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 Junge Redaktion

1/2013 Die Stadtteilzeitung für Langenbochum und Paschenberg

Gestern und heute: Zwei Generationen auf Schlägel & Eisen Verfügungsfonds ermöglicht erste Projekte Schule feiert 100 Jahre Rosa Parks


IMPRESSUM

Herausgeber: Stadt Herten Kurt-Schumacher-Str. 2 45699 Herten Verlag: Spohr & Prott Verlag

VORWORT

03_von Peter Brautmeier

NACHBARN & FREUNDE 04_Perspektiven für Jugendliche 05_Ein Tag auf Hof Wessels

Anton-Bauer-Weg 6 45657 Recklinghausen Tel.: 02361 490491-10 Fax: 02361 490491-29 info@spohr-prott.de Kooperationspartner: Rosa-Parks-Schule, Gesamtschule der Stadt Herten www.rps-herten.de

SCHULE

06_Zukunftswerkstatt 07_Rosa-Parks-Tag 14_Skifreizeit

Verantwortliche Redaktion: Stefan Prott (V.i.S.d.P., Adresse s. Verlag), Gregor Spohr, Tatjana Hetfeld Pädagogische Leitung: Stefanie Brathun, Rosa-Parks-Schule, Projektleitung: Svenja Hövelmann, Martin Vöcks, Stadt Herten Mitarbeiter dieser Ausgabe: Marvin Arnreich, Ismail Atak, Danara Tobys, Karina Spohr, Julide Yildrim, Marie Wirth, Lisa Konczyk, Anise Altun, Ben Müscher, Nils Gottschling Satz & Lithografie: Typoliner Media GmbH, Recklinghausen

UNSER QUARTIER 08_Neuer Spielplatz an der Otto-Lenz-Straße 10_Auf Schlägel & Eisen 12_Verfügungsfonds: Erste Projekte wurden realisiert 13_Auf dem Pfad der Kreativität

Druck: Stadtdruckerei Herten Titelbild: Marvin Arnreich

UNSER GESICHT 14_Bernhard Stahl

Auflage: 7.000 Exemplare Kostenlose Verteilung in Herten-Langenbochum und Paschenberg. Die Junge Redaktion erscheint dreimal jährlich. Ausgabe 1/ 2013

Dieses Vorhaben wurde im Rahmen des EFRE-kofinanzierten operationellen Programms für das Ziel „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ 2007–2013 für NRW ausgewählt und wird im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ gefördert.

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vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Peter Brautmeier, Fachbereichsleiter Wirtschaft und Arbeit bei der Stadt Herten

Die JUNGE REDAKTION präsentiert sich in der ersten Ausgabe 2013 gewohnt vielfältig und mit Verstärkung – denn einige neue Redakteure sind seit Beginn des Jahres hinzugekommen. Sie berichten über spannende Themen rund um die Entwicklungen im Hertener ­Norden und stellen Ihnen die neuesten Projekte und wichtigsten Ereignisse in Langenbochum und Paschenberg vor. Einen besonderen Schwerpunkt nimmt in dieser Ausgabe der Umbau des ehemaligen Zechen­geländes Schlägel & Eisen ein – die JUNGE REDAKTION hat sich auf die Spuren des Bergbauzeitalters begeben und den ehemaligen Bergarbeiter Ali Aydogdus im Interview zu seiner früheren Arbeit auf der Zeche befragt. Spätestens im Sommer soll es mit den Umbauarbeiten auf Schlägel & Eisen so richtig losgehen – mehr als zwanzig Gebäude müssen abgerissen, das Erdreich metertief umgegraben und anschließend wieder verdichtet werden. Viel Arbeit liegt also vor der von der RAG Montan

