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WEILL Getanzt Kurt Weill Fest Dessau 2007

2.3.–11.3.2007

WEILL Getanzt Informationen & Kartenservice

0180.5 564564 www.kurt-weill-fest.de


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19.01.2007

9:13 Uhr

Seite 1

dank

Im Land zu Hause. Im Land aktiv.

Die Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. und die Stadt Dessau, Veranstalter des Kurt Weill Festes, danken allen Partnern, Sponsoren, Förderern, Institutionen und Vereinigungen, insbesondere dem Land Sachsen-Anhalt, der Kulturabteilung der Botschaft, dem Generalkonsulat der Vereinigten Staaten von Amerika und der Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003 sowie allen ehrenamtlichen Helfern für die großzügige Unterstützung.

unser partner

Amt für Kultur, Tourismus und Sport Dessau Anhaltische Gemäldegalerie Anhaltisches Theater Dessau Autohaus Heise GmbH Auto-Service-Center Dessau GmbH Beatclub Dessau Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika Brauhaus „Zum Alten Dessauer“ British Council Dessauer Wohnungsbaugesellschaft mbH Deutsche Bahn AG, Bahnhofsmanagement Dessau DeutschlandRadio Kultur Dr. Dornbach & Partner GmbH Faserverstärkte Kunststoffe GmbH Freitag – Die Ost-West-Zeitung Generalkonsulat der Vereinigten Staaten von Amerika

unsere Förderer

JKS Krötenhof Karosseriebau Dessau GmbH Karstadt AG Dessau K.I.E.Z. e.V. Klavierhaus Fiech Anna Krebs Kreissparkasse Bitterfeld Kreissparkasse Köthen Kulturabteilung der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika Kulturstätten Köthen Kurt Weill Foundation for Music, Inc., New York Elizabeth Lachmann Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt Gisela May

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MDR Figaro Mitteldeutsche Zeitung, MZ Mitteldeutscher Rundfunk Museum für Stadtgeschichte Dessau nH Dessau NiRoVe-Gruppe NORD/LB Landesbank für Sachsen-Anhalt ÖSA, Öffentliche Versicherungen Sachsen-Anhalt Ostdeutsche Sparkassenstiftung im Land Sachsen-Anhalt Pauly Biskuit AG Polizeidirektion Dessau Rathaus-Center Dessau

Als Landesbank für Sachsen-Anhalt engagieren wir uns, um die

Restaurant Kornhaus Restaurant Pächterhaus

wirtschaftliche Entwicklung im Land voranzutreiben. Außerdem

Roßdeutscher & Bartel GbR

unterstützen wir seit Jahren Kultur, Mittelstand, Wissenschaft und Forschung mit zahlreichen Projekten und Aktivitäten. Das ist unser Beitr ag für ein star kes Sachsen-Anhalt. www.nordlb.de

Schneekoppe Lifestyle GmbH

unsere medienpartner

Stadtsparkasse Dessau Stadtverwaltung Dessau Steigenberger Hotel Fürst Leopold

Die norddeutsche Art.

Stiftung Bauhaus Dessau Ströer Deutsche Städte Medien GmbH Universal Edition AG, Wien

Freitag Die Ost-West-Wochenzeitung

Stefan Weidle Wohnungsgenossenschaft e.G. Dessau Wohnungsverein Dessau e.G.


INTRADA Das Kurt Weill Fest 2007 wird gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt, die Stadt Dessau, die Kulturabteilung der Botschaft und das Generalkonsulat der Vereinigten Staaten von Amerika und in Teilen durch die Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003.

Ein Gespräch mit Hubert Ernst, Präsident der KurtWeill-Gesellschaft e.V., und Clemens Birnbaum, Intendant des Kurt Weill Festes Mit dem 15. Kurt Weill Fest wird in diesem Jahr ein Jubiläum begangen und Sie, Herr Ernst, haben das Festival von Anfang an als Besucher und später als Aktiver in der Kurt-Weill-Gesellschaft begleitet. Was macht für Sie aus heutiger Sicht den Erfolg des Festivals aus? Hubert Ernst: Das 15. Kurt Weill Fest ist für mich wie das erste – eine Einheit. Ich bin als Gründungsmitglied der Kurt-Weill-Gesellschaft und als Mitglied des Präsidiums von Anfang an natürlich auch Besucher gewesen. Der Erfolg des Festivals war damals wie heute die Geschlossenheit des Backgrounds und die Handschrift der Intendanten. Der Erfolg beruht darauf, dass die Intendanten, und da möchte ich Clemens Birnbaum herausheben, ein Festivalprogramm komponieren, das durch seine Vielfalt, Aufführungen an außergewöhnlichen Orten und die bedeutenden Interpreten lebt. 2007 freue ich mich u.a. auf ein Wiedersehen mit Stefanie Wüst und Jocelyn B. Smith, zwei Künstlerinnen, die in der Zeit ihres Dabeiseins Nachwuchs bekommen haben, der nun heranwächst, wie unser Festival von Jahr zu Jahr. Herr Birnbaum, wann und wie kamen Sie auf die Idee, das Motto „Weill getanzt“ für den Festivaljahrgang 2007 auszuwählen? Clemens Birnbaum: Die Idee, die Tanzmusik in Weills Werk zu thematisieren, wurde in einer Kuratoriumssitzung der Kurt-Weill-Gesellschaft geboren. Ulrich Fischer wies dort auf Weills Tangokompositionen hin, und wir diskutierten lebhaft, ob man diese nicht einmal bei einem Kurt Weill Fest mit dem Schwerpunkt „Tanz“ vorstellen sollte. Ich gebe zu, dass ich der Idee zunächst skeptisch gegenüber stand, denn Weill komponierte mit den Sieben Todsünden ja nur ein einziges Ballett. Doch langsam fing ich Feuer, und die Ausgestaltung des Programms nahm immer konkretere Formen an. Ich hatte einen Tango-Abend in der Choreografie von Kammertänzer Gregor Seyffert vor Augen. Gespräche mit dem Choreografen führten zu dem Ergebnis, wie in dem Film Le Bal eine Geschichte des Tanzes zu zeigen, wobei auch Weills Tangos musikalisch mit der Zeit reisen. Hinzu kam, dass die renommierte Rambert Dance Company die historische Choreografie Judgment of Paris, für die Weill seine Musik der Dreigroschenoper bearbeitete, wieder in ihr Repertoire aufgenommen hat. Spätestens von da an fand ich es äußerst reizvoll, mich dem Thema „Weill getanzt“ auf unterschiedliche Art und Weise zu nähern.

Hubert Ernst

Clemens Birnbaum

Präsident der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V.

Intendant des Kurt Weill Festes Dessau

Kultureller Gedächtnisort nationaler Bedeutung Das Kurt-Weill-Zentrum – und damit auch das Kurt Weill Fest Dessau – wurde in das Blaubuch der Bundesregierung als ein „Kultureller Gedächtnisort“ mit besonderer nationaler Bedeutung aufgenommen. Zu den „Kulturellen Gedächtnisorten“ gehören zwanzig Institutionen in den Neuen Bundesländern.

und zeitgenössische Tanzmusik trifft auf „klassische“ Musik. Unser Artist-in-Residence Michael Rische wird hiervon gleich am ersten Wochenende zusammen mit Detlef Bensmann einen guten Eindruck vermitteln. Nicht vergessen sollte man die Jazz-Konzerte, die in diesem Jahr dem Thema direkt verpflichtet sind. Welche Zusammenhänge bestehen denn zwischen Jazz und Tanz bei Weill? Clemens Birnbaum: In den zwanziger Jahren wurden zeitgenössische Tanzmusik und Jazz gleichgesetzt, sie waren Synonyme und haben die Musiksprache Weills spätestens seit seiner Oper Royal Palace erheblich beeinflusst. Ricarda Wackers, die Autorin unseres fünften Bandes der Veröffentlichungen der Kurt-WeillGesellschaft, hat meiner Meinung nach vollkommen recht: Weill imitiert nicht nur einfach die zeitgenössische Tanzmusik, sondern verwendet sie auch, um wesentliche Aussagen für die Handlung der Oper oder des Theaterstücks zu transportieren. Außerdem kann man Weills Hinwendung zu Tanzmusik und Jazz ab Mitte der zwanziger Jahre auch mit seinem Wunsch erklären, die Kunstmusik einem breiteren Publikum zuzuführen.

Kuratorium der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. Helen Schneider (Vorsitzende) Sängerin und MusicalDarstellerin Dr. Jürgen Allerkamp Vorstandsmitglied der Nord/LB Landesbank für Sachsen-Anhalt Hubert Ernst Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Dessau und Präsident der Kurt-WeillGesellschaft e.V.

Herr Ernst, welche weiteren Veranstaltungen möchten Sie den Besuchern des Kurt Weill Festes besonders ans Herz legen? Hubert Ernst: Gleich zuerst möchte ich das Kammerkonzert Frauentanz im Schloss Georgium im Tischbeinsaal nennen. Das Arte-Ensemble Hannover präsentiert diese Perlen der klassischen Moderne mit der Sopranistin Christina Gerstberger. Die von Weill vertonten sieben mittelalterlichen Gedichte werden die Zuhörer in ihren Bann ziehen, wenn der Komponist der klassischen Moderne in einer Stätte des Weltkulturerbes Schlösser und Gartenreich Dessau-Wörlitz interpretiert wird. Gleiche Ausstrahlung erwarte ich von den New Sounds in der Alten Brauerei, wenn es heißt: The Young Gods play Weill. Und natürlich ist die Marienkirche zu empfehlen, Welche Produktionen zum Thema „Weill getanzt“ wenn die Absolventen des Bel Canto Northwest Vocal Institutes der Portland State University Down in the Valhaben Sie zum diesjährigen Festival eingeladen? Clemens Birnbaum: Neben den bereits erwähnten ley präsentieren. Das Gespräch führte Celia Solf Tanz-Produktionen werden zeitgenössische Tanzmusikarrangements von Stücken Kurt Weills mit dem Palastorchester erklingen. Auch im Konzert des Ensemble Modern wird man verschiedenen Tanzsätzen begegnen, und ich glaube, dies wird eines der vergnüglichsten Konzerte des Festivals sein. Überhaupt werden die Schranken zwischen der so genannten E- und U-Musik fallen,

Stefan Uwe Fendt Ulrich Fischer Rechtsanwalt und 1. Vorsitzender des Vereins der Freunde des Ensemble Modern, Frankfurt Prof. Georg Frank Staatssekretär Dr. Valentin Gramlich Kultusministerium SachsenAnhalt Karl Gröger Bürgermeister und Beigeordneter für Bauwesen und Umwelt der Stadt Dessau Dr. Friedrich Leffler Vorstandsvorsitzender der ÖSA Mini Schulz Künstlerischer Leiter des Popbüros Region Stuttgart und Projektleiter des Stuttgarter Kammerorchesters

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Inhaltsverzeichnis Seite 1 Chorkonzert in der Marienkirche „Recordare“

Intrada

Seiten 4-5

Grußworte

Weill getanzt

Seite 6

Michael Rische – Artist-in-Residence

Seite 7

Der Pianist machte sich vor allem durch die Entdeckung seltener Klavierwerke der 1920er Jahre einen Namen, wofür sein Programm Hot-Sonate im Bauhaus ein eindrucksvolles Zeugnis ablegt (S. 26 / 27). Internationales Renommee erlangte er zudem mit seinen Interpretationen der Werke von Bach und Ravel, von denen einige zusammen mit Kompositionen von Schumann und Weill beim Klavierrecital in Schloss Köthen erklingen (S. 57 / 58). Um den vielseitigen Künstler persönlich kennen zu lernen, sei vorab ein Besuch des Festivalcafés empfohlen (S. 15).

Konzert im Anhaltischen Theater Dessau „Berlin im Licht“ Seiten 19-21 Kurt Weills Komposition Berlin im Licht entstand 1928 anlässlich eines stadtweiten Illuminationsfestes der Berliner Elektrizitätswerke. Die gleichnamige CD mit ausgewählten Musikstücken Weills ist bis heute eine der meist verkauften des international renommierten Ensemble Modern. Rasende Begeisterung bei Jung und Alt sowie bei der Presse erntete ihr gleichnamiges Konzertprogramm mit dem Dirigenten und Chansonnier HK Gruber.

New Sounds im Bauhaus Dessau The Tiger Lillies

Führung im Bauhaus Dessau „Bauhaus und Tanz“

Seite 8 Konzert im Bauhaus Dessau „Hot-Sonate“

Festakt zur Eröffnung

Tanztheater im Anhaltischen Theater Dessau Seiten 9-11, „Tango Palast“ P R E M I E R E

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Seiten 24-25

Seiten 26-27

45 Festivalcafé im Steigenberger Hotel Fürst Leopold

Die Choreografie von Kammertänzer Gregor Seyffert führt in einen fiktiven Tango Palast als Ort der Hoffnungen, Sehnsüchte, Vergnügungen und Exzesse. Gemeinsam mit zwölf Tänzern seiner Compagnie präsentiert er dabei ein leidenschaftliches, skurriles und launiges Plädoyer für den Tango und seinen Siegeszug durch die Kulturen. Der musikalische Rahmen spannt sich von Werken Kurt Weills über Astor Piazzolla bis hin zu modernen Interpretationen.

Festliches Feuerwerk

Seite 13

New Sounds im Beatclub Dessau „Salon d’Extase”

Seite 13

Führung im Museum für Stadtgeschichte (Johannbau) „Dessau und Kurt Weill“ Seiten 15, 59

Festivalcafé im Anhaltischen Theater Dessau „Michael Rische im Gespräch“

Seite 23

Seiten 24,

Ausstellungseröffnung im Kurt Weill Zentrum/Haus Feininger Kammerkonzert im Schloss Georgium „Kurt Weill und seine Musikerzeitgenossen fotografiert von Eric Schaal“ Seite 8 „Frauentanz“

2

Seiten 15-17

Seite 15

„Tanz in den Goldenen Zwanzigern“

Seite 29

Tanztheater im Anhaltischen Theater Dessau „Judgment of Paris“ Seiten 29-31 Die Rambert Dance Company, Großbritanniens renommierteste und gleichzeitig älteste Tanzcompagnie, präsentiert in Dessau eine Rarität britisch-deutscher Tanz- und Musikgeschichte: Zu Kurt Weills Bearbeitungen der Dreigroschenoper entwickelte der bedeutende Choreograf Antony Tudor 1938 eine moderne Version des griechischen Mythos vom Urteil des Paris. Daneben sind – zum Teil in Deutscher Erstaufführung – neuere Stücke von Michael Clark, Martin Joyce und dem Star-Choreografen Merce Cunningham zu erleben.

Film mit Live-Musik im K.I.E.Z. „La Revue des Revues“ ( F 1 9 2 7 )

Seite 31

Liederabend im Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger „Wouldn’t You Like to be on Broadway?“ Seiten 32-33


Inhaltsverzeichnis Film im K.I.E.Z. „Shall We Dance?“ ( U S A

1937)

Konzert im Anhaltischen Theater Max Raabe und das Palastorchester

Dinner mit Musik im Pächterhaus „Tango-Ballade“

Seite 33

Festivalcafé im Steigenberger Hotel Fürst Leopold „15. Kurt Weill Fest Dessau“ Seite 59

Seite 35

Konzert im Anhaltischen Theater Dessau „Street Tango“ Seiten 61-63

Seiten 37,

Das Programm ist eine Hommage an die Großstadtkomponisten Astor Piazzolla, Leonard Bernstein und Kurt Weill, die Lebensgefühl und Rhythmus auf den Straßen von Buenos Aires, New York, Berlin oder Paris in besonderer Weise einfingen und mitprägten. Begleitet von seinem Sexteto Canyengue, dokumentiert Carel Kraayenhof die Seelenverwandtschaft dieser Meister mit der Sprache des Tango, die er auf seinem Instrument, dem Bandoneon, meisterhaft beherrscht.

40, 45

Jazz in der Gründerzeitvilla Krötenhof Tales in Tones Trio

Seiten 38-39

Jazzkonzert in der Marienkirche Joachim Kühn & Majid Bekkas Group

Seiten 40-41

Seiten 64-65

15. Kurt Weill Fest Dessau Musikkabarett im Brauhaus „Fracksausen“

Das weltweit einzige jährlich stattfindende Festival zu Ehren eines Komponisten der klassischen Moderne nahm an Kurt Weills 93. Geburtstag, dem 2. März 1993, seinen Anfang. Zahlreiche renommierte Künstler und Ensembles waren seitdem in Dessau zu Gast und bestritten u.a. 15 Uraufführungen. Ein Rückblick von Andreas Hillger, Kulturredakteur bei der Mitteldeutschen Zeitung und Wegbegleiter von Anbeginn.

Seite 43

Kinderkonzert im Johannbau (Museum für Stadtgeschichte) „Opus Number Zoo“

New Sounds in der Alten Brauerei „The Young Gods play Weill“

Seiten 44,

47

Seite 45

Programmübersicht und Preise Musiktheater im Anhaltischen Theater Dessau „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ Seiten 47-49

Musiktheater in der Marienkirche „Down in the Valley“

Seiten 51-53

Weills Volksoper Down in the Valley, 1948 durch Studenten der Indiana University gemeinsam mit Hindemiths musikalischem Sketch Hin und zurück szenisch uraufgeführt, war seinerzeit ein großer Erfolg. Gesangsstudenten des Belcanto Northwest Vocal Institute der Portland State University (USA) bringen die Stücke nun mit dem PanArte Ensemble der UdK Berlin in dieser historischen Kombination erneut zur Aufführung.

Musikalische Lesung in der Kreissparkasse Bitterfeld „The Roaring Twenties“ Seite 55

Ball im Restaurant Kornhaus „Tanzpalast“

Klavierrecital im Schloss Köthen Michael Rische

Seiten 66-67

Willkommen in Dessau / Stadtplan Touristische Informationen

Seite 68

Rund ums Kurt Weill Fest

Seite 69

Veranstaltungsorte

Seiten 70-71

Weitere Sehenswürdigkeiten

Seite 72-73

Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. / Kurt Weill Foundation

Seite 74

Gewinnspiel

Seite 75

Kartenservice / Impressum / Nachweise

Seite 76

Dank

Seite 77

Seite 56

Seiten 57-58

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Grussworte Das Kurt Weill Fest wartet einmal mehr mit einer Überraschung auf. In diesem Jahr steht der Tanz im Mittelpunkt, genauer gesagt die flotten Rhythmen der 1920er Jahre, von denen auch Kurt Weill inspiriert wurde. Ob Tango, Foxtrott oder Blues, Weill verwendete die damals aktuelle Tanzmusik häufig in seinen Musikstücken. In über 35 Veranstaltungen kann man dieser Seite Weills nachspüren. Dabei ist es den Verantwortlichen des Kurt Weill Festes erneut gelungen, internationale Top-Stars nach Dessau zu holen. Die älteste Tanzcompagnie Großbritanniens, die berühmte Rambert Dance Company, der Pianist Michael Rische, Max Raabe und das Palastorchester sowie der großartige Bandoneonist Carel Kraayenhof mit seinem Sexteto Canyengue werden für erstklassige Unterhaltung sorgen und das hohe künstlerische Niveau des Kurt Weill Festes einmal mehr unterstreichen. Das Musikereignis ist aber auch Plattform für Nachwuchskräfte und eher regional agierende Künstler, wie es auch wieder Brücken zwischen verschiedenen musikalischen Genres schlagen will. Genau diese gelungene Mischung ist es, die den Erfolg des Kurt Weill Festes seit 15 Jahren ausmacht. Dessau ist hierfür der ideale Ort, nicht nur weil Kurt Weill hier geboren wurde und seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte. Die Stadt repräsentiert die klassische Moderne der 1920er Jahre in einem umfassenden Sinn: Hier setzte das Bauhaus Maßstäbe in Design und Architektur, in dieser Region waren zukunftsweisende Industrien wie die Hugo Junkers Flugzeugwerke und die Filmindustrie angesiedelt. Heute knüpfen wir an diese Tradition an. Die Stiftung Bauhaus ist Sitz der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau 2010 und gestaltet damit modellhaft die Herausforderungen, die uns mit dem demografischen Wandel gestellt werden. Mit der boomenden Solarindustrie im Süden Sachsen-Anhalts haben wir unser Profil als maßgeblicher Standort für regenerative Energien geschärft. Da passt es gut, dass das Umweltbundesamt im vergangenen Jahr seinen Sitz von Berlin nach Dessau verlegt hat. Auch damit wird signalisiert: Wir vermehren nicht nur unser musikalisches Erbe. Als Schirmherr des Festes danke ich allen künstlerisch und organisatorisch Verantwortlichen sowie den vielen Sponsoren und Förderern. Ich wünsche ihnen und den zahlreichen Gästen aus nah und fern viele neue Einblicke in das musikalische Schaffen Kurt Weills.

Es ist mir eine große Freude, gemeinsam mit Ministerpräsident Prof. Dr. Böhmer auch in diesem Jahr die Schirmherrschaft für das Kurt Weill Fest zu übernehmen. Seit 1993 hat dieses Fest stetig an Bedeutung gewonnen. Ich möchte all denen, die für seinen Erfolg so hart gearbeitet haben, ganz herzlich gratulieren. Die kulturellen Beziehungen und Bindungen zwischen den USA und Deutschland sind seit langem eng und vielschichtig. Über die Jahrhunderte haben zahllose Einwanderer aus Deutschland in meinem Land eine neue Heimat gefunden. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Gründen, und sie haben Amerika kulturell bereichert. Das Nazi-Regime hat Kurt Weill und andere gezwungen, ihre Heimat in Europa zu verlassen. Diese Flüchtlinge haben die USA in einem ganz besonderen Maße beeinflusst, indem sie Amerikas Hingabe und Engagement zur Verteidigung religiöser Toleranz noch vertieften. Als Kurt Weill, der „Berliner aus Dessau“, am 10. September 1935 in New York an Land ging, waren seine Vorstellungen von Amerika noch vage. Aber sehr bald wurde dieses Land zu seiner Heimat. Er öffnete sich dem amerikanischen Publikum und integrierte amerikanische Themen und Besonderheiten in sein Werk. Diese Passion für die Freiheiten und Möglichkeiten Amerikas zeigt sich deutlich in seiner Musik. Weill wurde durch seine Zeit beeinflusst, aber diese Leidenschaft ist auch bei zahllosen Immigranten vor und nach ihm anzutreffen. Zwar hat mein Urgroßvater seine deutsche Heimat unter ganz anderen Umständen verlassen, doch diese Hingabe hat auch meine Familie geformt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stehen wir erneut vor der großen Herausforderung, den Traum eines friedlicheren und gerechteren Lebens für die Menschen auf dieser Erde zu verwirklichen. Festivals wie das Kurt Weill Fest, das ein lebendiges Beispiel eines kulturellen Dialogs und Brückenschlages ist, können uns helfen, diese Vision der Wirklichkeit näher zu bringen. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf ein spezielles Projekt lenken: Absolventen und Studenten des Bel Canto Northwest Vocal Institute der Portland State University und Mitglieder des PanArte Ensembles der Universität der Künste Berlin werden in einer Koproduktion Down in the Valley aufführen, eines der erfolgreichsten Bühnenwerke aus Weills amerikanischer Zeit. Den Organisatoren in Dessau wie in Portland und Berlin ganz herzlichen Dank dafür, dass sie dieses Projekt möglich gemacht haben. Ich wünsche allen Besuchern und Künstlern ein erfolgreiches und anregendes Festival.

Prof. Dr. Wolfgang Böhmer Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt und Schirmherr des 15. Kurt Weill Festes Dessau

William R. Timken, Jr. Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika und Schirmherr des 15. Kurt Weill Festes Dessau

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Grussworte In diesem Jahr begrüßen wir Sie, sehr verehrte Gäste, erneut zu unserem Kurt Weill Fest, das sich nunmehr zum 15. Male jährt. Grund genug, anlässlich dieses „kleinen Jubiläums“ an die Anfänge zu erinnern. Als am 2. März 1993, dem Geburtstag Kurt Weills, zur Eröffnung des Auftaktfestes eingeladen wurde, konnte niemand ahnen, was sich daraus entwickeln würde. Institutionen wie das Land SachsenAnhalt, die Kurt Weill Foundation for Music, New York, aber auch Persönlichkeiten wie der anerkannte WeillForscher Jürgen Schebera halfen der Stadt Dessau über die Anfangsklippen hinweg und sorgten dafür, dass Kurt Weill inzwischen eine „feste Größe“ in Dessau, in der Region und in Sachsen-Anhalt geworden ist. Auch in diesem Jahr ist es dem Veranstalter gelungen, ein breit gefächertes Programm zusammenzustellen. „Back to the roots“ könnte über dieser Festivalsaison stehen: Wieder ist es eine Tanzproduktion, mit der wir – wie 1993 mit den Sieben Todsünden – das Fest eröffnen. Die Gregor Seyffert Compagnie lädt uns in den Tango Palast in das Anhaltische Theater ein. Fast zu einem Stammgast ist Max Raabe mit seinem Palastorchester geworden. Vor kurzem noch an der Radio City Music Hall zu Gast, können auch wir diesen musikalischen Höhepunkt nun wieder in Dessau genießen. Eine weitere Brücke wird durch Absolventen der Bayerischen Theaterakademie im Fach Musical mit dem Konzert Wouldn’t you like to be on Broadway? geschlagen. Dies sind einige Veranstaltungstipps, zu denen ich Sie gern einladen möchte. Suchen Sie sich, sehr verehrter Gast, das Sie Interessierende heraus und besuchen Sie uns in Dessau. Auch dieses Fest wäre ohne die helfende Unterstützung Vieler undenkbar. Zu den Firmen, die das Kulturereignis unterstützen, zählen immer mehr Unternehmen auch aus unserer Stadt: Neben der Stadtsparkasse Dessau möchte ich hier besonders die NiRoVe-Gruppe, die Schneekoppe Lifestyle GmbH von Herrn Christoph Pauly, die Wohnungsgenossenschaft e.G. Dessau, den Wohnungsverein Dessau e.G. und das Autohaus Heise erwähnen und für deren Unterstützung danken. In diesem Jahr beteiligt sich auch das Rathaus-Center mit einer Kurt Weill-Ausstellung und feiert das Ereignis mit einem Bühnenprogramm. Diese Initiativen begrüße ich sehr. Ich freue mich, dass ich als Bürgermeister die Gelegenheit habe, auch zum diesjährigen Fest viele Gäste aus dem In- und Ausland in unserer Stadt zu begrüßen. Seien Sie uns herzlich willkommen!

Als langjähriger Partner des Kurt Weill Festes hat Lotto Sachsen-Anhalt seit 1995 die Entwicklung dieses einzigartigen Musikereignisses begleiten können, mit dem einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts in seiner Geburtsstadt geehrt wird. Das Echo des Festivals hat längst über Europa hinaus die andere Seite des Atlantiks erreicht, wo Kurt Weill ebenfalls unüberhörbar die amerikanische Musikgeschichte prägte. Mit dem Kurt Weill Fest ist Dessau nicht nur zu einem klangvollen Namen für ein internationales Publikum geworden, sondern vielen dieser Musikfreunde, Musikwissenschaftler und –kritiker sind Dessau und Weill inzwischen auch regelmäßig im Spätwinter eine Reise nach Sachsen-Anhalt wert. Die steigende Anzahl ausverkaufter Veranstaltungen und der stattliche Anteil an Besuchern von außerhalb unserer Landesgrenzen sprechen für die Anziehungskraft. Nicht zu vergessen sind die vielen namhaften Künstler, die nach Dessau kommen, um Kurt Weills Werke zu inszenieren, zu interpretieren oder darzubieten. Wir sind immer wieder erstaunt, wie es der Kurt-WeillGesellschaft e.V. und dem Kurt-Weill-Zentrum zu jedem Festival gelingt, mit neuen Facetten aus dem Schaffen des Komponisten zu überraschen. Der vielseitige Tonkünstler, für den es keine krasse Trennung von so genannter Ernster und Unterhaltungsmusik gab, hat viele Kunstformen bis heute beeinflusst. In diesem Jahr lernen wir eine weitere Ausdrucksform kennen. Wir dürfen sehr gespannt sein, wie Weill getanzt wird. Der Erfolg des Kurt Weill Festes wäre undenkbar ohne die Professionalität und das unermüdliche Engagement der Veranstalter. Zum Gelingen tragen wir gern mit unseren Möglichkeiten bei. Auch internationale Musikfestivals stehen untereinander im Wettbewerb. Sie können nur mit einer nicht nachlassenden erstklassigen Qualität, namhaften Künstlern und ständig neuen Ideen den Zuspruch des Publikums dauerhaft gewinnen. Das Kurt Weill Fest zeigt sich diesem Anspruch gewachsen.

Wolfgang Angenendt Geschäftsführer Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt

Karl Gröger Bürgermeister und Beigeordneter für Bauwesen und Umwelt der Stadt Dessau

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Weill GeTanzt

Kurt Weill

„Weill – getanzt?“ Instinktiv möchte man ein Fragezeichen hinter das Motto setzen. War Weill nicht vor allem Komponist textgebundener Musik? „Eine Dichtung brauche ich, um meine Phantasie in Schwung zu bringen“1 notierte der 19-jährige in einem Brief an seinen Bruder Hanns. Noch sieben Jahre später, 1926, beschrieb er, wie er mit dem Dichter Georg Kaiser an einer abendfüllenden Balletthandlung gescheitert war: „Die Schweigsamkeit dieser Figuren quälte uns, wir mussten die Fesseln dieser Pantomime sprengen; es musste Oper werden.“2 Doch immerhin enthielt der Operneinakter Der Protagonist zwei Pantomimen-Episoden, deren tänzerische Musik leichter und durchsichtiger war als der expressionistische Stil der Rahmenhandlung. In Royal Palace, seinem im Januar 1926 fertiggestellten zweiten Einakter, bediente Weill sich schon bei zwei Modetänzen der Zeit: dem Tango und dem Foxtrott. 1923 hatte er seinem Lehrer Ferruccio Busoni gegenüber noch moniert, der Komponist Paul Hindemith sei wohl

Hinweis Dieses und andere bislang unveröffentlichte Fotos von Kurt Weill und seinen Musikerzeitgenossen sind vom 02.03. bis 15.04.2007 in einer Sonderausstellung im Kurt-Weill-Zentrum zu sehen. (Informationen siehe Seite 8)

„schon zu tief in das Land des Foxtrotts hineingetanzt“, und auch in Strawinskys Geschichte vom Soldaten irritierte ihn damals das „Schielen nach dem Geschmack der Straße“3. Seitdem hatten sich allerdings wichtige Umstände in Weills Leben geändert. Busoni war 1924 gestorben. Einige Monate später hatte Weill damit begonnen, für die Hörerzeitschrift „Der deutsche Rundfunk“ zu schreiben. Das breite gesellschaftliche Interesse am neuen Medium Radio veranlasste die Redaktion, auch die ganze Breite der Hörerschaft in den Blick zu nehmen. „Der Rundfunk ist entstanden aus einer wenigstens geistigen Annäherung von Schichten, die sich vorher fremd waren“, beschrieb Weill Anfang 1926 diese Erfahrung. 4 Auch im Privatleben hatte sich eine entscheidende Wende vollzogen. Der junge Intellektuelle aus bürgerlich-jüdischem Milieu hatte die Schauspielerin und Sängerin Lotte Lenja kennen und lieben gelernt, die aus einer alles andere als wohlbehüteten Wiener Arbeiterfamilie stammte. Als Weill im Oktober 1925 in einem Brief an seine Eltern feststellte, „dass meine Musik viel sicherer, viel freier, lockerer und – einfacher wird“, lieferte er eine Erklärung gleich mit: „Das Zusammenleben mit Lenja“.5 Es waren die vom Jazz beeinflussten zeitgenössischen Modetänze, vor allem Foxtrott, Shimmy, Blues und Tango, die den Theaterkomponisten zu dem Stil und den Sujets brachten, die ihm zum erfolgreichen Ausbruch aus den elitären Zirkeln der „Ernsten Musik“ verhalfen. „Der Rhythmus unserer Zeit ist der Jazz,“ notierte er 1926 im Deutschen Rundfunk. Die Tanzmusik gebe nicht „die Empfindungen überragender Persönlichkeiten wieder, die über der Zeit stehen“, sondern sie spiegele „den Instinkt der Masse.“6 Insbesondere der Foxtrott erscheint in Weills Werken nun als Etikett des Alltäglichen, als die Musik jenes „neuen Typus Mensch, der heute von allen Seiten im Anmarsch ist“.7 Nicht erst die „Jungens von Mahagonny“ treten damit an, sondern auch schon der gegenwartsverliebte anonyme Monarch im dritten Einakter Der Zar lässt sich fotografieren. Den Tango benutzt Weill zur Charakterisierung von Situationen, in denen sich Nähe und Distanz, Anziehung und Abstoßung, Dominanz und Unterwerfung in kaum entwirrbarer Weise verbinden. Die anderen Tanztypen werden eher eingeschmolzen in den Songstil, den er seit dem Mahagonny-Songspiel entwickelt. Sie ermöglichen ihm, sich als Komponist von der Vorherrschaft des Wortes zu emanzipieren und zugleich als Musikdramatiker dem Darsteller auf der Bühne eine bestimmte Haltung nahezulegen. Der „gestische Charakter der Musik“8 kommt aus dem Tanz – und weist doch wieder über ihn hinaus. Andreas Hauff 1 Brief vom 27.6.1919, in: Kurt Weill, Briefe an die Familie, hrsg. v. Lys Symonette und Elmar Juchem, Stuttgart und Weimar 2000, S. 232-236 2 Bekenntnis zur Oper, in: Kurt Weill, Musik und musikalisches Theater, Gesammelte Schriften, Mainz 2000, S. 45-47 3 Brief vom 21.6.1923, in: „...wenn Sie doch auch hier wären.“ Briefe von Kurt Weill an Ferruccio Busoni, hrsg. v. Jutta Theurich, in: Musik und Gesellschaft, 40. Jg. H. 3 (März 1990), S. 114-126 4 Berliner Jahresbeginn, in: Kurt Weill, Musik und musikalisches Theater, S. 294f. 5 Brief vom 23.(?)10.1925, in: Kurt Weill, Briefe an die Familie, S. 306 f. 6 Tanzmusik, in: Kurt Weill: Musik und musikalisches Theater, S. 298-300 7 Zeitoper, in: Kurt Weill, Musik und musikalisches Theater, S. 64-67 8 Über den gestischen Charakter der Musik, in: Kurt Weill, Musik und musikalisches Theater, S. 83-88

Kurt Weills Tango Angèle aus Der Zar lässt sich fotografieren war als Tanzarrangement sehr beliebt.

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Michael Rische – artist-in-residence Ein Gespräch mit Michael Rische, Artist-in-Residence 2007 Herr Rische, Sie sind ein weltweit gefragter Pianist. Dazu gibt es oft auch eine Geschichte, die nicht in Ihrer Biografie steht. Wodurch haben Sie begonnen, sich für Musik zu interessieren? Ich bin recht spät zum Klavierunterricht gekommen, mit neun Jahren, habe aber lange vorher angefangen, auf dem Klavier zu improvisieren. Meine Eltern versuchten, meine Kreativität in geordnete Bahnen zu lenken. Eigentlich wollte ich Komponist werden, aber mein Vater sagte mit Recht, dazu müsse ich zuerst ein Instrument beherrschen. Hatten Sie damals einen Lieblingskomponisten? Mozart spielte natürlich eine große Rolle, wie bei vielen Kindern, aber auch Ravel und Schubert haben mich damals schon sehr beeindruckt. So etwas wollte ich auch machen. Sie haben sich mittlerweile gegen das Komponieren und für eine Laufbahn als Pianist entschieden? Mir ist das Komponieren immer noch wichtig, aber das Üben und das Erarbeiten des Repertoires sind so zeitaufwändig, dass man sich heutzutage entscheiden muss. Es gibt sehr wenige Komponisten, die immer noch ein Instrument auf sehr hohem Niveau beherrschen. Eines ihrer Anliegen ist, die Verbindungen zwischen Jazz und E-Musik in den 1920er Jahren zu dokumentieren. Was fasziniert Sie an dieser Musik? In Ravels Bearbeitung von Bilder eine Ausstellung hatte mich das Saxofon fasziniert. So kam ich vor 20 Jahren auf die Idee, mir das Saxofon einmal näher anzusehen, und nahm Kontakt zu Detlef Bensmann auf. Sein erster Vorschlag war ein Stück von Erwin Schulhoff für Saxofon und Klavier aus der Bibliothek der Berliner Hochschule der Künste, wo es zum letzten Mal 1931 – ein Jahr nach seiner Entstehung – ausgeliehen worden war. Inzwischen gehört es zum Standardrepertoire. Ich habe dann parallel nach Klavierkonzerten aus dieser Zeit gesucht und hochinteressantes Material gefunden. Arthur Honegger, Aaron Copland, George Antheil und Erwin Schulhoff haben sehr energiegeladene und lebendige Musik geschrieben. Die Hot-Sonate, die ich im Bauhaus spielen werde, ist ein derart konzentriertes und perfektes Stück, dass es sich gar nicht verhindern ließ, auf diese Richtung neugierig zu werden. Ich habe jetzt meinen Beitrag zur Rehabilitierung dieser Musik auf drei CDs dokumentiert. Sie haben das vergessene Klavierkonzert von George Antheil 2001 in London zur Aufführung gebracht. Wo haben sie die Partituren aufgespürt und wie kam es dazu? Ich hatte das Recherchieren bereits bei meiner Suche nach Schulhoffs Klavierkonzert [Deutsche Erstaufführung 1993] „geübt“ und wusste durch diese Erfahrung, dass man vor allem hartnäckig sein muss. Ich fand das Klavierkonzert nach langer Suche in New York und konnte es dann mit dem BBC Symphony Orchestra in London zu Uraufführung bringen. Ich bin sehr froh, dass ich beide Konzerte mittlerweile auch in Berlin spielen konnte und sie dadurch auch am Ort ihrer Entstehung Gehör gefunden haben.

