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APRIL | AUSGABE 10/2019 | Deutschland € 2,80

UMBAU21

EMSCHER-LIPPE

I N N O VAT I O N E N F Ü R D I E E M S C H E R- L I P P E - R E G I O N

WAS DIE REGION BEWEGT:

MOBILITÄT FÜR MORGEN BOTTROP | CASTROP-RAUXEL | DATTELN | DORSTEN | GELSENKIRCHEN | GLADBECK | HALTERN AM SEE | HERTEN | MARL | OER-ERKENSCHWICK | RECKLINGHAUSEN | WALTROP

MOBILITÄT NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst im Interview

RADVERKEHR Neue Konzepte für Pendler und Touristen

SMART NETWORKS

CARSHARING

Erfolgreicher Auftakt beim „Digital Dinner“

Überblick für Emscher-Lippe


Liebe Leserinnen und liebe Leser,

W L A N

enn es ein Thema gibt, das alle bewegt, dann ist es wohl dieses: unsere Mobilität. Sie steht für Freiheit, für Individualität, für Vernetzung und Austausch, ist persönliche Chance und öffentliche Aufgabe, Leitsektor der Wirtschaft und Lebenslinie zwischen Stadt und Land. Sie verbindet – und ja: sie polarisiert, spaltet vielleicht manchmal unsere Gesellschaft in Fans einer kraftstrotzenden PS-Kultur und Freunde einer neuen, sanften Mobilität. autstarker Protest der Schülerinnen und Schüler, die an den „Fridays for Future“ für Klimaschutz demonstrieren, ist nur ein Indiz dafür, dass unsere Ansprüche an die Mobilität von Morgen einem tiefgreifenden Wandel unterliegen. Klar ist: In einer hochgradig vernetzten Wirtschaft wird der Verkehr künftig wohl noch zunehmen, obwohl er schon heute von vielen Menschen als Belastung empfunden wird.

ll das hat viel mit der Erwartung zu tun, dass in der digitalen Gesellschaft keine Information, kein Produkt mehr als einen Klick entfernt ist und jede Ware binnen weniger Stunden verfügbar sein muss. Noch ist unsere Infra­ struktur dafür nicht ausgelegt: Im Netz fehlt allzuoft die Bandbreite, damit Daten in Gigabit-Geschwindigkeit fließen können, und im Verkehr bleiben Pendler und Transporter allzu häufig frustriert und verspätet zurück. Beides kostet Zeit, Geld und Nerven. atürlich haben die wesentlichen Akteure auf der Ebene von Kommunen, Land und Bund längst erkannt, dass in Breitband- und Verkehrsnetze mehr investiert werden muss als in den vergangenen Jahrzehnten. Auch die EmscherLippe-Region profitiert zurzeit massiv von millionenschweren Programmen zum Ausbau der Infrastruktur. Aber das alleine wird nicht reichen: Gefragt sind Ideen, wie Mobilität neu gedacht und besser organisiert werden kann. Der Schlüssel zum Erfolg wird sehr häufig in einer smarten Verknüpfung von Mobilität und Digitalisierung liegen. Unsere Region hat sich dafür auf den Weg gemacht – davon zeugen beispielhaft die innovativen Ansätze im Schwerpunkt dieses Magazins. Viel Spaß beim Lesen!

Joachim Beyer Geschäftsführer WiN Emscher-Lippe GmbH

Bernd Groß Geschäftsführer WiN Emscher-Lippe GmbH

Zum Titelbild: Schnell mit dem Rad: Hendrik Wüst, Minister für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, setzt auch auf alternative Mobilität. Im Interview spricht der Minister über die Infrastruktur wie das Straßen- und Schienennetz im nördlichen Ruhrgebiet, den öffentlichen Nahverkehr und die Herausforderungen und Chancen für die Region.

Inhalt

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10 SMART REGION 10 Digital Dinner: Die Zukunft ist digital 12 Digitales Labor für Kreative 13 Neuer WiN-Geschäftsführer: Joachim Beyer im Interview

14 SCHWERPUNKT MOBILITÄT 14 Emscher Lippe macht mobil 16 Verkehrsminister Hendrik Wüst zur Zukunft der Mobilität

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18 E-Mobilität: Fördermöglichkeiten 20 Fahrverbote - alles vom Tisch? 22 Radverkehr - nicht nur für die Freizeit 24 Mit dem JobRad zur Arbeit 26 Systemwechsel im Nahverkehr 27 Tickets für Azubis 28 Carsharing

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30 WOHNEN 30 Neue Reihenhäuser und Quartiere 31 Wohnen mit Wahrzeichen 32 MEINUNG 33 Cartoon: Emscha & Lippi 34 AUSBLICK 34 Aus der Region – für die Nation 34 Impressum

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NEWS

MIT DEM LASTENRAD ZUM KUNDEN Seit einem Jahr gehört ein Lastenrad zum Fuhrpark der Tischlerei Schenker in HERTEN. Ökologische und ökonomische Gründe hatten zum Kauf geführt. Inhaber Thomas Schenker ist zufrieden: „Man spart sich die Suche nach einem Parkplatz und im Nahstreckenbereich brauche ich mit dem Rad auch nicht mehr Zeit, um zum Kunden zu kommen“. 140 Kilogramm Nutzlast (ohne Fahrer) kann das E-Bike transportieren. Die Fahreigenschaften seien sehr gut: Kurven fährt das Rad dank einer speziellen Neigetechnik mit, durch die elek­trische Unterstützung kommen die Fahrer auch voll beladen nicht ins Schwitzen. 6.000 Euro hat das Lastenrad gekostet. Dafür hat Schenker ein hochwertiges Rad bekommen – und einen guten Werbeeffekt, denn das hellgrüne Rad fällt auf. www.tischlerei-schenker.de

5.000 REISEMOBIL-ÜBERNACHTUNGEN PRO JAHR MACHEN DEN WOHNMOBILPARK HALTERN AM SEE ZUM BEDEUTENDEN WIRTSCHAFTSFAKTOR FÜR DIE STADT.

ELEKTRISCH IN DIE FERIEN Elektro- und Hybridfahrzeuge sowie E-Bikes gibt es bei der Camping-, Caravan- & Automobil-Ausstellung in HALTERN AM SEE. 04. und 5. Mai, 10 bis 18 Uhr, Kardinal-Graf-von-GalenPark, Dr.-Conradsstr. 1. www.cca-haltern.de

BÜRGER-ID SICHER & SMART Die Einwohner der Stadt GELSENKIRCHEN sollen in naher Zukunft ihr Smartphone wie einen Personalausweis im Kontakt mit ihrer Stadt nutzen können. Möglich wird das durch das digitale Modellprojekt Smartphone-Bürger-ID, das jetzt gestartet ist. Das Vorhaben ist ein Kooperationsprojekt der Stadt, der Westfälischen Hochschule (WH), der Gelsenkirchener Firma XignSys GmbH und der Stadt Aachen. Die Partner entwickeln eine modellhafte Authentifizierungsmöglichkeit via Smartphone, um sie im Bereich E-Government einzusetzen. „Mit der Smartphone Bürger-ID werden wir eines der größten Risiken im Internet, die Nutzung von Passwörtern, reduzieren und mit Hilfe einer Multi-Faktor Authentifikation und digitaler Signatur einen neuen Level von Vertrauenswürdigkeit erreichen“, erklärt Prof. Dr. Norbert Pohlmann, Leiter des Instituts für Internet-Sicherheit der WHS. Das Projekt wird vom Land mit rund 3,8 Millionen Euro gefördert.  www.gelsenkirchen.de

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Fotos: Stadt Haltern am See, Stadt Gelsenkirchen, Markus Mucha, siemens.com/press

BARRIEREFREIER AUSBAU DES BAHNHOFS HALTERN AM SEE

CASTROP-RAUXELS BAHNHOF WIRD FIT FÜR DEN RRX Die Deutsche Bahn macht den Bahnhof CASTROP-RAUXEL fit für den Rhein-Ruhr-Express (RRX). Damit die langen RRXZüge zukünftig an der Station halten können, sind umfangreiche Modernisierungsarbeiten notwendig. Die Bahnsteige 1 und 2 werden um rund 35 Meter verlängert. Damit die Fahrgäste bald barrierefrei einsteigen können, werden die Bahnsteige auch erhöht. Ein neuer Blindenleitstreifen soll Sehbehinderten die Orientierung erleichtern. Beleuchtung und Beschallung an den Bahnsteigen werden ebenfalls erneuert. Die Arbeiten sollen im Sommer abgeschlossen werden. Oft wird auch nachts gearbeitet, damit der Zeitplan eingehalten wird. www.rrx.com

Bis Ende 2020 soll der Bahnhof in HALTERN AM SEE barrierefrei ausgebaut und modernisiert werden. Geplant ist ein Neubau der Unterführung. Für die Bauzeit der neuen Personenunterführung wird eine provisorische Fußgängerbrücke über die Gleisanlagen als Zugang zum Bahnsteig errichtet, teilt die Deutsche Bahn mit. Im Zuge der Modernisierungsmaßnahmen entsteht auch ein neuer P&R-Parkplatz. Geplant sind über 350 Stellplätze. Mit drei neue Aufzügen wird der Zugang zu den Parkplätzen behin­ dertengerecht. Bereits im Sommer soll der erste Teil des Parkplatzes fertig sein - und Ende des Jahres kann dann auch der nördliche Zugang zur Unterführung wieder freigegeben werden. Der Mittelbahnsteig erhält neue Bodenbeläge inklusive eines taktilen Leitsystems für Sehbehinderte und wird auf 76 Zentimeter erhöht. Zudem gibt es eine neue Bahnsteig­ausstattung, darunter Wetterschutz, Sitzmöglichkeiten, Vitrinen und Ab­ fallbehälter. Der Bahnhof erhält auch ein neues Wegeleitsystem im Eingangsbereich und am Mittelbahnsteig. Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel (s. Foto) freut sich, dass der Bahnhof zeitgemäß renoviert wird. www.deutschebahn.com

Wirtschaftsförderung – Wir sind Ihre Dienstleister. Sie möchten den Bekanntheitsgrad Ihres Unternehmens in der öffentlichen Wahrnehmung erhöhen?

©Foto: Thomas Gödtner

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Kontakt: UMBAU21 Aktuelle Infos unter: www.emscher-lippe.de Referat 15 – |Wirtschaftsförderung | Wissenschaftspark | Munscheidstraße 14 | 45886 Gelsenkirchen Telefon: 0209 169-4092 | E-Mail: wirtschaftsfoerderung@gelsenkirchen.de

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NEWS

„KANTINE STATT MENSA“

KOMMUNEN LASSEN DIE SONNE REIN Die Energie der Sonne Strahl für Strahl zu nutzen, das ist das Ziel der Solarmetropole Ruhr. Die Städte DORSTEN, HERTEN, HALTERN AM SEE und RECKLINGHAUSEN sowie BOTTROP beteiligten sich als Modellkommunen. Die Stadt Bottrop und das Klimaschutz­ projekt Innovation City haben jetzt zusammen ein neues Förderprogramm aufgelegt. Das Ziel: der Ausbau der Photovoltaik (PV) im ganzen Stadtgebiet. Bis zu 1.200 Euro Zuschuss gibt es für Immobilienbesitzer, die sich eine Solaranlage aufs Dach setzen. 1350 PhotovoltaikAnlagen sind bereits auf Bottroper Dächern - und das Dach-Potenzial ist laut ICM-Geschäftsführer Burkhard Drescher groß: „Viele weitere Dächer in Bottrop sind bestens für PV-Module geeignet, das wissen wir anhand des Solardachkatasters“. Die ersten Fördergelder kommen aus dem Topf der Stadt; Burkhard Drescher und Oberbürgermeister Bernd Tischler suchen Partner aus der Wirtschaft, damit der Topf weiter anwächst. Anträge auf Förderung können Hauseigentümer zusammen mit dem Angebot eines Solarteurs im Umweltamt oder bei der ICM einreichen. Infos gibt es bei einem Online-Themenabend am Mittwoch, 17. April. Die Zugangsdaten zur Online-Konferenz erhalten die Teilnehmer nach Anmeldung per Telefon oder E-Mail. dirk.boettger@icm.de 02041 705043 www.icruhr.de