Immobilien und der Stadt Herten getragenen Entwicklungs­ gesellschaft Schlägel & Eisen (EGSE), der Straßenbaufirma Heitkamp und den übrigen beteiligten Unternehmen, bis das Gewerbegebiet und der geplante Freizeit- und Stadtteilpark samt Radweg endlich errichtet und letztlich genutzt werden können. Vor allem die Entwässerung des Geländes stellt ein zeitraubendes und kosten­intensives Unterfangen dar – trotzdem soll bis Ende 2014 das Gröbste geschafft und der Umbau fertiggestellt sein. Im Augenblick mutet das Gebiet rund um das Zechengelänge an wie eine Geisterstadt – doch das war nicht immer so. Ali Aydogdus, ehemaliger Bergarbeiter auf Schlägel & Eisen und Großvater unseres jungen Redakteurs Sefa Cakir, erinnert sich noch gut an die Zeit, als im Herzen von Herten noch Kohle gefördert wurde. Dass das Gelände jetzt nicht als bloße Ruine verfällt, sondern als neues Gewerbegebiet, vor allem aber als Raum für die jüngere Generation genutzt werden soll, freut ihn sehr. Lesen Sie mehr im Bericht auf Seite 10. Mit freundlichen Grüßen

Peter Brautmeier

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Nachbarn & Freunde

Perspektiven für jugendliche Der Hof Wessels ist ein über 100 Jahre alter Bauernhof, der von der Hertener Bürger­ stiftung im Jahr 2000 für ein Jugendprojekt erworben und gemeinsam mit Jugendlichen bis 2003 neu aufgebaut worden ist. Jetzt fand zum 10. Geburtstag des „neuen“ Hofes am 27. April ein großes Frühlingsfest statt. Doch was passiert am Hof eigentlich genau?

Foto: Karina Spohr

Die Motivation für die Gründung der Stiftung und der gemeinnützigen GmbH Hof Wessels in Langenbochum war, der wachsenden Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen mit Ausbildungsproblemen durch verschiedene Ausbildungsprojekte entgegenzuwirken. In den vergangenen zehn Jahren sind hier rund 800 Jugendliche erfolgreich ausgebildet worden.

Welche Perspektiven & Projekte gibt es? Der Hof hat die Ausbildungseignung für insgesamt sechs Berufe – doch es gibt noch weitere Qualifizierungsoptionen. Die JUNGE REDAKTION hat die wichtigsten für Sie im Überblick zusammengestellt:

Angebote für Arbeitslose Der Hof Wessels bietet Arbeitslosen die Chance, ihre Stärken, Fähigkeiten und Sozialkompetenzen bei einem Praktikum am Hof weiterzuentwickeln.

Praktika Auch für Jugendliche aller Schulformen bietet der Hof Praktika an – egal, ob es sich um Tages-, Wochen-, Ferien-, Jahres- oder Sozialpraktika handelt.

Sozialstunden am Hof Straffällig gewordene Jugendliche können statt eines Gefängnisaufenthaltes auf dem Hof Wessels Sozialstunden leisten.

Erprobung für behinderte Jugendliche In Kooperation mit Förderschulen aus Herten und Marl sowie weiteren Partnern wird in speziellen vierwöchigen Praktika geprüft, ob Jugendliche mit Behinderung auch für den „normalen“ Ausbildungsoder Arbeitsmarkt geeignet sind.

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Kinder-Action am Hof Wessels Der Hof macht jährlich mehr als 5000 Kinder aus Kindergärten und Grundschulen in Sachen Natur fit. So kommt z.B eine feste Gruppe im Bauernhofkindergarten ein Jahr lang auf den Hof.


Nachbarn & Freunde

Ein Tag auf Hof Wessels Hof Wessels dient Kindern und Jugendlichen als Erfahrungs-, Lern-, Beschäftigungs- und Qualifizierungsort. Mit dem Bau­ erngasthof, dem Hofladen und der Hofbäckerei ist das Anwe­ sen zudem ein beliebter Treffpunkt. Lisa Konczyk und Marie Wirth von der JUNGEN REDAKTION sind einen Tag lang vor Ort gewesen und berichten von ihren Erfahrungen. Als wir ankamen, wussten wir zunächst nicht genau, wo wir hingehen sollten – also sind wir erst einmal komplett um den Hof herumgelaufen. Im hinteren Bereich saßen zwei Katzen, die sich bereits über ihr Fressen hermachten. Zum Glück trafen wir schon bald auf Karina Spohr, die uns als Begleiterin der JUNGEN REDAKTION den Hof Wessels genauer zeigen wollte. Bevor wir bei der Fütterung der vielen Tiere mithelfen durften, erklärte uns Karina erst einmal genau, worauf es dabei ankommt. Dann haben wir gemeinsam mit ihr Gemüse für die Tiere kleingeschnitten, was uns beiden sehr viel Spaß gemacht hat. Mit den Gemüsestückchen haben wir zuerst die

