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29.2.–9.3.2008 27.2.–8.3.2009

Round about weill


Im Land zu Hause. Im Land aktiv.

LANDESBANK FÜR SACHSEN-ANHALT Als Landesbank für Sachsen-Anhalt engagieren wir uns, um die wirtschaftliche Entwicklung im Land voranzutreiben. Außerdem unterstützen wir seit Jahren Kultur, Mittelstand, Wissenschaft und Forschung mit zahlreichen Projekten und Aktivitäten. Das ist unser Beitrag für ein starkes Sachsen-Anhalt. www.nordlb.de

Die norddeutsche Art.


INTRADA Das Kurt Weill Fest 2009 wird gefördert durch das Land Sachsen­Anhalt, die Stadt Dessau­Roßlau, die Kulturabteilung der Botschaft und das Generalkonsulat der Vereinigten Staaten von Amerika und in Teilen durch die Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003.

Ein Gespräch mit Thomas Markworth, Präsident der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V., und Clemens Birnbaum, Intendant des Kurt Weill Festes Unter dem Motto „Round about Weill“ steht der diesjährige Festivaljahrgang schwerpunktmäßig im Zeichen des Jazz. In welcher Verbindung steht Kurt Weill zu diesem Genre? Clemens Birnbaum: Bei der Generation um 1900, die der Weimarer Republik und der Moderne aufge­ schlossen gegenüber stand, grassierte eine allgemei­ ne Begeisterung für Amerika. In diesem Kontext wurde auch der Jazz mit seinen Tänzen populär. An die Stelle der Walzerklänge traten neue „amerikanische“ Tänze wie Foxtrott und Boston. Auch in der Instrumentierung gab es Veränderungen: Saxofon oder Banjo wurden jetzt häufig verwendet, um einen Jazz­Sound hervorzu­ rufen. Auch Kurt Weill folgte diesen Strömungen kom­ positorisch und bekannte sich dazu in einigen Schriften. In seiner „Notiz zum Jazz“ schrieb er, dieses Genre habe wesentlich zur wachsenden Einfachheit und Verständ­ lichkeit seiner Musik beigetragen. Auch in den Verei­ nigten Staaten von Amerika stellte er rückblickend fest, dass der amerikanische Jazz einen großen Einfluss auf seine Musik hatte. Welchen Stilen der Jazzmusik widmet sich das Kurt Weill Fest? Clemens Birnbaum: Das Kurt Weill Fest war und ist kein Jazz­Fest. Deshalb ist unser besonderes Anliegen, in den Programmen vielfältige Brücken zwischen dem Jazz und der so genannten Ernsten Musik oder Klassik zu schlagen. Im Kontext zu den Jazz­Klängen werden Weills originale Kompositionen sicherlich vollkommen anders klingen. Einen weiteren Schwerpunkt des diesjährigen Festivals bildet das Figurentheater. Wie kam es zu diesem zweiten Fokus und wer lässt in diesem Jahr die Puppen „tanzen“? Clemens Birnbaum: Manchmal fügen sich Zufälle glücklich zusammen. Zunächst kam der Generalinten­ dant des Anhaltischen Theaters Johannes Felsenstein mit dem Vorschlag auf mich zu, auch in seinem letzten Jahrgang ein szenisches Projekt zum Kurt Weill Fest als Koproduktion zu realisieren. Er dachte an eine Figuren­ theaterinszenierung. So wurde die Idee der Sieben Tod­ sünden geboren. Martyn Jaques von den Tiger Lillies wiederum berichtete mir vor zwei Jahren von seiner Idee, Die sieben Todsünden zum Ausgangspunkt eines neuen Themenabends zu wählen. Das Projekt klang für mich sehr spannend. Vor nicht einmal einem Jahr wur­ den The Tiger Lillies’ ‚Seven Deadly Sins’ in London mit dem Puppenspieler Nathan Evans uraufgeführt. Das dritte Puppentheaterprojekt des Theaters Waidspeicher geht auf einen Recherchebesuch des Regisseurs Bernd Weißig zurück, der zugleich Intendant des Erfurter The­ aters ist. Im Kurt­Weill­Zentrum suchte er Musikstü­ cke von Kurt Weill für ein Bühnenwerk, das er damals noch nicht näher beschreiben wollte. Ich wies ihn auf die wenig bekannten und damals gerade erst veröffent­ lichten Songs aus dem Band Unsung Weill hin. Aus dem Vorhaben ist das Stück Kafka. Amerika hervorgegan­ gen, worüber ich mich sehr freue.

Thomas Markworth

Clemens Birnbaum

Präsident der Kurt­Weill­Gesellschaft e.V.

Intendant des Kurt Weill Festes Dessau

Kultureller Gedächtnisort nationaler Bedeutung Das Kurt­Weill­Zentrum – und damit auch das Kurt Weill Fest Dessau – wurde in das Blaubuch der Bundesregierung als ein „Kultureller Gedächtnisort“ mit besonderer nationaler Bedeutung aufgenommen. Zu den „Kulturellen Gedächtnisorten“ gehören zwanzig Institutionen in den Neuen Bundesländern.

Das Festivalgeschehen soll in der Stadt noch erlebbarer werden. Was ist geplant? Thomas Markworth: In den zehn Tagen des Kurt Weill Festes rückt die Stadt Dessau in das Licht der überre­ gionalen Öffentlichkeit. Wir werden weit über tausend auswärtige Besucher herzlich willkommen heißen und möchten dabei möglichst viele Institutionen der Stadt einbinden, die unser Programm im besten Fall auch begleiten und ergänzen. So ist jedermann eingeladen, sich am Vorabend des Kurt Weill Festes im Rathaus­ center auf das Kulturereignis einstimmen zu lassen. Schwabehaus, Kornhaus und das Rolling Art ergänzen das Festivalprogramm. Und damit ein jeder nicht schon vorzeitig nach Hause gehen muss, wird es in der Bar im Steigenberger Hotel ab 22.00 Uhr kleine After­Show­ Abende mit Live­Musik geben. Dies ist ein Anfang und wir hoffen, dass unsere Partner dies mit uns in der Zukunft ausbauen. Es gibt Bestrebungen, das Kurt Weill Fest programmatisch zu erweitern, hin zu einem Musikfestival der klassischen Moderne. Was sind Ihre Beweggründe? Thomas Markworth: Kurt Weills Musik fasziniert und bleibt selbstverständlich Zentrum des Programms. Weill steht für die Musik der klassischen Moderne. In diesem Kontext möchten wir die Musik der Zeitgenos­ sen Weills in Relation zum Werk des Dessauer Kom­ ponisten setzen. Mit dieser Öffnung erweitern wir die Möglichkeiten des Programms und vermutlich auch die Breite unseres Publikums. Mit einer Konzentration auf die Musik dieser Zeit schlagen wir aber auch den Bogen zur klassischen Moderne, wie sie sich in Dessau im Bau­ haus und in der Technikgeschichte um Hugo Junkers manifestiert. Clemens Birnbaum hat diesen Weg der Öffnung in den vergangenen Jahren schon vorsichtig beschritten. Nach guten Erfahrungen wollen wir diese Richtung nun behutsam, aber doch beherzt weiter ver­ folgen und damit auch das Alleinstellungsmerkmal des Kurt Weill Festes als das Musikfestival der klassischen Moderne in Europa deutlich festigen. Die Fragen stellten Stefanie Neumaier und Celia Solf

Kuratorium der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. Helen Schneider (Vorsitzende) Sängerin und Musical­ Darstellerin Dr. Jürgen Allerkamp Vorstandsmitglied der Nord/LB Wolfgang Angenendt Geschäftsführer Lotto Sachsen­Anhalt Roland Diry Geschäftsführer Ensemble Modern Hubert Ernst Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Dessau Ulrich Fischer Rechtsanwalt Prof. Georg Frank Staatssekretär Dr. Valentin Gramlich Kultusministerium Sachsen­Anhalt HK Gruber Komponist, Dirigent, Chansonnier Klemens Koschig Oberbürgermeister der Stadt Dessau­Roßlau Dr. Friedrich Leffler ehemaliger Vorstands­ vorsitzender der ÖSA

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Inhaltsverzeichnis Intrada

Seite 1 Konzert im Anhaltischen Theater Dessau Angela Denoke & Tal Balshai Trio Seiten 17–19

Grußworte

Seiten 4–5

Nils Landgren – Artist-in-Residence

Seite 7

Der schwedische Posaunist ist einer der vielseitigsten und erfolg­ reichsten Jazzmusiker Europas. Seine Musik gilt als grenzüber­ schreitend und unternimmt aus­ gehend vom Jazz Streifzüge in die Bereiche des Pop und Soul. „Mr. Red Horn“, wie Nils Landgren auch genannt wird, wird im Festi­ valcafé vorgestellt (S. 15) und ist mit seinen „Freunden“ sowohl im Elbe­Werk Rosslau (S. 20) als auch mit der Anhaltischen Philharmo­ nie und der Sopranistin Jeanette Köhn zu erleben (S. 41–42).

Ausstellungseröffnung im Kurt­Weill­Zentrum / Haus Feininger „Caspar Neher – Zeichnungen zu Bühnenwerken Weills“

Die Sopranistin Angela Denoke hat sich an den großen Opern­ bühnen wie Berlin, Wien, Paris, Amsterdam, London, San Francisco und New York einen Namen gemacht. Gemeinsam mit dem Jazz­Trio um den israelischen Pianisten Tal Balshai interpretiert sie Songs der 1920er und 1930er Jahre von Komponisten wie Kurt Weill, George Gershwin, Cole Porter oder Friedrich Hollaender.

Jazz in der Halle des Elbe­Werks Roßlau „Nils Landgren & Friends“

Seite 20

New Sounds im Beatclub Dessau Stereo Total

Seite 21

Führung im Bauhaus Dessau „Die Bauhauskapelle“

Seiten 22, 46

Seite 8 Konzert im Schloss Köthen (Spiegelsaal) G-Strings Seiten 22–23

Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau Festakt zur Eröffnung

Musiktheater und Film­Live­Konzert im Anhaltischen Theater Dessau „Figura et Anima“

Seite 8 Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau) „Das Musikhaus Olberg in Dessau“ Seiten 24, 43 Seiten 9–12 Puppentheater im Alten Theater Dessau „Kafka. Amerika“ Seiten 24–25, 30

Vorplatz Anhaltisches Theater Dessau Festliches Feuerwerk

Seite 13 Cabaret­Show im Anhaltischen Theater Dessau „The Tiger Lillies’ ‚Seven Deadly Sins’“ Seite 27

Jazz im Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau Friedhelm Schönfeld & Jazzwerkstatt Orchester Seiten 13–15

Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau) „Tanzpaläste Dessaus der 1920er Jahre“ Seiten 15, 64

Führung im Restaurant Kornhaus „Das Kornhaus“

Festivalcafé/FIGARO vor Ort im Steigenberger Hotel Fürst Leopold „Nils Landgren im Gespräch“

Seiten 15, 63

Seite 15

Das preisgekrönte Trio aus London ist zurück und präsentiert in Dessau pünktlich zu seinem 20. Bühnenjubiläum gemeinsam mit dem Puppenspieler Nathan Evans und der Performerin Ophelia Bitz ihre neueste „sündige Cabaret­ Show“. Die sieben Todsünden sind nicht nur in ihren grotesken Songs Thema; sie werden vom Puppen­ spiel im Stil von Punch & Jude als absurde Parabel inszeniert.

Szenisches Konzert im Bauhaus Dessau „One Life to Live“ Seiten 28–29 Die bekannte österreichische Sopranistin Ute Gfrerer gestaltet nicht nur die Partie der Anna in der Eröffnungsproduktion des diesjährigen Kurt Weill Festes (S. 9); sie ist auch mit einem Programm zu Gast, das Songs aus Kurt Weills amerikanischer Zeit präsentiert. Die Show wird mit Lichtprojektionen von Victoria Coeln künstlerisch in Szene gesetzt.

Musicalkonzert / Podium junger Künstler im Kurt­Weill­Zentrum / Haus Feininger „Rot wie Schnee“ Seiten 30–31

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Inhaltsverzeichnis Film im K.I.E.Z. „Fünf von der Jazzband“ (D 1931/1932)

Musiktheater / Podium junger Künstler Seite 31 in der Marienkirche Dessau „Das Wachsfigurenkabinett“ & „Berliner Requiem“

New Sounds / Podium junger Künstler in der Marienkirche Dessau Cristin Claas Trio & Special Guest Seiten 33–34

Musikalische Comedy im Brauhaus Trio Ohrenschmalz

Seiten 35–36

Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus „Die blaue Stunde“ Seiten 37–38, 42, 45

Musikalische Lesung in der Kreissparkasse Anhalt­Bitterfeld „Ich wäre jetzt Seite 39 viel lieber zu Hause...“

Musikalische Comedy im Best Western Stadtpalais Wittenberg Trio Ohrenschmalz

Jazz in der Gründerzeitvilla Krötenhof Ekkehard Wölk Trio

Seiten 39–40

Hörspiel­Openair im Schwabehaus Dessau „Hörspielwinter sieben Todsünden“

Seite 41

Seiten 53–57

Die fünf Kurzopern, die Karl Amadeus Hartmann 1929/30 unter dem Titel Wachsfiguren­ kabinett schuf, wurden erstmals 1988 komplett aufgeführt. Nun wird dieses seltene Werk von Studenten der Universität der Künste Berlin unter der Regie von Karoline Gruber in der Marien­ kirche in Szene gesetzt. Dazu erklingt Kurt Weills Berliner Requiem, das 1928 entstand und Gedichte aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg vertont.

Jazz im Bauhaus Dessau Music for a While

Seiten 58–59

Seiten 60–61

Kammerkonzert im Schloss Georgium (Tischbeinsaal) „Classical American Songbook“ Seiten 63–64

Abschlusskonzert im Anhaltischen Theater Dessau Konzert im Anhaltischen Theater Dessau MDR Sinfonieorchester Seiten 65–67 „Landgren meets Anhaltische Philharmonie“ Seiten 41–42 Das diesjährige Abschlusskonzert schlägt eine Brücke zwischen Klassik und Jazz. Neben Kurt Weills Sinfonie Nr. 2 erklingen sowohl die Jazz Suite Nr. 2 von Schostakowitsch als auch das vom Jazz und der Musik der „Neuen Welt“ inspirierte Violin Concerto des Schweizer Komponisten Daniel Schnyder, welches dieser eigens für die renommierte Geigerin Nora Chastain komponierte.

Kinderkonzert im Johannbau (Museum für Stadtgeschichte Dessau) „Julius – der Flötenspieler“ Seiten 43, 46

Jazz im Anhaltischen Theater Dessau Monty Alexander Trio

Seiten 43–44

Mit Monty Alexander tritt einer der ganz großen amerikanischen Jazz­Musiker beim Kurt Weill Fest auf, der in der Tradition von Oscar Peterson steht und mit Frank Sinatra, Ray Brown, Milt Jackson, Barbara Hendricks oder Bobby McFerrin konzertierte. Er veröffentlichte mehr als 60 Alben und stellt mit seinem Trio nun seine Arrangements bekannter Songs von Kurt Weill und Eigen­ kompositionen vor.

Programmübersicht und Preise

Seiten 68–69

Willkommen in Dessau-Roßlau

Seite 70

Rund ums Kurt Weill Fest

Seite 71

Veranstaltungsorte Jazz im Bauhaus Dessau „Sapporo meets Jasper van’t Hof“

Konzert im Palais Dietrich Flautando Köln

Seiten 72–73

Seiten 45–46

Seite 47

Tanztheater im Anhaltischen Theater Dessau „Tango Palast“ Seiten 49–51

Weitere Sehenswürdigkeiten

Seite 74

Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. / Kurt Weill Foundation

Seite 75

Kartenservice / Impressum / Nachweise

Seite 76

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Grussworte Das Kurt Weill Fest ist einem der bedeutendsten und facet­ tenreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gewidmet. Weills Werkkatalog umfasst viele Musikgenres. Er war Opernkomponist so gut wie Songschreiber. Beispielhaft für seine Vielseitigkeit ist Die Dreigroschenoper. Ihre Musik vermischte Elemente aus Jazz, Tango, Blues und Jahrmarkts­ melodien. Brechts Motto „Es geht auch anders, doch so geht es auch“ setzte Weill musikalisch um. Der Jazz des Schwarzen Amerika erreichte den euro­ päischen Kontinent in den zwanziger Jahren des vergan­ genen Jahrhunderts. Die neue und vielerorts als kurios empfundene Musik fand in den europäischen Metropo­ len rasch begeisterte Anhänger. Jazz war mehr als nur Musik. Er spiegelte das Lebensgefühl vieler Menschen wider. Weill hat das gespürt. Der Rhythmus unserer Zeit sei der Jazz, war er überzeugt. Und das galt auch in einem übertragenen Sinn. Dass sich mit diesem Rhythmus eine politische Botschaft transportieren ließ, erkannte Weill natürlich. Der Jazz bot ihm, dem politischen und sozial­ kritischen Komponisten, die Möglichkeit, „heiße Musik mit heißen politischen Themen“ zu verbinden. Aber Weill wurde nicht nur vom Jazz inspiriert, er selbst hat dessen Stil maßgeblich beeinflusst. Viele seiner Songs gehören seit langem zum festen Repertoire des Jazz und wurden von bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern interpretiert. Es lassen sich also viele gute Gründe aufzählen, das diesjährige Kurt Weill Fest hauptsächlich dem Jazz zu widmen. Und welcher Ort in Deutschland wäre für den Brückenschlag zwischen Klassischer und Jazz­Musik geeigneter als Dessau­Roßlau? Kunst kann man nir­ gends ursprünglicher genießen als an den originalen Schauplätzen großer Künstler. Die Musik Kurt Weills und das Bauhaus sind authentische Zeugnisse einer ver­ gangenen, aber immer noch sehr lebendigen Epoche. In diesem Sinne wünsche ich allen Festivalgästen einen angenehmen Aufenthalt und unvergessliche Stunden in Dessau­Roßlau. Mein abschließender Dank gilt allen Künstlerinnen und Künstlern, den Organisatoren, den Sponsoren, den Medienpartnern und nicht zuletzt den Ehrenamtlichen für ihr Engagement.

Als mich die Anfrage erreich­ te, ob ich bereit wäre, gemein­ sam mit Ministerpräsident Professor Dr. Böhmer die Schirmherrschaft für das Kurt Weill Fest 2009 zu überneh­ men, da ist mir die Zusage sehr leicht gefallen. Anlässlich der Eröffnung im vergangenen Jahr konnte ich mich von der Qualität des Festes und von der großen Bedeutung und Anziehungskraft überzeugen, die es für dieses Land und darüber hinaus besitzt. Gern setze ich deshalb die Tradi­ tion meiner Vorgänger fort. Seit meiner Rückkehr nach Berlin beobachte ich fas­ ziniert die Entwicklungen, die sich auf dem Gebiet der neuen Bundesländer ergeben haben, seitdem ich – damals noch in unserer Botschaft in der DDR – zum ersten Mal in Berlin gearbeitet und gelebt habe. In die­ sem Jahr nun kann Deutschland – und wir feiern dies vol­ ler Freude gemeinsam mit Ihnen – des 20. Jahrestages der Ereignisse gedenken, die am 9. November 1989 im Fall der Mauer ihren Höhepunkt fanden. Vieles hat sich gewandelt, vieles hat sich entwickelt, und es ist wunder­ bar, dass man einander nun so unbefangen und offen begegnen kann. Damals hätte man davon ja nicht einmal zu träumen gewagt. Ein gutes Beispiel für diese neuen Entwicklungen ist auch die Erfolgsgeschichte des Kurt Weill Festes. Als das Fest im Jahr 1993 ins Leben gerufen wurde, da hat man sicher die Fantasten belächelt, die gerade in den Jahren der Unsicherheit ein neues Festival, dazu für einen Komponisten des 20. Jahrhunderts, ins Leben rufen wollten. Inzwischen hat sich das Kurt Weill Fest im Land etabliert und eine große nationale und internatio­ nale Reputation erworben. Seit seinen Anfängen ist das Kurt Weill Fest immer auch ein Symbol der engen deutsch­amerikanischen Beziehungen gewesen. Ein wichtiges Ziel der Organi­ satoren war es ja stets, das ganze Werk dieses großen Komponisten in Deutschland zu präsentieren, des jüdi­ schen Bürgers aus Dessau, der zum Berliner wurde, der dann von den Nationalsozialisten aus dem Land seiner Geburt vertrieben wurde und der schließlich in den USA eine neue Heimat fand. Das ist in den vergangenen Jah­ ren hervorragend gelungen, aber die Besucher des Fes­ tes und die Hörer am Radio werden auch im vielfältigen Programm des Jahres 2009 noch zahlreiche neue Aspek­ te im Werk von Kurt Weill entdecken können. Allen Besuchern wünsche ich ein anregendes Fest.

Prof. Dr. Wolfgang Böhmer Ministerpräsident des Landes Sachsen­Anhalt Schirmherr des 17. Kurt Weill Festes Dessau

Gesandter John M. Koenig Geschäftsträger a.i., Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika Schirmherr des 17. Kurt Weill Festes Dessau

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Grussworte „Round about Weill“ heißt das Thema, unter dem wir Sie, lie­ be Gäste, auf das Herzlichste in unserer Stadt begrüßen dürfen: Jazz ist das Motto in diesem Jahr. Dadurch können wir uns dem Werk des Sohnes unse­ rer Stadt auf verschiedene Wei­ se nähern. Die Organisatoren haben wieder attraktive Veran­ staltungen zusammen gestellt, deren Genuss ich Ihnen sehr ans Herz legen darf. Eröffnet wird die 17. Ausgabe des Festes mit Kurt Weills Ballet chanté Die sieben Todsün­ den in einer Figurentheaterinszenierung als Koproduktion mit dem Anhaltischen Theater Dessau und dem Puppen­ theater Magdeburg. Der diesjähriger Artist­in­Residence, der international bekannte schwedische Jazz­Posaunist Nils Landgren, begeistert seit Jahren sein Publikum auf der ganzen Welt. Mit dem amerikanischen Pianisten Mon­ ty Alexander und der norwegischen Sängerin Tora Auge­ stad treten weitere renommierte Künstler auf, die Brü­ cken zwischen verschiedenen Genres schlagen. Dies tut auch die gefragte Sopranistin Angela Denoke, die mit einem Jazz­Trio konzertiert. Der Dirigent Michael Sander­ ling gastiert mit dem MDR­Sinfonieorchester. Konzerte der Tiger Lillies, des Cristin Claas Trio, von Ute Gfrerer, Friedhelm Schönfeld & Jazzwerkstatt Orchester oder des Duo Stereo Total sind weitere Höhepunkte. Auch kön­ nen wir bewährte Veranstaltungen fortführen: Das Päch­ terhaus lädt zur „Blauen Stunde“. Spezialführungen im Kornhaus, zur „Bauhauskapelle“ bzw. zum „Musikhaus Olberg“ oder zu „Dessauer Tanzpalästen“ im Museum für Stadtgeschichte lassen „alte Zeiten“ aufleben. In Koope­ ration mit dem Museumspädagogischen Dienst nimmt Julius – der Flötenspieler im „Kinderkonzert im Johann­ bau“ seine Zuhörer mit auf eine musikalische Zeitreise. An dieser Stelle möchte ich allen danken, die dazu bei­ getragen haben, dass auch das diesjährige Fest viele Besucherinnen und Besucher nach Dessau­Roßlau führt. Einbeziehen möchte ich natürlich alle Partner und Spon­ soren, die mit ihrer Hilfe das 17. Kurt Weill Fest ermög­ licht haben. Mein ganz besonderer Dank aber gilt dem Intendanten des Kurt Weill Festes und Leiter des Kurt­Weill­Zentrums, Clemens Birnbaum, der im Sommer seine Tätigkeit in Des­ sau­Roßlau beenden wird. Seit 2002 hat er das Kurt Weill Fest wesentlich geprägt. Ich wünsche ihm für seinen wei­ teren Lebensweg alles Gute. Der langjährige Präsident der Kurt­Weill­Gesellschaft, Hubert Ernst, schied im vergan­ genen Jahr aus dem Amt. Ich danke ihm für seinen heraus­ ragenden Einsatz für Kurt Weill. Seinem Nachfolger Tho­ mas Markworth begleiten alle guten Wünsche. Ich wünsche uns allen spannende Begegnungen „Round about Weill“ und ereignisreiche Festivaltage sowie einen unvergesslichen Aufenthalt in unserer Stadt.

An einer Definition und Deu­ tung des Jazz haben sich, seit er im vergangenen Jahrhun­ dert seinen Siegeszug von Amerika nach Europa antrat, viele Musikwissenschaftler versucht. Als „magische Musik des 20. Jahrhunderts“ oder als „ganz und gar amerikanische“ Musik wurde Jazz bezeichnet, oder als „improvisierte ameri­ kanische Musik, die europäi­ sche Instrumente gebraucht und Elemente europäischer Harmonik“. Natürlich ist auch Kurt Weill ihrem Sog und treibenden Rhythmus verfallen. Der deutsche Kompo­ nist, der so gar nichts von einer Unterscheidung zwi­ schen sogenannter „ernster“ und Unterhaltungsmusik hielt, hat gern mit der Wechselwirkung von traditionel­ len Musikstilen und den unterschiedlichen Formen des Jazz gespielt. Aufgeschlossen für alles Moderne, hat er sich vom Jazz beeinflussen lassen und ihn während sei­ ner amerikanischen Schaffenszeit dann selbst nachhal­ tig beeinflusst. Als ein immer wieder begeisterter Besucher des Kurt Weill Festes bin ich den Veranstaltern dankbar, dass sie auch in diesem Jahr ein anregendes neues Kapitel aus dem vielseitigen Schaffen des in Dessau gebürtigen Komponisten aufschlagen. Mancher Festivalbesucher wird in der Verbindung Jazz und Weill noch Unbekann­ tes entdecken – oder mit Überraschung wiedererken­ nen. Das inzwischen weit über Sachsen­Anhalts Gren­ zen hinaus bekannte Musikfest lebt von immer neuen Entdeckungen und Inspirationen, aber eines bleibt auch in seinem 17. Jahr gleich: die hohe Qualität, die sich die Macher zum eigenen Auftrag erhoben haben und an der sie nicht müde werden. In besonderem Maße freue ich mich, dass wir in die­ sem Jahr einen der international bekanntesten Jazz­ Musiker, den schwedischen Posaunisten Nils Landgren, in der Weill­Stadt begrüßen können. LOTTO präsen­ tiert den „Mann mit der roten Posaune“ als diesjährigen Artist­in­Residence, und seine Auftritte in der Halle des Elbe­Werks Roßlau und im Anhaltischen Theater wer­ den sicherlich zu den Höhepunkten dieses Kurt Weill Fests gehören. Aber auch alle anderen Veranstaltungen mit hochka­ rätigen Künstlern versprechen Hörgenuss pur. Ich wün­ sche allen regelmäßigen und insbesondere den erstmali­ gen Besuchern des bedeutenden Musikereignisses sehr viel Freude und Anregung bei „Round about Weill“.

Wolfgang Angenendt Geschäftsführer Lotto Sachsen­Anhalt

Klemens Koschig Oberbürgermeister der Stadt Dessau­Roßlau

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Wir wünschen allen Gästen gute Unterhaltung beim

LOTTO fördert Kunst und Kultur in Sachsen-Anhalt.

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23.01.2009 11:53:54 Uhr


artist-in-residence 2009

Nils Landgren Als Posaunist, Bandleader, Entertainer, Sänger und Produzent zählt Nils Landgren zu den bekanntesten Jazzmusikern Europas. Bei seinen experimentierfreu­ experimentierfreu digen musikalischen Streifzügen hebt der Schwede mühelos die Grenzen zwischen Jazz, Pop und Soul auf. Der Musik Kurt Weills hat sich Nils Landgren bereits mehrfach zugewandt, beispielsweise auf seiner CD Sen­ timental Journey oder bei seinem Gastauftritt mit der Band l’arc six beim Kurt Weill Fest Dessau 2006. Jazz und Kirchenmusik prägten Nils Landgrens Kind­ Kind heit – sein Vater spielte Kornett und brachte dem Jun­ Jun gen amerikanischen Jazz nahe. Die traditionellen skan­ skan dinavischen Choräle und Lieder erlernte er von seinem Großvater, einem Pastor. Mit sechs Jahren begann Nils Landgren zunächst Schlagzeug zu spielen, wechsel­ wechsel te dann aber als 13­jähriger jähriger zur Posaune. Von 1972 bis 1978 studierte er klassische Posaune und wandte sich nach Begegnungen mit dem Folk­Jazz­Pionier Pionier Bengt­ Bengt Arne Wallin und der Posaunistin Eje Thelin immer mehr der improvisierten Musik und schließlich dem Jazz zu. 1981 wurde Nils Landgren Lead­Posaunist Posaunist im Bigband­ Bigband Projekt Ball of Fire von Thad Jones. 1983 veröffentlich­ veröffentlich te er mit Planet Rock sein Debutalbum, dem bis heute 24 folgten. In den 1980er Jahren war er auch als Schau­ Schau spieler und Sänger u.a. in dem erfolgreichen schwedi­ schwedi schen Theaterstück Skål zu erleben. 1994 errang Nils Landgren mit seiner Band Funk Unit auf der JazzBalti­ ca internationale Aufmerksamkeit. Deren CD Paint it Blue wurde 1996 eine der bestverkauften Jazzeinspie­ lungen. Von 1998 bis 2001 war Nils Landgren Mitglied der NDR­Bigband in Hamburg, deren Leitung er in der Saison 2008/2009 übernahm. Nach dem großen Erfolg des von ihm geprägten Berliner Jazzfest 2001 wurde er ab 2008 erneut als dessen Künstlerischer Lei­ ter berufen. „Mr. Red Horn“, wie er wegen seiner roten Posaune genannt wird, hat mit international bekannten Künst­ lern wie ABBA, Herbie Hancock, Wycleaf Jean und den Crusaders zusammengearbeitet und als Studiomusiker an die 500 CDs aufgenommen. Neben seiner gefeierten Konzerttätigkeit, die ihn in alle Kontinente führt, vermit­ telt Nils Landgren als Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg sein Wissen dem künstleri­ schen Nachwuchs. Als Anerkennung für seinen „heraus­ ragenden Beitrag zur Verbreitung schwedischer Jazzmu­ sik in der Welt“ wurde Nils Landgren im Mai 2002 mit dem Tore­Ehrling­Preis des Schwedischen Komponis­ tenverbands ausgezeichnet.

Ein Interview mit Nils Landgren, Artist-in-Residence 2009 Sie sind ein vielseitiger Jazzmusiker, haben 24 Alben produziert. Wann und wie sind Sie auf Weill gestoßen? Sicherlich bin ich der Musik Kurt Weills seit meiner Kindheit immer wieder begegnet. Bewusst habe ich ihn jedoch erst wahr genommen, als ich anfing, Material für meine CD­Produktion Sentimental Journey zusam­ men zu stellen.

Wie muss man Weills Jazz, der diese Musikrichtung seinerzeit als „Rhythmus unserer Zeit“ bezeichnet hat, heute zeitgemäß interpretieren? Ich kann dabei immer nur von mir selbst und meinem eigenen Geschmack ausgehen in der Hoffnung, dass meine Inter­ pretationsweise auch ande­ ren Leuten gefällt. Weill wurde in den 1930er Jahren vom amerikanischen Jazz beeinflusst, der später nach Europa herüber schwappte – heute wird mitunter die europäische Jazzmusik als innovativer und interessanter bezeichnet als der angeblich konservative Jazz. Wo geht die Entwicklung hin, wo wird sie zurzeit bestimmt? Jazz geht dorthin, Die Richtung des wo wir Musiker sie haben wollen, das heißt, in jede Richtung, die für uns Sinn macht. Ich finde es immer sehr beengend, eine Riva­ lität zwischen Europa und den USA im Jazzbereich heraufzubeschwören und darüber zu diskutieren, wer die innovativere oder interessantere Musik macht. Im Grunde genommen sollte es nur darum gehen, die Musik in Echtzeit zu erle­ ben. Man sollte alle Diskussionen darüber meiden. Sie waren bereits Gast des Kurt Weill Festes 2006 und Ihre erste Begegnung mit Dessau liegt sogar noch länger zurück, als Sie 2002 mit dem Jugendorchester spielten. Aus Ihrer Sicht als international renommierter Künstler: Welchen Stellenwert hat das Kurt Weill Fest in der Musikwelt? Ich erinnere mich sehr gerne an meine früheren Auf­ enthalte in Dessau. Ich habe hier tolle Sachen erlebt, wunderbare Menschen getroffen und sehr viel Spaß beim Musikmachen gehabt. Dessau ist für mich eine wichtige Station, nicht nur als Geburtsstadt Kurt Weills. Der Stellenwert des Kurt Weill Festes ist in der Fachwelt sehr hoch. Ich bekomme immer äußerst positive Reakti­ onen, wenn ich Dessau oder das Kurt Weill Fest erwäh­ ne. Auf jeden Fall ist es eine große Ehre für mich, in die­ sem Jahr hier Artist­in­Residence zu sein, und ich freue mich riesig darauf, wieder in Dessau spielen zu dürfen! Wie sehen Ihre Pläne für die nähere Zukunft aus? Ich bin gerade dabei, eine neue CD aufzunehmen und arbeite zurzeit viel mit dem Jazzfest Berlin zusammen. Dann stehen Tourneen mit der Bohuslän Bigband und der NDR­Bigband an, und ich unterrichte an der Hoch­ schule für Musik und Theater in Hamburg. Das Leben ist schön! Interview: Lotto Sachsen­Anhalt

CD-Tipps Nils Landgren Funk Unit Licence to Funk ACT 9455­2 Nils Landgren & Joe Sample Creole Love Call ACT 9707­2 Nils Landgren Sentimental Journey ACT 9409­2 Nils Landgren Funk Unit Funky ABBA ACT 9430­2 www.nilslandgren.com

Nils Landgren beim Kurt Weill Fest 2009 V5 Samstag, 28.02.2009, 15.00 Uhr Festivalcafé im Steigenberger Hotel Fürst Leopold „Nils Landgren im Gespräch“ V7 Samstag, 28.02.2009, 22.00 Uhr Jazz in der Halle des Elbe­Werks Roßlau Nils Landgren & Friends V24 Donnerstag, 05.03.2009, 19.30 Uhr Konzert im Anhaltischen Theater Dessau „Landgren meets Anhaltische Philharmonie“

Der Artist­in­Residence wird präsentiert von Lotto Sachsen­Anhalt.

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Donnerstag, 26.02.2009

(PROLOG)

18.00 Uhr, Ausstellungseröffnung im Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger

„Caspar Neher – Zeichnungen zu Bühnenwerken weills“ Die Ausstellung zeigt Bühnenbild­ und Kostüment­ würfe Caspar Nehers für Theaterprojekte, für die Weill die Musik komponierte. Ein Brief sowie Notenausgaben Weill’scher Werke, die auf dem Titelblatt eine Zeichnung Nehers verwenden, runden die kleine Werkschau ab. Die Ausstellung würdigt somit die produktive und verständ­ nisvolle Zusammenarbeit der beiden Künstler, die eine enge Freundschaft verband. Neher und Weill lernten sich vermutlich 1927 kennen, als Weill und Bertolt Brecht mit ihrem Songspiel Maha­ gonny ihr erstes Bühnenprojekt realisierten, für dessen Uraufführung Neher die Ausstattung übernahm. Das Dreier­Team Weill­Brecht­Neher schuf in den Folgejah­ ren wichtige Theateraufführungen: Die Dreigroschen­ oper (1928), Happy End (1929) und die Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930). Auch nachdem sich Brecht und Weill zerstritten hatten, führten Weill und Neher ihre Zusammenarbeit fort. Für Die Bürg­ schaft (1932) schrieb Neher das Libretto und erarbeitete für die Berliner Uraufführungsproduktion das Bühnen­ bild. Auch für die Leipziger Premiere von Weills letzter in Deutschland entstandener Theaterarbeit, Der Silbersee (1933), schuf Neher das Bühnenbild. Kurz nach der Pre­ miere brachten Caspar Neher und seine Frau Erika Kurt Weill, der von den Nazis bereits heftig angegriffen wur­ de, mit ihrem Auto an die französische Grenze ins Exil. Der Kontakt blieb weiterhin erhalten, und in Frankreich entstand die letzte Zusammenarbeit der beiden Künst­ lerfreunde mit den Sieben Todsünden. Während Kurt Weill später in die USA emigrierte, blieb Neher während des Nazi­Regimes in Deutschland und konnte dort eine gewisse künstlerische Unabhängigkeit wahren.

Biografie Caspar Neher 1897 geboren am 11. April in Augsburg ab 1911 Gymnasium mit Bertolt Brecht 1914 Kunstschule München 1915–1918 Offizier im Ersten Weltkrieg; Briefkontakt zu Brecht 1919–1922 Akademie der Bildenden Künste München ab 1921 Zusammenarbeit mit Brecht, u.a. Im Dickicht der Städte, Die Mutter ab 1924 Bühnenbildner in Berlin, u.a. am Deutschen Theater 1927 Bühnenbild zu Mahagonny Songspiel in Baden­Baden; Beginn der Zusammen­ arbeit mit Weill 1928/1929 Petroleum­Inseln (Lion Feuchtwanger)/Die Dreigroschenoper/Happy End 1930 Bühnenbild zu Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny in Leipzig 1933 Der Silbersee, letzte Produktion mit Weill in Deutschland; Bühnenbild für Die sieben Todsünden in Paris 1933–1945 bleibt in Deutsch­ land, verstärkt Zusam­ menarbeit mit Regisseur Erich Engel 1948 Antigone in Zürich – erste gemeinsame Arbeit mit Brecht nach dem Zweiten Weltkrieg; wird österrei­ chischer Staatsbürger und arbeitet für die Salzburger Festspiele 1949/1950 Zusammenarbeit mit Brecht, Engel und Helene Weigel am Berliner Ensemble 1954 Technischer Direktor bei den Münchner Kammerspielen 1958–1962 Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien 1962 stirbt am 30. Juni in Wien, Ehrengrab auf dem Grinzinger Friedhof

Mit freundlicher Unterstützung der Universal Edition Wien, der Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003, und der Erbengemeinschaft Prof. Caspar Neher/Erika Neher.

Gemeinsame Ausstellung des Kurt Weill Festes Dessau und der Stadt Dessau­Roßlau Ausstellungszeitraum: 27.02. bis 29.03.2009 Dienstag bis Sonntag: 10.00 bis 18.00 Uhr

„Der größte Bühnenbauer unserer Zeit” (Bertolt Brecht)

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Freitag, 27.02.2009 17.00 Uhr, Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau

FESTAKT ZUR ERÖFFNUNG Klavier, Gesang: Axinia Schönfeld Saxofon, Flöte: Friedhelm Schönfeld Im Rahmen des feierlichen Festakts zur Eröffnung des 17. Kurt Weill Festes bringen Axinia Schönfeld und ihr Vater, der Jazz­Saxofonist Friedhelm Schönfeld, vier Kompositionen aus ihrem Duo­Repertoire zu Gehör: Neben Kurt Weills September Song aus dem Musical Knickerbocker Holiday (1938) und dem Song Lost in the Stars aus der gleichnamigen Musical Tragedy (1949) spielen sie Friedrich Hollaenders Falling in Love Again und die Eigenkomposition One Day von Axinia Schön­ feld. Später am Abend werden die beiden Musiker an gleichem Ort mit dem Jazzwerkstatt Orchester in einem eigenen Konzert zu erleben sein (siehe Seite 13). Axinia Schönfeld Die Sängerin, Musikerin und Song­ schreiberin Axinia Schönfeld wuchs in Toronto und Berlin als Tochter von Chansonsängerin Gipsy und Jazzmu­ siker Friedhelm Schönfeld auf. Im frühen Kindesalter begann Axinia mit klassischem Klavierunterricht, später studierte sie Gesang, Klavier und Schauspiel in ihren beiden Heimatstädten. Musika­ lisch verwurzelt ist Axinia Schönfeld im Jazz und in der europäischen Chansontradition, hatte jedoch als Lead­ Sängerin des Dancefloor­Projektes Slam auch bereits einen Top 40­Erfolg in den deutschen Popmusik­Charts. Axinia Schönfeld ist in Klubs ebenso wie in Konzertsä­ len zu erleben und tritt in kleineren Formationen, mit Big Bands oder mit Sinfonieorchestern auf. Gemeinsam mit ihrem Vater Friedhelm Schönfeld spielte sie eine CD mit eigenen Versionen bekannter amerikanischer Songs ein. Friedhelm Schönfeld Der 1938 in Berlin geborene Fried­ helm Schönfeld prägte seit den 1960er Jahren als Saxofonist, Flö­ tist und Klarinettist die Jazzszene in der DDR. Sein 1965 mit Klaus Koch und Günter „Baby“ Sommer gegründetes Schönfeld­Trio galt als die innovativste Jazzformation des Landes. Friedhelm Schönfeld machte sich auch als Kom­ ponist, Arrangeur, Musikdramaturg und Veranstalter einen Namen. Er gestaltete Konzertreihen wie „Jazz in der Kammer“ des Deutschen Theaters in Ost­Berlin und organisierte bis 1979 alljährlich einen Jazz­Workshop mit Musikern aus Ost und West. Anfang 1983 verließ Fried­ helm Schönfeld die DDR und emigrierte nach Kanada, wo er mit Rob Mc Connell, Bill Smiths sowie der Gruppe Air Raid zusammen arbeitete. 1985 kehrte er nach West­ Berlin zurück, wo er bis heute lebt. Neben seiner Arbeit als Musiker wirkte er als Hochschullehrer in Berlin und seit 2001 in Dresden.


