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www.magazin66.de · Ausgabe 3/2013

Veranstaltungstipps aus der Region

Pfiffige Ideen für das Ehrenamt Seite 4

4 Extraseiten Erlangen

Herausgeber: Seniorenmagazin sechs+sechzig – Verein zur Förderung des Dialogs der Generationen e.V.


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sechs+sechzig Erscheinungstermine 2014 Heft 1: Anzeigenschluss: Heft 2: Anzeigenschluss: Heft 3: Anzeigenschluss: Heft 4: Anzeigenschluss:

7. März 3. Februar 6. Juni 2. Mai 5. September 8.August 5. Dezember 7. November

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sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 2/2013

I N H A Lt

3 Unser Titelbild zeigt Edeltraut Janke. Siehe Seite 4

Ehrenamt

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Her mit den alten Krawatten Edeltraut Janke produziert aus Schlipsen Designerstücke

Trend

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Gibt es bald keine gepflegten Gräber mehr? Angehörige können sich oft nicht mehr darum kümmern

Das liebe Geld

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Stifter geben nicht nur Geld Zentrum stellt auch die Kontakte zwischen Förderern und Begünstigten her

Ansichtssache

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Verdammt, wo bleibt die Altersmilde Täglich regen wir uns über tausend Sachen auf

Gesundheit

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»Aids ließ mich um Jahre altern« HIV­Kranke belasten massive Vorbehalte

Gesundheit

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Rauchen Sie noch? Argumente, um auch im Alter damit aufzuhören

Sport

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Den Cluberern geht öfter die Puste aus FCN­Seniorensportgruppe hält nach neuen Mitgliedern Ausschau

Portät

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Die Landfrau spinnt an ihrem traum Susanne Michl und ihr Leben im Einklang mit der Natur

Reportage

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Als Europa noch Grenzen hatte Bald jeder Tourist schmuggelte damals Wein, Zigaretten oder Devisen

Kleine Hilfen

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Die Kunst der langsamen Bewegungen Ursula Gottschalk veröffentlichte Bücher über Qi Gong und Tai Chi

Porträt

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Agnes läuft und läuft und läuft 94­jährige Wanderführerin ist ein Vorbild im Fränkischen Albverein

Erlanger Seiten E 26 Ist bald Schluss mit der Wassergymnastik? Marodes Frankenhof­Bad bringt Seniorengruppe in Schwierigkeiten E 28 Null toleranz in der Fußgängerzone Der Dauerkonflikt zwischen Radler und Passanten Buchtipps

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Blick in Chefetagen und Abgründe Bunte Mischung für den Bücherherbst

Experten

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Antifaltenmittel wächst im Kräutergarten Jutta Satorius gibt ihr umfangreiches Wissen an Jung und Alt weiter

Ratgeber

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Darf ein Altenheim etwas erben?

Große Hilfen

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Der trend geht zum Zweitrollator Das Hilfsmittel hat sich zum Lifestyle­Produkt gewandelt

Lug­ins­Land

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Willkommen im Land der 7185 teiche Mit Konrad Knöchlein auf dem Karpfenwanderweg um Uehlfeld

Kolumne

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Depp im Web

Das war schick

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Die Badekappe mit dem Stirnband

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Magazin

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Veranstaltungskalender

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Impressum

Liebe Leserinnen und Leser, einst hatten Stifter die Hoffnung, dass sich ihre gute (finanzielle) Tat im Jenseits auszahlt. Heute wollen die Geldgeber meist erleben, wie sich ihre Spenden im Diesseits auswirken. So auch das Ehepaar Steinhagen, das sich für eine Treuhand­ stiftung entschieden hat (Seite 10). Stiftungen liegen absolut im Trend, die Summen, die verwaltet werden, steigen. Zwischen Diesseits und Jenseits spielt sich auch eine weitere interes­ sante Entwicklung ab: Es geht um das Auflassen von Gräbern. Heute teilt sich die Gemeinschaft der Hinterbliebenen in diejenigen, die liebevoll Blumen und anderen Schmuck auf den Friedhöfen dekorieren, und in die Befürworter von anonymen, schmucklosen Gräberfeldern. Unser Lebensstil spiegelt sich auch bei der Grabpflege wider (Seite 6). Die Erinnerung an frühere Zeiten, als das Reisen in Europa noch von Geld­ wechseln, der Angst vor der Zollabfer­ tigung und langen Wartezeiten an den Grenzbäumen geprägt war, ist bei vielen Älteren lebendig. Vor allem die kleinen Pannen und großen Abenteuer bleiben im Gedächtnis und geben einen reizvol­ len Rückblick (Seite 26). Wer von der Arbeit der Hilfsorgani­ sation Oxfam profitiert, wird ebenfalls lange an das Engagement der Mitarbeiter zurückdenken. Ein Ehrenamt bei Oxfam spielt sich in einem besonderen Kleider­ laden ab (Seite 4). Aktiv sein hat viele Ausprägungen. Beispielsweise auf dem Fußballfeld. Beim Nürnberger Club spielen alte Herren mit Eifer wie in jungen Jahren (Seite 16). Überhaupt bietet unser Herbstheft dies­ mal viele Hinweise, Tipps und Anregun­ gen für Bewegung im Spätsommer. So lädt auch unsere Herbstwanderung zu einer Erkundungstour ein: Es geht durch das Karpfengebiet bei Höchstadt/ Aisch (Seite 36). Und für die ungemütlichen Tage, die weniger nach draußen locken, bietet eine breite Bücherauswahl Abwechslung (Seite 30). Viel Spaß bei der Lektüre wünscht: Die Redaktion Der Verein sechs+sechzig e.V. bedankt sich bei seinen Hauptsponsoren:


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EHRENAMt

sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Her mit den alten Krawatten! Edeltraut Janke produziert für die Hilfsorganisation Oxfam aus Schlipsen Designerstücke

Modisches aus alten Stücken: Edeltraut Janke und Oxfam-Shopleiter Jürgen Heußner zeigen Krawattenröcke und -taschen.

F

rüher befand sich in Edeltraut Jankes Zuhause im Nürnberger Nordosten ein Gästezimmer. Heute ist der Raum eher ein Krawat­ tenlager: 500 Exemplare lagern darin – fein säuberlich sortiert nach Muster, Farbe, Material. Was eine Frau mit so vielen Krawatten macht? Ganz einfach: neue Mode! Denn Edeltraut Janke schneidert aus Schlipsen originelle Handtaschen, Röcke und Schals, manchmal auch Handytaschen und Broschen. Basteln, Nähen und Stricken waren schon immer die Hobbys der 71­Jährigen. Vor vier Jahren wurde sie durch Zufall zur Mode­ Designerin, die aus alten Bindern Neues schafft: Wegen eines Armbruchs war sie in ihrer Mobilität stark eingeschränkt und musste aufs Radfahren, Schwimmen und so­ gar aufs Autofahren verzichten. Doch sie be­ suchte weiterhin kulturelle Veranstaltungen. Dort kam sie mit einer Frau ins Gespräch, die ihr erzählte, dass sie Taschen aus alten Krawatten herstellt. Edeltraut Janke gefiel

diese Spielart der Schneiderei so gut, dass sie sich erste Grundschnitte aus dem Inter­ net herunterlud. Und sie stieß so auf ein lukratives Geschäftsfeld: Über 650 Taschen hat die Nürnbergerin inzwischen verkauft, mehr als 14.000 Euro damit eingenommen – und zwar für einen guten Zweck. Denn die Erlöse wandern nicht in Jankes eigene Tasche, sondern kommen der Hilfs­ organisation Oxfam zugute. Diese setzt sich gegen die Armut weltweit ein, finanziert Hilfsprojekte wie den Bau von Brunnen oder Schulen in benachteiligten Regionen dieser Welt und stößt Kampagnen an, etwa gegen Spekulationen mit Lebensmitteln. Ein Drittel des Geldes erwirtschaftet die Organisation über Second­Hand­Läden, die Oxfam­Shops. In Deutschland gibt es bereits 42 davon, einer steht seit dem Jahr 2008 in Nürnberg. Betrieben werden die Shops ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern. Edeltraut Janke ist in Nürnberg seit der ersten Stunde dabei. Einen Vormittag pro Woche verbringt sie im Shop, sortiert

Spenden, preist sie aus, verkauft im Laden mit. Denn alles, was Oxfam veräußern will, wurde gespendet und muss sachkundig begutachtet werden. Unter dem Motto »Wir machen Überflüssiges flüssig« nehmen die Shops der Hilfsorganisation gebrauchte und gut erhaltene Kleider, Bücher, Haushaltswa­ ren und Spielzeug an. Gebraucht und gut erhalten Edeltraut Jankes Krawatten­Taschen hinge­ gen waren anfangs gar nicht für den Verkauf gedacht, vielmehr beglückte die ehemalige Altenpflegerin Kinder und Freunde damit. Bis eine Kollegin sagte: »Biete sie doch im Shop an!« Die Schneiderin wehrte ab: »Ach was, die will doch keiner«, – und lag damit kräftig daneben. Die ungewöhnlichen Produkte sprachen sich herum: Ihre Umhängetaschen gibt es in unterschiedlichen Größen, die Krawatten sind dafür längs zusammengenäht und na­ turgemäß auffällig koloriert oder gemustert, denn Edeltraut Janke hat natürlich nie sechs


EHRENAMt

sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

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Jedes Modell von Edeltraut Janke ist einzigartig. Ihre Kreationen können sich sehen lassen.

Blick in den Oxfam Shop Nürnberg.

gleiche Krawatten zur Hand. Für manche Taschen kombiniert sie verschiedene Strei­ fenkrawatten, andere sind kariert oder mit auffälligen Motiven versehen. Manchmal verwendet sie auch die dreieckigen Schlips­ Spitzen, sie schauen dann über den unteren Rand der Tasche hinaus.

in Stuttgart, Lübeck, Berlin, Frankfurt und Münster mit ihren Kreationen. »Die Krawat­ tenmode ist mein Ehrenamt im Ehrenamt«, sagt Janke lachend. An einer Tasche näht sie mindestens zwei Stunden, für einen Rock, der aus 16 Krawatten besteht, fällt mehr als ein Tag Arbeit an. Am längsten dau­ ert das Entwerfen: Welche Muster passen zusammen? Wie können die unterschiedlich breiten Binder so gestückelt werden, dass es eine Einheit ergibt? Inzwischen haben schon verschiedene Nürnberger Einzelhändler angeboten, ihre Taschen zu verkaufen. »Aber ich will nicht, dass andere etwas daran verdienen«, sagt sie resolut. Schließlich passt die Krawatten­ mode doch so gut zum Konzept von Oxfam: »Das ist Recycling in seiner schönsten Form: Aus den Jugendsünden unserer Männer entsteht Mode von heute.«

Lieferung aus Paris Bald erreichten unzählige Krawattenspen­ den den Shop. »Eigentlich wollte ich ja aufhören mit den Taschen. Aber die Kunden lassen mich nicht«, erzählt die 71­Jährige. Da kam zum Beispiel die Witwe, die die alten Schmuckstücke ihres verstorbenen Mannes vorbeibrachte und daraus eine Tasche haben wollte. Und da war die In­ dustriellengattin Carmen Würth, die gleich für 100 Euro Schals bei Edeltraut Janke kaufte und hinterher die Pariser Krawatten­ Modelle ihres Mannes für einen Großauftrag schickte. Inzwischen ist die Designerin mit dem flotten Kurzhaarschnitt und der sympathi­ schen Ausstrahlung mit ihren Kreationen viel auf Ausstellungen unterwegs, immer im Namen von Oxfam. Allein auf der Messe In­ viva im Frühjahr nahm sie gut 600 Euro ein. Für eine große Tasche verlangt sie 30 Euro, für einen Rock 150. »Ich habe die Preise extra angehoben, damit weniger gekauft wird«, erzählt Janke.»Aber es hilft nichts.« »An ihren Werken kommt halt keine Frau vorbei«, sagt Jürgen Heußner und lacht. Der 69­Jährige engagiert sich wie Janke bei Oxfam, hat den Nürnberger Laden mit aufge­ baut und leitet ihn inzwischen. 30 Jahre lang war er bei der VAG in führenden Positionen

tätig, »das Planen und Managen liegt mir ein­ fach«. Nach anderthalb Jahren im Ruhestand suchte er dann eine neue Herausforderung – und stieß zufällig auf eine Zeitungsannonce, in der Oxfam Mitarbeiter für seinen geplan­ ten Laden in Nürnberg suchte. Heußner war von Anfang an begeistert von der Arbeit, war erst ehrenamtlicher Schicht­, später dann Shopleiter. Heute ko­ ordiniert er knapp 70 Mitarbeiter, kümmert sich um den Papierkram, erstellt Schichtlis­ ten und übernimmt Hausmeister­Arbeiten. Außerdem steht er selbst einmal pro Woche hinter dem Verkaufstresen oder im Lager, wo er für CD­ und DVD­Spenden zuständig ist. Für sein Nürnberger Team hat er nur lobende Worte parat: »Hier ziehen alle an einem Strang, sind begeisterungsfähig und zuverlässig. Diese Motivation ist sehr wohl­ tuend; das kenne ich aus dem Berufsleben so nicht.« Welche Muster passen zusammen? Kein Wunder, dass der 69­Jährige inzwi­ schen sogar auf anderer Ebene bei der Orga­ nisation mitmischt: Er ist Mitglied im Verein Oxfam Deutschland. Wenn dort die Gelder verwaltet und Hilfsprojekte koordiniert wer­ den, ist Heußner die Stimme der ehrenamt­ lichen Ladenmitarbeiter. Immerhin ist die Oxfam Shop GmbH eine hundertprozentige Tochter des Vereins und hat 2012 über zehn Millionen Euro Bruttoumsatz erzielt. Wie Heußner ist auch der Name Edel­ traut Jankes in der Oxfam­Welt hinreichend bekannt. Aus ganz Deutschland schicken die Läden gespendete Schlipse an die Nürn­ bergerin, sie wiederum beliefert die Shops

Annika Peißker; Fotos: Mile Cindric

I N F O R M AT I O N Der Oxfam-Shop befindet sich in der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße 16 in Nürnberg, Tel. 0911 20 29 510. Er ist montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Spenden können während der Öffnungszeiten abgegeben werden.


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tREND

sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Gibt es bald keine gepflegten Gräber mehr? Friedhöfe verändern sich: Angehörige können sich oft nicht mehr darum kümmern

W

enn Johanna Schiller (Name geändert) zum Grab ihrer El­ tern, Groß­ und Urgroßeltern auf dem Nürnberger Süd­ friedhof geht, dann sieht sie sich jedes Mal als achtjähriges Kind an der Hand ihrer Großmutter. »Die Bilder von den regelmäßigen, gemeinsamen Spaziergängen hierher und durch die engen Gräberreihen tauchen dann in meiner Erinnerung auf.« Das Einpflanzen der Geranien, das Säubern der Grabumrandung, die Erzählungen der Oma vom Sohn, der im Krieg gefallen war, von ihrem Mann, Johannas Opa, der hier liegt. Es sind so viele Eindrücke, die der heute 69­Jährigen in diesem Moment in den Sinn kommen. Und wenn die Oma dann nach getaner Grabpflege schweigend vor dem Grabstein stand, die kleine Johanna an der einen, die Gießkanne in der anderen Hand, entstanden für die Enkelin, heute selbst Oma von zwei Enkelsöhnen, unaus­ löschliche Erinnerungen. Starke Wirkung Doch hat ein Friedhofsbesuch immer noch diese starke Wirkung? Welche Bedeutung hat er für die Menschen? »Kein Zweifel: Auch Friedhöfe, und damit auch die Grabkultur, befinden sich im Wandel«, schildert der Leiter der städtischen Friedhofsverwaltung in Nürnberg, Günther Gebhardt, seine Erfahrung. Ohne sich dem Zeitgeist zu unterwerfen, geht man in der Friedhofsverwaltung mit der Zeit, reagiert nicht nur auf die Bedürfnisse und Gege­ benheiten der Bevölkerung, sondern macht selbst Angebote. In ansprechender und übersichtlicher Aufmachung bietet die klei­ ne Broschüre »Friedhofswegweiser« einen Katalog von Bestattungsmöglichkeiten an. Unsere mobile Gesellschaft wirke sich eben auch auf die Friedhofskultur aus, meint der 62­jährige Gebhardt. In Kurz­ fassung: Schule in Nürnberg, Studium auswärts, Berufsleben ebenfalls in einer anderen Stadt, »doch die Gräber der Ange­ hörigen bleiben hier.« Es sind vorwiegend Senioren wie Johan­ na Schiller, die sich in traditioneller Weise um die Pflege des Grabes kümmern. Aus­ wärtige Angehörige, denen überhaupt noch etwas an einer Grabstätte liegt, sind deshalb dankbar für eine pflegefreie Ruhestätte. Sei es, dass die Urne wie im Urnenhain des Nürnberger Südfriedhofs unter Ginkgobäu­ men bestattet wird und sich die Asche des Toten mit den Jahren mit der Erde verbin­

Das Grab eines Zirkusdirektors am Nürnberger Südfriedhof ist reich mit Blumen und Figuren geschmückt. Links: Das Kindergrab ist nur an den Figuren zu erkennen.

det, sei es eine Baumbestattung, bei der 16 Urnen im Kreis um einen Baum herum in der Erde versenkt werden und eine zentrale Stele Name, Sterbedatum und Baumnum­ mer der Verstorbenen enthält. »Gleichwohl«, sagt Gebhardt, »kann man daraus nicht auf einen zunehmenden Trend zur Urnenbestattung schließen.« Es habe nur marginale Veränderungen im Verhalten der Hinterbliebenen gegeben. Schon immer überwogen auf den städtischen Friedhöfen

mit einem Anteil von zwei Drittel die Urnen­ bestattungen. Andere Erfahrungen machen da beispiels­ weise die kirchlichen Friedhöfe und die Gottesäcker in kleineren Städten wie Schwa­ bach. Angelika Becker von der Friedhofsver­ waltung in der Goldschlägerstadt: »Hatten wir vor etwa zehn Jahren noch 70 Prozent Erd­ und 30 Prozent Urnenbestattungen, so hat sich das Verhältnis fast umgekehrt.« Im Jahr 2012 verzeichneten die Schwabacher auf ihren beiden Friedhöfen 43 Prozent Erd­ und 57 Prozent Urnenbestattungen. »Vielen fehlt das Geld«, weiß die 49­jährige Becker, Geld für Anschaffung und Unterhalt eines Grabes. »Und vor allem ältere Menschen schaffen aus gesundheitlichen Gründen die Pflege nicht mehr.« Die Folge: Die Zahl der Auflassungen steige. Bis es freilich soweit


tREND

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Flusskreuzfahrt: Köln – Antwerpen – Amsterdam – Köln 19.04. – 26.04.2014

Dergleichen Auflagen gibt es für die zehn städtischen Friedhöfe nicht, die rund 90.000 Gräber auf einer Fläche von 125 Hektar beherbergen. So existiert auf dem Süd­ friedhof ein eigens für Muslime gestaltetes Gräberfeld, wo sie nach ihren religiösen Vor­ schriften die Verstorbenen in Gräbern, die nach Südosten ausgerichtet sind, bestatten können. Ab diesem Herbst planen Gebhardt und seine rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitar­ beiter auf dem Westfriedhof auch die Anlage pflegefreier Erdgräber. Und wenn Gräber nach Ablauf der Ruhefrist und einer nicht mehr gegebenen Verlängerung eingeebnet würden, so werde die Fläche auch dazu verwendet, um die Wege für Rollstuhlfahrer und Senioren zu verbreitern, die mit einem Rollator zu einem Grab gelangen wollen. Bis ein Gräberfeld allerdings leer sei, dauere es bis zu 50 Jahre, versichert Gebhardt. Eines haben indes alle in Friedhofsver­ waltungen Tätigen festgestellt: Sterben und Tod und damit der Gedanke an eine, auch die eigene letzte Ruhestätte, sind in unserer Gesellschaft durchaus wieder ein Thema. Günther Gebhardt: »Friedhöfe sind eben auch Orte für die Lebenden und nicht nur für die Toten.« Günter Dehn; Fotos: Michael Matejka

I N F O R M AT I O N Friedhofsverwaltung Nürnberg Spitalgasse 1, 90403 Nürnberg Tel. 0911/231-8483 www.friedhofsverwaltung.nuernberg.de

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Nach Südosten ausgerichtet

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komme, sei oft ein nicht unerheblicher Verwaltungsaufwand nötig. Die Suche nach Angehörigen gleicht vielfach einem krimina­ listischen Marathon. Auch die kirchlichen Friedhöfe stellen einen Trend zur Urnenbestattung fest. Matthias Müller, verantwortlich für die Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus in Nürnberg, registriert immer häufiger eine »Rückgabe des Grabrechts nach Ablauf des Nutzungsrechts«. So seien auf dem Johan­ nesfriedhof derzeit etwa 300 und auf dem Rochusfriedhof um die 500 Grabstellen frei. Wer allerdings auf einem dieser Friedhöfe eine letzte Ruhestätte wünsche, müsse einer christlichen Konfession angehören.

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Herbst-Highlights

MAGAZIN

Informationen über Demenz in den Stadtteilen Demenz macht vor niemandem Halt. Egal, ob arm oder reich, gebildet oder weniger gebildet. Nicht geklärt ist bislang, ob und wie der bisherige Lebensstil bei der Erkrankung eine Rolle spielt. In Nürnberg leben nach neueren Hochrechnungen etwa 9.000 Men­ schen mit einer Demenz. Inzwischen kennt fast jeder eine betroffene Person, sei es in der eigenen Verwandtschaft, sei es im Bekannten­ kreis oder der Nachbarschaft. Die Nürnberger Seniorennetzwerke bieten in Zusammenarbeit mit dem »Netzwerk Demenz Nürnberg« der Angehörigenberatung e.V. von Montag, 4. November, bis Freitag, 15. November 2013, während der »Demenzwochen« Veranstaltungen rund um das Thema an. Ein wichtiger Schwerpunkt ist der Umgang mit Betroffenen. Daneben werden auch Fragen zu Medikamenten, die Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern, wie Depression, behandelt. Auch die Frage, ob, und wie man einer Demenz vorbeugen kann, wird diskutiert. Inter­ essierte können sich bei der »Angehörigenberatung e.V.« oder beim Seniorenamt Nürnberg vorab informieren. Ab Mitte Oktober liegt im Seniorenamt der Stadt und in den Seniorennetzwerken ein Faltblatt mit der kompletten Programmübersicht aus. Angehörigenberatung e.V., Tel. 0911 266126 Seniorenamt, Hans-Sachs-Platz 2, Info-Tel. 0911 23166 64

im Augustinum Roth

Weihnachtsgala des Seniorenamts

Das Augustinum Roth bietet Ihnen wieder ein hervorragendes Kulturprogramm mit vielen interessanten Veranstaltungen. Unter anderem erwarten Sie:

Die beiden festlichen Nachmittagskonzerte im großen Saal der Nürnberger Meistersingerhalle sind für viele ältere Bürger ein Höhepunkt in der Vorweihnachtszeit. In diesem Jahr finden sie am Donnerstag, 19. Dezember, und Freitag, 20. Dezember 2013, jeweils von 14 bis 17 Uhr statt. Im Mittelpunkt der Gala stehen der Kam­ mersänger und Tenor Heiko Reissig. Zudem wird die langjährige Kooperation mit der Nürnberger Hochschule für Musik noch stärker in der Programmgestaltung spürbar sein. Zu beachten sind allerdings neue Modalitäten beim Kartenvorver­ kauf: Er wird nicht mehr über das Seniorenamt abgewickelt, son­ dern über die Kulturinformation Nürnberg. Die Eintrittskarten sind ab Montag, 11. November 2013, 9 Uhr an folgenden fünf Verkaufs­ stellen erhältlich:

Dienstag, 17. September, 19:30 Uhr

Regenbogen der Emotionen

Flamencoshow mit Sybille Klüser, begleitet von Frank Ihle an der Gitarre Samstag, 28. September, 19:30 Uhr

Jazz einst und jetzt - Traditionell bis Swing

Konzert mit dem Jazzbreeze-Quartett Mittwoch, 20. November, 17:30 Uhr

In Nürnberg: Kultur Information, Königstr. 93, Tel. 0911 2314000, Mo­Fr, 9­19, Sa, 9­16 Uhr Nürnberger Nachrichten ticket Corner, Mauthalle, Hallplatz 2, Tel. 0911 2162298, Mo­Fr, 8­18, Sa, 10­13 Uhr theaterkasse im Opernhaus Nürnberg, Richard­Wagner­Platz 2, Tel. 01801 344276, Öffnungszeiten: Mo­Fr, 9­18, Sa, 9­13 Uhr

Experten am Pult: »Die Generationenbilanz«

Vortrag mit Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen Nutzen Sie die Gelegenheit, um alles über das Leben im Augustinum zu erfahren. Jeden Mittwoch kostenloser Taxitransfer zur Hausführung im Augustinum Roth. Informationen und Anmeldung unter Tel. 091 71 / 805 - 1810

In Fürth: Franken-ticket, Königstr. 95, Tel. 0911 749340; Öffnungszeiten: Mo­Fr, 10­20, Sa, 10­14 Uhr In Erlangen: Kartenvorverkauf im E-Werk, Fuchsenwiese 1, Tel. 09131 800555; Mo­Fr, 10­18, Sa, 10­14 Uhr

Am Stadtpark 1 91154 Roth Tel.: 091 71 / 805 - 1810

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Die Karten kosten 12 Euro, Nürnberg-Pass-Besitzer erhalten gegen Vorlage des Passes eine Ermäßigung von 50 Prozent. Die Eintrittskarten zur Weihnachtsgala beinhalten ab sofort zusätzlich ein kostenloses VGN-Ticket, das zur Hin- und Rückfahrt berechtigt. Das Programm der Weihnachtsgala liegt beim Kartenverkauf aus.

