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Das Festspiel-Magazin


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Liebe Freunde des Kurt Weill Festes, als vor 90 Jahren zum ersten Mal Die Dreigroschenoper über die Bühne ging, war den kritischen Zeitgenossen bewusst: Hier hat sich etwas ganz Neues ereignet, etwas, das dem Theater eine neue Richtung geben wird. Tatsächlich traf ein, wovon Kurt Weill, wie er selbst schrieb, geträumt hatte: Drama und Musik, gesprochenes Wort, Song und Bewegung waren „völlig vereint“. Thomas Markworth Präsident der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V.

Gerhard Kämpfe Leiter des Intendanz-Teams

Die Kurt-Weill-Gesellschaft und das Kurt Weill Fest sind stolz, dieses Schlüsselwerk der Moderne, das zu einem Klassiker und zu einem Publikumsliebling geworden ist, im Jubiläumsjahr auf der Bühne des Anhaltischen Theaters präsentieren zu können. Bertolt Brechts bissige Schilderungen einer verlogenen Moral von nur auf sich selbst und den eigenen Vorteil bedachten Menschen ist nach wie vor aktuell: Es scheint, als sei der illusionslose Blick des großen Dramatikers auf die Gesellschaft heute brisanter als in den vergangenen Jahrzehnten. Das Stichwort Aktualität führt uns direkt zu Kurt Weill. Er hat nicht nur für Die Dreigroschenoper Musik geschrieben, die bis heute ins Ohr geht und die Seele trifft. Nicht nur beherrschte er alle Techniken und Stilmittel des modernen Komponierens, sondern hat diese in der Vielfalt seiner Werke auch eingesetzt. Er bleibt aktuell auch in seiner Weigerung, „ernste“ und „unterhaltende“ Musik zu unterscheiden und die eine als hochrangig, die andere als nachrangig zu betrachten. Das „Prinzip Weill“ umfasst auch sein Streben, Musik für das Publikum zu schaffen – nicht im Sinne eines plumpen Anbiederns, sondern im genauen Blick auf den kulturellen Hintergrund, vor dem die Menschen Musik aufnehmen und sich von ihr berühren lassen. Dass Weill als Exilant in den USA so erfolgreich sein konnte, hängt auch damit zusammen, dass er es schaffte, ein „amerikanischer“ Komponist zu werden. Ein ganz besonderer Dank gehört auch in diesem Jahr all’ jenen, die das Kurt Weill Fest absichern und die Vielfalt an Veranstaltungen ermöglichen. Das Festival wird unterstützt von zahlreichen Förderern und Sponsoren, allen voran vom Land Sachsen-Anhalt und der Stadt Dessau-Roßlau. Zu diesen Unterstützern zählen auch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Stadtsparkasse Dessau, die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, die ÖSA Versicherungen, die NORD/LB Kulturstiftung, das Radisson Blu Fürst Leopold Hotel Dessau, die Stadtwerke Dessau, das Autohaus Heise, das Rathaus-Center Dessau, die Ströer GmbH, die AHLSA GmbH, unser langjähriger Medienpartner MDR Kultur und viele weitere Partner.

Kultureller Gedächtnisort nationaler Bedeutung Das Kurt Weill Zentrum – und damit auch das Kurt Weill Fest Dessau – wurde in das Blaubuch der Bundesregierung als ein „Kultureller Gedächtnisort“ mit besonderer nationaler Bedeutung aufgenommen. Zu den „Kulturellen Gedächtnisorten“ gehören zwanzig Institutionen in den Neuen Bundesländern.

Wir laden Sie, liebes Publikum, ein zu einer Reise durch den musikalischen Kosmos von Kurt Weill: Unser Artist-in-Residence, der weltweit angesehene Jazz-Trompeter Till Brönner, ist uns dabei ein kreativer Begleiter. Im Namen Kurt Weills spannt sich der Bogen von Dessau aus über den ganzen Kulturraum Sachsen-Anhalts, nach Gröbzig, Halle, Magdeburg, Wörlitz und Zerbst. Wir nehmen die Künstlervereinigung „Novembergruppe“ in den Blick, die vor 100 Jahren in Berlin gegründet wurde, beschäftigen uns mit der Suche nach Spuren der reichen Bildungs- und Geisteslandschaft Sachsen-Anhalts und bringen vor allem viel, viel Musik – unterhaltsam und tiefsinnig, klassisch und avantgardistisch, vertraut und ungewöhnlich. Lassen Sie sich überraschen! Herzlich, Ihre

Das Kurt Weill Fest 2018 wird gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt, die Stadt Dessau-Roßlau und in Teilen durch die Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003.

Thomas Markworth

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Gerhard Kämpfe


Inhaltsverzeic h nis Herzlich willkommen 1

Jüdisches Leben in Dessau 2 8 –2 9

Grußworte 4–5

Gott lacht mit seinen Geschöpfen

30

Weill auf die Bühne 6–7

Zu Gast bei der Jüdischen Gemeinde zu Dessau

31

Die Dreigroschenoper

Mendelssohnpreis 2018

31

La BETTLEROPERa

8–11 12–13

Mahnmale 33

Till Brönner Artist-in-Residence 14–15

Klingende Toleranz

Festspieleröffnungskonzert 16–17

Spurensuche 37

Till Brönner & Dieter Ilg

Auf dem Weg zur Bildung

38–39

Auf dem Weg zum Glauben

40–41

Auf dem Irrweg?

42–43

19

34–35

Prinzip Weill 44–45 Im Gespräch mit Till Brönner

21

Liebe ist nicht wie du – Radio Doria

46–47

Die Novembergruppe 22–23 Klassik im Aufbruch

24–25

Melton Tuba Quartett

48

So schön wie der Morgen

49

10 Jahre Novembergruppe

26

Menschenskind! – Dagmar Manzel

51

Novembergruppe Berlin 1918–2018

27

Zu Gast sein

53


I n h alts verzeic h nis Berliner Glanz

54–55

Ich, Kurt Weill

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Der beste Nachwuchs

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Durch Georg Kreislers Brille

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Le petit train de plaisir

71

Neuland 60

Stadtkind – Ute Lemper

In Love with Shakespeare

72–73

61

Kinofilme Schön ist’s im Labyrinth (19 91) 74 Vision String Quartet

62–63

Das Kabinett des Dr. Caligari (192 0) 74 Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt (1931/ 32) 75 Die 3 Groschen-Oper (1931) 75

Rahmenprogramm Kleiner Vogel Kukuli

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Dreigroschen-Trash 65 Almrausch 67 Klingende Utopien

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Hommage an Kurt Weill

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Musikalische Impressionen – Bilder zu Stücken von Kurt Weill

77

Könnt’ ich blaue Himmel malen

77

Stadtplan 80 Veranstaltungsorte 81–83 Programmübersicht und Preise Impressum / Nachweise / Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. 

84–87 88


Grußwort des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt Dr. Reiner Haseloff Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Schirmherr des 26. Kurt Weill Festes Dessau

Grußwort des Geschäftsträgers der Amerikanischen Botschaft in Berlin Kent D. Logsdon Chargé d’Affaires ad interim U.S. Embassy Berlin Schirmherr des 26. Kurt Weill Festes Dessau

In Sachsen-Anhalt kann man eine große Breite und Tiefe der Musik erleben: vom Frühbarock bis zur zeitgenössischen Musik. Das Zentrum der Klassischen Moderne ist Dessau. Hier wird das Œuvre eines der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts authentisch und auf hohem Niveau erlebbar. Das Kurt Weill Fest steht für Kreativität, für Innovationen, für Freude am Neuen und für künstlerische Wagnisse. Es wird damit seinem Namensgeber in hohem Maße gerecht. Kurt Weill gilt als einer der facettenreichsten Komponisten des vergangenen Jahrhunderts. Brechts Motto: „Es geht auch anders, doch so geht es auch“, setzte Weill gleichsam musikalisch um. Sein Werkkatalog umfasst viele Musikgenres. Er war Opernkomponist so gut wie Songschreiber. Beispielhaft für seine Vielseitigkeit ist Die Dreigroschenoper. Das Kurt Weill Fest in Dessau ist ein besonderes Ereignis. Und eine großartige Erfolgsgeschichte. 1993 fand das Musikfestival erstmals statt: mit elf Veranstaltungen und etwa 1.400 Besucherinnen und Besuchern. Im letzten Jahr kamen mehr als 18.000 Menschen nach Dessau und in die anderen Spielstätten. Heute ist das Kurt Weill Fest nicht nur ein Kristallisationspunkt und eine Bühne für renommierte Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt. Es ist auch ein wichtiger Botschafter des Kulturlandes Sachsen-Anhalt. Das wird auch durch das diesjährige Programm unterstrichen. Es bietet in den verschiedenen Spielstätten eine inspirierende Mischung aus Konzerten, Vorträgen und Besichtigungen zu ganz unterschiedlichen Themen. Das Kurt Weill Fest ist erfolgreich dank des Zusammenwirkens vieler kreativer Köpfe und Institutionen. Mein Dank gilt allen Künstlerinnen und Künstlern, der Kurt-WeillGesellschaft und ihren vielen ehrenamtlich engagierten Mitgliedern, dem Kurt Weill Zentrum, den Sponsoren und Medienpartnern. Allen Gästen wünsche ich einen angenehmen Aufenthalt und unvergessliche Stunden in Dessau-Roßlau und den anderen Spielstätten.

Im Jahr 1992 – demselben Jahr, in dem das US-Generalkonsulat in Leipzig 50 Jahre nach seiner Schließung wiedereröffnet wurde –, sondierten Vertreter der Kurt-WeillStiftung für Musik in New York die Möglichkeit, zu Ehren von Kurt Weill ein Musikfest zu veranstalten. Heute, 26 Jahre später, gehört das Kurt Weill Fest in Dessau zu den prestigeträchtigsten kulturellen Veranstaltungen der internationalen Musikwelt. Ansehen und Bedeutung des Festes nehmen von Jahr zu Jahr zu. Dieses Fest ist ein hervorragendes Symbol der deutsch-amerikanischen Freundschaft – hier in SachsenAnhalt und weit darüber hinaus. Im Verlauf der amerikanischen Geschichte haben Menschen wie Kurt Weill – brillante Musiker, Autoren und Maler – ihre Traditionen allerdings auch immer wieder mit nach Amerika gebracht. Diese Fülle kultureller Ausdruckskraft hat unsere Kultur bereichert. Die Musik von Kurt Weill spiegelt sowohl den Einfluss seiner deutschen Wurzeln als auch seiner neuen Heimat wieder. Bis heute begeistert seine Zusammenarbeit mit amerikanischen Autoren, Schauspielern und Dramatikern ein Publikum aus aller Welt. Dennoch musste er sich sowohl in seiner alten als auch seiner neuen Heimat gegen Kritiker behaupten, die seinen Erfolg in den Vereinigten Staaten, verglichen mit der großen Musik, die er in Deutschland komponiert hatte, als unwürdigen kommerziellen Kompromiss sahen. Seine Antwort lautete: „Wenn meine Musik ein breites Publikum erreicht hat, spricht das nicht gegen, sondern für sie.“ Allen, die in den vergangenen 26 Jahren so viel Arbeit in das Kurt Weill Fest in Dessau gesteckt und es zu einem so großen Erfolg gemacht haben, danke ich für ihr Engagement. Dieses Fest war von Anfang an ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, was wir erreichen können, wenn wir zusammenzuarbeiten, insbesondere hier im Osten Deutschlands. Generalkonsul Timothy Eydelnant und ich danken den Organisatoren und Förderern dieses Fests für ihren Einsatz und ihre Anregungen. Wir möchten auch den Künstlern für ihre Disziplin und Kreativität danken, die die Grundlage einer erfolgreichen Darbietung bilden. Wir haben großen Respekt vor ihrer Leistung. Ihnen allen gelten unsere besten Wünsche für ein aufregendes Fest! 4


Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Dessau-Roßlau Peter Kuras Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau

Grußwort der Ostdeutschen Sparkassenstiftung Dr. Michael Ermrich Vorstandsvorsitzender der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands

Sehr geehrter Besucher des Kurt Weill Festes, herzlich willkommen in der Stadt der Klassischen Moderne Dessau-Roßlau. Das Kurt Weill Fest als ein über die Region strahlendes Beispiel für den Zusammenschluss zwischen den verschiedensten Künsten und Musikstilen steht 2018 unter dem Motto „Weill auf die Bühne!”. Mit der Aufführung der Dreigroschenoper in der Geburtsstadt Kurt Weills feiert das Festival eine große Premiere und die Stadt erhält wieder einmal ihr klingendes Wahrzeichen. Als Die Dreigroschenoper 1928, also vor 90 Jahren, in Berlin zum ersten Mal über die Bühne ging, stellte sie nicht weniger als eine Revolution in der Geschichte des Musiktheaters dar. Heute gilt das bekannteste Gemeinschaftswerk von Kurt Weill und Bertolt Brecht längst als ein zeitloser Klassiker. Diese Premiere könnte nicht stattfinden ohne die schon über 25 Jahre wirkende besondere Kooperation zwischen dem Anhaltischen Theater Dessau und dem Kurt Weill Fest. Ich möchte dem neuen Intendanz-Team, bestehend aus dem Berliner Konzert­ manager Gerhard Kämpfe, Intendant Johannes Weigand und Generalmusikdirektor Markus L. Frank vom Anhaltischen Theater Dessau sowie dem Weill-Spezialisten Dr. Jürgen Schebera, für ihre erste Festival-Saison alles Gute wünschen. Schon heute kann man dem Team zu einer spannenden Programmatik und einer exquisiten Auswahl an hochkarätigen Künstlern gratulieren.

„Speak low when you speak, love“ – „Sprich leise, wenn Du sprichst, meine Liebe“, so die Titelzeile eines nicht nur im Jazz-Bereich zum Standard avancierten Songs von Kurt Weill aus seinem Broadway-Musical One Touch of Venus von 1943. Zu dieser Zeit konnte der Komponist bereits auf eine bewegte und keineswegs leise Karriere zurückblicken: Seine Musik zur Dreigroschenoper und zum Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny war ein krachender Tusch im Musiktheater der Weimarer Republik. Mit „Weill auf die Bühne!“ wird auch 2018 dafür gesorgt, dass Kurt Weill und seine Musik über die Grenzen Dessaus hinaus seine Bühne(n) und sein Publikum finden werden. Laut wird es dabei nicht immer zugehen, auch wenn mit der schon länger erwarteten Eigenproduktion der Dreigroschenoper am Anhaltischen Theater Dessau in der Neuinszenierung durch Ezio Toffolutti und dem Gastspiel der Neuköllner Oper Berlin mit La BETTLEROPERa gehörige Spiellaune angesagt ist. Mit Synagogen-Gesängen von Kurt Weills Vater Albert in einem Konzert anlässlich des Gedenkens an die Zerstörung Dessaus im März 1945 wird der kulturgeschichtliche Hintergrund und die Musiktradition Kurt Weills hörbar werden und zum Nachdenken darüber angeregt, wohin es führen kann, wenn Einzelne bestimmen, wer deutsch und was deutsche Musik zu sein hat. „Weill auf die Bühne“: Mit gut einem Viertel der fast 50 Veranstaltungen unter seinem Dach unterstreicht das Anhaltische Theater – gemeinsam mit der Anhaltischen Philharmonie – seinen Anspruch auf Hausrecht für das gesamte Fest. Als langjährige Partner des Theaters und seiner Philharmonie wie des Kurt Weill Festes insgesamt lassen es sich Ostdeutsche Sparkassenstiftung und Sparkasse Dessau auch 2018 nicht nehmen, ausgewählte Veranstaltungen, u.a. im Bereich der Nachwuchsförderung, zu unterstützen. Eine gut erprobte Kooperation, die im November 2018 einen weiteren Höhepunkt im dann 10. Violin-Förderwettbewerb „Rust-Preis“ der Ostdeutschen Sparkassenstiftung in Dessau finden wird. Wir wünschen allen Künstlerinnen und Künstlern „toi-toi-toi“ – und dem Kurt Weill Fest und seinen Machern „Play loud when you play Weill!“ 5


Weill auf die Bühne! Das kann eine bloße Feststellung sein. Das Kurt Weill Fest Dessau zeigt 2018 die wohl wichtigste Arbeit des Komponisten, seine in enger Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht entstandene Dreigroschenoper. 90 Jahre nach der folgenreichen Uraufführung im August 1928 und 20 Jahre nach der letzten Inszenierung in Dessau wird dieses Schlüsselwerk des modernen Musik-Theaters wieder am Anhaltischen Theater die Bretter erobern. Inhaltlich passend ergänzt den Spielplan die Oper, die für Brecht die unmittelbare Grundlage seiner Arbeit bildete: die Bettleroper von John Gay, allerdings nicht mit der Musik von Johann Christoph Pepusch, sondern mit neuen Songs, Tänzen und Instrumentalstücken von Moritz Eggert. Das Gastspiel der Neuköllner Oper aus Berlin zeigt, wie The Beggar’s Opera heute nach wie vor die Fantasie entzünden und den Nerv der Zeit treffen kann. Diese Aktualität einzuholen, die der Dreigroschenoper Weills und Brechts immer wieder einmal musealisierend abgesprochen wurde, ist Aufgabe einer zeitgemäßen Regie. Der Italiener Ezio Toffolutti, der 1971 an der Volksbühne im damaligen Ost-Berlin seine internationale Karriere begann, stellt sich dieser Herausforderung. Toffolutti führt seit 1983 im Musiktheater Regie und hat unter anderem in Paris (Wolfgang Amadeus Mozarts Cosi fan tutte), in Venedig (Prokofjews Liebe zu den drei Orangen) und am Aalto-Theater in Essen (Mozarts Zauber­ flöte und Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor) inszeniert. Weill auf die Bühne zu bringen, bedeutet in diesem Fall nicht, einfach der Notwendigkeit des Repertoires oder dem Ruf des Publikums Genüge zu tun. Sondern gerade mit der Dreigroschenoper wird ein Stück für die Gegenwart zur Debatte gestellt, das nach Ansicht des Kritikers Hans Heinz Stuckenschmidt an „der Spitze der musikdramatischen Produktion der Gegenwart“ anzusiedeln sei. Stuckenschmidt war als Organisator, Inspirator, Kritiker und Fürsprecher für die Musik der Weimarer Zeit, für die Künstlervereinigung der „Novembergruppe“ und später für die Neue-Musik-Szene in der Bundes­republik von großer kaum überschätzbarer Bedeutung. „Dass Die Dreigroschenoper eine werdende Kunstform von unschätzbarer Wichtigkeit und Fruchtbar7

keit zum ersten Mal auf die Bühne gestellt hat, ist eine Tatsache, die die Historiker der Musik und der Dramatik getrost buchen können“, schrieb er 1928. Ein Fall, in dem der Kritiker nicht irrte. Weill gelang, so schreibt Hans-Jürgen Schaal, ein Amalgam aus Drehorgel- und Kabarettmusik, Opern- und Operetten-Parodien, Jazz- und Tango-Songs … eine intelligente und witzige Verfremdung ‚hoher‘ wie ‚niedriger‘ Musik, eine groteske Mischung aus Opernhaus und Tanzbar, Kathedrale und Gosse, die ständig die Erwartungen des Hörers durchkreuzt. Für Kurt Weill war die gemeinsame Arbeit mit Brecht eine willkommene Möglichkeit, seinen „vollkommen neuen, sehr ausbaufähigen Opernstil“ auszuprobieren, den er dann in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930) für die Opernbühne perfektionierte. Weill auf die Bühne! Das kann aber auch als Appell gelesen werden. Denn jenseits von Dreigroschenoper und Mahagonny gibt es in den über zwei Dutzend Werken Weills für das Musiktheater trotz der Bemühungen der letzten Jahrzehnte noch einiges zu entdecken, vor allem aus der Zeit nach 1933, als Weill aus Deutschland vertrieben, seine Werke verboten und vernichtet wurden und er sich entschied, ein „amerikanischer Komponist“ zu sein. Dieser Bruch verhindert bis heute die angemessene Rezeption der so entscheidenden Lebensepoche Kurt Weills. Noch einmal Schaal: „Kurt Weill hat unter amerikanischen Bedingungen – und also mit einer ganz anderen Ausgangsposition – dasselbe noch einmal versucht, was ihm in Deutschland gelang: die Neu-Definition der Rolle von Theatermusik für die gesamte Skala der Gattungen vom Schauspiel und Singspiel über Operette und Musical bis hin zur Rundfunkkantate und Oper. Noch einmal gelingen konnte ihm das nur, weil er fest entschlossen war, für Amerika als Amerikaner zu komponieren.“ Das Kurt Weill Fest hat in den über 25 Jahren seines Bestehens immer wieder auf diese unglaublich schöpferische Zeit hingewiesen – von dem Pariser Exilwerk Marie Galante bis zu Weills Schwanengesang Lost in the Stars. Weill auf die Bühne! bleibt also eine herausfordernde Aufgabe, die noch lange nicht erfüllt ist.


Besetzung

Inszenierung, Ausstattung, Lichtdesign: Ezio Toffolutti Musikalische Leitung: GMD Markus L. Frank Jonathan Jeremiah Peachum: Dirk S. Greis Celia Peachum: Christel Ortmann Polly Peachum: Mirjana Milosavljevic´ Macheath: Matthias Mosbach Tiger Brown: Sven Brormann Lucy Brown: Marie Albrecht Trauerweiden-Walter: Stephan Korves Hakenfinger-Jakob: Oliver Seidel Münz-Matthias: Andreas Hammer Säge-Robert: Sebastian Stert Smith: Andreas Hammer Spelunken-Jenny: Illi Oehlmann Hochwürden Kimball: Boris Malré Huren (Chor): Dolly: Kerstin Schweers Suky Tawdry: Marie Thérèse Albrecht Vixer: Sebastian Stert Molly: Lisa Brosig Musiker der Anhaltischen Philharmonie Dessau

Kurt Weill, Lotta Lenya und Bertolt Brecht

Dreigroschenoper Die

Man wird nicht fehlgehen, wenn man behauptet, Die Dreigroschenoper sei „das“ Erfolgsstück des 20. Jahrhunderts. Die Uraufführung der gemeinsamen Arbeit des 30-jährigen Bertolt Brecht und des 28-jährigen Kurt Weill war ein Donnerschlag in der Geschichte des Theaters, der über Nacht alles veränderte. Ab dem 31. August 1928 war es nicht mehr möglich, Theater zu denken, ohne Die Dreigroschenoper zu berücksichtigen. Die Uraufführung war einer der größten Erfolge der Theatergeschichte, allerdings nicht sofort. Zunächst herrschte eisige Stimmung und offensichtliche Ablehnung im Zuschauerraum. Erst mit dem Kanonensong brach das Eis. Beifallsstürme erklangen, das Publikum trampelte, der Song musste sogar wiederholt werden. Von da an wurde jeder Satz beklatscht, und Die Dreigroschenoper wurde zum größten Theatererfolg der Weimarer Republik. Das Verbot der National­ sozialisten konnte am Erfolg nichts ändern. Kaum war der braune Spuk weggefegt, erlebte die Story aus dem Gauner- und Proletenmilieu im August 1945 eine willkommene Wiederbelebung im zerbombten Berlin. Seither ist sie aus dem Bertolt Brecht an Erwin Piscator, 1928 Repertoire nicht mehr wegzudenken.

Ich hoffe, die „3groschenoper“ wirkt aus der Ferne nicht allzu

aufreizend!

Für Kurt Weill bedeutete die Musik zur Dreigroschenoper nicht nur den endgültigen Schritt in eine neue Art von Musiktheater, sondern – ganz prosaisch – das Ende aller finanziellen Sorgen. Dafür sorgte der Riesenerfolg: Das Stück wurde nicht nur in der Saison 1928/29 im Theater am Schiffbauerdamm (dem heutigen Berliner Ensemble) en suite gespielt, sondern auch von anderen Bühnen über 4.000 Mal gegeben. Auch 8


Skizze zum Bühnenbildentwurf

ein wohl bedachtes Marketing trug dazu bei. Diverse Songs erschienen in separaten Drucken, die sich in den ersten Jahren 50.000 Mal verkauften. Weill ließ Bearbeitungen der Songs zu und stellte selbst eine Kleine Dreigroschenmusik zusammen. Rundfunkaufnahmen, Jazz- und Tanzarrangements verbreiteten die Melodien weit über das Theater hinaus. Die Verfilmung von 1931 brachte Brecht trotz der Konflikte mit der Filmgesellschaft 25.000 Mark aus einem Vergleich ein. Sogar bis zum Entwurf einer Tapete mit Figuren aus der Dreigroschenoper reichte die Vermarktung. Brecht sah auch die Gefahren dieses „Dreigroschenkomplexes“. In einem Selbstinterview antwortete er auf die Frage, was den Erfolg der Verfilmung ausmache: „Ich fürchte, all das, worauf es mir nicht ankam: die romantische Handlung, die Liebesgeschichte, das Musikalische … Man nahm für den Film all das, was ich in dem Stück verspottet hatte, die Romantik, die Sentimentalität usw., und ließ den Spott weg. Da war der Erfolg noch größer.“ Nur acht Musiker bestritten als Orchester die Uraufführung. Da jeder von ihnen mehrere Instrumente beherrschte, konnte Weill insgesamt 23 verschiedene Instrumente einsetzen. Die Band, geleitet von Theo Mackeben, spielte im Hintergrund der Bühne. Da die Schauspieler keinen Blickkontakt aufnehmen konnten, kam es nicht zu exaktem Zusammenklang. Das Singen „aus dem Takt“ nutzte Brecht, um eine „Einfühlung“ des Publikums in die Musik zu stören – ganz im Sinne seines anti-illusionistischen Theaters. Wie aktuell ist Die Dreigroschenoper in den 90 Jahren nach ihrer Uraufführung gewesen? Schon der Film von 1931 entfernte sich, jedenfalls nach Brechts Ansicht, vom eigentlichen Anliegen des Stücks, der Gesellschaftskritik. Und bereits nach der 9

Programm

Die Dreigroschenoper Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern von Bertolt Brecht nach John Gays „The Beggar‘s Opera“ Übersetzt aus dem Englischen von Elisabeth Hauptmann Musik von Kurt Weill Termine

V18 Freitag | 02.03.2018 | 19:00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau Premiere V41 Samstag | 10.03.2018 | 16:00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau Hinweis

Ein ausführliches Programmheft zur Veranstaltung erhalten Sie im Anhaltischen Theater Dessau.


Bertolt Brecht und Kurt Weill

Ezio Toffolutti

Uraufführung wurde die Tendenz zur Historisierung kritisch bemerkt: „Von moderner sozialer und politischer Satire keine Spur“, ätzte der Kritiker der „Roten Fahne“ 1928. Auch die Popularisierung der Songs als Tanzmusik dürfte den gesellschaftskritischen Impetus nicht gerade befördert haben.

Sie [„3groschenoper“] hat nichts Falsches an sich, eine gute alte ehrliche Haut. Dass sie eingeschlagen hat, ist sehr angenehm. Es widerlegt die allgemeine Ansicht, man könne das Publikum nicht befriedigen – worüber ich ja etwas enttäuscht bin.

Nach dem Krieg setzte sich der Prozess der Historisierung fort: In der DDR interessierte die Kapitalismuskritik vor allem historisch – man war ja offiziell überzeugt, im ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden die gezeigten Missstände überwunden zu haben. Als „Werk eines Moralisten, daher eines Hassers der Bourgeoisie“ bezeichnete das „Neue Deutschland“ 1960 Die Dreigroschenoper. Im Westen dagegen sah man sie „in den Zustand eines klassischen Stückes“ entrückt, wie die FAZ 1958 schrieb. Bertolt Brecht an Erwin Piscator, 1928 So wurde sie nach der Erfahrung des Autors auch in der Schule rezipiert: Interessant war eher die Form, als Beispiel des epischen Theaters, als der Inhalt. Die 68er-Bewegung rückte Die Dreigroschenoper in ein politischeres Licht, später, vor allem in den Neunzigern, griff die postmoderne Beliebigkeit, die schrille Unterhaltungskultur und die Tendenz zur Verfremdung auch auf Die Dreigroschenoper zu. Vom „Moralismus“ Brechts blieb kaum etwas übrig, man spielte das Werk, wie es in einer Hamburger Kritik von 2004 heißt, „ganz leicht … und mit kleinem Augenzwinkern“. Man darf gespannt sein, wie sich Ezio Toffolutti in seiner Dessauer Neuinszenierung zu diesen Deutungsrichtungen positioniert.

Eine Produktion des Anhaltischen Theaters Dessau mit dem Kurt Weill Fest Dessau. Mit freundlicher Unterstützung der Stadtwerke Dessau.