19.00 Uhr, Eröffnungsveranstaltung Musiktheater und Film-Live-Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

dieser Trick in King Kong (1933) weltweites Erstaunen auslöste. Der Schöpfer dieses fantastischen Werks, Ladislas Sta­ rewitch, ging als Pionier animierter Puppenfilme in die Filmgeschichte ein. Sein bereits in der Kindheit geweck­ PREMIERE tes Interesse am Malen, Zeichnen, Fotografieren und Die Wunderuhr – Der Zauberwald Schauspielern, aber auch an der Entomologie, der Insek­ L’horloge magique (F 1928) tenkunde, wusste er später ideal in dem Medium Film zu Ein Animationsfilm von Ladislas Starewitch vereinen. Dabei kam ihm zunächst ein Zufall zur Hilfe: Musik: Paul Dessau Als er 1910 für das Naturkundemuseum in Kaunas (Litau­ en) den Kampf zweier Hirschkäfer filmen wollte und sich Musikalische Leitung: Golo Berg die scheuen Tiere im Scheinwerferlicht nicht bewegten, Anhaltische Philharmonie Dessau präparierte er sie kurzerhand mit Drähten und drehte dann Bild für Bild die Bewegungen. Dieser Trick vermit­ Pause telte den Zuschauern die Illusion, dressierte Tiere auf der Leinwand zu sehen. Starewitch verfeinerte seine Die sieben Todsünden – Originalfassung (Sopran) Technik und fing an, Puppen zu bauen und in seine Fil­ Ballet chanté me zu integrieren. Dabei assistierten ihm sowohl seine Musik: Kurt Weill Frau Anna Zimmermann als auch die Töchter Irène und Text: Bertolt Brecht Jeanne, die in seinen Filmen ebenfalls als Schauspielerin­ nen zu sehen sind. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg Musikalische Leitung: Golo Berg und die Oktoberrevolution zog das „Familienunterneh­ Inszenierung: Frank A. Engel men“ mehrfach um und ließ sich nach Stationen in Mos­ Bühne: Kerstin Schmidt, Frank A. Engel kau, Odessa, Jalta und Italien 1920 schließlich bei Paris Kostüme: Kerstin Schmidt nieder. In den folgenden Jahrzehnten produzierte Stare­ Dramaturgie: Susanne Schulz witch dort in seinem eigenen Studio zahlreiche Anima­ tionsfilme, die in den weltweiten Verleih gelangten und Anna I: Ute Gfrerer u.a. in den USA und bei den Filmfestspielen in Venedig Die Familie: Mark Bowman­Hester, Preise gewannen. Udo Scheuerpflug, Ulf Paulsen, Nico Wouterse L’horloge magique erlebte 1928 im Berliner Erstauf­ Spieler: Margit Hallmann, Anna Menzel, Melanie Otto, führungskino Alhambra in zwei Einzelteilen – Die Wun­ Martha Rudolf, Magda Lena Schott, Veronika Thieme deruhr und Der Zauberwald – seine Deutschlandpremi­ ere. Paul Dessau, der im gleichen Jahr an diesem Kino Anhaltische Philharmonie Dessau als Geiger, Kapellmeister und Komponist engagiert wor­ den war, schrieb dazu die Originalfilmmusik und führ­ Aufführungsrechte: Léona Béatrice Martin­Starewitch (Film), te sie mit dem Alhambra­Kino­Orchester auf. Der Kri­ © Schott Music GmbH & Co KG, Mainz (Musik) tiker Hans Feld berichtete dazu im Filmkurier von 1928: „Einzelheiten kritischen Bedenkens verschwinden ange­ Koproduktion des Kurt Weill Festes mit dem sichts der immer wieder verblüffenden, zauberhaften Anhaltischen Theater Dessau und dem Kunst, mit der Puppen erwachsenen Kinobesuchern ein Puppentheater der Stadt Magdeburg in Kooperation Märchen­ und Kinderreich hervorholen. […] Es ist ein mit der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Appell an das Kindliche, Unkritische im Menschen; und Berlin, Abteilung Puppenspielkunst für diesen Appell wollen wir Starewitch dankbar sein. Nicht zu trennen von seinem Werk ist die bizarre, reiz­ Die Aufführung Die sieben Todsünden wird gefördert voll klingende Komposition Dessaus.“ Paul Dessau kom­ von der Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East ponierte nicht nur illustrative Begleit­ und Originalmu­ 20th Street, New York, NY 10003. siken und vertonte Kurzstummfilme – darunter Alice in Cartoonland, ein Frühwerk Walt Disneys – er konzipier­ Ein Abendprogramm zu dieser Produktion erhalten Sie te auch neuartige Kulturprogramme für das Filmtheater. im Anhaltischen Theater Dessau. Als die Stummfilm­Ära Anfang der 1930er Jahre zur Nei­ ge ging, beendete Dessau seine Tätigkeit am Alhambra­ Mit freundlicher Unterstützung der Kino und beteiligte sich in den folgenden Jahren als einer NORD/LB Landesbank für Sachsen-Anhalt der führenden Filmkomponisten an der musikalischen Gestaltung der ersten Tonfilme. V1

„Figura et Anima“

Weitere Aufführungen von Figura et Anima 13.03.2009, 19.30 Uhr 14.03.2009, 17.00 Uhr im Anhaltischen Theater Dessau 16.06.2009, 19.30 Uhr im Rahmen des 8. Internationalen Figurentheaterfestivals „Blickwechsel“ im Opernhaus Magdeburg

Etwa ein Jahr dauerten die Dreharbeiten zu dem auf­ wändigen Animationsfilm L’horloge magique, der zwi­ schen 1927 und 1928 in Paris entstand. Er erzählt die Geschichte des Uhrmachers Bombastus, der gemein­ sam mit seiner Enkelin Yolande eine von zauberhaften Wesen bevölkerte Wunderuhr erfindet. Ihr Schlagen erweckt die Puppen zum Leben, und Yolande, die von einem Dasein als Prinzessin träumt, wird in eine Mär­ chenwelt mit verblüffenden Bildtricks und zauberhaf­ ten Kulissen entführt. Berühmt ist die Filmszene, die die Tochter des Regisseurs als miniaturhafte Yolande in der Hand eines Waldriesen zeigt – fünf Jahre bevor

Szenenausschnitte aus L’horloge magique (1928) „Bombastus und Yolande“ (oben) „Ondin und der Frosch“ (unten)

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Biografie Ladislas Starewitch 1882 geboren am 8. August in Moskau als Sohn pol­ nischer Eltern 1906 Heirat mit Anna Zimmermann 1907 Geburt der Tochter Irène 1909 Foto­ und Filmarbeiten für das Ethnografische Museum Kaunas 1910 Erste Animationsfilme mit präparierten Insekten 1912 Übersiedlung nach Moskau, dort eigenes Filmstudio 1913 Geburt der 2. Tochter Jeanne 1918­1919 Übersiedlung auf die Krim und nach Italien 1920 Niederlassung in Fontenay­sous­Bois bei Paris; in den folgenden Jahrzehnten Produktion zahlreicher Trickfilme mit animierten Insekten und selbstgebauten Puppen in eigenem Studio 1965 Starewitch stirbt am 26. Februar in Fontenay­ sous­Bois während einer Filmproduktion

Kostümbildentwurf von Kerstin Schmidt Die sieben Todsünden, Der Vater

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Die sieben Todsünden – Zur Handlung Zwei Schwestern, Anna I und Anna II, brechen zu einer Reise durch die USA auf. Sie müssen für ihre Familie das Geld für ein Haus verdienen. Anna I ist die Managerin, Anna II die Künstlerin. Eine Tournee durch sieben Städte zeigt Anna II als diejenige, die den Todsünden der Klein­ bürger ausweichen möchte, Anna I als den Part, der sie dazu drängt, die Sünden als Tugenden im Sinne des Geld­ verdienens und des Wohlstandes zu begreifen. So erfah­ ren die sieben Todsünden Trägheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht und Neid eine vollkommene Umwer­ tung, denn es regiert das Gesetz des Mammons. Die Wanderung der beiden Schwestern wird in einer Misch­ form aus Figurentheater, Gesang und Darstellung in Anlehnung an die Bildsprache von Comics erzählt. Daraus ergeben sich groteske, skurrile, irrsinnig­witzige Bildkom­ positionen, ein Welttheater, das zuweilen wie ein Altar­ bild anmutet, das das Oberste zuunterst kehrt, das aus der Tugend eine Not und aus der Sünde eine Notwendig­ keit macht, das die Gesetze der Schwerkraft aufhebt.

Ein Gespräch mit Frank A. Engel und Kerstin Schmidt Wann kamen Sie zum ersten Mal mit der Musik Kurt Weills in Berührung? Kerstin Schmidt: Brecht und Weill waren bei uns in der DDR natürlich in der Schulzeit ein Thema. Entdeckt habe ich die Musik allerdings erst später: Da ich den gan­ zen Trubel zur Weihnachtszeit hasse, habe ich mir als Alternative immer Die Dreigroschenoper aufgelegt, und dann hatte ich lange Zeit auch eine Weill­Lieblingsplat­ te – Lost in the Stars – mit diversen Interpreten, die ich heute noch gerne höre. Frank A. Engel: Ich hatte vorher gar keine Berührung mit Weill. Für mich ist vor allem die Vielgestaltigkeit seiner Musik eine echte Entdeckung. Man kann sagen, dass ich über seine Werke einen ganz neuen Zugang zu Brecht bekommen habe, einen, der nicht über Worte funktioniert. Ich mag sowieso das Musiktheater eher als das Schauspiel. Wenn in der Oper das Spiel nicht trägt, kann man immer noch die Augen schließen und sich sei­ ne eigenen Bilder zur Musik denken. Wie kamen Sie dazu, sich Die sieben Todsünden vorzunehmen? Frank A. Engel: Das Anhaltische Theater hatte bei uns eine Figurentheaterinszenierung für das Kurt Weill Fest angefragt, und nach Sichtung des möglichen Materials entschied ich mich sehr schnell für dieses Stück. Kerstin Schmidt: Der Stoff bietet sich für eine Umset­ zung als Puppenspiel geradezu an! Die Handlung ist sehr überzeichnet und plakativ, was man mit Mitteln des Figurentheaters ideal darstellen kann. Frank A. Engel: Mich reizen vor allem die Bildhaftig­ keit und die Überhöhung der Figuren. Sie erinnern mich an Comicszenen, die das Wesentliche mit wenigen Stri­ chen auf den Punkt bringen. Wie sind Sie bei der Erarbeitung Ihrer Inszenierung vorgegangen? Kerstin Schmidt: Am Anfang stand die reine Konzen­ tration auf die Musik, das Anhören, immer und immer wieder. Dabei entstehen andere Ideen und Assoziatio­ nen, als wenn man sich nur mit dem Libretto oder der Choreografieanweisung beschäftigt. Frank A. Engel: Ja, die Musik ist die Hauptsache. Hier zeigt sich, dass das durchaus ernste, „biblische“ The­ ma der sieben Todsünden auch Unterhaltungscharakter

haben soll. Weill verwendet dementsprechend verschie­ dene Musikstile wie Foxtrott oder Paso Doble. Darüber kamen wir ins Gespräch und aus dem Bauch heraus ent­ standen Ideen, Skizzen und Fotos – eine üppige Mate­ rialsammlung. Irgendwann lässt man dann die Hoch­ achtung vor der Musik fallen und wird ganz frei in den Assoziationen. Wie haben Sie die konkrete Umsetzung geplant? Frank A. Engel: Wir hatten vom Anhaltischen Thea­ ter das großzügige Angebot, die große Bühne komplett zu bespielen und den gesamten technischen Fuhrpark des Hauses zu nutzen. Wir haben uns dann aber für die Reduktion und für die Mittel des traditionellen Kasper­ spiels entschieden. Kerstin Schmidt: Die Kasperbühne steht im Figu­ rentheater für „die Welt“. In unserem Fall wird sie auf einem Wagen hereingerollt und vor einer weißen Leinwand platziert, auf der Projektionen von Städten gezeigt werden, durch die die Hauptfigur Anna reist. Es gibt eine kleine Bühne für ein Vorspiel mit Handpuppen, das während des Einlasses einen Dialog zwischen Weill und Brecht zeigt. Mit dieser Einstimmung soll der Rah­ men gesetzt werden: Wir nähern uns den Großmeis­ tern Brecht und Weill nicht auf ehrfürchtige, museale Weise, sondern mit „Chuzpe“ und den neuen Ansätzen und Möglichkeiten des Figurentheaters. Dann gehen die Tore auf und ein großer Kasten mit Treppung wird sicht­ bar, auf dem die Haupthandlung spielt. Frank A. Engel: Wir wollen die Illusion von einem „Guckkasten“ erzeugen, in dem die Dinge leicht vergrö­ ßert erscheinen. Das Publikum soll den Eindruck haben, durch eine Lupe auf einen Vorgang zu sehen. Auch das Orchester wird zum Teil auf der Bühne platziert, denn es ist uns wichtig zu zeigen, wie die Musik zum Stück entsteht. Wie agieren die menschlichen und die Puppenfiguren miteinander? Frank A. Engel: Das Puppentheater ist ein Material­ theater mit vielfältigen Möglichkeiten. Wie schon


erwähnt, ist das Comicartige in dem Stück unser Leit­ motiv: Die Familie – Vater, Mutter und die beiden Söhne – tragen Kostümplastiken und Masken. Sie erinnern an Clowns, an Lumpenpuppen, sie haben etwas Albtraum­ haftes wie bei König Ubu oder Tim Burtons Batman­ Figuren. Dazu kommen Flachfiguren zum Einsatz, die von den Spielern offen geführt werden. Wir möchten zeigen, wie Puppentheater gemacht wird. Nach einer Weile wird der Zuschauer jedoch die Puppenführer ver­ gessen und nur dem reinen Spiel folgen. Kerstin Schmidt: Anna II ist ebenfalls eine lebensgro­ ße Figur, die der Sängerin Anna I in der Kleidung gleicht, aber erst zu Beginn des Spiels mit individuellen Attri­ buten zum Leben erweckt wird. Das Figurentheater im Kasten bebildert die Erlebnisse, die Anna I besingt, aber nicht 1:1. Sie stellt eher eine assoziative Begleitung dar. Die Sängerin wird nie Bestandteil des Kastens, aber interagiert mit den Figuren. Davor ist die Familie plat­ ziert, die mal in die Handlung integriert wird, mal aber auch nur Publikum der Szene ist. Frank A. Engel: Es gibt also drei Spielebenen, die sich wie Folien übereinander legen: Die Familie, Anna I und Anna II. Aber wir wollen hier nicht alles verraten, nur so viel: Die Bilder, die wir gefunden haben, wollen das Stück als visuelles Ereignis präsentieren – knallbunt, mit grotesken Figuren und einem rasanten Tempo, das die Zuschauer in die Atemlosigkeit entlässt. Manchmal wird man halt vom eigenen Leben überrollt. Kerstin nennt es auch eine Schilderung der „Poesie des Untergangs“. Das Gespräch führte Celia Solf

darüber hinaus regelmäßig Bühnen und Puppen ver­ schiedener Produktionen wie Rotkäppchen, Die Schatz­ insel, Pension Schöller und Der Wolf und die sieben jungen Geißlein. Kerstin Schmidt absolvierte nach Abitur und Her­ renschneiderlehre ein Studium als Modegestalterin in Berlin. Von 1986 bis 1989 vervollständigte sie ihre künstlerische Ausbildung an der Kunsthochschule Berlin­Weißensee. Seitdem spezialisierte sie sich als Kostüm­ und Bühnenbildnerin auf das Figurentheater und gestaltete Ausstattungen für die Puppentheater in Meiningen, Dresden und Chem­ nitz. Für Achim Freyers Inszenierung der Ariodante an der Oper Frankfurt/Main 2004 entwarf sie die Pup­ pen mit. In Dessau war ihre Ausstattung von Der klei­ ne Häwelmann am Puppentheater zu sehen. Kerstin Schmidt arbeitet regelmäßig in Magdeburg, wo sie mit dem Regisseur Frank A. Engel die Kinderoper Rosenrot und Lilienweiß und die Operette Im Weißen Rössl pro­ duziert hat. Ute Gfrerer Die österreichische Sopranistin studierte Schauspiel und Gesang in Los Angeles. Nach festen Engage­ ments u.a. an der Wiener Volksoper ist sie seit 1999 freischaffend und als Kurt Weill­Interpretin sehr gefragt. Unter HK Gruber sang sie die Pol­ ly in der Dreigroschenoper mit dem Ensemble Modern und Die Sieben Todsünden mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem WDR­Sinfonieorchester. Gastspiele führten sie in die USA, nach Japan, Lateinamerika und Russland. Ute Gfrerer arbeitete mit Dirigenten und Regisseuren wie Nikolaus Harnoncourt, Ingo Metzmacher und Franz Welser­Möst sowie Helmuth Lohner, Klaus Maria Bran­ dauer und Jürgen Flimm. Das Repertoire der vielsei­ tigen Sängerin erstreckt sich von Oper und Operette (Susanna in Figaro, Donna Elvira in Don Giovanni, Jen­ ny in Mahagonny, Adele in Die Fledermaus, Kathi in von Einems Der Zerissene) bis zum Musical (My Fair Lady, Jesus Christ Superstar) und zu Chansonabenden.

Golo Berg erhielt seine musikalische Ausbil­ dung in seiner Geburtsstadt Weimar. Mit 21 Jahren wurde er Chefdirigent am Landestheater Mecklenburg, später Generalmusikdirektor in Hof. Seit 2001 ist er Generalmusikdirek­ tor am Anhaltischen Theater Dessau. Neben den Opern­ und Musikthe­ aterproduktionen des Hauses dirigierte er hier im Rah­ men der Kurt Weill Feste Die Bürgschaft (2002), Street Scene (2004), Happy End (2005), Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (2006) sowie die Bühnenmusik zu den Produktionen Tango Palast (2007) und Broadway Dreams (2008). Seine Laufbahn führte ihn zu einigen der wichtigsten Orchester und Opernhäuser Deutschlands, der Schweiz und auch Asiens. Mit der Anhaltischen Phil­ Mark Bowman-Hester studierte u.a. an der Eastman harmonie bestreitet er regelmäßige Rundfunk­Auftritte School of Music in Rochester, New und eine Reihe von CD­Veröffentlichungen. York. Er gewann mehrere Preise bei unterschiedlichen Wettbewerben Frank A. Engel besuchte in Rostock das Konser­ und sammelte erste Bühnenerfah­ vatorium und wurde nach einer rungen an der Houston Grand Ope­ Mechanikerausbildung Eleve am ra. Vom 1987 bis 2004 war er bei dortigen Volkstheater. Von 1990 bis verschiedenen Opernensembles in 1994 studierte er Puppenspielkunst Deutschland engagiert, danach freischaffender Sänger. an der Hochschule für Schauspiel­ Gastauftritte führten den Tenor auch durch Europa und kunst „Ernst Busch“ in Berlin und in die USA. Sein Repertoire reicht von Händel über die schloss als Darsteller und Puppen­ großen Mozartrollen bis zu Werken der Moderne wie Le spieler ab. Nach Engagements als Puppenspieler in Grand Macabre, Albert Herring, Il Prigionero und Sim­ Meiningen und Dresden ist er seit 2004 fest am Pup­ plicius Simplicissimus. Besondere Erfolge feierte Mark pentheater Magdeburg beschäftigt, wo er als Regisseur Bowman­Hester als Wagnersänger als Mime/Loge in u.a. Im weißen Rössl, Pension Schöller, Der Raub der Das Rheingold und Siegfried und als Hauptmann in Sabinerinnen sowie diverse Märchen inszeniert hat. Wozzeck. Seit 2008 ist er festes Ensemblemitglied des Frank A. Engel wirkt auch als Darsteller und gestaltet Anhaltischen Theaters Dessau.

Biografie Paul Dessau 1894 geboren am 19. Dezember in Hamburg 1912 Entscheidung für die Diri­ gentenlaufbahn, Korre­ petitor am Stadttheater Hamburg ab 1919 u.a. Theaterstationen bei Otto Klemperer (Kölner Oper) und Bruno Walter (Städtische Oper Berlin) ab 1920 Karriere als Komponist v.a. für das neue Medium Film, musikalischer Leiter an diversen Filmtheatern 1927 Dessau lernt Bertolt Brecht kennen 1933 Emigration nach Paris, Auftragsarbeiten für deutsche Filmregisseure im Exil 1936 Begegnung mit René Leibowitz und der Zwölf­ tonmusik, Komposition politischer Marschlieder unter Pseudonym, Kom­ positionen über jüdische Themen 1938 Schauspielmusik zu Brechts Furcht und Elend des Dritten Reiches 1939 Emigration nach New York 1943 Umzug nach Hollywood, Kontakt zu Arnold Schön­ berg, Arbeit als Komponist und Arrangeur für Filmstu­ dios, erneute Zusammen­ arbeit mit Brecht 1946 Eintritt in die Kommuni­ stische Partei (USA) 1948 Rückkehr nach Deutsch­ land 1949 Schauspielmusik zu Brechts Mutter Courage und ihre Kinder 1951 Vertonung von Brechts Radio­Hörspiel Die Verur­ teilung des Lukullus 1952 Mitglied der Akademie der Künste, Organisation der Musikerziehung von Schulkindern 1954 Schauspielmusik zu Brechts Der kaukasische Kreidekreis 1956 Nach dem Tode Brechts erneut Zuwendung zur Zwölftonmusik 1979 gestorben am 28. Juni in Königs Wusterhausen

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Ulf Paulsen studierte Gesang in Köln. Nach ers­ ten Engagements an den Wupper­ taler Bühnen 1995 war er drei Jahre Ensemblemitglied im Stadttheater Görlitz. Als freischaffender Bariton sang Ulf Paulsen u.a. an der Dresd­ ner Staatsoper und am Nationalthe­ ater Prag. Seit 2001 ist er Ensem­ blemitglied des Anhaltischen Theaters Dessau. Sein umfangreiches Repertoire reicht von Mozart­Partien über Rossini und Verdi bis hin zum deutschen Fach, so z.B. Amfortas und Klingsor, die er in konzertanten Par­ sifal­Aufführungen unter Kent Nagano sang. In Dessau war er u.a. zu erleben als Don Giovanni, Graf Almaviva in Figaro, Posa in Don Carlo, als Boris Godunow, Kur­ wenal in Tristan und Isolde und als Macbeth. Konzert­ auftritte und Liederabende runden seine sängerische Tätigkeit ab.

www.anhaltisches-theater.de www.puppentheatermagdeburg.com www.hfs-berlin.de www.ute-gfrerer.com

Udo Scheuerpflug studierte Gesang in Berlin und München. Er absolvierte Meister­ kurse bei Dietrich Fischer­Dieskau und Elisabeth Schwarzkopf und war ab 1989 Ensemblemitglied am Gärt­ nerplatztheater in München sowie in Augsburg und Erfurt. Udo Scheu­ erpflugs Repertoire umfasst Partien des lyrischen sowie des jugendlichen Tenorfaches wie Belmonte in Die Entführung aus dem Serail, Ferran­

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do in Così fan tutte, Fenton in Die lustigen Weiber von Windsor oder Tamino in Die Zauberflöte, Boris in Katja Kabanowa und Don José in Carmen. Als Lied­ und Ora­ toriensänger tritt er in Europa, Israel und den USA auf und erhält Einladungen zu großen Musikfestivals wie den Berliner Festwochen, den Ludwigsburger Schloss­ festspielen oder der Internationalen Bachakademie in Stuttgart. Nico Wouterse wurde am Konservatorium Maas­ tricht ausgebildet. Nachdem er 1995 das Diplom für klassisches Saxofon erhielt, studierte er Gesang. Von 2000 bis 2005 war der Bassbari­ ton Ensemblemitglied des Theaters Trier, seit 2005 ist er am Anhalti­ schen Theater Dessau engagiert und sang hier bislang u.a. Don Basilio in Der Barbier von Sevilla, den Dreieinigkeitsmoses in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, Klingsor in Parsifal, Plumkett in Martha und Don Pizarro in Fidelio. Gastengagements führten ihn zu verschiedenen Festspielen in Deutsch­ land und an die Opernhäuser in Maastricht und Riga. Zu seinen wichtigsten Rollen als Bassbariton gehören Don Alfonso in Così fan tutte, Leporello in Don Giovanni und Kaspar in Der Freischütz. Anhaltische Philharmonie Dessau (siehe Seite 42)


Freitag, 27.02.2009 ca. 20.45 Uhr Vorplatz Anhaltisches Theater Dessau

Festliches Feuerwerk zur Eröffnung des Kurt Weill Festes Dessau 2009

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22.00 Uhr, Jazz im Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau

Friedhelm Schönfeld & Jazzwerkstatt Orchester Gründung des Schönfeld-Trios – einer der innovativsten Jazzgruppen der DDR – dann Musikdramaturg im Theater im Palast der Republik (TiP), bevor 1983 Ihre Emigration nach Kanada erfolgte. Wie stellen sich diese prägenden Jahre aus heutiger Sicht dar? Ich habe zunächst eine ganz klassische und umfas­ sende Ausbildung als Klarinettist absolviert. Zu dieser Zeit wurden viele Jazzelemente, z.B. der „Shake“ auf der Trompete, als „imperialistische Ausdrucksmittel“ abgelehnt, aber ich ergriff schon als Student jede Mög­ lichkeit, Jazz zu spielen! Es gab genügend Tanzveran­ staltungen und Konzerte, man musste nur auf der Hut sein, dabei keinem Lehrer oder Offiziellen zu begegnen. Später habe ich jede Gelegenheit wahrgenommen, eine Gesang: Axinia Schönfeld Lanze für den Jazz zu brechen und durch meine Person auf offizieller Seite für Vertrauen und Interesse zu wer­ Friedhelm Schönfeld (*1938) ben. Das Angebot, im Palast der Republik Jazz zu veran­ Anniversary­Birthday­Suite (Part I) stalten, war letztlich das Ergebnis meiner Bemühungen. Kurt Weill (1900–1950) Als ich 1976 zustimmte, Musikdramaturg am TiP zu wer­ Medley I: den, initiierte ich neben Neue Musik­ und Kinderveran­ Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen staltungen jährliche Jazz­Workshops mit renommierten Strebens Musikern aus Ost und West. Jazzlegenden wie Albert Salomon­Song Mangelsdorff und Jasper van’t Hof waren bei uns zu Kanonen­Song Gast, und die Workshops hatten Signalwirkung für das Speak Low ganze Land. Die Musiker, die ich eingeladen hatte, konn­ Friedhelm Schönfeld ten anschließend in der DDR touren und von anderen Anniversary­Birthday­Suite (Part II) Veranstaltern engagiert werden. Trotz dieser positiven Kurt Weill Entwicklung emigrierte ich 1983 nach Kanada – einmal, Medley II: weil ich nicht Parteimitglied werden wollte, zum ande­ Zuhälterballade ren, weil meine Frau Gipsy, eine bekannte Chansonsän­ Denn wie man sich bettet gerin, boykottiert wurde. My Ship* In den 1970er Jahren erlebte auch die Jazzwerkstatt Mack the Knife (Die Moritat von Mackie Messer)* Peitz, das größte Free-Jazz-Festival der DDR, seine Alabama­Song Blütezeit, bis sie 1982 verboten wurde. 2006 wurde Medley III: unter anderem auf Ihre Initiative hin die jazzwerkSeeräuber­Jenny statt Berlin-Brandenburg e.V. aus der Taufe gehoSeptember Song ben. Wie ist heutzutage die Aufgabe der JazzfördeBilbao­Song rung zu definieren? Friedhelm Schönfeld Ulli Blobel und ich trafen uns 2005 anlässlich einer Anniversary­Birthday­Suite (Part III) Talkrunde auf der Eisenacher Jazzmeile wieder. Er muss * Gesang: Axinia Schönfeld den Gedanken an diese Gründung schon etwas länger Alle Arrangements: Friedhelm Schönfeld mit sich herumgetragen haben, und unser Gespräch gab ihm Impulse und Inspiration, sich an die konkrete Tat zu machen, für die er zweifellos den Idealismus und Ein Gespräch mit Friedhelm Schönfeld das richtige Know­How besitzt. Die jazzwerkstatt will Herr Schönfeld, der Beginn Ihrer Biografie weist vor allem Konzerte und Produktionen zeitgenössischer markante Stationen auf: Ausbildung im Nachkriegs- Jazzmusik fördern. Nach meiner Ansicht ist das auch bit­ Berlin, langjährige Tätigkeit beim Berliner Rundfunk, ter nötig: Den jungen Leuten, die sich heute nach ihrer Jazzwerkstatt Orchester Trompete: Lew Sphigel Tenorsaxofon, Klarinette, Flöte: Konrad Körner Altsaxofon, Tenorsaxofon, Klarinette, Flöte: Friedhelm Schönfeld Baritonsaxofon, Basssaxofon, Bassklarinette, Altflöte: Rolf von Nordenskjöld Posaune: Simon Harrer Klavier: Jörg Straßburger Bass: Gerhard Kubach Schlagzeug: Stephan Genze

Jubiläumskonzert 13.5.2008, Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie

CD-Tipps Friedhelm Schönfeld Duo & Trio START JW 008 Axinia Schönfeld (mit Friedhelm Schönfeld) When We Make Love ITM 14121 www.jazzwerkstatt-berlinbrandenburg.de www.axinia-schönfeld.de

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Ausbildung in die Szene begeben, fehlt nach wie vor ein funktionierendes Netzwerk an Kontakten und Auftritts­ möglichkeiten. Der Markt ist schwieriger geworden und das Talent zur Selbstvermarktung spielt eine entschei­ dende Rolle, wenn man wirklich von seiner Musik leben will. Ich kann dem Nachwuchs nur zu einem guten Hand­ werk raten. Als Saxofonist heißt das beispielsweise, ein gutes „Doubling“ zu betreiben und die Holzblasinstru­ mente Flöte, Klarinette und Oboe ebenfalls vollwertig zu erlernen, um das Spektrum der Arbeitsmöglichkeiten zu erweitern. Wer wirklich Jazzmusiker werden will, muss an seinem individuellen Ausdruck arbeiten und wird auch irgendwann seine Existenz finden. Im vergangenen Jahr wurde dann unter Ihrer Leitung das Jazzwerkstatt Ensemble gegründet, das sich aus musikalischen Weggefährten zusammensetzt. Das war eine Extragründung auf Initiative der jazzwerk­ statt. Anlass war ein Konzert zu meinem 51. Bühnenjubi­ läum und meinem 70. Geburtstag im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie am 13. Mai 2008. Für dieses Jubiläumsprogramm, das wir jetzt wieder erleben dürfen, wählten Sie neben Eigenkompositionen viele Stücke von Kurt Weill aus. Wie kam es dazu? Die Tatsache, dass ich 1983 Deutschland verlassen habe und nach Kanada emigriert bin, hat mein Leben sehr geprägt. Ulli Blobels und meine Idee war, ein Konzert mit Werken von Komponisten zu konzipieren, die eben­ falls Deutschland verließen und versuchten, in Amerika Fuß zu fassen. Neben Kurt Weill dachten wir zunächst auch an George Antheil und seine Jazz Symphony. Die war dann aber für unsere Besetzung sehr schwierig zu realisieren und auch seine Biografie war für diese Idee

Friedhelm Schönfeld

letztlich ungeeignet, da er aus Amerika stammte und erst später nach Europa kam. So blieben „Schönfeld und Weill“ übrig. Natürlich habe ich durch meine DDR­Ver­ gangenheit zum „alten, deutschen“ Weill, besonders in Kombination mit dem Brecht­Theater, eine eigene Bezie­ hung, die aber auf persönlichen Kontakten zu Schauspie­ lern wie Wolf Kaiser, dem legendären Mackie Messer­ Darsteller, beruhte. Die Tatsache, dass ich in den 1970er Jahren u.a. mit Weill­Songs als „DDR­Export“ mit der Schauspielerin Vera Oelschlegel durch Ost­ und Westeu­ ropa bis nach Indien und Mexiko getourt bin, hat mich die Songs in ihrer ursprünglichen Weise kennen lernen lassen. Ich war schon immer fasziniert von Weills Art des Komponierens. Zum Beispiel waren die bitonalen Beglei­ tungen vieler Songs für mich früher vor allem „exotisch“. Erst wesentlich später habe ich sie wirklich durchschaut und verstanden. Für mein Konzert habe ich mich dann sehr intensiv mit Weills Leben und seinen Partituren beschäftigt und viel Persönliches und Interessantes für mich entdeckt. Das Gespräch führte Celia Solf

Friedhelm Schönfeld, Axinia Schönfeld (siehe Seite 8) Jazzwerkstatt Orchester Das vor einem Jahr eigens zum 51. Bühnenjubiläum und 70. Geburtstag Friedhelm Schönfelds gegründe­ te Ensemble geht auf eine Initiative des Fördervereins jazzwerkstatt Berlin­Brandenburg e.V. zurück, der 2006 mit dem Ziel ins Lebend gerufen wurde, zeitgenössi­ sche Jazzmusik in Berlin und Brandenburg zu fördern. Er

DER SILBERSEE Kurt Weill | Georg Kaiser Musikalische Leitung: Kevin John Edusei | Inszenierung: Manfred Weiß Bühne: Timo Dentler / Okarina Peter | Kostüme: Birgitta Lohrer-Horres 28. Februar 2009 | 13. März 2009 | 27. März 2009 | jeweils 19.30 Uhr

Theater Augsburg | Besucherservice 0821. 324 4900 | www.theater.augsburg.de

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steht in der Tradition der Jazzwerkstatt Peitz, des größ­ ten Free­Jazz­Festivals der ehemaligen DDR, welches bis 1982 vom Vereinsvorsitzenden Ulli Blobel veranstaltet wurde. Zusammen mit dem Label jazzwerkstatt arbei­ tet der Förderverein an einer stetigen Verbesserung der Lebens­ und Arbeitsumstände Berliner und Branden­ burger Musiker und an einer Installierung von qualitativ hochwertigen Konzertreihen und Festivals in Berlin und Umgebung. Seit September 2006 wurden über 50 Kon­ zerte und zwei Festivals – „A European Jazz Jamboree in Berlin“ und der„Berlin­Brandenburgische Jazzfrühling“ – initiiert. Für das Jubiläumskonzert am 13. Mai 2008 kamen unter der Leitung von Friedhelm Schönfeld sieben Musiker zusammen, die ihn auf seinen musikalischen Lebenssta­ tionen zu unterschiedlichen Zeiten begleitet haben. Der Trompeter Lew Spighel kam in den 1970er Jahren aus der Ukraine nach Berlin, wo er sich seitdem in der Jazz­Szene einen Namen gemacht hat. Konrad Körner spielte u.a mit den Jazzoptimisten, Panta Rhei, der Radio­Bigband und dem Rundfunktanzorchester Berlin und mit seinem eige­ nen Quartett Jazzterday. Er gründete und leitete das Lan­ desjugendjazzorchester Brandenburg und war bis 2008 Professor und Rektor der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Rolf von Nordenskjöld ist als Arran­ geur, Komponist, vielseitiger Musiker und Bigbandlea­ der bekannt und leitet u.a. die Bigbands der Deutschen Oper Berlin, des Jazz­Instituts­Berlin und der Hochschu­ le für Musik und Theater in Leipzig. Simon Harrer ist ein gefragter freischaffender Solist, Bigbandspieler und Studiomusiker und tritt mit Formationen wie dem Wil Salden‘s Miller Orchestra, dem Berlin Jazz Orchestra und dem Andrej Hermlins Swing Dance Orchestra auf. Jörg Straßburger ist als freiberuflicher Pianist auf vielen Berli­ ner und westdeutschen Bühnen zu erleben, war bis 2001 fest am Theater des Westens beschäftigt und ist Mit­ glied verschiedener Jazzformationen. Gerhard Kubach spielt mit zahlreichen Ensembles wie dem Friedhelm Schönfeld Trio, dem Helmut Forsthoff Quartett oder der Steve Horn Band, tourte mit diesen und anderen Forma­ tionen bereits in ganz Europa und veröffentlichte über ein Dutzend CDs. Stephan Genze gilt schließlich als einer der gefragtesten Schlagzeuger der Jazz­Szene und ist als Dozent an verschiedenen Einrichtungen tätig.

Samstag, 28.02.2009 V3

11.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

„TANZPALÄSTE DESSAUS DER 1920ER JAHRE“ Unter Jazz verstand man in den 1920er Jahren in Euro­ pa auch die zeitgenössische Tanzmusik, die auf Tanztees und Bällen gespielt wurde. Nach der Aufhebung des absoluten Tanzverbots im Jahr 1918, das während des Ersten Weltkriegs geherrscht hatte, zog es Tanzbegeis­ terte zum städtischen Fünf­Uhr­Tee oder auf ländliche Tanzveranstaltungen. Eine neu entstandene Tanzkultur erhielt Einzug in den oftmals beschwerlichen Alltag. Auch in Dessau gab es entsprechende Etablissements, die heute entweder nicht mehr existieren oder als Bau­ ruine ein unrühmliches Dasein fristen. Die Führung gibt einen Einblick, wo man sich in jener Zeit in Dessau amü­ sierte und wieder das Tanzbein schwang.

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Kristallpalast, nach 1910

14.00 Uhr, Führung im Restaurant Kornhaus

„DAS KORNHAUS“ Das 1930 vom Bauhausarchitekten Carl Fieger entwor­ fene Ausflugslokal Kornhaus vereint Café, Vestibül, Steh­ bierhalle und einen Tanzsaal. Seit seinem Entstehungs­ jahr bot das Etablissement seinen Gästen unzählige Möglichkeiten zum kurzweiligen Vergnügen vom Tanztee am Nachmittag bis zum Charleston am Abend, ob von einer Liveband gespielt oder aus dem Grammofon. Hier erklang auch die aktuelle Tanzmusik, die man damals Jazz nannte. Als Modeerscheinung kam die spätere Impro­ visationskunst in den 1920er Jahren aus den USA nach Europa – zum Vergnügen der begeisterten Tänzer. Die Sonderführung versteht sich als Ergänzung zur Führung über die „Tanzpaläste Dessaus der 1920er Jahre“.

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Tivoli, nach 1910

15.00 Uhr, Festivalcafé/FIGARO vor Ort im Steigenberger Hotel Fürst Leopold

„Nils Landgren im Gespräch“

Kornhaus, 1930er Jahre

ARTIST­IN­RESIDENCE 2009

Moderation: Bert Noglik und Bettina Volksdorf (MDR Figaro) Musik: Nils Landgren Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit MDR Figaro Der Artist­in­Residence wird präsentiert von Lotto Sachsen­Anhalt.

Im Rahmen des Festivalcafés erfolgt eine persönliche Vorstellung des Artist­in­Residence Nils Landgren (Bio­ grafie und Interview siehe Seite 7), der zudem einige musikalische Kostproben mit seiner legendären roten Posaune zum Besten geben wird.

Hinweis Das Festivalcafé wird von MDR Figaro aufgezeichnet. Sendetermin 08.03.2009, 19.30–21.00 Uhr Frequenz in Dessau-Roßlau MDR Figaro: 104,0 MHz

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Gestaltete Träume im Gartenreich Dessau-Wörlitz

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz entstand im ehemaligen Kleinstaat Anhalt-Dessau während der letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts. Aus den Ideen der Aufklärung und im Bemühen um »Landesverschönerung« erwachsen, vereinigen sich in dieser Kulturlandschaft von 145 km2 Parkanlagen, Schlösser und zahlreiche andere Bauwerke zu einzigartigen Ensembles. Der Landschaftsgarten, Klassizismus und Neugotik erfuhren hier eine in Deutschland sehr frühe Ausprägung. – Erleben und genießen Sie gestaltete Träume im Gartenreich Dessau-Wörlitz.

www.gartenreich.com

Kulturstiftung DessauWörlitz


Samstag, 28.02.2009 V6

19.00 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

Angela Denoke & Tal Balshai Trio Gesang: Angela Denoke (Sopran) Tal Balshai Trio Klavier: Tal Balshai Kontrabass: Jan Roder Schlagzeug: Michael Griener Es erklingen Werke von Kurt Weill, Tal Balshai , Olaf Bienert, Lothas Brühne, Peter von Fenyes, George Gershwin, Friedrich Hollaender, Hugo Hirsch, Bronis­ law Kaper, Peter Kreuder, Theo Mackeben, Rudolf Nel­ son, Charly Niessen und Cole Porter. Das Konzert wird moderiert. Die endgültige Programmfolge stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Aus diesem Grund kann der nachfolgende Text Komponisten und Titel erwähnen, die im Rahmen des Konzerts nicht zur Aufführung kommen.

„You ain’t heard nothin’ yet!“ – Als am 6. Oktober 1927 in New York der erste „sprechende Film“ (ein „talkie movie“) gezeigt wurde und der Entertainer Al Jolson die­ se Worte sprach, da war mit dem Ton­ auch der Musik­ film geboren: The Jazz Singer gilt als erster abendfül­ lender Tonfilm und gleichzeitig als erstes Filmmusical. Die neuen technischen Möglichkeiten waren geradezu prädestiniert für Musik, und so war der frühe Tonfilm zumeist auch ein sehr musikalischer Film – vor allem in Deutschland. 1928 trat Richard Tauber in dem Spielfilm Ich küsse Ihre Hand, Madame mit einer Liedeinlage auf; im darauffolgenden Jahr drehte Walther Ruttmann mit Melodie der Welt den ersten abendfüllenden deutschen Tonfilm. Die Filmoperette Die Drei von der Tankstelle avancierte 1930 zum beliebtesten Film der Saison und zeitgleich wurde Josef von Sternbergs Der blaue Engel ein erster internationaler Erfolg, auch weil er parallel in einer englischsprachigen Version gedreht worden war. Der deutsche Film hatte sich (als Musikfilm) durchge­ setzt und der endgültige Siegeszug des Tonfilms war nicht mehr aufzuhalten. Die Musik – also: die vom Film geprägten Songs – lösten sich alsbald von dem Medi­ um, für das sie geschaffen worden waren und fanden zu eigenständiger Existenz als Schlager oder aber als Jazz­ Standards amerikanischer Provenienz. Tonfilm, Musik­ film, (Film­)Musical, Schlager und Jazz­Song entwickel­ ten sich also gleichermaßen aus einer gemeinsamen Keimzelle heraus. Und mögen auch viele jener Filme nur noch eingefleischten Cineasten ein Begriff sein – die Melodien kennt auch in unseren Tagen noch jeder. Für die Filmmusik zum Blauen Engel war Friedrich Hollaender verpflichtet worden, damals eine feste Grö­ ße der Berliner Kulturszene – später einer der meist­ beschäftigten und erfolgreichsten Filmkomponisten in Hollywood. Viele seiner Titel wurden in kürzester Zeit zu Welthits. Zusammen mit dem Blauen Engel­Song Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt war sein Chanson Wenn ich mir was wünschen dürfte bereits am 3. März 1930 von Marlene Dietrich aufgenommen wor­

den; es wurde aber erst 1931 zum Start von Robert Siod­ maks Kriminalgroteske Der Mann, der seinen Mörder sucht veröffentlicht. Im Film wird es von Greta Keller gesungen. Der Walzer Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre stammt aus Siodmaks Filmdrama Stürme der Leiden­ schaft von 1932. Er wurde, obgleich er gerne der Diet­ rich zugeschrieben wird, jedoch von der Exilrussin Anna Sten kreiert, deren exotische Ausstrahlung ihr erst in Deutschland und anschließend in Amerika zu Starruhm verhalf. Marlene Dietrich, die dem Blauen Engel ihre interna­ tionale Karriere verdankte, hatte gerade erst im Mai 1928 in Mischa Spolianskys Revue Es liegt in der Luft debütiert und war von Josef von Sternberg im Septem­ ber 1929 in Spolianskys Zwei Krawatten entdeckt wor­ den. Ihr Klavierbegleiter war Peter Kreuder, anfangs ein beliebter Bar­Pianist, der ab 1929 als Arrangeur für Spo­ liansky und Hollaender arbeitete und später als Kompo­ nist – vor allem von erfolgreicher Filmmusik – reüssier­

Hinweis Das Konzert wird von MDR Figaro aufgezeichnet. Sendetermin 14.03.2009, 19.30–21.00 Uhr Frequenz in Dessau-Roßlau MDR Figaro: 104,0 MHz

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MIT FIGARO ZU MEHR TAKTGEFÜHL

JAZZ populär Montag bis Freitag 19.35 Uhr JAZZ Freitag 23.30 Uhr Samstag | Sonntag 23.00 Uhr WWW.MDR-FIGARO.DE Wittenberg 104,0 MHz


te. Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt war von der polnischen Stummfilmdiva Pola Negri in der Revue Hollywood kreiert worden, die am 3. März 1936 in der Berliner Scala, einem der berühmtesten Varietétheater Deutschlands, ihre Premiere erlebt hatte. Anschließend sang ihn die junge Camilla Horn in dem antikommunis­ tischen Abenteuerfilm Weiße Sklaven (Panzerkreuzer Sewastopol) von 1937. Für eine Nacht voller Seligkeit schrieb Kreuder für Marika Rökk und ihre Hauptrolle in dem 1940 uraufgeführten Abenteuerfilm Kora Terry. Über Schauspielmusik und Operette fand Theo Macke­ ben, der als Kapellmeister an Sprechtheatern arbeitete (am Theater am Schiffbauerdamm in Berlin hatte er am 31. August 1928 die Uraufführung von Bertolt Brechts und Kurt Weills Dreigroschenoper geleitet), seinen Weg zum Filmschlager. Erfolgreich modernisierte er Karl Mil­ löckers Operette Gräfin Dubarry; seine Originaltitel für Zarah Leander machten ihn berühmt. 1934 gelang ihm mit So oder so ist das Leben – gesungen von der jun­ gen Brigitte Horney in dem Abenteuerfilm Liebe, Tod und Teufel – ein Schlager, der durch sein Changieren zwischen Pathos und Lakonie, Dur und Moll, Fatalismus und Selbstbehauptung ein Zeitdokument wurde – und dem Komponisten gleichzeitig zum Spitznamen des „So­oder­so­ist­Mackeben“ verhalf. In der Filmkomödie Anita und der Teufel von 1940 interpretierte die „chile­ nische Nachtigall“ Rosita Serrano Bei dir war es immer so schön; sie war – wie zuvor die Dietrich – von Peter Kreuder entdeckt worden. Verselbständigte sich in Deutschland der Filmschla­ ger unmittelbar, so etablierte sich in den Vereinigten Staaten der Song aus einem erfolgreichen Musical oft erst über den Umweg einer erfolgreich(er)en Verfil­ mung als Jazz­ oder Pop­Standard. Nicht nur die Titel amerikanischer Komponisten wie George Gershwin und Cole Porter wurden auf diese Weise bald zu beliebten Jazz­Standards, sondern auch diejenigen des 1935 in die Staaten emigrierten Kurt Weill, dem im Oktober 1938 mit dem Broadway­Musical Knickerbocker Holiday (die Verfilmung entstand 1944) der Durchbruch gelang. Der bekannteste Song daraus – der September Song – war bei der New Yorker Erstaufführung von dem Schau­ spieler Walter Huston interpretiert worden. My Ship stammt aus Weills Musical Lady in the Dark von 1941; in der Verfilmung aus dem Jahre 1944 spielte Ginger Rogers eine ihrer wichtigsten Rollen. In Weills nächs­ tem Broadway­Musical One Touch of Venus von 1943 kreierte die Hauptdarstellerin Mary Martin den Song Speak Low. Marlene Dietrich hatte die Titelrolle abge­ lehnt, weil sie das Stück „zu sexy und profan“ fand. Ava Gardner agierte in der Verfilmung von 1948. Der Song, der 1944 erstmals von Billy Leach – begleitet von Guy Lombardo and his Royal Canadians – für die Schallplat­ te produziert wurde, sollte einer der am meisten aufge­ nommenen Titel der Jazzgeschichte werden. Guido Johannes Joerg

Marietta in Die tote Stadt unter Donald Runnicles 2004 sowie für ihr Debüt an der Metropolitan Opera New York 2005 als Marschallin in Rosenkavalier wurde sie gefeiert. Angela Denoke ist heute an allen großen Opernhäuser als Interpretin der Hauptpartien und als Konzertsängerin mit renommierten Orchestern zu erle­ ben. 1999 wurde sie von Opernwelt zur „Sängerin des Jahres“ gewählt und 2007 mit dem Deutschen Thea­ terpreis für ihre Darstellung der Salome unter Kent Nagano ausgezeichnet.