19.08.13 14:34


MAGAZIN

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Benefizkonzert mit Alexander Shelley und Michael Roll Sie sind sehr beliebt: die Herbst­Benefizkonzerte der HypoVereinsbank zugunsten des Magazins sechs+sechzig und der Lebenshilfe Nürnberg. Beim dritten Konzert, am 27. September 2013, im Musiksaal der Nürnberger Symphoni­ ker, treffen der Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker, Alexander Shelley, und der eng­ lische Klaviervirtuose Michael Roll aufeinander. Eingestimmt werden die Konzertbesucher mit der 15­minütigen Little Klaviervirtuose Michael Roll Suite Nr. 1 op. 80 von Malcolm Arnold. Danach dirigiert Alexander Shelley Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 G­Dur op. 58. Dieses Stück spielt der britische Beethoven­Klavier­Interpret Michael Roll. Im zweiten Teil des Bene­ fizkonzerts dürfen sich die Besucher auf Johannes Brahms Sympho­ nie Nr. 2 D­Dur op. 73 freuen. 27.9.2013, Benefizkonzert der HypoVereinsbank zugunsten des Magazins sechs + sechzig und der Lebenshilfe Nürnberg, 19.30 Uhr, Musiksaal der Nürnberger Symphoniker, Bayernstraße 100 in Nürnberg, Karten für 19 Euro, Schüler und Studenten sowie Menschen mit Behinderung zahlen einen ermäßigten Preis von 12 Euro. Vorverkauf: bei der Geschäftsstelle der Lebenshilfe Nürnberg, Frau Oppel, Fürther Straße 212, Tel. 0911 58793-533 sowie den Filialen der Hypo-Vereinsbank Nürnberg: Lorenzer Platz 21, Tel. 0911 2164-1219, Sulzbacher Straße, Tel. 0911 586872-18, Glogauer Straße, Tel. 0911 98088-52. Restkarten gibt es an der Abendkasse etwa eine Stunde vor Konzertbeginn. Es besteht freie Platzwahl.

ERH-Landkreistag 50plus Auch auf dem Land gibt es neue Angebote für Ältere. So zum Beispiel im Erlanger (Um­)Land. Angestoßen werden die Aktionen, Infobörsen und Vorträge oft von Politikern, die selbst in die Jahre gekommen sind und Defizite im Umgang mit der älteren Generation bemerkt haben. Landrat Eberhard Irlinger ist deshalb Schirmherr und Gastgeber der Veranstaltung »Landkreistag 50plus – Gemeinsam älter werden im Landkreis ERH« am Sonntag, 3. November 2013 in Höchstadt. So reichen die Vorträge, die ab 12.45 Uhr beginnen, von Themen wie der Genossenschaft für Wohngemeinschaften für Ältere, über die Rente, bis hin zu Informationen der Polizei über Abzocke bei so genannten Kaffeefahrten. Aber auch für diejenigen, die sich bewegen wollen, ist gesorgt: Mitmach­Aktionen mit Physio­ Sporttherapeuten werden ebenso angeboten wie Küchle backen. Zu Letzterem sind auch Männer herzlich eingeladen. Sie können aber auch im Fahrsimulator ihre Reaktion testen und bei der örtlichen Feuerwehr vorbeischauen. Weitere Informationen bei Anna Maria Preller, Seniorenbeauftragte, Landratsamt Erlangen-Höchstadt, Tel. 09131 803-277, anna.maria.preller@erlangen-hoechstadt.de Sonntag, 3.11.2013, Staatl. Realschule, Höchstadt, Rothenburger Str. 10

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Schöne Perspektiven für Patienten Seit Januar gehört die EuromedClinic zur Schön Klinik, seit April tragen wir den Namen: Schön Klinik Nürnberg Fürth. Damit verbunden ist ein gemeinsames Qualitätsversprechen. In insgesamt 16 Krankenhäusern der Klinikgruppe erleben Patienten dank einer messbar und spürbar besseren Medizin konkrete Behandlungsfortschritte. Von unserer Qualität in Medizin und Service profitieren auch weiterhin gesetzlich und privat versicherte Patienten.

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DAS LIEBE GELD

sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Stifter geben nicht nur Geld Zentrum stellt auch die Kontakte zwischen Förderern und Begünstigten her

Stifterin Sieglind Steinhagen engagiert sich auf vielfältige Weise. Hier besucht sie ein Schulkind in der frisch renovierten tagesstätte des Rummelsberger Stiftungszentrums.

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tiften liegt im Trend. 19.551 Stif­ tungen weist der Bundesverband Deutscher Stiftungen für das Jahr 2012 aus, das sind 3,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Heuer sind weitere hinzugekommen. Die Stiftun­ gen verwalten zusammen ein Vermögen von rund 100 Milliarden Euro. Das Grundkapital darf niemals angetastet werden, es besteht für die Ewigkeit. Doch mit ihren Zinser­ trägen leisten Stifter und Stiftungen einen unverzichtbaren Beitrag für das soziale und kulturelle Leben im Land. Allein 36 Treuhand­Stiftungen sind unter dem Dach des Rummelsberger Stiftungszentrums organisiert. Diese Einrichtung der Diakonie im Nürnberger Land ist eine ganz junge: Sie bündelt seit fünf Jahren treuhänderi­ sche Stiftungen, die schon mit kleineren Beträgen ins Leben gerufen werden können, berät bei Zu­ und Unterstiftungen und steht auch bei der Gründung einer eigenen rechtsfähigen Stiftung mit größerem Kapi­ taleinsatz zur Seite. Das Stiftungszentrum übernimmt die gesamte Verwaltung. Wie vielfältig das unterschiedliche Engagement

der Rummelsberger Stifter wirkt, zeigen die folgenden Beispiele. Diakon Mathias Kippenberg, der Leiter des Rummelsberger Stiftungszentrums, ver­ sammelt nicht nur Bürgerinnen und Bürger um sich, die seit vielen Jahren einen Teil ihres Vermögens in Einrichtungen der Rum­ melsberger Anstalten fließen lassen. Er hat auch die Mitarbeiter zum Gespräch gebeten, die vor Ort dafür sorgen, dass das Geld gut und sinnvoll angelegt ist. Praktikum auf der Baustelle Wie etwa Roland Kopp, Werkerzieher im Jugendhilfeverbund. Er betreut 24 junge Burschen zwischen 13 und 16 Jahren, die – teils lernbehindert, teils erziehungsschwie­ rig – neben einem Schulabschluss auch eine Lebensorientierung mitbekommen sollen. Sie absolvieren deshalb Praktika in Haus­ wirtschaft genauso wie auf Baustellen und lernen dabei Kollegialität, Hilfsbereitschaft und den schonenden Umgang mit Werkstof­ fen und Material. Die Jungs bauen gerade in Hersbruck ohne Hilfe von Profifirmen ein acht mal

zehn Meter großes Holzhaus, das künftig für Freizeiten genutzt werden soll. Finanziert wird das Ganze aus Mitteln der Treuhand­ Stiftung von Sieglind und Rüdiger Stein­ hagen. Das kinderlose Ehepaar (sie ist 62 Jahre alt, er 65) gehört zu den Mitgliedern der ersten Stunde im Rummelsberger Stif­ tungszentrum. Seit 2007 hat sich bei dem ehemaligen Siemens­Mitarbeiter, der viel im Ausland unterwegs war, und seiner Frau die Einstellung zu Luxus und den so genannten schönen Dingen des Lebens geändert. »Wir hatten in unserem Leben so viel Glück und sind zu der Erkenntnis gelangt, dass wir hier vor Ort etwas bewegen möchten«, sagen sie. Und so haben die beiden eine ganz beson­ dere Beziehung zum Holzhaus im Nürnber­ ger Land entwickelt: Sie tragen nicht nur die Kosten für die Photovoltaik­Anlage auf dem Dach, sondern legen auch noch selbst Hand an. »Wir helfen beim Kabelverlegen und Verdrahten, und in einigen Räumen brennt das Licht schon«, sagt Rüdiger Stein­ hagen, der sich trotz eines kürzlich über­ standenen Herzinfarkts seine Euphorie nicht nehmen lässt. Er spendet damit neben Geld


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auch Zeit. Und Werkerzieher Kopp ergänzt, wie wichtig es sei, dass die Jugendlichen durch das gemeinsame Arbeiten lernen, ihre Bedürfnisse auszudrücken und nicht einfach wegzurennen, wenn es mal brenzlig wird: »Die Jungs pflegen auch das Grundstück sel­ ber, und im Winter erledigen sie die ganze Waldarbeit mit der Hand.« Vorleserin mit großem Herz Dieser Gedanke, durch Nachhaltigkeit ein Beispiel für kommende Generationen zu schaffen und als Stifter mitzuerleben, dass der eigene Nachlass gut angelegt ist, ist für Diakon Volker Deeg ein bestechendes Argu­ ment bei der Überlegung, eine Stiftung zu gründen. Deeg leitet die Abteilung Marke­ ting, Organisations­ und Personalentwick­ lung bei den Rummelsbergern und ist zudem Chef des Wichernhauses in Altdorf, einer großen Komplexeinrichtung für Menschen mit Behinderung. Auch dort sind Stiftungs­ gelder angelegt. Sie machen hier sichtbar, dass Werte und Vermögen Ertrag bringen. Die ehemalige Lehrerin Liselotte Ken­ ner (74) aus dem Nürnberger Norden hat ebenfalls ein großes Herz für Kinder und Ju­ gendliche. Der Pädagogin engagiert sich in der Nürnberger Fenitzerstraße im »Haus der Talente«. Dort ist sie nicht nur als Vorleserin aktiv, sondern möchte, dass Kinder frühzei­

Was ist eine Stiftung? Der Erlanger Rechtsanwalt Dr. Reinhard Glimm, Fachanwalt für Erbrecht, erläutert, dass man unter einer Stiftung eine Einrichtung versteht, die regelmäßig mit Rechtsfähigkeit ausgestattet und verbandsmäßig organisiert ist. Sie soll einen vom Stifter bestimmten Zweck mit Hilfe eines dazu gewidmeten Vermögens dauernd fördern. Für eine solche selbstständige Stiftung benötigt man eine Dr. Reinhard Mindestkapitalausstattung in Höhe von 25.000 bis 50.000 Euro. Eine Alternative dazu ist die unselbstständige Stiftung, auch Treuhandstiftung genannt. Hier wird das Vermögen (Mindesteinsatz 5000 Euro) nicht vom Stifter, sondern von einem so genannten Stiftungstreuhänder verwaltet, zum Beispiel von der Rummelsberger Diakonie. Eine besondere Erscheinungsform ist die Bürgerstiftung, wie sie

tig eine musikalische Bildung bekommen. Eine Freundin, ebenfalls Stifterin, knüpfte den Kontakt zu Mathias Kippenberg, der auch gleich die Idee hatte, Liselotte Kerner und die Kinder der Fenitzerstraße zusam­ menzubringen. Für Liselotte Kenner hat das Stiften einen wichtigen sozialen Aspekt: »Viele von uns sind alleinstehend, haben keine Familie. Deshalb finde ich es wunderbar, dass Diakon Kippenberg regelmäßig Stiftertreffen und gemeinsame Ausflugsfahrten organisiert.« Dadurch lerne man sich besser kennen. Dass mittlerweile aus dieser Gemeinschaft Freundschaften hervorgegangen sind, kann Kippenberg, dessen Diskretion und Zurück­ haltung von allen ausdrücklich gelobt wird, nur bestätigen. Unterstützung für Sterbebegleiter

Stifterin Lieselotte Kenner.

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Den Schwerpunkt Seniorenarbeit hat sich Hans­Georg Ernst (88) für seine Stiftung ausgewählt. Da seine gleichaltrige Frau in der Pflegeabteilung des Rummelsberger Stephanushauses mittlerweile verstorben ist, hat er gerne Kontakt zu Diakon Herbert

auch in Nürnberg existiert. Sie wird von mehreren Stiftern gemeinsam errichtet und fördert auf lokaler Ebene unterschiedliche gemeinnützige Zwecke. Derzeit werden in Deutschland jährlich bis zu 1000 neue Stiftungen gegründet. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen schätzt, dass es 20.000 bis 45.000 unselbstständige Stiftungen gibt, deren Vermögen sich Glimm auf mehr als 100 Milliarden Euro summiert. Etwa 95 Prozent aller Stiftungen sind gemeinnützig, das heißt, sie fördern dem Gemeinwohl zu Gute kommende Zwecke und sind steuerlich begünstigt. Darüber hinaus gibt es die Zustiftung. Sie ist die einfachste Form des Stiftens. Hier wird vom Stifter das Kapital einer bestehenden Stiftung aufgestockt.

Bühling, dem stellvertretenden Leiter des Altenhilfeverbundes. Diakon Bühling und sein Kollege Johannes Deyerl, der für die Hospizarbeit im Nürnberger Land zuständig ist, erläutern eindrucksvoll, wie knapp die Mittel für die Altenhilfe mittlerweile gewor­ den sind. Ohne zusätzliche Einnahmequel­ len wären eine vernünftige Unterstützung und Weiterbildung der ehrenamtlichen Ster­ bebegleiter in den Heimen, die Betreuung von schwerstkranken und sterbenden Men­ schen oder der Besucherdienst für alleinste­ hende Senioren nicht mehr denkbar. »Und wenn man dann noch mit der finanziellen Hilfe von Herrn Ernst am Stephanushaus einen Streichelzoo bauen kann, dann ist dies eine tolle sichtbare Ergänzung unserer Arbeit«, sagt Bühling. Ein Beispiel haben sich die Stifter bei ihrem Treffen dann auch angesehen: Das mittlerweile 30 Jahre alte Jugendhaus­ zentrum der Rummelsberger, ein damals innovatives Konzept von Tagesstätten für Schüler und Jugendliche mit Erziehungs­ (Fortsetzung Seite 12)


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defiziten. In kleinen Wohngruppen können dort verhaltensauffällige Schüler in speziell gestalteten Räumen ihre Hausaufgaben machen, gemeinsam essen und spielen. Das Raumkonzept und die stabilen Holzmöbel dafür wurden in der eigenen Schreinerwerk­ statt entworfen und umgesetzt. Für maxi­ mal neun Kinder stehen zwei Betreuer zur Verfügung, die, neben den Lehrern in der Förderschule, Ansprechpartner und Helfer sind. Die Gebäude selber sind schon etwas in die Jahre gekommen und deshalb stehen seit einiger Zeit umfangreiche Renovie­ rungsarbeiten an. Fassaden werden erneu­ ert, Zimmer neu gestaltet. Auch dies sind sichtbare Beweise für den sinnvollen Einsatz von Stiftergeldern.

Banken umwerben die Erben Stiftungen sind für etliche Banken zu einem dynamisch wachsenden Geschäftsfeld geworden. Das zeigen die beiden folgenden Beispiele. Einmal die HypoVereinsbank, die seit Gründung des Magazins sechs+sechzig zu dessen Förderern der ersten Stunde gehört, und die Nürnberger Sparkasse, die mit der Zukunftsstiftung viel bewegt und sich auf dem Gebiet stark engagiert. Neuestes Projekt der Sparkasse ist ihre Stiftergemeinschaft Nürnberg, die Zustiftungen ab 1000 Euro ermöglicht und ab 25 000 Euro Stiftungsfonds anbietet, bei denen die Geldgeber den Namen der Stiftung festlegen können, den Zweck sowie die begünstigte Einrichtung.

Die HypoVereinsbank begann vor über fünfzehn Jahren als eine der ersten Banken überhaupt, die Vermögensberatung um den Aspekt der Vermögensnachfolge und Generationensicherung zu erweitern. In der Metropolregion ist die HypoVereinsbank Hausbank von gut 500 Stiftungen. Des weiteren stellt die Hypo in der Region Bayern-Nord den ehrenamtlichen Vorstand für über 40 Stiftungen und übernimmt die Verwaltung. Die jährlich erwirtschafteten Stiftungserträge fließen den in den Satzungen festgelegten Zwecken zu. Darüber hinaus wurden in Zusammenarbeit mit der Stiftung »Stifter für Stifter« in den vergangenen Jahren gut 50 Treuhandstiftungen für Kunden deutschlandweit gegründet.

HypoVereinsbank Rechtsfähige Stiftungen Stiftungskapital 2012: ca. 20 Mio Euro Fördermittel 2012: ca. 160 Tsd. Euro

Hypo-Kulturstiftung Stiftungskapital: rund 11,5 Mio. Euro Fördermittel 2012: rund 400 Tsd. Euro

treuhandstiftungen Stiftungskapital: ca. 6 Mio. Euro Fördermittel 2012: ca. 50 Tsd. Euro

UniCreditFoundation Bilanzsumme 2012: 10.164.016 Euro

Karin Jungkunz; Fotos: Mile Cindric

I N F O R M AT I O N Wer sich selber mit dem Gedanken befasst, sein Vermögen für die Erfüllung solcher wichtigen sozialen Aufgaben zur Verfügung zu stellen, der kann sich am bundesweiten Tag der Stiftungen am 1. Oktober weitere Informationen holen. Die Rummelsberger Stiftung präsentiert sich zusammen mit der Sparkasse und weiteren Einrichtungen mit einer Gemeinschaftsausstellung im Nürnberger CVJM-Haus am Kornmarkt 6. Auch Stifter werden da sein und Fragen beantworten. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr. Um eine Anmeldung bei Diakon Mathias Kippenberg wird gebeten, Tel. 09128 / 50 299 oder per Mail: kippenberg.mathias@rummelsberger.net

Sparkasse Nürnberg Stiftung Altenhilfe der Sparkasse Nürnberg für die Stadt Nürnberg Stiftungskapital: 2,2 Mio Euro Fördermittel 2012: 0,06 Mio Euro

Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg für die Stadt Nürnberg Stiftungskapital: 65 Mio Euro Fördermittel 2012: 1,5 Mio Euro

Kulturstiftung der Sparkasse Nürnberg für die Stadt Nürnberg Stiftungskapital: 2 Mio Euro Fördermittel 2012: 0,1 Mio Euro

Stiftergemeinschaft der Sparkasse Nürnberg (seit 9 Monaten) Stiftungskapital: 1 Mio Euro Förderausgaben: noch keine Zusammensetzung: 1 Grundstiftung der Sparkasse (250 Tsd Euro) 8 zu Lebzeiten dotierte Stiftungen 9 Stiftungsfonds für den Todesfall mit 3,8 Mio Euro Kundenstiftungen: 115 Stiftungskapital: 206 Mio Euro

Kulturstiftung der Sparkasse Nürnberg für den Landkreis Nürnberger Land Stiftungskapital: 2 Mio Euro Fördermittel 2012: 0,1 Mio Euro

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zu Hause

0911 66 0 99 Häusliche Kranken- und Altenpflege der Diakonie Altdorf - Erlangen - Fürth - Lauf - Nürnberg

www.diakoniestationen.org


ANSICHtSSACHE

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Verdammt, wo bleibt die Altersmilde Täglich regen wir uns über tausend Sachen auf

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urz nach ihrem 75. Geburtstag bestellte meine Tante ihre Tages­ zeitung ab. »Ich will nur noch das Schöne wissen«, erläuterte sie mir, ihrer verwunderten Nichte. Politische Magazine im Fernsehen fielen ebenfalls unter den Boykott, wodurch das Informationsangebot nahezu versiegte. »Was schaust du dir denn stattdessen an?«, fragte ich nach. »Ach, mach dir keine Sorgen, es gibt ja noch eine Menge anderer Sendungen«, tröstete sie mich. »Konzert­ übertragungen, Tierreportagen und schöne Filme.« Und schob achselzuckend nach: »Ich kann ja doch nichts ändern am Elend in der Welt. Und die Politiker machen sowieso was sie wollen – also, sag mal, warum soll ich mir das antun?« Ja, das weiß ich auch nicht. Bloß habe ich dieses Stadium der Weltabgewandtheit bis jetzt noch nicht erreicht. Nach wie vor rege ich mich auf über die Zustände in mei­ ner Stadt, im Land und überhaupt überall, der Vorrat an Empörung nimmt nicht ab. Ich tausche mich aus mit Freunden und Be­ kannten, die zwar alt, aber auch noch auf dem Laufenden sind. Gemeinsam ereifern wir uns über Gott und die Welt, über Sala­ fiten und Wahabiten, die amerikanischen Republikaner, den Atommüll und den Klimawandel, über Syrien, China und unsere eigene Regierungsmannschaft. Die Themen gehen uns nicht aus. Neulich morgens habe ich innege­ halten. Auf meinem Kalenderblatt stand ein Spruch: »Man kann sich täglich ärgern, aber man ist nicht dazu verpflichtet.« – Stimmt eigent­ lich. Ich pappe das kleine Blatt an meine Pinnwand und beschließe, mit den kleinen Alltagsdingen anzufangen. Also: Wenn die Nachbarin das Laub von »unserem« Baum schimpfend zurück über den Gartenzaun schmeißt, und dabei extra auf eine Kiste steigen muss, weil sie sonst zu klein ist, finde ich das ab jetzt bloß noch ko­ misch. Ebenso kriege ich nur einen ganz kleinen Wutanfall, wenn in der Papiertonne ein gro­ ßer Kürbis vor sich hin modert. Hundehäufchen vor dem Haus registriere ich cool und hole den

Gartenschlauch. Auch im Haushalt gibt es genügend Übungsmaterial für das Fach Gelassenheit. Zusammengefallener Kuchen, verbrannte Bratkartoffeln oder Katzenhaa­ re im Pudding – wen regt das auf? Draußen vor der Tür wird es schon schwieriger. Ich fahre mit der U­Bahn in die Stadt, eine junge Frau und ihr kleiner Sohn sitzen mir gegenüber. Der Kleine stuppst immer mal wieder seine Mutter an, bemüht sich um ihre Aufmerksamkeit. Die lässt sich nicht stören und spricht pausen­ los in ihr Handy. Das legt sie auch beim Aussteigen nicht aus der Hand, sondern zerrt ihren Kleinen achtlos hinter sich her. Mein Magen grummelt vor Zorn. Als ein eiliger Jungmanager mir die Eingangstür zum Supermarkt vor der Nase zuknallt,

schicke ich ihm ein aufgebrachtes »Flegel« hinterher und bin leider auch nicht im­ stande, lieb zu lächeln, als mir jemand im Laden seinen Einkaufswagen in die Knie­ kehlen rammt. Immerhin sage ich keinen Ton. Na, geht doch. Angeblich stellt sich in den späten Jah­ ren eine gewisse Altersmilde ein. Wenn das stimmt, so lässt sie sich bei mir schrecklich viel Zeit. Außerdem kann ich mir nicht richtig vorstellen, wie sie sich äußern würde, wenn sie denn einträfe. Würde ich wie ein weiblicher Guru friedfertig durch die Räume schreiten und die Welt unkom­ mentiert ihrem Schicksal überlassen? Nur noch, wie meine Tante, »an das Schöne denken« und nichts mehr an mich heran lassen? Was für ein grässlicher Gedanke.