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Besetzung

Regie/Choreographie: Michela Lucenti Dramaturgie: Bernhard Glocksin Bühne: Sabrina Rossetto Kostüm: Rebekka Dornhege Reyes Künstlerisches Team: Maurizio Camilli, Ambra Chiarello, Christopher „Crsto“ Ciraulo, Sophia Euskirchen, Nicole Kehrberger, Jörn Linnenbröker, Michela Lucenti, Emanuela Serra, Demian Troiano, Emilio Vacca, Danilo Andres, Sepulveda Cofre, Thora Hohberg, Christian Schaaf, Ini Dill, Rafeu Ahmed, Ada Sternberg Balletto Civile La Spezia Freiraum Syndikat Programm

Ein Gastspiel der Neuköllner Oper Berlin Musik und Lyrics von Moritz Eggert Text von John Gay Termin

V11 Sonntag | 25.02.2018 | 17:00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau

La

BETTLEROPERa

Das Ganze beginnt mit einer Spekulationsblase, „South Sea Bubble“ genannt. Ein wenig erfolgreicher Schriftsteller namens John Gay verliert sein Geld, als die überhitzte Aktie der englischen South Sea Company zusammenbricht. Gay ist zum Schreiben im Akkord verdammt und braucht einen Erfolg. Der stellt sich erst mit dem Libretto zu The Beggar’s Opera ein: Der aus Berlin stammende Johann Christoph Pepusch, der sich vor allem der Erforschung und Aufführung Alter Musik widmet, stellt für das satirische Singspiel populäre Arien und Volkslieder zusammen und schreibt eine Ouvertüre. Als die „Ballad Opera“ 1728 im Londoner Lincoln’s Inn Fields Theatre über die Bühne geht, ist das Publikum begeistert von den saftig gezeichneten Ganoven und kleinen Leuten, von den karikierenden Anspielungen auf die hehre italienische Oper Georg Friedrich Händels und von den ironischen Spitzen gegen bekannte Politiker der Zeit. Eine Rolle spielt wohl auch der realistische Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen wie die Verarmung infolge der Bevölkerungszunahme und Misswirtschaft und die damit einhergehenden sozialen Folgen wie Kriminalität, Prostitution und Alkoholsucht. Zweihundert Jahre später greift Bertolt Brecht zu der alten englischen Vorlage, die ihm Elisabeth Hauptmann übersetzt hat, bearbeitet sie und schafft zusammen mit Kurt Weill zwischen März und August 1928 Die Dreigroschenoper – nach Überzeugung Bertolt Brecht Weills „ein neues Genre des musikalischen Theaters“. Der Siegeszug des Stücks ist unaufhaltsam: Schon im ersten Jahr spielen über 50 Bühnen die Dreigroschenoper nach. Die Songs von Kurt Weill werden in Schellack gepresst, dazu entstehen instrumentale Tanzversionen. Erst die Nationalsozialisten kühlen das Dreigroschenfieber mit Repression und Gewalt herunter.

The Beggar’s Opera war eine Händel Travestie und wurde in Anregung von Jonathan Swift verfaßt.

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Nicht lange vorher hatte der englische Komponist und Sänger Frederic Austin das fragmentarische Material der Beggar’s Opera für eine Aufführung bearbeitet und 1920 eine höchst erfolgreiche Premiere in London arrangiert: In knapp vier Jahren ging das Werk 1463 Mal über die Bühne. Benjamin Brittens Bearbeitung von 1948 steht am Beginn einer Reihe von Einrichtungen für moderne Aufführungen, in die sich 1986 auch Winfried Radekes Adaption Die Neuköllner Oper spielt: Die Bettler­ oper einreiht. Radeke ist der Gründer der Neuköllner Oper. Das alternative Berliner Musiktheater feierte im Herbst 2017 sein 40-jähriges Bestehen mit einer völlig neuen Version des alten Stoffes, die jetzt als Gastspiel beim Kurt Weill Fest zu erleben ist. Moritz Eggert, 1965 in Heidelberg geborener Schüler Wilhelm Killmayers und fruchtbarer Komponist variabler Formen von Musiktheater, ließ sich einen „Musiktheatertanz“ einfallen. Der bekannte Stoff von Herrn Peachum, seiner Gattin und seiner Tochter Polly, die heimlich den ehrenwerten Verbrecher MacHeath heiratet und damit ihr Kapital Unschuld verschleudert, ist als ein „Großstadtcomic“ gefasst. Theater, (Break-)Tanz, Rap und Artistik verbinden sich mit 28 neuen Songs und 12 Tanzmusiken.

Und dann auch noch derart

unterhaltsam,

Die Instrumentierung ist apart: Das 2015 gegründete Ensemble „Freiraum Syndikat“ verbindet zwei Blockflöten mit E-Gitarre, Cello und sparsamem Schlagwerk. Szenisch lebt die neue Version der „alten Mär von unten und oben, Liebe und Verrat, Ulrike Kolter, Kritik La BETTLEROPERa Geschäft und Verbrechen“ von der physischen Energie, Bewegungsfreude und Virtuosität des italienischen Balletto Civile aus La Spezia. Das von der ehemaligen Pina-Bausch-Tänzerin Michela Lucenti geleitete Theaterensemble steht für eine außergewöhnliche Verbindung von Choreographie, Sprache, Gesang und Musik. Dazu stehen Künstler aus der freien Berliner Theaterszene mit auf der Bühne.

überbordend und charmant!

Über die Uraufführung urteilt Ulrike Kolter in „Die Deutsche Bühne“: „Da ist also auf Initiative der Neuköllner Oper Berlin eine Produktion entstanden, die Maßstäbe setzt in Sachen internationaler und genresprengender Theaterarbeit. Und dann auch noch derart unterhaltsam, überbordend und charmant!“ Und Udo Badelt schreibt im Berliner „Tagesspiegel“: „Es wird ein sperriger, widerborstiger Abend. Einer, der nicht allein Schauspiel ist, nicht Gesang, nicht Tanz, sondern von allem etwas, ein Bastard, ein stark körperbasiertes Theater, wimmelbildig, felliniesk.“ Ein Großstadtmärchen für das Jahr 2018.

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Aufführungsfotos (S. 12/13) Neuköllner Oper Berlin, „La BETTLEROPERa“


Artist in

Residence

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Im Gespräch mit Gerhard Kämpfe

Gerhard Kämpfe: Du bist nun Artist-inResidence beim Kurt Weill Fest. Kannst du dich noch an deine erste Begegnung mit dem Komponisten erinnern? Till Brönner: Meine Eltern sind genauso wie ich Grenzgänger in der Musik. In meiner Kindheit muss ich das erste Mal – noch ganz unbewusst – Kurt Weill begegnet sein. Richtig kennen und schätzen gelernt habe ich seine Musik erst in den USA. Der amerikanische Weill ist von vielen Größen der Branche wie Sammy Davies und Louis Armstrong mit lieblichen und schwelgerischen Klängen lackiert worden. Nach und nach erst habe ich die Zwischentöne und bissigen Kommentare in den Texten und Melodien entdeckt. Weill ist es wie kaum einem anderen Komponisten gelungen ernste Themen in seine Musik einzubinden, ohne dabei den Zeigefinger ständig zu erheben. Er ist für mich der Bill Evans der klassischen Musik, der seine lyrische, seine traurige oder seine stolze Seite nie vergessen hat. Als Deutscher kommt man nicht umhin sich seinem Schicksal anzunehmen. Gerhard Kämpfe: Was erwartet die Besucher bei euren Konzerten und die Hörer der CD „Nightfall“? Ich erinnere mich, dass GMD Markus Frank mir sagte, er wisse gar nicht wie die fast schon minimalistische Besetzung aus Trompete und Bass funktionieren soll. Dann kam er aus einem Konzert mit euch wieder und war vollkommen begeistert … Till Brönner: „Brönner & Ilg“ begann als vollkommen spontanes und singuläres Projekt vor nunmehr sieben Jahren. Wir wollten

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einfach experimentieren. Es geht um die Reduktion auf das Wesentliche. Die Trompete ist bildlich gesprochen das Dach und der Bass der Keller. Diese beiden Elemente reichen quasi schon um ein Haus zu bauen. Gerade über diese kleine Besetzung können wir ein überraschend großes Spektrum an Musik präsentieren. Der Zuhörer ist – aufgrund unserer speziellen Interpretation – in der Lage Musik zu „vervollständigen“, wenn etwas „fehlt“; hört Orchestrierungen und Atmosphären, die gar nicht gespielt werden. Dadurch bekommt die Musik etwas Zeitloses, eigenständiges und einzigartiges. Gerhard Kämpfe: Du trittst auf in kleinen Jazz-Klubs und großen Hallen. Gibt es einen Unterschied für dich, wie du die verschiedenen Prägungen von Publikum ansprichst? Till Brönner: Der Entertainment-Aspekt im Jazz hat mich immer genauso angesprochen und gereizt wie der Inhalt. Ort oder Größe des Publikums sind irrelevant. Ich tauche ein in die Atmosphäre des Ortes. Habe dabei keine Angst vor großen Halle, komme aber aus den kleinen Klubs. Ich denke, dass diese kleinen Klubs bis heute sehr wichtig sind. Von dort kommt die Musik. Sie sind ihr Tempel. Das Publikum schaut dir genau auf die Finger und das bereitet dich auf die großen Hallen vor. Das hat eine besondere Qualität. Es ist das Gefühl sich dem Ursprung der Musik zu nähern um dann mit dieser Einstellung die große Bühne mit dieser Aura zu füllen. Letztlich ist es das Handwerk, das man im Handwerk lernt und geprüft wird. Die Meister­ prüfung also für die ganz große Bühne.


Festspieleröffnungskonzert Auftakt mit dem Artist-in-Residence

Till Brönner

Besetzung

Trompete: Till Brönner Dirigent: GMD Markus L. Frank Anhaltische Philharmonie Dessau Programm

Kurt Weill (1900–1950) Suite aus der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ für Orchester eingerichtet von Wilhelm Brückner-Rüggeberg Jazz Pieces für Trompete und Orchester1 Pharrel Williams (*1973) Happy Dave Grusin (*1934) Condor Kurt Weill Speak Low My Ship Ludwig van Beethoven (1770–1827) Sinfonie Nr. 7 in A-Dur op. 92 1 Bearbeitung und Einrichtung Magnus Lindgren (*1974)

Termin

V01 Freitag | 23.02.2018 | 19:30 Uhr Anhaltisches Theater Dessau

Der Slogan des diesjährigen Kurt Weill Festes „Weill auf die Bühne!“ wird unwillkürlich Weills populärstes Werk, die Dreigroschenoper, ins Gedächtnis rufen. Aber auch Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny ist auf allen großen Bühnen der Welt zu erleben, in der letzten Spielzeit etwa an der Oper Halle, in der ersten Hälfte 2018 an vier deutschen Bühnen: Coburg, Cottbus, Hildesheim und Mannheim. Kurt Weill hat für diese Sodom-und-Gomorrha-Geschichte aus der Feder Bert Brechts eine komplex angelegte Musik komponiert, die er aber – getreu seinen ästhetischen Maximen – stets durchschaubar angelegt hat. Songs wie der weltberühmte Moon of Alabama verdeutlichen Weills Streben nach unmittelbarer Verständlichkeit. Er schuf Musik, die populär werden konnte, ohne dafür die strukturelle Qualität populistisch zu opfern.

Die Reduktion auf das Wesentliche hat mich zeit meiner Karriere immer umgetrieben.

Die Suite zu Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny steht in einer langen Tradition, dem Publikum die Musik von Bühnenwerken in kon- Till Brönner zentrierter Form im Konzertsaal vorzustellen. Die Einrichtung als Orchestersuite stammt von Wilhelm BrücknerRüggeberg, der 1956 eine klassisch gewordene Plattenaufnahme des Werks mit Lotte Lenya dirigierte. Die Instrumentierung bereichert die übliche Orchesterbesetzung mit einem Klavier und mit Instrumenten der Unterhaltungs- und Jazz-Musik der zwanziger Jahre wie dem Alt- und Tenorsaxophon, der Bassgitarre, dem Banjo und einem reich ausgestatteten Schlagwerk. Die Songs aus Mahagonny wurden – schon zu Lebzeiten Weills mit dessen Erlaubnis – vielfach bearbeitet. Die Rockband The Doors nahm das Lied mit der schwer16


Musiker der Anhaltischen Philharmonie Dessau

Der Solist ist der Artist-in-Residence des Kurt Weill Festes 2018, Till Brönner. Das Multitalent aus dem Rheinland, ein begnadeter, vielfach ausgezeichneter JazzTrompeter, hält genau wie Weill wenig von der Einteilung in „U“ und „E“ – für Brönner gibt es nur gute und schlechte Musik. Till Brönner sagt über sich selbst, er komme aus dem Jazz und sei über die Jahre hin ein immer größerer Klassik-Fan geworden: „Für mich wachsen die Welten immer enger zusammen.“ Ideale Voraussetzungen also, um mit der Anhaltischen Philharmonie Dessau unter ihrem GMD Markus L. Frank die Synthese zwischen einem klassischen Klangkörper und der virtuosen Jazz-Trompete zu wagen. Kontrast oder Ergänzung? Ludwig van Beethovens Siebte Sinfonie will so gar nicht in diese Reihe passen. Oder doch? Richard Wagner hat sie als eine „Apotheose des Tanzes“ bezeichnet und meinte damit die formbestimmende Kraft des Rhythmus. Jeder melodische Ansatz wird von dieser „Orgie des Rhythmus“ (Romain Rolland) überrollt. Beethoven beginnt sogar im dritten Satz mit unabgeschlossenen Perioden die Form aufzubrechen. Der letzte Satz mit seinem geradezu körperlichen Ausdruck verleitete Carl Maria von Weber zu der Anmerkung, Beethoven sei „reif fürs Irrenhaus“. Das Publikum von damals war elektrisiert, die Wiener spendeten bei der Uraufführung 1814 „großen Beyfall“ und nahmen Neuheit und Kühnheit sehr wohlwollend zur Kenntnis. Neues und Kühnes: Sind das nicht auch Kennzeichen der Musik Kurt Weills und des Jazz?

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GMD Markus L. Frank

mütig-lakonischen Aufforderung „Show me the way to the next whisky bar“ für ihr Debüt-Album 1967 auf. So steht die Verwandlung von vier Liedern in Jazz Pieces für Trompete und Orchester, arrangiert von dem schwedischen Jazzer Magnus Lindgren, in einer respektablen Reihe von Adaptionen, die nicht nur Werke von Kurt Weill betreffen.

Das Konzert wird von Deutschlandradio Kultur und MDR Kultur ab 20:05 Uhr übertragen. Frequenzen in Dessau-Roßlau Deutschlandradio Kultur: 97,4 MHz MDR Kultur: 104,0 MHz

Mit freundlicher Unterstützung der NORD/LB Landesbank für Sachsen-Anhalt. Der Artist-in-Residence wird präsentiert von LOTTO Sachsen-Anhalt.


„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“ Pablo Picasso (1881–1973)

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Till Brönner

& Dieter Ilg

Das ist Jazz in seiner reinsten Form: Zwei Individuen, zwei Instrumente, zwei Musiker, die sich lange kennen und jetzt etwas Neues wagen. Till Brönner, der wohl bekannteste deutsche Jazz-Musiker seiner Generation, und Dieter Ilg, einer der virtuosesten Bassisten der internationalen Szene, tun sich zusammen, produzieren ein Album und gehen auf Tournee. Sie begeistern ihr Publikum mit Musik, die auf ihren Wesenskern zurückgeführt ist. Oder wie Till Brönner es sagt: „Die Reduktion auf das Wesentliche hat mich Zeit meiner Karriere immer umgetrieben. Mit diesem Projekt wird ein lang gehegter Wunsch Wirklichkeit.“ Bei ihren zwei gemeinsamen Abenden im Steintor-Varieté Halle und im Anhaltischen Theater Dessau machen Brönner und Ilg, was den Größen des Jazz schon immer ihren Erfolg garantiert hat: Sie lassen durch bekannte Musik ihre Inspiration beflügeln. Ob das „A Thousand Kisses Deep“ von Leonard Cohen ist oder „Eleanor Rigby“ von den Beatles, ob „Scream & Shout“ von Britney Spears oder das unverwüstliche „Air“ von Johann Sebastian Bach, ob Jazz-Standards oder Musik des Renaissance-Komponisten Melchior Vulpius: Das Duo findet einen Weg zu raffinierten Arrangements, zu intimem Dialog, zum Entdecken ganz neuer Seiten in scheinbar altbekannten Melodien. Und möglicherweise hat der Artist-in-Residence des Kurt Weill Festes 2018 neben eigenen Kompositionen auch noch die eine oder andere Reminiszenz an Kurt Weill im Kopf, die er dann dem unvergleichlich präzisen, smarten, wandlungsfähigen Sound seines Instruments anvertrauen wird. Aus der Zusammenarbeit der beiden Jazz-Größen entstand das erste gemeinsame Album mit dem Titel „Nightfall“. Ende Januar erschienen, setzt es eine illustre Reihe von Aufnahmen fort, die mit Brönners erstem eigenem Album „Generations of Jazz“ mit Ray Brown, Jeff Hamilton, Frank Chastenier und Grégoire Peters begonnen hat. 1993 erhielt es auf Anhieb den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Daraufhin erhielt Brönner die Chance, mit internationalen Jazzgrößen wie Dave Brubeck, Tony Bennett, Mark Murphy, James Moody, Monty Alexander, Nils Landgren sowie Klaus Doldinger und Joe Sample zusammen zu spielen. 19

Besetzung

Trompete: Till Brönner Kontrabass: Dieter Ilg Termine

V21 Freitag | 02.03.2018 | 20:00 Uhr Steintor-Varieté Halle (Saale) V26 Samstag | 03.03.2018 | 19:00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau

Die Veranstaltung V21 ist eine Kooperation mit dem Steintor-Varieté Halle. Der Artist-in-Residence wird präsentiert von LOTTO Sachsen-Anhalt.


Wir wünschen allen Gästen gute Unterhaltung beim

LOTTO fördert Kunst und Kultur in Sachsen-Anhalt.

LOTTO liebt Kultur


Im Gespräch mit

Till Brönner Besetzung

Till Brönner Moderation: Gerhard Kämpfe Saxofon: Fabia Mantwill Violoncello: Liron Yariv Termin

V10 Samstag | 03.03.2018 | 12:00 Uhr Radisson Blu Fürst Leopold Hotel Dessau

Er ist nicht nur einer der erfolgreichsten deutschen Jazz-Trompeter: Der 1971 in Viersen am Niederrhein geborene Till Brönner ist ein ebenso gefragter Komponist und Arrangeur, Produzent und Bandmusiker. Eine Größe in der deutschen Jazz-Landschaft, die auch international anerkannt ist: Als Präsident Barack Obama 2016 zum International Jazz Day ins Weiße Haus einlud, war Till Brönner der einzige Deutsche unter den 45 geladenen Spitzenmusikern. Er spielte mit dem Südafrikaner Hugh Masekela, dem Briten Jamie Cullum, der Sängerin Dee Dee Bridgewater und dem Gitarristen Lee Ritenour. Von einer erfolgreichen Karriere sprechen aber auch fünf Echo und eine Grammy-Nominierung 2009. Seine neueste CD/LP heißt „Nightfall“ und ist am 26. Januar erschienen; sein erstes eigenes Album „Generations of Jazz“ mit Ray Brown, Jeff Hamilton, Frank Chastenier und Grégoire Peters kam 1993 heraus und erhielt auf Anhieb den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Danach spielte Brönner mit internationalen Jazzgrößen wie Dave Brubeck, Tony Bennett, Mark Murphy, James Moody, Monty Alexander, Nils Landgren sowie Klaus Doldinger und Joe Sample. Als Hildegard Knef 1999 nach über 20 Jahren wieder ein eigenes Soloalbum „17 Millimeter“ herausgibt, ist Brönner Produzent, Komponist und Arrangeur. Er schreibt Soundtracks für die Dokumentationen „Jazz Seen“ über den amerikanischen Jazz- und Modefotografen William Claxton sowie „Höllentour“ von Pepe Danquart. Ebenfalls produzierte Brönner zwei in der Fachwelt hochgelobte Alben des amerikanischen Jazzsängers Mark Murphy, die ihm international viel Aufmerksamkeit einbrachten.

Der Artist-in-Residence wird präsentiert von LOTTO Sachsen-Anhalt.

Für seine CD „Oceana“ erhält er 2007 seinen ersten Echo in der Kategorie „Jazz“ und gemeinsam mit dem Bariton Thomas Quasthoff den Echo in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“. Mit seiner erstklassigen Band begeistert er weltweit das Publikum. Er zeigt, was er aus seiner Trompete herausholen kann, und lässt dabei die übrigen Bandmitglieder gleichermaßen zu Wort kommen. In der lockeren Atmosphäre des Festival-Cafés kommt diesmal Artist-in-Residence Till Brönner zu Wort – und kann über seinen Werdegang, seine wachsende Liebe zu Klassik und sein Faible für Fotografie erzählen. 21


NovemberMalerei gruppe Musik Plastik Architektur

Sie war die langlebigste und größte avantgardistische Künstlervereinigung der Weimarer Republik, aber über ihre Organisation, ihr Wirken und ihre Rezeption in der Öffentlichkeit und Presse ist bisher kaum etwas bekannt: Die „Novembergruppe“ hatte rund 200 nachweisbare Mitglieder. Die Namen lesen sich wie ein „Who is who“ aller Künstler, die sich der klassischen Moderne zugehörig fühlten, darunter auch Marcel Breuer, Otto Dix, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Walter Ruttmann. Über 470 Künstler zeigten ihre Werke auf den Ausstellungen der Gruppe, der erst die repressive nationalsozialistische Kunstpolitik das Ende bereitete. 1935 wurde sie aus dem Vereinsregister gestrichen, soll jedoch nach Oskar Schlemmers Angaben ihre Tätigkeit bereits 1932 eingestellt haben. Im Zuge der Umwälzungen am Ende des Kaiserreichs und der Novemberrevolution gegründet, verstand sich die Gruppe als Vereinigung „radikaler, bildender Künstler“. Heinrich Richter, expressionistischer Maler und Filmarchitekt, eröffnete am 3. Dezember 1918 die erste offizielle Sitzung. Im Januar 1919 erschienen „Richtlinien“, in denen die Gruppe ihre Forderungen und ihr Selbstverständnis formulierte. 22

Unter anderem heißt es da: „Die ‚Novembergruppe‘ will durch umfassenden Zusammenschluß der gleichgesinnten, schöpferischen Kräfte maßgebenden Einfluß auf die Entscheidung aller künstlerischen Fragen erlangen.“ So fordert sie „Einfluß und Mitarbeit“ bei „allen Aufgaben der Baukunst als eine öffentliche Angelegenheit“, also etwa Städtebau, Siedlungswesen, Denkmalschutz, aber auch „Beseitigung künstlerisch wertloser Prunkbauten“. Für den Unterricht an Kunstschulen fordert sie das Ende behördlicher Bevormundung und die Wahl der Lehrer durch Künstlerverbände und Studierende. Die Museen sollten ihre „einseitig geführte Sammlertätigkeit“ beenden und zu „Volkskunststätten“ umgewandelt werden – als „vorurteilslose Vermittler zeitloser Gesetze“. Darüber hinaus verstand sich die „Novembergruppe“ in einem viel weiteren Sinn als gesellschaftliche und politische Kraft, die im neuen Staat an der Formung des Menschen teilnehmen wollte und für die entstehende Republik nach einer neuen Kunst suchte. Die „enge Vermischung von Volk und Kunst“ war ihr Ideal.


Noch nicht ausreichend erforscht ist, welche Rolle die Komponisten und Musiker innerhalb des Bildungsprozesses der „Novembergruppe“ spielten. 1921 wurde der junge, bis dahin kaum hervorgetretene Komponist Max Butting in die Gruppe aufgenommen und verantwortete deren musikalische Veranstaltungen. Ab 1922 bestand eine von dem Musikwissenschaftler und Kritiker Hans Heinz Stuckenschmidt geleitete, äußerst aktive Musiksektion. Durch Butting, aber auch andere Tonkünstler bestanden enge Verbindungen zur musikalischen Avantgarde, etwa der „Gesellschaft für Neue Musik“, aber auch zur Genossenschaft deutscher Tonkünstler. Kurt Weill gehörte zu den Mitgliedern der „Novembergruppe“. 1925 wurde in einem Katalog eine Mitgliederliste veröffentlicht, eine weitere stellte 1930 Hugo Graetz, Geschäftsführer der Gruppe, zusammen. In ihnen finden sich Namen wie Hanns Eisler (wohl erst nach seiner Ankunft in Berlin im Winter 1925/26), Philipp Jarnach, Heinz Tiessen (ab 1921), Wladimir Rudolfowitsch Vogel oder Stefan Wolpe.

Als Mitglied wird 1925 aber auch Gustav Havemann aufgeführt. Der Geiger, Primarius des Havemann-Streichquartetts, war später Mitglied im antisemitischen Kampfbund für deutsche Kultur und bis zu seiner Absetzung 1935 Leiter der Reichsmusikerschaft in der Reichsmusikkammer. In der Liste taucht auch der von Wilhelm Furtwängler geförderte Dirigent Jascha Horenstein auf, der ab 1929 als Musik­ direktor der Düsseldorfer Oper zahlreiche zeitgenössische Opern dirigierte. Prominentester ausübender Künstler der Gruppe dürfte jedoch der Dirigent Hermann Scherchen gewesen sein, der bei der Gesellschaft für Neue Musik und den Donaueschinger Musiktagen eine wichtige Rolle spielte. Bei einem Symposion im Meisterhaus Muche wird das Kurt Weill Zentrum die Berliner „Novembergruppe“ thematisch behandeln und wissenschaftliche Pionierarbeit in vielen noch ungeklärten Fragen anstoßen. In zwei Konzerten wird Musik von den Mitgliedern der „Novembergruppe“ Philipp Jarnach, Heinz Tiessen und natürlich Kurt Weill zu hören sein. 23


Aufbruch

Orchester der Komischen Oper Berlin

Klassik im

Besetzung

Violine: Daniel Lozakovich Dirigent: Jordan de Souza Orchester der Komischen Oper Berlin Programm

Heinz Tiessen (1887–1971) Vorspiel zu einem Revolutionsdrama op. 33 Philipp Jarnach (1892–1982) Musik mit Mozart – Sinfonische Variationen über das Klaviertrio E-Dur KV 542 und das Streichquintett D-Dur KV 593 op. 25 Thema (Canzone) Menuetto ~ Siciliano ~ Rondo Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) Adagio und Fuge c-moll KV 546 Ludwig van Beethoven (1770–1827) Violinkonzert D-Dur op. 61 Allegro ma non troppo ~ Larghetto – attacca ~ Rondo (Allegro) Termin

V34 Sonntag | 04.03.2018 | 17:00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau

Was für eine brodelnde, dynamische, inspirierende Zeit, als Kurt Weill nach Berlin kam und 1921 in die Meisterklasse von Ferruccio Busoni aufgenommen wurde! Fünf Jahre zuvor war die zweite Ausgabe von dessen „Neuer Ästhetik der Tonkunst“ erschienen – für Busoni ein logischer Schritt auf dem Weg der Entwicklung der jungen Kunstgattung Musik, für andere wie Hans Pfitzner ein Umsturz in der Musikwelt. Revolution! Heute ist kaum mehr nachvollziehbar, mit wie viel Ernst und Hingabe, aber auch Polemik und Aggressivität die Auseinandersetzung um die Neue Musik geführt wurde. Busoni wollte eine Musik, die frei sei von der Herrschaft formaler Gesetze und verwies auf Mozart, den man – wenn er wirklich originell wird – der Formlosigkeit anklage. Busoni war nicht, wie man ihm unterstellte, ein Gegner jeder Form, aber er bemühte sich um eine „umfassende, junge Klassizität, die alles Experimentelle vom Anfang des 20. Jahrhunderts einverleibt.“

Aufgabe der Zukunft ist es, die sich noch als Selbstzweck aufdrängenden Errungenschaften der Neuromantik für die Gestaltung einer neuen, modernen Klassizität zu gewinnen.

Es gehört zu den Tragödien und Treppenwitzen der Rezeption, dass viele dieser Aufbrüche, diese gärende, vielleicht Heinz Tiessen, 1911 unfertige, aber nach vorn gewandte Musik heute vergessen ist. Wie zum Beispiel das Werk von Heinz Tiessen. Der 1887 in Königsberg geborene und 1971 in Berlin gestorbene Komponist strebte ebenfalls nach einer „neuen, modernen Klassizität“ und entwickelte in großer 24


Daniel Lozakovich

Freiheit eine expressionistische Tonsprache, für die das Vorspiel zu einem Revolutions­ drama op. 33 von 1926 ein Beispiel ist: Tiessen erweitert die Tonalität, führt die Stimmen polyphon und versucht, ein „Maximum an Ausdruck“ zu erzielen. Ein gutes Beispiel für Busonis Aussage über Mozart ist Adagio und Fuge c-Moll KV 546: ein kühnes, freies Adagio, aber mit konsequenter Führung der Stimmen und eine Fuge, die in strenger Form höchste Freiheit erzielt. Auch Philipp Jarnach gehört zu den weitgehend vergessenen Musik-Denkern im Berlin des jungen Weill. 1921/22 gab Jarnach dem jungen Genie Unterricht mit Schwerpunkt auf Kontrapunkt – ein Fach, das formale Disziplin fördert – und verhalf ihm zu manchen hilfreichen Kontakten.

Jordan de Souza

Jarnachs Musik mit Mozart von 1935 passt zur Pflege der „Klassiker“, die sich die nationalsozialistische Kulturpolitik auf die Fahne geschrieben hatte, erfüllt aber keine ideologischen Vorgaben. Die Variationen über das Klaviertrio KV 542 E-Dur und über das Streichquintett KV 593 D-Dur von Mozart sind in vier Sätze unterteilt, die dem Bau einer Sinfonie entsprechen: Der Vorstellung der Themen im ersten Satz folgen ein Menuetto, ein Siciliano und ein rasantes Schlussrondo. Die prächtige Orchestrierung und die schwelgende spätromantische Tonsprache lassen das Vorbild Mozart nie aus dem Blick, der Boden der Tonalität wird nicht verlassen. Jarnach war sich bewusst, wie Walter Abendroth schrieb, „dass Substanz und Form als Maßstäbe bestehen bleiben, welchen Veränderungen und Umwälzungen auch die Mittel der Kunst unterworfen sein mögen“. Ein Revolutionär, aber nicht um jeden Preis. Erst 80 Jahre vor Busonis „umstürzlerischen“ Gedanken hatte das Violinkonzert op. 61 Ludwig van Beethovens seinen Durchbruch erlebt. Bei der Uraufführung 1806 war es seiner Zeit voraus. Beethovens Bestrebung, die Grenzen der Gattung zu erweitern oder zu überwinden, ohne traditionelle Formvorstellungen zu negieren oder aufzulösen, stieß auf Skepsis. „Unzusammenhängende und überhäufte Ideen“ war nur einer der Kritikpunkte. Auch damals war es so, dass wirklich neue Musik nicht überall auf Gegenliebe stieß und ihre Zeit brauchte, um sich durchzusetzen.