Kaninchen gefüttert. Danach hat Karina uns den Kräutergarten des Hof Wessels gezeigt. Leider konnte man viele Pflanzen wegen der dicken Schneedecke nicht gut erkennen – trotzdem hat man einen ersten Eindruck von dem Garten bekommen. Kurz darauf haben wir dann auch das Futter für die Ziegen vorbereitet. Als wir mit dem Gemüse in das Gehege kamen, haben sich direkt alle Ziegen auf uns gestürzt. Es scheint, als hätten Ziegen wirklich immer Hunger. Besonders niedlich waren für uns natürlich die kleinen Zicklein. Zum Schluss unseres Besuches zeigte uns Karina die Backstube und den Verkaufsraum des

Hofes und besuchte mit uns noch einmal kurz die Shetlandponys und die Schafe. Wir können nur sagen: Ein Tag auf Hof Wessels lohnt sich – es war richtig toll! WEITERE INFOS: Hof Wessels Tel.: 02366 887277 E-Mail: info@hofewssels.de Web: www.hofwessels.de TEXT und fotos: Marie Wirth, Lisa Konczyk

Auf Hof Wessels kann man Tiere füttern, frische Waren kaufen und Spannendes unternehmen.

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SCHULE

Was SOLL ICH werden? Diese Frage stellen sich viele Jugendliche. Aus diesem Grund organisierte die Rosa-ParksSchule im Februar erneut einen Informations- und „Mitmach-Tag“ für die berufliche Zukunft – die „Zukunftswerkstatt“. Bereits zum 13. Mal fand die Veranstaltung statt – diesmal unter Planung und Aufsicht von Mirko Fuhrmann und Marita Neumann, da Peter Hestermann nach der Ausrichtung von vielen erfolgreichen Veranstaltungen nun in Pension geht. Bei der Zukunftswerkstatt gab es für die Jugend­ lichen wieder viele interessante Informa­ tionen.

Fotos: Heinz-Jürgen Bourichter

An der Zukunftswerkstatt nahmen insgesamt 76 Betriebe, Firmen, Hochschulen und weitere Einrichtungen teil. Auf diese Weise konnten die Schülerinnen und Schüler einen breiten Einblick in gesundheitliche, kaufmännische und technische Berufe gewinnen. Besonders wichtig ist ein solches Angebot für einen erfolgreichen Start in die Berufswelt, da die Be­ ratung und Information für eine klare Vorstellung verschiedener Berufsfelder sorgt.

Alle halfen kräftig mit Doch leider waren in diesem Jahr nicht mehr ganz so viele Besucher vor Ort wie in der Vergangenheit. Dies lag zum einen

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daran, dass manche Schülerinnen und Schüler damit beschäftigt waren, von der Lehrerschaft übertra­gene Aufgaben zu erfüllen oder an den Ständen Kugelschreiber und andere Werbematerialien zu verteilen. Trotzdem hatten alle Schüler, die an der Zukunftswerkstatt aktiv teilnehmen konnten, die Gelegenheit, sich ein Stück weit auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten – und einen informativen Tag zu erleben. Einen besonders positiven Eindruck hinterließ auch das Forum der Rosa-Parks-Schule, das über mehrere Monate umgebaut wurde und jetzt endlich im neuen Glanz erstrahlt. TEXT: Julide Yildirim, Ismail Atak


SCHULE

Ein besonderer Rosa-Parks-Tag Zu Ehren der US-amerikanischen Bürger­ rechtlerin Rosa Parks wird an unserer Schule einmal im Jahr der Rosa-ParksAward für Zivilcourage und Engagement vergeben. Dieses Jahr erhielt unser Mit­ schüler Nico Lechtenböhmer diese Auszeich­ nung und zwar an einem besonderen Tag: dem 100. Geburtstag von Rosa Parks.