Welche Rolle spielt die Musik Kurt Weills für Sie in diesem Zusammenhang? Weill ist mit seinem am Jazz orientierten Songstil auch in die Reihe der eben genannten Komponisten zu stellen. Seine Musik ist sehr unkonventionell, man erkennt sie immer sofort. Er lebte in einer Epoche, die viele grelle Farben hervorbrachte, sowohl in der Musik als auch in der Malerei – eine Vitalität, die für längere Zeit in die Popmusik abgewandert ist. Weill scheute sich damals nicht, den Jazz und andere Stilrichtungen in die Klassik einfließen zu lassen. Sein eigentliches Metier war jedoch die Bühne: Er schrieb viele Schauspielmusiken und Werke für das musikalische Theater. Die einzige Originalkomposition für Klavier, die es von ihm gibt, ist ein Frühwerk. Natürlich werde ich es auch im Schloss Köthen spielen. Welche künstlerischen Ziele verfolgen Sie mit ihrer Arbeit? Es ist mir immer ein Anliegen gewesen, ungewöhnliche Werke oder Werke ungewöhnlich vorzustellen. Im Bachjahr 2000 bin ich zum Beispiel den vier Buchstaben BA-C-H nachgegangen und habe viele Kompositionen zu diesem Thema gefunden, zum Beispiel von Liszt, Schumann, Honegger, Rimskij-Korsakov, aber auch von Dallapiccola und Danner. Meine Bach-CD sollte dokumentieren, welche Ideen Bachs Vermächtnis bis heute auslöst. Auf jeden Fall möchte ich dazu beitragen, dass sich der im klassischen Bereich stagnierende Musikbetrieb erneuert. Bekannte Meisterwerke werden öfter gespielt als ihnen gut tut. Mein Anliegen ist es, dieser Ermattung vorzubeugen und Werken Gehör zu verschaffen, die zu Unrecht vernachlässigt worden sind. Haben Sie für Ihren Aufenthalt in Dessau bestimmte Pläne? Ich möchte das Dessau-Wörlitzer Gartenreich und das Bauhaus besichtigen und möglichst viele andere Veranstaltungen besuchen. Ich freue mich sehr auf die Begegnung mit anderen Künstlern, mit der Musik Kurt Weills und dem kompositorischen Umfeld. Zum Teil treffe ich auch alte Bekannte wieder; zum Beispiel habe ich mit Golo Berg das Ravel-Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle gespielt. Sind Sie bereits wieder auf der Suche nach „neuem“ verschollenen Repertoire? Worauf dürfen wir uns als nächstes freuen? Auf meiner soeben erschienenen Einspielung von Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 kann sich der Hörer aussuchen, mit welcher Kadenz er das Stück hören möchte. Die von Erwin Schulhoff wurde noch nie gespielt und nun zum ersten Mal veröffentlicht. Viktor Ullmanns Version war das letzte Werk, das er im KZ Theresienstadt kurz vor seinem Tod komponierte. Weitere Kompositionen sind von Charles-Valentin Alkan und Ignaz Moscheles, die letzte Kadenz stammt von mir. Das Gespräch führte Damaris Stengel

Michael Rische beim Kurt Weill Fest 2007 V4, Samstag, 03.03.2007, 15.00 Uhr Festivalcafé im Anhaltischen Theater Dessau Michael Rische im Gespräch V10, Sonntag, 04.03.2007, 11.00 Uhr Konzert im Bauhaus Dessau „Hot-Sonate“ V32, Sonntag, 11.03.2007, 11.00 Uhr Klavierrecital im Schloss Köthen (Spiegelsaal) Michael Rische Biografie und CD-Tipps siehe V4, V10 und V32

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Donnerstag, 01.03.2007

(PROLOG)

18.00 Uhr, Ausstellungseröffnung im Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger

„KURT WEILL UND SEINE MUSIKERZEITGENOSSEN FOTOGRAFIERT VON ERIC SCHAAL“ Einführung: Stefan Weidle Biografie

Eine besondere Rarität, drei selbst für Weill-Forscher und die Kurt Weill Foundation unbekannte Porträtfotografien Kurt Weills, werden mit dieser Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Sie entstanden vermutlich 1938 in einem Theater und zeigen den in seine Arbeit vertieften Komponisten (siehe Seite 6). Die Aufnahmen von Eric Schaal lagen bislang nur als Negative vor und wurden eigens für die Ausstellung abgezogen. Der Münchner Fotograf Schaal war leidenschaftlicher Sammler von Autografen und großer Musikliebhaber. Immer auf der Suche nach dem „Antlitz des schöpferischen Menschen“, fotografierte er nur Personen, deren Arbeit ihn interessierte. Sein fotografisches Lebenswerk kommt einem ungewöhnlichen Panorama von Persönlichkeiten gleich, darunter viele deutsch-jüdische Exilanten. Neben den Fotos von Malern wie Salvador Dalí oder Schriftstellern wie Walter Mehring ist vor allem die Fülle von Musikerporträts interessant. Dabei suchte er immer den engen persönlichen Kontakt mit seinen Modellen und sah sich selbst als Handwerker und nicht als „Künstler“. Porträts hat Schaal nur für sich gemacht, wusste Ehefrau Miriam Schaal zu berichten. „Sie wurden nur veröffentlicht, wenn die Person, die er fotografiert hatte, es wünschte, oder, in seltenen Fällen, von jemandem, der von ihrer Existenz wusste.“ Neben den drei Porträtaufnahmen Kurt Weills sind in der Ausstellung acht wenig bekannte Porträts berühmter Komponisten und Dichter zu sehen wie von Igor Strawinsky, Arnold Schönberg, Darius Milhaud oder Franz Werfel, mit denen Weill zusammen arbeitete oder in Kontakt stand.

Eric Schaal 1905 geboren am 18.08. in München ab 1918 Lehre im Münchner Fotostudio Tafelmaier; Klavier- und Kompositionsunterricht 1928–1929 Aufenthalt und Fotografien in New York 1930–1932 Bekanntschaft mit Igor Strawinsky und Oskar Maria Graf in München; Arbeit für eine Konzertagentur und als Autor von Literaturkritiken und Erzählungen 1936 Emigration nach New York. Vernichtung der Autografensammlung und der meisten Fotografien Schaals durch die Nazis ab 1937 Tätigkeit für die Agentur Pix ab 1941 Freie Mitarbeit bei Time Inc., mehrere Covers für Time Life; Heirat, Geburt seines Sohnes 1944 Eric Schaal wird amerikanischer Staatsbürger ab 1947 Reisen nach Europa im Auftrag von Time Life 1964 Heirat von Miriam Alter in zweiter Ehe; Arbeit für Time Life Paris um 1966 Zerstörung vieler Negative von Schaal bei Brand im Pariser Büro 1967 Umzug nach Männedorf bei Zürich 1968 Fotografie der documenta 4 in Kassel für Time Life 1968–1972 Mehrere Fotoreportagen für Time Life, zum Teil in Osteuropa um 1972 Rückzug ins Privatleben 1994 Eric Schaal stirbt im April in Männedorf

Gemeinsame Ausstellung des Kurt Weill Festes Dessau und der Stadt Dessau Eröffnung: 01.03.2007, 18.00 Uhr Ausstellungsdauer: 02.03. bis 15.04.2007 Dienstag bis Sonntag, 10.00–18.00 Uhr

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Freitag, 02.03.2007 17.30 Uhr, Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau

FESTAKT ZUR ERÖFFNUNG Tanz: Tango-Duo Stravaganza Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur werden zur feierlichen Eröffnung des 15. Kurt Weill Festes in Dessau erwartet. Dem Festivalschwerpunkt „Tanz“ entsprechend, entführt das Tango-Duo Stravaganza die Besucher in die Welt des argentinischen Tango, unter anderem auch mit zwei Stücken aus Kurt Weills Suite Panaméenne. Das hoch gelobte Duo kommt aus Berlin, der europäischen Metropole des Tango-Tanzes, und steht für eine zeitgenössische Ausdrucksform. Nach ihrer professionellen Tanzausbildung in Buenos Aires bei den Altmeistern des Tango Argentino erarbeiteten sich Ulrike Schladebach und Stephan Wiesner ihren unverwechselbaren Stil, der zu Einladungen auf internationale Tango-Festivals führte. Zahlreiche FernsehFeatures sowie Theater- und Filmengagements festigten ihren Ruf als „bestes Tango-Duo Berlins, das selbst in Argentinien für Furore sorgt“ (Stern).


V1 19.00 Uhr, Eröffnungsveranstaltung Tanztheater im Anhaltischen Theater Dessau

„TANGO PALAST“

PREMIERE

Künstlerische Gesamtleitung / Choreografie: Gregor Seyffert Musikalische Leitung: Lothar Hensel (1. Teil), GMD Golo Berg (2. Teil) Bühne: Gregor Seyffert und Mathias Wulff Kostüme: Gabriele Kortmann Filmproduktion: Curuba Media Dessau Tango-Coaching: Duo Stravaganza GREGOR SEYFFERT COMPAGNIE DESSAU | Anhaltisches Theater Burgunde Walz-Schlüpp: Aureline Guillot General Rott Hack: Alexander Mateev Helly B.Lau: Denise Churchward Blu Lulu: Sandra Resende Aqua Oc.: Gabriele Rolle Monte Cobald zu Azur: Enrico Palvarini Neutrinus Zero: Mu-Yi Chen D’Red Marredcho: Noala DeAquino Dottrich Kück Egg (Dotti): Sascha Pieper G.G. Grien: André Baeta Anaiis Enortiz: Gemma Poulton Inaiis Enortiz: Carine Auberger sowie Gustav: Gregor Seyffert Orquesta Típica (1. Teil) 1. Violine: Myra van Campen-Bálint 2. Violine: Alexander Usunov Viola: Claudia Michaelsen Violoncello: Maurice Lepetit Klavier: Stefan Kozinski Bandoneon: Lothar Hensel Kontrabass: Oliver Potratz Bandoneon und Arrangements: Lothar Hensel (1. und 2. Teil) Anhaltische Philharmonie Dessau (2. Teil) Sounddesign: Michael Pregler (3.Teil)

1. Teil Kurt Weill (1900–1950) Tango-Ballade1 Lothar Hensel (*1961) Fantasia sobre un choclo Carlos Di Sarli (1900–1960) Milonguero viejo* Rosita Melo (1897–1981) Desde el alma* Gerardo Matos Rodríguez (1897–1948) La Cumparsita* Astor Piazzolla (1921–1992) Tanti Anni Prima Julio César Sanders (1897–1942) Luna de arrabal* Astor Piazzolla Melancólico Buenos Aires*2 Kurt Weill Youkali*3

Aureline Guillot und Gregor Seyffert in Tango Palast

2. Teil

Weitere Aufführungen von Tango Palast

Kurt Weill Tango-Ballade*1 Astor Piazzolla Tangazo4 Libertango*5 Michelangelo 70*4 Oblivion*4 Tanguedia III *4 Kurt Weill Youkali*3

Kurt Weill Fest 2007 09.03.2007, 19.30 Uhr (V24) sowie 17.03.2007, 17.00 Uhr 30.03.2007, 19.30 Uhr 23.06.2007, 15.00 Uhr 28.06.2007, 16.00 Uhr

3. Teil Kurt Weill Tango-Ballade** Bajofondo Tangoclub Exodo II Gotan Project Domingo Elbtonal Percussion Bazar Gotan Project la del ruso Santa Maria Kurt Weill Youkali Keine Pause * Bearbeitungen Lothar Hensel ** Bearbeitung Tino Müller (wehkah) 1 © Universal Edition AG Wien 2 © Editions Universelles 3 © Editions Heugel Paris 4 © Tonos Music GmbH Darmstadt 5 © 1975 by Edizioni Curci S.r.l., Milano/A. Paganini S.r.l. Lipomo (Italy) Mit freundlicher Genehmigung der Curci Germany GmbH „Tango, südamerikanischer Tanz im 2/4-Takt mit Wechsel-, Knickschritt, langsamen Kreuzschritten und Stillstandshemmungen...“ (aus: Reclams Ballettführer)

Ein Abendprogramm zu dieser Produktion erhalten Sie im Anhaltischen Theater Dessau. Koproduktion des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Anhaltischen Theater Dessau und der Gregor Seyffert Compagnie Dessau

„Für den Tango existiert kein Volk als abstrakte Einheit oder als Ideal. Der Tango kennt nur den Menschen aus Fleisch und Blut.“ (José Gobello)

Mit freundlicher Unterstützung der NORD/LB Landesbank für Sachsen-Anhalt

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Ein Gespräch mit Gregor Seyffert

Figuren, die sich nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens geaalt haben, bewegen sich anders durch Der Abend verspricht einen Streifzug durch über die Welt des Tango, als es ein Tangotänzer in Ausübung 80 Jahre Tangogeschichte – weltweit. Welches waren seiner Kunst jemals tun würde. für Sie die spannendsten Entdeckungen bei Ihren Das Gespräch führte Damaris Stengel Recherchen über den Tango? Interessant war in jedem Fall zu erfahren, in wie viele Facetten und Stränge der Tango mittlerweile ausgeufert Über den Tango von 1922 ist und dass er sich bei den heutigen Adaptionen viel „Tango ist der Gipfel. [...] Ganz abgesehen von einem mehr vom klassischen Bandoneonspiel und der „melan- Höchstmaß an Technik, verlangt er Voraussetzungen cholisch getanzten Leidenschaft“ abhebt – obwohl psycho- und physiologischer Natur, die die Mehrzahl der finnische Tango beispielsweise noch sehr mit den der Zeitgenossen dank ihrer unmöglichen Erziehung Zitaten des melancholisch geprägten argentinischen nicht erfüllen kann. Tango ist kein Tanz, er ist ein buntTango arbeitet, wenngleich viel entrückter und skur- glitzerndes Erlebnis der Seele, das die Glieder im verriler. Selbst russischer und japanischer Tango treiben schlungenen Spiel der Außenwelt mitteilen. [...] Alles die wundervollsten Blüten und drücken auf ihre Weise ist gedämpft beim Tango. Selbst die Freude bricht sich die Gefühle und Interpretationen dieser Nationen aus. nicht hell Bahn. Majestätisch ist die Wehmut! Tango ist Besonders spannend fand ich, welche Wurzeln der Tan- ein aristokratischer Tanz. Nie hat und nie wird es wieder go hat: Sie liegen in der Milonga, die usprünglich aus einen Rhythmus geben, der gleich Tango dem Körper so Afrika kommt und später sogar als „Schwarze Musik“ viel Spielraum gibt, bunte Träume hauchend anzudeuten verboten wurde. Milonga wurde daraufhin verändert; oder verhaltene Liebesglut oder tränengetränkte Trauer der Tango ist die quasi verlangsamte Milonga. oder sprudelnde Freude oder fiebergeschüttelte SehnWelche Rolle spielt Kurt Weills Tangomusik in süchte oder wehmütiges Verzichten. [...] Er ist unbeIhrem Programm? schreiblich dieser Rhythmus: denn er ist der Rhythmus Weills Musik hat mir den entscheidenden Impuls des Lebens.“ (aus: Heinz Pollack „Die Revolution des Gesellschaftstanzes“, gegeben, mich überhaupt mit dem Tango zu beschäftiDresden 1922) gen. Seine berühmtesten Tangostücke werden die Akte jeweils ein- und ausläuten. Dabei interessieren mich Über Astor Piazzolla besonders die Veränderungen, die sich bei der Inter„Der bisher letzte große Erneuerer des Tango – gewagt, pretation über einen Zeitraum von 80 Jahren Tangogeschichte zwangsläufig einstellen. Das zeige ich und mit großem Ideenreichtum, wenn auch manchmal etwas übertrieben und unausgeglichen in seinem Bestreben somit bleibt Weill 2007 für mich hoch aktuell. Tangotanzende in einem Ballsaal sind die Protago- nach Erneuerung – ist Astor Piazzolla. Er ist ein sehr nisten auf dieser Reise durch die Geschichte. Wel- fruchtbarer Komponist und einige seiner Werke sind che Charaktere gibt es und wie ändern sie sich über wahre Höhepunkte des ‚avantgardistischen’ Tango. Als Bandoneonspieler führte er einen neuen Stil der Phrasiedie Jahre? Die Charaktere der Figuren sind – neben der Reise rung, des Rhythmus und der Harmonie mit einer betont durch die Geschichte des Tango – das ganz Spezielle dramatischen Interpretationsweise ein. Als Dirigent und an dem Abend, die eigentlichen, würzigen Zutaten: Der in seinen Arrangements wurde er von De Caro, Alfredo Tangopalast wird von 12 skurrilen Gestalten bevölkert, Gobbi, Orlando Goñi, Osvaldo Pugliese, Elvino Vardamit Eigenheiten, die nur eine „Burgunde Walz-Schlüpp“ ro und Aníbal Troilo stark beeinflusst. Später führte er oder ein „Dottrich Kück Egg“ alias „Dotti“ haben kön- auf der Suche nach immer neuen Klängen, neue Instrunen. Sie erleben eine Geschichte des Tango mit all den mente in sein Orchester ein: Harfe, Flöte, Vibrafon, Neuerungen und Entwicklungen, denen er unterworfen Celesta, amerikanische Gitarre und andere Schlaginstruwar. Sie sind ebenso den Veränderungen der Jahre unter- mente. Er nahm auch einige Elemente des Jazz (‚cool‘ worfen und reagieren darauf auf ihre eigene Weise. Wir und ‚progressiv’) auf. In seinen Arrangements tauchen beginnen mit einem quasi „Salon Orchester“ im Stil der zuweilen Klänge von Gershwin, Béla Bartók, Strawinszwanziger Jahre, im zweiten Teil kommt Piazzollas Tango ky und Bach auf. So entfernte sich Piazzolla von dem, Nuevo mit großem Orchester zum Tragen und wir lan- was ‚der Tango eigentlich im musikalischen Sinne ist’, den im dritten Teil im Jahr 2007 oder in der Zukunft, in um eine neue Musik zu kreieren, die, wie er selbst sagt, der der Tango längst nicht mehr original und ordentlich ‚zwar kein Tango ist, aber den Geist unserer Stadt und gespielt, sondern „frei“ und „wild“ mit anderen Musik- des Porteño von heute widerspiegelt.’“ (aus: Tomas Barna – Die Tangointerpreten, abgedruckt in der stilen zu einer Überdosis gemixt wird. Übersetzung von Oscar Sambrano in „Melancholie der Vorstadt: Tango“, Der Tango ist einem festen Regelwerk unterworhg. v. Künstlerhaus Bethanien, Berlin 1982) fen, Ihr freier Tanz ist das nicht, zumindest nicht in dieser strengen Form. Wie gehen Sie mit diesem Über den Tango Nuevo Kontrast um? „Tango Nuevo: Anfangs nahm man ihn mit großer VerWir interpretieren die Tangoschritte dem jeweiligen Zeitgefühl entsprechend, denn auch Tangoregeln sind wirrung und dann mit zunehmender Begeisterung auf. einer zeitlichen Veränderung und Entwicklung unter- Der Tanz ließ auf sich warten. Das europäische Klischee worfen. 2007 tanzt man diesen Tanz anders als 1920. war allgegenwärtig. So sah man zwei Welten aufeinMich interessieren diese Regeln, weil sie danach dür- anderprallen. Die eine bestand aus den europäischen sten, gebrochen zu werden. Zu Beginn der Probenar- Matadoren, die in Akkordarbeit versuchten, ihre Frauen beit galt die ganze Aufmerksamkeit dem Erlernen und zu konzertanter Musik aufs Kreuz zu legen, während sie Verinnerlichen der Regeln, um das Wesen des Tango zu mit verächtlich strafender Miene auf jene Dilettanten verstehen. Aber mit jedem Tag durchbrachen die Eigen- schauten, die eine andere Welt darstellten: ein paar arten der Figuren dieses Schema mehr und mehr. Diese eng umschlungene Pärchen, die sich zur Pausenmu-

Neutrinus Zero

Gustav Kostümbildentwürfe von Gabriele Kortmann

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sik von Juan D’Arienzo und Di Sari kaum von der Stelle bewegten und mit zögernden, langsamen Bewegungen die körperliche Nähe suchten, um sich ein wenig Wärme und Geborgenheit in der Umarmung zu geben. [...] Der Tango verlangt nach einem Mann mit einem eindeutigen Standpunkt (von ‚Stehen‘ abgeleitet) und von einer Frau, die bereit ist, sich auf etwas Ungewisses einzulassen oder zumindest auf die Führung des Mannes. Aber der Begriff ‚führen‘ stammt wohl von ‚Führer‘ ab, und der ist hierzulande nicht gut angesehen. So haben die Männer dann auch Schwierigkeiten, die Frauen zu führen, und kommen eher als Bittsteller daher, während die Frauen heimlich die Führung übernehmen und damit natürlich auch das Abenteuer des Ungewissen nicht erleben. Erst nach langer Übungszeit vertrauen die Männer darauf, dass es für eine Frau angenehmer ist, klar und deutlich geführt zu tanzen, als wenn sie permanent raten muss, was er dann wohl will.“ (Juan D. Lange in: Zeitschrift für KulturAustausch 3+4/2005)

Über den Tango von heute „Wir begannen damit, unsere eigenen Samples zu produzieren. Zuerst nahmen wir ein Tangoquartett mit zwei Bandoneons, Klavier und Bass auf. Dies nutzten wir, um auf dieser Basis (und anderen Samples auch) unsere Songs zu konstruieren. Danach holten wir wieder unsere Musiker, mit denen wir das erste Album aufgenommen hatten und auch lange auf Tour waren, ins Studio und nahmen diese Songs auf, die dann wieder elektronisch überarbeitet, editiert wurden. Erste Beats kamen hinzu. Danach ging es nach Argentinien, wo wir das Streicherensemble aufnahmen, zwei Rapper und einen Perkussionisten. [...] Erst danach gingen wir in Paris wieder in unser Studio und begannen die eigentliche Produktion, die Suche nach dem Gleichgewicht und dem richtigen Klang. [...] Ich hoffe, dass wir mit dem neuen Album nicht wieder als ein Lounge-Projekt abgetan werden. Das sind wir nicht. Wir sind das Gotan Project, und ich hoffe, dass man uns die Freiheit lässt, über das Label ‚Electro-Tango’ auch hinauszugehen.“

Golo Berg wurde in Weimar geboren und studierte dort an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Dirigieren, Klavier, Gesang, Komposition und Bratsche. 1991 wurde er Erster Kapellmeister und 1992 Chefdirigent und Musikalischer Oberleiter des Landestheaters Mecklenburg. 1997 wurde er zum Chefdirigenten der Hofer Symphoniker und ein Jahr später zum Generalmusikdirektor des Städtebundtheaters Hof ernannt. In Dessau ist Golo Berg seit 2001 Generalmusikdirektor des Anhaltischen Theaters und der Anhaltischen Philharmonie. Seine Laufbahn führte ihn zu einigen der wichtigsten Orchester und Opernhäuser Deutschlands, der Schweiz und seit einiger Zeit auch Asiens. Mit der Anhaltischen Philharmonie bestreitet Golo Berg regelmäßige Rundfunk-Auftritte und eine Reihe von CD-Veröffentlichungen. Lothar Hensel kommt wie das Bandoneon vom Niederrhein. Er studierte das Instrument in Buenos Aires und Paris bei berühmten Tangomusikern. Heute ist er weltweit einer der gefragtesten Bandoneonsolisten. Er spielte mit vielen renommierten Orchestern unter anderem mehrfach mit den Berliner Philharmonikern. Durch das Arrangieren für verschiedenste Formationen entdeckte Lothar Hensel das Komponieren für sich. Zunächst waren es Werke für seine eigenen Ensembles, denen schnell Kompositionen für große Orchester folgten. Die Uraufführung seiner Komposition tangomania für die Jenaer Philharmonie wurde von DeutschlandRadio live übertragen. Für sich selbst schrieb er das Bandoneonkonzert, das traditionelle Tangoelemente mit denen moderner Musik vereint.

Mathias Wulff In Leipzig geboren und in Berlin aufgewachsen, absolvierte Mathias Wulff zunächst eine Tischlerlehre Gregor Seyffert und studierte anschließend an der zählt zu den interessantesten und Fachschule für Angewandte Kunst ausdrucksstärksten Tänzern seiner Heiligendamm Innenarchitektur und Generation. Die Auszeichnung mit Möbeldesign. Als Bühnenbildassisdem Deutschen Tanzpreis 2003 biltent arbeitete er am Berliner Ensemdet dabei nur einen weiteren Höheble u.a. für Fritz Marquardt und Heiner Müller. Weitere punkt einer Biografie, die sich liest Projekte realisierte er für den Tränenpalast Berlin und wie ein tänzerischer Wunschzettel: die Freien Kammerspiele Magdeburg. Seit 2005 ist er als 1986 gewann er, noch als AusbilAusstattungsassistent und als Kostüm- und Bühnenbilddungsschüler bei Prof. Martin Puttke, den Prix de Lau- ner am Anhaltischen Theater Dessau tätig. sanne d’Or. Von der Schule ging er direkt ins Solo-Engagement an die Komische Oper Berlin (1987 bis 2000). Gabriele Kortmann Außerhalb der Oper arbeitet Gregor Seyffert eng mit wurde in Bremen geboren. Sie seinem Vater Dietmar Seyffert zusammen. 1990 kre- absolvierte eine Schneiderlehre ierte dieser für ihn das Solo Clown Gottes, das die 1996 und arbeitete im Anschluss daran gegründete Gregor Seyffert & Compagnie als deutschen als Kostümbildassistentin an zahlKulturbeitrag zu den Olympischen Spielen nach Atlanta reichen Theatern. Seit 1990 arbeitet führte und 2002 für das Fernsehen verfilmt wurde. 1997 sie als freiberufliche Kostümbildneerhielt Gregor Seyffert als erster deutscher Tänzer über- rin mit dem Schwerpunkt Zirkus und haupt den Prix Benois de la Danse / Unesco, den „Oscar Varieté in Deutschland, Frankreich der Tanzwelt“, der ihn zum weltbesten Tänzer des Jah- und der Schweiz u.a. mit André Heller, Bernhard Paul, res kürte. 2004 wurde er zum künstlerischen Direktor Tom Ryser und Thomas Weber-Schallauer zusammen. der GREGOR SEYFFERT COMPAGNIE DESSAU | Anhaltisches Theater ernannt.

Helly B. Lau

D’Red Marredcho

(aus: Interview mit Christoph H. Müller und Philippe Cohen Solal von Gotan Project für Jazzthetik, 2006)

Hinweis Das Theaterrestaurant hat nach Vorstellungsende 90 Minuten geöffnet und bietet warme Küche an.

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Plakat Don Giovanni neu 09.11.2005 11:12 Uhr Seite 1

DON GIOVANNI

MIGNON Oper von Ambroise Thomas Frank • Felsenstein • Rieckhoff

Hermann Westphal, Berliner Sezession

Dramma giocoso von Wolfgang Amadeus Mozart

Musiktheater an der Mulde

Berg • Felsenstein • Rieckhoff

17. bis 20. Mai 2007 Tickets: (0340) 2511333 oder 2400258 kasse@anhaltisches-theater.de Informationen: www.anhaltisches-theater.de

DIE ZAUBERFLÖTE Oper in zwei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart

Berg • Felsenstein • Rieckhoff

Berg · Felsenstein · Rieckhoff


Freitag, 02.03.2007 ca. 20.45 Uhr, Vorplatz Anhaltisches Theater Dessau

FESTLICHES FEUERWERK V2 22.00 Uhr, New Sounds im Beatclub Dessau

„SALON D‘EXTASE“ Los Twang! Marvels Lead-Gitarre: Alex Anthony Faide Rhythmus-Gitarre: Marisol Yolanda Palma Bass: Patrick Loimer Schlagzeug: Boris Bisfer Israel Gesang, Theremin: Ursula Häse (als Gast) Tanz: Bodacious Belles DJ: Hepcat Sound Dekorationen, Visuals: Martin Becker Produktion: Jörg Folta, Marisol Yolanda Palma, Martin Becker

Kurt Weill (1900–1950) Die Moritat von Mackie Messer Youkali Pollys Lied Alabama-Song September Song Bilbao-Song Surabaya-Johnny Los Twang! Marvels No Mamen! Tunesian Moon Fender IV Everybody up Los Twang! Marvels Guitars in Orbit Nikolaj Rimskij-Korsakov (1844–1908) Flight of the Bumblebee (Arr.: Alex Anthony Faide) Los Twang! Marvels Bruja Gitana Traditionell Samba Estrella – Tico Tico no Fubá Ary Barroso (1903–1964) / Bob Russel (*1914) Brasil Dick Dale (*1937) El Victor Los Twang! Marvels Fenderviche Ernesto Lecuona (1895–1963) Siboney Danny Amis / Eddy Angel (*1953) Kawanga Paul Johnson (*1946) Mr. Moto Eddie Bertrand Toes on the Nose Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Beatclub Dessau

Im ebenso schillernden wie dekadenten Berlin der „Wilden Zwanziger“ machen Neureiche, Künstler, Intellektuelle, Halb- und Unterweltler in Clubs, Bars und Varietés die Nacht zum Tage. Es etabliert sich ein Paradies künstlerischer Exzentrik jedweder Coleur. Die Künstlerin Anita Berber tanzt Titel wie Kokain, ganz offen werden Drogen wie Opium, Kokain und Morphium konsumiert. Jazz und Swing sind der Soundtrack der Ekstase dieser Jahre. Der Dessauer Beatclub erweist der kulturellen und sozialen Schrankenlosigkeit der 1920er Jahre seine Reverenz und verwandelt sich in ein Nachtlokal jener Zeit. Mit dem Salon d’Extase findet die im vergangenen Jahr etablierte Reihe „New Sounds“ des Kurt Weill Festes ihre Fortsetzung. Den Soundtrack zu dieser „rauschhaften“ Party liefert die Surf- und Instroband Los Twang! Marvels, eine echte Ausnahmeerscheinung der hiesigen Musikszene. Die Band um Alex Anthony Faide und Marisol Yolanda– beide entstammen südamerikanischen Musikerfamilien – hat ihre Wurzeln im Surf und Twang der 1950er und 1960er Jahre und verbindet diesen Sound mit übergreifenden Genres zu einer einzigartigen Instrumentalmusik. Bei ihrem Dessauer Auftritt treffen südamerikanische Melodien auf Euroinstro, Sixties Happy Sound auf Surf’n’Roll, klassische Themen auf Versatzstücke des Swing und Jazz, wobei auch Musik aus der Feder Kurt Weills nicht fehlen wird. Die Los Twang! Marvels sind eine der wenigen Surf- und Instrobands, die Stücke des Komponisten bearbeitet haben. Dabei entsteht eine Reise durch verschiedene Klangwelten, eine gekonnte Fusion von Popularmusik der 1920er und 1930er Jahre mit dem Instrumentalkosmos der Band, die ein neues Publikum ebenso zu begeistern vermag wie eingefleischte Szenegänger. Als Gastkünstlerin bereichert Ursula Häse die Arrangements um Gesangseinlagen und den Einsatz einer Ätherwellengeige (Theremin). Wilde Tänze der Bodacious Bells, an F.W. Murnau gemahnende Dekorationen, Sitzkissen und süße Opiumdämpfe runden den Salon d’ Exstase ab und machen ihn zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Los Twang! Marvels waren neben zahlreichen Club-Konzerten auf Festivals in Berlin, Leipzig und Hamburg zu erleben, spielten vor einigen Monaten in Mexiko und treten noch in diesem Jahr eine Tournee durch Frankreich und Spanien sowie ihre „Latino Surf Explosion“Tour durch Deutschland an.

CD-Tipps Los Twang! Marvels Guitars in Orbit El Toro (Bear Family Records) Los Twang! Marvels Prueba del Fuego El Toro (Bear Family Records) Erhältlich über: info@twang-marvels.de www.twang-marvels.de

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Samstag, 03.03.2007 V3 11.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

„DESSAU UND KURT WEILL“ Das Stadtmuseum Dessau verfügt über zahlreiche Zeugnisse aus der Zeit, in der die jüdische Gemeinde Dessau zu den fortschrittlichsten Deutschlands zählte. Kurt Weill, dessen Eltern aus angesehenen Rabbinerfamilien stammten, verlebte hier seine Kinder- und Jugendjahre. Er erhielt schon früh eine musikalische Ausbildung, zu der ihm sein Vater, Kantor der imposanten jüdischen Synagoge Dessaus, verhalf. Am Herzoglichen Hoftheater sammelte Weill als freier Korrepetitor erste Theatererfahrungen. Anhand von Fotoaufnahmen, originalen Schellack-Platten und historischen Dokumenten stellt die Sonderführung Stationen Kurt Weills in Dessau vor.

V4 15.00 Uhr, Festivalcafé im

Anhaltischen Theater Dessau

„MICHAEL RISCHE IM GESPRÄCH“ A R T I S T- I N - R E SI D EN C E 20 07

Moderation: Clemens Birnbaum Klavier: Michael Rische

und dem BBC Symphony Orchestra London haben ihn in Konzertsäle in Europa, Israel, den USA und China geführt. Michael Rische leitet eine Klavierklasse an der Musikhochschule Köln. Beim Kurt Weill Fest Dessau wird Michael Rische als Solist ein Klavier-Recital im Schloss Köthen gestalten (siehe V32). Außerdem wird er gemeinsam mit dem Saxofonisten Detlef Bensmann im Bauhaus „heiße“ Jazzsounds mit klassischen Klängen verbinden (siehe V10).

Neue Synagoge Dessau mit Gemeindehaus, in dem die Familie von Kantor Weill 1907 eine Dienstwohnung bezog.

V5 17.00 Uhr, Chorkonzert in der Marienkirche

Mit freundlicher Unterstützung der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt

„RECORDARE“

Der Pianist Michael Rische erlangte durch Konzertauftritte im In- und Ausland und seine Interpretationen von Bach, Beethoven, Debussy und Ravel auf CD internationales Renommee. In Leverkusen geboren, studierte er in Düsseldorf bei Max Martin Stein (Klavier) und bei Milko Kelemen (Komposition), später bei Rudolf Buchbinder in Wien. Entscheidende Anregungen erhielt er außerdem durch Rudolf Serkin und Pierre Boulez. Seit seiner Entdeckung der Klavierkonzerte von Erwin Schulhoff (Deutsche Erstaufführung 1993) und George Antheil (Uraufführung 2001 in London) hat Michael Rische einer ganzen Stilrichtung wieder zu ihrem Recht verholfen: der Musik der zwanziger Jahre, in der sich Klassik und Jazz begegnen. Eine Fernsehdokumentation des Regisseurs Alexander Kluge dokumentierte dieses Engagement. Im Frühjahr 2006 erschien bei Sony Michael Risches CD Piano Music of the 20s mit vom Jazz inspirierten Klavierstücken von Antheil, Schulhoff, Gershwin, Milhaud u.a. Nicht weniger Aufmerksamkeit erntete die Einspielung des 3. Klavierkonzertes von Beethoven, die dem Hörer die Möglichkeit bietet, zwischen sechs verschiedenen Kadenzen zu wählen. Seine Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Sylvain Cambreling, Gerd Albrecht, Yuri Simonow, Christoph Poppen, Michael Boder und Wayne Marshall (Artist-in-Residence des Kurt Weill Festes 2005) sowie Orchestern wie der Staatskapelle Berlin, dem WDR Sinfonieorchester Köln, dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Orchestre National de Belgique, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, den Bamberger Symphonikern

Musikalische Leitung: Howard Arman Einstudierung MDR Kinderchor: Gunter Berger MDR Rundfunkchor MDR Kinderchor Kurt Weill (1900–1950) Recordare op. 11 für vierstimmigen gemischten Chor und Kinderchor a cappella Kiddush für Tenor, gemischten Chor und Orgelbegleitung

Michael Rische siehe Interview Seite 7 und CD-Tipps Seite 26 und 57

Solisten: Kristian Sørensen (Tenor), Frank Zimpel (Orgel) Giles Swayne (*1946) Stabat mater op. 95 (Deutsche Erstaufführung) für gemischten Chor a cappella in Originalsprachen (Lateinisch, Arabisch, Hebräisch) Solisten: Marina Scharnberg (Sopran), Manja Raschka (Alt), Nico Eckert (Tenor), Gun-Wook Lee (Bass) Ein Abendprogramm erhalten Sie in der Marienkirche. Kooperation des Kurt Weill Festes mit dem MDR Mit freundlicher Unterstützung der Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003

Hinweis zu V4 Das Theaterrestaurant hat bereits eine Stunde vor der Veranstaltung geöffnet und bietet Kaffee und Kuchen an.