Anne Sofie von Otter und Wolfram Koch in

Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn! Ein Berlin-Abend

Musik-Kabarett mit Musik von Paul Dessau, Peter Kreuder, Theo Mackeben, Hanns Eisler und vielen mehr … Jetz buch t en PREMIERE 30. APR 2018 | 5. UND 9. MAI 2018 (030) 47 99 74 00

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Besetzung

Gesang: Rita Kapfhammer Violine: Martin Schulze & Christiane Thal Viola: Cenk Erbiner Violoncello: Gerald Manske Klavier: Reinhard Schmiedel & Wolfgang Kluge

Vorbereitung zur Eröffnung der Großen Berliner Kunstausstellung, Juni 1924

Programm

Heinz Tiessen (1887–1971) Duo-Sonate für Violine und Klavier op.35 Präludium ~ Andante quasi Adagio ~ Finale Allegro molto vivace Stefan Wolpe (1902–1972) Auszug aus Fünf Lieder nach Friedrich Hölderlin op. 1 Hälfte des Lebens ~ An Diotima ~ Diotima Max Butting (1888–1976) Auszüge aus 10 Kleine Stücke für Streichquartett op. 26 Sehr ruhig ~ Marsch ~ Ziemlich langsam, Sehr zart und träumerisch ~ Nicht zu schnell ~ Äußerst langsam ~ Schnell Hanns Eisler (1898–1962) Zeitungsausschnitte für Gesang und Klavier op.11 Liebeslied eines Kleinbürgermädchens – Heiratsannonce Liebeslied eines Grundbesitzers – Heiratsannonce Sonate für Klavier op.1 Allegro ~ Intermezzo. Andante con moto ~ Finale Allegro Kurt Weill (1900–1950) Songs aus Happy End Heilsarmee Song Was die Herren Matrosen sagen Der Song von Mandelay 1.Streichquartett op.8 Choralphantasie Andante non troppo Termine

V33 Sonntag | 04.03.2018 | 14:00 Uhr Bauhaus Dessau V45 Sonntag | 11.03.2018 | 11:00 Uhr Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

Novembergruppe

10 Jahre

Eine Rekonstruktion des Konzertes vom 24. Januar 1930

Unter dem Eindruck der revolutionären Umwälzungen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und des Kaiserreichs gründete sich im November 1918 eine Künstlergruppe, deren Mitglieder sich als „radikale bildende Künstler“ verstanden. Die Maler, Bildhauer, Architekten und Musiker wollten nicht, wie vorher oppositionelle Künstlergruppen wie die Berliner Secession, nur Einfluss auf die Kunst und die Kunstpolitik nehmen. Die Novembergruppe verstand sich in einem viel weiteren Sinn als gesellschaftliche und politische Kraft, die im neuen Staat an der Formung des Menschen teilnehmen wollte und für die entstehende Republik nach einer neuen Kunst suchte. Ab 1922 bestand eine von dem Musikwissenschaftler und Kritiker Hans Heinz Stuckenschmidt geleitete, äußerst aktive Musiksektion. Zu ihren Mitglieder gehörten nach den äußerst lückenhaften Quellen neben Kurt Weill Komponisten und Musiker wie George Antheil, Max Butting, Hanns Eisler, Jascha Horenstein, Philipp Jarnach, Hermann Scherchen, Heinz Tiessen, Wladimir Rudolfowitsch Vogel oder Stefan Wolpe. Am 24. Januar 1930 feierte die Ansprüche gingen mit dem Novembergruppe verspätet ihr zehnjähriges Bestehen mit einem einher, Konzert, bei dem Werke von ButKunst im Rahmen der ting, Eisler, Jarnach, Tiessen, Vogel, Weill und Wolpe aufgeführt politischen und kulturellen wurden – allesamt den „üblichen aufzuwerten. Konzertprogrammen entgegenstehende und experimen­telle Wer- Nils Grosch ke“, wie eine Einladung zu einem Konzert im Jahr 1931 formuliert. Nicht alle damals aufgeführte Musik ist erhalten oder greifbar. Bis auf die Beiträge von Jarnach und Vogel sind aber alle beteiligten Komponisten in der Rekonstruktionsfassung des Konzerts berücksichtigt, unter ihnen Kurt Weill mit dem expressionistisch aufgeladenen dritten Satz („Choralphantasie“) aus seinem 1923 entstandenen Streichquartett op. 8 und mit Liedern aus der 1929 uraufgeführten satirischen Komödie Happy End.

Wunsch

Realität

Die Veranstaltung V45 ist eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale).

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Die im Dezember 1918 in Berlin gegründete „Novembergruppe“ ist eine faszinierende Zusammenkunft von VertreterInnen verschiedenster Kunstgattungen wie der bildenden Künste, Musik, Architektur, Literatur und des Tanzes, die bis 1933 zahlreiche, in ganz verschiedene Richtung weisende Aktivitäten entwickelten. Ihr gemeinsames Ziel lässt sich heute vielleicht am besten als eine soziale Umcodierung der künstlerischen Moderne mit allen ihren verschiedenen Ausrichtungen auf die Verhältnisse der Nachkriegszeit und der Weimarer Republik verstehen. Zugleich sollten die Optionen, die die Weimarer Republik mit sich brachte, im Sinne einer veränderten Kunstauffassung genutzt, ausgelotet und nicht zuletzt herausgefordert werden. Als KünstlerIn an der Neuordnung der Welt mitzuarbeiten und sich in Entscheidungen auch der (Kultur-)Politik einzubringen, solche Ansprüche gingen mit dem Wunsch einher, Kunst im Rahmen der politischen und kulturellen Realität aufzuwerten. Dazu gehörte das Eindringen in institutionelle, edukative und mediale Strukturen, mit dem Ziel, zu einer neuartigen kulturpolitischen Einfassung von zeitgenössischer Kunst, ja zu einer Synthese von Massenkommunikation und Avantgarde zu gelangen. Im wissenschaftlichen Symposium der Kurt-Weill-Gesellschaft werden neue Erkenntnusee, insbesondere bezüglich des interdisziplinären Zusammmenwirkens der Künste, ihrer Institutionalisierung und Einbettung in die gesellschaftlichen und kultur­ politischen Erneuerungsprozesse, vorgestellt, zugleich aber auch die Grenzen dieser historischen Dynamik ausgelotet. Ablauf

09:00 Eröffnung Thomas Markworth (Präsident der Kurt-Weill-Gesellschaft) Nils Grosch (Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats) Keynote Andrea Gottdang: Von der Schwierigkeit, Volk und Kunst zu vermischen. Die Ausstellungsführer der Novembergruppe, 1919-1924 10:00–11:30 Panel 1 – Avantgarde und Aufbruch Janina Nentwig: „Outsider und Bahnbrecher“ – Die Ausstellungen der Novembergruppe Gloria Köpnick: „Für das Schaffen der Lebenden“ – Die Oldenburger Vereinigung für junge Kunst (1922–1933) Franziska Lampe: Der Holzschnitt als visuelle Strategie in Gründungsmanifesten im Jahr 1919 11:45–13:15 Panel 2 – Protagonisten Günter Agde: Die rätselhafte Wanderung der Phantasie in die Agitation – der Maler und Graphiker Oskar Fischer (1892–1955) Sara Beimdieke: „Der Netzwerker – George Antheils Verhältnis zur Novembergruppe“. Andreas Eichhorn: Paul Bekker und die Novembergruppe 13:15–14:30 Pause 14:30–16:00 Panel 3 – Massenkultur Sigrid Brandt: „Land – Stadt – Sport. Zwei Architekturen für die Massen“ Nils Grosch: Novembergruppe, Musik, Avantgarde und Populäre Kultur Andreas Zeising: „Arthur Segal und die Kunst der Vermittlung“ 16:15–17:45 Panel 4 – Der absolute Film Francesco Finocchiaro: Der absolute Film: The role of musical metaphors in the aesthetic manifesto of abstract cinema Eva Krivanec: Optische Musik / Malerei mit Zeit: Max Butting, Walter Ruttmann und der erste abstrakte Animationsfilm Lichtspiel Opus 1 Isabel Wünsche: „Der Absolute Film” – Matinee der Novembergruppe und Ludwig Hirschfeld-Macks Reflektorische Farbenspiele 27

Novembergruppe Berlin 1918–2018.

Internationales Symposium der Kurt-Weill-Gesellschaft Termin

Samstag | 03.03.2018 | 09:00 Uhr Meisterhaus Muche


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Das jüdische Leben in Dessau reicht fast 350 Jahre zurück. Seit 1672 bestand eine jüdische Gemeinschaft, ermöglicht durch einen Schutzbrief von Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau. Er genehmigte auch die Einrichtung eines Friedhofs und den Bau einer Synagoge. Schon im 18. Jahrhundert brachte die Gemeinde bedeutende Denker hervor: Der Rabbiner David Fränkel war Lehrer des jungen Moses Mendelssohn, später als Philosoph ein bedeutendes Mitglied aufklärerischer Kreise in Berlin und Großvater von Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdy. 1782 schrieb Rabbiner Wolf Abraham Nathan die reformerischen „Grundsätze der jüdischen Religion“, eine der ersten jüdischen Religionslehren in deutscher Sprache. David Fränkel, Großneffe des Rabbiners, gründete Anfang des 19. Jahrhunderts eine „Israelitische Hauptund Freyschule“ und eine jüdische Töchterschule. 1818 lebten unter den 9.136 Einwohnern Dessaus 807 Juden. In Zuge des Emanzipationsprozesses erhielten sie immer mehr Freiheiten, obwohl sie sich auch gegen antisemitische Ausfälle wehren mussten. Die Verfassung von Anhalt-Dessau-Köthen legte 1848 die Gleichberechtigung aller Konfessionen fest und hob alle diskriminierenden Beschränkungen für Juden auf. Sabine Schneider schreibt in ihrer Arbeit über das jüdische Leben im Dessau des vorletzten Jahrhunderts: „Die fortschrittliche Tradition der Dessauer jüdischen Gemeinde hatte die weitgehende Assimilation begünstigt und zu einer gleichberechtigten und integrierten Stellung der Juden beigetragen. Sie waren kulturell, sozial und politisch angepasst, gehörten Kultur- und Sportvereinen an, nahmen an der Politik teil und zeichneten sich als Freiberufler aus. Am Wirtschaftsleben der Stadt hatten sie namentlich als Kaufleute und Unternehmer bedeutenden Anteil, da die weitaus größte Zahl der erwerbstätigen Gemeindemitglieder in diesem Bereich beschäftigt war.“ Dank vieler Stiftungen und einer Erbschaft der Baronin Julie von Cohn-Oppenheim, Tochter des Bankiers Moritz Cohn, gehörte die Dessauer Gemeinde Anfang des 20. Jahrhunderts zu den reichsten in Deutschland. Äußerer Ausdruck war die 1908 eingeweihte Synagoge im romanisch-byzantinischen Stil an der Steinstraße. Bereits 1932 begann der Terror gegen die rund 400 Juden in Dessau, 29

angezettelt von der aus NSDAP und konservativen Koalitionspartnern bestehenden Landesregierung, die u.a. auch das Bauhaus schließen ließ. Synagoge und Gemeindehaus wurden beim Pogrom vom 9. November 1938 in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte geplündert und jüdische Männer ins KZ Buchenwald verschleppt. 1945 lebten von den Dessauer Juden noch elf Frauen und ein Mann. Zwei Jahre später gründete sich eine Israelitische Religionsgemeinschaft mit 16 Mitgliedern. Heute hat die Gemeinde rund 320 Mitglieder; der Bau einer neuen Synagoge ist geplant. Der Anstoß kam durch die KurtWeill-Gesellschaft 2014, die der Gemeinde 2014 einen Bauentwurf schenkte. Im November 2018 soll der Grundstein gelegt werden. Die Synagoge soll den Namen von Kurt Weill tragen, dessen Vater Albert von 1898 bis 1920 Kantor und Religionslehrer in Dessau war. Der Vater Kurt Weills veröffentlichte 1893 SynagogenGesänge für Kantor und Männerchor und steht damit in der großen Tradition jüdischer Sakralmusik. Deren Wurzeln lassen sich bis in biblische Zeiten zurückführen. Im Zweite Buch Mose (Exodus), im Kapitel 15,20-21 ist der Text eines der ältesten biblischen Lieder überliefert, gesungen von der Prophetin Mirjam: „Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben! Rosse und Wagen warf er ins Meer.“ Religion und Musik sind im Judentum so eng miteinander verwachsen, dass fast nur singend gelesen und gebetet wird. Der rituelle Vortrag ist durch ein kompliziertes System von strengen musikalischen Regeln und genau festgelegten Motiven (Kantillationen) organisiert. Seine Ursprünge reichen bis in mündliche Überlieferungen aus biblischer Zeit zurück. Viele Gebete werden mit improvisierter Musik vorgetragen. Die Gesänge der Vorbeter sind virtuos entwickelt und ausgiebig ornamentiert. Die homophone Musik wird erst seit dem 17. Jahrhundert durch kurze Chorbeiträge ergänzt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich vor allem in liberalen Gemeinden eine musikalische Tradition, die ihre jüdischen Wurzeln mit moderner geistlicher Musik verband. Das Konzert mit Musik aus dem Leipziger „Tempel“ zeigt, wie sich jüdische Sakralmusik „hinein in den Stil unserer Zeit“ entwickelt hat.


Kurt Weill im Kreise seiner Familie

Besetzung

Erzähler: Gerhard Kämpfe Gitarre: Karsten Troyke Termin

V17 Donnerstag | 01.03.2018 | 20:30 Uhr Foyer des Alten Theaters Dessau

Gott lacht mit seinen Geschöpfen Ein humorvoller Blick auf das jüdische Leben Gott lacht mit seinen Geschöpfen, nicht über seine Geschöpfe – so steht es im Talmud. Und Paul Spiegel, der 2006 verstorbene Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, schrieb einst: „Jüdischer Humor war und ist die schönste Waffe einer Minderheit, denn Humor tötet nicht.“ Eine spezielle Ausprägung dieses Humors stellt der jüdische Witz dar. Er ist tiefer, bitterer, schärfer, vollendeter und dichterischer als der Witz anderer Völker. Ein jüdischer Witz ist niemals Witz um des Witzes willen, immer enthält er auch eine religiöse, politische, soziale oder philosophische Kritik, nicht selten auch Selbstkritik. Er ist faszinierend, denn er ist Volks- und Bildungswitz zugleich, jedem verständlich und doch voll tiefer Weisheit. Von dem unvergessenen jüdischen Liedermacher und Kabarettautor Georg Kreisler stammen die Sätze: „Jedes Wort hinterlässt eine Spur. Für die Spuren sind wir verantwortlich. Eine große Kraft, man muss sie richtig ausnützen. Also: Darf Unterhaltung politisch sein? Sie darf, sie kann, sie soll.“ Voilà.

Berlin 1934. Das Telefon läutet. „Kohn am Apparat.“ „Hier Schmidt. Ich habe wohl falsch gewählt.“ Darauf Kohn: „Macht nichts, das haben wir wohl alle.“

Als Sohn einer jüdischen Mutter wuchs auch Gerhard Kämpfe mit entsprechenden Witzen und heiteren Anekdoten auf. Eine Auswahl davon, ergänzt durch Texte von Kurt Tucholsky bis Ephraim Kishon, präsentiert der Intendant der Jüdischen Kulturtage Berlin sowie des Kurt Weill Festes in diesem Jahr erstmalig im Foyer des Alten Theaters. Den musikalischen Teil des Abends bestreitet der Berliner Schauspieler, Sänger und Liedermacher Karsten Troyke. Er zählt zu den führenden Interpreten jiddischen Liedguts, mit seinen Programmen gastierte er in zahlreichen Ländern, darunter auch Israel und die USA. 30


Albert und Emma Weill

Zu Gast bei der Jüdischen Gemeinde zu Dessau Programm

Begrüßung: Dr. Alexander Wassermann Vortrag: Elisha Portnoy Musik: Trio Cannelle Termin

V08 Sonntag | 25.02.2018 | 11:00 Uhr Synagoge in Dessau

Im Stadtbild des 19. Jahrhunderts waren Synagogen nicht nur jüdische Bethäuser. Ab 1850 waren sie vor allem der gebaute Anspruch einer Gemeinschaft auf Integration im Sinne des Bürgerrechts. Der Vater Kurt Weills, Albert Weill, übernahm 1899 die Kantorenstelle der Gemeinde. Mutter Emma erinnerte sich 1955: „Und in diesem Haus, das nebst der riesengroßen Synagoge ein Geschenk der Baronin v. CohnOppenheim an die Gemeinde in Dessau gewesen war, nebst einem großen Gebäude für alle Gesellschaften, da konnte dann der liebe Kurt seine fleißigen und glücklichen Jugendjahre verbringen.“ (Aus den Erinnerungen Emma Weills, 1955). Heute hat die Jüdische Gemeinde rund 330 Mitglieder und kann auf eine lange Tradition zurückschauen: Sie wurde 1621 gegründet. Die Kurt-Weill-Gesellschaft be­müht sich gemeinsam mit der Gemeinde um einen offenen Dialog in Zeiten der Ab­grenzungen und den Neubau der Synagoge. Die Besucher erwartet ein Vormittag mit musikalischen und kulinarischen Variationen und einer Einführung in das jüdische Leben.

Mendelssohnpreis 2018 Termin

Sonntag | 25.02.2018 | 11:00 Uhr Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau Hinweis

Tag der offenen Tür der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft Moses Mendelssohn Zentrum, Bauhaussiedlung Törten Samstag | 24.02.2018 | 10:00–17:00 Uhr

Moses Mendelssohn ist wie Kurt Weill ein Sohn Dessaus. Anlässlich seines 200. Geburtstags wurde am 06. September 1929 die „Moses-Mendelssohn-Stiftung zur Förderung der Geisteswissenschaften“ gegründet. Herausragende Persönlichkeiten, wie u.a. Albert Einstein und Hugo Junkers, ehrten damit Leben und Werk Mendelssohns. Die Stiftung will öffentliche Debatten anstoßen, befördern und Brücken schlagen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur. Durch geisteswissenschaftliche Forschungen, ganz im Sinne Moses Mendelssohns, will die Stiftung Grundlagen für ein friedliches und auf gegenseitiger Achtung beruhendes Zusammenleben der Menschen setzen. Der alle zwei Jahre vergebene Preis der Stiftung geht 2018 an Ismar Schorsch. Ismar Schorsch wurde 1935 in Hannover als Sohn des Rabbiners Emil Schorsch geboren. Nach der Emigration, die die Familie über England in die USA führte, studierte Schorsch Geschichte und wurde am Jewish Theological Seminary (JTS) in New York, dem er später von 1986 bis 2006 als Kanzler vorstand, als Rabbiner ordiniert. An der Columbia University promovierte er mit der preisgekrönten Schrift „Jewish Reactions to German Antisemitism 1870 to 1914“. Die Dissertation befasst sich mit der Vielfalt der jüdischen Antworten auf den modernen Antisemitismus in Deutschland und rekonstruiert so eine Relaisstelle jüdischer und deutscher Geschichte, deren Komplexität nach der Katastrophe des Dritten Reichs außer Sicht geraten war. Schorschs Einsatz für den israelisch-palästinensischen Friedensprozess an der Seite von Bill Clinton machte ihn in den 1990er Jahren einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Als Ehrenpräsident des Leo Baeck Institute in New York hat Schorsch die Geschichte der deutsch-jüdischen Literatur und Kultur und damit die Erbschaft Moses Mendelssohns zu einem wesentlichen Teil seiner wissenschaftlichen und politischen Agenda gemacht.

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Love Life Ein Vaudeville von Kurt Weill & Alan Jay Lerner Deutschsprachige Erstaufführung

THEATER.FREIBURG.DE

OPER

ADELIA

MELODRAMMA SERIO VON GAETANO DONIZETTI DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG Musikalische Leitung: Florian Ziemen | Regie: Guillermo Amaya Mit Kim-Lillian Strebel in der Titelpartie

ab 10. März 2018 TfN · Theater für Niedersachsen, Hildesheim Tickets: 05121 1693-1693 | www.tfn-online.de | bei allen bekannten VVK-Stellen

21.—28. Oktober 2018 www.filmmusiktage.de


Besetzung

Mahnmale

Dirigent: GMD Markus L. Frank Bariton: Bjørn Waag Opernchor des Anhaltischen Theaters Dessau

Im Gedenken an die Zerstörung der Stadt Dessau am 07. März 1945

Anhaltische Philharmonie Dessau Programm

Johannes Brahms (1833–1897) Schicksalslied op. 54 Vier ernste Gesänge op. 1211 Denn es gehet dem Menschen Ich wandte mich, und sah an O Tod, wie bitter bist du Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete Albert Weill (1867–1950) Synagogen-Gesänge a cappella Arnold Schönberg (1874–1951) Ein Überlebender aus Warschau op. 46 Gustav Mahler (1860–1911) Adagio aus der 10. Sinfonie 1 Bearbeitung für Orchester: Christian Hammer (*1959)

Termine

V36 Donnerstag | 08.03.2018 | 19:30 Uhr Anhaltisches Theater Dessau V38 Freitag | 09.03.2018 | 19:30 Uhr Anhaltisches Theater Dessau Hinweis

Konzerteinführung 18:30 Uhr im Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau Ein ausführliches Programmheft zur Veranstaltung erhalten Sie im Anhaltischen Theater Dessau

„Hoffnung gibt es da keine. Des Menschen Schicksal ist trostlos, der Tod bitter. Alles, was ist, wird zu Staub.“ Johannes Brahms hat in seinem Schicksalslied op. 54 und den Vier ernsten Gesängen op. 121 Texte komponiert, deren pessimistischer Grundton in seinem unerbittlichen Ernst keinen Trost zuzulassen scheint. Brahms hat zur Zeit der Komposition 1896 „recht viel über den Tod nachgedacht“; in den Jahren zuvor hatte er geliebte Menschen wie seine Schwester Elise und den Dirigenten Hans von Bülow verloren; der Tod Clara Schumanns war nach einem Schlaganfall in greifbare Nähe gerückt. Und doch setzt Brahms nach drei tief resignativen Texten aus dem Alten Testament den Lobpreis von Glaube, Hoffnung und vor allem Liebe aus dem 13. Kapitel des Paulusbriefes an die Korinther ans Ende: Die Liebe bleibt und ohne Liebe ist alles nichts. Eine Aussage, die Paulus fest mit dem Glauben verbindet, dass jetzt noch bruchstückhaftes Erkennen einst durch ein vollkommenes abgelöst werde. Brahms lässt in dem lichten Schluss mit der Aufhellung nach Es-Dur der Hoffnung eine Chance. Ebenso im Schicksalslied, in dem er den leidvollen dualistischen Kontrast im Gedicht aus Friedrich Hölderlins „Hyperion“ nicht abmildert, aber in einem instrumentalen Nachspiel, einem Adagio-Epilog in leuchtendem C-Dur, wort- und begriffslos relativiert. Auch hier öffnet Brahms zumindest die Möglichkeit zum Hoffen. Die furchtbare Szene, die Arnold Schönberg den Erzähler in seinem 1947 entstandenen Melodram Ein Überlebender aus Warschau op. 46 berichten lässt, hat er von Menschen gehört, die der Hölle von Warschau entrinnen konnten. Hoffnung bleibt auf dem Weg in die Gaskammer keine, aber wenn die Opfer plötzlich beginnen, das „Sch’ma Israel“ zu singen, bekennen sie sich im Namen Gottes zu einer Wirklichkeit, die größer ist als die Grausamkeit der industriellen Menschenvernichtung ihrer Peiniger. Auch die eröffnenden Synagogen-Gesänge, die Kurt Weills Vater Albert als Kantor der jüdischen Gemeinde von Eichstetten am Kaiserstuhl 1893 veröffentlichte, enthalten das jüdische Glaubensbekenntnis an den einen Gott, der – wie es an anderer Stelle in der Bibel heißt – kein Gott der Toten, sondern der Lebenden ist.

Eine Produktion des Anhaltischen Theaters Dessau im Rahmen des Kurt Weill Festes Dessau.

Das Konzert der Anhaltischen Philharmonie gedenkt der Zerstörung der Stadt Dessau im schlimmsten der 20 Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs am 7. März 1945 mit mindestens 668 Todesopfern. 33


Besetzung

Sopran: Anja Pöche Alt: Susanne Langner Kantor: Amnon Seelig Violine: Henrik Hochschild Orgel: Ullrich Böhme & Ulrich Vogel Musikalische Leitung: Ludwig Böhme Leipziger Synagogalchor

Klingende

Toleranz

Kammerchor Josquin des Préz Programm

Rekonstruktion eines Synagogenkonzertes vom 14. März 1926

Johann Sebastian Bach (1685–1750) Fantasie g-Moll BWV 542 Nr. 1 Salomone Rossi (um 1570–1630) Al naharot bawel (Psalm 137) Lamnazeach al hagitit (Psalm 8) Georg Friedrich Händel (1685–1759) Auszug aus dem Oratorium Deborah HWV 51 Geh’ dort zu züchtigen Vor Gottes Angesicht sinkt Tyrannenpracht in Staub Arcangelo Corelli (1653–1713) La Follia Sonate op. 5 Nr. 12 d-Moll Louis Lewandowski (1821–1894) Ma towu

Leipziger Synagogalchor

Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde in Leipzig – und nicht nur dort – ein Musikleben praktiziert, das keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden kannte. Synagogenchor und Thomaner, jüdische Kantoren und Professoren der Musikhochschule musizierten gemeinsam Johann Sebastian Bach und Louis Lewandowski, Georg Friedrich Händel, Salomone Rossi, Arnold Mendelssohn und Samuel Lampel. Als Konzertort diente die große liberale Synagoge in Leipzig, die damals „Tempel“ genannt wurde.

Samuel Lampel (1884–1942) Tauw l’haudauß (Psalm 92) Salomon Jadassohn (1831–1902) Motette op. 128 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen (Psalm 121) Arnold Mendelssohn (1855–1933) Motette op. 81 Nr. 1 Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird Felix Mendelssohn Bartholdy Auszug aus dem Oratorium Paulus op. 36 Jerusalem! Jerusalem, die du tötest die Propheten Zwei geistliche Lieder für Alt, Chor und Orgel Lass, o Herr, mich Hilfe finden Herr, wir trau’n auf deine Güte

So wurden Konzerte veranstaltet, die, dank des Engagements des damaligen Dirigenten Barnet Licht, großen Zuspruch fanden. Es fand ein „Miteinander“ statt, das sich aus guter Musik, brillanter Darbietung und toleranter Haltung speiste. Die überzeugenden Konzertprogramme erreichten nicht nur die Mitglieder der jüdischen Gemeinde, sondern auch nichtjüdische Musikliebhaber. Sie alle hörten dadurch die Musik der Synagoge. Mit dem Niederbrennen des Tempels in der Reichspogromnacht wurde dieser Kultur endgültig ein Ende gemacht. Gotteshaus, Musikleben und Noten wurden ausgelöscht. Ein Konzertprogramm vom 14. März 1926 ist vollständig erhalten geblieben. Mit der Wiederaufführung dieses Programms soll das „Miteinander“ von damals zum Klingen gebracht werden. Es soll uns zu Offenheit ermutigen, Interesse an synagogaler Musik wecken – und vor allem durch seine Musik begeistern.

Termin

V42 Samstag | 10.03.2018 | 19:30 Uhr Petruskirche Dessau

Das Konzert am 14. März 1926 fand „zum Besten der Wohlfahrtspflege innerhalb der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig“ statt. Doch zugleich sollte es einem weiteren – gleichfalls sozialen – Anliegen dienen: Leipzigs Bürger und Gäste, gleich welchen Glaubens, waren eingeladen, eigene Eindrücke von der Kultur des „Tempels“ zu sammeln. Den Organisatoren ging es darum, durch Begegnung Vorbehalte oder Vorurteile abzubauen. Mit den Werken von Louis Lewandowski und Samuel Lampel wurde Musik vorgestellt, wie sie in den Gottesdiensten im „Tempel“ erklang: Ma towu und Tauw 34


l’haudauß sind Bearbeitungen historischer Melodien nach dem Vorbild europäischer Kompositionen. Auch Salomon Jadassohn hatte wiederholt für den „Tempel“ geschrieben. Seine Werke erklangen aber ebenso in evangelischen Gotteshäusern wie der Thomaskirche oder in Konzertsälen. Die Motette Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen op. 128 nimmt einen Vers aus Psalm 121 auf.

Kammerchor Josquin des Préz

Max Jaffé, Kantor am „Tempel“, charakterisiert die Musik Samuel Lampels, des Schöpfers von Tauw l’haudauß, 1928 als moderne Musik im Stil der Zeit: „Von der Orgelempore und der Orgel her drangen an das Ohr der betenden Gemeinde mit einem Male Melodien und Harmonien, die aufmerken ließen, die nicht mit ‚süßem Schmelz‘ beinahe einlullend wirkten, wie man’s jahrelang gewohnt war, sondern die mit herben Intervallen, mit kräftigen Akkorden, mit farbigem Wechsel der Tonarten hier die Ergriffenheit eines gottdurchdrungenen Beters, dort den Schrei eines unerschütterlichen Herzens wiedergaben. Diese Tonsprache des Gottesdienstes führte hinaus aus der Sanftheit und Weichheit der Alten … hinein in den Stil unserer Zeit.“ Besonders lagen den damaligen Veranstaltern die Werke Salomone Rossis am Herzen. Von ihm erklingen zwei Psalmen, Al naharot bawel (Psalm 137) und Lamnazeach al hagitit (Psalm 8). Kennzeichen der Musik des viel zu wenig bekannten Komponisten, der zur Zeit Claudio Monteverdis am Hofe zu Mantua wirkte, war die sorgfältige Durcharbeitung im Sinne des großen katholischen geistlichen Meisters Giovanni Pierluigi da Palestrina. Dirigent Barnet Licht widmete im Vorfeld der Aufführung dem kaum bekannten Rossi einen engagierten Artikel. Mit Musik von Johann Sebastian Bach, Arcangelo Corelli, Georg Friedrich Händel und Felix Mendelssohn Bartholdy ging die Programmplanung weit über synagogale Musik hinaus. Die Vielfalt des Schaffens jüdischer Musiker sollte als Teil europäischer Kulturentwicklung begreifbar gemacht und zugleich Beispiele für die wechselseitigen Berührungspunkte und Einflüsse verschiedener kultureller Traditionen vorgestellt werden.