Tal Balshai Trio Der Pianist, Komponist und Arrangeur Tal Balshai stu­ dierte klassisches und Jazz­Klavier in Jerusalem, Tel Aviv, Berlin und New York. Seit 1992 lebt er in Berlin, wo er 1995 das Tal Balshai Trio gründete. Am Klavier vereint er Klassik, Jazz und Pop und seine Kompositionen werden gleichermaßen von Kammermusikensembles und Jazz­ musikern gespielt. Die von ihm komponierte Erfolgs­ show Vivace war unter seiner Leitung zwischen 2001 und 2006 in Europa, Afrika und am Broadway in New York, zu hören. Bassist des Trios ist Jan Roder, der auch mit Alexander von Schlippenbach, Axel Dörner, Gun­ ter Hampel und John Russell spielt. Zur Zeit ist er in den Projekten Monk’s Casino, Die Enttäuschung, Soko Steidle und Mrs Conception aktiv. Am Schlagzeug sitzt Michael Griener, der u.a. mit dem Uli Gumpert Quar­ tett, Baby Bonk, Themroc 3 und Ernst­Ludwig Petrows­ ky tourt. Er unterrichtet Perkussion an der Musikhoch­ Angela Denoke schule Dresden und erhielt 2006 den Neuen Deutschen Die international gefragte Sopranistin studierte in Jazzpreis. Hamburg und sang zunächst im Ensemble der Staats­ oper Stuttgart. Sie errang internationale Aufmerksam­ keit bei den Salzburger Festspielen 1997 als Marie in Wozzeck unter Claudio Abbado und 1998 als Katja Kabanowa unter Sylvain Cambreling. Große Erfolge hatte sie 1999 als Venus/Elisabeth in Tannhäuser unter Daniel Barenboim und als Sieglinde in der Walküre unter Lothar Zagrosek. Als Jenufa unter Seiji Ozawa, Marie/

Tal Balshai Trio CD-Tipps Wiener Philharmoniker Donald Runnicles (Dirigent) Angela Denoke u.a. Erich Wolfgang Korngold Die tote Stadt ORE 634042 Chor der Hamburgischen Staatsoper Philharmonisches Staatsorchester Hamburg Ingo Metzmacher (Dirigent) Angela Denoke u.a. Alban Berg Wozzeck EMI 5568652 Arnold Schoenberg Chor Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattler (Dirigent) Angela Denoke u.a. Ludwig van Beethoven Fidelio EMI 2176302 Tal Balshai Jazz Trio Camel HTM 002 Tal Balshai Winterlandschaft Piano­Solo HTM 100 www.askonasholt.co.uk www.talbalshai.com

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Samstag, 28.02.2009 V7

22.00 Uhr, Jazz in der Halle des Elbe-Werks Roßlau

„Nils Landgren & Friends“ Posaune und Gesang: Nils Landgren Gesang und Flügelhorn: Nina Ramsby Gitarre: Johan Norberg Klavier: Sebastian Studnitzky Kontrabass: Eva Kruse Schlagzeug: Wolfgang Haffner Mit freundlicher Unterstützung von Lotto Sachsen-Anhalt

CD-Tipps Nils Landgren Christmas with my Friends ACT 9454­2

Nils Landgren A R T I S T ­ I N ­ R E S I D E N C E (siehe Biografie und Interview Seite 7)

Nils Landgren Christmas with my Friends, II ACT 9476­2

Nina Ramsby Die Stockholmer Künstlerin spielt Saxofon, Klarinette, Trompete, Gitar­ re, Schlagzeug und Klavier. Haupt­ sächlich ist sie aber als Sängerin und Songschreiberin aktiv und in Schwe­ den sehr bekannt. Von 1992 bis 1996 trat sie mit ihrer Band Salt mit Rock­ musik auf, seit 1997 hat sie dann mit Grand Tone Music drei Alben eingespielt, die näher an Pop waren. Als Sängerin der Gruppe Baxter hatte sie internationalen Erfolg mit bisher zwei CDs. Musikalisch beeinflusst wurde sie von unterschiedlichen Künstlern wie Brent Hunter, Nils Landgren, Justin Timberlake, aber auch von Gospelmusik. Die Künstlerin lässt sich nicht leicht einordnen und wirkt an vielen Projekten mit.

www.myspace.com/ ninaramsby www.studnitzky.de www.evakruse.de www.wolfganghaffner.com

Hinweis Zur Veranstaltung wird ein kostenloser Busshuttle ange­ boten. 20.50 Uhr Abfahrt nH Hotel 21.00 Uhr Abfahrt Anhaltisches Theater Dessau 21.30 Uhr Ankunft Elbe­Werk Rückfahrt nach Ende der Veranstaltung. Um Anmeldung wird gebeten: 0180 . 5 564 564.

Elbe-Werk Roßlau

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Johan Norberg Der Gitarrist gilt als der derzeit beste und interessanteste Akustik­ gitarren­Spieler der skandinavischen Folk­ und Weltmusik­Szene. Mit dem Posaunenstar Nils Landgren bilde­ te er 17 Jahre lang das in Schweden höchst populäre Duo Chapter two.

Zusammen mit dem Saxofonisten Jonas Knutsson hat er zwei Alben veröffentlicht. Sebastian Studnitzky Der Jazzmusiker ist gleicherma­ ßen als Trompeter wie als Pianist aktiv. Er war unter Peter Herbolzhei­ mer Mitglied im Bundesjazzorches­ ter und studierte ab 1992 Jazz­ und Popularmusik in Stuttgart mit dem Hauptfach Trompete. 1996/1997 war er Stipendiat in Boston, wo er sich zunehmend für Komposition und Produktion zu interes­ sieren begann. 1998 bis 2000 beendete er sein Studium mit dem Hauptfach Klavier. Nach vielen internationa­ len Tourneen an der Seite von Nils Landgren, Rebekka Bakken, Charly Antolini, Barbara Dennerlein, Wolfgang Haffner oder mit der Band Mezzoforte widmet sich Sebastian Studnitzky zunehmend seiner eigenen Musik. Seit Mitte der 1990er Jahre veröffentlicht er regelmäßig CDs in verschiedenen Formationen, zuletzt 2008 ein hoch gelobtes Debütalbum mit dem Studnitzky­Trio. Eva Kruse lernte zunächst klassisches Kla­ vier, bevor sie mit 14 Jahren begann, als E­Bassistin und später mit Kon­ trabass in verschiedenen Big Bands zu spielen. Ab 1998 studierte sie in Berlin bei Sigi Busch und David Friedman Jazz und Improvisation. Während sie im BundesJugendJazz­ Orchester spielte, besuchte sie Kurse von John Taylor, der sie ermutigte, selber zu komponieren. Seit 2002 arbeitet sie kontinuierlich mit Eric Schaefer und Micha­ el Wollny in der Formation „[em]“. Das Trio tourt welt­ weit und hat bereits drei Alben veröffentlicht. Außer­ dem spielt sie mit dem Quartett Firomanum, dem Arne Jansen Trio und der Berliner Pop/Jazz/Elektronik­Band SOAP. Eine wichtige Station in Eva Kruses künstleri­ scher Laufbahn ist das Festival JazzBaltica in Schles­ wig­Holstein, wo sie Nils Landgren kennen lernte und u.a. mit dem Saxofonisten Bunky Green sowie dem Jazz Baltica Ensemble auftrat. Wolfgang Haffner lernte schon als Kind Klavier und Schlagzeug. 1984 holte ihn Albert Mangelsdorff in das Deutsch­Fran­ zösische Jazzensemble. Von 1989 bis 2000 war er Schlagzeuger bei Klaus Doldingers Passport. In den 1990er Jahren spielte Wolfgang Haffner bei Chaka Khan und in der Fusionband Metro mit Chuck Loeb, Mitch Forman, Anthony Jackson u.a. Zusammen mit Roberto Di Gioia gründete er 1997 die Gruppe Zappelbude. Wolfgang Haffner trat mit Jazz­ musikern wie Nils Landgrens Funk Unit, Pat Metheny, Michael & Randy Brecker, Bill Evans, Woody Shaw, Roy Hargrove, Cassandra Wilson und Joe Pass, aber auch mit unterschiedlichen Künstlern und Bands wie Jan Garba­ rek, Die Fantastischen Vier, Stefan Raab, Helge Schnei­ der und Konstantin Wecker sowie den Big Bands des NDR und WDR auf. 2002 gründete er seine eigene Band und tourte durch mehrere europäische Länder. Wolf­ gang Haffner wirkte bisher an 350 CD­Veröffentlichun­ gen mit, darunter 11 unter eigenem Namen.


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22.30 Uhr, New Sounds im Beatclub Dessau (Einlass ab 21.00 Uhr)

Stereo Total Stereo Total Trautonium, Kinderklavier, Synthesizer, Sampler, Gitarre: Brezel Göring Gesang, Schlagzeug, Theremin, Kazoo: Françoise Cactus Kontrabass: Anton Garber (als Gast) Ersatz-Oper: Stereo Total spielen Kurt Weill Kurt Weill (1900–1950) Speak Low Die Moritat von Mackie Messer (französische Version) Alabama­Song Kanonen­Song September Song Der Song von Mandelay Seeräuber­Jenny Das Lied von den braunen Inseln Buddy on the Nightshift Tschaikowsky

jemand um jeden Preis etwas Anspruchsvoll­Hochkul­ turelles machen. So ein Ansatz würde bei uns natürlich „stereototal“ aus dem Rahmen fallen. Kurt Weills Arbeiten enthalten Reminiszenzen an populärer Musik, bisweilen wird er auch als Repräsentant eines musikalischen Surrealismus gesehen. Welche Seite interessiert euch an Weill? Stereo Total Wir finden besonders die Kompositionen interessant, Wenn ich ein Junge wär die er selber „Songs“ nannte – in bewusstem Gegen­ I love you ONO satz zur damals gebräuchlichen Bezeichnung „Lied“. Ich bin der Stricherjunge Diese Songs zitieren Jazz­ oder Tanzmusik und kombi­ Nationale 7 nieren diese Elemente mit Dissonanzen und „krummen“ Musique automatique Harmonien, Sexten und Septimen. Dieser spielerische, No Tututu zerstörerische Umgang mit dem Material gefällt uns Plastic besonders gut. Wir haben uns an diesen Liedern – meist Dactylo Rock aus den späten 1920er Jahren – orientiert und versucht, Ich will Mutter werden sie im Stereo Total­Sound zu spielen. Dann kamen noch Plus minus null einige Stücke aus seiner Broadway­Phase hinzu, denen Schön von hinten wir versucht haben, ein ähnliches Kostüm anzuziehen. Push it Bei den späteren Liedern ist die Musik viel zugängli­ Holiday Inn cher als die Texte, die er benutzt hat. Ich finde, dass Liebe zu dritt man durchaus von musikalischem Surrealismus spre­ Klodame chen kann, denn Weills musikalische Zitiertechnik in den Miau Miau 1920er Jahren ist ein sehr schlauer, nicht­verbaler Kom­ Für immer 16 mentar zur Zeit und subversiven surrealistischen Kon­ Comme d’habitude zeptionen wie „Schwarzem Humor“ verwandt. Aber wir Ich bin nackt sind keine Musikhistoriker. Wir tanzen im Viereck Stereo Total sind international unterwegs, ihr tourt Everybody in the discotheque (I hate) durch Island, Mexiko, Brasilien. Warum schätzt man euch dort? Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Was den Hörern in den unterschiedlichen Ländern Beatclub Dessau an unserer Musik gefällt, ist wirklich schwer zu sagen. In einem Land wurde unsere Musik als „International Underground Pop“ bezeichnet, und vielleicht trifft es Ein Gespräch mit Stereo Total diese Definition: schräg, aber trotzdem verführerisch, Ihr habt ein gewisses Faible für Coverversionen. leicht hörbar, grenzüberschreitend, sowohl linguistisch Nach Brigitte Bardot, Iron Maiden, Serge Gains- als auch stilistisch... bourg oder Die Tödliche Doris: Fällt Kurt Weill da Die Fragen stellte Jörg Folta etwas aus dem Rahmen? Wenn wir ein Lied covern, dann geht es uns immer Stereo Total darum, etwas völlig Neues zu machen und das Lied aus wurde 1993 von dem deutsch­französischen Duo Fran­ seinem ursprünglichen Kontext herauszureißen: Iron çoise Cactus und Brezel Göring gegründet. Mit ihrer Maiden ohne Hardrock, Joe le taxi nicht von der Loli­ gelungenen Mischung aus tanzbarer Elektronikavant­ ta Vanessa Paradis, sondern von einem Mann gesun­ garde und Chanson, zehn Alben sowie zahlreichen Kon­ gen zum Beispiel. Bei Kurt Weill ist das sehr schwierig, zertauftritten und Tourneen hat die Berliner Band seit­ weil er schon so oft von ganz unterschiedlichen Musi­ dem weltweit eine große Fangemeinde gewonnen. Im kern interpretiert wurde. Die Kurt Weill­Coverversionen Rahmen der Reihe „New Sounds“ des Kurt Weill Festes von Popmusikern hören sich auch oft so an, als wollte ist sie nun zum ersten Mal in Dessau zu Gast.

CD-Tipps Stereo Total Musique Automatique Bungalow 30484 Stereo Total Do The Bambi Disko B 130cd Stereo Total Paris <> Berlin Disko B 147cd

Hörbuch-Tipp Françoise Cactus Neurosen zum Valentinstag roof music 5637­2 www.stereototal.de

Hinweis Das vollständige Interview mit Stereo Total finden Sie unter www.beatclubconcerts.de.

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Sonntag, 01.03.2009 V9

10.00 Uhr, Führung im Bauhaus Dessau

„die Bauhauskapelle“ Andor Weininger, der selbst Klavier spielte, war Initia­ tor der so genannten Bauhauskapelle, die nahezu über die gesamte Zeitspanne des Bauhauses von Weimar über Dessau bis Berlin konzertierte und weit über das Bauhaus hinaus bekannt war. Maßgeblich beteiligt war sie auch an den Festen des Bauhauses in der Aula des Bauhausgebäudes, wo unter anderem Oskar Schlem­ mers Bauhaustänze aufgeführt wurden. Das Besondere an ihrer Musik war die Verbindung von Jazz und folklo­ ristischen Elementen und die gezielte Arbeit der Kapel­ le mit zusätzlichen Geräuscheffekten wie taktgemäßen Pistolenschüssen, rhythmischem Stühlestampfen oder Tischklopfen.

Bauhaus Dessau

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11.00 Uhr, Konzert im Schloss Köthen (Spiegelsaal)

G-Strings G-Strings Violine: Stefan Pintev, Rodrigo Reichel Viola: Jan Larsen Violoncello: Vytautas Sondeckis Kontrabass: Frank Skriptschinski Auf die Programmfolge für das Kurt Weill Fest wollen sich die G­Strings im Vorfeld nicht festlegen. Zu wichtig sind ihnen die Atmosphäre des Konzerts und die Reak­ tionen ihres Publikums, auf die sie spontan reagieren wollen. Tango­Standards von Astor Piazzolla werden zu hören sein, dem die Musiker 1996 ihr erstes Album widmeten, aber auch Stücke von Miles Davis, George Gershwin, der Rocklegende Mother’s Finest und Eigen­ kompositionen. Exklusiv für das Kurt Weill Fest erarbei­ ten die fünf Musiker erstmals Songs von Kurt Weill, in dem sie als Wanderer zwischen den Welten der U­ und E­Musik einen Gesinnungsgenossen sehen. Die Zuhö­ rer dürfen gespannt sein auf neue G­Strings­Arrange­ ments von Kurt Weills Lost in the Stars, der Moritat von Mackie Messer, Surabaya­Johnny, dem Lied von der Höllenlilli und dem Alabama­Song. Mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld

Kulturstiftung Dessau-Wörlitz Anhaltisches Theater Dessau Cm Concert Management Berlin Ringhotel Zum Stein, Wörlitz

Tickets: 0340 25 11 258 0180 55 44 888 www.gartenreichsommer.de

Seekonzerte, Schlosskonzerte, Wandelkonzerte, Musikalisch-literarische Abende 22


Ein Gespräch mit Stefan Pintev Sie sind alles andere als ein klassisches Streichquintett, sondern Grenzgänger zwischen unterschiedlichen musikalischen Genres der so genannten U- und E-Musik. Wie kam es zu diesem „Stilbruch“? Bis auf den Kontrabassisten, der aus dem Jazz kommt, haben alle Mitglieder des Quintetts eine klassische Ausbildung durchlaufen und spielen seit langen Jahren hauptberuflich im NDR­Sinfonieorchester. Daneben gab es allerdings schon früh ein großes Interesse an anderen musikalischen Stilrichtungen wie Jazz, Rock und Pop. Ich habe beispielsweise mit 16 Jahren als Jungstudent begonnen, nebenbei als Studiomusiker für Werbe­ oder Filmmusikaufnahmen und für Rock­, Pop­ und Jazzein­ spielungen zu arbeiten. Darüber kam ich mit einer sehr freien Musikszene in Berührung. Man muss dazu sagen, dass das, was in der Klassik passiert, sehr klar definiert ist. Es gibt einen Notentext, der festlegt, wie ein Stück – natürlich abhängig von der jeweiligen Epoche – zu spielen ist. Trotzdem war Bach zum Beispiel ein gro­ ßer Improvisator. Auch Instrumentalisten haben früher ihre eigenen Kadenzen geschrieben oder frei improvi­ siert. Das wird heute gar nicht mehr gelehrt und prak­ tiziert, was ich ausgesprochen traurig finde. Ein klassi­ scher Musiker spielt nur noch, was in den Noten steht. Dabei können sich die Musikstile durchaus gegenseitig befruchten. Uns haben die Studioarbeit und der Kon­ takt zu anderen musikalischen Genres jedenfalls sehr inspiriert, eine Richtung zu suchen, die uns größeren Freiraum gibt, uns selbst auszudrücken, das heißt: zu improvisieren, unsere eigenen Stücke zu komponieren und Musik, die uns gefällt, nach unseren eigenen Vor­ stellungen neu zu arrangieren. Wie arrangieren bzw. komponieren Sie denn Jazz, Rock oder Pop, um ihn für ein Streichquintett spielbar zu machen? Wir hören uns die Stücke zunächst nach ganz eigenen Kriterien an: musikalische Form, Vielfältigkeit, Groove, Rhythmusänderungen, interessante Harmonien spie­ len eine große Rolle. Unser „Klassiker“ Baby Love von Mother’s Finest hat zum Beispiel acht verschiedene Tei­ le und ist unglaublich abwechslungsreich. Dann sehen wir uns an, ob die Instrumente, die in den Stücken vor­ kommen, mit ihren Klangfarben auf Streichinstrumen­ te übertragbar sind. Ein Klavier hat vom Charakter her zum Beispiel klare Töne, kein Vibrato, keine Glissandi. Ein Saxofon schmiert viel rum und bringt Ornamentik ins Spiel. Eine Gitarrenfigur ist meistens für Rhythmik verantwortlich. Diese Klangeffekte kann man auch mit Streichinstrumenten erzeugen, beispielsweise mit so genannten „Chops“ – das ist ein kultiviertes Kratzen und Klopfen auf den Saiten mit Fingern und Bogen, die per­ kussive Elemente nachahmen – oder mit elektronischer Verstärkung, die Echo, Hall und Verzerrungen erzeugen kann. Auch die Werke von Astor Piazzolla eignen sich sehr gut für diese Technik des Spiels. Er ist ein Meister der Emotionen und kann große Gegensätze ausdrücken: Mal vermittelt seine Musik Wärme und Sentimentali­ tät, dann kann sie wiederum unglaublich brutal, kalt und aggressiv klingen. Unsere erste CD, die 1996 entstand, war ein Streicher­Porträt dieses Tangokönigs. Für das Programm zum Kurt Weill Fest beschäftigten Sie sich erstmals auch mit der Musik Kurt Weills. Welchen Stellenwert nimmt sein Werk in Ihrer Arbeit ein? Für uns ist es das erste Mal, dass wir uns seiner Werke annehmen. Natürlich begegnet man seinen Kompositio­

nen ständig. In gewisser Hinsicht war Weill auch ein Jaz­ zer; der Jazz steckte einfach in ihm drin. Für uns sind sei­ ne Kompositionen insofern sehr interessant, weil sie das Grenzgängertum zwischen U­ und E­Musik reflektieren, genau so, wie wir es auch pflegen. Deshalb freuen wir uns sehr auf die Herausforderung und das Konzert. Das Gespräch führte Celia Solf

Die G-Strings überwinden die musikalischen Grenzen unterschied­ lichster Genres und spielen seit ihrer Gründung 1993 gegen eingefahrene Hörgewohnheiten an. Vier der fünf Musiker haben eine klassische Ausbildung absolviert und arbeiten hauptberuflich im NDR­Sinfonieorchester. Neben diesem „Standbein“ ist die rege Konzert­ und Studiotätigkeit im Streichquintett ein faszinierendes „Spielbein“, das die G­Strings bereits mit Musikern wie Chaka Khan, Ray Charles, Bobby McFerrin, Randy Cra­ wford, Gloria Estefan, Die Ärzte, Udo Lindenberg oder Nils Landgren zusammenführte. Für die Zusammenstel­ lung ihrer ungewöhnlichen Programme, die ihnen die Bezeichnung „originelle Klangfarbenmischer“ einbrach­ te (FAZ), lassen sich die G­Strings von Pop, Rock, Tango Nuevo oder Jazz inspirieren.

CD-Tipps G­Strings Made on Strings EMI 7243 5 21581 G­Strings Play Astor Piazzolla Koch Schwan 3­6423­2 G­Strings u.a. Strings of Fire II Warner Classics 2564­61293­2 www.gstrings.de

Hinweis zu V10 Für die Veranstaltung wird ein kostenloser Busshuttle ange­ boten. 9.45 Uhr 9.50 Uhr 9.55 Uhr 10.45 Uhr

Abfahrt Busbahnhof Dessau, Bussteig 7 Abfahrt Steigenberger Hotel Fürst Leopold Abfahrt nh Hotel Ankunft Schloss Köthen

Rückfahrt nach Ende der Veranstaltung. Um Anmeldung wird gebeten: 0180 . 5 564 564.

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Sonntag, 01.03.2009 V11

13.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

„Das Musikhaus olberg in dessau“

Biografie Franz Kafka 1883 geboren am 3. Juli in Prag; Besuch deutscher Schulen bis zum Abitur 1901–1906 Jura­Studium / Promotion an der Prager Deutschen Universität; Freundschaft mit Max Brod 1908 Erste Veröffentlichungen 1912 1. (später vernichtet) und 2. Fassung des Romans Der Verschollene 1913 Abbruch der Arbeit an Der Verschollene (Fragment posthum als Amerika veröffentlicht); Veröffentlichung von Der Heizer (1. Kapitel von Der Verschollene) 1916 Freistellung vom Militär­ dienst gegen seinen Willen 1917 Tuberkulose­Diagnose 1920–1922 lange Krankheiten und Kuren, Pensionierung 1923 Übersiedlung nach Berlin 1924 Rückkehr nach Prag; Kehlkopftuberkulose; stirbt am 3. Juni, Bestattung auf jüdischem Friedhof in Prag­ Straschnitz

Das Musikhaus Olberg war in den 1920er Jahren das Musikgeschäft in Dessau und Umgebung. Wer Noten oder die neuesten Tonträger kaufen wollte, ging dorthin. Heiß begehrt und ein beliebter Tauschgegenstand waren auch die neuen Foto­Postkarten der Ufa­Stars, vor allem, wenn sie ein Autogramm besaßen. Sicherlich wurden im Musikhaus Olberg auch einige Schellackplatten der Weill’schen Musik der Dreigroschenoper verkauft, die von verschiedenen Plattenfirmen produziert wurden.

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15.00 Uhr, Puppentheater im Alten Theater Dessau

„Kafka. Amerika“ Theaterfassung von Thomas Potzger nach dem Roman Amerika von Franz Kafka und unter Verwendung folgender Musikstücke von Kurt Weill You Understand Me So, How I Love My Work , The Little Tin God, Streetlight Is My Moonlight, Great Big Sky sowie von Chet Baker I Get Along Without You Very Well Regie: Bernd Weißig Ausstattung: Franz Zauleck Dramaturgie: Thomas Potzger, Michael Kliefert Puppen: Atelier Theater Waidspeicher Spiel: Dorothee Carls, Annika Pilstl, Tomas Mielentz, Martin Vogel, Stefan Wey, Christian Steyer (Stimme) Die Musikstücke von Kurt Weill sind veröffentlicht in Unsung Weill. Aufführungsrechte: © Schott Music GmbH & Co KG, Mainz, für European American Music Corporation, New York.

Szenenausschnitte aus Kafka. Amerika

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Kafkas Roman Der Verschollene, der 1927 posthum unter dem Titel Amerika veröffentlicht wird, ist die Geschichte eines europäischen Auswanderers, der, von seiner Familie verstoßen, sein Glück im „Land der unbe­ grenzten Möglichkeiten“ sucht. Mit der Absicht, Inge­ nieur zu werden, kommt der junge Karl Rossmann in New York an. Seine Ankunft wird erwartet. Karl trifft auf seinen reichen Onkel und bezieht ein Appartement im Haus des Selfmademan, hoch über der Stadt. Was so überraschend und mit verheißungsvoller Aussicht für ihn beginnt, währt nicht lang. Der Vormund setzt seinen Neffen auf die Straße. Allein und auf der Suche nach Arbeit begegnen dem Protagonisten quälende Weggefährten, sadistische Vorgesetzte und fordernde Frauen. Schließlich endet Rossmann in der Wohnhöhle einer Prostituierten, wo er als Faktotum einer dubiosen Wohngemeinschaft eine Anstellung erhält. Am Rande der Stadt, im Schattenreich der amerikanischen Gesell­ schaft gestrandet, verspricht ihm ein Werbeplakat letz­ te Hoffnung: „Das große Naturtheater von Oklahoma ruft euch! Jeder ist willkommen!“ Karl bewirbt sich und wird als „technischer Arbeiter“ engagiert. Im Zug nach Oklahoma verliert sich seine Spur.

Drei Fragen an Bernd Weißig Wie kamen Sie auf die Idee, Songs von Kurt Weill für Ihre Inszenierung zu verwenden? Zum einen brachten mich eine große Affinität zu die­ sem Komponisten, meine Arbeit am Berliner Ensemble und meine Brecht­Weill­Projekte mit verschiedenen Jazz­ musikern und Schauspielern auf die Idee. Ich habe selbst viele Weill­Songs gesungen. Zum anderen haben der Plot des Kafka­Romans Der Verschollene und die Biografie Kurt Weills Parallelen: Die Hauptfigur des Romans und der Komponist gehen unfreiwillig nach Amerika und ver­ suchen, in der Kapital­Maschinerie ihr Glück zu machen. Interessant ist doch der Blick des Europäers auf das, was in der „Neuen Welt“ erlebt wird. Und das ist eben nicht nur Euphorie. Die Parallelen der Perspektive haben mich interessiert, das alte Europa und die Welt der unendlichen Möglichkeiten. Zu diesem Thema gibt es auch die Texte Brechts aus dem Lesebuch für Städtebewohner und Jean Baudrillards Buch Amerika. Nach welchen Kriterien wählten Sie die Songs von Kurt Weill aus? Die Auswahl richtete sich vor allem nach der Drama­ turgie der Bearbeitung von Thomas Potzger. Unsere Textfassung entstand in einem über einjährigen Arbeits­ prozess. Das ist ein kreativer Vorgang, und die Frage, wo welcher Song platziert wird, ist eine dramaturgisch­ inhaltliche, aber vor allem auch eine kompositorische. Wir haben also irgendwann gesagt: Hier, genau hier werden wir unterbrechen und diesen Song einsetzen. So haben wir auch entschieden, den Abend mit dem Song You Understand Me So zu beginnen, der praktisch wie eine Ouvertüre funktioniert. Man sieht die Freiheitssta­ tue (von einer Schauspielerin gespielt), die Skyline von Manhattan und ein Zeppelin fliegt vorbei. Ein Mann liegt da und gibt der Statue ein Ständchen – was gibt es da noch zu fragen? Wie kommen die Songs von Weill zur Aufführung? Wir arbeiten im Halb­Playback­Verfahren: Gesungen wird live, die Musik kommt aus dem Rechner. Einge­ spielt haben sie zwei Musiker aus Weimar: der Pianist Daniel Heide und der Schlagzeuger Alexander Bätzel. Wir schließen auch mit einem Song ab – Great Big Sky –,


Greifswald, das Theater im Palast Berlin, das Hans­Otto­ Theater Potsdam und das Puppentheater Waidspei­ cher Erfurt. Er arbeitet als Lehrbeauftragter für Gestal­ tung an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft sowie an der Grafik Design­Schule Anklam. Er erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen, u.a. Schönste Bücher, 100 Beste Plakate, Goldene Nase Rostock und die Aufnahme in die Ehrenliste zum Österreichischen Kinder­ und Jugendbuchpreis.

in dem wir den Refrain scheinbar unendlich wiederho­ len. Dieser Song passt gut zu den euphorischen und nicht überprüfbaren Werbeaktionen für das „Naturthe­ ater von Oklahoma“, das im letzten Kapitel des Romans beschrieben wird. Die Fragen stellte Celia Solf

Bernd Weißig studierte an der Musikhochschu­ le Dresden und an der Staatlichen Schauspielschule Berlin sowie am Institut für Schauspielregie. Von 1983 bis 1994 war er Regisseur am Hans­ Otto­Theater Potsdam, danach frei­ beruflicher Regisseur, Musiker und Sänger. Er hat mehrere Programme mit Werken von Brecht, Weill, Dessau und Eisler gestal­ tet. Seit August 2003 und noch bis Sommer 2009 ist er Intendant des Theaters Waidspeicher in Erfurt. Bernd Weißig hat bisher mehr als 40 Theaterinszenierungen verwirklicht, darunter Uraufführungen von Heiner Mül­ ler (Wolokolamsker Chaussee), Klassiker von Brecht und Büchner, Gorki und Gogol sowie Adaptationen von Franz Kafka. Er hat mehrere Dokumentarfilme realisiert und zahlreiche Bühnenmusiken sowie Vertonungen von Brecht­Gedichten und Shakespeare­Sonetten kompo­ niert.

Theater Waidspeicher Das Erfurter Figurentheater bietet Produktionen für alle Altersgruppen. Es wurde 1979 als Sparte der Städ­ tischen Bühnen Erfurt gegründet und erhielt 1986 mit dem Waidspeicher am Domplatz ein eigenes Haus. 1990 rief das Theater das zweijährliche internationa­ le Puppentheaterfestival „Synergura“ ins Leben. Das Haus ist seit 1993 selbstständig und beschäftigt 30 Mitarbeiter. Das Ensemble arbeitet mit verschiedenen Hand­ und Stabpuppenformen, Tischpuppen, Marionet­ ten und anderen Puppenarten in offener und verdeckter Spielweise sowie mit modernen Medien wie Computer­ animation oder Videoeinspielung. Zu den nahezu 300 Vorstellungen pro Spielzeit kommen 50 bis 60 Gast­ spielvorstellungen in Deutschland, Europa und Übersee. 1996 erhielt das Theater den Deutschen Kulturpreis. An der Produktion Kafka. Amerika wirken vier Ensem­ blemitglieder mit, die alle Absolventen der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin sind. Doro­ thee Carls studierte zunächst Theaterwissenschaften in Leipzig und von 2002 bis 2006 Puppenspiel in Ber­ lin. Annika Pilstl arbeitete nach einer Sozialpädagogik­ ausbildung zunächst als Erzieherin in unterschiedli­ chen heilpädagogischen Einrichtungen, u.a. in Brasilien, bevor sie von 2000 bis 2004 ihr Puppenspielstudium in Berlin absolvierte. Tomas Mielentz war als Lokschlosser und nebenberuflich als Ausstatter und Puppenspieler tätig, bevor er Puppenspiel in Berlin studierte. Martin Vogel war nach seinem Studium in Berlin von 1994 bis 2004 als Puppenspieler am Städtischen Theater Chem­ nitz engagiert und wirkte als Schauspieler und Sänger in Musicalproduktionen des Opernhauses Chemnitz mit. Gastspiele führten Tomas Mielentz und Martin Vogel ins europäische Ausland, nach Asien, Kanada und in die USA. Stefan Wey (als Gast) ist ebenfalls Absolvent der Hochschule für Schaus­ pielkunst „Ernst Busch“ und seit 2005 als Puppen­ spieler, Schauspieler und Regisseur freischaffend tätig. Engagements führten ihn von 1993 bis 1997 nach Erfurt, nach Dresden und von 2000 bis 2005 an das Deutsche Nationaltheater Weimar. Er nahm an wichtigen nation­ alen und internationalen Festivals im Bereich Kinder­, Jugend­ und Figurentheater teil und gewann dort zahl­ reiche Preise.

Franz Zauleck Christian Steyer (als Gast) studierte Bühnenbild in Berlin­ ist ein gefragter Pianist, Komponist, Sänger und Weißensee und arbeitete ab 1976 Schauspieler und arbeitet als freiberuflicher Sprecher als Bühnen­ und Kostümbildner u.a. für den MDR. am Deutschen Theater Berlin. Seit 1984 ist er selbstständiger Illustra­ tor, Bühnenbildner, Kinderbuch­ und Hörspielautor. Er gestaltete Bühnen und Kostüme u.a. für die Komische Oper Berlin, das Staatsschauspiel Dresden, das Theater

Biografie Thomas Potzger Pädagoge, Dramaturg, Schau­ spieldirektor in Weimar, Autor 1956 geboren am 22. August in Karl­Marx­Stadt 1970er/80er Studium der Pädagogik, Germanistik und Geschichte an der Pädagogischen Hoch­ schule „Clara Zetkin“, Leipzig, anschließend Lehramt 1990–1991 Dramaturg am Deutschen National­ theater Weimar 1991–1993 Dramaturg am Schillertheater Berlin 1994–2000 Chefdramaturg am Deutschen Nationaltheater Weimar 2000–2005 Chefdramaturg und Schauspieldirektor, stellvertretender Inten­ dant für künstlerische Fragen am Deutschen Nationaltheater Weimar 2004–2005 Studioleiter des Schauspielstudios am Deutschen National­ theater der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelsohn Bartholdy“ Leipzig bis 2007 Engagements in München und Hamburg, später Bochum und Freiburg; Arbeiten für den Steirischen Herbst, die Salzburger Festspiele und die Wiener Festwochen 2007 stirbt am 17. August

„Was immer wieder an Kafkas Werk zur größten Bewunderung zwingt, ist die Unwiderruflichkeit der Szenen und ihre traumhafte Eindringlichkeit. [...] Es wimmelt von Formulierungen, die unver­ gesslich sind.[...] Amerika ist eines der schönsten Bücher, die die deutsche Prosa aufzuweisen hat.“ (aus: Kurt Tucholsky: Auf dem Nachttisch, 1929, in: Kritiken und Rezensionen. Gesammelte Schriften 1907­1935) www.waidspeicher.de

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Sonntag, 01.03.2009 V13

17.00 Uhr, Cabaret-Show im Anhaltischen Theater Dessau

„The Tiger Lillies‘ ‚Seven Deadly Sins‘“ D E U T S C H E E R S TAU F F Ü H R U N G

The Tiger Lillies Gesang, Akkordeon, Klavier, Ukulele: Martyn Jaques Schlagzeug, Perkussion, Spielzeuge: Adrian Huge Kontrabass, Singende Säge, Gesang: Adrian Stout Puppenspiel Punch & Jude: Nathan Evans Burlesque Performer: Ophelia Bitz Martyn Jaques (*1959) Hardest Bastard Adam and (St)Eve Gluttony (Völlerei) Gin Vanity (Eitelkeit) Lust (Wollust) Heroine and Cocaine (Greed # 1) (Habgier Nr. 1) Life Is Mean (Greed #2) (Habgier Nr. 2) Envy (Neid) Kick a Little Baby (Wrath) (Zorn) My Baby Is Dead (Sloth) (Faulheit) Fallen Angels Why Are You Laughing? Hell Die Idee, einen Liederzyklus über die sieben Todsün­ den zu schreiben, kam Martyn Jaques vor einigen Jah­ ren bei einem Besuch der Akademie der Bildenden Küns­ te in Wien. Er stieß dort auf ein imposantes Triptychon des niederländischen Malers Hieronymus Bosch (1450– 1516), der vor allem für seine fantasievollen Dämonen und Fabelwesen bekannt ist. Sein Gemälde Das Jüngste Gericht mit der anschaulichen Schilderung des mensch­ lichen Abstiegs vom Paradies in die Hölle inspirierte Jaques zu sieben Songs, die die sieben Todsünden Wol­ lust, Völlerei, Habgier, Faulheit, Zorn, Neid und Eitelkeit zum Thema haben. Als die Tiger Lillies ein Jahr später eine Vorstellung des legendären Puppenspielers Nathan Evans sahen, wurde die Idee für eine gemeinsame Show geboren. Evans Punch and Jude greift die in England seit dem 16. Jahrhundert verwurzelte Tradition von Punch and Judy auf und treibt sie auf die Spitze: Punch, der auf die italienische Commedia dell’Arte­Figur des Pucinella zurückgeht und für seine teuflischen Tricks und verbre­ cherischen Scherze bekannt ist, gilt als reine Inkarnation der Sünde. Anhand der Figuren Punch and Jude spielt Evans in der Show den Sündenfall von Adam und Eva nach (wobei aus „Eve“ kurzerhand die männliche Figur „Steve“ wird). Das Paar durchläuft die Abgründe zwi­ schenmenschlicher Beziehungen, die über Mord und Tot­ schlag schließlich in der Hölle enden. Begleitet und kom­ mentiert wird die Geschichte von den bitterbösen Songs der Tiger Lillies und der „burlesken“ Performancekünst­ lerin Ophelia Bitz. Wie gewohnt, entspinnt sich dabei eine groteske Cabaret­Show mit allerhand obszönen Requisiten und Songtexten, die den schwarzen Humor der Briten ideal zu Geltung bringen. The Seven Deadly

Sins hatte im April 2008 in London Premiere und ist nun als deutsche Erstaufführung in Dessau zu erleben. The Tiger Lillies In diesen Tagen feiern die Tiger Lillies ihr 20­jähriges Bestehen. Die außergewöhnliche Drei­Mann­Formati­ on, einst ein gut gehütetes Londoner Szenegeheimnis, ist mittlerweile auch in Deutschland Kult und hat sich mit ihren skurrilen Shows einen Namen gemacht. Mit schwärzestem britischem Humor werden Geschichten erzählt und besungen, die in die Abgründe der mensch­ lichen Seele schauen und Sonderliches, Verirrtes, Gro­ teskes und Komisches zutage fördern. Unverwechselba­ res Markenzeichen sind die Falsettstimme von Martyn Jaques und eine Musik, die stilistische Elemente von Vari­ eté, Cabaret, Oper und Gypsy Music vereint und Anlei­ hen an Brecht, Weill oder auch Jacques Brel aufweist. Der internationale Durchbruch gelang dem Trio mit Shock­ headed Peter, ihrer höchst eigenwilligen Interpretation des Struwwelpeter­Dramas, wofür Martyn Jaques 2002 den begehrten Laurence Olivier Award erhielt. Nach 20 Alben und etlichen Tourneen durch Ost­ und Westeuro­ pa, den USA, Australien und Japan sind die Tiger Lillies bereits zum zweiten Mal beim Kurt Weill Fest in Dessau zu Gast.

CD-Tipp The Tiger Lillies Seven Deadly Sins Misery Guts Music www.tigerlillies.com www.nathanevans.co.uk www.myspace.com/ opheliabitz

Tipp Die Mitnahme eines Opernglases wird empfohlen.

Nathan Evans hat sich in England als Allroundkünstler einen Namen gemacht. Er wirkte an dem mit einem Laurence Olivi­ er Award ausgezeichneten Film C’est Barbican mit und verantwortete als Filmemacher mehrere, zum Teil preis­ gekrönte Produktionen, die auf Festivals, im Fernse­ hen und auf Touren des British Council im Ausland zu sehen waren. Daneben spielt Evans Oboe im London Gay Symphony Orchestra und produziert eine wöchent­ liche Cabaret Show in der Londoner Vauxhall Tavern. Mit seinen skurrilen Puppenshows ist er regelmäßig in engli­ schen Clubs und auf Festivals zu Gast. Ophelia Bitz studierte zunächst Schauspiel am Londoner Goldsmith College, brach ihre „akademische“ Ausbildung jedoch vorzeitig ab, um als freie Sängerin, Tänzerin, Feuerschlu­ ckerin und Kabarettistin zu arbeiten. Mittlerweile gilt sie als eine der gefragtesten Performancekünstlerinnen des Landes und war auf der Bühne und in Filmen mit Künst­ lern wie Tim Burton oder The Dresden Dolls zu erleben.

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Sonntag, 01.03.2009 V14

20.00 Uhr, Szenisches Konzert im Bauhaus Dessau

„One Life to Live“

Saga of Jenny (aus: Lady in the Dark) This Time Next Year (aus: Huckleberry Finn) What Good Would The Moon Be (aus: Street Scene) Here I’ll Stay (aus: Love Life) Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit der Stiftung Bauhaus Dessau

Gesang: Ute Gfrerer (Sopran) Klavier: Christian Koch Projektionen: Victoria Coeln

Als Kurt Weill 1935 mit seiner österreichischen Frau Lotte Lenya nach New York auswanderte, begann für „One Life to Live. Eine Weill’sche Winterreise“ beide ein neuer Lebensabschnitt. Während Weill sich Kurt Weill (1900–1950 ) mit den besten Lyrikern der amerikanischen Szene Wouldn’t You Like to Be on Broadway? (aus: Street Scene) zusammentat und sofort mit großem Erfolg für den Love Is My Enemy (aus: The Firebrand of Florence) Broadway zu komponieren begann, war der Start ins Song of the Big Shot (aus: Happy End) neue Leben für Lenya nicht so einfach und befriedi­ One Life to Live (aus: Lady in the Dark) gend. Die bislang so erfolgreiche Sängerin und Schau­ This Is the Life (aus: Love Life) spielerin konnte erst nach Weills Tod an ihre euro­ Song of the Rhineland (aus: Where Do We Go from päische Karriere anknüpfen. Es gelang Kurt Weill, Here?) innerhalb kürzester Zeit eine für ihn neue Tonsprache How Can You Tell an American? (aus: Knickerbocker zu finden, die dem neuen Lebensabschnitt entsprach Holiday) und nicht nur in Amerika besonders erfolgreich war, Lost in the Stars (aus: Lost in the Stars) sondern sich auch wesentlich von früheren Kompositi­ Lonely House (aus: Street Scene) onen aus der Zeit in Europa unterscheidet. Oh Heart of Love (aus: Johnny Johnson) Da auch ich vor einigen Jahren in die Staaten gezogen West Wind (aus: One Touch of Venus) bin, lag es für mich nahe, die Emigrationsgeschichte This Is New (aus: Lady in the Dark) einer Sängerin zu erzählen, die sich den Traum einer That’s Him (aus: One Touch of Venus) großen Broadway­Karriere erfüllen will. Die Gestal­ tung des Inhaltes sollte gleichzeitig allgemein gültig Pause und persönlich sein, eine Art „Winterreise à la Weill”. Zu diesem Zweck schien Musik aus der amerikanischen Is It Him or Is It Me? (aus: Love Life) Periode Weills besonders geeignet aufgrund ihrer Viel­ Foolish Heart (aus: One Touch of Venus) falt und Entstehung in ähnlichem Kontext.