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Biografie Giles Swayne komponiert seit 1970 Sinfonien, Opern, Kammer- und Chormusik und zahlreiche Auftragswerke, u.a. für die BBC und die King’s Singers. Er unterrichtet Komposition, seit 2003 in Cambridge. 1946 geboren, aufgewachsen in Liverpool 1958 erste kompositorische Arbeiten 1963–1968 Studium in Cambridge bei Raymond Leppard und Nicholas Maw 1968 Studium an der Accademia Chigiana in Siena 1968–1971 Studium an der Royal Academy of Music bei Harrison Birtwistle, Alan Bush und Nicholas Maw 1971 Greater London Arts Association Young Composer’s Prize 1976–1977 Kompositionskurse bei Olivier Messiaen am Conservatoire Paris 1981–1982 Studium afrikanischer Musik in Ghana und Senegal; lebt später zeitweise mit seiner afrikanischen Frau in Ghana (bis 1996)

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Seine beiden einzigen, eigenständigen geistlichen Werke für Chor erscheinen fast ein wenig verloren inmitten des Gesamtschaffens von Kurt Weill. Geraten sie daher zumeist aus dem Blickfeld? Passen sie nicht so recht zum „Bild“ des Komponisten von Dreigroschenoper, The Firebrand of Florence oder Street Scene? Verdienen sie als singuläre, wiewohl hervorragende Beiträge zur Chormusik im 20. Jahrhundert weniger Beachtung, weil sie „nur“ Einzelfälle blieben? Zum einen mangelte es Weill an Gelegenheiten wie Aufträgen, sich diesem Metier öfter oder gar kontinuierlich zuzuwenden, zum anderen übte jede Art von Bühnenwerk größte Faszination auf ihn aus und band seine Kraft und Zeit in immer stärkerem Maße. Dabei hatte „reine“ Vokalmusik seine frühe musikalische Entwicklung entscheidend geprägt. Die Kenntnis der jüdischen Traditionen vermittelte ihm sein Vater Albert (1867– 1955), der neben seiner Tätigkeit als Kantor der Synagoge in Dessau selbst geistliche Werke komponierte, aber auch liturgische Musik sammelte und herausgab. Zeitweise betätigte Kurt Weill sich auch als Chorleiter, letztmalig zwischen April und Juli 1921 beim Synagogenverein Berlin-Schöneberg, zu Beginn seiner Studien in der Meisterklasse Ferruccio Busoni an der Preußischen Akademie der Künste Berlin (1921–1924). Die eindringliche Vertonung des lateinischen Recordare (1923) stammt aus dieser Zeit. Weill entnahm die Texte den Klageliedern des Jeremias, in denen Johannes R. Becher (gleich ihm der Künstlervereinigung Novembergruppe angehörig) „unser heutiges Elend und unsere Not“ beschrieben sah. Vor diesem Hintergrund betrachtet, gehen einige Betrachter des Recordare so weit (etwa Christian Kuhnt 2002), den verwendeten Bibeltext als „politisches Instrument“ einer Komposition, die sich „vordergründig religiös gebärdet“, zu begreifen. In den sechs Abschnitten der Motette bezog sich Weill auf tradierte wie „moderne“ Kompositionsmittel. Polyphone Entwicklungen vollzog er gekoppelt an „zeitgemäße“ melodische und harmonische Elemente. Von dem eröffnenden Recordare-Motiv leitete er mehrere Motiv-Varianten ab und nutzte mit ihnen – durch Ostinati, freie Imitationen und homophone Abschnitte – auch satztechnisch verschiedene Möglichkeiten, den motettischen Verlauf abwechslungsreich zu gestalten. Der „ständig wechselnde Fluss von Strukturen und Farben“ (Heinz Geuen) erhält durch den Einsatz des Kinderchores eine weitere, besondere Nuance. Trotz mehrjähriger Bemühungen fand Weill keine Aufführungsmöglichkeit für Recordare. Lange Zeit galt die Partitur als verloren; 1970 tauchte eine Abschrift in einer Pariser Musikalienhandlung auf. So erfolgte die Uraufführung erst 1971 in Utrecht, fast 50 Jahre nach Entstehung. Kiddush wurde erst ein Jahr nach Weills Tod 1951 veröffentlicht. Ähnlich wie bei einigen anderen, nach Kriegsende auf Bitten von Freunden oder jüdischen Organisationen entstandenen Stücken, schrieb er im Mai 1946 den Chorsatz ebenso zielgerichtet wie rasch. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der New Yorker Park Avenue Synagoge hatte deren Kantor David Putterman mehrere Komponisten um neue Werke gebeten, neben Weill auch Darius Milhaud, Ernst Bloch und David Diamond. Weill widmete Kiddush seinem Vater – dies mag signalisieren, dass er in diesem kurzen Stück nicht nur ein unbedeutendes Gelegenheits- oder gar Nebenwerk sah. Der Text ist dem Freitagsgebet zugehörig und bezieht sich auf den Wein-Ritus. Weill übernimmt die Praxis des Wechsels von Vorsänger und Chor. „Die

Tonsprache ist nicht archaisierend, sondern bewegt sich vor allem harmonisch in Weills amerikanischem Idiom. Dennoch verrät die Führung der Gesangsstimmen und der antiphonale Charakter eine starke Nähe zum jüdisch-liturgischen Gesang, wie andererseits gewisse an Debussy erinnernde harmonische Wendungen und ungewöhnliche Akkordverbindungen den traditionellen Rahmen sprengen.“ (Heinz Geuen) Giles Swayne, einem der führenden englischen Komponisten der Gegenwart, gelingt es vor allem in seinen Vokalwerken immer wieder, mit Themen, denen man sich schwer entziehen kann, sowie deren fesselnder musikalischer Umsetzung seine Zuhörer in Bann zu ziehen. Im Herbst 2003 konzipiert, führte Swayne sein Stabat mater Anfang 2004 in kurzer Zeit aus, bereits am 3. Juni 2004 fand die Uraufführung beim Bath Festival statt. Fasziniert von der christlichen Tradition der um den sterbenden Jesus trauernden Maria, fand Swayne in seinem „Re-reading“ des mittelalterlichen Textes eine neue Sicht. Angesichts des wachsenden Fanatismus unserer Welt nach dem 11. September 2001 und der zahlreichen, sinnlosen Tode u.a. in Palästina und Israel, sah er hinter der Mater dolorosa auch all die klagenden Mütter der Gegenwart: „Es ist stets die Frau, die zurück bleibt.“ Und so durchsetzte er die lateinischen Verse der Mariensequenz mit aramäischen bzw. hebräischen (Kaddìsh) sowie arabischen (Salàat al-Jinàaza) Texten der Totenklage. Eine solch existentiell bedeutsame Problematik schien dem Komponisten nur mit einfachen, leicht erschließbaren musikalischen Mitteln möglich zu sein. Ausgehend von den achtsilbigen Verszeilen des Stabat mater entwickelte er achttönige Modi, die aus zwei aufeinander bezogenen Viertongruppen bestehen – diese dienten Swayne in melodischer wie harmonischer Hinsicht als variantenreich nutzbares Ausgangsmaterial. Die Gesamtanlage strukturierte er durch Wechsel von klar motettischen wie choralartigen oder einstimmigen Sätzen. Für die letzte Motette bezog er die Worte des Agnus Die aus der lateinischen Messe ein und vereinigte dabei – in jenen Sprachen, die Jesus selbst gesprochen hatte – die drei großen Religionen zu einem Friedensgesang. Allmuth Behrendt


führungen weisen den Chor zudem als Spezialensemble für zeitgenössische Musik aus. Die solistischen Fähigkeiten der Chormitglieder lassen Aufführungen in unterschiedlichsten Besetzungsgrößen zu und ermöglichen eine außergewöhnliche Programmgestaltung. Nahezu 200 Produktionen unter Leitung berühmter Dirigenten dokumentieren auf Schallplatte und CD das umfassende Wirken des Chores.

Howard Arman wurde 1954 in London geboren und studierte am Trinity College of Music. Nach erfolgreicher Tätigkeit mit führenden Ensembles seiner Heimat folgten Engagements in ganz Europa – so in Paris, Berlin, Madrid, Utrecht, Edinburgh, Athen und Brügge – sowie in Jerusalem. In Deutschland arbeitete er mit den Chören des NDR Hamburg, des SWF Stuttgart und des RIAS Berlin, in Österreich mit dem ORF Chor. Den Salzburger Bachchor leitete Howard Arman von 1983 bis 2000. In Italien fanden in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Hans Werner Henze zahlreiche Konzerte mit englischen Chören und Aufnahmen bei Festspielen in Rom und Montepulciano statt. 1991 gab Howard Arman sein Debüt als Dirigent im Musikverein Wien, 1995 leitete er die offizielle Eröffnung der Salzburger Festspiele. Für seine Opernproduktion Orlando wurde er 1996 mit dem Händelpreis der Händelfestspiele Halle geehrt. Seit Mai 1998 ist er Direktor und künstlerischer Leiter des MDR Rundfunkchores Leipzig. Howard Armans Einspielung von Rachmaninows Vesper mit dem MDR Rundfunkchor erhielt 2002 den ECHO-Klassik-Preis. Zu den letzten CD-Veröffentlichungen beim Label querstand zählen Carl Heinrich Grauns Passionsoratorium Der Tod Jesu (ECHO-Klassik-Preis 2005) sowie unter dem Titel Stärker als der Tod ist die Liebe zeitgenössische Vertonungen des Hohenliedes Salomo.

Der MDR Rundfunkchor ist der größte professionelle Konzertchor Deutschlands und der ARD. Der Grundstein für den Chor wurde 1946 gelegt. Geprägt durch seinen Chefdirigenten Herbert Kegel, entwickelte das Ensemble in den fünfziger und sechziger Jahren eine Klangkultur, die es in die europäische Spitzenklasse aufrücken ließ, wo es sich bis heute behauptet. Seit Mai 1998 ist der Engländer Professor Howard Arman Chordirektor und künstlerischer Leiter. Das Repertoire umspannt A-cappella-Literatur, Chorsinfonik und Opernchöre aus beinahe einem Jahrtausend Musikgeschichte. Zahlreiche Ur- und Erstauf-

Gunter Berger wurde 1962 in Greifswald geboren. Er studierte an der Musikhochschule Weimar, nahm an einem Wiener Meisterkurs teil und absolvierte ein Zusatzstudium im Fach Orchesterdirigieren an der Musikhochschule Leipzig. Seit 1990 ist er Dirigent des MDR Kinderchores, der unter seiner Leitung in vielen chorsinfonischen Werken mitwirkte. Er übernahm auch Einstudierungen bei anderen Chören (Gewandhauschor Leipzig, Berliner Mozartchor). Seit 1992 ist er als Dozent bei verschiedenen Chorseminaren im In- und Ausland tätig, u.a. auch seit 1997 an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen. An der Universität Leipzig hat er eine Professur für Chorleitung inne.

MDR Kinderchor Der 1948 von Hans Sandig gegründete Kinderchor des Mitteldeutschen Rundfunks, bis 1992 Rundfunk-Kinderchor Leipzig, zählt zu den traditionsreichsten Kinderchören der Stadt Leipzig. Das Repertoire reicht vom einfachen Kinderlied bis zur zeitgenössischen Musik und der Mitwirkung an chorsinfonischen Werken. Arbeitsschwerpunkte sind neben regelmäßigen Rundfunkproduktionen Konzerte in Leipzig, im Sendegebiet des MDR sowie im In- und Ausland. Tourneen führten das Ensemble, dem insgesamt 120 junge Sänger und Sängerinnen angehören, bereits nach Australien und Basel, für 2007 sind Gastkonzerte in den USA geplant. Beim Internationalen Chorwettbewerb in Verona erhielt der Chor 1998 und 2004 die „Goldene Stufe“ und das Prädikat „ausgezeichnet“, 2004 zudem den Sonderpreis „für die beste Einstudierung und Interpretation eines zeitgenössischen Musikwerkes“. Mit dem MDR Kinderchor liegen verschiedene CD-Einspielungen vor, zuletzt erschien Hexchen Purpurfee – Lieder und Geschichten zur Nacht als Buch mit CD beim Label querstand.

CD-Tipps MDR Rundfunkchor Howard Arman (Dirigent) Gewaltsam wie der Tod ist die Liebe Das Hohelied Salomos in Vertonungen des 20. Jahrhunderts MDR Edition 2 / querstand VKJK 0324 MDR Rundfunkchor Howard Arman (Dirigent) Sergej Rachmaninow: Vesper op. 37 * Berlin Classics 0017422BC MDR Rundfunkchor MDR Sinfonieorchester Howard Arman (Dirigent) Carl Heinrich Graun: Der Tod Jesu * MDR Edition 4 / querstand VKJK 0412 MDR Rundfunkchor Howard Arman (Dirigent) Robert Schumann: Chorwerke I MDR Edition 2 / querstand VKJK 0609 *ausgezeichnet mit dem ECHO-Klassik-Preis

Das Konzert wird von MDR FIGARO aufgezeichnet. Sendetermin: 13.03.2007, 20.00 Uhr

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Samstag, 03.03.2007 V6 19.30 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

„BERLIN IM LICHT“ Musikalische Leitung & Bariton: HK Gruber Ensemble Modern Flöte, Piccoloflöte: Dietmar Wiesner, Rüdiger Jacobsen Klarinette, Sopransaxofon, Altsaxofon: Nina Janßen Bassklarinette, Altsaxofon: Matthias Stich Tenorsaxofon, Baritonsaxofon: Lutz Koppetsch Klarinette: Regine Müller Fagott: Lucas Rössner, Heidi Mockert Horn: Saar Berger, Christine Chapman Trompete: Valentín Garvie, Sava Stoianov Posaune: Uwe Dierksen Tuba: Jozsef Juhasz Schlagzeug: Rumi Ogawa, Rainer Römer Klavier, Harmonium: Ueli Wiget Akkordeon: Vladimir Blagojevic Banjo, Gitarre: Jürgen Ruck Violine: Markus Däunert, Inken Renner Viola: Werner Dickel Violoncello: Eva Böcker Kontrabass: Aaron Baird Klangregie: Norbert Ommer

Kurt Weill (1900–1950) Berlin im Licht Ölmusik Nachtmusik Arbeitsrhythmus I Arbeiterlied I Arbeitsrhythmus II Arbeiterlied II Finale: Die Muschel von Margate Lieder aus Happy End Bilbao-Song Was die Herren Matrosen sagen Der Song von Mandelay Langsamer Fox Algi-Song Suite-Panaméenne aus Marie Galante Introduktion und Tango (Arr.: HK Gruber) Marche de l`Armée Panaméenne Youkali / Tango Habanera Tempo di Foxtrott (scène au dancing) Pause Lieder aus der Dreigroschenoper Morgenchoral des Peachum Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens Bastille-Musik (Arr.: David Drew) Introduction Military Music Minuet (Fête Galante) Nocturne Street Music Finale

HK Gruber

Lieder aus Johnny Johnson Captain Valentine’s Song Cowboy Song Kleine Dreigroschenmusik Ouvertüre Die Moritat von Mackie Messer Anstatt-dass-Song Die Ballade vom angenehmen Leben Pollys Lied Tango-Ballade Kanonen-Song Dreigroschen-Finale

Ein Abendprogramm zu diesem Konzert erhalten Sie im Anhaltischen Theater Dessau. Mit freundlicher Unterstützung der Schneekoppe Lifestyle GmbH und der Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003 Das Ensemble Modern wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und über die Deutsche Ensemble Akademie e.V. durch die Stadt Frankfurt, das Land Hessen, die GEMA-Stiftung und die GVL. Die Musikerinnen und Musiker des Ensemble Modern danken der Aventis Foundation für die Finanzierung eines Sitzes in ihrem Ensemble.

Es war zweifelsohne das künstliche elektrische Licht, welches das moderne (Großstadt-)Leben im 20. Jahrhundert überhaupt erst ermöglicht hat. Zwar war schon um 1809 mit Glühlampen experimentiert und 1841 das erste Patent vergeben worden – seinen wahren Siegeszug trat das künstliche Licht, das die Nacht zum Tage machen konnte, aber erst mit den Erfindungen von Thomas Alva Edison an. Diese wurden 1880 patentiert und führten zur flächendeckenden Elektrifizierung der westlichen Welt. Die künstliche Beleuchtung brachte auch eine Veränderung der Wahrnehmung mit sich. Die Visionen einer „ville lumière“, einer hellen, erleuchteten Stadt, die in den Plänen Jules Bourdais’ für einen „tour soleil“, einen Sonnenturm, gipfelten – geplant für die Pariser Weltausstellung von 1889, aber zugunsten des Turmprojekts von Gustave Eiffel nicht realisiert –, fanden eine andere

CD-Tipps Ensemble Modern Rosemary Hardy, HK Gruber, Ueli Wiget HK Gruber (Ltg.) Kurt Weill Berlin im Licht Largo 5114 Ensemble Modern Max Raabe, HK Gruber, Nina Hagen, Sona MacDonald, Hannes Hellmann, Winnie Böwe, Timna Brauer HK Gruber (Ltg.) Kurt Weill / Bertolt Brecht Die Dreigroschenoper RCA/BMG 74321 6464 2 Ensemble Modern HK Gruber (Ltg.) Roaring Eisler RCA/BMG 74321 56882 2 Max Raabe Palast Orchester HK Gruber (Ltg.) Charming Weill Sony BMG 09026635132 www.ensemble-modern.com

Hinweis Das Theaterrestaurant hat nach Vorstellungsende 90 Minuten geöffnet und bietet warme Küche an.

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Fünf Komponisten, die zum Berlin im Licht Festival beitrugen: Tiessen, Toch, Butting, Weill und Hindemith, Karikatur von B.F. Dolbin

Lösung in den „Lichtbildern“ der Gebrüder Auguste und Louis Lumière, den Erfindern der Cinématographie. Die Lichttechnik revolutionierte aber auch das Theater, dem ebenfalls der Gegensatz des hellen Bildes vor einem dunklen Auditorium eigen ist. Nicht wenige empfanden die „ville lumière“ aber auch als Bedrohung, war es doch nunmehr auch der Ordnungsmacht möglich, dunkle nächtliche Machenschaften ins (rechte) Licht zu rücken und allzu ausuferndem nächtlichen Treiben Einhalt zu gebieten. In den sich zunehmend auch anarchisch strukturierenden Metropolen garantierte das künstliche Licht also auch Ordnung, Sicherheit und Moral; man sprach gelegentlich sogar von „Ordnungsbeleuchtung“. Dem Frühlingserwachen der Hoch- wie der Subkultur in den 1920er Jahren konnte dies jedoch kaum einen Abbruch tun. Ohne das künstliche Licht wäre die rasante kulturelle Entwicklung in Deutschland – und vor allem in Berlin – in jenen Jahren wohl weder denk- noch machbar gewesen; den um 1925 beginnenden und mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 ebenso abrupt endenden „roaring twenties“. Das

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neue Lebensgefühl dieser Zeit fand seinen Ausdruck auch und gerade darin, dass man sich wieder amüsieren – vor allem, dass man tanzen wollte. So wurde Tanz immer weniger (etwa im Ballett) konsumiert, doch dafür immer häufiger auf dem Tanzparkett praktiziert. Wie Pilze schossen neue Etablissements aus dem urbanen Nährboden, formierten sich neue Tanzorchester und -kapellen und es gab Tanzveranstaltungen, Tanztees und Bälle zuhauf. Ganz abgesehen davon befand sich Deutschland seit einigen Jahren im Fieber des Jazz (oder was man dafür hielt): also jener Tanzmusik, die in der Weimarer Republik „Jazz“ genannt wurde. Jedenfalls kamen „moderne“ Tanzrhythmen auf, in denen einige Vertreter der jungen, aufstrebenden Komponistengeneration neue Ausdrucksmöglichkeiten auch für die sogenannte „Ernste“ Musik sahen – allen voran Kurt Weill, der schon längst mit populären musikalischen Formen und (Klang-)Farben gearbeitet hatte. Wie kaum ein anderer integrierte er Jazz- und Tanzelemente in seine Partituren; ja: Er erhob dies geradezu zum stilistischen Mittel. Außerdem hatte Weill – so sehr er auch darauf bedacht war und darüber wachte, dass seine Musik bei Theateraufführungen nicht beschädigt wurde, – wenig gegen Bearbeitungen seiner Songs für Tanzorchester und „Jazzbands“; im Gegenteil: Er förderte die Verbreitung seiner Musik. Weills Musik gefiel – und vermutlich gerade deshalb, weil sie nicht uneingeschränkt „gefällig“ war. Trotz ihrer gelegentlichen rhythmischen, melodischen und harmonischen „Schrägheiten“ blieb sie ungemein tanzbar. Sein neu entwickelter Songstil, der sich als unikate Innovation präsentiert hatte, schien genau den Nerv des Volks getroffen zu haben und eroberte ab 1928 weite Teile des


deutschen Kabaretts, von Schlager und Tonfilm. Spätestens seit Ende des Jahres 1928 erstrahlte Weills Stern in hellstem Glanze: Auf jeder Gasse wurden seine Melodien gesungen und gepfiffen, die Jazzbands der großen Hotels spielten mit ihnen zum nachmittäglichen Tanztee auf und man hörte sie von jedem Kaffeehausgeiger. Seine Musik bedurfte keiner Reklame mehr; Weill stand im Rampenlicht – und da schrieb er ein Stück, mit welchem sich die künstliche Beleuchtung, die Schaufensterwerbung und Leuchtreklame selbst zelebrieren wollte. Am 13. Oktober 1928 – ziemlich genau sechs Wochen nach der äußerst erfolgreichen Premiere der Dreigroschenoper am 31. August – feierte sich die Stadt Berlin mit einem großen Illuminationsfest als die kulturelle Hauptstadt des Kontinents. Die Aktion hieß „Berlin im Licht“, sie war von der Zentrale der deutschen Schaufenster-Licht-Werbung organisiert worden – und Kurt Weill hatte eigens dafür den Berlin im Licht-Song komponiert, der von Trude Hesterberg gesungen und auch als BEWAG-Lied bekannt wurde. Im Rahmen der gleichen Veranstaltung ließ das Berliner Messeamt einhundert Gebäude nach dem französischen Vorbild der „ville lumière“ anstrahlen. Dass es gerade ein Weill’scher Song war, der den „main title“ der Berliner Festmusik bildete, spricht für die ungeheure Popularität seiner Musik zu dieser Zeit. Gerade einmal ein Jahr zuvor hatte er die Schauspielmusik für das Stück Gustav III. von August Strindberg komponiert, die nach seinem Tod als Suite unter dem Titel Bastille-Musik publiziert wurde. Die Ölmusik stammt aus dem Jahre 1928, ebenso die Dreigroschenoper und die Kleine Dreigroschenmusik – eine Suite aus der Oper, die von keinem geringeren als Otto Klemperer angeregt worden war, der sie am 7. Februar 1929 auch zur Uraufführung brachte. Die Komödie mit Musik Happy End (von Dorothy Lane / Elisabeth Hauptmann und Bertolt Brecht) wurde dann ein knappes Jahr später, am 1. September 1929, aus der Taufe gehoben. Von den Werken des heutigen Programms stammen nur der Langsame Fox und Algi-Song aus früherer Zeit (1921); und später datieren die aus dem Stück mit Musik Marie Galante (von Jacques Déval, 1934) stammende Suite Panaméenne sowie die Songs aus dem Schauspiel mit Musik Johnny Johnson (von Paul Green, 1936). Bis heute hat das die Nacht erhellende Licht nichts von seinem Zauber verloren, und seit dem Illuminationsfest des Jahres 1928 ist Berlin im Licht etwas wie der Inbegriff für eine bewegte und bewegende Zeit, die kurze wirklich „goldene“ Phase der 1920er Jahre geworden. Bevor mit der braunen Machtergreifung die Lichter jener glanzvollen Berliner Unterhaltungsszene, die von den neuen Machthabern als „jüdisch-bolschewistische Unkultur“ geschmäht wurde, ausgelöscht wurden, hatte man noch ein letztes Mal die Nacht zum Tage gemacht und das Leben als einzigen rauschhaft-exzentrischen Tanz gefeiert. Konnte oder wollte man nicht bemerken, dass unter den Dielen bereits der Vulkan brodelte? Guido Johannes Joerg HK Gruber Der Komponist, Dirigent, Kontrabassist und Chansonnier HK Gruber ist einer der schillerndsten Protagonisten der österreichischen Musikszene. Charakteristisch für seine Arbeit ist die kongeniale Verbindung seiner verschiedenen Metiers. 2002 wurde er mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Als Dirigent und Solist trat Gruber mit zahlreichen Ensembles für zeitgenössische Musik und bedeutenden Sinfo-

nieorchestern weltweit auf. Regelmäßig arbeitet er mit dem Ensemble Modern, dem Wiener Radio-Sinfonieorchester, der London Sinfonietta, dem Swedish Chamber Orchestra, mit BBC und Rotterdam Philharmonic. Als Composer-in-Residence des Luzern Festival 2006 dirigierte HK Gruber die Wiener Philharmoniker, die BBC Symphony und das Ensemble Modern. Für seine CD-Produktion von Weill-Liedern mit dem Palast Orchester und Max Raabe erhielt Gruber den Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2001; ähnlich erfolgreich war seine Aufnahme der Dreigroschenoper mit dem Ensemble Modern. Ensemble Modern Das 1980 gegründete Ensemble Modern zählt zu den weltweit führenden Ensembles für Neue Musik. Seit 1985 in Frankfurt/Main beheimatet, vereint es zur Zeit 17 Solisten aus Argentinien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Indien, Israel, Japan, Polen und der Schweiz. Seine einzigartige programmatische Bandbreite umfasst Musiktheater, Tanz- und Videoprojekte, Kammermusik, Ensemble- und Orchesterkonzerte. Tourneen führten das Ensemble Modern nach Russland, Südamerika, Japan, Australien, Indien, Korea, Taiwan und in die USA. Regelmäßig tritt es bei renommierten Festivals auf wie dem Lincoln Center Festival New York, settembre musica Turin, Festival d’Automne Paris, Festival Ars Musica Brüssel, Holland Festival Amsterdam, Lucerne Festival, den Salzburger und Berliner Festspielen. Die Alte Oper Frankfurt veranstaltet seit 1985 eine Abonnementreihe, und in Kooperation mit der Oper Frankfurt finden regelmäßig Opernproduktionen und Werkstattkonzerte für zeitgenössische Musik statt. Eine enge Zusammenarbeit verbindet das Ensemble Modern u.a. mit der Kölner Philharmonie, dem Konzerthaus Berlin, der Philharmonie Essen und dem Festspielhaus Baden-Baden. Die Musiker erarbeiten im Jahr durchschnittlich 70 Werke neu, darunter etwa 20 Uraufführungen, und geben rund 100 Konzerte. Im Januar 2007 feierte Die Dreigroschenoper von Weill und Brecht als gemeinsames Projekt des Ensemble Modern mit der Internationalen Ensemble Modern Akademie am schauspielfrankfurt Premiere.

Ensemble Modern: Du sprachst eben unseren speziellen WeillSound an – was verstehst du darunter? HK Gruber: Beim Studieren der Partituren und beim Musizieren habe ich bemerkt, dass der Reichtum von Weills Musik in den Nebenstimmen liegt. Als wir unsere CD Berlin im Licht eingespielt haben, bin ich draufgekommen: da haben wir in einer Probe gesagt, jetzt spielen nur die Nebenstimmen, keine Melodien, und plötzlich haben wir alle festgestellt, dass das Stück jetzt wie moderne Musik aus den frühen 20er Jahren klang – dass dies ein Unterhaltungsstück sein sollte, war auf einmal die große Überraschung. Doch mit der Melodie drüber, dem Deckel sozusagen, war es schlagartig wieder eine ganz einfache Sache. Die Erkenntnis war folgende: es kommt bei Weill darauf an, die Linearität der Nebenstimmen gut heraus zu arbeiten ohne zu verkitschen, äußerste, „digitale“ Präzision und ein großes Gefühl für die Linienführung der einzelnen Stimmen sind gefragt, espressivo aber im Takt ... dann gibt es noch die Frage der Klangfarbe und der Tonentwicklung. Das alles haben wir im Laufe unserer Zusammenarbeit zu erarbeiten versucht und sind dabei auf eine eigene philharmonische Qualität gestoßen. Das ist auch die Antwort auf den Weill-Sound. (Auszug aus einem Gespräch zwischen HK Gruber, Roland Diry und Susanne Laurentius vom Ensemble Modern)

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02.02.2006 18:47:06 Uhr


Samstag, 03.03.2007 V7 22.00 Uhr, New Sounds im Bauhaus Dessau

THE TIGER LILLIES The Tiger Lillies Gesang, Akkordeon: Martyn Jacques Schlagzeug, Perkussion, Spielzeuge: Adrian Huge Kontrabass, Gesang: Adrian Stout Martyn Jaques (*1959) 2 Penny Opera Moon over Soho Why (Mackie´s childhood song) Piss on your grave My Daughter Mary Wedding Song Police Bastard Money Depends on Baby Fisheads Darling Hang Tomorrow Your Suicides Bitch Wise Twenty five minutes Finale Divine Das Programm enthält auch folgende Werke: Kurt Weill (1900–1950) Sexual Dependancy Mack the Knife

Die Tiger Lillies sind eine außergewöhnliche DreiMann-Formation, die sich vom gut gehüteten Londoner Szenegeheimnis zu einer – inzwischen auch in Deutschland anerkannten – Kultband mit ständig wachsender Anhängerschaft entwickelt hat. Abenteuerlich klingen schon die Anfänge: Martyn Jacques bildete sich im Londoner Stadtteil Soho über einer Striptease-Bar wohnend selbst zum Opernsänger mit kastratenartiger Stimme aus, die er seitdem als das perfekte Organ für die schaurig-schönen Songs verwendet. Er spielt auch Akkordeon und wird von dem Schlagzeuger Adrian Huge, den David Byrne von den Talking Heads einst als „James Joyce am Schlagzeug“ bezeichnete, und dem Kontrabassisten Adrian Stout begleitet. Mit dem schwärzesten britischen Humor erzählen die Tiger Lillies Geschichten voller Abseitigem, Verdrehtem, Verirrtem, Lächerlichem und Sonderlichem, vor allem aber voller Fantasie, Poesie und Menschenliebe. Ihre Musik ist eine verblüffende Mischung aus Varieté, Kabarett, Oper und Zigeunermusik. Der internationale Durchbruch gelang dem Trio mit Shockheaded Peter, ihrer höchst eigenwilligen Interpretation des deutschen Struwwelpeter-Dramas. Für seine Leistungen und den unverwechselbaren Stil erhielt Frontmann Martyn Jacques 2002 in London den begehrtesten Preis des englischsprachigen Theaters,

The Tiger Lillies

den Laurence Olivier Award. Nach etlichen Alben, langen Tourneen durch Ost- und West-Europa, den USA, Australien und Japan sind die Tiger Lillies nun beim Kurt Weill Fest zu Gast. Ihr Programm 2 Penny Opera basiert im weitesten Sinne auf der Geschichte der Dreigroschenoper, ist aber, wie der Name schon sagt, noch einen Penny billiger. Die Tiger Lillies betrachten den Stoff auf ihre Art und erzählen von Liebe, Tod, Verrat und Erlösung im Londoner Dreigroschenoper-Milieu von damals und heute. Ihre Musik und Texte wurden mit den Songs von Kurt Weill und Bertolt Brecht verglichen. Wie haben sie Ihre Arbeit beeinflusst? Martyn Jaques: Als ich ein junger Mann von 25 Jahren war, habe ich Die Dreigroschenoper sehr intensiv gehört. Ich liebte sie, und sowohl die Stimme von Lotte Lenya als auch die wunderbare Instrumentierung der originalen deutschen Fassung inspirierten mich – angefangen von dem sausenden Harmonium bis hin zu den trunkenen Gesängen. Sie schreiben selbst die Musik und die Texte zu ihren Liedern. Was ist im Moment ihr wichtigstes Thema? Martyn Jaques: Im Moment beschäftigt mich vor allem das Thema „Selbstmord“. Ich schreibe gerade eine Sammlung von Liedern darüber und drehe einen Film dazu. Zufälligerweise handelt es sich dabei um eine meiner komischsten Arbeiten. Die Fragen stellte Damaris Stengel

„Man stelle sich Kurt Weill vor, das Berlin der zwanziger Jahre, dazu ein Falsettsänger, der sich durch dieses Album schreit, wimmert, grummelt wie ein Besessener – und man hat die Tiger Lillies auf ihrem Album The Brothel To Cemetery .....Ätzend, komisch, schräg und irritierend.“ (Time Out Magazine, London)

CD-Tipps The Tiger Lillies Shockheaded Peter WSM 3984-26522-2 The Tiger Lillies The Brothel to the Cemetery WSM 8573-89217-1 The Tiger Lillies Circus Songs WSM 8573-83921-2 www.tigerlillies.com

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Sonntag, 04.03.2007 V8 10.00 Uhr, Führung im Bauhaus Dessau

„BAUHAUS UND TANZ“

Kurt Weill (1900–1950) Frauentanz op. 10 für Sopran, Flöte, Viola, Klarinette, Horn und Fagott Wir haben die winterlange Nacht (Text: Dietmar von Aiste) Wo zwei Herzenliebe an einem Tanze gan (Text: anonym) Ach wär’ meine Lieb ein Brünnlein kalt (Text: anonym) Dieser Stern im Dunkeln (Text: Der von Kürenberg) Eines Maienmorgens schon (Text: Herzog Johann von Brabant) Ich will trauern lassen stehn (Text: anonym) Ich schlaf, ich wach (Text: anonym) Paul Hindemith (1892–1974) Quartette für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier Mäßig bewegt Sehr langsam Mäßig bewegt

Spätestens mit der Übernahme der Leitung der Bauhausbühne durch Oskar Schlemmer im Jahr 1923 ist Tanz ein Ausdruckselement für die Bauhausbühne. Schlemmers Vorstellungen der Theaterarbeit spiegeln sich vor allem in seinen verschiedenen Fassungen des Triadischen Balletts wider. Dabei steht er wie andere Bühnenkünstler seiner Zeit, die in der Nachfolge von Emile Jaques-Dalcroze und Rudolf von Laban anzusehen sind, für die Ablösung vom traditionsbetonten klassischen Ballett durch den freien Tanz. Dass 1927 Gret Palucca, eine wichtige Vertreterin dieses neuen „Ausdruckstanzes“, die Meisterhäuser in Dessau besuchte, ist deshalb nicht überraschend. Auch in anderer Hinsicht spielte Tanz am Bauhaus eine große Rolle: Aus Reigen und Volkstänzen sowie aus üblichen Gesellschaftstänzen entwickelten sich bereits in Weimar tänzerische Mit freundlicher Unterstützung der Improvisationen, angefeuert von den rhythmisch mar- LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG kanten und vom Jazz inspirierten Klängen der Bauhauskapelle. Bevor Franz Schreker, der in den 1910er und 1920er Begrenzte Teilnehmerzahl. Karten nur im Vorverkauf. Jahren neben Richard Strauss der erfolgreichste OpernTreffpunkt: Kasse Bauhaus. komponist war, mit seinen expressionistischen Opern wie Der ferne Klang (1912) und Die Gezeichneten (1918) zum führenden Repräsentanten des zeitgenössischen V9 11.00 Uhr, Kammerkonzert im Musiktheaters wurde, hatte er seinen Durchbruch mit Schloss Georgium (Tischbeinsaal) dem Ballett Der Geburtstag der Infantin. Ein weiteres Tanzstück aus dieser frühen Zeit ist Der Wind, uraufgeführt 1910 in Wien. In Zusammenarbeit mit der Choreografin Grete Wiesenthal entstanden, gibt das Werk Zeugnis von einer der frühesten konkreten GemeinSolistin: Christina Gerstberger (Sopran) schaftsarbeiten zwischen Komponist und Choreograf. Die österreichische Tänzerin, die später ihre eigene Arte Ensemble Hannover Schule gründete, schuf vor dem Ersten Weltkrieg mit Violine: Kathrin Rabus ihren eigenwilligen Walzerinterpretationen einen neuen Viola: Stefanie Dumrese Tanzstil, der zunehmend abstrakter wurde, Mimik und Violoncello: Ute Sommer Pantomime mit einbezog und Vorreiter für den moderKlavier: Wolfgang Manz nen Ausdruckstanz wurde. Flöte: Christoph Renz Als Schreker 1920 als Direktor an die Berliner HochKlarinette: Guido Schäfer schule für Musik berufen wurde, war der junge Kurt Fagott: Uwe Grothaus Weill einer seiner großen Bewunderer und studierte seiHorn: Theo Wiemes ne Musik, um „in modernes Fahrwasser zu kommen“. Im April 1920 schrieb er an seine Schwester Ruth, er könne Gustav Mahler (1860–1911) / sich nichts Schöneres denken als Schrekers Schüler zu Alfred Schnittke (1934–1998) werden. Schreker wurde in Berlin ein gefeierter OpernKlavierquartett a-Moll komponist und ebenso ein gefragter KompositionsNicht zu schnell (Mahler) lehrer. Kurt Weill jedoch gehörte nicht zu diesem Kreis, Allegro (Schnittke) er wurde Meisterschüler von Ferruccio Busoni. Franz Schrecker (1878–1934) Weills Liederzyklus Frauentanz entstand im letzten Der Wind für Violine, Klarinette, Horn, Violoncello und Studienjahr bei Busoni und zeigt deutliche stilistische Klavier Verwandtschaft zu dessen Werk. Die sieben Gedichte Igor Strawinsky (1882–1971) des Zyklus sind Übersetzungen mittelalterlicher MinneSuite aus Die Geschichte vom Soldaten für Klarinette, sänge und handeln von Sehnsucht und unerfüllter LieVioline und Klavier be. Gewidmet ist der Frauentanz Weills Cousine Nelly Marche du Soldat Frank, die mit ihrem Mann und Kindern in Zürich lebte, Le Violin du Soldat und mit der Weill kurzfristig eine mehr als nur freundPetit Concert schaftliche Beziehung verband. Tango – Valse – Rag Obwohl nur das erste Lied ausdrücklich als Tanz (nämLa Danse du Diable lich als Menuett) ausgewiesen ist, ist allen sieben Liedern ein tänzerischer Grundgestus eigen. Verglichen mit Pause Kurt Weills frühen Klavierliedern ist der Stil dieser sie-

Bauhaus Dessau

„FRAUENTANZ“

Kurt Weill mit seiner Cousine Nelly Frank, der er seinen Frauentanz op. 10 widmete.

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ben Miniaturen – insgesamt dauert das Werk nur zehn Minuten – unromantisch und leicht; die Musik stellt keine Illustration der Textinhalte dar. Weill wünschte sich von der Sängerin eine Ausführung „ohne jede Sentimentalität, mit einer schlanken, leichten und doch ausdrucksvollen Stimme gesungen“. Die instrumentale Begleitung ist polyphon, aber sehr transparent und auf ein Minimum reduziert (nur in den Liedern I und IV sind alle Instrumente zu hören). Der Frauentanz wurde im Januar 1924 bei den Berliner Akademiekonzerten uraufgeführt, durchschlagenden Erfolg erfuhr das Werk jedoch erst wenige Monate später bei den Salzburger Kammermusikfestspielen mit der bedeutenden Kammersängerin Lotte Leonard. Das kurz vor dem Frauentanz entstandene Streichquartett op. 8 wurde im Vorjahr während der Kammermusikwoche in Frankfurt uraufgeführt, wo auch die deutsche Erstaufführung von Strawinskys Histoire du soldat stattfand. „Das ist eine Art ‚Volksstück mit Gesang und Tanz, ein Mittelding zwischen Pantomime, Melodram und Posse; die Musik ist, soweit das diese Art zulässt, meisterlich gestaltet, und auch das Schielen nach dem Geschmack der Straße ist erträglich, weil es sich dem Stoff einfügt.“ So charakterisierte Weill das Stück in einem Brief an Busoni und spielt damit auf die Einbeziehung von Jazzelementen und Formen populärer Tanzmusik wie Marsch, Walzer und Tango an. Die Uraufführung der Geschichte vom Soldaten fand 1918 in Lausanne statt. Strawinsky, der durch seine Arbeiten für die Ballets Russes von Impresario Diaghilew in Westeuropa berühmt geworden war, hielt sich während des Ersten Weltkriegs in der Schweiz auf. Zusammen mit seinem Freund und Librettisten Charles Ferdinand Ramuz hatte er den Plan, ein Wandertheater zu gründen, das kriegsbedingt mit sparsamen Mitteln auskam – daher die Besetzung mit nur sieben Instrumentalisten und vier Darstellern. Die Suite für konzertante Aufführungen in der Besetzung Klarinette, Violine und Klavier wurde 1919 vom Komponisten erstellt. Eine Bearbeitung ganz spezieller Art ist das Klavierquartett in a-moll von Gustav Mahler. Der 16-jährige schrieb das Quartett, das er für sein bestes Studienwerk hielt, 1876 am Wiener Konservatorium. Erhalten ist allerdings nur der 1. Satz dieses einzigen überlieferten kammermusikalischen Werks von Mahler. Lange Zeit nur als Manuskript vorhanden, wurde Alfred Schnittke 1988 auf das Werk aufmerksam und komponierte unter Verwendung des 27-taktigen Scherzo-Fragments einen zweiten Satz dazu, den er mit dem Fragment als Zitat ganz bewusst offen in einer heftigen Dissonanz enden lässt. Paul Hindemith gehörte als Instrumentalist und Komponist zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Avantgarde und war außerdem maßgeblich an der Etablierung der Musikfeste Donaueschingen und Baden-Baden beteiligt. Das Klarinettenquartett, 1939 in New York uraufgeführt, schrieb er für seine dritte, sehr erfolgreiche USA-Reise, auf der er Kontakte zu amerikanischen Musikorganisationen und Universitäten knüpfte. Über den Konzertabend mit fünf seiner Werke schrieb Hindemith an seine Frau: „‚Nicht enden wollender Beifall durchtoste das festlich gestimmte Haus’, als der Komponist die Bretter betrat. Gespielt wurde durchweg gut, der Erfolg war sehr groß. Das Programm war schön zusammengestellt, nur ganz am Schluss in dem sehr langen Klarinettenquartett waren die Hörer ein bisschen müde. Gerade dieses letzte Stück wurde besonders schön gespielt.“ Katrin Kirsch

Christina Gerstberger absolvierte ihr Diplomstudium im Hauptfach Gesang an der Hochschule für Musik in Detmold und studierte gleichzeitig an der Opernschule der Hochschule für Musik in Würzburg. Neben zahlreichen Preisen wurde sie mit Stipendien der Walter-Kaminsky-Stiftung in München, der Hans-und-Eugenia-Jütting-Stiftung in Stendal und der Richard-Wagner-Stipendiatenstiftung ausgezeichnet und errang den 1. Preis im Bundeswettbewerb Gesang Berlin. 2000 bis 2005 war sie festes Ensemblemitglied am Anhaltischen Theater Dessau. Beim Kurt Weill Fest war sie 2004/2005 in Street Scene als das Mädchen Rose Maurant zu erleben. Seit 2005/2006 arbeitet sie freischaffend. Gastengagements führten sie u.a. an die Oper Frankfurt, das Theater Dortmund und das Theater Luzern. Ab September 2007 wird sie als festes Ensemblemitglied am Staatstheater am Gärtnerplatz in München tätig sein. CD-Tipp Arte Ensemble Hannover Carola Gruber, Mezzosopran Verdiana – Verdi in Arrangements cpo, EAN: 76120398492 www.arte-ensemble.de

Arte Ensemble Gegründet im Jahr 1993 von Solisten der NDR Radiophilharmonie, tritt das Arte Ensemble in variablen Besetzungen vom Quintett bis zum Nonett auf. Alle Musiker verfügen über langjährige und intensive kammermusikalische Erfahrung; einige Mitglieder sind musikalische Partner bedeutender internationaler Künstler wie Gidon Kremer oder András Schiff. Das Arte Ensemble war bei namhaften Festivals wie dem Schleswig Holstein Musikfestival und den Niedersächsischen Musiktagen zu Gast und kann auf zahlreiche Konzertmitschnitte des Norddeutschen, Bayerischen und Hessischen Rundfunks sowie bei DeutschlandRadio Berlin verweisen. Das Ensemble spielt unter der künstlerischen Leitung von Kathrin Rabus, Geigerin des Kandinsky Streichtrio. Das Arte Ensemble hat zwei CDs in Koproduktionen mit NDR Kultur eingespielt. Besondere Beachtung fand in Presse und Konzert der Liederzyklus nach Kompositionen von Giuseppe Verdi: Verdiana – Composizioni da camera. Darüber hinaus bietet das Ensemble ein außergewöhnlich vielseitiges Repertoire mit namhaften Künstlern wie Michaela Kaune, Christiane Iven und Carola Guber, Christoph Pohl, Herbert Feuerstein oder Christian Brückner.