Brigitte Lemberger Cartoon: Sebastian Haug


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GESUNDHEIt

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»Aids ließ mich um Jahre altern« Neben den gesundheitlichen Folgen belasten HIV-Kranke auch massive Vorbehalte

Norbert Gött ist HIV-positiv. Mit der Situation geht der Rentner offen um.

griffen werden – mitverursacht entweder durch die Zerstörung der Immunzellen in den Organen oder durch die mit der Infektion verbundenen Entzündungsreakti­ onen. Auch klassische Alterserscheinungen wie Herz­Kreislauf­Leiden, Diabetes oder Schäden an der Leber treten bei Aids­ Kranken überdurchschnittlich häufig schon in früheren Jahren auf, was unter anderem an den Nebenwirkungen der Medikamente liegen kann. Eine Reihe von Experten betont vor allem einen Zusammenhang von Aids und Krebs. Denn Ärzte stellten bei HIV­Positiven oder an Aids Erkrankten einige Krebsarten vermehrt oder auch in vergleichsweise jüngerem Lebensalter fest, wie etwa Tumore in der Lunge, im Mund­ und Hals sowie in den Lymphdrüsen (Hodgkin­Lymphom). Inwieweit die beiden Krankheiten sich gegenseitig bedingen oder beschleunigen, darüber gehen die Meinungen in Fachkrei­ sen allerdings auseinander. Es geht nicht mehr so wie früher

N

orbert Gött hat in den vergan­ genen Jahren so einiges mit­ gemacht: er musste sich einer Schilddrüsen­OP unterziehen, eine Krebserkrankung mit Tumorentfernung und Bestrahlung über­ stehen – und dann auch noch die Diagnose Aids hinnehmen. Seit Januar 2011 weiß der 67­Jährige, dass er HIV­positiv ist; angesteckt, so vermutet er heute, hat er sich wohl fünf Jahre zuvor. »Aber wie und wo das genau passiert ist, kann ich nicht sagen.« Das tut aber im Grunde nicht viel zur Sache. Der frühere Koch musste mit Mitte 60 lernen, mit dem Erreger klar zu kommen. Mit der neuen Situation geht der Rentner offen und souverän um. Seine Kinder wissen Bescheid, seine Freunde und sogar sein Ver­ mieter: »Ich wollte daraus kein Geheimnis machen«, sagt er, »und habe es erzählt – mit der Folge, dass mein Sohn den Kontakt zu mir abgebrochen hat.« Auch Jacques Gonzales (Name geän­ dert) war schon über 50, als er von seiner Infektion erfuhr. Immer wieder hatte der heute 60­Jährige Tests gemacht, sie waren stets negativ. »Da war das positive Ergebnis wirklich ein Schock, ein echter Hammer.« Dennoch verfiel der gebürtige Spanier nicht in Depressionen, sondern begann, sein Leben dem HI­Virus und der Erkrankung

anzupassen – auch wenn das dem umtrie­ bigen Gastronomen bis heute nicht immer leicht fällt. Früher, erzählt er, habe er sich immer um mindestens fünf Jahre jünger gefühlt. Das sei nun anders: »Jetzt spüre ich mein Alter wirklich; ich bin in kurzer Zeit um mehrere Jahre gealtert.« Was nach einem rein subjektivem Empfinden klingt, haben Ärzte und Wissen­ schaftler tatsächlich nachgewiesen: »Eine HIV­Infektion kann durchaus zu einem schnelleren Alterungsprozess führen«, erläu­ tert Manfred Schmidt, Fachvorstand bei der Aids­Hilfe Nürnberg­Fürth­Erlangen. Da in den 80er und 90er Jahren viele HIV­positive Menschen an der Infektion schon sehr früh gestorben sind, gibt es in dem Bereich noch nicht viele Langzeitstudien und daher auch keine geltende Lehrmeinung. Aber es mehren sich die Hinweise, dass zehn Jahre leben mit HIV einem Alterungsprozess von 15 Jahren ohne HIV entsprechen.

Zufall oder nicht: Auch Norbert Gött (Mund und Rachen) und Jacques Gonzales (Lymph­ drüsen) haben eine Krebserkrankung hinter sich. Gött kommt mit den diversen Medika­ menten, die er nun für seine verschiedenen Krankheiten einnehmen muss, gut zurecht. Und auch bei Gonzales kam es zwischen der Chemo­Therapie und den Arzneien gegen seine HIV­Infektion nicht zu den befürchteten Wechselwirkungen. Inzwischen hält er sich wieder mit Fahrradfahren und Wandern so fit wie nur möglich, auch wenn

Medikamente mit Nebenwirkungen So scheinen bei Aids­Kranken bestimmte »Alterserkrankungen« häufiger in früheren Lebensjahren aufzutreten als in der Ge­ samtbevölkerung. Neben dem Darm, der oft schon kurz nach der HIV­Infektion schwer geschädigt ist, können im Lauf der Zeit Nieren, Knochen, Gehirn, Blutgefäße, Herz, Zahnfleisch oder Zahnhalteapparat ange­

Aids-Hilfe-Mitarbeiter Manfred Schmidt spricht mit einem Betroffenen.


GESUNDHEIt

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er zugeben muss: »Es geht nicht mehr so wie früher.« HIV­Infizierte könnten inzwi­ schen dank verbesserter Therapie­ und Medikamentenangebote alt werden, sagt Aids­Hilfe­Mitarbeiter Schmidt. Neben der Krankheit tauchten dann aber oft zusätzli­ che Probleme auf, wie etwa beim Antrag auf (Erwerbsminderungs)­Rente. »Zwar fällt bei älteren HIV­Positiven oft die Sorge weg, wegen ihrer Infektion ihren Arbeitsplatz zu verlieren, dafür aber müssen sie in der Regel schauen, wie sie finanziell über die Runden kommen«, sagt Schmidt. Richtig unangenehm wird es für Kranke dann, wenn sie in Praxen und Kliniken auf Ärzte, Pflegekräfte oder Sprechstundenhil­ fen stoßen, die in Panik völlig übertriebene Schutzmaßnahmen ergreifen. Und auch wenn kein ambulanter Pflegedienst aus Sorge vor einer Ansteckung bereit ist, die Betreuung zu übernehmen, geraten HIV­ Kranke in Nöte. Zwar bietet der gemein­ nützige Verein im Betreuten Einzelwohnen solchen Erkrankten besondere Hilfe durch Besuche in deren eigenen Wohnungen an. Das aber kann auf Dauer einen Umzug in ein Senioren­ oder Pflegeheim oft nicht ver­ hindern. Aber auch ein Umzug läuft nicht immer reibungslos ab: »Als eine Familie ihren erkrankten älteren Angehörigen in ein Heim geben wollte, war es sehr schwer, einen Platz zu finden«, berichtet Schmidt. Noch ist also kaum ein Altenheim auf HIV­positive Senioren vorbereitet. Das aber werde sich bald ändern müssen, meint der Fachmann. Denn schon in den nächsten Jah­ ren und Jahrzehnten wird es immer mehr ältere HIV­Positive geben. Die mittelfränki­ sche Aids­Hilfe reagiert auf diese Entwick­ lung und bietet Seminare und Fortbildungen für Personal in Altenheimen, bei Pflege­ diensten und in Krankenpflegeschulen an: »Ich würde mir in den Einrichtungen dafür noch mehr Interesse wünschen«, äußert Schmidt. »Schließlich müssen auch Aids­ Kranke im Alter versorgt werden.« Sharon Chaffin Fotos: Roland Fengler

I N F O R M AT I O N Weitere Informationen zu den Kursen für Pflegeberufe gibt es bei der Aids-Hilfe, Entengasse 2, 90402 Nürnberg, Tel. 0911/230 90 35 (Helmut Ulrich).

Helmut Schmidt mit seiner unvermeidlichen Zigarette

Rauchen Sie noch?

R

auchen ist schädlich – das weiß jeder, und das ist eigent­ lich auch schon immer bekannt gewesen. Schaut man sich Bilder im Familienalbum von früher an, dann sieht man verdutzt: Da haben wir ja fast alle geraucht, gequalmt, von mor­ gens bis nachts. Das ist schon lange her, und mancher fragt sich, warum er da­ mals überhaupt angefangen hat. Für viele war es die Lust, etwas Neues zu probieren. Man raucht, weil es die anderen auch tun, weil man sich erwachsen fühlen will, cool sein möchte – es gibt viele Gründe, mit denen die Raucher ihre ersten Versuche begrün­ den. Das ist meist der Anfang einer Gewohnheit, die längerfristig in eine Abhängigkeit mündet. Rauchen wird unbewusst mit be­ stimmten Gefühlslagen, Stimmungen und Situationen verknüpft. Treten diese auf, wird fast automatisch zur Zigarette gegriffen. Die Zigarettenwerbung verstand es (heute ist sie ja weit­ gehend verboten) Rauchen in raffinierter Weise mit Freiheit, Genuss und all den Lebensfreuden zu verbinden, nach denen sich die Menschen in ihrer gestressten Monotonie des Alltags sehnen. »Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur HB!« Der Werbespruch aus den 60­er Jahren klingt gerade noch der älteren Generation im Ohr, und wer hat da nicht automatisch das HB­Männchen vor Augen? Noch vor einigen Jahren war man der Meinung, bis zu sieben Zigaretten pro Tag seien unschädlich. Das stimmt aber nicht. Heute weiß man: Jede gerauchte Zigarette schädigt den Körper. Das bestätigte jetzt das Heidelberger Krebsforschungsinstitut. Wer jenseits der 60 noch raucht, ist äußerst gefährdet. Allein in Deutschland sterben jährlich 110 000 Menschen infolge des Tabakkonsums, warnt Prof. Otmar D. Wiestler. Krebs ist die bedrohlichste Erkrankung, die den Rauchern droht. Tabakkonsum kann eine Krebserkrankung an 17 verschie­ denen Stellen des Körpers auslösen. Häufig leiden Raucher auch an Herz­ und Kreislauferkrankungen oder chronischer (dauer­ hafter) Bronchitis. Auch Osteoporose (Knochenschwund) wird durch das Rauchen beschleunigt. Herzinfarkte vor dem 40. Le­ bensjahr treten ausschließlich bei Rauchern auf. Und 99 Prozent der Patienten mit Durchblutungsstörungen in den Beinen sind Raucher. 145 Milliarden Zigaretten gehen pro Jahr in Deutschland in Rauch auf. Viele Raucher konsumieren täglich über 20 oder sogar 40 Zigaretten. Die Wahrscheinlichkeit, Krankheiten zu bekom­ men, steigt weiterhin auch mit der Zahl der Jahre, in denen geraucht wurde. Es gibt also eine Menge Argumente, mit dem Rauchen aufzu­ hören. Es lohnt sich, auch noch mit 60, 65 sogar mit 75 Jahren. Tina Staehr; Foto: NN-Archiv


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SPORt

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Den Cluberern geht öfter die Puste aus FCN-Seniorensportgruppe Morlock hält nach neuen Mitgliedern Ausschau

Auch wenn Kurt Ditl (links) und Ernst Pilz das Spiel auf dem Kunstrasen sehr ernst nehmen – danach wird gemeinsam gefeiert.

W

er einen Fußballplatz besucht hat, kennt das: Kurz nach dem Anpfiff verwandeln sich bis dahin ruhige und freundliche Männer (und um Männer handelt es sich meistens) in leidenschaftliche Kämpfer. Sie schrecken weder davor zurück, die Mannschaftskame­ raden verbal zusammenzustauchen noch den Gegner mit bissigen Bemerkungen zu überziehen. Diese »Verwandlung« vom ruhigen Mr. Jekyll zum gefährlichen Mr. Hyde – frei nach dem Roman von Robert Louis Steven­ son – kann man auch regelmäßig bei der »1. FCN Seniorensportgruppe Morlock« be­ obachten. Zum Beispiel an einem Montag­ vormittag im Sommer auf der Sportanlage Valznerweiher, wenn zwölf »alte Herren« in zwei Mannschaften gegeneinander antreten. Es wird gefrotzelt und gestichelt und man­ cher regt sich mächtig auf.

Erstaunlich ist so viel Temperament die Äußerung scherzhaft gemeint ist, hier schon, denn hier auf dem Kleinfeld­Platz liegt das Problem der Club­Seniorengruppe mit Kunstrasen stehen versammelte 850 Morlock: Neue Männer und Frauen braucht Jahre. Nicht mitgezählt ist dabei Thomas, die »1.FCN Seniorensportgruppe Morlock« – ein Jungspund von Mitte Zwanzig, der an zum Fußballspielen und zum gemeinsamen diesem Tag bei den Senioren mitkickt. Lange Feiern. Zeit geben die Älteren das Spieltempo vor, Die Ältesten sind an diesem Tag Franz und es geht bei 26 Grad im Schatten immer­ Turnwald und Helmut Demas, beide bringen hin über zwei Mal 40 Minuten. jeweils 80 Lenze mit auf den Bis kurz vor der Halbzeit steht Gekämpft und Platz. Es folgen der Vorsitzen­ es 0:0, bis das erste Tor fällt: de der Seniorengruppe des 1. gelaufen wird, was »Jetzt hammer den Scheiß­ Lungen und Herzen FCN, Helmut Demas mit 77 dreck«, bricht es aus einem der Jahren, und Günter Graf mit 75 hergeben. Älteren hervor. Der Torschütze Jahren. Und so geht es weiter war ein »57er«. bis zu den beiden »Jüngsten«, Denn mit zunehmender Spieldauer Egon Poledne und Andreas Herzog, mit bestimmen die jüngeren Jahrgänge das »nur« 57 Jahren. Sicher, dem einen oder Spielgeschehen und schießen die Tore. Kein anderen geht im Laufe des Spiels schon mal Wunder, dass der Vorschlag auftaucht, den die Puste aus, und manche Bewegung ist Zopf, zu dem Jungspund Thomas die Haare nicht mehr so flüssig wie bei den aktiven gefasst hat, vorne zusammenzubinden, Clubspielern Javier Pinola oder Robert Mak. damit er nichts mehr sieht. Auch wenn Aber gekämpft wird hier genauso, gelaufen


SPORt

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Klaus Schmidt muss sich auch als torwart aufwärmen.

Wenn Karl-Heinz Vonderlehr in Fahrt ist, ist er nur schwer zu stoppen.

wird, was Lungen und Herzen hergeben; es kommt zu einer durchaus ansehnlichen, dem hohen Gesamtalter entsprechenden, fairen Begegnung ohne »Schiri«. Die älteren Herren sind alle Mitglieder der 1953 gegründeten »1. FCN Senioren­ sportgruppe«. Damals noch ohne den Zusatz Morlock und eher der Gymnastik und dem Waldlauf zugetan. Seit 1993 aber begeis­ terte sich die Gruppe nur noch für das Spiel mit dem runden Leder. »Heute sind wir insgesamt 24 Leute«, erzählt Vorsitzender Demas im breitesten Fränkisch. 17 davon spielen wöchentlich einmal Fußball auf dem Kleinfeld. Im Winter wird in der Halle gespielt. Einige sind nur »Passive«, weil sie entweder zu alt sind für das Fußball­Spiel

oder körperliche Einschränkungen haben. »Wir haben auch sieben Frauen als Mitglie­ der«, erläutert der Vorsitzende. Die helfen aber nur im Hintergrund und feiern mit den Aktiven zu Weihnachten oder anderen Festivitäten. Denn im Mittelpunkt steht die Pflege der Geselligkeit. So treffen sich Aktive und Passive auch zum gemeinsamen Wandern, Feiern und einfach nur, um sich gegenseitig Mut zu machen und zu unter­ stützen. Fußballspielen und Training ist also nicht die Voraussetzung, um hier aufgenommen zu werden. Eine gewisse Begeisterung für »den Clubb« dagegen schon. Denn die Se­ nioren sind der offizielle Fan­Club Nummer 582 des großen Bundesligisten und tragen

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seit 2010 immerhin den Namenszusatz Morlock. Die Fans verehren diesen »Fußball­Gott« bis heute. Auf das Konto von Max Morlock gehen unter anderem 900 Spiele, 700 Tore für Rot­Schwarz und zwei deutsche Meis­ terschaften. Und diesen Ehrfurcht einflö­ ßenden Namen trägt die Seniorengruppe? »Ja und Nein«, widerspricht schmunzelnd Gerhard Zenfels, Kassier des Vereins. »Unser Name bezieht sich auf den Bruder von Max Morlock, Robert Morlock«. Der stand stets im Schatten seines großen Bruders, verstarb 2012 im Alter von 89 Jahren und war selbst Mitglied bei der Sportgruppe. »Zwei Jahre vor seinem Tod hat er unserer Gruppe die Erlaubnis gegeben, seinen Namen führen zu dürfen«, versichert Demas. Und wie steht es jetzt auf dem Spielfeld? 6:2 gewinnt die Gruppe mit dem geringeren Altersdurchschnitt. Aber davon ist beim geselligen Zusammentreffen nach dem Spiel in der Clubgaststätte bei Wein, Bier und Pizzabrot schon nicht mehr die Rede. Als Zeichen der Gemeinsamkeit geht ein lila Sparschwein herum, in das jeder spenden kann. Denn für diese Gemeinschaft sind die Geselligkeit, die Verbundenheit mit dem Club, gleichberechtigt mit dem Kampf um den Ball. Mr. Hyde blieb also alleine zurück auf dem Spielplatz – bis zur nächsten Wo­ che. Rainer Büschel Fotos: Mile Cindric

I N F O R M AT I O N

Noch stehen sie fürs Gruppenbild vereint – die Herren der 1. FCN-Seniorensportgruppe Morlock –, aber auf dem Spielfeld geht’s zur Sache.

Ansprechpartner für die 1. FCN Seniorensportgruppe Morlock (Fan-Club Nr. 582) ist Gerhard Zenefeld, Tel. 0911/33 41 15, g.zenefeld@t-online.de Der Jahresmitglieds-Beitrag für Aktive beträgt 20 Euro (Mitgliedschaft beim 1. FCN inklusive), für Passive zehn Euro. Die aktiven Mitglieder treffen sich von April bis Oktober, jeden Montag, um 10 Uhr, auf dem Club-Gelände an der Valznerweiherstraße; November bis März: am Freitag, um 11:30 Uhr, in der Halle. Vor dem Training wird eine 20-minütige altersgerechte Gymnastik angeboten. Nach dem Training ab 13:30 Uhr steht gemütliches Beisammensein im Club-Tennisheim »Platz 12« auf dem Programm.


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PORtRät

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Die Landfrau spinnt an ihrem Traum Susanne Michl hat sich erst spät für ein Leben im Einklang mit der Natur entschieden Die Hundshauptener wunderten sich über ihre neue Nachbarin: »Wir hören alle auf mit der Tierhaltung, und du fängst an!« Von diesem Wandel profitiert die eher stille, zurückhaltende Frau. »Viele stellen mir Pachtland zur Verfügung«, sagt sie. Kindheit in München

Schuld war die schöne Wolle, dass Susanne Michl das Spinnen, eine alte Kulturtechnik, für sich entdeckte.

S

chau, die Frau Michl spinnt!«, hör­ te Susanne Michl eine ältere Frau zu ihrem Enkel sagen, während sie auf der Terrasse saß. Sie nahm es der Passantin allerdings nicht übel, sondern lächelt noch heute, wenn sie sich an die Szene erinnert. Schließlich spinnt sie tatsächlich. Schuld war die schöne Wolle. »Ich wollte sie nicht wegwerfen«, sagt die 62­jährige Su­ sanne Michl. Die gelernte Erzieherin besitzt eigene Schafe. Zeitweise hat Michl sogar selbst gezüchtet. Damals lebte sie in Dormitz, etwa zehn Kilometer östlich von Erlangen. »Anfangs waren es drei Schafe. Sie waren kleinwüchsig, eine typisch ostpreußische Rasse eben, und standen bei uns im Gar­ ten«, erinnert sich die Mutter zweier Söhne. Später, die Herde war größer geworden, ging das natürlich nicht mehr. Also mussten die Tiere tagaus tagein auf die Weide gefahren werden. Morgens hin, abends zurück.

Inzwischen besitzt Susanne Michl neun Schafe, sechs Ziegen sowie zehn Hühner. Und sie lebt mittlerweile in Hundshaupten nahe Eggloffstein im Landkreis Forchheim. In dem 150­Seelen­Ort bewohnt sie seither mit Ehemann Arno und dem 27­jährigen Lukas, ihrem jüngeren Sohn, ein kleines ge­ mütliches Holzhaus. Es wurde nach eigenen Plänen erbaut. Wenn man aus der Hautür tritt, fällt man sozusagen in den Stall. »Es war mein Traum, meine Tiere bei mir zu haben!«, sagt Michl. »Ich habe gedacht, in so einem kleinen Dorf findet man schlecht Anschluss.« Doch es kam ganz anders: »Die Leute nehmen Anteil, ohne neugierig zu sein. Ich glaube, in einer Stadtwohnung ist man einsamer.« Das Haus der Familie steht etwas abseits. Schafe und Ziegen grasen in Sichtweite und weiden die Streuobstwiesen ab. Ein Bild wie aus früheren Tagen. »Im Ort gibt es keine einzige Kuh mehr«, erzählt Susanne Michl.

Ihre Kindheit verbrachte Susanne Michl in München – und trotzdem stammt sie aus einem Bauernhof. Der Hof der Eltern lag am Rande der Großstadt. »Wir hatten nur Kühe, Schweine und Hühner. Mein älterer Bruder hat den Hof übernommen«, sagt sie ohne das geringste Bedauern. Sie selbst begann nach der Realschule, im Büro zu arbeiten. Mit 20 entschloss sie sich, Erzieherin zu werden. In dem Beruf ist Michl jetzt seit rund 30 Jahren tätig, wenn auch nur gering­ fügig beschäftigt. »Viele Leute können den Eintritt ins Ren­ tenalter nicht erwarten, und dann fallen sie in ein Loch«, sagt Arno Ritter­Michl, 58 und Erzieher von Beruf wie seine Frau. »Meine Frau hat viel Arbeit durch die Tiere. Aber diese Arbeit ist sinnstiftend. Nachdem die Kinder nun mal groß sind, hat sie außerdem wieder etwas Lebendiges zum Kümmern. Darüber hinaus haben wir beide etwas Gemeinsames. So übernehme ich mit Lukas immer die Heuernte.« Im Alter, gibt er zu bedenken, nähmen die sozialen Kontakte in der Regel tendenziell ab. Bei seiner Frau sei jedoch das Gegenteil der Fall: »Sie engagiert sich in Schaf­ und Spinn­ und Strickforen.« Käse für den Hausbedarf Die Leidenschaft, meint Susanne Michl, teile ihr Mann zwar nicht mit ihr, aber er unterstütze sie nach Kräften. »Ich bereue nur, dass ich erst so spät angefangen habe«, seufzt sie. »Wenn ich das doch schon mit 30 getan hätte! Ich hätte viel mehr auf die Beine stellen können.« Dabei hat sie schon einiges zuwege gebracht, wie etwa das Käsen für den Hausbedarf. Wie aus der Milch von Heidi, Sissi und Co. feiner Ziegencamembert, Feta, Blauschimmel­ oder Hartkäse wird, hat sich Susanne Michl selbst angeeignet, genauso wie das Spinnen. Spinnen ist, wie das Weben, eine der äl­ testen Techniken der Menschheit. In Europa wurde schon um 6000 v.Ch. mit der Hand gesponnen. Eine faszinierende Technik. Su­ sanne Michl hat sich Videos angesehen, um zu erfahren, wie lose Fasern durch gleichzei­ tiges Verdrehen und Auseinanderziehen zu einem Faden versponnen werden. Feinhei­


PORtRät

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Susanne Michl ist eine der wenigen Einwohner von Hundshaupten, die tiere hält. Sie liefern ihr dann die »Rohstoffe« für ihre gesponnenen tücher und Röcke. ten wurden erst nach und nach wichtig. Tipps und Lösungen fanden sich zudem im Internet reichlich. Mehr als 300 Frauen haben sich allein in Unterhaching zu einer »Handspinngilde« zusammengefunden. Man teilt die Freude an handwerklichen Arbeiten und alten Kulturtechniken sowie die Lust auf schöne, individuelle Kleidungsstücke aus guten, unbehandelten Rohstoffen. »Hier in Hundshaupten spinnt niemand mehr. Selbst von den Alten nicht. Ich bin die Einzige« sagt sie. Dabei sei Spinnen »entspannend und meditativ. Man kann seine Gedanken in den Faden einfließen lassen.« Immer das Strickzeug dabei Ihre Hände sind immer beschäftigt. Sogar wenn die Geschirrspülmaschine noch nicht fertig ist, überbrückt sie die Zeit bis zum Ausräumen mit Spinnen. Eines ihrer drei Spinnräder ist zusammenklappbar und damit transportabel. Spinnen ist also fast

überall möglich. Und für den Fall, dass sie unterwegs irgendwo warten muss, etwa am Bahnhof, hat sie das Strickzeug dabei. Doch weder Dreieckstücher noch Pullo­ ver oder Jacken, ja noch nicht einmal So­ cken strickt Susanne Michl auf Bestellung. Sie geht nicht auf Märkte und hat auch keine Homepage. Trotzdem verkauft sie manchmal eines ihrer farbenbenprächtigen Unikate an Leute, die Handarbeit zu schät­ zen wissen. »Den Stundenlohn berechne ich aber nicht, unmöglich. Doch fürs Geld stricke ich ja auch nicht, sondern weil ich es gern mache!« Einmal im Monat fährt Susanne Michl ins Pfarrzentrum von St. Marien nach Erlangen­ Bruck. Hier trifft sich der Spinnkreis. Bis zu 20 Frauen im Alter von Ende 20 bis Anfang 60 kommen zur Ideen­ und Kreativwerk­ statt. Der Raum schwirrt vor Stimmen. Es wird viel geredet und viel gelacht. »Schau, hier ist deine Wolle mit drin“, sagt Ellen

Ribitzki zu Susanne Michl, während sie eine große, wunderschöne, selbst gewebte Decke ausbreitet. Der Spinnkreis findet immer von 16 Uhr bis 22 Uhr statt. Und immer ist Susanne Michl die Erste, die geht. Es kann noch so schön sein, sie fährt heim. Zie­ gen melken, wie jeden Morgen und jeden Abend. Text und Fotos: Ute Fürböter

I N F O R M AT I O N Kontakt zum Spinnkreis über Nuernbergspinner@yahoogroups.de Zweite Möglichkeit: Bei den Spinnerinnen einfach vorbei schauen. Am ersten Montag im Monat, im Gemeindezentrum St. Marien in Erlangen-Bruck, An der Lauseiche 3. www.handspinngilde.org