Die Veranstaltung hat dieses Jahr in der Mensa stattgefunden, weil das Forum renoviert wurde. Am Anfang hat Ludger Müller eine Ansprache gehalten. Der amerikanische Generalkonsul aus Düsseldorf hat unserer Schule die Ehre gegeben. Auch Dr. Uli Paetzel, unser Bürgermeister, war da. Es war musikalisch, künstlerisch, und sachlich. Den Rosa-Parks-Award bekam Nico Lechtenböhmer aus dem 13. Jahrgang für sein schulisches und außerschulisches Engagement – z. B. bei der Betreuung von Schülerprojekten.

Musik bewegt – das bewiesen unter anderem die Schülerinnen und Schüler der Musikprofilklasse.

TEXT und fotos: Marie Wirth, Lisa Konczyk

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unser quartier

Hier lässt es sich gut Spielen Endlich ein schöner Platz zum Spielen. Im März 2012 ist das Umbauprojekt des Spielplatzes an der Otto-Lenz-Straße an den Start gegangen. Die „Kinderfreunde Herten“ und das Stadtteilbüro Herten-Nord haben im Vorfeld nach Ihren Ideen und Vorschlägen gefragt. Die Planer der Stadt Herten haben viele dieser Vorschläge aufgegriffen und in die Neugestaltung eingearbeitet. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen und es ist ein neuer Spielplatz mit vielen Attraktionen entstanden. 8


UNSER QUARTIER

Warum war ein Umbau des Spielplatzes an der Otto-Lenz-Straße nötig?

FAKTEN

Der 1.700 qm große Spielplatz an der OttoLenz-Straße ist ein wichtiger Aufenthaltsbereich für Kinder rund um den Paschenberg. Leider war der Spielplatz in die Jahre gekommen und bot aufgrund fehlender oder zum Teil kaputter Spielgeräte nur wenig Anreiz zum Toben. Den Grundstein für die Arbeiten legten Bürger, Eltern und die Stadt Herten 2012 bei einem ersten Planungsgespräch. Die Umbaumaßnahmen sind Teil des Projektes Herten-Nord, das unter Einbe­ ziehung der Hertener Bürger unter anderem die Wohngebiete in Langenbochum und am Paschenberg attraktiver gestalten soll. Wie sieht der Spielplatz jetzt nach der Umgestaltung aus?

Rund 100.000 Euro an Fördermitteln im Rahmen des Projekts Herten-Nord sind aus dem Programm Soziale Stadt für den Umbau des Spielplatzes bewilligt worden – und damit wurde einiges getan. Nils Gottschling von JUNGE REDAKTION ist in Paschenberg vor Ort gewesen und hat nachgefragt, was eigentlich die Kinder von dem „neuen Quartierplatz“ an der OttoLenz-Straße halten.

Was denken die Kinder? Wir haben uns auf dem neuen Spielplatz umgesehen und Kinder gefragt, was sie über den zu diesem Zeitpunkt erst zum Teil fertiggestellten Spielplatz denken. Der achtjährige Finn sagte uns, er fände den Spielplatz gut, weil er neu sei und es Spaß mache, die Spiel­geräte zu benutzen. Am besten findet Finn das Trampolin. Weitere Attraktionen wie das Klettergerüst finden Finn und sein Freund Tim, die oft beide

gemeinsam auf dem Spielplatz sind, nicht ganz so toll. Was sich die beiden ganz besonders wünschen, sind viele Schaukeln – und die waren zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht an­ gebracht. Doch wenn wir die beiden jetzt befragen würden, bliebe sicher kein Wunsch mehr unerfüllt. Zahlreiche Spielgeräte bieten den Kindern reichlich Platz zum Toben. Die JUNGE REDAKTION findet daher: Der Umbau ist echt gelungen.

TEXT/FOTOS: Nils Gottschling

Die Arbeiten sind seit März abgeschlossen: Neue Spiel- und Klettergeräte sowie ein kleiner Bolzplatz sind entstanden und laden zum Verweilen ein. Finanziert wurde das Projekt im Rahmen des aus dem EFRE kofinanzierten Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ – insgesamt mit bisher 100.000 Euro. Wie soll es weitergehen?