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Als Kurt Weill 1918 nach Berlin ging, war er ein hochgebildeter junger Mann, in Dessau aufgewachsen in einer Stadt mit regem Geistesleben, geprägt von einer jüdischen Gemeinde mit gewichtiger Bildungstradition, aufgeklärt denkenden Fürsten und einer dynamischen industriellen Entwicklung. Persönlichkeiten wie Weill sind ohne den Humus einer breit angelegten Bildung nicht denkbar, auf dem sie wachsen und sich entfalten können. Dessau steht in einer Reihe mit anderen Städten in Sachsen-Anhalt, aus denen wissenschaftliche und künstlerische Impulse weit über die Landesgrenzen hinaus wirksam wurden. In der Musik ist in Dessau zum Beispiel an den hier geborenen Karl-Heinz Kämmerling zu denken. Der 2012 gestorbene Klavierpädagoge war der Doyen unter den weltweit renommierten Ausbildern für den pianistischen Nachwuchs. Oder in Halle an Georg Friedrich Händel und in Magdeburg an Georg Philipp Telemann, die zu den wichtigsten Komponisten des 18. Jahrhunderts gehören. Doch die Ausstrahlung des mitteldeutschen Raums, greifbar schon im 9. Jahrhundert und unter den ottonischen Kaisern zu einer ersten Blüte gelangt, beschränkt sich nicht auf die Musik. Von den Universitäten in Wittenberg und Halle aus verbreitete sich reformatorisches und aufklärerischen Gedankengut; die Franckeschen Stiftungen in Halle hatten internationale Vorbildwirkung in der religiös geprägten Pädagogik und modernen Sozialarbeit. Das Kurt Weill Fest begibt sich im Gefolge dieser Bildungstraditionen auf Spurensuche ins geschichtsträchtige Francisceum in Zerbst, ins Stadtmuseum Halle, einst Haus des Aufklärers Christian Wolff, in die Synagogen in Gröbzig und Halle als Zeugen jüdischer Glaubens- und Bildungsgeschichte und in den Eichenkranz in Wörlitz, ein historisches Gasthaus, in dem Dichter wie Friedrich Hölderlin, Novalis oder Ludwig Tieck abgestiegen sind, um im Gartenreich von Wörlitz zu sehen, wie sich Natur und Aufklärung zu einem Kunstwerk eigener Prägung zusammenfügen. 37


Auf dem Weg zur Bildung

1. Teil der Spurensuche durch Sachsen-Anhalt

Besetzung

12 Cellisten der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig unter der Leitung von Prof. Peter Bruns Programm

Johann Pachelbel (1653–1706) Variationen über den Kanon D-Dur Zoltan Kodaly (1882–1967) Drei Trios Robert Schumann (1810–1856) Fuge über den Namen „BACH“ op. 60 Nr. 6 B-Dur Kurt Weill (1900–1950) Zuhälterballade Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Orgelsonate d-Moll op. 65 Nr. 6 „Vater unser im Himmelreich“ für 8 Violoncelli Comedian Harmonists Mein kleiner grüner Kaktus Fred Raymond (1900–1954) Die Juliska aus Budapest Max Bruch (1838–1920) Kol Nidrei op. 47 Adagio nach hebräischen Melodien Julius Klengel (1859–1933) Hymnus für 12 Violoncelli op. 57 Andante cantabile Niccolò Paganini (1782–1840) „Moses-Variationen“ über ein Thema von Rossini

Bildung ist eine wesentliche Voraussetzung, damit der Mensch ganz im Sinne Immanuel Kants aus seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ heraustreten und sich zum Individuum entwickeln kann. Im letzten Jahr hat das Kurt Weill Fest bei seiner Klang- und Zeitreise zur Geschichte Sachsen-Anhalts Themen wie das freie Philosophieren und die kritische Theologie, die humanistische Bildung und die denkerische Freiheit oder die Rolle von Christentum, Judentum und Reformation ins Blickfeld gerückt. Bei der Spurensuche durch Sachsen-Anhalt geht es um Bildung, Glauben, aber auch um vermeintliche oder tatsächliche Irrwege des Denkens. Das Francisceum in Zerbst und das Stadtmuseum in Halle sind zwei „Hotspots“ bei der Frage nach Bildung: Seit 1991 wieder ein Gymnasium, hat das Francisceum eine mehr als 800 Jahre zurückreichende Geschichte – von der Klosterschule der Franziskaner über mehr als 300 Jahre als Anhaltische Landesuniversität bis zur Stadtschule Fürst Leopold III. Friedrichs ab 1836. Das Christian-Wolff Haus als Teil des Stadtmuseums Halle ist das einzige Gelehrtenhaus, das von der gerühmten „halleschen Professorenstraße“ des 18. Jahrhunderts besichtigt werden kann. Hier empfing der Philosophieprofessor Christian Wolff (1679–1754) seine Studenten. Kaum ein anderer Gelehrter hat auf die Bildung seiner Zeit und über die Grenzen des Landes hinaus eine vergleichbare Wirkung erzielt. Zu Recht verstand er sich als „Professor universi generis humani“ – Lehrer des ganzen Menschengeschlechts. Ein Kontor der Gelehrsamkeit eröffnete ein Anhänger Wollfs am gleichen Ort. Johann Justinus Gebauer Christian Wolff, 1713

Der Mensch hat nichts Vortrefflicheres von Gott empfangen, als seinen Verstand.

38


TerminE

(1710-1772) begründete den Ruf des einst bedeutenden Druckerei- und Verlagshauses Gebauer und Schwetschke. Europaweit verbreitete sich Wissen mit seinen Editionen – von der ersten Gesamtausgabe der Werke Martin Luthers bis zu Bänden der 1744 bis 1814 herausgebrachten „Allgemeinen Welthistorie“. Das Vertrauen auf die uneingeschränkte Macht der Vernunft speist im Zeitalter der Aufklärung den allgemeinen Wissens- und Bildungsdrang. Bildung manifestiert sich als hohes Ideal bürgerlicher Selbstbestimmung in vielfältig praktizierten Formen von Geselligkeit.

Unsere Gelübde seien keine Gelübde, unsere Schwüre keine Schwüre.

Die Studierenden der Klasse von Prof. Peter Bruns an der Hochschule für Musik und Theater „Felix MendelssohnBartholdy“ Leipzig nähern sich in ihrem Konzert der musikalischen Entwicklung an, wie sie von der Zeit Johann SebastiKol Nidre, Jüdisches Gebet an Bachs bis hin zu Kurt Weill in stetiger Wechselwirkung mit den geistesgeschichtlichen Entwicklungen der jeweiligen Epoche erlebbar ist. Von den drei Cellotrios von Zoltán Kodály aus steigert sich die Zahl der Musiker über Schumann, Mendelssohn Bartholdy, Paganini und Bruch bis hin zu Julius Klengels Hymnus für 12 Violoncelli op. 57. Natürlich darf Kurt Weill nicht fehlen: Die Musiker aus Leipzig präsentieren die Zu­hälterballade, bearbeitet für sieben Violoncelli.

V04 Samstag | 24.02.2018 | 14:00 Uhr Francisceum Zerbst V09 Sonntag | 25.02.2018 | 14:00 Uhr Stadtmuseum Halle (Saale) Hinweis

Busshuttle Dessau –– Zerbst ab 12 Uhr Treffpunkt: Theatervorplatz Rückfahrt nach Veranstaltungsende Fahrpreis: € 14 um Anmeldung wird gebeten Eine Einführung zum Thema erhalten Sie während der Busfahrt

Stadtmuseum Halle: 13:00 Uhr Führung „Geselligkeit und die Freyheit zu philosophieren“

Die Veranstaltung V09 ist eine Kooperation mit dem Stadtmuseum Halle (Saale). Mit freundlicher Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.

Geselligkeit und die Freyheit zu philosophieren Folgen Sie uns im Professorenhaus von Christian Wolff ins Zeitalter der Aufklärung - an den Ursprung der Moderne!

Große Märkerstraße 10 · 06108 Halle (Saale) Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr

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Auf dem Weg zum Glauben

2. Teil der Spurensuche durch Sachsen-Anhalt

Besetzung

Jüdische Kantorin: Chasan Jalda Rebling Violine: Sayako Kusaka Violoncello: Peter Bruns Klavier: Annegret Kuttner Programm

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Lieder ohne Worte op. 19 Nr. 4 Moderato Lieder ohne Worte op. 109 Andante con moto Sonate für Violine F-Dur (1. Fassung, 1838) Allegro vivace Sonate für Violoncello und Klavier D-Dur, op. 58 Allegretto scherzando ~ Adagio Klaviertrio d-Moll op. 49 Molto allegro ed agitato ~ Andante con moto tranquillo ~ Scherzo – Leggiero e vivace ~ Finale – Allegro assai appassionato Lieder ohne Worte op. 19 Nr. 1 Andante Termine

V24 Samstag | 03.03.2018 | 14:00 Uhr Synagoge Gröbzig V32 Sonntag | 04.03.2018 | 14:00 Uhr Synagoge Halle (Saale)

Felix Mendelssohn Bartholdy, der „Mozart des 19. Jahrhunderts“, einer der am meisten bewunderten aber auch übel verleumdeten und verfemten Komponisten, ein Multitalent und rastloser Arbeiter, früh vollendet und bald – schon mit 38 Jahren – verstorben, ist der Begleiter auf dem „Weg zum Glauben“ beim zweiten Teil der „Spurensuche durch Sachsen-Anhalt“. Prof. Peter Bruns und Chasan Jalda Rebling spüren den musikalischen und geistigen Traditionen nach, in denen der junge Felix aufwuchs und die seine ersten musikalischen Eindrücke prägten. Dazu werden orthodoxe Tunes gesungen, die mit den Kammermusikwerken verknüpft sind, sodass die eigentliche Herkunft der Melodien aufscheint. Die Wurzeln dieser geistigen Heimat reichen nach Dessau: Dort wurde 1729 Moses Mendelssohn geboren, gläubiger Jude, Philosoph und Aufklärer und nach Gotthold Ephraim Lessings Beschreibung „ebenso witzig als gelehrt und rechtschaffen“. Als ein Vorreiter der jüdischen Emanzipation vertrat er die Auffassung, Staat und Religion seien streng zu trennen, der individuelle Glaube von jedem Zwang frei zu halten. Sein Sohn Abraham, der Vater von Felix Mendelssohn Bartholy Felix, gehörte als reicher Bankier zur Berliner Oberschicht, seine Frau Lea Salomon kam aus einer der wohlhabendsten jüdischen Familien Berlins. Abraham Mendelssohn und seine Familie konvertierten, nahmen den Beinamen Bartholdy an, ließen sich taufen und erzogen ihre Kinder in evangelischem Geist. Hier liegt eine der geistigen Wurzeln Felix Mendelssohn Bartholdys.

Es wird so viel über Musik gesprochen und so wenig gesagt.

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Unter dem Einfluss der hochmusikalischen Mutter – ihre Großtante hatte noch Klavierunterricht bei Wilhelm Friedemann Bach, sie selbst schätzte Johann Sebastian Bach – zeigt sich schnell die Begabung der Kinder Fanny und Felix. Carl Friedrich Zelter, Freund Goethes und Vertoner seiner Gedichte, verstärkt den Einfluss der damals schon „alten“ Musik eines Bach oder Händel, prägt wohl auch das Interesse des jungen Mendelssohn Bartholdy an der Kirchenmusik, aus der später so erstklassige Werke wie Elias oder Paulus hervorgehen. Vor allem das dramatisch bewegte Oratorium über den alttestamentlichen Propheten Elias zeigt, dass Felix seine jüdischen Wurzeln nicht vergessen hatte.

Hinweis

Busshuttle Dessau –– Gröbzig ab 12 Uhr Treffpunkt: Theatervorplatz Rückfahrt nach Veranstaltungsende Fahrpreis: € 14 um Anmeldung wird gebeten Eine Einführung zum Thema erhalten Sie während der Busfahrt

Sehr bald wurde Mendelssohn Bartholdy – nicht zuletzt unter dem antisemitischen Einfluss Richard Wagners und einer auf den „deutschen“ Beethoven und seine Errungenschaften fixierten Musikgeschichtsschreibung – Glätte, Gefälligkeit, sogar Harmlosigkeit vorgeworfen. Dass sich hinter der perfekt gestalteten Machart seiner Musik Tiefen, Ahnungen, Risse auftun, wird nicht erkannt. Aber auch das perfekte Handwerk Felix Mendelssohn Bartholdys verdeckt wie etwa in seiner Fünften, der Reformationssymphonie, welche Spannungen und Widerständigkeiten in seiner Musik zu entdecken sind. Der Dirigent und Musikwissenschaftler Peter Gülke spricht vom „Rumoren unter der Oberfläche“. Es wird spannend sein, zu hören, wie sich diese innere Bewegung in den Kammermusikwerken Felix Mendelssohn Bartholdys äußert. Die Lieder ohne Worte aus op. 19, der ersten von acht Sammlungen, sind lyrisch erzählende, poetische Minia­turen; das erst 1868 posthum erschienene Lied ohne Worte op. 109 steht für sich alleine und lässt das Cello in Dialog mit dem Klavier treten. Die viersätzige Sonate D-Dur op. 58 für Cello und Klavier ist in ihrem dritten Satz (Adagio) ein sprechendes Beispiel für die souveräne Aneignung der von Bach herkommenden Vorbilder. Unmittelbar anregen ließ sich Mendels­sohn Bartholdy wohl von Bachs Chromatischer Phantasie, mit der er 1840/41 in Leipzig „feurigen Beifall“ beim Publikum erntete. Deren Arpeggien hallen im Klavierpart der Cellosonate wieder und stellen damit eine Verbindung zu den Liedern ohne Worte op. 19 her. Auch die Verbindung des Cello-Rezitativs mit dem Choral lässt sich auf Bachs Komposition zurückführen. Und im Klaviertrio d-Moll op. 49 finden wir im ersten Satz erneut ein Thema, das in sprudelnde Arpeggien gehüllt wird, während das Andante con moto tranquillo an die Lieder ohne Worte erinnert, freilich mit einer viel weiter entwickelten kontrapunktischen Arbeit, die wohl nicht zufällig auf den Einfluss der Vorbilder Bach und Händel zurückweist.

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Mit freundlicher Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.


Auf dem Irrweg?

3. Teil der Spurensuche durch Sachsen-Anhalt

Besetzung

Gyldfeldt Quartett der Hochschule für Musik und Theater Leipzig 1. Violine: August Gyldfeldt Magnusson 2. Violine: Jonas Reinhold Viola: Lisa Cardonnet Violoncello: Anna Herrmann Termine

V40 Samstag | 10.03.2018 | 14:00 Uhr Eichenkranz Wörlitz

Wahrheit und Irrtum – wie nahe liegen sie beieinander. Auch in der Musik gab (und gibt?) es Dogmatiker, die ihre Art zu komponieren, ihre Melodie- oder Harmonie­ V47 Sonntag | 11.03.2018 | 14:00 Uhr Stadtmuseum Halle (Saale) bildungen, ihren Kontrapunkt, ihre Tonalität für das einzig Wahre hielten. Und es gab Experimente, das Austasten von Möglichkeiten, die zwar nicht zum Irrtum – existiert der in der Musik überhaupt? –, aber auf kaum gangbare Irrwege geführt haben. Hinweis Es gibt aber auch das Spiel mit dem Irrweg. Da baut etwa ein Komponist in seinem Busshuttle Dessau –– Wörlitz ab 12 Uhr Werk einen „regelgerechten“ harmonischen Gang auf, den er dann überraschend Treffpunkt: Theatervorplatz ganz anders weiterführt. Da fällt eine Melodie plötzlich aus ihrer „regulären“ Peri Rückfahrt nach odik und nimmt einen neuen Weg. Da täuschen Komponisten lustvoll mit einem Veranstaltungsende Trugschluss, modulieren abenteuerlich, führen den Zuhörer in die harmonische Irre, zertrümmern das vorherFahrpreis: € 14 um Anmeldung wird gebeten sehbare Tonartengeflecht Eine Einführung zum Thema erhalten Sie oder begehen scheinbar während der Busfahrt oder offensichtlich Fehler, um wie Mozart in seinem Musikalischen Spaß KV 522 Stadtmuseum Halle 13:00 Uhr Führung den Zuhörer zu erheitern.

Gestern Kunst der Fuge gehört. Herrlich!! Ein Werk, das bisher für Mathematik gehalten wurde.

„Wege und Irrwege – Entdeckt in Halle!“

Die Moderne ist voll von „Irrwegen“, als deren folgenschwerste wohl die Befreiung von der strikten Alban Berg, 1928 Tonalität und die Entwicklung der Zwölftonmusik eingestuft wurden. Man denke nur an die erbitterte Kontroverse, die der Komponist Hans Pfitzner mit Ferruccio Busoni, den Lehrer von Kurt Weill, ausgefochten hat. Auch später noch gab es, wenn auch nicht immer so polemisch ausgetragen, solche Dispute: Darmstädter Schule gegen Konservative und

Tiefste Musik!

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Programm

Abweichler, Anhänger des Philosophen Theodor Wiesengrund Adorno gegen Denker anderer Schulen, strenge E-Musiker gegen diejenigen, die – wie Kurt Weill, Eugen d’Albert, Ernst Krenek oder andere – Elemente der Unterhaltungsmusik adaptierten. Die Liste ist lang … Das Gyldfeldt Quartett der Hochschule für Musik und Theater Leipzig präsentiert einen kleinen Ausschnitt aus den vielen Möglichkeiten, „Irrwege“ zu identifizieren oder zu bearbeiten. So stellt es Johann Sebastian Bachs Kunst der Fuge vor, ein Werk, das im Rahmen eines musikalischen Denksystems tatsächlich so etwas wie irrtumsfrei die Möglichkeit formaler Entwicklung austestet. Ludwig van Beethovens Große Fuge B-Dur op. 133 lässt sich dagegen nicht auf die Erfüllung einer idealen Form reduzieren. Der Beethovenforscher Joseph Kerman etwa sieht in ihr „eine disziplinierte Doppelfuge in B-Dur, eine hervorragend undisziplinierte Fuge in As-Dur, einen lyrischen Zwischenteil in G-Dur, der gar nicht als Fuge gelten kann, eine vierte Version des Grundthemas in einer simplen fast komischen Tanzpassage sowie einen langen Schlussabschnitt, in dem die diversen Themengestalten neckisch hervorgeschleudert und wieder fallengelassen werden.“ Der Geiger Karl Holz zitiert Beethoven, der zur Form seines Werks sagte, „heut zu Tage muß in die alt hergebrachte Form ein anderes, ein wirklich poetisches Element kommen.“ Neben solchen ernsthaften formalen Experimenten gibt es auch spielerische Varianten: Pietro Antonio Locatelli, der Erfinder des modernen Violinspiels, nennt seine Caprice in D Dur Op. 3 No. 23 Il Labirinto Armonico – ein harmonisches Labyrinth, das einfach zu betreten, aber schwer wieder zu verlassen ist. Joseph Haydn benutzt in seiner Sinfonie Nr. 47 eine streng spiegelsymmetrische Form, die er im Minuet al roverso spielerisch und ironisch einsetzt – die Musik läuft wie ein rückwärts gespulter Film genauso wieder zurück, wie sie vorher dem Wendepunkt zustrebte. Eine neu-sachliche Farce, unterhaltsam und gewitzt. Sinnenhafte Ergänzungen des musikalischen Programms sind der Besuch des Irrgartens im Wörlitzer Gartenreich und eine Führung zum Thema „Wege und Irrwege – Entdeckt in Halle!“ durch die Ausstellung im Stadtmuseum Halle. Sie verfolgt die Spuren der Euphorie und Fortschrittsgläubigkeit, die vor 120 Jahren den Aufbruch der Stadt zur Industriemetropole kennzeichneten, zeigt aber auch, wie der Zukunftsoptimismus mit den Schattenseiten der Industrie und den gesellschaftlichen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts verschwand. Ein Labyrinth von Wegen und Irrwegen, das wohl erst im Rückblick zu entwirren ist.

Johann Sebastian Bach (1685–1750) Kunst der Fuge Contrapunctus 1 Contrapunctus 2 Pietro Antonio Locatelli (1695–1764) Caprice in D-Dur “Il Labirinto Armonico” op. 3 Nr. 23 Johann Sebastian Bach Kunst der Fuge Contrapunctus 3 Contrapunctus 4 Joseph Haydn (1732–1809) Sinfonie Nr. 47 G-Dur Hob. I:47 „Palindrom“ Minuet al roverso ~ Trio al roverso Johann Sebastian Bach Suite für Violoncello solo Nr. 4 Es-Dur BWV 1010 Prélude Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Frühe Fugen Nr. 4 in D-Dur Nr. 10 in F-Dur Ludwig van Beethoven (1770–1827) Große Fuge op. 133 B-Dur Overtura Allegro ~ Allegro ~ Fuga Johann Sebastian Bach Kleines harmonisches Labyrinth BWV 591 Introitus ~ Centrum ~ Exitus Kunst der Fuge Contrapunctus 9 Contrapunctus 14 Rudolf Hindemith (1900–1974) Spiegel im Spiegel – Hin und zurück Johann Sebastian Bach Kunst der Fuge Contrapunctus 20 Choral

Titelseite der Notenedition „Grande Fugue,“ veröffentlicht in Wien von Matthias Artaria, 1827

Die Veranstaltung V47 ist eine Kooperation mit dem Stadtmuseum Halle (Saale). Mit freundlicher Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.

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„Schreiben Sie eine Oper, und Sie sind ein gemachter Mann“, riet Engelbert Humperdinck dem Studenten Kurt Weill. Sicher hatte der Kompositionslehrer des 19-Jährigen seinen eigenen Erfolg mit Hänsel und Gretel im Kopf. Aber es scheint, als habe Humperdinck bereits erkannt, was dem jungen Weill zur gleichen Zeit im Kopf spukte: Mit 19, so erinnerte er sich, habe er, Kurt Weill, als Kapellmeister in Lüdenscheid „festgestellt, dass das Theater meine [seine] eigentliche Domäne werden würde“. Es dauerte nicht lange, bis Weill den ersten von fast 30 Beiträgen zum Musiktheater auf eine Bühne bringen konnte: Wohl vermittelt durch seinen Lehrer Philipp Jarnach bekam er den Auftrag zur Ballett-Pantomime Die Zaubernacht, die am 18. November 1922 im Theater am Kurfürstendamm in Berlin mit Weill am Dirigentenpult Premiere hatte. Ein wichtiger Schritt, bei dem der junge Komponist nach eigener Aussage lernte, „dass die Bühne ihre eigene musikalische Form hat, deren Gesetzmäßigkeit organisch aus dem Lauf der Handlung erwächst, und dass Bedeutsames szenisch nur mit den einfachsten unauffälligsten Mitteln gesagt werden kann“. Damit hatte Weill bereits zwei Prinzipien formuliert, die ihn bei seiner umfassenden Tätigkeit für das Musiktheater fortan leiten und begleiten sollten.

L’Histoire du Soldat von Igor Strawinsky und Arlecchino von Ferruccio Busoni waren für Weills Entwicklung wesentliche Schlüsselerlebnisse. Mit seiner 1926 uraufgeführten Oper Der Protagonist wurde er mit einem Schlag ins Rampen­licht gerückt. Rudolf Kastner schrieb in der „Berliner Morgenpost“, Weill habe sich „als eine musikdramatische Schöpfer­ potenz ersten Ranges“ erwiesen und sei „in die erste Reihe unserer großen Hoffnungen gerückt“. In Bertolt Brecht fand Weill einen idealen Mitstreiter, um sein Konzept eines neuen Musiktheaters, von dem er zu dieser Zeit „zu träumen begann“, praktisch umzusetzen: Drama und Musik, gesprochenes Wort, Song und Bewegung sollten in ihm völlig vereint sein. Anlässlich einer geplanten, aber durch politische Intrige verhinderten „Ruhrrevue“ schrieb Weill 1927, die Musik sollte „alle Ausdrucksmittel der absoluten und der dramatischen Musik zu einer neuen Einheit“ zusammenschließen. Verwirklicht wurde dieses Konzept, mit dem Weill auch die Grenzen zwischen „ernster“ und „unterhaltender“, „hoher“ und „populärer“ Kunst niederriss, dann mit dem Sensationserfolg der Dreigroschenoper 1928. 44

Weill


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Liebe ist nicht wie Besetzung

Radio Doria Gesang & Gitarre: Jan Josef Liefers Bass: Christian Adameit Gitarre: Jens Nickel & Johann Weiß Schlagzeug: Timon Fenner Klavier & Orgel: Gunter Papperitz Termine

V05a Samstag | 24.02.2018 | 16:00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau V05 Samstag | 24.02.2018 | 19:00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau

Mit freundlicher Unterstützung der Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt.

du – Radio Doria „Und das Gefühl ist echt, und der ganze Rest, der zählt jetzt nicht mehr.“ Dieses Gefühl, einem authentischen Menschen gegenüberzutreten, stellt sich immer ein, wenn Jan Josef Liefers auftritt – ob im klassischen Schauspielerberuf auf der Bühne, in einem seiner mehr als 50 Filme, als „Tatort“-Professor Karl-Friedrich Boerne in Münster oder als kritischer Beobachter von Gesellschaft und Politik. Noch unmittelbarer, so sagt er selbst, öffnet sich Liefers in seiner Musik. Seit er mit elf Jahren eine Gitarre bekommen und spielen gelernt hat, gehört die Kunst der Töne zu seinem Leben. Damals in der DDR war die Musik ein Weg, um zu sich selbst zu finden, um eine eigene Individualität zu entwickeln. In seiner Autobiografie lassen Liefers‘ Schilderungen spüren, wie ihn ostdeutsche Bands durch Kindheit und Jugend begleitet haben. Wie ihm die Musik geholfen hat, Träume zu finden – und die Kraft, sich diese Träume zu bewahren und auch zu leben. „Soundtrack meiner Kindheit“ heißt das Buch; es macht verständlich, warum Liefers eine der Bands seiner Jugend, die Puhdys, 2012 auf ihrer Jubiläumstour zum 40-jährigen Bestehen begleitet hat. Seit mehr als zehn Jahren ist der gebürtige Dresdner mit seiner eigenen Band auf Tour. Sein Plattendebüt gab er allerdings bereits 1999 mit Jack’s Baby. Das erste Album – da hieß seine Gruppe noch j.j. liefers oblivion – erschien 2002. Anschließend ließ er den Soundtrack seiner Kindheit aufleben mit Titeln wie „Wo bist Du“, „Wenn ein Mensch lebt“, „Instandbesetzt“ oder „Leb einen Traum“. Nach der Umbenennung der Band in Radio Doria brachte Liefers 2014 mit seinen Musikern Johann Weiß und Jens Nickel, Gunter Papperitz, Christian Adameit und Timon Fenner das Album „Radio Doria – die freie Stimme der Schlaflosigkeit“ mit Songs auf eigene Texte heraus, darunter auch das Lied, das seinen beiden Auftritten beim Kurt Weill Fest den Titel gibt: „Liebe ist nicht wie du“. 46


CD-TIPP

Radio Doria „Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“ erschienen im September 2014 bei Polydor (Universal Music)

Jan Josef Liefers

Die neueste Song-Kollektion von Radio Doria mit dem Titel „2 Seiten“ erschien im September 2017. Im Interview verrät Jan Josef Liefers, dass in den Worten seiner Songs viel von ihm selbst steckt: „Wenn die nicht persönlich wären, wenn die ihren Ursprung nicht irgendwo in mir drin haben würden, und zwar nicht in irgendeiner Figur, die ich spiele, sondern in mir drin, dann würde ich nicht verstehen, warum ich sie schreiben sollte.“ Für Liefers ist es entscheidend, Texte zu schreiben, die nicht belanglos sind: „Ich würde kein Lied mit irgendeinem Pillepalle-Text auf die Platte lassen“, sagt er selbst, „Man hört am Ende der Musik an, ob sie aus einem echten Gefühl heraus entstanden ist oder nur aus zusammengeschraubten Trends.“ Liefers macht Pop, völlig klar. Doch seine Musik hat nicht den privatistischen Touch der Herz-Schmerz-Geschichten so mancher Balladen. Sie wollen andererseits auch keine politischen Lieder sein. Aber sie haben etwas mit dem Menschen Jan Josef Liefers zu tun, der sich gesellschaftlich engagiert, der die Aktion „Deine Stimme gegen Armut“ und die entwicklungspolitische Organisation „ONE“ unterstützt und der sich für die Kampagne „Steuer gegen Armut“ einsetzt. Dieser Mensch lässt sich gelegentlich von einem Jan Josef Liefers Wort inspirieren, aus dem heraus sich ein Zusammenhang, manchmal eine ganze Welt ergibt. Seine Texte fließen zusammen mit Musik, die unmittelbar anspricht, eingängig sein will, es leicht macht, zuzuhören. Eine Ästhetik, die er mit Kurt Weill teilt, der in der einfachen Form das Medium fand, seine innere Tiefe mitzuteilen. So auch Liefers: „Ich möchte Menschen bewegen, sie glücklich machen. Mit Musik und Texten, die nicht nur erlauben, in die Länge und die Breite zu gucken, sondern auch in die Tiefe.“

Ich würde kein Lied mit irgendeinem PillepalleText auf die Platte lassen.