ENERGIEATLAS.ORG MIT NACHHALTIGER MOBILITÄT energie­atlas.org – das Karten- und Informationsportal – zeigt den energetischen Strukturwandel in der Emscher-Lippe-Region auf. Nachhaltige Mobilität spielt hierbei eine wichtige Rolle: In der interaktiven Karte werden u.a. die Standorte von Ladesäulen für Elektroautos (s. Abb.), ausgewählte Best-PracticeProjekte und Klima-Radrouten gelistet. Auch die Entwicklung der Zulassungszahlen von rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen im Städtevergleich wird deutlich. Dieser digitale Service ist ein Kooperationsprojekt des Kreises Recklinghausen und der WiN EmscherLippe GmbH. Das Angebot ist für mobile Endgeräte optimiert, sodass z. B. LadesäulenStandorte über das Smartphone abgerufen werden können. www.energieatlas.org

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Studium geschmissen - und dann? Zu Karrieremöglichkeiten der betrieblichen Ausbildung beraten Personalchefs und Ausbilder junge Menschen persönlich in lockerer Atmosphäre. TERMINE: 9. Mai, Polizeikantine, Rathausplatz 4, Gelsenkirchen und 14. Mai, Spielraum Bottrop, Prosperstr. 71, Bottrop. Claudia Bux, IHK 0209 388212

ZUM 4. MAL „RAN AN DIE SCHÜPPE“ „Ran an die Schüppe“ heißt die Aktion, bei der Unternehmen zeigen, dass sie die Ärmel auch zugunsten der Gesellschaft hochkrempeln. Beim sogenannten „Schüppentag“ können DORSTENER Unternehmen ihr soziales Engagement zeigen und sich als Paten für ein Projekt vor Ort einsetzen. Einrichtungen oder Vereine melden zuvor an, wobei sie Unterstützung be­nötigen. Und die Unternehmen packen für den guten Zweck an – mit Material, Zeit oder Geld. „Das Spektrum kann vielfältig sein und umfasst handwerkliche Tätigkeiten, Ausflüge oder Bewerbungstrainings für Jugendliche“, teilt die Stadt mit. Zurzeit werden die von gemeinnützigen Einrichtungen vorgeschlagenen Projekte gesammelt. Unternehmen können sich ab Mai für die Übernahme eines Projektes anmelden. Arno Schade 02362 663460 schade@win-dor.de

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Schülerinnen und Schüler des AlbertSchweitzer-Geschwister-Scholl-Gymnasiums während ihres Praktikums im Ausbildungszentrum des Chemieparks Marl.

Fotos: Chemiepark Marl/ Debo, Stadt Bottrop

PRAKTIKUM, BEI DEM DIE CHEMIE STIMMT „Was willst du später mal werden“ – eine Frage, die kaum ein Schüler mit Gewissheit beantworten kann. „Matching 2020“ bringt Licht ins Dunkel: Das Praktikumsprogramm für Acht- und Neuntklässler, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, hilft dabei, sich beruflich zu orientieren. Was hinter den Berufsbildern Chemikant, Chemie­laborant, Elektroniker für Automatisierungstechnik oder Anlagenmechaniker steckt, das erfahren die jungen Teilnehmer im Chemiepark MARL. Dabei gilt: anfassen, nicht nur gucken! Im Labor zu arbeiten und eigene Experimente durch­zuführen gehört genauso dazu, wie Einblicke in Verfahrenstechniken oder die Besichtigung von Produktionsbetrieben. Das Praktikum, maßgeschneidert für junge Menschen, soll das Interesse an einer naturwissenschaftlichtechnischen Ausbildung wecken. Einige Plätze für das Sommerpraktikum am Standort Marl sind noch frei. Übrigens: Die Evonik ist auch beim Projekt „Zukunftsbande“ der WiN-Emscher-Lippe GmbH dabei. Anmeldungen unter: 02365 494693 matching-marl@evonik.com www.zukunftsbande.de UMBAU21 | Aktuelle Infos unter: www.emscher-lippe.de

NEUE MOBILITÄTSSTRATEGIE Die Stadt OER-ERKENSCHWICK blickt in die Zukunft und erarbeitet derzeit ein Mobilitätskonzept für die nächsten 10 bis 15 Jahre. Das erste Treffen des Arbeitskreises hat im März statt­ gefunden. Ziel ist, ein verkehrsmittelübergreifendes Konzept zu erarbeiten. Räumlich wird der Fokus auf den Bereich Innenstadt gelegt, es wird Bezug zum integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) genommen. Thematisch sollen u.a. Potenziale und Möglichkeiten zur Stärkung der nicht-motorisierten Verkehre sowie des ÖPNV aufgezeigt werden. Aber auch Themen wie E-Mobilität, Parkraummanagement, Straßennetzlösungen sowie Straßen­ gestaltung und -möblierung werden behandelt. Verkehrszählungen an mehreren Standorten und die Erfassung der Parkraumnachfrage sind ebenso vorgesehen und liefern die entsprechenden Datengrundlagen für zukünftige Planungen. In rund einem Jahr soll das Mobilitätskonzept als Handlungsrahmen feststehen, dessen Umsetzung im Bereich der Innenstadt durch Städtebauförder­ mittel angestrebt wird. www.oer-erkenschwick.de

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SCHNELLERES INTERNET FÜR FAST 1.500 UNTERNEHMEN UND HAUSHALTE IM KREIS 1.300 Haushalte, 163 Unternehmen und 90 Schulen sollen bis Ende 2020 ans schnelle Glasfasernetz angebunden werden. Der Ausbau des Netzes erfolgt in den Städten RECKLING­HAUSEN, CASTROP-RAUXEL und HERTEN. Das Gelsenkirchener Unter­ nehmen Gelsen-Net baut das eigene Gigabit-Glasfasernetz im Rahmen des Bundesförderprogramms aus. Der Netzausbau in den drei Städten beläuft sich auf insgesamt ca. 210 Kilometer. Gelsen-Net wird über 30 Millionen Euro investieren; 8,8 Millionen Euro stammen aus Fördermitteln. Laut Thomas Dettenberg, Sprecher der Geschäftsführung, plane das Unternehmen, noch weitere an der Strecke liegende Haushalte und Unternehmen anzuschließen. www.gelsen-net.de

FEST IM SATTEL FÜR DAS KLIMA Das Thema Klimaschutz ist in aller Munde – und in GLADBECK auch sattelfest. Denn die Stadt beteiligt sich wieder an der bundesweiten Aktion Stadtradeln. Wer statt mit dem Auto zu fahren, in die Pedale tritt, trägt seine gefahrenen Kilometer für die Stadt unter www.stadtradeln.de ein. Teilnehmer können Sachpreise gewinnen. Das Stadtradeln findet dieses Jahr vom 25. Mai bis 14. Juni statt. Ziel der Kampagne ist es, ein Zeichen für vermehrte Radförderung in der Kommune zu setzten – und die Vorteile des Radfahrens im Alltag zu entdecken. Klaas Rudy, Stadt Gladbeck – Umweltabteilung, 02043 99-2388, klaas.rudy@stadt-gladbeck.de

LIPPEBRÜCKE SOLL NEU GEBAUT WERDEN Die Lippebrücke im DATTELNer Stadtteil Ahsen soll durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt werden. Eine Übergangslösung soll es nicht geben. Diese Entscheidung trafen Mitte März Cay Süberkrüb (Landrat Kreis Recklinghausen), Wilhelm Sendermann (Bürgermeister Stadt Olfen), Dr. Christian Schulze Pellengahr (Landrat Kreis Coesfeld) und Dattelns Bürgermeister André Dora. Damit kann die Planung für den Abriss und den Bau einer neuen Brücke in Auftrag gegeben werden. Es müssen aber noch die Kreistage in Coesfeld und Recklinghausen zustimmen, da die Lippebrücke zur Hälfte beiden Kreisen gehört. Geplant ist, 2020 die bisherige Brücke abzureißen und mit dem Neubau zu beginnen.

Wie kann die Lebenssituation und Lebensqualität aller Einwohner im KREIS RECKLINGHAUSEN durch E-Government verbessert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein BarCamp, das der Kreis am 23. Mai von 9 bis 16.30 Uhr im Kreishaus Recklinghausen, Kurt-SchumacherAllee 1 veranstaltet. Es geht um die Zukunft digitaler Verwaltungsangebote, vor allem in den Bereichen Soziales, Pflege, Verkehr und Mobilität sowie um Quartiers­ entwicklung. Bei einem BarCamp werden Erfahrungen und Wissen ausgetauscht, die genauen Themen und Workshops werden meist spontan vor Ort festgelegt. Das BarCamp ist Teil des Smart Region-Projektes DigiQuartier des Kreises Recklinghausen; Mitveranstalter ist die Strategieberatung Prosoz aus Herten. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen mit Angabe der eigenen Funktion/Organisation bis zum 15. Mai 2019 unter digiquartier@kreis-re.de www.kreis-re.de/DigiQuartier

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ERSTE E-LADESÄULE AM WALTROPER RATHAUS EINGEWEIHT Elektrisch auftanken können E-Auto­fahrer am Rathaus in WALTROP. Bürgermeisterin Nicole Moenikes (m.), Wirtschaftsförderer Burkhard Tiessen und Maria Allnoch (r.), Regionalleiterin bei innogy, weihten die erste Ladesäule für Elektrofahrzeuge als Teil eines Bundesförderprogramms ein. Mit der ersten Ladesäule solle der Start für eine flächendeckende Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge in Waltrop entstehen. Eine weitere ist am Herne-Bay-Platz in der Innenstadt geplant. Wirtschaftsförderer Burkhard Tiessen, 02309 930-230, wirtschaftsfoerderung@ waltrop.de

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Foto: Stadt Waltrop

BARCAMP AM 23. MAI


h2herten

Foto: Stadt Gelsenkirchen, Fotograf: Andreas Weiss

Wasserstoff-Kompetenz-Zentrum

GEWERBEPARK FAST AUSGELASTET 1.500 Arbeitsplätze bis heute, Potenzial für bis zu 2.000 Jobs: Laut GELSEN­ KIRCHENs Oberbürgermeister Frank Baranowski zählt der Gewerbepark Nordstern zu den erfolgreichsten seiner Art im Ruhrgebiet. Basis des Erfolgs seien die hochwertige Ausstattung der um- und neugebauten Gebäude, die Verkehrs­anbindung sowie der breit aufgestellte Branchenmix der angesiedelten Unternehmen vom Planungs- und Ingenieurbüro, über Callcenter, Softwareentwicklung und ITDienstleistung bis hin zu Gastronomie und Hotellerie. www.nordsternpark.de/Gewerbepark.html

Anwender-Zentrum h2herten • Erstes Technologiezentrum für Firmen der Wasserstoffund Brennstoffzellentechnik • Büroräume und Technika • Integrierte Wasserstoffversorgung • H2-basiertes Energiekomplementärsystem • Meetingräume inklusive Präsentationstechnik

Foto: Stadt Recklinghausen

VERMARKTUNG AUF BLUMENTHAL GESTARTET Das Gelände der ehemaligen Zeche General Blumenthal ist saniert, datenredundantes Glasfasernetz verlegt. Seit Februar vermarktet die Stadt RECKLINGHAUSEN ihr neues, rund 90.000 Quadratmeter großes Gewerbegebiet. „Wir haben eine der letzten attraktiven Flächen in der Region im Angebot. Wir setzen auf die strategisch günstige Lage zwischen A2 und A43 und auf die hohe Lebensqualität, mit der wir als die Metropole für Bildung, Handel, Dienstleistung und Kultur punkten können“, so Bürgermeister Christoph Tesche bei der Übergabe der Fläche durch die Stadtentwicklungsgesellschaft Recklinghausen (SER) an die Stadt. Für die Vermarktung sollen besonders Unternehmen aus den Bereichen wissensintensive Dienstleistungen, Medienproduktion, Forschung und Entwicklung sowie Medizin- und Biotechnologie aktiv angesprochen werden. Vergabekriterien sind z.B. Schaffung von Arbeitsplätzen sowie finanzielle und städtebauliche Effekte.  www.recklinghausen-blumenthal.de UMBAU21 | Aktuelle Infos unter: www.emscher-lippe.de

Kontakt info@h2herten.de www.h2herten.de

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S MAR T N

R EG I O

Zukunft ist digital Gelungener Auftakt fĂźr das SMART NETWORKS-Projekt beim Digital Dinner in der Kaue Gelsenkirchen