Auch der am Spielplatz angrenzende Straßenraum soll umgestaltet werden, um den Bereich aufzuwerten und einen Quartiersplatz für den Paschenberg zu schaffen. Dazu sollen die Fahrbahnen rund um den Platz erneuert, die Parkflächen erweitert und die Verkehrsführung beruhigt werden. Im Rahmen dieser Umbaumaßnahmen wird auch die Fahrbahn zur Feldstraße saniert. Hierfür muss allerdings zunächst der dortige Baumbestand weichen, der später jedoch durch eine Neupflanzung ersetzt werden soll. Bald wird auch der Spiel- und Aufenthaltsbereich „Im Schieferfeld“ erneuert werden. Die Kinderfreunde der Stadt Herten hatten hierzu Ende August Jugendliche, Kinder, Eltern, Anwohner und Interessierte ein­ geladen, Ideen bei einem Planungstreffen zu sammeln und zu besprechen. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe von Junge Redak­tion.

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UNSER QUARTIER

Schlägel & Eisen – now and then Peter Brautmeier von der Stadt Herten (links) zeigt Sefa Cakir (Mitte) und seinem Großvater Ali Aydogdu (rechts), die Pläne für Schlägel & Eisen.

Um das Nahversorgungszentrum Kranzplatte zu stabilisieren, sollen auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage neue Flächen für kleine bis mittlere Betriebe sowie ein Stadtteilpark für Kinder und Jugendliche entstehen. Doch als wir auf dem Zechengelände an­ kommen, sieht es auf den ersten Blick ziemlich verlassen aus. Keine Spur von dem befürchteten Baulärm, der das Areal zwischen der Feldstraße, der Westerholter Straße und der Mühlenstraße bis Ende 2014 beherrschen soll. Doch der Schein trügt, denn viel hat sich hier bereits getan oder befindet sich gerade im Umbruch.

Die Arbeiten sind in vollem Gange In dem Gebäudekomplex der ehemaligen Verwaltung (im Bereich der Schachtanlage 3/4/7) ist seit ca. einem Jahr eine Schule für Altenpflege und Gesundheitsdienstleistung, DIE SCHULE, angesiedelt. Im Zuge der Neugestaltung des weiträumigen Zechengeländes laufen zurzeit die Arbeiten für den Abriss vieler Teile der Gebäude und für die Sanierung der Geländeoberfläche, von der der östliche Geländeteil im Bereich der Schachthalle (Schacht 7) besonders betroffen ist. Und noch etwas sticht uns direkt ins Auge – oder besser gesagt, fällt durch seine Abwesenheit auf:

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Herten war einst die größte Bergbau­ stadt Europas – jetzt ist sie von den Folgen des Strukturwandels stark be­ troffen. Vor allem die Stilllegung der drei Schachtanlagen in Langen­bochum hat zum Verlust vieler Arbeitsplätze beigetragen. Doch jetzt soll nach Ewald in Süd die Fläche Schlägel & Eisen neu genutzt werden. Die JUNGE REDAKTION war gemeinsam mit dem ehemaligen Bergarbeiter Ali Aydogdu und Peter Brautmeier, Fach­ bereichsleiter Wirtschaft und Arbeit bei der Stadt Herten, vor Ort. Die mehr als 20 Meter hohe Rundhalle ist mittlerweile vollständig abgerissen worden. Ali Aydogdus Blick schweift interessiert und auch ein wenig wehmütig über das Gelände – viele Jahre lang hat der Großvater von Sefa Cakir hier als Bergmann gearbeitet. Keine leichte Arbeit, aber eine, bei der man genügend Geld für die Familie verdienen konnte, und eine, die die Männer unter Tage zusammengeschweißt hat. Trotzdem freut er sich, dass das Gelände der Zeche rund um die Schachtanlage 3/4/7, die im Jahr 2000 endgültig stillgelegt wurde, jetzt von Grund auf erneuert wird – vor allem, weil der Stadtteilpark, der an der Feldstraße/Schlägel-und-Eisen-Straße entstehen soll, reichlich Platz für die jüngere Generation bietet. Und natürlich für seinen Enkel.


unser quartier

Was steckt hinter dem Umbau des Zechengeländes Schlägel & Eisen?