Ute Gfrerer

Berg Felsenstein Rieckhoff

Berg Felsenstein Rieckhoff

FIDELIO OPER VON LUDWIG VAN BEETHOVEN

Tragödie in einem Aufzug von Hugo von Hofmannsthal

Musik von Richard Strauss

Eine Abenteuerreise von Gregor Seyffert nach Jules Verne Gestaltung: Greenfeed

Musiktheater an der Mulde 21. bis 24. Mai 2009 im Anhaltischen Theater Dessau Tickets: (0340) 25 11 333 oder 24 00 258 | Informationen: www.anhaltisches-theater.de

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Mein Programm beginnt mit dem Traum vom erfolg­ reichen Leben am Broadway in New York (Wouldn’t You Like to Be on Broadway?), der die Protagonistin dazu veranlasst, ihre Beziehung und ihre Heimat hinter sich zu lassen (One Life to Live). In der Fremde ringt sie nach anfänglicher Euphorie (This Is the Life) mit Themen wie Einsamkeit (Lost in the Stars) und Sehnsucht nach dem Zurückgelassenen (West Wind) sowie der Herausfor­ derung, ihren Platz in der neuen Welt zu finden (Lonely House). Wie auch Weill in seinem wirklichen Leben, ent­ schließt sich diese Frau nach ihrer Emigration, nur noch Englisch zu sprechen, um den Bruch mit der alten Welt und ihrer Vergangenheit zu verdeutlichen und sich so vermeintlich schneller dem amerikanischen Lebensstil anzupassen (How Can You Tell an American?). Dies ist ein weiterer Grund für die ausschließliche Wahl eng­ lischsprachiger Lieder. Die Protagonistin durchläuft ver­ schiedenste Phasen – eine neue Liebe kommt und geht (That’s Him) – und stellt nach einer Weile fest, dass der Ruhm allein ohne wirkliche Bedeutung ist, wenn man niemanden hat, mit dem man diesen und das Leben tei­ len kann (What Good Would the Moon Be?). Auch wenn ein „Happy End“ noch nicht in Sicht ist, so entschließt sie sich doch, voller Hoffnung (This Time Next Year) zu ihrer Entscheidung zu stehen und dem neuen Leben eine Chance zu geben (Here I’ll Stay). Visuell wird die Show von der österreichischen Licht­ künstlerin Victoria Coeln gestaltet. Unser Programm hatte im Januar 2007 Premiere beim „Mostly Operetta“­ Festival in New York. Ute Gfrerer

Zu den Projektionen: Kurt Weill – Visualisierung Eine weiße Fläche ergänzt im Hintergrund den weißen Bühnenraum des Bauhaus Dessau. Diese Ebene wird im doppelten Sinn zur Projektionsfläche. Hier verbin­ den sich Foto­ und Videosequenzen zu einer Parallelge­ schichte, die nicht linear, sondern vielmehr traumähn­ lich „erzählt“ wird: Live werden scheinbar realistische Lichtbilder mit abstrakten Lichtschichten verformt, ver­ bunden und verwoben. Für ausgedehnte Augenblicke werden Bilder glasklar, ja fast greifbar – und entfernen sich doch immer weiter, so wie uns auch vieles im Traum schmerzhaft unerreichbar bleibt. Die Bildsequenzen entstanden mit der Sopranistin Ute Gfrerer in dafür konzipierten Lichträumen, Chromoto­ pen. Mehrere Lichtquellen werden mit gemalten Filtern ausgestattet und zu einem immateriellen Lichtraum zusammengefügt, der von der Protagonistin durchbro­ chen und verändert wird. So „malt“ Ute Gfrerer viel­ schichtige, flüchtige Bilder an die Rückwand des Licht­ ateliers, die fotografiert und gefilmt und zu kurzen Clips verarbeitet werden. Während des Konzerts werden die­ se Clips live moduliert und als transparente Lichtschich­ ten übereinandergelegt. Jeden Augenblick neu ent­ stehen vielschichtige Projektionsbilder – fantastische Abbilder einer inneren Welt ... Victoria Coeln

Ute Gfrerer (siehe Seite 11) Christian Koch studierte Klavier in Klagenfurt und war anschließend am dortigen Stadttheater Solorepetitor. 2001 bis 2003 leitete er das Opernstu­ dio am Kärntner Landeskonserva­ torium. Als Repetitor und musikali­ scher Assistent hat Christian Koch bei den Wiener Festwochen, Salz­ burger Festspielen, dem Festival Aix­en­Provence sowie an verschiedenen Opernbühnen mit renommierten Diri­ genten wie Nikolaus Harnoncourt (Lucio Silla 2005, Le Nozze di Figaro 2006), Daniel Harding (Die Zauberflöte 2006), Pierre Boulez (Aus einem Totenhaus 2007) und René Jacobs (Orfeo e Euridice 2008) gearbeitet. 2009 geht er als Assistent von Valéry Gergiev nach St. Peters­ burg. Er verfolgt zudem eine erfolgreiche Dirigentenkar­ riere und ist gefragter Liedbegleiter bekannter Gesangs­ solisten. Victoria Coeln Die Lichtkünstlerin studierte an der Akademie der Bildenden Küns­ te in Wien. Seit 1994 verdichtet sie Licht in von ihr entwickelten Licht­ räumen. Sie schuf u.a. permanen­ te und temporäre Lichtinstallatio­ nen im Museumsquartier Wien, im Wiener Konzerthaus, im Schlosspark Kassel­Wilhelmshöhe, in Eindhoven, in Salzburg sowie Lichtporträts von Elfriede Jelinek, Olga Neuwirth und Valie Export im Auftrag des Austrian Cultural Forum in New York. Ihre Chromogramme und Lichträume sind regelmäßig in verschiedenen Ausstellungen und Muse­ en zu sehen, z.B. im Künstlerhaus Wien und im Museum für Neue Kunst, Karlsruhe. Lichtbilder zu Musik schuf Victoria Coeln bereits für die Festivals „Mostly Operet­ ta“ 2006 und „Classical Intimaces“ 2007 sowie für einen Gustav Mahler­Liederabend 2008.

Lichtprojektion von Victoria Coeln

CD-Tipps Festival Orchestra Mörbisch Rudolf Bibl (Dirgent) Ute Gfrerer u.a. Johann Strauß Die Fledermaus Arte Nova Classics 74321 39673 2 Orchester des Südwestrundfunk Stuttgart Caspar Richter (Dirigent) Ute Gfrerer u.a. Frederick Loewe (Brigadoon, My Fair Lady, Gigi, Camelot) Mons Records Classic 874407 Corso Wien Alfons Egger (Dirigent) Ute Gfrerer Schwingen Preiser Records DVD-Tipp Chor und Orchester des Opernhaus Zürich Franz Welser­Möst (Dirigent) Ute Gfrerer u.a. Franz Léhar Die lustige Witwe Arthaus Music 100451 www.ute-gfrerer.com www.victoriacoeln.at

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Sonntag, 01.03.2009 V15

20.00 Uhr, Puppentheater im Alten Theater Dessau

„Kafka. Amerika“ (siehe Seite 24)

Montag, 02.03.2009 V16

19.30 Uhr, Musicalkonzert / Podium junger Künstler im Kurt-Weill-Zentrum

„Rot wie schnee“ Szenenausschnitt aus Kafka. Amerika

Gesang: Maria Helgath Klavier: Michael Gumpinger Georg Kreisler (*1922) Das Tigerfest Kurt Weill (1900–1950) Denn wie man sich bettet (aus: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny) Lothar Brühne (1900–1958) Der Wind hat mir ein Lied erzählt Georg Kreisler Dann geht’s mir gut Kurt Weill Surabaya­Johnny (aus: Happy End) Nat King Cole (1919–1965) Smile Georg Kreisler Der Liebesbrief Kurt Weill Je ne t’aime pas Jacques Brel (1929–1978) Bitte geh nicht fort No Doubt Don’t Speak Georg Kreisler Die Hexe Christiane Weber (*1975) / Timm Beckmann (*1975) Aschenbrödel

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Pause Kurt Weill Der Song von Mandelay (aus: Happy End) Nessi Tausendschön (*1963) Eisprung Christiane Weber / Timm Beckmann Herz in die Hand Hubert von Goisern (*1952) Für di Kurt Weill Ballade vom ertrunkenen Mädchen (aus: Das Berliner Requiem) Georg Kreisler Zu leise für mich Ludwig Hirsch (*1946) Komm, großer schwarzer Vogel Georg Kreisler Die Wahrheit vertragen sie nicht Der Opernboogie Die Veranstaltungsreihe Podium junger Künstler wird präsentiert von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Sachsen­Anhalt.

Ein Gespräch mit Maria Helgath Der Titel Ihres Soloprogramms „Rot wie Schnee“ weckt Assoziationen zu den Märchen der Brüder Grimm. Wie kamen Sie dazu und was erwartet das Publikum an diesem Abend? Ich lasse mich gern durch das Märchenhafte inspirie­ ren. Besonders fasziniert es mich, wenn Illusionen ent­ stehen, die hinterher wieder gebrochen werden. Das passiert auch in der Welt der Chansons: Sie beschwö­ ren eine Situation herauf, die durch eine plötzliche Wen­ de wieder ganz anders erscheint, als man zu Anfang gedacht hat. Georg Kreislers Tauben vergiften ist so ein Beispiel für eine zerstörte Idylle. Den größten Teil meines Programms habe ich während der Recherchen zu einem Chansonwettbewerb zusam­ mengetragen, an dem ich vor zwei Jahren teilnahm. Es ist eine sehr persönliche Auswahl mit Liedern, die mich auf ihre eigene Art und Weise berühren. Mein Lieb­ lingslied ist Komm, großer schwarzer Vogel von Ludwig Hirsch. Es ist ganz einfach und sehr reduziert angelegt, der Text wird mehr gesprochen als gesungen, und dabei entwickelt es eine unglaubliche Intensität. Ich mag dramatische Stücke, über die trotz allem ein Lächeln huscht. Mit dieser Form der Emotion kann ich viel anfan­ gen. Die Programmauswahl habe ich dann durch Songs von Kurt Weill ergänzt. Welche Rolle spielte die Musik Kurt Weills in Ihrem Repertoire? Kurt Weill begegnet man im Studium immer und immer wieder. Er ist einfach einer der bedeutend­ sten Komponisten im Bereich des Musiktheaters. Seine Musik ist sehr komplex und die Stücke verlangen eine eigene Gesangstechnik. Wenn man Lust darauf hat, sich Partien und Songs von Weill zu erarbeiten, wird man dabei im Studium sehr gefördert. Ich habe zwar noch nicht viel von Weill gesungen, hatte aber jedes Mal einen sehr schnellen und direkten Zugang zu seiner Musik. Seine Lieder sprechen mich einfach an, und ich freue mich schon sehr darauf, eine persönliche Auswahl für das Kurt Weill Fest gemeinsam mit meinem Beglei­ ter Michael Gumpinger einzustudieren und in Dessau zu präsentieren.


Ihre bisherigen Engagements bewegen sich in den Bereichen Film, Schauspiel und Musical. Wo sehen Sie Ihren künftigen Schwerpunkt? Ich würde gerne den klassischen Gesang weiter aus­ bauen und interessiere mich sehr für Chanson, aber auch für Operette oder Oper. Daneben will ich meine Schauspieltätigkeit für Film, Fernsehen und Bühne vor­ antreiben. Im Winter werde ich erneut mit einer Tour­ neeproduktion von Hesses Steppenwolf auf Reisen gehen. Natürlich möchte ich auch das Weill­Programm weiter anbieten. Es gibt in München eine Reihe von Kleinkunstbühnen, die dafür sehr geeignet sind. Das Gespräch führte Celia Solf

Maria Helgath hat 2008 ihre Ausbildung im Studi­ engang Musical an der Theateraka­ demie „August Everding“ München abgeschlossen. 2007 belegte sie einen Meisterkurs bei Edda Moser und wurde beim Bundeswettbewerb Gesang in der Kategorie Chanson ausgezeichnet. Maria Helgath ist Mitglied des Philharmonischen Chors München und wirkte in dem 2008 angelaufenen Film Im Winter ein Jahr von Caroline Link mit. Die junge Mezzosopranis­ tin hat seit 2007 bereits mehrere Rollen im Musikthe­ ater verkörpert, so die Reporterin in On the Town an der Staatsoper Nürnberg und am Prinzregententheater München, die Maria in Mir san mir am Theater Ingol­ stadt sowie in diversen Inszenierungen beim Kultursom­ mer Garmisch­Partenkirchen. Mit ihrem Liederabend Rot wie Schnee hat sie 2009 ein erstes Soloprogramm entwickelt. Michael Gumpinger Der gebürtige Ingolstädter stu­ dierte von 2002 bis 2004 zunächst Komposition und Klavier in Mün­ chen. Es folgte eine dreijährige Kom­ positionsausbildung für Film und Fernsehen bei Enjott Schneider und anschließend ein einjähriges Studi­ um für zeitgenössische Kompositi­ on bei Jan Müller­Wieland. Michael Gumpingers Reper­ toire erstreckt sich über verschiedene musikalische Stilrichtungen, und er komponiert für unterschiedlichs­ te Genres und Besetzungen. Er ist Preisträger zahlrei­ cher Kammermusikwettbewerbe, Liedbegleiter diver­ ser Sängerinnen von Kunstlied bis Gospel, ständiger Musiker beim Fastfood Improvisationstheater in Mün­ chen und Pianist auf Schloss Elmau. Zudem engagiert er sich beim Verein Soziale Betreuung durch Musik in München.

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20.30 Uhr, Film im K.I.E.Z.

„Fünf von der Jazzband“

(D 1931/193 2)

Regie: Erich Engel Drehbuch: Curt Alexander, Hermann (Henry Koster) Kosterlitz Musik: Theo Mackeben Darsteller: Jenny Jugo (Jessie), Rolf von Goth (Jim), Fritz Klippel (Moritz), Karl Stepanek (Jean), Günther Vogdt (Bill), Theo Shall (Martin), Werner Pledath (Direktor), Arthur Mainzer (Agent Sasse), Gerhard Bie­ nert (Der Bühnenmeister), Heinrich Gretler (Der Krimi­ nalbeamte) u.a. Die vier Jazz­Musiker Jim, Moritz, Jean und Bill bemü­ hen sich im Varieté Trocadero um ein Engagement, das sie nur mit Hilfe des heimlich hinzustoßenden Mäd­ chens Jessie erhalten, welches dem Direktor besonders gut gefällt. Es entspinnt sich ein unterhaltsames Lust­ spiel, denn die junge Frau erweist sich als äußerst unmu­ sikalisch, verdreht aber gleichzeitig allen vier Musikern den Kopf, obwohl sie selbst nur Augen für den schönen Martin hat. Zu allem Übel verdächtigt dieser Jessie des Autodiebstahls und sie wird noch vor der Premiere ver­ haftet. Auf amüsante Weise versuchen alle Seiten die vertrackte Situation zu lösen. Jenny Jugo, die Darstellerin der Jessie, wurde nach anfänglichen Misserfolgen zu Beginn der Tonfilmzeit mit den Komödien Erich Engels, dessen favorisierte Darstellerin sie war, zum gefeierten Star. Der Regis­ seur selbst, der bevorzugt Komödien drehte, inszenier­ te auch an verschiedenen Bühnen, so unter anderem die 1928 stattfindende Uraufführung der Dreigroschenoper von Brecht und Weill im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin. Die Vorlage zum Film Fünf von der Jazzband lieferte das gleichnamige Stück von Felix Joachimson, der mit Kurt Weill in den Jahren 1926 und 1927 an der nie aufgeführten und verschollenen komischen Oper Na und? arbeitete.

Autogrammkarte Jenny Jugo

„Das Ganze präsentiert sich uns also als eine geschmackvoll dar­ gebotene Filmanekdote, die uns ein freundliches Lächeln abzuge­ winnen vermag.“ (aus: Hamburger Echo vom 30.4.1932)

Szenenfoto Fünf von der Jazzband

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Dienstag, 03.03.2009 V18

19.30 Uhr, New Sounds / Podium junger Künstler in der Marienkirche Dessau

CRISTIN CLAAS TRIO & SPECIAL GUEST Cristin Claas Trio Gesang: Cristin Claas Piano, Fender Rhodes: Christoph Reuter Akustik­ und E­Gitarre: Stephan Bormann „Die Wolke der Nacht ist mit dem Wind allein“ Cristin Claas (*1977), Christoph Reuter (*1977) Röslein Cristin Claas, Stephan Bormann (*1966) Paperskin Kurt Weill (1900−1950) My Ship* Cristin Claas, Christoph Reuter Das Lied von der Wolke der Nacht Kurt Weill Here I´ll Stay* Cristin Claas, Christoph Reuter, Stephan Bormann Mother Tongue Kurt Weill Speak Low** Cristin Claas, Christoph Reuter, Stephan Bormann Ja cun de Pause Kurt Weill Es regnet* Cristin Claas, Christoph Reuter, Stephan Bormann Spring Dew Cristin Claas, Christoph Reuter Ballade vom ertrunkenen Mädchen Christoph Reuter, Stephan Bormann Duo Bernard Ighner Everything Must Change Cristin Claas, Christoph Reuter, Stephan Bormann Le du song *Arrangement: Cristin Claas, Christoph Reuter **Arrangement: Cristin Claas, Christoph Reuter, Stephan Bormann

Mit freundlicher Unterstützung der Kanzlei Markworth & Schwerdtfeger Die Veranstaltungsreihe Podium junger Künstler wird präsentiert von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Sachsen­Anhalt.

Ein Gespräch mit Cristin Claas Dein Trio war bereits 2006 mit l’arc six und dem diesjährigen Artist-in-Residence Nils Landgren beim Kurt Weill Fest zu Gast. Wie hast du das Konzert in Erinnerung? Das war eine aufregende Sache, das Konzert hat uns damals sehr beflügelt. Wir spielten neben unseren eige­ nen Stücken zum ersten Mal Kompositionen von Kurt Weill und das Publikum war begeistert! Die Mitwirkung von Nils hat das Konzert noch „veredelt“. Er war sehr

lässig und unkompliziert und fügte sich harmonisch in die Gruppe ein. Es gab überhaupt keine Hemmschwel­ len und fühlte sich unglaublich gut an. Wir waren noch Monate lang wie verzaubert! Wie kamt ihr überhaupt zu der Musik Kurt Weills? Christoph ist in Dessau aufgewachsen und kam seit den ersten Kurt Weill Festen mit seiner Musik in Berüh­ rung. Für unser Programm in 2006 haben wir uns inten­ siv mit einigen Partituren beschäftigt. Schon nach kur­ zer Zeit spürt man, was es heißt, eine Komposition von Weill vor sich zu haben. Auch unsere Generation kann noch viel damit anfangen. Wir haben dann einige Stü­ cke ausgewählt und so umgebaut, dass sie zu uns pas­ sen. Sind die Songs von Weill mittlerweile in euer Repertoire übergegangen? Zwei Stücke von damals haben es tatsächlich geschafft! Kurt Weills Es regnet hat uns in den letz­ ten Jahren begleitet und ist mit uns gewachsen. Das andere – kein Weill, aber aus dem Programm, das Weill und Brecht gewidmet war – ist unsere Vertonung eines Brecht­Gedichts: Die Wolke der Nacht ist mit dem Wind allein soll auch das Leitmotiv unseres diesjähri­ gen Konzerts sein. Werden noch weitere Stücke von Weill zu hören sein? Auf jeden Fall! Es war vor drei Jahren ein Riesenauf­ wand, die Songs für nur ein Konzert zu arrangieren. Und wir haben sie damals in großer Besetzung mit l’arc six gespielt. Jetzt werden wir uns Stücke wie My Ship oder Here I’ll Stay noch einmal als Trio vornehmen, was eine ganz neue Herausforderung ist, und Speak Low werden wir neu einstudieren. Mittlerweile wissen wir, wie wir die Stücke anfassen müssen und haben keine Berüh­ rungsängste mehr. Seit eurer Gründung 2002 habt ihr kontinuierlich an eurem Stil gearbeitet. 2007 hat euch dann Sony/ BMG unter Vertrag genommen … Ja, für uns war es ein großes Kompliment, dass die­ se renommierte Plattenfirma auf uns zukommt, an uns glaubt und uns unterstützt. Die sehr gute Promoarbeit und die Medienpräsenz haben unsere Außenwahrneh­

CD-Tipps Cristin Claas Twilight erhältlich unter: www.larcsix.de Cristin Claas In The Shadow Of Your Words Sony/BMG 886970921824 Cristin Claas Paperskin Sony/BMG 886972998923 www.cristinclaas.de

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mung verändert und sind ein großes Glück. Seitdem haben sich neue Türen geöffnet und wir haben Anfra­ gen von Clubs, die uns vorher nie beachtet haben. Wir haben ein tolles Jahr hinter uns und haben unter ande­ rem Konzerte mit dem Chor und Orchester der Anhal­ tischen Philharmonie Dessau, der Mittelsächsischen Philharmonie und beim Jazzfest Dresden gespielt. Wie viele Konzerte gibt dein Trio im Jahr? Es sind ca. 60 bis 70. Die Anzahl ist für uns genau rich­ tig, denn wir möchten uns den Zauber der einzelnen Auftritte bewahren. Wir wollen lieber kleinere Touren über das Jahr verteilt machen, das Ganze soll keine Rou­ tine für uns werden. Am wichtigsten ist uns der Kontakt mit dem Publikum, dass der Funken überspringt. Welche Pläne hast du für die nächste Zeit? Ich möchte zunächst gemeinsam mit l’arc six Projek­ te mit Chor und großem Orchester weiterführen, die uns viel Spaß machen. Am 20. Mai wird es ein Konzert mit dem Jugendchor der Landesschule Pforta und der Anhaltischen Philharmonie unter Leitung von Golo Berg geben, im Juli spielen wir mit Hamburger Klangkörpern in der Laeiszhalle. Und Mitte 2009 soll die nächste Cris­ tin Claas CD erscheinen… Das Gespräch führte Celia Solf

Theater, Film und Orchester. Stephan Bormann kon­ zertiert seit seinem Gitarrenstudium in Dresden mit eigenen Bands, als Sideman und in diversen Musical­ produktionen, komponiert und lehrt an Hochschulen in Dresden, Magdeburg und Leipzig. Stilistische Grenzen sind dem Cristin Claas Trio fremd; die Musiker verbinden virtuos Jazz und Songwriting, spielen mit Klassik­ und Popelementen. Ihre Experimen­ tierfreude zeigt sich auch in der Instrumentierung der Stücke: Es erklingen Glockenspiele, Melodika, arabisch anmutende Darbuka­Trommeln oder ein türkisches Sai­ teninstrument, und der Flügel muss gelegentlich als Perkussionsinstrument herhalten. Nach der Produktion von zwei Alben in Eigenregie wurde das Cristin Claas Trio 2007 von Sony/BMG unter Vertrag genommen. Die folgenden CDs In The Shadow of Your Words und Paperskin machten die Band deutschlandweit bekannt. „Hier sind Könner am Werk, die ihre Kunst nicht dick auftragen, sondern es sich leisten können, traumsicher durch ihre Arrangements zu wandeln. [...] Manchmal erinnert ihre Art zu musizieren an ein sommerliches Federballspiel.“ (WOM Magazin)

Das Cristin Claas Trio wurde 2002 als Soloprojekt seiner Sängerin mit den Begleitmusikern Christoph Reuter und Stephan Bor­ mann gegründet. Cristin Claas absolvierte ihr Jazzge­ sangsstudium in Weimar und Leipzig. Christoph Reuter studierte Jazzpiano in Leipzig und Berlin, spielte bereits in verschiedenen Jazz­Projekten und komponiert für

Cristin Claas & l´arc six

mit dem Jugendchor der Landesschule Pforta Ltg. Kersten Lachmann und der Anhaltischen Philharmonie Ltg. GMD Golo Berg

20. Mai 2009, Anhaltisches Theater Dessau, 19 Uhr

Nach mehreren ausverkauften Konzerten mit der Anhaltischen Philharmonie und den Chören aus Dessau-Roßlauer Gymnasien laden Cristin Claas und l´arc six (Christoph Reuter - p, Jörg Naumann - sax, fl, Stephan Bormann - g, Gerald Manske - cello, Thomas Rüdiger - dr, perc) erneut zur Premiere ein. Zur Veröffentlichung der neuen CD konzertieren Sängerin und Band zum erstenmal gemeinsam mit der Anhaltischen Philharmonie Dessau und dem Jugendchor der Landesschule Pforta. Karten und Informationen: www.anhaltisches-theater.de / Tel. 0340 - 2400 258

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ww w.larcsix.de

Mit freundlicher Unterstützung der


Dienstag, 03.03.2009 V19

20.00 Uhr, Musikalische Comedy im Brauhaus

Trio Ohrenschmalz Trio Ohrenschmalz Gesang: Julius Hassemer Violine: Angelika Feckl E­Piano: Stefan Haberfeld „Zwee Bengel und een Engel“ Otto Reutter (1870–1931) S‘ist ein Geheimnis von Berlin Walter Donaldson (1893–1947) Hallo, was machst du heut‘ Daisy? Kurt Weill (1900–1950) Die Moritat von Mackie Messer Stefan Haberfeld (*1984) Contenance Robert Gilbert (1899–1978) Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist? Friedrich Hollaender (1896–1976) Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt Rudolf Nelson (1878–1960) Das Nachtgespenst Otto Reutter Das ist leicht, das ist schwer Fritz Löhner-Beda (1883–1942) Wenn ein Fräulein keinen Herr’n hat Pause Paul Strasser (†1958) Wegen Emil seine unanständje Lust Friedrich Hollaender Eine Liebelei so nebenbei Friedrich Wilhelm Rust (1739–1796) Ein bisschen Leichtsinn kann nicht schaden Friedrich Hollaender Wie hab ich nur leben können ohne dich? Stefan Haberfeld Nächstenliebe Kurt Weill Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit Friedrich Hollaender Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin Otto Reutter Es geht vorwärts Willi Kollo (1904–1988) Das ist Berlin, wie‘s weint und wie es lacht Alle Arrangements: Stefan Haberfeld

Ein Gespräch mit Julius Hassemer und Stefan Haberfeld Wie hat sich das Trio Ohrenschmalz gefunden? Stefan Haberfeld: Julius und ich treten seit über acht Jahren gemeinsam auf. Zu Anfang hatten wir etwa vier Konzerte mit vier unterschiedlichen Programmen im Jahr, in kleinen Clubs wie dem Bebop in Kreuzberg – ein unglaublicher Aufwand für nur einen Abend. Wir haben uns dann für mehr Qualität statt Quantität entschie­ den, das heißt, uns intensiver mit der Auswahl der Stü­ cke, der Gestaltung der Auftritte und der Entwicklung eines roten Fadens zu beschäftigen und dafür nur noch

zwei Programme im Jahr zu machen. Mit der Zeit beka­ men wir mehr Routine und vor fünfeinhalb Jahren kam Angelika dazu. Wir lernten sie auf einer Party kennen und wollten sie eigentlich nur um die Vermittlung einer geeigneten Geigerin bitten. Sie hat sich dann gleich selbst vorgeschlagen. Im Dezember 2003 haben wir das Trio Ohrenschmalz gegründet, und seitdem ist das Gan­ ze erst richtig in Fahrt gekommen. Ihr habt euch der Musik der 1920er und 1930er Jahre verschrieben. Wie kamt ihr zu eurem Repertoire? Julius Hassemer: Vor acht Jahren hat uns Max Raabes Kein Schwein ruft mich an begeistert und die Richtung festgelegt. Das Stück können wir heute nicht mehr hören! Viel lief dann über Interpreten, die uns gefielen, wie Max Hansen oder Curt Bois. Stefan Haberfeld: Die Stilistik stand eigentlich von Anfang an fest. Wir haben erst die Comedian Harmo­ nists gecovert und dann recht schnell über den Teller­ rand geguckt, welche Stücke für unsere Besetzung noch geeignet sind. Julius Hassemer: Dabei ist auch YouTube eine wichti­ ge Inspirationsquelle. Ein besonders „intimes“ Verhält­ nis haben wir übrigens zu Otto Reutter entwickelt, nach dem unsere erste CD Es geht vorwärts benannt ist. Wie immer stand ein bestimmtes Stück am Anfang unserer Entdeckung: Der Blusenkauf. Stefan Haberfeld: Otto Reutter hatte die Gabe, die Beziehung zwischen Mann und Frau und Dinge des All­ tags in lockeren Vierzeilern auf den Punkt zu bringen. Seine Texte sind volkstümlich und verblüffend einfach – und gleichzeitig unglaublich scharfsinnig. Die The­ men sind heute so aktuell wie damals: Schönheitsope­ rationen, Börsencrash, Vaterschaftstest, Potenzpillen, Organtransplantationen… Julius Hassemer: … sogar das Thema Videoüberwa­ chung spielte schon eine Rolle! In seinem Lied Ist doch schön, so bequem singt er: „Sucht der Mann ‚nen Schei­ dungsgrund, dann gibt er acht, / schaut durchs Fern­ bild auf die Frau bei Tag und Nacht. / Hat sie fern ‚nen ander‘n gerne, ist er nah und doch so ferne / und sieht alles, was der and‘re mit ihr macht.“ Seht ihr selbst Parallelen zwischen den 1920er Jahren und heute? Stefan Haberfeld: Die 1920er Jahre waren eine Zeit der großen Umbrüche in Deutschland und speziell in

„Jetzt krachen viele Banken, wer hätte das gedacht, erst kürzlich las ich wieder, ist ein Bankier verkracht. Weil er kein Geld im Schrank hatt’, ha’m se’n gleich mitjenomm’, so geht’s halt, wer ne Bank hat, kann leicht zum Sitzen komm’. Es geht vorwärts, es geht vor­ wärts! ’s gibt jetzt Verjüngungspillen, pro Schachtel 50 Stück, Du brauchst nur eine nehmen, und hast beim Lieben Glück. Bist munter wie ne Wachtel, kannst tausend Küsse ge’m, ick fress ne janze Schachtel, dann könn’se wat erle’m. Es geht vorwärts, es geht vorwärts!“ (Zweite und letzte Strophe aus: Es geht vorwärts von Otto Reutter, 1930)

CD-Tipp Trio Ohrenschmalz Es geht vorwärts HFH erhältlich unter: www.trio-ohrenschmalz.de

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Berlin. Sie haben mit den Menschen viel angestellt – über das historische Geschehen hinaus. Die Musik die­ ser Zeit ist exemplarisch für die neuen Strömungen und die Entwicklung von Extremen – die kulturelle Blütezeit einerseits, andererseits die finanziellen Nöte. Amüse­ ment war für die Menschen damals ein hohes Gut. Das kann man auch heute wieder beobachten: Wenn es den Menschen wirtschaftlich schlecht geht, ist Unterhal­ tung umso gefragter und strahlt eine absolute Magie aus. Julius Hassemer: Genau so wie in den 1920er Jah­ ren kann man auch heute wieder von der Moderne und einer Zeit des Aufbruchs sprechen. Interessant ist, dass auch gestandenen Komponisten damals die Unterhal­ tungsmusik so am Herzen lag: Selbst Arnold Schönberg durchlief „einfachere“ Phasen; und Kurt Weill oder Wer­ ner Richard Heymann schrieben Schlager, die trotzdem sehr intelligent und durchdacht waren. Welchen Stellenwert nimmt die Musik von Kurt Weill in eurem Repertoire ein? Julius Hassemer: Was Kurt Weill angeht, sind wir „musikalische Jungfrauen“. Wir wollen uns für unser Programm beim Kurt Weill Fest zwei Stücke vorneh­ men, die aus seiner Zeit mit Bertolt Brecht stammen. Sie sind anders als das, was wir sonst von ihm kennen, bissiger und politischer. Ich bin sehr gespannt, wie es sich in den Proben anlässt. Welche Ziele habt ihr euch für die Zukunft gesteckt? Julius Hassemer: Wir arbeiten nicht visionär und haben keine großen Fernziele. Vielmehr bewegen wir uns Schritt für Schritt von einer Station zu nächsten. Wir wollen eines Tages von unseren Auftritten leben

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und haben eine lange Liste an Stücken, die wir noch erarbeiten können. Wichtig sind uns Lust und Interes­ se an der Arbeit und gute Konzepte, wie wir ausreizen können, was mit unserer Dreierbesetzung möglich ist. Wer möchte, kann unser neues Programm im April 2009 auch im Berliner Admiralspalast erleben. Das Gespräch führte Celia Solf

Das Trio Ohrenschmalz wurde 2003 in Berlin gegründet und hat sich seit­ dem mit Konzerten, die Musik im Stil der 1920er und 1930er Jahre und Eigenkompositionen präsentieren, einen Namen gemacht. Nach Aufnahme einer Live­DVD erschien 2008 die erste CD Es geht vorwärts. Unter gro­ ßer Publikumsresonanz präsentiert das Trio regelmäßig seine neuen Programme im Berliner Admiralspalast. Neben ihrer bemerkenswerten künstlerischen Karriere absolvieren die drei Mitglieder des „jüngsten zwanziger Jahre­Trios Berlins“ noch ihre Ausbildung: Angelika Feckl studiert im Hauptfach Geige an der UdK Berlin, Julius Hassemer widmet sich nach seinem Bachelorabschluss im Masterstudiengang „Intercultural Communication Studies“ dem Studium der Gesten und Stefan Haberfeld studiert Filmton in Potsdam Babelsberg.


Mittwoch, 04.03.2009 V20

Jane Maturell

19.30 Uhr, Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus

„Die blaue Stunde“ Gesang: Jane Maturell E-Piano: Jens Baermann Gelassener Auftakt Kurt Weill (1900-1950) Speak Low Shalom Secunda (1894–1974) Bei mir bist du schön Der besinnliche Teil „Tausend Gesichter – wenn die Nacht erwacht“ Rolf Kuhl (*1954) Wenn es Nacht wird in der Großstadt Jary Michael (1906–1988) Haben sie schon mal im Dunkeln geküsst? Charles Aznavour (*1924) Tu te laisse aller (Du lässt dich gehen) Günter Neumann (1913–1972) Die Stripteasetänzerin Schwere Last „Des Menschens Leid und größte Freud“ Lesung: Déjeuner du matin (Jacques Prévert) Jacques Brel (1929–1978) Ne me quitte pas Kurt Weill Alabama­Song Lesung: Alles ist offen. Alles ist möglich. (Thorsten Stoll ) Kurt Weill Youkali Leichter Abschluss „Träum ich oder wach ich?“ Max Raabe (*1964) Rinderwahn Friedrich Hollaender (1896–1976) Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre Lesung: Ich bin ein Engel Heino Gaze (1908–1967) Egon Georg Kreisler (*1922) Geben Sie acht! Burt Bacharach (*1928) Close to you

Ein Gespräch mit Jane Maturell Ihr Konzert zum diesjährigen Kurt Weill Fest trägt den Titel „Die blaue Stunde“. Welche Bedeutung hat diese Zwischenzeit der Dämmerung für Sie und welche Rolle spielt sie in Ihrem musikalischen Schaffen? Eigentlich sind es die Dinge, die man nicht auf Anhieb sieht, die das Leben besonders machen. Deshalb ist es so wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen, und sich nicht von den ersten Eindrücken ablenken zu lassen. Für mich beginnt das wahre Leben erst beim zweiten Hinsehen. Die Dämmerung ist schön, weil das Auge nicht mehr klar sieht, sich die Wirklichkeit verzerrt, vielleicht neblig wird und Schatten wirft. Die unmittel­ bare Umgebung verändert sich, regt zum Träumen an, und so richtig weiß man nicht, wohin einen diese Rei­ se trägt. Fragen über Wahrheit und Illusion kommen auf, die aber nicht beantwortet werden müssen. Beim Nachdenken über die Dämmerung und beim Nachspü­ ren der „blauen Stunde“ denke ich an etwas Ursprüng­ liches, an einen Moment, in dem alles möglich scheint, in dem ich weder zurück noch nach vorn schaue, son­ dern dessen Spannung ich einatmen möchte, um mich dann treiben zu lassen. Ähnlich wie in der Musik, so beginnt auch in der besagten „blauen Stunde“ das Herz zu sprechen, und Gefühle und Sehnsüchte leiten uns. Beim Singen geht es für mich nicht nur um gute Tech­ nik, sondern auch um eine eigene Interpretation, die stark von eigenen Emotionen gefärbt wird. Beim Spiel mit verschiedenen Ausdrucksmitteln ergibt sich so viel Freiheit, dass ich für mich das wahre und echte Wesen der jeweiligen Musik entdecken kann, das sich nie allein durch die Noten und den Text erschließt. Beim Eintau­ chen in die Musik ist die freudige Anspannung auch immer von Neugier begleitet, denn ich weiß vorher nie, wie mich Melodie, Text und Interpretationen berühren werden. Ich erlebe die Musik immer neu und bin selbst gespannt auf das Ergebnis.

Menü Gelassener Auftakt Glasierte Maishähnchenspießchen Der besinnliche Teil „Wenn die Nacht erwacht“ Zweierlei Fischmousse Schwere Last „Des Menschens Leid und größte Freud“ Gefüllte Schweinslende Leichter Abschluss „Träum ich oder wach ich?“ Karamelisierte Früchte auf Biskuit

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Fest den Festakt im Duo Balkonien Soul musikalisch umrahmt habe. Die Möglichkeit, mich Kurt Weills Lie­ dern zu nähern und seiner Arbeit mit meiner Klangfarbe Ausdruck zu verleihen, ist für mich ein besonders schö­ ner Glücksfall. Im Studium fand Kurt Weill nur verein­ zelt Erwähnung, und es waren eher die populären und zeitgenössischen Musicals, die im Mittelpunkt stan­ den. Insofern freue ich mich, dass ich aufgrund besag­ ter Umstände seine Musik für mich entdeckt habe. Die Freude an der künstlerischen Auseinandersetzung mit seinem Werk, das glücklicherweise sehr umfang­ reich ist, lässt mich mit Sicherheit sagen, dass es da in Zukunft noch oft Berührungspunkte geben wird. Das Gespräch führte Maria Schenderlein

Ihr diesjähriges Programm umfasst Musik von Burt Bacharach, Friedrich Hollaender und Kurt Weill. Inwiefern lässt sich deren Musik mit dem poetischen Begriff des Übergangs in Verbindung bringen? Grundsätzlich wähle ich Songs danach aus, wie sehr sie mich berühren. Es kann eine Textzeile sein, es kann eine grundlegende Aussage sein, eine harmonische Wen­ dung oder die Melodieabfolge. Wenn mich eines dieser Elemente beim Hören trifft und berührt, weckt der Song meine Neugier und ich möchte dem Gefühl nachspüren. Als ich zusammen mit dem Pianisten das Programm für den Abend zunächst intuitiv zusammengestellt habe, war ich überrascht zu sehen, wie oft sich letztendlich die Namen Friedrich Hollaender und Kurt Weill auf der Liste wieder fanden. Für mich ist es die Einfachheit und die Klarheit der Melodien, die die Lieder dieser Kom­ ponisten zunächst bestechend machen. Auch wenn es erst so scheint, als hätte die Dämmerung, die auch mit verzerrter Wahrnehmung assoziiert wird, nichts damit zu tun, ist sie meiner Empfindung nach eben auch ein Moment der Frische und der Wahrheit, dem etwas ganz Neues aber Flüchtiges inne wohnt. Diese Einfachheit ist unmittelbar und ergreift den Hörer emotional. Ähnlich empfinde ich es bei der Musik Burt Bacharachs, der als zeitgenössischer Komponist im Programm auftaucht. Besonders in den 1970er Jahren hat er viele sehr bekann­ te Songs und auch Filmmusiken geschrieben. Melodien und Harmonik sind für jeden nachvollziehbar, stehen für sich und sind dabei unabhängig von einer vorgeschrie­ benen Interpretation. Das ermöglicht es, ihnen immer wieder aufs neue nachzuspüren und sich von der künst­ lerischen Gestaltungsvielfalt überraschen zu lassen. Burt Bacharachs Kompositionen gehören für mich zur anspruchsvollsten Musik, die man für ein breites Publi­ kum machen kann. Bereits im letzen Jahr waren Sie auf dem Festakt mit Eigeninterpretationen von Liedern Kurt Weills zu hören. Welchen Einfluss hatte der Dessauer Komponist auf Ihren bisherigen Werdegang? Ehrlich gesagt, habe ich mich mit Kurt Weills Musik erst so richtig im letzten und im vorletzten Jahr ausei­ nandergesetzt, als ich mit der Leipziger Band MaxEx­ press beim Sommerfest der Kurt­Weill­Gesellschaft gesungen habe und eben beim vergangenen Kurt Weill

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Jane Maturell Die junge Sängerin studierte von 2002 bis 2007 Musi­ cal an der Hochschule für Musik und Theater in Leip­ zig. Anschließend bildete sie sich dort in klassischem Gesang aus. 2007 und 2008 besuchte sie Meisterkur­ se bei Neil Semer. Seit 2005 hat sie sich in Hauptrollen diverser Musiktheaterstücke einen Namen gemacht: So sang sie in der Uraufführung von Heißer Sommer in Ros­ tock, in Hair in Leipzig und in der Beatles­Show All You Need Is Beat im Theater Altenburg­Gera. Jane Maturell ist als Sängerin in verschiedenen Ensembles und Stilen zu erleben, so mit den Jambalaya Gospelsingers, der Konrad Kater Kapelle, dem QuintetoMayor sowie den Formationen MaxExpress und Balkonien Soul, mit denen sie bereits beim Sommerfest der Kurt­Weill­Gesell­ schaft bzw. beim Kurt Weill Fest zu Gast war. Jens Baermann erhielt seit 1976 Klavierunterricht am Konservatorium Halle und seit 1983 Förderunterricht an der Hoch­ schule für Musik und Theater in Leip­ zig. Er errang 1985 die Goldmedaille und einen Sonderpreis beim DDR­ Ausscheid in Zwickau. Von 1986 bis 1991 studierte er Klavier in Leip­ zig. Als Bigbandpianist und musikalischer Leiter des Krystallpalast Varieté Leipzig konnte Jens Baermann seitdem sein genreübergreifendes Talent ebenso unter Beweis stellen wie als Kammermusiker mit dem Kla­ viertrio Triosphère und als Orchestersolist. Ein Schwer­ punkt seiner musikalischen Arbeit ist die Begleitung von Gesangssolisten – klassische Liederabende ebenso wie Chanson­und Musicalprogramme. Jens Baermann ist zudem Dozent an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und an der Paluccaschule Dresden.


Mittwoch, 04.03.2009 V21

19.30 Uhr, Musikalische Comedy im Best Western Stadtpalais Wittenberg

Trio Ohrenschmalz Trio Ohrenschmalz Gesang: Julius Hassemer Violine: Angelika Feckl Klavier: Stefan Haberfeld Das Programm des Trio Ohrenschmalz (siehe Seite 35) in der neuen Spielstätte Best Western Stadtpalais Wittenberg wird begleitet durch ein Menü und Kostpro­ ben der Molekularküche. Diese verwendet neben den üblichen Küchentechniken auch experimentell Kompo­ nenten aus der Chemie und Lebensmittelindustrie, um Gerichte mit völlig neuartigen Eigenschaften zu erzeu­ gen. Dazu zählen z.B. Schäume und Gelees aus Gemüse, heißes „Eis“, das beim Abkühlen im Mund schmilzt, Bon­ bons aus Olivenöl oder Kaviar aus Melonen. Durch die überraschende Kombination von Aromen, Temperaturen und Texturen erfährt man ein neuartiges Geschmacks­ erlebnis. Das Küchenteam um Markus Kuschel wird die Speisen live zubereiten.