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Fotos: Westwind Medien, Stefan Prott

ie Zukunft der Emscher-LippeRegion ist digital: Über 200 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik trafen sich beim Digital Dinner, der Auftaktver­ anstaltung des Projektes Smart Networks. „Die vielen Gäste zeigen das überaus große Interesse am Thema Digitalisierung“, sagte Staatssekretär Christoph Dammermann. Er erläuterte die Digitalstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen, mit der das Land die gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformation gestalten möchte. Cay Süberkrüb betonte die Bedeutung der Digitalisierung in der Bildung: „Es ist uns gelungen, alle 207 Schulen im Kreis Recklinghausen in den geförderten Breitbandausbau mit aufzunehmen“, sagte der Landrat. Bis zum Jahresende würden alle Schulen ans Gigabitnetz angeschlossen. „Damit haben wir die besten Voraussetzungen, um die Fachkräfte von morgen zu unterrichten.“ Akteure des digitalen Wandels diskutierten in einer Experten-Talkrunde die Digitalisierung der Region heute und in Zukunft. Die Quintessenz: Vieles ist bereits digital zwischen Emscher und Lippe, manches ist noch zu wenig sichtbar und verfügbares Potential wird nicht immer optimal genutzt. „Genau da setzt SMART NETWORKS an“, sagt Natalie Schulz, Leiterin des Projekts. „Wir erstellen eine Übersicht aller DigitalisierungsAngebote, um mögliche Synergien aufzuzeigen und zu erzeugen.“ Darüber hinaus soll SMART NETWORKS auch neue Projekte im Bereich der Digitalisierung an­ regen und damit einen Beitrag zur Stärkung der Region leisten, ergänzte WiN-Geschäfts­ führer Joachim Beyer: „Das Digital Dinner war dafür der perfekte Ausgangspunkt.“ Das Fazit eines gelungenen Abends lautete schließlich: Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Damit sie gelingen kann, muss sie mit Augenmaß umgesetzt werden, die Menschen abholen und mitnehmen. Dann hat sie das Potenzial, sowohl unser beruf­ liches als auch privates Leben massiv zu bereichern und der ganzen Region einen langfristigen, entscheidenden Wettbewerbs­vorteil zu sichern.

„Smart Networks sollen – Hand in Hand mit den regionalen Akteuren – die Emscher-Lippe-Region zur Smart Region machen, einer digitalen Modell­ region mit Strahlkraft ins Land und über die Landesgrenzen hinaus.“ Staatssekretär Christoph Dammermann, Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

„Ich bin überzeugt, dass Digitalisierung als Chance verstanden werden muss - und zwar auf breiter Basis. In unserer Region muss auch das Handwerk alle Chancen der Digitalisierung nutzen können.“ „63 Millionen Euro Förderung gehen in den Breitband- und Glasfaserausbau. Damit bringen wir auch alle 207 Schulen im Kreis Recklinghausen ans Gigabitnetz.“ Cay Süberkrüb, Aufsichtsratsvorsitzender der WiN Emscher-Lippe GmbH und Landrat des Kreises Recklinghausen

„Digitalisierung ist viel Aufklärungsarbeit. Die Menschen wissen oft nicht, was diese Transformation konkret für ihren Arbeitsplatz bedeutet. Deshalb ist es so wichtig, dass wir jeden einbeziehen.“ „Wissensmanagement, gerade im Bereich der Digitalisierung, funktioniert vor allem durch Tandem-Partnerschaften aus Jung und Alt.“ Jessica Lehmann, Change Managerin Prosoz Herten GmbH

„Die Digitalisierung wird Arbeitsplätze verändern, aber nicht ver­nichten. Arbeitslosigkeit entsteht nur dort, wo man nicht ausreichend produktiv ist.“ „Der Wissensfluss muss von unten nach oben verlaufen damit die Facharbeiter, die die Projekte kennen, die Chefs gut beraten können. Man muss das gesamte Organisations­wissen mobilisieren statt eine Person oder Sichtweise von vornherein zu verabsolu­tieren.“

Smart Networks, 02366 1098-32 smartnetworks@emscher-lippe.de UMBAU21 | Aktuelle Infos unter: www.emscher-lippe.de

Erik Händeler, Wirtschaftsjournalist und Digitalisierungsexperte

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R EG I O

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Digitales Labor für Kreative

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n der Künstlersiedlung Halfmannshof im grünen Süden Gelsenkirchens wurden schon viele Werke geschaffen, die ihrer Zeit manchmal voraus waren. Seit Mitte Februar treffen vorwiegend analog arbeitende Kreative auf neue digitale Arbeitswelten. Kulturschaffende können sich auf Zeit im Co.Laboratorium „Daig“ einquartieren und modernste Technik etwa zur virtuellen Darstellung von noch nicht existierenden Werken oder Produkten ausprobieren. Möglich wird das durch „futureWork“, einem Teil-Projekt des Smart-Region-Projektes connect.emscherlippe. „Analoge und digitale Welt sollen sich bei uns ideal ergänzen“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Jens Gerken vom Institut für Innovationsforschung und -management der Westfälischen Hochschule. Der Professor und seine studentischen Mitarbeiter beobachten zunächst die kreativen Arbeitsprozesse und wollen darauf aufbauend unterstützende Softwarelösungen entwickeln.

Bis zu zehn Kreative können im „Daig“ zusammenarbeiten, drei können auch dort wohnen. Die Künstlerinnen und Künstler sollen sich gegenseitig inspirieren, zusammen neue Technik ausprobieren und in unterschiedlichen Kunstrichtungen anwenden. Es geht auch um praktische und bürokratische Dinge, denn auch Kreative wollen Geld verdienen und müssen sich um administrative Dinge wie z. B. Buchhaltung oder Angebotserstellung kümmern – auch hierbei könnten neue Softwarelösungen helfen. Insgesamt geht es bei „futureWork“ darum, kollaborative Arbeitsweisen kreativer Denker und Arbeiter zu erforschen und diese Prozesse durch den Einsatz angepasster Technologie zu ver­ bessern und zu unterstützen. Das SmartRegion-Projekt wird bis 2021 vom NRWWirtschaftsministerium mit knapp einer Million Euro gefördert. Claudia Schneider

www.connect-emscherlippe.de UMBAU21 | Ausgabe 10 2019

Foto/Montage: WH/BL

Das Projekt „futureWork“ der Westfälischen Hochschule erarbeitet drei Jahre lang Techniken zur Digitalisierung in der Kreativbranche. Analoge und digitale Welt sollen sich ergänzen: Hier die konventionelle Tafel, dort Telebildschirme mit einge­ blendeten Gesprächspartnern und Brillen zur realitäts­ erweiternden Darstellung virtueller Gegenstände. Das macht Dinge anschaulich und hilft, sich im Team auszutauschen.


„Wir dürfen als Region selbstbewusster werden“ Joachim Beyer startete als Geschäftsführer eines Bildungsträgers, machte regionale Strukturpolitik und Technologieberatung, wirkte in Bergkamen und bei der Wirtschaftsförderung Dortmund. Jetzt verstärkt er die Spitze der WiN Emscher-Lippe GmbH als weiterer Geschäftsführer. Ein Gespräch über Ziele und Zukunft. Herr Beyer, Sie sind geboren in Bottrop, aufgewachsen im Münsterland, haben studiert in Münster – und sind jetzt wie­der angekommen zwischen Emscher und Lippe. Was reizt Sie an der Aufgabe? Zu sehen, dass die Emscher-Lippe-Region sich zur WiN bekannt hat! Unsere Gesellschafter haben erkannt, dass viele Aufgaben nicht auf kommunaler Ebene zu lösen sind, sondern regional vorangetrieben werden müssen. Sei es bei der Ent­wicklung von Gewerbe­ flächen, Infrastruktur, Mobilität. Ich bin überzeugt: Hier müssen wir in größeren, aber überschaubaren Räumen denken. Wo könnte die WiN stärker tätig werden? Wir sind stark unterwegs in Bereichen wie Umweltwirtschaft, Chemie und Bildung. Dazu kommt der Bereich der

Digitalisierung. Hier können wir aufgrund der Projekte, die jetzt unter dem Dach von Smart Region anlaufen, neue Chancen identifizieren: Wo können wir Stärken entwickeln, wie kann das zur Profilierung der Region beitragen? Dabei wollen wir keine neuen Leuchttürme bauen. Unsere Aufgabe als Wirtschaftsförderer-Netzwerk sollte es sein, gute Ideen und Projekte in der Region zu­sammenzuführen und voranzubringen. Zieht es die junge Digitalszene nicht eher in Schwarmstädte wie Berlin und Köln? Wenn wir die Wirtschaft stärker digitalisieren, müssen Arbeitsplätze nicht unbedingt dort sein, wo die Unternehmen sitzen. Da ist mit Homeoffice und Co-Working vieles möglich. Sicher eine Chance für die Gemeinden am Rande von Metropolen, wo Wohnraum noch bezahlbar ist. Welche Rolle spielen die Hochschulen – vielleicht sogar eine Emscher-Universität? Hier hat Oberbürgermeister Frank Baranowski mit Rückendeckung des Rates eine Idee für die Emscher-Lippe-Region auf den Weg gebracht, auf deren Erfolg wir alle hoffen sollten. Die Entwicklung im Techno­logiepark Dortmund hat gezeigt, welche enormen Impulse für die Wirtschaft von einer Universität ausgehen. Der Trend zur Akademisierung könnte den Fachkräftemangel aber noch verstärken. Wir brauchen einen guten Mix. Chancen für junge Gründer­ innen und

Gründer oder Forscher beflügeln die Region. Ebenso wichtig ist es, jungen Leuten, die an unseren anspruchsvollen Hochschulen absehbar nicht zurecht kommen, neue Perspektiven zu bieten. Worin sehen Sie weitere Stärken der Region? Ein echtes Pfund: Wir haben – bei einer Million Einwohnern in der Emscher-LippeRegion – die Menschen vor Ort! Wir haben aber auch viel Raum – und das in einer attraktiven Vielfalt: Hier den dicht besiedelten Süden, der durch die Emscherrenaturierung gewinnt, dann die Lippe­zone mit viel Lebensqualität seit jeher – und dazwischen einen attraktiven Siedlungsraum mit noch bezahlbaren Grundstückspreisen. Brauchen wir eine neue Kultur der Selbstständigkeit? Zum Glück haben wir drei Startercenter und zwei Kammern vor Ort in der Region, die sich um dieses Thema kümmern. Selbstständigkeit ist nicht selbstverständlich! Das sehe ich als eine Kette - von der Ausbildung zur Fachkraft, von der guten Fachkraft zum Meisterbrief und dann zum eigenen Unternehmen. Es geht darum, diese Kette nicht abreißen zu lassen. Die WiN kann hier unterstützen; deshalb wollen wir die Kontakte auch zu den Kreishandwerkerschaften und Innungen ausbauen. Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Wir dürfen und müssen selbstbewusster werden. Nur ein Beispiel: Wer weiß schon, wie hervorragend man bei uns Essen gehen kann? Wir haben mehr Sterne-Restaurants als manche Metropole in Deutschland! Solche Erfolgsstorys sollten wir erzählen – nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber.

Foto: Markus Mucha

Das Interview führte Stefan Prott.

UMBAU21 | Aktuelle Infos unter: www.emscher-lippe.de

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Emscher-Lippe macht mobil

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ie Wirtschaft boomt im Revier. Auch die Emscher-Lippe-Region trägt mit ihren Zukunftsbranchen Gesundheitswirtschaft, Chemie, Logistik und der Digitalszene zum Wachstum bei. Von der Grundausstattung her ist die Infrastruktur in der Region gut geeignet, um Menschen und Waren mobil zu machen. Es gibt ein dichtes Autobahnnetz, Kanäle und Häfen, zahlreiche Schienenanbindungen, Pipelines, ein ständig wachsendes Radwegenetz und im Umfeld Flughäfen unterschiedlicher Prägung. Das Problem ist nur, dass es vielerorts einen Sanierungsstau gibt und die Kapazitäten vor allem auf Straßen und Schienen oft nicht ausreichen. Viele Baustellen verschärfen aktuell die Lage. Andererseits kann man froh sein, dass in die Infrastruktur investiert wird. Im Februar gab es z. B. endgültig grünes Licht für den sechsspurigen Ausbau der Autobahn 43 bei Recklinghausen. Ein Rechtsstreit um die Planfeststellung am Oberverwaltungsgericht Münster wurde durch einen Vergleich beendet.