FAKTEN

Die ehemalige Schachtanlage Schlägel & Eisen in Herten-Langenbochum wird neu entwickelt: Die gemeinsam von der RAG Montan Immobilien und der Stadt Herten getragene Entwicklungsgesellschaft Schlägel & Eisen (EGSE) wird auf diesem 19 Hektar großen Gelände ein neues Gewerbegebiet mit Modellcharakter entstehen lassen, um die Fläche zu revitalisieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen. 2009 gab es bereits die Förder­ mittelbescheide – bis Ende 2015 muss das Projekt abgerechnet – d.h. bis spätestens Anfang 2015 müssen die Arbeiten ab­geschlossen sein. Was sind die nächsten Schritte?

Die Planungsskizze zeigt, was alles auf dem ehemaligen Zechengelände von Schlägel & Eisen entstehen wird.

Im Interview: Ali Aydogdu, ehemaliger Bergarbeiter auf Schlägel & Eisen Herr Aydogdu, wie fühlen Sie sich als ehemaliger Zechenarbeiter hier auf Schlägel & Eisen? Es war ein sehr schöner Arbeitsplatz für mich. Natürlich macht mich der Anblick der stillgelegten Zeche etwas traurig, denn ich habe hier 22 Jahre lang mein Geld verdient und verdanke dieser Arbeit auch meine Rente – doch wenn jetzt die jüngere Generation einen Park bekommt, finde ich das gut. Dank Schlägel & Eisen hat sich damals mein Traum erfüllt, aus der Türkei nach Deutschland zu kommen. Doch etwas ist geblieben –

so lebe ich zum Beispiel noch immer in einem Zechenhaus. Als was haben Sie hier genau gearbeitet? Als Mitarbeiter im Bergwerk habe ich in 900 Metern unter Tage als Bergmann gearbeitet und dort meine Arbeitsjahre verbracht. Hat es Sie gefreut, dass ein Teil des Geländes jetzt für die neue Moschee genutzt wird? Das hat mich sehr gefreut. Es wird eine schöne Moschee – genau an meinem alten Arbeitsplatz. Immer wenn ich zur Moschee gehe, werde ich auch meine Arbeitsjahre vor Augen haben.

Neben Kanalarbeiten an der Feldstraße/ Westerholter Straße ist der Bau eines Kreisverkehrs an der Kreuzung Westerholter Straße/ Paschenbergstraße geplant, über den das Gebiet erschlossen wird. Darüber hinaus wird auch die südliche Feldstraße komplett umgebaut und leerstehende Häuser an der Kreuzung Feldstraße/Schlägel-und-EisenStraße abgerissen.

Hat Ihnen Ihre Arbeit Spaß gemacht? Ja, im Gegensatz zu anderen Jobs habe ich meine Arbeit auf Schlägel & Eisen geliebt und werde es auch immer tun. Ich bin sehr dankbar, dass ich im Bergwerk arbeiten durfte. Wir danken Ihnen für das Gespräch!

INTERVIEW: Sefa Cakir

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UNSER QUARTIER

erste projekte Der Verfügungsfonds bietet allen Bürgern, Ver­einen und Institutionen im Hertener Norden die Möglichkeit, für die Realisierung von Projek­ ten eine finanzielle Unterstützung zu erhalten. Erste Projekte wurden bereits mit dem Verfü­ gungsfonds realisiert, der durch das Förderprogramm Soziale Stadt finanziert wird. Das Budget des Verfügungsfonds beträgt für die Jahre 2012 und 2013 jeweils 30.000 Euro. Bewohner aus Langen­ bochum und Paschenberg können sich mit ihren Projekten für eine Förderung bewerben, wenn diese einen eindeutigen Bezug zu Herten-Nord haben, das Image des Stadtteils verbessern, das bürgerschaftliche Engagement stärken, zur Inte­ gration beitragen oder die Stadtteilkultur beleben. Bürger, die eine gute Projektidee haben, können sich beim Stadtteilbüro melden und werden dort bei der Entwicklung der Projektidee sowie bei der Antragstellung beraten. Über die Vergabe der Gelder aus dem Verfügungsfonds entscheidet jedoch nicht die Stadt, sondern der Lenkungskreis Herten-Nord. Dieser Kreis besteht aus Bewohnern und Vertretern der in den Stadtteilen ansässigen Vereine, Einrich­ tungen und Institutionen sowie Vertretern der Ratsfraktionen. Einige Projekte sind mittlerweile schon für eine solche Förderung ausgewählt worden:

Stadtplan geschichtlicher Bergbaustandorte Der „Geschichtskreis Schlägel & Eisen“ hat in ehrenamtlicher mühevoller Kleinarbeit einen Stadtplan von Herten erstellt, auf dem alle Zechengelände auf­gelistet sind. Diese Pläne werden im Stadtarchiv, in der Bibliothek oder bei Veranstaltungen verschenkt. Das Besondere am Plan des Geschichtskreises ist: Er zeigt uns alle früheren Zechenstandorte und gibt zusätzliche Informationen zu diesen.