Das Konzert wird von DeutschlandRadio Kultur aufgezeichnet. Sendetermin: 12.03.2007, 20.03–23.00 Uhr

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Sonntag, 04.03.2007 CD-Tipps Michael Rische, Bamberger Symphoniker, Christoph Poppen (Ltg.); WDR Sinfonieorchester Köln, Steven Sloane/Israel Yinon (Ltg.) Piano concertos of the 20s Vol. I (Antheil, Copland, Honegger, Ravel) SonyBMG (ArteNova) 7432110142 Michael Rische, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Wayne Marshall (Ltg.); WDR Sinfonieorchester Köln, Gunther Schuller (Ltg.) Piano concertos of the 20s Vol. II (Schulhoff, Antheil, Gershwin) SonyBMG (ArteNova) 82876510512 Michael Rische Piano music of the 20s (Milhaud, Gershwin, Strawinsky, Schulhoff, Gruenberg, Antheil, Copland) Sony 82876 782162 Die beiden CDs Saxofon/Klavier (mit Detlef Bensmann) sind leider zur Zeit vergriffen.

V10 11.00 Uhr, Konzert im Bauhaus Dessau

„HOT-SONATE“ Klavier: Michael Rische A R T I S T - I N - R E S I D E N C E Saxofon: Detlef Bensmann

2007

Paul Dessau (1894–1979) Suite für Altsaxofon und Klavier Petite Ouverture Air Serenade Maurice Ravel (1875–1937) Piéce en forme de Habanera für Sopransaxofon und Klavier Five o’clock-Foxtrot für Sopran-/ Altsaxofon und Klavier Erwin Schulhoff (1894–1942) Hot–Sonate für Altsaxofon und Klavier Viertel = 66 Halbe = 112 Viertel = 80 Halbe = 132 Pause Kurt Weill (1900–1950) Drei Songs für Klavier solo aus der Dreigroschenoper Barbara-Song Liebeslied Kanonen-Song

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Michael Rische (*1952) permanent isolation für Altsaxofon und Klavier Detlef Bensmann (*1958) mit zweien spielt vier für Saxofon solo Darius Milhaud (1892–1974) Scaramouche für Altsaxofon und Klavier Vif Modéré Brazileira Mit freundlicher Unterstützung der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich Klassik und Jazz gegenseitig auf einzigartige Weise inspiriert. Als Stationen dieser Entwicklung seien Golliwog’s Cake-walk von Debussy und Strawinskys Rag-Time für Klavier genannt, weiterhin sieben Klavierkonzerte verschiedener Komponisten (u.a. Gershwin, Copland und Antheil), zuletzt in der Kammermusik die Hot-Sonate von Erwin Schulhoff und auf der Bühne Kurt Weills Dreigroschenoper. Mit der Entdeckung der Hot-Sonate verbindet sich aber auch die Gründung unseres Duos vor 20 Jahren: Dieses damals noch völlig unbekannte Werk steht für den Beginn der Zusammenarbeit zwischen Detlef Bensmann und mir. Vor der Entstehung der Hot-Sonate (1930) hatte sich Schulhoff schon intensiv mit dem Jazz beschäftigt: Das Klavierkonzert und die Cinq Etudes de Jazz geben davon Zeugnis. Folgerichtig ersetzt er in der Hot-Sonate die Satzbezeichnungen durch Metronomangaben; dennoch ist der zweite Satz unverkenn-


bar ein Charleston, der dritte ein Blues. Der erste Satz mit seinen beiden Themen und die insgesamt viersätzige Anlage verweisen dagegen klar auf die klassische Sonate. Mit diesem Meilenstein gelingt Schulhoff der Brückenschlag zwischen Klassik und Jazz, der Hot-Jazz mit seinem schnellen Grundschlag ist jedoch unverkennbar ein entscheidender Impulsgeber. Aus Maurice Ravels Märchenoper L’enfant et les sortilèges (1924) stammt der Five o‘clock-Foxtrot. Ravel äußerte sich dazu in einem Brief an die Librettistin Colette: „Was würden Sie davon halten, wenn die Teetasse und die Teekanne aus altem schwarzen Wedgewood-Porzellan einen Ragtime singen würden? Ich gestehe, dass mich die Idee faszinierte.“ Wie die Habanera, so existiert auch der Foxtrot in verschiedenen Bearbeitungen, von denen bereits 1931 einige für die Schallplatte aufgezeichnet wurden. Im Jahr 1935 schrieb Paul Dessau im Pariser Exil die Suite für Altsaxofon und Klavier. Zu dieser Zeit hatte ihn René Leibowitz mit der Komposition von „zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ bekannt gemacht. In der Suite ist jedoch noch kein Einfluss in diese Richtung zu erkennen. Obwohl Dessau die Suite in allen Werkverzeichnissen angab, interessierte sich bis 1988 niemand für das Werk. Noch vor der Drucklegung haben Detlef Bensmann und ich die Suite, die mitunter einen Weill’schen Tonfall übernimmt, 1989 in Berlin uraufgeführt. Darius Milhaud hatte eine Vorliebe für Exotisches. Seine vielen Reisen, seine Liebe zum Jazz, sein mehrjähriger Aufenthalt in Brasilien und seine Begeisterung für Theater und Film führten 1937 in Paris zur Komposition des Scaramouche op.165b für zwei Klaviere. Es war eine Auftragskomposition, für die er auf zwei erst kurz zuvor fertiggestellte Theatermusiken zurückgriff. Scaramouche wurde zu Milhauds Überraschung ein Welterfolg, und so schrieb der Freund des Saxofons, „das aus Träumen die Essenz presst” (Milhaud), im Jahre 1939 unter der Opusnummer 165c eine Fassung für Altsaxofon und Orchester. Der dritte Satz des Scaramouche ist die berühmte und beliebte Brasileira. Hinsichtlich der Art, wie brasilianische Musiker die für die Samba typischen Synkopen spielten, sprach Milhaud stets von einer Nonchalance des Atemholens, von einem kaum wahrnehmbaren Hiatus. Im Schaffen von Kurt Weill spielen weder Saxofon noch Klavier eine signifikante Rolle; lediglich ein frühes Intermezzo für Klavier ist da als originale Komposition zu verzeichnen. Es wird in meinem Recital am 11. März in Köthen zu hören sein. In diesem Programm erklingen drei seiner berühmtesten Songs aus der Dreigroschenoper in der einzigen autorisierten Klavierfassung. Zu guter Letzt präsentieren sich beide Interpreten als Komponisten: In mit zweien spielt vier von Detlef Bensmann werden alle Klappen des Saxofons geschlossen und nur die beiden Mittelfinger bewegt: Vier Griffe gespielt mit zwei Fingern. Ein Wa-Wa-Dämpfer steckt durchweg im Trichter, was den Klang und die Intonation sehr verändert und andere Mehrklänge als gewöhnlich ermöglicht. Mit zweien spielt vier erinnert an die Sonatensatzform: Zunächst wird aus dem zur Verfügung stehenden Tonmaterial ein melodisches Thema entwickelt, das aufgrund der Stimmung außerhalb unseres Tonsystems orientalisch bis asiatisch anmutet. Dann wird mit differenzierter Schlagzungentechnik (mit der Zunge gegen das Blatt schlagend) das Saxofon in eine orientalische Metalltrommel verwandelt. In der Durch-

Erwin Schulhoff

führung werden beide Teile ineinander verwoben und zu einer Klimax gesteigert, an die sich eine Reprise anschließt. In meiner 1995 entstandenen Komposition permanent isolation ist die Entwicklung von der Regungslosigkeit bis hin zur strömenden Motorik der alles bestimmende Faktor. Die vier nahtlos ineinander fließenden Abschnitte tragen die Bezeichnungen: Sehr ruhig – Zurückgelehnt, lässig – Aufgeregt [Saxofon solo] – Unaufhaltsam strömend. Die wenigen „Freiheiten“ dieses Stückes finden sich ausschließlich im Saxofonpart; das Klavier bleibt in seinem Bewegungsablauf festgelegt und in dieser Weise vom Saxofon isoliert. Michael Rische

„Kunst ist: Kunst nicht zur Kunst zu machen!“ (Erwin Schulhoff)

Michael Rische (siehe Interview Seite 7 und V4) Detlef Bensmann studierte Saxofon und Kontrabass an der Universität der Künste Berlin. Nach einem Engagement als Kontrabassist an der Deutschen Oper Berlin widmet er sich seit 1980 ausschließlich dem Saxofon sowie dem Komponieren und Dirigieren und ist als Dozent ist er an der Berliner Universität der Künste und der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ tätig. Detlef Bensmann konzertiert seit 25 Jahren in festen Kammermusikensembles und mit internationalen Spitzenorchestern unter namhaften Dirigenten. Er war mehrfach auf dem Havanna-Festival in Kuba zu Gast, wo er 2002 ein eigenes Saxofonkonzert uraufführte und 2003 mit dem kubanischen Staatsorchester seine Bearbeitung der Hot-Sonate von Erwin Schulhoff zu Gehör brachte. Das Konzert wird von MDR FIGARO aufgezeichnet. Sendetermin: 26.03.2007, 21.00 Uhr

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Sonntag, 04.03.2007 V11 15.00 Uhr, Festivalcafé im Steigenberger Hotel Fürst Leopold

„TANZ IN DEN GOLDENEN ZWANZIGERN“ Kurzfilme Palucca tanzt Tänze der zwanziger Jahre Mary Wigman tanzt

V12 17.00 Uhr, Tanztheater im Anhaltischen Theater Dessau

„JUDGMENT OF PARIS“ Rambert Dance Company Pond Way Choreografie: Merce Cunningham Musik: Brian Eno

Ausstattung: Roy Lichtenstein Kostüme: Suzanne Gallo Lichtdesign: David Covey Referentin: Yvonne Hardt Solisten: Lucila Alves, Clara Barberá, Eryck Brahmania, Schlagwerk: Steven Garling Antonette Dayrit, Malgorzata Dzierzon, Hubert Essakow, Robin Gladwin, Andrew Hurst, Die Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Mary Patricia Okenwa, Melanie Teall, Angela Towler, Wigman (1886–1973) gilt als Wegbereiterin des moder- Gemma Wilkinson, Renaud Wiser nen Ausdruckstanzes. Sie schuf in Ablehnung des Balletts eine eigene Bewegungssprache, die sich auf die Pause Qualitäten der Bewegung, Raum und Rhythmus konzentrierte. Dem Zeitgeist entsprechend glaubte sie, Judgment of Paris mit dieser befreienden Tanzform eine neue Gemein- Choreografie: Antony Tudor schaftskultur stiften zu können. Von ihrer 1920 in Dres- Musik: Kurt Weill den gegründeten Tanzschule kamen später viele erfolgreiche Tänzer und Tänzerinnen. Unter ihnen war auch Wiedereinstudierung: Sally Martin Gret Palucca (1902���1993), die ihr Wirken in Dresden Künstlerische Beratung: Lucy Burge fortsetzte. Sie gilt als die dynamischste der Ausdrucks- Ausstattung und Kostüme: Hugh Laing tänzerinnen. Wigman und Palucca verkörpern auch die Bühnenbild: Liz Reed (nach Entwürfen von Hugh ambivalente Position des Ausdruckstanzes im Übergang Laing) zum Nationalsozialismus, denn sie waren beide an den Lichtdesign: Sid Ellen Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele 1936 beteiligt, mussten später jedoch Einschränkungen ihrer Karriere Solisten: Hubert Essakow, Robin Gladwin, durch das System hinnehmen. Die Palucca-Schule in Mikaela Polley, Angela Towler, Gemma Wilkinson Dresden existiert unter anderen Vorzeichen noch heute. Klavier: Stephen Lade Yvonne Hardt ist Tänzerin, Choreografin und Tanzwissenschaftlerin. Nach ihrem Studium in Berlin und Montréal promovierte sie am Graduiertenkolleg „Körper-Inszenierungen“ der FU Berlin. Seit 2003 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin und arbeitet dort am Aufbau eines Masterstudienganges Tanzwissenschaft mit. Weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Tanz und Medien und die Verbindung von Praxis und Theorie der Tanzkunst. Zudem arbeitet sie aktiv als Choreografin ihrer Tanzkompanie BodyAttacksWord. Steven Garling Der 1968 geborene Schlagwerker studierte zunächst Perkussion, Komposition und Jazz. Mit dem 1. Russischen Stummfilm Festival in Berlin (1992) begann er, Bildern, Geschichten, Charakteren und Stimmungen durch seine Musik eine zeitgenössische Stimme zu verleihen. Mit seinen Live-Interpretationen von Stummfilm-Raritäten tourt er mittlerweile durch Deutschland, Europa und den USA. Steven Garling erarbeitet auch Kompositionen für Theater, moderne Filmsoundtracks und Hörspiele.

Szenenfoto Judgment of Paris www.rambert.org.uk

Divine Influence (Deutsche Erstaufführung) Choreografie: Martin Joyce Musik: Ludwig van Beethoven Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll op. 27/2 (Mondscheinsonate), 3. Satz Kostüme: Stevie Stewart Solisten: Martin Joyce, Angela Towler Pause Swamp (Deutsche Erstaufführung) Choreografie: Michael Clark Musik: Bruce Gilbert Feeling called love Do You Me? I Did Kostüme: Bodymap Lichtdesign: Charles Atlas Solisten: Clara Barberá, Eryck Brahmania, Mikaela Polley, Patricia Okenwa, Pieter Symonds, Angela Towler, Alexander Whitley, Renaud Wiser Mit freundlicher Unterstützung der Stadtsparkasse Dessau Gefördert durch das British Council

Hinweis zu V11 Das Festivalcafé hat bereits eine Stunde vor der Veranstaltung geöffnet und bietet Kaffee und Kuchen an. Hinweis zu V12 Das Theaterrestaurant hat nach Vorstellungsende 90 Minuten geöffnet und bietet warme Küche an.

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„Darling, dieses Romeo und Julia von Tudor ist ein Meisterwerk. Es war einer der größten künstlerischen Eindrücke, den ich seit langem hatte. Er hat so eine Art, Gedanken und Gefühle in Bewegungen des Körpers auszudrücken, die nur mit der Wirkung guter Musik zu vergleichen ist. Das Ganze ist reinste Schönheit.“ (aus einem Brief Kurt Weills an Lotte Lenya, 12.08.1944)

Szenenfoto Divine Influence

Der Sensationserfolg von Kurt Weills Dreigroschenoper, die im August 1928 in Berlin ihre Uraufführung erlebte, machte vor dem europäischen Ausland nicht halt. Auch der bedeutende britische Choreograf Antony Tudor ließ sich von der Musik Weills begeistern und bat den Komponisten, Teile seiner Oper für ein Ballett zu bearbeiten. Als zehn Jahre später die Choreografie für Judgment of Paris entstand, war die Dreigroschenoper in Deutschland bereits verboten und es heißt, dass die zu Grunde liegende Klavierpartitur in großer Eile und kürzester Zeit gefertigt wurde. Bei der Themenfindung für sein Ballett ließ sich Tudor von dem Multitalent Hugh Laing beeinflussen, der wiederum durch ein Gemälde ihrer gemeinsamen Freundin Vera Cunningham inspiriert worden war und Kostüme und Ausstattung für das Ballett entwarf. Erst kürzlich gelang es der Rambert Dance Company, das originale Skizzenbuch mit Laings Ideen und Ausstattungshinweisen zu erwerben, die als Vorlage für die aktuelle Inszenierung dienten. Tudor verwandelt die griechische Sage von den drei Göttinnen Juno, Venus und Minerva, die um die Gunst des Paris buhlen, kurzerhand in eine moderne schwarze Komödie und siedelt die Handlung in einem heruntergekommenen Nachtclub an, den Paris als betrunkener Gast betritt. Gar nicht göttinnenhaft bemühen sich die drei Frauen mit unterschiedlichen Taktiken um die irdischen Besitztümer ihres Kunden. Tudors Choreografie ist dabei als Charakterstudie angelegt und setzt den Focus auf Themen wie den Verlust menschlicher Würde und die Dramatik persönlicher Degradierung. Obgleich Judgment of Paris 1938 ursprünglich für Tudors eigene Compagnie, das London Ballet, geschaffen worden war, erlebte das Stück erst zwei Jahre später, am 1. Oktober 1940, seine Uraufführung im Arts Theatre London durch Ballet Rambert, mit dem Tudors Ensemble zwischenzeitlich fusioniert war. In Deutschland wurde das Werk bis heute nicht öffentlich gezeigt; lediglich eine Aufführung für Mitarbeiter der britischen Streitkräfte im Rahmen der ENSA (Entertainments National Service Association) im Jahr 1946 ist dokumentiert. Die Choreografie für Pond Way entstand 1998 aus der Begegnung des amerikanischen Starchoreografen

Szenenfoto Swamp

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Merce Cunningham mit dem Musiker Brian Eno. Im Gegensatz zu anderen abstrakt gehaltenen Arbeiten Cunninghams entfaltet das Tanzstück zu den kontemplativen Klängen der elektronischen Musik eine ungewöhnlich figurative Kraft. Die Arbeit gilt als eine von Cunninghams „Naturstudien“, in der die Tänzer Vögel, Tiere und Landschaften lebendig werden lassen. Ihre Körper imitieren dabei einen „Tanz auf dem Wasser“ – eine Reminiszenz an das Spiel, Steine auf dem Wasser springen zu lassen, das auch Cunningham als Kind sehr liebte. Die visuelle Ausstattung übernahm der bekannte US-amerikanische Pop-Art-Künstler Roy Lichtenstein. Das Tanzstück Swamp wurde 2004 von Michael Clark für die Rambert Dance Company geschaffen. Es handelt sich dabei um die Neuinszenierung einer Choreografie von 1986, die ursprünglich von Mark Baldwin, dem heutigen künstlerischen Direktor der Compagnie, getanzt wurde. Zwei Songs von Bruce Gilbert von der Neo-PunkBand Wire bilden den musikalischen Rahmen für das dreiteilig angelegte Stück, dessen Name auf Edward Albees Drama Whose afraid of Virginia Woolf? zurückgeht. Die Protagonistin Martha nennt ihren Mann dort geringschätzig „Swampy“. Zwischenmenschliche Beziehungen bilden das übergreifende Thema der Produktion, die vorwiegend eine Duettstruktur aufweist. Die jüngste Choreografie, Divine Influence, ist im Januar 2005 während eines Workshops der Rambert Dance Company entstanden. Zum 3. Satz von Beethovens Mondscheinsonate entwirft Martin Joyce ein intimes Duett, das von schnellen, leidenschaftlichen Begegnungen und Momenten intensiver Zärtlichkeit geprägt ist. Die Tänzer setzen sich dabei mit dem Perfektionsanspruch streng-klassischer Ballettübungen und deren Auswirkungen auf den eigenen künstlerischen Ausdruck auseinander.

Antony Tudor wurde 1908 geboren und war einer der ersten Choreografen des 1930 gegründeten Marie Ramberts Ballet Club, dem Vorläufer der heutigen Rambert Dance Company. Dort wurde er zunächst als Stage Manager, Sekretär und Pianist beschäftigt, was ihm gleichzeitig die Gelegenheit bot, sein choreografisches Talent zu testen und auszubauen. Sein erstes Ballett war das von Shakespeares Was Ihr wollt inspirierte Cross Garter’d (1931), und innerhalb der nächsten Jahre schuf er mehrere erfolgreiche Choreografien, darunter seine Meisterwerke Jardin aux Lilas (1936) und Dark Elegies (1937). Im gleichen Jahr verließ er Ballet Rambert, um zunächst mit Agnes de Mille die Dance Theatre Company zu gründen und kurz darauf sein eigenes Ensemble, das London Ballet. Judgment of Paris entstand 1938 zunächst für das London Ballet und ging dann in das Repertoire von Ballet Rambert über, das die Uraufführung bestritt, nachdem die beiden Ensembles 1940 fusioniert waren. Zu diesem Zeitpunkt nahm Antony Tudor eine Einladung in die USA an, um dort als Choreograf für das American Ballet Theatre zu arbeiten, und lebte dort bis zu seinem Tod 1987. Merce Cunningham In Washington geboren und in Seattle ausgebildet, gilt Merce Cunningham als einer der Pioniere des Modern Dance. Von 1939 bis 1945 tanzte er als Solist in der


Martha Graham Company; 1953 gründete er sein eigenes Ensemble, die Merce Cunningham Dance Company, für die er mehr als 100 Stücke choreografierte. Zahlreiche Ensembles präsentierten seine Arbeiten weltweit, u.a. das New York City Ballet, das Ballet de l’Opéra de Paris und die Rambert Dance Company, die seit 1983 sieben Stücke von ihm zur Aufführung brachte, darunter das Auftragswerk Touchbase. Merce Cunningham lässt sich häufig von zeitgenössischen Technologien inspirieren; seit 1991 nutzt er ausschließlich das Computerprogramm LifeForm für die Gestaltung seiner Stücke. Der Choreograf erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen: Für seine Verdienste um das nationale Kulturerbe der Vereinigten Staaten von Amerika wurde er durch den Library Congress als „Living Legend“ und durch das Kennedy Center in Washington geehrt. Frankreich ernannte ihn zum „Chevalier“ der Ehrenlegion und in Großbritannien wurde ihm der Laurence Olivier Award verliehen. Michael Clark wurde in Aberdeen, Schottland geboren. Er begann seine Tanzausbildung mit vier Jahren, studierte später an der Royal Ballet School und stieß 1979 zur Rambert Dance Company. Nach freiberuflicher Tätigkeit als Tänzer und Choreograf in New York und Großbritannien, u.a. für die Londoner Riverside Studios, gründete er 1984 sein eigenes Ensemble, die Michael Clark Company. Die Zusammenarbeit mit den Modedesignern Bodymap, Leigh Bowery und dem Künstler Trojan prägten seinen unverwechselbaren Stil ebenso wie die Hinwendung zu zeitgenössischer Musik und verschiedenen Bands wie The Fall, Laibach und Wire. Seine Arbeiten für die eigene Compagnie gelangten u.a. im Sadler’s Wells, London, und bei internationalen Tourneen zur Aufführung. Daneben schuf Michael Clark verschiedene Stücke für das Ballet de l’Opéra de Paris, Scottish Ballet und London Festival Ballet sowie für die Rambert Dance Company, Phoenix Dance Company und die Deutsche Oper Berlin. Martin Joyce erhielt seine Ausbildung an der Bodywork Theatre School, der Hammond School und der Royal Ballet Upper School. Er tanzte mit den beiden Royal Ballet Compagnien Großbritanniens und dem Royal Danish Ballet, für das es zwei Choreografien schuf. Martin Joyce kam 2004 zur Rambert Dance Company, für die er Divine Influence choreografierte. Das Stück wurde 2005 während einer Italien-Tournee präsentiert und 2006 ins Repertoire des Ensembles aufgenommen. Weitere Arbeiten schuf Martin Joyce u.a. für die International Herald Tribune Arts Season. Für seine Leistungen wurde er mit dem Ursula Moreton Preis für Choreografie ausgezeichnet. Rambert Dance Company Die Rambert Dance Company wurde 1926 gegründet. Sie gilt als die älteste und gleichzeitig renommierteste Tanzcompagnie Großbritanniens und ist sowohl für ihr

umfassendes Repertoire an modernen Stücken als auch für die herausragende Zusammenarbeit mit international tätigen, innovativen Choreografen bekannt. Erklärter Anspruch ist es, das öffentliche Interesse am Modern Dance durch ein breites Angebot an exzellenten Programmen zu wecken und auszubauen. Ein bedeutender Schwerpunkt stellt zudem die Tanzausbildung und Nachwuchsförderung von Choreografen aus den eigenen Reihen dar. In Begleitung des London Musici Orchesters tourt die Compagnie jährlich durch Großbritannien. Internationale Tourneen führten das Ensemble in letzter Zeit nach Italien, China, Russland und Ungarn. Die Rambert Dance Company arbeitet eng mit Sadler’s Wells, Londons erstem Haus für Tanztheater, sowie dem Theatre Royal in Brighton zusammen und ist Partnerensemble vom Kunstund Kulturzentrum The Lowry in Manchester.

V13 20.30 Uhr, Film mit Live-Musik im K.I.E.Z.

„LA REVUE DES REVUES“

(F 19 2 7)

Regie: Joë Francis Darsteller: Hélène Hallier (Gabrielle Derisau), André Luguet (Georges Barsac), Josephine Baker Schlagwerk: Steven Garling Der Film schildert das Schicksal der kleinen Angestellten Gabrielle Derisau, die mit Hilfe des Schauspielers Georges Barsac von einer einfachen Schneidergehilfin zur Königin der Revue, so der deutsche Filmtitel, aufsteigt. Die Geschichte dient dem Film jedoch nur als Rahmenhandlung für die ausgedehnten Szenen, die aus der prächtigen Revue La Folie du jour stammen. Diese wurde 1926 von den Folies-Bergère herausgebracht, das neben dem Moulin Rouge eines der wichtigsten Revue-Theater von Paris war. Höhepunkt inmitten der grandiosen Nummern mit ausgefallener Dekoration, vielen nackten Beinen und ausladenden Kostümen sind die beiden Auftritte der unglaublichen Josephine Baker, die mit ihren ekstatischen Bewegungen und wilden Grimassen sensationelle Erfolge feierte. In La Revue Nègre (1925), ihrem Pariser Debüt, konfrontierte sie das europäische Publikum erstmals mit einem Charleston und erhielt sofort ihr erstes Festengagement bei den Folies-Bergère. Der Tanzjournalist André Levinson schrieb begeistert: „Josephine ist kein groteskes schwarzes Tanzgirl mehr, sondern jene schwarze Venus, die den Dichter Baudelaire in seinen Träumen heimsuchte.“ Die Tänzerin bereiste halb Europa; ihr Deutschland-Debüt feierte sie am 14. Januar 1926 im Nelson-Theater am Kurfürstendamm. Auch Kurt Weill und Lotte Lenya haben sie in Berlin auf der Bühne erlebt. Wegen ihres eigenwilligen Stils erhielt Josephine Baker Auftrittsverbote in Wien, Prag, Budapest und München. Ebenso wurde der Film La Revue des Revues 1929 von der deutschen Zensurbehörde geprüft, jedoch konnte der Verdacht auf einen „gemein sinnlichen Gesichtsausdruck der Tänzerin“ nicht bestätigt werden. „Der Tanz der Negerin ist grotesk, aber frei von Lüsternheit und entbehrt des sexuellen Anreizes“, lautete das Urteil der deutschen Filmoberprüfstelle. Katrin Kirsch Steven Garling (siehe V11)

Josephine Baker

„Garling zeigte, dass Perkussion viel mehr sein kann als nur Geräuschkulisse und Taktverhalten. Er steigert geschickt das Vergnügen, verdichtet illustrativ, während die Farce immer tiefer ins Irrwitzige hineinstolpert.“ (Schwäbisches Tagblatt) www.stevengarling.com

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Montag, 05.03.2007 V14 19.30 Uhr, Liederabend im Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger

„WOULDN‘T YOU LIKE TO BE ON BROADWAY?“ Gesang: Maryse Boiteau, Ben Zimmermann Klavier: Christoph Wagner

Kurt Weill (1900–1950) Medley Jerome Kern (1885–1945) Can’t Help Lovin Dat Man George Gershwin (1898–1937) Medley Bla Bla Bla Cousin in Milwakee Kurt Weill Youkali Cole Porter (1891–1964) You’re The Top It’s Delovely Kurt Weill Oh, Heart of Love Song of the Guns Nannas Lied September Song It’s Never Too Late to Mendelssohn The Saga of Jenny

Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feiniger

Pause

„Leider gibt es in diesem großen Lande nur eine TheaterInstitution: ‚Broadway’, d.h. das kommerzielle Theater in New York, und das ist ein sehr enges Feld und ein sehr harter Kampf – aber das Publikum ist großartig – naiv, wissensbedürftig – und sehr aufnahmefähig.“ (Kurt Weill in einem Brief an Caspar Neher, 1946)

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Richard Rodgers (1902–1979) My Funny Valentine The Lady Is a Tramp Kurt Weill I’m a Stranger Here Myself Speak Low Richard Rodgers Mister Snow If I Loved You Kurt Weill Moon-Faced, Starry-Eyed Irving Berlin (1888–1989) Anything You Can Do I Can Do Better There’s No Business Like Show Business Kurt Weill Is It Him or Is It Me? Cole Porter Medley So in Love Kurt Weill Lost in the Stars

Welche Rolle spielt die Musik von Kurt Weill in der Ausbildung zum Musicaldarsteller? Ben Zimmermann: Eine zu kleine! Seine Musicals stehen zu selten auf den Spielplänen der staatlichen deutschen Bühnen. Sie sind auch nicht „präsent“ genug, um im Blickfeld des Studiengangs zu sein. Wie überall, werden die Studenten auf den aktuellen Markt vorbereitet,

also auf das, was gerade läuft. Musicals von Kurt Weill laufen nicht! Ihr habt an der Bayerischen Theaterakademie in München Musical studiert, ein Studiengang, der dort erst seit 10 Jahren existiert. Was für Perspektiven hat man heute in Deutschland mit diesem Abschluss? Maryse Boiteau: Der Abschluss an der Theaterakademie August Everding ist wie ein Sechser im Lotto, also Gold wert!!! Im Ernst, Gesang, Schauspiel und Tanz sind die Ausdrucksformen der Bühne. Also sollte man alle drei in gleichem Maße studieren und miteinander verbinden. Musicalstudenten lernen es und arbeiten als Musicaldarsteller, Schauspieler an Dreispartenhäusern, im Fernsehen oder übernehmen Gesangspartien in Opern. Vielseitigkeit hilft, Engagements zu finden. Die Fragen stellte Katrin Kirsch „Es muss ein großartiges Land sein, in dem solche Musik geschrieben werden kann.“ Der Betrieb am Broadway, den Kurt Weill bei seiner Ankunft in Amerika 1935 vorfand, begeisterte ihn, als er einer Probe von Gershwins Porgy and Bess beiwohnte. Er realisierte jedoch sehr schnell, dass hier ganz andere Produktionsbedingungen herrschten als im staatlich subventionierten RepertoireTheater in Europa. Das Musical bildete einen pragmatischen Kompromiss zwischen Kunst und Kommerz und sollte finanziell und intellektuell einem sehr breiten Publikum zugänglich sein. Weills Vorbilder am Broadway waren neben Kern und Gershwin Irving Berlin, der einen Hit nach dem anderen schuf und von Gershwin als „Amerikas Franz Schubert“ bezeichnet wurde, und Cole Porter – einer der wenigen Broadway-Komponisten, der seine überaus geistreichen Texte selbst schrieb. Nach dem wenig beachteten Johnny Johnson, der noch sehr viele europäische Einflüsse zeigt, gelang Kurt Weil mit dem September Song aus Knickerbocker Holiday 1938 ein erster Hit, der überall im Radio gespielt und nachgesungen wurde – ein wichtiger Faktor für den Erfolg einer Show. Weills Durchbruch war 1941 Lady in the Dark mit 467 Aufführungen in Folge,

Fred Astaire mit George Gershwin und Ira Gershwin


der im selben Jahr jedoch ein Vielfaches überholt wurde vom unglaublichen Renner Oklahoma! (2212 Aufführungen) von den Broadway-Veteranen Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II, dessen Erfolg bei Kritik und Publikum Weill sich sehr zu Herzen nahm. Nach einem weiteren relativ erfolgreichen Musical Play One Touch of Venus, gelang Kurt Weill 1947 mit Street Scene sein ehrgeizigstes Projekt und sein persönlicher Höhepunkt, eine echte Broadway-Oper, die Jazz, Song- und Opernelemente auf kongeniale Weise miteinander verbindet und dem Musical einen neuen Weg wies. Katrin Kirsch

Maryse Boiteau Die gebürtige Französin ging nach ihrem Schauspielabitur zunächst als Matrose in die Südsee. Anschließend nahm sie ihr Studium im Fach Musical an der Bayerischen Theaterakademie „August Everding“ auf. Währenddessen wirkte sie bereits in mehreren Produktionen mit und wurde als Tänzerin in Un Ballo in Maschera und La Bohème bei den Bregenzer Festspielen engagiert. Nach dem Abschluss folgten Engagements am Stuttgarter Theaterhaus und am Schauspielhaus u.a. für Anything Goes (Hope) und Night and Day (Dorothy Parker). Maryse Boiteau setzte ihre Ausbildung an der Royal Academy of Music in London fort, stand in dieser Zeit u.a. für Steven Sondheims Company in Into the Woods (Cinderella’s mother, Granny) auf der Bühne und tanzte den Pierrot in Arnold Schönbergs Pierrot Lunaire am Jack Lion Theatre. Neben ihrer Bühnentätigkeit arbeitet Maryse Boiteau auch als Synchronsprecherin in Berlin. Ben Zimmermann studierte Musical an der Bayerischen Theaterakademie „August Everding“. Im Prinzregententheater München spielte er in Bernsteins On the Town (Ozzie) und war bei den Bregenzer Festspielen in La Bohème zu sehen. Anschließend engagierte ihn das Alte Schauspielhaus in Stuttgart u.a. für Romeo und Julia (Benvolio), Anything Goes (Billy) und Cabaret (Cliff). In Heesters stand Ben als Johannes Heesters neben dem Jahrhundertstar auf der Bühne. Die Drei von der Tankstelle (Willy) am Schlossparktheater Berlin, Newsical-das Musical (der Blinde/ der Beamte) an der Tribüne Berlin und Der Widerspenstigen Zähmung (Hortensio) in Stuttgart waren neben Drehs für die Serien Hinter Gittern (RTL) und Die Rettungsflieger (ZDF) Engagements in der letzten Spielzeit. Im Oktober 2006 spielte er in Bonifatius das Musical die Rolle des Luidger und drehte für die Sat.1 Serie Schmetterlinge im Bauch. Christoph Wagner war nach seiner Ausbildung als Pianist und Chorleiter an diversen Berliner Theatern engagiert, so z.B. mit Andreas Gergen im Kleinen Theater am Südwestkorso 1998 in ...schon wieder du, Mary-Lou und anschließend im Hansa-Theater in Heinz Rühmann – Der Clown. Claire Waldoff – Ein Leben gefolgt von La Cage aux Folles im BKA-Luftschloss und La Famiglia bei Pomp

Duck and Circumstance waren nur einige seiner weiteren Tätigkeiten als Musikalischer Leiter und Arrangeur. Als Komponist wurde er unter anderem am Hansa-Theater für Fisch zu viert engagiert und aktuell läuft ein Chanson-Programm in der Berliner Kneifzange mit seinen Vertonungen berühmter Erich Kästner-Gedichte. Seit 1991 war er als Chorleiter für verschiedene Chöre tätig; seit 1993 ist er Korrepetitor im Fachbereich Musical/Show an der Universität der Künste Berlin. Im Frühjahr 2006 war er am Berliner Schlossparktheater für die Einstudierung von Non(n)sens verantwortlich und stand als Bruder Eduard auf der Bühne.

V15 20.30 Uhr, Film im K.I.E.Z.

„SHALL WE DANCE“

(U S A 193 7, O M U)

Regie: Mark Sandrich Darsteller: Fred Astaire (Peter P. Peters), Ginger Rogers (Linda Keene), Edward Everett Horton (Jeffrey Baird), Eric Blore (Cecil Flintridge), Jerome Cowan (Arthur Miller), Ketti Gallian (Lady Denise Tarrington) Das Thema von Shall We Dance, des siebten gemeinsamen Films von Traumtanzpaar Fred Astaire und Ginger Rogers, ist das Aufeinandertreffen von klassischem Ballett und Steptanz. Astaire war zunächst nicht glücklich über diese Wahl, da er annahm, es würde seinem Image schaden, wenn er als Balletttänzer aufzuträte (er ist in der Tat unglaubwürdig!). Das Studio RKO wollte den berühmten Ballettmeister George Balanchine, der ein großer Bewunderer Astaires war, für die Choreografien verpflichten, allerdings musste er wegen anderweitiger Verpflichtungen absagen. Ein wahrhaft genialer Coup von Seiten der Produzenten allerdings war es, die Brüder George und Ira Gershwin für ihr erstes Film-Engagement nach Hollywood zu holen. Die Gershwins waren trotz ihrer durchschlagenden Erfolge mit Bühnenmusicals in Hollywood gefürchtet, weil ihre Musik als zu anspruchsvoll galt. Astaire und Rogers hatten beide schon unabhängig voneinander am Broadway in Gershwin-Musicals gespielt und begrüßten diese Entscheidung. Fred Astaire ist Peter Peters aus Philadelphia, der als russischer Balletttänzer Petrov in Paris lebt und sich in die Broadway-Tänzerin Linda Keene verliebt. Weil der Manager der Ballettcompagnie einer unliebsamen Verehrerin Petrovs erzählt, dass dieser verheiratet sei, verbreitet sich mit großer Medienwirksamkeit das Gerücht, Petrov und Linda seien miteinander verheiratet, obwohl sie ihn nicht ausstehen kann. Aus einer Reihe von absurden Verwechslungen und Missverständnissen entsteht ein heilloses Chaos, das in eine große Versöhnungsszene bei der Ballett und Broadway verbindenden Show mündet. Dazwischen wird auf Spitze, mit Steppschuhen, ja sogar auf Rollschuhen getanzt und gesungen, darunter so bekannte Hits wie der für einen Oscar nominierte Song They can’t take that away from me. Katrin Kirsch

Shall We Dance Song-Einzelausgabe, April 1937

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Unser Land. Unsere Versicherung.