Foto: Hans Blossey

AUTO HAT VORFAHRT Trotz Dieselskandal, Feinstaubproblematik und Angst vorm Klimawandel: Das Auto bleibt das Fortbewegungsmittel Nr. 1 im Revier. Das bestätigt auch eine aktuelle Bürger­ befragung des Regionalverbands Ruhr (RVR). Zwar steht den meisten Bürgern die komplette Mobilitätspalette von Fahrrad, ÖPNV und Pkw zur Verfügung – aber nur ein Zehntel der Befragten ist wirklich multimodal unterwegs. 58 % aller Wege im Personen­ verkehr werden mit dem Auto zurückgelegt. Auch andere Befragungen ergeben dasselbe Bild. Pendler schätzen die Bequemlichkeit des Autos und beklagen, dass es besonders bei Fahrten über mehrere Stadtgrenzen hinweg keine guten ÖPNV-Verbindungen gibt. Was soll man sagen, wenn eine Stadt wie Herten nicht einmal über einen Bahnhof verfügt? Auch in Marl fühlt man sich eher wie auf dem Abstellgleis, auch wenn der

Schienennahverkehr ausgebaut wird. „Weder in Ost-West- noch von Marl-Mitte in NordSüd-Richtung besteht eine gute Anbindung. Zu lange Fahrzeiten, zu häufiges Umsteigen, schlechte Fahrplantakte“, meint der Bundestagsabgeordnete Michael Groß. Zwar werde der RRX künftig am Bahnhof Sinsen zum Greifen nah sein, aber für die Marler bliebe er ohne Umstieg unerreichbar.

zur Verbesserung der Luftqualität beschlossen. 17 Maßnahmen stehen im Vordergrund, z. B. Ausbau von Car- und Bike-Sharing, intelligente Parksysteme, Auf- und Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge, Förderung des Radverkehrs sowie die digitale Vernetzung aller Mobilitätsangebote. Auch soll es mehr Mobilstationen geben: An diesen Knotenpunkten kommen ÖPNV, Schienennahverkehr, Car- und Bike-Sharing zusammen.

SCHLAUE MOBILITÄT MEHR ÖPNV UND RADVERKEHR „Die individuelle Mobilität wird auf jeden Fall noch weiter zunehmen“, meint Prof. Dr. Stephan Keuchel von der Westfälischen Hochschule. Der Experte für Verkehrswirtschaft sieht das positiv: „Durch die Digitalisierung im Bereich Mobilität und Logistik wird mehr Teilhabe ermöglicht. Wir können den Verkehr besser steuern und die Infrastruktur intelligenter nutzen.“ Als Beispiel nennt Prof. Keuchel die Fahrgastinformationssysteme der Verkehrsbetriebe, die u.a. Routen aufzeigen und Ticketkauf ermöglichen. Diese Systeme sollen bundesweit zu einer Mobilitätsplattform vernetzt werden. Die BochumGelsenkirchener Straßenbahnen (Bogestra) sind mit ihrer „Mutti-App“ schon auf dem Weg zur Mobilitätsplattform. Das macht die Bogestra zu einem wichtigen Partner der Stadt Gelsenkirchen. Im Juli 2018 hat der Gelsenkirchener Rat einen „Green City Plan“

Die Debatte um mögliche Diesel-Fahrverbote hat alternative Verkehrsmittel in den Fokus gerückt. Die Nahverkehrsbetriebe haben Geld bekommen, um zusätzliche Linien einzurichten, Elektrobusse anzuschaffen und die Taktzeiten zu verkürzen. Auch über eine Wasserstoffmobilität wird neu nachgedacht. Und ins Radwegenetz wird ebenfalls investiert. Der Regionalverband Ruhr hat ein Konzept für ein regionales Radwegenetz entwickelt, das zufdem alltagstauglich ist und Pendlerströme über Stadtgrenzen hinaus ermöglicht. Die Politik muss noch entscheiden. Der Bedarf ist da, das hat die Potenzialanalyse ergeben. Zumal die Zielgruppe wächst: Durch E-Bikes erweitert sich der Radius der Radler und auch Handwerker sind auf der Kurz- und Mittelstrecke mit dem Lastenrad unterwegs. CLS

LEIHRÄDER LEICHT IM AUFWIND Zum modernen Mobilitätskonzept gehören auch Leihräder. Bereits seit 2010 kann man in Bottrop und Gelsenkirchen auf Räder der Firma Metropolrad/Nextbike umsteigen. In Gladbeck gibt es jetzt auch Überlegungen, Bike-Sharing einzuführen. Revierweit war 2018 die bislang erfolgreichste Saison für das Metropolrad Ruhr. Rund 460.000-mal wurden die Räder des Verleihsystems genutzt, 70 Prozent häufiger als im Vorjahr. Für Gelsenkirchen liegen derzeit keine konkreten Zahlen vor, es sei aber „eine stetige Steigerung bei gleichbleibender Stationszahl (18) zu verzeichnen“, sagt Nextbike-Pressesprecherin Mareike Rauchhaus. In Bottrop wurde die Anzahl der Stationen vor einigen Jahren von 24 auf 7 reduziert. Die Ausleihzahlen steigen leicht (2018: 800, 2017: 692 Ausleihen pro Jahr).

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„Die Zukunft der Mobilität liegt in der Vernetzung“ Das nördliche Ruhrgebiet verfügt über ein dichtes Straßennetz, das jedoch bereits an der Kapazitätsgrenze liegt und dringend sanierungsbedürftig ist. Das Gleiche gilt jedoch für die Schiene – nur zwei der Herausforderungen, über die UMBAU21 mit NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst gesprochen hat. Herr Wüst, beim Thema Diesel-Fahrverbote gibt es ein bisschen Beruhigung. Ganz vom Tisch sind sie aber noch nicht. Was tun die Landesregierung und Ihr Ministerium, um die Grenzwerte in der Emscher-Lippe-Region einzuhalten und Fahrverbote zu verhindern? Hendrik Wüst: Die Umweltministerin arbeitet federführend zu­ sammen mit Bezirksregierungen und Kommunen an ambitionierten Luftreinhalteplänen. Vielerorts gehen die Stickstoffdioxidwerte bereits zurück. Das Verkehrsministerium fördert den öffentlichen Nahverkehr und die Umrüstung der Busflotten auf umweltfreund­ liche Elektro- und Wasserstoffantriebe. Für den ÖPNV in NRW stehen in diesem Jahr über 1,8 Milliarden Euro bereit. Wir fördern die Elektrifizierung von Schienen und die Reaktivierung stillgelegter Schienenstrecken. Das Azubiticket kommt mit Beginn des neuen Lehrjahres. Zweifellos muss der ÖPNV attraktiver werden. Das Azubi-Ticket und die landesweite Ticket-App, die Sie bis Ende des Jahres als Vorstufe für einen landesweit einheitlichen Tarif angekündigt haben, sind sicher richtige Schritte. Aber wenn man es mit den Anstrengungen im Straßenbau vergleicht; da wird die A43 demnächst auf 23 Kilo­ metern um zwei Spuren erweitert. Bräuchte der ÖPNV nicht ähnliche oder größere An­ strengungen auch und gerade hier in

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der Region: bessere Taktfrequenzen und ganz neue Verbindungen? Es gibt zum Beispiel wenig direkte Verbindungen vom nördlichen ins südliche Ruhrgebiet. Das Schienennetz ist in einem ähnlich schlechten Zustand wie die Straße. Wenn die Leute aber vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen sollen, muss das Angebot attraktiv sein. Dafür investieren wir in die Infrastruktur und unterstützen die Bahn bei der Modernisierung der Bahnhöfe. Die Bahn investiert 1,3 Milliarden Euro allein in NRW. Das ist fast so viel wie wir in die Straßen investieren. Es gibt kein Entweder Oder. Wir müssen aber auch die Chancen der Digitalisierung nutzen, um den ÖPNV attraktiver zu machen. Wer vor Reiseantritt online das Ticket kauft, muss auch gleichzeitig online ein Leihfahrrad oder Auto am Zielbahnhof buchen können. Welche Chancen bietet die Digitalisierung und wie wollen Sie diese nutzen? Ziel der Landesregierung ist es, NRW zur Modellregion für Mobilität zu machen. Wir sind dabei gut unterwegs unter anderem mit dem Testprojekt mit automatisiert fahrenden Shuttles am Airport Weeze, dem Modellprojekt „KoMoD“ zum vernetzten Fahren im digitalen Testfeld in Düsseldorf oder auch in Monheim, wo ab Herbst automatisiert fahrende Busse im Linienbetrieb fahren sollen. Außerdem haben wir in der ÖPNV-Digitalisierungs­ offensive über 30 konkrete

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Reine Science Fiction oder schon bald Realität? NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst glaubt, dass wir irgendwann mit Flug-Taxis unterwegs sein werden.

Maßnahmen vereinbart, die schrittweise umgesetzt werden. eTicketingSysteme, einheitliche eTarif-Lösungen und verlässlichere Auskunftssysteme, die Daten in Echtzeit liefern, sind nur einige Bespiele. Im Idealfall schlägt mir in Zukunft eine App den schnellsten und bequemsten Weg vor, wie ich von A nach B komme. Gerade hier im Ruhrgebiet sind die Baustellen auf unseren Straßen ein leidiges Thema, insbesondere wenn dort spürbar wenig passiert. Demnächst steht der weitere A43-Ausbau an. Wie wollen Sie Beeinträchtigungen begrenzen? Wer so viel baut, muss das möglichst koordiniert und so schnell wie möglich tun. Wir haben dazu ein Bündel an Maßnahmen getroffen. Unter anderem hat die Stabsstelle Baustellenkoordination in der Verkehrszentrale Leverkusen Ende letzten Jahres den Betrieb auf­ genommen. Sie koordiniert die Baustellen der verschiedenen Verkehrsträger und Straßenbaulastträger, um gegenseitige Beeinträchtigungen zu minimieren. Wir nehmen auch Geld in die Hand, um Baustellen zu beschleunigen. Bei 13 Maßnahmen sparen wir damit 227 Wochen Bauzeit ein. Auch bei der Beschleunigung von Planungsverfahren sind wir mit der Änderung des Straßen- und Wegegesetzes vorangekommen: Klagen gegen Planfeststellungsbeschlüsse für Landesstraßen haben künftig keine aufschiebende Wirkung mehr. UMBAU21 | Aktuelle Infos unter: www.emscher-lippe.de

Wie stehen Sie zum A52-Ausbau und wie soll es aus Ihrer Sicht damit weitergehen? Wir starten jetzt einen breit angelegten und transparenten Beteiligungsprozess, um die Bürger frühzeitig in die Planungen einzubeziehen, also vor dem rechtlich vorgeschriebenen Planungs- und Genehmigungsverfahren. In diesem Rahmen wird es Gespräche mit allen Interessengruppen geben. Mehr Zeit für Kommunikation am Anfang solcher Prozesse spart Zeit nach hinten. Welche Vision von der zukünftigen Mobilität haben Sie? Wie werden wir in zehn, zwanzig Jahren mobil sein? Werden wir noch in privaten Pkws fahren? Ganz sicher werden auch in zehn oder zwanzig Jahren noch private Pkw unterwegs sein. Gerade bei den jungen Leuten verliert das Auto aber zunehmend an Bedeutung. Die Zukunft der Mobilität liegt in der Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsträger. Da gibt es viele Potenziale: Zum Beispiel Mobilstationen, die als Schnittstellen zwischen den Verkehrsträgern zu intermodalen Umsteigepunkten ausgebaut werden, fördern wir mit zehn Millionen Euro. Und auch wenn manche das Flugtaxi noch belächeln – es wird sicherlich irgendwann kommen. Das Interview führte Jörn-Jakob Surkemper.