Umweltagenten Kindern die Natur nahebringen und sie für Naturschutz begeistern, das ist das Ziel der Umweltagenten. Das Projekt ist im Sommer 2012 an den Start gegangen. Seitdem haben die Schüler Winterschlafplätze für Tiere gebaut, ein Blumenbeet gesät, bei der Aktion: „Herten putzt sich raus“ Blumenkübel aufgestellt und vieles mehr. Dies zeigt: Die Möglichkeiten sind vielfältig – und das Prozedere denkbar einfach. Also, liebe Hertener: Besprechen Sie Ihre Ideen mit dem Stadtteilbüro, reichen Sie Ihre Förderanträge ein, nutzen Sie den Verfügungsfond, um Ihren Stadtteil noch schöner zu machen! WEITERE INFOS:

TEXT DANARA Tobys

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Stadtteilbüro Herten-Nord Frau Anneli Rutecki Tel.: 02366 4996966 E-Mail: info@stadtteilbuero-herten-nord.de


UNSER QUARTIER schule

Auf dem Pfad der Kreativität Weiter geht es mit dem Projekt Kulturagenten, das Schüler für Kultur, Theater und Musik begeistern soll. Die Agenten sind die jeweiligen Vertreter der teilnehmenden Schulen. Gemeinsam pflastern sie den Pfad hin zu einer künstlerisch geprägten Schule. Die Rapschool NRW wird interessierten Schülern der Sekundar­ stufe I wieder ein spannendes Rap-Coaching bieten. Im Fokus steht erneut das Thema Mathe – genauer gesagt die Geometrie. Jeder Schüler soll sich zwei Zeilen einfallen lassen, die im Anschluss zusammengepuzzelt werden. Lediglich der Refrain wird von allen gemeinsam gerappt. 2012 wurde das Projekt von Dominic Jaeger und drei Schülern aus der Sekundarstufe II geleitet, darunter auch Nico Lechtenböhmer – diesjähriger Träger des Rosa-Parks-Awards. Geplant ist zudem, einen nachhaltigen Workshop für interessierte Schüler bereitzustellen, die an ausgewählten Projekttagen das Rappen lernen, gecoacht werden und über den kulturellen Hintergrund der Musikrichtung unterrichtet werden. Hier lässt sich zudem das Anwendungs­ prinzip der Projekte erkennen. Denn: Ist es nicht viel ein­facher, sich lästige Matheformeln zu merken, wenn sie in einem Rap verpackt sind?

Schattenseiten im Alltag Weiterhin steht ein Schattentheater-Projekt zum Thema Zivilcourage im siebten Jahrgang an. Die Teilnehmer arbeiten einmal im Monat für jeweils vier Stunden an einer Aufführung – und das an insgesamt sechs Projekttagen. Dem Stück wird eine kleine Vorgeschichte vorausgeschickt. Darin setzt sich eine Lehrerin gegen Mobbing an der Schule ein. Hierauf reagieren die Schüler genervt und wollen davon nichts hören. Nur einer fällt ein wenig aus dem Schema heraus und fragt sich: „Was ist eigentlich Zivilcourage?“ – und darauf beginnt das spannende Schattenspiel, das schließlich am 12. Juli 2013 beim Rosa Parks-Schulfest vorgeführt wird.