Das Rathaus von Dessau ist bei der ÖSA versichert. Versicherungen sind zum Versichern da. So war es, und so wird es bleiben. Manche aber wollten mehr tun. Wie die Anhaltische Landesbrandkasse 1857 in Dessau geboren. Das war die erste öffentliche Versicherung hier. Wie heute die ÖSA – die Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt. Sie versichert die Menschen, die hier leben. Und sie tut etwas für dieses Land. Sie hilft Schaden verhüten, bevor es brennt. Sie fördert Kulturereignisse und die Rettung von Denkmälern. Sie kümmert sich um den sicheren Schulweg und um Sportvereine. Im ÖSA-Satut steht, sie versichert und „dient dem gemeinen Nutzen“. Eine ganz vernünftige Versicherung, oder?

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Dienstag, 06.03.2007 V16 19.30 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

MAX RAABE UND DAS PALASTORCHESTER Gesang: Max Raabe Palastorchester Violine: Cecilia Crisafulli Altsaxofon, Klarinette: Johannes Ernst, Sven Bährens Tenorsaxofon, Klarinette: Bernd Frank Baritonsaxofon, Klarinette: Rainer Fox Trompete, Gesang: Thomas Huder, Michael Enders Posaune, Bratsche: Jörn Ranke Schlagzeug: Vincent Riewe Gitarre, Banjo, Violine: Ulrich Hoffmeier Klavier, Akkordeon: Ian Wekwerth Bass, Sousafon: Bernd Dieterich Mit freundlicher Unterstützung der Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt

Sie sind seit Jahren einer der bekanntesten und erfolgreichsten Interpreten der Musik der 20er und 30er Jahre in Deutschland. Woher rührt die Begeisterung und Liebe zu dieser musikalischen Epoche? Max Raabe: Woher die Liebe zu dieser Art von Musik bei mir kommt, kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Ich habe mich einfach schon immer mit dieser Musik beschäftigt – schon zu einer Zeit, als ich 16 Jahre alt war und alle anderen Altersgenossen in meinem Umfeld eher modernere Musik gehört haben. Mir gefällt einfach dieser ganz bestimmte Humor und die Art der Instrumentierung, was typisch für diese Stilrichtung ist. Daher bin ich auch von Anfang an mit einem großen Orchester, dem Palastorchester, unterwegs, ohne das ich nicht da wäre, wo ich heute bin. Mein Ziel war es, genau diesen unverwechselbaren Klang hinzubekommen, wie man ihn von den alten Schellack-Platten kennt. Nur so lebt diese Musik, und nur so ist es möglich, den Charme jener Zeit herüberzubringen.

Ukraine die Charts stürmte. Nach Tourneen durch ganz Deutschland, die Schweiz und Österreich folgten Auftritte in New York, Rom, Moskau, Paris, Monte Carlo, Montreux und Los Angeles. Im August 2003 feierten Max Raabe und das Palastorchester im Hamburger Thalia Theater die Uraufführung ihrer ersten großen Eigenproduktion Palast Revue. Im Juni 2005 wurde Max Raabe für seine „großen Verdienste um die deutsche Unterhaltungsindustrie“ mit dem Paul-Lincke-Ring der Stadt Goslar ausgezeichnet. Zuvor war der Sänger mit seinem Orchester neben Weltstars wie José Carreras zu Gast beim Spoleto Festival, einem der größten Klassikfestivals Europas. Im Mai 2006 startete er seine erste Japantournee in Tokio und Nishinomiya.

CD-Tipp Max Raabe Palast Orchester HK Gruber (Ltg.) Charming Weill Sony BMG 09026635132 www.palastorchester.de

Hinweis Das Theaterrestaurant hat nach Vorstellungsende 90 Minuten geöffnet und bietet warme Küche an.

(aus: Interview mit Max Raabe geführt von Marc Heidenreich, ZDF-Online, 2005)

Max Raabe und das Palastorchester Max Raabe sammelte seine ersten Chorerfahrungen im Kinderchor seiner Heimatstadt Lünen. In seiner Jugend besuchte er ein Internat des Bistums Paderborn. Mit 18 Jahren zog er nach Berlin, um an der Hochschule der Künste Oper zu studieren. Berühmt wurde er mit dem Song Kein Schwein ruft mich an, den er eigens für einen Varieté-Abend in Berlin schrieb. 1986 gründete er das Palastorchester, dessen erster öffentlicher Auftritt beim Berliner Theaterball 1987 stattfand. Was mit 20 Auftritten im Jahr begann, ist inzwischen zu einer Berliner Institution geworden. Heute geben die 13 Musiker fast zehn Mal so viele Konzerte pro Jahr. Zum Ende des Jahres 2000 erschien die mit einem „Klassik Echo“ ausgezeichnet CD Charming Weill mit Stücken von Kurt Weill und das Album Superhits, das in Lettland und der

Anhaltisches Theater Dessau

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MIT FIGARO Zum Grossen Finale

KOnzeRT BeI FIGARO Dienstag | Freitag 20.00 Uhr Sonntag 16.30 | 19.30 Uhr WWW.MDR-FIGARO.De Dessau 104,0 MHz


Mittwoch, 07.03.2007 V17 19.30 Uhr, Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus

„TANGO-BALLADE“ Tangoduo Encuentro Bandoneon: Judith Brandenburg Gitarre: Diego Rial

Musikalische Einstimmung Angel Villoldo (1861–1919) Eduardo Arolas (1892–1924) Anibal Troilo (1914–1975) Sebastian Piana (1903–1994) u.a. Tangos, Milongas und Valses Tangoduo Encuentro

Vorspeise

Judith Brandenburg studierte zunächst Klavier an der Hochschule für Künste Bremen und Bandoneon am Konservatorium Rotterdam. Dort lernte sie u.a. bei Carel Kraayenhof (siehe V35) und Gustavo Beytelmann und war Mitglied des Orquesta Típica Otra, mit dem sie konzertierte sowie Rundfunk- und Fernsehaufnahmen mit Juan Carlos Copez machte. Sie trat u.a. mit den Tangomusikern Martín Iannaccone, Ana Fonell, Quique Sinesi auf, arbeitete ab 2004 als Arrangeurin, Komponistin und Bandoneonistin des Tangoquartetts Trasnoche mit dem sie die Filmmusik zu Frische Erdbeeren schuf. 2005 gründete sie gemeinsam mit Diego Rial das Tangoduo Encuentro. 2006 arrangierte und interpretierte sie die Bühnenmusik für Mozart und Casanova in Potsdam mit Auszügen aus Mozarts Don Giovanni für Bandoneon. 2006 gründete sie das Orquesta de Tango Qué Tangazo!

www.encuentrotango.de

Diego Rial wurde 1973 in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Er studierte klassische Gitarre am Konservatorium in BueHauptgericht nos Aires bei Aragon Luna und nahm Meisterkurse bei Anibal Arias, einem der letzten großen Tango-Gitarristen Eduardo Arolas Argentiniens. Gemeinsam mit dem Gitarristen Ro El Marne drigo Amoroso gründete er das Duo Rial-Amoroso und Anibal Troilo arbeitete parallel als Begleiter der Sängerin Florencia Pa’ que bailen los muchachos Bernales. Mit dem Cellisten Martín Iannaccone gründete er 2001 das Duo Bien de Rioba. Ab 2003 spielte er gemeinsam mit der Sängerin Luise Bestehorn Jazz, Dessert Latin und Tango unter dem Namen bitter & zart, bevor er 2005 gemeinsam mit Judith Brandenburg das TangoUm der Einsamkeit ein Heim zu geben wurde der Tan- duo Encuentro gründete. go geboren... aus Stummheit und dem Unkraut der Vorstadt, aus Wut, Enttäuschung und Sehnsucht nach verlorener Zukunft. Seine Schönheit liegt in der spröden Kraft und Unmittelbarkeit, in der Bestätigung, nichts verlieren zu können, im Eintauchen in den Schmerz, in diese Sehnsucht, diesen Irrsinn. In der Besetzung mit Bandoneon und Gitarre spürt das Duo Encuentro („Begegnung“) allen Facetten des argentinischen Tango nach – seinen warmen Melodien, seiner rhythmischen Härte und dem harmonischen Reichtum. Gesungen ohne Worte führt das Programm „Tango-Ballade“ von den Tangos der Maestros wie Eduardo Arolas und Anibal Troilo über Astor Piazzolla bis zum Tango Kurt Weills.

Suppe Weiße Entenschaumsuppe mit Entenwürstchen und frischem Koriander

Juan Carlos Gobián (1896–1953) El Motivo Mi Refugio Kurt Weill (1900–1950) The River is so blue

Suppe Juan Carlos Gobián Nieblas del Riachuelo Eduardo Arolas La Cachila Astor Piazzolla (1921–1992) Adios Nonino Kurt Weill Matrosentango

Menü Vorspeise Avocadosalat mit gebackenen Garnelen und Walnussdressing

Hauptgericht Argentinisches Roastbeef rosa mit glasiertem Gemüse und Süßkartoffeln Dessert Eisroulade mit exotischen Früchten und Kokos-Rum-Sabayon

Restaurant Pächterhaus

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Mittwoch, 07.03.2007 V18 20.00 Uhr, Jazz in der Gründerzeitvilla Krötenhof

TALES IN TONES TRIO tales in tones trio Klavier: Ralf Schmid Bass: Veit Hübner Schlagzeug: Torsten Krill

Torsten Krill (*1971) Wink des Glücks Kurt Weill (1900–1950) Speak Low My Ship Veit Hübner (*1968) Pipo Ballad for a Special Woman, Iris Torsten Krill Superflu Veit Hübner Parent´s Trust

Gründerzeitvilla Krötenhof

Pause Ralf Schmid (*1969) Sea Sub Surface Veit Hübner Iriee!

Ralf Schmid Agios Kurt Weill Youkali September Song Ralf Schmid Mantra Hübner´s Grill

Alles andere als oberflächlich ist der Sound von Ralf Schmid, Veit Hübner und Torsten Krill. Nicht ohne Grund wurde jeder von ihnen bereits mit dem Landesjazzpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet. Gegründet vor zehn Jahren während des Musikstudiums in Stuttgart, gelang dem kammermusikalischen Jazztrio der erste Durchbruch 1999 in Köln mit dem Gewinn des Hennessy Jazz Search. Heute steht das tales in tones trio, das für seine starke Live-Präsenz bekannt ist, in der ersten Reihe der nationalen Jazzgruppierungen. Die drei Musiker fühlen sich der Tradition des „European Chamber Jazz“ verpflichtet, Kammermusik stellt ein Schlüsselbegriff für ihre Arbeit dar. Nicht nur gleichen die bevorzugten Auftrittsorte des Ensembles denen eines Streichquartetts: Konzertsäle, Kirchen, Kammermusikreihen, sondern gerade das musikalische Konzept sieht ein gleichberechtigtes, spannungsvolles Kommunizieren dreier Individuen vor, wie man es so fein aufeinander abgestimmt wohl selten erlebt. Unüberhörbar ist die stilistische Offenheit und Vielseitigkeit der drei Musiker, bemerkenswert ihr Ausloten des gesamten dynamischen Spektrums vom „beinahe“-Schweigen bis zur eruptiven Entladung.

“My first choice is Steinway” Yundi Li

o 6. In der Baumwollspinnerei Leipzig, Halle N~

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tales in tones trio Torsten Krill, Veit Hübner, Ralf Schmid (v.l.n.r.)

Im Vordergrund Ihres Programms zum Kurt Weill Fest stehen Eigenkompositionen. Wie sind die Stücke entstanden? Ralf Schmid: Die Stücke sind größtenteils in der Toskana entstanden, wo wir 2002 eine sehr produktive Arbeitsphase hatten. Die anschließende CD-Aufnahme erfolgte dann mit viel Liebe zum Detail nach unserer Rückkehr in Deutschland, in Torsten Krills Stuttgarter Tonstudio „Klangküche“. Zu Ihrem Repertoire zählen auch Stücke von Kurt Weill. Wie kam es zu dieser Auswahl und welchen Ansatz verfolgen Sie? Ralf Schmid: Die Weill-Stücke werden von uns für das Kurt Weill Fest neu einstudiert. Das Thema Kurt Weill ist jedoch kein totales Neuland für uns. Alle drei Musiker haben sich in anderen Gruppierungen schon mit Weill auseinandergesetzt. Von mir gibt es z.B. eine Weill gewidmete Orchestersuite und ich war als Pianist vor ca. 10 Jahren mit der Sängerin Angelika Milster in Dessau; Veit Hübner hat ein Weill-Programm mit Richie Beirach erarbeitet. Vom Ansatz her werden wir neue Arrangements der Stücke mit formalen und harmonischen Varianten spielen und Komposition, Arrangement und Improvisation miteinander verzahnen. Wir werden Weills musikalische Sprache und seinen Geist in den für uns typischen Trioklang einbetten. Die Fragen stellte Celia Solf

Veit Hübner studierte Orchestermusik und Jazz in Stuttgart sowie Jazz-Bass in New York. Internationale Erfahrung sammelte er u.a. auf Tourneen in Europa, USA und Südamerika mit dem 1986 gegründeten Musik-Comedy-Ensemble Tango Five. Veit Hübner ist in vielen musikalischen Stilrichtungen auf höchstem Niveau unterwegs: Er arbeitete im klassischen Bereich mit der Philharmonie Antwerpen und den Stuttgarter Philharmonikern und im Jazzbereich u.a. mit Randy Brecker, Charlie Mariano und Richie Beirach. CrossOver Projekte führten ihn mit dem Klezmer-Klarinettisten Giora Feidman oder dem Tango-Bandoneonisten Raul Jaurena zusammen, mit dem er auf den Tango Festivals von Buenos Aires und Montevideo auftrat. Veit Hübner gewann zahlreiche Preise, darunter den Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg 2003, und veröffentlichte zwei Solo-CDs.

Torsten Krill wurde in Ansbach geboren. Er studierte Musik an der Frankfurter Musikwerkstatt und Jazz- und Popularmusik an der Musikhochschule Stuttgart. Der Schlagzeuger gewann mit verschiedenen Formationen Preise bei Jazzwettbewerben in Holland und Frankreich und tourte in Europa, Südafrika, den USA und Russland mit JazzGrößen wie Herb Ellis, John Clayton und Ernst Rejseger. Seit 1998 betreibt Torsten Krill das Tonstudio Klangküche in Stuttgart und ist seitdem auch als MusikproduRalf Schmid zent tätig. 2004 gründete er sein eigenes Musiklabel wuchs in Konstanz auf und studierte Klassik, Jazz und frimfram. 2006 wurde er mit dem Jazzpreis des Landes Filmmusik in Stuttgart, Ludwigsburg und New York. Als Baden-Württemberg ausgezeichnet. Pianist und Komponist gewann er zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, darunter den renommierten Jazzpreis Baden-Württemberg 2001. Ralf Schmid arbeitete mit wichtigen musikalischen Persönlichkeiten wie Herbie Hancock, Michael Brecker, Natalie Cole, Nina Hagen und Nana Mouskouri und konzertierte u.a. mit den Budapester Philharmonikern und den Big Bands von SWR, HR, RIAS und NDR. Als Komponist schrieb er u.a. Auftragsarbeiten für das Herbie Hancock Sextett, die Stuttgarter Philharmoniker und das Henri Mancini Institute in Los Angeles. Daneben veröffentlichte er zahlreiche CDs und gründete sein eigenes Plattenlabel ObliquSound mit Sitz in München und New York. Ralf Schmid ist Professor für Jazz-Piano an der Hochschule für Musik Freiburg.

CD-Tipps tales in tones trio Sub Surface ObliqSound LC 12269 schmid huebner krill Time makes the Tune MONS Records MR 874 825 www.talesintonestrio.de Das Konzert wird von MDR FIGARO aufgezeichnet. Sendetermin: 01.04.2007, 23.00 Uhr

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Donnerstag, 08.03.2007 V19 19.30 Uhr, Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus

„TANGO-BALLADE“ (siehe V17)

V20 19.30 Uhr, Jazzkonzert in der Marienkirche

JOACHIM KÜHN & MAJID BEKKAS GROUP Klavier: Joachim Kühn Gesang, Gitarre, Guembri: Majid Bekkas Drums: Ramon Lopez Majid Bekkas (*1957) / Joachim Kühn (*1944) After Lunch Joachim Kühn Good Mood Majid Bekkas Hamdouchi Joachim Kühn White Widow Marienkirche Dessau

Pause Kurt Weill (1900–1950) Salomon-Song (Arr.: Bekkas / Kühn)

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Ballade vom angenehmen Leben (Arr.: Bekkas) Liebeslied (Arr.: Bekkas / Kühn) Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens (Arr.: Bekkas) Die Moritat von Mackie Messer (Arr.: Bekkas / Kühn) Ornette Coleman (*1930) Humogeneous Emotions Majid Bekkas Kalimba Asmaa Mrahba

Joachim Kühn und Majid Bekkas lernten sich 2003 beim Jazz aux Oudays Festival in Rabat kennen, wo sie erstmals zusammen auftraten, um gleich anschließend weitere Konzerte in Marokko zu geben. Seitdem bestritten die Musiker auch in Europa zahlreiche gemeinsame Auftritte, u.a. bei den Hamburger und Leipziger Jazztagen, der Düsseldorfer Jazz Rally und dem Gaume Jazz Festival in Belgien. Über ihren Hamburger Auftritt urteilte das Online-Portal jazzforum. org: „Ein großartiges Finale setzte Joachim Kühn am Klavier und am Saxofon in Begleitung des marokkanischen Musikers Majid Bekkas [...]. Joachim Kühn wirkte absolut souverän und kreativ. Ein Notenblatt hatte er gar nicht erst mitgebracht, spielte er doch wie ein Beethoven sämtliche Stücke in- und auswendig mit einer grandiosen Geschwindigkeit. Der Perkussionist war ebenfalls erstklassig und versetzte das Publikum zusammen mit Majid Bekkas in einen anderen Raum und eine andere Zeit irgendwo an einem Strand mit Meeresrauschen im Hintergrund. Das Ganze wirkte wie eine Hymne an alles Überirdische, besonders auch


durch die tief von innen kommenden Gesangspassagen des Marokkaners.“ Neben ihrem Auftritt beim Kurt Weill Fest Dessau planen die Musiker für 2007 weitere Konzerte, u.a. in der Philharmonie Essen, sowie eine CD-Veröffentlichung mit Ramon Lopez. Joachim Kühn 1944 in Leipzig geboren, studierte Joachim Kühn Klavier und Komposition. 1968 ging er nach Paris, wo er mit stilistisch unterschiedlichen Künstlern wie Gato Barbieri, Don Cherry, Michel Portal, Slide Hampton und Phil Woods zusammenarbeitete. In den 1970er Jahren tauchte er in die Fusion-Szene der amerikanischen Westküste ein, wo man ihn im Kreise von Musikern wie Alphonse Mouzon, Billy Cobham und Michael Brecker hörte. Nach einer kurzen Phase in New York kehrte Kühn Anfang der 1980er Jahre nach Deutschland zurück. Mit seinem Spiel, das sich über alle Kategorien hinwegsetzt, hat sich der Jazz-Pianist und Saxofonist als ein Musiker der Weltklasse profiliert: Er wies dem zeitgenössischen Jazz neue Wege und ist heute nicht nur im europäischen Raum ein einflussreicher Musiker. Von seinen zahlreichen Platteneinspielungen wurden zwei mit Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet: das SoloAlbum Famous Melodies und das Album Die Dreigroschenoper mit seinen eigenwilligen Ausdeutungen der Musik Kurt Weills, das er im Trio mit Daniel Humair und Jean-Francois Jenny-Clark einspielte.

Die Vorfahren der marokkanischen Gnawa stammen aus Gebieten jenseits der Sahara und wurden vor Jahrhunderten als Sklaven oder Soldaten ins damalige Groß-Marokko verschleppt. Die Zeremonien der heute in Marrakesch zentrierten Sufi-Sekte sind von Trance erregender Musik und ekstatischem Tanz geprägt: Die scheppernden Kastagnetten karkaba, der call-and-response-Gesang mit seinen unisono skandierenden Chor-Ausbrüchen und vor allem das mächtige Bass-Instrument Guembri, eine erdig swingende Laute mit drei Saiten, dominieren die Rituale, die Kontakt zu Vorfahren aufnehmen und Heilung von verschiedenen seelischen Leiden versprechen. (www.exil.de)

Louis Sclavis, Flavio Boltro, Archie Shepp und Joachim Kühn und gründete nach einiger Zeit ein Quartett, das moderne marokkanische Musik spielt. Majid Bekkas trat bereits auf zahlreichen internationalen Festivals wie WOMEX Sevilla 2003, Gaume Jazz Festival, Jazz aux Oudayas Festival, Huyart Festival und Grenoble Jazz Festival als Solist, im Trio oder auch in Zusammenarbeit mit mehreren Künstlern auf. Ramon Lopez Der spanische Perkussionist und Komponist Ramon Lopez verbindet Jazz mit Weltmusik und gilt als einer der anerkanntesten europäischen Künstler in den Bereichen des zeitgenössischen Jazz und der Improvisation. Der vielseitige Musiker fühlt sich in vielen Stilrichtungen zu Hause und stand dementsprechend bereits mit sehr unterschiedlichen Künstlern auf der Bühne: Im Bereich des Flamenco arbeitete er zum Beispiel mit Carmen Linares, Gerardo Núñez und Rafael de Utrera. Mit der Pianistin Christine Wodraska gründete er ein Duo. Von 1997 bis 2000 war er Mitglied im Orchestre National de Jazz. Mit Künstlern wie Anthony Coleman, Glenn Ferris, Enrico Rava, John Surman und Mal Waldron gab er Konzerte, spielte verschiedene CDs ein und tourte auf internationalen Festivals.

CD-Tipps Joachim Kühn, Daniel Humair, Jean-Francois Jenny-Clark Kurt Weill Die Dreigroschenoper Polygram 0731453249820 Majid Bekkas Mogador Igloo IGL 174

Majid Bekkas wurde in Sale (Marokko) geboren, wo er von seinem Meister Ba Houmane die Kunst der Gnawa-Musik erlernte und noch heute lebt und arbeitet. Er beschäftigte sich jahrelang mit Gnawa und anderer afrikanischer Musik – sowie mit Jazz und Blues, spielte gemeinsam mit Musikern wie Peter Brötzmann, Klaus Doldinger,

Joachim Kühn, Majid Bekkas, Ramon Lopez ACT 9456-2 (geplante Veröffentlichung: 27.04.2007) www.joachimkuehn.com www.ramonlopez.net

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Druckhaus


Donnerstag, 08.03.2007 V21 20.00 Uhr, Musikkabarett im Brauhaus

„Fracksausen“ Bidla Buh Gesang und gestopfte Trompete: Hans Torge Bollert Gitarre und Refraingesang: Olaf Klindtwort Schlagwerk und Effekte: Jan-Frederick Behrend Peter Igelhoff (1904–1978) Wenn ich vergnügt bin Michael Jary (1906–1988) Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst Friedrich Hollaender (1896–1976) Ich lass mir meinen Körper schwarz bepinseln Bidla Buh Angelina Bert Reisfeld (1906–1991) Mein kleiner grüner Kaktus Kurt Weill (1900–1950) Das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens Die Moritat von Mackie Messer Die Ballade vom ertrunkenen Mädchen Lothar Brühne (1900–1958) Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n Traditionell An de Eck steit’n Jung mit’n Tüdelband Georg Kreisler (*1922) Der Staatsbeamte Das Mädchen mit den drei blauen Augen Glenn Miller (1904–1944) In the Mood Pause George David Weiss (*1921) / George Shearing (*1919) Lullaby of Birdland Bidla Buh Ick bin scheu’n Mann Olaf Klindtwort Die Ukulele rockt Werner Richard Heymann (1896–1961) Irgendwo auf der Welt Sören Sieg (*1966) Fracksausen Das war Bidla Buh Mein Blick Hans-Torge sagt Theo Mackeben (1897–1953) Bel ami Ralph Maria Siegel (*1945) Capri Fischer Udo Jürgens (*1934) Aber bitte mit Sahne Bidla Buh Kaktus goes Rap Kaktus rockt Kaktus in Spanien Kaktus in Rom Kaktus in Russland Max Raabe (*1962) Kein Schwein ruft mich an

Bidla Buh Die Mitglieder von Bidla Buh, Hans Torge Bollert, Olaf Klindtwort und Jan-Frederick Behrend, haben sich bei ihrem Studium an der Musikhochschule Hamburg kennen gelernt. Der ungewöhnliche Name des Trios entstammt dem gleichnamigen Lied von Georg Kreisler, in dem vierzehn Damen geliebt, verwöhnt und gemordet werden. Die heitere Geschichte des notorischen Frauenmörders ist ihr Credo, spiegelt es doch die Leidenschaft für die Welt der Liebe, der Ironie und des sympathischen Wahnsinns wider. Die Süddeutsche Zeitung bescheinigte Bidla Buh „fantastische Bühnenpräsenz“ sowie „eine virtuos-musikalisch und witzig-einfallsreiche Bühnenshow“. Mittlerweile touren sie mit ihrem dritten Konzertprogramm im gesamten deutschsprachigen Raum und erhielten einen Sonderpreis beim Gaukler- und Kleinkunst-Festival Koblenz 2002.

www.bidla-buh.de „Es ist traurig, wenn Liebe erkaltet, Es ist furchtbar, wenn Liebe vergeht, Doch wie kann man von Liebe erwarten, Dass sie immer und ewig besteht? Nur ich liebe jede auf immer, Ganz ohne mir das Leben zu erschwer’n, Und ich werde geliebt, und wie ich das mach? Das will ich Ihnen jetzt erklärn! […]“ (aus: A Bidla Buh, Georg Kreisler)

Hinweis

Brauhaus „Zum Alten Dessauer“

Das Brauhaus bietet im Veranstaltungsbereich ab 18.00 Uhr warme Küche an.

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Freitag, 09.03.2007 V22 10.00 Uhr, Kinderkonzert im Johannbau (Museum für Stadtgeschichte Dessau)

„OPUS NUMBER ZOO“ Idee, Kostüme und Text: Regine Held Inszenierung: Martin Wagner Tanz und Choreografie: Katharina Leitheiser Schauspiel und Gesang: Katherina Wolter Quint Olé Flöte: Jennifer Smyth Oboe: Regine Held Klarinette: Tim Kieselhofer Horn: Gesa Johanns Fagott: Naoko Matsutani Katharina Leitheiser

Regine Held ist Gründerin und Managerin des Ensembles Quint Olé und verantwortlich für die Programmkonzeptionen. Daneben arbeitet sie als freischaffende Musikerin und Pädagogin und hat einen Lehrauftrag an der Folkwang Hochschule für Musik in Essen in den Fächern Holzbläserdidaktik und Bläserkammermusik. Martin Wagner studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Köln. Seit 1996 ist er in den Bereichen Regie, Konzept und Art Direction tätig. Er führte Regie bei diversen Fernsehproduktionen für den Westdeutschen Rundfunk, Deutsche Welle TV, RTL, Premiere und n-tv und arbeitet als Redakteur bei einer hessischen Lokalzeitung.

Das Programm enthält folgende Werke: Sergej Prokofiew (1891–1953) Auszüge aus: Peter und der Wolf (Arr.: Robert Ostermeyer) Modest Mussorgski (1839–1881) Aus: Bilder einer Ausstellung (Arr.: Joachim Linckelmann) Ballett der ungeschlüpften Küken Promenade Markt von Limoges Georges Bizet (1838–1875) Aus: Carmen (Arr.: David Walter) Introduktion Habanera Nikolaij Rimskij-Korsakov (1844–1908) Der Hummelflug (Arr.: David Walter) Henry Mancini (1924–1994) Pink Panther (Arr.: Sebastian Gonzales) Kurt Weill (1900–1950) Tango-Ballade (Arr.: Guido Jöris) Luciano Berio (1925–2003) Aus: Opus Number Zoo Der Fuchs und das Hühnchen Jean Françaix (1912–1997) 3. Satz aus Quintet à vent No. 1 Walter Donaldson (1907–1973) Aus: The Roaring Twenties Making whoopee (Arr.: Guido Jöris) Harold Arlen (1905–1986) Aus: The Wizard of Oz Somewhere Over the Rainbow

Katherina Wolter

Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Museumspädagogischen Dienst Dessau Opus Number Zoo oder Ente gut – alles gut erzählt die Geschichte der Ente aus Peter und der Wolf. Sie hat es satt, bei jeder Vorstellung im Bauch des hungrigen Wolfs zu landen, und kehrt ihrem Schicksal den Rücken, um sich auf eine Weltreise zu begeben. Nach vielen Erlebnissen gelingt es ihr sogar, am Broadway ein Star zu werden. Das von Regine Held für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren konzipierte Programm führt in eine Fantasiewelt, die Klassik, Filmmusik, Musical, Schauspiel und Tanz miteinander verbindet.

www.quintole.com

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Katharina Leitheiser wurde in Hannover geboren und absolvierte ihre Tanzausbildung an der Fontys Dansacademie in Tilburg und am Dance Space Center in New York. Als Tänzerin und Choreografin war sie bislang vor allem in Köln, Bonn und Düsseldorf sowie in den Niederlanden und in New York zu erleben und arbeitete u.a. mit der Company Contraire und dem Sancto Petrolio Feuertheater. Daneben war sie als Dozentin für Jazztanz, Modern Dance und Ballett und als Tanzpädagogin u.a. für die Rheinische Musikschule Köln und das Düsseldorfer Kinderballett tätig. Katherina Wolter Geboren in Ulm und aufgewachsen in Hamburg, absolvierte Katherina Wolter ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Bereits während ihres Studiums spielte sie am Staatstheater Cottbus, im Hans-OttoTheater Potsdam sowie im bat-Studiotheater und in der Baracke des Deutschen Theaters Berlin. Feste Engagements führten sie anschließend an das Hessische Landestheater Marburg und das Südthüringische Staatstheater Meiningen. Heute lebt Katherina Wolter in Köln und arbeitet freischaffend. Als Schauspielerin und Sprecherin wirkte sie zudem an zahlreichen Hörfunk-, Filmund Fernsehproduktionen mit. Quint Olé Das Ensemble Quint Olé lässt das Bild des klassischen Bläserquintetts weit hinter sich. Getrieben von der Neugier auf andere Genres, werden literarische Fundstücke verwoben mit kammermusikalischen Arrangements, gesellt sich moderner Tanz zu Quintett-Bearbeitungen von Bizet bis Gershwin. Da finden sich Kurt Weill und Paul Hindemith neben Scott Joplin und den CharlestonHits der 1920er Jahre wieder, im Kinderkonzert trifft Pink Panther auf Peter und der Wolf. Seit dem Gründungsjahr 1999 konzertierte Quint Olé u.a. auf Konzertreisen durch Spanien, Frankreich und die Schweiz, im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth oder Beethovenhaus Bonn sowie auf Festivals wie dem Oberstdorfer Musiksommer und dem Rheingau-Musikfestival (siehe auch Seite 55).


V23 19.30 Uhr, Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus

Hinweis zu V24 Das Theaterrestaurant hat nach Vorstellungsende 90 Minuten geöffnet und bietet warme Küche an.

„TANGO-BALLADE“ (siehe V17)

V24 19.30 Uhr, Tanztheater im Anhaltischen Theater Dessau

„TANGO PALAST“ (siehe V1)

V25 22.00 Uhr, New Sounds in der Alten Brauerei

„THE YOUNG GODS PLAY WEILL“ The Young Gods Gesang: Franz Treichler Keyboards, Sampler: Al Comet Schlagzeug: Bernard Trontin Das Programm enthält unter anderem folgende Werke: Kurt Weill (1900–1950) Salomon-Song Speak Low Die Moritat von Mackie Messer September Song Die Ballade der Seeräuber Jenny Ouverture der Dreigroschenoper Alabama-Song The Green-Up Time Kurt Weill hat auf die Musik der Young Gods einen großen Einfluss ausgeübt. Wir selbst bezeichnen ihn als einen der „Urväter der Popmusik“. Ein Werk wie Die Dreigroschenoper enthält für uns alle Merkmale, die qualitätvolle Popularmusik seit den 1960er Jahren aufweisen muss. Dazu zählen: 1.) „Straßenthemen“ (die Welt der Gangster, Prostituierten, Priester und einfachen Leute), 2.) eine unterschwellige sozio-politische Relevanz, 3.) der Einsatz von Stimmen und Musikern, die nicht notwendigerweise über eine klassische Ausbildung verfügen, 4.) einerseits der klassischen Avantgarde-Musik nahe zu stehen, andererseits der zeitgenössischen Populärmusik (Tango, Blues) verhaftet zu sein und 5.) Visionen, Spaß und eine Botschaft zu haben. Franz Treichler

Was finden Sie an Kurt Weills Musik und den Texten von Bertolt Brecht interessant? Franz Treichler: Kurt Weill und Bertolt Brecht sind die Urväter der populären Musik. Zum Beispiel Die Dreigroschenoper: Das ist abenteuerliche Musik (manchmal auch dissonant), von Anti-Bel-Canto-Sängern gesungen; Lieder, deren Melodie im Gedächtnis bleibt, die man mitsingen kann und deren Helden einfache Men-

schen sind [...]. Brechts Texte sind intelligent und voller Metaphern, die auf die politische Lage anspielen (die unheimliche Atmosphäre des aufkommenden Faschismus). Avantgardistisch, populär und politisch – das sind gute Richtlinien für Musik. Warum ist das heutzutage relevant? Franz Treichler: Wir leben in merkwürdigen Zeiten, die vielschichtiger sind als die 1930er. Es ist heute schwieriger, den Feind zu erkennen! Weill und Brecht fühlten die Bedrohung durch die Nazis nahen und wollten mit ihrer Musik auf die Verschlechterung der politischen Situation und deren Akzeptanz reagieren. So wurden sie zum öffentlichen Feind ersten Ranges. (aus: Interview mit Franz Treichler geführt von Darrell Jónsson, Prague TV, 2005)

The Young Gods Als die Young Gods 1985 in der Schweiz gegründet wurden, waren sie eine der ersten Bands überhaupt, die es wagte, Rockmusik ohne Gitarren bzw. mit gesampelten Gitarrensounds zu machen. Sie setzten den Sampler auf ganz neue Art und Weise ein und starteten damit eine lärmende, bisher ungehörte Musikrevolution. Noch heute werden sie von zahlreichen Bands als ihr wichtigster Einfluss genannt. Mit Schlagzeug, Synthesizer und Gesang sind die Young Gods irgendwo im Niemandsland zwischen Electro, Techno, Punkrock und Grunge unterwegs. Gesampelte Gitarrenfetzen, ein groovender Sequenzerbass, verwaschene Geräuschschleifen und druckvolle Drumpatterns aus dem Synthesizer, angereichert mit handgemachten Beats, bilden das Fundament, auf dem der Sänger Franz Treichler seine dynamische Gesangsakrobatik vollzieht. Während auf The Young Gods Play Kurt Weill (1991) eher ruhige Töne angeschlagen wurden, sind neuere Songs der Band von einer ungewohnten Härte geprägt. Das zwanzigjährige Jubiläum der Young Gods wurde 2005 mit zwei umjubelten Konzerten beim Jazzfestival Montreux gefeiert. Die Jubiläums-Best-Of-CD XXY – Twenty Years 1985–2005 enthält Songs aus allen Schaffensperioden der Band und zeigt das gesamte Spektrum ihres Könnens.

CD-Tipps The Young Gods Play Kurt Weill PIAS 188 The Young Gods XXY (Twenty Years 1985–2005) PIAS 941 www.younggods.com

Hinweis zu V25 Im Anschluss an das Konzert findet in der Alten Brauerei eine After-Show-Party statt. Beginn: 24.00 Uhr. Eintritt für Konzertbesucher frei; andere Besucher zahlen € 3,00.

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2007-01-15 KWeill

15.01.2007 13:18 Uhr

Seite 1

Freitag Die Ost-West-Wochenzeitung

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Samstag, 10.03.2007 V26 11.00 Uhr, Kinderkonzert im Johannbau (Museum für Stadtgeschichte Dessau)

„OPUS NUMBER ZOO“ (siehe V22)

V27 15.00 Uhr, Führung im Bauhaus Dessau

„BAUHAUS UND TANZ“ (siehe V8)

V28 17.00 Uhr, Musiktheater im Anhaltischen Theater Dessau

„AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY“ WIEDERAUFNAHME VOM KURT WEILL FEST 2006

Oper in drei Akten mit großem Orchester Musik: Kurt Weill Text: Bertolt Brecht Musikalische Leitung: Markus L. Frank Inszenierung: Helmut Polixa Ausstattung: Stefan Rieckhoff Chor: Helmut Sonne Dramaturgie: Susanne Schulz Leokadja Begbick: Waltraud Hoffmann-Mucher Fatty, der „Prokurist“: Marian Albert Dreieinigkeitsmoses: Nico Wouterse Jenny Hill: Stefanie Wüst Jim Mahoney: Pieter Roux Jack O‘Brien / Tobby Higgins: Nils Olsson Bill, genannt Sparbüchsenbill: Pavel Šafárˇ Joe, genannt Alaskawolfjoe: Kostadin Arguirov Chor des Anhaltischen Theaters Dessau Anhaltische Philharmonie Dessau

Szenenfoto Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

kreten musikalischen Zitaten. Neben der Zauberflöte ist hier u.a. auch Fidelio zu nennen, und unter den musikalischen Stilzitaten ist zeitgenössische Tanzmusik neben dem Choral ein wichtiges Element. Tanzmusik selbst eignet sich aufgrund ihrer geschlossenen Form von vorneherein als formales Glied in der Kette einer Nummernoper. Doch dies war nicht der einzige Grund dafür, dass Weill auf zeitgenössische Tanzmusik zurückgriff. Drei weitere Aspekte scheinen dabei noch weit bedeutender: 1. Tanzmusik eignet sich generell für das Vorhaben, eine „epische Oper“ zu schreiben, denn durch die Vorgabe eines eindeutig strukturierten Rhythmus- oder Melodiemodells wird die Musik „objektivitiert“ und zum genuinen Erzählträger der Opernhandlung. Komponist und Rezipient können sich nicht allein ihrer „subjektiven“ Les- und Interpretationsart hingeben, sondern diese wird erheblich durch den vorgegebenen und gleichbleibenden Rhythmus reglementiert. 2. Weill betonte, dass mit der Oper Mahagonny die Geschichte der Stadt in ihrer „Rückwirkung auf den Menschen“ thematisiert werden sollte. Allerdings dachte er dabei nicht an den Menschen als Individuum, sondern an die Masse der Bewohner dieser Stadt. Aus diesem Grunde, so Weill weiter, seien „alle Gesänge dieser

Hinweis zu V28 Das Theaterrestaurant hat nach Vorstellungsende 90 Minuten geöffnet und bietet warme Küche an.