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Elektrisierend: Wie das Land E-Mobile fördert Elektrofahrzeuge sind wartungsarm und günstig im Unterhalt. Doch die Anschaffungskosten liegen in der Regel noch deutlich über denen eines vergleichbaren Verbrenners. Hier greift u.a. eine neue Förderung des Landes. Bis zu 12.000 Euro Kaufprämie erhalten Unternehmen seit Anfang Februar für die Anschaffung eines E-Fahrzeuges. Die neue Kaufprämie verdoppelt oder verdreifacht in einigen Fällen den Umweltbonus des Bundes und soll so den Umstieg für Unternehmen auf elektromobile Lösungen erleichtern. Der neue Zuschuss reiht sich ein in eine Vielzahl weiterer Fördermöglichkeiten. Ein Überblick. FAHRZEUGANSCHAFFUNG Nordrhein-westfälische Firmen erhalten im Rahmen des Programms „Emissionsarme Mobilität“ vom Land 4.000 Euro beim Kauf eines Elektro-Pkw – zusätzlich zur Umweltprämie des Bundes (ebenfalls 4.000 Euro). Für die Anschaffung von E-Nutzfahrzeuge zwischen 2,3 bis 7,5 Tonnen gibt das Land sogar 8.000 Euro dazu. Zusammen mit der Bundes­ förderung, die jedoch nur für E-Transporter bis 4,25 Tonnen gilt, können so also Fördergelder bis zu 12.000 Euro fließen. Zu beachten ist allerdings: Der Förderantrag für die Landesförderung muss vor der Bestellung eingehen und genehmigt werden. Wer für die Anschaffung einen Kredit aufnehmen muss oder will, muss – bei guter Bonität – neuerdings zudem keine Zinsen für die Finanzierung zahlen. Je nach Laufzeit kann die Tilgung erst nach zwei Jahren starten.

ERRICHTUNG DER LADEINFRASTRUKTUR Das Land NRW fördert die Errichtung stationärer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge mit bis zu 50 Prozent der Ausgaben. Es werden sowohl öffentlich zugängliche Ladepunkte als auch Ladepunkte für Flottenund Mitarbeiterfahrzeuge gefördert. Voraussetzung ist, dass der Lade-Strom aus erneuerbaren Energien oder aus vor Ort erzeugtem, regenerativem Strom stammt. STEUERBEGÜNSTIGUNGEN Elektrofahrzeuge sind zehn Jahre von der KfzSteuer befreit. Als Dienstfahrzeug mit privater Nutzung unterliegen sie seit Jahresbeginn nur noch einer Besteuerung von 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises. ANSCHAFFUNG VON E-LASTENRÄDERN Förderfähig sind auch E-Lastenfahrräder ab einer Nutzlast von 70 Kilogramm (ohne Fahrer) mit bis zu 30 Prozent (Kommunen bis 60 Prozent) der Anschaffungskosten.

8.000 bzw. 12.000 Euro etwa beim StreetScooter Work L gibt der Staat seit Februar beim Kauf von E-Nutzfahrzeugen dazu.

www.elektromobilitaet.nrw

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Foto: Deutsche Post AG

BERATUNG/KONZEPTE Unternehmer können sich professionell zur Beschaffung von E-Fahrzeugen, dem Aufbau von Ladeinfrastruktur, Flottenmanagement sowie finanziellen und rechtlichen Aspekten ganz individuell beraten lassen. Das Land zahlt bis zu 50 Prozent der Beratungskosten (max. 15.000 Euro). Das Land selbst bietet neuerdings zudem eine kostenlose Initialberatung.


„Mobilität ist nicht zum Nulltarif zu haben“ Straße, Schiene, Radtrasse: Wenn die Verkehrsinfrastruktur besser und umweltfreundlicher werden soll, sind kluge Investitionen notwendig. Der WiN-Aufsichtsratschef Cay Süberkrüb, Landrat des Kreises Recklinghausen, spricht im Interview darüber, welche Schwerpunkte er für die Region sieht. Herr Süberkrüb, als Landrat des bevölkerungsreichsten Landkreises in Deutschland liegt Ihnen Mobilität sicher besonders am Herzen. Welche Aufgaben müssen dafür angegangen werden? Cay Süberkrüb: Bei der Infrastruktur haben wir in Deutschland über Jahrzehnte von der Substanz gelebt. Inzwischen stellen wir gerade beim Verkehr fest: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Straßen, Brücken, Bahn und ÖPNV, aber auch das Radwegenetz und die Wasserstraßen müssen wieder in einen guten Zustand versetzt und an vielen Stellen ausgebaut werden – darüber besteht weitgehend Einigkeit. Zur Wahrheit gehört aber auch: Gute und klima­ freundliche Mobilität gibt es nicht zum Nulltarif. Was bedeutet das für unsere Region? Die große Frage bleibt: Wie stellen wir die Anbindung des nördlichen Ruhrgebiets an den Kern der Metropole Ruhr sicher? Das ist eine fast schon historische Aufgabe, weil die Nord-Süd-Verbindungen im Revier traditionell nicht so gut ausgebaut sind wie in Ost-West-Richtung. Jetzt müssen wir dafür Lösungen finden, die in einem Verkehrssystem der Zukunft Bestand haben und den gewandelten Mobilitätsbedürfnissen entsprechen. Bei welchen Verkehrsträgern sehen Sie besonderen Handlungsbedarf? Ich glaube, dass wir die Situation für die Dauernutzer im ÖPNV verbessern müssen – zum Beispiel durch schnelle Metrobusse zwischen den Städten oder eine verbesserte S-Bahn-Anbindung nach Süden. UMBAU21 | Aktuelle Infos unter: www.emscher-lippe.de

Auch der Radverkehr wird in Zukunft eine viel größere Bedeutung bekommmen – das sage ich nicht nur als passionierter Radfahrer: Es geht mir vielmehr um einen Ausbau des Alltags-Radwegenetzes. Hier entstehen durch Pedelecs ganz neue Möglichkeiten für Pendler, die wir nur ausschöpfen können, wenn es gut ausgebaute Radtrassen gibt. Warum ist der Ausbau von VerkehrsInfrastruktur so schwierig? Auf regionaler oder kommunaler Ebene sind wir oftmals getrieben von Investitionsentscheidungen, die das Land oder der Bund treffen. Aktuell gibt es massive Investitionen in den Straßenbau und in den Bahnverkehr. Das zieht hohe Folgeinvestitionen bei den Kommunen nach sich – etwa, wenn Kreisstraßen als Zubringer ertüchtigt oder Bahnhöfe angebunden werden müssen. Außerdem ist der Bau-Markt nahezu überhitzt, so dass wir kaum noch Ingenieur- und Planungsbüros und ausführende Firmen mit Kapazitäten für die Umsetzung finden. Welches sind die wichtigsten Projekte beim Ausbau des Straßennetzes? Auch hier sind das vor allem gut funktionierende Nord-Süd-Verbindungen. Ohne den zügigen Ausbau der B474n werden wir das große Potenzial, das der newPark für Wirtschaft und Arbeitsplätze verspricht, nicht abrufen können. Genauso wichtig sind Lösungen für die B235 und leistungsfähige Anschlüsse an die A43 und die neue A52. Denn eines ist klar: Unsere Region ist auf Wachstumskurs. Allein deshalb wird der Verkehr auch in Zukunft zunehmen. Das Interview führte Stefan Prott.

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E

inen regelrechten Verkehrskollaps haben Städte wie Essen und Gelsenkirchen angesichts drohender Dieselfahrverbote befürchtet. Umso größer war die Erleichterung, als der Bundestag Mitte März an einer entscheidenden Stellschraube drehte: Das Verbot soll erst ab 50 Mikrogramm Stickoxid und nicht schon ab 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gelten. Alles andere wäre nach Auffassung des Gesetzgebers unverhältnismäßig. Offen ist nur noch, wie sich das Oberverwaltungs­ gericht Münster verhält, das im Rechtsstreit der Deutschen Umwelthilfe mit 14 NRWStädten über Dieselfahrverbote zu ent­ scheiden hat. Welche massiven Folgen ein Verbot für die heimische Wirtschaft haben würde, zeigt eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen unter 755 Gelsenkirchener Unternehmen. „Das Ergebnis belegt, dass die Mehrheit der Unternehmen von Dieselfahrverboten erheblich negativ betroffen wäre. Denn: Für Lieferfahrzeuge und Lkw

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„Als Autovermieter haben wir durch die deutlich gestiegenen Leasingraten mit erheblich höheren Kosten zu kämpfen.“ Birgit Dehling, Geschäftsführerin der Autovermietung Kremser

gibt es de facto bis heute kaum eine gleichwertige Alternative zum Diesel“, erläutert IHK-Vizepräsident Professor Ulrich Sick. Selbst wenn die Betriebe versuchen würden, ihre Pkw nachzurüsten, sei das derzeit eher eine theoretische Lösung, erläutert Sick. In der Praxis würden solche Überlegungen derzeit daran scheitern, dass aktuell kaum zugelassene Nachrüstsätze am Markt sind. Aufgrund der langen Genehmigungsverfahren sei hiermit nicht vor Herbst 2019 zu rechnen. Die ganze Flotte auf einen Schlag zu Gunsten einer Neuanschaffung modernster Fahrzeuge auszutauschen, sei hingegen für die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen wirtschaftlich nicht tragbar, betont Sick. Auch wenn die Städte um Dieselfahrverbote herumkommen, sehen sie großen Handlungsbedarf, die Luftqualität deutlich zu verbessern. Essen hat einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Luftreinhaltung entwickelt und prüft beispielsweise, ob auf zwei Hauptverkehrsadern Tempo 30 eingeführt, eine Umwelttrasse für Fußgänger, Radfahrer und E-Fahrzeuge entstehen und UMBAU21 | Ausgabe 10 2019

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Dicke Luft: Übergangslösung statt Fahrverboten


Anwälte helfen Geschädigten

das Radwegenetz erheblich ausgebaut werden soll. Gelsenkirchen hat den „Green City Plan“ aufgelegt. Ein neues Leitsystem soll den Verkehrsfluss verbessern, mit kürzeren Taktzeiten will man die Attraktivität des ÖPNV-Angebots erhöhen. Der Ausbau von Carsharing und Radwegen sind ebenso weitere Ziele wie die Entwicklung eines Elektromobilitätskonzeptes. Die heimische Wirtschaft unterstützt Anstrengungen, um die Luftbelastung zu verringern, betont der IHK-Vizepräsident. Dazu gehöre die Bereitschaft der Unternehmen, den Fahrzeugbestand zu Gunsten schadstoff­ armer Modelle auszuwechseln, aber eben Schritt für Schritt. Darüber hinaus sollten vor allem auch die Chancen digitaler Lösungen, zum Beispiel bei der Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger, zum Zuge kommen. In Fragen des Umstiegs auf Elektromobilität bietet die IHK umfassende In­ formationen an, unterstreicht Ulrich Sick, verdeutlicht aber auch, dass die Fragen von Ladezeiten und Reichweite der E-Fahrzeuge die Einsatzmöglichkeiten beschränken.