20    V e r a n s t a l t u n g s k a l e n d e r

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Ausgewählte Veranstaltungen September bis Dezember 2013 ausstellungen Frieden braucht Bewegung – die Friedensbewegung der 80er Jahre Mo 17–19 Uhr, Mi, Sa 15–17 Uhr Friedensmuseum, Kaulbachstr. 2,  Nürnberg Info: 0911 / 36 09 577 Die Spielzeugstadt – Nürnberg und die Spielzeugwelt Di–Fr 10–17 Uhr, Sa, So 10–18 Uhr Spielzeugmuseum, Karlstr. 15-17,  Nürnberg Info: 0911 / 231 31 64  Welt-Anschauung 12.09. bis 12.10.2013,   Do-Sa 15-18 Uhr Scheune der Altstadtfreunde,   Zirkelschmiedgasse 30, Nürnberg  Erinnerung an den fränkischen   Maler Georg Hetzelein (1903-2001) Info: 0911 / 24 13 93 100 Jahre Abwasserreinigung 25.09. bis 27.10.2013,   Di–Fr 9-17 Uhr; Sa, So 10-18 Uhr Museum Industriekultur, Äußere  Sulzbacher Str. 62, Nürnberg Info: 0911 / 231 38 75 Arno Schmidt – der Schriftsteller als Fotograf 26.09 bis 10.11.2013,   Di, Do-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr, Montag geschlossen Fotografien des Schriftstellers Arno  Schmidt (1914-1979) von der norddeutschen Heidelandschaft. Kunsthaus im KunstKulturQuartier,  Königstraße 93, Nürnberg Info: 0911 / 231 85 89 Jüdische Portraits – Fotografien von Herlinde Koelbl 03.10. bis 01.12.2013,   Di-Fr 10-17 Uhr; Sa, So 10-18 Uhr Stadtmuseum Fembohaus,   Burgstr. 15, Nürnberg Info: 0911 / 231 25 95

Rote Himmel über Nürnberg 07.10. bis 15.11.2013,   Mo-Fr 10-17 Uhr Seniorentreff Bleiweiß,   Hintere Bleiweißstr. 15, Nürnberg Fotoausstellung von Anita Raum VA: Seniorentreff Bleiweiß Info: 0911 / 231 82 24 Zäune, Mauern, Tore 10.10. bis 24.10.2013,   Do 12–16 Uhr u. nach Vereinbarung Vernissage: 27.09.2013, 19 Uhr Kulturladen Gartenstadt,   Frauenlobstr. 7, Nürnberg Fotoausstellung der Fotogruppe des  Kulturladens Gartenstadt Info: 0911 / 48 23 18 Stadt, Land, Fluss – Erlangen und die Regnitz bis 03.11.2013,   Di, Mi, Fr 9-17 Uhr; Do 9-20 Uhr;  Sa, So 11-17 Uhr,   Stadtmuseum Erlangen, MartinLuther-Platz 9, Erlangen  Sonderausstellung über das   Wechselspiel von Stadt und Fluss Info: 09131 / 86 24 08 Karneval in Venedig 11.11.2013, 19 Uhr (Vernissage) Wohnstift Hallerwiese, Praterstr. 3,  Nürnberg Malerei von Uschi Faltenbacher VA: Wohnstift Hallerwiese   (Diakonie Neuendettelsau) Info: 0911 / 27 21 430 Ein Leben in Bildern – Charlotte Funke zum 75. Geburtstag ab 22.11.2013,   Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-20 Uhr,  Sa, So 11-17 Uhr Stadtmuseum Erlangen, MartinLuther-Platz 9, Erlangen  Info: 09131 / 86 24 08

Beratung & Vorträge Internetberatung jeden Mittwoch, 15 Uhr AWOthek, Karl-Bröger-Str. 9, Nbg. VA: AWO Kreisverband Nürnberg e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 45 06 01 67 Formularausfüllservice jeden Freitag, 15 Uhr AWOthek, Karl-Bröger-Str. 9, Nbg. Keine Steuererklärungen! VA: AWO Kreisverband Nürnberg e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 45 06 01 67 Alte Schätzchen – kann mein Computer auch LPs abspielen? 10.9., 8.10., 5.11.2013,   9:30-11:30 Uhr Museum für Kommunikation,   Lessingstr. 6, Nürnberg VA: Museum für Kommunikation  Nürnberg in Kooperation mit dem  Seniorenamt  Info/Anmeldung: 0911 / 230 88 522  (montags, 9-12 Uhr) iPad für Senioren – was/wie/wofür? 20.9., 15.10.2013, 10-12 Uhr Museum für Kommunikation,   Lessingstr. 6, Nürnberg VA: Museum für Kommunikation  Nürnberg in Kooperation mit dem  Seniorenamt Info/Anmeldung: 0911 / 230 88 522  (montags, 9-12 Uhr) Gesundheit – ein Informationsproblem? 24.09.2013, 14-16 Uhr Seniorennetzwerk Wöhrd, Nunnenbeckstr. 47, Nürnberg Physiotherapeutin Karin Weber  informiert im Rahmen des   Stammtisches am Dienstag VA: Seniorennetzwerk Wöhrd Info/Anmeldung: 0911 / 53 01 183 Handyberatung 24.09., 29.10., 22.11.2013, AWOthek, Karl-Bröger-Str. 9, Nbg. VA: AWO Kreisverband Nürnberg e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 45 06 01 67 Erbrecht und Testament 25.09., 07.10.2013, 19 Uhr Johanniter-Dienststelle, Angerstr. 5,  Schwabach VA: Johanniter Unfall-Hilfe e.V. Info: 09122 / 93 98 0  In unserem Kopf geht es anders zu als es uns scheint 05.10.2013, 9 –9 :45 Uhr Turm der Sinne,   Spittlertorgraben 45, Nürnberg VA: Museum Turm der Sinne Referent: Prof. Dr. Wolf Singer  Info: 0911 / 94 43 281

Mit der Hand Fotos bearbeiten auf dem iPad 8.10., 5.11.2013, 13-16 Uhr Museum für Kommunikation,   Lessingstr. 6, Nürnberg VA: Museum für Kommunikation  Nürnberg in Kooperation mit dem  Seniorenamt  Info/Anmeldung: 0911 / 230 88 522  (montags, 9-12 Uhr) iPad-Tablet – kann ich das auch? 9.10., 6.11.2013, 9:30-11:30 Uhr Museum für Kommunikation,   Lessingstr. 6, Nürnberg VA: Museum für Kommunikation  Nürnberg in Kooperation mit dem  Seniorenamt Info/Anmeldung: 0911 / 230 88 522  (montags, 9-12 Uhr) Vortrag zur Patientenverfügung 09.10.2013, 14 Uhr AWOthek, Karl-Bröger-Str. 9, Nbg. VA: AWO Kreisverband Nürnberg e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 45 06 01 67 Der Computer Club 50plus – ein Club auch für Sie? 11.10.2013, 14-14:30 Uhr,  12.10.2013, 10-10:30 Uhr Computer Club Nürnberg 50plus  e.V., Spitalgasse 22, Nürnberg Vortrag im Rahmen des Tags der  offenen Tür der Stadt Nürnberg Info: 0911 / 99 28 352   (Mo, Mi, Fr 9:30-12:30 Uhr) Was können Tablets und Smartphones? 11.10.2013, 15:30-16 Uhr,  12.10.2013, 14-14:30 Uhr Computer Club Nürnberg 50plus  e.V., Spitalgasse 22, Nürnberg Schnuppervortrag im Rahmen des  Tags der offenen Tür der Stadt  Nürnberg Info: 0911 / 99 28 352   (Mo, Mi, Fr 9:30-12:30 Uhr) Das Testament 12.10.2013, 9:30-15:30 Uhr Gewerbemuseumsplatz 2, Zi. 3.19,  Nürnberg Referent: Frank Lehnert;   Akademiepass erforderlich! VA: Alten-Akademie Nürnberg e.V. Info/Hörerausweis: 0911 / 53 70 10  (Mo-Do, 13-15:30 Uhr) Mit der Hand Videos bearbeiten auf dem iPad 15.10.2013, 13-16 Uhr Museum für Kommunikation,   Lessingstr. 6, Nürnberg VA: Museum für Kommunikation  Nürnberg in Kooperation mit dem  Seniorenamt Info/Anmeldung: 0911 / 230 88 522  (montags, 9-12 Uhr)


sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Mit Kompetenz und Gefühl Zivilcourage lässt sich lernen 15.10.2013, 14-16 Uhr Seniorennetzwerk Wöhrd, Nunnenbeckstr. 47, Nürnberg Wilfried Kunze vom Polizeipräsidium Mittelfranken informiert über  richtiges Verhalten in gefährlichen  Situationen. VA: Seniorennetzwerk Wöhrd Info/Anmeldung: 0911 / 53 01 183

In Kontakt mit der Familie – Videotelefonie mit dem Computer 8.11.2013; 9:30-11:30 Uhr Museum für Kommunikation,   Lessingstr. 6, Nürnberg VA: Museum für Kommunikation  Nürnberg in Kooperation mit dem  Seniorenamt Info/Anmeldung: 0911 / 230 88 522  (montags, 9-12 Uhr)

Alzheimer ist mehr als nur Vergesslichkeit 16.10.2013, 14-16 Uhr Nachbarschaftshaus Gostenhof,  Adam-Klein-Str. 6, Nürnberg Referent: Prof. Dr. med. Markus Weih VA: Angehörigenberatung Nbg. e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 26 61 26

Wohnen im Alter 12.11.2013, 14-16 Uhr Seniorennetzwerk Wöhrd,   Nunnenbeckstr. 47, Nürnberg Veronika Spreng (Fachbereich Beratung im Seniorenamt Nürnberg)  gibt Einblicke zu Wohnformen im  Alter sowie deren Finanzierung. VA: Seniorennetzwerk Wöhrd Info/Anmeldung: 0911 / 53 01183

Spätlese – Kunstunterhaltung für reifere Jahrgänge 17. Oktober 2013 Schöner Stil: Tonplastik um 1400 21. November 2013 In die Jahre gekommen:   Altersbildnisse 19. Dezember Glasierte Bilder: Öfen & Ofenkacheln Mit Dr. Annette Scherer, Kunsthistorikerin Info: 45 EUR für drei Termine  inklusive einem Stück Kuchen und  einem kleinen Getränk im Café Arte,  im Germanischen Nationalmuseum,  Kartäusergasse 1, Nürnberg,  Info: 0911 / 13 31 238 Die wunderbare Welt der Tablets 22.10.2013, 9:30 Uhr Seniorentreff Bleiweiß, Hobbyraum,  Hintere Bleiweißstr. 15, Nürnberg Mit Jochen Wölfel VA: Museum für Kommunikation  Nürnberg in Kooperation mit dem  Seniorenamt  Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24 IC-Interstititelle Cystititis und chronische Blasenentzündung 6.11.2013, 17.30 Uhr  Die Selbsthilfegruppe trifft sich, um  über die Krankheit zu sprechen. Kiss Kontaktstelle für Selbsthilfeguppen Nürnberg, Am Plärrer 15,   3. Stock, Gruppenraum 2.  Infos: 0911-64 27 625 Demenz – was ist das und was kann ich als Angehörige(r) tun? Vortrag in türkischer Sprache 07.11.2013, 10-12 Uhr Villa Leon, Philipp-Körber-Weg 1,  Nürnberg VA: Seniorennetzwerk St. Leonhard/Schweinau in Kooperation mit  dem Türkisch-Deutschen Verein zur  Integration behinderter Menschen  (TIM) e.V. Info: 0911 / 80 18 154 Stiften und Zustiften – wie mach’ ich es richtig? 08.11.2013, 14-16 Uhr Caritas Senioren- und Pflegeheim  Stift St. Martin, Cafeteria, Grolandstr. 67, Nürnberg Referentin: Christine Liebel. Auf Anfrage kann ein Hol- und Bringdienst   organisiert werden VA: Seniorennetzwerk Nordstadt Info: 0911 / 93 79 975

Hilfsmittel zu Hause 13.11.2013, 14 Uhr Treffpunkt: Kulturladen Ziegelstein,  Ziegelsteinstraße 104, Nürnberg Informationsveranstaltung des  Seniorennetzwerks Ziegelstein &  Buchenbühl in Kooperation mit  REHA & CARE sowie dem Seniorenzentrum der Stadtmission Nbg. e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 217 59 23 Twittern, Bloggen, Chatten – die modernen sozialen Netzwerke 18.11.2013, 9:30-11:30 Uhr Seniorentreff Bleiweiß, Hobbyraum,  Hintere Bleiweißstr. 15, Nürnberg Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24 Heilige Elisabeth von Thürigen – die Kraft der Liebe 19.11.2013, 16:30-18 Uhr Wohnstift Hallerwiese,   Praterstraße 3, Nürnberg VA: Wohnstift Hallerwiese   (Diakonie Neuendettelsau) Info: 0911 / 272 14 30 Ernährung im Alter 19.11.2013, 17:30 Uhr Vitanas Seniorenzentrum Patrizia,  Bärenschanzstr. 44, Nürnberg VA: Vitanas Seniorenzentrum Patrizia Info: 0911 / 92 88 24 82

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Alzheimer Demenz und andere Demenzformen – ein Überblick 21.11.2013, 10-21 Uhr Nachbarschaftshaus Gostenhof,  Adam-Klein-Str. 6, Nürnberg Referent: Prof. Dr. med. Markus Weih VA: Angehörigenberatung Nbg. e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 26 61 26 Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung 21.11.2013, 14-15:30 Uhr Seniorentreff Bleiweiß, Clubraum,  Hintere Bleiweißstr. 15, Nürnberg Mit Franz Herrmann, Leiter der Betreuungsstelle der Stadt Nürnberg Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24 Fachtagung: Demenz und Sterben 29.11.2013, ab 9 Uhr Haus Eckstein, Burgstraße 1–5, Nbg. VA: Akademie für Hospizarbeit und  Palliativmedizin Nürnberg Info: 0911 / 89 12 05 30

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Impressum sechs+sechzig Magazin für selbstbewusste ältere Menschen

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sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Jahrgang 14 / September 2013 Herausgeber: Seniorenmagazin sechs+sechzig – Verein zur Förderung des Dialogs der Generationen e.V. Burgschmietstr. 37, 90419 Nürnberg Telefon 0911 / 37 77 661 Fax 0911 / 37 77 662 E-Mail: info@sechs-und-sechzig.de Internet: www.magazin66.de Spenden sind steuerlich absetzbar: HypoVereinsbank Nürnberg, Konto 373 54 43, BLZ 760 200 70. Produktion: Intergenerationes – Gesellschaft zur Förderung des Dialogs der Generationen mbH Burgschmietstr. 37, 90419 Nürnberg Telefon 0911 / 37 77 272 Fax 0911 / 37 77 662 Redaktion: Petra Nossek-Bock (verantwortlich), Elke Graßer-Reitzner, Rainer Büschel, Georg Klietz Autoren: Alexandra Buba, Sharon Chaffin, Günter Dehn, Herbert Fuehr, Ute Fürböter, Angela Giese, Karin Jungkunz, Ilona Hörath, Anja Kummerow, Brigitte Lemberger, Annika Peißker, Tina Staehr, Peter Viebig Fotos: Michael Matejka, Mile Cindric, Roland Fengler, Ute Fürböter Illustration: Sebastian Haug Titel: Mile Cindric Gestaltung: www.gillitzer.net Koordination: Georg Hopfengärtner Fachliche Beratung: Seniorenamt Nürnberg, Ilona Porsch Erlanger Seiten: Fachliche Beratung: Seniorenamt Erlangen Druck: Verlag Nürnberger Presse Druckhaus Nürnberg GmbH & Co. KG Auflage: ca. 220.000 Anzeigenannahme und -betreuung (Print + Online): • Ingrid Ullmann: Tel.+Fax 0911 / 40 64 99 ullmann@intergenerationes.de • Elfi Limpert Mobil: 0170/3 26 62 73 limpert@intergenerationes.de • Carmen Porzelt Tel. 0911 / 50 07 18, Fax 0911 / 500 96 42 mail@porzelt.org Anzeigen-Dateien an: 66@gillitzer.net Derzeit gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 16 Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Wolfgang Gillitzer Das nächste sechs+sechzig erscheint am 06.12.2013, Anzeigenschluss 08.11.2013. Schirmfrauen: Helene Jungkunz, Ingrid Mielenz, Ursula Wolfring (†) Die vorliegende Ausgabe von sechs+sechzig erscheint mit freundlicher Unterstützung durch:

Führungen & Wanderungen Waschechte Ritter, die gibt es wohl nicht mehr 08.09.2013, 9:45 Uhr Treffpunkt: Mittelhalle Hbf. Nbg. Familien- und Enkelwanderung  rund um die Burg Hoheneck mit  buntem Rahmen-Programm zum  Tag der offenen Tür der Burg. VA: Fränkischer Albverein e.V. Info: 0911 / 45 42 90 Nürnberg »erfahren« 09.09.2013, 14 Uhr Treffpunkt: AWOthek, Karl-BrögerStr. 9, Nürnberg  Seniorengerechte Radtour: Fernsehturm und neuer Hansapark VA: AWO Kreisverband Nürnberg  e.V. Info: 0911 / 45 06 01 67 Gewonnene Jahre 17.09.2013, 9:45-14 Uhr Treffpunkt: Mittelhalle Hbf. Nbg. Führung durch die Ausstellung im  Museum »Frauenkultur« in Fürth  mit Bertrun Jeitner Hartmann vom  Verein »Frauen in der einen Welt« VA: Seniorentreff Bleiweiß Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24 Südstadtstraßen im Wandel der Zeit 19.09.2013, 14 Uhr Treffpunkt: Eingang Berufsschule 1,  Augustenstr. 30, Nürnberg Stadthistorischer Spaziergang »Die  Wilhelm Späth Straße« VA: AWO Kreisverband Nbg. e.V. Info: 0911 / 45 060 167 Am Wöhrder See entlang nach Nürnberg 22.09.2013, 9:15 Uhr Treffpunkt: Schwabach Bahnhof VA: Fränkischer Albverein Nbg. e.V. Info: 09170 / 93 80 82 Als Heiraten noch ein Kündigungsgrund war 09.10.2013, 14 Uhr Treffpunkt: Eingang Museum für  Kommunikation, Lessingstr. 6,  Nürnberg VA: AWO Kreisverband Nbg. e.V. Info: 0911 / 45 06 01 67

Nürnberger Lebkuchen und Allerlei 16.10.2013, 13:45 Uhr Treffpunkt: Obi Parkplatz   Bessemer Str., Nürnberg VA: Seniorentreffs Bleiweiß und  Heilig-Geist Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24

gesundheit & sport Seniorengymnastik Jeden Montag, 13:15-14:15 Uhr Helmschule, Penzendorfer Straße,  Schwabach VA: AWO Ortsverein Schwabach Info: 09122 / 72 387 Tanzen 50+ Jeden Dienstag 9-11 Uhr Stadtteilzentrum Emmaus,   Klinggraben 18, Schwabach Für alleinstehende Frauen, Männer  und Paare VA: Kneipp-Verein Info: 09122 / 77 489 Heiteres Gedächtnistraining jeden Dienstag, 10:45-11:45 Uhr Pentas-Haus, Gutenbergstraße 3,  Schwabach Mit Ingrid Ittner-Wolkersdorfer Info: 09122 / 13 196 Seniorenschach für jedermann jeden Donnerstag 14-18 Uhr Loni-Übler-Haus, Marthastr. 60,  Nürnberg VA: Schachclub Noris Tarrasch 1873  e.V. Info: 0911 / 83 53 50 Tanz mit, bleib fit 07.09., 05.10., 02.11.2013,   14:30 Uhr AWOthek, Karl-Bröger-Str. 9, Nbg.  Mitmachtänze für Tanzfreudige ab  40; Leitung: Ingrid Ullmann VA: AWO Kreisverband Nbg. e.V. Info: 0911 / 45 06 01 67 Übungen zur Sturzprävention 11.09.2013, 11 Uhr Treffpunkt: Kräutergarten beim  Hallertor, Nürnberg VA: Seniorenzentrum der Stadtmission Nürnberg e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 217 59 23 Darf ich bitten? 13.09., 18.10., 15.11.2013,   jeweils 14-16:30 Uhr Caritas Senioren- und Pflegeheim  Stift St. Martin, Cafeteria, Grolandstr. 67, Nürnberg Tanz und Unterhaltung mit Richard  Müller. Auf Anfrage kann ein Hol-  und Bringdienst organisiert werden. VA: Seniorennetzwerk Nordstadt Info: 0911 / 93 79 975 Senioren-Eislauf Ab 16. Sept. 2013, jeweils Mo,  12.30-14.30 Uhr ARENA Nürnberger-Versicherung,  Kurt-Leucht-Weg 11 Info: 0911 / 98 89 72 80 Zeit für Beckenboden 16.09.2013, 10 Uhr Seniorentreff Bleiweiß, Hintere  Bleiweißstr. 15, Nürnberg VA: Seniorentreff Bleiweiß Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24

WenDo für Seniorinnen 18.09.2013, 10-11 Uhr:  Infoveranstaltung mit Tageskurs AURA e.V., Gleißbühlstr. 10, Nbg. VA: AURA e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 28 46 29 Tanznachmittag für ältere Menschen 24.09., 22.10., 19.11.2013,   jeweils 14-17 Uhr Nachbarschaftshaus Gostenhof,   Großer Saal, Adam-Klein-Str. 6, Nbg. Atze an der Orgel, Helmut Linke,  führt durchs Programm VA: Nachbarschaftshaus Gostenhof Info: 0911 / 231 70 80 Schnuppertanz mit dem Bundesverband Seniorentanz 27.09., 25.10., 29.11.2013, 14 Uhr Seniorentreff Bleiweiß,   Hintere Bleiweißstr. 15, Nürnberg VA: Seniorentreff Bleiweiß Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24 Tanztreff 29.09., 27.10., 24.11.2013,   15-18 Uhr Nachbarschaftshaus Gostenhof, Großer Saal, Adam-Klein-Str. 6, Nbg.  Standard und Latein VA: Nachbarschaftshaus Gostenhof Info: 0911 / 231 70 80

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sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Safranski liest 27.9.2013, 20 Uhr  Literaturhaus Nürnberg,   Luitpoldstraße 6, Rüdiger Safranski liest aus seiner  neuen Biografie »Goethe – Kunstwerk des Lebens« Info: 0911 / 234 26 58

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Die Melone und andere Köstlichkeiten 09.10.2013, 19 Uhr Wohnstift Hallerwiese, Praterstr. 3,  Nürnberg Gerd Berghöfer liest Ephraim Kishon VA: Wohnstift Hallerwiese   (Diakonie Neuendettelsau) Info: 0911 / 27 21 430

Workshop Sitz-Tai-Chi 12.10.2013, 10 und 13 Uhr Seniorentreff Bleiweiß, Clubraum,  Hintere Bleiweißstr. 15, Nürnberg VA: Seniorentreff Bleiweiß Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24 Lachen als Jungbrunnen 17.10.2013, 14-15:30 Uhr Seniorentreff Bleiweiß, Clubraum,  Hintere Bleiweißstr. 15, Nürnberg VA: Seniorentreff Bleiweiß Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24

literatur & theater Hobbala – Fränkisch Frech 20.09.2013, 20 Uhr; 18.10.2013,  19:30 Uhr Kleinkunstbühne Bammes,   Bucher Hauptstr. 63, Nürnberg Mundartkabarett mit Sven Bach Info/Reservierung: 0911 / 93 89 520 Mord in der Primadonnenloge 22.09., 03.10.2013, 17 Uhr Dehnberger Hoftheater,   Dehnberg 14, Lauf Opernkrimikomödie Info/Reservierung: 09123 / 95 44 91 Das Märchenzimmer »Märchen aus aller Welt« 24.09., 29.10., 26.11.2013,   jeweils 14 Uhr Seniorentreff Bleiweiß,   Hintere Bleiweißstr. 15 Info/Anmeldung: 0911 / 231 88 24

Rudi Herzner liest »Heinz Erhard« 10.10.2013, 14 Uhr Seniorentreff Bleiweiß,   Hintere Bleiweißstr. 15 Info/Anmeldung: 0911 / 231 88 24 Am Erzähltisch 10.10.2013, 18 Uhr Mit Ruth Zadek: »Politik und Kultur  hüben und drüben« AWOthek, Karl-Bröger-Str. 9, Nbg.  VA: AWO Kreisverband Nbg. e.V. Info: 0911 / 45 06 01 67 Sven Bach – Kranklach’n is g’sund 13.10.2013, 18 Uhr Kleinkunstbühne Galerie Gaswerk,  Nördliche Ringstr. 9, Schwabach 08.11.2013, 20 Uhr  Saal der »Nulldreier«,   Hopfengartenweg 66, Nürnberg Info/Reservierung: 0911 / 93 89 520

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Pluhar liest 14.10.2013 20 Uhr Literaturhaus Nürnberg,   Luitpoldstraße 6, Nürnberg Erika Pluhar liest aus ihrem Roman  »Die öffentliche Frau«. Eintritt: 12 E Info: 0911 / 234 26 58 Weisheit für die Seele im Märchen 15.10.2013, 19:30 Uhr Evangelisches Gemeindehaus  Rednitzhembach, Am Forst 20,  VA: Evangelisches Bildungswerk  Schwabach Info/Anmeldung: 09122 / 92 56 420

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Verdammte Deutsche! 19.10.2013, 20 Uhr Stadtbücherei Lauf, Turnstr. 11, Lauf Lesung von Gerhard Seyfried zu  seinem historischen Kriminalroman Info: 09123 / 18 34 50

Herzensbrecher 20.10.2013, 16:30 Uhr Meistersingerhalle Nürnberg Sonntagskonzert der Nürnberger  Symphoniker Info/Karten: 0911 / 47 40 154