INFO: „Kulturagenten für kreative Schulen“ ist ein Modellprogramm der gemeinnützigen Forum K&B GmbH, initiiert und gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Stiftung Mercator in den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V., der conecco UG – Management städtischer Kultur und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

TEXT: Marvin Arnreich

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SCHULE

Schnee & Fun in Obervellach Fünf Tage lang Schneevergnügen – das durften die Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klasse bei ihrer Skifreizeit in Obervellach erleben. Ben Müscher von JUNGE REDAKTION berichtet von den Erlebnissen. Nach einer anstrengenden Busfahrt kamen wir am Jugendhotel in Obervellach an. Nachdem wir uns bei einem gut gedeckten Buffet gestärkt hatten, bezogen wir unsere Zimmer. Bereits am Nachmittag gingen wir zum Skiverleih, wo wir allerdings noch etwas warten mussten. Diese Zeit haben wir sinnvoll genutzt, um den daneben­ liegenden Berg zu besteigen und den tollen Ausblick zu genießen. Als wir schließlich unsere Skier ausgeliehen hatten, sind wir schwer beladen wieder zurück zum Jugendhotel gefahren. Erst am Montag ging es richtig los: Um 9 Uhr sind wir mit dem Bus zum Gletscher gefahren und dort mit der Bahn weiter bis zur Bergstation. Hier wurde erst einmal trainiert – nach ein paar Übungen standen wir schon ziemlich sicher auf den Brettern. Auch am nächsten Tag blieben wir auf dem „Übungsberg“ – erst am Mittwoch traten manche zu ihrer ersten richtigen Abfahrt an. Natürlich war die Nervosität

Anise Altun, Mitglied JUNGE REDAKTION freut sich trotz der schweren Ausrüstung aufs Ski­ fahren.

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groß, schließlich war es für die meisten die erste Abfahrt ihres Lebens. Jedoch meisterten alle diese Herausforderung und hatten viel Spaß dabei. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Die Lehrer hatten noch eine Überraschung für uns. Beim Abendbrot teilten sie uns mit, dass wir zum Eis­ stockschießen gehen würden – das hat riesig viel Spaß gemacht. Die nächsten Tage ging es weiter hoch zum Gletscher. Die besseren Skifahrer unter den Schülern sind sogar aus 3400 Metern Höhe abgefahren – das war Nervenkitzel pur. So war die Skifreizeit für alle eine tolle Zeit, die wir gerne wiederholen würden.

TEXT/FOTOS: Ben Müscher

45 Schüler der Jahrgänge 7 und 8 hatten über eine Woche lang Spaß im Schnee.


unser gesicht

Unser Gesicht Wie heißen Sie? Bernhard Stahl. Wie alt sind Sie? Ich bin 49 Jahre alt. Wo wohnen Sie? Ich wohne in Herten.

Was machen Sie in ihrer Freizeit? Wenn ich Freizeit habe, lese und fotografiere ich gerne, aber auch Fahrradfahren, wandern und mit meinem Hund spazierengehen gehören zu meinen Lieblingsaktivitäten.

Welche Tätigkeit üben Sie aus? Ich bin Pfarrer.

Sie haben einen Wunsch frei. Was wünschen Sie sich? Ich würde mir den Frieden zwischen Menschen, Völkern und Religionen wünschen.

Was gefällt Ihnen an dieser Tätigkeit? Mir gefällt der vielfältige Umgang mit Menschen aller Altersklassen.

Beenden Sie diesen Satz: Ich lebe gern hier, weil … Herten eine kleine aber feine Stadt ist.

Wie stellen Sie sich die Zukunft für Jugendliche in Herten vor? Herten soll für Jugendliche ein lebenswerter Ort sein. Sie sollen sich wohlfühlen und spüren, dass sie willkommen sind.

Was möchten Sie noch sagen? Ich wünsche mir, dass möglichst viel Natur und Grün in Herten erhalten bleibt.

INFO Bernhard Stahl ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Herten.

INTERVIEW/ FOTO: Ben Müscher

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Foto: Stefan Kuberka

Irgendwas mit Medien… … p assiert in diesem Haus immer.

Corporate Publishing: Kunden- & Mitarbeitermagazine

PR: Kampagnen, Events, Presse- & Öffentlichkeitsarbeit

Online: Websites, Newsletter, Social Media

Print: Bücher, Zeitschriften, Broschüren

Produktion: Grafik, Layout, Satz & Litho

Medienhaus Vest · Anton-Bauer-Weg 6 · 45657 Recklinghausen · fon 02361 490 491 10

Verlags GmbH

Agentur für Public Relations GmbH & Co KG


Junge Redaktion Ausgabe 2-2013