Foto: Jan Voth

DIESEL-PKW SIND LADENHÜTER Die seit zwei Jahren anhaltende Diesel­ debatte und in noch stärkerem Maße die Skandale um manipulierte Abgastests haben dazu geführt, dass Dieselfahrzeuge zu regelrechten Ladenhütern wurden. Autokäufer machen einen großen Bogen um die Modelle. Der Markt hat durch den Wertverlust der Wagen ganz erhebliche Einbußen erlitten, sagt Karl-Heinz Katzner, stellvertretender Obermeister der Bottroper Innung für das Kraftfahrzeuggewerbe. Selbst Fahrzeuge mit Euro-5-Norm lassen sich so gut wie überhaupt nicht mehr verkaufen, lediglich für den aktuellen Standard, Euro-6d-Temp, zeigen einige Käufer Interesse. Die Folgen der Marktentwicklung bekommt auch Birgit Dehling, Geschäftsführerin der Gladbecker Autovermietung Kremser, zu spüren. Das Unternehmen, das mit 150 Auto-

„Für Lieferfahrzeuge und Lkw gibt es bis heute kaum eine gleichwertige Alternative zum Diesel.“ Professor Dr. Ulrich Sick, Vizepräsident der IHK Nord Westfalen

Besitzer von manipulierten Dieselfahrzeugen haben in großer Zahl gegen die Hersteller geklagt, wollen die Fahrzeuge zurückgeben und den Kaufpreis erstattet bekommen. Allein mit 1000 Verfahren befasst sich die Kanzlei der aus Herten stammende Rechtsanwältin Ursula Gunkel. Die Bielefelder Kanzlei Gunkel, Kunzenbacher & Partner vertritt auch eine ganze Reihe von Geschädigten aus der Emscher-Lippe-Region. Ihre Erfahrung: Die Autohersteller drängen in den Klageverfahren meist auf einen Vergleich und wollen verhindern, dass in der Recht­ sprechung Präzedenzfälle geschaffen werden, erläutert die Juristin. Sehr skeptisch sieht die Anwältin, wenn sich Geschädigte an Sammelklagen beteiligen wollen. Die Gefahr: Die Verfahren ziehen sich lange hin und die Entschädigung im erhofften Umfang bleibt aus. Zudem betont Ursula Gunkel, dass – trotz gegenteiliger Meldungen – noch längst nicht alle Ersatz­ ansprüche verjährt sind. www.gunkel-partner.eu

häusern und -werkstätten in der Region zusammenarbeitet, hat seine gesamte Pkw-Flotte im Buy-back-Verfahren gekauft sowie die Transporter- und Lkw-Flotte mit ca. 20 Fahrzeugen geleast. „Dadurch, dass die Raten für Dieselmodelle in den vergangenen Jahren ganz erheblich gestiegen sind, haben wir mit deutlich höheren Kosten zu kämpfen“, sagt die Firmenchefin. Bei den Pkw hat das Unternehmen aufgrund mangelnder Einkaufs- und Verkaufsmöglichkeiten den Anteil der Dieselfahrzeuge auf ein Zehntel reduziert, früher lag die Quote mindestens bei zwei Drittel. Allerdings ist die Nachfrage gerade unter Geschäftskunden nach wie vor sehr hoch. Sie legen mit den Mietwagen lange Strecken zurück – und Diesel ist an der Tankstelle nun mal preiswerter als Benzin. Theodor Körner

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Rad fahren – nicht nur Freizeitspaß Das Revier ist eine beliebte Radreiseregion. In das Freizeitnetz wurde schon viel investiert. Jetzt rücken auch Pendler in den Fokus: Der RVR entwickelt mit allen Kommunen ein regionales Radwegenetz, das alltagstauglich ist.

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Foto: Jochen Tack

adtouristik ist zunehmend ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Revier. Der Regionalverband Ruhr (RVR) und die Ruhr Tourismus GmbH (RTG) wollen den Sektor weiter ausbauen und haben unter der Marke „radrevier.ruhr“ 15 neue Radrouten ausgearbeitet. Die perfekte Einstiegstour, um das Ruhrgebiet schnell mit dem Rad kennenzulernen, führt praktisch einmal um Gelsenkirchen: An dem 29 km langen „Probierstück“ liegen Industriedenkmäler, Halden, Kanaluferwege, nette Arbeitersiedlungen und das UNESCO-Welterbe Zollverein. Was allerdings auffällt: In der nördlichen Emscher-Lippe-Region gibt es nur wenige Touristik-Touren. Das liegt daran, dass die Qualität der Radwege vielerorts noch besser werden muss: breitere Wege oder eigene Fahrspur, asphaltiert und ohne Schlaglöcher, möglichst kreuzungs- und abgasfrei, sicher und mit guter Anbindung an den ÖPNV. 1.800 KM RADNETZ FÜR PENDLER In das Freizeitnetz wurde schon viel investiert. Der Regionalverband Ruhr baut ehemalige

Bahntrassen, darunter die Erzbahntrasse, die König-Ludwig-Trasse, die Allee des Wandels oder die Hugotrasse in Gelsenkirchen, Bottrop und im Kreis Recklinghausen aus. Jetzt rücken auch Alltagsradler in den Fokus der Entscheider. Der RVR hat den Bedarf für ein regionales Radwegenetz ermittelt und zusammen mit allen 53 Kommunen und vier Kreisen der Metropole Ruhr ein Konzept ausgearbeitet. Das Netz würde 1.900 km lang und sich in drei Stufen gliedern: In Radschnellverbindungen (quasi Rad-Autobahnen mit 360 km Gesamtlänge), Radhauptverbindungen mit rund 760 km und Radverbindungen (840 km). Die Wege unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Breite und einen separaten Gehweg, der bei Radschnellwegen Grund­voraussetzung ist. Derzeit berät die Politik noch. INTELLIGENTE ÖPNV-VERKNÜPFUNG Insider sprechen von einem Bewusstseinswandel: Der Autoverkehr soll nicht mehr automatisch Vorfahrt haben! Alltagsradler und Pendler sollen unterstützt werden. „Durch attraktive, städteübergreifende Rad-

wege und deren intelligente Verknüpfung mit dem ÖPNV wollen wir zusätzliche, emissionsarme Mobilitätsangebote schaffen“, erklärt RVR-Beigeordneter Martin Tönnes. Der bislang in Abschnitten ausgebaute Radschnellweg Ruhr (RS 1) zeige schon heute, dass ein solches Angebot im Alltagsverkehr intensiv genutzt werde. Das geplante regionale Radwegenetz soll dazu beitragen, dass das Rad ein vollwertiges Verkehrsmittel im Alltagsverkehr wird. Auch der neue Radschnellweg Mittleres Ruhrgebiet von Essen über Bottrop nach Gladbeck soll nach längerer Diskussion realisiert werden. Darauf haben sich das NRW-Verkehrsministerium, die Städte Gladbeck, Bottrop und Essen sowie der RVR und die Bezirksregierung Münster Anfang des Jahres verständigt. Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Innenstädte von Essen, Bottrop und Gladbeck über einen Radschnellweg Mittleres Ruhrgebiet miteinander verbunden werden sollen. FAHRRADFREUNDLICHERE CITYS Außerhalb der Städte ist das Angebot für Radfahrer oft schon ganz ordentlich. Auch

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einige Einzelmaßnahmen umgesetzt. Zum Beispiel wurden neue Radfahrstreifen markiert, beim Straßenumbau Radverkehrsanlagen berücksichtigt, es gibt mehr Tempo 30-Zonen abseits der Hauptverkehrsstraßen, es wurden Einbahnstraßen in Gegenrichtung freige­ geben und Fahrradstraßen eingerichtet. Die bessere Anbindung an den ÖPNV, der Ausbau des Bike-Sharings (Leihfahrräder) und abschließbare Fahrradboxen sind konkrete Ziele an denen Städte und Kommunen aktuell arbeiten. Der Dieselskandal und die Diskussion um mögliche Fahrverbote haben auch ihre positiven Seiten: Das emissionsfreie Radfahren wird als ernstzunehmendes Verkehrsmittel wahrgenommen. Urbane Mobilität könnte zukünftig auch in unserer Region einen hohen Anteil an Radfahrern bedeuten. E-Bikes mit ihren größeren Reichweiten sind für viele ein Anreiz zum Umstieg aufs Rad und verstärken den Trend zum Radfahren.  Claudia Schneider

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mmer mehr Unternehmen bieten Leasing-Diensträder, von denen alle Mitarbeiter profitieren können. „Wir wollten unser betriebliches Gesundheitsmanagement nachhaltig stärken und haben 2017 das Rad-Leasing eingeführt“, sagt Gerd Cöster, Geschäftsführer des Arbeitsschutzspezialisten Schloemer in Recklinghausen. Am Anfang herrschte Skepsis, ob der bürokratische Aufwand nicht zu hoch sei, „aber das klappte alles sehr gut“. Die Firma Schloemer arbeitet mit dem Marktführer JobRad zusammen. Das Freiburger Unternehmen sorgte auch dafür, dass der Recklinghäuser Fachhändler „Edelhelfer“ einen Demo-Tag mit einer großen Radauswahl auf dem Schloemer-Firmen­ gelände veranstaltete. Das Dienstrad-Leasing funktioniert so: Arbeit­ nehmer suchen sich ein Fahrrad oder E-Bike nach ihren Wünschen aus – der Arbeitgeber least das Rad und überlässt es dem Mitarbeiter zur freien Nutzung. Der Arbeitgeber kann den Mitarbeiter per Gehalts­ umwandlung an den Kosten beteiligen. In diesem Fall entsteht dem Mitarbeiter ein geldwerter Vorteil, den er neuerdings mit 0,5 % des Brutto-Listenpreises versteuern muss (vorher waren es 1 %). ALTERNATIVE ZUR GEHALTSERHÖHUNG Wenn der Arbeitgeber die Kosten voll übernimmt, ist das Dienstrad für den Mitarbeiter sogar steuerfrei. Das hat der Bundestag mit dem Jahressteuergesetz 2019 zur Förderung betrieblicher Mobilität beschlossen. „Viele Arbeitgeber wissen noch nicht, dass sie ihren Mit­ arbeitern ab sofort alternativ zu einer Gehaltserhöhung ein steuerfreies Dienstrad ermöglichen können“, sagt Lisa-Maria Barra von der JobRad GmbH. Auf der Website des Unternehmens werden die verschiedenen Dienstradmodelle erläutert und es gibt einen Leasing-Raten-Rechner. Ich finde es gut, dass das Rad-Leasing nicht nur für Spitzenverdiener interessant ist“, sagt Unternehmer Gerd Cöster. So könnten sich auch untere Einkommensklassen ein teureres Rad wie ein E-Bike leisten. 28 der 180 Schloemer-Beschäftigen nutzen heute ein JobRad. „Jetzt müssen wir nur noch mehr Radständer nachrüsten“, so Gerd Cöster, CLS der sich über die gute Resonanz freut.  www.jobrad.org UMBAU21 | Aktuelle Infos unter: www.emscher-lippe.de

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Die neue Schnellbus­ linie SB 49 verkürzt die Fahrzeit von Recklinghausen nach Gelsen­ kirchen-Buer auf der Strecke der Linie 249 um 8 Minuten.

Systemwechsel im Nahverkehr Besseres Angebot soll mehr Kunden anlocken

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s bewegt sich etwas im ÖPNV: Die beiden regionalen Verkehrsbetriebe Bogestra und Vestische setzen auf ein verbessertes Angebot und mehr Service. Beide Nahverkehrsbetriebe investieren in moderne, abgasarme Busse, forcieren die Digitalisierung und was die Kunden wohl am meisten interessiert: Es wurden neue Linien eingerichtet und die Taktzeiten verkürzt. „Ziel des neuen Nahverkehrsplans ist, das Angebotsniveau der Vestischen zu erhalten und nach Möglichkeit zu verbessern“, erklärt Landrat Cay Süberkrüb, Aufsichtsratsvor­ sitzender der Vestischen Straßenbahnen GmbH. Ein attraktives und leistungsfähiges

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ÖPNV-Angebot sei entscheidend für die Attraktivität einer Region. Seit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Sommer wurde die Leistung im Kreis Recklinghausen zum ersten Mal seit Jahren wieder ausgeweitet – und zwar um 200.000 Bus­ kilometer pro Jahr. So gibt es u. a. eine neue Schnellbus-Verbindung von Recklinghausen über Herten nach Gelsenkirchen-Buer (SB 49), bessere Verbindungen zwischen Waltrop und dem Bahnhof Dortmund-Mengede sowie einen neuen Schnellbus (S 91) von Münster über Olfen nach Datteln (Endstation Kinderklinik). Auch innerstädtisch wurde das Liniennetz

ausgebaut. Mit dieser „vorsichtigen Angebotssteigerung“ hofft man bei der Vestischen, den heftigen Fahrgastschwund zu stoppen. Vor allem sinkende Schülerzahlen sorgen für einen Abwärtstrend. Das Azubiticket könnte für neue Fahrgäste sorgen (siehe separaten Text S. 27). Um die Zielgruppe Senioren bemühen sich Nahverkehrsbetriebe ebenfalls. Mobilitätstrainings, die das sichere Fahren mit dem ÖPNV einüben, sind schon länger Standard. Die Aktion „Tausch Führerschein gegen ein Abo“ wird in einigen Kommunen des Kreises erprobt. In Gladbeck haben im letzten Jahr 147 Senioren ihre Führerscheine zurückgegeben und fahren jetzt Bus. UMBAU21 | Ausgabe 10 2019


5-MINUTEN-TAKT DER LINIE 302 Test bestanden und für gut befunden: Bis auf Weiteres fährt die Straßenbahnlinie 302 der Bogestra zwischen Gelsenkirchen Hbf und Buer Rathaus während des Berufsverkehrs im 5-Minuten-Takt. In der Testphase letzten Sommer wurden 16 Prozent mehr Fahrgäste in der Linie gezählt. Die Kundenbefragungen klingen auch gut: „Unsere Kunden sind vom 5-Minuten-Takt begeistert. Sie schätzen die Qualitätssteigerung durch den dichteren Takt, das verbesserte Platzangebot und die besseren Anschlüsse für Umsteiger sehr“, sagt Andreas Kerber, Finanzvorstand der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen Aktiengesellschaft. Die Linie 302 ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung. Ziel von Stadt und Bogestra ist es, mehr Berufspendler anzusprechen, damit diese die P+R-Parkplätze an den Haltestellen Veltins-Arena und Berger See nutzen und mit der Linie 302 in die Stadt fahren. Aber auch die Anwohner und Firmen entlang der Strecke profitieren von der Taktverdichtung auf fünf Minuten.