V22 20.00 Uhr, Jazz in der

Gründerzeitvilla Krötenhof

Ekkehard Wölk Trio Ekkehard Wölk Trio Klavier: Ekkehard Wölk Bass: Johannes Fink Schlagzeug: Andrea Marcelli Kurt Weill (1900–1950) Morgenchoral des Peachum Nannas Lied Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Leise zieht durch mein Gemüt Rüpeltanz (aus: Ein Sommernachtstraum) Marcia Funebre (aus: Ein Sommernachtstraum) Franz Schubert (1797–1828) Trockne Blumen Kurt Weill Der Bäcker backt ums Morgenrot

Drei Fragen an Ekkehard Wölk Sie sind Jazzpianist, haben aber auch klassisches Klavier und Musikwissenschaft studiert. Was macht für Sie den Reiz der Verbindung von Klassik und Jazz aus? Die Neuinterpretation bzw. veränderte Wiederaneig­ nung bekannter Themen der klassischen europäischen Musik aus dem Blickwinkel zeitgenössischer Improvisa­ tion ist ein Schwerpunkt meiner künstlerischen Arbeit der letzten fünf Jahre. Als Arrangeur geht es mir haupt­ sächlich darum, den Hörern bekannte Themen in einem frischen neuartigen Gewand zu präsentieren. Sie kennen möglicherweise die Originalfassungen aus Konzertsaal oder Oper und entdecken vielleicht in unseren eigen­ willigen Interpretationen einiges, das sie klanglich posi­ tiv überrascht oder in dieser Form noch nicht gehört haben. Der eine oder andere harmonische oder rhythmi­ sche „Verfremdungseffekt“ dient dazu, eine insgeheim bestehende Verbindung zwischen den heutigen Jazz­ improvisationen und der aus dem Generalbasszeitalter überlieferten Tradition formgebundener Improvisation in der europäischen Klassik deutlich nachvollziehbar zu machen und offen zu legen. Auf der jüngsten CD Songs, Chorals And Dances werden klassische Musikstücke von Bach, Mozart, Schubert, Mahler und Ravel unter Jazzgesichtspunkten neu arrangiert. Wie gehen Sie vor, um einen Brückenschlag zwischen beiden Musikstilen zu erzielen? Zum einen belasse ich bekannte Themen hinsichtlich ihres melodischen Gehalts häufig in einer auch für den reinen Klassikhörer klar wiedererkennbaren Gestalt. Die originären Eingriffe der Arrangements laufen zumeist auf harmonischer Ebene ab durch gezielte Reharmoni­ sationen, also den Melodien unterlegte fremde Akkord­ strukturen, oder durch speziell abgeänderte, aber vom motivischen Gehalt ausgehende Rhythmisierungen des Ausgangsmaterials. Auch klangfarbliche, impressionisti­ sche Texturen, die aus einem festen Takt­ und Metrum­ gefüge komplett ausbrechen, sind möglich. Nach der Vorstellung der Themenbearbeitungen folgen die Impro­ visationen der Ensemblemitglieder, entweder über das zugrundeliegende Akkordschema oder über im Ver­ gleich zum Thema harmonisch sehr ausgedünnte, auf

Menü und Dessertbüfett zu V21 Rahmsuppe vom Wurzelwerk mit Cocktailgarnelen Gekräuterte Maispoularde mit Wirsinggemüse, Kartoffelgratin und Orangen­Ingwersoße Allerlei ungewohnte süße Köstlichkeiten wie im flüssigen Stickstoff geeiste Kaugummisahne oder Gin Tonic Gelee mit Mousse von weißer Chilischokolade

CD-Tipp Ekkehard Wölk Trio Songs, Chorals and Dances Nabel 4702­2

Pause Kurt Weill Bruder, gib dir einen Stoß Franz Schubert Gute Nacht (aus: Die Winterreise) Die liebe Farbe (aus: Die schöne Müllerin) Des Baches Wiegenlied (aus: Die schöne Müllerin) Felix Mendelssohn Bartholdy Volkslied Kurt Weill Berlin im Licht Aber dieses ganze Mahagonny Alle Arrangements: Ekkehard Wölk

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schmelzung europäischer Musikstile der 1920er und 1930er Jahre, wobei er auch die so genannte „Avant­ garde“, Broadway­Musicals, Tin Pan Alley­Schlager und den unwiderstehlichen „Swing“ der afroamerikanischen Jazzmusik mitsamt ihren expressiv pulsierenden Rhyth­ men und Improvisationen mit einbezog. Die Fragen stellten Stefanie Neumaier und Celia Solf

Gründerzeitvilla Krötenhof

wenige „Modi“ (Skalen, Kirchentonleitern) vereinfachte improvisatorische Zwischenspiele. Vereinzelt treten in den Arrangements auch ganz neu von mir komponierte und hinzugefügte Überleitungsteile auf. Es handelt sich also um eine farbenreiche Mischform aus Arrangement, Neukomposition, Interpretation der zugrundeliegenden Werke sowie aus frei dem kreativen Moment verpflich­ teten Improvisationen. Warum wählten Sie die drei Komponisten Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy und Kurt Weill für Ihr Programm und welche besondere Rolle spielt für Sie Kurt Weill in diesem Kontext? Das Trioprogramm, das wir dem Dessauer Publi­ kum vorstellen möchten, ist wesentlich von thema­ tischen Überlegungen geprägt und eine persönliche Hommage an die historische Bedeutung der Stadt, die Ausgangspunkt wichtiger ästhetischer, geistiger und musikalischer Entwicklungen in der Blütezeit der deut­ schen Kulturgeschichte war. Natürlich kommen wir im Jubiläumsjahr des 200. Mendelssohn­Geburtstags nicht daran vorbei, diesen romantischen Meister mit einigen Lied­Arrangements sowie Auszügen aus dem berühmten Sommernachtstraum zu würdigen. Hinzu kommt, dass sein Großvater, der legendäre Philosoph und Aufklärer Moses Mendelssohn, gebürtiger Dessau­ er war. Die Auswahl bestimmter Schubert­Lieder aus den großen Zyklen Die Schöne Müllerin und Winter­ reise unterstreicht die wenig bekannte Tatsache, dass deren überwiegend verkannter Textdichter Wilhelm Müller ebenfalls aus Dessau stammt und auch dort gestorben ist. Somit fügen sich diese beiden Meister mit Kurt Weill zu einem musikalisch eindrucksvollen Triptychon zusammen. In meinen Weill­Arrangements habe ich diesmal fast ausschließlich auf seine „deut­ sche Periode“ zurückgegriffen, u.a. mit Vorlagen aus den Hauptwerken Mahagonny, Dreigroschenoper und dem „parabelhaften“ Silbersee nach Georg Kaiser, wel­ ches übrigens mein aktuelles Lieblingsstück unter allen Werken der drei Komponisten ist! Darüber hinaus ver­ körpert Kurt Weill für mich wie kein anderer die vielfäl­ tigen Möglichkeiten einer erfolgreich betriebenen Ver­

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Ekkehard Wölk Nach dem Studium der Musikwis­ senschaft in Hamburg und Berlin und der Ausbildung zum Konzert­ pianisten an der Lübecker Musik­ hochschule 1988 bis 1994, wandte sich Ekkehard Wölk mit Workshops bei John Taylor, Walter Norris, Die­ ter Glawischnig und Richie Beirach dem Jazzpiano zu. Seit den 1990er Jahren ist er auch als Komponist und Arrangeur erfolgreich. CD­Aufnahmen und Konzerte führten Ekkehard Wölk 2001/2002 nach New York und Massachusetts, 2004 folgte ein Stipen­ dienaufenthalt in Toronto für ein Kompositionsprojekt. Der Pianist hat für verschiedene Rundfunkanstalten und Theater Musik arrangiert und eingespielt und im Auftrag der Friedrich­Wilhelm­Murnau­Gesellschaft die Musik zum Stummfilm Faust ­ eine deutsche Volkssa­ ge komponiert. In seinen Konzerten und auf seinen CDs vermittelt er auch die Nähe zwischen Jazz und „erns­ ter“ Musik. Johannes Fink genoss zunächst eine langjährige Ausbildung als Schlagzeuger, bevor er sich dem Klavier und der Jazzgitar­ re zuwandte. Als Autodidakt fand er schließlich zum Kontrabass und dem in Quarten gestimmten Cello. Er lebt seit 1995 als Musiker und Kompo­ nist in Berlin. Johannes Fink spielt in unterschiedlichen Formationen, u.a. mit Charly Antolini, Conny Bauer, Till Brönner, Axel Dörner, Daniel Erdmann, Emil Mangelsdorff, Frank Möbus, Arry Porter, Ack van Rooyen, Alexander von Schlippenbach sowie mit den Bamberger Symphonikern. Als freischaffender Musiker hat er an unzähligen CD­Produktionen und Rundfunk­ einspielungen mitgewirkt und in Amerika, Asien und ganz Europa auf der Bühne gestanden. Andrea Marcelli schloss 1986 an der Akademie Fro­ sinone sein Studium in klassischer Klarinette und Jazzkomposition ab. Seine Vorliebe fürs Schlagzeug führ­ ten ihn zu Workshops bei den Jazz­ drumgrößen Tommy Campbell und Peter Erskine. Er arbeitete zunächst als Musiker beim italienischen Fern­ sehen und ging 1989 in die USA. Seit 2001 lebt er in Ber­ lin. Andrea Marcelli hat mit Größen der internationalen Jazzszene wie Wayne Shorter, Allan Holdsworth, Mar­ kus Stockhausen oder Jeff Berlin konzertiert oder an CD­Aufnahmen mitgewirkt. 2002 gewann er den Ber­ liner Jazz and Blues Award gleich in zwei Kategorien. Fast 200 seiner Kompositionen finden sich auf CD­ oder Rundfunkaufnahmen; drei CDs hat er selbst als Lead­ Musiker eingespielt.


Donnerstag, 05.03.2009 V23

19.00 Uhr, Hörspiel-Openair im Schwabehaus Dessau

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19.30 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

„Hörspielwinter Sieben Todsünden“

„Landgren meets Anhaltische Philharmonie“

Hochmut Astronaut Thomas Reiter im Gespräch mit Jörg­Christian Schulmöller Kurt Weill: Lost in the Stars (Lotte Lenya, Kurt Weill)

Posaune und Gesang: Nils Landgren Gesang: Jeanette Köhn (Sopran) Kontrabass: Eva Kruse Klavier: Sebastian Studnitzky Schlagzeug: Wolfgang Haffner

Neid Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse im Gespräch mit Thomas Heyer Kurt Weill: Hosiannah Rockefeller (Pro Musica Köln, König Ensemble)

Musikalische Leitung: Golo Berg Anhaltische Philharmonie Dessau

Trägheit Schauspieler und Autor Peter Ustinov im Gespräch mit Sylvie Reichel Kurt Weill: Morgenchoral des Peachum (HK Gruber)

Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Anhaltischen Theater Dessau

Zorn Historiker und Autor Gerd Koenen im Gespräch mit Wolf Renscke Kurt Weill: Alabama­Song (The Doors)

Ein Gespräch mit Golo Berg Die musikalische Begegnung mit Nils Landgren im Rahmen des Kurt Weill Festes ist nicht Ihre erste. Wo sind Sie bereits miteinander aufgetreten und wie haben Sie diese Zusammenarbeit in Erinnerung? Ich hatte bereits mehrfach mit Nils Landgren zu tun. Im November 2002 kam er nach Dessau, um einen Jazz­Workshop mit der Jugend­Big­Band Anhalt zu lei­ ten. Das große Crossover­Finale mit zwei Jugend­Big­ Bands, einem 50­köpfigen Chor und der Anhaltischen Philharmonie fand bei uns im Theater statt und war bei ausverkauftem Haus ein riesiger Erfolg. Im Februar 2004 haben wir dann im Kammermusiksaal der Berli­ ner Philharmonie ein weiteres gemeinsames Crossover­ Konzert gegeben – diesmal mit dem Kammerorchester Berlin von Kathrin Scholz und dem JugendJazzOrches­ ter. Unsere dritte Begegnung fand bei einem Konzert mit der Jenaer Philharmonie statt. Wir spielten jedes Mal ganz unterschiedliche Stücke: Es gab Piazzolla,

Pause Habgier Der ehemalige Verleger Bernd Lunkewitz im Gespräch mit Ursula Welter Kurt Weill: Lied des Lotterieagenten (Graham Clark & London Sinfonietta) Völlerei Starköchin Léa Linster im Gespräch mit Ursula Welter Kurt Weill: Ich habe gegessen zwei Kälber (Frederic Mayer, Kölner Rundfunkorchester)

Es erklingen Werke von Kurt Weill, Leroy Anderson und ABBA. Das Konzert wird moderiert.

Der Artist­in­Residence wird präsentiert von Lotto Sachsen­Anhalt.

Nils Landgren, Artist-in-Residence 2009

Wollust Der Philosoph Wilhelm Schmid im Gespräch mit Michael Köhler Kurt Weill: Ballade vom angenehmen Leben (Dominique Horwitz) Interviews aus Die sieben Todsünden. Zusammengestellt aus Sendungen des Deutschlandfunk. © 2004 Deutschlandradio

Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Schwabehaus e.V. Dessau Die Lehre von den sieben Todsünden war prägend für die mittelalterliche Kirchenlehre. Mit ihrer Bedeutung in der heutigen Zeit beschäftigt sich eine Hörfunkproduk­ tion des Deutschlandradio, die prominente Zeitgenos­ sen zu ihren Ansichten befragte. Der Hörspielwinter im Schwabehaus präsentiert diese Gespräche und pas­ sende Musikstücke Weills am wärmenden Lagerfeuer im historischen Innenhof, darunter eines der letzten Interviews mit Sir Peter Ustinov.

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Nils Landgren, Artist-in-Residence (siehe Seite 7)

aber auch ABBA, Jazzstandards und Klassiker. Für jeden Anlass hatte Nils neue und originelle Arrangements dabei, die er selbst geschrieben oder bei schwedischen Arrangeuren in Auftrag gegeben hatte. Ich muss sagen, dass die Zusammenarbeit mit ihm ganz wunderbar klappt. Er ist ein völlig unkomplizierter Mensch, dem in erster Linie die Musik und der Spaß am Musizieren wich­ tig sind. Die Begegnungen mit ihm sind jedes Mal sehr erholsam und inspirierend. Welches Programm haben Sie für das Konzert „Landgren meets Anhaltische Philharmonie“ geplant? Das Programm wird sich vor allem auf Kurt Weill kon­ zentrieren, dessen Werke überproportional vertreten sein werden. Die Mitwirkung der Sopranistin Jeanette Köhn gibt uns die Gelegenheit, auch Ausschnitte aus Street Scene, One Touch of Venus und anderen großen Musicals und Opern Weills zu präsentieren. Außerdem konnte ich Nils Landgren überreden, selbst zu singen. In welcher Stimmlage singt Nils Landgren denn? Nils hat einen wunderbaren, klaren Ausdruck in der Stimme – unabhängig von den üblichen Stimmlagen und Gesangsausbildungen. Er begibt sich voll in die Musik und verleiht ihr einen sehr persönlichen Charakter. Wir haben bereits zusammen die Moritat von Mackie Mes­ ser aufgeführt, die wir auch dieses Mal spielen werden. Außerdem wird er ein Duett mit Jeanette Köhn, vermut­ lich die Zuhälterballade, singen. Wie wunderbar! Und was haben Sie noch geplant? Es wird mindestens einen Titel von ABBA geben. Nils hat viel Erfahrung mit ihrer Musik, hat an einem Musical mitgewirkt und auch ein Jazzalbum, „Funky ABBA“, ver­ öffentlicht. Dann haben wir reine Orchesterteile geplant und verschiedene Werke von Leroy Anderson. Er wur­ de als Sohn schwedischer Eltern in den USA geboren und hat dadurch interessante biografische Bezüge zu Nils Landgren und Kurt Weill. Das Programm wird übri­ gens von Nils Landgren – und vermutlich auch von mir – moderiert. Das Programm klingt nach einem interessanten Brückenschlag zwischen klassischer und zeitgenössischer Musik. Die Idee der Crossover­Konzerte ist nicht neu und viele Orchester haben sie mittlerweile im Programm. Ich per­ sönlich finde Projekte dieser Art, wenn sie gut gemacht sind, sehr sinnvoll und befruchtend für beide Seiten. Wir „klassischen Musiker“ sollten dafür offen sein, denn wir können auf jeden Fall sehr von der Spontaneität und Fri­ sche der Jazzmusiker profitieren. Das Gespräch führte Celia Solf

Anhaltisches Theater Dessau

Hinweis Das Konzert wird von MDR Figaro aufgezeichnet. Sendetermin 30.03.2009, 20.00 Uhr Frequenz in Dessau-Roßlau MDR Figaro: 104,0 MHz

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Jeanette Köhn Die Sopranistin machte 1993 ihren Abschluss an der Königlichen Musik­ hochschule in Stockholm und hat sich seitdem als Opern­ und Konzert­ sängerin einen Namen gemacht. Als Mozart­Interpretin (Così fan tutte, Il Re pastore, Die Zauberflöte u.a.) am Hoftheater Drottningholm und mit Auftritten beim Nobelpreis­Bankett oder der Parlaments­ eröffnung ist sie in ihrem Heimatland Schweden zu einer beliebten Künstlerin avanciert. Jeanette Köhns Repertoire umfasst Partien aus der Zeit der Renaissance bis hin zum zeitgenössischen Jazz; daneben war sie auch in Musicals wie Les Misérables und Cyrano zu erleben. Die vielsei­ tige Sängerin wurde mit mehreren schwedischen Thea­ ter­ und Musikpreisen ausgezeichnet und hat als Solistin an 25 CD­Aufnahmen unterschiedlichster Genres mitge­ wirkt. In Deutschland tourte sie 2006 mit Nils Landgren und gastierte 2007 beim Bach Festival in Leipzig. Eva Kruse, Sebastian Studnitzky, Wolfgang Haffner (siehe Seite 20) Golo Berg (siehe Seite 11) Anhaltische Philharmonie Dessau Das 1766 gegründete Dessauer Orchester zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Klangkörpern des Lan­ des Sachsen­Anhalt. Nachdem 1794 eine Theatertruppe fest in Dessau engagiert wurde, bildeten die Musiker fortan eine unverzichtbare Säule für Musiktheaterauf­ führungen aller Genres. Verdienstvolle Kapellmeister im 19. Jahrhundert waren Friedrich Schneider, Eduard Thiele und August Klughardt. Die beiden Letzteren leg­ ten den Grundstein für die Dessauer Wagner­Tradition. Im Orchester der ersten Bayreuther Festspiele wirk­ ten 1876 auch 12 Musiker aus Dessau mit. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten Chefdirigenten­ Persönlichkeiten wie Franz Mikorey, Hans Knapperts­ busch, Franz von Hoeßlin, Arthur Rother und Helmut Seidelmann das Orchester. Unter dem Dirigenten Dr. Heinz Röttger (GMD von 1954 bis 1977) gestalteten sich besonders die Wagner­Festwochen zu herausra­ genden künstlerischen Ereignissen. Chefdirigent des Orchesters, das seit 1992 den Namen Anhaltische Phil­ harmonie Dessau führt, ist seit 2001 Golo Berg. Gast­ verpflichtungen außerhalb Dessaus (z.B. Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt, Konzerthaus Berlin, Japan­Tournee mit Salome und Der fliegende Holländer) sowie Rundfunk­Mitschnitte und CD­Pro­ duktionen zeugen von der überregionalen Reputation des Orchesters.

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19.30 Uhr, Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus

„Die blaue Stunde“ (siehe Seite 37)


Freitag, 06.03.2009 V26

10.00 Uhr, Kinderkonzert im Johannbau (Museum für Stadtgeschichte Dessau)

„Julius - der Flötenspieler“ Flautando Köln Blockflöten: Katharina Hess, Susanne Hochscheid, Ursula Thelen, Kerstin de Witt Gesang: Ursula Thelen Anónimo Saltarello Heinrich Isaac (1450–1517) Instrumentalsatz ohne Titel Antonio de Cabezón (1510–1566) Diferencia Johann Sebastian Bach (1685–1750) Fuge aus BWV 550 Ryohei Hirose (*1930) Idyll Dick Koomans (*1957) The Jogger Ferdinand Bruckmann (*1930) Ouverture aus Ornithologische Suite Tarquinio Merula (1595–1665) Canzon La Lusignuola Anónimo Villancico El cervel mi fa nocte Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Museumspädagogischen Dienst Dessau Das Ensemble Flautando Köln nimmt kleine Zuhörer ab sechs Jahren mit auf eine spannende Reise durch die Jahrhunderte, ferne Länder und Musikwelten. Gemein­ sam mit der Titelfigur Julius treffen die Kinder auf mit­ telalterliche Spielleute, Johann Sebastian Bach, einen japanischen Mönch sowie eine Expertin für Vogelstim­ men. Flautando Köln (siehe Seite 47)

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17.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

„Das Musikhaus olberg in dessau“ (siehe Seite 24)

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19.30 Uhr, Jazz im Anhaltischen Theater Dessau

Monty Alexander Trio Monty Alexander Trio Klavier: Monty Alexander Bass: Hassan Shakur Schlagzeug: George Fludas Kurt Weill (1900–1950) Speak Low My Ship Lost in the Stars September Song Mack the Knife (Die Moritat von Mackie Messer) Pause Monty Alexander (*1944) The River Sweet Lady Trust Renewal You Can See Mit freundlicher Unterstützung der DVV Dessauer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH

Monty Alexander

Ein Gespräch mit Monty Alexander Sie sind in Jamaika aufgewachsen und haben dort Ihre ersten musikalischen Erfolge gefeiert, bevor Sie 1961 in die USA kamen. Wann und wo sind Sie zum ersten Mal der Musik Kurt Weills begegnet? In der Tat wurde ich schon in meinem Elternhaus mit der Musik Kurt Weills konfrontiert. Wir hatten einige Aufnahmen von ihm Zuhause und ich erinnere mich, dass meine Mutter den September Song liebte und gerne sang und ich sie dabei am Klavier begleitete. Ich habe schon mit 15 Jahren begonnen, eigene Variationen seiner Lieder zu erfinden. Legendär ist auch die Auf­ nahme Mack the Knife mit Louis Armstrong, die mich sehr beeindruckt und geprägt hat. Nach und nach habe ich eine sehr persönliche Beziehung zu den Songs von Kurt Weill aufgebaut. Ich liebe My Ship, September Song, Lost in the Stars – nahezu alle bekannten ame­ rikanischen Sänger haben Weills Stücke interpretiert: Tony Bennett, Frank Sinatra… Hier in New York stößt man immer wieder auf Spuren, die er im amerikani­ schen Musikleben hinterlassen hat. Man merkt, dass sein künstlerisches Erbe hier hoch gehandelt und gut bewahrt wird. Er hat ja mit so vielen Broadway­Größen zusammen gearbeitet! Erst vor kurzem gab es einen lan­ gen Artikel über ihn in der New York Times. Mit Weills Biografie habe ich mich zwar noch nicht so ausführlich beschäftigt, aber für mich steht fest: Aus Deutschland sind viele hervorragende Musiker und Komponisten in die USA gekommen, und er zählt zu den besten! Zur amerikanischen Musikliteratur hat er Großartiges und Entscheidendes beigetragen. Sind Sie schon einmal in Kurt Weills Geburtsstadt Dessau aufgetreten? Nein, in Dessau war ich noch nicht, aber in Deutsch­ land habe ich schon sehr häufig gespielt. Ich habe erst

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Glauben und Hoffnung auseinander setzen. Wir sollten das positive Denken und die Hoffnung nie aufgeben. Die Fragen stellte Celia Solf

Monty Alexander wuchs in Jamaika auf, wo er schon früh in Kontakt mit der Musikszene in Kingston kam. Mit seiner Band Mon­ ty and the Cyclones feierte er Ende der 1950er Jahre ers­ te Hits. 1961 zog es den jungen Pianisten in die USA, wo er in Las Vegas auf Frank Sinatra traf, mit dem er kurz darauf in New York zusammen arbeitete. Hier lernte er die Jazzlegenden Charlie Parker und Ray Brown kennen, mit denen er bald konzertierte und Plattenaufnahmen bestritt. Es folgten Engagements mit Dizzy Gillespie und Sonny Rollins, denen sich im Laufe seiner fünfzig­ jährigen Karriere zahlreiche Auftritte mit Künstlern wie Quincy Jones, Sly Dunbar, Barbara Hendricks, Bobby McFerrin und Natalie Cole anschlossen. Seit 1976 ist er regelmäßig Gast beim Montreux Festival und tourt bis heute weltweit. Er hat den Klavierpart zu Clint East­ woods Film über Charlie Parker Bird eingespielt und allein als Lead­Musiker mehr als 60 Alben veröffentlicht, darunter Hommagen an Bob Marley, Nat King Cole und im letzten Jahr ein Konzert in Dresden gegeben, wo ich Tony Bennett. schon einige Male war, und in Villingen habe ich bei dem Jazz Label MPS einige schöne Aufnahmen eingespielt. Hassan Shakur wurde als Sohn des Jazzpianisten Wie viele Konzerte bestreiten Sie mit Ihrem Trio Gerald Wiggins geboren und spiel­ im Jahr? Man muss vorweg sagen, dass ich in unterschiedlichen te schon mit vier Jahren auf einem Triobesetzungen spiele. Mit Hassan mache ich bereits Stuhl stehend Kontrabass. Mit zwölf seit 30 Jahren Musik, George kenne ich seit etwa sechs wirkte er als Bassist bereits in Fern­ Jahren. In dieser Formation sind wir schon eine Weile sehshows und im Aufnahmestudio. zusammen. Unsere Konzerttätigkeit ist sehr schwan­ Seit seinem 18. Lebensjahr ist er Mit­ kend: Mal haben wir vier Konzerte im Monat, mal sind glied des Duke Ellington Orchestra, wir auf Tournee und haben jeden Abend ein Konzert. mit dem er heute noch auftritt. In Broadway Shows, als Wir stellen aber fest, dass auch bei uns die Finanzkrise gefragter Session­Musiker und bei CD­Aufnahmen hat langsam ankommt. Es wird schwieriger mit den Enga­ mit er u.a. seinem Vater, Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie, gements, weil die Auftritte meistens von Sponsoren Milt Jackson, Loretta Devine, Billy Eckstine, Al Grey, finanziert werden. Und die sind momentan vorsichtiger Sarah Vaughan, Joe Williams und Herb Ellis gespielt. Mit Monty Alexander verbindet ihn eine feste Zusammenar­ geworden, in den Musikbereich zu investieren. Erzählen Sie uns zum Abschluss noch etwas zu beit auf Tourneen und für CD­Einspielungen. den Eigenkompositionen, die Sie in Dessau spielen George Fludas werden. wurde durch seinen Vater, einen Wissen Sie, ich bin in Jamaika aufgewachsen, in der Tradition der Musik der Karibik: Calypso und Reggae Jazzliebhaber, früh mit den Grund­ haben mich am Anfang sehr geprägt. Mit 18 Jahren lagen des Schlagzeugs vertraut habe ich dann angefangen, als professioneller Musiker gemacht. Schon während seiner zu arbeiten. In der Zeit habe ich mich intensiv mit dem musikalischen Ausbildung trat er in so genannten „Great American Songbook“ beschäf­ Chicagoer Clubs in diversen For­ tigt, also all den „Klassikern“: Duke Ellington, George mationen auf. Seitdem hat er mit Gershwin, Cole Porter – natürlich auch mit Kurt Weill. Künstlern wie Kenny Burrell, Betty Sie waren die Grundlage meines ersten Standardre­ Carter, Tommy Flanagan, Benny Golson, Hank Jones, pertoires; ich habe aber auch begonnen, daraus eige­ Marlena Shaw und Phil Woods gespielt und war welt­ ne Melodien zu entwickeln und meine eigene Musik zu weit auf Tourneen unterwegs. 2000/2001 war er Mit­ schreiben. Viele meiner Stücke wurden zwischenzeit­ glied im Ray Brown Trio und 2002 begleitete er Diana lich von renommierten Musikern interpretiert. Oscar Krall. Regelmäßig tritt er mit den Pianisten Monty Ale­ Peterson spielte zum Beispiel Sweet Lady, das ich vor xander und Cedar Walton sowie mit dem Chicago Jazz 30 Jahren komponierte. Auch You Can See, einer meiner Orchestra auf. „Klassiker“, den ich vor 20 Jahren schrieb, ging in das Repertoire bekannter Musiker ein. The River entstand ebenfalls vor 20 Jahren. Die Stücke auf dem gleichna­ migen Album beziehen sich auf biblische Themen, sind Vertonungen von Hymnen, die die Bedeutung des Was­ sers für unser Leben preisen. Das Album war lange Zeit vergriffen und momentan ist eine Neuauflage geplant. Trust und Renewal sind Stücke, die sich mit den Themen

Monty Alexander und Hassan Shakur

CD-Tipps Monty Alexander The Good Life Monty Alexander Plays the Songs of Tony Bennett Chesky SACD340 Monty Alexander Alexander the Great! Monty Swings on Mps Universal 745062 Monty Alexander Live at the Iridium Telarc 83610 Monty Alexander Trio Impressions in Blue Telarc 83578 www.montyalexander.com

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Freitag, 06.03.2009 V29

19.30 Uhr, Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus

„Die blaue Stunde“ (siehe Seite 37)

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22.00 Uhr, Jazz im Bauhaus Dessau

„Sapporo meets Jasper van‘t Hof“ Sapporo Saxofon und Electronics: Ulli Jünemann Gitarre und Laptop: Christian Eckert Klavier: Jasper van’t Hof Kurt Weill (1900–1950) Die Muschel von Margate* Ulli Jünemann (*1967) Ode to Kurt Weill, Part 1 Kurt Weill This Is New * Christian Eckert (*1965) Speak Weill Ulli Jünemann USA Talk Kurt Weill My Ship* Ulli Jünemann Ode to Kurt Weill, Part 2 Here We Are * Arrangement: Christian Eckert

Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande

Vier Fragen an Ulli Jünemann Wie lässt sich der musikalische Stil von Sapporo beschreiben und wie würden Sie ihn im Bezug zum klassischen Jazz einordnen? Unsere Musik orientiert sich von ihrer Harmonik und Improvisation her sicherlich sehr stark an der Tradition des klassischen Jazz. Sie ist eine Mischung aus moda­ len Formen verbunden mit Akkordfolgen, so genannten „Changes“, und bedient sich relativ einfacher Melodi­ en. Die „klassischen Anleihen“, die Sapporo aus dem Jazz verwendet, werden vermischt mit aktueller elek­ tronischer Musik, die wir auf der Bühne mit dem Soft­ ware­Programm „Ableton Live“ umsetzen. Fast jede bekannte Pop­ und Rock­Band nutzt dieses Programm, aber eher um Playbacks abzuspulen. Wir machen Musik damit und nutzen den Laptop als weiteren „Musiker“. Teile eines Stückes können wir auf der Bühne verar­ beiten, einzelne Samples zu­ und wegschalten und mit ihnen improvisieren. Besonders gelungen und span­ nend finde ich auch die Symbiose aus akustischen Instrumenten, Saxofon, Flöte, Klarinette, Jazzgitarre,

Flügel und Percussion. Das gibt es so in der Form sehr selten in der Musikszene. Erwähnen möchte ich auch, dass hinter unserer Musik oft auch ein politischer Aspekt steckt – jedenfalls bei den letzten CDs Sapporo meets Janosch und musique noir. Eigentlich wollen wir nicht politisieren. Wir kom­ men aber manchmal nicht umhin, drauf aufmerksam zu machen, dass zu einem Land der Dichter und Denker eben auch Wissen, Bildung, politisches und moralisches Denken und vor allem auch Kunst und Kultur gehören. Wie gehen Sie beim Komponieren vor? Komponieren hat bei Sapporo viel mit Ausprobieren, „try & error“, zu tun. Eigentlich ein sehr kindlicher und spielerischer Ansatz, wie ich ihn bei meinen zwei kleinen Kindern immer wieder beobachten kann: „Mal schau­ en, wenn ich dies reinstecke, draufhaue, dran schabe, was dann passiert...“ Ich nehme zahllose Geräusche auf – Gabeln, Messer, Mülleimer, Kochlöffel, Kinder­ geschrei, Vögel, Flaschen, Autos etc. – und verarbeite sie mit Abletons Software. Die aufgenommenen Sam­ ples werden geschnitten, verschoben, transponiert, mit Effekten versehen. Soundskulpturen bekommt man hier relativ einfach hin im Vergleich zu Drumgrooves und Percussionloops, die sehr gut getimed sein müssen und zudem noch swingen bzw. grooven sollen. Einige Tei­ le der Kompositionen entstehen auch aus bearbeiteten klassischen Aufnahmen, etwa von Charlie Parker, Billie Holiday, John Coltrane, einzelnen Tönen aus Werken von Kurt Weill, gesungen oder am Klavier gespielt. Für uns wird es so sehr persönlich: Familie, Freunde, historische Aufnahmen, Kulturgut, die Umwelt, russische Märchen­ stimmen, unsere Kanzlerin, der US­Präsident, Star Trek, Star Wars (R2D2), sie alle nehmen Teil an unserem Werk. Christian Eckert hat bei dieser Art des Komponierens einen großen Einfluss auf mich; als Kopf von Sapporo arbeitet er so schon einige Jahre. Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen Sapporo und Jasper van’t Hof und was macht für Sie die Besonderheit des gemeinsamen Musizieren aus? Jasper kenne ich schon seit vielen Jahren. Ich habe ihn 1994 in Holland kennen gelernt, ganz am Anfang mei­ ner Karriere. Er unterrichtete damals in Utrecht an der Musikhochschule, wo meine Freundin Anja Stehling Kla­

Jasper van’t Hof

CD-Tipps Sapporo Sapporo meets Janosch New Format Recordings 4260082360379 Sapporo Sound Motel musique noir New Format Recordings 4260082360218 Beide CDs erhältlich unter: www.phazzadelic.com Jasper van’t Hof und Fredy Studer Pangramm FMR 264 Jasper van’t Hof Axioma JARO 4250­2 www.christianeckert.com www.ullijuenemann.com www.jaspervanthof.com

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vier studierte. Ich war zu dem Zeitpunkt an der Musik­ hochschule in Den Haag. Jasper beeindruckte mich schon damals durch seine Gabe, Strömungen in der Musikwelt voraus zu sehen. Es gibt nur wenige aktuelle Strömungen seit den 1970er Jahren, die er nicht irgend­ wie mitgeprägt hat. Schon damals hat er elektronische Musik im Jazz­ und Fusionbereich live auf die Bühne gebracht. Jasper ist wahnsinnig musikalisch, virtuos und ein rechter Wirrkopf – im Sinne, immer Ideen zu entwi­ ckeln und niemals stehen zu bleiben. Er ist sehr spontan, was die Arbeit angeht. Das macht mir Spaß und fordert mich immer wieder heraus. Unsere konkrete Arbeit hat dann mit dem Projekt „bree.ze“ begonnen, das wir 2004 bei ihm Zuhause in Frankreich aufgenommen haben. Diese Aufnahmen kamen leider durch einen Diebstahl abhanden– was mich damals sehr geärgert und zurück geworfen hat. „bree.ze“ kam dann auch nie wirklich an den Start. Im vergangenen Jahr haben wir dann im Duo zusammen mit Kirchenorgel gespielt, ja und jetzt dann eben beim Kurt Weill Fest in Dessau. Eine wirklich schö­ ne Möglichkeit für uns, wieder etwas zusammen zu machen. Das Kurt Weill­Projekt will ich auf jeden Fall auch 2010 weiter nach vorne treiben. Angesichts der wochenlangen Vorarbeit wäre es einfach zu schade, alles nach so kurzer Zeit wieder in der Schublade ver­ schwinden zu lassen. Ich plane auf jeden Fall mit den Kollegen eine Aufnahme rund um das Festival im März. Hoffentlich klappt das. Christian Eckert, mit dem ich vor fünf Jahren Sapporo gegründet habe, kenne und schätze ich als Freund und Kollegen, seit ich wieder in Deutschland bin. Auch er hat in Holland studiert wie die meisten anderen Musi­ ker, mit denen ich arbeite. Unter uns „Holländern“ gibt es musikalisch wie menschlich eine ganz starke Bin­ dung. Jazz hat dort, auch bereits in der Ausbildung, doch wesentlich mehr Tiefgang, als ich das in Deutschland oft erlebe. Christian kann wunderschön begleiten, hat ein sehr gutes Timing, einen klasse Gitarrensound, der seinesgleichen sucht, und immer kreative Ideen – am Puls der Zeit. Auf welche Weise nähern Sie sich in Ihrem Programm den Werken Kurt Weills und wie binden Sie diese in Ihr Gesamtkonzept ein? Kurt Weill hat mit seiner Musik immer großen Einfluss gehabt auf das Standardrepertoire der Jazzmusiker; er ist sicher einer der meist gespielten Komponisten. Dann war er selbst auch ein Innovator, zudem ein politischer Mensch, der damals Opern, Musicals und vieles mehr komponiert hat – einfache, gesangliche Melodien – und mit entsprechender „Jazz­Harmonik“ versah. Innovativ mit den neuen Gegebenheiten umgehen, offen zu sein für Neues – genau das versuchen wir heute zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch zu sein. Wie oben beschrie­ ben, wird Kurt selbst in unseren neuen und den alten – neu arrangierten –Kompositionen als Sänger, Pianist und Schlagzeuger auftreten. Die Fragen stellten Stefanie Neumaier und Celia Solf

Ulli Jünemann

Christian Eckert

van Rooyen und John Marshall konzertierte. Ulli Jüne­ mann spielt regelmäßig mit Markus Fleischer und Adam Nussbaum und mit eigenen Formationen wie dem Euro­ pean Groove Orchestra. Er ist Dozent am Konservatori­ um in Mainz. Christian Eckert Der Jazzgitarrist hat in Hilversum und Zwolle studiert und lebt seit 1995 wieder in Deutschland. Ein Stipendi­ um führte in 1992 nach New York, wo er neben Gigs mit dem Dizzy Gillespie­Pianisten Ray Bryant auch regel­ mäßig in Manhattans Jazzclubs auftrat. Die Zeitschrift Jazzthing bezeichnete ihn als einen der zehn internati­ onal talentiertesten Gitarristen. Er spielt sowohl elek­ tronisch als auch akustisch in eigenen Bands und ver­ schiedenen Formationen wie dem Quartett fritz & gans mit dem Saxofonisten Steffen Weber oder im Trio mit dem New Yorker Keyborder Garry Versace und dem Perkussionisten Matthew Jorgensen. Jasper van’t Hof erlernte als Kind eines Jazztrompeters und einer Sänge­ rin schon früh das Klavierspielen. Bereits als 19­jähriger trat er bei Jazzfestivals auf und erhielt erste Preise. Seit 1969 schuf er am Elektropiano mit der Gruppe Associa­ tion P.C. neue Klangästhetiken im Jazz und hob mit der 1973 von Charlie Mariano gegründeten Band Pork Pie die Grenzen zwischen Jazz und Rock auf. 1976 brachte Jas­ per van’t Hof sein erstes Soloalbum heraus und hat seit­ dem mit Größen wie Archie Shepp, Wolfgang Dauner, Trilok Gurtu und Zbigniew Seifert gespielt. 1984 gelang ihm mit Pili Pili der Durchbruch. Der legendäre Viertel­ stunden­Hit, der Album und Band den Namen gab, wur­ de auch in der Dance­ und Popszene gespielt, und bis heute tourt der Jazzpianist mit dem Projekt, das euro­ päischen Jazz, afrikanische Musik und tanzbare Grooves verbindet. Jasper van’t Hof hat rund siebzig Alben veröf­ fentlicht und betreute bis 2007 an der Hochschule für Musik in Basel den Studiengang Performance.

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11.00 Uhr, Kinderkonzert im Johannbau (Museum für Stadtgeschichte Dessau)

„Julius - der Flötenspieler“ (siehe Seite 43)

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15.00 Uhr, Führung im Bauhaus Dessau

„Die Bauhauskapelle“ (siehe Seite 22)

Ulli Jünemann absolvierte seine Ausbildung zum Jazzsaxofonisten 1991 bis 1999 in Amsterdam und Den Haag. Er spielte in den 1990er Jahren in Big Band Projekten mit Kenny Wheeler und konzertierte als Mitglied des Vancouver International Jazzorchestra mit Phil Nimmons. 1999 erschien die erste CD des Ulli Jünemann / Morten Gin­ nerup European Jazz Project, das seitdem u.a. mit Ack

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Samstag, 07.03.2009 V33

15.00 Uhr, Konzert im Palais Dietrich

Flautando Köln Flautando Köln Katharina Hess, Susanne Hochscheid, Ursula Thelen, Kerstin de Witt Anonymus (Italien 14. Jahrhundert) Tre Fontane Lamento di Tristano Saltarello William Byrd (1543–1623) Fantasia à 4 Sermone Blando Pete Rose (*1942) Tall P. Kurt Weill (1900–1950) Surabaya­Johnny Seeräuberjenny Dizzie Gillespie (1917–1993) A Night in Tunisia (Arr. Hans Fickelscher) Diego Ortiz (1510–1570) Recercada primera Recercada quinta Recercada segunda

me als Vorbild für Ausdruck und Tongestaltung ansah. Auch die Recercada des Diego Ortiz, Komponist am Hofe der spanischen Vizekönige in Neapel, basieren auf einer Vokalmelodie, einem vokalen Cantus firmus, den sie spielfreudig­improvisatorisch und kontrapunktisch „verarbeiten“. William Byrd vertritt die englische Renais­ sance und zugleich die Blütezeit der englischen Musik­ geschichte. Auch Byrds Instrumentalmusik besitzt noch die enge Bindung an vokale Vorlagen. Pause Die Moderne ist in diesem Programm sehr unter­ schiedlich vertreten. Debussys The Little Shepherd Marco Uccelini (1603–1680) (Der kleine Schafhirte) ruft förmlich nach der hitzeflir­ Aria sopra La Bergamasca renden Sinnlichkeit der Blockflöte und seine Serenade John Playford (ca. 1651–1721) for the Doll (Serenade für die Puppe) ist mit ihrer gra­ The 29th of May ziösen Verspieltheit auch in den besten Händen bei The Bonny Broom einem kapriziösen Blockflöten­Quartett. Das Arrange­ Pall­Mall ment über Dizzie Gillespies A Night in Tunisia und die Kurt Weill Komposition von Pete Rose decken den Bereich des Jazz Youkali ab. In der zeitgenössischen Komposition Jan Rokytas Claude Debussy (1862–1918) kehrt die Blockflöte zu einer ihrer wichtigen Ursprünge, The Little Shepherd der Folklore, zurück. Rokytas Balkanology will mit der Serenade for the Doll Kombination von Melodien rumänischer Zigeuner und Jan Rokyta jr. (*1938) türkischen Melodien, den typischen, unregelmäßigen Balkanology Rhythmen des Balkans und freien Improvisationen die Zuhörer und das Ensemble „von den Stühlen reißen“. Im Mittelpunkt beider Programmhälften erklingen Lieder Eine aufschlussreich­amüsante Charakterisierung der von Kurt Weill erstmalig in der Bearbeitung für Gesang Flöte und ihrer heilsamen Wohltätigkeit gibt der alt­ und Blockflötenensemble. griechische Dichter Plutarch: „Die Flöte besänftigt die Geister und dringt mit einem solch süßen Ton ins Ohr, Flautando Köln dass sie Ruhe und Frieden aller Bewegungen bis in Das Flötenensemble besteht seit 1990. Die Mitglieder die Seele trägt. Und sollte noch irgendein Kummer im Katharina Hess, Susanne Hochscheid, Ursula Thelen und Gemüt verbleiben, eine Sorge, die der Wein nicht tilgen Kerstin de Witt erhielten ihre künstlerische Ausbildung konnte, so schläfert sie ein, und lindert sie kraft ihrer u.a. in Amsterdam, Hamburg und Köln. Mit einem brei­ liebenswerten Anmut, vorausgesetzt, dass sie sich an ten Repertoire vom Mittelalter bis zur Moderne, ausge­ ein bescheidenes Spiel hält und die Seele nicht mit all­ fallenen Konzertprogrammen und einem ständig größer zu vielen Noten und Passagen erregt und entflammt, werdenden Instrumentarium gastieren die Musikerinnen wodurch sie geschwächt würde und des Weines wegen bei namhaften europäischen Festivals, u.a. beim Schles­ leicht zu Fall kommen könnte.“ wig­Holstein Musikfestival, den Tagen Alter Musik in Ein Blick aufs Programm lässt leicht erkennen, in wel­ Berlin und in Herne, den Dresdner Musikfestspielen, bei chen Epochen die Blockflöte sich besonderer Wert­ der International Music Exhibition London, dem Festival schätzung erfreute. Aus der Renaissance sind beispiels­ de Musique ancienne in der Schweiz und dem Musikfes­ weise zahlreiche zeitgenössische Quellen überliefert, tival Mitte Europa. Regelmäßig erarbeitet das Quartett die die Musik und die Instrumente jener Zeit gut doku­ auch mit anderen Musikern gemeinsame Konzertpro­ mentieren. Die älteste Blockflötenschule stammt aus gramme. Flautando Köln hat bei zahlreichen Rundfunk­ dem Jahre 1535, von einem gewissen Ganassi, Musiker aufnahmen mitgewirkt und mehrere dem Ensemble an San Marco in Venedig, der die menschliche Stim­ zugedachte Kompositionen uraufgeführt.