Albert Camus 23.10.2013, 14:30 Uhr Seniorenzentrum der Stadtmission,  Burgschmietstr. 4, Nürnberg  Literaturcafé zum Thema Camus:  ein politischer Mensch, Philosoph,  Schriftsteller, Nobelpreisträger und  Fußball-Liebhaber VA: Seniorenzentrum der Stadtmission Nürnberg e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 217 59 23

Schalom – musikalische Brücke nach Israel 27.10.2013, 16 Uhr Wohnstift Hallerwiese, Praterstr. 3,  Nürnberg Hochbegabte Musikstudenten unter  Leitung von Julia Goldstein-Manz VA: Wohnstift Hallerwiese   (Diakonie Neuendettelsau) Info: 0911 / 27 21 430

Täuscher 06.11.2013, 20 Uhr Bertleinaula,   Martin-Luther-Str. 2, Lauf Lesung von Andrea Maria Schenkel Info: 09123 / 18 34 50 Marika Rökk 06.11.2013, 14:30 Uhr Seniorenzentrum der Stadtmission,  Burgschmietstr. 4, Nürnberg  Literaturcafé zum Thema M. Rökk:  Operettenlegende, Film- und   Bühnenschauspielerin VA: Seniorenzentrum der Stadtmission Nürnberg e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 217 59 23 Ein allzu braves Mädchen 08.11.2013, 20 Uhr Bertleinaula,   Martin-Luther-Str. 2, Lauf Lesung von Andrea Sawatzki Info: 09123 / 18 34 50 Erzählen unterm Pflaumenbaum 12.11.2013, 14 – 15:30 Uhr Seniorentreff Bleiweiß, Hobbyraum,  Hintere Bleiweißstr. 15, Nürnberg »Der Schlaf der Katze« oder »Nach  där Dichdärlesung« mit Friedrich Ach Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24

Musik & unterhaltung Tanznachmittag mit Siggi Erhard 26.09., 02.11.2013, 14 Uhr Seniorentreff Heilig-Geist,   Spitalgasse 22, Nürnberg VA: Seniorentreff Bleiweiß Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24  oder 231 46 96 Der Meister von Nürnberg 04.10.2013,20 Uhr,  Luna-Theater, Neutorstraße 1,   Schwabach Stummfilm von Ludwig Berger aus  dem Jahr 1927 mit Live-Musik des  Percussionquartetts »Cabaza«. Eintritt: 10 / 8 Euro  Info: 09122 / 860-305 Fränkisch musikalischer Abend 18.10.2013, 19 Uhr Kulturladen Gartenstadt,   Frauenlobstr. 7, Nürnberg Fortsetzung der Reihe »Volksmusik  und Literatur querbeet« Info: 0911 / 48 23 18 Caféhausmusik im Bleiweiß 19.10.2013, 14 Uhr Seniorentreff Bleiweiß,   Hintere Bleiweißstr. 15, Nürnberg Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24

Konzert: Esterhazy-Quartett 06.11.2013, 18:30 Uhr Wohnstift Hallerwiese, Praterstr. 3,  Nürnberg Kammermusik VA: Wohnstift Hallerwiese   (Diakonie Neuendettelsau) Info: 0911 / 27 21 430 Endlich!? Fünfzig? 15.11.2013, 20 Uhr Kulturladen Gartenstadt,   Frauenlobstr. 7, Nürnberg Sketch-Comedy mit Andrea Lipka  und Jürgen Morlock Info/Reservierung: 0911 / 48 23 18 Der Wiener Damenkapelle – Johann Strauß 15.11., 16.11.2013, 16 Uhr Karl-Bröger-Zentrum,   Karl-Bröger-Str. 9, Nürnberg  VA: AWO Kreisverband Nbg. e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 45 06 01 67

sonstiges Handarbeiten und Stricken mit dem russischen Kulturverein Jeden Donnerstag, 17 – 18:30 Uhr Flurstr. 52c, Schwabach VA: Die Johanniter Info: 09122 / 69 39 877 Singnachmittag 11.09., 25.09., 09.10., 20.10.,  13.11.2013, jeweils 15 Uhr Seniorenzentrum der Stadtmission,  Burgschmietstr. 4, Nürnberg Gemeinsames Singen mit Musikbegleitung VA: Seniorenzentrum der Stadtmission Nürnberg e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 217 59 23 Kino am Nachmittag 16.09., 07.10., 21.10., 04.11.2013,  jeweils 14 Uhr Casablanca-Kino, Brosamer Str. 12,  Nürnberg VA: AWO Kreisverband Nürnberg  e.V. in Kooperation mit Casa e.V. Info: 0911 / 45 06 01 67 Dritter Seniorentag Gartenstadt / Siedlungen Süd 24.09.2013, 13:45-17:30 Uhr Gesellschaftshaus Gartenstadt,  Buchenschlag 1, Nürnberg Infonachmittag zu seniorenrelevanten Themen: Beratungsstände, Mitmachaktionen und Kaffee/Kuchen VA: Seniorennetzwerk Gartenstadt /  Siedlungen Süd Info: 0911 / 217 88 76


sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

3. Nürnberger Stiftertag – Erben. Vererben. Stiften. 27.09.2013, ab 12 Uhr Historischer Rathaus-Saal und Tagungsräume Rathaus, Rathausplatz  2, Nürnberg VA: Stifter-Initiative Nürnberg Info: 0911 / 231 23 52 Hochbetagtenstammtisch 26.09.2013, 14:30-16:30 Uhr:  Modequiz 31.10.2013, 14:30-16:30 Uhr:  Geschichtennachmittag 28.11.2013, 14:30-16:30 Uhr:   Die Polizei informiert: Tricks an der  Haustür Jeweils mit Kaffee und Kuchen Mehrgenerationenhaus Schweinau,  Schweinauer Hauptstr. 31, Nürnberg VA: Seniorennetzwerk St.   Leonhard/Schweinau Info: 0911 / 80 18 154 Filmcafé 28.09.2013, 14 Uhr: Moslem,  Christ, Hindu… und Du? 26.10.2013, 14 Uhr: Paris, die Stadt  der Künstler 30.11.2013, 14 Uhr: Nürnberg,  unsere liebenswerte Stadt AWOthek, Karl-Bröger-Str. 9, Nbg.  VA: AWO Kreisverband Nbg. e.V. Info/Anmeldung: 0911 / 45 06 01 67 Alles Kunst – die Sonntagsmatinee 29.09.2013, 11 Uhr: Schtonk 27.10.2013, 11 Uhr: Die Mühle und  das Kreuz 24.11.2013, 11 Uhr: Die schöne  Querulantin Filmhauskino, Königstr. 93, Nbg. Info: 0911 / 231 73 40 Herbstnachmittag 24.10.2013, 15 Uhr Café im Loni-Übler-Haus,   Marthastr. 60, Nürnberg Geselliger Nachmittag zum Thema  »Herbst« VA: Seniorentreff im Loni-Übler-Haus Info: 0911 / 541156 Schuld und Vergebung 25.10.2013, 16-20 Uhr, 26.10.2013,  jeweils 9-16 Uhr Hospiz-Akademie,   Deutschherrnstr. 15-19, Nürnberg Seminar VA: Akademie für Hospizarbeit und  Palliativmedizin Nürnberg Info: 0911 / 89 12 05 30 Ich sehe was! Siehst Du es auch? 07.11.2013, 14:30-15:30 Uhr Seniorentreff Bleiweiß, Clubraum,  Hintere Bleiweißstr. 15, Nürnberg Bildershow über optische Täuschungen mit Marlene Koob Info/Anmeldung: 0911 / 231 82 24 Wichteln und vorweihnachtliches Basteln 14.11.2013, 15 Uhr Café im Loni-Übler-Haus,   Marthastr. 60, Nürnberg Die Besucherinnen und Besucher  sollten einen schönen Gegenstand,  der nicht mehr benötigt wird, verpackt mitbringen. VA: Seniorentreff im Loni-Übler-Haus Info: 0911 / 54 11 56

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Dienstag-Stammtisch im Seniorennetzwerk Wöhrd 26.11.2013, 14 – 16 Uhr Seniorennetzwerk Wöhrd,   Nunnenbeckstr. 47, Nürnberg Jürgen Mandel erzählt lustige   Geschichten und Gedichte in   fränkischer Mundart  VA: Seniorennetzwerk Wöhrd Info/Anmeldung: 0911 / 53 01 183 Festliches Adventskonzert 05.12.2013, 18 Uhr Historischer Rathaussaal, Rathausplatz 2, Nürnberg Konzert der Nürnberger Symphoniker Info/Karten: 0911 / 47 40 154

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Sonnige Zeiten 15.09.2013, 14 Uhr Treffpunkt: Am Tiergarten 30, Nbg. Märchenspaziergang im   Schmausenbuck VA: Reingard Fuchs Info/Vorverkauf: 0911 / 231 40 00

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Die phantastischen Abenteuer des Don Quijote – Premiere! 05.10.2013, 15 Uhr Dehnberger Hoftheater,   Dehnberg 14, Lauf Erzähltheater für Großeltern mit  Enkelkindern ab 6 Jahren; mit dem  Ballettförderzentrum Nürnberg.  Info/Reservierung: 09123 / 95 44 91 Der Grüffelo 15.10.2013, 10-10:45 Uhr Kulturladen Gartenstadt,   Frauenlobstr. 7, Nürnberg Kindertheater: Ritter Lanzelot;   Für Großeltern mit Kindern ab 3  Jahren Info/Reservierung: 0911 / 48 23 18 Kopfüber 25.10-30.10.2013, täglich 15 Uhr Filmhauskino, Königstr. 93, Nbg. Kinderkino für Großeltern mit   Enkelkindern ab 8 Jahren Info: 0911 / 231 73 40

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Ella Fuchs und der hochgeheime Mondschein 06.11.2013, 16 Uhr Stadtbücherei Lauf, Turnstr. 11, Lauf Lesung von Antonia Michaelis für  Großeltern mit Kindern ab 8 Jahren Info: 09123 / 18 34 50

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Die wahre Geschichte der Biene Maja 09.11.2013, 14 Uhr Bertleinaula,   Martin-Luther-Str. 2, Lauf Kinderkonzert nach Waldemar   Bonsels Buchklassiker für Großeltern mit Enkelkindern ab 6 Jahren Info: 09123 / 18 34 50

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sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Als Europa noch Grenzen hatte Bald jeder Tourist schmuggelte damals Wein, Zigaretten oder Devisen die Zugfahrt durch Ungarn über Österreich nach Deutschland fort. So erleichtert, dass die beiden am Grenzübertritt in die Bundes­ republik tief schliefen und erst in München aufwachten. »Da war plötzlich alles so hell – bei uns daheim gab es in der Nacht ja kein Licht, und München begrüßte uns mit einem Lichtermeer. Das werde ich nie vergessen, auch wenn ich doch tatsächlich den wichtigsten Grenzübertritt unseres Le­ bens verschlafen habe und die Zöllner dort anscheinend mit uns ein Einsehen hatten und uns nicht weckten.« Gerda und Andreas Bürger haben den wichtigsten Grenzübertritt ihres Lebens verschlafen.

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s ist fast 20 Jahre her, dass es end­ gültig in Kraft trat, das »Schengener Abkommen«. Die neue Richtlinie ermöglichte das Reisen innerhalb Europas ohne Grenzkontrollen. Sechs+sechzig hat sich umgehört, wie das so war, als Europa noch Grenzen hatte und es noch nicht so leicht war, von einem Land ins andere zu reisen. »Und dann haben wir doch tatsächlich den wichtigsten Grenzübertritt unseres Le­ bens verschlafen.« Gerda Bürger (66) lacht. 22 Jahre war sie damals alt und befand sich mit ihrem Mann Andreas auf der ersten ge­ meinsamen Urlaubsreise mit dem Zug vom kleinen Heimatdorf Rode bei Schäßburg in Siebenbürgen zu den Großeltern ins baden­ württembergische Lörrach. Die kleine, einjährige Tochter Gerdi mussten sie bei Verwandten lassen: Zu groß waren die Befürchtungen der rumäni­ schen Behörden gewesen, man würde nicht mehr zurückkehren. Und groß waren auch die Schikanen, die das Paar an der ersten Grenze auf ihrer weiten Fahrt erlebte – der zwischen Rumänien und Ungarn: Die Koffer wurden restlos geleert, alle Kleidungsstücke penibel kontrolliert, man suchte nach Devi­ sen und anderer Schmuggelware. »Auch wir wollten natürlich nicht ganz ohne Geld in Deutschland ankommen. Des­ halb habe ich mir einige D­Mark­Scheine, die mir ein Onkel bei seinem Besuch in Ru­ mänien geschenkt hatte, in den BH genäht. Gott sei Dank sind die Zöllner nicht auf die Idee gekommen, auch noch eine Leibesvi­ sitation vorzunehmen«, erinnert sich Gerda Bürger aus Fürth. Ziemlich erleichtert setzte das Paar dann

Wird das Auto gefilzt? Nicht nur bei Reisen von Ost nach West war der Grenzübertritt mit der Angst verbunden, dass man bei Kontrollen mit unerlaubten Waren erwischt wurde. Der Fürther Jürgen Schönborn (70) erinnert sich: »Zweimal im Jahr sind wir mit der Fähre von Trave­ münde nach Helsinki gefahren. Kurz vor Ankunft kam die große Angst: Wird mein Auto gefilzt nach Alkohol? Und tatsächlich: Einmal mussten wir in die Zollhalle fahren, das Auto wurde auseinandergenommen, alle Fläschchen, die wir dabei hatten, der Reihe nach aufgestellt, alles ausgeschüttet, und 400 Mark Zoll waren fällig. Ein toller Beginn für den Urlaub. Da das Bier und der Wein in Finnland aber so viel teurer waren als in Deutschland, hat man das Risiko immer wieder auf sich genommen. Heute ist das vorbei. EU­Bürger können mitnehmen, so viel sie wollen.« An das »Fläschchen­Aufstellen« kann sich auch Jutta Körner (82) aus Fürth lebhaft erinnern. Sie denkt an eine Rückreise mit ihrem Mann vom Urlaub am Faaker See in Kärnten nach München in den 60­er Jahren. »Unser Auto war voll bepackt, damals nahm

Günter Berndt wurde bei einer Klassenfahrt nach Berlin von DDR-Grenzern gefilzt. man ja sogar noch die eigene Bettwäsche mit, um möglichst günstig Urlaub machen zu können.« Und natürlich lockten die Märk­ te im nahen Italien mit ihren beeindrucken­ den Angeboten. Da griff man schon tüchtig zu bei Martini, Zitronenlikör und anderen Köstlichkeiten, die damals in Deutschland viel teurer waren. Und der berühmte »Stroh­ Rum« aus Österreich – beliebt nicht bloß als Backzutat – musste natürlich auch mit. »Der Fehler an der Grenze zu Deutsch­ land war dann wohl, dass wir auf die Frage, ob wir etwas zu verzollen hätten, glatt mit nein geantwortet haben. Und das nahm uns der junge, ehrgeizige Zöllner dann doch nicht ab«, erinnert sich Jutta Körner. Man musste rechts ran fahren, der kleine VW wurde auseinandergenommen, selbst die Innenverkleidung abgeschraubt. Und dann tauchten sie natürlich auf, die »Fläschchen« und die Zigaretten. Schön aufgereiht stan­ den sie im Büro des Zolls, und das große Rechnen und Bezahlen begann. Genug Lehrgeld bezahlt

Jürgen Schönborn erinnert sich an scharfe Zollkontrollen in Finnland.

»Als der junge Zöllner dann seinen Chef darauf aufmerksam machte, dass wir auch noch eine große Laufpuppe als Mitbringsel für die Tochter im Auto hatten, war mein Ärger fast nicht mehr zu verbergen, aber wenigstens da kam uns der erfahrenere Kol­ lege entgegen und meinte, wir hätten schon genug Lehrgeld gezahlt.« Die Körners sind dann mit ihren beiden Kindern noch oft über die Grenzen nach Italien gefahren, haben aber immer darauf geachtet, dass die Antwort auf die Frage am Zoll stets lautete: »Die erlaubten Mengen…« Keinen finanziellen, sondern einen Imageschaden hatte der demnächst in Pen­


Persönliche Urlaubserinnerungen Heute erleben die Menschen ihre Reisen als Episoden, sagt der Zeitforscher Helmut Rosa. Deshalb bringen sie Souvenirs mit. Zwischen den 20-er und 60-er Jahren brachten die meisten nur Erinnerungen mit nach Hause. Diese hatten sich tief in ihr Gedächtnis eingegraben. Damals hießen die Reiseziele nicht New York oder die Malediven, sondern Pfronten-Kappel im Allgäu, Amrum oder Brüssow in der Uckermark. Vom Reisen und der damit verbundenen Freizeit handelt das Buch »Unvergessene Ferienzeit 1923 – 1962« aus dem Zeitgutverlag. Darin schildern 32 Autoren ihre unvergesslichen Urlaubserlebnisse. Teils unspektakuläre Ereignisse, die durch den Urlaub eine andere, sich ins Gedächtnis einprägende Bedeutung bekamen. Teils sehr persönliche Schilderungen. Manche Geschichten machen betroffen, wie die von Ursula Meier-Limberg über ihren jüdischen Freund Klaus, der mit den Worten »du Judenlümmel hast hier nichts zu suchen« 1936 aus dem Brüssower Seebad geworfen wurde. Andere schildern einfach nur die eigenen Erlebnisse, Zeitumstände, ohne die politische Repression in der Nazizeit oder in der DDR auch nur zu erwähnen. Die Geschichten zeichnen ein recht gutes Bild über die Schwierigkeiten und schönen Seiten des Reisens in dieser Zeit, mit dem Bemühen, die damaligen Ansichten und Umstände möglichst authentisch erscheinen zu lassen. Das macht das Buch auf die Dauer etwas langatmig – wie das Reisen damals. Rainer Büschel »Unvergessene Ferienzeit 1923 – 1962. Erinnerungen an Sommerfrische, Urlaub und Ferienzeit«. 192 Seiten (mit Abbildungen), Zeitgut Verlag, Berlin 2013, 6,90 €

Blick auf das Alpenpanorama: Jutta Körner (2. von rechts) mit ihren Kindern Karin und Joachim 1969 auf dem Großglockner. sion gehende Fürther Lehrer Günter Berndt: »Das war auf einer Klassenfahrt, in den 80­er Jahren nach Berlin. Schon im Bus be­ kam ich mit, dass einige Schüler vorhatten, Devisen nach Ostberlin zu schmuggeln, und als mir dann kurz vor der Grenze ein Mädel eine Packung Zigaretten zusteckte, war mir schon etwas mulmig.« Und so war ihm auch irgendwie klar, dass ihn die DDR­Beamten als einzigen aus der Gruppe filzen würden. Dass er sich dabei aber vollkommen nackt ausziehen musste, war denn doch etwas zu viel für den geduldigen Pädagogen, zumal sich die Sache mit den Zigaretten als harm­ los entpuppt hat. Und schließlich kann auch die Autorin von einer »Grenzerfahrung« der besonderen

Art berichten: Ebenfalls Ostberlin, ebenfalls die 80­er Jahre: Erste gemeinsame Fahrt mit dem späteren Ehemann durch den eisernen Vorhang. Parkplatzsuche Unter den Linden – mit Verwunderung und Freude registrierten wir, dass es in Ostberlin wohl überall freie Plätze gibt. Nach unserer Besichtigungstour war mittags die Verzweiflung groß, als wir wieder zurück in den Westen der Stadt woll­ ten. Da stand einsam und allein ein kleiner roter Golf inmitten von hunderten Mara­ thonläufern, die das Hindernis geschickt »umliefen«. Ein junger, gestrenger Volkspo­ lizist gab zur Auskunft, da hätte man jetzt wohl Pech gehabt. In den nächsten paar Stunden den Wagen aus der »Zone« zu bekommen, das sei nicht möglich, das gäbe

wohl jetzt mächtig Ärger. Aber auch in dieser Situation kam ein verständnisvollerer, älterer Kollege zu Hilfe. Er leitete kurzerhand die ganze Marathon­ mannschaft in weitem Bogen an unserem Wagen vorbei, und wir konnten erleichtert ausparken. Beim Grenzübergang vergaß ich dann glatt das geschmuggelte DDR­Rest­ Geld zwischen den Prinzenrollen­Keksen – und machte anscheinend bei den Zollbe­ amten einen so glücklichen Eindruck, dass keiner auf die Idee kam, uns intensiver zu kontrollieren. Karin Jungkunz Fotos: Mile Cindric (2), privat (2)


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KLEINE HILFEN

sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Die Kunst der langsamen Bewegungen Nürnbergerin Ursula Gottschalk veröffentlichte Bücher über Qi Gong und Tai Chi

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enn Senioren heute beim Zumba schwungvoll die Hüften kreisen lassen oder Marathon laufen, wundert das niemanden mehr. Vor 15 Jahren war das noch ganz anders. Da traute man Älteren kaum zu, überhaupt sportlich aktiv zu sein. »Wenn ich erzählte, dass ich jetzt Senioren unterrichte, wurde ich ausgelacht. So quasi: Was willst du mit den Alterchen, die krabbeln doch nur durchs Zimmer«, erinnert sich Ursula Gottschalk an spöttische Kommentare. Die damals 40­jäh­ rige Nürnbergerin gab außerdem in einer Aikido Gruppe Tai Chi­Unterricht. Auch dort sah man es gar nicht gern, dass die gelernte Erzieherin und Masseurin sich neuerdings mit Senioren abgab. Man legte ihr sogar nahe, ihren Kurs einzustellen. Das wollte Gottschalk aber nicht – sie verließ stattdes­ sen die Gruppe und ging ihren Weg weiter. Heute unterrichtet sie in den Nürnberger Seniorentreffs Bleiweiß und Heilig­Geist fünf Seniorengruppen in Qi Gong (sprich: Tschi Gong) und Tai Chi (sprich: Tai Tschi) und daneben Schüler im Alter von fünf bis 95 in den Nürnberger Kulturläden. Außerdem hat sie zwei Bücher geschrieben und darin ihren ganz besonderen Ansatz der beiden chine­

sischen Bewegungskünste für Ältere festge­ halten. »Mit einem künstlichen Hüft­ oder Kniegelenk funktionieren manche Übungen einfach anders«, erläutert sie. Das bedeutet aber keineswegs, dass das Training deshalb weniger effektiv wäre, im Gegenteil. Gerade Ältere profitieren von den lang­ samen, anmutigen Übungen, die Gelenke schonen und die Muskulatur sanft trainie­ ren. Qi Gong lässt sich etwa mit »Arbeit an unserer Lebensenergie« übersetzen und stammt aus der chinesischen Medizin. Dabei spielt ähnlich wie etwa beim Yoga die Atmung eine wichtige Rolle, die Übungen sind fließend und harmonisch und können entweder im Sitzen, Stehen oder Liegen ausgeführt werden. Mehr Selbstsicherheit

Hinter der blumigen Bezeichnung »einen Regenbogen bewegen« verbirgt sich zum Beispiel eine Übung, die durch das Hin­ und Herbewegen der Arme aus einer besonde­ ren Körperhaltung heraus Schmerzen der Lendenwirbelsäule und des Rückens lindern soll. Tai Chi, das »Schattenboxen«, funkti­ oniert ähnlich und hat dieselben Wurzeln wie Qi Gong, setzt aber mehrere Übungen hintereinander, so dass man sich einen gesamten Ablauf merken muss. »Das ist für Ältere nicht immer einfach, schult aber das Gedächtnis«, weiß Gottschalk. Grundsätzlich profitieren von Qi Gong und Tai Chi immer Körper und Geist – rein technisch zunächst einmal dadurch, dass beide Gehirn­ und Körperhälften gleichzeitig trainiert werden. »Erstaunlich ist die Wirkung zum Beispiel bei Schlagan­ fallpatienten. Sie vergessen während des Übens irgend­ wann, dass die eine Seite ja nicht funktioniert – und nehmen auch den vermeint­ lich funktionslosen Arm dann einfach mit«, sagt Gottschalk. Daneben bringt regelmä­ ßiges Üben mehr Standfes­ tigkeit und Selbstsicherheit – und damit weniger Angst vor Stürzen. »Es ist schon vorgekommen, dass hier Ursula Gottschalk hat sich schon vor 15 Jahren dem Gehstöcke vergessen wur­ Seniorensport verschrieben. Sie unterrichtet ältere in den«, schmunzelt Gottschalk. tai Chi und Qi Gong.