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Melton

Tuba

Quartett

Von Klassik bis Jazz

Besetzung

Melton Tuba Quartett Tuba: Hartmut Müller, Heiko Triebener, Jörg Wachsmuth, Ulli Haas Programm

Musik von u.a. Johannes Brahms, Gioachino Rossini, Franz Liszt, Modest Mussorgsky, Bert Kaempfert, Henry Mancini, Paul Anka, Louis Armstrong und Reynaldo Hahn Melton Tuba Quartett Termin

V06 Samstag | 24.02.2018 | 22:00 Uhr Bauhaus Dessau

Sie ist das Schwergewicht unter den Instrumenten, aber wenn sie tanzen darf, wird sie graziös und beschwingt. Was die Tuba noch so alles kann, beweisen die vier Musiker des Melton Tuba Quartetts bei ihrem Konzert im Bauhaus Dessau. Von wegen Grummeln im tiefsten Register oder bierzeltseliges Humtata: Die gewichtige Messingschönheit hangelt sich durch die Tongirlanden eines Gioachino Rossini, swingt höchst vergnüglich mit Melodien eines Bert Kaempfert oder Henry Mancini, gibt sich ernst und seriös in den kontrapunktischen Verwicklungen, die Johannes Brahms eigentlich für ganz andere Instrumente gedacht hatte. Und seit 30 Jahren sind sich Publikum und Fachwelt einig: Es funktioniert prächtig!

Wir wollten einfach auch mal von der letzten in die erste Reihe treten.

1987 in Bonn: Vier Tubisten absolvieren ein Probespiel, sitzen in den Wartezeiten zusammen und beschließen, ihre Rolle als „einsamer Wolf“ im Orchester zu durchbrechen: „Wir wollten einfach auch mal von der letzten in die erste Reihe treten.“ Die Vier gründen ein Quartett und heimsen ungeahnte Erfolge ein, die sie bis in die ausverkaufte Berliner Philharmonie führen. Ihre erste CD „Premiere“ macht zeitgenössische Komponisten auf die reizvolle Besetzung aufmerksam: Ihre fünfte und bisher vorletzte Scheibe enthält das Grand Concerto 4 Tubas von John Stevens, eines der eigens für das Quartett geschriebenen Werke, die auch in der Notenreihe „edition melton tubaquartett“ erscheinen. Für ihre Arrangements nutzen die vier Blechbläser alle Varianten ihres Instruments, vom Euphonium bis zur Kontrabasstuba. Ulli Haas (Duisburger Philharmoniker), Hartmut Müller (Wuppertaler Sinfonieorchester), Heiko Triebener (Bamberger Symphoniker) und Jörg Wachsmuth (Dresdner Philharmonie) öffnen einen ungeahnten Tonraum zwischen Franz Liszt und Louis Armstrong, zu dem – man hat es schon geahnt – sogar virtuose Sechzehntel gehören, und zwar mehrere hintereinander! 48


So

schön wie der

Morgen Ein musikalischer Brunch

Besetzung

Fabia Mantwill Trio Saxofon & Gesang: Fabia Mantwill Gitarre: Morten Duun Aarup Bass: Sidney Werner Termin

V07 Sonntag | 25.02.2018 | 11:00 Uhr Café-Bistro des Bauhaus Dessau

Fabia Mantwill

Fabia Mantwill ist ein Multitalent. Die junge Musikerin gilt unter vielen ihrer anerkannten Kollegen bereits jetzt als neuer leuchtender Stern am Jazz-Himmel. Der JazzMusiker Georg Cohen spricht von ihr voller Anerkennung: „Lebendig, kreativ und kraftvoll! Fabia Mantwills Musik vereint die Schönheit unserer Welt in einer Weise, die von zeitgenössischen Musikern nur selten erreicht wird. Ihr Spiel und Komponieren wirken ehrlich, direkt und voller Emotionen!“ Die 1993 geborene Saxofonistin, Sängerin und Komponistin erwarb von 2011 bis 2017 ihr musikalisches Rüstzeug am renommierten Jazz-Institut ihrer Heimatstadt Berlin sowie an der Sibelius Academy – University of the Arts Helsinki. 2011 wurde sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als „Talent des Jahres“ ausgezeichnet. Sie war in mehreren Formationen und Ensembles tätig, darunter im „Jugendjazzorchester Sachsen“ und im „LaJazzO Brandenburg“ unter der Leitung von Jiggs Whigham. Heute leitet und schreibt die Saxofonistin für mehrere Ensembles, darunter das internationale Fabia Mantwill Orchestra. Sie tourte in Westafrika, Indien, Brasilien und Europa, wurde mit der Betty Carter’s Jazz Ahead Residency 2016 ausgezeichnet und spielte bereits Konzerte im John F. Kennedy Centre in Washington D.C. und im Apollo Theatre in New York. Während ihres Studiums lernte sie auch die zwei Musiker Morten Duun Aarup und Sidney Werner kennen. Die drei jungen Musiker spielen in einem Raum, der wie kein zweiter für Experiment und Innovation steht, im klassisch-modernen Bauhausklub. Die Idee für den Klub entstand schon kurz nach der Rekonstruktion des Hauses 1976. Er sollte als Treffpunkt für die Teilnehmer an den regelmäßigen Werkstattwochen und Weiterbildungsseminaren dienen. Mit der Neubegründung des Bauhauses als Zentrum für Gestaltung 1986 wurde die Idee in die Realität umgesetzt. Heute ist der Bauhausklub unter der langjährigen Leitung von Stephan Serfling der perfekte Ort für Studenten, Mitarbeiter, Besucher und Kunstliebhaber, um die Gedanken schweifen zu lassen und das Leben zu genießen. Die jungen Musiker spielen dort Klassiker, Pop, Rock, Eigenes und Spontanes. 49


Dem Applaus gewachsen. Wir unterstützen die Kultur, fördern Talente und machen Kunst für alle zugänglich. Darin sehen wir unsere Verpflichtung als lokales Geldinstitut, um die Entfaltung unserer Region zu fördern. Zum Nutzen aller. Gemeinsam #AllemGewachsen

sparkasse-dessau.de

 Sparkasse Dessau


Besetzung

Gesang: Dagmar Manzel Klavier: Frank Schulte Kontrabass: Arnulf Ballhorn Gitarre: Ralf Templin Programm

Ein Liederabend mit Dagmar Manzel Lieder von Paul Abraham, Ernst Busch, Hanns Eisler, Hugo Hirsch, Friedrich Hollaender, Harald Heilmann, Werner Richard Heymann, Pjotr Leschenko, Rudolf Nelson, Helmut Oehring, Otto Reutter, Arnold Schönberg, Fredy Sieg, Oscar Straus, Kurt Weill

Menschenskind! Dagmar Manzel

Termin

V12 Dienstag | 27.02.2018 | 19:30 Uhr Anhaltisches Theater Dessau Hinweis

Im Anschluss an das Konzert gibt es eine Signierstunde mit Dagmar Manzel im Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau.

Witz, Charme, Eleganz, Souveränität. Und ein Hauch von Melancholie. So charakterisiert der Intendant der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, die Schauspielerin Dagmar Manzel. Schauspielerin? Ach was! Die Manzel ist ein bis zur Selbstaufgabe spielendes Bühnentier. Eine Sängerin, die Chansons, Kabarettlieder, Schlager und Operettenszenen mit der gleichen Hingabe und Präzision lebendig macht. Und sie ist, was in Friedrich Schröders „Hochzeitsnacht im Paradies“ besungen wird – eine „Frau, die jeder kennt, mit Charme und Chic und Temperament“. Von 1983 bis 2001 gehörte die in Berlin geborene Künstlerin dem Ensemble des Deutschen Theaters an. Neben vielen unvergesslichen Rollen im Schauspiel konnte Dagmar Manzel dort ihre Liebe zur Musik ausleben: Sie verkörperte die Titelpartien in Operetten wie Die Großherzogin von Gerolstein und La Pèrichole. Seit 2008 ist sie regelmäßig an der Komischen Oper Berlin zu erleben: in Kurt Weills „Sieben Songs/Die sieben Todsünden“ oder in Die Perlen der Cleopatra, die ihr im Herbst 2017 den „Goldenen Vorhang“ einbrachte.

Je älter man wird, desto leichter verwechselt man

erhöhten Blutdruck mit Leidenschaft.

Zu den Höhepunkten ihrer musikalischen Karriere gehören seit 2013 die Madeleine de Faublas in Paul Abrahams spektakulärer „Jazz“-Operette Ball im Savoy und die auf ein flottes Kammerspiel reduzierte Operette Eine Frau, die weiß, was sie will, in der sie sich mit Max Hopp alle 20 Rollen teilt. Friedrich Hollaender

Mit freundlicher Unterstützung der Stadtsparkasse Dessau.

Im Frühjahr 2017 ist im Aufbau-Verlag ihre Autobiografie „MENSCHENsKIND“ erschienen in der sie dem Filmjournalisten Knut Elstermann über ihr Künstlerleben Auskunft gibt. Unter diesem Titel brachte Dagmar Manzel 2014 einen Liederabend an der Komischen Oper heraus, mit dem sie jetzt beim Kurt Weill Fest gastiert: „Menschenskind – Dagmar Manzel singt Lieder von Friedrich Hollaender“. Extra für Dessau hat sie Lieder von Kurt Weill ins Programm aufgenommen, die wie die Songs Hollaenders charmant, aber auch mit herbem Blick und trauriger Melancholie das Elend hinter den leuchtenden Fassaden des Berlin der Goldenen Zwanziger Jahre wahrnehmen. Ein Abend von einer Frau, die keinen nostalgischen Rückblick pflegt, sondern die Songs von damals als Lieder von heute präsentiert. In ihren Stil sind – wie die FAZ schreibt – „all die politischen, sozialen und sexuellen Umwälzungen der vergangenen neunzig Jahre“ eingegangen. 51


Foto im Mega-Light: © haveseen - Fotolia.com

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Besetzung

Lazylectric

Zu

Gesang: Karolina Trybala Saxofon: Johanna Järemo Klavier: Franziska Fürnberg

Gast sein

Menü

Aperitivos ~~~ Kräutergarnele auf Tomaten-Knoblauchsalat Iberischer Schinken & Galiamelone Geröstete grüne Paprika

Ein musikalischkulinarischer Abend mit Lazylectric

Lammbällchen & Oliven-Mandelpastete Geröstete Brotscheibe & Schafskäse Avocadocreme & Anchovas