Ein Programmheft zu dieser Produktion erhalten Sie im Anhaltischen Theater Dessau. Koproduktion des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Anhaltischen Theater Dessau Aufführungsrechte: Universal Edition AG, Wien

Der Einfluss zeitgenössischer Tanzmusik auf Kurt Weills Schaffen ist auch in seiner Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny unverkennbar. Weill äußerte sich in verschiedenen Artikeln über dieses Werk und betonte dabei stets, dass er eine „lose Folge von aneinandergereihten ‚Sittenbildern des 20. Jahrhunderts’“ in Form einer Nummernoper geschrieben habe und dass man die Oper formal als einen „musikalischen Bilderbogen“ bezeichnen könne. Für diesen „musikalischen Bilderbogen“ griff der Komponist verschiedene musikalische Stile auf und scheute sich auch nicht vor kon-

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auf die Dauer nicht befriedigen. Es herrscht Unzufriedenheit. Die Preise sinken. In der Nacht des Taifuns, der gegen die Stadt heranzieht, erfindet Jim Mahoney das neue Gesetz der Stadt. Dieses Gesetz lautet: ‚Du darfst alles’. Der Taifun biegt ab. Man lebt weiter nach den neuen Gesetzen. Die Stadt blüht auf. Die Bedürfnisse steigen – und mit ihnen die Preise. Denn: man darf zwar alles – aber nur, wenn man es bezahlen kann. Jim Mahoney selbst wird, als ihm das Geld ausgeht, zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung wird zum Anlaß einer riesigen Demonstration gegen die Teuerung, die das Ende der Stadt ankündigt.“ (aus: Kurt Weill: Vorwort zum Regiebuch der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny)

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Lotte Lenya als Jenny in der Berliner Erstaufführung von Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Nachdem sich keines der drei Berliner Opernhäuser zu einer Aufführung von Mahagonny entschloss, schrieb Weill eine reduzierte Fassung für Schauspieler. Die Josef Aufricht-Produktion mit Trude Hesterberg, Lotte Lenya, Harald Paulsen u.a. hatte am 21. Dezember 1931 am Kurfürstendamm-Theater Premiere.

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Oper Ausdruck der Masse“. Um der Masse wiederum einen ihr entsprechenden musikalischen Ausdruck zu verleihen, arbeitete Weill bewusst die damals populäre und viel rezipierte Tanzmusik ein. 3. Um Sittenbilder des 20. Jahrhunderts zu schreiben, musste Weill auch die musikalische Sprache dieser Zeit sprechen, namentlich die 1920er Jahre. Um diese musikalisch abzubilden, griff Weill – ähnlich zu seinen früheren Opern wie Royal Palace oder Der Zar lässt sich fotografieren – auf die damals aktuelle Tanz- bzw. Jazzmusik zurück, die dieses Jahrzehnt akustisch prägten. Weill und Brecht trafen darüber hinaus mit ihrer Thematisierung der Neuen Welt in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny den Nerv der Zeit: Rauchend und Whiskey trinkend beklagen die Protagonisten ihr schweres Los auf der Suche nach der Fantasiestadt Mahagonny mit Balladen, Foxtrotts, Shimmys und Walzern. Kurt Weill integrierte demnach die damals aktuelle Tanzmusik in Mahagonny aus formalen und inhaltlichen Gründen, um der „Masse Mensch“ (so der Titel eines zeitgenössischen Bühnenstücks) seiner Zeit ein adäquates Ausdruckselement zu verleihen. Dass dadurch gleichzeitig die epische Grundstruktur der Oper mitgeformt werden konnte, kam Weill sicherlich entgegen. Zur Handlung „Zwei Männer und eine Frau, auf der Flucht vor den Konstablern, bleiben in einer öden Gegend stecken. Sie beschließen, eine Stadt zu gründen, in der den Männern, die von der Goldküste her vorüberkommen, ihre Bedürfnisse erfüllt werden sollen. In dieser ‚Paradiesstadt’, die hier entsteht, führt man ein beschauliches, idyllisches Leben. Das kann aber die Männer von der Goldküste

Markus L. Frank wurde in Schwäbisch Hall geboren und studierte in Detmold Horn und Dirigieren. 1994 wurde er Solohornist beim NDR-Sinfonieorchester Hamburg, 1997 2. Kapellmeister an der Bühne der Landeshauptstadt Kiel. Seit 2003 ist er 1. Kapellmeister und Stellvertreter des Generalmusikdirektors am Anhaltischen Theater Dessau, wo er bereits zahlreiche Premieren und Konzerte leitete. Als Gast dirigiert er seit der Spielzeit 2001/2002 regelmäßig am Niedersächsischen Staatstheater Hannover. Weitere Gastspiele führten ihn an die Staatstheater Schwerin, Wiesbaden und Kassel, an das Opernhaus Nürnberg, zur Württembergischen Philharmonie Reutlingen, zum Staatsorchester Rheinland-Pfalz und an die Deutsche Oper Berlin. 2002 erschien ein Kieler Live-Mitschnitt der Oper Cyrano de Bergerac unter seiner Leitung auf CD. Helmut Polixa stammt aus Neustadt/Holstein und erhielt seine Schauspiel- und Regieausbildung an der FolkwangHochschule Essen. Es folgten Schauspielinszenierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (u.a. in Hamburg, Berlin, Wien und Zürich). Danach arbeitete er als Opernregisseur in Deutschland, Europa und den USA (u.a. in Amsterdam, Barcelona, Cardiff, Genf, Paris, Wien und Los Angeles). Nach einer Unterbrechung seiner Regiearbeit startete er einen Neubeginn als Opernregisseur mit einzelnen Arbeiten für das Stadttheater Gießen. Für das Anhaltische Theater Dessau inszenierte er Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, Gräfin Mariza und im Januar 2007 Boris Godunov. Helmut Polixa lebt in Berlin und Frankfurt/Main. Stefan Rieckhoff wurde in Oldenburg geboren, studierte Bühnenbild an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf und ist seit 1990 als freischaffender Bühnen- und Kostümbildner für Oper und Schauspiel tätig. Zahlreiche Engagements führten ihn u.a. nach Berlin, Wien, Luxemburg, Prag, Oldenburg, zu den Bregenzer Festspielen und nach Dessau. Nachdem er am Anhaltischen Theater Dessau bereits drei Opernproduktionen ausgestattet hatte, wurde er hier 2003 als Ausstattungsleiter verpflichtet.


Waltraud Hoffmann-Mucher wurde in Klagenfurt geboren und studierte Gesang bei Karl Ernst Hoffmann. Die Mezzosopranistin sang u.a. bei den Bregenzer Festspielen, der Mozartwoche Salzburg und dem Ljubljana Festival. Stückverträge führten sie nach Cottbus, Bremen und Berlin sowie an die Opernhäuser in Klagenfurt und Graz. Zu ihren wichtigsten Operpartien zählen die Rollen Cherubino, Dalila, Hänsel, Rosina, Suzuki, Carmen und Ulrica. Sie erhielt Preise bei internationalen Wettbewerben, u.a. in Pretoria und beim Salzburger Mozartwettbewerb, und wirkte bei mehreren Uraufführungen und CD-Ersteinspielungen von Alter bis zeitgenössischer Musik mit.

Pieter Roux wurde in Südafrika geboren, wo er an der Universitäten von Potchefstroom und Witwatersrand studierte. Er absolvierte Meisterkurse bei Hanno Blaschke in München und Hilde Zadek in Wien. Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland 1996 war er bis 2001 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden engagiert, anschließend an den Wuppertaler Bühnen. Seit 2004 ist er Ensemblemitglied am Anhaltischen Theater. Gastspiele führten ihn u.a. nach Bremen, Mainz, Kassel, Aachen, Heidelberg und Lübeck. Zu seinem Repertoire zählen u.a. die Partien des Orpheus, Cavaradossi und Pinkerton. Neben seiner Operntätigkeit tritt er regelmäßig weltweit in Konzerten auf.

Marian Albert sammelte erste Gesangserfahrungen im Knabenchor seiner Heimatstadt Posen. Er studierte Musikwissenschaft in Lubin und Dirigieren in Bydgoszcz und Posen und arbeitete zunächst als Dirigent. Nach einem Gesangsstudium an der Musikakademie Posen, wo er heute als Professor lehrt, startete er seine Karriere als Sänger und erhielt ein Mozart-Stipendium in Salzburg. Der Tenor arbeitete u.a. an Opernhäusern in Brüssel, Salzburg, Antwerpen, München, Frankfurt/Main und Prag unter Dirigenten wie Gerd Albrecht, Hans Zender und Bernard Haitink. Zu seinem Repertoire zählen u.a. die Partien des Lenski, Tamino, Belmonte, Fenton, Alfredo, Don Narciso und Gianetto.

Nils Olson Der schwedische Tenor studierte an der Stockholmer Opernhochschule, bevor er 1998 sein Debüt in Tosca am Anhaltischen Theater gab. Es folgten Gastauftritte u.a. in Stuttgart, Amsterdam, Brüssel, London, Glyndeboune, San Francisco, Helsinki und Stockholm. In Weills Mahagonny war er u.a. in einer Inszenierung von Ruth Berghaus in Stuttgart und unter HK Gruber in London, Bremen und Luzern zu erleben. Weills Sieben Todsünden gab er mit Anne-Sofie von Otter im Amsterdamer Concertgebouw, an der Seite von Milva beim Kurt Weill Fest Dessau und in der Hamburger Musikhalle. Sein breites Repertoire an Opernpartien umfasst Werke von Haydn und Mozart bis hin zu Strawinsky und Schostakowitsch.

Nico Wouterse Der Bass-Bariton wurde in Heerlen (Niederlande) geboren und studierte zunächst Saxofon in Maastricht. 1996 wechselte er zum Gesang und studierte bei Mya Besselink und Daniel-Lewis Williams. Nach einem Engagement am Theater Trier wurde er zur Spielzeit 2005/2006 fest am Anhaltischen Theater verpflichtet. Zu seinen wichtigsten Rollen gehören u.a. Don Alphonso, Leporello, Don Pizarro, Kaspar, Biterolf, Oberlin, Taddeo, Il Re und Guardiano. 2005 sang er den Fliegenden Holländer in einer Bearbeitung für Kinder.

Pavel Šafárˇ wurde in Brno geboren, wo er drei Jahre an der Janácek-Hochschule Gesang studierte. 1967 setzte er seine Studien in Prag fort. Von 1969 bis 1978 war er Mitglied des VokalEnsembles Linha-Singers. Seine Bühnenlaufbahn begann er 1978 am Stadttheater Döbeln. Seit 1987 ist er in Dessau engagiert. Hier sang er u.a. die Titelpartien in Figaros Hochzeit und Don Giovanni sowie Sharpless (Madame Butterfly), Silvio (Bajazzo), Posa (Don Carlos) und Wolfram (Tannhäuser).

Stefanie Wüst Die gebürtige Kölnerin arbeitete zunächst im Theater- und Filmbereich, bevor sie Gesang bei Claudio Nicolai in Köln studierte und Meisterkurse u.a. bei Edith Mathis und Gisela May absolvierte. Sie legte einen Schwerpunkt auf die Werke Kurt Weills und Hanns Eislers, gründete 1989 das Kurzweil-Ensemble und wirkte an themenbezogenen Radio-, Fernseh- und Filmprojekten mit. Daneben widmet sie ihre Programme u.a. den Komponisten Wolpe, Heymann und Hollaender, aber auch Bach und Mozart. Die Sopranistin ist auf Konzertpodien in Deutschland, Österreich, Frankreich und Holland zu Gast. 2005 sang sie in Potsdam am Schlosstheater die Rolle der Anna in Die sieben Todsünden und am Hans Otto Theater die Lucy in der Dreigroschenoper.

Kostadin Arguirov Der gebürtige Bulgare wuchs zunächst in Deutschland auf, kehrte jedoch später nach Sofia zurück, wo er ein Studium an der Musikhochschule absolvierte. 1986 nahm er aktiv am Internationalen Musikseminar in Weimar teil. 1989 wurde er beim Robert-Schumann-Wettbewerb in Zwickau ausgezeichnet und erhielt sein erstes festes Engagement am Zwickauer Theater. Seit 1998 ist der Bariton am Anhaltischen Theater in Dessau engagiert und stand seitdem in zahlreichen Rollen auf der Bühne, u.a. als Frank (Die Fledermaus), Sharpless (Madam Butterfly), Alfred P. Doolittle (My Fair Lady), Johann Mattes (Die Bürgschaft), Kruschina (Die verkaufte Braut), Javert (Les Misérables), Zuniga (Carmen) und Figaro (Der Barbier von Sevilla).

„Die Nachbarin links wurde von Herzkrämpfen befallen und wollte hinaus; nur der Hinweis auf das Geschichtliche des Augenblicks hielt sie zurück. Der greise Sachse rechts umklammerte das Knie der eigenen Gattin und war erregt! Ein Mann hinten redete zu sich selbst: ‚Ich warte nur, bis der Brecht kommt!’ und leckte sich – in Bereitschaft sein ist alles – die Lippen feucht. Kriegerische Rufe, an manchen Stellen etwas Nahkampf, Zischen, Händeklatschen, das grimmig klang wie symbolische Maulschellen für die Zischer, begeisterte Erbitterung, erbitterte Begeisterung im Durcheinander. Zum Schluss: levée en masse der Unzufriedenen, und deren Niederschmetterung durch den Hagel des Applauses.“ (Alfred Polgar zur Uraufführung von Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, 1930)

Typen aus Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (Berlin 1931)

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Samstag, 10.03.2007 V29 19.00 Uhr, Musiktheater in der Marienkirche

„DOWN IN THE VALLEY“ Musikalische Leitung, Klavier: Errico Fresis Inszenierung: Pamela Hunter Absolventen des Bel Canto Northwest Vocal Institute der Portland State University, USA PanArte Ensemble der Universität der Künste Berlin Flöte: Dvorah Gordin Klarinette: Kristin Wassmer Altsaxofon: Meriel Price Tenorsaxofon: Alan Wang Fagott: Roman Reznik Trompete: Christian Syperek Posaune: Robert Waldmann Klavier: Liana Vlad, Victoria Litsoukova, Panagiotis Papadopoulos Schlagzeug: Marion Hafen Violine: Anna Eichholz, Charikleia Kanatidou Viola: Kamila Maslowska Violoncello: Pers Joan Carrascosa Kontrabass: Micha Kaplan

Szenenfoto Down in the Valley

Ein Abendprogramm erhalten Sie in der Marienkirche. Aufführungsrechte: Hin und zurück: Schott Music GmbH & Co KG, Mainz Down in the Valley: EDITION WILHELM HANSEN HAMBURG (Sikorski)

Weitere Aufführung von Down in the Valley 11.03.2007, 19.30 Uhr, Universität der Künste Berlin, Fasanenstr. 1b

Koproduktion des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Bel Canto Northwest Vocal Institute der Portland State University Mit freundlicher Unterstützung der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt

Hin und Zurück Sketch mit Musik Musik: Paul Hindemith Text: Marcellus Schiffer Robert: Owen McIntosh Helene, seine Frau: Marian Horton Tante Emma: Amanda Hillestad Der Professor: Jeremy Griffin Der Krankenwärter: Jonathan Baltera Das Dienstmädchen: Stephanie Hradsky Ein Weiser: Mert Süngü Alissa (Ausschnitte) Musik: Darius Milhaud Text: André Gide Jérôme: Owen McIntosh Alissa: Angie Solomon Down in the Valley Folk Opera Musik: Kurt Weill Text: Arnold Sundgaard Brack Weaver: Banner Smith Jennie Parsons: Katelyn Spencer Thomas Bouché: Jeremy Griffin Anführer / Prediger: Gabriel Henriques Gefängniswärter: Jeremy Griffin Peters: Owen McIntosh Jennies Vater: Jonathan Baltera Zwei Frauen: Amanda Hillestad, Sonya Meyer Chor: Angie Solomon, Marian Horton, Stephanie Hradsky, Mert Süngü Keine Pause

Das Werk war ein Renner. Wer Anfang der 1950er Jahre im Amerika jenseits der großen Städte den Namen Kurt Weill hörte, der dachte an Down in the Valley. Nicht Mackie Messer, sondern ein tapferer Bursche namens Brack Weaver dominierte damals die Bühnen vieler amerikanischer Colleges und High Schools. Seit der Premiere im Juli 1948 an der Indiana University in Bloomington hatte das knapp 40-minütige Bühnenstück einen erstaunlichen Erfolgszug angetreten: Bereits drei Wochen nach der Premiere wurde die Kurzoper im Rundfunk übertragen, 1949/50 erschienen zwei Kompletteinspielungen mit Starbesetzung auf Schallplatte, und am 14. Januar 1950 erfolgte eine aufsehenerregende Fernsehproduktion, mit der die NBC ihre Ausstrahlung von Opern begann. Als Resultat dieses medialen Booms konnte der amerikanische Verleger 1953 bereits die 3000. Aufführung verbuchen und diese Zahl bis zum Ende der Dekade gar verdoppeln. Wie Erfolge im allgemeinen andeuten, hatte Down in the Valley einen Nerv getroffen, doch es fällt schwer, einen solchen zu benennen. Ein glückliches Zusammentreffen mehrerer Faktoren dürfte den Erfolg bewirkt haben. Zunächst war es die Anlage des Werkes als „folk opera“. Begonnen hatte diese mit einem Fehlstart. Im Sommer 1945 hatte sich Weill auf Anregung des Musikkritikers Olin Downes mit der Idee beschäftigt, ein neuartiges musikdramatisches Hörspiel auf der Basis von Folksongs zu entwickeln. Als Mitarbeiter für eine Pilotsendung gewann Weill den jungen Theaterschriftsteller Arnold Sundgaard, mit dem er eine Reihe von Folksongs auswählte, die neben musikalischen Kernstücken auch bereits den Stoff für die Oper lieferten. Der titelgebende Song Down in the Valley berichtet von einem Insassen des Birmingham Jail (Alabama), der auf einen Brief von seiner Liebsten wartet. Sundgaard

Titelblatt des Klavierauszugs (Schirmer)

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Die American Opera Society verlieh Weill im Mai 1949 eine Medaille für Down in the Valley als Beitrag zur amerikanischen Oper.

und Weill entwickelten daraus eine kurze Handlung: Da kein Brief das Gefängnis erreicht, bricht der Gefangene (Brack Weaver) aus, um die letzten Stunden vor der Hinrichtung mit seiner Geliebten (Jennie) zu verbringen. In Rückblenden wird erzählt, wie es zum Tod des brutalen Nebenbuhlers (Thomas Bouché) und der ungerechten Verurteilung kam. Vier weitere Folksongs (The Lonesome Dove; The Little Black Train; Hop Up, My Ladies; Sourwood Mountain) wurden in den Verlauf der Handlung eingeflochten. Das ambitionierte Projekt als Auftakt zur Sendereihe schlug jedoch fehl, denn es konnten keine kommerziellen Sponsoren zur Finanzierung der Reihe gewonnen werden, obschon man eine relativ aufwendige Demoversion produziert hatte. Eine Schlüsselfigur für die Wiederaufnahme des Projekts unter anderen Vorzeichen war schließlich Hans W. Heinsheimer, ehemaliger Leiter der Bühnenabteilung von Weills altem Verlag, der Universal Edition in Wien. Heinsheimer war 1938 in die USA emigriert und arbeitete nach einigen Jahren bei Boosey & Hawkes seit 1947 für den amerikanischen Verlag G. Schirmer. Auf einer PR-Reise durch das Land war ihm der Bedarf an einfachen Opern für semi-professionelle Ensembles und (Hoch-)Schulgruppen aufgefallen. Sich seiner einträglichen verlegerischen Erfahrung mit dem Jasager (1930) entsinnend, wandte er sich an Weill mit der Frage nach geeignetem Material für diese Gruppen. Weill erweiterte daraufhin die etwa 25-minütige Radiofassung um ein Drittel und achtete bei der Instrumentierung darauf, dass die Partitur relativ problemlos von Schulorchestern bewältigt werden konnte (so waren etwa Oboe, Fagott und Hörner nicht obligatorisch). Während die Handlung dem schlichten Charakter der Songs entspricht, ließ Weill bei der Harmonisierung der traditionellen Melodien fast unmerklich kunstmusikalische Wendungen einfließen, mit denen er zum einen die dramatische Wirkung der Songs steigerte und sie zum

Probenarbeiten zur Uraufführung von Down in the Valley an der Indiana State University 1948: Kurt Weill, Lotte Lenya, der Texter Alan Jay Lerner und der Regisseur Hans Busch.

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anderen dem übrigen musikalischen Gefüge anglich. Die ausgedehnten Chorpassagen, mit denen die Handlung im Balladenstil erzählt wird, boten Gelegenheit zur Mitwirkung der fast überall vorhandenen Schulchöre. Die Besetzung der Jennie mit dem Broadwaystar Marion Bell, Ehefrau des Texters Alan Jay Lerner (Love Life, My Fair Lady) brachte die nötige überregionale Aufmerksamkeit für eine Premiere in der Provinz. Kombiniert wurde der Premierenabend – wie auch hier in Dessau – mit Paul Hindemiths „musikalischem Sketch“ Hin und Zurück (1927). Wie es zu der Kombination kam, ist nicht überliefert, und leider ist auch nicht bekannt, ob sich einer der beiden Komponisten zu dieser möglicherweise unfreiwilligen Wiederbegegnung geäußert hat. Denn schon 1927, bei der Uraufführung des Mahagonny Songspiels im Rahmen der Baden-Badener Kammermusiktage, war dieses Werk Hindemiths Weill an die Seite gestellt worden (ein weiterer im Bunde war damals Darius Milhaud, dessen Entführung der Europa [1927] in BadenBaden erklang und der hier nun passend mit dem Liederzyklus Alissa [1913; rev. 1931] vertreten ist). Die Kritik zeigte sich von der „folk opera“ rundherum begeistert. Bei einer Inszenierung in New York ein Jahr nach der Premiere bezeichneten einige Rezensenten Weill gar als den Begründer einer amerikanischen Operntradition, wie dieser seinen Eltern nicht ohne Stolz mitteilte: „Meine Volksoper Down in the Valley, die ihr ja am Radio [in Israel] gehört habt, und die nun schon in 100 amerikanischen Städten aufgeführt worden ist, ist nun in New York herausgekommen, in einem kleinen Theater, wo eine Gruppe von jungen Sängern seit einigen Jahren mit großem Erfolg Opern aufführen. Sie nennen sich ‚Limonaden-Oper‘, weil sie in der Pause Limonade verkaufen, und um den Gegensatz zur pomphaften großen Oper zu betonen (wie wir es seinerzeit mit der Dreigroschenoper taten). […] Der Kritiker der Times vergleicht es mit der originalen Beggar’s Opera, die der Ursprung der englischen Oper wurde, und sagt, Down in the Valley wird in die Geschichte eingehen als der Ursprung der amerikanischen Oper. Ein anderer Kritiker beginnt seinen Aufsatz: ‚Kurt Weill, der in Dessau in Deutschland geboren wurde und in unser Land kam, um hier zu leben, wird in späteren Geschlechtern der Begründer der amerikanischen Oper genannt werden‘.“ Offensichtlich genoss Weill diesen Moment „auf dem Sockel“ vor den Eltern. Seine eigene, weniger pathetisch formulierte Hervorhebung des Anti-Establishment-Charakters von Down in the Valley fasst jedoch einen Kernansatz zusammen, der für Weills gesamtes Reformschaffen im Bereich des Musiktheaters prägend war. Elmar Juchem Errico Fresis war stellvertretender Generalmusikdirektor des Freiburger Theaters, bevor er 2003 zum Professor an der Universität der Künste Berlin ernannt wurde. Davor war er Solorepetitor an der Wiener Staatsoper und der Wiener Volksoper sowie Kapellmeister am Ulmer Theater und am Saarländischen Staatstheater. Als Gastdirigent leitete er Konzerte und Rundfunkaufnahmen u.a. mit dem Sinfonieorchester der BBC, ensemble recherche und Klangforum Wien, den Freiburger Philharmonikern, dem Radiosinfonieorchester Athen und dem Staatsorchester Thessaloniki. Opern dirigierte er u.a. am Staatstheater Stuttgar-


ter, Nationaltheater Mannheim, Staatstheater Nürnberg und Staatstheater Weimar sowie am Teatro Massimo Bellini in Catania und am Grazer Opernhaus. Daneben dirigierte er bei zahlreichen Festivals, darunter beim Edinburgh International Festival, bei der Hannoverschen Biennale für Neue Musik, bei den Tagen Alter Musik in Herne und bei den Musiktagen Hitzacker. Pamela Hunter kehrt nach Dessau zurück, wo sie 2004 mit ihrer Otto Dix-Performance Großstadt oder Leben ohne Verdünnung beim Kurt Weill Fest zu Gast war. Beim internationalen TVFestival in Banff, Kanada, gewann sie den ersten Preis für „Best Performance Special“ in der BBC-Produktion Façade und wurde anschließend für den „Emmy Award“ in New York nominiert. Am Teatro di San Carlo in Neapel inszenierte Pamela Hunter 2002 Façade neu; anschließend tourte die Produktion durch Europa und die USA. Sie führte Regie bei der Neuinszenierung von Thomas Adès’ Oper Powder her Face, die in Dänemark, Israel, Kroatien, Italien, der Schweiz und den USA zur Aufführung kam. 2005 folgten Regiearbeiten für MarkAnthony Turnages Oper Greek und die Weltpremiere der Oper Diotima e Euridice von Nicola Sani für die Music Biennale Zagreb. Als Lehrerin für Regie und Schauspiel hat Pamela Hunter das Bel Canto Northwest Vocal Institute in Portland maßgeblich beeinflusst und profiliert. Bel Canto Northwest Vocal Institute der Portland State University, USA Das Institut wurde 1993 durch Ellen Faull von der Juilliard School of Music, New York, gegründet und hat sich in den vergangenen zehn Jahre zu einer der angesehensten Weiterbildungsstätten der USA entwickelt. Es bietet Intensivkurse für angehende und professionelle Sängerinnen und Sänger an, wobei der Schwerpunkt auf einer hoch qualifizierten und individuellen Betreuung liegt. Das Training durchläuft verschiedene Stadien vom klassischen Unterricht bis hin zu Konzert- und Bühnenauftritten und konzentriert sich auf die Ausbildung der Gesangstechnik, des persönlichen Ausdrucks und musikalischer Fähigkeiten, die Repertoire- und Stilbildung sowie die Vermittlung von Schauspielkünsten für Sänger. Viele Kursteilnehmer wurden anschließend in Ausbildungsprogramme renommierter amerikanischer Opernhäuser übernommen oder dort als Sänger verpflichtet.

Gabriel Henriques wurde in Portland, Oregon, geboren und ist heute Student bei Steven Rainbold am Peabody Institut der John Hopkins University in Baltimore, Maryland. Der 20-jährige Henriques spielt Klavier und Oboe und wirkt bei diversen Opernproduktionen mit. Jeremy Griffin stammt aus Fort Collins, Colorado, und studiert im zweiten Jahr an der Portland State University in Oregon, wo er sein Diplom in Musik und Theater erwerben will. Jonathan Baltera ist in Portland, Oregon, aufgewachsen, hat an der Oregon State University in Corvallis studiert und war Leitungsassistent des Kammerchors der Universität. Heute lebt er in Seattle, Washington, wo er sein Studium als Chorleiter fortsetzt. Katelin Spencer stammt aus Brighton, Michigan, und studiert an der University of Michigan „Ann Arbor“ Stimm-Performance bei George Shirley.

Szenenfoto Down in the Valley

Marian Horton kommt aus Torrence, Kalifornien, und lebt heute in Medford, Oregon. Als Absolventin des Linfield College in Oregon wirkt sie heute freischaffend in Opernproduktionen für Schüler und Studenten in Süd-Oregon mit. Mert Süngü wurde in Istanbul, Türkei, geboren und studiert dort an der Mimar Sinan Universität bei Suat Arkin in den Fächern Oper und Schauspiel. Owen McIntosh stammt aus Nord-Kalifornien und hat seinen Bachelor in Musik bei der Californian State University in Stanislaus erworben. Der Tenor hat Preise bei bedeutenden Wettbewerben in den USA gewonnen und sang 2006 im Chor des Festivalensembles Stuttgart unter Helmuth Rilling. Sonja Meyer kommt aus University Place, Washington, und besucht derzeit die Curtis Senior High School in Seattle. Die mehrfache Preisträgerin erhielt u.a. den „Best Featured Actress Award“ beim 5th Avenue Theater-Wettbewerb 2006.

Amanda Hillestad wurde in Boston geboren. Nach Abschluss der CenStephanie Hradsky tral Memorial High School studiert sie jetzt am Mount aus Calgary, Kanada, besucht momentan die AbschlussRoyal College in Calgary in Vorbereitung ihres Universi- klasse der High School, wo sie auch Gesangs-, Tanz- und tätsstudiums. Klavierunterricht erhält und bereits mehrfach solistisch in Bühnenproduktionen auftrat. Angie Solomon stammt aus Iowa und hat ihr Musikstudium an der UniPanArte Ensemble versity of Missouri in Kansas City erfolgreich abgeschlosVor kurzem an der Universität der Künste in Berlin neu sen. Sie hat bei Produktionen in Minneapolis mitgewirkt, gegründet, setzen Errico Fresis und junge Musiker nun war an einem Studienprojekt in Frankreich beteiligt und die Arbeit des gleichnamigen Saarbrücker Vorgängerenstudiert momentan bei Joyce Castle in Kansas. sembles in den Bereichen interdisziplinäre Kunst und zeitgenössisches Musiktheater fort. Der Auftritt des Banner Smith Ensembles im Rahmen der Tage Alter Musik in Herne, Der erst 18-jährige Smith stammt aus Kennewick, bei dem Musiktheaterwerke von Peter Eötvös und Washington, und studiert am Columbia Basin College in Domenico Scarlatti verknüpft wurden, wurde von der Pasco, Washington, bei Elaine Sherperel-Burgess. Fachpresse als Höhepunkt des Festivals bezeichnet.

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Samstag, 10.03.2007

gefühl aus, man wollte tanzen und sich amüsieren. Unterstützt vom Rundfunk als bahnbrechendes MasV30 19.00 Uhr, Musikalische Lesung in senmedium, wurde seit 1923 eine Tanzmode nach der der Kreissparkasse Bitterfeld anderen kreiert. Foxtrott, Tango, Shimmy und Charleston lockten zahlreiche Nachwuchskünstler – Sänger, Tänzer, Kleinstensembles bis hin zu ganzen Orchestern – in die Nachtlokale der Weimarer Kunstmetropole. Die Memoiren einer vergessenen Soubrette von Silke Schütz Konzeption und szenische Umsetzung: Christoph Hil- skizzieren mit den Worten der fiktiven Künstlerin Henny ger und Bettina Dorn nach einer Idee von Regine Held Walden eine spannende und amüsante Nahaufnahme Schauspiel und Rezitation: Bettina Dorn der wilden Berliner Jahre zwischen 1919 und 1929 und beschreiben das exemplarische Schicksal einer jungen Quint Olé Frau, die ein Leben als erfolgreiche Diva anstrebt, es in Flöte: Jennifer Smyth Berlin jedoch nur zu bescheidenem Ruhm bringt. Oboe: Regine Held Klarinette: Tim Kieselhofer Christoph Hilger Horn: Gesa Johanns ist als Schauspieler, Regisseur, Fagott: Naoko Matsutani Sprecher, Kameracoach und Ausdruckstrainer seit 1990 auf vielen Texte: Kurt Weill, Henny Walden, Joachim Ringelnatz, Bühnen und Studios sowie HochManuel Romero, Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler schulen Deutschlands unterwegs. 1991 erhielt er einen Darstellerpreis Das Programm enthält folgende Werke: des 1. Internationalen Theaterfestivals in Wolgograd (GUS). Seit 2006 Paul Hindemith (1895–1963) ist er Professor an der Hochschule für Film und FernKleine Kammermusik für fünf Bläser op. 24,2 sehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg im FachLustig bereich Schauspiel. Walzer Ruhig Bettina Dorn Sehr lebhaft ist als Regisseurin und SchauspieDenes Agay (1911–1937) lerin für Film- und FernsehproduktioAus: Five Easy Dances nen sowie auf verschiedenen in- und Rumba ausländischen Bühnen tätig AusTango gebildet durch den argentinischen Scott Joplin (1867–1917) Regisseur Augusto Fernandes, wirkRagtime te sie an dessen Inszenierungen am Cascades Deutschen Schauspielhaus HamRay Henderson (1896–1970) / burg und in verschiedenen Theatern in Buenos Aires Walter Donaldson (1907–1973) mit. Weitere Engagements führten sie nach Innsbruck Five Foot Two / Making Whoopee und Berlin, zudem absolvierte sie Schauspielseminare in (Charleston-Medley, Arr.: Guido Jöris) Paris, Buenos Aires und Polen. Von 1996 bis 1999 unterJaques Ibert (1890–1962) richtete sie am Estudio de Teatro in Buenos Aires SchauAus: Trois pièces brèves spiel und leitete dort die Abteilung Kinder und Jugend2. Andante liche. Seit 1999 ist Bettina Dorn Lehrerin und Coach für 3. Assez lent – Allegro scherzando Schauspiel in Köln. Gunther Schuller (*1925) Blues Regina Held und Quint Olé Malcolm Arnold (1921–1994) (siehe V22) Drei Shanties Allegro con brio Allegretto semplice Allegro vivace George Gershwin (1898–1937) Aus: Porgy and Bess Ouvertüre Summertime I Got Plenty of Nothing There’s a Boat Leaving Soon Kurt Weill (1900–1950) Tango-Ballade (Arr.: Guido Jöris)

„THE ROARING TWENTIES“

An die Schönheit (1922) von Otto Dix (Ausschnitt)

Buch-Tipp Silke Schütz Henny Walden, Memoiren einer vergessenen Soubrette rororo 1690

Mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Bitterfeld Brennpunkt der legendären „Roaring Twenties“ war das „nach Zukunft schmeckende Berlin“(Carl Zuckmayer). In diesen intensiven Jahren breitete sich ein neues Lebens-

Quint Olé

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Samstag, 10.03.2007 V31 21.00 Uhr, Ball im Restaurant Kornhaus

„TANZPALAST“ Dresdner Salonorchester Gesang: Marcus Günzel Violine: Florian Mayer Klavier: Holger Miersch Kontrabass: Thomas Fröhlich Schlagzeug: Ulli Niedermüller

Das Restaurant Kornhaus hat sich bereits beim Kurt Weill Fest 2006 als unwiderstehlicher Ort für den legendären Ball im Rahmen des Festivals erwiesen. Dieses Mal verwandelt sich das Haus am Elbufer – 1930 von Bauhausarchitekt Carl Fieger als Ausflugslokal mit Café, Tanzsaal, Vestibül und Stehbierhalle entworfen – in einen Tanzpalast der „Roaring Twenties“. Feurige Tangos, beschwingte Walzer, schweißtreibende Charlestons, jazzige Rhythmen und pikante Tonfilmschlager: All das gehört zum Lebensgefühl der „Goldenen Zwanziger“ und kann beim Ball im Tanzpalast mit dem Dresdner Salonorchester nach Lust und Laune genossen werden.

Das Dresdner Salonorchester hat sich seiner Gründung 1991 zu einem der beliebtesten Tanz- und Unterhaltungsorchester der sächsischen Elbmetropole entwickelt und sich bei vielen Gala- und Tanzveranstaltungen im In- und Ausland auch weit über Dresden hinaus einen Namen gemacht. Regelmäßige Funk- und Fernsehauftritte unterstreichen die wachsende Popularität des Orchesters, das die beliebtesten Evergreens mit Original-Arrangements spielt. Den unvergleichlichen Sound des Orchesters macht vor allem die markante Stimme seines Sängers aus. Neben vielen Gala-Auftritten veranstaltet das Dresdner Salonorchester auch eine eigene erfolgreiche Tanzreihe und eine große Revueshow.

Büfett-Karte Suppen

Kalte Gerichte Pralinen von Forelle, Strudel mit Wells und Traubenmost, Hering mit Birne und Estragon, Erbsenkrem mit marinierten Tomaten, Kartoffelbaumkuchen mit Bärlauchfumet, Frischkäsewürfel mit Tomaten, Käse mit Weintrauben Hinweis zu V31

Fischsoljanka Klare Gemüsesuppe mit Graupen Hauptgänge Vor den Gästen tranchiert:

Zur Veranstaltung wird ein kostenloser Busshuttle angeboten.