Das sind die Momente, aus denen die heute 55­Jährige ihre Motivation schöpft. »Man darf sich selbst nicht so wichtig nehmen, sondern muss die Schüler in den Mittel­ punkt stellen«, sagt sie. »Ich erinnere mich an meine eigene Anfangszeit – da war bei vielen Übungen auch immer eine Hand oder ein Fuß übrig, mit denen ich nichts anzufan­ gen wusste.« Zu ihrem Interesse und schließlich zur Ausbildung im traditionellen Tai Chi Chuan und Qi Gong gelangte sie über einen Kung Fu­ausübenden Freund. Der stete Wandel hat ohnehin die Biografie der gebürti­ gen Nürnbergerin geprägt. So schloss sie zunächst an eine Ausbildung zur Erzieherin die Lehre zur Bürokauffrau an und gelangte über einen Gerichtsvollzieher, eine Bank und einen Orthopäden schließlich in eine Praxis für Krankengymnastik, die sie zu ihrer (vorerst) letzten staatlich anerkannten Ausbildung zur Masseurin inspirierte. Auf die innere Stärke kommt es an Seit rund drei Jahrzehnten begleiten nun die asiatischen Bewegungsformen ihr Leben und geben ihr die Kraft, auch im ärgsten Getöse auf Knopfdruck sofort abzuschalten. Es ist nicht zuletzt diese innere Stärke, die sie »ih­ ren« Senioren unbedingt weitergeben will. Ehe Anfänger eine Übung so beherrschen, wie die chinesischen Meister sie erdacht haben, bedarf es einer Menge an Training, Geduld und Humor. Gelegentlich spannt sie auch die eigene Familie ein: So fotogra­ fierten Sohn und Mann für ihr erstes Buch. Die Bilder für ihr zweites Werk hat sie selbst gemacht und auch die Texte selbst verfasst. Das Fotografieren lässt sie nicht mehr los, so dass Gottschalk mittlerweile zwei Fotoaus­ stellungen mit Naturmotiven organisiert hat – und sich damit wieder eine ganz andere Ausdrucksform geschaffen hat. Alexandra Buba; Foto: Michael Matejka

I N F O R M AT I O N Bücher von Ursula Gottschalk Qi Gong mit Senioren 68 Seiten, Books on Demand, 2011 15,90 € tai Chi Chuan mit Senioren 72 Seiten, Books on Demand, 2012 15,90 €


PORtRät

sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

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Agnes läuft und läuft und läuft 94-jährige Wanderführerin ist ein Vorbild im Fränkischen Albverein

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gnes Herberth schaut zufrieden aus dem Fenster ihrer Wohnung im siebten Stock eines Hoch­ hauses am Rande der Goldschlä­ gerstadt. »Von hier oben liegt mir Schwabach zu Füßen.« Wenn Agnes Herberth strahlt – und das tut sie bei sol­ chen Sätzen – zeigt ihr würdevolles Gesicht noch mehr feine Falten. Die Frau ist 94 Jahre alt, sportlich­drahtig, die Bewegungen geschmeidig und genau. An den Wohnzimmerwänden hängen acht Urkunden, die allesamt eines doku­ mentieren: Wandern ist ihre Leidenschaft, ihre Lust, mit der sie es zu einiger Profes­ sionalität gebracht hat. Bis zu ihrem 87. Lebensjahr war Agnes Herberth als Wan­ derführerin des Fränkischen Albvereins im Einsatz. »Heute, mit 94, bin ich in Rente«, lächelt die vielfach Geehrte verschmitzt. Und hofft doch, dass sie in diesem Jahr die goldene Ehrennadel ihres Lieblingsvereins verliehen bekommt. Die anderen hat sie alle schon. treues Mitglied Tatsächlich ist der Verein stolz, ein so treues, engagiertes und fittes Mitglied zu haben, das seit 26 Jahren aktiv dabei ist. »So möch­ ten wir alle gern 94 werden!«, wünscht sich Ruth Ghobarkar vom Fränkischen Albverein, Ortsgruppe Nürnberg. Sie erzählt, dass Agnes Herberth manchmal noch einspringt, wenn Not am Mann oder an der Frau ist. Wie letztes Jahr. Bei einer Wanderung hat sie einen Teil der Gruppe über das mar­ kante Walberla in der Fränkischen Schweiz geführt, während der Rest der Gemeinschaft nur um den Berg herum gewandert ist. Agnes Herberth selbst neigt nicht dazu, sich mit ihrer geistigen und körperlichen Fitness zu brüsten. Natürlich reichen die Kräfte nicht mehr so weit wie früher. Zwölf statt 20 Kilometer pro Wanderung genügen, zudem geht sie langsamer als einst. Auch die zweimal gebrochene Hand behindert sie. Gegen das Schwindelgefühl hat ihr der Neurologe eine überraschende Gymnastik verordnet: Jeden Morgen 40 Minuten Übun­ gen, begleitet von gleichzeitigem Zählen bis 100 – in, man staune, zehn Sprachen. Das hilft, sagt sie. Zusätzlich zu den zwei wöchentlichen Wanderungen fährt sie montags zum Schwimmen nach Treuchtlin­ gen und einmal zu einer Gymnastikgruppe. Umgekehrt ausgedrückt: Nur dienstags und donnerstags hat sie keine festen Termine. Vielleicht ist das ihr Rezept gegen Alters­

Agnes Herberth legt auch mit 94 Jahren die noch nicht aus der Hand. müdigkeit. Oder die Angewohnheit, mit der Sonne früh aufzustehen und sich mit ihr niederzulegen. Zugleich positiv zu denken und an jedem neuen Tag »Danke« zu sagen. Schwieriger Neubeginn Dabei fiel ihr der Neubeginn in Schwabach alles andere als leicht, damals als 68­jäh­ rige Rentnerin, von Frankfurt am Main kommend. Tochter und Schwiegersohn in Nürnberg­Katzwang arbeiteten unter der Woche, sie selbst hatte keine Arbeitskolle­ gen oder andere Kontakte. »Ich fühlte mich total fremd, wusste weder, was Radler noch Karpfen bedeutet«, erinnert sich die gebür­ tige Siebenbürger­Sächsin. Der Fränkische Albverein verhieß Rettung. Die erste Route führte von Nürnberg­Schweinau nach Zirn­ dorf­Anwanden im Kreis Fürth. »Ich hatte gleich das Gefühl: Du gehörst dazu.« Und es dauerte nicht lange, bis der Wanderwart sie als Führerin anheuerte; die Premiere führte sie von Weißenburg in den zur großen Kreis­ stadt gehörenden Ortsteil Oberhochstatt und zurück. Im Nachhinein bereut sie den Umzug nach Schwabach nicht. »Nach all

den Jahren bin ich sehr gut integriert. Aber wer wird schon 94?« Dabei war Agnes Herberth in ihrem Leben nicht auf Rosen gebet­ tet. Der schmerzlichste Moment: Im Januar 1945 musste sie ihre drei Kinder, das jüngste zwei Jahre alt, allein in Siebenbürgen zurück­ lassen. Als die Russen sie aus der Wohnung abholten und zur Schule führten, glaubte sie, zwei Stunden später wieder bei ihren Kleinen zu sein. »Aus den zwei Stunden wurden fünf Jahre.« Vor der Verschleppung nach Russland konnte sie gerade noch einer alten Frau mit Milchkanne in der Hand aus ihrem Dorf bei Hermannstadt zuflüs­ tern, jemand möge sich um die Kinder kümmern. Zurück von der Wanderstöcke Zwangsarbeit und wie­ der bei ihren Kindern, wartete sie 20 Jahre, bis die rumänischen Behörden ihren Reisepass herausrückten. Unter dem Vorwand, nur ihre Schwester in Rothenburg besuchen zu wollen, löste sie mit dem letzten Geld, das sie besaß, ein One­Way­Ticket nach Deutsch­ land. Ihre Kinder kamen nach. Vier Enkel und zwei Urenkel zählt die Familie heute, mit der sie Reisen von der Antarktis bis Amerika und Südafrika unternommen hat. In diesem Frühjahr ist sie wieder in die alte Heimat in Rumänien geflogen, doch jetzt will sie es gut sein lassen. Zu anstrengend, diese Fliegerei, meint sie. Will sie das Jahrhundert voll machen? »Erst einmal will ich die 95 schaffen«, antwortet die Betagte. »Sollte ich 100 Jahre alt werden, lade ich die Wandergruppe nach Wildbad bei Rothenburg zum Kaffee ein.« Versprochen ist versprochen. Angela Giese Foto: Mile Cindric


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ERLANGER SEItEN

sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Ist bald Schluss mit der Wassergymnastik? Marodes Frankenhof-Bad bringt Seniorengruppe in Schwierigkeiten

trainerin Isolde Bartosch (links) stellt der Wassergymnastikgruppe im Frankenhof die Übungen vor. Das Bad ist von der Schließung bedroht, und die älteren fürchten um den Fortbestand ihrer Sportstunde.

I

m Wasser geht alles leichter«, sagt Hil­ degard Bergheimer. Wenn die 74­Jährige zu ihrer Wassergymnastik geht, absol­ viert sie Übungen, die zum Beispiel das Gleichgewicht trainieren. »Nach meinem Schlaganfall ist Sport das Beste, was man tun kann.« Auch die 82­Jährige Elisabeth Goller besucht regelmäßig die Sportstunde in der Hannah­Stockbauer­Schwimmhalle des Erlanger Röthelheimbads: »Das bringt mir Erleichterung«, freut sich Goller. Nachdem sie bereits ein künstliches Knie erhalten hat, steht nun die Operation des zweiten Kniegelenks bevor. »Wassergymnastik ist das Wichtigste, was man sich vorstellen kann.« Ob starke Gelenkschmerzen, Übergewicht oder Herz­Kreislauf­Probleme: »Wassersport ist eine gute Möglichkeit für Senioren, sich körperlich zu betätigen, auch wenn sie Einschränkungen hinnehmen müssen«, sagt Gabriele Albert von der Seniorenberatung der Stadt Erlangen. Alles bestens also? Stünde da nicht die drohende Schließung des Hallenbads im

Kulturzentrum Frankenhof im Raum. Frauen wie Hildegard Bergheimer und Elisabeth Goller gehören der dortigen Wassergymnas­ tikgruppe an. Zwar zogen sie schon in den Jahren zuvor immer dann ins Röthelheim­ bad um, wenn das Hallenbad Frankenhof während der Freibadesaison seine Pforten schloss. Doch die Ausweichmöglichkeit ist für viele Senioren schwer oder nur um­ ständlich zu erreichen. Ungünstige Lage »Wir brauchen ein Bad, das möglichst zent­ ral gelegen ist«, sagt Hildegard Bergheimer. Freilich verfügt das Röthelheimbad über einen großen Parkplatz. Doch wer alters­ bedingt nicht mehr Autofahren kann oder will, muss den Bus nehmen und oft mehr­ mals umsteigen. »Es gehen nur wenige der Teilnehmer ins Röthelheimbad. Die meisten warten, bis das Hallenbad im Frankenhof wieder geöffnet hat«, sagt Isolde Bartosch, die Übungsleiterin der Gruppe. Außerdem sei es bei der Wassergym­ nastik wichtig, sagt Hildegard Bergheimer,

dass man vollständig im möglichst warmen Wasser stehe und nicht nur bis zur Hüfte – so, wie es die älteren Frauen und Männer im Röthelheimbad akzeptieren müssen. Wird nun das Bad im Frankenhof geschlossen, verlagert sich außerdem der gesamte Betrieb – also auch das Schul­ schwimmen und die diversen Vereinsaktivi­ täten – ins Röthelheimbad. Dort könnte es eng werden, vor allem mit den Terminen, die das Seniorenamt für den Wassersport reserviert. Befürchtungen der Älteren, man könne dabei nicht zum Zug kommen, sind groß. Gabriele Albert sagt: »Wir wissen nicht, ob eine Ersatzfläche kommt.« Und ob man im Falle einer Frankenhof­Schließung tatsächlich noch Senioren­Wassergymnastik anbieten könne. Entsteht tatsächlich eine »Versorgungs­ lücke«, könnte dies auch bedeuten, dass Seniorinnen und Senioren zum Beispiel Bäder in Kliniken und Kureinrichtungen besuchen müssen. Damit drohen höhere Teilnahmegebühren, da Miet­ und Eintritts­ preise umgelegt werden müssten. Derzeit


ERLANGER SEItEN

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Die Arbeitsgemeinschaft »Leben mit Demenz in Erlangen« lädt zum dritten Mal zu Informationstagen am 20. und 21. September 2013 ein. Oberbürgermeister Siegfried Balleis hat abermals die Schirmherrschaft übernommen. Am ersten Tag finden im Erlan­ ger Rathaussaal von 14 bis 18.30 Uhr Fachvorträge statt. Dabei geht es um Fragen wie: Wie viel Vergessen ist noch »normal«? Es wird auch ein Vortrag angeboten, der versucht, die Strukturen der Krankheit zu ergründen. Der Titel: »Das ABC der Demenz: Die Rückreise verstehen und dabei das Herz bilden.« Parallel zu den Vorträgen besteht die Möglichkeit, sich an Informationsstän­ den Aufklärung zu holen. Von 17.30 bis 18.30 Uhr laden dann Menschen mit beginnender Demenz andere Betroffene mit ihren Angehörigen zum Gespräch ein. Der zweite Tag fokussiert sich auf Betreuungsangebote für Menschen mit Demenz. Zwischen 10.30 und 16.15 Uhr werden zwei kostenlose Bustouren zu drei Erlanger Pflegeheimen (Ab­ fahrt am Rathaus) angeboten, die erste Fahrt beginnt um 10.30 Uhr und die zweite um 14.30 Uhr. Besucht werden das Senioren­ wohnzentrum Am Erlenfeld (Curanum) und das Bodelschwingh­ Haus der Diakonie Neuendettelsau sowie das AWO Sozialzent­ rum Erlangen. Das Programm der Informationstage liegt im Rathaus der Stadt Erlangen im Erdgeschoss (Infotheke), im Seniorenamt im 4. Stock, bei der Siemens Betriebskrankenkasse (Zenkerstr. 9, Infotheke) auf. Es besteht die Möglichkeit, das Programm über das Internet abzurufen: www.erlangen.de/senioren

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bezahlen sie nur, wenn sie auch tatsächlich an einer Wassergymnastik­Stunde teilnehmen. Solches Entgegenkommen dürfte dann wohl vorbei sein. Das Hallenbad im Frankenhof wurde 1963 erbaut und gilt seit Jahren als marode. »Alle Anlagen wurden zwar regelmäßig gewartet«, erläutert Matthias Batz, Bereichsleiter Bäder bei den Erlanger Stadtwerken. Doch die Technik hat ihre Lebensdauer längst überschritten. »Eine Sanierung wäre extrem aufwendig, da 90 Prozent der gesamten Anlage erneuert werden müssten.« Außerdem spiele mittlerweile auch die Sicherheit eine Rolle. »Das Hauptproblem ist die Gebäudehülle«, sagt Batz. Es gehe auch um die Dach­ und Deckenkonstruktion. Ob Betonabplatzungen, Risse oder eine nicht mehr ordnungsgemäße Armierung: Wolle man hier sanieren, hätte dies »schwerwiegende und kost­ spielige Eingriffe« zur Folge. Matthias Batz: »Wir verstehen den Wider­ stand, der sich regt.« So unternehmen die Er­ langer Stadtwerke einen wohl letzten Versuch, das Frankenhofbad so lange offen zu halten, bis ein Ersatzbau beim Freibad West fertig ist. Im Herbst werde ein Gutachter die früheren Ergebnisse seiner Untersuchungen noch einmal überprüfen. Führt auch diese Prüfung zu dem Schluss, dass das Hallenbad im Frankenhof dicht gemacht werden muss, bleibt wohl nur noch die Hoffnung auf einen Neubau. Noch vor der Sommerpause hat der Erlan­ ger Stadtrat beschlossen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Hallenbad mit Sauna­ bereich im Frankenhof so lange zu erhalten, bis ein neues Bad gebaut ist. Wenn der Frankenhof nicht doch noch eine Gnadenfrist bekommt, muss die Großstadt Erlangen möglicherweise Elisabeth Goller jahrelang mit nur einem einzigen Hallenbad (links) und Hildeauskommen. gard Bergheimer (rechts) hoffen Ilona Hörath; Fotos: Mile Cindric auf den Erhalt des Frankenhofs.

Informationstage »Leben mit Demenz in Erlangen«

Möchten Sie mehr darüber wissen? Dann rufen Sie uns an unter 09131 823-4141


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ERLANGER SEItEN

sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Null Toleranz in der Fußgängerzone Im Dauerkonflikt zwischen Radlern und Passanten fühlt sich jeder im Recht

In Erlangen ist das Radfahren in der Fußgängerzone zu bestimmten Zeiten erlaubt. Das passt gerade den älteren nicht, die um ihre Sicherheit fürchten.

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s ist ein leidiges Thema: Fußgänger und Radler kommen sich in der Erlanger Innenstadt häufig in die Quere. Vor allem Älteren jagt das mitunter Angst ein. Ist immer der andere schuld? Unser Autor Herbert Fuehr hat sich in einer nicht zu ernst zu nehmen­ den Typologie in die Befindlichkeiten der Akteure hineinversetzt, mit Unterstützung von Helga Steeger, der Vorsitzenden des Seniorenbeirats. Der Fußgänger oder die Fußgängerin Ich will es mal so sagen: Der Mensch ist von der Natur als Läufer gemacht, also fürs Gemächliche. Da habe ich doch, zumal als Senior, ein natürliches Vorfahrtsrecht (besser gesagt: den Vortritt). Aber das Recht kommt schnell unter die Räder. Da flaniere ich durch die verkehrsberu­ higte Nürnberger Straße, für mich ist das Lebensqualität. Aber was passiert? Kaum mache ich einen Schritt zur Seite, kommt ein Radler daher und fährt mich beinahe um. »Kannst du keine Rücksicht nehmen?«, schreie ich ihm hinterher, aber er reagiert höchstes mit einem Fluch. Die Enkel mag

ich schon gar nicht mehr mitnehmen, für die ist es lebensgefährlich, wenn man sie nicht an der Hand hält. Am schlimmsten sind die jüngeren Pedal­ ritter, die sich mit hohem Tempo im Slalom durch die Passanten schlängeln. Meine Ohren sind nicht mehr die Besten, ich höre sie gar nicht herankommen. Ja, können die denn nicht klingeln? Und schon fährt mir der Schreck in die Glieder, weil hinter mir so ein rasender Radler laut klingelt. »Du sollst nicht klingeln, sondern langsamer fahren«, sage ich noch, aber da ist er schon weit weg. Verkehrsregeln kennen die sowie­ so nicht, nicht einmal die, dass Senioren immer Vorrecht haben. Das muss ich ihnen beibringen, und wenn ich mich ihnen in den Weg stelle. Und dann noch die Älteren mit ihren E­Bikes: Jahrelang nicht mehr auf dem Rad gesessen, weil es ihnen zu anstrengend war, und jetzt auf sportlich machen. Die über­ schätzen sich und sind gemeingefährlich. Das bekommen sie von mir zu hören, wenn sie mir zu nahe kommen. Aber da reagieren sie wie die Jungen: oft unflätig. Aber ehr­ lich, ich weiß, dass ich der Schwächere bin

und sich viele Konflikte vermeiden lassen, wenn der Klügere nachgibt. Also gebe ich nach. Wenn alle so wären wie ich, könnten Radler und Fußgänger gut miteinander auskommen. Der ältere Radfahrer, die ältere Radlerin Ich fahre gerne in die Stadt, in Erlangen ist das so bequem, alles eben, kurze Wege. Gerade für uns Ältere ist das ideal. Es könnte so schön sein, gäbe es die Fußgänger nicht. Vor denen ist man nicht sicher, vor allem dort nicht, wo sie sich mit Radlern Straßen und Wege teilen müssen. Vor allem die Älteren scheinen bloß eine Verkehrsregel zu kennen: Senioren zu Fuß haben Vorrecht, auch gegenüber Gleich­ altrigen, die mit dem Rad unterwegs sind. Da laufen sie kreuz und quer, als wären sie allein unterwegs. Und wenn Enkel dabei sind, können sie die doch an die Hand nehmen. Sie sollen ruhig flanieren, aber sie könnten doch Rücksicht nehmen auf andere, die es eben etwas eiliger haben. Klingle ich nicht, rufen sie einem noch Beschimpfungen hinterher. Klingle ich, muss ich mir böse Kommentare gefallen lassen. Normalerweise


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Veranstaltungen in Erlangen Internettreff für Senior/innen 11.9., 09.10., 13.11.2013, 9:30­11 Uhr VA: Stadt Erlangen Seniorenamt Stadtteilhaus, Röthelheimpark Schenkstraße 111 Info: 09131 923 27 77

bremse ich ja in solchen Situationen und lasse Fußgängern den Vortritt. Und wenn ich es eilig habe und durch die Fußgängerzone fahren muss, bin ich besonders vorsichtig, denn dort herrscht null Toleranz. Wenn sich ein Altersgenosse mir in den Weg stellt, um mir zu zeigen, wer hier Recht hat, dann hat sich der den Falschen ausgesucht. Da erzwinge ich mir die Vorfahrt, denn diese Rechthaberei habe ich so was von satt. Wie gesagt, ich denke mir sonst immer, der Klügere gibt nach. Und wenn alle so ver­ nünftig wie ich wären, könnten Radler und Fußgänger gut miteinander auskommen. Der E-Biker Jahrelang bin ich nicht mehr aufs Rad gestiegen, es war einfach zu mühsam. Aber jetzt gibt es ja die E­Bikes. Herrlich. Wenn ich will, kann ich sogar mit den Jungen mithalten. Mobil und sportlich zu sein, das zählt heute. Gut, mit dem Hören und Sehen, das klappt nicht mehr so gut, aber ich kann doch verlangen, dass die Fußgänger, die Autofahrer und anderen Radler darauf Rücksicht nehmen und es anerkennen, dass ich noch so fit bin. Aber nein, besonders die Altersgenossen reagieren sauer bis aggressiv, wenn ich sie überhole. Wenn sie mich dann beschimpfen, steckt dahinter vielleicht bloß der Neid, sich so ein modernes Rad nicht leisten zu können. Das sage ich dann auch. Aber ansonsten habe ich viel Verständnis für »schwächere« Verkehrsteilnehmer. Lieber bremse ich, als mir ein Vorrecht zu erzwin­ gen. Und wenn alle so vernünftig wären wie ich, gäbe es kein Problem. Der junge Radfahrer Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte – heißt es. Aber wir Jüngeren können uns nicht freuen. Denn auch wenn sich die älteren Fußgänger und Radler gegenseitig beschimpfen, in einem Punkt sind sie sich ei­ nig: Eigentlich sind ja die Heranwachsenden das Hauptübel. Ihnen fehle es an Verkehrs­ erziehung. Kennen die Alten denn selbst die Regeln, außer der, dass sie angeblich Vorrecht haben? Wir haben andere, ebenfalls ungeschriebene: Mehr Spaß, mehr Locker­ heit. Wir sind nicht so verbotsorientiert. Ältere werden gleich stinkig, wenn etwas gegen die Regeln läuft. Aber wenn alle ein bisschen lockerer werden, könnten wir gut miteinander auskommen. Herbert Fuehr Foto: Michael Matejka

Informationstage »Leben mit Demenz in Erlangen« 20. und 21. 9.2013 AG „Leben mit Demenz in Erlangen“ lädt zu Fachvorträgen und Infoständen mit Betreu­ ungsangebote für Menschen mit Demenz, kostenlosen Bustouren zu Erlanger Pflege­ heimen. Nordic Walking ab 20.9.2013, jeweils Freitag, 12­13 Uhr Verein Dreycedern, Sigrid Killisch Info/Anmeldung: 09131 9076800 Internationales Fest 21.09.2013, 13­21 Uhr Stadtmuseum Erlangen, Martin­Luther­Platz 9 25.000 Jahre Migrationsgeschichte in Erlangen Info: 09131 862408 Führung durch das Naturschutzgebiet ehem. Exerzierplatz 25.9.2013, 9:30 Uhr Nach der Führung Mittagessen im Vereinslo­ kal der SpVgg Seniorenanlaufstelle im Treffpunkt Röthelheimpark, Schenkstr. 111 Info/Anmeldung: 01710 5626657 Gedächtnistraining durch mentale Aktivierung Ab 26.9., jeweils Donnerstag, 15­16 Uhr Mit Gedächtnistrainerin Agnes Reicheshöfer Verein Dreycedernhaus, Altstädter Kirchenplatz 6 Info: 09131 9076800 Wasserkunst und Wasserwiesen 28.09.2013, 15­17 Uhr Treffpunkt: Stadtmuseum Erlangen, Martin­ Luther­Platz 9, Erlangen Fahrradexkursion zur Kulturgeschichte des Wiesengrunds Info: 09131 862408 tanzen für Senioren 02.10., 06.11., 04.12.2013, 10­11 Uhr VA: Stadt Erlangen Seniorenamt Stadtteilhaus, Röthelheimpark Schenkstraße 111 Info: 09131 9232777 Schreibende Betrachtung ab 07.10.2013, jeweils Montag, 18:30­20 Uhr Mit Eva Haußner­Stauch Verein Dreycedernhaus, Altstädter Kirchenplatz 6 Info: 09543 40604