Aus aller Herren Länder kamen Reisende, Fürsten, Gelehrte und Bildungsbürger, um das, was in Europa am Vorabend der Französischen Revolution als „Aufklärung“ diskutiert wurde, in der Realität zu besichtigen. Der Ruhm des von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau geschaffenen englischen Gartens zu Wörlitz lockte Mitte der 1780er Jahre immer mehr Bildungsreisende und Künstler in das kleine Fürstentum Anhalt-Dessau.

~~~ Soupe à la betterave Rote-Beete-Suppe Kartoffelschaum Doradenfilet ~~~ Duet av Älg & Ox – Duett vom Elch & Ochsen Tyttebær & glasierter Apfel Gebratener Wirsing Sellerie-Kartoffelstampf ~~~

Um seinen Gästen größere Freiheit und Zwanglosigkeit zu geben, gab Fürst Leopold Friedrich Franz den Bau eines Gästehauses in Auftrag, das im Jahr 1787 als Gasthof „Zum Eichenkranz“ und Tor zur Parkstadt Wörlitz eröffnet wurde. Experten sind sich sicher, dass des Fürsten Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff dieses architektonische Kleinod erschuf. Nach der Fertigstellung schenkte der Fürst den Gasthof seinem Baudirektor Christoph Hesekiel. Der Eichenkranz wurde sowohl Unterkunft als auch Treffpunkt, um zu debattieren, zu philosophieren und von dort aus die Schönheiten des Wörlitzer Parks zu erkunden. Und heute kommt die Welt ins Dessauer Kultur- und Gartenreich, um zu entdecken ist keine und zu genießen. Denn die Befreiung des Geistes lokale Größe, fängt mit dem Sich Öffnen nicht einmal eine Deutsche, und Aufnehmen neuer Einflüsse an. es ist eine Europäische,

Wörlitz

Crème brûlée Mandelkaka – Mandelkuchen Salada de Blutorangen Termine

V13 Mittwoch | 28.02.2018 | 19:00 Uhr Historischer Eichenkranz Wörlitz V15 Donnerstag | 01.03.2018, 19:00 Uhr Historischer Eichenkranz Wörlitz V20 Freitag | 02.03.2018, 19:00 Uhr Historischer Eichenkranz Wörlitz Hinweis

Kostenloser Busshuttle Dessau –– Wörlitz

Weltangelegenheit

. Ein Ort, wie geschaffen eine für einen Dinner-Abend Wilhelm van Kempen, Kunsthistoriker,1925 des Kurt Weill Festes, bei dem neben den kulinarischen Delikatessen des Ringhotels „Zum Stein“ aus Wörlitz auch Köstlichkeiten für das Ohr kredenzt werden. An den drei Abenden spielt Lazylectric eine Mischung aus französisch filigranen, russisch melancholischen, modernen und energetischen, berührenden und verführenden Melodien. Drei „Femmes fatales“ lassen mit zwei Pianos, Bass, Percussion und dreistimmigen Satzgesängen eine entspannte und trotzdem vibrierende Stimmung entstehen.

Abfahrt 18.30 Uhr Restaurant Pächterhaus 18.40 Uhr Anhaltisches Theater, Theatervorplatz Rückfahrt nach Ende der Veranstaltung um Anmeldung wird gebeten

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Berliner Glanz

Countertenor: Jochen Kowalski Leitung, Arrangement & Klavier: Uwe Hilprecht Salonorchester „Unter’n Linden“ der Staatskapelle Berlin Violine: Andreas Jentzsch, Laura Volkwein Viola: Stanislava Stoykova Violoncello: Egbert Schimmelpfennig Klarinette: Matthias Glander FlĂśte: Christiane Weise Kontrabass: Alf Moser Schlagzeug: Andreas Haase Termine

Von Monteverdi bis Weill – Arien, Lieder, Songs

V19 Freitag | 02.03.2018 | 19:00 Uhr Marienkirche Dessau

Zweifelhafte ZwischentĂśne, leise Ironie, eine Spur Wehmut und eine Portion frecher Sarkasmus, dazu Humor und Sentiment: Die Welt der Salonmusik kennt in ihrem „kleinen“ Genre eine ungeheure Vielfalt von Ausdruck, Stimmung und GefĂźhl. Alles hĂźbsch oberflächlich? Das mag sein, aber wie der Dichter Paul Verlaine schon erkannte, ist nichts so tief wie die Oberfläche. Und die Kunst, hinter Witz und Tollerei die Tiefe zu entdecken, hinter dem Einfachen das AbgrĂźndige zu erahnen, ist heute selten geworden. Jochen Kowalski, Countertenor und langjähriges Ensemblemitglied der Komischen Oper Berlin, beherrscht das Changieren zwischen diesen Genres: Seine Anfänge lie-

    

       

    

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Jochen Kowalski und das Salonorchester „Unter’n Linden“ Berlin

Besetzung


Programm

Claudio Monteverdi (1567–1643) L‘incoronazione di Poppea Il giorno femminil1 Georg Friedrich Händel (1685–1759) Giulio Cesare in Egitto Chi perde un momento1 Max von Schillings (1868–1933) Der Moloch Zwischenspiel: Erntefest Max Kowalski (1882–1956) 6 Lieder aus Pierrot lunaire Gebet des Pierrot Raub Nordpolfahrt Der Mondfleck Abend Die Laterne Victor Holländer (1866–1940) Musik zu einer Pantomime Sumurun Die Quitzows Unterm Machandelbaum Kurt Weill (1900–1950) Moritat von Mackie Messer Alabama-Song Kanonensong (instrumental) Friedrich Hollaender (1896–1976) Falling in Love again Mischa Spoliansky (1898–1985) Zwei Krawatten Wie sich die Preise auf dem Markt gestalten Paul Dessau (1894–1979) Niemand kann so zärtlich sein wie du Artie Shaw (1910–2004) Concerto for Clarinet Jerzy Petersbursky (1895–1979) Warschau in Blumen Oh Donna Clara Paul Abraham (1892–1960) Die Blume von Hawai Ich hab ein Divanpüppchen 1 Bearbeitung von Uwe Hilprecht (*1939)

Jochen Kowalski

gen bei Georg Friedrich Händel und anderen Komponisten des 18. Jahrhunderts, einer Epoche, der auf der Opernbühne kunstfertige, der Realität enthobene Stilisierung über alles ging. Auch eine seiner Paraderollen, der Prinz Orlofsky in Johann Strauß‘ Die Fledermaus spielt mit der Uneindeutigkeit des Geschlechts und der prickelnden Stimmung eines Festes, auf dem niemand in der Rolle erscheint, die er im „wirklichen“ Leben zu spielen hat. So passt Jochen Kowalskis Stimmlage ausgezeichnet zu den Welten, in denen er sich in seinem Programm in der Marienkirche Dessau bewegt: Mit „Il giorno femminil“ beginnt er mit einem Chanson der Amme Nutrice aus Claudio Monteverdis L’incoronazione di Poppea, in dem feiner Humor und leise Wehmut die vergängliche Schönheit und die verkannten Früchte des Alterns besingen. Die sechs Lieder Max Kowalskis auf Texte aus „Pierrot lunaire“ sind reizvolle Alternativen zu der bekannten Vertonung Arnold Schönbergs. Sie stammen aus der Gedichtsammlung des Belgiers Albert Giraud, die schon im Titel mit der Mehrdeutigkeit des Symbolismus spielt: Der Pierrot, der sich selbst hinter der Maske verbirgt, ist entweder „mondsüchtig“ oder er wird im romantischen Mondlicht sichtbar. Der 1938 aus Deutschland vertriebene Rechtsanwalt Max Kowalski war seit seinem Debüt 1913 ein bekannter Liedkomponist. Viele seiner Werke aus den Jahren von 1933 bis zu seinem Tod in London 1956 sind bis heute nicht publiziert. Der Film, die Revue, die Operette: Sie spielen mit dem schönen Schein, mit den Fantasien und Illusionen, hinter denen der uralte Wunsch der Menschen steckt, es möge doch eines Tages – und sei es wie durch ein Wunder – alles gut werden. Gleichzeitig nehmen sie menschliches Elend, ob emotional oder ökonomisch, kompromisslos ins Visier. So etwa die Revue Zwei Krawatten, in der Georg Kaiser und Mischa Spoliansky, ein 1898 geborener Zeitgenosse Kurt Weills, in einer überdrehten Geschichte zeigen, welche absurden Zufälle das Leben überraschend wenden können. Auch Paul Dessau, Robert Gilbert und Friedrich Hollaender schrieben im turbulenten Berlin zwischen 1918 und 1933 Musik für das Unterhaltungstheater, das Kabarett, die Revue oder den Film. Einzelne Songs wie etwa „O Donna Clara“ oder „Falling in love again“ lösten sich aus ihrem Kontext und wurden zu Schlagern. So geschah es auch mit dem „Alabama“-Song aus Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, dem herrlich ironischen „Divanpüppchen“ aus Paul Abrahams Blume von Hawaii oder dem „Kanonensong“ aus der Dreigroschenoper, den die neun Musiker des Salonorchesters „Unter’n Linden“ der Staatskapelle Berlin neben anderen Raritäten aus der Kaffeehausmusik instrumental vorstellen werden. 55


ANDRIS Leipzigs 21. Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons www.gewandhausorchester.de


Ich,

Kurt Weill

Besetzung

Moderation: Dr. Jürgen Schebera Gesang: Stefanie Wüst Klavier: Reinhard Schmiedel Termine

V22 Freitag | 02.03.2018 | 20:00 Uhr MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt in Magdeburg V29 Samstag | 03.03.2018 | 22:00 Uhr Bauhaus Dessau

Die Veranstaltung V22 ist eine Kooperation mit dem MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt in Magdeburg.

Ein persönliches Rendezvous mit dem Komponisten: Kurt Weill wird lebendig in kaum bekannten Stumm- und Tonfilmsequenzen aus Berlin, Paris und New York sowie seltenen Fotos, dazu ist seine Stimme zu hören im US-Rundfunk sowie als Interpret eigener Songs. Die Sopranistin Stefanie Wüst, seit langem als Protagonistin beim Kurt Weill Fest dabei, stellt den historischen Dokumenten bekannte und weniger bekannte Lieder, Chansons und Songs aus den verschiedenen Schaffensstationen zur Seite, dazu trägt Dr. Jürgen Schebera Auszüge aus Weill-Briefen, seinen Schriften und Interviews vor. Das Programm folgt der Biographie, beginnend mit den Dessauer Anfängen („Ich stamme aus einer jüdischen Familie, die ihre deutsche Vergangenheit bis auf das Jahr 1340 zurückleiten kann“), über die musikalische Prägung durch Ferruccio Busoni („Er kam nach Berlin wie ein frischer Luftzug“) hin zum musikalischen Theater („meine eigentliche Domäne“), zur Zusammenarbeit mit Georg Kaiser und ab 1927 mit Bertolt Brecht („Ein Stück muss von Anfang an als Stück mit Musik konzipiert werden, sollen die Forderungen des musikalischen Theaters erfüllt werden“). Die „großen“ Berliner Jahre passieren Revue, jäh endend nach Hitlers Machtantritt am 30. Januar 1933. Weill flieht nach Paris, dort eignet er sich sehr rasch das französische musikalische Idiom an („Für das Theater bereite ich eine musikalische Komödie [Marie galante] vor“) und schreibt Chansons für die Diseuse Lys Gauty. Ein oratorisches Opernprojekt zur Geschichte des jüdischen Volkes bringt ihn gemeinsam mit Lotte Lenya im Sommer 1935 in die USA, nach New York – wo Weill die letzten 15 Jahre seines Lebens verbringt und schon nach kurzer Zeit zu den führenden Schöpfern auf dem Feld des genuin amerikanischen Musical Play gehört und große Erfolge am Broadway feiert. Krönung dieser Bemühungen zur Erneuerung des Genres ist 1946 die Broadway Opera „Street Scene“. Kurz nach seinem 50. Geburtstag ist Kurt Weill am 3. April 1950, viel zu früh, verstorben. 57


Premieren im Großen Haus

Die Dreigroschenoper Ein Stück mit Musik von Bertolt Brecht und Kurt Weill 2. März 2018

Das Bildnis des Dorian Gray (Uraufführung)

Ballett von Tomasz Kajdański 23. März 2018

Die Liebe zu den drei Orangen Oper von Sergej Prokofjew 27. April 2018

Fürst Igor

Oper von Alexander Borodin – konzertante Aufführung 25. Mai 2018

Julius Cäsar in Ägypten

Oper von Georg Friedrich Händel 8. Juni 2018


Der beste Nachwuchs Preisträger-Konzert „Jugend musiziert“

Die Musikschule „Kurt Weill“ der Stadt Dessau-Roßlau mit ihren mehr als 600 Schülerinnen und Schülern ist ein Juwel in der bundesweiten Schullandschaft und bereits seit 1953 ein fester und wichtiger Bestandteil im kulturellen Leben der Stadt. Seit 2012 trägt die Musikschule den Namen des in Dessau geborenen Komponisten Kurt Weill. Der Festakt zur feierlichen Umbenennung der Musikschule fand am 10. März 2012 im Foyer des Anhaltischen Theaters im Rahmen des Kurt Weill Festes vor der Premiere der Kinderoper Oskar und die Groschenbande statt. In der Uraufführung der Oper von Christoph Reuter musizierte das Orchester der Musikschule „Kurt Weill“ gemeinsam mit Musikern der Anhaltischen Philharmonie Dessau. Jährlich nehmen zahlreiche Schüler der Musikschule an den Wettbewerben „Jugend musiziert“ bis hin zum Bundeswettbewerb sehr erfolgreich teil. Auch das ist ein Beleg für das hohe Niveau der musikalischen Ausbildung und das große Engagement der Lehrer der Musikschule. Der Förderkreis der Musikschule, der sich 1998 zur ideellen und materiellen Unterstützung der Arbeit der Musikschule gründete, veranstaltet jährlich das Konzert der Preisträger des Wettbewerbes „Jugend musiziert“ der Musikschule „Kurt Weill“. In diesem Jahr lädt der Förderkreis der Musikschule „Kurt Weill“ e.V. erstmalig im Rahmen des Kurt Weill Festes zum traditionellen Preisträgerkonzert „Jugend musiziert“ ein. Das Konzert gestalten die Preisträger des Regionalwettbewerbes „Jugend musiziert“ 2018 der Musikschule „Kurt Weill“. Es erklingen Ausschnitte aus ihren aktuellen Wettbewerbsprogrammen. Die gesamten Einnahmen des Konzertes fließen in die Anschaffung neuer Instrumente für die Musikschule.

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Besetzung

Ausführende: Preisträger des Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“ Termin

V23 Samstag | 03.03.2018 | 11:00 Uhr Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau


Besetzung

Flautando Köln Susanne Hochscheid, Katrin Krauß, Ursula Thelen, Kerstin de Witt Percussion: Torsten Müller Kontrabass: Tilman Schmidt Programm

John Playford (1623–1686) Red House Never love thee more An Italien Rant Erik Satie (1866–1925) Gnossienne Nr. 1 Kurt Weill (1900–1950) Youkali György Ligeti (1923–2006) Sechs Bagatellen für Bläserquintett Allegro con Spirito ~ Allegro grazioso ~ Presto ruvido Volkslieder Hayriye´nin boyu uzun, aus Erzincan Yarim gitti cesmeye, aus Zentralanatolien Aman avci vurma beni, aus Kars Daglar gibi dalgalari, vom Schwarzen Meer Fulvio Caldini (*1959) Clockwork Toccata op. 68 Kurt Weill Surabaya Johnny Volkslieder aus Irland und England The Gentle Giant/Flook Scarborough Fair The Bag of Spuds Kurt Weill Seeräuber-Jenny Pete Rose (1900–1953) Tall P. Termin

V25 Samstag | 03.03.2018 | 16:00 Uhr Philipp Melanchthon Kirche Dessau

Neuland

Flautando Köln

Blockflöte verbindet man gewöhnlich mit musikalischem Einsteiger-Unterricht oder mit intimer Musik aus Renaissance und Barock. Die vier Musikerinnen des Blockflötenquartetts Flautando Köln spielen gegen solche Vorurteile mit Charme und technischer Souveränität an: Seit der Gründung des Ensembles im Jahr 1990 spielen sie Musik aus allen Epochen und in allen Stilrichtungen und erteilen ganz nebenbei eine Lektion in Sachen Vielfalt. Denn „die“ Blockflöte gibt es gar nicht. Über vierzig verschiedene Typen aus dieser uralten Instrumentenfamilie kommen in ihren Programmen zum Einsatz. Die vier Flötistinnen präsentieren ein Programm, das den Namen „Neuland“ zu Recht verdient: Sie starten ihre Reise durch Zeiten und Räume mit einigen der alten Melodien, die John Playford im 17. Jahrhundert in England gesammelt und publiziert hat. Gleichzeitig signalisieren sie damit den roten Faden des Programms, das sich um die Bearbeitung von oder der Inspiration durch Volksmusik leiten lässt. Erik Saties orientalisch anmutende experimentelle Gnossienne Nr. 1 markiert den Übergang ins 20. Jahrhundert. Satie leitet den von ihm erfundenen Begriff vom altgriechischen Wort „gnosis“ (zu deutsch: „(Er-)Kenntnis“) ab, um das Neue der Komposition aufzuzeigen. Kurt Weills Tango-Habanera „Youkali“ aus seiner Marie Galante wurde – im Gegensatz zu dem Stück – ein Erfolg, der in zahlreichen Bearbeitungen und Jazz-Versionen um die Welt ging. Ungarische Bauernmusik hatte György Ligeti im Hinterkopf, als er sich „in memoriam Béla Bartók“ an seine Sechs Bagatellen für Bläserquintett machte. 1953 geschrieben, sind die prägnanten Bearbeitungen der früheren Musica ricercata für Klavier zu Klassikern der Kammermusik für Bläser avanciert. Ligeti erfindet in ihnen eine Art imaginärer Folklore. Auch Weill orientiert sich an Mustern populärer Lieder, wenn er in „Surabaya Johnny“ oder der Ballade der „Seeräuber-Jenny“ eingängige Melodik, Strophenform und Refrain verwendet. Daneben stellt Flautando Köln brillant arrangierte Volksmusik: Lieder und Tänze aus Anatolien, England, Irland und vom Schwarzen Meer ergänzen das vielfältige Programm. 60


Besetzung

Klavier: Julia Hülsmann Gesang: Torun Eriksen Programm

Torun Eriksen (*1977) Joy Julia Hülsmann (*1968) Sleep1 Wade out2 Sonnet 883 When thou shalt be disposed Sonnet 153 When I consider every thing Sonnet 1063 When in the chronicle

Sonnet 117³ Accuse me thus: Ode 3144 Those who don‘t feel

In Love with

A moon appeared in the sky4 Empty4 Mad girl’s love song hoch5

Torun Eriksen

Julia Hülsmann

Sonnet 883 When thou shalt be disposed

Shakespeare

Als „eine der markanten Stimmen im jungen deutschen Jazz“ wurde sie bezeichnet, ihre „lyrische Improvisationsmusik jenseits jeden Imponiergehabes“ hervorgehoben. Was die „Zeit“ 2015 über Julia Hülsmann schrieb, lässt sich beim Kurt Weill Fest erneut auf die Probe stellen. Diesmal nicht mit ihren so gar nicht der Konvention entsprechenden Weill-Interpretationen, sondern mit einer speziellen Liebeserklärung: „In Love with Shakespeare“ bringt im Zentrum des Konzerts fünf von Hülsmann mit Musik verbundene Sonette des größten englischen Dramatikers aller Zeiten, in denen er sich als empfindsamer, genau beobachtender Lyriker und Ausdrucksvirtuose erweist.

Torun Erkisen & Julia Hülsmann En Som6 Julia Hülsmann The root1 Mistake7 1 Text: Emily Dickinson 2 Text: E.E. Cummings 3 Text: William Shakespeare 4 Text: Rumi 5 Text: Sylvia Plath 6 Text: Torun Eriksen 7 Text: Margaret Atwood

Termin

V27 Samstag | 03.03.2018 | 20:00 Uhr MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt in Magdeburg

Dazu kombiniert das Programm zwei Lieder auf Texte des bedeutenden mittelalterlichen persischen Dichters und Mystikers Dschala¯l ad-Dīn Muhammad ar-Ru¯mī, der die Liebe als verbindende Kraft aller Teile des Universums und zu Gott betrachtete. Der Mad girl‘s love song ist eines der bekenntnishaften, nicht selten autobiographischen Gedichte der amerikanischen Lyrikerin Sylvia Plath, Mistake ein Text der kanadischen Dichterin Margaret Atwood, deren erklärter Lieblingsautor Shakespeare ist. Die dritte große Lyrikerin in der Nachfolge des englischen Barden ist Emily Dickinson, einer Amerikanerin, deren im 19. Jahrhundert weit vorausweisende Lyrik mystisch und transzendental geprägt ist.

Die ganze Welt ist Bühne, und alle Frau’n und Männer bloße Spieler. Eine Kooperation mit dem MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt in Magdeburg.

Partner von Julia Hülsmann in diesem literarisch-musikalischen Programm ist die norwegische Sängerin Torun Eriksen. Die aus einem Gospelchor hervorgegangene Sängerin hat auf ihren seit 2004 erschienenen fünf Platten eigene Songs eingespielt, auf dem von Tobias Frøberg produzierten Album „Visits“ (2013) aber auch Ausflüge zu Nummern aus der Pop-Szene unternommen. Ihre bisher letzte CD „Grand William Shakespeare White Silk“ bietet eine Mischung aus Pop, Funk, Gospels und Balladen auf Jazz-Basis. Doch die Wanderung zwischen den Welten konzentriert sich letztendlich auf eines: ihre Stimme, für die – so ein Kritiker – „man die Phrase des Seele-aus-dem-Leib-Singens erfunden zu haben scheint“.

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Vision String Quartet Besetzung

Vision String Quartet Violine: Jakob Encke & Daniel Stoll Viola: Sander Stuart Violoncello: Leonard Disselhorst Programm

Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) Streichquartett Nr. 8 in c-Moll op. 110 Largo ~ Allegro molto ~ Allegretto ~ Largo ~ Largo Erwin Schulhoff (1894–1942) 5 Stücke für Streichquartett Allegro ~ Alla valse viennese ~ Allegro con moto ~ Alla Serenata, Molto ~ Allegro ~ Alla Czeca, Andante

Jazz und Pop nach Ansage

Mit dem Vision String Quartet hat das Kurt Weill Fest eine junge Quartettformation zu Gast, die ihrem Namen alle Ehre macht: Jakob Encke und Daniel Stoll, Sander Stuart und Leonard Disselhorst scheren sich wenig um die Grenzen klassischen Repertoires. Sie spielen Mozart und Schubert genauso wie Jazz-Standards oder Popsongs, lassen sich auf die Kooperation mit Ballett ein, wagen „Dunkelkonzerte“ in völliger Finsternis, bearbeiten oder komponieren selbst und führen die Ergebnisse in ungewöhnlichen Räumen oder mit Licht- und Toninstallationen auf. Entsprechend ist das Echo: „Aufregend anders, cool, ein bisschen verrückt“, lauten die Beschreibungen über das preisgekrönte Quartett, das seine Nische im Konzertbetrieb „visionär“ mit technischer Bravour und ideenreichen Programmen besetzt. Seine vielfältigen Konzertformate öffneten dem jungen Quartett schon die großen klassischen Konzertsäle wie das Gewandhaus Leipzig, die Tonhalle Düsseldorf und das Konzerthaus Berlin. Dazu traten sie bei renommierten Musikfestivals auf – wie den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem Rheingau Musik Festival, dem Schleswig-Holstein Musikfestival und dem Heidelberger Frühling. Ihre Ausbildung ist gediegen: Ihr Kammermusikstudium absolvierten die vier Musiker beim Artemis Quartett in Berlin sowie bei Günter Pichler, dem Primarius des Alban Berg Quartetts, an der Escuela Superior de Música Reina Sofía in Madrid. Im Sommer 2018 ist das Erscheinen einer Debüt-CD geplant.

Termin

V28 Samstag | 03.03.2018 | 21:30 Uhr Marienkirche Dessau

Mit „begeisternder Mischung aus Unbekümmertheit und Können“ werden die vier zwischen 1990 und 1994 geborenen Musiker auch in der Marienkirche Dessau ihr Publikum mitreißen. Wenn sie ihr Programm mit Dmitri Schostakowitschs Streichquartett in c-Moll Nr. 8 op. 110 beginnen, ist das ein deutlicher Hinweis auf das Schicksal Kurt Weills, hat doch Schostakowitsch sein Werk dem Gedenken an die Opfer des Faschismus und des Krieges gewidmet.

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Das zyklisch angelegte fünfsätzige Werk basiert auf den Noten D-Es-C-H, also den Initialen (D. Sch.) seines Namens, zitiert eigene und fremde Werke und ist – mit einer gehörigen Portion widerständiger Ironie – von Schostakowitsch als eine Art Requiem auf sich selbst verstanden worden. Opfer des Faschismus wurde auch Erwin Schulhoff: 1942 starb der hochbegabte Prager Komponist im Lager Wülzburg bei Weißenburg. Seine Fünf Stücke für Streichquartett bedeuteten für ihn 1924 den Durchbruch beim Weltmusikfest der erst zwei Jahre zuvor gegründeten Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Die Stücke sind eine feinsinnige Hommage an den Widmungsträger Darius Milhaud, eine freche Abrechnung mit Wiener Walzerseligkeit und Serenadenschwärmerei und eine liebevolle Reminiszenz an die Volksmusik von Schulhoffs böhmischer Heimat.

Dimitri Schostakowitsch ist ein symphonischer und seine Musik ist eine Lebens­ erzählung, ein

Philosoph,

Lebensdrama aus der inneren Welt.

Dass die jungen Musiker im zweiten Teil des Konzerts Jazz- und Poparrangements nach Ansage spielen, ist kei- Mariss Jansons, 2006 ne Masche, sondern Konsequenz aus einer musikalischen Haltung, in der ihnen Kurt Weill ein Vorbild sein kann. Auch für den gebürtigen Dessauer gab es den Unterschied zwischen ernster und unterhaltender Musik nicht. Und so mancher Edelstein, der einst erfunden wurde, um funkelnd zu unterhalten, kann die Menschen ebenso nachdenklich machen wie eine tiefsinnig komponierte Fuge …

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Kleiner Vogel

Kukuli

Besetzung

Gesang: Anna Haentjens Klavier: Sven Selle Programm

Lebensspuren zu Carola Neher und Klabund Lieder von u.a. Jochen Breuer, Ralph Benatzky, Paul Dessau, Hanns Eisler, Werner Richard Heymann, Friedrich Hollaender, Walther Hirschberg und Kurt Weill Termin

V31 Sonntag | 04.03.2018 | 11:00 Uhr Gründerzeitvilla Krötenhof Dessau

Vier Jahre lebten sie zusammen ein fiebrig intensives, buntes spannungsreiches Leben: Die Schauspielerin Carola Neher und der Schriftsteller Alfred Henschke, der sich Klabund nannte, sind zwei Menschen, die für Glanz und Elend, Lebensgier und Todesnähe der „goldenen“ Zwanziger Jahre stehen. Und für die wilde, kompromisslose, beinahe schon selbstzerstörerische Existenz der Künstler-Bohème in der Weimarer Republik. Die Schwindsucht machte der nur dreijährigen Ehe ein Ende: Klabund starb am 14. August 1928 in Davos an der tückischen Krankheit. Da war Carola Neher gerade mitten in den Proben zur Dreigroschenoper. Sie begleitete ihren Mann in den Tod; die Premiere fand ohne sie statt. Erst im Mai 1929 debütierte sie als Polly, die eine ihrer unsterblichen Partien werden sollte: Carola Neher verkörperte sie im Film und spielte die Songs auf Schallplatte ein. Mitten in ihrer kometenhaften Karriere wandte sich Carola Neher dem Kommunismus zu, verließ mit ihrem zweiten Mann Anatol Becker das von Hitler beherrschte Deutschland. Sie wanderten 1934 in die Sowjetunion aus, wo beide Opfer der stalinistischen „Säuberungen“ wurden. Becker wurde ermordet, Neher nach einer Denunziation zu zehn Jahren Haft verurteilt. Sie starb 1942 in einem Lager in Sibirien an Typhus. In ihrem Programm „Kleiner Vogel Kukuli“ – benannt nach einem Gedicht Klabunds für seine Frau – spürt die Chansonette Anna Haentjens mit Liedern und Texten den Lebenswegen der beiden Künstlerpersönlichkeiten nach. Neben den einst von Carola Neher interpretierten Songs aus der Dreigroschenoper und aus Happy End erklingen Chansons aus der 1930 in Berlin am „Deutschen Künstlertheater“ uraufgeführten Posse Ich tanze um die Welt mit dir! von Marcellus Schiffer mit der Musik von Friedrich Hollaender, in der Carola Neher ebenfalls mitwirkte. Zu hören sein werden außerdem Carola Neher im Jahr 1927 Chansons nach Worten von Klabund in Vertonungen bekannter Komponisten der Zeit wie Ralph Benatzky, Hanns Eisler, Werner Richard Heymann, Friedrich Hollaender oder Béla Reinitz.

Wir Schauspielerinnen sind erst auf der Bühne in unserem Element – wir stolpern nur im Leben.

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Dreigroschen-

Trash

Besetzung

Moderation: Dr. Jürgen Schebera Programm

Missratene Songaufnahmen aus sieben Jahrzehnten Termin

V37 Donnerstag | 08.03.2018 | 20:00 Uhr Foyer des Alten Theaters Dessau

Ein Weill-Kenner und -Sammler hat in seinem Plattenschrank gekramt und präsentiert dem geneigten Publikum eine bunte und kommentierte Trash-Auslese. Sie beginnt bereits kurz nach Uraufführung der Dreigroschenoper 1928 in Berlin, wo mehrere Plattenfirmen alsbald und ohne Genehmigung des Komponisten Erfolgssongs aus dem Stück ebenso scham- wie gnadenlos auf Foxtrott trimmten, dabei Tonart und Instrumentation änderten, ohne Rücksicht auf die Weillsche Partitur. Der ab 1933 jäh unterbrochene Siegeszug des Stückes in Deutschland, ab 1938 auch in Österreich, erfuhr nach dem Zweiten Weltkrieg, beginnend schon in den 1950er Jahren, seine Fortsetzung. Dabei kam es zu teils grotesken Fehlbesetzungen, etwa als die Wiener Staatsoper für eine Produktion in der Volksoper 1955 dem bekannten, inzwischen knapp sechzigjährigen Tenor Helge Rosvaenge den Part des Moritatensängers anvertraute – und das Ganze sogar auf einer LP festhielt. Das Resultat: Nicht zu beschreiben, man muss es hören. 1958 folgte bei Ariola ein nächster Missgriff, als man die LP „Lale Andersen [inzwischen 53-jährig] singt die bekanntesten Songs aus der Dreigroschenoper“ produzierte, „Lili Marleen“ von 1942 ließ wohl als Verkaufshilfe grüßen. Zwei Stücke dieser Platte werden zu hören sein. Zu hören und zu sehen sein werden auch desaströse Aufnahmen aus der Staudte-Verfilmung von 1962, musikalisch verflacht von Peter Sandloff, wo es zu Beginn zugeht wie in einem Marika Rökk-Revuefilm der seligen UFA.

Wer A sagt, muß nicht B sagen. Er kann auch erkennen, daß A falsch war.

Auch exotische Aufnahmen fehlen nicht, etwa aus der Sowjetunion oder aus Japan. In die jüngere Gegenwart führen schließlich zwei Ausschnitte aus der US-Kinoproduktion „Mack the Knife“ von 1989: Bertolt Brecht Zu sehen ist erstens, wie man hier Julia Migenes’ Seeräuberjenny-Vortrag optisch und akustisch illustrieren zu müssen glaubt und damit zerstört, und zweitens, wie man aus Peachums „Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ eine gigantische Vaudevilleszene macht. Noch einmal: nicht beschreibbar, man muss es einfach hören und sehen.

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Besetzung

Almrausch Gesang: Annika Boos Akkordeon: Benjamin Schlie Trompete: Edouard Berlerin Gitarre: Jaime Velasco Klarinette: Oliver Körner Bassposaune: Tobias Sünder Programm

Oberkrainermusik trifft bekannte Melodien aus Pop & Rock

Almrausch

Termin

V39 Freitag | 09.03.2018 | 22:00 Uhr Bauhaus Dessau

Almrausch trägt den botanischen Namen „Rhododendron hirsutum“ und blüht wundervoll in Farben zwischen dunklem Rosa und kräftigem Pink in den Bergen. Aber was soll die charakteristische Alpenrose beim Kurt Weill Fest? Das Gewächs tritt nicht selbst auf, gibt aber einer Band den Namen, die in ihrer Musik die alpenländische Farbe – vornehmlich aus dem alten Herzogtum Krain – mit Rock und Pop, Jazz und Soul-Harmonien verbindet. Das österreichische Kronland Krain, heute in Slowenien aufgegangen, brachte mit den „Oberkrainern“ einen typischen, vor allem durch Musiker wie Slavko Avsenik weltweit bekannt gewordenen Alpen-Sound hervor. „Almrausch“ aktualisiert diese Klangwelt und wendet ihr Konzept auf bekannte Schlager aus Rock und Pop, aber auch auf Oberkrainer-Klassiker an: „Der Stil umfasst Elemente des volkstümlichen Schlagers und alle Facetten moderner populärer Musik.“ Eingefasst in einen Krainer-Sound werden aus bekannten Titeln wie Something Stupid, Lady Marmelade, Proud Mary oder auch original OberkrainerKompositionen wie Hinter´m Hühnerstall, Auf der Autobahn oder Trompetenecho neue und eigenständige Interpretationen. Die Musik von „Almrausch“ zeigt mit enormem Spielwitz, dass man Songs aus vielen Musik-Genres „verkrainern“ kann. „Rockige Gitarrenriffs, knackige Bläserfills, coole Akkordeongrooves und eine unvergleichliche Stimme vereinen sich zu einem genreübergreifenden Klangmix voll Verve und Charme“, heißt es in einem Bericht über einen Auftritt der seit 2013 aktiven Kölner Band.

Mich liebt nur, nur ganz allein, mein Mädel aus Krain. Ich tausch sie für keine ein, mein Mädel aus Krain. Und ist sie auch oft allein, mein Mädel aus Krain. Treu ist sie mir ganz allein, mein Mädel aus Krain.

„Almrausch“ besteht aus sechs professionellen, studierten Musikern (Musikhochschule Köln): Annika Boos ist eine Opernsängerin aus Wuppertal, die auch als Adele in der Fledermaus oder jüngst in Eduard Künnekes Lady Hamilton in Dessau auf der Bühne stand. Dazu kommen die Musiker Benjamin Schlie (Osnabrück, Akkordeon), Edouard Barlerin (Frankreich, Trompete), Jaime Velasco (Santander, Gitarre), Oliver Körner (Augsburg, Klarinette) und Tobias Sünder (Köln, Bassposaune). Die Instrumentierung verzichtet also weitgehend auf Schlaginstrumente und ist in dieser Besetzung typisch krainisch.

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Utopien Besetzung