Ganzer Wildlachs mit zarter Räucherfischvariation

Lammkeule, Jungschweinrücken, Putenbrust

Caipirinha-Lachs mit Lachstatare, Senf-Dillsoße

dazu Ratatouille und gratinierte Kartoffeln

Fein marinierter Tafelspitz unter frischen Gartenkräutern

Viktoriabarsch und Lachsforelle

20.45 Uhr Abfahrt nh Hotel 20.50 Uhr Abfahrt Steigenberger Hotel Fürst Leopold 21.00 Uhr Ankunft Kornhaus

Variation von gebratenem Wild, Cumberlandsoße

Safran-Ingwerreis

Rückfahrt halbstündlich ab 0.00-2.00 Uhr zu o.g. Haltestellen

Jungschweinbraten mit einem Thunfischschaum Kräuterroastbeef, rosa gebraten, Remouladensoße

Nachtisch

Maishähnchen, Putenbrust und Entenmedaillons an exotischen Früchten

Auswahl exotischer Früchte

Melonenvariation mit Serranoschinken

Erdbeervariation

Flying Büfett – feine Vorspeisenvariation in kleinen Gläsern

Drei verschiedene Mousses

Rote und grüne Grütze

Früchtetartelettes mit Mohn-Marzipanpraline Flying Dessert – Nachspeise in kleinen Gläsern

Salatbüfett Blattsalate mit verschiedenen Dressings Tomaten mit Mozzarella und Basilikum

Käseauswahl von Harzer und internationalen Käsesorten

Geflügelsalat mit frischen Früchten Variation von Gemüsesalaten Salate mit Schafskäse

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Brotvariation mit Baguette und verschiedenen Brötchen sowie Butter und Schmalz




Sonntag, 11.03.2007 V32 11.00 Uhr, Klavierrecital im Schloss Köthen (Spiegelsaal)

MICHAEL RISCHE A R T I S T- I N - R E SI D EN C E 20 07

Klavier: Michael Rische

Johann Sebastian Bach (1685–1750) Toccata D-Dur BWV 912 Robert Schumann (1810–1856) Davidsbündlertänze op.6 Heft 1 1. Lebhaft 2. Innig 3. Mit Humor (Etwas hahnbüchen) 4. Ungeduldig 5. Einfach 6. Sehr rasch (und in sich hinein) 7. Nicht schnell 8. Frisch 9. Lebhaft Heft 2 1. Balladenmäßig. Sehr rasch 2. Einfach 3. Mit Humor 4. Wild und lustig 5. Zart und singend 6. Frisch 7. Mit gutem Humor 8. Wie aus der Ferne 9. Nicht schnell Pause Kurt Weill (1900–1950) Intermezzo Ferruccio Busoni (1866–1924) Berceuse Nr.7 aus den Elegien Maurice Ravel (1875–1937) Gaspard de la nuit Ondine Le Gibet Scarbo Mit freundlicher Unterstützung der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt und der Kreissparkasse Köthen

Eigentlich nicht zum Tanzen gedacht: Johann Sebastian Bachs Toccata in D-Dur (entstanden zwischen 1704 und 1707) besteht aus einem wilden Wechsel zwischen rhythmisch prägnanten, manchmal fast tänzerischen Teilen und freien Überleitungen. So erinnert sie an eine Suite, die ihren Ursprung auch in einer Abfolge verschiedener Tänze hat. Diese Form verknüpfte Robert Schumann 1837 mit der des Variationszyklus in den Davidsbündlertänzen. David, der königliche Sänger und Philisterschreck, war Schutzpatron der Musik. Nach ihm benannte sich kurz zuvor unter Schumanns Leitung eine Gruppe junger Künstler, die den Spießbürgern und Kulturbremsern (Philistern) den Kampf ansagte, wenn dieser Bund wahrscheinlich auch „ein mehr als gehei-

mer war, nämlich nur im Kopf seines Stifters existierte“ (so Schumann). Alle Mitglieder erhielten Phantasienamen – und nicht nur sie: auch Verwandte, Außenstehende, Tote (Beethoven und Schubert) und fiktive Personen (Florestan und Eusebius, die Herausgeber der Davidsbündlertänze). Florestan ist jener Glückliche in Beethovens Fidelio, der nach der Kerkerhaft schließlich das Licht erblickt. Er schaut mit Humor und Mut in die Zukunft, ist aber ein „brausender, übermüthiger Sturmläufer“. Eusebius, der „sanfte Jüngling, der sich stets bescheiden im Hintergrund hält“ ist der Empfindsame, der Träumer, der auch Vergangenes im Blick hat. Die beiden zeigen die verschiedenen Seiten von Schumann selbst. In den zwei Heften der Davidsbündlertänze vertont er nun ein Gespräch dieser Figuren. Florestan ist meist wild und rhythmisch; Eusebius tanzt bedächtiger, manchmal muss man von Bewegungslosigkeit sprechen. Nach dem konfliktreichen ersten Heft gewinnt Eusebius an Boden; er weiß, dass jede Spannung ihre Lösung enthält. Am Ende ergreift Schumann wohl selbst das Wort und versöhnt beide Seiten. Kurt Weills Intermezzo ist sein einziges Stück für Soloklavier und seine früheste erhaltene Instrumentalkomposition. Er schrieb dieses spätromantische „Lied ohne Worte“ für ein Konzert, das 1917 in Dessau stattfinden sollte. Damals hatte er sich bereits in verschiedenste Stile der Klaviermusik vertieft und beschäftigte sich gerade mit einem Intermezzo von Brahms. Er experimentierte mit neuartigen Modulationen; noch klang das Erlebnis von Wagners Tristan und Parsifal stark nach, aber es war etwas im Fluss und gärte in ihm – wie er selbst notierte. Was im Abendlied schon angelegt war, scheint Weill nun erstmals zu entfalten: eine ganz eigene musikalische Stimme mit freier, reicher Harmonik, die gerade aus der Vereinfachung ihre Kraft schöpft. Das Konzert in Dessau platzte allerdings aufgrund von Geldproblemen; man weiß nicht, ob Weill das Intermezzo jemals öffentlich zu Gehör bringen konnte. Vielleicht im Unterricht bei Busoni? Seinen „lieben Meister“ verehrte Weill nicht nur als einen Kompositionslehrer: „[er] gab

CD-Tipps Michael Rische, Deutsches Symphonie Orchester, Marcus Bosch (Ltg.) Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 op. 37 SonyBMG (ArteNova) 82876825862 Michael Rische Variationen über B-A-C-H (Klaviermusik von Johann Sebastian Bach, Johann Christoph Friedrich Bach, Schumann, Liszt, RimskijKorsakov, Poulenc, Honegger, Casella, Dallapiccola, Dessau und Danner) EMI 5 56920 2

Hinweis zu V32 Zur Veranstaltung wird ein kostenloser Busshuttle angeboten. 9.45 Uhr Abfahrt Busbahnhof Dessau, Bussteig 7 9.50 Uhr Abfahrt Steigenberger Hotel Fürst Leopold 9.55 Uhr Abfahrt nH Hotel 10.45 Uhr Ankunft Schloss Köthen Rückfahrt nach Ende der Veranstaltung

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Intermezzo (1917), Weills einzige Komposition für Soloklavier

keinen Unterricht, aber er ließ uns sein Wesen atmen, das sich in allen Bereichen offenbarte, das aber immer in Musik mündete. [...] Es war Gedankenaustausch im höchsten Sinne, ohne Meinungszwang, ohne Selbstherrlichkeit, ohne die Spur von Neid oder Böswilligkeit.“ Als Weill Ende 1920 Meisterschüler bei Busoni wurde, hatte er seine tonal freie Sprache bereits gefunden. Bei Busoni wurden nun Technik und Formsinn gefestigt, grundsätzliche Gestaltungsprinzipien überdacht. Der Blick weitete sich, die Romantik ließ man hinter sich. Busoni war zeitweise der Führer der musikalische Avantgarde; er peilte eine neue Tonkunst an und wollte auch

Spiegelsaal Schloss Köthen

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unter seinen Schülern eine künstlerische Elite heranbilden. Heute wird er meist nur im Zusammenhang mit Bach genannt, um dessen Werk er sich stark bemühte. 1909 plante er sogar eine Vollendung von Bachs Kunst der Fuge. In diesem Jahr entstand die Berceuse unter dem Leid des Todes seiner Mutter; das Stück wurde einem Zyklus von sechs Elegien als siebtes Klagelied angehängt. Es beginnt mit einer weit gespreizten Figur im Bass, auf die sich ein einfaches Thema legt. Man scheint nun fast auf der Stelle zu treten. In dieser schwankenden Ebbe und Flut lässt Busoni den Hörer im Unklaren: Die Tonart steht oft nicht fest, u. a. weil Tonwiederholungen vermieden werden – ein Kunstgriff, mit dem zur gleichen Zeit auch der Kreis um Schönberg versuchte, neues harmonisches Terrain zu betreten. Nur ein Jahr zuvor schrieb Maurice Ravel Gaspard de la nuit (in etwa „Nachtkaspar“). Auch er wagte mit diesen „Poèmes pour piano“ nach Aloysius Bertrands Kurzprosa Neues: Nie zuvor war ein Stück technisch so anspruchsvoll – und von so eigenartiger Phantasie. Damals dämmerte sein Vater dem Tod entgegen, erkannte den Sohn nicht mehr – spiegelt sich dies in der trägen Musik, die von Schreien unterbrochen, von drohendem Grummeln unterlegt wird? Im „murmelnden Lied“ der Nixe Ondine lässt Ravel eine endlos scheinende Melodie in ungewissem Takt schweben, darüber und darunter ein komplexes Schillern. Am Galgen (Le Gibet) baumelt der Erhängte in der Abenddämmerung, aber die Musik umschreibt die Szene nur in äußerster Ruhe: mit dem Armesünderglöckchen über schaurigen Akkorden. Scarbo ist ein böser Gnom, der Schlafende stört und sich morgens in Luft auflöst. Ursprünglich wollte Ravel hier nur den Romantizismus karikieren. In der kalkulierten Übersteigerung Liszts und Balakirews erreicht er jedoch ein vielschichtiges Gewebe. Die Musik scheint sich selbst in eine Falle zu treiben, man hört Klopfen und unmenschliche Schreie. Am Schluss verflüchtigt sich alles mit einer kleinen Geste. War es nur ein Spaß? Nicht für Ravel. Nach dem Erklimmen des Virtuositätsgipfels und dem Gang durch die Nacht konnte er sich von langen Alpträumen lösen und fand wieder zu einer klareren Musiksprache. Jens Berger Michael Rische (siehe Interview Seite 7 und V4)


Sonntag, 11.03.2007 V33 14.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

„DESSAU UND KURT WEILL“ (siehe V3)

CD-Tipps Jocelyn B. Smith Blue Light & Nylon Blondell/JBS 145 Jocelyn B. Smith Expressionzz Blondell/JBS 406 (CD/DVD) www.jocelyn.de www.volker-schlott.de

V34 15.00 Uhr, Festivalcafé / FIGARO vor Ort im Steigenberger Hotel Fürst Leopold

„15. KURT WEILL FEST DESSAU“ Moderation: Bettina Volksdorf (MDR FIGARO) und Hans-Peter Raiß (Radio Bremen) Gesprächsteilnehmer: Andreas Altenhof, Clemens Birnbaum, Andreas Hillger, Jocelyn B. Smith Gesang: Jocelyn B. Smith Saxofon: Volker Schlott Klavier: Chris Lewis

mit Songs von Kurt Weill und George Gershwin, das 1998 beim Kurt Weill Fest Dessau uraufgeführt wurde, erhielt sie 2003 den „Jazz Award“ der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry). AußerDas musikalische Programm enthält folgende Werke: dem veröffentlichte sie mehrere Funk- und Soulalben, u.a. Phenomenal Woman (2004) in Zusammenarbeit Kurt Weill (1900–1950) mit Till Brönner. Ihre neueste CD/DVD-Veröffentlichung Lost in the Stars dokumentiert ihr langfristig angelegtes Live Projekt Lonely House Expressionzz. Die Produktion Angel Dances, die die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker 2006 mit Jocelyn Das weltweit einzige jährlich stattfindende Festival B. Smith einspielten, wurde vor kurzem für einen Gramzu Ehren eines Komponisten der klassischen Moderne my nominiert. wurde am 2. März 1993 zum 93. Geburtstag Kurt Weills eröffnet. Zum Abschluss des nunmehr 15. Kurt Weill Volker Schlott Festes Dessau geben verschiedene Gäste des FestivalIn Oelsnitz im Vogtland gebocafés einen ebenso informativen wie unterhaltsamen ren, studierte der Saxofonist an der Rückblick auf die vergangenen Jahre. Auf dem Podium Musikhochschule „Hanns Eisler“ in wird nicht nur die bekannte Sängerin Jocelyn B. Smith Berlin. Er spielt u.a. mit Formatierwartet, die 1998 und 2000 mehrere Auftritte beim onen wie den Fun Horns, dem Volker Kurt Weill Fest bestritt und auch heute einige Songs Schlott-Quartett und tritt mit dem des Komponisten zu Gehör bringen wird. Auch der Mit- REEDS-Solo Projekt auf. In Zusambegründer und einstige Leiter Andreas Altenhof (1993– menarbeit mit Mikis Theodorakis 2002), der heutige Intendant Clemens Birnbaum (seit und Maria Farantouri entstanden seit 1996 mehrere 2002) und Andreas Hillger, Kulturredakteur bei der Mit- CDs, auf die internationale Auftritte folgten. Daneben teldeutschen Zeitung, schildern mit großen und kleinen komponiert er Theater- und Filmmusiken, publizierte Geschichten persönliche Eindrücke und Höhepunkte 1995 den ersten Band des Spielbuchs Saxofun für Saxodes Kurt Weill Festes (siehe auch Festivalrückblick Sei- fon und ist als Dozent an der Musikhochschule „Hanns te 64/65). Eisler“ in Berlin tätig. Seit 1998 ist Volker Schlott Mitglied der Band von Jocelyn B. Smith, deren aktuelles Live-Projekt Expressionzz er als Produzent betreut. Jocelyn B. Smith Der musikalische Werdegang der in New York geboChris Lewis renen, international bekannten Sängerin begann mit spielte als Mitglied der Band Mareiner klassischen Klavierausbildung. Seit ihrer Jugend- ried Men mit Jocelyn B. Smith bereits zeit sang sie in zahlreichen Funk- und Soulbands. Seit in den 1990er Jahren. Der Pianist war 1984 lebt Jocelyn B. Smith in Berlin und arbeitet an unter anderem an der Aufnahme der Musikprojekten verschiedener Stilrichtung. So über- Alben River, Born of Music und Live nahm sie u.a. den weiblichen Gesangspart in Heiner in Berlin von Jocelyn B. Smith beteiGoebbels Surrogate Cities, das zwischen 1999 und 2005 ligt. Zur Zeit ist er als Musical Direcmit verschiedenen Symphonieorchestern, u.a. den Ber- tor der Produktionen Stars in Conliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle, in zahl- cert, Stars in Concert Musical Show und Smooth Jazz reichen Städten Europas und in Australien zu erleben Berlin Project tätig und spielt als Keyboarder in der war. Für die CD ihres Programms Blue Light & Nylons Roland-Kaiser-Band und im Kai-Rautenberg-Sextett.

Die Veranstaltung wird von MDR FIGARO aufgezeichnet. Sendetermin: 17.03.2007, 19.30–21.00 Uhr

Hinweis zu V34 Das Festivalcafé hat bereits eine Stunde vor der Veranstaltung geöffnet und bietet Kaffee und Kuchen an.

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Sonntag, 11.03.2007 V35 17.00 Uhr, Abschlussveranstaltung Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

„STREET TANGO“ Carel Kraayenhof y su Sexteto Canyengue 1.Bandoneon und Musikalische Leitung: Carel Kraayenhof 2. Bandoneon: Ville Hiltula 1. Violine: Emma Breedveld 2. Violine, Viola: Bert Vos Kontrabass: Jaap Branderhorst Klavier: Sebastiaan van Delft

Osvaldo Pugliese (1905–1995) Recuerdo (Arr.: Carel Kraayenhof) Carel Kraayenhof (*1958) Clavel rojo Hermanos Cúcaro Silueta porteña (Arr.: Sexteto Tango) Emilio Balcarce (*1918) La bordona (Arr.: R.D. Alvarez) Kurt Weill (1900–1950) Youkali (Arr.: Emma Breedveld & SC) Die Zuhälterballade (Arr.: Emma Breedveld & SC) Rosita Melo (1897–1988) Desde el alma (Arr: Orchester Pugliese) Leonard Bernstein (1918–1990) Maria (Arr.: Chris Duindam) Mambo (Arr.: SC) Osvaldo Ruggiero (1922–1994) Bordoneo y 900 Pause Carel Kraayenhof Un tornillo en la máquina tanguera Leonard Bernstein A Boy Like That, I Have a Love (Arr.: Carel Kraayenhof & SC) One Heart, One Hand (Arr.: Carel Kraayenhof) Carel Kraayenhof A ‚tano‘ Ruggiero Kurt Weill Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit (Arr.: Emma Breedveld & SC) Song von Mandelay (Arr.: Emma Breedveld & SC) Astor Piazzolla (1921–1992) Verano porteño (Arr.: Osvaldo Pugliese / SC) Milonga del ángel (Arr.: Astor Piazzolla / SC) Adiós Nonino (Arr.: Astor Piazzolla / Carel Kraayenhof & SC) Libertango (Arr.: Astor Piazzolla / SC) SC = Sexteto Canyengue

Mit freundlicher Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Sachsen-Anhalt gemeinsam mit der Stadtsparkasse Dessau

Carel Kraayenhof

„Die Straße ist der Schauplatz des Lebens, ein Ort, an dem Menschen sich treffen, Freundschaften schließen und verlieben, wo gesungen und gespielt, gestohlen, geschimpft und gekämpft, wo gelacht und geweint wird und wo man schließlich Abschied nimmt.“ Mit diesen Worten umschreibt Carel Kraayenhof die Philosophie seines Programms Street Tango mit Werken von Meistern, die Lebensgefühl und Rhythmus auf den Straßen ihrer Heimatstädte in besonderer Weise einfingen und mitprägten. Die Tangos von Astor Piazzolla und seinen argentinischen Kollegen sind zu Synonymen für das pulsierende Leben in Buenos Aires geworden, die Musik Leonard Bernsteins steht für das unverwechselbare Klangbild New Yorks und der Weltenbürger Kurt Weill komponierte in und für die Metropolen Berlin, Paris und New York. Alle drei hatten ein unstillbares Interesse an Theater, Musical, Ballett, Oper und Film und schrieben zahlreiche Werke für diese Kunstgattungen, wobei die Grenzen zwischen U- und E-Musik fließend waren. Carel Kraayenhof, der selbst für einige Zeit in den Großstädten Buenos Aires und New York lebte und spielte, dokumentiert die Seelenverwandtschaft der Komponisten mit der Sprache des Tango, die er auf seinem Instrument, dem Bandoneon, meisterhaft beherrscht.

Auszüge aus einem Gespräch mit Carel Kraayenhof Wie hat sich dein Treffen mit Astor Piazzolla ergeben und was hat dich am stärksten beeindruckt? Carel Kraayenhof: Piazzolla habe ich 1987 in Amsterdam kennen gelernt, obwohl er mich schon 1985 in einem Restaurant hat spielen sehen. Jedes Mal, wenn er mit seinem Quintett in den Niederlanden war, probierte ich, ihn zu sehen, um seine fantastische Musik und seine unglaubliche Art Bandoneon zu spielen in mir aufzu-

Das Konzert wird von MDR FIGARO aufgezeichnet. Der Sendetermin wird unter www.mdr.de/mdr-figaro bekannt gegeben.

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M o n tag – sa M s tag 1 0 – 20 u h r f r ei tag 1 0 – 2 2 u h r 8 5 0 ci t y– Pa r k P l ät ze w w w. r at h au s – cen t er – d e s sau . d e

KURT AU S S W E I LL T I m c EE L L U N G 02 .03 NTE R . – 11. 03.

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CD-Tipp Carel Kraayenhof & Sexteto Canyengue Mantangi Chamber Music Orchestra Ed Spanjaard (Ltg.) Street Tango Inklusiv DVD Nostalgia Universal 038 367-2 www.carelkraayenhof.nl

nehmen. [...] Als er mich Bandoneon spielen hörte, lud er mich ein, drei Monate in New York als Solo-Bandoneonist in dem Tangomusical Tango Apasionado (über das Leben von Jorge Luís Borges) aufzutreten, wofür er die Musik geschrieben hatte. Es war eine unglaubliche Erfahrung, in diesem Quintett zu spielen, das durch Piazzolla für diese Produktion zusammengestellt worden war, und in mir erwachte eine große Passion für seine Musik. [...] Ich habe selten einen Mann gesehen mit so viel Begeisterung, der seinen eigenen Weg ging, ohne sich von dem, was andere von ihm dachten, beeinflussen zu lassen. Wie kann ein europäisches Orchester es schaffen, die Geheimnisse der Tangospielweisen zu ergründen, wenn man doch nicht in der Tangometropole mit den alten Maestros lebt? Carel Kraayenhof: Ich bin der Meinung, dass in unserer heutigen kosmopolitischen Welt mit Multimedia und schnellen Flugreisen ein japanischer Geiger genauso gut Mozart spielen kann wie ein deutscher; ein Jazz-Drummer aus Paris genauso gut sein kann wie einer aus New York; ein Flamencogitarrist aus Helsinki ebenso gut sein kann wie einer aus Córdoba; ein holländischer Bandoneonspieler ebenso gut sein kann wie ein argentinischer. Wenn man Musiker überhaupt qualitativ miteinander vergleichen kann. Was essentiell ist in der Ausübung von Kunst, ist universal: Durchsetzungsvermögen, das ständige Suchen nach dem Tiefgang, Disziplin und Neugierde. Nicht dein Blut, Geschlecht, Rasse oder Nationalität bestimmen, ob Du etwas erreichen kannst, sondern Dein Herz, Kopf, Leidenschaft und Willenskraft. Worin besteht der Unterschied zwischen konzertanter Spielweise und dem Spielen zum Tanz eines Orchesters und was begeistert Euch mehr? Carel Kraayenhof: Die Anziehungskraft des Gebens eines Konzertes ist v.a. die Anwesenheit der Stille, aus der Spannung aufgebaut werden kann. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, Menschen auf die Stuhlkante zu bringen, um mit angehaltenem Atem die Klimax eines Stückes abzuwarten. Das ist es auch, was mich als Zuhö-

rer am meisten Verzückung bringt. Die Interaktion mit dem Publikum kann man stark fühlen, aber natürlich nicht so deutlich sehen wie in einem Tanzsalon. [...] Ich kann nicht genau sagen, was ich am schönsten finde oder was das meist Bewegendste ist; all diese Auftrittsformen sind eng miteinander verknüpft und repräsentieren kulturelle Äußerungen des Tango, die seit alters her in Argentinien und Uruguay bestehen. (Aus einem Interview mit Johannes Schulz, www.el-amateur.de)

Carel Kraayenhof und das Sexteto Canyengue Der Niederländer Carel Kraayenhof kam durch seinen Vater, der ihm aus den USA Jazz- und Musical-Schallplatten mitbrachte, schon als Kind mit Tanzmusik in Berührung. Jahre später sollte er auf Einladung von keinem Geringeren als Astor Piazzolla nach New York reisen, um an dessen Tangomusical Tango Apasionado am Broadway mitzuwirken. 1988 gründete Carel Kraayenhof das Sexteto Canyengue, mit dem er erfolgreiche Tourneen durch die ganze Welt unternahm. Zu den Höhepunkten zählten Konzerte mit der Tango-Legende Osvaldo Pugliese in Argentinien und Uruguay. Seine eigene Nation versetzte der Bandoneonist im Jahre 2002 ins Tango-Fieber, als er bei der Hochzeit des niederländischen Kronprinzen Willem Alexander mit der Argentinierin Maxima musizierte. 55 Millionen Menschen lauschten damals weltweit der Fernsehübertragung seines Tangospiels. Mit der Musik Kurt Weills kam Carel Kraayenhof bereits 1985 intensiv in Berührung, als er am Amsterdamer Universitätstheater die Bandoneonpartie in Happy End spielte. 1993 gründete er am Rotterdamer Konservatorium eine bis heute weltweit einzigartige Fachgruppe, die argentinischen Tango auf Konservatoriumsniveau unterrichtet. Für sein Engagement und seine Aufnahmen erhielten er und das Sexteto Canyengue zahlreiche Auszeichnungen und Preise, u.a. wurde die CD Tango Royal mit dem Edison Publikumspreis 2003 geehrt, die CD Street Tango wurde 2004 für einen Edison Preis nominiert.

Hinweis zu V35 Das Theaterrestaurant hat nach Vorstellungsende 90 Minuten geöffnet und bietet warme Küche an.

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15. Kurt Weill Fest Dessau

Dietrich Henschel

Regula Steiner-Tomic´

Barbara Hendricks

„Wär‘s nicht schon oft getan …“ Dessau, Anfang März. Es wird wahrscheinlich kalt sein, hoffentlich sonnig, ganz gewiss schön. Das weiß man seit 14 Jahren, seit jenen bescheidenen Anfängen, an die heute kaum noch etwas erinnert – außer dem Platz im Kalender. Natürlich hätte Kurt Weill auch in jenem Monat geboren werden können, den er in seinem zweiten Vornamen Julian mit sich trug. Dann würde man ihn sicher mitten im Sommer feiern, doch ob das schöner wäre …? Irgendwie scheint der Vorfrühling zu jenem Fest zu passen, das man alljährlich in Dessau feiert – ziemlich launisch, nicht wirklich gemütlich, aber zuverlässig belebend. Es könnte sich bei dieser Assoziation von Wetter und Weill allerdings auch um die Macht der Gewohnheit handeln, die Bertolt Brecht am Beispiel der Liebe so schön beschreibt: „Es ist nicht so, dass der Genuss nur bleibt. / Oftmals verspürt, steigt er noch oftmals an.“ Und: „Wär’s nicht schon oft getan, wär’s nicht so gut!“ Am Anfang stand – selbst wenn man das heute gar nicht mehr glauben mag – eben jener Bertolt Brecht. Das Dessauer Denkmal des Dichters, das in DDR-Zeiten am Rande des damaligen Romanjuk-Platzes errichtet worden war, wirkte bis zum Ende der 1980er Jahre wie eine Mahnwache für sein fehlendes Gegenstück: Zwar blickte der arme B. B. mit grüblerisch abgestütztem Haupt und spöttischem Lächeln auf das Rathaus („Ihr Herren, bildet euch nur da nichts ein ...“), in der Geburtsstadt seines musikalischen Partners Kurt Weill aber blieb sein Auftritt seltsam unvermittelt und erzwungen. Erst nachdem der kluge Kopf – dem Spaßvögel im Herbst 1989 einen blinden Fernsehapparat vor die Bronzenase

Milva

Nils Landgren

Gitte Haenning

Max Raabe

Anna Maria Kaufmann

gestellt hatten – seinen ursprünglichen Standpunkt für ein funkelndes Shopping-Center aufgeben musste, schien auch die Zeit für eine überfällige Korrektur gekommen: Der Musiker Kurt Weill wurde mit klingendem Spiel heimgeholt. Man schrieb das Jahr 1993. Rückblickend fällt es schwer, den Moment von Weills unwiderruflicher Ankunft in Dessau zu benennen: War es der Abend im Anhaltischen Theater, an dem Arila Siegert Die sieben Todsünden mit Wassily Kandinskys szenischer Skizze Der gelbe Klang verknüpfte? War es der Tag, an dem die Kurt-Weill-Gesellschaft ihr Domizil im ehemaligen Wohnsitz des Bauhaus-Meisters Lyonel Feininger bezog? Oder war es das Projekt Ick sitz‘ in D, mit dem eine freie Gruppe um die Schauspielerin Regula Steiner die Herkunft des Komponisten ironisch gegen seine Abwesenheit im kollektiven Gedächtnis aufrechnete? Sicher ist, dass alle diese Momente Einfluss auf die Zukunft des Festes nahmen: In einer ostdeutschen Kommune, die sich kurz nach der Wende auf verschüttete Traditionen besinnen wollte, wurden Leben und Werk des Weltbürgers zum willkommenen Kristallisationspunkt für das bürgerliche Selbstbewusstsein. Dass die Stadtverwaltung selbst noch unerfahren war und die neu gewonnene Entscheidungsfreiheit mit der trügerischen Hoffnung auf baldigen Wohlstand verwechselte, sollte sich als Glücksfall herausstellen. Wenn der erste Nachwende-Oberbürgermeister Jürgen Neubert in seiner Eröffnungs-Ansprache nicht vom „Broadway des Ostens“ geträumt hätte, der Dessaus ebenso verlorene Wagner-Tradition als „Bayreuth des Nordens“ variierte – wer weiß, ob man den Mut zur Dauer wirklich aufgebracht hätte? Dass man als privilegierter Zaungast von vornherein eine Chronik hätte führen müssen, weiß man immer erst hinterher. Natürlich könnte man noch einmal die Anekdote vom Kulturdezernenten Manfred

Dominique Horwitz

STARS ZU GAST BEIM KURT WEILL FEST DESSAU (1993–2007)

Esther Ofarim

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Giora Feidman

Gisela May

Gregor Seyffert


15. Kurt Weill Fest Dessau

Milan Sládek

Julia Jentsch

HK Gruber

Jendryschik erzählen, der vor der Sängerin Stefanie Wüst nach ihrem ersten Dessauer Konzert buchstäblich niederkniete. Man könnte von den langen Nächten im Bauhaus-Club berichten und von der traurigen Premierenfeier, bei der ein alt gedienter Regisseur sein Dreigroschenoper-Scheitern ertränkte. Von vielen guten und wenigen schlimmen Überraschungen wäre ebenso zu berichten wie von seltsamen Telefon-Interviews mit aufgeregten Stars, von eigentümlichen Matinee-Veranstaltungen im unwirtlichen Ratssaal oder von sinistren Nacht-Konzerten vor wenigen Unermüdlichen. Wer erinnert sich noch an das kehlige Lachen des Otto Sander, der seiner Tochter Meret Becker in der Marienkirche zujubelte? Wer weiß noch, dass bei Happy End einst Nina Hoss und Devid Striesow auf der Bühne standen - und dass man im Lesebuch für Städtebewohner jene Julia Jentsch sehen konnte, die im vergangenen Jahr als Sophie Scholl für einen Auslands-Oscar nominiert war? Wer hat bei Helen Schneiders Send in the Clowns einen Kloß im Hals gespürt - und bei Salome Kammers Youkali mit dem Heimweh nach der Ferne gekämpft? Kurt Weill in Dessau – das war bis jetzt Oper und Musical, Barock und Rock, Jazz und Klezmer, Chanson und Hip-Hop, Tanz und Schauspiel, großes Orchesterund kleines Kammerkonzert, Star-Recital und SchülerProjekt, Filmvorführung und Ballnacht und und und … All das müsste man festhalten – ebenso wie die Treue der öffentlichen und privaten Partner, deren Engagement dem Weill-Fest seinen Blaubuch-Platz als „kultureller Gedächtnisort“ und seine Würdigung als „Ort im Land der Ideen“ erst ermöglicht hat. Aber das wäre so rückwirkend wie die vollständige Liste der Interpreten – oder das verdiente Lob für die beiden Programmgestalter Andreas Altenhof und Clemens Birnbaum, deren Handschriften die Jahrgänge bis und seit 2002 unverkennbar prägen.

Meret Becker

Stefanie Wüst

Der Grund, das 15. Kurt Weill Fest zu feiern, darf aber nicht in seiner Vergangenheit liegen – sondern ist in der Ermunterung für die Zukunft zu suchen. Ein Ereignis, das sich dauerhaft behaupten will, muss sich immer neu erfinden. Und gerade weil die Dessauer Komponisten-Ehrung noch immer das jüngste unter den großen – oder das größte unter den jungen – Musikfesten im Lande ist, sieht sie sich weiter mit großen Erwartungen konfrontiert. Dass man die auf den frühen BrechtWeggefährten eingeengte Wahrnehmung Weills von vornherein als Problem und als – bis heute nicht endgültig bewältigte – Herausforderung begriffen hat, bleibt ein hoher Anspruch. Ausgerechnet in der Provinzstadt Dessau, deren Name der junge Weill aus der Ferne als „enharmonische Verwechslung von Cisschwein“ verballhornt hat, könnte der Berliner Schiffbauerdamm mit dem New Yorker Broadway versöhnt werden – was im übrigen auch den deutschen Weill in neuem Licht erscheinen ließe. Denn ebenso wenig, wie man die amerikanischen Werke auf die süffige Kulinarik ihrer Melodien reduzieren kann, lässt sich der Brecht-Ton auf seine politisch scharfe Kritik beschränken. Es ist in beiden Perioden die emotionale Intelligenz des Kurt Weill, die den Hörer zur Erkenntnis verführt. Dank dieser Musik dürfte es in diesem März vielfältige Anlässe geben, das kleine Jubiläum als Etappensieg groß zu feiern. Man kann es auch ganz für sich allein begehen: Pfeifend in der Kälte (möglichst nicht den Mackie-Messer-Song), aber am besten auf dem LidicePlatz – dort, wo der skeptische Herr Brecht inzwischen eine neue Heimat und sein Gegenüber gefunden hat. Einen schmalen Herrn mit hoher Stirn und kluger Brille, der sich übermütig zurücklehnt und in den Himmel über Dessau zu schauen scheint. Wär’s nicht schon oft getan … Andreas Hillger

Christine Schäfer

Wayne Marshall

Salome Kammer

Michael Rische

ARTISTS-IN-RESIDENCE

Nina Hoss

Stanley Walden

Helen Schneider

Joachim Kühn

2003 2004 2005 2006 2007

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Milan Sládek Christine Schäfer Wayne Marshall Salome Kammer Michael Rische


Programmübersicht und Preise Donnerstag, 01.03.2007

( P rolog )

18.00 Uhr, Ausstellungseröffnung im Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger

„KURT WEILL UND SEINE MUSIKERZEITGENOSSEN FOTOGRAFIERT VON ERIC SCHAAL“

Sonntag, 04.03.2007 V8 10.00 Uhr, Führung im Bauhaus Dessau

„BAUHAUS und tanz“ ¤ 5,00 (4,50)

V9 11.00 Uhr, Kammerkonzert im Schloss Georgium (Tischbeinsaal)

Freitag, 02.03.2007

„Frauentanz“ ¤ 13,00 (11,00)

17.30 Uhr, Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau

FESTAKT ZUR ERÖFFNUNG

V1 19.00 Uhr, Eröffnungsveranstaltung Tanztheater im Anhaltischen Theater Dessau

„Tango palast“ P remiere

V10 11.00 Uhr, Konzert im Bauhaus Dessau

„Hot-Sonate“ ¤ 13,00 (11,00)

¤ 30,50 (23,50); 25,00 (19,50); 20,50 (16,50); 16,50 (14,00)

V11 15.00 Uhr, Festivalcafé im Steigenberger Hotel Fürst Leopold

ca. 20.45 Uhr, Vorplatz Anhaltisches Theater Dessau

¤ 4,50 (4,00)

FESTLICHES FEUERWERK

V2 22.00 Uhr, New Sounds im Beatclub Dessau

„Salon D‘extase“ ¤ 7,00 (5,00)

„Tanz in den Goldenen Zwanzigern“

V12 17.00 Uhr, Tanztheater im Anhaltischen Theater Dessau

„judgment of paris“

¤ 34,00 (31,50); 27,00 (24,50); 21,00 (18,50); 14,00 (10,00) V13 20.30 Uhr, Film mit Live-Musik im K.I.E.Z.

Samstag, 03.03.2007

„la revue des revues“ ( F

1927)

¤ 6,00 (4,50)

V3 11.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

„dessau und kurt weill“ ¤ 5,00 (4,50)

V4 15.00 Uhr, Festivalcafé im

Anhaltischen Theater Dessau

„michael rische IM GESPRÄCH“

Montag, 05.03.2007 V14 19.30 Uhr, Liederabend im Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger

„wouldn‘t you like to be on Broadway?“ ¤ 10,00 (8,00)

A rtist - in - R esidence 2 0 0 7

¤ 4,50 (4,00) V5 17.00 Uhr, Chorkonzert in der Marienkirche

„Recordare“

V15 20.30 Uhr, Film im K.I.E.Z.