Stressbewältigung durch Achtsamkeit ab 10.10.2013, jeweils Donnerstag, 18:30­21 Uhr Mit Gesundheitspädagogin Annemarie Godt Verein Dreycedernhaus, Altstädter Kirchenplatz 6 Info/Anmeldung: 09131 9076800 Fränkischer Nachmittag 13.10.2013, 15:30 Uhr Erlanger Redoutensaal Es wirken Sänger und Musikanten aus unserer Region mit. VA: Gertrude Heldmann, Volksmusikpflege­ rin der Stadt Erlangen, Stadtverband der Er­ langer Kulturvereine e.V., Eintritt 4.50 EUR Info: 09131 990385 Sicherheit im Alter 16.10.2013, 9:30­11 Uhr VA: Polizei Erlangen und Stadt Erlangen Seniorenamt Stadtteilhaus, Röthelheimpark Schenkstraße 111 Info: 09131 5626657 Aktionstage gegen Depression: Aktiv gegen Depression 23.11.2013, 10:30­15:15 VA: Verein Dreycedern Vier Fachvorträge und Infostände Verein Dreycedernhaus, Altstädter Kirchenplatz 6 Info: 09131 9076822 Weihnachtliche Dekoration basteln 27.11.2013, 9:30­11 Uhr VA: Stadt Erlangen Seniorenamt Stadtteilhaus, Röthelheimpark Schenkstraße 111 Info/Anmeldung: 0170 5626657 tanzen für Senioren 02.10., 06.11., 04.12.2013, 10­11 Uhr VA: Stadt Erlangen Seniorenamt Stadtteilhaus, Röthelheimpark Schenkstraße 111 Info/Anmeldung: 0170 5626657 Qi Gong 55+ 17.9. bis 17.12.2013, jeden Dienstag Kurs 1 von 9­10 Uhr Kurs 2 von 10:15­11:15 Uhr Kursgebühr: 20 EUR Stadtteilhaus, Röthelheimpark, Saal, Schenkstraße 111, Erlangen Info/Anmeldung: 09131 9232777 Yoga 55+ 20.09. bis 06.12.2013, jeden Freitag, 10­11:30 Uhr Kursgebühr: 20 EUR Stadtteilhaus, Röthelheimpark, Saal, Schenkstraße 111, Erlangen Info/Anmeldung: 09131 9232777 Senioren singen Jeden Dienstag, 14­16 Uhr Mönauschule, Steigerwaldallee


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sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Blick in Chefetagen und Abgründe Bunte Mischung für den Bücherherbst Dirk Kurbjuweit: »Angst«. Rowohlt Verlag Berlin 2013, 18,95 €

Die Lösung heißt »Mord« Am Anfang steht der Mord. Das Opfer ist »Herr Tiberius«, ein Mann, alleinstehend, Hartz­IV­Empfänger, der im Souterrain eines denkmalgeschützten Hauses lebt. Über ihm, standesgemäß, die wohlsituierten Tiefentha­ lers: der Vater ein gut verdienender Archi­ tekt, die Mutter ausgebildete Medizinerin im Bereich der Gen­Forschung, die Kinder im Vorschulalter, lebhaft, klug und wohler­ zogen. Die von der Familie gewünschten gut nachbarlichen Beziehungen zu ihrem Unter­ mieter werden gestört, alsbald erschüttert, als Herr Tiberius beginnt, obszöne Briefe zu schreiben. Plötzlich bezichtigt er die Eltern, ihre Kinder sexuell zu missbrauchen und teilt diese Vermutung den Behörden mit. Diese sind gezwungen, dem haltlosen Verdacht nachzugehen und lassen sich von den

Rose Tremain: »Der unausweichliche Tag« Suhrkamp-Taschenbuch 4403; Suhrkamp Verlag Berlin 2013 13,95 €

Schönheit, Liebe und Verrat Veronica, Gartenarchitektin, und ihre Freun­ din Kitty, Aquarellmalerin, lieben ihren wun­ derbaren Wohnort in Südfrankreich. Genauer gesagt das kleine Dorf südlich von Anduze im Languedoc­Roussillion. Die beiden Frau­ en, gebürtige Engländerinnen, nicht mehr ganz jung, führen ein friedliches Leben. In London lebt Anthony, Antiquitäten­ händler, der begreift, dass er den Zenit sei­ nes Berufslebens und seiner Jahre langsam überschreitet. So beschließt er, sich in der Nähe seiner Schwester Veronica nieder­

empörten Protesten der Tiefenthalers kaum beeindrucken, die fürchten, Tiberius könne ein Päderast sein und sich womöglich an ihren Kindern vergreifen. Randolph Tiefenthaler, ein gesetzestreu­ er Bürger, verliert nach und nach seinen Glauben an Recht und Rechtstaatlichkeit. Er findet eine Lösung: Mord. Als Täter, der Tiberius erschossen und sich selbst gestellt hat, verhaftet die Polizei aber den 77­jäh­ rigen Herman Tiefenthaler, Vater, Schwie­ gervater und Großvater der Familie. Ihn erwarten wegen Totschlags acht Jahre Haft. »Angst«, der neue Roman von Dirk Kurbjuweit, liest sich wie ein Psychothriller. Der sowohl als Schriftsteller als auch als (»Zeit«­ und »Spiegel«)­ Redakteur vielfach ausgezeichnete Autor zeigt mit Randolph Tiefenthaler einen Mann, dessen Leben eine allgegenwärtige, diffuse Angst bestimmt. Die schwierige Beziehung zu seinem Vater, einem Waffennarr, prägte sein Leben, auch wenn er sich als Erwachsener von der Bindung befreit wähnt. Sein wohlgeordnetes Leben hat seltsame Brüche, seine Ehe ist gefährdet. Obwohl die endgültige Tat vom Ende her aufgerollt wird, bleibt die Span­ nung bis zur letzten Seite bestehen – bis zum fulminanten Schluss. Brigitte Lemberger

zulassen und ein Haus zu kaufen. Damit beginnt, ganz harmlos, eine Geschichte, die sich unmerklich, in freundlicher, fast poeti­ scher Sprache, zu einem Psychothriller ent­ wickelt. Verquickt mit dem Geschehen um die drei Engländer ist die Geschichte von Audrun und Aramon, einem einheimischen Geschwisterpaar, das auf einem ererbten Grundstück lebt – der Bruder im langsam zerfallenden Herrenhaus, die Schwester in einer kleinen Kate. Verrat, Hass und Geschwisterliebe sind die bestimmenden Elemente in dem Buch, das die englische Schriftstellerin Rose Tremain unter dem deutschen Titel »Der unausweichliche Tag« 2011 vorlegte und das jetzt als Taschenbuch erhältlich ist. Klar und deutlich treibt sie die dramatischen Vorgänge voran – doch beim Lesen aller Schrecken meint man stets, die Sonne, die Schönheit der ursprünglichen Landschaft, die Verbundenheit der Men­ schen mit ihrer Heimat in den Cevennen hautnah zu spüren. Brigitte Lemberger

Eva Menasse: »Quasikristalle« Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013 19,99 €

Wer ist diese Frau? Wer ist sie, diese Xane Mole, die Protagonis­ tin in Eva Menasses neuem Roman »Qua­ sikristalle«? Wir sehen sie aus vielfältigen Blickrichtungen in ihrer Rolle als Schülerin, Studentin, Ehefrau, Mutter und Stiefmut­ ter, erfolgreiche Berufstätige, Freundin und Beinahe­Geliebte und erleben sie stets sowohl als dieselbe als auch eine andere. Es ist das Portrait einer Frau in unserer Zeit, das gerade durch seinen prismenartigen Aufbau überzeugend wirkt. In zwölf von ins­ gesamt dreizehn Kapiteln meldet sich eine andere Person zu Wort und kreist um Xane in ihrer jeweiligen Lebensphase. Nur einmal spricht die Hauptperson selbst: Hier ist sie in der Mitte ihres Lebens, verheiratet, »die Windelzeit ist zu Ende«, die halbwüchsigen Kinder machen Probleme, die Ehe ist gut, aber die Leichtigkeit verloren gegangen. Dann melden sich neue Stimmen zu Wort und zeigen wiederum Xane, die rebellische, zaghafte, perfektionistische Wienerin, die in Berlin lebt und hier bestens zurecht kommt mit ihrer Intelligenz, ihrer Schlagfertigkeit und ihrem österreichischen Schmäh. Mit genau diesen Talenten ausgestattet, hat die Autorin Eva Menasse, gebürtige Wienerin, in Berlin lebend, Jahrgang 1970, einen Le­ bensweg gezeichnet, der, wie es zutreffend im Klappentext heißt, »verschlungen ist, schwer berechenbar und nur aus der Ferne als Ganzes erkennbar«. Der Erzählfluss ist mitreißend, und eigentlich enttäuscht das Buch nur einmal: Wenn es zu Ende ist und man so gern erfahren hätte, wie es weiter­ geht mit Xane, der älteren, die noch einmal aufbricht zu neuen Ufern. Für ihr Buch »Quasikristalle« wurde Eva Menasse kürzlich mit dem Heinrich­Böll­ Preis 2013 ausgezeichnet. Brigitte Lemberger


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sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Jürgen Weineck, Michael Weineck: »Aktiv leben! Bewegung ist die beste Medizin« Verlag Weineck 2012, 14 €

Fit ins Jenseits Der ehemalige Sportwissenschaftler Jürgen Weineck der Uni Erlangen­Nürnberg und sein Sohn Michael wollen in ihrem Buch »Aktiv leben! Bewegung ist die beste Medizin« nicht nur den Einzelnen aktivieren, sondern gleich die gesamte »Bewegungsmangelgesellschaft«. In elf Kapiteln wird das Thema, von Krank­ heitsursachen aufgrund von Bewegungsman­ gel über die Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit und die (falsche) Ernährung bis hin zu Übungsbeispielen, ansprechend mit vielen Fotos und Grafiken dargestellt. Die allgemeinen Betrachtungen in den ers­ ten drei Kapiteln leiden allerdings unter pau­

schalen Urteilen, wonach etwa die Häufigkeit der Arztbesuche im statistischen Zusammen­ hang mit sportlichen Aktivitäten stehe oder der Krankenstand bei Sport Treibenden um die Hälfte niedriger läge als bei Nicht­Aktiven. Interessant wird es danach: Dort versuchen die Weinecks in einer verständlichen Sprache jedem Bewegungswilligen möglichst viele und umfassende Informationen zu einem aktiven, sportlich bestimmten Leben zu geben – mit vielen (Foto­) Beispielen. Immer nach dem Motto, dass es den einzig wahren Sport nicht gibt und jede körperliche Aktivität besser ist als keine. Akribisch werden das spezifische Wir­ kungsspektrum und die Vorzüge und Nach­ teile verschiedener Sportarten dargelegt und genau erläutert. Die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, muss aber beim Leser vorhanden sein, denn die Weinecks lassen keinen Zweifel an »ihrer Medizin Bewe­ gung« zu, wenn sie verlangen, dass es zu einer Selbstverständlichkeit für alle werden müsste, sich ein Leben lang fit zu halten, nach dem Motto »Fit ins Jenseits«. Rainer Büschel

Wiedergutmachung ausgeschlossen Ursula Krechel, die Trägerin des Deut­ schen Buchpreises von 2012, geht in ihrem Roman »Landgericht« auf Spurensuche im »Dritten Reich« und vor allem in der »blei­ ernen bundesdeutschen Nachkriegszeit«. Der jüdische Richter Richard Kornitzer wird, obwohl mit Clair, einer Geschäftsfrau und »Arierin« verheiratet, von den Nazis aus Deutschland vertrieben. Das Ehepaar sieht sich gezwungen, seine beiden Kinder mit einem Kindertransport nach England zu schicken. Claire und Kornitzer wollen ihnen folgen, doch dies misslingt. Richard Kornitzer flieht nach Kuba, seine Frau, von den Nazis mit üblen Tricks enteignet, bleibt in Deutschland. 1948 kehrt er zurück und sucht im zerstörten Deutschland nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Sie werden ihm (und seiner Frau) vom bun­ desdeutschen Staat und der Gesellschaft unerbittlich verweigert – bis zu seinem Tod im Jahr 1970. Tragischerweise muss er noch erleben, dass sich die Kinder weigern, nach Deutschland zu kommen, weil sie die emotionale Bindung zu ihren Eltern verloren haben.

Die Erzählung ist nicht erfunden. Ursula Krechel, Jahrgang 1947, hat dieses Schicksal entdeckt – bei ihrer Recherche zu ihrem 2008 erschienen Buch »Shanghai fern von wo«. Der in zahlreichen Rückblenden geschriebene Roman glänzt und überzeugt durch seinen kühl distanzierten Erzählstil. Trotzdem zeichnet er die Figuren enorm liebevoll, ohne ihnen zu nahe zu treten. Fußnotenartige Klammern und Anmerkun­ gen – häufig mit Fragezeichen versehen – hinterfragen die Romanfiguren, ohne sie bloßzustellen, und regen den Leser zum (Mit­)Denken an. Rainer Büschel Ursula Krechel: »Landgericht«. Roman, Verlag Jung und Jung 2012, 480 Seiten, 29,90 €

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Anonyma, »Ganz oben. Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft« Beck’sche Reihe brs 6076, Beck Verlag, München 2013, 14,95 €

Wo die Luft dünn ist »Unter tollen Hechten« wäre auch ein prima Titel gewesen. Die Frau, die anonym über ihre Erfahrungen als Managerin in einem deutschen Großunternehmen berichtet, hat ihr Buch jedoch »Ganz oben« genannt. Die »tollen Hechte« kommen als Kapitel­ überschrift vor, genau genommen sind sie Gegenstand der Betrachtung. Wie es zugeht in den obersten Füh­ rungsetagen der Konzerne, wo Männer weit­ gehend die Geschicke bestimmen und Frau­ en nach wie vor Raritäten sind, beschreibt eine weibliche Spitzenkraft aus eigenem Erleben. Aus vermutlich berechtigter Sorge vor negativen Konsequenzen bleibt ihr Name geheim. Sie beschreibt die Netzwerke, die die Herren seit jeher erfolgreich pflegen und weitgehend frauenfrei halten. Auch ihr Sozialverhalten ist nach wie vor geprägt von Jahrzehnten (Jahrhunderten?) in »splendid isolation«, also in wunderbarer Isolation. Dieser Geist der vermeintlich natürli­ chen männlichen Dominanz durchzieht die Unternehmen und macht auch vor den ab­ hängig Beschäftigten nicht Halt. Selbst die Sekretärin umsorgt in der Regel lieber einen männlichen Chef, und der Chauffeur re­ agiert befremdet, wenn er einer weiblichen Führungskraft zur Verfügung stehen soll. Alles böswillige Attacken einer frustrierten Emanze? Keineswegs. Wer Gelegenheit hat oder hatte, in Großunternehmen diesbezüg­ liche Erfahrungen zu sammeln, kann den Beobachtungen der Autorin nur zustimmen. »Ganz oben« ist ein passendes Buch zur Gegenwart. Ist doch das Hickhack um mehr weibliche Führungskräfte in Vorstandseta­ gen keineswegs vorbei. Nach einer Bundes­ tagsabstimmung im April dieses Jahres hat sich die CDU darauf geeinigt, eine gesetz­ liche Frauenquote ab dem Jahr 2020 ins Wahlprogramm der Partei aufzunehmen. Das nennt man wahrlich einen rasanten Fortschritt! Brigitte Lemberger


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sechs+sechzig · 14. Jahrgang · Ausgabe 3/2013

Antifaltenmittel wächst im Kräutergarten Nürnbergerin Jutta Satorius gibt ihr umfangreiches Wissen an Jung und Alt weiter Jutta Satorius kann es. Und nicht nur das. Die Nürnbergerin erkennt Spitzwegerich und Breitwegerich, Brenn­ oder Taubnessel, Schafgarbe, Ringelblume, Gundermann, Knoblauchsrauke, Johanniskraut oder Wie­ senlabkraut. Vor allem aber weiß sie auch um deren heilsame Wirkung und ebenso, was sich daraus zaubern lässt. In ihrem Garten im Nürnberger Knob­ lauchsland finden sich gut 150 verschie­ dene Kräuter. Von Frühjahr bis Herbst ist Erntezeit – irgendetwas hat immer Saison. Erst die jungen Triebe und Blätter, dann die Pflanzenblüten, während mit dem begin­ nenden Herbst vor allem die Wurzeln wie die des Beinwells ihre Zeit haben. Darauf kommt es bei den Pflanzen vor allem an: auf den richtigen Zeitpunkt der Ernte. Denn mit beginnender Blüte etwa werden Pflan­ zen nicht nur bitterer, sondern verlieren auch an Kraft. Die wird in den »Nachwuchs« investiert. Duftende Limonaden

Für Jutta Satorius ist von Frühjahr bis Herbst Erntezeit, denn in ihrem Garten wachsen 150 verschiedene Kräuter.

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s geht schon wieder los. Kaum tau­ chen im September die ersten Leb­ kuchen in den Geschäften auf, muss man sich mit dem Thema Weih­ nachten auseinandersetzen, obwohl der Sommer noch nicht zu Ende ist. Wer allerdings glaubt, dass dies ein Phänomen des schnelllebigen 21. Jahrhunderts ist, irrt. Zu Großmutters und Urgroßmutters Zeiten fing man meist schon im Juli an, sich auf

die Festtage im Winter vorzubereiten. Die Frauen sammelten Beifuß, der früher an kei­ nem Gänse­ oder Entenbraten fehlen durfte. Die verdauungsfördernden Eigenschaften des Krautes, das fettes Essen bekömmlicher macht, ist nur eine seiner vielen positiven Eigenschaften. Aber wer weiß das heute noch? Die meis­ ten Menschen können Beifuß am Wegesrand kaum mehr einwandfrei identifizieren.

Jutta Satorius ist zertifizierte Kräuterpäd­ agogin. Früher wäre sie das gewesen, was man eine Kräuterfrau nannte. Den Begriff Kräuterhexe mag sie weniger. »Das klingt irgendwie ein bisschen zickig«, findet die 50­Jährige mit den dunklen Haaren. Schon als Kind beschäftigte sie sich mit Kräutern und Pflanzen – in der Natur ebenso wie in der Gärtnerei ihrer Eltern im Nürnberger Stadtteil Kraftshof. Sie lernte »grüne Beru­ fe«: erst Gärtnerin, dann Floristin. Dort, wo die Familie früher den Mähdrescher in der Scheune parkte, betreibt sie heute mit ihrem Mann Leonhard die »Wellness­Scheune«. Hier vermittelt sie Pflanzenwissen und zeigt, was sich daraus alles herstellen lässt – Limonaden, Öle, Tinkturen, Salben. »Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr«, berichtet sie. Denn immer mehr Menschen interessieren sich dafür, wie man gegen kleine Wehwehchen oder gar handfeste Beschwerden mit Mitteln aus der Natur vor­ geht. »Das Ganzheitliche steht dabei wieder im Mittelpunkt.« Über Jahrtausende hinweg wurden Kräu­ terkundige bei Schmerzen und Unwohlsein um Rat gefragt. In Europa war dieses Wissen lange Zeit ein Privileg der Klöster. Hier gab es große Heil­ und Küchenkräutergärten. Die wohl bekannteste Vertreterin der klöster­ lichen Kräuterheilkunde ist Hildegard von Bingen, deren Rezepturen aus dem zwölften Jahrhundert in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebten. Mit ihrer Heiligspre­


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chung im vergangenen Jahr und der damit und frischer Rahm in ein Glas mit Schraub­ verbundenen Popularität erhielt die Nachfra­ verschluss gefüllt, dieses wird kräftig ge­ ge nach pflanzlicher Medizin noch mal einen schüttelt, und übrig bleiben Butterstein und kräftigen Schub. Buttermilch. Der breiten Masse bekannt wurde die Spitzwegerich, Schafgarbe, Saueramp­ Kräuterkunde allerdings erst im 15. Jahrhun­ fer – das sind Pflanzen, die Jungen und dert – mit der Erfindung des Buchdrucks. Mädchen schnell erkennen. Für die Groß­ Vielen Menschen wurde die »Kräuterfibel« eltern ist vor allem auch deren Wirkung fast ebenso wichtig wie die interessant. Sauerampfer Bibel. Doch als im 19. Jahrhun­ Ihr reicht schon ein enthält viel Vitamin C, ist dert die Wissenschaft in die erfrischend, soll die Abwehr­ Mückenstich, um zu Medizin Einzug hielt und nicht kräfte stärken und gegen zuletzt, als mit der Entdeckung zeigen, was Pflanzen Frühjahrsmüdigkeit hel­ können. des Penicillins Anfang des fen. Die Schafgarbe gilt als 20. Jahrhunderts immer mehr blutreinigend und ­stillend, chemische Wirkstoffe den Markt eroberten, zudem krampflösend, weshalb die Pflanze geriet das Pflanzenwissen zunehmend in in der Kräuterheilkunde gern bei Beschwer­ Vergessenheit. den der Verdauung oder bei Frauenleiden eingesetzt wird. Auch Spitzwegerich besitzt Immer mehr Männer kommen vorbei blutreinigende und ­stillende Eigenschaf­ In die Kräuterseminare und zu den Kräuter­ ten, er ist zudem antibakteriell, entzün­ wanderungen von Jutta Satorius kommen dungshemmend und schleimlösend, was vor allem Frauen, aber auch immer mehr ihn zu einem wichtigen Husten­ oder auch Männer – und zwar nicht im Schlepptau Wundheilmittel macht. Und er eigne sich ihrer Ehefrauen, sondern aus freien Stü­ sogar als Antifaltenmittel, sagt die Expertin. cken. An vielen Wanderungen nehmen auch »Wildkräuter enthalten etwa acht bis zehn Großeltern mit ihren Enkeln teil. »Das gibt Mal so viele Vitamine und Mineralstoffe wie ihnen die Möglichkeiten, ihr Wissen an die Kräuter aus dem Gewächshaus.« Kleinen weiterzugeben. Kinder sind da sehr Der Giersch, vielen als Unkraut ein Dorn aufgeschlossen«, weiß die Kräuterpädago­ im Auge, ist besonders gut. Er enthält viel gin. Ihr reicht schon ein Mückenstich, um zu Vitamin A. Früher wurde er in der Volks­ zeigen, was Pflanzen können. »Ich lasse die heilkunde auch eingesetzt, um Gicht und Kinder Spitzwegerich zerreiben und es auf Rheuma zu Leibe zu rücken. Bei Problemen den Stich legen. Wenn sie sehen, wie schnell mit der Haut setzt Jutta Satorius gern auf er verschwunden ist, sind sie beeindruckt.« Leber reinigende Pflanzen wie Löwenzahn, Ein Anliegen sei aber vielen Großeltern Thymian oder Mariendistel; Borretsch gilt auch, Werte zu vermitteln und ein gewis­ als straffend. ses Umweltbewusstsein bei den Enkeln zu Die Funktionen der Pflanzen nutzen auch schaffen. Und natürlich soll auch der Spaß die Hersteller von Naturkosmetik, vor allem nicht zu kurz kommen, jene, die ihre Wurzeln beispielsweise, indem in der Anthroposo­ zum Abschluss ge­ phie haben. Da setzt meinsam Kräutermuf­ man beispielsweise fins, Smoothies oder auf die filigranen und Limonaden hergestellt zugleich kratzigen werden, denn: »Es Eigenschaften des muss nicht immer Tee Ackerschachtelhalms, sein.« der der Haut Fes­ Borretschblüten Für ihre Getränke­ tigkeit und Struktur mischungen verwendet verleihen soll. Satorius gern Mädesüß. »Das riecht nach Doch nicht zu äußerer, sondern auch zu Mandel und Vanille.« Die filigranen Blüten innerer Schönheit sollen Pflanzen verhelfen der Pflanze setzt sie mit einem Drittel Apfel­ können. Zu den »Gedächtnispflanzen« zählt saft an und füllt die Mischung zwei Stunden für Satorius der Gingko. Und vor allem Jiao­ später mit zwei Dritteln Wasser auf. Fertig gulan, was übersetzt »Kraut der Unsterblich­ ist eine Limonade, die auch gegen Kopf­ keit« heißt. Längst hat die südchinesische schmerzen helfen kann. Gut kommt auch Hängepflanze den Weg auch in die Gärten »Butter schütteln« an. Dazu werden Kräuter und auf die Balkons Deutschlands gefun­

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Wildkräutersmoothie in den Händen von Jutta Satorius. den. In der Heimatregion des Jiaogulan, in Guizhou, soll es überdurchschnittlich viele über 100­Jährige geben. Jutta Satorius’ Lieblingspflanze ist aber ein weit verbreitetes, vor allem aber wohl einem jeden bekanntes regionales Kraut: die Brennessel. »Das ist die Pflanze mit den meisten Vitaminen und Mineralien.« Zudem sei sie überaus vielseitig. Je nach Erntezeit kann sie entgiftend und entschlackend wir­ ken oder stärkend und vitalisierend. Und sie ist so wohlschmeckend, dass sie sogar in der Gourmetküche zum Einsatz kommt. »Die weiblichen Samen lassen sich etwa anrösten und in einer Stockrosenblüte servieren.« Anja Kummerow; Fotos: Mile Cindric (2); fotolia

I N F O R M AT I O N Die Wellness-Scheune von Jutta und Leonhard Satorius befindet sich in der Glaserstraße 4, 90427 Nürnberg, Tel. 0911 – 35 06 111. kontakt@wellness-scheune-kraftshof.de Öffnungszeiten: Mo.- Fr. von 10 –12 Uhr und von 13 –19 Uhr


Darf ein Altenheim etwas erben?