28,3 KM LANG IST DIE LÄNGSTE STRASSENBAHNLINIE DES RUHRGEBIETS. DIE LINIE 302 FÄHRT ZWISCHEN GELSENKIRCHENBUER UND BOCHUMLANGENDREER.

DIE MUTTI-APP HILFT In der Linie 302 kann man schon seit Ende 2018 kostenlos im Internet surfen. Bis Ende 2019 sollen alle Busse und Bahnen der Bogestra mit kostenlosem WLAN ausgestattet sein. Das soll nicht nur Jugendliche an den ÖPNV binden, sondern passt zur Digitalisierungsstrategie. Fahrplanauskunft, Routenplanung, Ticketkauf – das klappt mit der „Mutti-App“. Sie soll allen Kunden, ob Jung oder Alt, die ÖPNV-Nutzung so leicht wie möglich machen. Rund 100.000 Abonnenten zählt die Bogestra aktuell in ihrem Gebiet

zwischen Bochum, Gelsenkirchen und Witten. Die Nutzerzahlen steigen nach Auskunft des Unternehmens stetig und in allen Altersgruppen. Auch andere Verkehrsunternehmen bauen ihren digitalen Service aus und die Nahverkehrsszene arbeitet an einer bundesweiten Mobilitätsplattform. Claudia Schneider

www.bogestra.de www.vestische.de

NRW-AZUBI-TICKET ERHÖHT MOBILITÄT Die NRW-Landesregierung führt zum Ausbildungsjahr 2019 ein Azubi-Ticket für Busse und Bahnen in ganz Nordrhein-Westfalen ein. Azubis, Meisterschüler und Absolventen eines sozialen Jahres können ab August in allen Verkehrsverbünden zu vergleichbaren Konditionen (62 €) ein attraktives Monatsticket erwerben. Mit einem Aufschlag von monatlich 20 Euro gilt das Ticket in ganz NRW. „Gerade für die Unternehmen im Münsterland, die häufig nicht alle Ausbildungsplätze besetzen können, ist es wichtig, dass das Azubi-Ticket in ganz NRW genutzt werden kann“, sagt Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen. Arbeitgeber, die sich für eine Bezuschussung des Azubi-Tickets entscheiden, können das Ticket als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen. Teilen sich Arbeitgeber und Auszubildende die Kosten je zur Hälfte, reduziert sich der Kostenanteil für Auszubildende auf maximal 41 Euro im Monat. Für ein verbundweites Ticket müssten Auszubildende bei einer Kostenteilung mit dem Arbeitgeber nicht mehr als 31 Euro im Monat zahlen.

UMBAU21 | Aktuelle Infos unter: www.emscher-lippe.de

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Das Auto teilen – funktioniert das? Carsharing ist eine gute Alternative zum eigenen Auto; wer viel mit Bus und Bahn unterwegs ist und nur manchmal ein Auto benötigt, für den ist es ideal und in der Regel auch günstiger als ein eigener Pkw. Doch wie ist das Angebot in der Emscher-Lippe-Region? Welche Anbieter gibt es? Wie funktioniert und was kostet es?

G

rundsätzlich lässt sich Carsharing mit privaten Fahrzeugen und solches über Anbieter mit eigenen Flotten unterscheiden. In der ersten Kategorie ist die Zahl verfügbarer Fahrzeuge in der EmscherLippe-Region höher. Über den Anbieter Drivy finden sich etwa in Gelsenkirchen und Recklinghausen je eine gute Hand voll Pkw vom Ford Fiesta bis Chrysler. Drivy oder Snappcar fungieren als Vermittlungsplattform und versichern die Fahrzeuge auch. Im Falle eines Schadens zahlen Nutzer ggf. eine Selbstbeteiligung, die durch eine Gebühr

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bei der Buchung auf null reduziert werden kann. Monatliche Kosten fallen nicht an. Nachteil bei dieser Form des Carsharings ist allerdings eine gewisse Unsicherheit. Selbst wenn ein Fahrzeug über die „Sofortbuchung“ direkt reservierbar ist, kann die Buchung etwa bei Drivy bis 48 Stunden vor Fahrtantritt ohne Weiteres von beiden Seiten storniert werden. Auch danach ist eine Stornierung noch möglich, allerdings können Vermieter wie Mieter sich gegenseitig bewerten. Und wer wiederholt kurzfristig absagt, kann sogar von der Plattform ausgeschlossen werden. Bei Snappcar sind Stornierungskosten fällig. Verbindlicher ist es mit Anbietern, die über eigene Carsharing-Flotten verfügen. In der Emscher-Lippe-Region sind das ausschließ-

UMBAU21 | Ausgabe 10 2019


Anbieter www.drive-carsharing.com

Stationen GE: am AKAFÖ-Wohnheim Wodanstraße in Erle und am Wissenschaftspark im Zentrum

Zeitpreis* ab 6,00 €/h

Kilometerpreis* ab 18 Ct/km

www.flinkster.de

GE: am AKAFÖ-Wohnheim Wodanstraße in Erle und am Wissenschaftspark im Zentrum

ab 6,00 €/h

ab 18 Ct/km

www.greenwheels.com

RE: am Hbf, am Kreishaus, bei ATU am Dordrechtring, am Stadthaus und am Westring

ab 2,49 €/h

ab 30 Ct/km

www.ruhrautoe.de

GE: am AKAFÖ-Wohnheim Wodanstraße in Erle und am Wissenschaftspark im Zentrum

ab 4,90 €/h

ab 10 Ct/km

www.teilauto.net

GE: am AKAFÖ-Wohnheim Wodanstraße in Erle und am Wissenschaftspark im Zentrum

4,20 €/h

28 Ct/km

www.drivy.de

diverse an privaten Wohnorten

ab 20,00 €/Tag

Benzinkosten + ab dem 200. km/Tag 10–18 Ct/km

www.snappcar.de

diverse an privaten Wohnorten

ab 20,00 €/Tag

Benzinkosten + Pauschale (ca. 15 Ct/km); aber min. 100 km/Tag frei

*Preise gelten für die in der Emscher-Lippe-Region angebotenen Fahrzeuge und für Tarife ohne monatliche Grundgebühr.

lich Unternehmen mit festen Stationen, von denen die Nutzer das Fahrzeug abholen und wieder zurückbringen müssen (im Gegensatz zum sogenannten Free-Floating-Modell, wo Nutzer innerhalb eines bestimmten Gebietes Fahrzeuge per Smartphone-App orten und sie nach Gebrauch an beliebiger Stelle im Gebiet wieder abstellen können). WIE FUNKTIONIERT UND WAS KOSTET ES? Das Prinzip ist bei allen Anbietern ähnlich: Man meldet sich einmalig an; in der Regel ist eine Anmeldegebühr fällig, meist knapp 30 Euro. Bei der reinen Onlineanmeldung AuBot Anzeige 3-2019 195x75 2019 2.pdf

ist zudem eine Identifizierung z. B. über ein Videochat-Verfahren nötig. Über den Internetbrowser oder eine spezielle Smartphone-App sucht man sich dann ein passendes Fahrzeug und bucht dieses. Mit Kundenkarte, Monatsfahrkarte oder Smartphone sowie PIN lässt sich das Auto öffnen und am Ende der Fahrt wieder schließen. Monatliche Kosten fallen nicht zwingend an. Oft lohnt sich aber ein Tarif mit monatlicher Grundgebühr (meist rund 10 Euro in der ersten Kategorie) und dafür geringeren Kosten für einzelne Fahrten. Die setzen sich aus einem Stunden- und Kilometerpreis zusammen (siehe Tabelle). In der Regel gibt es übrigens auch spezielle Tarife für gewerbliche Kunden.

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28.03.2019

11:32 Uhr

Und noch ein Tipp: Zwar verringern sich die Stunden- und Kilometerpreise bei längeren Buchungen bzw. weiteren Strecken, es kann sich aber dennoch lohnen, etwa für den Urlaub auf einen klassischen Mietwagen (z.  B. ohne Kilometerbegrenzung) zurück­ zugreifen. Fazit: Carsharing an Emscher und Lippe ist noch ausbaufähig. Eine echte Alternative zum eigenen Auto ist es hier nur für die, die in der Nähe der wenigen festen Stationen in Recklinghausen und Gelsenkirchen wohnen oder eine verlässliche Privatperson für das Teilen des Autos finden. Jörn-Jakob Surkemper

Ausbildungsbotschafter sichern Fachkräfte

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Senden Sie Ihre Auszubildenden als Botschafter für betriebliche Ausbildung in die Schulen.

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Nord Westfalen

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WO H N EN

Neue Reihenhäuser auf altem Kirchengelände

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uf dem brachliegenden Gelände deutet nichts mehr darauf hin, dass hier rund sechs Jahrzehnte lang Menschen ihren Glauben gelebt haben: Bereits 2015 wurde die ehemalige St.-Hedwig-Kirche in Gelsenkirchen-Resse abgerissen. Allein der Name des Wohnparks „Alte Kirche St. Hedwig“ erinnert daran, dass hier einst ein Gotteshaus stand. Auf dem 6.400 m2 großen Areal im Dreieck von Lange Straße, Ute- und Giselaweg baut die Deutsche Reihenhaus AG 21 Einfamilienhäuser. Die zweigeschossigen Reihenhäuser sollen Ende 2020 fertiggestellt sein; die Bauarbeiten sollen Mitte dieses Jahres starten. Die Deutsche Reihenhaus AG investiert in ihr fünftes Projekt in der Stadt Gelsenkirchen 6,1 Millionen Euro.

Urbanes Wohnen mit Wahrzeichen

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Foto: Deutsche Reihenhaus AG, Stadt Gladbeck

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inzig der Rote Turm, erbaut im Jahr 1908, erinnert noch daran, dass dieses Wohngebiet einst ein Industriegelände war: Als Wahrzeichen ist der denkmalgeschützte Wasserturm an der Grabenstraße in Gladbeck noch erhalten. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal hat die Volksbank Immobilien Rhein-Ruhr GmbH mit dem Mit­ gesellschafter, die GWP „Roter Turm“ GmbH, 20 Eigentumswohnungen und vier Doppelhaushälften in direkter Nachbarschaft zum historischen Turm gebaut. Die historischen Villen, die das Entree des Wohnquartiers bilden, sowie der Rote Turm an sich werden nach den Richtlinien des Denkmalschutzes saniert, teilt die Volksbank Ruhr Mitte mit. Im hinteren Teil des Grundstücks ist ein Wohngebäude mit Seniorenappartements und seniorengerechten Wohngruppen. Das neue Wohnquartier rund um den historischen Wasserturm war einst ein Schlachthofgelände.


WO H N EN

Aufwertung des Wohnquartiers

Foto: Christian Kuck

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Rolf Schettler (rechts) und Magnus Kirsch bei der Errichtung des neuen Gebäudekomplexes in Herten.

Jede Stadt wünscht sich einen großen Park. Marl hat einen der größten.

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it 7,5 Millionen Euro Invest vom verlassenen Grundstück zum gepflegten Wohnquartier: An der Feldstraße in Herten haben die Projektentwickler und Bauherren, die Schettler Immobilien-Gruppe und SDK Kirsch, auf zwei Arealen von 10.000 Quadratmetern und 6.500 Quadratmetern Größe zwei Domizile für Senioren gebaut. Die beiden Gebäude sind miteinander verbunden: Das neue Gebäude an der Feldstraße besteht aus 22 eigenständigen, barrierefreien Zwei- bzw. Drei-ZimmerWohnungen. Küche und Bad sind integriert. Die Woh­ nungen eignen sich besonders für Senioren, die sich eigenständig versorgen. Die offizielle Schlüsselübergabe zur Wohnstätte ist am 15. April. Auch das nebengelegene Wohn- und Pflegezentrum „Backumer Tal“ von SDK Kirsch mit 80 stationären Pflege­ plätzen ist bezugsfertig. Die Wohnungen von 52 und 78 Quadratmetern ermöglichen den Bewohnern ein selbstbestimmtes Leben.

