in diesem Moment OSP-Leistungsdiagnostiker Dr. Falk Schade wie viele Millionen andere Zuschauer vor dem TV-Gerät und verfolgt gebannt das Finale. Jahrelang hat der Biomechaniker im Projekt „London 2012“ der deutschen Stabhochsprung-Nationalmannschaft mitgearbeitet. „Meine Aufgabe ist es, den Bewegungsablauf der Athleten mit Spezialkameras sozusagen elektronisch ins Visier zu nehmen und zu analysieren, zu welchem Zeitpunkt welche Energie in welcher Form freigesetzt wurde“, so der OSP-Experte. „Eine wichtige Größe ist beispielsweise die maximale Biegung des Stabes, die uns zeigt, ob genügend Energie vom Springer aus dem Anlauf in den Stab transferiert wurde.“ Diese kinetische Energie, die der Stab bei Einstich und Biegung speichert, gibt er in der Streckphase an den Athleten zurück und katapultiert

Dr. Falk Schade analysiert die Energie-Verteilung beim Sprung

ihn im besten Fall über die Latte. Ein komplexes Thema, das der 46-Jährige auch in seiner Doktorarbeit behandelte. Diese neuesten Erkenntnisse zur Interaktion zwischen Athlet, Sprungstab und Boden flossen parallel in ein Projekt ein, dem OSPLeiter Michael Scharf mit großer Vorfreude und Stolz entgegensieht: „In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband, dem DOSB sowie dem Bundesministerium des Innern entsteht beim TSV Bayer 04 Leverkusen unter Dr. Schades Federführung einer der innovativsten Messplätze im deutschen Sport. Ich bin überzeugt, dass dadurch die starke Rolle der deutschen Athleten und Athletinnen im Stabhochsprung auf Jahre hin abgesichert werden kann.“

Beeindruckende Entwicklung Jörn Elberding, Männer-Bundestrainer Stabhochsprung, freut sich auf die neuen Möglichkeiten: „Wir werden zukünftig noch besser bestimmen können, inwiefern sich Bewegungsänderungen in den verschiedenen Sprungphasen auf den Energieaustausch zwischen Athlet und Stab auswirken. Mein Dank gilt allen Partnern, die dieses Projekt ermöglichen und uns auf dem Weg zu weiteren Höhenflügen so tatkräftig unterstützen.“ Dr. Falk Schade, früher selbst Zehnkämpfer und Stabhochspringer, erläutert die Vorzüge des neuen Mess-Systems: „In den letzten Jahren hat sich unser Kenntnisstand in Bezug auf die Biomechanik des Stabhochsprungs stark weiterentwickelt. Wir haben ausgesprochen gute und innovative Ansätze, die Energiebilanz des gesamten Sprungs weiter auszudifferenzieren – nun bekommen wir mit dem modernen Messplatz auch die entsprechende Technik zur Verfügung gestellt, um unser Know-how individuell, effektiv und nachhaltig im Trainingsprozess der Stabhochsprung-Elite zur Anwendung zu bringen.“ Herzstücke des neuen Messplatzes sind ein Video-Feedback-System, jede Menge HighSpeed-Kameras in unterschiedlichsten Positio-

nen, Doppel-Lichtschranken im Bereich des Anlaufes sowie Kraftmessplatten im Anlauf und unter dem Einstichkasten – die komplette Technik selbstverständlich auf aktuellstem Stand. Zum Einsatz kommt dabei ein markerbasiertes Bewegungsanalyse-System, welches mittels Infrarottechnologie ein automatisches Trecking (Abtasten der Marker) ermöglicht, was den Aufwand der Datenauswertung erheblich reduziert und überhaupt erst Messplatztraining der Athleten mittels Energieparametern möglich macht. OSP-Athlet Björn Otto (ASV Köln), der auch bei seinem Hobby Gleitschirmfliegen oder im Rahmen seiner Ausbildung zum Verkehrspiloten des Öfteren am Himmel „kratzt“, probiert sich seit über 20 Jahren in der waghalsigen Disziplin Stabhochsprung. Nach vielen Verletzungen machte sich der Modellathlet das Jahr 2012 selbst zum größten Geschenk: Silber bei der Hallen-WM, Silber bei der Freiluft-WM und Silber bei den Olympischen Spielen in London. Anschließend knackte er noch mit 6,01 m den deutschen Freiluftrekord. Im Endspurt seiner so langen Laufbahn blickt der inzwischen 36-Jährige zurück auf die Unterstützung durch den OSP Rheinland: „Es ist beeindruckend, wie sich die Trainingswissenschaft im Bereich der biomechanischen Leistungsdiagnostik in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat. Der neue Messplatz lässt mich mit großer Motivation und Vorfreude auf die neue Saison blicken, auch wenn uns zunächst das harte Grundlagentraining ganz schön zu schaffen macht – aber von nix kommt nix!“ Der TSV Bayer 04 Leverkusen ist dabei der einzig sinnvolle Standort für einen Messplatz Stabhochsprung, denn mit seiner Infrastruktur, der erstklassigen Leichtathletikhalle, den bereits existierenden Spezialgeräten für das Stabhochsprungtraining sowie den ansässigen Bundestrainern/Toptrainern bildet der erfolgreichste deutsche Leichtathletikverein auch das Zentrum des deutschen Stabhochsprungs.

JANUAR 2014 | KÖLN.SPORT

Fotos: IMAGO (1), OSP Rheinland (2)

Die Verteilung der verschiedenen Energieformen zeigt: Die Energie des Stabes macht beim Sprung einen enorm wichtigen Teil aus

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