Musikalische Leitung: Niels Klein Vokalensemble und Jugendjazzorchester der Bundesrepublik Deutschland Programm

Neukompositionen im Auftrag des BuJazzO zu ausgewählten Filmen Ansgar Striepens (*1965) Excelsior (Walter Ruttmann) Das Ornament des verliebten Herzens (Lotte Reiniger) Das Geheimnis der Marquise (Lotte Reiniger) Christopher Dell (*1965) Lichtspiel (László Moholy-Nagy) Gebhard Ullmann (*1957) Berliner Stillleben (László Moholy-Nagy) Bill Dobbins (*1947) Marseille Vieux Port (László Moholy-Nagy) Julia Hülsmann (*1968) Großstadt-Zigeuner (László Moholy-Nagy) Niels Klein (*1978) Lobster (László Moholy-Nagy) Oliver Schneller (*1966) White City Termin

Ein multimediales Konzerterlebnis

Jugendjazzorchester der Bundesrepublik Deutschland

Klingende

Künstlerische und gesellschaftliche Avantgarde zu sein, dieses Streben verbindet die jungen Komponisten des Berlin der zwanziger Jahre, die Mitglieder der innovativen „Novembergruppe“ und die Lehrenden und Studierenden am 1919 in Weimar gegründeten Bauhaus, das seit 1925 in der aufstrebenden, modernen Industrieund Kulturstadt Dessau beheimatet war. Das Bundesjazzorchester (BuJazzO) nimmt die Impulse aus der Zukunftswerkstatt Bauhaus auf und gestaltet mit Blick auf das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum ein ehrgeiziges Projekt: „Klingende Utopien“ ist der Titel des Konzerts, bei dem neu komponierte oder arrangierte Musik zu Kurzfilmen von Bauhaus-Künstlern aus dem Bestand des George Eastman Museum & Science Center in Rochester (USA) erklingt. Mit von der Partie sind bekannte kreative Namen aus der deutschen Jazz-Szene: Der Posaunist Ansgar Striepens, Professor an der Folkwang Universität der Künste in Essen, Dirigent und Arrangeur der WDR Big Band und Leiter des Folkwang Jazz Orchestra. Christopher Dell aus Darmstadt, laut FAZ der „größte Vibraphontechniker der europäischen Jazzgeschichte“, der zur Zeit als Professor für Städtebautheorie an der HafenCity Universität Hamburg lehrt und das ifit, Institut für Improvisationstechnologie in Berlin leitet. Der mit Flöte, Klarinette und Saxophon gleichermaßen vertraute Gebhard Ullmann, der schon über 50 Tonträger veröffentlicht hat und mit vielen Größen der internationalen Jazz-Szene zusammenarbeitet. Der an der Eastman School of Music wirkende Bill Dobbins, ein Jazz-Pianist und Komponist, der die JazzAbteilung der Hochschule für Musik Köln geleitet und eine Reihe von Lehrbüchern zum Jazz verfasst hat. Dazu kommen die Jazz-Pianistin Julia Hülsmann, der ebenfalls an der Eastman School lehrende Saxophonist Oliver Schneller und der Leiter des BuJazzO, Niels Klein. Der zwischen 16 und 24 Jahre alte Spitzennachwuchs der deutschen Jazz-Szene – rund 30 Instrumentalisten und zehn Sänger – knüpft mit diesem Programm an die Bauhaus-Tradition an, einen Beitrag zur modernen Lebenswelt zu leisten – eine Idee, der sich Kurt Weill wohl problemlos angeschlossen hätte.

V43 Samstag | 10.03.2018 | 19:30 Uhr DB-Werk Dessau Mit freundlicher Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.

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Durch

Georg Kreislers Brille

Ilja Richter

Hommage an einen Anarchisten

Wer kennt sie nicht, die unsterblichen, schwarzhumorigen Lieder von Georg Kreisler: Tauben vergiften oder Wie schön wäre Wien ohne Wiener. Vergessen wird dabei oft, dass Kreisler über seine Anfänge im Kabarett hinaus sich als Dichter und Komponist verstand und lange Zeit auch als Chansonnier wirkte. Sogar eine Oper gibt es von ihm (Aquarium oder: Die Stimme der Vernunft), 1996 führte das Anhaltische Theater seine Komödie Ein Tag im Leben des Propheten Nostradamus auf; seine wohl bekannteste Arbeit fürs Theater ist Heute Abend: Lola Blau von 1971. Ilja Richter ist dem breiten Publikum vor allem durchs Fernsehen bekannt, zieht aber das Spiel auf der Bühne als größere Herausforderung vor. Seit seinem Debüt im Alter von neun Jahren am Berliner Renaissance Theater war Richter an über 50 Inszenierungen beteiligt, zuletzt etwa in der Satire Der Kredit von Jordi Galceran am Berliner Theater am Kurfürstendamm oder in Frederick Loewes My Fair Lady in Bad Hersfeld. Der Schauspieler gibt „durch Kreislers Brille“ eine Hommage an den unvergesslichen Künstler. Ein Abend ganz in Kreislers Sinne: Poetisch, poesievoll und pikant. Schmelzende Klänge zu ätzenden Sätzen und umgekehrt. Klavierläufe spielen verrückt, während Ilja Richter mit harmloser Stimme hinterfotzige Geschichten zum Besten gibt. Am Klavier begleitet ihn Sherri Jones, die Klaviervirtuosin der Konzertstücke Kreislers, die viele Jahre mit dem Dichterkomponisten zusammenarbeiten durfte. Jones hat Kurt Weills einziges vollendetes Klavierwerk Intermezzo von 1917 uraufgeführt, ebenso Werke von Erwin Schulhoff oder Stefan Wolpe. Sie spielt gerne Musik abseits des Mainstreams und hat Georg Kreislers Stücke für Solo-Klavier auf CD aufgenommen und in Noten herausgegeGeorg Kreisler ben. Über den amüsanten und manchmal nachdenklichen Kreisler-Abend der beiden Künstler urteilt die Presse: „Sie lassen – absurd, abgefahren und artistisch – Kreislers wortgewandte, melodienreiche Dramolette des schwarzen Humors strahlen und funkeln.… Ein Abend nur mit besten Zutaten und ringsherum zum Verlieben.“

Man hat sich an die gewöhnt, die sich an sich gewöhnt hat, nur leider nicht an .

Frau

dich

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Besetzung

Gesang & Rezitation: Ilja Richter Klavier: Sherri Jones Programm

Georg Kreisler (1922–2011) Zwei alte Tanten tanzen Tango Zu leise für mich Was für ein Ticker ist ein Politiker Meine Freiheit, deine Freiheit Alpenglühn Humoreske Der zweitälteste Frauenberuf Anders als die andern Der Musikkritiker Das Triangel Du hast ja noch dein Grab Frühlingsmärchen Wenn ihr lachen wollt Ohnmächtige Tango Bidla Buh Der Mann ohne Liebe Mein Weib will mich verlassen Mütterlein Ich hab ka Lust Termin

V44 Samstag | 10.03.2018 | 22:00 Uhr Marienkirche Dessau

Mit freundlicher Unterstützung der Autohaus Heise GmbH.


OFFIZIELLER KURT WEILL FEST HAUPTSPONSOR

Inspiration Zukunft Autohaus Heise fördert Kultur in der Region.

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AUTOHAUS HEISE Dessau-Roßlau Heidestraße 75, Tel.: 0340 8701-0 Köthen Prosigker Kreisstraße 9, Tel.: 03496 4103-0 Volkswagen Servicepartner


Le petit train de plaisir Mit Volldampf in den Tag

Einsteigen bitte! Der Vergnügungszug steht bereit. Gleich geht es mit Volldampf in den Tag! Das Thema „Eisenbahn“ hat Komponisten seit den Anfangstagen des modernen Verkehrsmittels interessiert. Antonín Dvorˇák etwa war ein Eisenbahnfan und Arthur Honegger portraitierte in Pacific 231 eine damals hochmoderne Schnellzuglokomotive. Das rhythmische Arbeitsgeräusch der Dampflok, das Pfeifen, Bimmeln, Zischen, das regelmäßige Klackern der Räder über die Schienenstöße faszinierte Menschen, die aus Rhythmus, Tempo und melodischen Motiven Musik machten. Auch wenn das DB-Werk heute hochmoderne Elektroloks unterhält, bleibt noch ein Hauch der spannenden Atmosphäre des Bahnbetriebs. Für Hans Christian Lumbye, den dänischen Johann Strauß, war die Eröffnung der ersten dänischen Eisenbahnstrecke am 27. Juni 1847 der aktuelle Anlass, den Kjøbenhavns Jernbane-Damp-Galop zu schreiben. Dieser Kopenhagener Eisenbahn-DampfGalopp schaffte es 2012 dank Mariss Jansons sogar bis ins Wiener Neujahrskonzert: Wir hören einen idyllischen Largo-Beginn, das Schlagen der Glocke, das Pfeifen der Lok und das schwerfällige, sich beschleunigende Auspuffgeräusch, das sich in den Rhythmus des flotten Tanzes steigert. Den Reiz der Beschleunigung kostet auch Gioachino Rossini in seinem Un Petit Train de Plaisir aus: Auch in diesem zu den sogenannten Alterssünden gehörenden Stück – ursprünglich für Klavier – schnauft die Lokomotive los und beschleunigt. Nur führt die Fahrt in eine komische Katastrophe in typisch Rossini’scher, bissig-humorvoller Einkleidung. Da war eben nicht die „Bahn frei“ wie in Eduard Strauß‘ gleichnamiger Polka schnell op. 45, bei der man sich unschwer einen fahrenden Zug vorstellen kann. Die „Sträuße“ hat das Thema Eisenbahn offenbar immer wieder interessiert, zumal sie regelmäßig für Bälle von Technikern, Ingenieuren und Eisenbahnern komponierten: Auch Johann Strauß lässt sich in seiner Polka schnell Vergnügungszug op. 281, geschrieben 1864 für den Wiener „Ball der Industriellen Gesellschaften“ von der schnellen Fahrt auf Schienen inspirieren und streut das Fauchen und die Pfeifensignale der Lokomotive ein. Und die Glockensignale des gleichnamigen Walzers op. 198 von Eduard Strauß beziehen sich nicht auf frommes Geläute am Sonntag, sondern auf die Glocken, mit denen man sich vor Erfindung von Fernsprecher, Funkgerät oder gar Handy im Eisenbahnverkehr verständigte.

Besetzung

Moderation und Konzept: Günther Weißenborn Dirigent: GMD Markus L. Frank Anhaltische Philharmonie Dessau Programm

Hans Christian Lumbye (1810–1874) Kobenhavns Jernbane Damp Galop Josef Strauß (1827–1870) Feuerfest!, Polka française op. 269 Alexander Mossolow (1900–1973) Die Eisengießerei Kurt Weill (1900–1950) Der Silbersee Ouvertüre Eduard Strauß (1835–1916) Glockensignale, Walzer op. 198 Johann Strauß (Sohn) (1825–1899) Vergnügungszug, Polka schnell op. 281 Gioachino Rossini (1792–1868) Un Petit Train de Plaisir1 Eduard Strauß Bahn frei, Polka schnell op. 45 1 bearbeitet von Andreas Tarkmann (*1956)

Termin

V46 Sonntag | 11.03.2018 | 11:00 Uhr DB-Werk Dessau

Mit freundlicher Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.

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Besetzung

Gesang: Ute Lemper

Ute Lemper

Dirigent: Pierre Bleuse MDR Sinfonieorchester Programm

Marguerite Monnot (1903–1961) Milord Kurt Weill (1900–1950) Die Moritat von Mackie Messer Der Song von Mandelay John Kander (*1927) Cabaret Jiddischer Song Stiller Abend Léo Ferré (1916–1993) Avec le temps George Gershwin (1898–1937) Medley

Stadtkind

Astor Piazzolla (1921–1992) Che, Tango, Che! Yo Soy Maria Preludio para el año 3001 Jacques Brel (1929–1978) Je ne sais pas Amsterdam Ne me quitte pas

Uruk, vor 5.000 Jahren die erste Metropole der Menschheit, wäre mit ihren geschätzten 50.000 Einwohnern heute ein beschauliches Landstädtchen. In den Megacitys der Menschheit leben heute 20 Millionen und mehr. Die Großstadt ist zum beherrschenden Lebensmodell der Moderne geworden: Seit 2010 leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land, 2050 werden es zwei Drittel sein.

Norbert Glanzberg (1910–2010) Padam, Padam John Kander All that Jazz Termin

V48 Sonntag | 11.03.2018 | 17:00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau

Eine Weltbürgerin wie Ute Lemper kennt die Vorzüge und Nachteile, vor allem aber auch die Faszination und das Elend des Lebens in solchen riesigen Städten. Seit 20 Jahren ist New York ihre Heimat, vorher hat sie in Wien studiert, kennt Berlin, Paris, London. Sie hat vier Kinder, die als Stadtkinder aufwachsen. Ute Lemper weiß aus eigener Erfahrung, von welchen Gefühlen, Eindrücken und Verhältnissen die Lieder erzählen, die sie in ihrem Programm „Stadtkind“ singen wird.

Mit all dem Schmerz, den wir Künstler im Leben empfinden, werden wir zum Medium eines universellen Schmerzes.

Schon immer war die Stadt als kulturelles Phänomen ambivalent: Für die einen ein Lebensraum der Freiheit, des Glanzes, der persönlichen Entfaltung und Kreativität. Für die anderen ein Schauplatz des Lebenskampfes, des Elends, der Verlorenheit. Und für die „draußen“ ein Ort der Sehnsucht und der Faszination. Ute Lemper, geboren im westfälischen Münster und aufgeUte Lemper wachsen im strengen katholischen Milieu, hat sich dem „Dickicht der Städte“ angenähert: „Ich bin ein Stadtkind, ganz ohne verträumte Provinzialität, sondern radikal realistisch“, sagt sie im Interview. Sie sieht die Veränderungen der städtischen Gesellschaften. Dort in der Stadt sei man „ständig nahe an der Ader des Zeitgeistes“. Aber man müsse auch mit Menschenmassen und Lärm leben. Ute Lemper schätzt am Stadtleben, dass es bei allen Extremen keine Normalität und deswegen auch keine Provinzia72


lität gibt. „Es herrschen Toleranz und Mitgefühl“, sagt sie über ihr Leben in New York. Auf der anderen Seite stehen die Verlorenheit des Einzelnen in der Stadt, die „Suche nach Sinn und die Sehnsucht“, die sich in Chansons spiegeln. Kurt Weill hat wie kaum ein anderer lakonische, illusionslose Worte über das Dasein in den unwirtlichen Städten, über ihren falschen Glanz und ihre geschminkte Brutalität in wunderbar lapidare, frei von Sentimentalitäten Melodien ohne falsche Gefühle oder träumerische Tröstungen gefasst. Ute Lemper ist seit Beginn ihrer Karriere eine erfolgreiche – und begeisterte – Weill-Interpretin. Ihre erste Platte, mit 23 Jahren aufgenommen, ist Kurt Weill gewidmet. Ob 1990 in einer Dreigroschenoper-Aufnahme oder 1993 einem weiteren Weill-Album: Der Dessauer Komponist ist in ihrem künstlerischen Schaffen stets präsent.

Alle Hauptstädte sind einander gleich; alle Völker vermischen sich dort.

Doch Ute Lemper ist in vielen Genres zu Hause: Sie war in der ersten deutschsprachigen Produktion von Andrew Lloyd Webbers Cats zu sehen, spielte Jean-Jacques Rousseau in John Kanders Cabaret in Paris und in London in Chicago. Seit 1985 ist sie auch immer wieder am Filmset tätig, so auch in Ilona Zioks „Kurt Gerrons Karussell“, gewidmet dem im KZ ermordeten Schauspieler, der erster Polizeichef „Tiger Brown“ in der Dreigroschenoper und erster Interpret der „Moritat von Mackie Messer“ war.

Am Herzen liegt Lemper der Berliner Kabarettstil, wie er in zahlreichen Aufnahmen der zwanziger Jahre überliefert ist: Den griff sie authentisch auf, aber ohne bloß zu imitieren – etwa auf ihrer CD mit Berliner Kabarettsongs aus dem Jahr 1996. Der coole Tonfall, der sich überlegen gibt, aber die inneren Schmerzen spüren lässt, passt ideal zu Weill-Songs wie der „Moritat von Mackie Messer“ oder dem „Alabama“Song. Den Tango „Youkali“ singt sie nach Art eines französischen Chansons, mit der zehrenden Sehnsucht nach einer unerreichbaren Vision im Herzen und dem zärtlichbitteren Wissen um die Vergeblichkeit in der Stimme. Die Chansons von Léo Ferré und Jacques Brel passen in ihrer abgeklärten Resignation und ihrer Trauer um verflogene Gefühle zur Verlorenheit des Menschen in der anonymen Stadt. „So mit der Zeit geht alles hin … wenn die Liebe erlischt …“ (Léo Ferré, Avec le temps).

Mit freundlicher Unterstützung der AHLSA GmbH. Mit freundlicher Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.

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Schön ist’s im Labyrinth ( 1 9 9 1 ) George Grosz in Amerika

Stab

Buch & Regie: Norbert Bunge & Christine Fischer-Defoy Musik: Andi Brauer Termin

V14 Mittwoch | 28.02.2018 | 20:30 Uhr Kiez Kino Dessau

Das Kabinett des Dr. Caligari ( 1 9 2 0 ) Stab

Regie: Robert Wiene Einführung: Dr. Jürgen Schebera Termin

V16 Donnerstag | 01.03.2018 | 20:30 Uhr Kiez Kino Dessau

Unter den klangvollen Namen deutscher Künstler, die nach 1933 in die USA emigrierten, finden sich nur sehr wenige, die das Land nicht als „Wartesaal“ bis zum Ende der Hitlerdiktatur betrachteten, sondern tatsächlich als ihre neue Heimat. Dazu zählen der Komponist Kurt Weill sowie der Zeichner und Maler George Grosz (1893-1959). Geboren in Berlin, bissiger Gestalter des „Gesichts der herrschenden Klasse“, war Grosz einer der populärsten bildenden Künstler der Weimarer Republik. Kaum bekannt ist jedoch, dass er die Hälfte seines künstlerisch produktiven Lebens in den USA verbrachte. Diesen Jahren von 1933 bis 1958 widmet sich die Filmdokumentation „Schön ist’s im Labyrinth“. Der Bruch mit Deutschland, wo die Nationalsozialisten Grosz – ebenso wie Weill – als Galionsfigur bei ihrer Schmähung aller progressiven Kunst der Weimarer Jahre missbrauchten, war mit der Konsequenz verbunden, sich nun in die Kunstszene der USA zu integrieren und dort zu behaupten. Der Film verfolgt die amerikanischen Lebens- und Schaffensstationen des Malers, dabei kommen auch zahlreiche ehemalige Freunde und Kollegen zu Wort. Auszüge aus Grosz’ Korrespondenz, gelesen vom unvergessenen Hilmar Thate, sowie Proben des Lyrikers Grosz, vorgetragen von Heino Ferch, verleihen dem Film eine zusätzliche persönliche Note.

Der Klassiker des deutschen expressionistischen Stummfilms beeindruckt bis heute – neben der spannenden Handlung um einen finsteren Hypnotiseur und sein schlafwandlerisches Medium – vor allem durch den konsequenten Formwillen der Schöpfer. Obwohl expressionistische Malerei und Literatur schon Jahre vor dem Krieg existierten, fanden sie doch erst nach 1918 ein breiteres Publikum. Und der Film wollte da nicht zurückstehen. „Das Filmbild muss Graphik werden“, postulierte Hermann Warm, einer der drei Caligari-Szenographen. Dazu Siegfried Kracauer: „Dem entsprachen dann auch die Dekorationen mit ihren gezackten, spitz zulaufenden Gebilden, ihren schiefen Schornsteinen und durcheinander gewürfelten Dächern, mit ihren baumartigen Arabesken und gemalten Schatten. Die Schrift wurde ebenfalls als wesentliches Element des szenischen Bildes eingeführt. Auch die beiden Hauptdarsteller scheinen der Phantasie eines Graphikers zu entspringen. Werner Krauß als Caligari gleicht einem gespenstischen Zauberkünstler, der selber die Linien und Schatten webt, durch die er schreitet. Und wenn Conrad Veidt als Medium Cesare an einer Mauer entlang streift, so ist es nicht anders, als habe die Mauer ihn ausgedünstet. Solcherart nehmen die menschlichen Wesen am seltsamen Eigenleben der abstrakten Gebilde teil.“

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Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt ( 1 9 3 1 /3 2 ) Stab

Regie: Slatan Dudow Musik: Hanns Eisler Drehbuch: Bertolt Brecht & Ernst Ottwalt Termin

V30 Samstag | 03.03.2018 | 22:00 Uhr Kiez Kino Dessau

Die 3 GroschenOper ( 19 3 1 ) Stab

Regie: G. W. Pabst Musik: Kurt Weill Drehbuch: Léo Lania, Ladislaus Vajda, Béla Balázs

Der erste deutsche proletarische Tonfilm, zugleich – nach dem oratorischen Lehrstück Die Maßnahme – die zweite gemeinsame Arbeit Brechts mit seinem neuen musikalischen Mitarbeiter Eisler, nachdem Weill und er sich getrennt hatten. „Kuhle Wampe“ erzählt keine durchgehende Geschichte, sondern verknüpft einzelne Szenen aus dem Leben Berliner Arbeitsloser anno 1931. Zusammengeführt werden dabei verschiedene, sich gegenseitig kommentierende Gestaltungsebenen: Montagen, Zwischentitel, kontrapunktisch zum Bild gesetzte Instrumentalmusik, dazu Lieder und Chöre. Höhepunkt ist ein großes Fest vieler hundert Berliner Arbeitersportler, bei dem auch die damals bekannteste Agitproptruppe der Stadt „Das Rote Sprachrohr“ mit einem Sketch ins Bild kommt. Eisler schrieb für den Film mehrere Lieder, von denen das mitreißende und energiegeladene „Solidaritätslied“ – gesungen von Hauptdarsteller Ernst Busch – rasch zu bis heute andauernder Popularität gelangte. Der Schluss des Films spielt in einem überfüllten S-Bahn-Wagen, darin auch vom Fest rückkehrender Sportler. Eine Diskussion hebt an über die dem Profit geschuldete Vernichtung von Lebensmitteln im Meer. Einer fragt: „Wem gehört die Welt? Wer wird sie ändern?“ Die Antwort kommt von einer jungen Arbeiterin: „Die, denen sie nicht gefällt!“ Ende.

Korrespondierend mit der Neuinszenierung des Stückes am Anhaltischen Theater Dessau lohnt es, auch die erste Verfilmung noch einmal zu zeigen, gegen die Brecht und Weill den legendären Dreigroschenprozess führten. Kann man doch hier vor allem in den Songs, begleitet von der Lewis Ruth Band unter Theo Mackeben, authentische und Weills Intentionen grandios folgende Interpretationen erleben, wenn etwa Ernst Busch die „Moritat von Mackie Messer“ vorträgt, Carola Neher den „Barbarasong“ auskostet oder Lotte Lenya mit der „Seeräuberjenny“ brilliert. Aktuell bis heute bleibt die von Brecht für den Film geschriebene Schlussstrophe: „Denn die einen sind im Dunkeln Und die andern sind im Licht. Und man siehet die im Lichte Die im Dunkeln sieht man nicht.“

Termin

V35 Mittwoch | 07.03.2018 | 20:30 Uhr Kiez Kino Dessau

Nach der Premiere bemerkte der Filmtheoretiker und -kritiker Rudolf Arnheim: „Die geschmeidig gleitende Kamera, die den Schauplatz der Handlung in lautlose Drehung versetzt; das Perspektivspiel gespenstisch vergitterter Innenräume; der ironische Kitsch des Vollmondes und klagender Liebeslieder; die malerische Frechheit der Bettlerbörse; die zierliche Anmut, mit der hier, verrohend und entsittlichend’ gewirkt wird – man lasse sich das nicht entgehen!“

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Hommage an Kurt Weill Ein Schulprojekt des Kurt Weill Zentrums von Schülern für Schüler

Ein Schulprojekt 02. bis 05. März 2018

Auf Einladung der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. in Zusammenarbeit mit dem Gymna­si­ um Philanthropinum fand im Frühjahr 2017 ein musikalisch-literarisches Projekt statt, an dem acht SchülerInnen der Klassenstufen 9, 11 und 12 teilnahmen. Unter der Leitung der Elmshorner Sängerin Anna Haentjens und der Deutschlehrerin Silvia Weyprachtitzky entstand eine einstündige Hommage an Kurt Weill, die anschließend vor SchülerInnen in der Aula des „Philanthropinums“ aufgeführt wurde. Zwischen den biografischen Teilen trugen die Teilnehmenden des Projekts thematisch passende Gedichte vor u.a. von Mascha Kaléko, Bertolt Brecht, Erich Kästner und einen selbst geschriebenen Text – wie auch Lieder und Songs, u.a. „Speak Low“ von Kurt Weill, „Lili Marleen“, das 1933 im KZ Börgermoor entstandene Lied „Die Moorsoldaten“, das Auswandererlied „Ein stolzes Schiff“, Friedrich Hollaenders „An allem sind die Juden schuld“ wie auch die Volksweise „Die Gedanken sind frei“. Auf Grund der positiven Resonanz darf das Projekt „Von Schülern für Schüler“ nun auch im Rahmen des diesjährigen Kurt Weill Festes stattfinden. 13 SchülerInnen der Klassenstufen 10 bis 12 werden die Textvorlage der bereits präsentierten Hommage erweitern, indem sie sich im Gedenken an die Pogromnacht vor achtzig Jahren thematisch u. a. mit dem Wirken des Vaters von Kurt Weill als Kantor an der einstmals modernsten Synagoge Deutschlands beschäftigen, wie auch mit deren Zerstörung in der Nacht des 9. November 1938, der Wiederentstehung der jüdischen Gemeinde nach 1945 und mit dem geplanten Bau einer neuen Synagoge in Dessau.

Weills Zaubernacht und Müllers Winterreise Kurt Weill trifft Wilhelm Müller Termin

Literarisch-musikalische Führung mit der Gästeführerin Ines Gerds Samstag, 24.02., 03.03. und 10.03.2018 jeweils 11:00 – 13:00 Uhr Treffpunkt: Tourist-Information, Zerbster Str. 2 c Eintritt: 14,00 € pro Person Anmeldungen erforderlich: Tourist-Information Dessau, Tel. 0340 . 2041542

Die Führung geht auf Spurensuche nach dem Dessauer Dichter Wilhelm Müller und den Bühnen, die für den jungen Kurt Weill von Bedeutung waren. Die Zaubernacht ist eine tänzerische Pantomime, in der nach einem initiierenden Lied Spiel­ zeuge – Ball, Hampelmann, Pferdchen, ein Kochherd u.a. – im Kinderzimmer zum Leben erweckt werden: Anlass für einen immer neu sprudelnden Reichtum an Rhythmen, an Stimmungen, an Charakterstücken, an Tänzen, an enormen solistischen Anforderungen. Wilhelm Müllers Winterreise, die Franz Schubert zu seinem wohl bekanntesten Lieder­zyklus an­regte, trifft auf Kompositionen des jungen Weill. Entdecken Sie auf der Führung Orte und Impulse, die den wohl berühmtesten Sohn der Stadt, beeinflusst haben. 76


André Matthis Bednarczik

Musikalische Impressionen – Bilder zu Stücken von Kurt Weill Termin

24. Februar bis 11. März 2018 Vernissage: 24.02.2018, 17:00 Uhr Mi–So: 14:00–17:00 Uhr Anhaltischer Kunstverein Dessau e.V. kunstRaum22 Askanische Straße 22 06842 Dessau-Roßlau Infos

Zu beiden Ausstellungen erhalten Sie weiterführende Informationen unter www.anhaltischer-kunstverein.de

Eine Ausstellung des Anhaltischen Kunstverein Dessau e.V.

Erik Seidel

Könnt’ ich blaue Himmel malen

Eisenplastik | Lithografie | Holzschnitt Termin

10. März bis 22. April 2018 Vernissage: 10.03.2018, 17:00 Uhr Di–So: 11:00–17:00 Uhr Anhaltischer Kunstverein Dessau e.V. Orangerie der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau Puschkinallee 100, 06846 Dessau-Roßlau

Eine Ausstellung des Anhaltischen Kunstverein Dessau e.V.

Zeichnung A. Bednarczik (Mackie Messer)

André Matthis Bednarczik studierte 1971–1977 an der Hochschule der Künste Berlin Malerei, zuletzt  bei  Fred  Thieler, sowie  Geschichte an  der  TU  Berlin. Seit  1978 arbeitet er als freier  Maler  in  Berlin. Angezogen  von  allem,  was  farbig  und  lebendig ist, malt er immer wieder See und Wasser auch die Welt des Theaters und des Tanzes.  1984/85  entstehen zeichnerische Arbeiten  an  verschiedenen  Berliner  Bühnen. Hier inspirierte ihn die wunderbar lebendige Musik von Kurt Weill und der Assoziationsreichtum der Brecht´schen Stücke zu großformatigen Werken, die das szenische Potential dieser Arbeiten mit beeindruckend plastischer Figürlichkeit kraftvoll zum Ausdruck bringen. Beispielhaft dafür die Anna aus Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und die Figuren aus der Dreigroschenoper.

1996–1997 Studium Hochschule für Bildende Kunst Dresden, bei Prof. D. Nitzsche. Lehre zum Steinmetz- und Steinbildhauer in Plauen. Seit 2007 Dozent an der Oxford Summer School, Oxford FB Holzschnitt und Lithografie. Arbeiten im öffentlichen Raum. „Seine Arbeiten kommen mit unvergleichlicher Wucht daher und sind doch filigran, ja detailverliebt. Sie thematisieren das Vergängliche in unvergänglichen Materialien: anfangs Bronze, dann Eisen. Patina wird durch Rost ersetzt. Ablagerungen weichen zunehmend dem Zeitfraß. Das historische Bild muss dem alles verschlingenden panta rhei weichen. Statt Gestreb und Gestäng – den Plastik des Künstlers Erik Seidel technischen Insignien – nun Gedicht und Geripp. Der Hüter des Seins, der Lenker – der Mensch in seiner vollkommenen, idealtypischen, noch nie erreichten Entfaltung – wird im Totentanz auf den Ölfässern als gescheitertes, nein scheiterndes Wesen dargestellt.“ 77


Unser Land. Unsere Versicherung.

BEI DER ÖSA VERSICHERT:

DAS ANHALTISCHE THEATER DESSAU

Seit 1993 ehrt Dessau seinen großen Sohn Kurt Weill mit einem Kulturfest. Es ist zu einer festen und anerkannten Tradition geworden. Fest eingebunden in diese Tradition ist auch das Anhaltische Theater, welches 1938 als „Landestheater Dessau“ mit der damals größten Drehbühne Deutschlands eröffnet wurde. Seit 1994 trägt das Haus den heutigen Namen Anhaltisches Theater Dessau. Die ÖSA Versicherungen gehören von Beginn an zu den Förderern des Kurt Weill Festes.

Wir sind für Sie da:

Wir versichern auch Sie. Die einzige einheimische Versicherung ist auch für Sie da. Seit mehr als 25 Jahren bieten wir unseren Privat- und Gewerbekunden den Versicherungsschutz, den sie wirklich brauchen - von A wie Auto über H wie Haftplicht und Hausrat bis Z wie Zukunftsvorsorge. Nicht von der Stange, sondern maßgeschneidert. Und weil immer mehr Menschen ihren Versicherungsschutz der ÖSA anvertrauen, können wir auch vielfältige Projekte im Land unterstützen. So zum Beispiel das traditionelle Kurt Weill Fest in Dessau.

in allen ÖSA-Agenturen überall in der Sparkasse im ÖSA Kundendienst Center Tel.: 0391 7 367 367 www. oesa.de


Dessau 01.03.-17.03.2019

‌ und meine Phantasie ist kein Vogel, sie ist ein Flugzeug!

www.kurt-weill-fest.de


Stadtplan Dessau - R osslau

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Veranstaltungsorte in Dessau-Roßlau 1. Altes Theater Dessau Lily-Herking-Platz 1 06844 Dessau-Roßlau

6. Gründerzeitvilla Krötenhof Wasserstadt 50 06844 Dessau-Roßlau

11. Moses Mendelssohn Zentrum Mittelring 38 06849 Dessau-Roßlau

2. Anhaltische Gemäldegalerie Dessau Orangerie Puschkinallee 100 06846 Dessau-Roßlau

7. Kiez Kino Bertolt-Brecht-Straße 29a 06844 Dessau-Roßlau

12. Petruskirche Wilhelm-Müller-Straße 1 06844 Dessau-Roßlau

8. kunstRaum22 Askanische Straße 22 06842 Dessau-Roßlau

13. Philipp Melanchthon Kirche Lindenstraße 1 06847 Dessau-Roßlau OT Alten

4. Bauhaus Dessau Gropiusallee 38 06846 Dessau-Roßlau

9. Kurt Weill Zentrum / Haus Feininger & Moholy-Nagy Ebertallee 63 06846 Dessau-Roßlau

14. Radisson Blu Fürst Leopold Hotel Friedensplatz 1 06844 Dessau-Roßlau

5. DB-Werk Dessau Peterholzstraße 15 06849 Dessau-Roßlau

10. Marienkirche Dessau Schlossplatz 06844 Dessau-Roßlau

3. Anhaltisches Theater Dessau Friedensplatz 1a 06844 Dessau-Roßlau

16. Synagoge Dessau Kantorstraße 3 06842 Dessau-Roßlau

Veranstaltungsort in Wörlitz 17. Eichenkranz Wörlitz Angergasse 104 06785 Oranienbaum-Wörlitz OT Wörlitz

15. Rathaus-Center Dessau Kurt-Weill-Lounge Kavalierstraße 49 06844 Dessau-Roßlau

Überregionale Veranstaltungsorte 18. Francisceum Zerbst Weinberg 1 39261 Zerbst 19. Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Friedemann-Bach-Platz 5 06108 Halle (Saale)

20. MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt Stadtparkstraße 8 39114 Magdeburg

22. Stadtmuseum Halle (Saale) Christian-Wolff-Haus Große Märkerstraße 10 06108 Halle (Saale)

21. Museum Synagoge Gröbzig Lange Straße 8/10 06388 Gröbzig

23. Steintor-Varieté Am Steintor 10 06112 Halle (Saale)

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24. Synagoge Halle Humboldtstraße 52 06114 Halle (Saale)


Veranstaltungsorte 1. Altes Theater Dessau In der Innenstadt Dessaus, auf dem ehemaligen Standort des Alten Hoftheaters, beheimatet das rote Haus die kleineren Spielstätten des Anhaltischen Theaters. Zu den Spielorten zählen die Puppenbühne, das Studio und das multifunktional nutzbare Foyer im Erdgeschoss als Spielstätten für das Schauspiel. Das Foyer bietet darüber hinaus auch Raum für verschiedene Kulturangebote, wie z.B. die Kabarett-Reihe. Lily-Herking-Platz 1 06844 Dessau-Roßlau Tel. 0340 . 25 11 0

5. DB-Instandhaltungswerk / Ausbesserungswerk Dessau Seit 1922 werden in dem DB-Ausbesserungswerk Lokomotiven auf den neusten Stand gebracht. Dabei gehört das Werk mit über 1 200 Angestellten und einer Fläche von 257 474 m2 zu einem der Größten seiner Art. Selten ist das Werk für die Öffentlichkeit geöffnet: Das Konzert mit Nils Landgren, der Uni-Bigband Halle und dem Junior Jazz Orchestra Dessau wird inmitten der Maschinen und Lokomotiven stattfinden. Peterholzstraße 15 06849 Dessau-Roßlau