CD-Tipps Flautando Köln La Spiritata 2 AM 1422­2 Flautando Köln Torsten Müller Musica Hispanica AM 1367­2 www.flautando-koeln.de

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Samstag, 07.03.2009 V34

17.00 Uhr, Tanztheater im Anhaltischen Theater Dessau

„TANGO PALAST“ WIEDERAUFNAHME VOM KURT WEILL FEST 2007

Künstlerische Gesamtleitung / Choreografie: Gregor Seyffert Musikalische Leitung: Lothar Hensel (1. Teil) / GMD Golo Berg (2. Teil) Bühnenbild: Gregor Seyffert, Matthias Wulff Kostüme: Gabriele Kortmann Filmproduktion: Curuba Media Dessau Probenleitung: Heike Keller Ballettrepetitor: Mario Sollazzo Tango-Coaching: Duo Stravaganza Gregor Seyffert Compagnie Dessau | Anhaltisches Theater Aqua Oc.: Gabriele Rolle Helly B. Lau: Tiana Hogan Neutrinus Zero: Mu­Yi Chen Burgunde Walz­Schlüpp: Sandra Resende Anaiis Enortiz´: Gemma Poulton Inaiis Enortiz´: Ksenia Pogorilyak Blu Lulu: Denise Evrard Gustav: Gregor Seyffert G.G. Grien: Daler Burkhanov D’Red Marredcho: Denislav Kanev General Rott Hack: Alexander Mateev Monte Cobald zu Azur: Enrico Palvarini Dottrich Kück Egg (Dotti): Mac­Dennis Dao Orquesta Típica (1. Teil) 1. Violine: Myra van Campen­Bálint 2. Violine: Alexander Usunov Viola: Claudia Michaelsen Violoncello: Maurice Lepetit Klavier: Stefan Kozinski Bandoneon: Lothar Hensel Kontrabass: Oliver Potratz Bandoneon und Arrangements: Lothar Hensel (1. und 2. Teil) Anhaltische Philharmonie Dessau (2. Teil) Sounddesign: Michael Pregler (3. Teil)

1. Teil Kurt Weill (1900–1950) Tango­Ballade1 Lothar Hensel (*1961) Fantasia sobre un choclo Carlos Di Sarli (1900–1960) Milonguero viejo* Rosita Melo (1897–1981) Desde el alma* Gerardo Matos Rodríguez (1897–1948) La Cumparsita* Astor Piazzolla (1921–1992) Tanti Anni Prima Julio César Sanders (1897–1942) Luna de arrabal* Astor Piazzolla Melancólico Buenos Aires*2

Kurt Weill Youkali*3 2. Teil Kurt Weill Tango­Ballade*1 Astor Piazzolla Tangazo4 Libertango*5 Michelangelo 70*4 Oblivion*4 Tanguedia III *4 Kurt Weill Youkali*3 3. Teil Kurt Weill Tango­Ballade** Bajofondo Tangoclub Exodo II Gotan Project Domingo Elbtonal Percussion Bazar Gotan Project la del ruso Santa Maria Kurt Weill Youkali

Szenenausschnitte aus Tango Palast

Keine Pause * Bearbeitungen Lothar Hensel ** Bearbeitung Tino Müller (wehkah) 1 © Universal Edition AG Wien 2 © Editions Universelles 3 © Editions Heugel Paris 4 © Tonos Music GmbH Darmstadt 5 © 1975 by Editioni Curci S.r.l., Milano/A. Paganini S.r.l. Lipomo (Italy) Mit freundlicher Genehmigung der Curci Germany GmbH

Ein Abendprogramm zu dieser Produktion erhalten Sie im Anhaltischen Theater Dessau Koproduktion des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Anhaltischen Theater Dessau und der Gregor Seyffert Compagnie Dessau Mit freundlicher Unterstützung der Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt

Ein Gespräch mit Gregor Seyffert Der Abend verspricht einen Streifzug durch über 80 Jahre Tangogeschichte – weltweit. Welches waren für Sie die spannendsten Entdeckungen bei Ihren Recherchen über den Tango? Interessant war in jedem Fall zu erfahren, in wie viele Facetten und Stränge der Tango mittlerweile ausgeufert ist und dass er sich bei den heutigen Adaptionen viel mehr vom klassischen Bandoneonspiel und der „melan­ cholisch getanzten Leidenschaft“ abhebt – obwohl der finnische Tango beispielsweise noch sehr mit den Zita­ ten des melancholisch geprägten argentinischen Tango arbeitet, wenngleich viel entrückter und skurriler. Selbst russischer und japanischer Tango treiben die wunder­ vollsten Blüten und drücken auf ihre Weise die Gefüh­ le und Interpretationen dieser Nationen aus. Besonders spannend fand ich, welche Wurzeln der Tango hat: Sie

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Kurt-Weill-Gesellschaft e.V.

Auch Sie können die Arbeit der Kurt­Weill­Gesellschaft e.V. unterstützen. Der gemeinnützige Verein, gegründet 1993 in Dessau, veranstaltet jährlich das Kurt Weill Fest und hat sich zur Aufgabe gestellt, „das Andenken Kurt Weills in seiner Geburtsstadt auf jede geeignete Weise zu erhalten“. Mittler­ weile hat die Gesellschaft rund 250 Mitglieder aus vier Kontinenten. Unterstützen Sie unser Engagement mit Ihrer Mitgliedschaft, denn nur mit starken und verlässlichen Partnern läßt sich das Kurt Weill Fest realisieren. Und außerdem haben Sie als Mitglied die Möglichkeit, vor dem offiziellen Vorverkaufsbeginn Karten für das Kurt Weill Fest zu erwerben.

Nähere Informationen finden Sie auf Seite 75 und unter www.kurt­weill­gesellschaft.de

Tel: 0340 . 619595


liegen in der Milonga, die usprünglich aus Afrika kommt und später sogar als „Schwarze Musik“ verboten wurde. Milonga wurde daraufhin verändert; der Tango ist die quasi verlangsamte Milonga. Welche Rolle spielt Kurt Weills Tangomusik in Ihrem Programm? Weills Musik hat mir den entscheidenden Impuls gegeben, mich überhaupt mit dem Tango zu beschäfti­ gen. Seine berühmtesten Tangostücke werden die Akte jeweils ein­ und ausläuten. Dabei interessieren mich besonders die Veränderungen, die sich bei der Inter­ pretation über einen Zeitraum von 80 Jahren Tango­ geschichte zwangsläufig einstellen. Das zeige ich und somit bleibt Weill 2008 für mich hoch aktuell. Tangotanzende in einem Ballsaal sind die Protagonisten auf dieser Reise durch die Geschichte. Welche Charaktere gibt es und wie ändern sie sich über die Jahre? Die Charaktere der Figuren sind – neben der Reise durch die Geschichte des Tango – das ganz Spezielle an dem Abend, die eigentlichen, würzigen Zutaten: Der Tangopalast wird von 12 skurrilen Gestalten bevölkert, mit Eigenheiten, die nur eine „Burgunde Walz­Schlüpp“ oder ein „Dottrich Kück Egg“ alias „Dotti“ haben kön­ nen. Sie erleben eine Geschichte des Tango mit all den Neuerungen und Entwicklungen, denen er unterworfen war. Sie sind ebenso den Veränderungen der Jahre unter­ worfen und reagieren darauf auf ihre eigene Weise. Wir beginnen mit einem quasi „Salon Orchester“ im Stil der 1920er Jahre, im zweiten Teil kommt Piazzollas Tango Nuevo mit großem Orchester zum Tragen und wir lan­ den im dritten Teil im Jahr 2008 oder in der Zukunft, in der der Tango längst nicht mehr original und ordentlich gespielt, sondern „frei“ und „wild“ mit anderen Musik­ stilen zu einer Überdosis gemixt wird. Der Tango ist einem festen Regelwerk unterworfen, Ihr freier Tanz ist das nicht, zumindest nicht in dieser strengen Form. Wie gehen Sie mit diesem Kontrast um? Wir interpretieren die Tangoschritte dem jeweiligen Zeitgefühl entsprechend, denn auch Tangoregeln sind einer zeitlichen Veränderung und Entwicklung unter­ worfen. 2008 tanzt man diesen Tanz anders als 1920. Mich interessieren diese Regeln, weil sie danach dürs­ ten, gebrochen zu werden. Zu Beginn der Probenarbeit galt die ganze Aufmerksamkeit dem Erlernen und Verin­ nerlichen der Regeln, um das Wesen des Tango zu ver­ stehen. Aber mit jedem Tag durchbrachen die Eigenar­ ten der Figuren dieses Schema mehr und mehr. Diese Figuren, die sich nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens geaalt haben, bewegen sich anders durch die Welt des Tango, als es ein Tangotänzer in Ausübung seiner Kunst jemals tun würde. Das Gespräch führte Damaris Schmitz

Gregor Seyffert zählt zu den interessantesten und ausdrucksstärksten Tänzern seiner Generation. Die Auszeichnung mit dem Deutschen Tanzpreis 2003 bil­ det dabei nur einen weiteren Höhe­ punkt einer Biografie, die sich liest wie ein tänzerischer Wunschzettel: 1986 gewann er, noch als Ausbil­ dungsschüler bei Martin Puttke, den Prix de Lausanne d’Or. Von der Schule ging er direkt ins Solo­Engagement

an die Komische Oper Berlin (1987 bis 2000). Außer­ halb der Oper arbeitet Gregor Seyffert eng mit seinem Vater Dietmar Seyffert zusammen. 1990 kreierte dieser für ihn das Solo Clown Gottes, das die 1996 gegründete Gregor Seyffert & Compagnie als deutschen Kulturbei­ trag zu den Olympischen Spielen nach Atlanta führte und 2002 für das Fernsehen verfilmt wurde. 1997 erhielt Gregor Seyffert als erster deutscher Tänzer überhaupt den Prix Benois de la Danse / Unesco den „Oscar der Tanzwelt“, der ihn zum weltbesten Tänzer des Jahres kürte. 2004 wurde er zum künstlerischen Direktor der Gregor Seyffert Compagnie Dessau | Anhaltisches The­ ater ernannt.

Kostümbildentwürfe von Gabriele Kortmann

Golo Berg (siehe Seite 11) Lothar Hensel kommt wie das Bandoneon vom Niederrhein. Er studierte das Instru­ ment in Buenos Aires und Paris bei berühmten Tangomusikern. Heute ist er weltweit einer der gefragtes­ ten Bandoneonsolisten. Er spielte mit vielen renommierten Orches­ tern unter anderem mehrfach mit den Berliner Philharmonikern. Durch das Arrangieren für verschiedenste Formationen entdeckte Lothar Hen­ sel das Komponieren für sich. Zunächst waren es Werke für seine eigenen Ensembles, denen schnell Komposi­ tionen für große Orchester folgten. Die Uraufführung seiner Komposition tangomania für die Jenaer Philhar­ monie wurde von DeutschlandRadio live übertragen. Für sich selbst schrieb er das Bandoneonkonzert, das traditionelle Tangoelemente mit denen moderner Musik vereint.

Neutrinus Zero

Mathias Wulff In Leipzig geboren und in Berlin aufgewachsen, absolvierte Mathias Wulff zunächst eine Tischlerlehre und studierte anschließend an der Fachschule für Angewandte Kunst Heiligendamm Innenarchitektur und Möbeldesign. Als Bühnenbildassis­ tent arbeitete er am Berliner Ensem­ ble u.a. für Fritz Marquardt und Heiner Müller. Weitere Projekte realisierte er für den Tränenpalast Berlin und die Freien Kammerspiele Magdeburg. Seit 2005 ist er als Ausstattungsassistent und als Kostüm­ und Bühnenbild­ ner am Anhaltischen Theater Dessau tätig. Gabriele Kortmann wurde in Bremen geboren. Sie absolvierte eine Schneiderlehre und arbeitete im Anschluss daran als Kostümbildassistentin an zahl­ reichen Theatern. Seit 1990 arbeitet sie als freiberufliche Kostümbildne­ rin mit dem Schwerpunkt Zirkus und Varieté in Deutschland, Frankreich und der Schweiz u.a. mit André Heller, Bernhard Paul, Tom Ryser und Thomas Weber­Schallauer zusammen. D’Red Marredcho

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Ihr t채glicher Begleiter.


Samstag, 07.03.2009 V35

19.00 Uhr, Musiktheater / Podium junger Künstler in der Marienkirche Dessau

„Das Wachsfigurenkabinett“ & „Berliner Requiem“ Musikalische Leitung: Errico Fresis Inszenierung: Karoline Gruber Bühne / Kostüme: Marion Fresis Choreografie: Daniela Jordan Maske: Anne­Claire Meyer Licht: Arndt Sellentin Musikalische Einstudierung / Korrepetition: Thorsten Kaldewei (Studienleiter), Christian Peix, Sophie Hoffmann Regieassistenz / Inspizienz: Marei Gatemann Bühnen- und Kostümassistenz: Laura Stroszeck PanArte Ensemble Flöte: Ageliki Soussoura Oboe: Wei Yi Lee Klarinette: Evelin Achtenhagen, Yuriy Nepomnyashehyy Fagott: Lou Paquin Saxofon: Miriam Dir, Lea A.S. Tullenaar Horn: Lars Mechelke Trompete: Christian Syperek, Martin Trabandt Posaune: Arwed Peemöller, Sebastian Bell Gitarre: Shterion Urumov Schlagzeug: Marc Mödig, Robert Stock Klavier: Thorsten Kaldewei, Sophie Hoffmann, Christian Peix Das Produktionsteam dankt der Musikerbörse für die Zusammenarbeit.

Berliner Requiem Kleine Kantate für Tenor, Bariton, Bass und Blasorchester Musik: Kurt Weill Text: Bertolt Brecht Solisten: Kai Ingo Rudolph (Tenor), Gyung Seok Han (Bariton), Arthur Pivu (Bass) Ballade vom ertrunkenen Mädchen Epitaph – Die rote Rosa Erster Bericht über den unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen Zweiter Bericht über den unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen Zu Potsdam unter den Eichen (rekonstruiert von Walter Goehr) Großer Dankchoral – Lobet die Nacht Pause Das Wachsfigurenkabinett Fünf kleine Opern Musik: Karl Amadeus Hartmann Text: Erich Bormann Leben und Sterben des heiligen Teufels Rasputin: Tobias Kehrer Magd und Frau: Anna Retczak

Felix, Herr, 1. Verschwörer: Teimuri Meskhoradze Großfürstin: Hannah Kim 2. Verschwörer: David Arnsperger

Probenfoto Chaplin-Ford-Trott

Der Mann, der vom Tode auferstand Der Reiche: Tobias Kehrer Anführer: Lianghua Gong Ensemble: Lianghua Gong, Matthias Krebs, Michael Rapke, Stefan Labenz, Ana Maria Pinto Frauenstimme: Isabelle Vilmar Chaplin­Ford­Trott Charlie Chaplin: David Arnsperger Henry Ford: David Arnsperger Dorothy: Nora Lentner Jim: Minsub Hong Ein Blinder: Matthias Krebs Ältere Dame: Anna Retczak Kassenbote: Stefan Labenz Miss Vera Bancoft: Seong­Hee Park Junge Amerikanerin: Nora Lentner Ensemble: Minsub Hong, Matthias Krebs, David Arnsperger, Stefan Labenz Fürwahr…?! Vater: Tobias Kehrer Sohn: Michael Rapke Schutzmann: Matthias Krebs Frau: Ana Maria Pinto Die Witwe von Ephesus Bürgermeister: Stefan Labenz Henker und Wächter: Tobias Kehrer Er: Matthias Krebs Sie: Isabelle Vilmar Katze: Ana Maria Pinto Zylinder: Lianghua Gong, Michael Rapke Aufführungsrechte: Das Berliner Requiem: © Universal Edition AG Wien; Wachsfigurenkabinett: © Schott Music GmbH & Co KG, Mainz

Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit der Universität der Künste Berlin, Studiengang Gesang/ Musiktheater Die Veranstaltungsreihe Podium junger Künstler wird präsentiert von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Sachsen­Anhalt.

www.musikerboerse-berlin.de

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Biografie Karl Amadeus Hartmann 1905 geboren am 2. August in München 1924–1929 Posaunen­ und Kompositionsstudium an der Staatlichen Akademie der Tonkunst in München 1928 Aufführung erster Werke, Bekanntschaft mit Hermann Scherchen 1929/30 Arbeit am Wachsfigurenkabinett 1933 Orchesterwerk Miserae als Ausdruck des Protestes gegen den Nationalsozialismus, Aufführungsverbot und innere Emigration 1934/35 Simplicius Simplicissimus, Oper nach Szenarium von Hermann Scherchen 1935/36 1. Sinfonie 1939 Concerto funèbre 1941/42 Studium bei Anton Webern in Österreich 1945 Klaviersonate 27. April 1945 in Gedenken an Todesmarsch der Häftlinge des KZ Dachau seit 1945 Dramaturg der Bayerischen Staatstheater; Initiierung der Konzert­ reihe Musica Viva für zeitgenössische Musik; Überarbeitung der eige­ nen Werke Seit 1948 zunehmende Anerkennung seines Werkes; hochrangige Auszeichnungen 1960/61 Mittelsatz Ghetto des Zyklus Jüdische Chronik, Gemeinschaftswerk mit Henze, Blacher, Dessau und Wagner­Régeny 1963 Uraufführung der 8. Sinfonie stirbt am 5. Dezember

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Dass der Münchner Komponist Karl Amadeus Hart­ mann (1905–1963), der vor allem als Sinfoniker in die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts einging, ausge­ rechnet mit musiktheatralischen Arbeiten begonnen hatte, war die Überraschung des Jahres 1988. Damals wurde – lange nach dem Tod des Komponisten und fast sechs Jahrzehnte nach seiner Entstehung – das Wachsfigurenkabinett, eine Folge von fünf Kurzopern, im Rahmen der von Hans Werner Henze konzipierten ersten Münchener Biennale erstmals komplett auf die Bühne gebracht. Zusammen mit der Anti­Kriegsoper Simplicius Simplicissimus von 1934/35 bildet es Hart­ manns schmalen Beitrag zur Gattung des Musikthe­ aters, welche ihn in seiner frühen musikalischen Ent­ wicklung jedoch entscheidend prägte. Seine ersten kompositorischen Gehversuche unternahm er mit den Kurzopern (vorher hatte er kaum etwas komponiert), und sein erstes Meisterwerk – der Simplicissimus – war ebenfalls eine Oper. Am Wachsfigurenkabinett hatte der damals 24­jäh­ rige von Anfang 1929 bis zum Sommer 1930 auf Initia­ tive von Erich Bormann (dem auch die Libretti zu ver­ danken sind) und Max See gearbeitet, die gemeinsam an der Bayerischen Staatsoper ein Opernstudio unter­ hielten. 1930 kam es zu einer einmaligen Aufführung von Leben und Sterben des heiligen Teufels, woraufhin das Theater der Stadt Münster Interesse an der Pro­ duktion aller fünf Kurzopern signalisierte, die jedoch wegen Finanzierungsproblemen in Folge der Weltwirt­ schaftskrise nicht zustande kam. Während der Nazi­ zeit hätte das Werk ohnehin keine Aufführungschance besessen, und schließlich trat es auch für den Kompo­ nisten selbst in den Hintergrund, so dass es nicht mehr vollendet wurde (nur Leben und Sterben des heiligen Teufels und Die Witwe von Ephesus waren fertig). Für die Münchner Erstaufführung am 29. Mai 1988 hatten also die Skizzen vervollständigt und Aufführungsver­ sionen der Stücke erstellt werden müssen. Das taten Henze selbst (Fürwahr…?!), Henze und Günter Bialas (Der Mann, der vom Tode auferstand) und Wilfried Hiller (Chaplin­Ford­Trott) – alles renommierte Kom­ ponisten, die Hartmann menschlich und künstlerisch nahe gestanden hatten. Seit dieser ersten kompletten Aufführung findet das Wachsfigurenkabinett immer wieder seinen Weg auf die Bühne, denn obgleich Hart­ manns Kurzopern zeitgeschichtlich hochinteressante Dokumente der späten 1920er Jahre sind, so thema­ tisieren sie doch Fragestellungen, welche den Men­ schen unserer Zeit ebenso beschäftigen. In den sozial­ kritisch­satirischen Textvorlagen werden bestimmte Lebenssituationen schlaglichtartig beleuchtet und die Personen typisiert; die Stücke bieten distanzierende, mal ins Komische gewendete, mal aber auch ein wenig lehrhafte Darstellungen von Typen ohne Entwicklung – die aus diesem Grunde also tatsächlich wie Wachs­ figuren wirken. Die von Hartmann gewählte Form der Kurzoper war in den 1920er Jahren äußerst beliebt, und die Reduk­ tion der technischen Mittel aufs gleichsam „Transpor­ table“ war ebenfalls eine Zeiterscheinung – vor allem Igor Strawinskys Geschichte vom Soldaten (1918) dürf­ te als Vorbild gedient haben. Dazu kommen die spar­ same instrumentale Besetzung und der Griff zu unter­ haltungsmusikalischen Formen der Zeit wie Walzer, Foxtrott, Tango oder Marsch und zum Jazz. In Form einer Moritat thematisiert Leben und Sterben des hei­ ligen Teufels den am Zarenhof quacksalbernden und

politisierenden Mönch Grigori Rasputin, der von den einen als Heiliger vergöttert und von den anderen – die ihm vor allem sein zügellosen (Liebes)Leben vorhalten – als abscheulicher Verbrecher umgebracht wird. Der Mann, der vom Tode auferstand – ein reicher Unternehmer, der die Übertragung einer Revolutions­ oper im Rundfunk für bare Münze nimmt und um sein Leben fürchtet, bis ihn seine Frau aus dem Alb­ traum schellt. Die Oper nimmt das vorweg, was 1938 – ein knappes Jahrzehnt später – in der Rezeption von Orson Welles’ Hörspiel Der Krieg der Welten (nach dem gleichnamigen Roman von H.G. Wells) tatsäch­ lich Geschichte machte: Hielt man das Hörspiel doch für eine authentische Reportage und befürchtete tat­ sächlich einen Angriff Außerirdischer – ein vom ersten elektronischen Massenmedium des 20. Jahrhunderts produzierter medialer Wahn. Im Chaplin­Ford­Trott werden die Vereinigten Staa­ ten im Spannungsfeld zwischen dem Traum vom „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ und den Trugbildern des „American Way of Life“ aufs Korn genommen. Als Musterbeispiele werden der Komödiant Charles Chaplin und der Automobilhersteller Henry Ford prä­ sentiert. Der arme Jim und die reiche Dorothy finden – Amerika macht’s möglich! – zueinander (oder doch etwa nicht?). Die reizende Miss Bancroft, die ihren rei­ chen, aber langweiligen Ehemann erschossen hat, wird freigesprochen. Und an einem blinden Bettler schaut man vorbei... In einem burlesken „gespielten Witz“ wollen zwei Betrunkene die gleiche Haustüre aufschließen. Jeder hält den anderen für einen Einbrecher, Räuber, Mör­ der... Nicht einmal der Schutzmann kann helfen; nur Frau Meyer: der eine ist ihr Mann, der andere ihr Sohn, „doch wenn sie vollgesoffen sind, dann kennen sie sich nicht.“ – Fürwahr...?! eine kuriose Szene! Eine Erzählung aus dem Satyricon des Petronius, einer bissigen Gesellschaftssatire aus der Zeit des römischen Kaisers Nero, wird schließlich in der Witwe von Ephesus aufgegriffen; dabei werden menschliche Gefühle in ihrer Austauschbarkeit und Hohlheit vorge­ führt: Ein Mann wird gehängt, will aber leben. Die Wit­ we will sterben, weil sie keinen Mann mehr hat. Aus nahe liegenden Gründen passen beide hervorragend zueinander. Der Leichnam des verblichenen Gemahls wird an den Galgen gehängt und Mann und Frau finden alsbald zusammen – im wahrscheinlich kürzesten Lie­ besduett der Operngeschichte: „Jetzt schnell ein Lie­ besduett und dann ins Bett!“ Ähnlich knapp und gelegentlich auch ähnlich ironisch kommen Kurt Weill und Bertolt Brecht in den Songs des Berliner Requiem zur Sache, das im Winter 1928, kurze Zeit vor Hartmanns Wachsfigurenkabinett, ent­ stand und am 22. Mai 1929 im Rundfunk erstaufge­ führt wurde. Ähnlich sind auch Besetzung, Thematik und musikalische Form, die hier zwischen schlagerhaf­ ter Marsch­Idiomatik und jazz­harmonisiertem Song­ stil changieren. Und auch dieses Werk geriet – da die im Anschluss an die Uraufführung geplante Veröffent­ lichung scheiterte – lange Jahre in Vergessenheit, bis es 1967 publiziert wurde. Das als Komposition für den Rundfunk entstandene Stück knüpfte an Weills erste gemeinsame Arbeit mit Brecht – das 1927 entstande­ ne Mahagonny­Songspiel – an. Wie dort wurde auf fertige Gedichte zurückgegriffen, die allesamt bereits unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg entstanden


und teilweise unpubliziert, teilweise aber auch bereits veröffentlicht waren. Einige davon kommen sogar aus der gleichen Quelle wie das Songspiel, der 1927 erschienenen Hauspostille. Alle Songtexte beschäfti­ gen sich mit dem Tod; sie thematisieren ihn allerdings auf recht profane Weise und ohne jegliche Verklärung. An den gerade zehn Jahre zurückliegenden Weltkrieg wird ebenso erinnert wie an die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Dabei verharren sie in einem fast reportageartigen, trocken­epischen Stil und zeigen den Tod in seiner ganzen Grausamkeit. Dass Weill sein Berliner Requiem im Zusammenhang mit der Rundfunkübertragung als „ein ernstes unironi­ sches Werk“ bezeichnet hatte, dürfte als Reaktion auf die Zensurvorgänge zu verstehen sein. Gegen Ende des Jahres 1928 hatte er es noch als Folge von Stü­ cken „teils feierlich tragischen, teils ironischen Charak­ ters“ beschrieben. Im Vordergrund der ironischen Teile stand offensichtlich der Marsch Zu Potsdam unter den Eichen, der – gewissermaßen als Akt der Selbstzensur – für die Rundfunkübertragung gestrichen worden war; in allen späteren Fassungen ist er wieder enthalten. Er ist durchaus nicht nur der ironischste, sondern auch der am direktesten satirisch­sozialkritischste Song des Berliner Requiem. Guido Johannes Joerg

Errico Fresis ist seit 2003 Professor für Gesang / Musiktheater an der Universität der Künste Berlin. Zuvor war er stellver­ tretender Generalmusikdirektor des Freiburger Theaters. Er hat inter­ nationale Ensembles in zahlreichen Konzerten und Rundfunkaufnahmen geleitet, wie z.B. das Sinfonieorches­ ter der BBC, ensemble recherche, Klangforum Wien und das Radiosinfonieorchester Athen. Errico Fresis hat u.a. an der Stuttgarter Staatsoper, dem Teatro Massimo Bel­ lini in Catania, dem Nationaltheater Mannheim, dem Staatstheater Nürnberg, dem Staatstheater Weimar, der Alten Oper Frankfurt und dem Grazer Opernhaus gearbeitet. Weiterhin dirigierte er auf Festivals wie dem Edinburgh International Festival, der Hannoverschen Biennale für Neue Musik, dem Festival für Alte Musik des WDR und den Musiktagen Hitzacker. Karoline Gruber Nach dem Studium in Wien begann ihre internationale Karriere mit dem Erfolg von Haydns Il Mondo della Luna bei den Innsbrucker Festwo­ chen 2001 und an der Staatsoper Berlin mit dem Dirigenten René Jacobs. 2003 folgte Monteverdis L'Incoronazione di Poppea an der Hamburgischen Staatsoper, wo sie seither regelmäßig Regie führte. Es folgten u.a. Arbeiten an der Sächsi­ schen Staatsoper Dresden, der Wiener Staatsoper, der Opern in Leipzig und Lissabon. In Japan inszenierte sie 2005 Zemlinskys Florentinische Tragödie mit Puccinis Gianni Schicchi und 2008 Strauss’ Salome, eine Produk­ tion, die ab März 2009 am Teatro Sao Carlos Lissabon gezeigt wird. Seit 2005 ist Karoline Gruber Professorin an der Universität der Künste Berlin.

Marion Fresis ließ sich zunächst in Weimar und Stockholm zur Architektin ausbilden und schloss ein Bühnen­ und Kos­ tümbildstudium in Berlin an. Sie war Ausstattungsassistentin am Staats­ schauspiel Dresden und am Staats­ theater Braunschweig und ist seit 2003 als selbstständige Gestalterin tätig. Marion Fresis entwarf Bühne und Kostüme u.a. für Martin Suters Über den Dingen in Braunschweig und zuletzt für Mozarts Le nozze di Figaro beim Opernfesti­ val Ponte de Lima in Portugal. Daniela Jordan Die Choreografin machte Anfang der 1970er Jahre eine Tanzlehrerin­ nenausbildung und arbeitete bis 1985 an Tanzschulen. Seit 1982 unterrich­ tet sie Studierende der Studiengän­ ge Schauspiel, Musical, Gesang und Musiktheater an der UdK Berlin und begleitete sie bei Bühnenprojekten. Sie hat Choreografien in diversen Filmproduktionen und für Theaterinszenierungen gestaltet sowie einen 10­tägi­ gen Fernseh­Tanzkursus mit Thomas Gottschalk für das ZDF produziert. Sie arbeitet regelmäßig mit Tanzlehrern in Japan und lehrt seit 1995 in Seminaren Business­Eti­ kette und zeitgemäße Umgangsformen. David Arnsperger begann eine klassische Gesangsausbildung 2004 bei Hanno Müller­Brachmann. Erste Erfahrungen sammel­ te der Bariton 2006 als Mozart in der UdK Produktion Mozart unGENIErt und weiteren Opernproduktionen der UdK. Seit 2007 ist David Arnsperger in der Klasse von Ute Trekel­Burckhardt. Lianghua Gong besuchte von 2001 bis 2005 die Kunsthochschule Guan Xi / China und wechselte 2007 an die UdK Ber­ lin, wo er Gesang und Musiktheater bei Robert Gambill studiert. In China gewann der Sänger zahlreiche Wett­ bewerbe im Pop­ und Klassikbereich. In Deutschland wirkte er seit 2007 an mehreren Vokalkonzerten, Opern­ und Operettenproduktionen mit. Gyung Seok Han studierte an der Korean National University of Art in Seoul Gesang, bevor er 2003 nach Berlin kam und sein Studium an der UdK bei Siegfried Lorenz fortsetzte. Der Bariton wirkte bereits an Opernproduktionen am Berliner HAU und an der Kammeroper Rheinsberg mit und war mit Messen und Liedprogrammen u.a. mit der Lautten Compagney im Berliner Dom zu hören. Minsub Hong studierte in Seoul von 2001 bis 2004 Gesang an der Hanyang University und ab 2005 an der Korean National University of Art. Seit 2008 besucht er die Masterklasse von Peter Maus an der UdK Berlin. Hanna Kim absolvierte ihr Gesangstudium an der Korean Natio­ nal University of Arts. Bühnenerfahrung sammelte sie bereits als Susanna in Le nozze di Figaro im Korean Nati­ onal Theater in Seoul. Im Rahmen von Opernproduktio­

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Wir geben der Kunst eine Bühne. Und fördern sie. s Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld Ob Theater, klassisches Konzert oder Kunstausstellung - Kunst verbindet, bewegt und beschert unvergeßliche Momente. Wir sind Förderer von Kunst und Kultur und sorgen damit für ein vielfältiges und interessantes kulturelles Leben in unserem Landkreis. www.ksk-anhalt-bitterfeld.de


nen der Universität in Berlin war sie u.a als Contessa in atern, an der Kammeroper Schloss Rheinsberg und bei derselben Oper zu erleben. den Opernfestspielen in Bad Hersfeld. Der Bass erhielt mehrere Stipendien und Preise. Tobias Kehrer Der gebürtige Dessauer studiert bei Siegfried Lorenz Michael Rapke und nahm als deutscher Vertreter im Fach klassischer erhielt Unterricht bei Christiane Stutzmann in Nancy. Gesang am „Kyoto International Music Students Festi­ Er studiert seit 2005 bei Siegfried Lorenz und hat Meis­ val 2008“ teil. Der Basssänger wirkte bereits an einer terkurse bei Howard Crook, Kurt Widmer sowie den Produktion der Magdeburger Telemann­Festtagen 2008 King’s Singers und dem Hilliard Ensemble absolviert. mit und übernahm die Partie des Eremiten im Freischütz Der lyrische Bariton ist als Lied­ und Opernsänger und am Landestheater Neustrelitz. im professionellen Ensemblegesang tätig. Matthias Krebs erlernte zunächst zahlreiche Instrumente und spielte in verschiedenen Bands, bevor er sich für eine klassi­ sche Gesangsausbildung entschied. Seit 2003 studiert er Operngesang bei Ute Trekel­Burckhardt. Bereits seit 2002 wirkt er regelmäßig in Opernproduktionen vom Barock bis zur Moderne mit. 2008/09 ist der Tenor Gastmitglied des Berliner Ensemble. Stefan Labenz wirkte neben Szenen­ und Opernabenden an der UdK in der internationalen Opernproduktion Die Schweizer Familie mit und zuletzt als Pancrazio in Die junge Gräfin beim Opernfestival oper|oder|spree. Er wurde bis 2006 von Hanno Müller­Brachmann unterrichtet und besuch­ te Meisterkurse u.a. bei Håkan Hagegård. Nora Lentner erhielt früh eine sängerische Ausbildung von ihrer Mutter. Sie studiert bei Julie Kaufmann und gewann mehrere Stipendien sowie Preise bei Wettbewerben, u.a. den 1. Preis beim Carl Schröder Wettbewerb in Son­ dershausen und den 1. Preis beim Bundeswettbewerb Gesang/Junior in Berlin.

Probenfoto Chaplin-Ford-Trott

Anna Retczak trat bereits bei den Rossini­Festspielen Bad Wildbad und dem Opera Faber­Festival in Portugal (Marcellina in L nozze di Figaro) auf. Die Mezzosopranistin studiert bei Beatrice Niehoff und besuchte Meisterkurse u.a. bei Raul Gimenez und Calixto Bieito. Sie ist Stipendiatin des Richard Wagner­Verbandes.

Kai-Ingo Rudolph sang u.a. Fernando in Die Geisterinsel in der Kammer­ Teimuri Meskhoradze oper Schloss Rheinsberg und Bastien in Mozarts Basti­ lernte zunächst Gitarre, Trompete und Posaune und en und Bastienne bei den Musikwochen Stuttgart. Der erhielt seine erste klassische Gesangsausbildung in sei­ Tenor gestaltet eigene Liederabende und war als Solist ner Heimatstadt Tblissi/Georgien. Seit 2007 studiert u.a. in der Paukenmesse von Haydn in der Berliner Phil­ der Tenor bei Elisabeth Werner. harmonie zu hören. Seong-Hee Park hat die Korean National University of Arts mit dem Bachelor of Music abgeschlossen und an der Hochschu­ le für Musik Köln/Standort Wuppertal ein Diplomge­ sangsstudium absolviert. Sie studiert jetzt bei Robert Gambill und singt häufig als Solistin in Oratorien von Bach, Mozart und Schubert.

Isabelle Vilmar war Vorstudentin bei Judith Beckmann in Hamburg und setzte 2004 ihre Studien bei Julie Kaufmann und 2008 bei Robert Gambill fort. Sie besuchte Meisterkur­ se u.a. bei Sylvia Geszty, Irvin Gage und Rudolf Piernay und ist Stipendiatin von LiveMusicNow und der Studien­ stiftung des deutschen Volkes.

Ana Maria Pinto erhielt ersten Gesangsunterricht am Musikkonserva­ torium und an der Hochschule für Musik in Porto/Por­ tugal. Seit 2006 studiert sie an der UdK Berlin, zunächst bei Robert Gambill und aktuell in der Masterklasse von Dagmar Schellenberger. Die Sopranistin besuchte verschiedene Meisterkurse und interpretierte bereits bedeutende Opernrollen. Von 2006 bis 2008 erhielt sie ein Stipendium der Walter­Kaminsky Stiftung. Derzeit ist sie Stipendiatin der Calouste Gulbenkian Stiftung.

Alle Mitwirkenden sind Studierende des Studiengangs Gesang/Musiktheater an der Universität der Künste Berlin.

Arthur Pirvu begann sein Gesangstudium 2003, das er seit Som­ mer 2007 an der UdK bei Siegfried Lorenz fortführt. Er war Mitglied des Jungen Ensembles am Staatstheater Mainz, hatte Gastengagements an verschiedenen The­

PanArte Ensemble Das 2007 an der Universität der Künste Berlin von Errico Fresis gegründete Ensemble setzt die Arbeit des gleichnamigen Saarbrücker Vorgängerensembles in den Bereichen interdisziplinäre Kunst und zeitgenössisches Musiktheater fort. Den Auftritt der jungen Musiker im Rahmen der Tage Alter Musik in Herne, bei dem Musik­ theaterwerke von Peter Eötvös und Domenico Scarlatti verknüpft wurden, lobte die Fachpresse als Höhepunkt des Festivals. Beim Kurt Weill Fest Dessau 2007 war das Ensemble in der Produktion Down in the Valley zu erleben.

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Samstag, 07.03.2009 V36

19.00 Uhr, Musikalische Lesung in der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld

„Ich wäre jetzt viel lieber zu Hause...“ Lesung: Maria I. Cobo Méndez und Bernd Lambrecht Gesang: Corinne Chatel Akkordeon: Denis Forget Flügelhorn: Stefan Sigg Bass: Tiny Schmauch Kurt Weill (1900–1950) Tango der Matrosen Friedrich Hollaender (1896–1976) Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt Dave Douglas (*1963) Charms of a Night Sky Lesung, Teil 1 Kurt Weill Surabaya­Johnny Comme on fait son lit on se couche (Denn wie man sich bettet) Die Moritat von Mackie Messer Lesung, Teil 2 Antonio Carlos Jobim (1927–1994) Wave Marguerite Monnot (1903–1961) Mes soeurs n'aimez pas les marins

www.corinnechatel.eu

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Georges Moustaki (*1934) Milord Pause Kurt Weill Youkali Je ne t'aime pas Astor Piazzolla (1921–1992) Oblivion Lesung, Teil 3 Baden Powell (1937–2000) Canto d'ossanha Kurt Weill Buddy on the Nightshift My Ship Lesung, Teil 4 Kurt Weill Speak Low Thelonious Monk (1917–1982) Round Midnight Kurt Weill I'm a Stranger Here Myself Texte aus: Sprich leise, wenn du Liebe sagst. Der Briefwechsel Kurt Weill – Lotte Lenya. Herausgegeben und übersetzt von Lys Symonette und Kim H. Kowalke. Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1998.

Mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld

Kurt Weill und seine Frau Lotte Lenya führten eine tur­ bulente Beziehung. Das ungleiche Paar, der intellektu­ elle Komponist aus Dessau und das bildungsfern auf­ gewachsene Theatertalent aus Wien, lernten sich 1924 kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die beiden heirateten 1926, trennten sich sechs Jahre später und lie­ ßen sich 1933 scheiden. Im Januar 1937 gingen Weill und Lenya erneut die Ehe ein und lebten von da an – immer offen für außereheliche Liebschaften, aber trotzdem unzertrennlich ­ bis zu Weills plötzlichem Tod 1950 in Amerika. Als Zeugnis dieser intensiven Beziehung sind 375 Briefe erhalten, die 1996 veröffentlicht wurden. Sie schildern künstlerische Ansichten, berufliche Entwick­ lungen, persönliche Befindlichkeiten und Reaktionen auf Weltereignisse. In vier Teilen stellt die Lesung mit ausgewählten Brie­ fen die unterschiedlichen Lebensstationen von Weill und Lenya nach. Am Anfang steht eine gegenseitige Beschreibung der Partner, darunter Kurt Weills Schilde­ rung von Lenya von 1929: „Sie ist eine miserable Haus­ frau. Aber eine sehr gute Schauspielerin. Sie kann kei­ ne Noten lesen, aber wenn sie singt, dann hören die Leute zu wie bei Caruso.“ Es folgen Briefe aus der Zeit in Deutschland (1924–1933), die vom Kennenlernen, beruflichen Erfolgen, der ersten Heirat und der ersten Trennung geprägt war. Die „französischen Jahre“ (1933– 1935), Lenya auf Kasinotour an der Riviera mit ihrem Liebhaber Otto Pasetti, während Weill an dem Bibel­ drama Weg der Verheißung komponierte, werden im dritten Teil beschrieben. Am Ende kam das Paar wieder zusammen und reiste am 10. September 1935 mit dem Schiff Majestic nach New York aus. Der letzte Teil der


Lesung stellt Briefe aus den Jahren in den USA (1935– 1950) vor. In zweiter Ehe miteinander verheiratet, ver­ folgte Weill eine steile Karriere am Broadway, während Lenya sich beruflich zunächst zurücknehmen musste. Von einer erschöpfenden Theatertournee berichtet sie ihrem Mann 1942: „Ich wäre jetzt wirklich viel lieber zu Hause, aber die Kunscht!“ Das Zitat ist titelgebend für die Lesung, die erstmals im Februar 2008 in Brüssel zu erleben war. In Bitterfeld wird das Programm musikalisch von der französischen Chanson­ und Jazzsängerin Corinne Cha­ tel umrahmt, die für jede Lebensstation eine passende Musikauswahl zusammenstellte.