„shall we dance“ (usa 1937) ¤ 6,00 (4,50)

¤ 12,00 (10,00); 10,00 (8,00) V6 19.30 Uhr, Konzert im

Anhaltischen Theater Dessau

„Berlin im Licht“

¤ 30,00 (27,50); 24,00 (21,50); 18,00 (15,50); 12,00 (8,00)

Dienstag, 06.03.2007 V16 19.30 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

max raabe und das palastorchester ¤ 38,00 (35,50); 31,00 (28,50); 25,00 (22,50); 18,00 (14,00)

V7 22.00 Uhr, New Sounds im Bauhaus Dessau

The tiger lillies ¤ 15,00 (12,00)

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Programmübersicht und Preise Mittwoch, 07.03.2007

Samstag, 10.03.2007

V17 19.30 Uhr, Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus

V26 11.00 Uhr, Kinderkonzert im Johannbau (Museum für Stadtgeschichte Dessau)

¤ 45,00; 39,00 (inkl. Menu und exkl. Getränke)

¤ 4,00 (2,00)

V18 20.00 Uhr, Jazz in der Gründerzeitvilla Krötenhof

„BAUHAUS und tanz“

„Tango-Ballade“

tales in tones trio

„opus number zoo“

V27 15.00 Uhr, Führung im Bauhaus Dessau

¤ 5,00 (4,50)

¤ 8,00 (6,00) V28 17.00 Uhr, Musiktheater im Anhaltischen Theater Dessau

Donnerstag, 08.03.2007

„Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ WIEDERAUFNAHME VOM KURT WEILL FEST 2006

V19 19.30 Uhr, Dinner mit Musik im

¤ 23,00 (17,00); 18,00 (13,00); 14,00 (10,50); 10,00 (7,50)

Restaurant Pächterhaus

„Tango-Ballade“

¤ 45,00; 39,00 (inkl. Menu und exkl. Getränke)

V29 19.00 Uhr, Musiktheater in der Marienkirche

„down in the valley“

¤ 15,00 (12,00); 12,00 (10,00) V20 19.30 Uhr, Jazzkonzert in der Marienkirche

joachim kühn & majid bekkas Group ¤ 12,00 (10,00); 10,00 (8,00)

V21 20.00 Uhr, Musikkabarett im Brauhaus

„Fracksausen“ ¤ 10,00 (8,00)

V30 19.00 Uhr, Musikalische Lesung in der Kreissparkasse Bitterfeld

„the roaring twenties“ ¤ 15,00 (12,00)

V31 21.00 Uhr, Ball im Restaurant Kornhaus

„tanzpalast“

¤ 55,00 (inkl. Büfett und exkl. Getränke)

Freitag, 09.03.2007 V22 10.00 Uhr, Kinderkonzert im Johannbau (Museum für Stadtgeschichte Dessau)

„opus number zoo“

Sonntag, 11.03.2007

¤ 4,00 (2,00)

V32 11.00 Uhr, Klavierrecital im Schloss Köthen (Spiegelsaal)

V23 19.30 Uhr, Dinner mit Musik im

¤ 13,00 (11,00)

michael rische A R T I S T - I N - R E S I D E N C E

2007

Restaurant Pächterhaus

„Tango-Ballade“

¤ 45,00; 39,00 (inkl. Menu und exkl. Getränke)

V33 14.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

V24 19.30 Uhr, Tanztheater im

¤ 5,00 (4,50)

„dessau und kurt weill“

Anhaltischen Theater Dessau

„tango palast“

¤ 27,50 (20,50); 22,00 (16,50); 17,50 (13,50); 13,50 (11,00)

V34 15.00 Uhr, Festivalcafé / FIGARO vor Ort im Steigenberger Hotel Fürst Leopold

V25 22.00 Uhr, New Sounds in der Alten Brauerei

¤ 4,50 (4,00)

¤ 12,00 (10,00)

V35 17.00 Uhr, Abschlussveranstaltung Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

„The young gods play weill“

„15. kurt weill fest Dessau“

„Street Tango“

¤ 34,00 (31,50); 27,00 (24,50); 21,00 (18,50); 14,00 (10,00)

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Willkommen in Dessau 12 13

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1 17 Veranstaltungsorte 1. Alte Brauerei Elisabethstraße 1-2 2. Anhaltisches Theater Dessau Friedensplatz 1 a 3. Bauhaus Dessau Gropiusallee 38 4. Beatclub Dessau Roßlauer Allee 5. Brauhaus „Zum Alten Dessauer“ Lange Gasse 16 6. Gründerzeitvilla Krötenhof Wasserstadt 50 7. Johannbau (Museum für Stadtgeschichte) Schlossplatz 3a 8. K.I.E.Z. Bertolt-Brecht-Str. 29a 9. Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger Ebertallee 63 10. Marienkirche Dessau Schlossplatz 11. Rathaus-Center Dessau / Karstadt Kavalierstraße 49 12. Restaurant Kornhaus Kornhausstr. 146 13. Restaurant Pächterhaus Dessau Kirchstr. 1 14. Schloss Georgium Puschkinallee 100 15. Steigenberger Hotel Fürst Leopold Friedensplatz 1 16. Kreissparkasse Bitterfeld Lindenstr. 27, Bitterfeld 17. Schloss Köthen Schlossplatz 4, Köthen

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Dessaucard · freier Eintritt in 4 Museen und im Tierpark · freie Fahrt im Stadtgebiet Dessau mit allen Bussen und Straßenbahnen der Dessauer Verkehrs GmbH · ermäßigte Angebote für: Bauhaus, Meisterhäuser, Kurt-Weill-Zentrum, Moses-Mendelssohn-Zentrum, Technikmuseum Hugo Junkers, Stadtrundgang, Anhaltisches Theater Dessau, Fahrradverleih · gültig für 1 Erwachsenen und 1 Kind bis 12 Jahre Diese Karte ist 3 Tage gültig / Preis: ¤ 8,00 Hotel- und Privatzimmervermittlung Tel./Fax: 0340 . 220 30 03 touristinfo@dessau.de www.dessau-tourismus.de Tourist-Information Dessau Zerbster Str. 2c · 06844 Dessau Tel.: 0340 . 20 41 442 und 0340 . 19 433 Fax: 0340 . 20 41 142 www.dessau-tourismus.de


Rund ums Kurt Weill Fest Ausstellung

„Kurt Weill und seine Musikerzeitgenossen fotografiert von Eric Schaal“ Eröffnung: 01.03.2007, 18.00 Uhr Ausstellungszeitraum: 02.03.–15.04.2007 Di–So 10.00–18.00 Uhr ¤ 5,00 (3,00) Gesamtticket Meisterhäuser Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger, Ebertallee 63 (siehe Seite 8)

Führung Tourist-Information Dessau

„Von der synagoge zu weill und brecht“ Das jüdische Leben in Dessau zur Zeit von Kurt Weill 03./10.03.2007, 10.00 Uhr / Dauer: 2 Std. / ¤ 5,10 Treffpunkt: Tourist-Information Dessau, Zerbster Str. 2c

„GERÜHMT. ZERSTÖRT UND VERGESSEN?“ Dessaus wechselvolle Stadtgeschichte 02.–11.03.2007, 11.00 Uhr / Dauer: 1 Std. / ¤ 5,00

„DESSAU – EINE WINTERREISE“ Leben und Leiden des Dichters Wilhelm Müller 02./09.03.2007, 15.00 Uhr / Dauer: 1,5 Std. / ¤ 9,00

„DER GUTE ORT – ISRAELITISCHER FRIEDHOF“ Führung zur jüdischen Geschichte Dessaus 05./08.03.2007, 11.00 Uhr / Dauer: 1,5 Std. / ¤ 5,00 Treffpunkt (wenn nicht anders angegeben): Tourist-Information Dessau, Zerbster Str. 2 c Informationen und weitere Termine: Tel. 0340 . 6 61 48 56, www.reisewerk.de

Stadtspaziergänge

„IM GEORGIUM DUFTET SCHON DER FRÜHLING“ Führung Johannbau

MUSEUM FÜR STADTGESCHICHTE DESSAU 03./04./11.03.2007, 14.00 Uhr / 10.03.2007, 11.00 Uhr Dauer: 45 min. / ¤ 4,50 (4,00) Treffpunkt: Kasse Johannbau, Schlossplatz 3 a www.stadtgeschichte.dessau.de

Klee, Kandinsky und die Dessau-Wörlitzer Gartenlandschaft 03./04./07./10.03.2007, 14.00 Uhr Dauer: 1,5 Std. / ¤ 5,00 Treffpunkt: Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger, Ebertallee 63

„DIE STILLE STADT“

„Ikonen der Moderne“

Kurt Weill und seine Jugendjahre in Dessau 04./10.03.2007, 11.00 Uhr / 09.03.2007, 13.30 Uhr Dauer: 2 Std. / ¤ 8,00 Treffpunkt: Georgenkirche, Askanische Straße

80 Jahre Bauhausgebäude in Dessau Ausstellung bis 11.03.2007 / täglich 10.00–18.00 Uhr ¤ 4,00 (3,00) / Bauhaus, Gropiusallee 38

Informationen & Bestellung: Ines Gerds, Tel. 034905 . 22 418

Ausstellung und Führungen Bauhaus-Bauten

Bauhaus Dessau

BAUHAUS-GEBÄUDE täglich 11.00 und 14.00 Uhr / Dauer: 1 Std. / ¤ 4,00 Treffpunkt: Kasse Bauhaus, Gropiusallee 38

Rahmenprogramm im Rathaus-Center Dessau / Karstadt

MEISTERHÄUSER

„Kurt Weill – Ein Leben für das Theater“

täglich 12.30 Uhr / Dauer: 1 Std. / ¤ 8,00 Treffpunkt: Kasse Bauhaus, Gropiusallee 38

SIEDLUNG TÖRTEN täglich 15.00 Uhr / Dauer: 1 Std. / ¤ 4,00 Treffpunkt: Stahlhaus, Südstr. 5 Informationen und weitere Termine: Tel. 0340 . 65 08 251 www.bauhaus-dessau.de

Führungen Agentur Reisewerk

„GEBAUTE VISION“ Das neue Umweltbundesamt in Dessau 02.–11.03.2007, 14.00 Uhr / Dauer: 1 Std. / ¤ 4,00 Treffpunkt: Umweltbundesamt (rechts vom Haupteingang)

Eröffnung: 02.03.2007, 11.00 Uhr Programm vom 02.–10.03.2007 Rathaus-Center Dessau, Kavalierstr. 49 (nähere Informationen unter www.kurt-weill-fest.de)

Tanzveranstaltung im Beatclub Dessau

SWING-CAFÉ Während des Kurt Weill Festes verwandelt sich der Beatclub in ein Swing-Café mit Musik der dreißiger bis fünfziger Jahre. 04.–08.03.2007 / ab 21.00 Uhr / Eintritt frei Beatclub Dessau Roßlauer Allee / gegenüber UBA (siehe Seite 26)

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Veranstaltungsorte

Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger

1. Alte Brauerei Die denkmalgeschützte Alte Brauerei beherbergt mehrere kulturelle Einrichtungen, unter anderem einen Club und ein Café, sowie andere öffentliche Institutionen. Die 1850 als „Bayerische Dampfbierbrauerei“ gegründete Fabrik wurde aufwendig saniert und ist ein positives Beispiel für den konstruktiven Umgang mit ehemaligen Industriebrachen.

6. Gründerzeitvilla Krötenhof Der Berliner Hofbaurat Ernst Eberhardt errichtete die feudale Villa 1887 im Auftrag des Tuchfabrikanten Albert Meinert. Nach langer Privatnutzung wurde sie 1947 vorübergehend zum Hotel, 1958 zog der Klub der Volkssolidarität ein. Seit 2003 dient das Haus als Generationen übergreifende Einrichtung der Stadtverwaltung Dessau.

Elisabethstraße 1-2 06844 Dessau

Wasserstadt 50 06844Dessau Tel. 0340. 21 53 06

2. Anhaltisches Theater Dessau Das Theater mit der Anhaltischen Philharmonie Dessau bedient mit ca. 500 Vorstellungen jährlich die Sparten Musik (Oper, Operette, Musical), Schauspiel, Tanz und Puppenspiel. Mit 1.095 Plätzen im Großen Haus, 150 Plätzen im Foyer und etwa 80 Plätzen im Studio sowie einer Gesamtbühnenfläche von 1.450 m2 ist es das größte Theater in Sachsen-Anhalt sowie Hauptspielstätte und enger Kooperationspartner des Kurt Weill Festes Dessau.

7. Johannbau (Museum für Stadtgeschichte) Der um 1530 erbaute Johannbau ist das einzige Gebäude des ehemaligen Residenzschlosses Dessau, das nach dessen Zerstörung im Jahre 1945 erhalten blieb. Der sogenannte Renaissance-Flügel beherbergt seit 1999 das Museum für Stadtgeschichte mit der 2005 eröffneten Dauerausstellung Schauplatz vernünftiger Menschen – Kultur und Geschichte in Anhalt/Dessau.

Friedensplatz 1a 06844 Dessau Tel. 0340. 25 11 0

Schlossplatz 3a 06844 Dessau Tel. 0340. 22 09 612

3. Bauhaus Dessau 1925/26 entstand in Dessau nach Entwürfen von Walter Gropius das berühmte Bauhausgebäude, in dem die ursprünglich in Weimar beheimatete Hochschule für Gestaltung eine neue Wirkungsstätte fand. Das Ensemble aus Glas, Stahl und Beton entspricht der Idee seines Begründers: Die Form gehorcht der Funktion. Das Architektur-Denkmal wurde 1996 von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen.

8. K.I.E.Z. e.V. Der K.I.E.Z. e.V. ist ein sozio-kulturelles Zentrum im Gründerzeit-Viertel Dessau-Nord, das unter seinem Dach das einzige Programmkino der Stadt betreibt und dessen Café vor allem bei jungen Leuten beliebt ist. Gegründet wurde der Verein, der auch ein Projekt betreibt, um Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen, im Jahre 1991.

Gropiusallee 38 06844 Dessau Tel. 0340. 65 08 251

Bauhaus Dessau

Bertolt-Brecht-Str. 29a 06844 Dessau Tel. 0340. 21 20 32

9. Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger Lyonel Feininger lebte und arbeitete während seiner Tätigkeit am Bauhaus 1926 bis 1932 mit seiner Familie in diesem Haus. Beeindruckend an diesem Gebäude ist vor allem die Farbgestaltung, die das Ergebnis von gemeinsamer Arbeit der Bewohner mit der Werkstatt für Wandmalerei des Bauhauses war. Restauratoren fanden 40 Farben an Wänden, Decken und Fußböden. Im bereits 1994 restaurierten Feiningerhaus hat heute das KurtRoßlauer Allee / gegenüber UBA Weill-Zentrum seinen Sitz. Es ist die einzige europäische 06844Dessau Dokumentationsstätte für Leben und Werk des KompoTel. 0340. 66 14 014 nisten, der 1900 in Dessau geboren wurde, und wurde als ein „Kultureller Gedächtnisort“ mit besonderer nati5. Brauhaus „Zum Alten Dessauer“ onaler Bedeutung in das Blaubuch der Bundesregierung Das 2001 eröffnete Brauhaus befindet sich im histo- aufgenommen. rischen Sudhaus der ehemaligen Schade Brauerei. Mit der Wahl des „Alten Dessauer“, Fürst Leopold von Anhalt- Ebertallee 63 Sachsen (1676-1745), als Namensgeber des Brauhauses und 06846 Dessau der hauseigenen Biermarke entscheiden sich die Betreiber Tel. 0340. 61 95 95 für die Wiederbelebung einer 300 Jahre alten Tradition. 4. Beatclub Dessau Der Beatclub ist eine Einrichtung des Fördervereins Junger Musiker. Er besteht seit 2001 und widmet sich der Förderung regionaler Nachwuchsmusik und der JugendSubkultur. In der Region zählt der Beatclub zu einem der wichtigsten Veranstaltungsorte für Live-Musik. Jedes Wochenende finden dort Live-Auftritte statt.

Lange Gasse 16 06844 Dessau Tel. 0340. 220 59 09

Johannbau

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Veranstaltungsorte

10. Marienkirche Dessau Die Schloss- und Stadtkirche St. Marien wurde 15061554 errichtet. Bereits 1523 wurde der von Ulrich von Schmiederg ausgeführte Bau nach katholischem Glauben geweiht. 1534 hielt die Reformation in Dessau Einzug, so dass auch Martin Luther hier predigte. Die im Zweiten Weltkrieg nahezu völlig zerstörte Kirche wurde in den Jahren 1990-1998 wieder aufgebaut und wird heute, auch im Rahmen der Kurt Weill Feste, als Veranstaltungsort genutzt.

14. Schloss Georgium Das Schloss- und Parkensemble ist der zweitgrößte Landschaftspark im Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Es wurde ab 1780 von Prinz Johann Georg von Anhalt-Dessau (1748–1811) errichtet und nach ihm benannt. In dem großzügig angelegten englischen Garten befinden sich zahlreiche klassizistische Bauten, Kleinarchitekturen und Skulpturen, die harmonisch mit der Natur in Einklang stehen. Das Schloss beherbergt heute die Anhaltische Gemäldegalerie.

Schlossplatz 06844 Dessau

Puschkinallee 100 06846 Dessau Tel. 0340. 61 38 74

11. Rathaus-Center Dessau / Karstadt Kavalierstraße 49 06844 Dessau 12. Restaurant Kornhaus Direkt an der Elbe gelegen, ersetzte das Ausflugslokal Kornhaus Ende der zwanziger Jahre eine bescheidene Schankwirtschaft in einem Getreidespeicher. Die Pläne stammten von den Bauhaus-Architekten Carl Fieger und Ernst Neufert. Finanziert von der Schultheiß-Patzenhofer-Brauerei, entstand ein zweigeschossiges Gebäude mit Bierhalle, Sozialräumen, Restaurant, Tanzsaal, Veranda und Elbterrasse, das 1930 eröffnet wurde. Auch heute ist das Kornhaus ein beliebter Ausflugs- und Veranstaltungsort, der durch eine umfassende Sanierung zwischen 1994 und 1996 behutsam in den Originalzustand zurückversetzt wurde.

15. Steigenberger Hotel Fürst Leopold Das Hotel befindet sich im Zentrum von Dessau, nahe Theater und Bahnhof, und folgt in seiner Ausstattung den Grundsätzen des Bauhausstils: klar und sachlich, mit mutigen Farbkombinationen und einem modernen Design. Im Rahmen des Kurt Weill Festes ist das Hotel Veranstaltungsort für Festivalcafés, Pressekonferenzen und beherbergt das Medienbüro des Festivals. Friedensplatz 1 06844 Dessau Tel.: 0340. 2 51 50 16. Kreissparkasse Bitterfeld Lindenstr. 27 06749 Bitterfeld

17. Schloss Köthen Dank des Hofkapellmeisters Johann Sebastian Bach (1717–23) erhielt das Schloss Köthen Weltruhm. Der 1822 fertig gestellte Spiegelsaal befindet sich im Lud13. Restaurant Pächterhaus Dessau wigsbau des Schlosses und ist eine äußerst reizvolle Das Pächterhaus Dessau wurde 1743 erbaut und ist Ergänzung der Spielorte des Kurt Weill Festes. Von Desdas älteste Haus in Dessau-Ziebigk. Nach einer auf- sau aus erreicht man Köthen in ca. 30 Minuten per PKW wändigen und liebevollen Sanierung kann man in drei oder Bahn. gemütlich gestalteten Gutsstuben oder in der Moritzstube eine ganz besondere Atmosphäre genießen. Für Schlossplatz 4 Genießer der guten Küche und des Weines ist das Päch- 08366 Köthen / Anhalt terhaus in Dessau eine der ersten Adressen. Die franzö- Tel. 03496. 21 40 68 75 sische Gourmet-Bibel Gault Millau zählt das Haus zu den drei besten Restaurants in Sachsen-Anhalt. Kornhausstr. 146 06846 Dessau Tel. 0340. 640 41 41

Kirchstr. 1 06846 Dessau Tel. 0340. 650 14 47

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Weitere Sehenswürdigkeiten BAUHAUS-ARCHITEKTUR IN DESSAU ( A U S W A H L ) Meisterhäuser Neben dem Haus Muche-Schlemmer und dem Haus Feininger / Kurt-Weill-Zentrum entstanden 1925/26 nach Entwürfen von Walter Gropius weitere Häuser für die am Bauhaus tätigen Lehrmeister. Im August 1926, noch vor der Eröffnung des Bauhauses, zogen Walter Gropius und seine Meister Lazlo Moholy-Nagy, Lyonel Feininger, Georg Muche, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und Paul Klee in die als Wohn- und Atelierhäuser konzipierten Gebäude ein. Im Jahr 1996 wurden die noch vorhandenen Meisterhäuser ebenso wie das Bauhausgebäude von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen. Siedlung Törten

Öffnungszeiten: Di–So 10.00–18.00 Uhr Ebertallee 59–71, 06846 Dessau Tel. 0340. 66 10 934

Siedlung dient und eine kleine Ausstellung beherbergt. Von hier aus werden Führungen zu Musterwohnungen in den Laubengang-Häusern angeboten.

Gropius-Siedlung Dessau-Törten, Stahlhaus und Laubengang-Häuser Die Siedlung umfasst 314 Reihenhäuser von Walter Gropius aus der Zeit von 1926–1928. Das Stahlhaus ist ein 1926–1927 errichteter Experimentalbau von Georg Muche und Richard Paulick, der als Infopunkt für die

Öffnungszeiten: Di–So 10.00–18.00 Uhr Führungen: Di–Fr 14.00 Uhr, Sa 15.00 Uhr, So 11.00 und 15.00 Uhr Südstr. 5, 06849 Dessau Tel. 0340. 85 81 420

www.kornhaus.de

Tanzpalast AM 10. MÄRZ 2007

restaurant kornhaus

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21.00 UHR

kornhausstraße 146 . 06846 dessau . telefon 0340 640 41 41


Weitere Sehenswürdigkeiten

Mausoleum

Umweltbundesamt

Moses-Mendelssohn-Zentrum SONSTIGE Das denkmalgerecht sanierte Haus in der GropiusSiedlung ist heute Sitz der Moses-Mendelssohn-GesellDas Umweltbundesamt schaft e.V. und beherbergt u.a. eine Ausstellung über Das 2005 eingeweihte Dienstgebäude des UmweltLeben und Werk des deutsch-jüdischen Philosophen bundesamtes (UBA) wurde nach einem Architektenund der Dessauer Juden. wettbewerb durch das Berliner Büro sauerbruch hutton errichtet. Hohe ökologische Anforderungen an Bau und Öffnungszeiten: täglich 10.00–17.00 Uhr Betrieb, hohe Wirtschaftlichkeit, behindertengerechte Mittelring 38, 06849 Dessau Gestaltung und optimale Integration in den städtebauTel. 0340. 850 11 99 lichen Kontext waren die Zielvorgaben für den Neubau, der sich als offenes Ensemble in eine neu angelegte Parklandschaft einfügt. Charakteristisch sind die FormMUSEEN & GALERIEN und Farbgebung des Hauptgebäudes, das als vierstöckige Schleife angelegt ist, und die Integration verschieAnhaltische Gemäldegalerie dener Kunstwerke. Foyer, Bibliothek, Besucherraum Die berühmte Galerie im Schloss Georgium (siehe und Ausstellungen im Forum stehen allen Interessierten S. 71, Nr. 14) zeigt Werke des 16.–20. Jahrhunderts. Mit offen. (Führungen siehe S. 69) etwa 2.000 Gemälden ist u.a. die größte Sammlung altdeutscher, holländischer und flämischer Malerei in Öffnungszeiten Forum und Ausstellungen: Sachsen-Anhalt zu sehen, darunter Bilder der Dürerzeit Mo–Fr 6.00–22.00 Uhr und Hauptwerke von Lucas Cranach. Weiterhin wer- Sa 6.00–16.00 Uhr den herausragende Vertreter der deutschen Malerei So/Feiertag 8.30–16.00 Uhr aus Romantik und Biedermeier ausgestellt sowie eine Wörlitzer Platz 1 umfangreiche grafische Sammlung im angrenzenden 06813 Dessau historischen Fremdenhaus. Tel. 0340. 21030 Öffnungszeiten Schloss Georgium: Di–So 10.00–17.00 Uhr Öffnungszeiten Grafische Sammlung: Mo–Fr nach Vereinbarung Puschkinallee 100 06846 Dessau Tel. 0340. 61 38 74

Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Das Gebäude wurde 1748–50 als Leopoldsdank-Stift errichtet und erhielt 1847 einen neuen Turmbau nach dem Vorbild des Hospitals St. Spiritus bei Rom. Heute sind hier ständige und wechselnde Ausstellungen zu den Themen Ökologie, Mensch & Umwelt und Erdgeschichte zu besichtigen. Öffnungszeiten: Di–Fr 10.00–18.00 Uhr, Sa 13.00–18.00 Uhr, So 10.00–18.00 Uhr Askanische Straße 32, 06842 Dessau Tel. 0340. 21 48 24

Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger

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Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. / Kurt Weill Foundation 15. Kurt Weill Fest Dessau (02.03.–11.03.2007) Veranstalter: Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. und Stadt Dessau Das Kurt Weill Fest 2007 wird gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt, die Stadt Dessau, die Kulturabteilung der Botschaft und das Generalkonsulat der Vereinigten Staaten von Amerika und in Teilen durch die Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003. Schirmherren: Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt William R. Timken, Jr. Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika Intendant: Clemens Birnbaum Persönliche Referentin des Intendanten: Katrin Kirsch Sekretariat: Erdmuthe Roepke Kurt-Weill-Zentrum Ebertallee 63, 06846 Dessau Tel. 0340 . 61 95 95 Fax 0340 . 61 19 07 weill-zentrum@t-online.de www.kurt-weill-fest.de Medienkontakt: ARTEFAKT Kulturkonzepte Celia Solf und Damaris Stengel, Tel. 030 . 440 107 21/23 während des Festivals im Medienbüro: Tel. 0340. 25 15 - 135 Fax 0340. 25 15 - 136 Marketing, Ticketing und Sponsoring: Roßdeutscher & Bartel GbR, Agentur für Marketing und Kommunikation Tel. 0341 . 21 24 662 Technische Leitung: PND, Alexander Hirche, Arndt Sellentin KURT-WEILL-GESELLSCHAFT e.V. Die Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. wurde 1993 in Dessau gegründet und hat sich laut Satzung zur Aufgabe gestellt, „das Andenken Kurt Weills in seiner Geburtsstadt auf jede geeignete Weise zu erhalten“. Mittlerweile hat sich eine internationale Vereinigung entwickelt, der über 160 Mitglieder aus vier Kontinenten angehören. Sie engagiert sich mit Veranstaltungen und dem Aufbau eines Netzwerkes in der Pflege von Kurt Weills Biografie und Gesamtwerk, unter besonderer Berücksichtigung seines künstlerischen Umfelds und der von ihm initiierten Traditionen. Die Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. ist Hauptveranstalter des seit 1993 alljährlich Anfang März stattfindenden Kurt Weill Festes und hat in kurzer Zeit ein dichtes Netzwerk von Kooperationsbeziehungen zu wichtigen kulturellen Institutionen und Vereinen geschaffen, insbesondere aber auch Sponsoren in der regionalen wie überregionalen Wirtschaft für das Kurt Weill Fest gewonnen. Die Verbindung des Festes zur Geschichte der Region und ihrer Bewohner hat es zu einem bestimmenden Fak-

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tor der international bedeutsamen Musikszene Mitteldeutschlands werden lassen und erhöht die kulturelle Ausstrahlung der Region, die bereits durch das Bauhaus und das Dessau-Wörlitzer Gartenreich überregional gewonnen wurde. Der Kultur kommt damit in einer Region starker wirtschaftlicher Umstrukturierung eine immer wichtiger werdende Rolle zu. Auf wissenschaftlichem Gebiet leistet die Kurt-Weill Gesellschaft e.V. mit Symposien, Vorträgen und ihrer eigenen Schriftenreihe „Veröffentlichungen der KurtWeill-Gesellschaft“ (Verlag J. Metzler & Poeschel, Stuttgart, seit 2004 Waxmann Verlag, Münster, New York, München, Berlin) ihren Beitrag zur aktiven Weill-Forschung. Geschäftsstelle der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. ist das Kurt-Weill-Zentrum in Dessau unter der Geschäftsführung von Clemens Birnbaum. Es befindet sich in dem 1925/26 nach Plänen von Walter Gropius erbauten Meisterhaus Feininger, das 1994 nach aufwändiger Restaurierung wieder eröffnet wurde. Seit 2003 hat Hubert Ernst, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Dessau, das Amt des Präsidenten der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. übernommen.

KURT WEILL FOUNDATION FOR MUSIC, INC., 7 EAST 20TH STREET, NEW YORK, NY 10003 Die Kurt Weill Foundation for Music Inc. ist eine nicht kommerzielle, private Stiftung, gegründet, um das Vermächtnis Kurt Weills (1900–1950) und Lotte Lenyas (1898–1981) zu bewahren. Diesem Ziel entsprechend, unterhält die Stiftung das Weill-Lenya Research Center für Wissenschaftler und Künstler. Sie vergibt Stipendien zur Unterstützung herausragender wissenschaftlicher und künstlerischer Aktivitäten, verwaltet Aufführungsrechte Weills und veröffentlicht in Zusammenarbeit mit der European American Music Corporation die Kurt Weill Edition. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage der Foundation unter www.kwf.org.


gewinnspiel 15 Fragen zum 15. Kurt Weill Fest Dessau Auch in diesem Jahr winken den Gewinnern unseres Rätsels attraktive Preise. Wenn Sie dieses Programmheft aufmerksam lesen und die Fragen richtig beantworten, nehmen Sie an der Verlosung folgender Prämien teil:

15 ausgesuchte Kurt-Weill-CDs und Bücher

1. Wie heißt das einzige Ballett, das Kurt Weill in seinem Leben komponierte? 1

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2. Nennen Sie einen Modetanz der zwanziger Jahre!

LÖSUNGSWORT

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3. Welche Figur verkörpert Gregor Seyffert im Tango Palast? 4

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4. Welchen Beruf übte der Vater Kurt Weills aus? 9

5. An welchem Dessauer Theater sammelte Weill erste Theatererfahrungen? 8

6. Mit welcher musikalischen Stilrichtung verbindet sich die Klassik in den zwanziger Jahren? 12

Setzen Sie einfach die Antworten in die vorgesehenen Kästchen ein und übertragen Sie das Lösungswort. Dieses senden Sie unter Angabe Ihrer Anschrift per Post an folgende Adresse:

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7. In welchem Alter fing unser diesjähriger Artist-in-Residence mit dem Klavierspielen an? 3

8. Welcher Erfinder des 19. Jahrhunderts brachte die flächendeckende Elektrifizierung der westlichen Welt in Gange? 2

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9. Wie wurde der Berlin im Licht-Song, den Kurt Weill 1928 für das Illuminationsfest „Berlin im Licht“ schrieb, noch genannt? 18

Roßdeutscher & Bartel GbR Stichwort: Gewinnspiel 2007 Tschaikowskistr. 16, 04105 Leipzig Oder per E-Mail an: gewinnspiel@kurt-weill-fest.de Einsendeschluss ist der 14. März 2007. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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10. Auf welche Figur geht der Shockheaded Peter der Tiger Lillies zurück? 13

11. Wer übernahm im Jahr 1923 die Leitung der Bauhausbühne? 19

12. In welchem Etablissement siedelte der britische Choreograf Antony Tudor die Handlung von Judgment of Paris an? 11

13. Mit welchem Stück feierte Kurt Weill 1941 seinen Durchbruch auf dem Broadway? 14

14. Wer war der Traumtanzpartner von Ginger Rodgers in dem Film Shall We Dance von 1937? 7

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15. Wie lautet das Motto des 15. Kurt Weill Festes? 6

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Kartenservice / Impressum / Nachweise KARTENSERVICE KURT WEILL FEST DESSAU c/o Roßdeutscher & Bartel GbR Tschaikowskistr. 16 04105 Leipzig

Tel 0180.5564564 (14 Cent/Min.) Fax 0341.2124682 oder unter

www.kurt-weill-fest.de Sie zahlen die Karten und eine Versandkostenpauschale in Höhe von € 2,· per Banküberweisung oder · per Lastschrift · per Kreditkarte (VISA, MASTER) nach Erhalt der Karten und der Rechnung. Alle angegebenen Preise sind Vorverkaufspreise inkl. aller Gebühren, Restkarten an der Abendkasse zuzüglich 10% Verkaufsgebühr. Ermäßigte Eintrittspreise (Angaben in Klammern) gelten für Schüler, Studenten, Auszubildende, Rentner, Schwerbehinderte, Arbeitslose, Wehr- und Zivildienstleistende bei Vorlage eines gültigen Ausweises. Karten sind von Umtausch und Rückgabe ausgeschlossen. Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich. Die Abendkassen öffnen jeweils 1 Stunde vor Beginn der Veranstaltung. Bitte beachten Sie, dass vorbestellte Karten bis 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn zurückgelegt werden. Es gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Veranstalters. Das Fotografieren sowie Bild- und Tonaufzeichnungen sind nur mit Genehmigung des Medienbüros (siehe Seite 74) gestattet. Rabatt für Mehrfachbesucher Bei einer Kartenbestellung für mehr als drei Veranstaltungen erhalten Sie 10% Rabatt auf den Kartenpreis. Das Angebot ist nur bei einer schriftlichen Bestellung oder unter 0180.5564564 erhältlich. Vorkaufsrecht Nur Mitglieder der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. können bereits vor dem offiziellen Vorverkaufsbeginn Karten erwerben. Sind Sie an einer Mitgliedschaft interessiert? Tel. 0340.619595 weill-zentrum@t-online.de

IMPRESSUM Herausgeber: Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. Stand: 14.02.2007, Änderungen vorbehalten Redaktion: ARTEFAKT Kulturkonzepte Produktion: Roßdeutscher & Bartel GbR

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Bildnachweis S. 1: Hubert Ernst (Jens Schlüter), Clemens Birnbaum (Kai Bienert), S. 2: Michael Rische (Elmar Schwarze), Szenenfoto Tango Palast (Frank Tauscher), HK Gruber (Jens Schlüter), Rambert Dance Company (Antony Crickmay), S.3: Szenenfoto Down in the Valley (Archiv Francis Hunter), Carel Kraayenhof (Loe Beerens), Fahnen (Kai Bienert), S. 4: Wolfgang Böhmer (Presse- und Informationsamt der Landesregierung Sachsen-Anhalt), William R. Timken Jr. (Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika), S. 5: Karl Gröger (Archiv der Stadt Dessau), Wolfgang Angenendt (Archiv Lotto-Toto GmbH), S. 6: Kurt Weill (Eric Schaal/Deutsche Nationalbibliothek. Deutsches Exilarchiv 1933-1945, Frankfurt am Main), Tango Angèle (Weill-Lenya Research Center), S. 7: Michael Rische (Elmar Schwarze), S. 8: Eric Schaal (Eric Schaal/ Deutsche Nationalbibliothek. Deutsches Exilarchiv 1933-1945, Frankfurt am Main), Tango-Duo Stravaganza (Sabine Hummel), S. 9: Szenenfoto Tango Palast (Frank Tauscher), S. 10/11: Kostümbildentwürfe (Gabriele Kortmann), S. 11: Gregor Seyffert, Golo Berg, Mathias Wulf, Gabriele Kortmann (Claudia Heysel), Lothar Hensel (Sandra Wildemann), S. 13: Los Twang! Marvels (Roman Walczyna), S. 15: Synagoge (Helmut Erfurt/Stadtarchiv Dessau), Michael Rische (Elmar Schwarze), S. 16: Giles Swayne (Archiv des MDR), Notenschrift Kiddush (Weill-Lenya Research Center), S. 17: Howard Arman, MDR Rundfunkchor, Gunter Berger, MDR Kinderchor (Archiv des MDR), S. 19: HK Gruber (Georg Anderhub), S. 20: Karikatur (Weill-Lenya Research Center), S. 21: Ensemble Modern (Wonge Bergmann, Dominik Buschardt, Barbara Fahle, Jo Röttger for AVENTIS FOUNDATION/Michael Löwa), S. 23: The Tiger Lillies (Andrew Attkinson), S. 24: Bauhaus Dessau (Wolfgang Große), Kurt Weill und Nelly Frank (Weill-Lenya Research Center), S. 25: Christina Gerstberger (Claudia Heysel), Arte Ensemble (Joachim Giesel), S. 27 Erwin Schulhoff (Vanek, Prag), Detlef Bensmann (Peter Bergmann), S. 29: Yvonne Hardt (privat), Steven Garling (Erik Hackenschmidt), Judgment of Paris (Anthony Crickmay), S. 30: Swamp (Hugo Glendinning), Divine Influence (Anthony Crickmay), Antony Tudor (Archiv Rambert), S. 31: Merce Cunnigham (Mark Seliger), Michael Clark, Martin Joyce (Archiv Rambert), Josephine Baker (www. doctormacro.com), S. 32: Kurt-Weill-Zentrum/Haus Feininger (Bernd Helbig); Fred Astaire, George und Ira Gershwin (George Gershwin, Eine Biografie von Jürgen Schebera), S. 33: Maryse Boiteau (privat), Ben Zimmermann (privat), Christoph Wagner (Carola Krautz), Shall We Dance (George Gershwin, Eine Biografie von Jürgen Schebera), S. 35: Max Raabe und Palastorchester (Frank Eidel), Anhaltisches Theater (Kai Bienert), S. 37 Tangoduo Encuentro (Werner Bohle), Pächterhaus (Thomas Roßdeutscher), S. 38: Krötenhof (Thomas Roßdeutscher), S. 39: tales in tones trio (www.talesintones.de), S. 40: Marienkirche (Thomas Roßdeutscher), S. 41: Joachim Kühn (Kai Bienert), Majid Bekkas (Ton Maas), Ramon Lopez (Capelle 2006), S. 43: Bidla Buh (www.bidla-buh.de), Brauhaus (Thomas Roßdeutscher), S. 44: Katharina Leitheiser, Katherina Wolter (Frank Dreesbach), Regine Held (Ewa Wawrzyniak), Martin Wagner (Elena Wagner), S. 45: Young Gods: Neyda Parades, S. 47: Szenenfotos Mahagonny (Claudia Heysel), S. 48: Szenenfotos Mahagonny, Markus L. Frank, Helmut Polixa, Stefan Rieckhoff (Claudia Heisel), Lotte Lenya (Hesto Hesterberg, Archiv Kurt-Weill-Gesellschaft), S. 49: Waltraud Hoffmann-Mucher, Marian Albert (Archiv Anhaltisches Theater), Stefanie Wüst (Archiv Stefanie Wüst), Pieter Roux, Nils Olson, Pavel Šafárˇ, Kostadin Arguirov (Claudia Heisel), Typen Mahagonny (Lenne, Archiv der Kurt-WeillGesellschaft), S. 51: Szenenfoto Down in the Valley (Archiv Francis Hunter), Klavierauszug Down in the Valley (Weill-Lenya Research Center), S. 52: Dokument, Probenfoto (Weill-Lenya Research Center), Errico Fresis (privat), S. 53: Pamela Hunter (Daniel Spehr), Szenenfoto Down in the Valley (Archiv Francis Hunter), S. 55: Christoph Hilger (Claudia Dalchow), Bettina Dorn (privat), Quint Olé (Ewa Wawrzyniak), Detail Otto Dix (Von der Heydt-Museum, Wuppertal), S. 56: Ballschuhe (Jens Schlüter), Dresdner Salonorchester (Sylvio Dittrich), Kornhaus (Sebastian Kaps), S. 57: Michael Rische (Grenzland Echo), S. 58: Noten (Weill-Lenya Research Center), Schloss Köthen (Henner Fritzsche), S. 59: Jocelyn B. Smith (Jim Rakete), Volker Schlott (Ume Radeloff), Chris Lewis (ARTCO Werbedesign), S. 61: Carel Kraayenhof (Emiel Swalue), S. 63: Carel Kraayenhof und Sexteto Canyengue (Thirza Lourens), S. 64: Gitte Haenning, Giora Feidman, Gisela May, Regula Steiner, Max Raabe, Anna-Maria Kaufmann(Jens Schlüter), Dietrich Henschel (P. Wilenski), Milva (Boris Geilert), Nils Landgren (Johan Bergmark), Dominique Horwitz (Brinkhoff/Mögenburg), Esther Ofarim (Friedemann Simon), Gregor Seyffert (Claudia Heysel), Barbara Hendricks (Fabian), S. 65: Julia Jentsch, Meret Becker, Christine Schäfer, Salome Kammer, Helen Schneider, Stanley Walden, Nina Hoss (Jens Schlüter), HK Gruber (Johnny Volcano), Stefanie Wüst (Boris Geilert), Milan Sládek, Wayne Marschall, Joachim Kühn (Kai Bienert), Michael Rische (Elmar Schwarze), S. 66/67: Lotte Lenya und Kurt Weill (Weill-Lenya Research Center), S. 68: Fahnen: Kai Bienert, S. 69: Bauhaus (Thomas Roßdeutscher), S. 70: Kurt-Weill-Zentrum/Haus Feininger, Bauhaus (Bernd Helbig), Johannbau (Wolfgang Große), S. 71: Marienkirche (Thomas Roßdeutscher), Georgium (Bernd Helbig), Schloss Köthen (Henner Fritzsche), S. 72: Siedlung Törten (Peter Kühn), S. 73: Mausoleum, Umweltbundesamt, Kurt-Weill-Zentrum (Thomas Roßdeutscher), S. 74: Kurt Weill (Karsch, Weill-Lenya Research Center), S. 75: Feuerwerk (Kai Bienert)


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19.01.2007

9:13 Uhr

Seite 1

dank

Im Land zu Hause. Im Land aktiv.

Die Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. und die Stadt Dessau, Veranstalter des Kurt Weill Festes, danken allen Partnern, Sponsoren, Förderern, Institutionen und Vereinigungen, insbesondere dem Land Sachsen-Anhalt, der Kulturabteilung der Botschaft, dem Generalkonsulat der Vereinigten Staaten von Amerika und der Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003 sowie allen ehrenamtlichen Helfern für die großzügige Unterstützung.

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Als Landesbank für Sachsen-Anhalt engagieren wir uns, um die

Restaurant Kornhaus Restaurant Pächterhaus

wirtschaftliche Entwicklung im Land voranzutreiben. Außerdem

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Stefan Weidle Wohnungsgenossenschaft e.G. Dessau Wohnungsverein Dessau e.G.


WEILL Getanzt Kurt Weill Fest Dessau 2007

2.3.–11.3.2007

WEILL Getanzt Informationen & Kartenservice

0180.5 564564 www.kurt-weill-fest.de


Magazin Kurt Weill Fest 2007