2. Anhaltische Gemäldegalerie Dessau Das Schloss- und Parkensemble ist der zweitgrößte Landschaftspark im Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Es wurde ab 1780 von Prinz Johann Georg von Anhalt-Dessau errichtet und nach ihm benannt. In dem großzügig angelegten englischen Garten befinden sich zahlreiche klassizistische Bauten, die im Einklang mit der Natur stehen. Das Schloss beherbergt heute die Anhaltische Gemäldegalerie. Puschkinallee 100 06846 Dessau-Roßlau 3. Anhaltisches Theater Dessau Das Anhaltische Theater ist eines der größten Bühnenhäuser Europas. Mit seinen vier Sparten zieht es Besucher aus Dessau, der Region sowie aus weiten Teilen Deutschlands an und begeistert auch internationale Gäste. Gemeinsam mit der Anhaltischen Philharmonie steht es für eine weit über 200-jährige Kulturtradition in Sachsen-Anhalt. Mit seinen 1 073 Plätzen und einer Gesamtbühnenfläche von 1 450 m2 ist es das größte Theater in Sachsen-Anhalt. Friedensplatz 1a 06844 Dessau-Roßlau Tel. 0340 . 25 11 0 4. Bauhaus Dessau 1925/26 entstand in Dessau nach Entwürfen von Walter Gropius das berühmte Bauhausgebäude, in dem die ursprünglich in Weimar beheimatete Hochschule für Gestaltung eine neue Wirkungsstätte fand. Das Ensemble aus Glas, Stahl und Beton entspricht der Idee seines Begründers: Die Form gehorcht der Funktion. Das Architektur-Denkmal wurde 1996 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

6. Gründerzeitvilla Krötenhof Der Berliner Hofbaurat Ernst Eberhardt errichtete die feudale Villa Krötenhof 1887 im Auftrag des Tuchfabrikanten Albert Meinert. Nach langer Privatnutzung wurde sie 1947 vorübergehend zum Hotel, 1958 zog der Klub der Volkssolidarität ein. Seit 2003 dient das Haus als generationenübergreifende Einrichtung der Stadtverwaltung Dessau.

Anhaltisches Theater Dessau

Wasserstadt 50 06844 Dessau-Roßlau Tel. 0340 . 21 25 06 7. Kiez Kino Der K.I.E.Z e.V. ist ein sozio-kulturelles Zentrum im Gründerzeit-Viertel Dessau-Nord, das unter seinem Dach das einzige Programmkino der Stadt betreibt und dessen Café vor allem bei jungen Leuten beliebt ist. Gegründet wurde der Verein im Jahre 1991. Bertolt-Brecht-Straße 29a 06844 Dessau-Roßlau Tel. 0340 . 21 20 32 8. kunstRaum22 Der kunstRaum22 des Anhaltischen Kunstverein Dessau e.V., mit 80qm Ausstellungsfläche, befindet sich im Zentrum Dessaus und hat durch seine Gestaltung als White Cube besonders bei der Präsentation von moderner Kunst viele Möglichkeiten. Im kunstRaum22 bilden experimentelle, noch ungesicherte künstlerische Positionen den inhaltlichen Schwerpunkt. Das Heranführen Dessauer Schüler an Kunst wird in der Ausstellungsreihe „unArtig”, in Zusammenarbeit mit den Gymnasien/Realschulen, thematisiert; dies wird nachhaltig auch durch die örtliche Wirtschaft unterstützt.

Gründerzeitvilla Krötenhof

Askanische Straße 22 06842 Dessau-Roßlau

Gropiusallee 38 06846 Dessau-Roßlau Tel. 0340 . 65 08 250

Bauhaus Dessau

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Veranstaltungsorte 9. Kurt Weill Zentrum / Haus Feininger & Moholy-Nagy Einst Lebens- und Arbeitsstätte der Bauhäusler Lyonel Feininger und László Moholy-Nagy sind das bereits 1994 restaurierte Haus Feininger und das im Mai 2014 neu eröffnete Haus Moholy-Nagy heute Sitz des Kurt Weill Zentrums. Das Zentrum ist die einzige europäische Dokumentationsstätte für Leben und Werk des Komponisten, der 1900 in Dessau geboren wurde. Als ein „Kultureller Gedächtnisort“ mit besonderer nationaler Bedeutung wurde es in das Blaubuch der Bundesregierung aufgenommen. Ebertallee 63 06846 Dessau-Roßlau Tel. 0340 . 61 95 95

Haus Moholy-Nagy

10. Marienkirche Dessau Die Schloss- und Stadtkirche St. Marien wurde 1506–1554 errichtet. 1534 hielt die Reformation in Dessau Einzug, sodass auch Martin Luther hier predigte. Die im Zweiten Weltkrieg nahezu völlig zerstörte Kirche wurde in den Jahren 1990–1998 wieder aufgebaut. Schlossplatz 06844 Dessau-Roßlau 11. Moses Mendelssohn Zentrum Im Moses Mendelssohn Zentrum präsentiert die gleichnamige Gesellschaft in einer Dauerausstellung das Leben und die Wirkungsgeschichte des Dessauer Philosophen und Haskala-Vertreters Moses Mendelssohn. Unter den Exponaten befinden sich eine Kopie der Mendelssohn-Büste von Jean Pierre Antoine Tassaert, Originalausgaben von Mendelssohns Schriften sowie Faksimiles von Briefen. Ein besonderer Akzent wird auf Mendelssohns Dessauer Wurzeln gelegt.

Marienkirche Dessau

Mittelring 38 06849 Dessau-Roßlau 12. Petruskirche Die evangelische Petruskirche in Dessau wurde 1902 im Stil der Neoromanik gebaut. Bei den Bauarbeiten stieß man auf etwa ein Dutzend menschlicher Skelette. Anhand einer zugleich aufgefundenen Münze, einem Anhaltischen Dreier vermutete man die Beisetzung in der Zeit der Befreiungskriege 1813/14. 2018 wird der Leipziger Synagogalchor die Rekonstruktion eines Synagogenkonzertes vom 14. März 1926 präsentieren. Wilhelm-Müller-Straße 1 06844 Dessau-Roßlau 13. Philipp Melanchthon Kirche

Petruskirche Dessau

Die Kirche wurde nach Entwürfen des Regierungsbaumeisters Teichmüller im neoromanischen Stil errichtet und 1898 eingeweiht. Der rote Klinkerbau hat als Grundriss ein griechisches Kreuz

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und einen 53 Meter hohen Vierungsturm, in dem drei Glocken zum Gebet und zu den Gottesdiensten rufen. Besonders markant an der Außenseite der Melanchthonkirche sind die reiche Gliederung und die mit Stufengiebeln überbauten großen Rosettenfenster, die in die vier Himmelsrichtungen weisen. Auf der Orgelempore steht die von Wilhelm Rühlemann aus Zörbig erbaute romantische Orgel mit 13 Registern und zwei Manualen. Lindenstraße 1 06847 Dessau-Roßlau OT Alten 14. Radisson Blu Fürst Leopold Hotel Das Hotel befindet sich im Zentrum von Dessau, nahe Theater und Bahnhof, und folgt in seiner Ausstattung den Grundsätzen des Bauhausstils: klar und sachlich und mit einem modernen Design. Im Rahmen des Kurt Weill Fest ist das Hotel Veranstaltungsort für Festivalcafés, Pressekonferenzen und beherbergt das Medienbüro des Festivals. Friedensplatz 1 06844 Dessau-Roßlau Tel.: 0340 . 25 15 0 15. Rathaus-Center Dessau / Kurt-Weill-Lounge Das Rathaus-Center mit seinen ca. 80 Fachgeschäften befindet sich mitten in der Innenstadt von Dessau-Roßlau. Dank des großzügigen Engagements des Rathaus-Centers konnte eine Kurt-WeillLounge errichtet werden. Bücherregale mit Werken zur Musik-, Kultur- und Zeitgeschichte laden zum Schmökern in gemütlichen Sesseln und zum Musik hören ein. Kavalierstraße 49 06844 Dessau-Roßlau 16. Synagoge Dessau In der Stadt reicht die Geschichte jüdischen Lebens bis ins Jahr 1672 zurück. Die „Alte Synagoge“ in der Kantorstraße war lange Zeit die wichtigste Synagoge in Anhalt. Im Februar 1908 feierlich eröffnet, prägte der repräsentative Neubau die Stadtsilhouette und war bis zur Zerstörung in der Reichspogromnacht 1938 ein Symbol für jüdisches Leben in Deutschland. Seit Mitte der 1990er Jahre besteht in Dessau wieder eine Jüdische Gemeinde, die Einblicke in das jüdische Leben in Dessau gewährt. Kantorstraße 3 06842 Dessau-Roßlau 17. Eichenkranz Wörlitz 1785–87 ließ Fürst Franz am Zugang zur Stadt Wörlitz den „Großen Gasthof“ bauen, der für die gute Aussicht und seine geschmackvollen und modern möblierten Zimmer berühmt war. In dem weltoffenen, später als „Eichenkranz“ bezeichneten Gästehaus logierten u.a. die Dichter Wackenroder, Tieck, Hölderlin und Novalis. Die Gesellschaft der


Veranstaltungsorte Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches e.V. hat sich des Ge­­bäudes angenommen und es mit Hilfe von Fördermitteln und privaten Spendengeldern fast vollständig denkmalgerecht saniert. Angergasse 104 06785 Oranienbaum-Wörlitz OT Wörlitz 18. Francisceum Zerbst 1523 beschlossen die Wittenberger die Errichtung eines neuen Rathauses auf dem Marktplatz. Bis ins 20. Jahrhundert hinein befanden sich im Untergeschoss Verkaufsläden. Das alte Rathaus war bis zum Jahre 2000 Sitz der Stadtverwaltung. Heute befindet sich im Rathaus u.a. die Stiftung „Christ­ liche Kunst Wittenberg“ und wird für Konzerte und Ausstellungen genutzt. Weinberg 1 39261 Zerbst 19. Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) In den alten Gemäuern der Moritzburg, erbaut 1484, findet sich heute eine der bedeutendsten Sammlungen an expressionistischen Werken. Neben Gemälden von Franz Marc und Ernst Ludwig Kirchner, beherbergt das Museum Malereien von Gustav Klimt und Edvard Munch. Der neue Anbau aus dem Jahr 2008 hat die Stiftung endgültig zu einem künstlerischen Zentrum in Sachsen-Anhalt werden lassen. Friedemann-Bach-Platz 5 06108 Halle (Saale)

22. Stadtmuseum Halle – Christian-Wolff-Haus Das Christian-Wolff-Haus dient als kultureller Gedächtnisort für seinen berühmtesten Bewohner und damit auch für die deutsche Frühaufklärung: Hier lebte, forschte und unterrichtete zwischen 1741 und 1754 der seinerzeit national und international anerkannte Aufklärungsphilosoph und Universitätsprofessor Christian Wolff. Von 1764 bis 1945 war das Areal Sitz von Verlag und Druckerei der Familie Gebauer-Schwetschke. Heute ist das Haus eine lebendige Begegnungsstätte für die Geschichte und Kultur der Stadt Halle (Saale) und lädt regelmäßig zu Veranstaltungen und philosophischen Betrachtungen ein. Große Märkerstraße 10 06108 Halle (Saale) 23. Steintor-Varieté Halle (Saale) Das Steintor-Varieté Halle gehört zu den traditionsreichsten Revue- und Varieté-Bühnen Deutschlands. In den letzten Jahren wurde die ursprüngliche architektonische Gestaltung des Innenraumes und der Fassade von 1889 weitgehend wiederhergestellt. Den Betreibern des Steintor-Varietés gelang es in den vergangenen Jahren Künstler wie Max Raabe, Nicole, Juliane Werding, Chris Barber, John Mayall, The Rocky Horror Show, Phantom der Oper, Stephanie Hertel, Harlem Gospel Singers, Frank Schöbel, Vicky Leandros, Art Garfunkel und weitere Künstler zu engagieren.

Francisceum Zerbst

Am Steintor 10 06112 Halle (Saale)

20. MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt Stilvoll und modern eingerichtet präsentiert sich das Landesfunkhaus in der Landeshauptstadt Magdeburg. Der MDR sendet von dort die Nachrichtensendungen „MDR um elf“, „Fakt ist!“ sowie einige Fernsehshows. Das Kurt Weill Fest überträgt aus dem Funkhaus „Ich, Kurt Weill“. Stadtparkstraße 8 39114 Magdeburg 21. Museum Synagoge Gröbzig In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts be­­ gann man in Gröbzig mit dem Bau der Synagoge. Um etwa 1809 bis 1811 wurde der ursprünglich bereits 1670 angelegte Friedhof an der Synagoge erweitert. In der DDR veränderte man die Optik des Gebäudes. So erhielt es einen glatten Putz und weiße Wände. Auch die Wandmalereien aus dem Jahre 1858 wurden übermalt. Erst 1984 begann man mit der Restaurierung und der Wiederherstellung des alten Zustands. Die Neueröffnung als Museum erfolgte am 3. November 1988. Seit 1996 gehört die Synagoge zum Museum jüdischer Kulturgeschichte des mitteldeutschen Raumes. Lange Straße 8/10 06388 Gröbzig

24. Synagoge Halle Die Synagoge von Halle (Saale) ist das Gotteshaus der heute etwa 700 Mitglieder zählenden Jüdischen Gemeinde. Das Gebäude wurde 1894 ursprünglich als Feierhalle des 1864 nordöstlich der Innenstadt von Halle angelegten jüdischen Friedhofs gebaut. Die Architekten waren Gustav Wolff und Theodor Lehmann. Die Umnutzung zur Synagoge erfolgte ab 1948 nach einigen Umbauten (geweiht 1953) und als Ersatz für die während der Novemberpogrome 1938 von den Nationalsozialisten zerstörte Synagoge in der Innenstadt. Es handelt sich um einen schlichten Saalbau im maurischen Stil mit großen Rundbogenfenstern. Ein in der Mitte der Vorderfront vorgelagerter Turm trägt eine der charakteristischen vier Kuppeln.

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

Humboldtstraße 52 06114 Halle (Saale)

Stadtmuseum Halle – Christian-Wolff-Haus

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Till Brönner

P rogrammübersicht und Preise

Freitag | 23.02.2018 17:00 Uhr, Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau

Festakt zur Eröffnung V1

www.kurt-weill-fest.de

Sonntag | 25.02.2018

11:00 Uhr, Frühschoppen im

V7 Café-Bistro des Bauhaus Dessau So schön wie der Morgen Ein musikalischer Brunch

19:30 Uhr, Eröffnungskonzert im Anhaltischen Theater Dessau

Tickets € 20  [inkl. 1 Begrüßungsgetränk]

Seite 49

Festspieleröffnungskonzert Auftakt mit dem Artist-in-Residence

V8

Tickets K1 € 44 (39)  ·  K2 € 37 (32)  ·  K3 € 29 (24)  ·  K4 € 22 (17)   U27 € 9

Zu Gast bei der Jüdischen Gemeinde zu Dessau

22:00 Uhr, Vorplatz des Anhaltischen Theaters Dessau

22:30 Uhr, Begegnungen im Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau

Eröffnungsempfang

Jan Josef Liefers

Eintritt frei

Festliches Feuerwerk V2

11:00 Uhr, Begegnungen in der Synagoge in Dessau

V9

14:00 Uhr, Konzert im Stadtmuseum Halle (Saale)

Auf dem Weg zur Bildung

1. Teil der Spurensuche durch Sachsen-Anhalt

Tickets € 24 [inkl. Buffet und 1 Begrüßungsgetränk]

Tickets € 18 (15)   U27 € 9  Kombi € 39 (30)

Seite 16–17

V3

Seite 38–39

Diese Veranstaltung im Beatclub Dessau entfällt

V10

Let’s swing

14:00 Uhr, Konzert im Francisceum Zerbst

Auf dem Weg zur Bildung

1. Teil der Spurensuche durch Sachsen-Anhalt Tickets € 18 (15)   U27 € 9  Kombi € 39 (30)

Melton Tuba Quartett

Diese Veranstaltung wurde auf den 03.03.2018, 12:00 Uhr verschoben

Im Gespräch mit Till Brönner

Samstag | 24.02.2018 V4

Seite 31

V11

17:00 Uhr, Oper im Anhaltischen Theater Dessau

La BETTLEROPERa

Ein Gastspiel der Neuköllner Oper Berlin Tickets K1 € 44 (39)  ·  K2 € 37 (32)  ·  K3 € 29 (24)  ·  K4 € 22 (17)   U27 € 9

Seite 12–13

Seite 38–39

V5a

Dienstag | 27.02.2018

16:00 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

Liebe ist nicht wie du

V12

Uneitel und authentisch – einfach Jan Josef Liefers

Menschenskind!

Ein Liederabend mit Dagmar Manzel

19:00 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

Dagmar Manzel

V5

Liebe ist nicht wie du Uneitel und authentisch – einfach Jan Josef Liefers

Tickets K1 € 50 (45)  ·  K2 € 42 (37)  ·  K3 € 34 (29)  ·  K4 € 27 (22)   U27 € 9

Tickets K1 € 32 (28)  ·  K2 € 26 (22)   U27 € 9

Seite 51

Mittwoch | 28.02.2018

19:00 Uhr, Dinner mit Musik im

V13 Historischen Eichenkranz Wörlitz

Seite 46–47 V6

19:30 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

Zu Gast sein

Ein musikalisch-kulinarischer Abend

22:00 Uhr, Konzert im Bauhaus Dessau

Tickets € 70 [inkl. Menü, exkl. Getränke]

Melton Tuba Quartett

Seite 53

Von Klassik bis Jazz

Tickets € 24 (20)   U27 € 9

Seite 48

84


Jochen Kowalski

Programmübersic ht und Preise

Mittwoch | 28.02.2018

V14

20:30 Uhr, Film im Kiez Kino Dessau

Schön ist’s im Labyrinth

0341 . 14 990 900

Freitag | 02.03.2018

19:00 Uhr, Dinner mit Musik im

V20 Historischen Eichenkranz Wörlitz Zu Gast sein

(1991)

George Grosz in Amerika

Ein musikalisch-kulinarischer Abend

Tickets € 6 (5)

Tickets K1 € 70 [inkl. Menü, exkl. Getränke]

Seite 74

Seite 53

Donnerstag | 01.03.2018

V21

19:00 Uhr, Dinner mit Musik im

Till Brönner & Dieter Ilg

V15 Historischen Eichenkranz Wörlitz

Ein melodiereiches Zusammenspiel Lazylectric

Zu Gast sein

Ein musikalisch-kulinarischer Abend Tickets K1 € 70 [inkl. Menü, exkl. Getränke]

Seite 19

20:30 Uhr, Stummfilm im Kiez Kino Dessau

Das Kabinett des Dr. Caligari

Tickets K1 € 44 (39)  ·  K2 € 32 (27)   U27 € 9

V22

Seite 53 V16

20:00 Uhr, Konzert im Steintor-Varieté Halle (Saale)

20:00 Uhr, Konzert im MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt in Magdeburg

Ich, Kurt Weill

Eine multimediale biografische Collage Tickets € 28 (24)   U27 € 9

(1920)

Seite 57

Tickets € 6 (5)

Seite 74 20:30 Uhr, Kabarett im Foyer des Alten Theaters Dessau

Gott lacht mit seinen Geschöpfen Ein humorvoller Blick auf das jüdische Leben

Dieter Ilg

V17

Samstag | 03.03.2018 V23

11:00 Uhr, Konzert im Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau

Der beste Nachwuchs

Preisträger-Konzert „Jugend musiziert“ Tickets € 7,50 (6)

Seite 59

Tickets € 18 (15)   U27 € 9

Seite 30

12:00 Uhr, Festivalcafé im Radisson Blu Fürst Leopold Hotel Dessau

V10

Freitag | 02.03.2018

V18

Im Gespräch mit Till Brönner

19:00 Uhr, Oper im Anhaltischen Theater Dessau

Begegnung mit dem Artist-in-Residence Tickets € 10 (8)

Die Dreigroschenoper  Premiere Seite 8–11 V19

19:00 Uhr, Konzert in der Marienkirche Dessau

Seite 21 Flautando Köln

Tickets K1 € 40 (33)  ·  K2 € 32 (27)  ·  K3 € 26 (22)  ·  K4 € 21 (18)

V24

14:00 Uhr, Konzert in der Synagoge Gröbzig

Auf dem Weg zum Glauben

2. Teil der Spurensuche durch Sachsen-Anhalt Tickets € 18 (15)   U27 € 9  Kombi € 39 (30)

Berliner Glanz

Seite 40–41

Ein Lieder- und Chansonabend mit Jochen Kowalski

V25

Tickets K1 € 32 (28)  ·  K2 € 26 (22)   U27 € 9

Seite 54–55

16:00 Uhr, Konzert in der Philipp Melanchthon Kirche Dessau

Neuland

Werke des 20. Jahrhunderts Tickets € 22 (18)   U27 € 9

Seite 60

85


Torun Eriksen

P rogrammübersicht und Preise

Samstag | 03.03.2018

V26

19:00 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

Till Brönner & Dieter Ilg

www.kurt-weill-fest.de

Sonntag | 04.03.2018

V33

14:00 Uhr, Kammerkonzert im Bauhaus Dessau

10 Jahre Novembergruppe

Ein melodiereiches Zusammenspiel

Eine Rekonstruktion des Konzertes vom 24. Januar 1930

Tickets K1 € 44 (39)  ·  K2 € 37 (32)  ·  K3 € 29 (24)  ·  K4 € 22 (17)   U27 € 9

Tickets € 18 (15)   U27 € 9

Seite 26

Seite 19

V27

20:00 Uhr, Jazz-Abend im MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt in Magdeburg

V34

Klassik im Aufbruch

In Love with Shakespeare Seite 61

V28

21:30 Uhr, Konzert in der Marienkirche Dessau

Vision String Quartet

Revolutionäre Klassiker

Till Brönner & Dieter Ilg

Tickets € 28 (24)   U27 € 9

Gastspiel des Orchesters der Komischen Oper Berlin Tickets K1 € 34 (27)  ·  K2 € 27 (22)  ·  K3 € 21 (17)  ·  K4 € 16 (13)   U27 € 9

Seite 24–25

Mittwoch | 07.03.2018

Tickets K1 € 28 (24)  ·  K2 € 22 (18)   U27 € 9

Seite 62–63

V29

17:00 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

V35

22:00 Uhr, Konzert im Bauhaus Dessau

20:30 Uhr, Film im Kiez Kino Dessau

Die 3 Groschen-Oper

(1931)

Tickets € 6 (5)

Ich, Kurt Weill

Seite 75

Eine multimediale biografische Collage

Seite 57

V30

22:00 Uhr, Film im Kiez Kino Dessau

Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt (1931/32)

Vision String Quartet

Tickets € 24 (20)   U27 € 9

Donnerstag | 08.03.2018

V36

19:30 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

Mahnmale

Im Gedenken an die Zerstörung der Stadt Dessau am 07. März 1945

Tickets € 6 (5)

Tickets K1 € 34 (27)  ·  K2 € 27 (22)  ·  K3 € 21 (17)  ·  K4 € 16 (13)

Seite 75

Seite 33

Sonntag | 04.03.2018

Kleiner Vogel Kukuli

Lebensspuren zu Carola Neher und Klabund Tickets € 18 (15)   U27 € 9

Seite 64

V32

V37

11:00 Uhr, Konzertmatinee in der Gründerzeitvilla Krötenhof Dessau

20:00 Uhr, Kurzweiliges im Foyer des Alten Theaters Dessau

Dreigroschen-Trash Daniel Lozakovich

V31

14:00 Uhr, Konzert in der Synagoge Halle (Saale)

Auf dem Weg zum Glauben

2. Teil der Spurensuche durch Sachsen-Anhalt Tickets € 18 (15)   U27 € 9  Kombi € 39 (30)

Seite 40–41

86

Missratene Songaufnahmen aus sieben Jahrzehnten Tickets € 18 (15)   U27 € 9

Seite 65


Freitag | 09.03.2018

V38

19:30 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

Mahnmale

Im Gedenken an die Zerstörung der Stadt Dessau am 07. März 1945 Tickets K1 € 34 (27)  ·  K2 € 27 (22)  ·  K3 € 21 (17)  ·  K4 € 16 (13)

Seite 33

V39

Dessau nach dem Angriff der Alliierten

Programmübersic ht und Preise

22:00 Uhr, Konzert im Bauhaus Dessau

0341 . 14 990 900

Sonntag | 11.03.2018

11:00 Uhr, Kammerkonzert im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

V45

10 Jahre Novembergruppe Eine Rekonstruktion des Konzertes vom 24. Januar 1930

Tickets € 18 (15)   U27 € 9  Führung € 6

Seite 26

V46

Almrausch

Tickets € 22 (18)   U27 € 9

Seite 67

Ludwig Böhme

Le petit train de plaisir

Oberkrainermusik trifft bekannte Melodien aus Pop & Rock

Mit Volldampf in den Tag

Tickets € 12   Kinder bis 18 Jahre € 6

Seite 71

V47

Samstag | 10.03.2018

V40

11:00 Uhr, Konzertmatinee im DB-Werk Dessau

14:00 Uhr, Konzert im Stadtmuseum Halle (Saale)

Auf dem Irrweg?

3. Teil der Spurensuche durch Sachsen-Anhalt

14:00 Uhr, Konzert im Eichenkranz Wörlitz

Tickets € 18 (15)   U27 € 9  Kombi € 39 (30)

Seite 42–43

Auf dem Irrweg?

3. Teil der Spurensuche durch Sachsen-Anhalt

Tickets € 18 (15)   U27 € 9  Kombi € 39 (30)

V48

Seite 42–43 16:00 Uhr, Oper im Anhaltischen Theater Dessau

Ute Lemper – Stadtkind Ute Lemper

V41

Die Dreigroschenoper Tickets K1 € 37 (30)  ·  K2 € 29 (24)  ·  K3 € 23 (19)  ·  K4 € 18 (15)

Seite 8–11

V42

19:30 Uhr, Konzert in der Petruskirche Dessau

Klingende Toleranz

Rekonstruktion eines Synagogenkonzertes vom 14. März 1926 Tickets € 22 (18)   U27 € 9

Ilja Richter

Seite 34–35

V43

19:30 Uhr, Konzert im DB-Werk Dessau

Klingende Utopien

Ein multimediales Konzerterlebnis Tickets € 22 (18)   U27 € 9

Seite 68

V44

17:00 Uhr, Abschlusskonzert im Anhaltischen Theater Dessau

22:00 Uhr, Konzert in der Marienkirche Dessau

Durch Georg Kreislers Brille Hommage an einen Anarchisten

Tickets K1 € 32 (28)  ·  K2 € 26 (22)   U27 € 9

69

87

Tickets K1 € 44 (39)  ·  K2 € 37 (32)  ·  K3 € 29 (24)  ·  K4 € 22 (17)   U27 € 9

Seite 72–73


I mpressum | Kurt-Weill -G esellsc haft e .V. Veranstalter Kurt Weill Fest Dessau Kurt Weill Fest Dessau GmbH Intendanz: Markus L. Frank, Gerhard Kämpfe, Dr. Jürgen Schebera und Johannes Weigand Geschäftsführung: Joachim Landgraf Projektleitung: Constanze Mitter Pressearbeit: Robert Unger Kurt Weill Fest Dessau GmbH Kurt Weill Zentrum / Meisterhaus Feininger Ebertallee 63, 06846 Dessau-Roßlau welcome@kurt-weill.de, www.kurt-weill-fest.de Sitz der Gesellschaft ist Dessau-Roßlau Amtsgericht Stendal HRB 17378 Herausgeber: Kurt Weill Fest Dessau GmbH Stand: 29.01.2018, Änderungen vorbehalten Auflage: 5.000 Exemplare Texte: Werner Häußner ausgenommen: Dr. Jürgen Schebera (Seiten 57, 65, 74 und 75) Robert Unger (Seiten 31, 53, 76 und 77) Redaktion: Robert Unger Redaktionelle Mitarbeit: Constanze Mitter, Jonas Nachtsheim, Dr. Jürgen Schebera Marketing, Grafik, Ticketing und Medienproduktion: Roßdeutscher & Bartel GmbH, Agentur für Marketing und Kommunikation Tschaikowskistr. 16, 04105 Leipzig Tel. 0341 . 21 24 662, Fax 0341 . 21 24682 Informationen & Kartenservice: Tel. 0341 . 14 990 900 Technische Leitung Kurt Weill Fest: PND – Alexander Hirche und Arndt Sellentin Bildnachweis (Spaltenweise von links nach rechts) S. 1: Claudia Heysel, Reinhard Scheuregger; S. 2: Matthias Heyde, Chris Noltekuhlmann, Jan Windszu, Archiv Stadt Dessau-Roßlau, Michael Zargarinejad | Universal Music; S. 3: Christina Feldhoff, Andreas Lander, Tim Kloecker, Christian Debus, Agentur Richter Jones, Lucas Allen; S. 4: Presse- und Informationsamt der Landesregierung Sachsen-Anhalt, Amerikanischen Botschaft in Berlin; S. 5: Archiv Stadt Dessau-Roßlau, Ostdeutsche Sparkassenstiftung; S. 6-7: Archiv Kurt Weill Foundation, New York; S. 8: Archiv Kurt Weill Foundation, New York; S. 9: Anhaltisches Theater Dessau; S. 11: Archiv Kurt Weill Foundation, New York, Anhaltisches Theater Dessau; S. 12-13: Matthias Heyde (alle); S. 14-15: Andreas Bitesnich; S. 16: Ali Kepenek; S. 17: Claudia Heysel (alle); S. 19: Chris Noltekuhlmann; S. 21: Ali Kepenek; S. 22-23: Alvar Cawén | wikipedia; S. 24: Jan Windszus; S. 25: Maxim Sumin, Brent Calis; S. 26: Bundesarchiv; S. 27: Art History Archiv; S. 28-29: Archiv Stadt Dessau-Roßlau; S. 30: Archiv Kurt Weill Foundation, New York; S. 31: Archiv Kurt Weill Foundation, New York; S. 33: Archiv Stadt Dessau-Roßlau; S. 34: Anne Hornemann; S. 35: Anne Hornemann; S. 37: Archiv Stadtmuseum Halle (Saale); S. 38: M_H.DE | wikimedia, Thomas Ziegler | Stadtmuseum Halle, Jens Rötzsch, Thomas Ziegler | Stadtmuseum Halle; S. 40: Eduard Magnus - Staatsbibliothek zu Berlin, Allex Koch | wikimedia, J. J. Haid; S. 41: Jacob Ludwig | google art project; S. 42: Wikimedia, Thomas Ziegler, Sebastian Gündel, Wikimedia; S. 43: Matthias Artaria | wikimedia; S. 44-45: Archiv Kurt Weill Foundation, New York; S. 46: Michael Zargarinejad | Universal Music; S. 47: Stefan Brending; S. 48: Jörg Chmilewski | Remscheid; S. 49: Dovile Sermokas; S. 51: Philip Glaser; S. 53: Pass Studio; S. 54-:55 Brigitte Dummer (alle); S. 57: Sebastian Gündel, Sebastian Gündel, privat, Archiv Kurt Weill Foundation, New York; S. 59: Sebastian Gündel; S. 60: Christina Feldhoff; S. 61: Volker Beushausen, Ketil Hardy; S. 62-63: Tim Kloecker; S. 64: Sebastian Gündel, Fotolia; S. 65: Markus Mirschel, Sebastian Gündel; S. 67: Valery Kloubert; S. 68: Sebastian Gündel; S. 69: Hannes Caspar; S. 71: Sebastian Gündel; S. 72: Jürgen Frank; S. 73: Ed Yourdon; S. 74: NorbertBunge-Filmproduktion, Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung; S. 75: Prometheus Film-Verleih und Vertrieb GmbH (Berlin), Nero-Film AG; S. 76: Silvia Weyprachtitzky; S. 77: André Matthis Bednarczik (Zeichnung), Erik Seidel (Plastik); S. 79: Archiv Kurt Weill Foundation, New York; S. 81: Claudia Heysel, Thomas Ruttke, Doreen Ritzau; S. 82: IMG Sachsen-Anhalt, Thomas Ruttke, M_H.DE | wikimedia S. 83: Jens Rötzsch, Kunstmuseum Moritzburg Halle, Thomas Zieger; S. 84: Ulla Lommen, Michael Zargarinejad | Universal Music, Jörg Chmilewski, Philip Glaser; S. 85: Brigitte Dummer, Pass Studio, Margrit Müller, Christina Feldhoff; S. 86: Ketil Hardy, Chris Noltekuhlmann, Tim Kloecker, Sergey Andreev; S. 87: Archiv Stadt Dessau-Roßlau, Irene Zandel, Wolgang Stahr, Hannes Caspar

Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. Die Kurt-Weill-Gesellschaft, gegründet 1993, hat sich zur Aufgabe gemacht, für Kurt Weills Werk und Leben Interesse zu wecken, sein Erbe lebendig zu halten und in den Kontext von Kultur und Gesellschaft der Zeit der Weimarer Republik zu stellen. Als alleiniger Gesellschafter trägt die Kurt-Weill-Gesellschaft das Kurt Weill Fest, das sich in den mehr als 25 Jahren seines Bestehens zu einem überregional beachteten Festival der Musik der klassischen Moderne entwickelt hat. Die internationale Gesellschaft vereint Menschen, die sich als Forscher oder Lieb­haber mit Person, Werk und Umfeld Kurt Weills beschäftigen. Ihr Vorsitzender ist seit 2008 Thomas Markworth. Das Kuratorium und Präsidium der Kurt-Weill-Gesellschaft vereinigt Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich im besonderen Maße für die Belange Kurt Weills und des Kurt Weill Festes einsetzen. Als Ort der Forschung und Begegnung dient das Kurt Weill Zentrum in den nach Plänen von Walter Gropius erbauten Meisterhäusern Feininger und Moholy-Nagy. Der Wissenschaftliche Beirat veranstaltet Symposien und veröffentlicht regelmäßig Schriften. Mitglieder der Kurt-Weill-Gesellschaft · erhalten vorab Informationen über das Programm des Kurt Weill Festes · können vor dem offiziellen Beginn des Vorverkaufs Karten erwerben · unterstützen die Erforschung von Musik und Leben Kurt Weills · ermöglichen Jugendarbeit und kulturelle Bildung Gremien der Kurt-Weill-Gesellschaft Präsidium der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V.

Ehrenmitglieder der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V.

Thomas Markworth (Präsident) S.E. Jan Paul Dirkse (†) (Vizepräsident) Dr. Thomas Holzmann (Vizepräsident) Dr. Christiane Kling-Mathey (Vizepräsidentin) Prof. Dr. Walter Londong (Vizepräsident) Hans Tobler (Vizepräsident) Joachim Landgraf (Schatzmeister) Dr. Isabelle Michels (Schriftführerin) Jeannette Kölzow Steffen Kuras Dr. Angelika Tamm Stephan Thiel

Prof. Dr. Günther Eisenhardt (†) Gisela May (†) Bertlies (Lys) Symonette (†) Andreas Altenhof E. Anna Krebs Wolfgang Laczny Nils Landgren Prof. Dr. Guy Stern

Kuratorium der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. Dr. Hinrich Holm (Vorsitzender) Peter Ahlgrim Mark Dainow Konrad Dormeier Prof. Dr. Georg Frank Dino Höll Peter Kuras Elke Lüdecke Dr. Gunnar Schellenberger Maren Sieb Patricia Werner 88

Mitglieder des künstlerischen Beirats HK Gruber James Holmes Julia Hülsmann Nils Landgren Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats Prof. Dr. Andreas Eichhorn Prof. Dr. Nils Grosch Prof. Dr. Matthias Henke Dr. Elmar Juchem Prof. Dr. Joachim Lucchesi Dr. Jürgen Schebera Prof. Dr. Stefan Weiss


DANK

Die Kurt Weill Fest Dessau GmbH, Veranstalter des Kurt Weill Festes, dankt allen Partnern, Förderern, Sponsoren, Institutionen und Vereinigungen, insbesondere dem Land Sachsen-Anhalt, der Stadt Dessau-Roßlau und der Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003 sowie allen ehrenamtlichen Helfern.

SACHSEN-ANHALT

Partner

Förderer

Hauptsponsoren

Medienpartner deutsche städte medien

Schirmherren Dr. Reiner Haseloff

Kent D. Logsdon

Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt

Geschäftsträger der Amerikanischen Botschaft in Berlin

Anhaltisches Theater Dessau DB Fahrzeuginstandsetzung GmbH, Werk Dessau Anna Krebs MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt Stadtmuseum Halle (Saale) Stiftung Bauhaus Dessau Stiftung Moritzburg Halle (Saale) Weiterhin danken wir Anhaltischer Kunstverein Dessau e.V. Amt für Kultur der Stadt Dessau-Roßlau Deutschlandradio Kultur DJH Jugendherberge Dessau-Roßlau Evangelische Kirchengemeinden St. Marien und St. Petrus Dessau

Evangelische Trinitatis-Gemeinde Dessau Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches e.V. Gymnasium Franciseum Zerbst H + S Computer Dessau Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig JKS Krötenhof Jüdische Gemeinde zu Dessau Kiez e.V. Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt LEO – Das Anhalt Magazin Mitteldeutscher Rundfunk | MDR Kultur Mitteldeutsche Zeitung Moses Mendelssohn Zentrum nH-Hotel Dessau

Polizeidirektion Dessau-Roßlau Radio SAW Ringhotel „Zum Stein“ Stadtverwaltung Dessau-Roßlau Stefan Serfling (Bauhaus Klub) Steintor-Varieté Halle (Saale) Synagoge Gröbzig Synagoge Halle (Saale) Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund Das Kurt Weill Fest wird gefördert vom Land Sachsen-Anhalt.


Informationen & Kartenservice

Magazin Kurt Weill Fest 2018  

"Weill auf die Bühne!" – das Motto des Kurt Weill Fests 2018 folgt den Worten Theodor Fontanes: Ein guter Aphorismus ist die Weisheit eines...

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