Maria I. Cobo Méndez Die spanische Schauspielerin stu­ dierte zunächst Germanistik und Romanistik. Sie arbeitete als Requi­ siteurin am Nationaltheater Mann­ heim und machte dort u.a. Regieas­ sistenzen. 1996 bis 2000 studierte sie Schauspiel in Saarbrücken und kam 2003, nach Engagements in Eisenach­Rudolstadt und Hannover, zum Anhaltischen Theater Dessau. Hier war sie als Mariedl in Präsiden­ tinnen, Belle in Die Schöne und das Biest, Constanze in Amadeus und Veronique in Gott des Gemetzels zu erle­ ben. 2005 wurde sie für ihre Darstellung der Katharina Blum mit dem Zuschauerpreis der Mitteldeutschen Zei­ tung ausgezeichnet. Bernd Lambrecht In Freiburg, Bochum und Berlin als Schauspieler und Musical­Darstel­ ler ausgebildet, führten ihn Enga­ gements u.a. an das Alte Schau­ spielhaus in Stuttgart, die Tribüne und das Kleine Theater in Berlin und das Schmidt Theater in Hamburg, bevor er 2001 Mitglied des Dessau­ er Schauspielensembles wurde. Hier spielte er z.B. Jack in Charleys Tante, Laertes in Hamlet, Lucentino in Die Zähmung der Widerspenstigen, Robespierre in Dan­ tons Tod und Felix Renaudier in Das Sparschwein. Beim Kurt Weill Fest war Bernd Lambrecht 2001 in der Din­ nershow Lunch Hour Follies, 2005/2006 in der Haupt­ rolle des Bill Cracker in Kurt Weills Komödie mit Musik Happy End und 2008 in dem szenischen Konzert Broad­ way Dreams zu erleben. Corinne Chatel wuchs in einem deutsch­franzö­ sischen Elternhaus auf und erhielt schon als Teenager Gesangsstun­ den. Nach dem Musikabitur mit Hauptfach Gesang, ersten Soloauf­ tritten und einem 1. Preis im Lan­ deswettbewerb „Jugend musiziert“, machte die Mezzosopranistin ers­ te Erfahrungen mit dem Musiktheater, der Oper und als Solistin in Musicals. Sie studierte Jazz in München, u.a. bei Sheila Jordan, und gründete 2001 ihr Quintett, das bereits mit deutschen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Nach einem Engagement beim Symphonieorchester Straßburg gründete sie mit ande­ ren 2006 das Musiktheater Paris­Berlin, das regelmäßig

konzertiert. Corinne Chatel hat sich intensiv mit Weills Werk auseinandergesetzt und konzertiert mit ihrer Kurt Weill Soirée Berlin, Paris, New York! regelmäßig im In­ und Ausland. Die Mezzosopranistin, Jazzvokalistin und Lautpoetin hat einem Stimmradius von über drei Okta­ ven. Stefan Sigg ist Trompeter und Flügelhornist. Nach einer klassischen Musikaus­ bildung näherte er sich als Autodi­ dakt dem Jazz. Seit 30 Jahren ist er als Konzert­ und Studiomusiker in der Jazzszene aktiv und tourt als Solist und Leadtrompeter mit diver­ sen Bands durch ganz Europa. Er ist seit über zwölf Jahren im Corinne Chatel Quintett und aktuell in mehreren eigenen Formationen vom Duo bis zur Big Band zu hören. Stefan Sigg ist auch als Dozent und Musikpädagoge tätig. Denis Forget spielt chromatisches Konzertakkor­ deon, das er bei Gilbert Veit studier­ te. Zudem belegte er Komposition und Harmonielehre am Konservato­ rium von Straßburg. 1969 erhielt er die höchste Auszeichnung für Akkor­ deonisten in Frankreich, die „Coupe de France“, einige Jahre später sein Musikpädagogendiplom. Denis Forget spielt solo oder mit verschiedenen französischen Ensembles von Klassik und zeitgenössischer Musik bis Musette und Chanson. Er konzertiert seit fünf Jahren mit Corinne Chatel. Tiny Schmauch spielt neben Kontrabass auch Posaune, Tuba, E­Bass und Euphoni­ um. Seit über zwei Jahrzehnten lei­ tet er die Jazz­Bigband Horns Up, die diverse Orchesterpreise auf Landes­ und Bundesebene gewann. Er wirkt in süddeutschen Weltmusik­Forma­ tionen wie Kerberbrothers Alpenfu­ sion mit. Als Bassist ist er ebenso in der internationalen Jazzszene aktiv und spielt u.a. mit Peter O´Mara, Ack van Rooyen, Franco Ambrosetti und Johannes Enders.

Kosenamen, die sich Kurt Weill und Lotte Lenya in ihren Briefen gaben: Weill: Liebes Blümchen Lenya: Meine liebe Sonnenblumi Weill: Blumenblümchen Lenya: mein Schnübchen Weill: Schnübenblümchen Lenya: Schnubchen Weill: Schnübchen, Schnäubi, Pflänzchen Lenya: liebes Blümchen Weill: Trrrräubchen, Träubi, Träubenspatz, liebe Ameisenblume Lenya: Blumchen Weill: liebe Mistblume, liebes Linerl Lenya: mein Tröpfi Weill: Darling Lenya: Boyly Weill: mein Sweety­pie Lenya: mein Darling Lenya: Küßchen Deine Blumi Weill: dein Knuti Lenya: Lollie Weill: Schnubi Lenya: Deine Madame Karoline Wilhelmine Charlotte Weill: Frosch, Schnüberich, Kurt, Kurti Lenya: und viele Knüßchen für Dich von Deinem Weib Weill: viele Knüßchen von deinem Boy Lenya: Loooooove! Linnerl Weill: Liebes Blumilein

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Samstag, 07.03.2009

CD-Tipp

V37 Music for a While Weill Variations GRCD 4275

22.00 Uhr, Jazz im Bauhaus Dessau

Music for a While

www.musicforawhile.no

Music for a While Gesang: Tora Augestad Akkordeon/Steelguitar: Stian Carstensen Trompete: Mathias Eickel Tuba: Martin Taxt Schlagzeug: Pål Hausken Kurt Weill (1900–1950) Seeräuber­Jenny Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit Die Moritat von Mackie Messer Je ne t’aime pas Surabaya­Johnny Hanns Eisler (1898–1962) Sprengen des Gartens An den kleinen Radioapparat Kurt Weill Youkali Nannas Lied September Song Bertolt Brecht (1898–1956) / Franz S. Bruinier (1905–1928) Erinnerung an die Marie A. Kurt Weill That’s Him Saga of Jenny Alle Arrangements: Music for a While

Ein Gespräch mit Tora Augestad Sie sind in Norwegen aufgewachsen und haben Ihre Gesangsausbildung in Oslo und Stockholm absolviert. Wie kamen Sie mit der Musik Kurt Weills in Berührung? Mit 17 Jahren stieß ich auf Surabaya­Johnny, den ers­ ten Song von Weill, den ich sang. Er war eine Offenba­ rung und hat mich sofort verzaubert. Als mein Vater das hörte, erzählte er mir, dass ich das Stück bereits im Alter von zwei Jahren „dirigiert“ hatte, während meine Mutter, die Schauspielerin und Sängerin war, es Zuhau­ se probte! Das war mir gar nicht klar gewesen, obwohl mein Elternhaus meinen Musikgeschmack sehr geprägt hat. Bei uns gab es sehr viel Brecht, Weill und Eisler zu hören. Man muss dazu sagen, dass Brecht in Norwe­ gen aufgrund seiner politischen Dimension die größe­ re Popularität genießt. Der Komponist Weill hat nicht den gleichen Bekanntheitsgrad. Es ist auch nicht so, dass meine Gesangslehrer ausgewiesene Weill­Experten waren. Ich kam also eher durch meinen familiären Hin­ tergrund zu seiner Musik. Mit Surabaya-Johnny traten Sie vor einem Jahr auch im Lotte Lenya Gesangwettbewerb an, den die Kurt Weill Foundation for Music in New York ausschreibt. Ja, das war eine aufregende Erfahrung für mich. Mit dem Weill­Repertoire, das ich mittlerweile singe, muss­ te ich mich einfach bewerben! Ich kam dann mit 15 Sän­ gerinnen und Sängern ins Finale und gewann für meine Interpretation des Surabaya­Johnny einen Lys Symo­ nette Award. 2004 gründeten Sie Ihr Ensemble Music for a While, das sich vor allem der Musik Kurt Weills ver-

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pflichtet fühlt. Wie fanden sich die Musiker zusammen? Pål Hausken und Mathias Eickel bin ich bereits wäh­ rend meiner Ausbildung begegnet. Martin Taxt ver­ kehrte in den gleichen musikalischen Kreisen wie ich. Mit dem Multitalent Stian Carstensen konnten wir einen der renommiertesten Musiker Norwegens dazu gewinnen, der uns zunächst für zwei Konzerte zusag­ te und dann blieb. Wir alle haben zahlreiche künstleri­ sche Verpflichtungen neben Music for a While, spielen mit anderen Formationen oder haben eigene Bands. Ich trete zum Beispiel häufig mit dem Ensemble Modern oder dem Klangforum Wien im Bereich der zeitgenös­ sischen Musik auf. Unsere Tätigkeiten bringen interes­ sante Impulse für die gemeinsame Arbeit mit Music for a While ein. Wir verstehen uns musikalisch und mensch­ lich hervorragend, und ich finde unsere Art der Interpre­ tation und die Instrumentierung mit Trompete und Tuba sehr passend für Weills Musik. Vor kurzem erschien unsere erste CD Weill Variations, die unsere ganz indi­ viduellen „Variationen“ seiner Stücke zeigt. Wie häufig treten Sie miteinander auf? Music for a While gibt etwa 20 bis 25 Konzerte im Jahr. Bislang waren wir nur in Norwegen zu erleben, wo wir mit unserer Weill­Spezialisierung ziemlich einzigartig sind. Unser Konzert in Dessau ist also die Deutschland­ premiere und wir freuen uns sehr darauf, im Bauhaus zu spielen. Dann haben wir noch ein Konzert in Polen geplant. Wir hoffen, dass bald viele weitere Konzerte in Europa folgen werden. Das Gespräch führte Celia Solf

Akkordeonist der Band ist Stian Carstensen. Der in Norwegen äußerst populäre Musiker, der auch als Gitar­ rist, Flötist und Geiger aktiv ist, spielt in verschiedenen Formationen und ist auf zahlreichen CDs zu hören. 1991 gründete er „Farmers Market“, eine in Norwegen sehr beliebte Jazz­ und Ethno­Pop Liveband, die regelmäßig auf zahlreichen Festivals des Landes zu erleben ist und vor kurzem ihre vierte CD veröffentlichte. Der Trompeter Mathias Eick hat in Trondheim studiert und ist ein gefragter Sideman. Er spielte z.B. mit Chick Corea und dem Trondheim Jazzorchestra sowie in der Band von Manu Katché. Der junge Musiker wirkte an über 50 CD­Einspielungen von Jazz bis Rock’n’Roll mit und veröffentlichte mit dem Mathias Eick Quartett eine eigene CD bei ECM. 2007 wurde ihm der International Jazz Talent Award verliehen. Martin Taxt studierte Tuba in Norwegen und Paris. Er konzertiert und tourt mit den renommiertesten Musi­ kern Norwegens und wirkte bereits an zahlreichen CD­ Einspielungen mit. Außerdem spielte er im European Jazz Orchestra unter Django Bates und Louis Sclavis. Martin Taxt leitet gemeinsam mit drei anderen Musi­ kern das Fri Resonans Festival in Trondheim. Der Schlagzeuger Pål Hausken gründete nach seinem Jazzstudium in Oslo sein eigenes Trio „In the Country“, Tora Augestad & Music for a While mit dem er 2004 den Jazz Intro Award gewann und zwei Nach ihrer Ausbildung an der Norwegischen Musik­ viel beachtete CDs veröffentlichte. Daneben spielt er in hochschule Oslo und der Königlichen Musikhochschule zahlreichen anderen Formationen und wirkte bei Thea­ in Stockholm zog die norwegische Sängerin und Schau­ terproduktionen mit. spielerin Tora Augestad 2007 nach Berlin, von wo aus sie international in Jazz, Oper und Musiktheater tätig ist. Sie hat bereits mehr als zehn ihr zugeeignete Werke uraufgeführt und arbeitet mit Orchestern wie Ensemb­ le Modern, Klangforum Wien u.a. zusammen. Mit der von ihr 2004 gegründeten Band Music for a While ver­ wirklicht sie ihre Vorliebe für Songs von Weill und Eisler. 2008 wirkte sie an den Musicalproduktionen The City Terminal von Håkon Berge und The Witches von Marcus Paus mit. Im gleichen Jahr gewann Tora Augestad einen Lys Symonette Award beim New Yorker Lotte Lenya Gesangwettbewerb.

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Sonntag, 08.03.2009 V38

10.00 Uhr, Führung im Restaurant Kornhaus

„Das Kornhaus“ (siehe Seite 15)

V39

11.00 Uhr, Kammerkonzert im Schloss Georgium (Tischbeinsaal)

„Classical American Songbook“ Gesang: Alexander Franzen (Bariton) Klavier: Jörg Daniel Heinzmann „Excursions into American Music” Kurt Weill (1900–1950) Great Big Sky Aaron Copland (1900–1990) The Simple Gifts Long Time Ago I Bought Me a Cat Gladys Rich (1892–1972) American Lullaby Samuel Barber (1910–1981) Aus: Excursions for the Piano, op.20 No. I Un poco allegro Paul Bowles (1910–1999) Once a Lady Was Here Samuel Barber (1910–1981) Aus: Excursions for the Piano, op.20 No. III Allegretto A Slumber Song of the Madonna There’s Nae Lark Serenader Clara Edwards (1887–1974) Into the Night

einen großen Spaß dabei, weil wir das Gefühl hatten, dass sowohl diese Musik als auch der Titel dieser klei­ nen Sammlung unser „Unternehmen“ treffend beschrei­ ben: eine Exkursion in die amerikanische Musik! Wie klingt die amerikanische Musik? Gibt es sie überhaupt? Ist das ein Klang oder ein Rhythmus oder beides? Wir kamen uns vor wie auf einer Entdeckungsreise. Wir hatten das Gefühl, dass diese so speziell rhythmische und doch auch melodische Musik, wie sie besonders in der dritten Excursion erklingt, in vielen Liedern, Songs oder Klavierstücken der großen Komponisten, die wir in unser Programm aufnehmen wollten, durchschimmert. Irgendwie „amerikanisch“ halt. Selbst ein Klassiker wie Barber machte z.B. Gebrauch von der „Blue Note“ und dem Spiel mit den Rhythmen. Und damit hatten wir den idealen Untertitel für unsere Musikauswahl, Excursions into American Music, welche versucht, große Brücken zu schlagen zwischen „bekannt gewordenen“ Musik­ stücken und „unbekannten“ bzw. „unentdeckten“. Die aber auch, und das ist die ganz persönliche Erkenntnis unserer Entdeckungsreise, in Tonfall und Qualität kaum voneinander abzugrenzen sind, sondern eben ihren ganz eigenen Tonfall haben: „amerikanisch“. Alexander Franzen

Amerikanische Komponisten studierten in Europa (z.B. Cole Porter und Samuel Barber), europäische brachten im Exil ihren Stil nach Amerika und ließen sich wieder­ um vom dortigen beeinflussen. Einer der anpassungsfä­ higsten war Kurt Weill, der Neues wie eine Mutterspra­ che aufsog, im französischen Chanson wie später am Broadway. Worin besteht jenes charakteristisch Ameri­ kanische, schon vor den Zeiten des Jazz? Diese Entde­ ckungsreise zeigt Verwandtschaften zwischen so unter­ schiedlichen Komponisten wie Barber und Bernstein; mit nur selten zu hörenden Stücken weniger bekannter Musiker werden die Brücken geschlagen und Verbindun­ gen deutlich. Ist die amerikanische Musik zunächst in ihren Formen noch sehr europäisch geprägt, verarbeitet sie doch eige­ ne Erfahrungen des Alltags, wie die Weite der Natur, oder folkloristische Elemente, wie Lieder der Siedler Pause und Arbeiter. Was Dvorˇák aus der „Neuen Welt“ noch absichtsvoll wie eine Kolonialware exportierte, findet George Gershwin (1898–1937) sich als Charakteristikum bei Gershwin und Porter: Syn­ Preludes for Piano kopierungen bringen den Rhythmus ins Gleiten, die typi­ I. Allegro ben ritmato e deciso sche Folge Achtel­punktierte Viertel fängt ihn wieder II. Andante con moto e poco rubato ein. An Pentatonik wird erinnert, wenn in den Melodien III. Allegro ben ritmato e deciso die vierte oder siebte Stufe der Tonleiter ausgelassen There’s a Boat That’s Leavin’ Soon werden – z.B. in Gladys Richs American Lullaby. (Wo William Roy (1928–2003) außer in New York könnte man Kinder mit dem Verspre­ This Little Rose chen in den Schlaf singen, dass der Vater beim Börsen­ Leonard Bernstein (1918–1990) makler ist und die Mutter ein Radio kaufen geht?) Something’s Coming Gershwin war es, der den Jazz aufs Konzertpodium Aus: Four Anniversaries for the Piano geführt hat und so dem amerikanischen Lied als Jazz­ I. Tranquillo: piacevole klassiker den Weg in die Popularität ebnete. Fortan II. Agitato: scherzando steht manches nicht mehr auf festen Füßen: Paul Bow­ Lonely Town les wechselt in Once a Lady Was Here zwischen Takten Kurt Weill mit vier und fünf Schlägen. Der Seemann in Bernsteins Who Am I? Lonely Town schlendert zu einer heiteren Begleitung My Ship durch die Stadt, bleibt aber ohne Liebe doch allein und verloren – auch durch seine manchmal zu großen Melo­ dieschritte und sein Spiel mit Dur und Moll. Eine ähn­ Bei den Recherchen für unser Programm stießen Jörg liche Verschleierungstaktik ist auch in Something’s Daniel Heinzmann und ich u.a. auf die Excursions for Coming zu hören, hier allerdings hoffnungsvoller, dur­ the Piano von Samuel Barber. Und wir hatten beide lastiger – es wird Großes erwartet. Simple Gifts, ein

Alexander Franzen

Jörg Daniel Heinzmann

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in den Piano Excursions: Mittlerweile haben Strawinsky und der Swing ihre Spuren im Rhythmus hinterlassen, und der Harmonik werden die Zügel gelockert. Der ers­ te Ausflug, ein Boogie­Woogie, führt mit seinem flott­ verspielten Jazz ins Gewusel der Großstadt. Besonders vertrackt wird Barbers Rhythmik in der dritten Excursi­ on (Variationen über die Cowboyballade Streets Of Lare­ do); und dabei handelt es sich doch auch bei diesem Stück wieder um: ein Lullaby. Jens Berger

Schloss Georgium

CD-Tipp Alexander Franzen Jörg Daniel Heinzmann u.a. Comedian Harmonists – Jetzt oder Nie! Duo­Phon­Records Berlin 06243 www.alexanderfranzen.com

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Lied der Shaker, preist die Einfachheit. Coplands Bear­ beitung befreit die hymnisch schreitende Melodie von Pathos, indem sie dem Klavier nur wenige Akkordschlä­ ge auf leichten Taktzeiten genehmigt. Das Spiel zwi­ schen Dur und Moll findet sich auch in Gershwins Three Preludes: zwar nicht im ersten, einem synkopierten Charleston, aber im zweiten, einem so gar nicht pessi­ mistischen Blues, den Gershwin selbst Blues­Lullaby nannte. Im dritten, einem Bravour­Foxtrott, wird das Spiel zum Kampf und zugunsten von Dur entschieden. Zeitgenossen empfanden dies Prelude als besonders „spanish“, heute fällt dem Hörer wohl eher die jazzige Harmonik ins Ohr. Bernsteins Anniversaries widmen sich dem Geburts­ tag jeweils einer Person in seinem Leben und deren Eigenarten: Der erste Satz stellt Bernsteins erste Frau vor, Felicia Montealegre; sie war anscheinend von ruhi­ gem, angenehmem Wesen. Der zweite Satz beschreibt mit überraschenden Rhythmuswechseln Johnny Mehe­ gan, einen ideenreichen und wohl etwas verspielten Jazzpianisten. Obwohl der musikalische Frühentwickler Samuel Bar­ ber von sich behauptete „It is said that I have no style at all“ („Von mir wird behauptet, dass ich überhaupt kei­ nen Stil habe“), hätte er sich wohl nicht gegen die Ein­ ordnung als Neoromantiker gewehrt. Bereits in jüngsten Jahren studierte er Komposition, wurde von internatio­ nalen Musikgrößen gefördert und zum Experimentie­ ren ermutigt. Zunächst wollte er aber lieber bestehen­ de Formen und Techniken verfeinern und – für seine eigene, schöne Baritonstimme – in Melodien ausloten und verständlich machen, was in Texten versteckt ist. Zu seinen allerfrühesten Liedern gehören A Slumber Song of the Madonna und There’s Nae Lark. Das ers­ te ist ein melancholisches Schlummerlied, das zweite eine überschwängliche Liebeserklärung; beide werden jedoch zusammengehalten durch die Formel „I love thee“ und stehen mit ihrer raffinierten Melodiegestal­ tung und Aufgabenverteilung zwischen Gesang und Kla­ vier klar in der Tradition des romantischen Kunstlieds. Erst Jahrzehnte später – während des Zweiten Welt­ kriegs – begann Barber, den spezifisch amerikanischen Komponisten in sich zu entdecken, schrieb eine Sinfo­ nie im Auftrag der Air Force und unternahm musikali­ sche Ausflüge zu amerikanischen Regionalspezialitäten

Alexander Franzen Der Bariton studierte an der Folkwangschule Essen Gesang und begann seine Karriere am Theater in Salz­ burg. Mittlerweile arbeitet er im In­ und Ausland als klassischer Konzert­ und Opernsänger und sang u.a. mit den Wiener Symphonikern unter Wayne Marshall. Bei den Bregenzer Festspielen 2003 trat er in der West Side Story als Riff auf. Dort sang er auch in einem Kon­ zert für die Kurt Weill Foundation for Music New York und die Universal Edition Wien bisher unveröffentlichte Lieder von Kurt Weill unter dem Titel Unsung Weill. Seit der Uraufführung des Schauspiels mit Musik Comedi­ an Harmonists − Jetzt oder Nie! 2005 spielt er die Rolle des Roman Cycowski deutschlandweit. Daneben war er immer wieder in Aufführungen von Mozart, Strauss und Banatzky zu erleben. 2008 verkörperte er den Mackie Messer in Die Dreigroschenoper bei den Domfestspie­ len Bad Gandersheim und in Bielefeld den Sky Master­ son in Guys and Dolls. Jörg Daniel Heinzmann genoss seine Klavierausbildung in Paris, London und Jerusalem und besuchte Meisterklassen bei Alfred Bren­ del, Leon Fleisher und Dimitri Bashkirov. Er kehrte vor zehn Jahren zurück nach Deutschland, wo er sich als Konzertpianist, Kammermusiker und Liedbegleiter einen Namen gemacht hat. Seine Konzerttätigkeit führt ihn regelmäßig in verschiedene Länder und auf wichtige Festivals. Jörg Daniel Heinzmann war als Dozent, Korre­ petitor und Chorleiter tätig und ist Preisträger verschie­ dener nationaler und internationaler Wettbewerbe. Als musikalischer Leiter, Arrangeur, Pianist und Schauspie­ ler war er u.a. bei verschiedenen Shows zu den Come­ dian Harmonists federführend und an Abenden über Kurt Tucholsky, Marlene Dietrich und Hildegard Knef beteiligt.

V40

14.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

„TANZPALÄSTE DESSAUS DER 1920ER JAHRE“ (siehe Seite 15)


Sonntag, 08.03.2009 V41

17.00 Uhr, Abschlusskonzert im Anhaltischen Theater Dessau

MDR Sinfonieorchester Solistin: Nora Chastain (Violine) Musikalische Leitung: Michael Sanderling MDR Sinfonieorchester Kurt Weill (1900–1950) Sinfonie Nr. 2 Sostenuto – Allegro molto Largo Allegro vivace – Alla marcia Pause Daniel Schnyder (*1961) Violin Concerto Grave – Con brio 1/4 = 100 1/4 = 128 Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) Jazz­Suite Nr. 2 Marsch Lyrischer Walzer Tanz 1 Walzer 1 Kleine Polka Walzer 2 Tanz 2 Finale Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit dem MDR

alle sind sehr begeistert, vor allem das ganze Orchester. Es ist ein gutes Stück und ist ausgezeichnet.“ In Auftrag gegeben durch die Prinzessin Edmond de Polignac, begann Kurt Weill im Januar 1933 in Berlin sein zweites sinfonisches Werk zu entwerfen. Bedingt durch die Emigration im März und die Notwendigkeit, zuerst Die sieben Todsünden abschließen zu müssen, vergingen mehrere Monate bis zur Vollendung. Anfang November 1933 konnte sich Weill in Louveciennes bei Paris (im ehemaligen Bedienstetenhaus des Schlosses der Madame Dubarry) niederlassen – einem Ort, der ihm bis zur weiteren Emigration in die USA 1935 Lebens­ und Arbeitsmittelpunkt bleiben sollte. Dies verdankte er der großzügigen Unterstützung einer französischen Adelsfamilie. Zudem erwies sich der Polignac­Auftrag in Weills auch finanziell völlig neuer Lebenssituation als hilfreich: Nach der Emigration galt sein Berliner Besitz als „Sperrguthaben“, sein Verlag, die Universal Edition Wien, stellte nach dem Aufführungsverbot in Deutsch­ land die monatlichen Zahlungen ein und kündigte im Oktober 1933 seinen Vertrag. Im Dezember schloss Weill die Skizzierung der Zweiten ab, zwei Monate später die Partitur. Damit beendete er nach mehr als einer Dekade (die Sinfonie in einem Satz stammte von 1920/21) die Abstinenz von „reiner“ Orchestermusik. In ihrer Dreisät­ zigkeit weist die Zweite deutliche Bezüge zur klassischen Tradition auf. Der erste Satz ist ein Allegro in Sonaten­ form mit einer trauermarschartigen, langsamen Einlei­ tung, die wesentliche thematische Keimzellen enthält. Wenngleich sich Weill jeglicher programmatischer Deu­ tung des Werks widersetzte, war nicht auszuschließen, dass der von düsteren und schmerzlichen Tönen durch­ zogene zweite Satz als Reflex auf die Gefährdungen und Bedrückungen der sich zuspitzenden politischen Situati­ on jener Jahre empfunden wurde. Einen Kontrast hierzu bildet das Finale, in dem Weill nach einem kunstvollen thematischen Wechselspiel das Hauptmotiv des Trauer­ marsches in einer Tarantella­Coda ins Heitere wandelte.

Die Aufführung von Kurt Weills Sinfonie Nr. 2 wird gefördert von der Kurt Weill Foundation for Music, Inc., Geboren und aufgewachsen in der Schweiz, hat Daniel 7 East 20th Street, New York, NY 10003. Schnyder 1992 die USA zum zweiten Lebensmittelpunkt gewählt; als Interpret weltweit gefragt, ist er häufig Mit freundlicher Unterstützung der und gern „unterwegs“. Ausgebildet in klassischer Flöte Stadtsparkasse Dessau und Jazzsaxofon bewegt sich Schnyder auch als Kom­ ponist zwischen verschiedenen musikalischen Welten. In seiner Musik geht es ihm um Integration, um Verbin­ Nach der Uraufführung der 2. Sinfonie von Kurt Weill dung zwischen klassischer Musik und Jazz im weitesten am 11. Oktober 1934 mit dem Concertgebouw Orches­ Sinne, von europäischer Musik mit außereuropäischen ter Amsterdam unter Leitung von Bruno Walter zeig­ Musikkulturen. Er realisiert viele Projekte, in welchen te sich das Publikum begeistert, die Presse hingegen afrikanische, chinesische, türkische und arabische Musi­ irritiert. Wer eine Fortsetzung des Stils der (in Holland ker mit klassischen Sinfonieorchestern und Jazzmusi­ sehr erfolgreichen) Dreigroschenoper erwartet hatte, kern zusammenarbeiten. Grenzen verfließen zu lassen, fand sich mit einer anderen „Richtung“ konfrontiert – Ohren und Emotionen verschiedenen Richtungen oder der Komponist hatte die Zweite nach eigener Aussage Stilen zu öffnen, gehört zu seinen Maximen. Und seine als „rein musikalische Form konzipiert“. Als Weill zu den Musik, die kaum ein Genre (von Oper bis Streichquar­ Proben nach Amsterdam kam, zeigte sich, dass die ein­ tett, Passion bis Crossover) unberührt lässt, trifft seit seitige Identifizierung mit jenem Werk sogar die Erwar­ Jahren den Nerv der Hörer – auch (oder gerade dann), tungshaltung in Bezug auf seine Person bestimmt hatte wenn er Elemente aus Jazz und klassischer Moderne ein­ – in der Zeitung Het Volk war zu lesen: „Man hat sich, ander annähert, ja „durchtränkt“, und dabei neue Wege nach der Dreigroschenoper, eine schneidige Persön­ einschlägt. lichkeit vorgestellt. Weill aber … ist ziemlich klein und Dieses Anliegen prägt auch sein Violinkonzert, das er macht, wie er da andächtig in der ersten Reihe des lee­ für die französische Geigerin Nora Chastain schrieb; sie ren Concertgebouw­Saals sitzt und die Probe verfolgt, brachte es am 29. April 1998 in Winterthur zur Urauffüh­ einen eher bedächtig­professoralen Eindruck.“ Was der rung. „Die Idee von Nora war die, ein Stück zu spielen, Komponist zu hören bekam, beglückte ihn; am Vor­ das einerseits das klassische Sinfonieorchester und die abend der Uraufführung schrieb er Lotte Lenya: „Die Konzerttradition, andererseits aber auch die Rhythmen Probe war wunderbar. Walter macht es großartig und und Klänge der neuen Welt reflektiert. Das Werk hat

Biografie Daniel Schnyder 1961 in Zürich geboren; Saxofon­ und Komposi­ tionsstudium in Boston; Flötenstudium in Winterthur 1992 Übersiedlung nach New York 1996 The Tempest nach Shakespeare, Auftrags­ werk der Oper Bern; 1. Preis Kompositions­ wettbewerb der Inter­ national Trumpet Guild; Conrad Ferdinand Meyer­ Preis; Zolliker Kunstpreis 1998 Uraufführung 2. Sinfonie und Violinkonzert (durch Nora Chastain) 1999 Uraufführung Trompeten­ konzert; Musik zu Stummfilm Faust von Friedrich Wilhelm Murnau 2000 Gastspiel mit seinem Jazztrio beim Bachfest Leipzig 2001/2002 Grammy­Nomini­ erung für CD Absolution mit Kristjan Järvi und dem Absolute Ensemble 2005 Uraufführung der Oper Casanova beim Yehudi­ Menuhin­Festival 2006 Uraufführung Orienta­ lische Suite unter Kristjan Järvi mit Rundfunk Sinfo­ nieorchester Berlin und Schlagzeuger Burhan Öçal 2008/09 Composer­in­ Residence beim Rundfunk­ Sinfonieorchester Berlin Mai 2009 Uraufführung von Sundiata Keita mit afri­ kanischen Musikern, Chor und dem Rundfunk­ Sinfonieorchester Berlin in Philharmonie Berlin 2009 Composer­in­Residence beim Bremer Musikfest 2009 und beim Crested Butte Festival Colorado

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Sparkasse Dessau

Fair. Menschlich. Nah. Gut f端r die Region.


eine traditionelle, dreisätzige Form, in der das musikali­ sche Material auf konzertante Art und Weise entwickelt wird.“ Dabei ließ sich der Komponist von der künstleri­ schen Individualität und den Vorstellungen der Geigerin über „ihr“ Werk durchaus beeinflussen: „Nora Chastain hat in den hohen Lagen einen überaus weichen schönen Ton, wie ihn nur ganz wenige Solisten haben. Für die­ sen betörenden Klang schrieb ich den zweiten Satz. Die musikalische Stimmung, die von diesem Satz ausgeht, hat etwas Beschwörendes, Meditatives, wie sie z.B. auch in der indischen Musik zu finden ist.“ Kontrastiert wird dies (vor allem im ersten Satz) durch „eine ganz andere Rhythmus­Sprache, die Brazil­Musik, arabische Rhythmen und Jazzmusik beinhaltet und klanglich im Orchester vor allem durch das Marimbaphon repräsen­ tiert wird.“ Die Faszination, die der Jazz in den 1920er Jahren auf „klassische“ Komponisten wie Musikliebhaber auch in Europa ausübte, machte vor den Grenzen der Sowjet­ union nicht halt. Wenngleich er „doch ursprünglich eine Lebensäußerung der unterdrückten Schwarzen in Ame­ rika war“ (Bernd Feuchtner), wurde er in der UdSSR als „Abschaum bürgerlicher Dekadenz“ 1929 auf Betrei­ ben des Russischen Verbandes Proletarischer Musiker (RAPM) verboten. Im Jahr zuvor hatte Dmitri Schosta­ kowitsch mit seinem Tahiti­Trott sehr deutlich demons­ triert, dass auch er mit diesem musikalischen Genre bes­ tens umzugehen vermochte; und in weiteren Werken, u.a. im Ballett Das goldene Zeitalter oder der Oper Lady Macbeth von Mzensk, machte er Jazz­Einflüsse deutlich hörbar. Nach Auflösung der RAPM 1932 gelang es, dem Verdikt entgegenzuwirken und – auch dank hervorragen­ der russischer Ensembles – den Jazz erneut zu beleben. Dies mündete schließlich in eine Art staatliche „Sankti­ onierung“, was u.a. 1938 zur Gründung des Staatlichen Jazz­Orchesters der UdSSR führte. Selbiges brachte im gleichen Jahr Schostakowitschs 1. Jazz­Suite von 1934 zur Uraufführung, noch 1938 schrieb der Komponist eine weitere, dreisätzige Suite für Jazz­Orchester Nr. 2. Diese ging verloren und wurde vor wenigen Jahren rekonstru­ iert. Der gleiche Titel fand inzwischen für eine viel spä­ ter zusammengestellte und erst 1988 unter Leitung von Mstislaw Rostropowitsch uraufgeführte Suite Verwen­ dung: die Suite für Promenadenorchester. Deren acht Sätze basieren auf Ballett­, Schauspiel­ und Filmmusik, die Schostakowitsch zwischen den 1930er und 1950er Jahren komponierte. Da sich der „jüngste“ Satz (Walzer II) auf Filmmusik zu Die Staffel op. 99 von 1956 bezieht, erfolgte die Zusammenstellung der Suite möglicherwei­ se in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre. Andere Sätze korrespondieren u.a. mit den Filmmusiken zu Die Stech­ fliege op. 97 bzw. zu Korsinskis Abenteuer op. 59 sowie dem Ballett Der helle Bach op. 39; lediglich für die Kleine Polka konnte bislang keine Vorlage eruiert werden. Allmuth Behrendt

Nora Chastain Die in Kalifornien geborene Gei­ gerin studierte bei Dorothy DeLay und an der Juilliard School in New York. Ihre künstlerische Ausbildung vervollkommnete sie vor allem bei Yehudi Menuhin, Sándor Vegh, Josef Gingold und Walter Levin. Seit ihrem Solo­Debüt mit Barbers Violinkon­

zert als 16­Jährige in Berlin ist sie auf den wichtigen internationalen Konzertbühnen und Festivals zu Hause. Sie spielt mit internationalen Orchestern, als Mitglied des Menuhin Festival Piano Quartets, des Trio Kreisle­ riana und im Duo. Sie hat zahlreiche Einspielungen mit Kammermusik sowie von Bartóks 2. Violinkonzert vor­ gelegt. Nora Chastain ist Preisträgerin mehrerer Wett­ bewerbe, u.a. des Internationalen Menuhin Wettbewerb 1985 in Paris. Sie gibt regelmäßig Meisterkurse und ist als Professorin in Zürich und Berlin und als Jurorin bei internationalen Violin­Wettbewerben tätig. Michael Sanderling wurde nach wichtigen Wettbe­ werbserfolgen bereits mit 19 Jahren Solocellist am Gewandhaus Leipzig und später im Rundfunk­Sinfonie­ orchester Berlin. Seit einigen Jahren ist er auch als Dirigent tätig und lei­ tete bereits zahlreiche Orchester, darunter die Dresdner Philharmonie, das Rundfunk­Sinfonieorchester Berlin, das MDR Sinfo­ nieorchester und das Kammerorchester Berlin, das ihn zum Principal Conductor gewählt hat. Seit der Spielzeit 2006/07 ist er Künstlerischer Leiter und Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam. Neben seinem aktiven künstlerischen Wirken auf der Bühne und bei CD­Auf­ nahmen, unterrichtet Michael Sanderling an der Hoch­ schule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/ Main und gilt als einer der gefragtesten Cello­Lehrer der heutigen Zeit.

MDR Sinfonieorchester Kein zweites Sinfonieorchester in Europa ist so eng mit der Entstehung des Rundfunks verbunden. Die Musi­ ker des bereits 1923 gegründeten Klangkörpers spielten aber nicht nur während der Sendungen; das Orchester gab regelmäßig Sinfoniekonzerte und war zudem an Gewandhaus­Konzerttagen in der Leipziger Oper betei­ ligt. Berühmte Dirigenten und Komponisten wie Alfred Szendrei, Hermann Scherchen, Carl Schuricht, Ernst Krenek oder Richard Strauss sorgten für ein weithin beachtetes Repertoire. Nach der kriegsbedingten Auf­ lösung des Orchesters 1941 begannen bereits 1945 die Bemühungen um einen neuen Aufschwung. Unter dem Dirigat von Hermann Abendroth wurde das klassische Repertoire erweitert; Herbert Kegel erarbeitete ab Mit­ te der 1950er Jahre mustergültige Interpretationen der bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts. Die lan­ ge Reihe der Ur­ und Erstaufführungen setzten Ende der 1970er Jahre Wolf­Dieter Hauschild und später Max Pommer fort. Das MDR Sinfonieorchester gibt jährlich über 60 Konzerte, viele von ihnen gemeinsam mit dem MDR Rundfunkchor. Neuer Chefdirigent ist seit der Spielzeit 2007/2008 Jun Märkl.

Biografie Dmitri Schostakowitsch 1906 am 25. September (greg.) in St. Petersburg geboren 1915–1917 erste Kompositionsversuche 1919–1926 Studium und Klavierexamen (1923), Kompositionsstudium 1926 Uraufführung der 1. Sinfonie in Leningrad 1927 2. Sinfonie im Auftrag der Sowjetregierung 1928/29 Die Nase 1933/34 Lady Macbeth von Mszensk 1936 Prawda­Artikel „Chaos statt Musik“ gegen Lady Macbeth, als Folge Nötigungen und erzwun­ gener Verzicht auf die Ur­ aufführung der 4. Sinfonie 1937 5. Sinfonie, gilt als Rückkehr zur offiziellen Sowjet­Kulturpolitik 1938 Uraufführung Suite für Jazzorchester Nr. 1, Fertigstellung der 2. Suite für das neue Staatliche Jazzorchester 1941 7. Sinfonie unter dem Eindruck der Belagerung Leningrads 1945 9. Sinfonie – von offizi­ eller Seite kritisiert 1948–1953 zunehmend hef­ tiger von Stalin wegen „Formalismus“ attackiert 1953 Stalins Tod; zunehmende Anerkennung und Auf­ führungen im Ausland 1962 13. Sinfonie Babi Jar; Professor in Leningrad 1966 Herzinfarkt 1971 15. Sinfonie; weiterer Herzinfarkt 1975 stirbt 9. August

Hinweis Das Abschlusskonzert wird von MDR Figaro und Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet. Sendetermin MDR Figaro 17.03.2009, 20.00 Uhr Sendetermin Deutschlandradio Kultur 08.03.2009, 20.03 Uhr Frequenzen in Dessau-Roßlau MDR Figaro: 104,0 MHz Deutschlandradio Kultur: 97,4 MHz

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Programmübersicht und Preise Freitag, 27.02.2009 17.00 Uhr, Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau

FESTAKT ZUR ERÖFFNUNG

19.00 Uhr, Eröffnungsveranstaltung Musiktheater und Film-Live-Konzert im Anhaltischen Theater Dessau V1

„Figura et anima“ P remiere

Sonntag, 01.03.2009 V9

10.00 Uhr, Führung im Bauhaus Dessau

„Die Bauhauskapelle“ ¤ 5,00 (4,50)

V10 11.00 Uhr, Konzert im Schloss Köthen (Spiegelsaal)

G-Strings

¤ 33,00 (30,50); 26,00 (23,50); 20,00 (17,50); 13,00 (10,00)

¤ 15,00 (12,00)

Mit freundlicher Unterstützung der NORD/LB Landesbank für Sachsen-Anhalt

Mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld

ca. 20.45 Uhr Vorplatz Anhaltisches Theater Dessau

V11 13.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

Festliches Feuerwerk

zur Eröffnung des Kurt Weill Festes Dessau 2009

22.00 Uhr, Jazz im Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau V2

Friedhelm Schönfeld & Jazzwerkstatt Orchester ¤ 15,00 (12,00)

Samstag, 28.02.2009 11.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau) V3

„Tanzpaläste Dessaus der 1920er Jahre“ ¤ 5,00 (4,50) V4

14.00 Uhr, Führung im Restaurant Kornhaus

„Das Kornhaus“

„Das Musikhaus Olberg in Dessau“ ¤ 5,00 (4,50)

V12 15.00 Uhr, Puppentheater im Alten Theater Dessau

„Kafka. Amerika“ ¤ 20,00 (17,00)

V13 17.00 Uhr, Cabaret-Show im Anhaltischen Theater Dessau

„The Tiger Lillies‘ ,Seven Deadly Sins‘“ D eutsche E rstaufführung

¤ 33,00 (30,50); 26,00 (23,50); 20,00 (17,50); 13,00 (10,00) V14 20.00 Uhr, Szenisches Konzert im Bauhaus Dessau

„One Life to Live“

¤ 5,00 (4,50)

¤ 15,00 (12,00)

V5 15.00 Uhr, Festivalcafé im Steigenberger Hotel Fürst Leopold

V15 20.00 Uhr, Puppentheater im Alten Theater Dessau

„Nils Landgren im Gespräch“ A rtist- I n- R esidence 2 0 0 9

„Kafka. Amerika“ ¤ 20,00 (17,00)

¤ 6,00 (5,00)

19.00 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau V6

Angela Denoke & Tal Balshai Trio ¤ 30,00 (27,50); 23,00 (20,50); 17,00 (14,50); 13,00 (10,00)

22.00 Uhr, Jazz in der Halle des Elbe-Werks Roßlau V7

„Nils Landgren & Friends“ ¤ 28,00 (25,50)

Montag, 02.03.2009 V16 19.30 Uhr, Musicalkonzert / Podium junger Künstler im Kurt-Weill-Zentrum

„Rot wie Schnee“ ¤ 10,00 (8,00) V17

20.30 Uhr, Film im K.I.E.Z.

„Fünf von der Jazzband“ ( D

1931/193 2)

¤ 6,00 (4,50)

Mit freundlicher Unterstützung von Lotto Sachsen-Anhalt

V8

22.30 Uhr, New Sounds im Beatclub Dessau

Stereo Total ¤ 8,00 (6,00)

Dienstag, 03.03.2009 V18 19.30 Uhr, New Sounds / Podium junger Künstler in der Marienkirche Dessau

Cristin Claas Trio & Special Guest ¤ 24,00 (21.50); 18,00 (15,50)

Mit freundlicher Unterstützung der Kanzlei Markworth & Schwerdtfeger

V19

20.00 Uhr, Musikalische Comedy im Brauhaus

Trio Ohrenschmalz ¤ 15,00 (12,00)

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Programmübersicht und Preise Mittwoch, 04.03.2009 V20 19.30 Uhr, Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus

„Die blaue Stunde“

¤ 45,00; 39,00 (inkl. Menü und exkl. Getränke)

19.30 Uhr, Musikalische Comedy im Best Western Stadtpalais Wittenberg V21

Trio Ohrenschmalz

¤ 35,00 (inkl. Büfett aus der molekularen Küche, exkl. Getränke)

Samstag, 07.03.2009 V31

11.00 Uhr, Kinderkonzert im Johannbau

„Julius - der Flötenspieler“ ¤ 4,00 (2,00) V32

15.00 Uhr, Führung im Bauhaus Dessau

„Die Bauhauskapelle“ ¤ 5,00 (4,50) V33

15.00 Uhr, Konzert im Palais Dietrich

Flautando Köln ¤ 15,00 (12,00)

20.00 Uhr, Jazz in der Gründerzeitvilla Krötenhof V22

Ekkehard Wölk Trio ¤ 15,00 (12,00)

V34 17.00 Uhr, Tanztheater im Anhaltischen Theater Dessau

„Tango Palast“ W iederaufnahme vom K urt W eill F est 20 0 7

Donnerstag, 05.03.2009 19.00 Uhr, Hörspiel-Openair im Schwabehaus Dessau V23

„Hörspielwinter Sieben Todsünden“ ¤ 8,00 (6,00)

V24 19.30 Uhr, Konzert im Anhaltischen Theater Dessau

„Landgren meets Anhaltische Philharmonie“ ¤ 33,00 (30,50); 26,00 (23,50); 20,00 (17,50); 13,00 (10,00)

19.30 Uhr, Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus V25

„Die blaue Stunde“

¤ 45,00; 39,00 (inkl. Menü und exkl. Getränke)

Freitag, 06.03.2009 V26

10.00 Uhr, Kinderkonzert im Johannbau

„Julius - der Flötenspieler“ ¤ 4,00 (2,00)

V27 17.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

„Das Musikhaus Olberg in Dessau“ ¤ 5,00 (4,50) V28

19.30 Uhr, Jazz im Anhaltischen Theater Dessau

Monty Alexander Trio

¤ 30,00 (27,50); 23,00 (20,50); 17,00 (14,50); 13,00 (10,00) Mit freundlicher Unterstützung der DVV Dessauer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH

19.30 Uhr, Dinner mit Musik im Restaurant Pächterhaus V29

„Die blaue Stunde“

¤ 45,00; 39,00 (inkl. Menü und exkl. Getränke) V30

22.00 Uhr, Jazz im Bauhaus Dessau

„Sapporo meets Jasper van‘t Hof“ ¤ 15,00 (12,00) Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande

¤ 27,00 (20,00); 21,00 (15,50); 16,50 (12,50); 12,50 (10,00) Mit freundlicher Unterstützung der Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt

V35 19.00 Uhr, Musiktheater / Podium junger Künstler in der Marienkirche Dessau

„Das Wachsfigurenkabinett“ & „Berliner Requiem“ ¤ 20,00 (17,00); 17,00 (15,00)

V36 19.00 Uhr, Musikalische Lesung in der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld

„Ich wäre jetzt viel lieber zu Hause...“ ¤ 15,00 (12,00) Mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld

V37

22.00 Uhr, Jazz im Bauhaus Dessau

Music for a While ¤ 15,00 (12,00)

Sonntag, 08.03.2009 V38

10.00 Uhr, Führung im Restaurant Kornhaus

„Das Kornhaus“ ¤ 5,00 (4,50)

V39 11.00 Uhr, Kammerkonzert im Schloss Georgium (Tischbeinsaal)

„Classical American Songbook“ ¤ 15,00 (12,00)

V40 14.00 Uhr, Führung im Museum für Stadtgeschichte Dessau (Johannbau)

„Tanzpaläste Dessaus der 1920er Jahre “ ¤ 5,00 (4,50)

V41 17.00 Uhr, Abschlusskonzert im Anhaltischen Theater Dessau

MDR Sinfonieorchester

¤ 27,00 (20,00); 21,00 (15,50); 16,50 (12,50); 12,50 (10,00) Mit freundlicher Unterstützung der Stadtsparkasse Dessau

zusätzliche Veranstaltungen Weitere Informationen „Rund ums Kurt Weill Fest“ finden Sie auf Seite 71.