Mit weit über 80 Jahren noch mitten im Berufsleben: Im nördlichen Ruhrgebiet steht mit dem Chemiepark Marl nicht nur der weltweit größte Evonik-Standort, sondern auch einer der größten deutschen Chemieparks. Er bietet auf seinen sechs Quadratkilometern nicht weniger als 13 Firmen und rund 10.000 Fachkräften Platz, die täglich Großes leisten. www.evonik.com

29.03.2019 16:01:55

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F L ÄC H EN

DOPPELKOPF

Hier wird Tacheles gesprochen: Je zwei Köpfe der Region sagen in UMBAU21 offen ihre Meinung. Ungefiltert. Deutlich.

Illustrationen: Jens Valtwies

s, emengelage von Stau G r de ts ch si ge an Wie lässt sich ziten im öffentlichen efi D d un n lle te us Autobahnba rskollaps abwenden? eh rk Ve de en oh dr r Verkehr de ht immer Der Verkehrskollaps dro lich sind tür Na . ten und wird nie eintre pünktun in ge En die d der Stau un tzdem Tro lichen Zügen ärgerlich. mehr r Jah es treffen jed ung, eid ch s t­ En die Menschen ich htl sic fen Of . eln nd pe weiter zu ät. alit qu reicht uns die Verkehrs rtWi die g. für -In Pro f. Dr. Das Gleiche gilt u Sta r de u, tet Ra lzkos Ho Chris tian schaft. Natürlich es nt loh ler em aft tzd ch ns Tro ld. sse wi Ge Zeit und Ve rke hrs dukte un d Fachge bietsl eit er sich, Rohstoffe oder Pro ieren d ort un nsp rtm tra an de r TU Do immer weiter zu zum u ren -ra tou olz Re n.h e tia los chris oder kosten en. ch ma zu ell od sm @tu-d ortmund .de äft Gesch d sin e äss ung immer neuer Engp it. Wichtiger als die Beseitig he rei ref rrie und Ba Klimaschutz, Sicherheit

Lippe -Region Wir haben in der Emscher- npersonen ­ ne einige Planungen im Schie rbesserung Ve zur die ), NV (SP hr nahverke n. Ende he ste an der Verkehrsstruktur ise we iels isp be des Jahres wird klicht, die Hertener Bahn ver wir d un op ttr Bo n he isc die zw Recklinghausen fährt. Die 22 volle Nutzung wird erst 20 die t ers nn da da n, möglich sei Lothar Eb be rs tte wie hri nsc he Ruhr isc Zw en dig notwen Sp rec he r PR O BAHN sind. Auch lt de tel hr. ges -ru tig hn fer ba ige pro ste rs@ hn Ba eb be gen un ind erb ktv ire andere SPNV-D rkehrs ­ sind angedacht, um die Ve ren beziehungen in die größe iets Metropolen des Ruhrgeb zu verbessern.

rderlichsten und wo fo er am en on iti st Wo sind Inve denken erfolgen? m U n ei ls al nf ne be muss gege eine

ie der Radrpolitik Bus und Bahn sow ch AutoWenn in der Infrastruktu s au lle spielen, dann nutzt da im ÖPNV verkehr eine größere Ro st rga Fah er jed d un rin hre hrspolitik fahrern. Denn jede Radfa rke Ve zur en. Dabei gehört rsamere steht nicht im Stau vor ihn spa r ktu tru ras hr als die Inf r über We und Verkehrsplanung me . utz triebe für den Klimasch in der lte Fahrzeuge und neue An sol t, sierten Fahrens sprich Rad­ d die Zukunft des automati un ßFu s de die Sicherheit tskei dig Gegenwart Sensoren für win sch Ge von die Einhaltung d Un n. verkehrs einbauen und elle rst Fahrzeugsteuerung siche ger hti wic begrenzungen durch die ist ng Dauer: Instandhaltu für die Infrastruktur gilt auf er Jahrzehnte die Straßen stärker üb wir ÖPNV, als Neu- und Ausbau. Da rkehrsanlagen oder den dve Ra die als en als ieb ausgebaut haben unkte noch stärker versch müssen wir die Schwerp dies aktuell geschieht.

verbesserte SPNVndel macht Gerade der Struktur wa Arbeitsplatzrte Bergbaustando an die en her frü r de ung nd rbi Ve en auf den den neuen Arbeitsplätz Zentren notwendig. Zu ter nehmen Un chen in innovativen ehemaligen Bergbau flä bei ist der Da . ler bindungen für Pend rbesserbraucht es ebenfalls An Ve e: aß str hn ba ken keine Ein Ausbau von Pendlerstrec stellen auch nahverkehr-Verbindungen te Schienenpersonen­ von Gewerbe dar. eine Standortanbindung

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so autoischtere und nicht mehr iedene Wir werden eine viel gem sch ver für ben. Wir werden bilität Mo orientierte Mobilität ha e lich ied sch ter Räumen un ftig kün d Zwecke in verschiedenen wir spielt eine große Rolle. Es e sam ein nutzen. Die Kombination gem und gemischte sowie ­ no Mo verschiedene Formen ne kei d un geboten geben san tät bili Mo von er ng tzt Nutzu l verne ssen wir jet zt schon vie formen mehr. Dafür mü denken.


ÜBER TAGE MIT EMSCHA & LIPPI Dieses Mal: Trommelwirbel für die freie Fahrt mit der Kabeltrommel.

Der Zeichner: Michael Holtschulte aus Herten ist als Cartoonist u.a. für Süddeutsche Zeitung, taz, stern, Titanic, YPS tätig. 2014 erhielt er den „Deutschen Karikaturenpreis“. Auf dem Hof Wessels in Herten startete er die Reihe „Cartoons im Pott“.

WIR BAUEN DAS GLASFASERNETZ * UNSERER REGION!

* In ausgewählten Ausbaugebieten verfügbar.

www.gelsen-net.de


PRODUK TE

Aus der Region – für die Nation ELEKTRISCH & GÜNSTIG

Statt des gewohnten Ampelmännchens er­innern in GLADBECK künftig fünf Bergmann-Ampeln an die Bergbautradition der Stadt und des Ruhrgebiets: Die ersten grünen und roten Bergmännchen leuchten seit Ende Februar an der Kreuzung Sandstraße / Bernskamp. Hier saß früher die Berg­ inspektion, heute befindet sich hier die Musikschule. Vier weitere Kumpel-Ampeln folgen an den ehemaligen Zechenstandorten Zweckel, Graf Moltke 1/2, Graf Moltke 3/4, Matthias-Stinnes 3/4 sowie an der Zechen- und Hafenbahn. Für die Um­ rüstung der Ampeln fallen jeweils rund 550 Euro an – die Stadt macht ihren Bürgern damit ein Geschenk zum 100-jährigen Stadtjubiläum.

Sieht aus wie ein Osterei, ist aber das weltweit billigste Elektroauto: Bereits vor drei Jahren hat eine Studentengruppe der Westfälischen Hochschule in RECKLINGHAUSEN bewiesen, dass man auf Basis des indischen Klein­ wagens Tata Nano ein Elektrofahrzeug bauen kann, das extrem günstig ist. „Würde ein solches Auto in Serie gehen, würde es weniger als 5.000 Euro kosten“, sagt Prof. Dr. Guido Mihatsch, der das Projektteam betreut hat. Noch ist das grüne Ei ein Testauto – und Versuchsträger für die nächste Innovation: die zukunftsweisende Redox-Flussbatterie.

FRÖHLICHES LESEN Seit drei Jahren erscheint unser Magazin UMBAU21. Anlass für uns, einmal Danke zu sagen für die vielen netten, aber auch kritischen Rückmeldungen – und das positive Urteil unserer Leserinnen und Leser per Fragebogen: 36 Prozent aller Einsender finden das Magazin „gut“, weitere 32 Prozent sogar „sehr gut“! Wir freuen uns auf weitere Ausgaben. Vielleicht haben Sie während der Oster­ ferien etwas Muße für unser Magazin. Fröhliche Ostern und fröhliches Lesen!

IMPRESSUM UMBAU21 – Innovationen für die Emscher-Lippe-Region Ausgabe 10-2019 UMBAU21 erscheint viermal jährlich. Einzelpreis: 2,80 Euro / Ausgabe Abonnement des Magazins UMBAU21 12,00 Euro / Jahresabo inkl. Versand Abonnement-Verwaltung: RDN Verlags GmbH, Anton-Bauer-Weg 6, 45657 Recklinghausen Herausgeber: WiN Emscher-Lippe GmbH Herner Straße 10, 45699 Herten V.i.S.d.P.: Joachim Beyer, Bernd Groß Verlag: RDN Verlags GmbH, Recklinghausen Chefredakteur: Stefan Prott

Redaktion: Jonas Alder, Jennifer von Glahn, Sandrine Neunert, Claudia Schneider, Jörn-Jakob Surkemper, Theo Körner Fotos: Markus Mucha, Marco Stepniak, Udo Geißler, Reiner Kruse, Hans Blossey, André Chrost, Christian Kuck Layout: Jens Valtwies Satz & Lithographie: RDN Agentur, Jens Valtwies Anzeigen: Birgit Ridderskamp, Kati Mahlinger, Gregor Stommel Druck: news-media Druck und Werbung e.K., Marl Auflage: 22.000 Stk.

Foto: WH/BL, NeilyImagery-iStock, Montage: Jens Valtwies

BERGMÄNNCHEN LEUCHTET


AU S B L I C K

Viele Köpfe – ein Ziel: UMBAU21 Ihre Ansprechpartner in der Region Kreis Recklinghausen PETER HAUMANN 02361 534038 peter.haumann@kreis-re.de

Haltern am See MARIA LICHTER 02364 933272 wirtschaftsfoerderung@haltern.de

Bottrop SABINE WISSMANN 02041 703804 sabine.wissmann@bottrop.de

Herten MICHAEL BLUME 02366 303614 m.blume@herten.de

Castrop-Rauxel THOMAS RATTE 02305 106-2314 thomas.ratte@castrop-rauxel.de

Marl DR. MANFRED GEHRKE 02365 992201 manfred.gehrke@marl.de

Datteln DR. PETRA BERGMANN 02363 107295 petra.bergmann@stadt-datteln.de

Oer-Erkenschwick ANKE HUSMANN 02368 691-368 anke.husmann@oer-erkenschwick.de

Dorsten JOSEF HADICK 02362 663451 hadick@win-dor.de

Recklinghausen AXEL TSCHERSICH 02361 501400 axel.tschersich@recklinghausen.de

Gelsenkirchen RAINER SCHIFFKOWSKI 0209 169-4726 rainer.schiffkowski@gelsenkirchen.de

Waltrop BURKHARD TIESSEN 02309 930-230 burkhard.tiessen@waltrop.de

Gladbeck PETER BRESSER-BARNEBECK 02043 99-2319 peter.bresser-barnebeck@ stadt-gladbeck.de

Wirtschaftsförderung Business Metropole Ruhr GmbH (BMR) ANDREA HÖBER 0201 632488-44 hoeber@business.metropoleruhr.de

Die Projekte der WiN Emscher-Lippe werden gefördert durch:

WiN Emscher-Lippe GmbH JOACHIM BEYER, BERND GROß 02366 1098-0 joachim.beyer@emscher-lippe.de bernd.gross@emscher-lippe.de IHK Nord Westfalen MARKUS LÜBBERING 0209 388-102 luebbering@ihk-nordwestfalen.de Handwerkskammer Münster RENA PAZIOREK 0521 5203-306 rena.paziorek@hwk-muenster.de DGB-Region Emscher-Lippe HANS HAMPEL 02361 10624-0 Hans.Hampel@dgb.de Bezirksregierung Münster FRANZ-JOSEF NEUMANN 0251 411-1692 franz-josef.neumann@brms.nrw.de

Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen


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