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er keine nahen AngehĂśrigen mehr hat oder sich aus persĂśnlichen GrĂźnden Ăźberlegt, sein Erbe nicht der eigenen Familie zu vermachen, muss ei­ niges an rechtlichen Vorschriften beachten. Sonst kĂśnnte es bĂśse Ăœberraschun­ gen geben. Unter Umständen kĂśnnen die testamentarischen VerfĂźgungen sogar teilweise unwirksam werden. Wichtige gesetzliche Regelungen gibt es dabei zu beachten. Das Magazin sechs+sechzig hat bei Gerhard Mey­ er, Rechtsanwalt und Fachanwalt fĂźr Erbrecht, nachgefragt. Zum Kreis der Pflichtteilsberech­ tigten gehĂśren grundsätzlich die Kinder, der Ehepartner und die Eltern des Erblas­ sers, wobei das Pflichtteilsrecht der Eltern und entfernter AbkĂśmmlinge durch näher­ stehende Verwandte ausgeschlossen sein kann (§§ 2303, 2309 BGB). Die Verletzung dieser Rechte kann dazu fĂźhren, dass sich die Bedachten unangenehmer Ăœberraschun­ gen ausgesetzt sehen, nämlich dann wenn Pflichtteilsberechtigte ihren zustehenden Anteil beanspruchen. Ein weiteres zu beachtendes Problemfeld besteht in der Erbschafts­ und Schenkungs­ steuer. Während nahe AngehĂśrige hohe

Freibeträge in Anspruch nehmen kÜnnen, Verbot jedoch nur dann, wenn der Bedach­ mßssen entfernte oder nicht verwandte te zu Lebzeiten des Heimbewohners von Personen mit erheblichen Steuerlasten rech­ ihr wusste, wobei dies auch zutrifft, wenn nen. Derzeit beträgt der Freibetrag fßr den die Mitarbeiter der Einrichtung von dem Ehegatten 500 000 Euro und fßr Kinder Wunsch des Heimbewohners wussten. Oder 400 000 Euro. Schon bei Geschwis­ einfacher ausgedrßckt: Wer seinem Heim tern beträgt der Freibetrag, wie bei etwas vermachen mÜchte, darf dies nicht nicht Verwandten, lediglich 20 000 ankßndigen. Euro. Gewisse Ausnahmen sind aber zugelas­ MÜchte man als Bewohner sen. Nach § 14 Abs. 6 HeimG kann vor Ge­ eines Pflegeheims dieser Einrich­ währung oder Versprechen der Leistungen tung durch eine testamentarische bei der zuständigen AufsichtsbehÜrde (also Regelung etwas hinterlassen, so ist der Stadt, Gemeinde oder dem Landkreis) das Zuwendungsverbot des § 14 unter Umständen eine Ausnahmegenehmi­ HeimG zu beachten, erinnert der gung eingeholt werden, soweit dadurch der Fachanwalt. Danach ist es dem Träger des Schutz des Bewohners nicht gefährdet wird. Heims, seiner Leitung und dessen Ange­ Es soll verhindert werden, dass die Schutz­ hÜrigen, den Beschäftigten und sonstigen und Arglosigkeit mancher Heimbewohner Mitarbeitern untersagt, sich ßber das fßr in finanzieller Hinsicht ausgenutzt wird. die Unterbringung, VerkÜstigung und Pflege Ziele sind ebenso der Schutz des Heimfrie­ der Bewohner vereinbarte Entgelt hinaus dens zur Gewährleistung der Gleichbehand­ Geld oder geldwerte Leistungen verspre­ lung sowie die Sicherung der Testierfreiheit chen oder gewähren zu lassen, soweit es der Bewohner. sich nicht um geringwertige Aufmerksam­ Auf jeden Fall ist es ratsam, einen auf keiten handelt. Eine letztwillige Verfßgung, Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalt auf­ also etwa ein Testament, das sich ßber zusuchen, wenn man plant, die gesetzliche diese Zuwendungsverbote hinwegsetzt, Erbfolge zu umgehen. ist nichtig. Fßr eine einseitige letztwillige, also nicht vertragliche Verfßgung gilt das Anz66_rauchfrei_4c 15.07.2013 12:54 Uhr Seite 1

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GROSSE HILFEN

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Der Trend geht zum Zweitrollator Innerhalb weniger Jahre hat sich das Hilfsmittel zum Lifestyle-Produkt gewandelt zurecht kam, hat sie es nun noch bequemer. Fröhliche Farben sind inzwischen eher die Regel als die Ausnahme, bestätigt Thomas König, Geschäfts­ führer von Reha und Care, einem großen Händler für Produkte wie den Rollator. Er schwärmt von einer Aus­ führung mit einem weißen Rahmen. Wie bei Autos sei diese helle Farbe auch hier gerade modern. Doch dieses Modell werde nur noch eine begrenzte Zeit angeboten, dann folgt die nächste Kol­ lektion. Der Wettbewerbsdruck in der Branche nimmt zu. Inzwischen drängen immer mehr Hersteller auf den Markt. Der Produzent des Gemino 30, von dem König so begeistert ist, gehört dazu. Aber auch die Produkte der amerikanischen Firma Drive medical wie den Nitro L Sind mit ihren Rollatoren sehr zufrieden: Christine Kinzel, findet der Geschäftsmann Walter Böck und Inge Hammer (v.l.n.r.) spitze. Daher hat es Marktfüh­ r hat eine unbeschreibliche Karriere rer Topro nicht mehr so leicht wie in den hingelegt und ist heute aus dem Anfangsjahren. Sein Modell Troja wird Straßenbild nicht mehr wegzuden­ zwar immer noch stark nachgefragt, aber ken: der Rollator, das Symbol für trotzdem sucht das Unternehmen nach eine mobile, alternde Gesellschaft. neuen Vermarktungs­Ansätzen. So ging der Branchen­Insider schätzen, dass derzeit norwegische Hersteller Topro etwa zwei Millionen Gehwägelchen jetzt eine Kooperation mit in Deutschland in Gebrauch sind. dem Fußballverein Borussia Viele ältere Menschen nutzen die Dortmund ein und bietet praktische Hilfe inzwischen inner­ einen Rollator für die Fans halb der Wohnung wie auch außer Haus. in schwarz­gelb mit dem Etwa 30 Prozent besitzen zwei oder mehr Logo des Fußballclubs an. Rollatoren. Die Idee für das Konzept Inge Hammer gehört zu ihnen. Die rüs­ mit dem Titel »Fan­Reha« tige Seniorin wohnt im Seepark Mögel­ hatten Jörg Aravantinos dorf, einer Nürnberger Einrichtung und Stefan Pöschel, der für betreutes Wohnen. In der eine erfahrener Reha­ Tiefgarage steht ihr Auto, und Techniker, der andere dort hat sie dauerhaft einen Rol­ Marketingfachmann und lator im Kofferraum geparkt. Seit beide zusammen begeisterte kurzem verfügt sie über ein zweites Fußballfans. 399 Euro kostet Modell – in Pink. Warum die ungewöhnliche das Sondermodell, und mit dessen Farbe? »Der stand im Ausstellungsraum und Entwicklung soll noch lange nicht Schluss hat mir gefallen«, antwortet die 79­Jährige. sein. Auch Kissen für Rollstühle und anderes Sie hatte sich einen Zweit­Rollator zugelegt, Zubehör könnten künftig im Fan­Shop weil ihr erster (in klassischem Silber) ein landen. Bisher ist Borussia Dortmund der bisschen niedrig ist. Obwohl sie damit gut einzige Fußball­Club, der so einen Rollator

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anbietet, sagt Juliane Papendorf, Pressespre­ cherin von Topro in Deutschland. Aber sie schließt nicht aus, dass andere Vereine wie der 1. FC Nürnberg nachziehen werden. Das Geschäft mit der rollenden Gehhilfe boomt. Bei ihrer Einführung 1990 wurden gerade einmal 15 000 Stück verkauft in Deutschland, 2005 waren es bereits 650 000 und fünf Jahre später stieg die Zahl auf 1,2 Millionen. Laufen, nicht schieben Walter Böck, der ebenfalls im Seepark Mögeldorf eine Wohnung hat, besitzt einen Topro Troja. Seit mehr als einem Jahr greift er zu der praktische Stütze. Der 90­jähri­ ge geht damit einkaufen und packt seine Waren in den Beutel, der am Gehwagen befestigt ist. Selbst im Winter traut er sich damit auf die Straße. Bordsteinkanten und andere Hindernisse weiß er geschickt zu nehmen. Er hebt das Gefährt einfach hoch. Christine Kinzel, einer seiner Nachbarinnen, ist klar, dass man eigentlich die Pedale be­ nützen müsste, wenn man den Rollator über eine Erhöhung bugsiert. Doch sie beobach­ tet immer wieder Senioren, die ihre mobile Gehhilfe gar nicht fachgerecht handhaben. Das geht auch Inge Hammer aus dem Seepark so. »Manche nehmen ihn wie einen Kinderwagen«, hat sie beobachtet. Dabei soll man mit dem Rollator gehen und ihn nicht schieben. Inzwischen entwickelt sich der Rollator immer mehr zu einem Prestigeobjekt. Das bestätigt auch Thomas König vom Fachge­ schäft. Dennoch greifen die meisten seiner Kunden nach wie vor zu den gedeckten, unauffälligen Farben und legen Wert auf eine leichte Handhabung. Nur 6,3 Kilo­ gramm bringt mancher Indoor­Rollator auf die Waage. Die komfortablen Rollatoren werden angesichts der Bevölkerungsentwicklung sicher weiterhin steigende Absatzzahlen verzeichnen, heißt es in der Branche. Man schätzt, dass bis zum Jahr 2022 etwa sechs Millionen Stück in Deutschland im Einsatz sein werden. Petra Nossek-Bock Foto: Michael Matejka /PR Einen Film zum Thema und Blogbeiträge finden Sie im Internet unter www.magazin66.de


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Willkommen im Land der 7185 Teiche Mit Konrad Knöchlein auf dem Karpfenwanderweg um Uehlfeld herum

Konrad Knöchlein ist der einzige »zertifizierte ländliche Gästeführer« und kennt sich bestens aus im Aischgrund.

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er Karpfenrundweg liegt sozusa­ gen vor seiner Haustür. Trotzdem ist Konrad Knöchlein ihn lange nicht mehr nicht gegangen. Dabei ist der 72­jährige gelernte Landwirt aus Voggendorf nahe Uehlfeld im Kreis Neustadt/Aisch­Bad Windsheim fit. Der Reiz des Aischgrundes mit seinen 7185 Teichen steht sowieso außer Frage. Konrad Knöchlein weiß das am besten. Schließlich ist er der einzige »Ländliche Gästeführer« im weiten Umkreis. »Weil ich überwiegend mit Senioren unterwegs bin, sind meine Führungen meist verbunden mit Busfahrten, einige auch zu weiter entfernten Zielen in Mittelfranken«, erklärt er. Offen fügt Konrad Knöchlein, der bis zum Ausscheiden aus dem gehobenen öffentlichen Dienst ein Vierteljahrhundert im Landwirtschaftsamt Forchheim gearbeitet hat, hinzu: »Gewan­ dert wird dabei weniger.« Es war Theodor Heuss, der sagte: »Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kom­ men, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein.« Im Aischtal ist Letzteres ein wahres Vergnügen. Da gibt es kaum Steigungen, die Wanderern den Schweiß auf die Stirn trei­ ben. Die Wege sind breit, selbst für Fahrrad und Kinderwagen geeignet, und führen über weite Strecken durch schattigen Wald – was an heißen, sonnigen Tage natürlich ideal ist. Das fast 1000­jährige Uehlfeld im Aischtal ist der Ausgangspunkt unseres Wandertipps. Mit Konrad Knöchlein an der Spitze geht

es los. Rund 14 Kilometer liegen vor uns. Zwar könnten wir auch 28 Kilometer laufen, wir bevorzugen aber die Kurzvariante des Karpfenrundwegs. Wer möchte, kann die Strecke noch einmal um etwa drei Kilometer verkürzen. Die Markierung ist fast immer bestens – sie besteht aus einem signierten Karpfen, was sonst. Vorbild: Dresdner Elbbrücke Zunächst geht es Richtung Kirche. Nur einen Steinwurf entfernt liegt das »Untere Torhaus« am östlichen Ortsausgang. In dem 1787 errichteten Fachwerkbau, der erst kürzlich prächtig saniert wurde, lebten noch bis vor 50 Jahren bis zu 30 Menschen auf engstem Raum. Auch die Kirche selbst ist sehenswert, die Grundmauern des massigen Turms von St. Jakobus stammen aus der Zeit um 1400. Nach Verlassen des Friedhofs halten wir uns rechts, laufen am »Blüten­ brunnen« vorbei, überqueren die Straße und biegen vor der Schule links in einen schmalen Weg ein. Beim »Blauen Wunder«, einer Fußgängerbrücke, für die tatsächlich Dresdens weltbekannte Brücke über die Elbe als Vorbild hergehalten hat, überqueren wir die Straße. Nach dem »Blauen Wunder« halten wir uns links. Als Nächstes kommen wir zum Rathaus. Im Untergeschoss des Gebäudes können Modelleisenbahnanlagen bewundert werden mit beispielsweise über 150 Loko­ motiven. Eine nostalgische Miniatur­Parkei­

Störche finden im Aischgrund reichlich Nahrung für ihre Jungen. senbahn schnauft draußen durchs Gelände. Außerdem kann man im Rathaus auf einem Bildschirm Live­Bilder aus einem Storchen­ horst beobachten. Die meisten Störche im Landkreis Neustadt/Aisch­Bad Windsheim sind laut einer Studie in der Gemeinde Uehlfeld zu finden, eines der Nester thront auf dem Schlot der alten Molkerei. Hinterm Rathaus führt der Weg an einem Trinkwasserbrunnen vorbei. Jetzt gibt die grün­weiße Markierung »Karpfen« die Marschroute vor. Bald bleibt Uehlfeld zu­ rück und man nähert sich dem Kressengra­ ben. Nun gibt es lange Zeit nur noch Natur pur und Stille. Und Karpfenweiher natür­ lich, sogar im Wald. Wo er sich schließlich lichtet, treffen wir auf den Egelsbach nebst langer Weiherkette. An dieser Stelle besteht die Möglichkeit abzukürzen, denn gerade­ aus geht es direkt nach Tragelhöchstädt,

Konrad Knöchlein ist häufig mit Senioren unterwegs.


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Im Karpfenteich in der Nähe von Egelsbach wachsen die Fische bis zur nächsten Saison heran. einem Ortsteil von Uehlfeld. Reizvoller ist es, nach rechts entlang der Karpfenteiche zu gehen. Gleich am Anfang steht ein sieben Meter hoher Aussichtsturm. An der nächsten Weggabelung halten wir uns links – eine Markierung mit Lindenblatt weist nun den Weg. Wir spazieren an insge­ samt fünf Teichen vorbei, vor dem sechsten biegen wir ab. Scharf links, wieder der Markierung mit dem Karpfen folgend, die uns von nun an bis Uehlfeld begleitet. Bis dorthin ist es aber noch ein ganzes Stück. Über Flur­ und, seltener, Asphaltstraßen sowie Wanderwege gelangen wir bis zum Kapellberg. Vor uns im Tal liegt Schornwei­ sach. 1867 wanderten von hier auf einen Schlag 200 Einwohner nach Amerika aus. Der Weisachsee wurde zwischen 1980 und 1982 angelegt, eigens zur Förderung des Tourismus. ältestes Gasthaus im Aischgrund Der Weg geht weiter geradeaus, als Orien­ tierung dient die Kirche. Unten im Ort fällt sofort ein schönes Fachwerkgebäude auf. Es beherbergt das überregional bekannte »Wirts­ haus am Dorfbrunnen«, das Köstlichkeiten wie Steigerwälder Schwarzerle offeriert. Wir biegen nach rechts in die Straße ein, sie führt am »Gasthaus zur Krone« vorbei. Vor der Weisach biegen wir links ab. Kurz vor dem Ortsausgang laufen wir nach rechts Richtung Rauschenberg, überqueren die Brücke und gehen dann links wie ausgewiesen an der

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Im Sommer bietet der Wald Schutz vor hohen temperaturen.

Weisach entlang bis Tragelhöchstädt. Sehens­ wert in diesem verträumten Örtchen mit 80 Einwohnern ist die historische Sandstein­ brücke. Danach dauert es nicht mehr lange, dann taucht schon die Spitze des Kirchturms von Uehlfeld wieder auf. Für den Schlusspunkt der Wanderung hat Konrad Knöchlein noch einen Tipp parat: »Brauerei und Gasthof Zwanzger in der Burghaslacher Straße 10 ist die ältes­

te Braustätte im Aischgrund.» Seit 1639 werde dort Bier gebraut. »Auch der Karpfen schmeckt beim Zwanzger«, versichert der Gästeführer. Und fügt als Kenner schnell hinzu: »In der Braugaststätte Prechtel in der Hauptstraße 24, die seit über 100 Jahren in Familienbesitz ist, ist der echte Aischgrün­ der genauso gut!« Text: Ute Fürböter; Fotos: Mile Cindric

I N F O R M AT I O N Wanderungen mit Konrad Knöchlein bucht man am besten direkt unter der Telefonnummer 09163 / 80 86; pro Wanderstunde berechnet er pauschal 15 Euro; der erfahrene Führer kann viel über die Region erzählen und würzt seine Berichte mit Geschichten aus der Gegend. Daneben hat er auch jede Menge Tipps parat. Zum Beispiel, wo demnächst ein Fischerfest stattfindet. Weitere zertifizierte Ländliche Gästeführer in anderen Regionen sind im Internet zu finden unter www.laendliche-gaestefuehrer.de sowie www.laendliche-gaestefuehrer-franken.de Anfahrt nach Uehlfeld: Vom 1. Mai bis 1. November mit dem zwischen Neustadt und Höchstadt/Aisch pendelnden Aischgründer Bierexpress, dem Regionalbus 127, Fahrplan siehe www.vgn.de/freizeitlinien/aischgruender_

bier_express/ Mit dem Auto: A 3 in Richtung Würzburg, an der Abfahrt Höchstadt-Ost auf die B 470. Nach 14 km erreicht man Uehlfeld. Die Traditionsbraugasthöfe Zwanzger und Prechtel in Uehlfeld haben montags geschlossen. Die Modelleisenbahnanlage im Uehlfelder Rathaus ist im Freigelände in der Rosenhofstraße zumindest an Sonn- und Feiertagen zwischen Mai und Oktober in der Zeit zwischen 13 und 19 Uhr zu bewundern. Allerdings nur bei schönem Wetter, Info: 0177 46 62 224 oder im Internet unter www.eisenbahnwelt-aischgrund.de Das Wirtshaus am Dorfbrunnen in Schornweisach ist geöffnet Do-So, www.wirtshaus-am-dorfbrunnen.de


Depp im Web@

Katholisch surfen

ServiceZentrum Nürnberg Beratung und Information ■ für ■ zur

Menschen mit Behinderung Pflege in stationären Einrichtungen

Der Bezirk Mittelfranken ist Träger der überörtlichen Sozialhilfe und steht Menschen mit Behinderung und pflegebedürftigen Menschen sowie deren Angehörigen oder Betreuern mit Beratung und finanzieller Unterstützung zur Seite.

Der Bezirk Mittelfranken berät Sie zu Hilfen ■ bei

der Unterbringung in Werkstätten, Förderstätten, Wohnheimen ■ bei der Unterbringung von psychisch Kranken und suchtkranken Menschen in Langzeiteinrichtungen ■ bei der heilpädagogischen Förderung von Kindern ■ bei der Schulausbildung von Kindern mit Behinderung ■ bei tagesstrukturierenden Maßnahmen ■ beim Besuch von Tagesstätten durch Kinder, Jugendliche mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung ■ beim Besuch von Tagesstätten durch Erwachsene mit einer psychischen Erkrankung ■ bei der Unterbringung in integrativen Kindergärten ■ die ambulant durchgeführt werden, wie: Frühförderung, ambulante Wohnformen, Behindertenfahrdienste und weitere Hilfsmittel ■ bei der stationären Aufnahme in Alten- oder Pflegeheimen

Der Bezirk Mittelfranken bietet Ihnen über die Versorgungsstruktur im Großraum Nürnberg ■ Informationen über sozialhilferechtliche Grundsätze ■ Unterstützung beim Ausfüllen des Sozialhilfeantrages ■ Formblätter und Infomaterial über Einrichtungen in Mittelfranken ■ Informationen über Leistungen anderer Träger und Versorgungsmöglichkeiten nach Beendigung unserer Hilfen ■ Informationen

Kontakt ServiceZentrum Nürnberg (SZN) Wallensteinstraße 61–63 · 90431 Nürnberg Telefon 0911 6006698-0 Telefax 0911 6006698-99 SZN@bezirk-mittelfranken.de Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 8.30 bis 17.00 Uhr Donnerstag 9.30 bis 18.00 Uhr Freitag 8.00 bis 13.30 Uhr Mit der U3 bzw. der Buslinie 68 jeweils bis zur Endhaltestelle „Gustav-Adolf-Straße“.

www.bezirk-mittelfranken.de

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ie Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an die Gegenreformation. Ich nicht mehr. Aber als sie mit Aids die sexuelle Revolution niedergemacht haben, das ist mir noch gegenwärtig. Vielleicht bin ich deswegen gelassener, wenn die Spaßbremsen, die reaktionären, nun via Prism versuchen, dem digitalen Spuk ein Ende zu setzen. Aufgrund meiner Altersvorsicht treibe ich es im Netz nämlich mit Kondom. Zum Beispiel registriere ich neue Computer oder Software meistens mit Phantasienamen. Mein richtiges Alter gebe ich, als Dame von Welt, sowieso nie an. Bei persönlichen Daten vertippe ich mich gern. Zudem habe ich etliche Meta­ deppen oder Alter­Egos erfunden, die ich für alle möglichen Netzaktivitäten einspanne. Mein heimischer PC ist beispielsweise auf den Innenminis­ ter zugelassen. Bei Google bin ich als Thomas Müller, auf Schmuddelseiten hingegen als mein berühmter Namensvetter unterwegs. Da werden die bei der NSA ganz schön ins Grübeln kommen, wieso Thomas Müller so schlecht über die Bayern redet und es Johnny Depp nötig hat, sich Pornos runterzuladen. Unter meinem richtigen Namen klicke ich hin und wieder, allerdings auf einem anderen Browser und ohne IP­Verschleie­ rung. Wenn jemand überhaupt keine Spuren hinterlässt, macht er sich schließlich verdächtig. Da greife ich dann zum eigentlich nur noch dafür tauglichen Internet Explorer und bestelle mir Gratisexemplare der heiligen Schrift oder des Grundgeset­ zes der Bundesrepublik Deutschland. Oder ich abonniere die Videobotschaften der Kanzlerin. Dass ich dann bei Google oder YouTube nur Langweilerseiten empfohlen bekomme, damit kann ich leben. Ich nenne das gerne: katholisches Surfen. In Wirklichkeit bin ich sauber und fromm. Und wenn nicht, dann war das der Mister Hyde oder der alte Adam. Dass ich nicht der einzige bin, der ein solches Doppelleben führt, hat übrigens neulich die Volkszählung ergeben. Allein in Nürnberg fehlten da plötzlich 20.000 Einwohner. Ein paar davon bin ich. Peter Viebig


DAS WAR SCHICK

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Die Badekappe mit Kinnband Sie waren in den 60-er und 70-er Jahren der letzte Schrei, heute liegen sie unbeachtet in Schränken, Schüben, Kellern oder auf Dachböden: Dinge, die einmal richtig »schick« waren. Über Manches kann man sich heute nur wundern. Kein Mensch mehr würde so eine Mode mitmachen. Oder doch? Sie stieg als »Badende Venus« in die Fluten, als »Neptuns Tochter« wollte sie gar nicht mehr aus dem Wasser. Esther Williams, der schwimmende Hollywood­Star der 40­er und 50­er Jahre, brachte die Badekappe mit dem Kinnband zu Leinwandwandeh­ ren. Als Jugendliche hatte die Kalifornierin mehrere Schwimmwettkämpfe gewon­ nen, sie qualifizierte sich 1940 sogar für die Olympischen Spiele, doch wegen des Zweiten Weltkrieges fielen die Wettbewerbe aus. Später dann lebte sie ihre Leidenschaft und Begabung im Film aus und setzte mit ihrer Ausrüstung Trends. Als Badenixe mit der schicken Badekappe wurde sie weltbe­

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rühmt. Williams, die vergangenen Juni im Alter von 91 Jahren gestorben ist, war für viele Zeitgenossen ohne die markante wei­ ße Schwimmhaube undenkbar. Im 1949 er­ schienen Streifen »Neptuns Tochter« trägt sie die Mütze mit dem geschlossenen Gurt sogar bei der Siegerehrung. Dabei hatte der Kinngurt lediglich die Funktion, die Kappe während des Wettkampfs straff auf dem (hübschen) Kopf zu halten. Doch er wurde später sogar zum Markenzeichen einer was­ serbegeisterten Urlaubsgeneration der 60­er und 70­er Jahre. Bademützen mit Band und Druckknopf an der Seite waren der Hit. Auch, weil in den Hallen­ und Freibädern zu dieser Zeit noch Badekappenzwang herrschte. Eine Vorschrift, die zur Freude der Kinder, nach technischen Neuerungen in den Freizeiteinrichtungen gottlob entfiel. Inzwischen ist das Kinnband Geschichte, moderne Kunststoffkappen garantieren selbst Hochleistungschwimmern einen sicheren Sitz – auch ohne Spezialverschluss à la Esther Williams.

Szene aus der Fernsehserie »Flipper«.

14.08.13 07:37


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Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht Miet- und Wohnungseigentumsrecht

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Patientenverfügung – selbstbestimmt leben, bis zuletzt

Rechtliche, theologisch-ethische und medizinische Aspekte

BirgiT SchelTer-Kölpien Fachanwältin für Familienrecht

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