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Willkommen in Dessau-Rosslau 13 14

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18 19 Veranstaltungsorte 1.

Altes Theater Dessau Am Alten Theater 13 2. Anhaltisches Theater Dessau Friedensplatz 1 a 3. Bauhaus Dessau Gropiusallee 38 4. Beatclub Dessau Roßlauer Allee 3 5. Brauhaus „Zum Alten Dessauer“ Lange Gasse 16 6. Elbe-Werk Roßlau Hauptstraße 117–119, Stadtteil Roßlau 7. Gründerzeitvilla Krötenhof Wasserstadt 50 8. Johannbau (Museum für Stadtgeschichte Dessau) Schlossplatz 3a 9. K.I.E.Z. Bertolt­Brecht­Straße 29a 10. Kurt-Weill-Zentrum /Haus Feininger Ebertallee 63

11. Marienkirche Dessau Schlossplatz 12. Palais Dietrich Zerbster Straße 35 13. Restaurant Kornhaus Kornhausstraße 146 14. Restaurant Pächterhaus Kirchstraße 1 15. Schloss Georgium Puschkinallee 100 16. Schwabehaus Dessau Johannisstraße 18 17. Steigenberger Hotel Fürst Leopold Friedensplatz 1 18. Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld Lindenstraße 27, Bitterfeld­Wolfen 19. Schloss Köthen Schlossplatz 4, Köthen 20. Best Western Stadtpalais Wittenberg Collegienstrasse 56­57, Lutherstadt Wittenberg

Dessau-Roßlau-Card · freier Eintritt in 4 Museen und im Tierpark · freie Fahrt im Stadtgebiet mit allen Bussen und Straßenbahnen der Dessauer Verkehrs GmbH · ermäßigte Angebote für: Bauhaus, Meisterhäuser, Kurt­Weill­Zentrum, Moses­Mendelssohn­Zentrum, Technikmuseum Hugo Junkers, Stadtrundgang, Anhaltisches Theater Dessau, Fahrradverleih · gültig für 1 Erwachsenen und 1 Kind bis 12 Jahre

Tourist-Information Zerbster Str. 2c · 06844 Dessau­Roßlau Tel.: 0340 . 20 41 442 und 0340 . 19 433 Fax: 0340 . 20 41 142 www.dessau­rosslau.de

Diese Karte ist 3 Tage gültig / Preis: ¤ 8,00

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Hotel- und Privatzimmervermittlung Tel./Fax: 0340 . 220 30 03 touristinfo@dessau­rosslau.de www.dessau­rosslau.de

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Rund ums Kurt Weill Fest Ausstellung

„Caspar Neher – Zeichnungen zu Bühnenwerken Weills“ Eröffnung: 26.02.2009, 18.00 Uhr Ausstellungszeitraum: 27.02. bis 29.03.2009 Dienstag bis Sonntag, 10.00 – 18.00 Uhr Kurt­Weill­Zentrum / Haus Feininger, Ebertallee 63 (siehe Seite 8) Sonderveranstaltungen

Show-Acts im Rathaus-Center Als musikalische Einstimmung zum Kurt Weill Fest tre­ ten auf: Akkordeon Virtuosi, Roman Petermann am Kla­ vier und der Zauberkünstler Nico Haupt. Außerdem ist eine „Zwanziger Jahre Show“ zu erleben.

Führung Tourist-Information Dessau

„Kurt Weill – Stationen jüdischen Lebens in Dessau-Rosslau“ S TA D T R U N D FA H R T

Sa., 28.02. und 07.03.2009 jeweils um 10.00 Uhr / Dauer: 2 Std. Treffpunkt: Tourist­Information Dessau, Zerbster Str. 2c Tel 0340 . 20 41 442, www.dessau­rosslau.de

Führungen Bauhaus-Bauten

BAUHAUS-GEBÄUDE täglich 11.00 und 14.00 Uhr /Sa. und So. auch 12.00 und 16.00 Uhr Dauer: 1 Std. Treffpunkt: Kasse Bauhaus Dessau, Gropiusallee 38

MEISTERHÄUSER

Termin: 26.02.2009, 16.00 – 20.00 Uhr Rathaus­Center Dessau, Kavalierstraße 49

Di–So 12.30 Uhr / Sa. und So. auch 13.30 und 15.30 Uhr Dauer: 1 Std. Treffpunkt: Kasse Bauhaus Dessau, Gropiusallee 38

Bar & Lounge im Steigenberger Hotel Fürst Leopold

SIEDLUNG TÖRTEN

Das After­Show­Programm lädt zu einem stimmungs­ vollen Ausklang mit Live­Musik ein.

täglich 15.00 Uhr / Dauer: 2 Std. Treffpunkt: Stahlhaus, Südstr. 5

Kooperation des Kurt Weill Festes Dessau mit dem Steigenberger Hotel Fürst Leopold

Tel. 0340 . 65 08 251, www.bauhaus­dessau.de

Termine: 28.02., 01.,04.­07.03.2009, ab 22.00 Uhr Steigenberger Hotel Fürst Leopold, Friedensplatz 1

Führung Johannbau / Museum für Stadtgeschichte Dessau

„Traumtänzerball“

Bauhaus Dessau

Kurt Weill und Dessau

Musik: Dresdner Salonorchester Eine Veranstaltung der KAT Dance & Event GmbH im Rahmen des Kurt Weill Festes Dessau

Sa., 28.02. und 07.03.2009 jeweils um 14.00 Uhr So., 01.03. und 08.03.2009 jeweils um 11.00 Uhr Dauer: 45 min / ¤ 4,50 Treffpunkt: Kasse Johannbau, Schlossplatz 3 a

Termin: 07.03.2009, 21.00 Uhr (Einlass ab 20.15 Uhr) Restaurant Kornhaus, Kornhausstraße 146 Kartenpreis: ¤ 58,00

Tel. 0340 . 2209612, www.stadtgeschichte.dessau.de

Informationen und Tickets: info@danceundevent.de Tel. 03493 . 40 18 82 oder 03493 . 66 29 96

„DER VERGESSENE DICHTER - ELI ELKANA / DR. GEORG MICHELSON AUS DESSAU“

Führungen Agentur Reisewerk

„Gebaute Vision – Führung am ökologischen Modellbau des Umweltbundesamtes“

Lesung und Musik Klezmer­Musik: Chelesta

Fr., 27.02. und 06.03.2009, 17.00 Uhr Dauer: 60 min / ¤ 5,00 Treffpunkt: Umweltbundesamt, vor dem Haupteingang

Termin: 06.03.2009, 22.00 Uhr Essbar im Schwabehaus Dessau, Johannisstraße 18 Kartenpreis: ¤ 7,50

„Die Stadt der Wunden und Wunder – Stadtrundgang durch Dessaus wechselvolle Geschichte“

Die HardMoods (Dessau): Spontankompositionen, Grooves und mehr

Sa., 28.02. und 7.03.2009, 11.00 Uhr Dauer: ca. 100 min / ¤ 6,00 Treffpunkt: Tourist­Information Dessau, Zerbster Str. 2c

Ultimatives Abschlusskonzert im Rolling Art Termin: 08.03.2009, 20.30 Uhr Rolling Art, Eduardstraße 20 (Alter Schlachthof) Kartenpreis: ¤ 4,00

„Zwischen Toleranz und Vertreibung“ – Führung zur jüdischen Geschichte Dessaus Mo., 02.03. 2009, 17.00 Uhr Dauer: 90 min / ¤ 6,00 Treffpunkt: Schwabehaus, Johannisstraße 18

Nähere Informationen rund ums Kurt Weill Fest: www.kurt-weill-fest.de

Tel. 0340 . 6 61 48 56, www.reisewerk.de

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Veranstaltungsorte 1. Altes Theater Dessau Mit der Revitalisierung des Alten Theaters zum Kul­ turzentrum soll die Innenstadt Dessaus als kultureller und infrastruktureller Mittelpunkt der Region in enger Verbindung von künstlerischer und soziokultureller Aus­ strahlung aufgewertet werden. Im Erdgeschoss ent­ stand ein multifunktional nutzbares Eingangsfoyer. Zur Kavalierstrasse hin schließt sich eine gastronomische Einrichtung an. Der im 1. Obergeschoss vorhandene Saal dient als Spielstätte für das Puppentheater und verfügt über 140 Plätze. Im 3. Obergeschoss befindet sich die Studiobühne als Spielstätte für das Schauspiel. Am Alten Theater 13 06844 Dessau­Roßlau Tel. 0340­25 11 0

Anhaltisches Theater Dessau

2. Anhaltisches Theater Dessau Das Theater mit der Anhaltischen Philharmonie Dessau bedient mit ca. 500 Vorstellungen jährlich die Sparten Musik (Oper, Operette, Musical), Schauspiel, Tanz und Puppenspiel. Mit 1.095 Plätzen im Großen Haus, 150 Plät­ zen im Foyer und etwa 80 Plätzen im Studio sowie einer Gesamtbühnenfläche von 1.450 m2 ist es das größte The­ ater in Sachsen­Anhalt sowie Hauptspielstätte und enger Kooperationspartner des Kurt Weill Festes Dessau. Friedensplatz 1a 06844 Dessau­Roßlau Tel. 0340. 25 11 0 3. Bauhaus Dessau 1925/26 entstand in Dessau nach Entwürfen von Wal­ ter Gropius das berühmte Bauhausgebäude, in dem die ursprünglich in Weimar beheimatete Hochschule für Gestaltung eine neue Wirkungsstätte fand. Das Ensem­ ble aus Glas, Stahl und Beton entspricht der Idee seines Begründers: Die Form gehorcht der Funktion. Das Archi­ tektur­Denkmal wurde 1996 von der UNESCO in die Lis­ te der Weltkulturerbe aufgenommen. Gropiusallee 38 06844 Dessau­Roßlau Tel. 0340. 65 08 251

Bauhaus Dessau

4. Beatclub Dessau Der Beatclub ist eine Einrichtung des Fördervereins Junger Musiker. Er besteht seit 2001 und widmet sich der Förderung regionaler Nachwuchsmusik und der Jugend­ Subkultur. In der Region zählt der Beatclub zu einem der wichtigsten Veranstaltungsorte für Live­Musik. Jedes Wochenende finden dort Live­Auftritte statt. Roßlauer Allee / gegenüber UBA 06844 Dessau­Roßlau Tel. 0340. 66 14 014 5. Brauhaus „Zum Alten Dessauer“ Das 2001 eröffnete Brauhaus befindet sich im histori­ schen Sudhaus der ehemaligen Schade Brauerei. Mit der Wahl des „Alten Dessauer“, Fürst Leopold von Anhalt­ Sachsen (1676­1745), als Namensgeber des Brauhauses und der hauseigenen Biermarke entscheiden sich die Betreiber für die Wiederbelebung einer 300 Jahre alten Tradition. Lange Gasse 16 06844 Dessau­Roßlau Tel. 0340. 220 59 09

Brauhaus Dessau

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6. Elbe-Werk Roßlau Im Jahr 1844 bauten die Brüder Sachsenberg die vom Vater geerbte Schmiede zu einer Maschinenfabrik aus, das Elbe­Werk entstand. Zu den wichtigsten Produkt­ linien gehörten Dampfmaschinen, Ziegelpressen und Destillationsgeräte. 1866 erweiterten die Brüder ihr Unternehmen durch die Gründung einer Schiffswerft an der Elbe, der heutigen Roßlauer Schiffswerft. Nach der Enteignung der Gründerfamilie 1945 wurden der VEB Elbe­Werk und der VEB Schiffwerk Roßlau gegründet. Heute gehört das Elbe­Werk der Roßlauer Schiffswerft und ist seits 2008 Spielstätte des Kurt Weill Festes. Hauptstr. 117–119, Stadtteil Roßlau 06862 Dessau­Roßlau 7. Gründerzeitvilla Krötenhof Der Berliner Hofbaurat Ernst Eberhardt errichtete die feudale Villa 1887 im Auftrag des Tuchfabrikanten Albert Meinert. Nach langer Privatnutzung wurde sie 1947 vor­ übergehend zum Hotel, 1958 zog der Klub der Volks­ solidarität ein. Seit 2003 dient das Haus als Generati­ onen übergreifende Einrichtung der Stadtverwaltung Dessau. Wasserstadt 50 06844 Dessau­Roßlau Tel. 0340. 21 53 06 8. Johannbau (Museum für Stadtgeschichte) Der um 1530 erbaute Johannbau ist das einzige Gebäu­ de des ehemaligen Residenzschlosses Dessau, das nach dessen Zerstörung im Jahre 1945 erhalten blieb. Der sogenannte Renaissance­Flügel beherbergt seit 1999 das Museum für Stadtgeschichte mit der 2005 eröff­ neten Dauerausstellung Schauplatz vernünftiger Men­ schen – Kultur und Geschichte in Anhalt/Dessau. Schlossplatz 3a 06844 Dessau­Roßlau Tel. 0340. 22 09 612 9. K.I.E.Z. e.V. Der K.I.E.Z. e.V. ist ein sozio­kulturelles Zentrum im Gründerzeit­Viertel Dessau­Nord, das unter seinem Dach das einzige Programmkino der Stadt betreibt und dessen Café vor allem bei jungen Leuten beliebt ist. Gegründet wurde der Verein, der auch ein Projekt betreibt, um Kunst in den öffentlichen Raum zu brin­ gen, im Jahre 1991. Bertolt­Brecht­Str. 29a 06844 Dessau­Roßlau Tel. 0340. 21 20 32 10. Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger Lyonel Feininger lebte und arbeitete während seiner Tätigkeit am Bauhaus 1926 bis 1932 mit seiner Familie in diesem Haus. Beeindruckend an diesem Gebäude ist vor allem die Farbgestaltung, die das Ergebnis von gemein­ samer Arbeit der Bewohner mit der Werkstatt für Wand­ malerei des Bauhauses war. Restauratoren fanden 40 Farben an Wänden, Decken und Fußböden. Im bereits 1994 restaurierten Feiningerhaus hat heute das Kurt­ Weill­Zentrum seinen Sitz. Es ist die einzige europäische Dokumentationsstätte für Leben und Werk des Kompo­ nisten, der 1900 in Dessau geboren wurde, und wurde als ein „Kultureller Gedächtnisort“ mit besonderer nati­


Veranstaltungsorte onaler Bedeutung in das Blaubuch der Bundesregierung 15. Schloss Georgium aufgenommen. Das Schloss­ und Parkensemble ist der zweitgrößte Ebertallee 63 Landschaftspark im Dessau­Wörlitzer Gartenreich. Es 06846 Dessau­Roßlau wurde ab 1780 von Prinz Johann Georg von Anhalt­Des­ Tel. 0340. 61 95 95 sau errichtet und nach ihm benannt. In dem großzügig angelegten englischen Garten befinden sich zahlreiche 11. Marienkirche Dessau klassizistische Bauten, Kleinarchitekturen und Skulptu­ Die Schloss­ und Stadtkirche St. Marien wurde 1506­ ren, die im Einklang mit der Natur stehen. Das Schloss 1554 errichtet. Bereits 1523 wurde der von Ulrich von beherbergt heute die Anhaltische Gemäldegalerie. Schmiederg ausgeführte Bau nach katholischem Glau­ Puschkinallee 100 ben geweiht. 1534 hielt die Reformation in Dessau Ein­ 06846 Dessau­Roßlau zug, so dass auch Martin Luther hier predigte. Die im Tel. 0340. 61 38 74 Zweiten Weltkrieg nahezu völlig zerstörte Kirche wurde in den Jahren 1990­1998 wieder aufgebaut und wird heu­ 16. Schwabehaus Dessau te, auch im Rahmen der Kurt Weill Feste, als Veranstal­ Das verbliebene Ensemble um das heutige Schwabe­ tungsort genutzt. haus stellt den einzigen Rest der historischen Dessauer Schlossplatz Neustadt dar und ist somit ein unverzichtbares Doku­ 06844 Dessau­Roßlau ment der Stadtentwicklung. Das Fachwerkhaus wurde durch die bürgerschaftliche Mitbestimmung und Tat­ 12. Palais Dietrich kraft des Schwabehaus e.V. vor dem drohenden Abriss Fürst Leopold I. von Anhalt­Dessau hatte geplant, für bewahrt und denkmalgerecht saniert. Eine Vielzahl von seine drei jüngsten Söhne Moritz, Eugen und Dietrich Veranstaltungen haben das Gebäude zu einem festen Stadtresidenzen errichten zu lassen. Das Palais Dietrich Bestandteil aktiver Stadtteilkultur gemacht. wurde 1747­1752 erbaut. Als eines der wenigen histori­ Johannisstraße 18 schen Häuser überstand das Palais Dietrich den 2. Welt­ 06844 Dessau­Roßlau krieg fast unbeschadet.1987 wurde das Haus rekonstru­ Tel. 0340. 859 88 23 iert, um die Bestände der ehemaligen Landesbücherei, heute Wissenschaftliche Bibliothek der Anhaltischen 17. Steigenberger Hotel Fürst Leopold Landesbücherei Dessau aufzunehmen. Das Palais Diet­ Das Hotel befindet sich im Zentrum von Dessau, nahe rich ist ein bedeutendes Informations­, Bildungs­ sowie Theater und Bahnhof, und folgt in seiner Ausstattung Kommunikationszentrum der Stadt. den Grundsätzen des Bauhausstils: klar und sachlich, Zerbster Straße 35 mit mutigen Farbkombinationen und einem modernen 06844 Dessau­Roßlau Design. Im Rahmen des Kurt Weill Festes ist das Hotel Veranstaltungsort für Festivalcafés, Pressekonferenzen 13. Restaurant Kornhaus und beherbergt das Medienbüro des Festivals. Direkt an der Elbe gelegen, ersetzte das Ausflugslokal Friedensplatz 1 Kornhaus Ende der zwanziger Jahre eine bescheidene 06844 Dessau­Roßlau Schankwirtschaft in einem Getreidespeicher. Die Pläne Tel.: 0340. 25 15 0 stammten von den Bauhaus­Architekten Carl Fieger und Ernst Neufert. Finanziert von der Schultheiß­Patzen­ 18. Kreissparkasse Bitterfeld hofer­Brauerei, entstand ein zweigeschossiges Gebäu­ Lindenstr. 27 de mit Bierhalle, Sozialräumen, Restaurant, Tanzsaal, 06749 Bitterfeld Veranda und Elbterrasse, das 1930 eröffnet wurde. Auch heute ist das Kornhaus ein beliebter Ausflugs­ und Ver­ 19. Schloss Köthen anstaltungsort, der durch eine umfassende Sanierung Dank des Hofkapellmeisters Johann Sebastian Bach zwischen 1994 und 1996 behutsam in den Originalzu­ erhielt das Schloss Köthen Weltruhm. Der 1822 fertig stand zurückversetzt wurde. gestellte Spiegelsaal befindet sich im Ludwigsbau des Kornhausstr. 146 Schlosses und ist eine äußerst reizvolle Ergänzung der 06846 Dessau­Roßlau Spielorte des Kurt Weill Festes. Von Dessau aus erreicht Tel. 0340. 640 41 41 man Köthen in ca. 30 Minuten per PKW oder Bahn. Schlossplatz 4 14. Restaurant Pächterhaus 08366 Köthen / Anhalt Das Pächterhaus Dessau wurde 1743 erbaut und ist Tel. 03496. 21 40 68 75 das älteste Haus in Dessau­Ziebigk. Nach einer aufwän­ digen und liebevollen Sanierung kann man in gemütlich 20. Best Western Stadtpalais Wittenberg gestalteten Gutsstuben eine ganz besondere Atmo­ liegt mitten in der historischen Altstadt, direkt neben sphäre genießen. Für Genießer der guten Küche und dem berühmten Lutherhaus. Das Interieur des Desig­ des Weines ist das Pächterhaus in Dessau eine der ers­ ner­Hotels mit seinen 78 Zimmern, der Lobby mit Kamin ten Adressen in Sachsen­Anhalt. Alle Gourmet­Bibeln und dem Restaurant „Wittenberg Hof“ zeichnet sich bescheinigen dem familiengeführten Haus über Jahre durch die hochwertige Gestaltung mit Materialien der eine überdurchschnittliche Leistung Reformationszeit aus. Kirchstr. 1 Collegienstrasse 56­57 06846 Dessau­Roßlau 06886 Lutherstadt Wittenberg Tel. 0340. 650 14 47 Tel. 03496. 21 40 68 75

Schwabehaus

Restaurant Kornhaus

Marienkirche

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Weitere Sehenswürdigkeiten BAUHAUS-ARCHITEKTUR IN DESSAU ( A U S W A H L )

Öffnungszeiten Grafische Sammlung: Mo–Fr nach Vereinbarung Meisterhäuser Puschkinallee 100 Neben dem Haus Muche­Schlemmer und dem Haus 06846 Dessau­Roßlau Feininger / Kurt­Weill­Zentrum entstanden 1925/26 nach Tel. 0340. 61 38 74 Entwürfen von Walter Gropius weitere Häuser für die am Bauhaus tätigen Lehrmeister. Im August 1926, noch Museum für Naturkunde und Vorgeschichte vor der Eröffnung des Bauhauses, zogen Walter Gropi­ Das Gebäude wurde 1748–50 als Leopoldsdank­Stift us und seine Meister Lazlo Moholy­Nagy, Lyonel Fei­ errichtet und erhielt 1847 einen neuen Turmbau nach ninger, Georg Muche, Oskar Schlemmer, Wassily Kan­ dem Vorbild des Hospitals St. Spiritus bei Rom. Heute dinsky und Paul Klee in die als Wohn­ und Atelierhäuser sind hier ständige und wechselnde Ausstellungen zu den konzipierten Gebäude ein. Im Jahr 1996 wurden die noch Themen Ökologie, Mensch & Umwelt und Erdgeschich­ vorhandenen Meisterhäuser ebenso wie das Bauhausge­ te zu besichtigen. bäude von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen. Öffnungszeiten: Di–Fr 9.00–17.00 Uhr, Sa und So 10.00–17.00 Uhr Öffnungszeiten: Di–So 10.00–18.00 Uhr Askanische Straße 32, 06842 Dessau­Roßlau Ebertallee 59–71, 06846 Dessau­Roßlau Tel. 0340. 21 48 24 Tel. 0340. 66 10 934

Kurt-Weill-Zentrum / Haus Feininger

Gropius-Siedlung Dessau-Törten, Stahlhaus und Laubengang-Häuser Die Siedlung umfasst 314 Reihenhäuser von Walter Gropius aus der Zeit von 1926–1928. Das Stahlhaus ist ein 1926–1927 errichteter Experimentalbau von Georg Muche und Richard Paulick, der als Infopunkt für die Siedlung dient und eine kleine Ausstellung beherbergt. Von hier aus werden Führungen zu Musterwohnungen in den Laubengang­Häusern angeboten.

SONSTIGE

Das Umweltbundesamt Das 2005 eingeweihte Dienstgebäude des Umwelt­ bundesamtes (UBA) wurde nach einem Architekten­ wettbewerb durch das Berliner Büro sauerbruch hutton errichtet. Hohe ökologische Anforderungen an Bau und Betrieb, hohe Wirtschaftlichkeit, behindertengerechte Gestaltung und optimale Integration in den städtebau­ lichen Kontext waren die Zielvorgaben für den Neubau, Öffnungszeiten: Di–So 10.00–18.00 Uhr der sich als offenes Ensemble in eine neu angelegte Führungen: Di–So 15.00 Uhr, Parklandschaft einfügt. Charakteristisch sind die Form­ Südstr. 5, 06849 Dessau­Roßlau und Farbgebung des Hauptgebäudes, das als vierstöcki­ Tel. 0340. 85 81 420 ge Schleife angelegt ist, und die Integration verschie­ dener Kunstwerke. Foyer, Bibliothek, Besucherraum Moses-Mendelssohn-Zentrum und Ausstellungen im Forum stehen allen Interessier­ Das denkmalgerecht sanierte Haus in der Gropius­ ten offen. Siedlung ist heute Sitz der Moses­Mendelssohn­Gesell­ schaft e.V. und beherbergt u.a. eine Ausstellung über Öffnungszeiten Forum und Ausstellungen: Leben und Werk des deutsch­jüdischen Philosophen Mo–Fr 6.00–22.00 Uhr und der Dessauer Juden. Sa 6.00–16.00 Uhr So 8.30–16.00 Uhr Öffnungszeiten: täglich 10.00–17.00 Uhr Wörlitzer Platz 1 Mittelring 38, 06849 Dessau­Roßlau 06844 Dessau­Roßlau Tel. 0340. 850 11 99 Tel. 0340. 21030

MUSEEN & GALERIEN Anhaltische Gemäldegalerie Die berühmte Galerie im Schloss Georgium (siehe S. 73, Nr. 15) zeigt Werke des 16.–20. Jahrhunderts. Mit etwa 2.000 Gemälden ist u.a. die größte Sammlung altdeutscher, holländischer und flämischer Malerei in Sachsen­Anhalt zu sehen, darunter Bilder der Dürerzeit und Hauptwerke von Lucas Cranach. Weiterhin wer­ den herausragende Vertreter der deutschen Malerei aus Romantik und Biedermeier ausgestellt sowie eine umfangreiche grafische Sammlung im angrenzenden historischen Fremdenhaus. Öffnungszeiten Schloss Georgium: Di–So 10.00–17.00 Uhr

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Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. / Kurt Weill Foundation 17. Kurt Weill Fest Dessau (27.02.–08.03.2009) Veranstalter: Kurt­Weill­Gesellschaft e.V. und Stadt Dessau­Roßlau Das Kurt Weill Fest 2009 wird gefördert durch das Land Sachsen­Anhalt, die Stadt Dessau­Roßlau, die Kulturabteilung der Botschaft der Vereinigten Staa­ ten von Amerika und in Teilen durch die Kurt Weill Foundation for Music, Inc., 7 East 20th Street, New York, NY 10003. Schirmherren: Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident des Landes Sachsen­Anhalt Gesandter John M. Koenig, Geschäftsträger a.i., Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika Intendant: Clemens Birnbaum Persönliche Referentin des Intendanten: Maria Schenderlein Sekretariat: Erdmuthe Roepke Kurt­Weill­Gesellschaft e.V. / Kurt­Weill­Zentrum Ebertallee 63, D­06846 Dessau­Roßlau Tel. 0340 . 61 95 95 Fax 0340 . 61 19 07 weill­zentrum@t­online.de www.kurt­weill­fest.de Medienkontakt: ARTEFAKT Kulturkonzepte Celia Solf und Katja Wunderlich Tel. 030 . 440 107 23 während des Festivals im Medienbüro: Tel. 0340. 25 15 ­ 135 Fax 0340. 25 15 ­ 136 Marketing, Ticketing und Sponsoring: Roßdeutscher & Bartel GbR, Agentur für Marketing und Kommunikation Tel. 0341 . 21 24 662

besondere aber auch Sponsoren in der regionalen wie überregionalen Wirtschaft für das Kurt Weill Fest gewonnen. Die Verbindung des Festes zur Geschichte der Region und ihrer Bewohner hat es zu einem bestim­ menden Faktor der international bedeutsamen Musik­ szene Mitteldeutschlands werden lassen und erhöht die kulturelle Ausstrahlung der Region, die bereits durch das Bauhaus und das Dessau­Wörlitzer Gartenreich überregional gewonnen wurde. Der Kultur kommt damit in einer Region starker wirtschaftlicher Umstrukturie­ rung eine immer wichtiger werdende Rolle zu. Auf wissenschaftlichem Gebiet leistet die Kurt­Weill­ Gesellschaft e.V. mit Symposien, Vorträgen und ihrer eigenen Schriftenreihe „Veröffentlichungen der Kurt­ Weill­Gesellschaft“ (Verlag J. Metzler & Poeschel, Stutt­ gart, seit 2004 Waxmann Verlag, Münster, New York, München, Berlin) ihren Beitrag zur aktiven Weill­For­ schung. Geschäftsstelle der Kurt­Weill­Gesellschaft e.V. ist das Kurt­Weill­Zentrum in Dessau­Roßlau unter der Geschäftsführung von Clemens Birnbaum. Es befindet sich in dem 1925/26 nach Plänen von Walter Gropius erbauten Meisterhaus Feininger, das 1994 nach aufwän­ diger Restaurierung wieder eröffnet wurde. Seit 2008 hat Rechtsanwalt Thomas Markworth das Amt des Prä­ sidenten der Kurt­Weill­Gesellschaft e.V. übernommen.

KURT WEILL FOUNDATION FOR MUSIC, INC., 7 EAST 20TH STREET, NEW YORK, NY 10003 Die Kurt Weill Foundation for Music Inc. ist eine nicht kommerzielle, private Stiftung, gegründet, um das Ver­ mächtnis Kurt Weills (1900–1950) und Lotte Lenyas (1898–1981) zu bewahren. Diesem Ziel entsprechend, unterhält die Stiftung das Weill­Lenya Research Center für Wissenschaftler und Künstler. Sie vergibt Stipendien zur Unterstützung herausragender wissenschaftlicher und künstlerischer Aktivitäten, verwaltet Aufführungs­ rechte Weills und veröffentlicht in Zusammenarbeit mit der European American Music Corporation die Kurt Weill Edition. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage der Foundation unter www.kwf.org.

Technische Leitung: PND, Alexander Hirche, Arndt Sellentin KURT-WEILL-GESELLSCHAFT e.V. Die Kurt­Weill­Gesellschaft e.V. wurde 1993 in Des­ sau gegründet und hat sich laut Satzung zur Aufgabe gestellt, „das Andenken Kurt Weills in seiner Geburts­ stadt auf jede geeignete Weise zu erhalten“. Mittlerwei­ le hat sich eine internationale Vereinigung entwickelt, der rund 250 Mitglieder aus vier Kontinenten angehö­ ren. Sie engagiert sich mit Veranstaltungen und dem Aufbau eines Netzwerkes in der Pflege von Kurt Weills Biografie und Gesamtwerk, unter besonderer Berück­ sichtigung seines künstlerischen Umfelds und der von ihm initiierten Traditionen. Die Kurt­Weill­Gesellschaft e.V. ist Hauptveranstal­ ter des seit 1993 alljährlich Anfang März stattfinden­ den Kurt Weill Festes und hat in kurzer Zeit ein dichtes Netzwerk von Kooperationsbeziehungen zu wichtigen kulturellen Institutionen und Vereinen geschaffen, ins­

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Kartenservice / Impressum / Nachweise KARTENSERVICE KURT WEILL FEST DESSAU c/o Roßdeutscher & Bartel GbR Tschaikowskistr. 16 04105 Leipzig

Tel 0180.5564564 (14 Cent/Min.) Fax 0341.2124682 oder unter

27.2.–8.3. 2009

www.kurt­weill­fest.de

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Sie zahlen die Karten und eine Versandkostenpauschale in Höhe von € 2,­ · per Banküberweisung oder · per Lastschrift · per Kreditkarte (VISA, MASTER) nach Erhalt der Karten und der Rechnung.

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Alle angegebenen Preise sind Vorverkaufspreise inkl. aller Gebühren, Restkarten an der Abendkasse zuzüglich 10% Verkaufsgebühr. Ermäßigte Eintrittspreise (Angaben in Klammern) gelten für Schüler, Studenten, Auszubildende, Rentner, Schwerbehinderte, Arbeitslose, Wehr­ und Zivil­ dienstleistende bei Vorlage eines gültigen Ausweises. Karten sind von Umtausch und Rückgabe ausgeschlos­ sen. Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich. Die Abendkassen öffnen jeweils 1 Stunde vor Beginn der Ver­ anstaltung. Bitte beachten Sie, dass vorbestellte Karten bis 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn zurückgelegt werden.

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Parkett links Preis: 26 ,00 € (inkl. MwSt.)

Es gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Veranstalters. Das Fotografieren sowie Bild­ und Tonauf­ zeichnungen sind nur mit Genehmigung des Medien­ büros (siehe Seite 75) gestattet. Rabatt für Mehrfachbesucher Bei einer Kartenbestellung für mehr als drei Veranstal­ tungen erhalten Sie 10% Rabatt auf den Kartenpreis. Das Angebot ist nur bei einer schriftlichen Bestellung oder unter 0180.5564564 erhältlich. Vorkaufsrecht Nur Mitglieder der Kurt­Weill­Gesellschaft e.V. können bereits vor dem offiziellen Vorverkaufsbeginn Karten erwerben. Sind Sie an einer Mitgliedschaft interessiert? Tel. 0340.619595 weill­zentrum@t­online.de

IMPRESSUM Herausgeber: Kurt­Weill­Gesellschaft e.V. Stand: 12.02.2009, Änderungen vorbehalten Redaktion: ARTEFAKT Kulturkonzepte, Celia Solf Produktion: Roßdeutscher & Bartel GbR, Agentur für Marketing und Kommunikation

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Autorennachweis Originalbeiträge: Allmuth Behrendt, Jens Berger, Victoria Coeln, Alexander Franzen, Ute Gfrerer, Guido­Johannes Joerg, Stefanie Neumaier, Celia Solf, Uta­Maria Temme, Ursula Thelen Mitarbeit/Textfassung Interviews: Jörg Folta, Ulli Jünemann, Lotto Sachsen­Anhalt, Maria Schenderlein, Damaris Schmitz, Celia Solf, Stereo Total, Bernd Weißig, Ekkehard Wölk Bildnachweis S. 1: Thomas Markworth (Claudia Heysel), Clemens Birnbaum (Kai Bienert), S. 2: Nils Landgren (Jens Schlüter), Angela Denoke (Johannes Ifkovits), The Tiger Lillies (Lukas Hueller), Szenenfoto One Life to Live (Victoria Coeln), S.3: Monty Alexander (Peter Rickards), Bühnenbild UdK (Marion Fresis), Nora Chastain (Riegels Winsauer), S. 4: Wolfgang Böhmer (Presse­ und Informationsamt der Landesregierung Sachsen­ Anhalt), John M. Koenig (Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika), S. 5: Klemens Koschig (Archiv der Stadt Dessau­Roßlau), Wolfgang Angenendt (Archiv Lotto Sachsen­Anhalt), S. 7: Nils Landgren (Johan Bergmark/ACT), S. 8: Caspar Neher (privat), Axinia Schönfeld (Mehmet Dedeoglu/jazzwerkstatt), Friedhelm Schönfeld (Josh Werner Sellhorn), S. 9: Szenenausschnitte L’horloge magique (Collection Martin­Starewitch), S. 10: Ladislas Starewitch (Collection Martin­Starewitch), Kostümbildentwurf (Kerstin Schmidt), S. 11: Golo Berg, Mark Bowman­Hester (Claudia Heysel), Frank A. Engel, Kerstin Schmidt (privat), Ute Gfrerer (Carter Smith), Paul Dessau (Schott Music GmbH & Co KG), S. 12: Ulf Paulsen, Nico Wouterse (Claudia Heysel), Udo Scheuerpflug (privat), S. 13: Jazzwerkstatt Orchester (Mehmet Dedeoglu/jazzwerkstatt), S. 14: Friedhelm Schönfeld (Josh Werner Sellhorn), S. 15: Nils Landgren (Jens Schlüter), Kristallpalast, Tivoli, Kornhaus (Archiv der Stadt Dessau­Roßlau), S. 17: Angela Denoke (Johannes Ifkovits), S. 19: Tal Balshai Trio, Konzertaufnahme (www.talbalshai.com), S. 20: Nils Landgren (Steven Haberland/ACT), Elbe­Werk Roßlau (Jens Schlüter), Nina Ramsby (Nina Andersson), Johan Norberg, Sebastian Studnitzky (privat), Eva Kruse (Joerg Grosse Geldermann), Wolfgang Haffner (Biggi Sauer), S. 21: Stereo Total (Cabine), S. 22: Bauhaus (Janine Pohl), S. 23: G­Strings (Eberhard Starke), Schloss Köthen (Henner Fritzsche), S. 24: Franz Kafka (www. lifepr.de), Szenenausschnitt Kafka.Amerika (Lutz Edelhoff), S. 25: Szenenausschnitt, Bernd Weißig (Lutz Edelhoff), Franz Zaulek, Thomas Potzger (privat), S. 27: Szenenfoto Seven Deadly Sins (Lukas Hueller), Gruppenfoto The Tiger Lillies (bLUE), S. 28: Ute Gfrerer (Victoria Coeln), S. 29: Lichtprojektion (Victoria Coeln), Christian Koch (privat), Victoria Coeln (Laurent Ziegler), S. 30: Szenenausschnit Kafka.Amerika (Lutz Edelhoff), Maria Helgath (Johanna Diehl), S. 31: Maria Helgath (Johanna Diehl), Michael Gumpinger (Lucian Hilbert), Autogrammkarte Jenny Jugo (film.virtual­history.com), Filmfoto (DIF/ Friedrich­Wilhelm­Murnau­Stiftung), S. 33: Cristin Claas Trio (Nela König), S. 35: Trio Ohrenschmalz (Meiko Janke), S. 37: Jane Maturell (Kai Bienert), Pächterhaus (Thomas Roßdeutscher), S. 38: Pächterhaus (Jens Schlüter), Jens Baermann (Matthias Zeller), S. 39: Ekkehard Wölk Trio (Reza Poodat), Best Western Stadtpalais Wittenberg (Promo), S. 40: Ekkehard Wölk (Andreas Weise), Johannes Fink, Andrea Marcelli (Reeza Poodat), Gründerzeitvilla Krötenhof (Andreas Gruhn), S. 41: Nils Landgren (Jens Schlüter), S. 41: Anhaltisches Theater (Kai Bienert), Jeanette Köhn (Karin Alfredsson), S. 43: Monty Alexander (Tania Mara), S. 44: Monty Alexander, Hassan Shakur (Alain Nahigian), Hassan Shakur, George Fludas (www.eddywestveer.com), S. 45: Jasper van’t Hof (Sabine Jung), S. 46: Ulli Jünemann (www. ullijünemann.com), Christian Eckert (www.christianeckert.com), S. 47: Flautando Köln (Christina Feldhoff), S. 49: Szenenausschnitte Tango Palast (Jens Schlüter), S. 51: Gregor Seyffert, Mathias Wulf, Gabriele Kortmann (Claudia Heysel), Lothar Hensel (www.tangokultur. info), Kostümbildentwürfe (Gabriele Kortmann), S. 53: Probenfoto (UdK Berlin), S. 54: K.A. Hartmann (www.wissen.de), S. 55: Errico Fresis , Marion Fresis, Daniela Jordan (privat), Karoline Gruber (Thilo Beu), S. 57: Probenfoto (UdK Berlin), S. 58: Corinne Chatel, Denis Forget (BfZ), S. 59: Maria I. Cobo Méndez, Bernd Lambrecht (Claudia Heysel), Corinne Chatel (www.corinnechatel.eu), Stefan Sigg, Denis Forget, Tiny Schmauch (privat), Kurt Weill und Lotte Lenya (Weill­Lenya Research Center)S. 61: Music for a While (Yina Chan), Tora Augestad (Thomas Olsen), S. 63: Alexander Franzen (Jeanne Degraa), Jörg Daniel Heinzmann (Wolfgang Hilse), S. 64: Schloss Georgium (Archiv Stadt Dessau­Roßlau), S. 65: Daniel Schnyder (Anja Tanner), S. 67: Nora Chastain (Riegels Winsauer), Michael Sanderling (Christian Bard), MDR Sinfonieorchester (Archiv MDR), Dmitri Schostakowitsch (Archiv MDR), S. 68/69: Lotte Lenya/Kurt Weill (Weill­Lenya Research Center), S. 70: Fahnen (Kai Bienert), S. 71: Bauhaus (Thomas Roßdeutscher), S. 72: Anhaltisches Theater (Claudia Heysel), Bauhaus (Wolfgang Große), Brauhaus (Thomas Roßdeutscher), S. 73: Schwabehaus (Thomas Fischer), Kornhaus (Sebastian Kaps), Marienkirche (Thomas Roßdeutscher), S. 74: Kurt­Weill­Zentrum/Haus Feininger, Umweltbundesamt (Thomas Roßdeutscher), S. 75: Kurt Weill (Weill­ Lenya Research Center)


dank Die Kurt­Weill­Gesellschaft e.V. und die Stadt Dessau­ Roßlau, Veranstalter des Kurt Weill Festes, danken allen Partnern, Sponsoren, Förderern, Institutionen und Ver­ einigungen, insbesondere dem Land Sachsen­Anhalt sowie allen ehrenamtlichen Helfern für die großzügige Unterstützung.

Unser Partner Sparkassen-Finanzgruppe Mit freundlicher Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Sachsen-Anhalt gemeinsam mit

SACHSEN-ANHALT Anhaltisches Theater Dessau Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika DVV Dessauer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH Generalkonsulat der Vereinigten Staaten von Amerika Kanzlei Markworth & Schwerdtfeger Anna Krebs Kulturabteilung der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika Kurt Weill Foundation for Music, Inc., New York Roßdeutscher & Bartel GbR Stiftung Bauhaus Dessau

Sparkasse Dessau Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld Sparkasse Wittenberg

Wohnungsgenossenschaft e.G. Dessau Wohnungsverein Dessau e.G. Weiterhin danken wir Amt für Kultur, Tourismus und Sport Dessau­R0ßlau Anhaltische Gemäldegalerie ASC Autoservice­Center Dessau Beatclub Dessau Best Western Stadtpalais Wittenberg Joachim E. Bijick

unser Förderer

Brauhaus „Zum Alten Dessauer“ Richard Dammann Deutschlandradio Kultur Dr. Dornbach & Partner GmbH Erbengemeinschaft Prof. Caspar Neher / Erika Neher Maren Gerasch JKS Krötenhof Karosseriebau Dessau GmbH Karstadt AG Dessau K.I.E.Z. e.V.

unser Medienpartner

Elizabeth Lachmann Landesverwaltungsamt Sachsen­Anhalt Dorothea Linde­Jakob LEO – Das Anhalt Magazin Mitteldeutsche Zeitung Museum für Stadtgeschichte Dessau nH­Hotel Dessau Parkhotel Dessau

Unser Projektförderer

Polizeidirektion Dessau­Roßlau Rathaus­Center Dessau Restaurant Pächterhaus RSV Roßlauer Schiffswerft GmbH & Co. Schwabehaus e.V. Dessau Stadtbibliothek Dessau­Roßlau Stadtverwaltung Dessau­Roßlau Steigenberger Hotel Fürst Leopold Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen­Anhalt Universal Edition Wien Universität der Künste Berlin

unser kulturpartner


Informationen & Kartenservice

0180.5 564564 www.kurt-weill-fest.de

Magazin Kurt Weill Fest 2009  

„Round About Weill “ Die Musik des in Dessau geborenen Komponisten, Kurt Weill, war stark vom Jazz beeinflusst. Und umgekehrt, viele Songs v...

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